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BOSTON MEDICAL LlBRAKt
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# \ LIBRARY OF MEDICINE
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Centralblatt
fttr
CHIRURGIE
herausgegeben
von
Dr. L. Lissfir, Dr. I. Sckeile, Dr. E Tfllniaiiiis
in BerlU. in Berlin. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Leipzig,
Drnek nnd Verlag yon Breitkopf nnd Hftrtel.
1875.
OriginalinittlieUimgen.
Bldder^ Auch einige Worte über den MechanismuB der Brucheinklemmungen. No. 8,
p. 113.
Bnins« Zur Simo naschen Methode der unblutigen Erweiterung der weiblichen Harn-
röhre. No. 33, p. 513.
Genner^ Versuche za H fiter 's mechanischer Fiebertheorie. No. 13, p. 193.
Untersuchungen Qber den Hvalinknoxpel. No. 17, p. 257.
Glnrdy Mikroskopische Untersuchungen üoer den sogenannten blauen Eiter. No. 50,
p. 785,
Eoekf Ueber das Schwinden der Sensibilit&t in der Narcose. No. 1 1 , p. 162.
Koeher, Zur Lehre von der Brucheinklemmung. No. 1, p. 1.
KolMiek, Bacterien im normalen Blute. No. 13, p. 197.
LMseiy Neue Experimente zur Lehre von dem Mechanismus der Brucheinklemmung.
No. 3 und 4, pp. 33 und 49.
Lfieke, Ueber die Eigenschaft des Durchscheinens bei festen Geschwülsten. No. 29,
p. 449.
Bänke* Casuistischer Beitrag zur Lehre von der Brucheinklemmung. No. 32, p. 497.
Messungen des intraarticulftren Druckes am Kniegelenk des Lebenden. No. 39,
p. 609.
Bieunger^ Zur Aetiologie der Schenkelhalsfracturen. No. 52, p. 817.
BoMn Zur Vertheidigung der Bruoheinklemmungsklappen. No. 6, p. 81 .
Was bedeutet das Fehlen der Himbewegung bei olossliegender Dura. No. 11,
p. 161.
Zur Lehre von den Ghranulationskrankheiten. No. 27, p. 417, No. 31, p. 481..
' Bippenresection bei Empyem. No. 38, p. 593.
Nacntrag zur Rippenresection bei Empyem. No. 40, p. 640.
TUlnuuuiBy Ein Wort zur Li st er 'sehen nundbehandlungsmethode. No. 28 und
No. 29, pp. 433 und 451.
Untersuchungen über die LymnhgeflUse der Gelenke. No. 51, p. 801.
▼ogel, Fall von Syndactyliß geheut durch Dittel's elastische Ligatur. No. 12,
p. 177.
Zum Mechanismus der Tripperinfection. No. 42, p. 657.
WenheTy Chronische vollständige Dysphagie, veranlasst durch Verdickung des Ring-
knorpels. No. 30, p. 465.
Namenregister.
(Die mit * Teraehenen Seitenzahlen deuten auf Originalmittheilungen.)
A^dams 144. 682. 686. 747.
Aeby 262. 277.
Aflre 478.
Ahlfeld 12.
Akinvieff 269.
Albani 158.
Albert 508. 767.
Amory HO.
Amussat fila 364. 413.
Anderson 827.
Andr6 138.
Andrejew 779.
Andrews 255.
Anger 384. 448. 479. 735.
Annandale HO. 112. 128.
246. 511. 585. 589.
Arthur 128.
Ashhurst 784.
Ashton 496.
Augier 544.
Auapitz 41.
d'Azambiga 604.
830.
Baber 792.
Bachelder 431.
Baelz 278.
Baerensprung 680.
Bahrdt 30.
Bailey 780.
Baker 288.
Balch 495.
Ball 475.
Balmer 504.
Banga 478.
Bardeleben A. 741.
Barrow 384.
Barsow 711.
Barth 787.
Barton 830.
Bartow 414.
Barwell 126. 288.
T. Basch 93.
Battig 442.
Baumgarten 56. 671.
Beck 126.
Becker 107.
Beely 326.
Bell 751. 800.
Bellien 230.
Benazzi 284.
Benneu 448. 766. 816.
B^renger-Feraud 140.
Berens 134.
Berger 155. 699. 749. 829.
Bergeron 325. 698. 732.
Berghman 820.
Berglind 10.
Bergmann 129.
Berlinerblau 614.
Bernard 192. 826.
di Bemardo 256. 320.
Berndt 410.
Berns 200. 745.
Berthold 649.
Berti 606.
Beuck 669.
Bianchetti 608.
Bidder 79. 113. 507. 573.
692.
Bim 181. '
Bigelow 234. 554.
BiUroth 65.
Binz 267.
Biot 494.
Birch-Hirschfeld 91. 278.
Birkett 317.
Birnbaum 687.
Bizzozero 319.
Blanc 471.
Blozam 208.
Bockenheimer 12.
Boeckel 136. 816.
Bohn 305.
Boismarin 765.
Boisnet 718.
BoUinger 459. 494.
Bonniöre 5.
Bontemps 640.
Borland 459.
Borl6e 335.
Böse 582.
Bottini 58.
Bouchut 584.
Bouley 298.
de Bourilhon 30.
Bouteiller 783.
V. Braun-Femwald 778.
Braune 165. 545.
Breisky 304.
Bremond 188.
Bresgen 718.
Brickell 539.
Briggs 256. 320.
Broadbent 245.
Broca 223.
Brock 464.
Brodowski 421.
Browicz 43.
Brown 382.
Browne 575.
Bruberger 75. 293.
Bruehl 765.
Bruns, Paul 473. 513». 684.
Bryant 173. 248. 255. 286.
733. 736.
Bryk 185.
Byrd 831.
Buchanan 603.
Buchholtz 737.
Bucholtz 720.
Bück A. H. 246.
Bück G. 267.
Buddenbeig 676.
Budge Ben. 588.
Budm 280. 423.
Bulko 622.
Bull 715.
V. Buren HO. 576.
Burger 598.
Burnham 560.
Burow jun. 206. 443.
Burtonshaw 543.
Bussard 687.
Busch W. 281. 374.
Butcher 222.
BuU 343.
Oachet 189.
Calastri 572.
Callender 40. 283.
Callmeil 416.
Camison 368.
Campbell 635.
Capparelli 248.
Carmichael 800.
Cartaz 376.
Caspary 794.
Gasse 225. 358.
Cayley 366.
NuneBfegiiter.
Caim 95.
Ceiiaiy 550.
Chadwick 291.
Championni^re 768.
Chance 511.
Charcot 182.
Chardin 380.
Charies 780.
De la Chataigneray 383.
Chauvel 244.
Chenet 784.
Chesnay 190.
CheTalier 144.
Chiene 522.
Chouppe 505. 672.
Chrul 332.
Chvoatek 743.
Clarke 109. 798.
Clemens 119. 429.
Clemend 526.
Coats 158.
Cohnheim 812.
Colin 148. 381. 483. 499.
CoUey 699.
Cdaon 496.
Conrad 430.
Corley 287.
Cornii 471. 703.
da Costa AlTaxenga 554.
Conrty 367.
Cousins 176.
Coyne 280. 423.
Cremonesi 287.
Cripps 203.
de Uristofori
Cuffer 480.
Ckerny 70. 489. 493.
I>s]nmann 518.
Dansei 46.
Danphin 767.
Danscher 256.
Da?id 546.
DaTidson 221..
DaTy 208. 813.
DawBon 189.
DejMne 546.
Deininger 654.
Delens 295.
Delstanche 332.
D^marquay 31. 73. 127.
148. 216. 217. 380. 447.
Deneffe 66. 269.
Denison 621.
Deny 823.
Descaznps 364.
D^nneanx 239. 463.
D^fes 314. 425. 447. 521.
Desfes 270.
Dietl 441.
Dix 685.
Dobson 522.
Dolbean 62. 297. 317. 336.
Dowse 96.
Draper 128.
Dreschke 509.
Dubois 14. 125.
Bubreml 215. 445.
Dubrisay 624.
Duckworth 799.
Dnplay 520.
Dupont 592.
Durodi^ 632.
Ebennann 224.
Eberth 425.
T. Ebner 670.
Echeyerria 540.
Eck 103. 108.
Eckhard 664.
Eidam 575.
Eliaschewitsch 673.
Eldridge 414.
Elischer 312.
EUiot 832.
Emmert 556.
Enchaquet 823.
Englisch 80. 533.
Ensor 303. 750.
Erb 514.
Erichsen 255.
Escher 139.
Esmarch 77.
Essig 22.
Evans 814.
y. Ewetzky 260. 790.
S^agan 448. 592.
Faucon 476.
FayoUe 223.
Fayrer 634.
Fehling 461.
Feltx 199. 487.
F61ix 531. 831.
F^lizet 366.
Fergnsson Me. Oill 283.
463.
Femandes 141.
Ferner 222. 798.
Feser 180.
Fick, A. 708.
Fick, A. £. 366.
Fieber 285. 437.
Fiedler 157.
Fiensal 349.
Figueira 302.
y. Fillenbaum 528.
Fiorese 606.
Fischer H. 206. 404.
Fitch 518.
Fleck 737.
Fleischl 630.
Fleury 62.
Fok 21.
Fochier 172. 782.
Foet 413.
Foot 750.
Forbes 718.
Forlanini 564.
Fomet 85. 276.
Forster Cooper 252. 701.
Fester 348.
Foucras 415.
Foulis 565. 566.
Fourcauld 479.
Fouresti^ 318.
Franzolini 567.
Fredet 384.
Freund 679.
Friedberg, H. 45.
Friedländer 55.
Frisch 209.
Fröhlich 11.
Fuck 431.
Farbringer 343. 495.
Fürst 329.
Gi-aethgens 531.
Oallard 318.
C^mgee 494.
Oarbi 639.
Garyens 569.
Oascoyen 94.
Gaule 680.
Gay 746.
Gayraud 782.
Geber 311.
Gehrung 224.
Geissei 603.
Gensmer 193*. 257».
Gherini 222.
Giacomini 27. 88.
Gilbee 367.
Gillette 336.
Gilmann 72.
Girald^s 204.
Girard 785.*
Glaeser 191.
Goodall 575.
Gosselin 64. 80. 774.
Graefe 506.
Green 176.
Gr6hant 488.
Griffini 124.
Griyet 265.
Grossmann 379. 608.
Grube 650.
GrOnfeld 732. 783.
y. Gudden 343.
Gu6rin, A. 600. 707.
Guensburg 687.
GueterbodL 219. 496.
Guibout 315.
Guillaumet 312. 573.
Gurbski 831.
Gurit 821.
GuBsenbauer 448. 524. 692
Guttceit 341.
Guyon 537.
Guyot 240.
Haab 275. 805.
Haag 623.
Hack 828.
Hafiter 125. 543.
VI
NamenregUter.
Hagedorn 704.
Hagen 142. 363.
Hamilton 42. 797.
Hannover 563.
Hanot 298.
Hanow 495.
Hansen 806.
Hardie 682.
Hartmann 522.
Hanrey 606.
Hasse 745.
Hatry 271.
Hayem 149.
Haynes 13.
Heath, 0. 317. 590. 800.
Heath, 6., 574.
Heaton 382.
Heine 271.
Heinze 159.
Heinzel 712.
Heitier 472.
Heitzmann 25.
Henke 156. 308. 407.
Hennerici 270.
Henocque 409. 604.
Hertz 571.
Hervieux 654.
Heschl 708.
Heurteloup 638.
Hewett 288.
Heydenreich 32. 77. 512.
Heyder 173.
Heyfelder 505. 569.
Heymann 515.
Hickl 648.
Hül Berkeley 96.
Hildebrandt 297.
Hüler 137. 696.
Hirsch 668.
Hirschberg 125. 422. 474.
736.
Hirschfelder 478.
Hirschmann 681.
Hirtz 575.
His 502.
HodRe 207.
Hoffmann 763.
Hofmann, F. 26.
Hofmokl 415.
Hohenhausen 518.
Holmer 625.
Holmgren 613.
Horff 677.
Horteloup 729.
Hoselitz 94.
Hotz 190.
Howe 590.
Howse 700.
Hueter C. 86. 572.
Hulke 124. 223. 303. 319.
320. 414. 768.
HuU 239.
Humbv 126.
Humpnry 240.
Huppert 285.
Hutchinson 239. 255. 447.
576.
Hyde 11.
«Taccoud 543.
Jackson, A. 303.
Jackson R. 45.
Jacobi 69.
Jacobs 14. 326.
Jacobson 86. 677.
Jacoby 272.
Jaesche 732.
Jagetho 122.
Jakowicki 602.
Jakson, W. 111.
Jakubowitz 149.
James 443.
Jansen, A. 111.
Jastrow 831.
Jenscher 54.
Jerusalimsky 615.
lUing 349.
Johnson 671.
Jones 799.
Jourdan 430.
Jüdell 224.
JuUlard 462.
Jung 829.
Jurasz 364.
Justi 269.
ly&nchich 186.
Jversen 115.
ILalscheuer 681.
Kaposi 13. 168. 375.
Kappeier 131. 351.
Karpetschenko 717.
Karst 269.
Kaulbars 730.
Keith 360. 527. 556.
Kerr 240. 588.
Ketli 446.
Keyes 537.
Kirkwood 279.
Kirmisson 480.
Klebs 121. 470.
Kleinschmidt 245.
Klopotowsky 719.
Knapp 61. 96. 253. 254.
282. 285. 431.
Knoener 191.
Koch 17. 102*.
Kocher 1*. 328. 425.
Koehler 7.
Koenig 529.
Koester 675.
Kolaczek 197». 441.
Kolbe 740.
Koller 38 t.
Kondireff 237.
Kostareff 175. 264.
Kought 111.
Kowalski 709.
Krasnogliadow 238.
Krasnopolsky 269.
Kremnitz 59.
Krieg 586.
Krishaber 247.
Kroenlein 581.
Kronecker 628.
Krongold 256.
Krueg 717.
Kruk 815.
Krzykowski 78. 300.
Kulischer 277.
Kunze 759.
I^abb^ 296.
Laboulb^ne 655
Ladmiral 815.
Lafont 607.
Lailler 608.
Landau 118.
Landgraf 479. .
Land! 288.
Landsberg 490.
Landsberger 740.
Lane 557. 685.
Lang 311. 469.
y. Langenbeck 47. 617. 807.
Langenbeck, M. 72.
Langerhans 75.
Langgard 827.
Langton 334.
Lannelongue 187. 464.
Lansac 217.
Laptschinski 123. 192.
Laub 638.
Laurent 430.
Lawson 237. 365.
Leblond 327.
Lebouc^ 330.
Lecchini 28.
Le Dentu 247.
Lederer 382.
Lee 95. 557.
Lees 106.
Le Fort 428.
Lejeune 44.
Leiter 331.
Leopold 327. 461.
Lupine 798.
Lesser 135. 694.
Letzerich 74. 431.
Levis 719.
Levschin 112.
Lewin 157.
Liebermeister 753.
Liebman 566.
Lieven 45.
Lindner 520.
Ljacho witsch 142.
Loen 447.
Loewer 4S.
Lolini 190.
London 424.
Lorenz 143.
Loreta 145.
Lossen 33*. 49*. 292.
Lucae 794.
Namenregiiter.
vn
Ludrik 379.
Lacke 449».
Luke 813.
Luiid 202. 652.
Lyaakowsky 157.
Maas 111. 207.
Maberly 574.
Mac Oarthy 47.
Mae Cormac 174. 41h 511.
Mac Ewen 781.
MacchiaTeUi 607.
Mackenzie 80. 377. 532.
616.
>Iackey 811.
Maelaren 144. 350.
Macleod 364. 751.
Macrae 664.
Madelung 150. 329.
Malaaeez 40.
Malherbe 349.
Mann 11.
Mannel 59.
Marbouz 830
Marcacci 317.
Marcano 78. 155.
Marckwald 772.
St«. Marie 576.
Marquea 766.
Marsb 208. 231. 656.
Marshall 234.
Martin, R. 38.
Martinez del Rio 829.
Martini 46.
Martins 143.
Maschek 190.
Maschka 654.
Mason 542.
Massei 31.
Mathiews 415.
Mäander 668. 720. 761.
Maunoir 143.
MaYxicos 335.
Maver, S. 53.
T. Mayer 740.
Mayerhofer 32.
Mazsoni 241.
M^Donnell 831.
Mears 15. 238. 815.
M6hu 552.
Merunowicz 16.
Meusel 316. 333.
Meyburs 632.
Meyer, Max 363.
Michaelis 63.
Michel 222. 808.
Miffxiot 126.
MiUingen 141.
Milner 206.
Minnich 159. 160.
Miquel 430.
Miramond 316.
MitcheU
M6 574.
Mocquot 255.
Model 623.
Modnejewski 488.
MoeU 773.
Moldenhauer 80.
Möller 747.
MolUäre 159. 222. 299.
Moncoq 169.
de Mooy 16.
Mora 568.
Moreau 220.
Morice 477.
Moritz 715.
Moroni 608.
Morosoff 617.
Morris 317. 332.
Morton 15. 208. 561.
y. Mosengeil 704.
Mosler 591.
Mougeot 191.
Maller, J. 141. 517.
Maller 592.
Manchmeyer 553.
MulUer 580.
▼. Mundy 65«
MuSoz 111.
Marinoff 675.
Nancrede 301.
Nawrocki 758.
Neill 303.
Nepvea 275. 715.
Neuffer 271.
Nicaise 666.
NicoUdoni 44. 300. 534.
764.
Nieden 686.
Nitsche 775.
V. Nusshaum 235. 264. 759.
Obali^ki 43. 77.
Oberrit 62.
Odebrecht 295.
Oehme 757.
Oertmann 654.
O'Orady Stamer 313. 766.
Ohlemann 447. 585.
O'Leary
Ollier 262.
Ollivier 346.
Onimus 409.
Or6 814.
Ory 13. 352.
Osowicki 14.
Otis 560. 592.
Paget, J. 203.
Pajot 360.
Pamard 60.
Pantier 544.
Panum 457.
PapUlaud 413.
Parks 782.
Parona 214.
Paschen 218.
Pasteur 483. 499.
Pelliszari 223.
Peltier 159.
Pemberton 622.
Pepper 184.
Petersen 60. 795.
Petters 119.
Pflug 748.
Pick 816.
Pieni^iek 301.
Pineas 251.
Pippingsköld 108. 205.
V. Pitha 273.
V. Platen 776.
Podrazky 87.
Poggiale 483. 499.
PoUak 413.
Pollatochek 92.
Pollitzer 175.
Poncet 542.
Ponfick 289.
Poray-Koschitz 653.
Port 646.
Porter 14. 300. 447. 762.
Poulet 318.
Poupier 550.
Powell 268.
Pozzi 510.
Prevost 546.
Puglifese 78.
V. Puky 620.
Quist 771.
Rabe 410.
Rabitsch 656.
Rabuteau 440.
Radek 366.
Rajewsky 678. 760.
Ralfe 351.
Ranke 79. 207. 464*. 497*.
609*.
Rauber 122.
Ravoth 651.
Reder 61.
Rednik 541.
Regnault 781.
Rehm 192.
Reid 793.
Reisland 527.
Reiss 63.
R6naut 86. 742.
Reyher 117. 223. 308.
Rheinstftdter 623.
Richardson 124. 671. 799.
Riebet 64. 142. 366
Rickmann 559.
Riedinger 817.*
Riegel 267. .
Riemer 567.
Rindfleisch 724.
Rinteln 526.
Risel 655.
Riva 152.
Rivington413. 519.750.810.
Rixzoli 90.
vni
NtmgwtgMter.
Robertson 285. 60».
Kobens 652.
Kobin. A. 80. 703.
Rochelt 383. 384.
Roehlen 363.
Rohden 814.
Romi6e 365.
Rondot 667.
Rose 106. 761.
Roser 81 M51 Mfif8. 417*
481». 535» 593*
Rosner 735.
Rouge 8.
Rouget 261.
Roy 46.
Ruehle 717.
Rüge, P. 304.
Rupprecht 48.
Saemisch 506.
de SainlrGenniifi 95. 191.
543.
SalkowBkv 551.
Salomon 239.
Salzer 752.
Sander 595.
Sandri 319.
Sappe^ 132.
Sarrazin 708.
Satre 216.
Sawostitzky 175.
Sayre 809.
Scapari 29.
Schede 154.
Scheff 638. 807.
Scheffer 94^
Scherzer 16.
Scheuer 299.
Schiff 21.
Schklarewsky 749.
Schmid 564.
Schmidt 558.
Schmiedeberg 718.
Schneider 13.
Schnepp 797.
Schoeler 340.
Schrauth 824.
Y. Schroff 568.
Schtscherbinenkoff 294.
Schuessler 28.
Schuster 667.
Schwalbe 591.
Schwarz 554. 793.
Schweninger 591. 769.
SediUot 9.
S^e Marc 264. 666.
SeeligmOller 509.
Selinsky 653.
Semmer 213. 490.
SenfUeben 777.
Servel 331.
Servier 445.
Shellenberger 367.
Shilkin 774.
Sidlo 558.
Siedamgrotzky 549.
Silbermann 811.
Silvestri 29. 637.
Simmons 570.
Simon, G. 577.
Sims Mafion 536.
de Sinety 697,
Sinowieff 719.
Sioli 601.
Siredey 825.
Smithi Bl. T. 43.
Smith, Lewis 591.
Soborow 139.
Socin 787.
Solger 74.
Solokoff 705.
Sommerbi^dt 566.
Sonnenburg 25. 572.
Sotschawa 653.
Southey 798.
Spence 364.
Spencer 219.
Spiaggia 606.
Spiegelberg 461.
Spokeel 415.
Spruyt 305,
Stadtfeldt 636.
Stern 123.
Stetter 333.
Steudener 401.
Stewart 655. 698,
Stimmel 142.
Stoerk 31. 236« 833. 379.
Siokes 248. 446. 769.
Stolz 686.
Stroganow 780.
Stukowenkoffl40. 175.689.
Sturm 346. 543.
Suender 751.
Surmay 512.
Sydney, Jones 174. 240«
526.
Szeparowicz 175. 682.
rrairoff 331.
Tapret 784.
Tarchanoff 406. 532.
Tamier 768.
Taube 351.
Taylor, Bell 96. 672.
Taylor, Blair D. 15.
Teale 407. 432.
Teeran 352. 412.
Teissier 760.
TeriUon 366. 440. 491.
Thaden 587. 623. 688.
Thamhayn 82. 97.
Thierfelder 727. 755.
Thiemesse 358«
Thiersch 321. 3d8.
ThUo 663.
Thin 281.
Thoma 182.
Thomas L. 822.
Thomas, M. 411.
Thompson 61. 232. 428.
Thomson 800.
Thurn 300.
Tillaux 127. 314. 825.
Tillmanns 433». 451*. 801».
Tillot 605.
Tizzoni 680.
Torsujeff 622.
Tr^lat 127. 782,
Tudinlann 602.
Tuengel 342.
TumbuU 61.
XJhde 45. 366.
UUersperger 176.
Ubich 721.
Ultzmana 187,
Ulwersky 460.
Urbantsehitsdh 156.
Urdy 101.
Vajda 515.
Valerani 606.
Valette 282.
De la Vega 813.
Veh 630.
Veit 105.
Verga 181.
Verit^ 760.
Vernettil 146. 382. 446.
572. 687.
Vibert 299.
Vidal 671.
Viertel 645.
Vincendon 215.
Vogel, M. 177». 657».
Vogt 571.
VoULmann, R. 48. 353. 370.
616.
Voltolini 270. 460.
de Vos 816.
Vulpian 229.
T^ackerhagen 298. 335.
Wacquez 559.
Wagner, J. 719.
Wagstaffe 68.
WSlberg 462.
Walb 183.
Walmsley 304.
Walter 152.
Walton 656.
Warren 622.
Warren, Sawyer 76.
Watson 778.
Weber, N. 572.
T. Wecus 330.
Weichselbaum 679.
Weigert 756.
Weigmann 710.
Weinlechner 350. 380. 509.
Weir 463. 559.
Weiss 352.
Welcker 347.
Wepp 288.
Namenregister.
IX
Werdnig 376.
Wemher 465.
Wertner 351.
Weet 607.
Westohal 514.
?an Wetter 67. 269.
White 205.
Wüde 796.
Wfldt 538.
Wilhelm 349.
Wilkes 672. 830.
WiUard 575.
Wilfiame 96. 751.
Wilmart 272.
Winiwarter 148. 547.
Winternitz 41. 503.
WiBSoiewski 238.
Witt 94. 474.
Wittmami 277.
Wohlfarth 30.
WojUnski 265.
Wolff, I. 23. 364. 689.
V. Wolkenstein 472.
Woolverton 355.
Wood, H. C. 266.
Wood, John 160. 270.
Workmann 573.
Worm MflUer 641.
Woroschiloff 418.
Wreden 254.
Wright 463.
Wulckow 814.
Wyschinsky 720.
Zahn 429.
Zaufal 272.
Zech 728.
ZeiBsl 108.
Zenker 122.
Zielewicz 336.
Zsigmondy 73 J.
Sachregister.
(Die mit * yersehenen Seitenzahlen bezeichnen Originahnittheilungen.)
A.bdomen cf. Bauchhöhle.
Abscesse der Bauchhöhle 574. 698. 815.
der Knochen 774.
des Gehirns 350.
des Nasenrachenraumes 62.
der Leber 351.
der Niere 96.
metastatische 425.
Acne, Behandlung 443.
Adenocele 798.
Adenom der Niere 346 (cf. Tumoren).
AderlasB bei Amputirten 29.
Aerztliche Erfahrungen 341. 437.
Alealien, Wirkung 550.
Aleppobeule 311.
Alopecia chron. 251.
Amputation mittelst elastischer Ligatur
637. 639.
supracondyläre des Oberschenkels
763.
nach Syme448.
des Qebärmutterhalses 295.
Amputationen, Technik 293.
Amputationsneurosen 126. 233.
Ami)utationsstatistik240.411.561 (cf. Be-
richte) .
Amputationsstumpf, konischer 219.
Amylnitrit bei Facial-Neuralgie 814.
Anaesthesie, Beiträge zur 85. 826.
durch gleichzeitiRe Anwendung von
Chloroform und Chloral 276.
Verhalten der Pupille 280.
Aneurysmen, Pathologie und Therapie
43. 59. 173. 174. 2.05. 288. 303. 304.
333. 334. 380. 414. 415. 430. 463. 489.
494. 519. 657. 575. 607. 685. 701. 750.
766. 768. 797. 827. 832.
Angioma racemosum 43.
Angiome, cavemöse 43. 336. 342. 442.
Anheilen gänzlich getrennter Körpertheile
396.
Ankylose, knöcherne (Kiefergelenk] 74.
des Kniegelenks 720.
Anomale Drüsensecretion des harten Gau-
mens 158.
Anpassung der Oefässe an grosse Blut-
mengen 135.
Anthrax, Behandlung 316.
Antiseptica, Wirksamkeit auf niedere Or-
ganismen 148. 737.
Anus fistulosus cong. 752.
Eczem 760.
Prolapsus 543.
praeternaturalis 144. 216. 512.
Aphasie, traumatische 158. 332.
Apparat zur schmerzlosen subcutanen In-
jection 331.
permanenten Extension 336.
Argyrie 567.
Arnica-Tincturi giftige Eigenschaften für
die Haut 205.
Arsenvirkun^ 531.
Arteria brachialis, frühzeitige Theilung 28.
Arterien, Uebergang in Venen 614.
Arterienligatur, Gangraen 76.
Arterien Vereiterung 590.
Arthritis deformans 576.
Asphyxie 826.
Aspiration zur Entleerung der Harnblase
172.
und Thoracentese 335. 543.
Astragalus, Exstirpation 240.
Atlas, topographisch-anatomischer 165.
Atre8iaani287. 672. 752.
Atrophie der Muskeln, progressive 504.
546.
Augenffrund, Untersuchung 649.
Augenheilkunde, Handbuch der 506.
Axencylinder, Beschaffenheit des 630.
Sacterien 549. 696. 737. 756 (cf. Gährung,
Fäulniss, Antiseptica, Carbolsäure, Sa-
lic}4säure etc.).
m subcutanen Flüssigkeitsansamm-
lungen 275.
in Abscessen 325.
in Geweben 331.
im normalen Blute 197*.
im Schweiss 425.
Balg- und Schleimdrüsen, abnorme Secre-
tion 378.
Bauchhöhle, Abscesse 574. 698. 815. (cfr.
Unterleib.)
Becken, Maass- und Neigungsverhältnisse
329.
Carcinom 679.
Sachregister.
XI
Beiträge sur Chirurgie 353. 369.
Geflchwulstlehre 441. 470 (cfr. Tu-
moren}.
BeohachtnogeOp chirurgische 131.
Bensoes&ure , antiseptische Wirkung der
551. 737. 740.
Berichte, chirurgische 12. 57. 105. 201.
202. 214. 241. 279. 321. 337. 340. 353.
363. 369. 398. 603. 709. 787. 806.
Bienenstich, Tod nach«798.
Bisse, Einbringen von Flüssigkeiten ohne
Katheter 108
ausgedehnte 815.
Trichiasis 46.
Myom 448.
- congenitales Fehlen 62.
Enueerung durch Aspiration 172.
Injectaon in die 537.
bei Weibern zugängig zu machen
205. 380. 461. 513». 538. 577. 812.
Blasenentzündung, Behandlung 80.
Experimente über Pathogenese und
Behandlunj? 60.
Blasen-Uterusfisteln 152.
BLssenhala, Fissur 461.
Blasen-Scfaeidenfisteln 281. 831.
Blasenkrankheiten, puerperale 191.
Blssenpunction 80. 172.
Blasenschnitt «wegen Myom der Harnblase
448. cf. Lithotomie.
Blasensteine (cf . Lithotomie , Lithotripsie)
14. 26. 250. 313. 352. 384. 416. 623.
656. 688. 736.
BleikoUk, Behandlung 527.
Blutdruck und Pulsfrequenz 758.
Blutkörperchen, rothe ; Entstehung 213.
weisse 261. 388. 532.
Zählung bei febris recurrens 123. 192.
Extravasation 774.
Blutstillende Mittel 277.
Blutung, intraoculare 253.
tödliche bei Scharlach 830.
Brechmittel, experimentelle Untersuchung
über die Wirkung der 505.
Bromoform als Anaestheticum 440.
Bruch cf. Hernie.
Brucheinklemmung (cf. Hernien, Darm-
Terschluss), zur Lehre von der 1*. 33*.
49*.81*. 113*. 127. 191. 230. 292. 497*.
507. 535. 717.
Bruchschnitt cf. Hemiotomie.
Brustdrüse s. Mamma.
Brustrerletzung , penetrirende 302. 527.
654. 719.
Bursitis calcan. 381 (cfr. Hygrome).
der Kniegegend; Behandlung 797.
Calcaneus, Exstirpation 240.
Callus. Knochensplitter im 64.
Callusbildung 415.
Carbolsfture, Wirkung und Anwendung
der 13. 54. 363. 396. 567. 572. 737 (cf.
Antiseptica, Wundbehandlung).
Intoxication 813.
Csibunkel der Lippe 83 0.
Carcinom (cf. Tumoren und einzelne Or-
gane), Histologie und Behandlung 31 1 .
443.
des Mundbodens ; Exstirpation 139.
332.
der Zunge 585.
des Oesophaous 351.
des Penis 339. 416.
des Schädels 606.
des Uterus 720.
mit Elephantiasis Arabum 780.
im weiblichen Becken 679.
der Mamma 203. 650.
der männlichen Brustdrüse 270. 592.
des Omentum und des Nabels, eine
Hernie vortäuschend 252.
auf iupösen Hautnarben 617.
der portio vaginalis 566.
Carcinomatöse Geschwüre, centrale Ueber-
häutung bei 677.
Caries der Wirbel 44. 592.
Casuistik chirurgische 371. 437. 558. 806.
Catgut, Experimentelle Untersuchungen
über 40. 473. 687.
Centren der Gefössnerven 664.
Chinin , Wirkung auf die Contractionen
des Uterus 284.
bei Typhus und Septikaemie 267.
Wirkung 568.
Chirurgie, Lehrbuch der speciellen 529.
Compendium der operativen 598.
Chloral-Anaesthesie 66. 269. 814.
Intoxication 124.
bei Tetanus 430.
locale Anwendung bei Muttermunda-
geschwüren 256. 32u.
bei acutem Gelenkrheumatismus 584.
Anwendung in der Chirurgie 666.
Chloralaethylen 571.
Chloroform. Anwendung in der Chirurgie
17.
Anwendung in der Oeburtshülfe 360.
Vergiftung 30. 349. 363.
Choroidealsarcom 96.
Chylangioma cavernosum 679.
Circulation, venöse ; in den untern Extre-
mitäten 27.
Clavicula cf. Schlüsselbein.
Coccygodynie 560.
Coloboma bulbi 141. 221.
Colon, Strictur 830.
Colotomia lumbaris 559.
Commotio cerebri 5S4.
Compression der medulla spinal. 16.
Contagien, organisirte Natur 696.
Contuaio cerebri 253. 584.
Gontusion des Schädels 447.
des Perineum 830.
Contra ctur der Finser, Behandlung 735.
Cornea, Durchbruch der 3S2.
Fibroma lipomatodes 125.
Affection nach Durchschneidung des
Trigeminus 777.
Corpora cavernosa, in der Schneider'schen
Membran 554.
xn
Corpora caTcmosat Hypertrophie 24(^.
Verktsung 191.
Croton-Chloralhydrat, Wirkung 615.
Croup des LmryBX und der Traebe« 814. ef.
Diphtheritis, Tracheotoxnie.
Cysten, congenitale &7d (s. Tumoren und
einzelne Organe)« •
Cysticercus cellulos. 398.
Dammrisse 400. 539. 668. 782.
Darm, Myom des 223.
Fseudo-Einklemmung 282.
Darmbewegung, Hemmung der 93.
Darmcanal, Einfühlung gröwerer Wasser-
mengen 518.
Diphtheritis 760.
Darmperforation 63«
Darmsaitenligaturen 673. 675.
Daffmitenosen, klappenförmige 535.
Darmsteine, Analysen 552.
Darmverschluss 68. 78. 239. 270. 526. 5^7.
622. cf. Invagination.
Exploration der Bauchhöhle bei 432.
Darmwunden und Darmnaht 387.
Deglutitionahindemisee, sehne 465*. 555.
Dengue 310.
Dentingeschwülste 255.
Dentitiondurankheiten 175.
Dermoide 125 (cf. Tumoren und einzelne
Ornne).
DesinKctionsmittel, orffanische 515.
Diagnose metallener rrojeotUe mitteUt
Electricitftt 190.
Dickdarm, Verdauung u. Resorptiottim772.
IKgitaÜDWirkunff am Herzmuskel 718.
Diphtheritis, Behandlung 119.
des Larynx, der Trachea 814.
des Dannc.anals 760.
künstliche Respiration bei 671.
der Impfwonden 431 .
der Tonsillen. Abstossung einer Ton-
sille 74.
Distichiasis, Operationsmethode 520.
Distractionsmethode, Experimente 617.
Drainage des Douglas'schen Ranaies 72.
- dar Gelenke 154.
Druck, intraabdomineller 393.
Drüsen, vergrösserte, Behandlung 686^
Ductus stenonianus, Fisteln 269.
Duodenalgeschwüre bei Verbrennungen
248.
Dysphagie, Tcranlasst durch Verdickung
des Kingknorpels 465 *,
Kchinoeoecen 797.
der Leber 79. 191. 543. 655.
des Beckeneinganges 207.
der Knochen 645.
Ectopia Tesicae 656. 736.
Eczem des Anus 760.
Eierstock s. OTarium.
Einkapeekung von Kugeln 190.
Eisen, Einflass auf den Stoffwechsel 390.
Eher, Mikroskonische Untersuchungen
über den sog. blauen 785 *.
Eiterung, Untersuchungen über 389.
Eiweisakörper, Zersetzung im Vaouum 48&
Electricitftt bei Geisteskrankheiten 176.
bei DrüseBffeachwfllstea 349.
Electrolyee bei Hodentumoren 139.
Eiectropunctur des Herzens 229, 409.
Blectrotherapie 591. 728.
Elephantiasie Arabum 70. 634. 780. 831.
Elfenbeinsonde, biegsame 394.
Embolieen, traumatisoke 632.
Emphysem, tvamnatisches 686.
Empyem 302. 811.
Bippenresection bei 593*. 640*.
chinirgische Behandlung 109.
Enchondrom 591 (cf. Tumoren und ein-
zelnen Or^^ane).
der Speicheldrüsen 586.
des Fusses 272.
multiple 719.
Endoscopie der Urethra 732. 783.
Enteroraphie, Heilung der Darmwundem
naeh der 387.
Entleerung der Harnblase durch Aspira-
tion 172.
Entwicklung der Extremxtftten 308. 401.
der Qefilsee 330.
Entzündung, eryeipelatOae 137.
Entzündungsyersuehe am Knorpel 257*.
260. 790.
Epignathus 572.
Epiphysentrennung 47.
Epispadie 656. 736.
Epithel, Kittleisten 182.
Erfahrungen, ftrztliche 341. 437.
Ergotin, Physiologische Wirkungen 7.
266.
gegen vermehrte Milchsecretion und
Entzündung der Brustdrüse 294.
Injectionen bei Uteroefibromen und
Uterusmyomen 297.
bei Metrorrhagieen 793.
Erysipel, Behandlung 140. 149. 237. 349.
554.
265. 285. 305. 397. 591.
Einflusa auf chron. Hautkrankheitaii
265.
Aetiologie 813.
Erysipelatöse Enteflndung 137.
Erythem bei acutem Gelenkrheumatismus
349.
Esmarch'sohe Blutleere 45. 78.299.392.
628. 768. 793. 813.
Inaensibilitftt bei 244.
Ezarticulation des Femur 47. 142 (cf. Be-
richte).
des Fusses nach Syme 448. 828.
des Humerus 399.
Exostose, subunguale am Zeigefinger 13
(cfr. Geschwülste).
Exostosen, multiple 829.
Exatirpation (ef. Berichte) der Soapula
13. 32. .
des Oalcaneus und Astragalus 240.
der Zunge 711.
' des Kehlkopfs 807.
SaflnMUjntV'
xm
EiteniioB, Expenimeiite aber pen&an. 617.
KrtenMiwwftp|»fat, neuer 336. 621.
bei SdMuefiacturen des Ober-
eehoikek 77.
FasentoffbilduDg im Amptiibieii- mui
Vogeiblut 213.
FüdflüBeigkeiteB, Wirkung klerfiltrirt. 630.
Finbi», expeximentelle UDtenadiungeii
483. 488. 499. 630. 696. 737. 740.
IjbdxlieaorgMiiflnen, Verbreitung 209.
Ferner B. Oberaebeiikel.
FflineBle, Wirkung bei chinirg. Kxaak-
beiten 600.
Fene, statische Krankheiten 477.
ISifoiiia ( of . Tumoren und einzelne Organe)
lipomatodes der Homhaut 125.
Fibro-Molioseum 446.
Rflber, Philologie und Therapie 753.
Fiebertheorie, Versuche 193*.
FiQger, sdmeUende 749.
überzahlige 222.
verwaofaeene 832.
, Behandlung 735.
409. 196,
FSogerrerkrOmmung, Dupnytien'sche329.
FiMurdes Blasenhaises 461.
Fistehi des Mastdarms 90. 217. 698. 761.
768. 831.
der. Vagina 90. 217. 281. 831.
der Harnblase 152. 281. 831.
des Uterus und der Harnblase 152.
der Harnröhre 464. 560. 816. efr.
Stricturejs.
congenitale des Haisee 509.
des Ductus Stenonianus 269.
des Zahnfleisch und der Wangen 807.
Fhior albus 315.
Forciprecsiir 446.
Fncturen, Aneurysmen bei 430 (ef. Aneu«
lysmen.)
Lagenungsspparate 299.
des Schädels 9. 15. 30. 317. 365. 446.
447. 475. 766. 781.
der Nase 747.
der Wirbelsäule 255. 587. 672. 782.
des Seknlterblatts 383.
des Larynx 395
das Bfeemum 559. 810.
der Clavicula 295. 445. 760.
des Beckens 224. 480. 544.
des Humerus 703
des EUbogangelenks 43. 655.
des Olecranon 253. 283.
des Vorderarms 655.
- des Radius
der Uhia
des Schenkelhalses $ Aetiologie 817*.
der Oberschenkeltrocbanteren 272.
496.
des Oberschenkels 11. 42. 77. 222.
• 272. 367.410.476.708. 784.
der Patella 220. 223. 283. 428.
desUnterschenkels 475. 544.570.576.
816.
FraetuiMi, des CakaneuslNi.
bei Tabes 77.
spontane 78.
Fremdkörper im Gehörgang 222. 382. 78t.
in der Orbita 270.
im (Miim 285.
im Larynx, in der Traekea und im
Bronchus 31. 24«. 253. 270.317. 364.
365. 479. 782.
im Oesophagus 31. 126. 247. 495.
**— in der Lumbergegend 559.
in der Harnröhre 256. 608.
in der Blase 26.
in der Vagina 752.
im Mastdarm 816.
Furunkel, Behandlung 816.
Ursachen 490.
Fuss, doppeltgetheilter 714.
Enchondrom 272.
Exartieuiation naeh S yme 448. 828.
Fussamputationeu« partielle 240.
Oährung undFäulniss483. 488.499. 630.
696. 7 37 . 7 40 . cf . Bacterien, Microeoocen .
Galvanocanstik bei Tumocen \ti. Tumo-
ran) 296. 364. 379. 442.
GalTsskoeauetische Apparate 704.
Qalyanopunctnr bei Aortenaneurysmen
827. (cf. Aneurysmen).
Gangrän, kliniiche Beiträge 404. 6i08.
senile 527.
symmetrische 543.
-— ^ .der Finger 160.
des Voraerarms bei Mitralfehler 319.
nach Arterienligatur 76.
Gastritis phlegmonosa 608.
Gastrotomie 69. 239. 629.
Gaumensegel, Function des 794.
Gebärmutterhals, Amputation 295.
■ Cansinom 566.
Qeibimuttermaht beim Kaisenchnitt 105. '
Gefftsse, Entwicklung 330.
Anpassung an grosse Blutmmgen
135.
Stichwunden 761.
Gef&ssnerven, Centren 664.
Gef&sswände, Widerstand 148.
Gehirn, Abscaese 350.
Gehimbowegullg, fehlende 161*. 198.
Gehirnoommotion 584.
Gehimcontusion 253. 584.
Gehirnhautentsündung tranmatieehe 183.
Gehimmycose 478.
Gehimverletzungen , Lungenveränderun-
gen bei 472.
Gelenke, congenitale Bififormitäten der 430.
Lympfffefässe 801 *
Entwie&elung 308.
-«-^^ Drainage 154.
^-^ und Luftdruck 277.
Bheumatismus (der 29. 48. 188. 219.
349. 522. 759.
Histologie der 223.
patholog. Histologie 755.
Pathologie 218.
XIV
Sachregister.
Gelenkkrankheiten, Distraction bei 277.
Carbolsäureinjection 567. 572.
Massage bei 10. 474. 580. 820.
GelenkmauB 528. 751.
Gelenkmuskeln 38.
Gelenk-wunden, Lagerungsapparate 299.
Genu recurvatom 508
valgum, Behandlung 589. 700.
Geschwülste cf. Tumoren und einzelne
Organe.
Eigenschaft des Durchscheinens bei
festen 449 ^.
Metastasen 138.
Geschwöre des Unterschenkels 699.
bei Herzkranken. 155.
Behandlung 653.
des Muttermunds 256. 320.
Glaucom 474.
Glieder, künstliche 293.
Gliom der Retina 61. (cf. Tumoren).
Glossitis nach Erk<ung 159.
Glottis-Stenose, seltene 558.
Gonorrhoe, bei Kindern 32.
Behandlung 28. 816.
Mechanismus der Infection 657 *.
GranulationsentzQndung, yascularisirte 86.
Granulationskrankheiten, Aetiologie 417*
481* (cf. Wundkrankheiten).
Gummiaderpresse 395.
Gyps-Hanfschienen- Verband 326.
Gypsverband, modificirt94. 298. 731.
Haare, Transplantation und Implanta-
tion 769.
Haematocele, eiternde 751.
des Samenstrangs 335.
retrouterina 636.
Behandlung 380.
Haematoma auris 605.
Haematometra bei Uterus bicomis 79.
Haemorrhagieen , intrauterine, Behand-
lung 128.
Haen^ozrhoiden, Behandlung 685.
Halscysten 719.
Halsfisteln, congenitale 509.
Halsrippe, flberzählige 719.
Hand, Wunden 414.
Handbuch der kriegschirurgischen Tech-
nik 740.
der Krankenpflegerinnen 106.
Harnblase, s. Blase.
Haminfiltrationen 216.
Harnröhre, Stein in der 400. 688.
Endoscopie 732. 783.
Erweiterung der weiblichen 205. 380.
461. 513» 538. 577.577. 812.
Strictuien 110. 128. 187. 464. 495.
560. 575.783. 800. 816. cf. Urethrotomie.
Hamstoffbestimmung, neue Methode 765.
Eisteln 464.560.81 0.cfr. Urethrotomie.
Hasenscharte, Operationsmethode 494 . 799.
Haut, Tuberculose 56.
Resorption der 472.
Sarcom 671.
Function der 503.
Haut, Schwangerschaftsflecken 125.
Transplantation 96. 429. 648.
venöse Stauimff in der 41.
Hautfunction , Einfluss auf die Körper-
temperatur 4 1 .
Hauthor n der Sürne 128.
Hautkrankheiten, Behandlung 471.
vasomotor. Genese 479.
Pulver von Goa bei 471.
parasit&re 40.
Einfluss der Erysipele auf chron. 265.
Hautperspiration, Unterdrückung der 705.
Hautstörungen bei progressiver Muskel-
atrophie 504.
Hemiplegie 829.
Hemia diaphra^atica 159. 239. 415. 622.
Hernia femorahs mit Hydrocele 334.
Hemia umbilical. 784. 800. 815.
Operationsmethode bei eingeklemm-
ter 73.
Hernien, Klappenmechanismus bei 535.
Radicalheilung 72. 271.
Taxis bei eingeklemmten 271.
incarcerirte (cf. Brucheinklemmung,
Darmverschluss, Herniotomie) 64. 144.
248. 314. 319. 320. 346. 381. 383. 448.
495.701. 702. 768. 800. 815.
Casuistik 223. 256.
Herniotomie (cf. Hernien) 319. 320. 381.
495. 623.
im Kindesalter 231.
Herpes Zoster 13. 608.
Herz, Schussverletzung 78. 303.
Electropunctur 229. 409.
Herzmuskelbewegung 628.
Herzreizung 53.
Herzwunde 143.
Hitzschlag, Pathologie des 675.
Hoden, Zwischensubstans des 606.
Tuberkulose 680.
Hodenffeschwulst, geheilt durch Unter-
bindung der art. spermat. 187.
Hodenkrankheiten, 328.
Hodentumoren, Electrolyse bei 139.
Hornhaut, s. Cornea.
Hospitalbrand 759.
Haftgelenk, Form und Mechanik 564.
Anatomie des 347.
Haftgelenksverletzungen, Diagnose 248.
Humerus s. Oberarm.
Hydrocele, Behandlung 176. 239.
bei Leistenhoden 400.
bei Spermatocde 479.
Hydrophthalmus 681.
Hygrome 223.
der Bursa trochanterica 207.
Hypertrophie der corpora cavemosa 240.
des Knies 240.
der Oberlippe 317.
der vorderen Muttermundslippe 416.
Hypospadie 160.
Hysterie, Behandlung 285.
männliche 413.
Hysterotomie 101. 103.
SachregisteT.
XV
Ichthyosis Imgoae 463.
InctrcentioD, innere 537 (s. auch Darm-
renchluss).
Inciso^auterisator , thermo-gaWaaischer
656.
Infection, srphilitiache 94.
— patriae, experimentelle Unterra-
cbnngen 550.
Infectio^krankheiten, Mierococcen 168.
Injection, parenchymatöse 86. 94. 149.
— Apparat mrschmenlosen subcutanen
331.
Ton Carbolsäure bei Gelenk- und
Knochenkrankheiten 567. 572.
künstliche Emibrung durch subcu-
tane 717.
von Ergotin 622.
Ileo-Sacralffdenk. Verletsung 592.
Beaa beim Neugeborenen 272.
Impferysipel 305.
Instrument für Recto- Vaginalfisteln 127.
— für Blasen-Scheiden&teln 831.
zur Bestimmung der Färbekraft des
Wassers 583.
Instrumente und Bandagen 813.
Intercostal- und Bancnmusoulatur der
Wirbelthiere601.
Intraarticulfirer Druck, Messungen am
Kniegelenk 609*.
Invagination 526. 622 cf. Darmyerschluss.
fiauchschnitt nach 239.
Iridotomie 569.
Iris, Sarcome der 285.
Jaboiandi 267. 757.
Alcaloid 825.
lodtinctur bei Schw angerschaftsflecken der
Haut 125.
Kaiserschnitt 14. 105. 319. 687.
KllberUdmie, Aetiologie 459.
Katarrh der Nase 1 1 .
des KehlkoDfs 236.
der Vagina dl5.
Kehlkopf, Katarrh 236.
Untersuchung 649.
— Exatirpation 807.
KehlkopfschnittySelbstmordverauche durch
379.
Kiefergelenk, Ankylose 74.
Kittleisten des Epithels 182.
Klumpfuss, 156. 316.
Behandlung 445.
Kniegelenk, Ankylose 720.
Hypertrophie 240.
— Messung des intraartioul&ren Drucks
609».
— Wunden 816.
Kniegelenkschüsse, Behandlung 712.
Kmeschmen, cozitischer 366.
Knochen, Cohaesion dar 122.
Pathok»gie der 218.
— elastisches Gewebe der 86.
Widerstandsfähigkeit im todten und
lebenden Zustand 262.
Knochen, pathologisches Lftngenwachs-
thum 275.
Expansion 364.
Entwickelung und Wachsthum 23.
401. 689. 692. 805.
locale Atrophie 478.
Architectur der spongiösen 75.
Echinococcen 645.
Kugeln eingeheilt in den 87.
Knochenabscesse 774.
Knochenentsündungen der Perlmutter-
drechsler 692.
Knochengewebe, Verhalten im polarisirten
Lichte 670.
SLnochenkrankheiten 510. 567. 572
bei Ataxie 182.
Knochenreproduction nach subperiostaler
Resection 122.
Knochensplitter in Callus eingebettet 64.
Knochentranspiantation 235.
Knochentrennung, künstliche 524.
Knorpel, Entzündungsversuche 257^. 260.
790.
Structur des hyalinen 257*. 792.
Knorpelverkalkung^proTisorische 727.
Körpertemperatur, Einfluss der Hautfunc-
tion 41.
Kr&mpfe, cerebrale nach CarbolBiure-In-
jection 13.
Krankenhäuser, Bau, Statistik der 595.
Krankheiten der Ferse durch anhaltendes
Stehen 477.
des Hodens , Nebenhodens und Sa-
menstrangs 328.
des Warzenfortsatses 246.
Kreislauf in der Froschlunge 613.
Kriegschirurgie, Litteratur 11. 821.
Kriegs Verbandstudien 646.
Kropf, ef. Struma.
Künstliche Ernährung durch subcutane
Injection 717.
Künstliche Glieder 293.
Kugeln in den Knochen eingeheilt 87.
Einkapselung 290.
Kuh-Kumys, Bereitung 112.
Xjagerungsapparate für complicirte Frac-
turen una Gelenkwunden 299.
Lageveränderungen des Uterus, Behand-
lung 635.
LaryngologischeMittheilungen 159.443. 526.
Laparotomie 239. cfr. Kaiserschnitt.
Leoer, Punctioaen der 140.
Echinococcen 79. 191. 543. 655
Leberahscess 351 .
nach Kopfverletsungen 651.
Lebercysten 176. 521. 687.
Leberentzündung traumatische 460. 491 .
Lepra 424.
anaesthetica 664. 800.
Leuchtgas- Ver^ftung 326.
Liehen syphiliticus i24.
Lidpincette, verbesserte 254.
Ligatur (cf. Aneurysmen) der Carotis
communis 557. 638. 686.
XVI Saehrtgirttt.
Ligatur, der &rt. carotis ext. 150. Mastdarm, Polyp 782 (cf. Tnmoren) .
der Vena femoralis 66S. Fisteln 9Ö. 217. 698. 761. 768. 831.
der art. spermatica 187. Geschwidat 46 cfr. Tumoren.
-^— der art.linguaiis bei Zimgencareinom Instrument für Fisteln des 127.
554. Fremdkörper 816.
Ligaturen, animalische 134. MeduUa spinalis ef. Rückenmark.
elastische 96. 177*. 367. Methode, ohne Katheter Flüssigkeiten in
temporäre 473. die Harnblase zu bringen 108.
Lipome 366. 463. 493 (cf. Tum<Hren und die weibliehe Harnblase sugingig su
die einselnen Organe). machen 205. 380. 461. 51 3*. 538. 577. 812.
Lippe, Carbunkel 830. -^ — Augengnind, Trommelfell oder Kehl-
Lippenmusculatur 407. köpf gleichzeitig zu untersuchen 649.
Lithotomie 111. 416. 428. 448. 522. 528. Methyianiiin in der mikroskopischen Tech-
574. 751 . (cf . Blasenstein) . nik 47 1 .
acute eitrige Zellgewebsinfiltration Methylen, Tod nach Einathmen Ton 363.
nach der 732. Metrorrhagieen , Ergotininjectionen bei
lithotripsie 186. 297. 623. 798.
Lungencavernen, chirurgische Behandlung Micrococcen, Beziehung zu den Infections-
184. krankheiten 168. 550. cf. Bacterien.
Lupus, patholog.- histoi. Untersuchungen Milch , chemische Untersuchungen ver-
22. 281, 311. 330. 469. schiedener Arten 827.
und Tuberoulose 616. Milzbrand 92. 632.
Luxatio manus 32. Milzbrandbacterien 549.
humeri infraspinat. 222. Milzruptur 46.
humeri 255. 366. 425. 511. Milzschwellungen 91.
Luxation der Wirbel 397. Morphium-Intoxicationen 157.
des Sternum 810. Mundboden, Carcinom 139. 332.
^ oomplicirte des Ellbogengelenks Muscul. lerator ani, Function 588.
271. 511. 655 . Muskelcontraction , Wärmeentwicklung
der Ulna 735. 708.
des unteren Endes der Ulna 447. Muskeln, der Lippen 407.
des Metacarpo-Phalangealgelenks progressive Atrophie der 504. 546.
des Zeigefingers 620. Muttermundslippe, Hypertrophie 416.
des Daumens 575. 795. Mycosis cerebn 478.
der Beckenhälffce 592. Myeloid-Sarcom des Septum narium 542
des Hüftgelenks 31 !!. 336. 367. 425. (cf. Tumoren).
557. Myom des Darms 223.
der Kniescheibe 208. der Harnblase 448.
des Kniegelenks; angeboren 11 1.624. des Uterus 79. 297. 304. 461. 543. 831.
762. Myositis suppurativa 111.
des Medio-Tarsalffelenks 384.
des Astragalus 448. Nabel, Neubildungen 814.
des Penis 80. Hernie 73. 784. 800. 815.
Lymphadenom 671. Nachblutungen nach Arterienb'gaturen,
Lymphangiectasie und Lymphonhagie 119. Behandlung 203 .
121. Naht 94. 108. 384.673.
Lymphdrüsen, käsige Entartung 747. Narben, eingezogene, Behandlung 682.
Lymphdrüsenschwellungen, parenchymat. Narben oontracturen 398. 621.
Injectionen 532. Nase, Ulcerationen 126.
Lympngefösse der Gelenke 801*. Katarrh 1 1.
LymphgeAsssyttem 132. 406. 502. Nasenhöhle, Tamponade der 533.
Lymphom, malignes 547. Nasenpolypen 12 i, 366. 382.
Lymphome, multiple 190. m spontane Heilung 607.
Lymphosareom 547. Nasenrachenhöhle, chron. Erkrankungen
Lyssa 509. 654. 31.
Nasenscheidewand, M^loid-Sarcom 542.
IMCakrodactylie 62. Nebenhoden, Krankheiten 328.
Mal perforant 27. 28. 192. 684. 715. Necrose des Felsenbeins. 222.
Mamma, Carcinom der männlichen 592. Nervenverletsungen, trophische Störungen
Carcinom der weiblichen 203. 650. nach 672. 730.
Cysten 255. 798. Nervenzellen, TheilungSTOigänge 441.
Entzündung, Behandlung 247. 294. Neuralgie, behandelt mit Phospnor 245.
Mammillitis 431. behandelt mit Oelsemium 364.
Manägebewegungen 396. — ^ behandelt mitMorphium-Injectionen
Massage 10. 474. 580. 820. 273.
Sachregister. XVIf
NeDz^e, de« n. fuskis 814. Ftaotitis, epidemieoiieB Vorkomuea 413
de» nenr. mfrMiimziUaru 176. Penis, Caranom 339. 416.
j ^ ?*^ •**• "^ ^^^' ^**- Perforation des Wanenfortsatie« 48
der C^lenke 155. «aes Älteren Duodenalgeschwürs 576.
liZJT^^A *'»™*^« J*«- , , ,,, Perichondritis laryngea nacfi Variola 238.
Nearectonue des n. mandibnlans 44. 333. Pcrineorraphie 782. cf. Dammrisse.
Aenmn 447 (n. muMmlo-caUnens). Perineum, Contusion 830.
Ifemroaen, trophische und yasomotoriache Periostitis, Behandlung 204.
^^- ^ ^ phlegmon. 604.
— — nach acuten Krankheiten 829. maligne 16. ,
Niere, oongenitales Mnskel-garoom 812. Perityphütis, abscedirend 267.
NIerenabacess 96. > Periepitheliom 703.
iSÄSe n^- P-^equinus, Zustand des Rückenmari^s bei
Oberarm, Exarticulation 399. Phimosis, Circumcision 394.
Oberkiefer, Osteochondrome 573. iirw"^*?^" '^^K.. . .
congenitale Geschwülste 733. 734. ™ebarteriecta«ie 534.651. 764.
735. Phlebitis smuum durae matris 154.
Oberlippe, HypertropWe 317. varicöse 64.
Oberschenkel, Schussfractur-Wunden 77. :^rr ^^^^ ophüialmioae 541.
528. 761. Phlegmone der foasa iliaca 415.
ExarticuUtion 47. 142 (cf. Berichte). S^^'P^^'"?*^^« ^^\
Ocdusiona- Verband, antiseptischer 708. Pnosphor-Veraaftung, Sauerstoff bei 358.
Oedem, acutes purulentes 142 Pmcetten «ur Blutttüiung 823.
Oesophagus, Divertikel 509. Plattenepithel, Regeneration 385.
Stncturen 318. 495. 526. 559. S*"™? l^^'J^K
angeborene Trennung 431. PleuriUsche Exsudate, Behandlung 109.
cScinom351. ^^2. 302. 335. 543. 593* 635. 640».
Ohrunterauchung im polarisirten Lichte ,> V^\. v v « ...,^ .
142. PookenAhnluihe Gebilde in parenchymatö-
Ohri4j5pchen, gespaltene 282. •, Jf " Orp;anen 756.
Sarcom 667. "i*»® vagmaha cfr. Gebirmutteihals, Mut-
Onychie 189. 192. _ termund.
Operationen am hängenden Kopf 206. ftae putislsteine 429.
am Oberkiefer 106. Pfcol^»» ani, Bdiandlung 543.
larfoffoscopische 222. Prostata, Stein in der Proäata und Ham-
Operationslehre, chirurgische 822. t». •■f\®^^* .. «, .
Operationamethode für gespaltene Ohr- ™"tatahvpertrophie , Behandlung 58.
Iftppchen 282. ^1^- ^i». 23«. 640. 656.
Opium -Vergiftung erfolgreich behandelt f^otoplasma, Untersuchungen Ober 25.
mit BellÄonna 382. Pseudarthrose, Behandlung 300. 3Ä7. 464.
Opticus. Tumor 431 (cf. Tumoren). ^^\' „ ^
• — Verletsung 237. <**• Vorderarms 112.
OrbiU, pulsirender Tumor 413. Pseudo-Einklemmung des Darms 282.
Osteomalade 298. Paendo-GelenlarhaaaMtiamus bei Tuber^
Osteome 350. 478. eulöaer Diathese 268.
Osteotomie 48. 652. Puher yon Goa bei Hautkrankheiten 471.
Ostitis neoralg. 774. Pulafrequena und Blutdruck 758.
Otitis purulenta 520. Punctionen der Leber 140.
Owiencyaten (cf. Orariotomie) 623. Pupille, Verhalten gemi Curare , C&loro-
Ruptur 715. „ form und Chlorä 21. 280.423.
— - eiternde ; Operation 360. S?I?* ^«P««^"*»- "♦-
Onriotomie 14. ^5. 101, 189. 318. 366. 1°!*^ "Sfe»l*l- f ^•
399. 556. 702. 703. 767. Pyimie 572 (cf. Berielite).
Ofariom, Structnr 566. ;^-^ puerperale 157. 245.
Oiaena, chirurgische Behandlung 8. 604. Sf*™ 'SS^^iJ^'
605. Pylotus, Stnetv 830.
V^Sf^^^a^^^^ftf^' »whitisohe KnoehenaDfchireHungen
raluadenwanner 494. 301 *
l*2S^y"*?V' ^^<»^ 1 2*- Reaction auf amTloid-degenerirte Gewebe
PapiilomderSt£imritw80(cfr.Tumoi»n). 708. ^wowi^w^wwe
— derZuoge382. Raotum ofr. Maetdwm.
rsnnhimose, epikptiaohe AnftUe naoh Befleiw der Sehnen uid Muskeln 514.
**• Reflezwirkung 126.
«»
XVIII SaehngUter.
Iteisiing,eleetn8cb6, desSftugethierlienena Scapula, Exstirpation 13. 32.
53. Sch&del, Carcinom 606.
Beminiscenfen, krieeachirurgische 603. Schädelwachsthum, experimentelle Unter-
Reflectionen der Gelenke 563. 625. 639. suchungen 343.
640 (cf. Berichte). Schädelwunden 15.
Resultate im Kriege 129. Scharlach, acute Verblutung 830.
des Hüftgelenks 15. 207. 496. 511. Schenkelhals, Bau und Pathologe 234.
des Kniegelenks 208. 253. 411. 511. Schenkelhalsfracturen, Aetiologie 817*.
560. Schichtstaar, partieller 718.
des Fussffelenks 540. 571. 669. SchilddrOse, fizstirpation 778.
des Schulteigelenks 447. Schlangenbiss, Behandlung 73. 765.
des Ellbogengelenks 806. Schlangengift, Natur und Wirkung 393.
—* des Handgelenks 398. Schleimbeutel, Kalkconcremente 60.
partielle; oeider Oberkiefer 300. Schlundkopf-Musculatur, Function 808.
des Schulterblatts 206. Schiasselbein, vollständiger Mangel 351.
der Tibia und Fibula 16. 111. Schomsteinfegerkrebs 798.
Resorotion am menschlichen Zwerchfell Sehreibekrampf und analoge Zust&nde 796.
678. Schultergelenkverletzung, seltene 750.
Retinalgliom 61 . Schussrerletzungen 542.
Retropharyngealabscess 62. des Kopfes 349.
Rheumatismus, Behandlung mit Propyla- der Schulter 720.
min 48. des Kniegelenks 280. 763.
Rhinoplastik, Tod nach 238. der Tibia 368.
neue Methode 682. des Magens und der Niere 799.
Riesenzellen, Ursprung der 421. des Bediens 63.
Ringknorpel- Verdickung und Dyrohagie Schussyersudie , Mittheilungen aber 374.
465*, 391.
Rippenknoipelwunden, Heilung der 749. Schwefelkohlenstoff, Anwendung 312.
Rippenresection bei Empren 593*. 640*. SchweissanomaUeen, quantitative 676.
cfr. Thoracentese und Thoracotomie. Scoliose, Ursache und Behandlung 95. 215.
RoU 742. 721.
Rückenmark, Verlauf der motorischen und Scorbut531.
sensibl. Bahnen 418. des Zahnfleisches 638.
Compression 16. Scrophulose bei phthisischer Familienan-
Rückenmarksaffection, acute ; durch femun läge 663 .
cand. gebeilt 239. Sectio caesarea cf. Kaiserschnitt.
Rüdienmarksverletzungen, hohe Tempera- Sehnennaht 94. 384. S25.
tur nach 407. Selbstmordversuche durch Kehlkopfbchnitt
Ruptur der art. poplitea 750. 379.
der art. iliaca 784. Senfteig, Tod nach kunstwidriger Anwen-
der vMia popliCea 750. ^^% ^^'
der Milz 46. Sensibißtät, Schwinden derselben in der
der Ovariencysten 715. Narkose 162*.
Septikamie, Experimente 168. 199. 487.
idalicyls&ure, Alj^emeines über ihre thera- 550. cf. G&hning, Fäulniss.
peutischen Ißgenschaften 180. 343. Septik&mische Pleuritis 493.
517. 551. 737. 740. Pneumonie 518.
793. Seröse Haute, pathologische Histologie der
als Verbandmittel 321. 337. 755.
gegen. Dipktheritis 465. Shoc 145 (cfr. Berichte).
gegen Kalarrhe 495. Sita der Sprache 158.
ffegen Brandwuniden 622. Sonde, neue 462.
Salicylsaures Natron als Antifebrile 773. Sonde k dard 413.
Samen8trang,^HaemaiDcele 335. Speicheldrüsen, Enchondrom 586.
Krankheiten 328. Spina bifida 476.
Sarcome (cf. Tumoren und die einielnen Spondylitis, Behandlung 215.
Organe) 301. 302. 332. 490. 812. 831. Spongiosa, Architectur 75.
teleangiectatische 638. Sprunggelenk, Mechanik 61 .
•— ^ des Obrltopchens 667. Statistik , mathemat. Grundlagen der me-^
der Haut 67 1 . dioinischen 422.
-—^ der Iris 285. Steinrecidive (cf. Blasenstaine , lithoto-
— — * der weichen Schädeldecken 253. mie) 710.
Sauerstoff bei Phosphorvevgifhingen 358. Steinschnitt cf. Lithotomie.
Scalpimng durch Maschinen ^ l^rktinng 8t«thodKop, ein neues 460.
397. Stichwuncfen der Oberschenkelgeftsie 761.
Sachregister. XIX
Stoffwechsel , Einlluss des Auges auf den Transportmittel fflr Verwundete im Oe-
tfaierischen 776. birgskriege 376.
Strictnren der Hanup5hre 110. 128. 187. Trennunir des Hinterhaupts von der Wir-
464. 495. 560. 575. 783. 800. 816. bels&ule 206
des Oesophagus 318. 495. 526. 559. Trepanation bei Schädelfracturen 9.
des Colon 830. Tridiiasis vesicae 46.
«_ desPylonis830. Tripper cfr. Gonorrhoe.
Strama 238. 366. 377. 654. Trommelfell, künsüiche Perforation 719.
- — congenita 748. Untersuchung 649.
Succussionsgeräusch bei Abdominal-Tn- Trokart, modificirter 518.
moren 055. . „, , , Tuba Eustachii, Besichtigung 272.
Sutoren, galTsniache 108. dr. Wundnaht. Function 794. 808.
Sympathicus, acute traumatische Reisung Tuberculose 421. 724.
o-^- , V .. «. ImpfbarkeitlSl.
Symphysenspaltung während der Geburt künstliche Erseugung 55.
5 'S» und Lupus 616.
Syndactylie geheilt durch D i 1 1 e 1' s elas- der Haut 56
tische Ligatur 177». des Genito-Ürinarapparates 480. '
fy^OT^yrten 476. des Hodens 680.
I^ Xt y V^^^^ «W. Tu^«"^«! ' S^^^^ ^^d Entwicklung 564.
P«;f?ä[SSwt^«^r^^^ M««^.^>.u,m Tumoren (cf . einzelne Organe) 46. 1 59. 1 85.
—-Epitheltrübungen der Mundschleim- ^55. 286. 296. 365. 413. 431. 441. 447.
SIk.«^!««« 7-IO 4«2. 470. 527. 568. 572. 573. 607. 7ü3.
nistonseiie otuaien <7].
K!I!fi!5^.f:il,! 9-ft XJcberzÄhlige Finger und Zehen 222.
d^r^aJInÄ Uncipressur''446. '^
oer rateua iw. Unterkiefer, congenitale Geschwülste 733.
Tetanus traumaticus 78. 238. 312. 364. „ °®* ™- ,
413. 430. 477. 572. 606. 622. 718. ünterleibswunden 143. 144. 800.
idiopathicus 798. Unterschenkelgeschwüre, Behandlung 699.
Ilioracentese und Tho'racotomie 335. 593*. Untersuchung der Schwanaeren 12.
635. 640». (cfr. pleuiitische Exsudate.) H"^^^»'' ^?^^ gebheben 780.
mit Aspiration 335. 543. Ureter, Stncturen 399.
Thrombosen, traumatische 632. Ureter, Sondirun« 577
Thrinensackerkrankungen , Behandlung — - Verschluss der Mündung 602..
554, Ureterensteme 574.
Tibia, Sarcom 831. Urethra, cfr. Harnröhre.
Tonsillen, Anatomie und Pathologie der Urethralfieber 313.
$77. Urethrotome 224.
Tracheotomie 75. 317. 333. 682. Urethrotomie (cf. Harnröhre) 575.
bei Opiumvergiftungen 108. subcutane 412.
Trachom 141. interne, EndoBcopie 463.
Behandlung 681. Urin, blauer 703.
Transfdsion 123. 169. 171. 190.225.269. Ursachen plötriicher TodesftUe 494.
289. 291. 300. 331. 363. 457. 505. 569. Urticaria 553. ^ ^ ,. .
602. 606. 686. 717. 718. 745. 829. febnhs nach Apphcation ron Blut-
mit I^ammblut 123. 300. 717. egeln 327.
mit Ziegenmilch 590. Utero-Gastrotomie 536.
arteriell 591. Uterus, Epithel 697.
subcutane 666. Lageveränderungen 635.
bei fieberhaften Zuständen 200. Carcinom 720.
ihr Werth im Felde 75. duplex 224.
- und Plethora 641. bicomis 79,
und Autotransfusion 694. Fistel 152.
Transplantation Ton Haut 96. 429. 648. fibro-cystische Tumoren des 527.
und Implantation Ton Haaren 769. Flexionen des 778.
der Kwiinchenbindehaut in den Utarusfibroide, Onerationsmethode 59. 304.
Bindehauisack des Menschen 107. Utarusfibrome 779.
IVansport der im Felde Verwundeten und Ergotininjeetionen 297.
Kruken 65. Uterusfibromyom 79.
XX Sttchrcgiater.
Uterusknakhaiten belMudolt mit ferrvA WAttoverband dar Wunden 262. 376. 576.
candens 327. 707.
Utenismyome 543. 831. Wirbelcariet 44. &92.
kystiBohe 461. Wirbels&olen- VerkrOmmungen , Paiholo-
Enudeation 304. cie und Therapie 95. 216. 721. 809.
Injection von Ergotin 297. Wirbeherletiung 587.
Uteruspolypen 314. 512. Wundbehandlung 136. 264. 581.
Uterussarcome 287. antiseptisohe 82. 97. 117. 264. 321.
337. 392. 433*. 451* 582. 741. 816.
Vaccination, Tod nach 653. — Bleifolien bei der 393.
Yademeoum, med. -Chirurg. 396. Permanente Irrigation mit Alkohol
Vagina duplex 224. 264.
Fisteln 90. 217. 281. 831. Contiauirliehe Immenioa 5
Verletzungen 687. Wundheilung 552. 707. 708.
I - Varicen, Behandlung 699. 732. Wundkrankheiten, Aetiologie 86. 118.
4 — Operationsmetnode 234. Zur Lehre ron den 417*. 481*.
Varicocele, Behandlung 651. Wundnadel, neue 16.
Varix aneurysmaticus der Ellbogenbeuge Wundnaht 94. 108. 299. 384. 673.
806. Wundverband, Watte-WaMerglatTorband
Venenelasticit&t 545. 264.
Verbandlehre , Repetitorium der dürurgi- Wundverb&nde, yeraehiedene 264.
sehen 556. Wundvereinigung, Methode 299.
Verb&nde, tmyenrückbare 824.
Verblutung acute, bei Schariach 830. Zahnfleisch, Scorbut 638.
Verbrennungen 746. 775. Zahnfleisch- und Wangen-Fisteln 807.
Verdauung und Resorption im Dickdarm Zahnschmerzen , Natron bicarbon. gegen
772. 799.
Zehen, aberzihlige 222. 554.
l^achsthumshemmung 780. Zunge, Oareinom 585.
Wflrmeentwicklung bei der Muskelcon- Ezstirpation 711.
traotion 708. Ichthyosis 463.
Wanenfortsats, Krankheiten 246. Pi^om 382.
Perforation 48. Zwerchfell, Resorption am 678.
Watte-Re0piratear 653.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
heransgegeben
])r.L.L«, Dr. K Sckeile. Dr. I. TUlmaii;
in Berlin. in Halle a. 8. in Leipxig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgang« 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Pottanttalten.
Hi* 1. Sonnabendy den 2. Januar. 1876 1
lakalt: Kocher, Zur Lehre von der BracheinUemmung. (Original-Mittheilung.)
BouMrOy Behandlung der Wanden mit continuirlicher Immersion. — Koehlar, Phy-
siologische Wirkungen des Ergotin BonJean und des Ergotin Wiggers. — Rouge, Chirur-
gische Behandlung der Ozaena. — SldHIot, Trepanation hei Schädelfractnren. — BargliiMly
Massage. — FfdliCh, Zur Litteratur der Kriegschirurgie. — H|dt, SUtistik der Ober-
KhenkeU^»;taren. — Main, Pathologie und Therapie des Nasenkatarrhs. — Beckea-
htimer, Bericht. — Ahlfald, Technik der Schwangerenuntersuchung. — Kapoii, Zoster
reddivns.
ScfcaaMar , Exstirpation der Scapula. — NayaM, Cerebraler Ursprung der Krämpfe
nach Iigection von Oarbolsaure. -— Ory, Subunguale Exostose am Zeigefinger. — Porter,
Ädhaerenter Blasenstein. — Jacobe, Kaiserschnitt. — Ditboie, Oeowickl, Ovariotomieen.
— Norton, Meare, Casuistik. — Taylor, Fall von Hflftgelenksresection. — Merunowici,
Periostitis maligna. — Compresslon der medulU spinalis mit consecutiver allgemeiner
Atrophie. — de Mocy, Eine neue Wundnadel. — ScbortzOf, Seeundare Resectlon der
Tlbia und Fibula.
Zur Lehre von der Brucheinklemmung.
Von
Prof. Dr. Eoeher in Bern.
Aus einer Reihe von Versuchen, welche Herr Cand. med. Kör-
ber unter meiner Leitung anstellt, sei es gestattet, eine kurze Mit-
theUung zu machen.
Da die schönen Versuche von Lossen so leicht nachzumachen
nnd physikalisch so wohl begründet sind, so zweifelten wir zunächst
nicht an deren Richtigkeit, suchten aber die Wirkung der vorge-
schlagenen D Seitenbewegung a iiir die Taxis aufzuklären. Für diese
schien tuis die Lossen'sche Erklärung unzureichend. Denn wenn
man — wie Lossen annimmt — nicht im Stande ist, den Inhalt
der Schlinge ins obere Darmende zu entleeren, so wird von einem
»Abheben« der mesenterialen Darm wand des abführenden Endes von
1
-v*
2 Centralblatt für Chirurgie. No. 1.
der gegenüberliegenden auch nicht so ohne Weiteres die Rede sein
dürfen.
Wir machten Injectionen mit Wasser und Wachs nach Angabe^
sowie BPiit Gelatine, welche des langsameren Erstarrens halber besser
zu hfindhaben ist. Wir mussten uas nun bald überzeugen, daai in
der Seitenbe^egimg allein nicht clie f^ug|kwirl||ing clieier Metiiode
liegt. Fasst man nämlich die Schlinge au der Spitze und bewegt sie
sorgfältig nach der zufuhrenden Seite, so gelingt die Taxis nicht
immer. Uebt man aber an derselben zugleich einen Zug aus oder
fuhrt man die Bewegung so ai^^ dass ms^ die Scl^lin^e von der ab-
fuhrenden Seite her gegen die zuführende herüberdrfickt, so gelingt
die Entleerung sofort. Dabei ist es gleichgültige ob man auf die
abführende Seite des abführenden oder zuführenden Darmtheils drückt*) .
Ganz besonders exquisit aber ist die Wirkung der i»Seitenbe-
wQgunga^ w^nn man an Därmen experimentirt (un^e mei^tea Ver-
suche 8iii4 ^ menschlichen Därmen gc^macht, einzelne an Schweins-
därmen), bei welchen <d&8 Mesenterium erhalten ist. Fixirt man
I^^t^tres von der Bavtol^h^bliei&^it^ her, $Q enUeert sich bei &|Bite1i-
bewegung die eingeklemmt« Schlinge sofort. Allein man hat die
Seitenbewegung nicht einmal nöthig: man k^njp auch duJCph blps^en
Gegensug an der Spitze der Schlinge in der g^ebeben Richteng die
Entleerung herbeifuhren.
Endlich gelingt die Entleerung der Schlinge ai^sh ^hr sicher,
wenn man bei einfacher Compression derselben das zuführende Ende
in der Bauchhöhle nach der zuführenden Seite hin bewegt, resp.
wenn man von der abführendoii Seite her einen Druck auf da«#«ibe
ausübt. In letzterem Falle kann wohl von einer Abhebung der mesen-
tejHf^^ Wand des abführenden Darmenctes keine Rede s^in.
Vielmehr eigiebt die Beobachtung — und d«irch rasche Ersteming
von Wachspräparaten Btsst sich dies auch demonstriren, dass die Ge-
radestreckuug d€C meseuterialeu Wand de& zuführenden
Darmtheils im Bereich der Bruchpforte denjenigen
Druck a^fhebt^ welcher die Sinl^le^m^iung verschuldet.
Wenn man z. B. die Seitenbewegung der Darmschlinge macht, so
bringt man die mesenteriale Wand des zuführenden Theils ausserhalb
der Bruchpforte in die Sichtung deMclben Wand innerhalb der Bauch-
höhle. Die Seitenbew^ung hat aber ihre volle Wirkung nur, wenn
man die mesenteriale Wand dabei durch Zug anspannt oder wennman
sie direct im Bereich der Bruchpforte hinüberdrückt.
Macht man die Seitenbewegung des zufuhrenden Schenkels V^er-
halb der Bauchhöhle, so wird die convexe Ausbuchtung desselben
nach der abführenden Seite hin in die Richtung der BerührungsUuie
beider mesenterialen Wände der Schlinge gebracht.
Die »Seitenbewegung« wirkt alßo durch Aufhebung der Ab-
*) lobi spreche der Kürze halber einfack \qjx aJb^Qjxv^u^r upd zuführender Seite
der ganzen Dannschlinge, was wohl ohne Erklärung verständlich ist.
CwitralblaU fRi Cbinirgie. No. 1 . 3
knickung nach der ibfuhiende» Seite w odei Ui«wiind]i93g dieser in
eine ▲bkaiekuiig x\$ch der aufUhjrendeii Seile zu. Muse seho^ die
yon Ivosaen empfohleiie Taxis darauf kinweiseii^ dass die altre
Tbeoiie tob Busch ihre Geltung hat^ so lehren einige Versuche mit
CaoutBchok- Schläuchen > welche wir angestellt haben ^ dass sie ein
wichti^eB uvsäehücbes Moment bei des flinkleaunung darstellt. Läset
man unter zieoalich starkem Druck einer Wasserleitung Wasser durch
eine annähernd kleinfingerdicke Caoutsehuk-Diainröbre hindurch-
liessen^ welche in Form einer Schlinge durch ein 3 Cm. breites Loch
gesegea ist, so fliesst anfänglich dos Wasser mit Kraft aus dem ab-
fikarendei» Schenkel einfach aus. Hält man nun Iietftren an seinem
Eade :m (also gleiohsam in dei Bauchhöhle}^ so fängt das lUihr an
sich aufzublähen j erst ziemlich gletrhrnä^rig» dann an einzelnen
Stellnu mehr. Es gelingt aber leiditj die Dehniu^ so zu regpüiren,
dass sie gleichmässig an d^m zufuhrenden Schenkel vor und hinter
der Bmcdipforte eintritt und dann erst langsam nach dem abfiihr^iden
Ende fortschreitet. Wenn nun schon die Dehnung innerhalb und
ausserhalb der Brochpfbrte am zuführenden Schenkel weit über den
Duichmesaer der Bruchpforte gediehen und die Wand praU gespannt
iat, so fliesst bei NacUaas de» Verscbhisses stets noch das Wasser
kräftig aus. Es ist dies leicht erklärlich, weil ja von Anfang an
die Waasersänle und mit ihr der Druck sich durch das abfuhrende
Ende in der Bruchpforte hindurch bis zum Verschluss fortsetzt und
der neue Zufluss von Wassmr stetig und langsam geschieht. AUmälig
indsss wird der ausfliessende Wasserstrahl dünner, bi& von einem
geirissen Augenblick ab nichts mehr ausfliesst. Zu dieser Zeit ist
entweder die eingeklemmte Schlinge ganz ausgedehnt bis ins Niveau
der Bmchpiarte, oder nur der zuführejEKle Schenkel bis zur Spitze der
Schlinge»
Bei der geschilderten Form der Binklemmung ist der Druck im
Ulfuhrenden Schenkel in der Bruchpforte offenbar ungenügend, den
abfuhreiiden Schenkel zu verschliessen, vielmehr kann man sich über*
zengen^ dass der Verschluss durch Abknickung zu Stande
kommt und zwar in der Weise, dass die der Pforte anliegenden Theile
des zufuhrenden Schenkela sich so hochgradig nach den Seiten dehnen,
dass dear abführende Schenkel innerhalb und ausserhalb der Bruch-
pforte nach der Seite geschoben wird, bis die Knickung am
Rande des Bruchringes das Lumen verschliesst. Es ist sehr leicht
zu demoaetriren, welchem kolossalen Drucke die Knickung eines
Caoutschukrahres, selbst wenig über den rächten Winkel Widerstand
SU leisten vermag.
Beilegt jausi nach geschehener Einklemmung den zufuhrenden
Sdienkel ausserhalb und namentlich innerhalb der Bruchpforte nach
der zufuhrenden Seite hin, oder drückt man von der abführenden
Seite hex die gedehnte Wand desselben etwas zusammen, so fliesst
sofort wieder Wasser ab: die Abknickung mrd ausgeglichen, wäh-
rend an dem Drucke innerhalb der Bruchpforte nichts geändert, der-
1»
4 ^ Centralblatt fflr Chirurgie. No. l.
selbe ja im Gegentheil noch etwas vermehrt wird.
Es ist uns noch auf andre Weise gelungen^ die Rolle darzathun,
welche die Abknickung bei der Einklemmung spielt. Wir machten
statt eines einfachen Loches ein solches mit einer dünnen medianen
Scheidewand) wo von einem Verschluss durch Druck des zuführenden
Darmtheils auf den abfuhrenden innerhalb der Bruchpforte nicht die
Rede sein konnte. Auch so ist uns die Einklemmung gelungen —
wie der Durchschnitt lehrte^ durch Abknickung des abfuhrenden
Endes in Folge der Blähung des zufährenden Endes inner- und
ausserhalb der Bruchpforte. Freilich gelingt bei einer solchen Dop-
pelöfihung die Einklemmung ungleich schwieriger, zum Beweis, dass
die Blähung des zuführenden Schenkels in der Bruchpforte selber die
Abknickung in hohem Maasse b^ünstigt.
Wir kommen in Uebereinstimmung mit Busch*) zu dem Schluss:
1. Die Obturation des Bruches beginnt mit dem Ver-
schlusse des ausführenden Schenkels der Schlinge.
2. Dieser Verschluss erfolgt durch die Abknickung des
Darmrohrs am Bruchringe. Allein wir können seinem Satze
3 und 4 nicht beistimmen. Darin freilich stimmen wir mit Busch
überein, dass bei der Anfüllung des abführenden Schenkels der
Schlinge die mesenteriale Berühningswand wieder nach der zu-
führenden Seite verschoben wird, so dass sie schliesslich ganz
senkrecht von der Pforte aufsteigt, während sie anfanglich ^ als
blos noch der zuführende Schenkel der Schlinge sich füllte — nach
der abführenden Seite hin ausgebuchtet war. Auch dies kann man
an sehr elastischen Caoutschukröhren viel besser studiren, als an Där-
men, weil bei jenen der ganze Vorgang erheblich verlangsamt wird.
Es müsste also auch im Niveau der Bruchpforte die mesenteriale
Berührungswand von der abführenden Seite abgedrängt werden , bis
sie in der Mitte der Bruchpforte stehen bliebe, wenn nicht das Vor-
dringen des Wassers [resp. Darminhaltes) hier noch einen anderen
Widerstand fände, als weiter nach der Spitze der Schlinge zu. Los-
sen hat nun willkürlich angenommen, dass dieser Widerstand ein-
fach in dem vollständigen Zusammengepresstsein der Wände des ab-
führenden Schenkels durch den im zuführenden vorhandenen Druck
innerhalb der Bruchpforte liege. Wir haben noch einige weitere Ex-
perimente angestellt, um zu zeigen, dass dieser Druck allein zum
völligen Verschluss nicht genügt.
Zieht man über den zuführenden Schenkel innerhalb der Bauch-
höhle ein Rohr von unelastischem Zeug, so dass jener bis auf i — V^ Cm.
an die Bruchpforte heran nicht erheblich über den Durchmesser der
letzteren sich ausdehnen kann, so kommt es nicht zur Einklemmung.
Ebensowenig gelingt dieselbe, wenn man, ohne Berührung des in der
Bruchpforte liegenden Darmstückes durch ein senkrecht zur Ebene
der Pforte stehendes Stäbchen die Bliihung des zuführenden Schen-
♦) 8. Centralbl. f. Chir. 1874. No. 34
CentralblaU fQr Chirurgie. No. 1. 5
kels (innerhalb der Bauchhöhle) nach der abführenden Seite hin un-
mißlich macht.
Wir kommen demgemäss zu dem Schluss : 3. Die Abknickung
ist Folge der Blähung des zuführenden Schenkels, welche
innerhalb der Bauchhöhle den abführenden Schenkel im rechten Win-
kel von der senkrecht herabsteigenden mesenterialen Dannwand-
duplikatur der Schlinge abknickt.
Hierin liegt der Unterschied unserer Auffassung von derjenigen
von Busch, dass dieser Autor die Knickung ausserhalb^ wir inner-
halb der Bruchpforte finden, wir dieselbe durch die Blähung, resp.
den Druck im zufuhrenden Schenkel, Busch sie durch die Sireck-
bewegung der Schlinge erklärt.
Gegenüber der Auffassung vonLossen, nut welcher sie freilich
nahe genug verwandt ist, hat die unsrige einmal den Vortheil, dass
sie den Nutzen der »Seitenbeweguug« sofort klar macht, es auch be-
greiflich macht, warum ein gleichzeitiger Zug oder ein solcher allein
die Wirkung erheblich sicherer macht (indem die Streckung der mesen-
fceiialen Darmwand auch auf den geblähten Darm innerhalb der Bauch-
höhle einen Druck auszuüben vermag). Sie erklärt auch, dass ein
Druck von der abfuhrenden Seite her und zwar um so sicherer, je
weiter man den Finger in «die Bruchpforte einsetzt, die Reposition
bewirken kann.
Ein zweiter Vortheil liegt darin, dass in dem zuführenden Schenkel
nicht der ausserordentlich hohe Druck angenommen zu werden braucht,
welchen Lossen nöthig hat. Zum voUkonomenen Verschluss eines
mehr oder weniger elastischen Rohres* durch Compression braucht es
ungleich grössere Kraft, als zum Verschluss durch Abknickung. Es
bleibt demnach bei der Abknickungstheorie auch die einfache Gom-
piessionstaxis zu Ehren bestehen, deren Werth ich noch seit den
Lossen'schen Publikationen zu demonstriren Gel^enheit gehabt habe.
Ich darf schliesslich nicht unterlassen, beizufügen, dass bei Ver-
gleich der Experimente mit den Verhältnissen am Lebenden mit den
engen Bruchpforten und turgescenten Därmen nebst Mesenterium
man zu der Ueberzeugung kommt, dass verhältnissmässig häufig ein
absolutes Missverhältniss zwischen Inhalt und Bruchpforte bestehen
muss, so dass unter besonders günstigen Verhältnissen Darminhalt in
die Schlinge gepresst, aber sofort durch Faltung der Darmwände
(wenn man nach Roser lieber will: durch Klappenbildung] oder
durch baldige Schwellimg beide Darmlumina im Bereich der Bruch-
pforte verschlossen werden.
Bern, 15. December 1874.
Jl Bonniere. Du pansement des plaies par rimmersion
continue dans Teau alcoolisöe et pheniquee ä 30^.
(Le Mouvement m^oal 1874. No. 46.)
Nach günstigen Resultaten, die B. während der Belagerung von
Paris mit der Irrigation von Schusswunden und complicirten Frac-
\
6 Centtalblaltt für Chirurgie. Nö. 1.
tuten und wählend der Cotomune mit der Immemon obiger Ver^
letzungen in fliessendem Wasser erhalten^ führte er am 16. September
d. J. oineExarticulation nach Chopart «ns, wegen Oadeft der Me-
tatarsalknochen, des Kahn- und des Würfelbein« und ^war mit Ab*
tragung der Gelenkflächen des Talus und Calcaneus. Die Lappen wur-
den nach Einfährung einer Charpiewieke mit vier MetallligAturen
vereinigt und der Stumpf in einen Kautschnkbeutel gehüllt, der &ber
den Malleolen eng aüschliessend^ mit einem Zuleitungs- und einem
Abflussrohr^ ebenfalls aus Kautschuk, versehen war. Aus einem
etwa i Meter hoch über dem Stumpf ^igebrachten und auf ^0" er-
wätmrten Reservoir strömte eine Flüssigkeit^ die 10% Alkohol tind
1 pro mille Carbolsäure enthielt^ unaufhörlich durch den Beutel^ um
in einem untersteHteu Gef&ss aufgefangen bu werden. Verf. meinte
man könne dies Spfilwaisser nach Filtration und Erwärmung noch
mehrere Tage wieder benutssen(!). Klemmschrauben an den Schlau-
dien regeln Ab- und Zufluss der Flüssigkeit. Mit die^r Methode^
die als eine Combination von Immersion und Irrigation besseiclinet
wird , die aber besser als continuirliche Immersion in fliessendem
Wasser zu benennen wäre, erzielte Verf., wie viele Andere vor ihm,
einen günstigen Heilungsverlauf des Amputationsstumpfes : fast über-
all Vereinigung per primam intentionem, keine Eitersenkungen und
volle Vemarbune der Wunde bereits nach 12 Tagen. Weiteres wiM
über den Fat. nicKt mitgetheilt. — Die Vorzüge, welche B. diesem
besonders für Traumen von ihm empfohlenen Verfahren vindicirt,
sind nuir bu oft hervorgehoben, als dass sie der Wiederholung
bedürften. Es mag nur, um den Standpunct des Verf. bu
präcisiren, hervorgehoben werden, das^er in der fortwährenden Be-
spülung des Stumpfes mit gekochtem Wasser einen besseren »Schutz«
der Wunden vor der Luft sieht, als in" der Einhüllung der letzteten
in Wat^. Der Zusatz von Alkohol und Carbolsäufe • soll die Zer^
Setzung der Albtsminate hindern und die putride ta^ction unmög-
lidi machen. Ferner bedingt die strömende BewegQA§ des Wassers,
dass der Eiter fort imd fort weggespült werden soll, dass es also zu
keiner Stagnation desselben, zu keinen Eitersenkungen komme. End-
lich stellt es sich Verf. leidit vor, die Temp. des Wassers continuir-
lich auf 30^ zu erhalten und empfiehlt zu dem oben angegebenen
firehalt des Wassers an Antisepticis nach und nach aufzusteigen.
Auch die Constrictton des Gliedes durch den Kauts<^ukbeutel , da
wo er anliegt, sei ohne Gangrän zu bewirken, genügend um die
Gefasse zu comprimiren und secundäre Hämorrhagieen zu verhüten.
Also Occlusiwerband durch Wasserabschluss mit Rieselung, eine
Methode, welche in der deutschen Chirurgie schon seit einer Reihe
von Jahren die richtige Wärdigung ihrer etwaigen Anwendbar«-
keit geft&nden, und zwar auf Grund eines um&tsseftderen Btatislischen
Materials, als desjeviigen, über welches Verf. zu gebieten scheint.
Leseer (BeiüA).
Oentfalblätt füt Chitürgfe. No. 1. 7
H. Kdehtor. V*r^«icheiid- experimentelle Utitersuchtingen
über die physiologischen Wirkungen des Ergotin Bonjean
und des Ergotin Wiggers.
(Virch. Archiv 1874. Bd. LX. p. 384.)
IMe üh »£tgotim betiteltet! Substanzen äind nichts weniger als
rein dargestellte chemische VerbindttUgen, sondern Mischungen. Das
Ton Wiggers daij^estellte Eigotin entspricht der Summe aller im
Wasser unlöslichen^ das Ergotin Bon je an der Summe aller im
Wasser ISsIichen Bestandtbeile dei Mutterkornes. K. stellte eine
ter^Ieiehetide Ulitersuchung über die Wirkungen beider Extraote an.
Wir verzichten auf ein Referat über die zahlreichen mitgetheilteu
Ejiperimente und fheilen nur im Resum^ mit^ welches K. aus seinen
ÜMersuchungen zieht. Die Grgotine Bonjean und Wiggers
differiren nicht nur in fiiren LöslichkeitsyerhältniBsen^ sondern ' auch
in ihren physiologischen Wirkungen durchaus. Ergotin B. reizt die im
Hanen gef^imen Hemmnngscentren und das vasomotorische Centrum
in der MeduUli oMongata. Pulsverlangsamuiig , Verengerung des
Lumefis d<^r Arteriofen und Blutdruokssteigerung sind die Folgen
hiervon. Sehr grosse Dosen bedingen sofortige Herzlähmung^ wobei
auch die Herzmuskulatur für Inductionsströme unerregbar wird. Dem
Er^etin W. gehen diese Wirkungen gllnzlich ab. Dagegen äussern die
Besfandtlieile des I^zteteh Wirkungen^ welche denen der Narcotioa
acria an die Seite zu stellen ^nd. Nicht nur scheint die nach grossen
Gaben MüH^kom beobachtete Reizung der muoosa des Magens und
Darilis von dieser Einwirkung abzuhängen, sondern die mit Ergotin W.
veigifteten Thiere verfielen auch in tonische Krämpfe und wurden
durch heftige Ü<ynvulsi<men ersehütliert — Erscheinungen, welche
nach Einvedeibung auch sehr gros^r D<>sen Ergotin B. nie beobachtet
wurderi. Die Teinpetatnr setzen beide Ergotinspeeies herab; beide
beifing^ Meh Retardation der Respii^tion (E. W. energischer).
E. B. setzt die Erregbarkeit der peüpheren motorischen Nerven, wenn
es Mehr oder weniger direct damit in Beriihrung kommt, herab; £.
W. dagegen erhöbt ihre En^egbarkeit. Die Papille wird durch beide
erweiten ; doch Wurde auch Myosis beobachtet. ^ Beide Arten Eigotiti
vemthidetn c^ Erregboikeit der peripheren sensiblen Nerven; beide
äussern auf die «quergestreiften Muskeln keinerlei deletiren Einfluss.
Wo die geftsscontrahitende (hämosttitische) , polsverlangsamende,
tempetatur- und reflexherabsetzende Wirkung des Mutterkorns thera-
peufiseh Indicirt ist, wird man sich ausnahmslos des Ergotin Bon-
jean, in Welches keinetlei, die Eigenschaften eines Narcoticum äcre
zeigende Bestandtbeile der Drogue übergehen, zu bedienen haben.
Brgotin Wiggers ist ak Hätnostttticum unbiuochbaf und steht seiner
wharf nark^i^sch wirkenden Bestandtbeile wegen auch als temperatar-
und reflexherabsetzendes Mittel dem Ergotin Bonjean nach. Sofern
^tUBeidit die erik^ltte En^gbarkeit der peripheren mK>torischen Nerven,
welche die in Alkohol übetgehenden Bestandtbeih» des MutterkoriM
8 Cenfcralblatt far Chirurgie. No. 1.
bedingen^ bei der wehenbefordemden Wirkung des Mutterkorns eine
Rolle spielt^ dürfte, um Wehen hervorzurufen^ Mutterkorn in Sub-
stanz dem Ergotin Bonjean vorzuziehen sein.
Madelung (Bonn).
Bouge. Nouvelle methode pour le traitement chirurgical de
Tozene.
(Bulletin de la Societ6 medicale de la Suisse romande 1872. No. 10 u. 11. 1873.
No. 1. 1874. No. 10.)
Nach Yerf/s Ansicht handelt es sich bei Ozaena nicht nur um
eine putride Zersetzung stagnirender Eiter- oder Schleimmassen ; nach
den verschiedenartigsten Operationen in der Nasenhöhle^ bei Variola-^
Typhus- und Rotzgeschwüren habe man vielleicht einige Mal üblen
Geruch^ aber nie den charakteristischen Ozaenagestank beobachtet.
Dem Uebel liegt stets eine Erkrankung des Knochengerüstes der
Nasenhöhle zu Grunde. Verf. hat sie auch bis jetzt in jedem Fall
nachweisen können. Demnach ist eine radicale Heilung dieses lästi-
gen Zustandes^ wie man es schon vor Celsus wusste^ in den aller-
meisten Fällen nur durch einen operativen Eingriff zu erwarten.
Zwei Indicationen müssen aber durch die Operationsmethode er-
füllt werden:
1) Die weiteste Eröffnung der Nasenhöhle^ um eine gründliche
Besichtigung derselben und eine leichte Entfernung aller kranken Kno-
chentheile zu ermöglichen.
2) Die Vermeidung jeder Verunstaltung durch Narben am Gesicht.
Diesen Anforderungen entspricht folgendes vom Verf. angegebe*
nes Verfahren:
Man spaltet durch die rima oris die Mundschleimhaut in ihrer
gingivo-labialen Umschlagsfalte \md zwar in der Entfernung vom ersten
linken bis zum ersten rechten Backzahn. Man dringt in dieser Breite
bis zur Spina nasal, ant. , trennt dann mit einer Scheere die bei-
den Nasenflügel und das Septum cartilagineum vom Oberkiefer ab,
bis man Nase sammt Oberlippe nach oben auf die Stime zurückklap-
pen kann. Jetzt bekommt man durch die aufgespannte Mundspalte
den freiesten Einblick in die Nasenhöhle. Sollte das Septum noch
geniren, so kann es durchgeschnitten oder theilweise entfernt werden.
Nun nimmt man vorhandene nekrotische Knochenstücke heraus ;
cariöse Stellen müssen gründlich ausgelöffelt werden; häufig ist
man gezwungen , grosse Theile des Siebbeinlabyrinths auszuräumen.
Sollte man nicht gleich im Anfang auf erkrankten Knochen stossen,
so wird eine recht genaue Untersuchung doch stets den Krankheits-
herd auffinden lassen.
Die Blutung ist gewöhnlich massig und lässt sich durch kaltes
Wasser stillen ; ein einziges Mal sah sich Verf. zur Tamponade ge-
nöthigt.
Um die Patienten ruhiger chloroformiren zu können, ist es auch
rathsam, die Choanen vorher auszustopfen.
Centralblatt für Chirurgie. No. 1. 0
Nach Beendigung der Operation weiden Lippe und Nase in die
alte Lage zurückgebracht, indem man darauf achtet, dass letztere recht
genau zu stehen kommt. Es wird Nichts genäht.
Die Reaction nach dem Eingriff ist merkwürdig gering; die
Wiederanheilung der Lippe macht sich meist per primam.
Die Erfolge sind glänzend; von 31 Fallen (24 W., 7 M.) wur--
den 28 radical geheilt, trotzdem einzelne Patienten seit mehr als
20 Jahren an dem Uebel Utten. Zwei Mal wurde nur Besserung
eneicht, wahrscheinlich weil nicht alles Kranke herausgenommen
vrurde. In einem einzigen Fall hatte die Operation den Tod zur
Folge. Das Siebbein der rechten Seite war so sehr erkrankt^ dass
die lamina papyracea durchgebrochen und somit die Orbitalhöhle er-
öffiiet werden musste. Bei der Section fanden sich Thrombose der
Vena ophthalmica und eitrige Meningitis.
Verf. hatte jedoch kurze Zeit vorher einen jungen Mann operirt,
bei welchem die ganze lamina papyracea ausgeräumt worden war,
ohne dass sich darnach die geringste B.eaction zeigte.
tiirard (Strassbuig !/£.).
C. Sedillot. De la tr^panation präventive et exploratrice
dans les fractures de la table interne ou vitreei du ordne.
(Comptes rendus 1874. T. 79. p. 836—844.)
Auf Grund seiner reichen Erfahrung auf dem Gebiete der Schä-
delyerletzungen kommt S. bezüglich des Werthes und der Zulässig»
keit der primären oder Friihtrepanation zu Ergebnissen^ die er etwa
in folgende Puncte zusammenfasst :
1) Die Friihtrepanation hat bei allen Splitterfracturen der inneren
Schädeltafel die besten Erfolge aufzuweisen.
2] Die Indication zu dieser Operation ist bei einer äusseren stern-
förmigen oder linearen Schädelfractur mit Depression geradezu als
absolut zu bezeichnen.
3) Dagegen kann man von der Friihtrepanation bei einfachen
linearen Continuitätstrennungen ohne Knochendislocation fiir's Erste
Abstand ne&men.
4] Die Diagnose einer Fractur der inneren Schädeltafel eigiebt
sich häufig aus der Art (les Trauma und der Gewalt, mit der es ein-
gewirkt^ den Symptom^D der Auscultation imd Percussion^ der Ther«
mometrie und der Explorativtrepanation. Aus der Auscultation in
sofern, als die respiratorischen Bewegungen des Gehirns und die da-
durch bedingten rhythmischen Erhebungen der dura mater beim Vor-
handensein von I^ochensplittern wahrnehmbare Beibegeräusche er-
zeugen^ aus der Percussion^ indem Veränderungen in der Dicke des
Scl^els^ wie sie durch Fracturen der inneren Tafel gesetzt werden,
den Percussionsschall modificiren. Wenigstens haben Dolbeau und
Felix et beträchtliche Schalldifferenzen erkannt zwischen der Seite,
auf welcher die Fractur besteht und der unverletzten, und auch an-
10 Centralbkn ftbr Chitürgie. Nö. 1.
d^te Chitürgen woll^ diiÄse Erecheinung; congtÄtkt haben. Femer
ist ib der Oegehd d^ Ftactur^ wie schon die ältere Aetste WusstM,
eine TemperaturerhBhüttg naditreisbat. 8. scfalfigt als ein w^itet^M
diagiloetiilched Verfahti^il <fie Anwendung des E^plofativtrepans vor.
Findet man^ nachdem man du)rch die tabula externa hindilttihgediiin-
gen ist, Elnochenfragmente, so entfernt tnan diese, attdereilfälls lässt
man die Glastafel intact. Man katin hietgegefl anfUhf^n, dass dii^
Verlettmng der Diplo^ den häufigsten Atisgangsputr« für Pyteiie utid
Septkämie abgM)e. liidess wird man, meint 6., dieser CompUcätioft
durch antisi^ptische Verbände erfolgreich begegnen kennen.
5) Die Anwesenheit einer äusseren Practur spricht nicht gcgön
die Möglichkeit eltier Fractur der Glastafei. Wenn die Auscültatiofi
nnd Petcussion, diö GöWalt und die Natur des Verlettenden Kotpettl
(insbesondere kommen Schusswtinden hierbei iU B^tUcht) hiebt gt3-
nügende Anhaltspunkte bieten, um auf Grund detselben af;um Explo-
ratittrepan 2u greifen, do muss man . sich darauf beschränken, den
Kranken sorgsam zu fiberwachen und sobald drohende Symptome auf-
treten, ungesäumt trepaniren.
6] Schon die vorliegenden Erfahrungen sprechen unzweifelhaft
zu Guofilen der antiseptischen Verbände bei Sohädelwunden. HierawC
bezügliche, gewiss höchst interessante Mittheiluugen stellt S. weiter-
hin in Aussicht. J. Hank (Strassburg i/E.).
A. Qr. Bergliiifd (St. Petersburg). Ueber die Massage.
(St. Petersb. med. Zeitschrift 1873/4. Bd. IV. Hft. 5. p. 4Ö7.)
Verf. giebt em^ begeisterte Schilderung der Massage nach der
neueren Mezger 'sehen Methode > decesi »glänzende Kesultatec et
physiologisch zu erklären und durch eine Anzahl Krankengeschichten
aus seimer eigenen und der Mezger 'sehen Praxis zu belegen yersuoht*
Es werden nach der französischen Terminologie 4 verschiiedene Arten
von Manipulationen bei der Massage unterschieden:
1) Bfflenrage^ bestoht in einem leisen, oberfläehliehen und
langsamen Streichen mit der flachen Hand in centripetaler RiGhinx^.
Sie wird bei acuter Entzündung^ namentlich acuter Synovitii, ange-
wandt und bezweckt, »die Aufnahme von Lymphe und Enizüiidung^
producten in die Oirkülation tmd die Wegsehafiung derselben durch
das GefiLsssystem su befördern««
2) Massage ä frictian^ besteht in kräftigem, citkuKireni und
eentripetalem Beiben und eignet sieh besonders für chfonische Syno^
Yitis, Myositis, Brguss in Sehnenscheiden. Durolir den mechunicheil
Druck sollen die neugebiMeten Ge^se und haiborganiMiten Eni-
Zrürndungsproducte zerdrückt und ihre Resorption befördert wetdeo.
8) Pitrissage, besteht in der Knetung einer Muskeipartie hA
entzündlicher Muskelanschwellung, acutem und ctooikisoliein MusbsU
rheutiMktisiiius.
Oentralblatt fttr Chnrorgie. No. 1. il
4) Tapotement, bedeutet das Schlagen oder Klopfen eines
Körpertheiles mit geballter Hand bei Neuralgie und peripherer Para);f se.
In Betreff der Beweiskraft der mitgetheilten günstigen Erfolge
ms6 a«f das Detail im Original verwiesen werden.
P. Bnins (TaUnfan).
H. Frölich. lieber eine die Krieigschixurgie des Mittelalters
betreifende Entdecknng.
^kKäic^B militärärztl. Zeitschrift 1874. Hft. 11.)
Aus dem uns handschriftlich überkommenen und erst 1868 von
Haeser und Middeldorpf mit Erläuterungen herausgegebenen
• Buch der Bfindth-Ert^nci, von Heinrieh roti ?fol-
sprundt^ Bruder des deutschen Ordens. 1460c^ der ältesten bis jetzt
bekannten litterarischen Quelle deutscher Chirurgie^ erfahren wir durch
Verf. aus einigen citirten Stellen , dass Verletzungen durch Feuer-
waffen schon um diese Zeit^ also um die Mitte des 15. Jahrhunderts,
(Gegenstand der kriegschiturgischen Behandlung waren, während be-
kanntlich der kriegerische Gebrauch des Schiesspulvers bereits vor
die Mitte des 14. Jahrhunderts fdllt (Billroth, Historische Studien,
p. 3). Verf. betont diesen Fund gegenüber der ausdrücklichen An-
gabe der beiden Herausgeber H. und M., dass v. Pfolsprundt
die Schusswrmden in seinem Buche nirgends en^hne. Die litterarisehe
Erstgeburt deutscher Kriegschirurgie gehöre somit nicht dem Jahre
1497 (der Chiruigie von Braunschweig), sondern dem Jahre 1460 an.
An. mil^ (Berfin).
F. SL Hyde (New York). A comparison of the results of
txeatmeut of 308 cases of fracture of the tbigh.
(New York med. Journal 1874. No. 115. p. 368.)
Verf. giebt eine sehr dürftig ausgeführte statistische Tabelle über
308 FäHe Titti Obencheiikdlfractuffen^ weUhe tom Jahr0 18f ^*-*73 im
BelleTue-Hospital behandelt worden sind. In 1 1 1 Fällen sind Messun-
gen in Betreff der Yerkür^sui^ des Gliedes bei vollendeter Heilung
aotirt; darunter finden sich 19 Fälle (17%) ohiM Veckörsung geheilt,
die durchschnittliche Yerkün&ung beträgt bei Ausschluss der ohne
Veikürzung geheilten Fälle % Zoll^ bei EinschluBs der letzteren V}
Zoll. In 8 FälliBn trat keine Vereinigung, in 35 Fällen der tödtUohe
ÄMSgang ein. P. Bmns (Ttbingen).
S. ttatm (New York). N^sal catarrh, its pathology and
treatment.
(New York med. Journal 1874. No. 115. p. 337.)
Die Besprechung der Pathologie des acuten und chronischen
Nasalkatarrhs enthält nur Bekanntes. Die Behandlungsmethode des
12 / Centrolblatt fdr Chirurgie. No. 1.
Verf.'s besteht neben der Application der Nasendouche namentlich
in dem Eintreiben von Joddämpfen in die Nasenhöhle mittelst eines
eigens hierzu construirten Apparates. Derselbe ist aus Hartkautschuk
gefertigt und enthält in seinem Innern einen mit Jodtinctur getränk-
ten Schwamm^ durch welchen die Luft mittelst eines am hinteren
Ende angebrachten Kautschukballons hindurchgetrieben wird. Da-
neben wird der Gebrauch eines Schnupfpulvers aus fein pulverisirtem
Kampher und Zucker zu gleichen Theilen empfohlen. Als Belege
für seine günstigen Erfolge theilt Verf. 3 auf diese Weise geheilte
Fälle mit. P. Bnuis (Tübingen).
Bockenheimer« Bericht der chirurgischen Klinik.
Frankfurt a/M. 1874. 30 p.
Unter 1474 vom 1. Aug. 1872 bis 1. Aug. 1873 theils ambula-
torisch, theils stationär behandelten Patienten, von denen die grössere
Hälfte an Haut-, Sexual- und inneren Krankheiten gelitten hatte,
befanden sich auch Einzelne, an denen Verf. grössere Operationen
vorgenommen hat (7 Resectionen grosser Gelenke [x l], 1 totale Ober-
kieferresection, 1 Amput. femor. [f], 3 Amput. mammae [i t], 2 Ova-
riotomieen [f 1], 2 Hemiotomieen [f ll> t Urethrotomie, 1 Tracheo-
tomie, 1 Perineoplastik) . — Verf. ist mit seinen Operationsresultaten
sehr zufrieden und beschreibt elazelne Fälle ausführlicher (für eine
genauere Beurtheilung der Heikesultate sind aber die gegebenen
Notizen meist zu dürftig, Ref.] . — Bei der Nachbehandlung der Hüft-
und Kniegelenkresectionen wendet Verf. die Linhart'schen Watte-
verbände an, »weil Gypsverbände nicht nur nichts nützen können,
sondern sogar schädlich seien und alle übrigen Verbände an Schwer-
fälligkeit übertreffen« (! Ref.). Krönlein (Berlin).
F. Ahlfeld. Die Technik der Schwangerenuntersuchung.
Sammlung klinischer Vorträge 1874. No. 79.
Verf. schildert die Untersuchung der Schwangeren getreu nach
der Cred^'schen Schule. Dabei berücksichtigt er meist den Stand-
punct des praktischen Arztes mit verschiedenen Winken. Hieran
schliesst sich die innere oder combinirte Untersuchung der Weich-
theile^ insbesondere des Muttermundes und des kleinen Beckens^ wo-
bei auch die vom Verf. empfohlene Messung der Frucht mit dem
Baudelocque 'sehen Tastercirkel durch Aufsetzen eines Knopfes auf
den vorliegenden Kindestheil^ des anderen auf den fundus uteri er-
wähnt ist. Ein kurzes Schwangerenexamen zur Berechnung der
Schwangerschaft bildet den Schluss. Leopold (Leipzig).
CentralblaU für Chirurgie. No. t. 13
IL Kaposi (Wien) . Zoster recidivus, Nachtrag zu »Ein eigen-
thümlicher Fall von Herpes zoster«.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 38.)
Verf. theilt den Fall eines recidivirenden Herpes zoster mit^ ein
Vorkommen, das bisher nur von O. Wyss beschrieben, nicht aber
von ihm selbst beobachtet worden. Sonst nahm man allgemein an,
dass einmaliges Befallensein gegen fernere gleiche Erkrankung immun
mache. Die Zwischenzeit hatte im vorliegenden Falle 8 Wochen ge-
dauert. Die neuen Efflorescenzen traten vielfach auf den Narben der
alten auf. t. Xosengett (Bonn).
Kleinere Mittheilungen.
B» Schneider (chirurg. Abtheilung des städtischen Krankenhauses zu
Königsbei^]. Exstirpation der linken Scapula wegen eines Sarcoms.
(Berl. kUn. WocheoBchzift 1874. No. 31. p. 377.)
Bei eisern Sjfthr. Knaben war binnen 3 Monaten auf der linken Schulter ein
betrftehtlieher Tumor entstanden, auf deaaen Ezatiipation die Eltern erst nach Ver-
flusa von ferneren 3 Monaten eingingen. Es hing mit der Scapula fest snsammen,
nicht mit der Haut. In die Axillaigrube sandte er einen höckrigen Ausläufer und
bedeekte halbkugeif5nmg die ganze Scapula. Oberfläche glatt, Consistens weich-
elaatischr schmenlos bei Druck, Elevation des Armes höchst beeinträchtigt, Drüsen
nieht geschwollen. Die totale Eistirpation der Scapula erfolgte mit Schonung der
deckenden Haut nach t. Langenbeck's Methode, Nachbehandlung unter Lister'«
scher Wundbehandlung. Nach 6 Wochen vollständige Heilung. Dennoch hatte
sich das Acromialende der Clavicula nach hinten gelegt, wogegen sich das Caput
hum«ri stemmte. Activ ist nur geringe Abduction, passiv bis sur horizontalen
möglich. Die Untersuchung ergab ein Granuladonssaroom. Nach einem Viertel-
jahr kamen multiple Reddive, sowohl öitlioh, als in der T&ia und Lunge, und es
erfolgte bald der Tod. v. MosengeQ (Bonn).
Haynea. Are the convulsions of the carbolic acid poisoning cerebral
or spinal in their origin?
(Philadelphia med. Times 1S74. No. 126. p. 407.)
2 Katzen wurde die Säure subcutan injicirt, nachdem zuvor das Rückenmark
in der Höhe des 1. und 2., resp. 4. und 5. Halswirbels durchschnitten war. Die
Krämpfe blieben in denjenigen Muskeln aus, welche von den unterhalb des Schnit-
tes abgehenden Nerven versorgt wurden, während sie sich im Gesicht, an den
vorderen Extrendtäten u. s. w. in gewöhnlicher Stärke zeigten. Daraus folgert H,
den cerebralen Ursprung dieser Krämpfe. Wllh* Koch (Berlin).
Ory. Subunguale Exostose am Zeigefinger.
(Bulletin de U soci^t^ anatom. de Paris 1S74. p. 239.)
Unter der hinteren Nagelhälfte des Zeigefingers eines 17 jähr. Mädchens sieht
man eine erbseng^osse, harte, unempfindliche, angeblich seit 4 Wochen wachsende
Geschwulst. Tr^lat hebt nach geschehener Umschneidung durch 2 elliptische
seitliche Schnitte mittelst eines kleinen Meisseis dieselbe hervor und trennt die
kleine Insertionsstelle an der Endpbalanx. Die mikroskopische Untersuchung er-
giebt ein vom Periost aus entstandenes Osteom. Tr^lat macht aufmerksam auf
das seltene Vorkommen dieser eigentlichen supeiperiostalen Osteome an den Fin-
gern gegenflber« dem häufigen an den Zehen und betont gegenüber Gornil und
Ran vi er, dass diese Neubildungen wirklich Knochengewebe enthalten, vom Periost
gi^Aa^ weisen \md leicbA ^^ostielt out der Phalanx zusammeaktagen ; B^div«
hat Trelat in 2 früher von ihm operirten Fällen nicht gesehen; die dieser Exostosen
wegen vorgenommane Enarttcwllitien einar Phalanx fät dtahalb unstatthaft.
Pilx (Stettin).
J. Porter. Adhärenter Blasenstein^ Steinschnitt^ Genesung.
(British med. Journal 1874. Octbr. 31. p. 548.)
Bei einem 24jähr. Manne mit Blasenstein gelang es nicht, nach geschehenem
Seitensteinschnitt den der Btasenwand fest adh&rirenden grossen Stein im Ganzen
zu entferfteit; innerhalb 4B Stunden yraeten IdlO Qma SteuifragmvftM «ittlMrt. 13
T^ge Bpfttsr, nach BsOffnung der frahvren Wuitdev sdttiUir(o& wme Versuche, den
9t^ ifaiA Htitfe d«a Fingeinag^, $patste| oder der Zange «aA Ii^ction a ^ seiner Vw-
bindun^ 9Vi lösen; es wurden 138 Gran Steinniasse entfernt; 2 Tage später konnte
erst der gelöste Stein h^ausbefördert werden. Die Blase zeigte einen mit festen
kalkigen Massen ausgekleideten grossen Sack ; die gesammte Steinmasse wog 201 8
Gran und es bestand der ovale Kern «tts Tripol-Fboaj^liaten, der äussere Mantel
aus phosphorsaurem Kalk. Pils (Stettin).
Jacobs (Cöhi). Kaiserschnitt mit Eifcaltnng' der Mutter und des Kindes.
(Berl. klin. Wochenschrift 1874. No. 42.)
Verf. hat bei einer Mehrge<>ärenden mft OBteettialaolsckeitt Bteken den Kaiser-
■riiniEbb awagi^firtiTt, nachdem inat fititndeii vorher die Scfctwangtr» di^ letitea Kin-
dfisbewM^uagan geapAzt haifi^ diase anieh« wis H«TSlCtoa i»n4 Ptape^taiyirftmcfciS
nioht ndbr sm &ili nacbweäibar wttre». B«w#rkeiis.wenh bei der Ofraraiion ww
noch «bfi UmstiAd» daea bttm UteFuaaebnitf der Operateur auf die Plaoenta slietA.
Db0 Kind was asphyktisoh» belebte aieii aJ^r wieder. I>te Utaffucwunde wiard«
gen4fat, dw Operadonawundfi keilte oidil per primam, toMMMk blieb die
am Leben. SoMiearfich echUlgt Vezf. iioah vor, um das nmh (JhkNsofonü^
narkoaea aa> hiuige und ÜcHge BnelMn zu wiTMeidcn, lieber aum Kaiaeneknilt
nidil au ddoroforoiisan. T» MlMMlif^l (Bonn).
C. QijLl^oip. Ca3e of normal ovndotomy.
(New X9;tk mA. loßiimal l^U. p. lai.)
Bai einuB 29||fthi;. Kranken wA eintr Jafaom lang bealelieiidMi Sehmemhafti^
keit dar Qyatiaq^ walaita immer zur Zeit der Menses exacerbkte, wurde die Diag-
nose auf chronische Ovuriitis und Vergrösserung des linken Ovarium gestellt und
ven Thomas die Bastirpation beider O^rlen nad» dam geWdhtiliohen IPaiMivea
der Oyariotomie vorgenommef^ Es ei^gte mscl« Hmlung der Operationswunde,
jedoch stellten sich, auoh aa«hhei^ wieder ien^ Sohmerzen namei^lich zur Zeit der
Menstruatiou ein* Bei der Untersuchung aer exstirpirten Ovarien zeigten dieselben
normale Grdsse und erschienen »im Zustande fettiger Degeneration und mtersti-
tietier Entzündung«. Terf. versichert, dass wenigsten« die Patientin von dieser
»normalen Ovarlotomie« jfl Ref.) sehr beftiedigt sei! P. Bmiis (Tübingen).
OaowJWki (Pilsen). Zwei Ovariotomieeii.
(Przegl^d lekarski 1874. No. 32—34, polnisch.)
Der erste Fall betraf eine 38jftlmge Frau, d?e 6 Mal ge^ren kette und seik
2 Jahren an Cystovarium erkrankt ist Die Frri>eptüiotiQsi wurde im Februar 1 S74 ge-
imakt \md 'tine unilocul&ie, mit der BaHoh^and nlokt verwadhsane Cyste diagnoslycirt.
Die Of^eretien ^wfde £«»de April d» J. von Prof. Freund (aus Breslau) auageführt
u»d der Stiel o»it der WelU'aohen Klammer behandelt O. überoehm die Nach*
our. t)en 3it Tag nach der OperafiLon cfvnstatirte er Septicamie und de er \im die
HervorvMfuBg derselben die im cavura Douglasii angesammelten 8eerete beschuldigtei
•o eelDftbloee er sieh au einer PunotÄaa an der genenntea Stell«, wobei gegen 8
Un«n iftinkendfHT Jaqphe entf^nl wurden* Daa DraÄnegerohr konnte nidit ein-
gefilhrt werden» Seit Aar ZeU stetig zuaetoende Besserung. Heilung m 14 Tagen.
IHe iweite» &Sjihr.' PatientM, die 8 Mal geborea ued eeit & Ja^n an Cysto-
nMnm Mdet, wuide von O. opmüt ; dit Cyfte var 9AuUiloci4% uii4 i^t im fy^ebr
irand ferwficlwu»} der lang« Stiel vi^rda in die Spencer WalU'^h» Klapm^
ai^ennonune« vnd P^ldnage Q^^ Simsaiuigefahrt Xiiater'flcheaYe^baQdmateriait,
— PurcJi die sirei ent^o T<^ n»cb der Operation Seasi; viel roth^el^hte Flüssigkeit
dorch das Drqinflgerohr ab» am 3. Taipe stockt das Abdiesaen dar S^retej Wass^«
injeetioiien Termitielst eines Iirigateurs bis reines Wasser abfliesst. Die anfangs 39^0
b^tiagende Temperatur sinkt bis auf ?70C; steigt aber im 5, Tage bis auf 39,50Q
lüs Vorbote einer Pneumonie» 4ia auch naob 2 Tagen swm Tode fahrt. — Die Sei»-
tion weist keine Fe4tonitis , sondern Pneun^ome nacb ; die Tbeile, V(f das Drai-
nagerobr If^ ^9g^^ W^\A krankhaft ver&ndert.
OballBskl (Krakau).
lEorton. 1. Caae of Compound comminuted fracture of tlie skull.
Hean. 2. Compound comminuted fracture of the skull involving
botJi tal)li^, witk depression.
3. !Qxtensive woupad of tbe skull, produced by a cifcular saw.
(Philadelphia aw4 Times 1^74. No. 153. p. 1-3 u. 5.)
M«iirioii's Fall bo^ifft einen 47jAbr. Kranken, welcfa«i mit eiatr Tttemet*
fractur des linken Scheitelbeins, Zerreissung der dura mater und zahlreichen im
@ehim steefcei^n KAoelMnapUttem bewuestlos Sn's Hoe^tal gebraolil wiirde. V^aeh^
dem daa Coma in 8 Tagen emtm feirjese» WojUbefode» Plati gemacht hatte, konnte
man (aus im Orifii^l genauer angeföhrten S^n^^ton^en) eine X^bmung des 1 . bis
1., wabracbainlich auch des 9. Hirnnerven diagnosticiren, unterliess aber jeden
Eingriff, weil weitere bedrohliche Symptome fehlten. D^r Tod erfolgte am 91.
T^ unter Fieber und Coma.
Section. Hirnabsceas im linken mittleren Lappen, im hinteren Theil des
vorderen Lappens und in den linken Seiten Ventrikeln. Die Bruchlinie verl&uft vom
iosseren Gehörgang durch den Carotiskanal und den Körper de^ Keilbeins su^i
foramen optlcum, durch den Grund der Augenhöhle zum grossen Keilbeinflügel
und Wangenbein, von diesem zur linea semicircularis des Scheitelbeina und im
Bogen zurück zum Gehörgang. Das so umschriebene, theilweise zertrümmerte
Segment der Schädelbasis iat nach unten und einwärts getrieben. Alle durch das
foramen ovale, rotundum, sphenoideum, opticum und stylo-mastoideum tretenden
Nerven erscheinen evwcbt, viatettfljrt otßx von ]Siterma#ien nn^ebeiiu -r^
2. Fall (Mears). 14jähr. Knabe. Weichtheilzerreissung und complicirte Frac-
tur des Scheitelbein« In der Cfegend des vorderen oberen 'Winkele, mit Depression
te Fxwnente um Vi %^
Aufatoesen und ^ßrbre«he^, sehr weite Pupilten, aber %\^ ki^a wahaltendn Bf «-
vusstlpsigkeit» keinfi LAbmu^g-
18 FragmW'ft der äusseren Tafel d^rcb den Elevetor entfernt ^ die in ein^w
Stück ^fi94pr«Qg^ WfA seitwärts verschoben^ Tabula vitre^ musa vor dfT SHk^*
tion esst ^i;f|tilcl|i|)t^ ^rdfn. Dura mater intact Heilung ohne jede Zufälle.
3. Fall (Mears). IBjähr. Knabe. Die Kreissäge setzt im äusseren Drittel
dfli nehtfln MargQ snprao jbiirfia ein, gebt teH^räg iie^nvftrl» (teodh sutnm eoHtu»
ria und rechtes Scheitelbein ^^r PCeib^al^t \ind wApli einen Zoll davon im linken
Scheitelbein. Länge der Wunde 73/« Zoll, Breite Vs Zoll.
Fat. ist bei Bewuastsein, klagt über Kopfsehmevaen, irünseht auf der Seite
i»t yerletmiiig ^ tiegex^ ist iirei voA Convulinonen odfer Läbmupgen uimI stirbt
1 Stunde nai^ der Verlegung an Srsche^ung itnfo)ge starker Alutwi^ . Dia Sendbs
wies necb, dilf» die S^e minde^t^ns auf i Zoll Tiefe in das Gehirn geidru^ge« w*9*
W4U|, K#e)i (3<yrlin>.
Blair B. Ta^Fior (New York}. Succesaful caae of feseotioB of upper
extremity of tke femur and remayal of porticHifi of tlie pelvio bones.
(New-York med. Journal 1874. No. ff5. p. 4d3.)
Der Fall betri£ft einen jungen Mann von 18 Jahren, welcher seit 14 Jahren an
Cozitiz nnt spontaner Luxation und zahlreichen Fisteln litt. Hüftgelenksresection
16 Centralblatt für Chirurgie. No. 1.
im October 1872; wegen completer knöcherner Verwachsung des Schenkelkopfs
mit der Darmbeinfläche war eine doppelte Trennung mit der Kettensäge nothwen-\
dig ; von dem oberen Ende des Femur wurden 31/2 Zoll entfernt, ausserdem musste
noch von dem Darmbein , dem Körper des Schambeines und dem Tuber oss. isch.
eine grössere Anzahl nekrotischer und cariöser Knochenpartieen abgemeisselt wer-
den. Nachbehandlung mit Gewichtsextension. Nach 21 Monaten war die Ver-
kürzung des Gliedes dieselbe wie vor der Operation, die Gebrauchsffthigkeit sehr
gut : die Bewegungen in der Hüfte vollkommen frei mit Ausnahme der Abduction
und Botation nach aussen, »Fat. geht ohne Beschwerden, klettert auf Bftume und
steigt auf Leitern« (! Ref.). P. Broiis (Tabingen).
J. ICeranowics. Periostitis maligna ohne bemerkbare locale Symptome.
(Przeglnd lekarski 1874. No. 20, polnisch.)
Ein lojähr. Gymnasiast kam (zu Fuss) in die Klinik, wo er aufgenommen und
ein Typhus abdominalis diagnosticirt wurde. Tod nach 48 Stunden. Bei der See-
tion werden keine Typhussymptome, dafür aber pyämische Infarcte in der Lunge
gefunden. Bei Ungerem Nachsuchen zeigt sich zwischen der linken Tibia und
ihrer Beinhaut ein ziemlich grosser Eiterheerd. Oballnski (Krakau).
Hospital general de Madrid. Compression der meduUa spinalis. Tod
an allgemeiner Atrophie.
(Anfiteatro anatom. espaSol 1874. No. 40. p. 199.)
Der etwas unklar beschriebene, durch* Holzschnitt erläuterte Fall betrifft
eine 21 jähr, weibliche Person, bei der man während des Lebens mehrfach Resec-
tionen von Rippenstücken vorgenommen hatte (?) und die schliesslich im obigen
Hospital an allgemeiner Atrophie (?) gestorben war. Die Autopsie ergab: Atlas
und Hinterhaupt mit einander knöchern verwachsen und durch Zerreissung aller
Ligamente besonders des lig. transversum war ersterer so dislocirt, dass der proc.
odontoides des Epistropheus mit dem hinteren Arcus des Atlas verlöthet erschien.
Hierdurch soll das Rückenmark eine dauernde Compression erlitten haben und wird
die allgemeine Atrophie damit in Verbindung gebracht (? Ref.).
Ullergperger (München).
C. de Mooy. Note stir nne nouvelle aiguille k suture.
(Annales de la soc. de m^d. d'Anvers 1874. Juillet. p. 380.)
Verf. beschreibt eine von ihm erfundene gestielte Wundnadel, welche aus einem
Handgriffe, einem geraden oder gebogenen Stiele un<Jl einer lanzenf5rmigen Spitze
mit offenem Oehr besteht. Dieselbe unterscheidet sich von der von Bruns an-
gegebenen Nadel nur dadurch, dass das Oehr stets offen ist, während es bei letz-
terer durch einen verschiebbaren Draht geschlossen und geöffiiet werden kann.
P. Brnns (Tübingen).
Bofaertaier* Resection of the tibia and fibula at the junction of the
middle and lower third.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 152. p. 820.)
In der Secundärperiode wurden von einem 7 Zoll langen Hautschnitte aus 47
Splitter und ausserdem die 4 Bruchspitzen der rechten Tibia und Fibula mit einer
Knochenzange entfernt. Der gesetzte Defect betrug mindestens 3 Zoll. Heilung
mit nur 1 Zoll Verkürzung in 5 Monaten. Wilh. Koch (Berlin).
Originslmittheilnngen, Monographieen und Separatabdrüoke wolle
man an Dr. H. TiUmaamM^ lioipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
BreUkopf und Häiid, einsenden.
;: ■■■ ■■■:■ .t... : ■ .. s-s i.i i ■ :j--.. 3:ss=»ag. .-r i-r . , ■■asasaaas; ■■■ i ■■■■■;■ ■ a
Druck nnd Verlag von Breitkopf und Hfirtel in Leipcig.
Gentralblatt
ftlr
CHIRURGIE
heransgegeben
Br. L. Lii&er, Dr. L Sckeie, Dr. E TJUiaiuis
in Berlin. in Ha^e •. 8. in Leipiif .
Zweiter Jahrgang«
Wöchentlich eine Nummer. Freit des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prft-
nnmeiBtion. Zu besiehen dnrch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
■BSESaiSI
N^ 2. Sonnabend) den 9. Jannar. 1875t
Illttlt: Koclly Ueber du Ghlorofonn nnd seine Anwendung In der Chirurgie. — Foi
vnd MlW, Das Terhahen der Pupille gegen Curare, Chloroform und Chloral. — EMif ^
Pathologisch -histologische 'Untersuchungen Über Lupus. — Wolff| Zur Knochenwachs-
thumsfrage. — Hel^mtim , Untersuchungen über das Protoplasma. — Hofmtnn, Ueber
Entstehung -von Harnsteinen durch fremde Kdrper in der Blase. — GitCORiini, Studien
üher die venöse Circulation der unteren Extremitäten. — Someiiburgy SdiUattor» Mal
perforant du pied. — Locchiniy InJectionen Yon Chloralhydrat bei Ch>norrhoe. — Scar*
pari, Feste Terbände bei acutem Gelenkrheumatismus.
SttfMtri, Aderllsse bei Amputlrten. — Bahrdt und WoMfartll» Chloroformvergiftung.
*- da BaarilhOMy Sternförmige Schadelf^actur mit Depression. — Stoark, Chronische
Erkrankungen der Ifasen-Rachenhöhle. — Ddmarquay, Fremdkörper im Oesophagus. —
■assal, Fremdkörper im Larynx. — Heydanrelch, Ueber Exstlrpation der Scapula. —
■ayerkafar. Ein Fall von Luxatio manus. — • Fournlar, Urethrale Blennorrhoe bei einem
3jihrigen Knaben.
WUh« Koch. Ueber das Chloroform und seine Anwendung
in der Chirurgie.
(Sammlung klinischer Vorträge No. 80.)
Verf. hat sich die verdienstliche Aufgabe gestellt ^ die ausser-
ordentlich grosse und an Widersprüchen reiche Literatur über das
Chloroform seit der Einführung dieses Mittels in die Chirurgie durch
Simpson 1847 kritisch zu sichten und die zahlreichen experimen-
tellen, zum Theil von ihm selbst herrührenden Ergebnisse mit den
gewonnenen klinischen Erfahrungen in Einklang zu bringen. Auf
streng physiologischer Basis entrollt er uns ein Bild der Wirkungen
des Chloroforms auf den Organismus ; aus eben dieser Axt der Einwirk-»
uog leitet er dann die Gefahren seiner Anwendung in ungezwungener
Weise ab^ ohne zu gewaltsamen und künstlichen Annahmen, wie sie
2
18 Centralblatt für Chirurgie. No. 2.
in der Chloroformliterfttur nicht zu Mhkn gerade verzeichnet sind,
seine Zuflucht nehmen zu müssen.
Zunächst werden die elementaren Einwirkungen des Chloro-
forms auf das Blut, speciell auf die rothen Blutkörperchen und die
quergestreifte Muskulatur besprochen und gezeigt, daas bei der jge-
wohnlichen Anwendungsform (der Inhalation^ bei Thiexen auch durch
Einbringung in den Magen oder unter die Haut) es weder das kreisende
Blut, noch die lebendige Muskulatur anzugreifen vermag, dass viel-
mehr die in das Blut übertretenden Chl.-Dämpfe nur als solche auf
gewisse nervöse Centra einwirken, in gleicher Weise, wie wir uns
dies von allen anderen »N©rvengifiten« vorzustellen haben. Weder cere-
brospinale (sensible und motorische) Fasern sind der nächste Angriffs-
punct, auch nicht die Muskulatur, vielmehr die nervösen Central-
Organe, in erster Linie das Grosshlm, welches eine mit der Dauer
der Einwirkung sich bis zur Lähmung steigernde Erregbarkeitsver*
minderung erleidet. Lafolge der Ausschaltung des reflexhemmenden
GehimeinfluBses zeigt sich zuerst eine gesteigerte Beflexerregbarkeit,
difl später, wenn auch die sensiblen Büokeamarksganglien sngegritku
und weiterhin gelähmt werden, vollständig erlöscht. Dabei bleibt es
allerdings unverständlich, weshalb der Gesichtstheil des Kopfes (Cornea»
Nase, Schläfengrube) länger seine Sensibilität bewahrt, als Rumpf
und Extremitäten. Jedenfalls ist die Narkose als genügend tief an-
zusehen, wenn auch von der Cornea aus sich keine Reflexe mdbtr
auslösen lassen. Nach den schönen, auch anderweitig bestätigten
.Versuchen von Scheinesson erfolgt durch das Chi. ein Absinken
des Blutdrucks, bei ti^ister Narkose \xm ^/^ bis fast ^4 des Mittel-
drucks. Diese Erscheinung hängt einerseits von der Beeinträchtigung
der vasomotorischen Ceiitren ab, wofür die erhebliche Erweiterung
der Ohrgefasse in der Narkose, wie bei der Sympathicus^-Durcfasclmei-
dung Cl. Bernard's und Versuche mit durchschnittenem Halsmark
sprechen, andererseits von einer directen Herabsetzung der Herzenergie,
die auf eine Alteration der musculo-motorischen, im Herzen selbst ge-
legenen Centren zurückzuführen ist. Infolge dieser beiden Momente
tritt eine Verlangsamung der Cirkulation ein, daher die Venosität des
Blutes. Diese verlangsamten Kreislaufsverhältnisse bedingen auch
die temperaturherabsetzende Wirkung des Chloroforms, die nachweis-
bar von einer Verminderung der Wärmeproduction infolge Verlang-
samung der Stoffwechselprocesse abzuleiten ist. Bei der Beurtheilung
des Einflusses auf die Athmung ist die Art und Weise, wie das Chi.
zugeleitet wird, von erheblicher Bedeutung. Gelangen concentrirte
Dämpfe direct auf die Nasenschleimhaut, so können veimöge einer
Reflexhemmung von den Trigeminus-Endigungen aus Stillstand der
Respiration und Verlangsamung des Herzschlages, also die drohend-
sten asphyctischen Symptome in die Erscheinung treten, die mit der
Entfernung des Chi. nur unter Umständen schwinden. Leitet man
dagegen mit dem Chi. noch reichliche Luft zu, so bleibt die Reflex-
hemmung aus. Können die Dämpfe mittelst einer Trachealkanüle
Centralblatt fAr Chinirgie. No. 2. 19
direet zur Lunge gelangen, so zeigt sich neben weiteren hier nicht
zu erörternden Reflexrorgängen eine Beschleunigung und Verflachung
der Athemaüge. Diese direete Alteration des Athmungscentrums in
der Med. obl. ist noch nicht genau genug beobachtet worden.
Die üblen ZufiUle der Narkose lassen sich in 3 Gruppen son-
dern: Ij das Erbrechen, 2) Erstickungszuüllle, S) Erscheinungen von
Herz&hmung, Syncope. Von den ErstickungsBufiUlen haben wir be-
reits eine Form erwähnt, nämlich den Stillstand der Athmung auf
dem Wege des Reflexes bei Zuleitung allzu concentrirter IMlmpfe.'
Solche üble Zufalle sind leider schon in ziemlicher Zahl eonstatirt;
meist kommt dann ebenfalls auf reflectorischem Wege Trismus, sowie
eine krampfhafte Contraction des Pharynx und Retraction der Zun-
genwurzd gegen die hintere Phar3mxwand zu Stande. Dauert eine
solche Unterbrechung der Respiration auch nur 1 Minute, so folgte
meist unter Oonrulsionen, Erstickungstod. Diese asphyctischen Zu-
fiele treten als Reflexvorgänge im Anfange der Narkose ein zu einer
Zeit, t^o noch Reflexerregbarkmt, meist sogar gesteigerte» besteht.
In dem Stadium der tiefen Narkose kann Asphyxie sich entwickeln,
wenn infolge angehobener Innervation die Zunge vermöge ihrer
Schwere zurtteksinkt und den Kehlkopfeingang abschliesst.
Die üblen Zuf&lle auftretender Herzlähmung begreifen sich aus
der arwälmten directen Wirkung des Chi. auf die Herzeneigie, deren
Herabsetzung die Venosität des Blutes bedingt. Je höher der Grad
der Anämie, je geringer also die Quantität der sauerstofitragenden
rothen Blutkörperchen ist, um so schneller wird sich der Grad der
Venosität ausbilden, bei dem die Erregbarkeit der sogenannten vitalen
Nervencentra erlischt, um so eher also sich Syncope entwickeln.
Aehnlich ist, wie K. des Weiteren ausführt, der Einfluss des Fett-
herzens; die mangelhafte Herzkraft führt hier zur ungenügenden
Füllung des ctrteriellen Systems, zu einer Verlangsamung des Kreislaufs
und höheren Venosität des Blutes, und mithin zu einer schon unter ge-
wönlichen Verhältnissen vorhandenen Dyspnoe. Erfährt nun durch das
Chi. die Herzenergie und der Blutdruck eine noch weitere Herabsetzung,
so kommt es zu plötzlicher Herzinsufficienz. Häufig wirken beide
Momente, Asphyxie und Syncope zusammen , und im einzelnen Falle
ist es dann schwer, anzugeben, was auf Rechnung der Asphyxie und
was auf die Syncope kommt. Nach diesen ursächlichen Momenten
hat Verf. 137 in der Literatur verzeichnete Todesfälle tabellarisch
zusammengestellt; darnach wäre Syncope annähernd 3 Mal so häufig
aufgetreten, als Asphyxie (Verhältniss wie 73:27). Angesichts dieser
bedauerlichen Zufälle würde die Frage ventilirt werden müssen, giebt
es Contraindicationen gegen die Narkose? Absolute Contraindica-
tionen sind nach K. streng genommen nicht vorhanden; doch
mahnen einzelne hochgradige Erschöpfungszustände, so acute Anämie,
der mit erheblichen Oirkulationsstörungen einhergehcnde Shok, vorge-
schrittene Cachexieen, endlich das Fettherz, insbesondere die anämische
Form desselben aus den oben erwähnten Gründen zur äussersten Vor-
2»
20 Centralblatt für CHirurgie. No. 2.
sieht bei der Einleitung und üeberwachung der Narkose. — Die Sym-
ptome^ die zur Diagnose des Fettherzens leiten, werden erörtert,
wobei dem in neuester Zeit als progressiv-pemiciöse Anämie zusam-
mengefassten Symptomencomplex von Anämie^ Hydraemie und Fett-
herz höheren Grades mit den daraus entspringenden Folgezuständen,
vornehmliche Berücksichtigung zu Theil wird.
Da Verunreinigungen des Chi. bald eine lästige Verlängerung
des Excitationsstadiums, bald unregelmässige Respiration^ bald unan-
genehme Folgen nach der Narkose (starker Kopfschmerz, Uebelkeit,
Erbrechen] nach sich ziehen, so. ist vor Allem darauf zu sehen, dass
man ein chemisch durchaus reines Präparat zur Verfugpmg hat. K.
erörtert deshalb die Eigenschaften, die reines Chi. haben muss, und
die chemischen Proben mittelst deren etwaige Verunreinigungen nach-
gewiesen werden.
Zum Schluss bespricht E. Modalitäten in der Verabreichung und
die Mittel, die bei drohenden Unfällen in der Narkose mit Erfolg in
Anwendung gezogen werden können. Es liegt auf der Haud^ dass
alle unsere Eingriffe nur dann von Erfolg gekrönt sein können, so
lange die vitalen Centra ihre Erregbarkeit noch nicht vollständig ein-
gebiisst haben. Bei drohender Asphyxie ist vor Allem das Einströmen
reiner Luft in die Lungen möglichst zu erleichtem; man. erreicht
dies am sichersten und schnellsten durch Hervorziehen der Zunge^
da dadurch der Eehlkopfeingang und somit die Passage zu den
Lungen freigelegt wird. Kommt hierdurch allein die regelmässige
Athmung nicht schnell in Gang, so muss man sofort die künstliche
Respiration einleiten. Auch bei der Sjmcope beruht auf diesen Mass-
nahmen alles Heil, das überhaupt noch zu erwarten ist; durch Zu-
führung möglichst sauerstoffhaltiger, chloroformfreier Luft kann man
noch am ehesten hoffen, die gesunkene Erregbarkeit der Herzcentren
wieder allmälig zur Norm zurückzufuhren. Es muss aber die künst-
liche Respiration möglichst früh eingeleitet und möglichst consequent
fortgesetzt werden, unter Umständen ^2 Stunde lang und darüber;
wenigstens zeigen jüngst veröffentlichte Erfahrungen von Böhm,
dass, wenn nach Eintritt des Herzstillstandes infolge gewisser Herz-
gifte die künstliche Respiration consequent zur Anwendung kommt^
es dann zuweilen noch nach 40 Minuten gelingt, das Thier zum
Leben zurückzuführen, indem das Herz wieder zu pulsiren beginnt.
Für die künstliche Athmung empfiehlt sich ausser der allgemein ge-
übten rythmischen Thoraxcompression auch die bekannte Methode
von Silvester, oder die Faradisation der Nn. phrenici. Bei Thier-
versuchen hat K. zu einer Zeit, wo alle anderen Mittel im Stiche
Hessen, Respirationsbewegungen dadurch wieder hervorgerufen, dass
er die unarmirten Pole des Inductionsapparats in die Nasenlöcher
brachte und 10 — 20 Minuten lang kräftige Ströme hindurch-
schickte, ein Verfahren, für welches ein theoretisches Verständ-
niss sich noch nicht hat gewinnen lassen. In verzweifelten Fäl-
len greife man endlich noch zur Acu- oder Electropunctur des
CentralblaU fax Chirurgie. No. 2. 21
Herzens^ für deren Ausführung die Stein er 'sqhen Vorschriften em*
pfohlen werden.
Wegen des uns zubemessenen Baumes müssen wir es uns ver-
sagen^ auf die einzelnen interessanten Details der Arbeit einzugehen ;
wir verweisen deshalb auf das Original, woselbst auch die wichtigsten
Literaturangaben zusammengestellt sind. J, Maiik (Strassburg i/£.).
P. Foa und M. Schiff. La pupilla come estesiometro —
Ricerche sperimentali.
(L'Impaniale 1874. No. 20, 21, 22.)
Die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit wurde durch einen
Artikel von Budin veranlasst (De Tetat de la pupille etc. Progräs
medical 5. Sept.^ Centralbl. f. Chir. 1874, pag. 526). Dieser fand näm-
Uck, äasB, sobald durch Chloroformirung die Sensibilität aufgehört hat,
die Pupille, welche bis dahin erweitert war, sich plötzlich verengere.
Anfangs bedingt jeder starke Reiz eine vorübergehende Dilatation der
Pupille ; setzt man jedoch die Chloroformirung fort, so hört diese Re-
flexdilatation der Pupille auf. Von da an ist die Anästhesie vollständig und
dies der geeignete Zeitpunct zur Ausfuhrung schmerzhafter Operationen.
F. und S. stellten seit 2 Jahren Versuche an, um einen Maass-
stab für die Sensibilität zu finden, welcher unabhängig von den Be-
wegungen des Thieres wäre ; sie suchten und fanden diesen Maassstab
in der Pupille. Wenn ein Hund oder eine Katze durch Curare ver->-
gifltet wird, so dass das Leben diirch künstliche Respiration erhalten
werden muss, so bleibt die Pupille dennoch durch einige Zeit für
die Lichtstrahlen empfindlich, welche auf die Retina fallen. Bei
gleichem Lichte von mittlerer Intensität bedingt jeder sensible Reiz
irgend einer Körperpartie sofort eine Erweiterung der Pupille. Diese
Dilatation scheint stärker zu sein, als dem bestimmten Reize bei nicht
corarisirtem oder normalem Thier entsprechen würde. Die Dilatation
der Pupille tritt auch ein — und dies ist fär die chirurgische Praxis
von besonderer Wichtigkeit — wenn der sensitive Reiz nicht schmerz-
haft ist, sondern blos eine Tastempfindung in einer gewissen Aus-
dehnung des Körpers hervorruft. Wenn man z. B. das Hinterbein
eines tief curarisirten Hundes blos anfasst, ohne Druck oder irgend
welche Kraft auszuüben, so erweitert sich die Pupille. Ebenso bringt
die Berührung der Nase, Zunge, Brust etc. eine leichte und vorüber-
gehende Pnpillenerweiterung zu Stande. Alle diese Reflexerweiterun-
gen hören nach Durchschneidung des verlängerten Markes auf, ebenso
nach Durchschneidung des Pupillatnerven des Sympathicus.
Was die Chloroformnarkose anlangt, so konnten F. und S. bei
11 Versuchen an Thieren nur 4 Mal gegen das Lebensende hin eine
Verengerung der Pupille wahrnehmen; bei den übrigen 7 Thieren
blieb die Pupille weit, obwohl sie sämmtUch zu Tode chloroformirt
wurden. Gewiss ist ferner, dass man auch beim Menschen voUkom-^
22 CentiÄlblatt für Chirurgie. No. 2.
meue Erschlaffung d^rch Chloroform erzielt^ noch lauge bevor sick
die Pupille contrahirt. Die Erweiterung ist bedingt durch einen Beie-
zustand des Sympathious. Beim Chloral finden wir das Umgekehrte^
nämlich von Anfang an eine starke Verengerung. Der Antagonia-
mus^ welcher zwischen Chloroform und Chloral existirt, tritt am besten
durch folgenden Versuch zu Tage : Injicirt man einem Hunde Chloral
in eine Vene^ so tritt eine sehr starke Myose ein; lässt man diesen
durch Chloral narkotisirten Hund Chloroform einathmen, so erweitert
bich die Pupille sofort bis auf's Dreifache^ entfernt man das Chloro*
form, tritt wieder Myose ein und so lässt sich dieses Spiel der Pupille
willkürlich bis 4 Mal hinter einander wiederholen. Diese Thatsache
dürfte wohl jene Hypothese stürzen, wonach das Chloral nur dadurch
wirksam sein soU^ dass es sich im Körper in Chloroform umwandelt.
Menzel (Triest).
H. Essig. Pathologisch -histologische Untersuchungen über
Lupus.
(Arch. d. Heükunde 1874. Jahrg. XV. p. 404-416.)
Nach kurzer Besprechung der Ansichten früherer Untersucher»
von denen die Einen den Lupus als Bindegewebswucherung oder
Granulationsvorgang auffajssten^ Andere ihn von dem rete Alalpighii
oder den Hautdrüsen seinen Ausgang nehmen liessen^ noch Aiidere
endlich ihn mit localer Tuberculose in enge Beziehung brachten» er-
klärt Verf.» dass er sich keiner dieser Ansichten ganz anschliessen
könne nach Untersuchung von 15 Lupusfallen» welche als Spiritus-^
Präparate in der Leipziger pathologischen Sammlung aufbewahrt wur*
den. Verticalschnitte durch die ganze Dicke der Cutis verschafiiten
ihm Einsicht in die Beziehung von Bindegewebe und Epithel zu ein-
ander. Die beiden ersten Präparate (das eine ist als L. syphiliticus
mit i bezeichnet) betreffen Lupus der Hand; in beiden ist bemerkens-
werth eine starke Infiltration des Coriums mit Rundzellen, welche
den Gefässen folgen und um dieselben stellenweis zu grösseren Haufen
vereinigt sind. — Die folgenden 5 Präparate (eins von unbekannter
Hautstelle» je eins vom Oberarm, Oberschenkel» Gesicht und Vorder-
arme) zeigen ebenfalls eine Rundzelleninfiltration» doch keine abge-
grenzten Kundzellenhaufen ; hervorzuheben ist» dass beim 5. Präpa-
rat (Oberschenkel) lange Zapfen vom sehr breiten rete Malpighii «ich
in die Tiefe erstrecken, beim 7. (Vorderarm) in einem Schnitte sich,
ein rundlicher Zellenhaufen fand» in dem keine injicirten Gefässe zu
sehen sind und der von der zelleninfiltrirten Umgebung durch »einen
Bing von lichterem, nicht infiltrirtem Bindegewebe« geschieden ist.
Ausserdem sollen einige Stellen das Bild eines Spindelzellensarcoms
dargeboten haben.
An 2 weiteren Präparaten (VIII u. IX von der Wange und vom
Nagelfelz der grossen Zehe) fanden sich von Gefässkränzen umgebene
Rundzellenhaufen» welche in ein Beticulum eingelagert sind» und in
CenttalblaU für Chirurgie. No. 2. 23
der Mitte cfaarakteiuitiflcke Rießensellen erkennen lassen. (Der Kranke,
von dem das Präparat VIII stammt, ist an allgemeiner Miliartuber-
culoae gestorben ; im Fall IX findet sich nebenbei auch diffuse Bundf-
Zelleninfiltration in Corium und Unterhautaellgewebe.)
F^parat X ist in der Sammlung als Lupos hypertrophicus von
unbekamiter Hantstelle beoeitihnet. Man erkennt am Hautstück weiss-
liche Knötchen, »welche bei leichtem seitlichen Druck eintSL gelblich
weissen Pfropf entleeren«.^ Diese besteb^a aus EpithelceUen. Das
ganze Cutisgewebe ist bis dicht unter die normale Epidermis in cyto^
genes Gewebe umgewandelt. Dieses wird durch dickere und dünnere
Bindegewebsziige in rutidliche Alveolen getheilt. Hier erUickt man
jgxosse^ Tielzackigey granulirte Zellen mit reichlichen Kernen von
ovaler Form mit mehreren Kemkörperchena.
In den 3 folgenden mit Lupus bezeichneten Präparaten finden
sich Convolute von Ejnthelkolben in der Cutis, umgeben von Rund-
zell^iinfiltration ; doch soU ein Zusammenhang mit dem rete Malpighii
nicht zu erkennen gewesen sein. Der eine Fall machte ganz den
Eindruck eines Schweissdrüsenadenoms neben Talgdrüsenadenom.
Die beiden letzten, unter der Bezeichnung Lupus aufbewahrten
Präparate der Sammlung sind unzweifelhaft zwei sehr tie%reifende
Epithelialcarcinome des Gesichts, welche zu enormen Zerstörungen
geführt hatten.
Da nun alle diese Fälle schon beim Leben der Kranken wegen
Beschaffenheit, Sitz, Verlauf etc. des Uebels als Lupus diagnosticirt
waren, da femer die Ansichten der Anatomen über die Histologie
des Lupus sehr verschieden seien, so hält sich Verf. für berechtigt,
die gesammte Zahl der Präparate für Lupusfälle zu nehmen. Verf.
fahrt fort: »Wenn ich aber alle diese Fälle Lupus nenne, so spreche
ich damit aus, dass Lupus kein pathologisch-histologischer, sondern
ein klinischer Begriff is^ unter dem man sich etwa einen Beizzustand
der Cutis denken kann, welcher zu abnormer Wucherung der Ele-
mente der Cutis fuhrta. Die 5 letzten Fälle theilt Verf. dem Adenom
und Carcinom zu, während die ersten 7 Fälle wohl den »eigentlichen
Luptis« repräsentiren (die Bundzellen sind hier ausgewanderte weisse
Blutkörperchen) , Fall X Lupus mit cytogenem Gewebe darstellt,
und in Fall VIII und IX sich Hauttuberculose findet.
• A. Bidder (Mannheim).
J. Wolflf (Berlin). Zur Knochenwachsthumsfrage.
(Virch. Archiv 1ST4. Bd. LXI.)
Die vorliegende Arbeit ist im Wesentlichen eine Ausfuhrung imd
Wiederholung eines früheren Artikels des Verf.'s »über die innere
Architectur der Knochen und ihre Bedeutung für die Frage vom
Knochenwachsthum« (Virch. Archiv Bd. L, Hft. 3) und zwar will
W. »die Unhaltbarkeit der Appositionstheorie« beweisen: 1) aus rein
anatomischen Betrachtungen der inneren Architectur der Knochen
24 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 2.
und 2) aus der Betrachtung der physiologischen oder mathematischen
Bedeutung dieser Arcliitectur«. Es würde hier zu weit fuhren^ die
Gründe einzeln zu nennen, welche W. für ein rein interstitielles
Wachsthum anführte. Die nach seinen ersten Untersuchungen an-
gestellten Experimente von Lieberkühn, Wegner, Kölliker,
dem Ref. u. A., welche gegen diese Theorie sprechen, sind für W.
nicht beweisend, während er in Strelzoff einen Vertreter seiner
Ansicht sieht (der sich aber bekanntlich Wiederholt gegen eine Iden-
tität seiner Anschauungen über interstitielles Knochenwachsthum mit
denen von W. verwahrt, Ref.). Stets kommt W. darauf zurück, dass
die in allen Lebensaltern geometris'ch ähnliche Archi-
tectur der Knochen die Annahme einer Apposition aus-
schliesse.
Der 2. Theil der Arbeit beginnt damit, dass W. die Ansicht von
Merkel bestreitet, welcher die grösste Belastung in dem TheUe des
Femur sucht, auf dem der Trochanter minor aufsitzt, dem von Mer-
kel sogenannten Schenkelspom, und zwar weil die Merkersche
Ansicht nicht mit der Berechnung des Prof. der Mathematik Cul*
mann über die Belastung des Femur stimmte. Sodann bringt W. die
Auseinandersetzungen des Prof. Gross mann, Lehrer der graphischen
Statik an der Berliner Gewerbe- Akademie, nach denen ein appositionelles
Wachsthum deswegen nicht möglich sein soll, weil nicht sämmt-
liche Trajectorien einander ähnlich sind, während eine
Juxta-Apposition bei geometrischer Aehnlichkeit aller Trajectorien
sehr möglich und auch aus dem Wachsthum der Bäume hinlänglich
bekannt ist. (In seiner ersten Arbeit [u. A. 1. c. p. 429] und auch
sonst erklärte W. die geometrische Aehnlichkeit der Knochenarchitec-
tur in den verschiedenen Altersstufen für unvereinbar mit der Lehre
vom appositioneUen Knochenwachsthum! Ref.) Femer setzt Verf. noch
einmal die physiologische Bedeutung der Druck- und Zugbalken der
Spongiosa auseinander und deducirt daraus, dass bei einer Apposition
und Resorption »ein unaufhörlicher chaotischer Umsturz der bestehen-
den und eine ebenso unaufhörliche chaotische Neubildung anders ge-
richteter Druck- und Zugbalken nothwendig werde«. W. behauptet dann
noch, dass er durch den du Ha mel 'sehen Ringversuch und durch die
Einbiegung (? Ref.) der H avers 'sehen Canäle dargethan habe, dass das
Dickenwachsthum der Knochen kleiner Thiere in noch viel grösserem
Maassstabe, als das Längenwachsthum durch expansive Yoigänge statt-
finde. Als Nachtrag kommt W. noch auf die Arbeit von G. Wegner
(Vir eh. Archiv f. path. Anat. Bd. LXI, Hfk. 1, Centralbl. f. Chir. 1874,
p. 4 66) , welcher sich nach seinen Experimenten durchaus für appositionel-
les Knochenwachsthum ausspricht. W. behauptet u. A., dass Wegner
nicht sorgfältig genug gearbeitet und namentlich experimentirt habe,
»wie es für die subtilen Knochenwachsthums-Untersuchungen erfor-
derlich sei«, dass in den der Arbeit beigegebenen Figuren gegen
Wegner's Behauptungen sprechende Differenzen von ȟber 2 und
8 Mm.«' mehrfach herauszumessen seien. (Die letzte Bemerkung,
Centralblatt fdr Chirurgie. No. 2. 25
wddie, mit grosser Sicherheit hingestellt^ die Sesultate der soigfiQ-
tigen Wegner 'sehen Arbeit als zweifelhaften Werthes hinzustellen
suchte veranlasst den Ref., darauf aufmerksam zu machen, dass in
allen Fällen^ in denen genaue^ auf die beig^ebenen Zeichnungen
bezügliche Maasse von Wegner mitgetheilt sind (Taf. III, Fig. 8
u. 9 und Taf. IV, Fig. 10 u, 11 seiner Arbeit), die angegebenen
Maasse genau stimmen. Was die sonstige Beweisführung von W.
betrifft^ 8o ist sie mit Ausnahme der Erklärung einiger Experimente,
die von allen Seiten als nicht zutreffend widerlegt ist, rein theore-
tisch oder mathematisch^ und wenn nach der Angabe von W. [Vir eh.
Archiv Bd. L, p. 430] Bkein einziger der von ihm befragten Mathe-
matiker sich etwa für incompetent erklärt hat, in dieser rein medi-
cinischen Frage [d. h. des Ejüochenwachsthums] sein XJrtheil abzu-
geben«^ 80 werden doch wohl viele unserer Leser ebenso wie der
Ref. in der Würdigung mathematischer Beweisführung nicht dieselbe
Gompetenz für sich in Anspruch nehmen, sondern nach den so leicht
zu wiederholenden Experimenten mit den Stiftehen, dem du Hamel-
schen Ring u. s. w. vorläufig noch an der Lehre vom appositionellen
Knochen wachsthum festhalten. Ref.) Maas (Breslau).
C. Heitzmaiin. Untersuchungen über das Protoplasma.
(Sitzungsberichte d. Kaiserl. Akademie d. Wissenschaften. Bd. LXVIII. 3. Abth.
Wien 1874.)
H. untersuchte die » Lebensphasen des Protoplasma« und mit
Rücksicht darauf die Entwicklung und Entzündung des Periostes,
des Knochens und Knorpels von neugeborenen und älteren Hunden,
von Katzen und Kaninchen.
Verf. kehrt bezüglich der Bindesubstanzen zum Standpunkte
Rokitansky 's zurück (Sitzungsberichte der Wiener Akademie, 1854),
indem er der bisher ^^sogenannten Intercellularsubstanz« eine besondere
Productionsfahigkeit vindicirt. Verf. stellt eine Anzahl von ihm ge-
fandener »Thatsachena (? Ref.) zusammen, welche den Beweis liefern
sollen, dass eine Cellidarpathologie im Sinne Virchow's nicht mehr
aufredit zu erhalten sei. Verf. ist der Ansicht, dass es in den Ge-
weben des Thierkörpers keine »Individuen«, keine i>Zellenc^ folglich
auch keine »isolirten cellularen Krankheitsherde« gebe. Die Gewebe
werden vom Protoplasma und dessen Derivaten aufgebaut. Das Proto-
plasma bleibt in den Centren der Gewebseinheiten erhalten, während
an der Peripherie der letzteren »die lebende Materie« von Grundsub-
Btanz infiltrirt ist. Wird das centrale Protoplasma von irgend einer
Schädlichkeit, z. B. von der Entzündung getroffen, so documentiren
eich die dadurch bedingten Veränderungen direct oder indirect auch
an der ganzen Gewebseinheit und umgekehrt. Diese Veränderungen
bestehen beim Entzündungsprocesse in einer »Lösung dex Grundsub-
stanz ia erster, und in einer vermehrten Erzetigung ihres Gleichen
26 Centralblatt für Chirurgie. No. 2.
von Seite der lebenden Materie in zweiter Linie«. Innerhalb ein^B
Gewebes kann nur »die lebende Materie« Ernährungsstörungen erlei*
den, )>gleichviel ob sie von Protoplasmafiüssigkeit umspült, oder von
einej' Grundsubstanzmauer umgeben ist«. Nur »die lebende Materie«
ist productionsfilhig. Nickt die Zelle und auch nicht der lebendige
Antheil der Zelle allein; wächst und vmchert, es wächst und wuchert
im Gewebe Alles, was lebensfähig ist, also auch der in der Grund-
substanz eingeschlossene Antheil »der lebendigen Materie«. *-
»Von einer Humoral- oder Solidarpathologie wird fernerhin ebenso
wenig die Bede sein können, wie von einer Cellularpathologie. Es
giebt eben keine andere Pathologie, als die der lebenden Materie.
Nur das, was lebt, kann krank werden«.
(Die Details dieser Deductionen bezüglich der Entwicklung und
Entzündung des Periostes, des Ejiochens und Knorpels siehe im Ori-
ginal. Bef. kann aber nicht die Bemerkung unterdrücken, dass er
beim Lesen der vorliegenden Abhandlungen durchaus nicht den Ein-
druck gewinnen konnte, als ob es sich hier um erwiesene »Thatsacben«
handele.) Tülmanns (Leipzig).
F. Hoftaann. lieber Entstehung von Harnsteinen durch
fremde Körper in der Blase.
(Arch. d. Heilkunde 1874. Jahrg. XV. p. 477—483.)
Nach einigen einleitenden kurzen Bemerkungen über den Nieder-
schlag der Harnsalze in der Blase und Steinbildung theilt Verf. in-
teressante Beobachtungen mit, die an Blasensteinen von Zuchtböcken,
welche an Harnverhaltung zu Grunde gingen, gemacht wurden.
Die Steine waren erbsen- bis bohnengross, einige hatten sich in
die Harnröhre geschoben. Das Aussehen war durchscheinend. Sie
waren so zart, dass sie ohne besonderen Druck leicht zwischen den
Fingern zerrieben werden konnten. Die aus Tripelphosphat bestehen-
den Steine lösten sich in verdünnter Essigsäure auf, »wobei nur ein
sehr geringes flockiges Gerüste übrig blieb«.
Der Wassergehalt der frisch der Blase entnommenen Steine ist
sehr gross (86, 897o)* An der Luft getrocknet sind sie so leicht,
dass sie auf Wasser schwimmen.
Die Untersuchung der Flocken organischer Substanz, w^elche
nach Lösung der Salze in Essigsäure zurückblieb, erwies, dass sie
nicht aus Schleim und Epithel, sondern aus einer grossen Menge von
Spermatozoen bestanden. In die Blase getretener Samen musste also
hier Veranlassung zur Steinbildung gewesen sein.
Verf. meint nun, dass, wenn die Thiere nicht schon so fi-üh an
den in die Harnröhre gekeilten Steinen gestorben wären, sich diese
kleineu porösen Steine durch weiteren Ansatz compacter Schichten
vergrössert haben würden. Wäre dann der Stein entfernt worden,
und man hätte ihn an der Luft getrocknet und durchsägt, so wäre
CentralbUtt fdr CMrurgi». No. 2. 27
der lodLCf e Kern dabei zerfidlen und der Stein böte dann das An-
sehen, als hätte er von Anfeaig an eine Höhlung besees^a. Ob
beim Menschen Aehnliches torkäme, sei noch nicht durch directe
ÜBtersuchiing bewiesen. k. BMder (liannbeim).
C. OiacommL Osservazioni anatomiche per servire allo studio
della circolazione venosa delle estremitä inferiori.
(AccademiB di Medicina di Torino 11, 18, 25 Luglio 1873.)
Wir entnehmen der 83 Seiten zählenden Sehrift nur das, was
für den Chiimgen von bewnderem Interewe sein kann.
Die artcna popUtea und femoralis ist nicht selten von zwei und
mehr Venen begleitet, zuweilen ist sie von einem förmlichen Plexus
venosus so umstrickt, dass die Isolirung der Arterie ohne Veneaver-
letzung unmöglich ist. In anderen Fällen findet das entgegengesetzte
statt ; die Vene verläuft von der Arterie getrennt und würde in diesem
Falle die Unterbindung der letzteren erleichtert sein.
Was die Entstehung der Varicen betrifft, so leitet sie G. von
einer Insufficienz der Klappen jener Venen her, welche die Verbin-
dung zwischen tiefen und hochliegenden Venen vermitteln. Injec*
tionen an der Leiche in die vena tibialis posttca füllen alle tiefen
Venen, nie aber die hochliegenden, weil eben die Klappen der anasto-
mosirenden Venen den Weg dahin absperren, dahingegen gelingt es
stets durch Injection einer der subcutanen Venen auch die tiefliegen-
den zu füllen. Wenn nun durch irgend einen (bisher unbekannten)
Gnmd die Klappen der Verbindungsvenen insufficient werden, so wird
bei jeder Muskelbewegung das Blut nach den oberflächlichen Venen
hin »itweichen und dieselben ausdehnen. Measel (Trieflt).
Sonnenbiirg. Zwei Fälle von Malum perforans pedis.
(DeuUche ZeitBchrtft f. Chirurgie Bd. IV. Hft. 5 u. 6.)
Die Fälle sind in der Strassbuxger Klinik beobachtet. 1. Fall. Eine
Frau von 42 Jahren litt seit ihrem 14. Lebensjahre an Anästhesie der
rechten Fusssohle, bedingt durch einen Sensenschnitt, welcher die
Weichtheile der rechten Wade in der Mitte des Unterschenkels bis auf
den Knochen quer durchtr^ant hatte.
Nach einer längeren Anstrengung schwollen beide Füsse an, und
an der rechten Ferse bildete sich (vor einem Jahre) ein Geschwür,
das zur Zeit der Beobachtung kreisrund war, mit einem Durchmesser
Yon 22 Mm., dessen Ränder von dicker zerklüfteter Epidermis bedeckt
waren, das fast cylindrisch in die Tiefe bis an den normal geblie-
l>enen Calcaneus drang. Die Basis des Geschwüres war von Zotten
besetzt.
Seine Umgebung ganz anästhetisch. Verschiedene Verbandmittel
28 Centralblatt für Cbinugie. No. 2.
blieben erfolglos, nach Auslöffelung und Cauterisation mit dem Glüh-
eisen wurde der Substansverlust etwas kleiner, ohne jedoch zu heilen.
2. Fall. Ein Taglöhner von 35 Jahren (Potator) bekam ohne
bekannte Ursache an der linken Ferse eine Geschwulst, die nach t4
Tagen aufbrach und den Ausgangspunkt für ein Gesdiwür bildete,
das den gleichen Charakter und ahnliche Dimensionen hatte, wie dks
in dem 1. Falle.
Die Sensibilität in der Umgebung des Geschwüres war beträcht-
lich herabgesetzt. Nach Auslöffelung und Aetznug mit dem Ferrum
candens trat unter fortwährend, reizender Behandlung Heilung ein,
doch erst nach 12 Wochen.
Verf. schliesst sich der Ansicht Duplay's an, dass beim Mal
perforant du pied eine Nervendegeneration der Geschwürsbildung vor-
ausgehe — wenigstens ist dies bei dem 1. Falle unzweifelhaft, beim
zweiten wahrscheinlich. (^wsviij (Wien).
G. LecchinL Degli efFetti utili de cloralio idrato nel periodo
acuto della uretrite blenorragica.
(Rivista clinica di Bologna 1874. No. 11.)
Auf Vorschlag des Dr. Parona versuchte L. 10 Fälle von acutem
Harnröhrentripper mit Injectionen von Chloralhydrat (1 : 100) zu be-
handeln. In fast allen Fällen wurden die lästigsten Symptome des
Trippers (Schmerzen, Erectionen etc.) in wenigen Tagen vertrieben;
in einigen Fällen trat sogar ebenfalls in wenig Tagen vollkommene
Heilung ein; in andern musste zur Beseitigimg des Secretes zu an-
dern Injectionen (schwefelsaures Zinkoxyd) die Zuflucht genommen
werden. L. hält nach oben Gesagtem die Chloralinjectionen immerhin
für eine erwünschte Bereicherung der Therapie. Menzel (Triest).
H. SohuBsler. Ueber das »Mal perforant du pied«.
Inaug.-DUs. Kiel, 1874. K. von Wechmar's Verlag.
Verf. polemisirt in seiner fleissigen Arbeit gegen die Auf&ssung
de8 Mal perforant als einer Krankheit sui generis. Sämmtliche ihm
zugängliche Literatur hat S. durchmustert und gefunden, dass alle
publicirten Fälle ungezwungen eine einfache Deutung zulassen. Als
IJnicum steht der Fall von N 61a ton (Pathol. chirurg. V, p. 975)
da, den man mit Eskander für Lepra anaesthetica halten muss. In
allen andern, nach N^laton veröffentlichten, Fallen lassen sich die
als Mal perforant beschriebenen Ulcerationen auf pathologische Druck-
producte zurückführen. Die Malignität «derselben kann ihren Grund
haben in einer fortgesetzten chronischen Reizung, oder in irrationel-
ler Therapie, oder in der Ungunst anatomischer Verhältnisse (indem
ein mit einem Gelenk communicirender Schleimbeutel in Mitleiden-
schaft gezogen wird], oder endlich in einem constitutionellen Leiden
Centnlblatt für Chirurgie. No. 2. 29
(inveterirter Syphilis^ deren Diagnose oft allein ex juvantibuB gestellt
werden mnss). Aus der Kieler Klinik^ resp. Esmarch's Privat-
praxis werden 2 Fälle erzählt^ in denen das ausgesprochene Mal per-
foiant auf Syphilis beruhte. Näheres s. Original. (Sonnenburg 's
Aufsats: Zwei Fälle von Malum perforans pedis, Deutsche Zeit-
schrift f. Chir. Bd. IV^ p. 408 ist später erschienen, konnte deshalb
vom Verf. nicht benutzt werden. Ref.) Petersen (Kiel).
S. Scarpari. Gli apparecchi inamovibili nel reumatismo ar-
ticolare acuto.
(RiviBta clinica di Bologna 1874. No. 11.)
Bekanntlich wurde die Anwendung fixer Verbände^ in specie
Wasserglasverbände bei der Behandlung des acuten Gelenkrheuma-
tismus zuerst Yon Concato und Heubner empfohlen. Bef. selbst
hatte Grelegenheit, sich von der ausgezeichneten Wirkung derselben
zu überzeugen. Die ruhige Lage, sowie die continuirliche gleich-
massige Compression benehmen in kürzester Zeit Schwellung und
Schmerz^ bei gleichzeitigem Abfall des Fiebers. Es lässt sich jedoch
nicht läugnen, dass bei dieser, wie bei jeder anderen Therapie nicht
selten sofort ein neues Gelenk befallen wird, noch bevor das fixirte
zur Norm zurückgekehrt ist. S. suchte nun zu ermitteln, ob eine
sofortige Fixirung aller Gelenke prophylactisch und abortiv wirken
möchte. Die 2 Fälle, welche er so behandelte, scheinen seine Er-
wartung zu bestärken. Bei einem 50jährigen alten Manne, welcher
schon 5 Mal an acutem Gelenkrheumatismus litt, bei dem jedes Mal
^iast alle Gelenke der Reihe nach erkrankten, und der jedesmal etwa
50 Tage an's Bett gefesselt war, legte S., sobald unter heftigem Fie-
ber, 39,4, die beiden Kniee zu schwellen begannen, sofort Verbände
an allen Gelenken an. 48 Stunden darauf trat vollkommene Apyrexie
ein und es erkrankte kein weiteres Gelenk zur grossen Ueberraschung
des Kranken, welcher das Ueberspringen von einem Gelenk zum
andern mit Sicherheit erwartete. SämmtUche Verbände blieben 10
Tage liegen, worauf der Kranke das Bett verliess.
S. gesteht selber ein, dass 2 Fälle allein ein Urtheil nicht er-
lauben, betont aber, dass dieselben zu weiteren Versuchen auffordern.
Meniel (Triest).
Kleinere Mittheilungen.
Olinto GraadesflO-Silvestri. Sulla economia di sangue nelle operazioni
chirurgiche.
(Oazz. med. ital. prov. ven. anno XVII. No. 20.)
Im ersten Theil des Aufsatses yertheidigt S. die Anschauung, wonach man das
in phlegmonösen oder gar brandigen Gliedern enthaltene Blut bei der Amputation
ucht ersparen soll und hierin wird ihm wohl Jedermann beipflichten, dahingegen
därfte S. mehrere Gegner finden, wenn er seinen Amputirten anr&th, sich nadi ge*
schehener Heilung von Zeit zu Zeit zur Ader zu lassen. »Wenn der Körper um
30 Centralblatt ftr Chinirgie. No. 2.
cöne grosse ProTins verstfimmelt ist, so muss unausbleiblich eine permanente Ple-
thora eintreten (gleichgültig ob man bei der Amputation Blut gespart habe oder
nicht) (? Ref.). Der Grund davon ist selbst für beschrankte Köpfe einleuchtend«
(?? Ref.). 2 Earankheitsf&Ile sollen seine Ansicht stützen.
Ein Mädchen irurde wegen Fusscaries scrophuIOsen Ursprunges amputirt, und
erholte sich darauf zusehends. S. rieth ihr Aderlässe an, das M&dchen folgte nicht.
Es tritt eine Caries im anderteitigen Knie ein, sie wird im Oberschenkel ampu-
tirt. Jetzt noch viel mehr redet ihr S. zu Aderl&ssen zu; das Madchen weigert
sich, die »Plethora localisirte sich« in den inneren Organen und das Mädchen starb.
Einem 68jähr. Greise wurde wegen complicirter Fractur der Vorderarm ampu-
tirt. Er lässt sich nicht zur Ader und stirbt 2^2 Jahre darauf an Apoplexie.
Nur bei Kindern und bei schon menstruirten Frauen kann von Aderlässen
Umgang genommen werden. Menzel (Triest).
B. Bahrdt und B. Wohlfieurtli. Chlorofonnvergiftung durch Aspiration
in die Luftwege und Kldung von Pneumonieen und eigenthümlichen
Excarationen in der Lunge.
(Areh. d. Heilkunde 1874. Jahrg. XV. p. 430—440.)
Ein Mann, der steh seibat, wie et scheinti vergiftet hatte, wurde in eigen-
thamliohemi bewusstlosem Zustande mit allerdings erhaltener Reflexth&tigkeit in
die Leipziger Klinik aufgenommen und starb daselbst nach 1 V2 Tagen unter hohem
Fieber. Dass Chloroform im Spiele war, wurde daraus geschlossen, dass neben
dem auf dem Boden liegenden Fat. in dessen Wohnung sich ein Taschentuch und
ein leeres Fläsehohen fanden, während auf dem Tieohe eine grössere Flasche stand,
deren Inhalt s&oh sp&tor als Chloroform erwies. Bei der 8eolion fand man im All-
gemeinen: phlegmonöse Entzündung der Schleimhaut der Trachea und Bronchien ;
eigenthamliche Pneumonie und Bronchiectasieen des oberen, hinteren mittleren und
hinteren unteren Lappens rechterseits , des hinteren oberen Theils des unteren
Lappens linkerseits; capiUäre H)'per&mie des Gehirns. Das Lungengewebe hat
an den afficirten Stellen ein durchlöchertes Aussehen ; die kleinen (1 Mm.) Löcher
nnd entweder rund, oder eie umgeben wie ein poröser Kranz eine centrale Oeühung,
so dass das Qewebe ein schwammiges Aussehen darbietet. Um die einzelnen Löcher
und Lochkr&nze findet sich infiltrirtes Gewebe. Die mikroskopische Untersuchung *
ergab, dass die Erkrankung bestand in croupöser Entzündung des Lungengewebes,
in Abschuppung des FUmmerepithels und theilweiser Aspiration desselben in die
kleineren Bronchien, in Eiterung der letzteren und in blasigen Eotaeieen sowohl
der Bronchiolen] als der Alyeolenendgänge etc. Alle Erscheinungen sprachen für
einen acuten Process. Die Pathogenese ist indessen dunkel.
A.Bidder (Mannheim).
IC. de Bourilhon (de Saida]. Fracture 6toil6e du crane k gauche
avec forte compression du cerveau par les fragments. Hemiplegie
droite. Gu^rison. ^
(Gaz. hebdom. 1874. No. 43.)
Ein lOjähr. Araber bekam mit einem dicken Knüttel einen Schlag auf den
Kopf. Er fällt, kann nicht mehr aufstehen, die ganze rechte Körperseite ist ge-
lähmt. Im Spitale fand man an der linken Seite des Kopfes eine 5 Cm. lange.
3 Cm. breite Blutsugillation, nahe den Bändern war eine Vertiefung fühlbar. Die
Uhmung besteht fort, mit ihr verbindet sich ein OefQhl von Ameisenlaufen.
Bespiration frei, Gesicht und Gehör auf beiden Seiten intact, ebenso die Intelli-
genz; die Zunge beim Herausstrecken stark nach rechts hin abweichend. Wenig
Klagen über Schmerz (Einreibungen von grauer Salbe mit Belladonna; reichliche
Nahrung).
Das Fortbestehen der obigen Symptome machte die Diagnose: Compression
des linken Grosshimlappens, sicher. Trepanation am 7. Tage nach der Verletzung.
Die Blutbeule wurde hierbei eröffnet ; das Periost des Seitenwandbeines war in der
Mitte des Eindrucks ganz losgelöst. Die sternförmige Fractur zeigte 4 unregeU
Centralblatt fOr Chinzrgie. No. 2. 31
massige Fragmente, welche schräg sugetpitat zwischen Dura mat«r und Schädel-
dach lagen. Nach vergeblichen anderen Versuchen wurde mit Hohlmeissel und
Hammer der Xnochenrand an der Bruchstelle so weit abgetragen, dass die Frag-
iiiMite entfernt werden konnten. Das Gehirn lag auf mehr als 10 OCm. frei.
Heftigea, eonvulsivische« Zittern der gelähmten KOrperseite, zugleich mit einem
scbmershaftea Geftkhle Ton Ameisenlaufen. Eine Stunde danach hat Fat. inten-
Bves Hungergefahl. — Am S. Tage nach der Verletzung starke, und in den näch-
sten 2 Tagen snn^mende Verschlimmerung: Fieber, unbewusstes Harnlassen,
Kopfscfamenen, Erbrechen; Hyperästhesie der geahmten Seite. Vom 12. Tage an
stetig zunehmende Besserung, alimäliges Schwinden der Paralyse. Am Ende der
7. Woche Terliess Fat. das fi^ital Tollkommen geheilt. Fr. SMner (Wien).
Sloerk. Chronische Erkrankungen der Nasen-Rachenhöhle.
(Sitzung der k. k. Gesellschaft d. Aerzte in Wien 1874, 21. Novbr.l
St. schildert die chronischen Erkrankungen der Kasen-Bachenhohle, wie sie
am häufigsten bei den Bewohnern Oaliziens, Kussisch -Polens , Russlands und
Bessarabiens Torkommen. Die hier häufig vorkommende S}'philis der Bewohner
äussere sich an den Kindern derselben oft in der Form von Coryza, Ozaena scroful.
und chronischer Blennorrhoe, welche sich von der Nasenhöhle aus in den Kehl-
kopf und in die Trachea fortpflanze und daselbst zu callösen Schwielenbildungen An-
Uss gebe, die mitunter die ganze Trachea auskleiden, und welche sich sowohl opera-
tiven Eingriffen als auch der medicamentösen Behandlung gegenüber gleich unheil-
bar erwiesen. Fr» Stetner [Wien; .
Dimarquay. Corps etrangers de Foesophage.
fSociM de ehir. S^aoce du 14. Octbr 1874. Gas. hebdom. 1874. No. 43.)
Ein Kind hatte ein Soustfick versehluckt, welches man an der linken Seite
das Halset fohlen konnte. Aeussere Oesophagotomie. Der Oesophagus war von
dem GeldatOek, welches eztrahirt wurde, perforirt. Tödtlicher Ausgang. Bei der
Obduction ilsnd mek hinter der Speiseröhre ein Abscess, der mit der rechten Pleura-
hshle comnannichte.
Ein anderes, etwas älteres Kind hatte ein Zweisoustflck verschluckt. D. nebst
anderen Chirurgen konnten keinen Fremdkörper nachweisen. Einige Tage später
bekam das Kind Fieber. Dämpfung an der rechten Thoraxseite. Tödtlicher Aus-
gang. £« fand sich eine Phlegmone hinter dem Oesophagus ; der Eiter war in die
rechte Pleurahöhle gedrungen ; das Geldstück war gerade daran, in den Pleurasack
zu sinken.
D. experimentirte an Thieren, um die Folgen des Steckenbleibens von Fremd-
körpern im Oesophagus zu studiren. Nachdem er an Hunden erst die äussere
Oesophagotomie gemacht, fahrte er in den Oesophagus rauhe Knochen ein, an
Bindfaden hängend, damit sie im selben Niveau blieben. Nach einiger Zeit wurde
das Thier getödtet. In der Speiseröhre Niehts bemerkbar, aber hinter derselben
fand D. immer eine Phlegmone (ohne Perforation des Oesophagus) , mit der Neigung,
sich in die rechte Pleurahöhle hin zu eröffnen. Fjft Steiaer (Wien).
F. Massel. Corpo estraneo nella laringe.
(Morgagni 1874. Ottobre.;
Ein 33jähr. Mann kam wegen grosser Athembeschwerden und blutiger Sputa
zu M. Vor 15 Tagen hatte er das schmutzige Wasser eines kleinen Baches ge-
trunken und von dem Tage an datiren seine Leiden. Durch die Spiegeluntersuchung
constatirte M. einen Blutegel, welcher mit dem Saugende in dem sulcus pharyngo-
laryngeus d. festsass, mit dem Körper über das Hg. ar^'epiglott. d. in das Larynx-
innere hereinhing. An der Epiglottis fanden sich 3 — 4 weissgelbliche, runde, lin-
sengrosse Flecken. Mit einer gewöhnlichen Polypenzange wurde der Blutegel
gefasst und zu grossem Erstaunen des Kranken selbst und seiner Angehörigen
extrahirt. Menzel (Triest;.
32 Centralblatt für Chirurgie. No. 2.
F. Heydenreioh* Ueber Exstirpation der Scapula.
Inaug.-Diss. Kiel. 1874.
Nach einem kurxen AbriM der Oesehichte der EzBtirpation der Scapula mit
und ohne gleichseitige Entfernung des Arms berichtet Verf. aber 2 einschligige
FfiUe, die von Esmarch operirt worden Bind. ^ I. Exstirpation der Sca-
pula allein. MeduUarsarcom der Scapula bei einem d3jfthr. Mann. Schnitt
quer über Acromion und Schultergelenk, Abtrennung der Gelenkkapsel vom Hume-
rus. Schnitt längs der spin. scapul. und weiter längs des inneren Bandes des
Schulterblattes. Der dreieckige Hautlappen abpräparirt, Scapula mit der Oeschwulat
und einem 3,5 Cm. langen StQck der Clavicula entfernt Fat«, nach 2 Monaten
mit gut granulirender Wunde entlassen, ist später an Recidiven zu Grunde ge-
gangen. Ueber die Gebrauchsfähigkeit des Armes konnte Nichts in Erfahrung ge»
bracht werden. — U. Entfernung der Scapula mit dem Arm. Grosses,
vom plex. brachial, durchsetztes, mit dem Schulterblatt verwachsenes Myxosarcom
der Achselhöhle bei einem 50j. Mann. Arm blutleer gemacht bis an die Geschwulst.
Bildung eines vorderen runden Hautlappens, Resection eines 5,5 Cm. langen Stocks
der Clavicula. Unterbindung der vasa subclavia. Darauf Bildung eines hinteren,
runden Hautlappens, Loslösung der Scapula, des Tumors und des Arms. Drainage.
Verband. In den folgenden Tagen hohes Fieber (bis 41,20). Am 24. Tage Allge-
meinbefinden gut, Wunde in bester Heilung (Pat. ist reichlich V4 ^ehr nach der
Operation geheilt entlassen, Ref.). Petenen (Kiel).
Mayerhofer. Ein Fall von Luxatio manus.
(Wiener med. Presse 1874. No. 48.)
FOr diese seltene Verletsung bringt Verf. folgende Beobachtung. Ein 19jähr.,
schwächlicher Taglöhner war beim Grubengraben, als er eben einen Spatenstich
machen wollte, von einer Erdmasse versdiüttet worden. Diese traf zuvörderst
linke Schulter, Vorderarm und die Hand, welche den Spatengriff festhielt. Bei der
Untersuchung fand sich an der linken Hand eine abnorme Stellung, die einer Epi-
physenfractur des Radius sehr ähnelte. Die Finger waren in abnormer Flexions-
stellung. Es zeigte sich, dass die an der Streckseite des Handgelenkes befindliche
harte Geschwulst, die nach oben hin eine scharfe Grenzfurche zeigte, durch den
prominirenden Carpuskopf bedingt war. An der Geschwulst der Beugeseite waren
deutlich die procc. styloid. zu erkennen, die unbeweglich auf den Thenar und
Antithenar verschoben waren.
■
Verf. meint, die Luxation sei durch Ueberbeugung und Gegenstoss (Fall auf
den Handrücken) entstanden.
Die ziemlich mühevolle Einrichtung geschah an dem chloroformirten Pat. in
der Weise, dass die Hand in überstredLter Stellung, bei fixirtem Vorderarm, her-
abgezogen, dann gebeugt wurde; ein Gehülfe drückte hierbei mit seinem Daumen
auf den Carpusvorsprung. Gipsverband ä jour. Heilung in 4 Wochen.
Fr. Steiner (Wien).
Foumier. Urethiale BlennoiThoe bei einem 3jährigen Knaben.
(Journal de m^d. et de chir. prat. 1874. Hft. 12. p. 542.)
Der Knabe war von einem 12jähr. Mädchen, das bei intactem Hymen an
Blennorrhoe der Vulva und Vagina litt, missbraucht und angesteckt worden. Die
so entstandene Gonorrhoe dauerte 3 Monate und zeigte die gewöhnlichen Symptome.
Pagenstecher (Elberfeld).
Originalmittbeilnngen, Monogr&phieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TUXmanM^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandluug,
Breitkopf und Häriel, einsenden.
Dniek und Verlag ron Breitkopf und Hflrtel in Leipzig.
Gentralblatt
ftr
CHIRURGIE
herauBg^ogeben:
Dr.LLiaBff, Dr.I.Sckelfi, Br. E Tilliaii»
in Berlin. in HaUa a. 8. In Lcipiig.
Zweiter Jahrgang.
W^kentKdi «ine KuniBer. Preis de» Jahrgangs 20 Mark, bei halbjftbxiger Pri*
anaiedatioiL Zu beaefaen durch, alle Buchhandlungen und PostanataUen.
H^ 3« Sonnabemd, den 16. Janaar. 1876»
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Ilkalts Losten y Neue Experimente zur Lehre von dem Mechanismus der Bruchein«
Uemmung. (Original-Mittheilung.)
■arlln, GelcnkoMiAetai. — Malaataz, Parseittre Hantknnkheiten. — CtNender,
fopwimente mit Catgat. — WlntarnttZi Einflmse der Hautftinotion auf die Koiper-
temperatDT. — AiispifZir Venöse Stauung in der Haut. — Hamllfon, Behandlung der
Obendienlrelfractnien. — Sfflffb, Behsnifiung der Fraeturen des Ellbogengelenks. —
tNliiBliI, Browtez, Ein Fall Ton Angioma raoemoeum. — Ltleiiaa, Wirbelauriesw
tticaladOBlr Nenrectomie. — Frladberg, Kunatwidrige Anwendung von Senfteigen. — ^
Juksoa, EsmarcVsche Methode. — ühda, Lieven, Ovariotomieen. — Ray, Ruptur der
Mfir. — Daiaaly Oesdiwulst des Rectunu. — Itortiill, Triohiasis ^slcae. — Carflly,
Fall ▼«& Epiphysentrennung. — v. Laagtaheck, Ein Fall von E^Larticulatlon des Ober^
Schenkels mit Bildung eines hinteren Lappens. — Volkmann, DiaphyBen-Osteotomleen
wegen Kniegelenksankylosen. — Rttpprecht, Perforation des Warzenfortsatzes. — Loewar,
Propylmin gegen Bkeomatlsmns.
Kene Experimente zur Lehre von dem Mechanismus
der Bmcheinklenmiimg.
Von
Dr. Hennaiui Lassen^
PriYatdocent der Cbirorgie in Heidelberg.
Die Bichtigkeit einer neuen Theorie besteht dann erst die eigent-
liche Probe^ wenn sie angegriffen wird; die Mängel und Unklarheiten
weiden bei erneuter Prüfung abgestreift; das Wahre tritt im Gegen-
satze zum Falschen um so prägnanter hervor.
Die jüngst an dieser Stelle erschienenen Entgegnungen der Herren
Prof. Busch und Roser waren mir daher sehr Tvillkommen ; sie
musaten dies in imi so höherem Grade sein^ als beide Autoren die
ersten waren^ welche in der Frage der Brucheinklemmung den Weg
des Experimentes betraten.
34 Centralblatt für Chirurgie. No. 3.
I.
In einer früheren Abhandlung hatte Herr Prof. Busch die An-
sicht vertreten, dass die Abknickung zunächst des abführenden,
dann auch des zuführenden Schenkelseiner im Bruchxinge liegen-
den Darmschlinge die Ursache der Einklemmung und des Verschlusses
beider Darmenden sei. Die absperrende Abknickung des «uführen-
den Schenkels findet in der neuesten"^)/ kurzen Entgegnung keine
Erwähnung mehr, dagegen wird am abführenden Ende die ver-
schliessende Abknickung aufrecht gehalten und entschieden bestritten,
dass dies Ende durch. Blähung des zufuhrenden in der Ebene des
Bruchringes verschlossen werde.
Zum Beweise dieser Behauptung dient folgendes Experiment:
»Man füllt eine durch einen engen Bruchring gezogene Darmschlinge
plötzlich, während man die Blähung des zufiÜirenden Schenkels im
Ringe unmöglich macht. Man erreicht dies dadurch, dass man die
Kanüle der Spritze bis über den Bruchring hinaus in den zuführen-
den Schenkel schiebt und hier einbindet. Jetzt kann sich die Schlinge
erst unterhalb des Bruchringes füllen, aber dennoch kommt der Ver-
schluss am ausfuhrenden Ende zu Stande, indem die Abknickung des
Darmes eintritt«.
A priori lässt sich gegen dieses Experiment einwenden, dass es den
natürlichen Vorgang der Einklemmung einer Darmschlinge nicht
nachahmt. Führt man die Mündung der Spritze bis über den Bruch-
ring hinaus und bindet sie hier ein, so stellt das übrige Darmstück
keine Schlinge mehr dar. Es ist ein im Bogen hängendes Darmrohr,
über dessen Ende ein Ring geschoben wurde. Die zugleich im Ringe
liegende Spritzenkanüle kann niemals an Stelle des zuführenden
Schenkels gesetzt werden ; sie verengt eben nur das Liunen des Rin-
ges um die Grösse ihres Umfanges. Die Voraussetzungen des Ex-
perimentes würden ganz ebenso erfüllt sein, wenn man ein gerades
Stück Darmrohr durch einen engen Ring zöge, dessen Querschnitt
gleich dem des ersten minus dem der Kanüle wäre und nun mit
Wasser oder Luft füllte.
Doch, angenommen das Experiment sei beweisend für den Mecha-
nismus der Brucheinklemmung: wie kam der Verschluss des ausfüh-
renden Schenkels zu Stande? Ist es vielleicht dennoch die Abknick-
ung, welche beschuldigt werden muss?
Ich habe den Versuch vielfach und, wie ich hoffe, in der rich-
tigen Weise wiederholt. Die am Mesenterium noch angeheftete
Schlinge eines frischen Schweinedünndarms wurde dxirch einen aus
Cigarrenkastenholz ausgeschnittenen Bruchring gezogen, die Glasröhre
des Manometerapparates in den einen Schenkel über den Bruchring
hinaus eingeschoben und hier eingebunden. Der Querschnitt der
verwendeten Bruchpforten schwankte zwischen 2 und 1 Cm.
War die Pforte 2 Cm. weit und die Schlinge kurz, ein Fall, in
*] In No. 34 dieses Blattes 1874.
Cenüralblatt Mr Chiruigie. No. 3. 35
wekhem der gewohnüche Versuch atets die Einklemmung zeigte 8o
trat hier niemals ein Verschluss des abfuhrenden Endes ein. Der
Dann blähte sieh zwar^ besonders wenn die Lufit plötzlich eingetrie*
ben wurde^ er bog sieh auch am abführenden Ende etwas ab^ aber
die Lufi entwich brodelnd aus dem ausfuhrenden Schenkel. Dies
blieb sich in 20 Versuchen vollkommen gleiclf.
Anders gestaltete sich der Vorgang, wenn bei gleichem Quer-
schnitte der Bruchpforte die Darmschlinge eine längere war. Zwar
«ntwich auch hier die einströmende Luft anfangs durch den ausfuh-
renden Schenkel, aber nach einigen kräfitigen Injectionen wurde mehr
und mehr Darm durch die Bruchpforte hindurch nach aussen*) ge-
bogen und plötzlich stand die »Schlingen fest, das Manometer zeigte
ein deutliches Ansteigen des Quecksilbers.-
Dieses Herausrücken des Darmes ist so constant und bei plötz-
Uchem Einströmen der Luft so auffallend, dass es dem Beobachter
kaum entgehen kann. In der That verdient es alle Aufmerksamkeit,
denn hier liegt der Schlüssel zu dem Räthsel der Absperrung.
Es tritt nämlich mit dem herausgezogenen Darme das fettreiche
Mesenterium nach aussen. Dieses drängt sich als derber, incom-
pressibler Keil zwischen die Kanüle und das ausfuhrende Ende und
drückt das letztere schliesslich fest zusammen. Ein Zurückgleiten
lies Gekröses ist infolge der Blähung des Darmes unmöglich, der
Verschluss ist permanent. Ein anschauliches Bild des ganzen Vor-
ganges gewährt der Längsschnitt eines auf diese Weise abgesperrten
und geblähten Darmstückes, welches nachträglich getrocknet wurde.
Die soeben aufgestellte Behauptung erhält durch den negativen
Beweis eine wesentliche Stütze. Ist das herausgezogene Mesenterium
die absperrende Ursache, so darf ein vom Gekröse rein abgetrennter
Darm im gleichen Versuche nicht verschlossen werden. Das Experi-
ment bestätigt diese Voraussetzung. Der Darm bläht sich während
des Versuches, zieht auch die nächstliegende Partie heraus, aber
mögen selbst mehrere Fuss Darm nach aussen rücken: immer ent-
weicht die Luft aus dem abführenden Ende, eine Absperrung tritt
niemals ein.
Es dürfte aus dem Gesagten ein Doppeltes hervorgehen:
1) Derneue, von Herrn Prof. Busch construirte Versuch bringt,
abgesehen davon, dass er den natürlichen Vorgang der Brucheinklem-
mung nicht nachahmt, keinen Beweis für die Wirkung der Abknick-
ung, denn der Verschluss des abführenden Endes kommt hier nicht
durch Abknickung, sondern durch das herausgezogene Mesenterium
zu Stande.
2) Indirect liefert der Versuch einen Beweis für den von mir
behaupteten Effect der Blähung des zufuhrenden Endes; denn, ver-
*) Der Kürze wegen bezeichne ich die Seite des Bruchringes, an welcher die
DarmBchlioge liegt, die äussere, die entgegengesetzte, beim Lebenden der Bauch-
höhle zugewandte, die innere.
3*
36 Centralbkit ffir Chirurgie. No. d.
hindert mui sowohl die Blähung^ ak das HeiauBräcken des Meseiii^
teriiuns» so tritt kein Verschluss des abfahrenden Bndes ein.
Dft^ die Abknickung des abführenden Schenkels nicht die Ur^
Sache der Absperrung ist» geht übrigens, wie mir scheint» mit Evi-
denz aus folgendem Versuche harvor.
Man modificire dsft gewöhnliche Einklemmungsexperianent in der
Weise» dass eine Abknickung der Schlinge unmöglich ist.
Dies geschieht» wenn man an Stelle eines Ringes oder Loches eine Glair
röhre von 2 bis IY2 Cto* Durchmesser und beliebige Länge setzt. Wird
die in der Röhre hängende Dannschlinge plötzlich mit Luft oder
flüssigem Wachs gefüllt» so tritt sofort die Absperrung ein. Maa
sieht dann sowohl durch das Glas hindurch, als auch auf dem Länge-
schnitte der herausgenommenen Ftäparate» dass der ganae zuführende
Schenkel auf Kosten des abführenden gebläht ist, d» letztere aber
in seiner ganzen Ausdehnung fest zusammengepresst an der Glaswand
anliefft.
Der Versuch gelingt immer ; nur muss darauf geachtet werden»
dass das vor der Glasröhre sich blähende Darmstüek die Schlinge
nicht aus der glatt^i Röhre herausziehe« Man binde daber di^
Schlinge möglichst kurz an die Kanüle und stelle die letztere genau
in die Längsaxe der Glasröhre.
Dem Ksqperimente gegenüber kann eingeweaidet werden, es ent-
spreche nicht ganz dem Vorkommen am Lebenden. Hier sei der
Bruchsack stets weiter» als die Bruchpforte. Ich g^be dies zu. Aber
kommt denn die seither unbestrittene Anwendung von einfachen
Ringen» oder in dünnes Holz gebohrten Löchern» ausserhalb welchen
die Schlinge sich bis zum rechten Winkel abbiegen kann» der Wirk-
lichkeit näher? Wird ein Bruchsack in jedem Falle eine solche Ab-
knickung erlauben und giebt es nicht vielmehr langgestreckte» fast
cylindrische Bruchsäcke» deren Querschnitt kaum grösser ist» als d^
der Bruchpforte?
Schliesslich habe ich zum Beweise gegen die Wirkung der Ab-
knickung noch auf einen Versuch hinzuweisen» welchen ich bereits
in meiner ersten Abhandlung (Langenbeck's Archiv Bd. XVII
p. 313) in einer Anmerkung erwähnt habe. Da derselbe in der Ent-
gegnung des Herrn Prof. Busch keine Berücksichtigung gefunden
hat, so erlaube ich mir die betreffende Stelle wörtlich zu wieder^
holen. Es heisst dort:
7>Da86 die Abknickung nicht den Verschluss bedingt» ist aucb
durch den Versuch direct zu beweisen. Wird bei dem Manometer-
versuche die Luft oder das Wasser unter geringem Drucke und we-
niger rasch eingespritzt» so erreicht die Flüssigkeit das abfuhrende
Ende früher» als es vollkommen verschlossen ist. Die Einklemmung
gelingt dann nicht mehr» selbst wenn der Spritzenstempel mit 8 bis
10 Cm. Hg arbeitet. Die Abknickung dagegen zeigt sich ebenso»
wie wenn der Verschluss zu Stande gekommen« . —
Durch ein zweites Experiment sucht Herr Prof. Busch zu be*-
Centelblatt fOr Chirurgie. No. 3. 37
weisem, daes bei einer Aii2ahl innerer Binklemmungen die Abknickung
eine Rolle spiele und zieht hieraus wiederum einen Schluss auf die
Bmcheinklemmuiig. Er beschreibt den Versuch folgendermassen :
»Wenn man oberhalb einer starken Stenose des freien Dann*
rohn«j (wo also vom Drucke einer suf&hrenden Schliii^e nicht die
Bede ist) den Darm plötzlich füllt, so bläht sich der Darm bis zum
Fbtzen, aber kein Tropfen passirt die Stenose, indem die Wände
des Darmes innerhalb derselben in Folge der Abknickung eng auf-
einandsr gezogen werden. Ein Ton der peripheren Seite eingeführter
elastiseher Katheter passirt hingegen die Stenose mit Leichtigkeit,
indem er die Axe des geknickten Darmes gerade streckt und lässt
die Flüssigkeit oder die Luft abfliessen. Ebenso kann man Ton der
prallen Seite her die Flüssigkeit durch die Stenose treiben, sobald es
gelingt, dem Darme die Richtung zu geben, dass die Axe des ge-
knickten Rohres gerade gerichtet wird«.
Auch diesen Versuch habe ich vielfach wiederholt. Ein mehrere
FtisB langer, am Gekröse hängender Schweinedünndarm wurde im
Wasser schwimmend an irgend einer Stelle von dem Meeeij^terium
isoUrt und hier, entweder durch Ueberlegen eines in zwei Hälften
getheüten Holzringes, oder mittelst einer dicken Ligatur zusammen-
gepresst.* Die auf solche Weise erzeugten Stenosen waren verschieden
eng. Wurde nun Luft eingeblasen, so zeigte sich Folgendes:
Vor den weit^i Stenosen, erzeugt durch Holzringe von 1,0 bis
0,8 Ctm. Querschnitt, blähte sich der Darm auf und bog sich rings
am Umfang der Stenose ab, das periphere Ende lag anfangs schlaff
und zusammengefallen daneben. Sobald aber das Manometer einen
geringen Druck im geblähten Ende zeigte, drängte sich die Luft in
die Strictur und entwich pfeifend und zischend. Mit der Enge der
Strictur wuchs der zur Lösung erforderliche Quecksilberdruck. Ver-
engte ich nun das Darmlumen durch Umbinden eines Fadens noch
mehr, so trat schliesslich ein Moment ein, in welchem selbst der
höchste im Darme mögliche Druck keine Losung der Absperrung
mehr zur Folge hatte. Das war das Resultat, welches auch Herr
Prof. Busch erhalten hatte. Ich durfte dies wohl mit Sicherheit
aanehmen. Vorsichtig erhob ich nun das schlaffe periphere Ende
und brachte es in die Axe des geblähten Stückes. Keine Luft ent-
wich. Das gleiche Resultat hatten Bewegungen des peripher^i
Stackes nach allen Richtungen hin. Da plötzlich ein Pfeifen und
i&Bchen, das Quecksilber sinkt rasch, die Absperrung ist gelöst. Ich
hatte während des Hin- und Herbewegens an dem schlaffen Ende
einen leichten Zug ausgeübt und hierdurch die Passage geöffiiet.
Hehiexe in dieser Richtung angestellte ControUversuche bestätigten
die Beobachtung. Wie war das zu erklären? Hatte ich den Darm
geradegestreckt und hierdurch die Abknickung gehoben? Aber das
Geraderichten, ohne gleichzeitigen Zug hatte keinen Effect, dagegen
hob nicht selten ein in jeder bdJiebigen Richtung ausgeübter Zug
um peri|rilieren Ende sofort die Absperrung.
38 Centralblatt für Chiraxgie. No. 3.
Wie aber kann der Zug wirken? Ich deilke mir den Vorgang
folgendermassen :
Durch den einschnürenden Faden wetden die <enreichen, mit
Schleim bedeckten Darmwände in engste Beräfarung gebracht. Die
zahLreichen Erhebungen und Vertiefungen der Schleimhaut greifen in
einander und verfilzen sich der Art^ dass selbst der stärkste von
oben wirkende Druck ihre innige Verklebung nicht lösen kann. Die
Reibungswiderstände sind eben zu erheblich. Nun wird plötzlich ein
Zug am peripheren Ende ausgeübt. Sofort wird die Darmwand rings
gegen den einschnürenden Ring angezogen, sie erfahrt hierdurch so-
wohl eine Verdünnung als Glättung, in der Mitte bildet sich ein
feiner trichterförmiger Canal und die Luft passirt die Stenose. £a
liegt auf der Hand, dass ein Zug in der Axe des Darmrohres am
zweckmässigsten wirken muss. Hierbei wird eben die Darmwand
ringsum gegen den Ring gezogen. Indessen genügt auch nicht selten
ein Zug nach der einen oder anderen Richtung.
Aus demselben Grunde wird die Absperrung gehoben, wenn
man das periphere Ende plötzlich aufbläht.
Es ist nach Allem dem auch hier die Abknickung nicht die Ur-
sache des Verschlusses. Durch das Zusammenschnüren des Darm-
rohres werden eben nur die Reibungswiderstände erhöht. Bei nicht
allzu engen Stenosen genügt eine entsprechende Drucksteigerung, um
die Widerstände zu überwinden. Reicht der im Darm mögliche Druck
nicht mehr aus, so öffnet ein Zug am schlaffen peripheren Ende die
Passage in der oben erörterten Weise/
(Schluss folgt.)
R. Martin. Ueber Gelenkmuskeln beim Menschen.
(Erste von der medic. Facult&t der Universität Strassburg gekrönte Preisschrift.)
Erlangen. Palm & Enke. 1874.
Verf. hat die von ihm in Betracht gezogenen Gelenke wiederholt
einer genauen anatomischen Präparation unterworfen. Indem er seine
Resultate mit den Angaben früherer Autoren verglich, ist er zu einer
Reihe wichtiger Schlüsse gelangt, von denen wir hier nur Folgendes
hervorheben: Wie Luschka bemerkt imd Verf. namentlich für das
Schultergelenk hervorhebt, ist nur in der sog. Mittellage des Gelenks
die Kapsel in ihrem ganzen Umfang gleichmässig erschlafft, wahrend
in jeder anderen SteUung ein Theil derselben erschlafft und durch
die andrängende Muskulatur in Falten gelegt, dagegen der andere
über den die Pfanne jeweilig überragenden Umfang des Kopfes in
wechselndem Grade angespannt ist. Diese Regulirung der Faltung,
d. h. das Abheben der Kapselfalte von den Gelenkflächen, damit
dieselbe nicht eingeklemmt werde, ist nun die Aufgabe der Gelenk-
muskeln, welche sich um so complicirter gestaltet, je weiter und
schlaffer die Kapsel ist und je ausgiebigere Bewegungen sie den in
ihr geborgenen Knochen erlauben muss. Obenan steht in dieser Be-
Centitlbktt für Chirurgie. No. 3. 39
nehung die Artbrodie der Schulter; dann folgt die Arthrodie der
Hafte, dann die grossen Chaxnieigelenke des Ellenbogens und des
Eniees^ welche der Faltung ihrer Kapsel nur an der Streck- und
Bengeseite bedürfen. Im Kleinen wiederholen sich dann diese Yor*
gange an den Finger- und Zehen-Gelenken^ wogegen die Carpal- und
Tarsal-Gelenke die strafbten Kapseln besitzen ^ weshalb hier auch
weder Spannmuskeln nodi andere Schutzvorrichtungen für die Kapseln
gefunden werden. Mit Ausnahme dieser letztem Gelenke kommen
sonst Vorrichtungen zur Spannung der Gelenkkapsel an allen Gelen-
ken vor. Es treten zu diesem Zwecke yerschiedene, ein Gelenk um-
lagernde Muskeln in Verbindung mit dessen Kapsel und werden dar
durch zu Grelenkmuskeln. Die innigste Art dieser Verbindung ist
die rein sehnige (Strecksehne des Cruralis) ; dann folgt die fleischig-
sehnige, wo theils Sehnen-^ theils Muskelfasern in der Kapsel endi-
gen (bradbialis internus) ; den lockersten Zusammenhang endlich bietet
der indireete^ durch zwischengelagertes Bindegewebe vermittelte^ wo-
bei letzteres den Muskeln gestattet^ einen gewissen Zug auf die Kap^
sei auszuüben (Infiraspinatus). — Es kann als Gesetz gelten^ dass die
Muskeln sidi um so inniger und in um so grösserer Anzahl mit einer
Gelenkkapsel verbinden, je schlaffer und dünnwandiger dieselbe ist,
80 dass die Anzahl der Gelenkmuskeln stets in umgekehrtem Ver-
haltnisse ziun Spannungsgrade der Kapsel in der Ruhelage des Ge-
lenkes steht. Als selbstständiger, constant vorkommender Gelenk-
muskel oder Tensor capsulae im eigentlichsten Sinne des Wortes gilt
vorBlufig' nur der Subcruralis. Doch hält Verf. den Iliacus minor — mit
welcher Bezeichnung er die auf der Hüftgelenkskapsel liegenden und
mit ihr verwachsenen Muskelfasern des Iliacus internus zum selbst-
ständigen Muskel stempelt — ebenfalls für einen solchen Tensor
capsulae. Diesen beiden folgen dann zunächst als Gelenkmuskeln
der PopHteus und der Plantaris, sowie der Anconaeus quartus, der
indessen besser als ein Theil des Triceps brachii aufgefasst wird.
Endlich sind infolge ihrer Verbindung mit den Gelenkkapseln weiter-
hin noch folgende Muskeln den Gelenkmuskeln beizuzählen:
1) für das TJnterkiefergelenk der Pterygoideus extemus;
2) für das Schultergelenk der Supraspinatus, Infraspinatus, Teres
minor, Subscapularis und Anconaeus longus;
3) für das Ellenbogengelenk der Brachialis internus, Triceps
brachii, Supinator brevis und Radialis extemus brevis;
4} für das Hüftgelenk der Iliacus internus, Glutaeus minimus,
Pyriformis, Obturator externus und internus, sowie der Rectus femoris ;
5) für das Kniegelenk der Quadriceps cruris, Semimembranosus
und Gastrocnemius und
6) für die Hand- und Fussgelenke die Sehnen sämmtlicher Beuger
und Strecker. KrOnlein (Berlin).
40 Ceatralblatt fftr ChitaTgie. No. B.
L. Halasses: Note sur le Champignon de la pelade.
(Brown S^quard's ArchiT 1874. p. 203-^12.)
Derselbe. Note sur le Champignon du Pityriasis simple.
(n>id. p. 451—64.)
Bei der Form der Alopecie^ die man als Porrigo decalvan« be-
zeichnet, hatte Gruby 1843 die Existenz eines parasitischen PiLses,
des Mikrosporon Audonini entdeckt. Indess haben gute Beobachter,
wie Hebra^ Baerensprung u. A. sich von dem Vorhandensein
dieses Parasiten nicht überzeugen können. Die Untersuchungen von
M. bestätigen nun im Wesentlichen die Angaben von Gruby, weui
sie auch in einzebien Ponkten von jenen abweichen. Nach M. greift
die parasitäre Pilzbildung stets in den oberflächlichsten Schichten des
Stratum comeum der Epidermis Platz, und zwar findet man sie ent*
weder zwischen oder über den verhornten Zellen dieses Stratum ; nur
selten findet man sie auf den Haaren. Diese Pilzbildung besteht
aus sehr kleinen sphärischen Sporen, an denen man 3 Typen unter-
scheiden kann. Die grössten messen 4 — 5 Mm., sind doppelcontourirt
und zeigen knospenartige Auswüchse. Die zweiten messen 2*— 2,5 Mm.,
bieten nur einen einfachen Contour dar und zeigen nur hier und da
die erwähnten Auswüchse. Die dritte Art hat einen Durchmesser von
weniger als 2 Mm., ebenfalls einen einfeu^hen Contour und ist ganz
ohne jeden Auswuchs. Die ovoiden Sporen, welche man zuweilen
neben den eben geschilderten antriilt, sind dieser Krankheitsform
nicht eigenthümlich. Gewöhnlich sind 5 — 6 Sporen und mehr rosen»
kranzförmig angeordnet.
Ebenso fand M. in einigen Fällen von Pityriasis simplex, die er
untersuchte, mikroskopische Pilze. Dieselben bestehen einzig und
allein aus Sporen und besitzen kein Myceliumlager. Sie sind im
Allgemeinen ovoid und mit Knospen versehen, ihre grösste Breite
beträgt 2 Mm., ihre grösste Länge 4 — 5 Mm. Man kann an ihnen eine
äussere Schicht nach Art einer Zellmembran und einen Inhalt unter-
scheiden. "Einzelne Sporen sind leer und scheinen todt. Diese Pilze
unterscheiden sich von den bei Porrigo decalvans vorkommenden da-
durch, dass letztere gewöhnlich sphärisch und voluminöser sind.
Auch die Pityriasispilze sitzen in der Homschicht der Epidermis ; sie
dringen in die Haarfollikel ein, aber niemals bis zur Einmündung
der Talgdrüsen in die Haarbälge. Die Zahl der vorhandenen Pilze
steht in keinem Verhältniss zur Intensität der Krankheit. Ist die
Heilung im Gange, so verschwinden nach und nach die Pilzsporen,
(cf. Logie, Note sur la Pelade, Archives med. beiges 1874. Hft. 9.
Centralbl. f. Chir. 1874, No. 36). J. Mnnk (Strasaburg i/E.).
W. Callender. Experimente mit Catgut.
(Transact. of the pathol. Soc. of London 1874. p. 102.)
Als C. 19 Tage nach einer Amputation die mit Catgut ligirte
Femoralis untersuchte, fand er einen y/' langen, centralen, das Lumen
CentMlUatt fttr Chiraigü. No. 3. 41
genau ausfiilleiMlen Tfarombos^ atmen an der Ugatuntelle keine Spur
Ton Cat^^pit, keine Spur einer EinscknürungSBiarke, innen keine Ver«-
lotfaung der gegenübeiUeg^iden Wandstellen. Um festzustellen» in
welcker Zeit Cat^tligaturen resorbirt werden, brachte er in eine gut
eiternde WundböUe SchUngen mittlerer Stärke; schon nadi 24 Stun-
den fingen dieselben an, dünner eu werden, beaassen nach 40—42
Stunden die Dicke feinster Fäden und waren nach 50 — 60 Stunden
ToUkominen au^elöst. ControUversuche in auf 90° F. eiiialtenem
Wasser zeigten nach 1 00 Stunden noch keine Veränderung der Schlin-
gen. Wenn C hiernach fürchtet, dass die schnelle Resorption der
Catgutligaturen und die mangelnde Wirkung auf die Gefasswandun-
gen die Sicherheit derselben bei Anwendung von Gefassligaturen in
Frage stellen könne, so ist diese Auffassung widerlegt durch die zahl-
reichen Erfahrungen über Catgutligaturen bei grossen Stämmen, z. B.
Subdaria, Carotis — in dem bekannten Spe nee 'sehen Fall lag die
Sdiuld am Material. — (Hätte C. mit Ligaturen an Gefässen experi-
mentirt, er würde wie Andere ein anderes Urtheil abgeben; Ref. fand
z. B. am 5. Tage nach der Amputation noch den verdünnten Faden
an der Femoralis, dieselbe deutlich aussen eingeschnürt, die Intima
allerdings nicht zerrissen, aber die Wände mit einander schon ver-
lothet.) Pill (Stettin).
Wintemitz« lieber den Einfluss der Hautfunction auf die
Körpertemperatur.
Vortrag in der Sitcung der k. k. Oesellach. der Aerste am 13. Novbr. 1874.
(Wiener med. Wochenschrift 1S74. Ko. 48.)
Verf. beschreibt höchst interessante Experimente: Er hat calori-
metrische Versuche angestellt^ um den Einfluss des Blutgehaltes und
der Circalation in der Haut auf die Wärmeabgabe durch dieselbe
festzustellen ; dazu liess er in einem Kästchen von bestimmtem Volum
die Luft durch eine umgrenzte tmd gemessene Hautstelle erwärmen.
Die E s mar ch 'sehe Methode^ zu anämisiren^ gestattete, die Wärme*
abgäbe bei ausgeschlossener Circulation zu prüfen. Thermische und
mechanische Reize wurden angewandt^ um das Lumen der Gefasse
zu alteriren. Es ergab sich^ dass das Hautorgan den Wärme verlust
um mehr als 50% herabsetzen und um mehr als 60% erhöhen kann.
Hieraus ergiebt sich, dass durch längere Zeit von einzelnen Theilen
zurückgehaltene Wärme die ganze Körpertemperatur steigern und
physiologische wie pathologische Temperaturverhältnisse erklären kann.
' T# Mosengell (Bonn).
Anspitz. lieber die venöse Stauung in der Haut.
Vortrag in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte am 30. Octbr. 1874.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 46.)
A. hatte den Einfluss von localen Blutentziehungen auf Blattern-
efBorescenzen studiren wollen. Y4 Stunde nach Anlegen einer Ader-
42 Centiralblatt für Chirurgie. No. 3.
lasebinde über dem EBenbogen einer Blattemkranken bemerkte m«&
an der Haut des Vorderatmes viele dunkle schwarze Funkte, die auf
Stauung in den oberflächlichen Venen beruhten. VeiBuche am ge-
sunden Arme zeigten Strotzen der Venen^ liyide Verfärbung der Haut;
die Temperatur nahm zuerst an der Vohurfläche rascher ab^ glich sich
später aus; Succulenz der Haut deutete auf Austritt von Flüssigkeit.
Der Uyiden Verfärbung folgte Auftreten Yon zinnoberrothen Flecken;
dazwischen bemerkte man einzelne weisse und etecknadelknop%ro'8se
carmihrothe oder bläuliche. A. erklärt^ gestützt auf Versuche am
Kaninchenohr, die zinnoberrothen Flecke durch Beimischung aufge-
lösten Hämoglobins, die weissen als Ausdruck einer Stauungsanämie.
Y« Moseuffeil (Bonn).
Fr. H. Hamilton (New York). Treatement of fractures of
the femiir by immovable apparatus and especially by plaster
of Paris in the form of a continuous roller.
(New York med. Journal 1874. Aug. No. 113. p. 113.)
Der auf diesem Gebiete als Autorität bekannte Verf. liefert einen
sehr beachtenswerthen Nachweis über die Nachtheile der Anwendung
des Gipsverbandes bei Oberschenkelfracturen. Namentlich widerlegt
er die verbreitete Ansicht, dass bei Oberschenkelfracturen der Gips-
verband geeignet sei, eine Heilung ohne Verkürzung herbeizuführen.
Indem er die Schuld an diesem Irrthum von der Ui^enauigkeit der
angestellten Messungen ableitet, giebt er eine Zusammenstellung von
25 mit Gipsverband behandelten Oberschenkelfracturen, bei denen er
selbst exacte Messungen vorgenommen hat. Unter 6 Fällen von ein-
fachen Oberschenkelbrüchen bei Individuen bis zu 18 Jahren betrug
die Verkürzung zwischen Ys ^^<^ 1 V2 ^^^ > dabei bestand in 3 Fällen
beträchtliche DijSbrmität an der Bruchstelle. Unter 19 Fällen bei
Individuen über 18 Jahren trat nur 1 Mal Heilung ohne Verkürzung
ein; in den übrigen schwankte dieselbe zwischen Vb ^^^ ^ ^^^ ^^^^
betrug im Ganzen durchschnittlich über y^ Zoll. Ausserdem verwirft
Verf. die Anlegung des Gipsverbandes unmittelbar nach der Ver-
letzung wegen der Gefahr von Gangrän; als Belege dienen 2 Fälle,
in denen die eingetretene Gangrän des Gliedes von der Einschnürung
durch den Gipsverband abgeleitet wird.
Verf. zieht aus diesen Gründen bei Oberschenkelfracturen dem
Gipsverbande die Behandlung mit Gewichtsextension mittelst Heft-
pflasterstreifen, bei Kindern in Verbindung mit einer doppelten seit-
lichen Schiene vor. Unter 9 auf diese Weise behandelten Fällen trat
3 Mal Heilung ohne, Verkürzung ein, in den übrigen schwankte die-
selbe zwischen Y4 und 1 Zoll und betrug im Ganzen durchschnitt-
lich weniger als % Z<^11* P« Brnos (Tflbingen).
CentnabkU «At Chirurgie. No. 3. 48
T, Bl. Smith (New York) . The stro^ht sptint in elbow-joint
injuries.
(New York med. Journal 1874. Jvlj. No. 112. p. 44.)
Verf. empfiehlt bei gewissen schweren Fällen von Fractur des
unteren Endes des Oberannes und Ellenbogengelenkes an Stelle der
üblichen Lagerung des Gliedes auf Winkelschienen die Anwendung
einer langen geraden Schiene^ welche er in einem Falle von com-
plicirtem Schragbruch des unteren Endes des Humerus mit dem besten
Erfolge anwandte^ indem nur mit Hülfe dieser letzteren dje Retention
der Fragmente in genügender Weise gelang. Die gegen die geraden
Schienen geltend gemachten Nachtheile und Unzuträglichkeiten fand
Verf. bei ihrer Anwendung nicht bestätigt. Ausserdem dringt Verf.
in solchen Fällen auf sehr frühzeitige und consequente Vornahme
passiver Bewegungen im Ellenbogengelenk^ welche nach seiner An*
sieht bei Kindern schon nach etwa 5 Tagen^ bei Erwachsenen einige
Tage später beginnen sollen. P. Bmns (Tübingen).
Obali^ki und T. Browicz (Ejrakau). Ein Fall von
Angioma racemosnm (polnisch).
(Voigelegt von Prof. Biesiadecki in der math.-naturwiss. Abthlg. der Akademie
d. Wissenschaften zu Krakau. Siehe Sitzungsberichte dieser Abthlg. pro 1874.)
Am 7. October 1873 ¥mrde in das St. Lazarusr-Spital eine dOjähr.
Jüdin gebracht, die im höchsten Grade anämisch war und die Hnke
fibtnd mit in Eisenchlorid getauchter Charpie verbunden hatte. Die
Anamnese erwies, dass sich bei ihr seit 8 Jahren, besonders bei jedes-
maliger Gravidität, eine Verdickung der linken Hand und des linken
Vorderarmes zeigte, die langsam aber stetig wuchs. Vor 2 Jahren
wurde ihr anderwärts eine Amputation gerathen, in die sie aber nicht
einwilligte. Unterdessen wurden 2 Finger brandig und zuletzt ent-
stand eine profuse Blutxmg, die sie endlich zwang, sich den Vorder-
arm amputiren zu lassen. — Patientin behauptet, niemals eine Wunde
auf der kranken Extremität gehabt zu haben. — Als Ursache der
beträchtlichen Dicke der Hand und des Vorderarmes erwiesen sich
Venen- und Arterienerweiterungen, in denen ein nicht nur hörbares,
sondern auch fühlbares Schwirren, das bei Druck auf die art. brachialis
gänzlich verschwand, zugegen war. — Amputation in der Hälfte des
Oberarmes; Heilung in 4 Wochen. — An dem abgesetzten Gliede
wurden die Gefässe mit erstarrenden Massen injicirt und genau
piäparirt. Es wäre zu weitläufig, hier den Verlauf der einzelnen
Arterien und Venen nach dem Original, das mit einer entsprechen-
den Lithographie ausgestattet ist, wiederzugeben ; es soll nur hervor-
gehoben werden, dass die art. brachialis ganz normal und erst ihre
Aeste imd Zweige einen geschlängelten und mit zahlreichen von
nuss- und taubeneigrossen Knoten unterbrochenen Verlauf zeigten.
44 C6BtralbUtt tdt CluraigU. No. 3.
dfuss die Venen statk ausgedehnt, nirgends aber mit Arterien oom-
municirend gefunden wurden. Das Mikroskop ergab fettige Degene-
ration und Atrophie in der medianen Gefasswandschicht, im Gregen-
satz zum mikroskopischen Befunde bei anderen derartigen Fällen.
ObaliBsU (Kr»kau).
IL Lcgeune. Carie vertebrale.
(Archires m^dicales beiges 1874. Hft. 11.)
L. theilt mit Anderen die Ansicht, dass Kinder mit Wirbel«
caries ohne alle ärztliche Behandlung die Gefahren der Spondylitis
ganz gut überstehen, andere dagegen, meist sehon von Hause aus
schwächlich oder serophulos, an's Bett^ resp. Zimmer gefesselt und
in orthopädische Apparate geschnürt, nun erst recht elend werden,
ohne dass es gelänge, der Verkrümmung vorzubeugen, oder die Hei-
lungsdauer abzukürzen. Hierauf gestützt, hat er von einer rein diäte-
tischen Hehandfaing, bestehend in Landaufenthalt, Lagerung in freier
Luft auf einer Wiese und roborirender Nahrung (Leberthran, Port-
wein, gebratenes Fleisch] gute Erfolge gesehen.
Am. Hiller (Berlin).
Kleinere Mittheilungen.
K. NiooladonL Aus der chiruig. Klinik des Prof. v. Dumreicher
in Wien. Neuralgia N. mandibularis dextri ; Neurectomie nach Par-
ravicini; Meningitis; Fibroma N. facialis dext.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 43.)
Verf. hat bei einem filteren Fat., der seit 2 Jahren an betreffender Neuralgie
litt, nach Parravicini (auf der Innenseite der Mandibula gegenüber dem Eintritt
in den Knochencanal) die Resection des Nerven gemacht. Sprechen, Kauen etc.
hatte Auftreten der Schmerzen bis dahin verursacht; nach der Operation blieben
dieselben 2 Tage lang ans, kehrten dann wieder und blieben bis zu dem bald er-
folgenden Tode in alter Weise bestehen. Der Tod trat unter meniogitisohen Er-
scheinungen ein, welche durch Fortleitung eines Jauchungsprocesses in der Flügel-
gaumengrube entstanden ; Thrombose und Phlebitis des plezus yenos. maxill. hatte
sich auf den sinus cavernosus fortgesetzt und die Meningitis vermittelt. Die
schlechte »Mundtoilette« wird gewiss mit Hecht als primäre Todesursache ange-
sehen. Die Autopsie ergab den merkwürdigen Beftind, dass an der hinteren Flftche
der rechten Felienbeinpyraraide ein nussgrosser harter Tirnior existirte, der zapfen-
artig in den meatus auditor. int. hineinragte und innig mit den darin verlaufenden
Nerven verwachsen war. Der Facialis über dem Acusticus liegend ganz, letzterer
nur rudiment&r erhalten. Mit seiner Kuppe erreichte der Tumor gerade den
Stamm des Tngeminus, diesen knapp berührend. Der Tumor selbst stellte sich
als eine derbe bindegewebige Neubildung dar. Falls der Tumor die Ursache der
Neuralgie gewesen, ist das sofort nach der Besection auftretende Cessiren des
Schmerzes auffallend, da der Ort des Insultes so weit central von der Reseodons-
stelle gelegen war. Die intramandibulftre Partie des Nerven ist leider nicht unter-
sucht (vergl. V. Mosetig, Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 12, ref. im
Centralbl. f. Chtr. 1874. Ko. 24. p. 981). v« Moseng«!! (Bonn).
Centndbktt fllv Chlrargi«. Mo. 3. 4fr
H. Friedbexv (Bresbrn). Tficl^che Bliitverani»ang und jauchige Blut-
Yeigiftang, yenusaclit durch kunstwidrige Anwendung von Senfteig.
(Wi«ner ned. WdclMiiMhrift 1874. No. 37, 38, 39.)
Em Medidnalpfuscher und Buchbinder hatte einen Patienten, welcher w&hrend
des letsten Krieges eine Lähmung und Anästhesie der unteren Extremitäten be-
kommen, die beicten Beine total in Senfteig einschlagen und diesen 18 Stunden
liegen lassen. Der Tod erfolgte in der durch die Ueberschrift charakterisirten
W«iM wid gab YemalaMimg aum Einschreiten des Gerichtes.
T. H^s^geil (Bonn).
James B. Jaolcson. 0& bloodless Operations with illustrative cases.
(The Ind. Med. Gaaette 1874. y<^. IX. No. 9. p. 238.)
J. TetfiAntlieht 4 Fälle Ton Opeiatioiien , in denen er die Esmarch'sche
Methode anvaodte. Der 1. Fall betriit eine Amputation des Fasses nadi ftyme
nagea einer caveiaoiBatdsea Oesehwnlst auf dem FussiMken. Dvank Anlegen
einer Catieobiade machte er Fase and UnterSohenkel blstleer und statt des elasti*
sdbsn Sehlaaohes legte er eine cufgetoUte Pinde in die Kniekehle and , darüber ein
Toumiqaet. Der grdssere Theil des Fersenlappens wurde gangränös und glaubt J.»
daas müögüoherweiee die sMoodkaa metho^ aiit zu diesem Bre^nias beigetfagen
habe. Sein Patient war ein cachektischer alter Hindu. Trots der Lappengangrän
trat nach 6 Wochen Heilung des Stumpfes ein. — Im 2. FaUe, einem 24jlÜir. Manne,
legte er einen sinus durch einen 8 SoU langen Sitoitt am Obenehenkel blose und
beobachtete keine üblen Erscheinungen. — Im 3. Falle entfernte er einem 22jähr.
Manne 2 Sequester au» dem Schafte des Knkea Femur, wobei er in der Kniekehle
in die Tiefe ging. Auch hier beobachtete er keine schlimmen Nacherscheinungen. —
Viertens entfernte er einem 14jähr. Hindu-Mädchen wegen Caries das rechte Oe
cuboid., OS cuneif. extern., den 5., 4. und einen Theil des 3. Metatarsusknochens
ohne einen Tropfen Blutverlust. Auch nach Abnahme des Toumiquets floss nur
eine unbedeutende Quantität Blut ab und es brauchten keine Ligaturen angelegt
sn werden. Auch hier keine Beobachtung ungünstiger Erscheinungen. J. nennt
seine Anwendung der Calicobinde, sowie die Compresaion der Hauptarterie mit
Compresse und Toumiquet eine »Modification« des Esmarc haschen Verfahrens.
A» Borger (London).
Uhda (Braunschweig). lieber Ovariotomieen.
(Deutsche KUnik 1874. No. 24—27.)
Verf. theilt ausführlich einen Fall von Ovariotomie nlit, die er bei einer 28j.
Patientin mit unilooolärer Ovariencyste ausgeführt hat. Nach vorauigeschiekter
einmaliger Function wurde die Exstirpation der Cyste in der gewöhnlichen Weise
ausgeführt, der Stiel mehrfoch abgebunden und in eine Klammer gefasst. Voll-
standige Heilung. F. Brans (Tübingen).
P. laeven (Petersburg). 8 partielle (unvollendete] Ovariotomieen.
{$t. Petersb. med. Zeitschria 1873/4. Bd. IV. Hfl. 2. p. 175.)
In dem i. Falle wurde die Orariotomie im Jahre 1868 bei einer 32jähr. Frau
wegen einer grossen einkämmerigen Cyste vorgenommen. Wegen der allseitigen
Verwachsung konnten blos 2 Dritttheile der Cystenwand abgelöst und entfernt wer-
den, während der Beckeathefl der Cyste surfickgelassen wurde. Der Erfolg war
gteatig, der Bestand der Heilung dauerte 3 Jaäre. Dann trat Recidiv in Form
eines saroomotösen Tumors ein, welcher die Bauchwand perforirte und in Verjauch-
ung fibergiag.
In dem 2. Falle, bei einer 38jähr. Ftau, gelang die Exstirpation der Ovarien-
eyste wegen ftäcbenhafter Adhäsionen im kleinen Becken nidit volktändig und
musste etn luistgrosser Theil lurüekgelassen werden. Der Erfolg war günstig, je-
46 CentMlbktt fOr CäiiroigM. No. 3.
doch blieb eine BauQhhdhleiüfistel surOiek. Nach emem Jahie erfolg dar Tod jem
Septic&mie.
Der 3. Fall betraf eine mehrkämmerige Ovariencyste, welche sowohl mit der
Wand des kleinen Beckens, als mit der hinteren Flftche des Uterus verwachsen war.
Die Oeschwiüst wurde in der Mitte abgebunden und durchgeschnitten, der Stumpf
aus der Bauchwunde herausgeleitet Tod nach 36 Stunden.
P« Brnits (Tübingen).
Iffohim Munder Roy. A case of lupture of the spieen oomplicated
with fracture of the lefit temporal bone and eifusion of blood on the
right cerebral hemisphere.
(The Indian Med. Gazette 1874. Yol. IX. No. S. p. 212.)
Bei einem an körperlicher Misshandlung gestorbenen Manne fand R. die Milz
geborsten, ohne dass an der Haut der Milsgegend Zeichen von Gewalt yorhanden
waren. Der Biss in der Milz war an der inneren Fliehe vor dem Hiloa und ei^
streckte sich von oben bis unten. In der Bauchhöhle war IVa Finte Blut. Trotz
des Blutverlustes war die Milz vergrössert und erweicht. Ebenso hatte ein Blnt-
austritt über der rechten Himhemisph&re stattgefunden, w&hrend die linke Kopfseite
die Zeichen der Gewalt an sich trug und das linke Schläfenbein zersplittert war.
A. Bnrger (London).
/ Bansel. Geschwulst mit Haaren im Rectum.
(Arch. f. klinische Chirurgie Bd. XVII Hft. 3. pag. 442—448.)
Ein 25jahrige8 M&dchen tr> in der vorderen Wand des Rectums, 21/2 Zoll
über dem After eine harte, ziemlich bewegliche Geschwulst, von welcher ein reich-
licher Haarwuchs ausging, der in Form eines dicken bräunlichen Schwanzes aus
dem After hervorragte und ausgerissen, sich immer von Neuem wieder bildete.
Exstirpation ; Tod 3V2 Monate später an Erschöpfung, für welche sich als Ursache
nur eine ganz circumscripte Peritonitis nachweisen Hess, in Folge davon der Ute-
rus und die Übrigens vollkommen geheilte Rectumwunde zusammenhingen. Ova-
rien gesund.
Die runde Geschwulst ist ca. 4 Cm. hoch und 3,5 — 4,5 Cm. breit, an der
Oberfläche mit gewöhnlicher Haut, der indess die Tastkörperchen fehlen, und mit
vielen 12— IS Cm. langen, in ihr wurzelnden Haaren bedeckt und im Innern von
Knochenbalken und Nerven durchzogen. Auch beherbergt sie eine rudimentäre
Hirnanlage, an der Basis einen prominirenden Zahn. Es handelt sich nach D.
also um ein im Rectum vorhanden gewesenes Dermoid.
WUh. Koch (Berlin).
Martini. Ueber Trichiasis vesicae.
(Arch. f. klinische Chirurgie Bd. XVII. Hft. 3. pag. 449—453.)
Ein mit Atresia ani et urethrae geborenes und nach 48 Std. verstorbenes
Kind zeigt ausser zahlreichen im Original nachzusehenden Anomalieen folgenden
Beckeninhalt.
Hinter dem unteren Theil der Bauchwand, das kleine und grosse Becken fast
vollständig ausfüllend, liegt eine bimförmige, mit der Spitze den Nabelring errei-
chende Geschwulst, in welche das untere, fast gerade anir Beckenmitte verlaufende
Dickdarmende mittelst ganz feiner Oeffnung einmündet. Diese sehr dickwandige
Geschwulst stellt die mit dem Dickdarm communicirende Blase des Kindes dar,
welche durch eine am untern Umfang des Nabebinges befindliche Oeffnung nach
aussen mündete. Ihr vorderer Abschnitt hat alle Attribute einer' Blasenwand, ihr
hinterer die der äusseren Haut mit Haarbälgen. Der allein vorhandene recht
e
Ce&ttalbkU fOr Ohirmgie. No. 3. 47
Ureter mOndat in die Tordeve Hilfte nioht weit Ton der Spina ant sup; alleia
dieser gehört auch das Trigonum Lieutaudi sammt dem filasenhals an. Eine Harn-
röhre fehlt.
Man unterschied bisher drei MO^ehkeiteii des Vorkommens Ton Haaren in
dsr Blase: 1) abeichtliches oder zuf&liiges Hineingelangen von aussen her, 2) Durch-
brach einer Dermoidcyste mit Haaren in die Blase, 3) Bildung von Haaren auf
der Blasenschleimhaut. Letztere MOgligkeit stellt M. in Abrede und behauptet,
dass es sich in allen als Trichiasis der Blase beschriebenen Fftllen um nicht er-
liannte, offene Dermoide handelte, deren Wand zum Theil die Blasenwand con-
«tituirte. Wilh. Koch (Berlin) .
J. Mo. Carthy. Epiphysentrennung des grossen Rollhügels.
iTransact. of the pathol. Soc of London 1874. p. 200.)
Ein Sjähr. Eoiabe mit beträchlicher Schwellung über dem os sacrum wird fast
sterbend in das Londoner Hospital gebracht. Section: Eiter im rechten Stemo-
Clavicular-Gelenk, pyimische Pericarditis, Pleuro- Pneumonie; grosse extraperi-
toneale Siterabsackung reicht längs des Muse, pyriform. au einer rings um das
Hüftgelenk gelegenen Eiteransammlung. Die Epiphyse des grossen Rollhügels in
toto abgetrennt vom Schaft, h&ngt mit ihm nur durch sehnige Faserzüge zusam-
men. Nachträglich erfahr man, das Rind sei vor 8 Tagen beim Spielen auf die
Unke Seite gefallen, erst später, als die Schwellung des Oberschenkels und Athem-
beschwerden sich einstellten, wurde man auf das Leiden aufmerksam; das Kind
war die halbe Meile zum Hospital, ohpe dass es über Schmerzen geklagt hätte,
gegangen. Pllx (Stettin).
>
B. ▼• Langenbeok. Ein Fall von Exarticulation des recliten Ober-
achenkels mit Bildung eines hinteren Lappens.
(Vorgetragen mit Vorstellung des Patienten in der Berl. med. Gesellschaft am
21. Octbr. 1874. Berl. klin. Wochenschrift 1874. No. 46.)
Einem 28jähr. Pat. war binnen 10 Jsjbren eine Geschwidst an der unteren
Psrtie des Obeitdienkels gewachsen, die zuletzt schnell zunahm. Da zahlreiche
iDguinaldrfisen derart mit afficirt waren, dass an ihre Einzelexstirpation nicht
gedacht werden konnte, nahm v. L. die Exarticulation des Femur mit Bildung
eines hinteren Lappens vor. Vorausgeschickt wurde die Unterbindung der a. femor.
dicht imter dem Lig. Poupartii, Es mar ch 'sehe Blutentleerung und Compression
der Aorta. Die Basis des hinteren Lappens, welcher darauf gebildet wurde, lag
zwischen dem grossen Trochanter und dem Damme, seine Ausdehnung betraf die
ganze hintere Fläche des Oberschenkels ; nachdem man ihn bis zum Tuber ischii bei
flecdrter Stellung des Obersehenkels abpräparirt hatte, wurden bei Extension vorn
die Weichtheile dicht unter dem Lig. Poupartii und der Femoralligatur durch-
trennt und dabei sofort das Gelenk eröffnet. Nach Absetzung des Gliedes spritz-
ten einige Arterien wegen Verschiebung des Aortencompressoriums. Die Heilung
erfolgte in 6 ViTochen. Der Tumor war ein vom Periost ausgehendes weiches Sar-
com, das bis an die Synovialkapsel des Kniegelenkes reichtCi ohne in sie hinein-
gewachsen zu sein. — Schliesslich erwähnt Verf., dass in Kxiegszeiten die Exartic.
femoris aberhaupt meist zu spät ausgeführt werde, daher so üble Besultate gebe,
▼<m denen die Friedenspraxis frei sei; dass aber die Mortalität im Kriege nicht
durch den Shok bedingt sei, wie die Amerikaner angeben , da im Frieden die-
selben Nerven zerschnitten, derselbe grosse Bruchtheil des Körpers entfernt werde,
•ondem eben durch den Umstand, dass die Operation im Felde meist nach zu
grossem Blutverlust und zu spät ausgeführt werde. T* Hosengell (Bonn) .
46 CentMJblMt fQf ChinugM. No. 8.
B. Volkmaxm. Zwei FSUe von Diaphysenoeteotomieen wegen Knie-
gelenksankylosen .
(Berl. klin. Woohensehxift 1874. No. 50.)
Durch die Erfolge der antiseptischen Wundbehandlung veranlasst, fahrte V*
erfolgreich bei 2 fast erwachsenen Mädchen die Diaphysenosteotomie aus. In bei-
den Fällen lag rechtwinklige für brisement nicht geeignete Kniegelenkscontractur
vor. Von 13 im Jahre 1874 ausgeführten Osteotomieen sind 10 ohne jedwede, 3
mit minimaler Eiterung geheilt. Alle Operationen sind mit Meissein ausgeführt;
zur Osteotomia simplex bedient sich V. sehr schmaler Meissel, die eine Sehneidenbreita
von 2 — 3 Linien haben, sur Ost. cuneiformis breiterer. Die Hinterwand wurde
nie durchmeisselt, sondern eingeknickt. — Ueber die Indicationen zur Osteotomie
ist im Original nachzulesen. — Schliesslich macht Verf. noch auf die Beobachtung
aufmerksam, dass bei erheblichen Kniecontracturen, selbst bei noch partiell be-
weglichem Gelenk, eine Verlängerung der Femoralcondylen in der Richtung der
Längsaxe des Knochens nachweissbar ist, da eben bei der permanenten Flezions-
stellung der Druck auf die Condylen wegfällt. T» Mosengeil (Bonn).
P. Buppreoht (HaUe a/S.). Ein Fall von Perforation des Warzen-
fortsatzes nebst Bemerkungen über die bisherigen Resultate dieser
Operation.
(BerL klin. Wochenschrift 1874. No. 47.)
Ein 70jähr. Fat. litt seit Vs ^^^ ^^ eitrigem Ohrenfluss, seit Vi ^shr an einer
Fistel hinter dem Ohre und Schmerzen im Kopf, besonders dem Hinterhaupt Die
Fistel führte in einen Abscess, nirgends kam die Sonde auf Knochen. Die
Diagnose wurde auf eine durch Mittelohreiterung bedingte Caries des Processus
mastoideus gestellt und Eröffnung der Zellen desselben Torgesehlagen. Kn Sohnkt
trennte die stark verdickten Weichtheile, der Abscess wurde ausgelöffelt, der Kno-
chen freigelegt; er zeigte 2 feine Löcher, aus denen Eiter kam; durch Meissel-
schläge Tereinigt, führten ne auf Granulationen. Man bohrte und meisselte weiter
bis zum Mittelohr. Die Wunde heute und brach wieder auf, um einen kleinen
Sequester zu entleeren, wonach sie sich definitiv schloss. Da die so oft indicbrte
Operation so selten geübt wird, empfiehlt sie Verf. wegen des guten Erfolges in
seinem Falle. T. MpseBgett (Bonn).
Loewer. Propylamin gegen Kheumatismus.
(Deutoche müitärärztl. Zeitschrift 1874. Hft. 11.)
Das Mittel fand Verf. wirksam nur bei acutem Oelenkrheumatisnms, hier aller-
dings in vorzüglichem Masse. Seine Wirkung äusserte sieh, entsprechend den be-
kannten Versuchsresultaten an Thieren, in raschem Sinken der Temperatur tmd
des Pulses (bis 48 Schläge!) und schneller Abnahme der Schmerzen und der
Schwellung. Wenige Stunden nach der Darreichung erfolgten profuse Schweisse,
nach kaum 2 Tagen rasche Besserung. Durchschnittliche Krankheitadaner, je nach
der Intensität der Fälle, 4—8 Tage. Dosis 1 :180 (mit Elaeos. Menth. 8), 2standl.
1 Esslöffel; im Ganzen bis 3 grm. Gleichzeitige Herzaffectionen sollen keine
Gegenindication far die Anwendung des Mittels . sein. Am. Hiller (Berlin).
Orlginalmittheilnngen, Monographteen und Sepsrst&bdrücke wolle
man an Dr. H. TillmanM, Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagsbandlvng,
Bftitkopf und Härtelj einsenden.
Drnck and Verlag Ton Breiticopf vad Hlrtal In Leipslg.
Gentralblatt
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CHIRURGIE
heransgegeben
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is Berlin. in Halle a. 8. in IJeipüg.
Zweiter Jahrgang.
Wodiendich eine Nummer. Freit des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Pr&-
nmneration. Zu. beäehen durch alle Boehhandlungen und Foetanstaiten.
K^ 4. Somuibeiid, den 23. Januar. 1876.
Inhalti L^ssaa, Neue Experimente snr Lehre von dem Mechanismns der Bnichein-
klemmnng. (Original-Mittheilang.)
■aysr, Dbecte electrische Reizung des Säugethierherzens. — Jenscher, Wirkung der
Cttbols&uie auf die Nerven, das Oehim und Rückenmark. — Frledlimlef , KüuBtliche
Eizeegung von Tuberkulose. — Baumgarieay Tuberkulose der Haut^ — Jahresbericht
des Communehospitsls za Kopenhagen. — Bottini, Behandlung der Prostatahypertrophie.
— KrtmnHZy Aneurysma arterlae meningeae med. — Mannel, üterusflbroide. — Pater-
na, Expeiünentelle Studien Hber Pathogenese und Therapie der Cystitis. — Panartf^
Kaikconeremente in den präpatellaren Schleimbeuteln. — Redtr, Mechanik des Sprung-
gelenks.
ThoilipSOii nnd Kaapp, Retinslgltom. — Knapp und Turabttll, BeünalgÜom mit sub-
periostalen metastatischen GeschwiUsten. — OolbeaVp Makrochylie. — Oberrlt, Retro-
pharyngeal' Abscess. — Fleury, Congenitales Fehlen der Blase. — Michaelis ; Becken-
sebnss. — ReltSy Darmperforation. — eostelliiy Irreponible Hernien; Tarlc5se Phlebitis.
— Riehat, Ueber traumatische, primäre Knochensplitter in Gallus eingebettet.
Nene Experimente zur Lehre von dem Mechanismus
der Brucheinklemmung.
Von
Dr. Hermann Lossen,
Privatdocent der Chirurgie in Heidelberg.
(Schluss.)
II.
In einem^ in No. 36 dieses Blattes v. 1874 xnitgetheilten Auf-
satie bdiauptet Herr Prof. Roser ^ ich hätte seine Theorie der »Bruch-
eioklemmungsklappena nicht bekämpft, yielmehr seinen Fundamental-
versuch ignorirt. Er wiederholt dann die bereits früher an die Fach-
genossen gerichtete Aufforderung^ sein Experiment nachzumachen und
zu prüfen.
50 Centralblatt für Chirurgie. No. 4.
Der Behauptung des Herrn Pirof. Roser gegenüber erlaube ich
mir auf p. 311 meines in Langenbeck*s Archiv Bd. XVII^ ver-
öffentlichten Vortrages hinzuweisen^ wo der Roser'sche Versuch
besprochen und beurtheilt 'ut. Gleichwohl bin ich auch jetzt gern be-
reit, der Aufforderung des Herrn Prof. Roser Folge zu leisten, um
so mehr, als der erwähnten^ Besprechung nur dia zur Demonstration
der »Klappen« bestimmte Versuchsmodification zu Grunde gelegen
hatte und ein genaueres Eingehen wegen der einem Vortrage gesetz-
ten Schranken unmöglich war.
Inzwischen habe ich den Roser 'sehen Versuch oft und auf ver-
schiedene Weise wiederholt und werde im Folgenden die gewonnenen
Resultate mittheilen.
Um keinen Anlass zu neuen Missverständnissen zu geben, sei
der Versuch zuerst genau beschrieben.
In einen mehrere Fuss langen, am Mesenterium hängenden
Schweinedünndarm wurde Wasser gegossen, dann eine kleine Schlinge
durch das 1 Cm. weite Loch eines Cigarrenkastenbrettchens gezogen
und durch Nachdrängen der Flüssigkeit gefüllt. Sobald die Schlinge
schwach gespannt war, wurde das Brettchen umgedreht. Die Darm-
schlinge stand nun nach oben, beide Enden waren nach abwärts ge-
richtet.
Liess man den Darm unberührt, so blieb die Schlinge angefüllt,
weder durch den zu-, noch durch den abfuhrenden Schenkel floss
Flüssigkeit ab. Comprimirte man die Schlinge zwischen 2 Fingern,
fio entleerte sie sich in manchen Fällen sehr rasch, in andern aber
spannte sie sich prall, unmittelbar vor der Bruchpforte und selbst
starker Druck vermochte es nicht, auch nur einen Tropfen heraus-
zupressen. Das letztere trat besonders häufig dann ein, wenn die
Schlinge am Scheitel zusammengedrückt wurde, oder wenn zugleich
mit dem Druck ein Zug wirkte.
Augenscheinlich hatte ich hier das Hoser'sche V^ersuchs-
resultat vor mir. Wie war es zu erklären? War ein »Klappen-
mechanismus« im Spiele, oder handelte es sich um ein anderes noch
unbekanntes Moment?
Gegen die Annahme von klappeuartigen Faltungen der Schleim-
haut, oder, wie Herr Prof. Roser später*) annahm, der ganzen
Dannwand, sprachen mir vor Allem physikalische Gründe. Es ist
schwer denkbar, dass eine in praller Ausdehnung begriffene Membran
an irgend einer Stelle Falten schlagen solle. Man wäre eher geneigt
anzunehmen, dass die etwa vorhandeinen Falten und Duplicaturen
sich glätten müssten. Indessen, zugegeben, es beständen klappen-
artige Faltungen, so folgt, dass Klappen, welche ein Zurückströmen
der Flüssigkeit verhindern, ein Zufliessen derselben gestatten müssen,
sobald an der Seite des Zuflusses ein geringes Plus von Druck vor-
handen ist. Ich habe mit Einschaltung des Manometers den einen
») Handbuch d. anat. Chirurgie, VI. Aufl. 1872. p. 343.
Centtalbktt für Chiruxgi«. No. 4. 51
Schenkel der nach Böser abgesperrten Darmscfalinge mit Luft ge-
füllt, nachdem die Compresaion aufgehobext, der Druck in der Schlinge
also auf 0 Hg. gesunken war. Die »Klappe« öffnete sich je nach der
Festigkeit der Einklemmung bei Vi» U 2, 3, 4 Cm. Hg. Die »Klappe«
konnte somit keine Klappe im mechanischen Sinne des Wortes sein.
Sind klappenartige Faltungen der Schleimhaut vorhanden, so
müssen sie auf irgend eine Weise fixirt und dem Auge zugänglich
gemacht werden können. Herr Prof. Böser hat dieser Forderung
durch seine bereits oben berührte Versuchsmodification zu genügen
gesucht*). Er schnitt die eingeklemmte DarmschUnge an ihrer con-
rexen Seite auf und füllte sie mit reinem Wasser. »Man erkennt
alsdann, indem man in den offenen Darm hineinsieht, die klappen-
artige Anordnung der Darm£älten ; die Klappen nehmen sich ähnlich
aus, wie man sie an der Aorta unter Wasser zu prüfen gewohnt ist«.
Wer den Versuch nachahmt, wird sich schwer von dieser Aehn-
lichkeit überzeugen können. Man blickt jederseits in einen tiefen
Trichter hinein, der unten verschlossen ist und dessen abschüssige
Wandungen von convergirenden Längsfalten eingenommen sind.
Der von Herrn Prof. Koser gebrauchte Vergleich ist daher nicht
zutreffend.
Anschaulicher müsste das Bild des »klappenartigen Verschlussesa
auf dem Längsschnitte werden, hier müsste man die Faltimgen deut-
lich sehen und demonstriren können. Trockenpräparate sind hierzu
weniger geeignet, — man würde den Einwurf erheben, die »Klappen«
seien vertrocknet, obgleich die Valvula Baidiini auf diese Weise recht
gut zu demonstriren ist — , dagegen versprechen Wachseingüsse und
IQ absolutem Alkohol erhärtete Luftinjectionspräparate gute Bilder.
Ich habe bereits früher ''^J .den einen Boser'schen Versuch mit
fliwsigem Wachs nachgeahmt, von dem anderen habe ich kürzlich
Wachs- und Alkoholpräparate angefertigt. Waren die Einklemmungs-
erscheinungen auch noch so evident, in keinem Falle wollte es mir
gelingen, die einer Klappe ähnlichen Faltungen zu entdecken*^*).
Nach Allem dem ist es in hohem Grade unwahrscheinlich, dass
ein Klappenspiel den eigenthümlichen Verschluss erzeuge. Diese Un-
Wahrscheinlichkeit wächst durch den Nachweis eines anderen Momen-
tes, dessen verschUcssende Wirkung mit Evidenz zu demonstriren ist.
Beobachtet man, während die Damischlinge in dem Ros er 'sehen
Experimente zwischen den Fingern comprimirt wird, die beiden freien
Darmenden, so wird man stets bemerken, wie dieselben mit wachsen-
dem Drucke durch die Bruchpforte hindurch nach aussen schlüpfen
und erst ruhig und bewegungslos verharren, wenn der Verschluss
vollendet ist. Zugleich ist zu constatiren, dass die Darmschlinge nach
der Compression grösser ist und bei dem Nachlassen des Druckes
*) Archiv für phys. Heilkunde. Bd. XV. p. 358.
**) Lange nbeck's Archiv. Bd. XVII. p. 311.
**♦) Die genaue Beschreibung dieser Versuche sowie die Abbildungen der PlrÄ-
paiate folgen an anderer Stelle.
4*
52 Centralblatt fQr Chiruigi«. No. 4.
weniger pxall gespannt ergeheint. Es wird also augenseheinlich wäh-
rend der Compression Darm nach aussen gezogen. Mit ihm moss
selbstverständlich das Mesenterium herausrücken und der Verdacht
liegt ausserordentlich nahe, dass ganz ähnlich, wie bei dem neuesten
Busch'schen Versuche, auch hier das Gekröse beide Darmenden
ausammenpresse.
Zwei leicht anzustellende Oegenversuche bestärken diese Ansicht.
Verhindert man das Nachrücken der Darmenden, indem man sie fest-
hält, oder einfacher, indem man das Brettchen sammt der eingeklemmt
ten Schlinge in die Höhe hebt, so dass das übrige Darmconyolut
schwebend hängt, so tritt niemals der Verschluss ein. Ebenso wenig
gelingt der Versuch, wenn man durch die gleiche Uruchpforte eine
vom Mesenterium rein abgetrennte Darmschlinge zieht.
Erlaubt die Lösung einer Absperrung einen Schluss auf ihr Zu-
standekommen, so tritt ein neuer Beweisgrund zu den vorigen. Ein
Hin- und Herbewegen der eingeklemmten Schlinge, ein Ziehen nach
der einen oder anderen Richtung hat nicht den geringsten Erfolg,
die »Klappent reagiren auf keines dieser Manöver, der Verschluss
wird eher noch fester. Dagegen genügt ein leichter Zug am freien
Ende des Mesenteriums, oder auch nur das oben beschriebene Empor-
halten der Schlinge, um die Absperrung sofort zu heben und eine
nun folgende Compressionstaxis vollkommen wirksam zu machen.
In gleicher Weise wird die Absperrung gelöst, wenn man in das
eine oder andere freie Schlingeuende Lufl; einbläst. Das betreffende
Darmstück bläht sich dann an der inneren Seite der Bruchpforte auf
und zieht mit seiner mesenterialen Wand das Gekröse aus dem Bruch-
ringe zurück.
Die oben ausgesprochene Ansicht stützt sich übrigens keineswegs
auf einen blossen Indicienbeweis ; ich bin im Stande, das absperrende
Mesenterium, welches sich wie ein eingetriebener ^eil zwischen beide
Darmenden drängt, direct zu demonstriren.
Es liegen hier vor mir zwei Längsschnitte eines Wachs- und
eines Alkoholpräparates, welche den Voigang in klarster Weise ver-
anschaulichen. Sie sollen an anderer Stelle abgebildet werden; hier
muss ich mich mit der Beschreibung begnügen.
Die am Scheitel zusammengepresste Schlinge ist unmittelbar vor
der Bruchpforte gebläht und hat auf dem Längsschnitte eine beinahe
kreisrunde Form angenommen. Die . Ausdehnung betrifi jederseits
ausschliesslich die vom Mesenterium freie Darmwand. Die beiden
mesenterialen Wände des Darmes liegen an der Compressionsstelle
dicht auf einander, diveigiren aber gegen die Bruchpforte zu, so
zwar, dass jede nach dem betreffenden Rande der Pforte zieht und
hier fest gegen die zugehörige freie Darmwand angepresst liegt. Der
zwischen den beiden mesenterialen Darmwänden übrig bleibende ver-
kehrt-kegelförmige, auf dem Längsschnitte dreieckige Raum wird von
dem fettreichen ^lesenteriiun eingenommen, welches wie ein Keil in
die Bruchpforte eingetrieben erscheint.
CentHabUtt fOr Chirurgie. No. 4. $3
Der Vorgang der Einklemmung bei dem Böser 'sehen Experi-*
mente ist sonach der folgende: Die mit Wasser oder Luft gefüllte
Schlinge wird an ihrem Scheitel EUflammengedrückt. Der Inhalt,
welcher nunmehr auf einen kleineren Baum beschränkt ist, dehnt den
unmittelbar vor der Bruchpforte liegenden Abschnitt der SchUnge aus
und sucht an beiden Seiten so yiel Darm nachzoriehen» als letztere
bedarf, um sich der Kugelgestalt zu nahem. Hierdurch rückt all-
malig mehr Mesenterium in die Pforte, bis endlich ein derber Keil
beide Darmenden verschliesst.
Diese Einkeilimg kommt noch rasdier zu Stande, wenn anstatt
einer Compression des Scheitels der Schlinge ein Zug am Halse der«»
selben ausgeübt wird, oder wenn Druck und Zug zugleich wirken.
Es liegt nadi dieser Darstellung auf der Hand, daes eine ge-
wöhnliche Compressionstaxis hier keine Lösung der Einklemmung be-
wirken kann und es hatte Herr Prof. Böser in sofern Becht, wenn
er behauptete, die »Klappena würden durch das gewöhnlich geübte
Kneten des Bruches nur noch fester angepresst.
Als Besultate der rorstehenden Versuche und Beweisführungen
ergeben sich folgende Sätze:
1) Der Boser'sche Versuch erzeugt unter gewissen Umständen
eine Absperrung der Darmschlinge, wdche durch die gewöhnliche
Compressionstaxis nicht gehoben werden kann.
2) Diese Absperrung hat ihren Grrund nicht in einem »Klappen-
mechanismus«.
3) Die Ursadie der Absperrung ist vielmehr das während der
Compression herausgezogene Mesenterium, welches als
derber, incompressibler Keil beide Darmenden gegen den Band des
Bruchringes presst.
4) X)a der Druck auf die SchUnge die Absperrung einleitet, so
kann selbstverständUch der gleiche Druck, d. h. die Compressions-
taxis eine Lösung nicht herbeifuhren ; dagegen genügt ein leich-
ter Zug am freien Ende des Mesenteriums, um die Ein-
klemmung sofort zu heben.
Eine in's Detail gehende Betrachtung dieser Versuche, sowie ins-
besondere ihre Verwerthung für die Praxis behalte ich mir für eine
andere Stelle vor.
Heidelberg, 5. Jan. 1875.
»m^
8* Mayer. Ueber die direete electrische Beizung des Säuge-
thierherzens.
(Bitiuiigsbericbte d. Aeademie der WiaBenschaften in Wien 1874. Bd. 66. 3. Abthig.)
Um die direete electrische Reizung des Herzens an Hunden,
Katzen etc. vorzunehmen, wurden die Electrodennadeln entweder
dttich die Thoraxwandungen in das Herz gestochen, oder aber besser
das letztere durch Eröffiiung der Brustwand und des Herzbeutels
54 Centralblatt für Chirurgie. No. 4.
bIo68gelegt. Die Versuchsthiere wurden gewöhnlich mit Curare ver-
giftet und unter künstlicher Respiration gebalten.
Verf. kam zu folgenden Resultaten :
1) Bei directer eleetrisch er Reizung des Herzens mittelst Induc«*
tionsströmen eines Dubois'schen Schlittenapparates (2 Daniell'-
sehe Elemente) sinkt der Blutdruck in der art. oarotis zu einem sehr
niedrigen Werthe; die rhythmischen Herzcontractionen hören sofort
mit dem Beginne der Reizung auf^ die Herzmuskulatur geräth in eip
unregelmässiges Zittern (»fr^missement ondulatoire« der Franzosen).
Das Herz schwillt an und zeigt sich beim fköffnen von dunkelrothem
Blute stark angetellt.
2) Diese Erscheinungen, wie man sie bei der Einwirkung der
stärksten Herzgifte beobachtet, werden in den Fällen etwas modificirt,
wenn die Versuchsthiere durch langes Au%ebundenseiD, Curare-Ver-*
giftung^ Blutverluste und vielfache Operationen bereits alterirt ßind«
Hier kommt es vor, dass schwächere Ströme bei kurzer Dauer (2—5")
nicht sofort die normale Herzthätigkeit lahm legen, während bei län-
gerer Einwirkung der directen Herzreizung auch hier Herztod eintritt.
3) Auch bei der Einwirkung constanter Ströme zeigten sich
im Wesentlichen dieselben Resultate wie oben und zwar im Gegen-
satze zu Einbrodt (Moleschott's Untersuchungen, 1859, p. 550
und Sitzungsberichte, Bd. 37, p. 783 und Bd. 38, p. 345—359),
welcher an nicht curarisirten Thieren anfangs ein Steigen des
arteriellen Drucks, eine Beschleunigung der normalen Herzbewegun-
gen und schliesslich ebenfalls Herzstillstand in Diastole beobachtete.
4) Reizung des n. vagus besitzt über die durch directe Herz*
reizung hervorgerufenen wogenden und wühlenden Bewegungen keine
Macht (Ludwig, Hoffa).
Auf Grund der erzielten Resultate verwirft Verf. alle praktischen
Vorschläge, ein z. B. durch Chloroformsynkope insufficient geworde-
nes Herz durch directe electrische Reizung zu der normalen Thätig-
keit wieder anzuregen (vergl. u. a. Steiner, Langenbeck's
Archiv XH, p. 741). Verf. räth dringend von einer so gefahrvollen
Massregel ab. »Die galvanische Reizung des Herzmuskels vernichtet
oder schwächt die normale Thätigkeit des Organs; man darf nicht
vergessen, dass das, was an anderen Muskeln erlaubt ist, auf das in
morphologischer und functioneller Beziehung eine Sonderstellung ein-
nehmende Herz nicht schlechtweg übertragen werden daif«.
Tillmanns (Leipzig).
P. Jenscher. Ueber die Wirkung der Carbolsäure bei direc-
ter Application auf die Nerven, das Gehirn und Rückenmark.
Inaug.-Di88. Qreifswald. 1874.
J. experimentirte in Landois' Laboratorium an Fröschen, und
zwar mit 2, t ^ V2> Vio Vo Carbollösungen. Resultate sind kurz folgende:
1) Der motorische Nerv stirbt nach Application der Säure mit
Centi^lblatt für Chirurgie. No. 4. 55
einer dem CouceDtrationsgride proportionalen Schnelligkeit ab^ ohne
vorher erregt worden zu eein.
2) Die gleiche Wirkung tritt ein^ w^in die frei präparirten hin-
teren Wurzehi auf einem Deckgläschen mit den Lösungen betupft
werden.
3} Wird die Säure auf das Rückenmark des lebenden Frosches
gebracht^ so entstehen allgemeine Krämpfe bei gesteigerter Reflexer-
regbarkeit. Aehnlich sind die Erscheinungen bei Betupfung des 6e^
hirns und der Medulla oblongata.
Bei Application auf die Haut des enthaupteten Frosches entstehen
die lebhaftesten Reflexbewegungen. Ranke (Halle).
Friedlander. lieber die sogenannte künstliche Erzeugung
von Tuber culose.
(Vortrug, gehalten in der pathologisch^anatomisohen Seotion der 47. Versammlung
deutscher Naturforscher und Aerzte zu Breslau. Deutsche Zeitschrift für prak-
tische Medicin 1S74. No. 42.)
F. injicirte in die vena jugularis 1 — IY2 Tage alter Hunde 20—
40 Ccm. einer fein vertheilten, käsigen Masse aus menschlichen
Lymphdrüsenpaqueten entnommen; letztere i^urde mit Kochsalz ver*
rieben und darauf durch Flanell filtrirt^ so dass eine milchartige
Emulsion entstand. Das Wohlbefinden der Thiere wurde durch die
Injection durchaus nicht alterirt, nach 3 — 4 Wochen wurden dieseV
ben getödtet und F. constatirte folgenden Befund: Mit Ausnahme
eines einzigen Falles fand sich in der Leber eine reichliche Eruption
kleiner^ etwa stecknadelknopfgrosser Knötchen, welche makroskopisch
nach Form und Aussehen miliaren Tuberkel glichen. Ganz analoge
Knötchen fanden sich in der Milz^ jedoch etwas sparsamer, als in
der Leber. In den Lungen war das Vorkommen der Knötchen durch-
aus nicht oonstant; hier fanden sich dieselben gleichmässig durch das
ganze Organ verbreitet und waren nicht an den Verlauf der
Bronchien und Gefasse gebunden. Die serösen Häute erwiesen sich
frei, nur in einem Falle constatirte F. im Peritoneum und zwar ganz
in der Nähe der Leber »einen fadenförmigen Zug« von Knötchen.
Audi in der Pia und im Auge fehlten letztere. Histologisch bestehen
diejenigen Knötchen, welche noch nicht im Centrum zerfalloa sind,
aus einer Anhäufung runder Zellen »von ziemlich bedeutender Grösse«;
eine Zwischensubatanz lässt sich kaum nachweisen. Biesenzellen
fehlen. Die Knötchen sind deutlich vascularisirt. Auf Grund dieses
nnkroskopischen Befundes und nach dem klinischen Verlauf (fieberlos)
ist F. der Ansicht, dass die von ihm erzeugte Thierkrankheit durch-
aus nicht mit der menschlichen MiUar-Tuberculose zu identificiren sei.
In der sich anschliessenden Discussion betonen Waidenburg
und Birch-Hirschfeld im Gegensatz zu F., dass die Bies^izelle
nicht die einzige constante Legitimation des Tuberkels sei. Wal-
56 Centralblatt für Chiruxgie. No. 4.
denburg fand bei seinen Versuchen keine Unterschiede
der menschlichen und der künstlich erzengten thierischen Tuberculose
und ist deshalb der Ansicht^ dass letztere mit der ersteren vollstän-
dig zu identificiien sei.
Auch Friedreich schliesst sich bezüglich der Riesenzellen der
Ansicht der beiden Letztgenannten an und meint, dass der patho-
logisch-anatomische Standpunct allein die Tuberkelfrage nicht eaU-
scheiden ^ könne.
Zenker hat ebenMls die Vil lemin 'sehen Impf^ersuche nach-
gemacht und ist der Ansicht, dass die dabei erzielten Besultate für
die Entscheidung der Frage der Tuberculose in der That sehr wich-
tig seien. Allerdings fand auch Zenker bei Thieren niemals die
Biesenzelle , bei menschlichen Tuberkeln dagegen stets. Die Riesen-
zelle ist nach Zenker in den Tuberkeln ausserordentlich häufig,
aber in manchen Fällen fehlen sie und doch gehören diese Fälle zur
Tuberculose (E. Wagner's tuberkelähnliches Lymphadenom) . Bei-
den Formen der Tuberculose sollte ein verschiedener Name beigelegt
werden, Tuberculum gigantocellulare und Tuberculum nanoceUulare
(Zwergzellentuberkel) .
Zülzer erhielt bei seinen Versuchen über putride Infection, bei
welchen er Quantitäten von Bacterium termo, Sepsin etc. in die Lunge
injicirte, an der betreffenden Stelle Tuberkel. TUfaBauBS (Leipng).
P. Baumgarten. Ein Fall von Tuberkulose der Haut.
(Arch. d. HeUkunde 1874. Jahxg. XV. S. 484-487.)
Ein mit der Etiquette »Tuberkula necrogenica manus« bezeich-
netes Präparat der Leipziger pathologisch- anatomischen Sammlung
wurde vom Verf. untersucht. Es stammte von einem 60jährigen
Manne, der nach dem beigefügten kurzen Sectionsbericht infolge ziem-
lich allgemein verbreiteter Tuberkulose mit mehreren grösseren Caver-
nen in den oberen Lungenlappen gestorben war. In der Haut über
den unteren Odenkenden des 5. Os metacarpi beider Hände fanden
sich beiderseits »höckerige^ mit verdicktem Epithel bedeckte Stellen,
welche sogenannten Leichentuberkeln täusdiend geglichen haben
sollen«. Die Bildungen haben zwei Jahre bestanden. Schon bei
schwachen Vergrösserungen liessen sie den exquisiten Bau von Papil-
lomen erkennen, bei starker YeTgrösserung war in den mit Rund-
zellen durchsetzten vergrösserten Papillen ein deutliches Beticidnm
ffu erkennen, das mit Fortsätzen der in der Mitte befindlichen Riesen-
zellen anastomosirte. Centraler ZerfaU war kaum vorhanden; die
überziehende Epitheldecke war unversehrt.
Wohl erhaltene Gefässe und Ausführungsgänge der Enäueläruflen
fanden sich innerhalb der reticulirten Neubildung vor. »Bezuglich
des Verhaltens der Gefässe waren in den Präparaten alle Uebeigänge
von der einfachen gefässhaltigen Hypertrophie des PapiUarkörpers bis
Centandblatt far Chinirgie. No. 4. 57
tarn Tolktändig tubeAulös infiltrirten, gefiisslosen Papillom zu studi*
rem. Haare und Talgdriiseu fehlten in den Schnitten gänzlich.
Verf. meint, dass sein Fall eine isoUrte Stellung einnehme,
da die locale Tuberkulose, welche als Theilerscheinung allge-
meiner auftrete, sonst sich finde bei Erkrankungen der Knochen
und Gelenke und bei scrophulösen Geschwüren, bei welchen letzteren
Affectionen man zweifelhaft sein könne, was das Primäre sei: Ent-
zündung oder Tubericulose.
Einzig in seiner Art sei der Fall auch deshalb, weil hier locale
Tuberkulose ohne jede Combination mit Geschwürsbildung vorliege.
Als Lupus, der nach neueren Untersuchungen überhaupt i»keine patho-
lo^ch-hifltologische Einheit, sondern ein rein klinischer B^rifft sei,
könne man ihn auch nicht auffassen, es sei eben in einem seit Jahren
bestehendem Papillom Tuberkelbildung entstanden, ähnlich wie eine
unsdiuldige Warze nach jahrelangem Bestehen einmal carcinomatös
werden könne.
Die Diagnose nLeichentuberkel« sei für diesen Fall durch die
mikroskopische Untersuchung »in den Schatten gestellt«.
Zum Schluss erzählt Verf. noch einen Falli wo sich die Diagnose
auf Leichentuberkel als richtig erwies, indem ein damit behafteter
Patient wirklich bei Sectionen thätig gewesen war.
1. BIMer (Manahtim).
Bericht des Communehospitals zu Kopenhagen ftlr das Jahr
1873.
Kopenhagen, 1874 (177 Seiten).
In der chirurgischen Abtheilung des Communehospitals (Ober-
chinug Dr. Ho Im er] wurden im Jahre 1873 1134 Patienten behan-
delt. Von Hospitalkrankheiten wurden beobachtet: 3 Fälle von
Pyämie, nämlich: 1) bei einer sehr bedeutenden Adenitis inguina-
Us mit ausgebreiteten Senkungen ; 2) nach Exstirpation eines grossen
Cardnoms in der regio parotidea, mit folgendem schweren Erysipelas
ambulans; 3) nach einer Lithotomie; hier war die Operationswunde
schon geheilt, als eine Phlebitis der linken Unterextremität entstand,
welche die Pyämie veranlasste. Die 3 erwähnten Kranken starben
aQe. Septikämie kam 2 Mal zur Beobachtung: 1] bei einer offenen
Practura cruris, mit einer Kopfwunde und ausgebreiteten Contusionen
complicirt ; 2) bei einer penetrirenden Wunde im Kniegelenk mit be-
gleitendem Delirium tremens. Auch diese beiden Kranken starben.
Erysipelas ist in 14 Fällen entstanden; ausser dem bei der Pyämie
em^hnten Falle starben aber nur 2 Kranke. 1 Mal Tetanus nach
Qaetschung der 4 äusseren Zehen und des vorderen Endes der 4
088a metatarsi; primäre Amputation im Mittelfuss, Ausbruch des
Tetanus nach 8 Tagen. Die Operationswunde war von g^tem Aus-
sehen. Chloral, Morphiuminjectionen, lauwarme Bäder und Chloro-
fonainhalationen wurden angewendet (in 24 Stunden 10 grm. Ohloral,
58 Centralblatt für Chirurgie. No. 4.
0^04 grm. Morphium und eioie Ghloroforminhalation}^ doch abgeeeh^i
von einer vorübergehendeu Erleichterung erfolglos.
Die Zahl djer Croupfalle ^hebt sich auf 74, mit 35. Todesfällen^
die der Tracheotomieen auf 64 mit 34 Todten* Zu letzterer Opera-
tion waten indessen ein paar Mal (die Zahl ist nicht angegehen) nicht
Croup^ sondern andere ELrankheiten die Veranlassung. Nach diesem
Resultat hebt Holm er desi grossen Werth der Operation hervor, be-
sonders da die Croup-Patienten nur in das Spital aufgenommen wer-
den, wenn schon die Operation in Frage kommt. Die Mehrzahl der
Kinder waren daher auch sehr stark angegriffen^ mehrere waren voll-
standig moribund.
In der 5« Abtheilung (Oberarzt Dr. V. Kasmussen) wurden
341 chirurgische und 1185 medicinische Patienten behandelt*). Ery-
sipelas entstand hier in 15 Fällen, 9 Mal bei chirurgischen Patien-
ten, von diesen letzteren ist keiner gestorben. Als Verbandmit-
t e 1 für Phlegmonen und gangränöse Wunden wird schwefelige Säure
empfohlen. Charpie mit einer Mischung von einer wässerigen IO^q
Auflösung von schwefeliger Säure mit gleichen Theilen Glycerin an-
gefeuchtet, wird auf die Wunden gelegt, eine mit der Auflösung der
Säure angefeuchtete Binde umgewickelt und Alles mit Baumwolle be-
deckt. * Die Wunden werden mit einer sehr verdünnten Auf lösimg
der Säure gereinigt. Der Verband ist sehr wohlfeil.
FanlU (Kopenhagen).
E. Bottini. Di un nuovo cauterizzatore ed incisore termo-
galvanico contro le iscurie da ipertrofia prostatica.
(Bologna, tipografia legale 1874.}
Verf. bespricht zunächst die bisher üblichen mechanischen Hülfs-
mittel gegen die Prostatahypertrophie, nämlich die forcirte Erweite-
rung, die potentielle Cauterisation, die Incision und die partielle £x-
cision. Unter diesen Mitteln giebt er der Incision der Prostata bei
Weitem den Vorzug. Diese hat nach Thompson vor Allem den
Zweck, die queren Schleimhautfalten zu durchtrennen, welche durch
die Hügel der Prostata erhoben werden und dem Andrang des Urins
wie eine Barriere widerstehen. Der hauptsächlichste Uebelstand dieser
Methode ist aber die Blutung, die zuweilen recht bedeutend werden
kann. Dieser kommt man zuvor, wenn man die Incision auf galvano-
caustischem Wege vornimmt. Der dadurch erzielte Schorf verhindert
überdiess eine prima intentio der durchtrennten Falte, und mindert
die Wahrscheinlichkeit eiaer jauchigen oder urinösen Infiltration.
Will man aber blos eine Cauterisation, nicht eine Incision be-
zwecken, so verdient wieder die Galvauocaustik vor dem Cauterium
Potentiale den Vorzug, weil man deren Einwirkung viel eher auf den
*) Das Zusammenlegen der chirurgischen und medicinischen Kranken in dieser
Abtheilung ist als ein Versuch, ob ein solches Zerstreuen die Hospitalkrankheiten
verhindere, seit einigen Jahren eingeführt. Hef.
Centialblatt ffir Chirurgie. No. 4. 59
gewünschten Ort und Grad beschränken kann. "Die beiden Inatru«-
mente wurden von den Gebrüdem BorigUone in Novara angeü^r-
tigt; de sehen äusserlich einem winkligen M er ci er 'sehen Katheter
gleich. Die nähere Beschreibung derselben ist im Originale nachzu-
lesen. Die Instrumente wurden von B. vielfach am Cadaver versucht.
Erfahrungen an Kranken scheinen B. noch nicht zur Verfügung zu
stehen. Menzel (Triest).
Erenmitz. Ein Fall von Aneuxysi^a arteriae meningeae
mediae, mit Bemerkungen über dessen Diagnose und über
die antiseptische Ligatur der Carotis communis.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie 1S74. Bd. IV. Hft. 5 u. 6.)
Bei einer Frau von 61 Jahren entwickelte sich, infolge eines StosseS
an die rechte Seite des Kopfes oberhalb des Ohres ein Aneurysma der
Art. meningea med., das nach einem Jahre die Grösse eines halben
Ganseeies erreicht hatte und durch einen Defect von 6^/4 und SVa Cm.
Durchmesser im Sddäfen- und Scheitelbein aus der Schädelhöhle her-
vorragte. Eigotininjectionen , sowie Digitalcompression der rechten
Carotis waren veigeblich. Unterbindung der Carotis comm. mit oat-
bolisirter Darmsaite, streng nach Lister, brachte Heilung.
Die Operationswunde heilte per primam intentionem. K. be*
spricht darauf die differentielle Diagnose zwischen Aneurysma der
Alt meningea med. und anderen aus dem Schädel hervorwuchemden,
pulsirenden Tumoren, und findet als wichtigstes diagnostifiches Zeichen
für Aneurysma die im mitgetheilten Falle beobachtete Verstärkung
der Pulsationen bei Compression der Carotis der anderen Seite.
Die erzielte rasche Heilung schreibt Verf. der Anwendung der
carbolisirien Saite und der Lister'schen Wundbehandlung zu, und
führt zur Unterstützung seiner Ansicht aus der Literatur eine Anzahl
von Unterbindungen grösserer Arterien mit Catgut an, darunter nur
wenige Misserfolge, die aber so mitgetheilt sind, dass man sie statistisch
kaum verwerthen kann. Gersnny (Wien;.
Mann^ Ueber die natürliche und künstliche Elimination
(intraparietaler) Uterusfibroide.
(Prager Vierteljahrsschrift f. prakt. Heilkunde. Bd. 122.)
Verf. giebt eine Uebersicht der bei intraparietalen Uterusfibroiden
gebräuchlichen Operationsmethoden mit Hinweisungen auf die ein«-
scidägige Literatur. Er hat selbst 2 Fälle operirt, und zwar in dem
einen die Enucleation des Fibroids in einer Sitzung vollendet, in dem
anderen die partielle Abtragung ausgeführt, weü der sehr grosse
Tumor Druck auf die Hamblaae ausübte» Ausserdem giebt Verf. eine
Zusammenstellung von 22 Fällen von Enucleation intraparietaler
@0 Centralblatt far OhiniTgie. No. 4.
Uterosfibroide^ welche theils in der Zugammenstellung ron West
{Lehrbuch der Frauenkrankheiten) übersehen, theils erst später ver*
öffentlicht worden sind. Clersiuiy (Wien).
O. Petersen. Experimentelle Studiep über Pathogenese und
Therapie der Cystitis.
Inaug.-Diss. Dorpat, 1874. 61 S.
Verf. hat in einer Reihe von Experimenten bei Hunden durch
Einspritzung verschiedener bacterienhaltiger Faulflussigkeiten imd
chemischer Agentien (Carbolsäure-, Schwefelsäure-, Aetzkalilösung
etc.) in die Blase künstliche Cystitis erzeugt und hält sich infolge
dessen zu folgenden Schlüssen berechtigt:
1) »Durch Injectionen coccobacterienhaltiger Flüssigkeiten in die
Blase von Hunden entsteht Cystitis«.
2) nCoccobacterienhaltige Flüssigkeiten wirken intensiver, als coc-
cobacterienfreie«.
3) »Durch SaUcjrlsäureinjectionen lässt sich, soviel man aus den
angestellten Versuchen schliessen kann, die Cystitis vermindern«.
Verf. scheint den Cocoobacterien einen wesentlichen Einfluss auf
die Entstdiiung der Cystitis vindiciren zu wollen, doch genügen seine
Experimente in keiner Weise, um einen solchen Schluss zu recht-
fertigen. Im Gegentheil brachten bacterienlose, reizende Flüssigkei-
ten oft noch stärkere Cystitis hervor, als faulendes Blut, obwohl der
nach ersterem Versuch gelassene Urin nur wenige »Kugeln« enthielt,
der nach dem letzteren entleerte sehr reich an Bacterien war. Ver-
suche mit Isolationsflüssigkeit (Hiller) sind nicht angestellt.
A. Bidder (Mannheim).
Pamard. Conerötions calcaires formees dans les deux bourses
pr^rotuliennes.
(Oaz. des h6pitaux 1874. No. 136.)
P. exstirpirte einer 59jähr. Waschfrau beiderseits die präpateUa-
ren Schleimbeutel, welche durch Ablagerung von Kalkconcrementen
in vollständig solide Tumoren umgewandelt waren. Links war die
Geschwulst 7 Cm. lang und Z^/2 Cm. breit; die Haut war theilweise
mit ihr verwachsen, geröthet und in der Mitte ulcerirt. Aus der
kleinen FistelöffnuDg sickerte etwas serös eitrige Flüssigkeit ab. Der
andere Tumor war zwar noch grösser — 8 Cm. lang und 6 Cm.
breit — aber von gesunder Haut bedeckt und deshalb der Patientin
weniger lästig. Die Enucleation der Concremente sammt der sie um-
hüllenden Haut gelang ohne Schwierigkeit. Auf der rechten Seite
fand sich hinter dem festen Theil der Greschwulst eine Höhle, welche
mit ^ckflüssigem kalkmilchähnlichem Brei gefüllt war. Die chemische
Analyse ergab, dass die Tumoren zu 69,5^/^ aus erdigen und nur zu
90,5% aus organischen Bestandtheilen zusammengesetzt waren. —
Centralblatt fOr Chinngi«. No. 4. 01
Ab näckste Veranlaseang muM wohl die Beschäftigung der Fat. als
Waschfrau^ die bekanntlich in Frankreich stets ini Knieen arbeiten,
betrachtet werden. Erscheinungen von Arthritis bestanden nicht.
Despr^s operirte ganz ahnliche, nur kleinere, Tumoren eben*
fsdls bei einer Waschfrau. Doch trennte er die Haut nicht durch
einen Kreuzsduiitt, wie F., da hierbei das untere Ende der Narbe
Tor den Tibiaknorren zu liegen kommt und beim Knieen späterhin
Unbequemlichkeiten veranlassen kann, sondern indem er durch einen
Bogenschnitt einen Hautlappen bildete, der von der Geschwulst los-
piaparirt und nach oben geschlagen wird. Die Narbe liegt weiter
oben und kann nicht gedrückt werden. SeUdel (Berlin.)
Seder (Wien). Zur Mechanik des Sprunggelenks.
(Wieper med. Zeitung 1874. No. 47.)
Anatomische Betrachtungen über das Sprunggelenk. Als wich-
tigstes Moment für das Zustandekommen des Flattfusses glaubt Verf.
die Ausdehnung der fascia plantaris annehmen zu müssen. Die ge-
bräuchlichen Plattfussmaschinen wirken nun dieser Ausdehnung nicht
nur nicht entgegen, sondern steigern dieselbe. B. schlägt als passende
Behandlung des Flattfusses vor, zuerst das Redressement zu machen
und dann den Fuss auf ein der Fusssohle im unbelasteten Zustande
genau angepasstes Brettchen zu fixiren. Hierdurch werde mit Sicher-
heit eine Entspannung der Fascia plantaris hervorgebracht. Die Fat.
müssten während Jiex Behandlung voraussichtUch liegen.
Wlnlwarter (Wien) .
Kleinere Mitiheilungen«
Thompson und Knapp. Ein Fall von Retinalgliom, klinisch ausge-
zeichnet durch Familienprädisposition zu Gliom und anatomisch durch
die klar nachweisbare Entstehung der Neubildung aus der Körner^
Schicht. (Mit 2 Holzschnitten.)
(Arch. f. Augen- u. Ohrenheilkunde v. Knapp und Moos. Bd. 5. Abth. 1. No. 7.)
Wiesbaden, C. W. Kreidei's Verlag.
Die betroffenen Verwandten waren sämmtlich Kinder unter 4 Jahren und swar
an Bruder der Ijähr. Patientin, ein Vetter T&terlicherseitB und 2 Kinder der Tante
des Vaters.
Von den beiden Holzschnitten giebt der eine einen meridionalen Schnitt des
in Müll er 'scher Flüssigkeit erhärteten Bulbus; der andere dient zum Nachweis
der Entstehung der Neubildung aus der inneren Kömerschicht.
Frftiikel (Chemnits).
Knapp und Tumbnll. Ein Fall von Retinalgliom mit zahlreichen
subperiostalen meta statischen Oeschwülsteft.
jArch. f. Augen- u. Ohrenheilkunde v. Knapp und Moos. Bd. 5. Abth. l.No. 6.)
Bei einem 3j&hr. Kinde wurde das rechte Auge esstirpirt wegen eines etwa 7
Monate bestehenden Betinalgliomi» welches die Bulbuskapsel ■chon dnrchbrochen
hatte und trotzdem auch in der rechten Schläfengrube ein Tumor zu fühlen war.
^ Wochen nach der Operation hatten sich neue Geschwülste an verschiedenen Punk-
02 Centr^blatt far Ohiraigie. No. 4.
ten der.6cfa&delsutureii gebildet, die der reckten Schlifengrabe war beträchtlich
gewachaen und bald zeigte sich auch ein Recidiv in der rechten Orbita. Es traten
vorübergehend ConTulsionen ein, nach denen alle Schädelgeschwülste theils kleiner
wurden, theils mit Hinterlassung geringer Depressionen ganz verschwanden. Das
Kind starb schliesslich an Erschöpfung.
Die Autopsie ergab Überall den bekannten Bau des Olioms und den Sitz der
Tumoren nicht in der Diploe, sondern zwischen Periost, resp. Dura mater und
Knochen, oft aussen und innen correspondirend ohne wesentliche Veränderung des
dazwischen liegenden Knochens. Fränkel {Chemnitz;.
Dolbeau. Hacrochylie .
(Gaz. des h6pitaux 1S74. No. 146.;
D. operirte einen exquisiten Fall von angeborener, auf Lymphangiektasie be-
ruhender Macrochylie bei einem kleinen Kinde. Die colossal verdickte und ver-
längerte, rQsselförnug vorstehende Oberlippe wurde durch einen der Mundspalte
parallel verlaufenden Schnitt gespalten und so viel von dem zwischen Haut und
Schleimhaut liegenden derben Gewebe excidirt, bis die Lippe ungefähr auf ihr
normales Volumen reducirt war. Das entfernte Stück bestand aus fibrösem Ge-
webe mit enorm dilatirten Lymphräumen. — Da das Kind 1 Jahr nach der Ope-
ration zufällig an tuberkulöser Basilar-Meningitis starb, konnte D. nachträglich
noch die Lippe untersuchen und sich überzeugen, dass kein Recidlv eingetreten war.
SehMel (Berlin).
Oberrit. Abscessus retropharyngealis.
(Wiener med. Presse 1874. No. 47.,
Verf. beschreibt, wie er selbst bemerkt, den Fall nur wegen der im Allge-
meinen grossen Seltenheit des Vorkommens von Retropharyngealabscessen in den
ersten Lebensmonaten.
Ein 7wöchentliches Kind begann einige Zeit nach der fmpfung wiederholt zu
fiebern, und ee zeigte sich eine Anschwellung in der rechten Unterkiefergegend,
welche bei Druck empfindlich war. Aus der Nase floss viel Schleim, ohne dass
die Schleimhaut derselben nach Coryza aussah. Hierzu gesellte sich Laryngeal-
und Bronchialkatarrh. Aus dem Munde entleerte sich ebenfalls viel Schleim, und
der Zungenrücken und der weiche Gaumen zeigten sich in dem verkleinerten Eachen-
raume geschwellt. Das Schlingen wurde immer schwerer; auch traten zuweilen
SufföcationsanflUle auf. Das Kind hielt den Kopf immer hinten Über und athmete
«ohnarchend wie bei Croup.
Die Digitaluntersuchung zeigte jetzt einen Abscess an der hinteren Pharynx-
wand. Incision. Rasche Heilung. O. citirt einige Autoren, die über diese Er-
krankung bei Kindern im frühen Alter bemerken, dass das Leiden anfänglich oft
in trügerischer Form auftrete, die Smptome desselben sind fast regelmässig wie
im obigen Falle. Fr« Stelner (^'^ieni.
Fleury. Absence congenitale de la vessie — Incoutinence d*urine,
p^ritonite d^veloppee ä la siiite de cath6t6risme.
(Gaz. des hdpiUux 1874. No. 132.)
Fat., ein blühendes junges Mädchen, suchte wegen Incontinentia urinae, die
angeblich vor einem Jahr infolge einer inneren Krankheit plötzlich entstanden aein
soll, bei F. Hülfe. Die Genitalien waren durchaus normal entwickelt. Der Urin
tropfte aus der TJrethralöffnung ab. Ein in die Urethra eingeführter Katheter stiess
in der Tiefe von 4 Cm. auf ein Hindemiss, welches in Anbetracht der Incontinenz
für die hintere Wand der stark contrahirten Blase gehalten wurde. Am Tage nach
dem Katheterismus zeigten sich die ersten Symptome einer diffusen eitrigen Peri-
tonitis, die schon nach 8 Tagen zum Tode führte.
Bei Eröffnung der Unterleibshöhle fand sich im kleinen Becken nur der Uterus
Centralblatt ftlr Chirurgie. No. 4. 63
nnd da« Rectum ; Ton der Blase war nieht die geringste Andeutung su entdecken.
Die 4 Cm. lange Urethra endete als blinder Canal ungefähr in der Gegend des
Collum resicae; beide 'Ureteren mündeten in ihr blindes Ende ein. In der linken
Niere sassen mehrere Cysten, sonst waren die Harnorgane und Genitalien normal.
Wodurch der Katheteriamus die tödtliche Peritonitis angefacht hat, lässt F. uner-
örtert; er soll sehr schonend ausgeführt worden sein und von einer Perforation
der Urethra ist im Sectionsbericht nicht die Rede.
Die auffallende Behauptung der Pat., das« ihr Leiden erst 1 Jahr alt sei, be-
richtigte ihre Mutter nachtrftglich dahin, dass sie es schon seit ihrem 4. Lebens-
jahre bemerkt habe. F. yermuthet, dass durch die erwähnte Krankheit vielleicht
der Urin eine reizendere Beachaffenheit bekommen und hierdurch erst grössere
Beschwerden veranlasst habe. Sellftdel (Berlin i.
A. Michaelis. Schubs durch das Becken eines 6jährigen Mädchens.
Leichte Verletzung.
(Wiener med. Presse 1874. No. 47.)
Auf ein 6j&hr. M&dchen wurde in der Distance von 60 — 80 Cm. unvorsichtiger
Weise von einem Manne ein Revolver abgeschossen, dessen Projectil — eine Spitz-
kagel von 12 Mm. — die Bauenwand des Kindes 15 Mm. links von der linea alba,
mitten swischen Nabel und Symphyse traf. Das Kind blieb darnach aufrecht
stehen, und hatte nur einen dumpfen Schlag gefühlt. Am Bauche fand sich eine
sefalitsfönnige Hautwunde, welche im Hinblick auf die Schussdistance, die Brand-
spuren an den correspondirend mit der Wunde durchschossenen Kleiderlagen,
sicher penetrirend sein musste. Das linke Bein wurde im Gehen und Liegen in
Abduetionsatellung gehalten ; oben innen am Oberschenkel eine Ecchymose. Kein
Schmerz. M. meint, die Kugel müsse durch die Incis. ischiad. major ausgetreten
sein, hierbei den oberen Rand des M. pyriform. verletzt haben, woraus sich, durch
Reisung dieses Muskels, die Abductionsstellung erklAre.
50 Stunden nach der Verletzung traten Fieber, Uebligkeit, Brechneigung ein;
der Bauch wurde aufgetrieben, die Wundrinder schwollen an.
Am 5. Tage nach der Verwundung entleerte sich etwas Eiter aus der Wunde,
worauf alle bedenklichen Symptome schwanden. Am 8. Tage stand Pat. schon
auf. Die Abductionsstellung schwand nur allmälig.
3 Monate später fühlte man 7 — 8 Cm. unter der Ges&ssfalte der Pat. einen
festen Körper. M. schnitt die hier — zwischen Muse, biceps und M. semimembr.
— liegende Kugel aus. Der Fall wurde vom Gerichte als leichte Verletzung auf-
gefasst. Fr* Steiner (Wien;.
K. BeisB. Fall einer Darmperforation. Heilung.
(Wiener med. Presse 1874. No. 45.)
Ein 27jahr. Soldat bekam (1859) einen Bauohschuss. Angeblich heftige Blut-
ung. Erst nach 5 Stunden kam er in ärztliche Behandlung. Bald stellte sich leb*
hafces Fieber ein, der Bauch schwoll an ; bei der Stuhlentleerung sollen wieder-
holt viel schwarze Blutcoagula abgegangen sein. Allmälige Besserung. Eine Blut
and Eiter entleerende Fistel am Bauche bestand noch lange, endUoh heilte sie auch.
1 Jahr darnach fand R. in der linken Bauchgegend des Mannes eine von der Spina
snter. infer. gegen die linea alba hinreichende, teigige Geschwulst, empfindlich bei
Brack. Die Hnke untere Extremität war bedeutend schwächer, als die rechte.
Hinten nirgends eine Narbe. Der Druck an der linken Seite des Kjreuz- und
8tassbeines, sowie nach dem Nerv, ischiad. herab bis 3 Zoll vom Kniegelenke
entfernt, ja selbst das blose Antasten dieser Extremität ist unerträglich schmen-
Wt. Dabei fühlt der linke Fuss den Fussboden nur undeutlich. Sprung- und
Zehengelenksfunctionen beschränkt. Stuhlentleerung erfolgt nur unter schmerzhaft
tem Drängen, wobei die Geschwulst am Bauche sich vergrössert. Kein Leistenbruch.
64 Centralblatt für Chinirgie. No. 4.
Verf. meint, die Kugel «tecke in der linken Kreusbeingegend. Die Narbe
am Bauche und die (freilich sehr mangelhaften) Daten der Krankengeechichta
spr&ohen für eine geheilte Darmperforation. Fr« Steiner (Wien).
Qosselin. Sur un cas d'epiploc^le ingmno-scrotale irrMuotible.
(Le progräs medical 1874. No. 47.]
Die Irreponibilit&t eines Darmbruches wird nach G. durch Peritonitiden im
Bruchsack veranlasst, die Adhäsionen eines Netzbruchs sind die Folge toh
larvirten Entzündungen. Trotz der Verwachsungen kann der vorhandene
Tumor (Netzbrueh) zeitweilig vergrdssert werden durch Hinautreten eines andern
Netzstackes oder einer Darmschlinge, oder durch das Auftreten von Flüssigkeit.
In Betreff der Prognose« einer Epiplocele muss man besonders die Incarceration
einer Darmachlinge fOrchten. Nach Scarpa nimmt O. 3 Arten von Adhaesionen
an: cellulöse, ceUuio-fibröse und fibröse. Nur die entexen sind der Lösung f&hig;
vermuthen kann man dieselben» wenn die Irreponibilitftt erst kurze Zeit bestanden
hat. Therapie; absolute Bettruhe während der Dauer von wenigstens 6 Wochen,
um die Vergrösserung des Volumens und Entzündungen zu vermeiden, femer her-
abgesetzte Ernährung, wiederholte Darreichung von Abführmitteln, um das Netz
kleiner zu machen (faire maigrir) und die Adhäsionen zur Besoiption zu bringen.
Dann Reposition.
Derselbe. Sur im cas de phlibite variqueuse.
(Le progr^s medical 1874. No. 48.)
Anschliessend an einen concreten Fall bespricht G. in einer Vorlesung die Ent-
zündung der Varicen. O. sagt, bei Entzündung der tiefen Venen sei besonders
die t. intima Sitz der pathologischen Veränderungen, bei Entsündimg der ober-
flächlichen, varicösen Venen dagegen hauptsächlich die externa und die Zellscheide,
während die intima erst secundär ergriffen werde (in beiden Fällen Thrombose).
Die Endophlebitis führt nach G. höchst selten zur Eiterung, die Periphlebitis oft,
doch kommt häufiger Zertheilung vor, während Embolie der Lungenarterien ein
seltener Ausgang ist. -~ G.'s Therapie: Absolute Bettruhe, leichte Diät, Cata-
plasmen. Petersen (Kiel).
Bichet. Des esquilles emprisonn^cs dans les cals.
(Le progrös m^cal 1874. No. 8^10.)
R. bespricht in einem klin. Vortrage die Differential-Diagnose der Garies und
Nekrose einerseits und der in Callus eingebetteten, primären, traumatischen Kno-
chensplitter andererseits (secundäre Splitter verhalten sich wie die durch Krankheit
entstandenen Sequester). Wenn man bei der Nekrose mit der Sonde untersucht,
bluten die Granulationen leicht, und beim Aufstossen auf den Sequester hört man
ein hellklingendes Geräusch (bruit sec, ^latent). Primäre Splitter können lange,
nach R.'8 Erfahrungen 7 Jahre, im Callus stecken, ohne ihre Gegenwart zu ver-
rathen und dann noch zu Entzündungen und Abscessen Veranlassung zu geben.
Bestehende Fisteln haben indurirte Ränder, die abgesonderte Flüssigkeit ist mehr
serös. Bei der Sondenuntersuchung entsteht keine Blutung, selbst wenn der Pat.
lebhafte Schmerzen empfindet, und man hört keinen hellen Ton beim Aufstossen
mit der Sonde. Der Splitter liegt in einer knorpelähnlichen Höhle (löge comme
cartilagineuse enfermant le corps etranger). Petersen (Kiel).
T
OriginalmSttheilungen, Monographleen und Separatabdrücke wolle
man an Dt. H» TillmanM^ Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
Breitkopf und Härtel, einsenden.
Druck and Verla? von Breitkopf and HSrtel In Lelptlg.
Gentralblatt
fUr
CHIRURGIE
herftasgegeben
Ton ^
Dr. L. hm, Dr. IL ScMe, Dr. i TOIntaiuis
iB B«rlin. in Hall« ». S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Pri-
nnmeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
:«■■
N= 5e Sonnabend, den 80. Jannar. 1876.
lahatt: Billroth und v. Miiiidy, Uebei den Transport der im Felde Venrundetan und
Knnken. — Daatlla und van Watter, Cbloralanaestbasie. — Wagltiflfa, Ueber Darmver-
schlnu. — Jacobiy Gastrotomie. — Czerny, Elephantiasis Arab. congenita. — Klmball,
Drainage des Doüglas^schen Raumes. — Lannanbeclc, Radicalheilung der Hernien. --
Dtearqaay, Operationsmetbode bei eingeklemmten MabelbrQcben. — Oroit» Behandlung
bei Sehlangenbiss. — Solger, Kieferankylose. — Letzarich, Abstossung der diphtheri-
tischen Tonsille. — Bruberger, Transfusion im Kriege. — LingerbanSy Archltectur der
Spongiosa. — Sawyt r, Oangraen nach Arterienligatur.
EaMrCh, Exteosionsverbände. — Obaliaakl, Dlstractionsmethode bei Obarscbenkel-
fnetnren. — Haydenrelcll, Spontanfractur bei Tabes. — MarCtnt, Fall von Osteomyelitis.
— RrzykOWSky, Esmarch'sche Blutleere bei Enncleatio bracbii. — Fall von Tetanus. —
Sckassrerletzung des Herzens. — PHglliaa, Darmversehluss. — BMdar^ Chirurgiscb-
gynaeeologiscbe Casulstik. — Ranke, Echinococcus der Leber mittelst der Simon'scfaen
Operation geheilt. — Gosselln, Robin, Behandlnng der Cystitls. — EnglltCh, Apparat
nach Blasen punction. — Moldenhaaer, Luxation des Penis. — MaCbenzie, Papillom
der Stimmritze.
Th. Billroth und J. v. Mundy. Ueber den Transport der
im Felde Verwundeten und Kranken.
Erste Abtheilung: Th. Billroth. Historische und kritische
Studien über den Transport der im Felde Verwundeten und
Kranken auf Eisenbahnen.
Wien. C. Gerolds Sohn. 1874. 203 S. 80. Mit 1 Tafel.
_ .
Vorliegendes Werk verdankt seine Entstehung der im Octbr. 18? 3
in Wien versammelten »internationalen Privatconferenz über Verbesse-
rung der Pflege 4er im Felde Verwundeten und Kranken« und giebt
eine historische und kritische Darstellung des Verwundetentransports
auf Eisenbahnen von technischer^ chirurgischer und hygienischer Seite^
wobei die vorhandene Literatur und insbesondere die in dem deutsch-
^anzösiachen Kriege von 1870/71 gemachten und seither veröffent*
5
66 Centralblatt für Chirurgie. No. 5.
lichten Erfahr ungeh sdrgffiltig t)entitfct werden. Auf diese Weise hoffl;
Verf., und gewiss mit Recht, die beste Basis für weitere Verbesserun-
gen, und Neuerungen auf diesem , für die jetzige Zeit so wichtigen
Gebote zu gewihneft.
ISbtch dbiem historische Abrisi, in welchem die alhnälige Ent-
wicklung der Lazarethzüge von ihrer ersten beschränkten Anwendung
während des Erimkrieges bis zu der gewaltigen Ausdehnung, welche
sie in dem letzten grossen Kriege genommen, ausgeführt und nament-
lich hervoi^ehob^n wird, dass die deutschen Lazarethzüge von 1870/71,
so, wie si^ nach und nach halb Eur^a durcheilten, selbst bei ge-
rechter Würdigung der vorausgegangenen amerikanischen Leistungen
im Verwundetentransport, doch als eine ganz neue Schöpfung anzu-
sehen seien, geht B. über zu einer Kritik dieser Lazarethzüge im
Einzelnen. Von den einzelnen Gliedern, welche zu einem Lazareth-
züge zusammengefugt werden, wird zuerst der Verwundetenwaggon
allseitig besprochen, und gerade hier geben die im letzten Kriege ge-
ytjOWeneTL Erfahrungen dem Verf. xtidiUchee Material, sich eingehend
mit den Fragen der Ventilation, der Heizung, der Wagenconstruction,
des Ein- und Ausladens der Verwundeten und ihrer Lugenmg im
Waggon zu beschäftigen. Diese Ausführungen gewinnen hoch wesent-
lich an Bedeutung durch den Umstand, dass B. bei der Behandlung
rein technischer Fragen competente Fachleute rathend zur Seite stan-
den. — Nachdem dailn diie zweckmässigste Grrosse des Lazarethzuges
nach Zahl der Verwundeten und der Waggons erörtert worden, geht
B. zur Beschreibung der ausser den Ve^rwundetenwaggons noch vfmter
erforderlichen Räume eines solchen fahrenden Hospitals über, näm-
lich zrur Beschreibung des Aerzte-> Küchen-, Magazin-, Speise- und
Monturwaggons, und reiht daran einen kurzen üeberblick über die
Kosten, welche ein Lazarethzug von den verlangten Eigenschaften
verursachen würde. Die letzten Kapitel des Buches befassen sich mit
der Zusammenstellung des Lazarethzuges (dem Rangiren der Waggons)
und der Vertheilung der Verwundeten und Kranken in demselben;
auch trerden die L<eitung und Führung der Lazarethzüge^ sowie die
Art und Weise, wie diese, einmal in Action gesetzt, am besten ihre
Aufgabe zu lösen im Stande sind, einer Kritik unterworfen. — Die
sehr ins Detail gehenden Ausfulufungen der hi^r nui* kurs; angeAeute^
ten Gegetisttode müssen im Original nachgesehen werden.
Krönlein (Berlin).
'Deneffo et van Wetter. Nouveaux cas d'aaesth^sie par in-
jection intraveineuse de chloral selon la m^thode de M. le
professeiur Or6. ^
(Balietin de l'Aoadtoie röyd:e de mMedine de Belgique Tome VIII. No. 9, 10, 11.)
Die Vff., welche schon einen Fall von Anästhiesiitmg nadh der
Or6*6chen Methode durch Chloraünjection in die Venen miigetheiit
haben (cf. Centralbl. f. Ohir. 1874. No. 34). sind im Stande, wiederum
Centnüblati ffir Ohimrgie. No. 5. 67
16 Fälle zu veröfbAtfichen^ welche sämmtlich glüokUch verliefen.
Davon sind ihnen 11 eigen, während die 6 anderen au8 der Or6**
sehen Klinik herrühren.
Die verschiedensten Operationen indicirten die Narkose; das Alter
der Patienten schwankte zwischen 21 und 74 Jahren.
Die Yff. bedienten sich meist einer mehr verdünnten wässrigen
Chlorallösung^ als Or^ es ursprünglich angab ; sie fanden am zweck-
mässigsten eine 15 — 25% Lösung.
Durchschnittlich genügen 4-^8 grm. Chloral zur absoluten
Anästhesie; eüi einziges Mal musste bei einem kräftigen Mann 12 grm.
iofundirt werden.
Die Procedur selbst ist sehr einfach: die Lösung wird mit einer
guten Spritze durqh eine dixect in die Vene eingestochene feine Troi-
kwtkanüle injiciit. Es ist wichtige nicht zu tasch und auch nicht
zu langsam einzuqiritaen. Es soll ungefittir 0^5 — 0^7 grm. Chloral
in der Minute eingeführt werden » so dass die Gefühllosigkeit der
Cornea nach 6 — 12 Minuten antritt.
Die Narkose war st^ts ausgezeichnet und dauerte 74**^^ Btunde ohüe
die geringste Störung. Das bei der Anwendung des Chloroform so
häufig beobachtete Erregungsstadium und das Erbrechen fehlten voll-
rtand^. Ebensowenig hatte man mit asphyktischen Erscheinungeü
zu thun. Einige Mal jedoch zdgten sich gegen Ende d^ Narkose
Hustenreis und eine zwar nicht unbeträchtliche, dafür aber stets rascih
Yorfibergehende Pulsbeschleunigung.
Auf das anästhetische Stadium folgte stets ein tiefer, selten unter-
brochenet'^ 5— 24 stündiger, in keiner Weise beunruhigender Schlaf.
An der Injectionsstelle liess sich nie die geringste Beaction be-
obachten; Thrombose oder Phlebitis sind folglich nur theoretisch zu
befürchten. Zwei Mal war der zuerst gelassene Urin leicht blutig;
der nächstfolgende hatte indessen schon wieder die normale Beschaf-
fenheit.
Nach den bisherigen Erfahrungen soll somit diese neue Methode
grosse Vorzüge vor den Chloroform- oder Aetherinhalationen haben.
Sie bietet eine verhältnissmässig viel grössere Sicherheit und Wirk^
samkeit; sie erlaubt eine mathematisoh genaue Doeirung des Mittels;
der Operateur ist von den imangenehmen Complicationen der CUoro*
formnarkose befreit und die vollkommene lange Ruhe, welche nach
Aa Anästhesie eintritt, erfüllt eine, besonders bei einzelnen Opera-
tionen, z. B. bei der Staarextraction, ausserordentlich wichtige In-*
dication. Endlich zeigen die Thatsachen, dass diese Chloralinfusion
ganz ungefährlich ist. (Diese Ungefährlichkeit dürfte nach 18 FäUen
doch noch nicht so sicher bewiesen sein* Ref.]
Zum Schluss begrüssen die Vff. in diesen ersten Yersnohui den
ersten Anstoss zu einer neuen (?) vielversprechenden therapeutischen
Methode, zur Datreiohimg Inedicamentöter Substanzen durch Infusion
in die Venen; und fordern zur weiteren Nachahmung auf» — (Die
68 Centralblatt für Chirurgie. No. 5.
Infusion medicamentöser Stoffe in die Venen ist bereits seit der etsten
Hälfte des 17. Jahrhunderts bekannt gewesen. Ref.)
Oirard (Strasßburg i/E.).
W. Wagstaffe. lieber Darm verschluss ; seine Symptome,
Ursachen und Behandlung.
(St. Thomas's Hosp. Reporte 1873. p. 179 u. ff.)
Eingangs dieser gediegenen Abhandlung macht W. auf den
hohen Wertb der Simon 'sehen Manual-Untersuchung behufs Eruir-
ung der LocaUsation des Verschlusses aufmerksam und illustrirt
dieses durch die detaillirte Krankengeschichte eines Falles^ in wel-
chem bei einer 30jährigen Frau die Rectaluntersi^chung als Grund
des langsam ausgebildeten Verschlusses einen bösartigen Tumor auf-
fand^ welcher von der Synchondr. sacro-iliaca ausging und an einer
Stelle in die vordere Wand des Rectum hineingewuchert war. Die
Anlegung eines künstlichen Afters in der rechten Inguinalgegend hob
die Erscheinungen des Verschlusses.
Zur Bestimmung des Sitzes der Verschlussstelle benutze man
combiiiirt die bekannten Untersuchungsmethodeu ; die genaue äussere
Untersuchung wird unterstützt durch die innere manuelle, durch die
Eintreibung von Luft, resp. Einfüllung von Wasser, durch die Be-
rücksichtigung des Verlaufs des Darmverschlusses besonders seiner
Acuität, der Localisation der vorhandenen Schmerzen, des Eintritts
des fäculenten Erbrechens. Auf die Details dieser Methoden, auf
die Wiedergabe der interessanten Krankheitsgeschichten und der den
verschiedenartigen Befund illustrirenden Zeichnungen muss hier ver-
zichtet werden. Die Arten des Darmverschlusses berücksiclitigt W.
unter folgenden 3 Gesichtspuncten.
Die verschliessende Ursache liegt : 1) ausserhalb der Darmwandung ;
2) in einer krankhaflen Entartung der Darmwände selbst; 3) in dem
Darmlumen selbst.
Zur 1. Categorie gehören die Verschliessungen durch feste Bän-
der (solitary bands], die am häufigsten vorkommende und die grösste
Mortalität aufweisende Verschlussform. Schon Philipps setzte ihr
Vorkommen auf 33% fest und Gay konnte 1861 148 Fälle anführen.
Die Bänder, die Residuen vorausgegangener Entzündungen, stellen
Verlöthungen von Eingeweiden, von Mesenterium oder Netz mit an-
deren Theilen dar, oder eine Lücke im Mesenterium oder Netz mit
festem, verdicktem Rande. Auch können hierher gerechnet werden
die inneren hemienartigen Einklemmungen in eine natürliche Oeff-
nung, z. B. for. Winsl., oder in eine abnorme Oeffnung, z. B. Spalte
des Zwerchfells, und die Reductionen en masse und in einen zweiten
Bruchsack; endlich sind hier die Verschlüsse verursacht durch Tumo-
ren zu rqpstriren.
Bei Berücksichtigung der Fälle von Darmverschluss, in welchen
der Darm selbst die Schuld trägt, treffen wir zuerst auf die Ver-
Centralblatt far Chiruigie. No. 5. 69
schfingung. Verknotung der Därme (»Volvulus«). Unter 600 von
Brinton gesammelten Beobachtungen bestand dieselbe in 52%; die
Inragination liefert nach Brinton 43% aller Verschlüsse.
Hierher kann man auch rechnen den Li ttr ersehen Bruch» den
anus imperforatus und den Defect des Darmcanals und endlich die
Unwegsamkeit» Strictur» hervorgerufen durch bösartige Tumoren des
Darms» hauptsächlich in der Wandung des Rectum. Sehr selten ist
die Ursache eine Paralyse der Därme und der Verschluss durch
Hämorrhagie in die Darmwandung (Bre tonne au).
Was die Verschlüsse der dritten Abtheilung anlangt» so ist die
enorme Giasausdehnung (Martyn) eine seltene» häufiger die durch
feste Masse; dahin zahlen die Anhäufungen durch unverdaute Nah-
rung» durch sogenannte Concretionen und fremde Körper (Haare»
Spulwürmer, Gallensteine etc.). — Vielfache Beispiele hierfür aus
eigener und Anderer Erfahrung sind im Original einzusehen. Die
Diagnose» dass ein Darmverschluss statthabe» und welche Art des
Verschlusses muthmasslich statthabe» bietet in der Abhandlung keine
neuen Gesichtspuncte.
Die Therapie des wirklichen Verschlusses verlangt mit Aus-
nahme der leicht entfembaren fremden Körper im Rectum und einer
dilatirbaren Strictur desselben» immer einen entschiedenen Eingriff: die
Eröfinung des Darmes in der linken Lende, oder in der rechten Leiste ;
oder die Eröffnung des Abdomens mit Aufhebung des Verschlusses
durch Lösung der frischen Invagination oder Zerreissung der Bänder.
Der Abhandlung ist eine Tabelle von 18 tödtlich abgelaufenen
Fällen von Darmverschlüssen beigefugt» welche in den letzten 10 Jahren
im St. Thomas Hospital zur Beobachtung kamen; darunter fanden
sich 6 verursacht durch Tumoren der Darmwandungen» 6 durch Bän-
der oder Adhäsionen» 4 durch Stricturen» 2 durch Invaginationen.
Unter diesen wurde in einem Falle von Solly (1864) die Colo-
tonue gemacht (Carc. recti.)» in einem zweiten von Mc. Cormac
(1S72) die Colotomie und da das Colon leer gefunden wurde» die
Enterotomie in der rechten Leiste. PUz (Stettin).
A. Jacobi (New York), Gastrotomy in stricture of the Oeso-
phagus.
(New York med. Journal 1874. No. 113— 114.)
Verf. tlieilt einen Fall von Gastrotomie wegen Oesophagusstric-
tur mit und giebt im Anschluss hieran aus der Literatur eine Zu-
sammenstellung der analogen Fälle. Der Fall betrifft eine 52jährige
Frau» welche innerhalb der vorhergehenden 13 Jahre an einem Scir-
rhus der Mamma und dessen Recidiven wiederholt operirt und mit
Electrolyse behandelt worden war. Die wahrscheinlich carcinomatöse
Strictur hatte ihren Sitz in der Höhe des Ringknorpels und hatte
bereits complete Dysphagie bewirkt; dabei bestand hochgradige Ab-
70 Centralblatt jRir Chirurgie. No. 5.
mageruiig und Schwäche. Am 24. April 1874 wurde die Gastrotomie
(waiMin nicht Oesophagotomie? ^f.) ausgeführt: der 2^2 Zoll lange
Hautschnitt verlief senkrecht von dem Interstitium zwischen den
EndiEin des 7. und 8. Bippenknorpels nach abwärts, das Peritoneum
wurde in der Länge von 1 Y2 Zoll gespalten und hierauf die vordere
Wand des Magens (in der Mitte zwischen der grossen und kleinen
CürvaUir)» nachdem dieselbe durch 2 hindurchgezogene Fadenschlin-
gen fixirt war, zwischen diesen beiden durch einen zolllangen Schnitt
eröffnet. Schliesslich wurden die Wundränder der Magenwand an
die der äusseren Bauchwand mit 8 Nähten angeheftet. Der Verlauf,
in den ersten Tagen günstig, nahm vom 5. Tage an mit der Ent-
wicklung einer eitrigen Infiltration in der Zellgewebs- und Muskel-
schicht der Bauchwand eine ungünstige Wendung und nachdem noch
am 9. Tage eine Transfusion von 4 — 5 Unzen defibrinirten Blutes
ohne sichtUdien Erfolg vorgenommen war^ erfolgte am tO. Tage der
todtliohe Ausgang an Septicämie. Bei der Section, bei welcher blus
die Bauchhöhle geöffiiet wurde^ fand sich kein Exsudat und keinerlei
Flüssigkeit in der Bauchhöhle, der Magen im Umfang der Wunde
mit der Bauchwand verlöthet.
An die Mittheilung dieses Falles reiht Verf. eine Zusammen-
stellung von 14 bekannt gewordenen Fällen von Gastrotomie wegen
Oesophagusstenose. Aus derselben ist zu entnehmen, dass betreffs
der Nationalität der Operateure sich unter denselben 9 Engländer, 2
Franzosen und je i Deutscher und Amerikaner befinden. Die
Stenoee war bedingt m 11 Fällen durch Caroinom des Oesopha-
gus, in einem Falle durch Aetznarben, in 2 Fällen ist die Ursache
nicht bekannt. In sämmtlichen Fällen erfolgte der tödüiche Ausgang ;
der längste Termin, welcher nach der Operation überlebt wurde, war
11 Tage, der kürzeste 12 Stunden. Die Todesursache war nur in 2
Fällen eitrige Peritonitis, in den übrigen Erschöpfung, Shoc, Herz-
degeneration, Pneumonie. Verf. fordert trotz dieser ungünstigen Er-
folge zur Wiederholung der Operation auf, indem er die Schuld an
jenen Resultaten theils auf Rechnung einer fehlerhaften Technik untl
Nachbehandlung, theils auf Rechnung davon setzt, dass alle jene
Fälle eigentlich erst in articulo mortis operirt worden sind. Verf.
einpfiehlt napientlich während der ersten Tage nach der Oper^tiof^,
bis die Magen wand durch Adhäsionen fixirt ist; die Ernährung vom
Rectum aus. P, Bruiis (Tübingen).
Cxemy« Eine Elephantiasis Arabum congenita mit plexi-
formen Neuromen.
(Arch. f. kliniwhc Chirurgie 1874. Bd. XVIJ. Hft. 3. p. 357--384.)
Die. im 27. Jahre verstorbene Patientin, Abkömmling eines ge-
aehwulstreiißhen Geschlechts und Tochter einer von Hecke r i^ den
60ger Jahren operirten Frau, tnig wie die Mutter am Rücken eine
cu emxmex Grösse angewachsene OesohwulBt congenitalen Ui^prungs,
Ceotralblatt für Ghii^irgie. Np. 5. 71^
wekhe g^^ M» Lebensende au der Basjs von em^r liini^ i^i^eqxti
i¥urde^ die von der linken Sp. post. sup. im Bog^n zum 10. Brustwirbel,
von da nach abwärts zur Mitte des rechten Darmbeins zog und von
da über rechten Tuber ischii zum Ausgangspunct zurückführte (Um-
fiing von ca. 100 Cm.). Sie hing beutelformig auf ca. 80 Cm. bis
in die Gegend der Kniekehle hinab und endete in 2 rundlichen, resp.
hahnenkammartigen Fortsätzen. Im Zusammenhang damit war eine
Hautpartie, welche an der Aussenvorderseite des rechten Oberschen-
kels, entsprechend dem Bezirke des N. cutaneus femoris ext. und
med. bis zum Knie sich heruntererströckte und ebenfalls von der Ge-
schwulstbildimg ergriffen war.
Ref. muss sich beschränken, mit Uebergehung des Krankheits-
verlaufes aus der überaus sorgfältigen Section und mikroskopischen
Untersuchung Folgendes hervorzuheben. — Der Innenfläche der rech-
ten Beckenhälfte liegen Packete von wulstigen Geschwülsten auf,
welche Verdickungen der vorderen Zweige des rechten Lumbalnerven-
geflechtes sind. Sie beginnen von der Stelle der Intervertebralgang-
lien, stehen unter einander in plexusartiger Verbindung und haben
den Sympathicus lumbalis mit in die Degeneration hineingezogen.
Aehnlich sind die Nn. femoris cutaneus ext. und med. und N.
Saphenus major entartet.
In der. Hauptgeschwulst des Rückens finden sich ausser den so-
gleich zu beschreibenden mikroskopischen Eigen thümlichkeiteu, zum
Theil parallel mit den grösseren Blutgefässen, derbe, markweisse
Stränge, von der IMcke einer Rabenfedei; bis zur Dicke einer Gänse-
feder, die vielfache rosenkranzförmige Anschwellungen zeigen und sich
netzartig verbinden. Der Zusammenhang dieses Flechtwerkcs mit
den Dorsalästen der Lumbal- und KreuzbeinnerveQ lässt sich leicht
durch das Mqsser darstellen.
Die Hauptgeschwulst ist als Elephantiasis congenita aufzufassen
und zwar von jener seltenen Form, die man als die neuromatöse be-
zeichnet hat. Sie ist aus einer Hyperplasie des subcutanen GeWebis
hervorgegangen und enthält zahlreidie Saftoanalsysteme, welche mit
grossen, ein weites Canalsjstem darstellenden Lymphiäumen zusam-
menhäqgen. Interessent ist der Nachweis von glatten Musi|fLeliasern
und Lymphräumen um die Talgdrüsenfollikel, vor allem ab^r die
Combiaation mit den Kervengeschwülsten. Es beistehen diese letzte-
ren hier der Hauptmasse nach aus Bindegewebe, in welches Gang-
Henzelleu, markhaltige und zahlreiche n^ugebildete marklose Ner-
yenl^em eingestreut sind.
Die Frage über die Bedeutung dieser Nervengeschwülste für die
elephantiastischen Bildungen b^ührend, meint C, es habe der Pro-
C688 in den Nerven begonnen und die Hauterkrankung dann h^rbci-
gefohrt , als er bis zu einem gewissen Grade gediehen war. Ni^ment-
Uch möchte von einer Erkrankung der sympathischen (trophischen)
Fasern die Hyperplasie des subcutanen Zellgewebes abzuleiten sein.
Wii]i.Kocli (Berlin]. ,
72 Centralblatt für Chinirgie. No. 5.
Oilman KimbaU. Cases of drainage from the cul-de-sac
of Douglass after ovariotomy.
(The Boston med. and surg. Journal 1874. Voi. XC. No. 22, 24, 25. Vol. XCI.
No. 6, 7 und 12.)
K. theilt 9 Fälle von Ovariotomie mit, in welchen sämmtlich bei
der Nachbehandlung die Drainage der Peritonealhöhle vom Douglas'-*
sehen Saume aus durch die Vagina luiterhalten wurde. In seinen ersten
Fällen bewerkstelligte er die Drainage so, dass er die Unter bindungs-
fäden des in der Peritonealhöhle zurückgebliebenen Geschwulststieles
einfach durch die künstliche Oeffnung in der hintern Vaginalwand
aus der Scheide heraufileitete. Die Fäden sollten das sich ansam-
melnde Secret, von dessen Retention er Gefahr fürchtet, nach aussen
leiten. Er fand jedoch bald diese Axt der Drainage mangelhaft^ in-
dem sich die künstliche Communication zwischen Douglas'schem
Raum und Scheide schon am 2. oder 3. Tage schloss, und stellte er
deshalb erstere durch das Einlegen einer silbernen Kanüle her, die
er bis zum vollständigen Aufhören des Ausflusses liegen liess. Durch
diese Kanüle nahm er auch in einzelnen FäUen das Ausspülen des
Cav. periton. mit erwärmter wässriger Kochsalzlösung (1:20) vor.
Von den 9 Fällen, die, wie aus den Bes<chreibungen hervorgeht, in
ihrer Mehrzahl complicirter und schwerer Natur waren, wurden 7
geheilt. 2 der Operirten starben, eine an Tetanus am 22. Tage nach
der Operation, die zweite am 12. Tage nach der Operation infolge
allgemeiner Peritonitis und Septikämie (Krankengeschichten im Ori-
ginal). K. spricht sich infolge seiner Erfahrungen sehr günstig über
die Drainage der Unterleibshöhle nach Ovariotomieen aus und sagt,
man könne ihrer nur in ganz reinen^ uncomplicirten Fällen, wo man
keine secundären Ergüsse zu erwarten habe, entbehren.
A. Bargrer (London).
M* Langenbeck (Hannover). Radicalcur der Brüche.
(Memorabilien 1874. Hft. 7. p. 293.)
Durch folgende Methode der Implantation hat L. in 7 Fällen
von Inguinalhemie und 2 von Cruralhernie vollen Verschluss der
Bruchpforte erzielt. Ein zungenförmiger, mit seiner 1 — IV2" breiten
Basis nach oben gelegener Lappen wird aus der vorderen Schenkel-
fläche derart gebildet, dass der innere Begrenzungsschnitt in der Höhe
zwischen Symph. oss. pub. und tuberc. pub. beginnend, IV2 — 2"
nach abwärts und etwas nach aussen geführt wird; bei der H. inguin.
etwas höher über dem Lig. Poup., als bei der H. crural., wird von
dieser Schnittwunde aus, die durch Unterhautzellgewebe und Fascia
superf . geht, der Zeigefinger in der Richtung des äusseren Leistenringes
vorgeschoben, durch den ganzen Canal hindurchgefiihrt. Bei Schen-
kelbrüchen hat man die etwa noch vorhandene Fase, cribrosa zu
durchbrechen, dann von der fossa ovalis aus in der Richtung des
Annul. crur. vorgehend^ die plic. falciform. bis zum Lig. Poupartii
Centralblatt far Chirurgie. No. 5. 73
hio zu durchreissen und endlich das etwa erhaltene Septum cruiale
zu perforiien und die im annul. crur. befindliche Vertiefung der
vagin. TaacHT. zu zerreissen. Nachdem die Bruchcanäle und Pforten
so frei, resp. wund gemacht sind, wird nach aussen vom ersten
Schnitt fast in derselben Höhe bannend, der zweite äussere IY2
— 2" nach unten und etwas nach innen geführt und die convergiren-
den Schnittenden durch einen unteren bogenförmigen verbunden ; der
nmschnittene Hautlappen wird abpräparirt und möglichst tief in die
Bruchcanäle eingeschoben; Vereinigung der frischen Wundit&uder,
das ganze Operationsfeld und den Bruohcanal deckender Charpie*
Verband, Kälte durch 6—12 Stunden. In der ersten Zeit wird ein
Bruchband noch getragen; nach 10 — 12 Tagen Verlassen des Bettes.
Bei mehreren Patienten fand L* nach 74—72^^^® die Bruchpforten
ausnehmend fest und hart verschlossen. PUs (Stettin).
Demarquay. Sur un nouveau proc^de op^ratoire applicable
ä la hemie ombilicale etrangl^e.
(Bulletin ghikni de thtepeutique Vol. LXXXVII. No. 8.)
Die Operation des eingeklemmten Nabelbruches bietet bekannt-
lich eine recht schlechte Prognose ; eine, tödtliche Peritonitis tritt in
den meisten Fällen ein.
D. hat diese Gefahr durch folgendes viel weniger eingreifende
Verfahren zu verringern gesucht.
Er führt über den unteren linken Rand der kugeligen Geschwulst
einen kurzen radiären Schnitt, welcher den Bruchsack nur wenig
und sehr nahe am einklemmenden Ring eröffnet; letzterer wird mit
einem concaven geknöpften Bistouri ca. 2 Cm. tief eingeschnitten.
Nachdem der Operfiteur auf diese Weise die Einklemmung gehoben
hat, reducirt er den Bruchinhalt gar nicht, sondern lässt ihn liegen
und verschliesst die Wunde mit Nähten.
Von 4 nach dieser Methode operirten Kranken kam t durch
(? Ref.). Girard (Strassburg i/E.).
GroBB« De l'expectation dans le traitement des morsures de
viperes.
(Revue medicale de l'Est Bd. II. No. 9.)
Verf. glaubt, dass der Natterbiss in unseren Gegenden nicht
lebensgefiLhrHch sein kann (? Ref.) ; das Gift werde übrigens so schnell
resorbirt, dass nur das Aussaugen der Wunde unmittelbar nach der
Verletzung eine rationelle Begründung beanspruchen könne. Sonst
seien alle anderen empfohlenen Behandlungsmethoden : Aetzungen, In-
cisionen der Stichwunden oder, wie man es neuerdings empfahl, intra-
74 CwinOblaU füy ChiruTgie. No. 5.
ve^ÖBO AomQUiaki^j^t^oi^ > höchstena uunüA^^ maachiiiAl gefähr-
licher 9}^ dft8 Uehßl «elbft, Miui soUe exspeotatiy o4er ein&oh «ymptp-
imiti^eh vorfahren. ' Glrurd (Stnssbwg i/E.).
B. Solger. Ein Fall von knöcherner Ankylose des linken
Kiefergelenks.
(Viroh. ArchiT Rd* LX. p. 3^0.)
Diese bisher nooh nicht beschriebene Missbildung fand sich an
einem leider nicht vollständig erhaltenen Schädel der anatom. Samm-
lang zu Jena. Ueber die während des Leb^^is au beobachtenden
Erscheinungen fehlen die Nachrichten. Es fehlt die rechte Unter-
kieferhälfte und nur die starke Entwicklung der lamina externa des
Flügelfortsatxes dieser Seite, die abgeschliffene OberSäohe des ersten
oberen Backzahnes, der hier gut entwickelte Alveolarrand spreche^
für Ausübung der Kaufunction.
Ob beide Unterkieferhälften getrennt existirteU; oder operativ
getrennt wurden, ist unbekannt. Die ganze untere Fläche des Schup-
pentheiles des linken Schläfenbeines wird von einer mächtigen Kno-
chensäule eingenoBumen, die mit einem* dem proc. condyl. man-
dibulae entsprechenden Knocbenstück verwachsen ist. An der hinteren
und inneren Fläche markirt eine Fijrche die Grenze beider Kno-
chen, an der vorderen und* äusseren Fläche verläuft eine bogenför-
mige, zackige Nath. Der process. coronoideus wird durch einen
schmalen, dreikantigen, oben scharf ausgezogenen Fortsatz repräsentirt.
Horizontaler und aufsteigender Ast bilden keinen Winkel. Der dem
Körper entsprechende Unterkiefertheil trägt weder Zähn^ noch Al-
veolen, statt dessen nur zwei Knochendome. Ein Zahn (Mahlzahn)
liegt mit einem Theil der Krone und der conischen Wurzel frei zu
Tage, ist sonst von Knochenmasse umschlossen. Das Schädeldach
ist von oben betrachtet unsymmetrisch und rechts geräumiger.
MadeiHng (Benn).
Ludwig Letzericb. Ueber Abstossung einer diphtheritischen
Tonsille.
(Berl. klin. V^^ochenschrifl 1874 No. 28.)
Verf. theilt einen Fall mit, wobei naeh ziemlich langer Dauer
der Krankheit sich die eine Mandel und eine Partie des Yelum
palat. abgestossen; danach folgte eine starke Blutung und Tod
unter Drängen nach Urinentleerung. An den abgestossenen Partieen
fand sich auf dem Durchschnitt theils krümliches, conoentrisch
schaaliges, theils alveoläres Gefuge. Es folgt genaue mikroskopische
Analyse und die Angabe, dass die verschiedenartig gut oder übel
verlaufende Diphtherie der Tonsillen von den Entwicklungsfcurmen
des Pibes abhinge. Wenn der Boden geeignet sei, für Entwicklung
der niederen Formen, namentlich der Flasmakugeln , die zu Micro-
üeatralbUtt für Cbirurgi«. No. 5. 75
coeciiffiDEiiiflseH und Br^ndpils würdea^ fände eiunmat^ Ve^rii^^lMruiig»
also grosse Zerstörung stutt, komme es aber «ur £ntwic^ung von
Mycelienftdeii» so trete leicht SponUuheilung ein. Pie beiden Hy-
phenfomen des Filies hätten auf lebeade thierische Organismen, da
sie eine Luft- und Flüssigkeitsform des Pilses seien, keinen Einfluss.
T. Itos^neil (BqwO
Bmbergar. Die Tranefusion und ihr We^h im Felde.
;Beri. militärftntl. Ges. Tom 21. Juli 1S74. — Deutsche milit&räntl. Zeitschrift
18T4. H(t 10.)
B,, der gegen 40 Transfiisionen theils gemacht, theils gesehen
haben will und die verschiedenen Methoden derselben kennt, giebt
nach seinen Erfahrungen der Schliep'schen Methode der doppek
arteriellen Transfusion vor der Ha ss ersehen arterio- venösen den
Vorzug. Hinsichtlich der Wahl der Blutspecies empftehlt er, wo man
es haben kann, ganzes Menschenblut ; ist dies nicht möglich , so habe
man im Thierblut ein gerade nicht vorziigliches, aber brauchbares
Surrogat. Die Indicationen für die TransAision sollen nach Verf.
zwar in Zukunft voraussichtlich noch erweitert worden, sind aber
vor der Hand immer noch auf acute und chronische Anämie beschränkt.
Die Gewohnheit, das überströmende Blut auf Körpertemperatur zu
erhalten, sei überflüssig, da gerade die Abkühlung des Blutes durch
Eis vor Gerinnung schütze.
Im Felde soll die Transfusion nach Verf. natürlich nur in Laza*
lethen, niemals auf Gefechtsfeldem und Verbandplätzen (Gesellin s),
ihr Recht haben, hier aber in Zukunft als geradezu unentbehrlich
sich erweisen. Die Einfuhrung von Transfusionsapparaten (nach
8 c h 1 i e p) in das Armentarium der Feldlazarethe wird dringend
empfohlen. Irn, HUier (Berlin).
P« Laagrorhaiui. Beiträge zur Architectur der Spongiosa.
fVircli. Ai€hiv 1874. Bd. LXI. p. 239.)
L. kritisirt zuerst das von Wolfermann beschriebene dreifache
System von Plättohenaügen in den Wirbelkörpem, stellt das von Wol-
fermann aufgestellte radiale, von der hinteren Fläche des Körpers in
g^reuxtem Verlauf nach der vorderen siehende System in Abreda
uad bespricht die Modüicationen, welche die Anordnung der 8pon^
giosa der Wirbelkörper am oberen und unteren Ende der Wirbelsäule
erleidet. Von der unteren Extremität findet hauptsächlich der Unter«
scheakel genaue Beachtung. Ein System von sagittal sich kreuzenden
Zügen in obeien Theil der Tibi» entspricht der Richtung und Aus^
dehnimg nach den lig. omoiata und überträgt den Zug dieser Bänder
zujT Compaola des Knochen. Nach dem anatomischen Befund geht
der Fibula jede BetheiUgung am Tragen der Körperlast ab.
Oflgegen ist das Fibulaköpfdien von Bedeutung für die Mechanik
des Kniegeki^s. An Schnitten, welche in genau frontaler Ripbtung
76 Centralblatt far Chirurgie. No. 5.
durch das Fibulaköpfchen gelegt sind^ sehen wir an der Aussenseite
einen stark entwickelten Zug von Bälkchen^ welcher aus der Com-
pacta des Schaftes hervorgegangen^ in den äusseren Höcker des Waden-
beinkopfes zieht und so dem lig. acc. laterale entspricht. Im unteren
Ende der Tibia und Fibula finden sich, ausser den schon anderweitig be-
schriebenen und erklärten Spongiosazügen solche, welche einem Drucke
entsprechen, der beide Knochen von einander entfernt. In der Tibia
gehen dieselben bogenförmig verlaufend in den malleolus int. und
stehen senkrecht auf seiner Gehfläche; in der Fibula strahlen sie
vom oberen Theile der Gelenkfläche aus und ziehen sowohl nach oben
und unten, als nach aussen. Auch der Bau des Talus beweist, dass
die Fibula demselben keine Last zuführen kann. Von den im oberen
Ende des Humerus durch Wolfermann beschriebenen Spongiosa-
zügen sah L. zwei derselben selten oder nie. Er versucht eine Er-
klärung der beiden anderen, ebenso der an der unteren Epiphyse
vorkommenden durch die doppelte Belastüngsart der oberen Extremi-
tät, \md zwar erstens durch den Rumpf bei dem Aufstützen des Armes,
zweitens durch den Zug von unten. Von den beiden oberen Enden
der Unterarmknochen ist das Radiusköpfchen nur bei emporgestosse-
nem Arme belastet, dem entsprechend sehen wir ein einfach zur Ge-
lenkfläche gerichtetes System von Spongiosabälkchen die Last auf die
Compacta übertragen. Dagegen findet sich am process. coronoid. der
Ulna ein senkrecht nach abwärts ziehendes System, entsprechend der
Belastung von oben her, am Oberarm ein senkrecht von der Gelenk-
fläche zur hinteren Compacta ziehendes System, entsprechend dem
Druck der Geleukfläche dieses Theiles gegen die Trochlea, bei Be-
lastung der Hand. An den unteren Epiphysen der Unterarmknochen
ist die Spongiosa hauptsächlich der Belastung von oben entsprechend
angeordnet. Madelung (Bonn).
Warren Sawyer. Concerning the cause of gangrene follo-
viring the ligatuie of large arteries of the lower extremity.
(The Boston med. and surg. Journal 1874. Vol. XGI. No. 11. p. 250.)
S. theilt eine Anzahl meist von ihm selbst beobachteter Fälle
von Unterbindung der Art. iliac. ext. oder femoralis wegen Verletzung
dieser Gefasse mit^ in denen vor der Unterbindung sehr starke Blut-
verluste stattgefunden hatten und die von Gangrän des Gliedes ge-
folgt waren ^ trotzdem es sich dabei um jugendliche oder kräftige
Individuen handdte, nämlich 1) einen Knaben von 15 Jahren (Iliaca
ext.), 2) Mann (Art. femor.)^ 3) kräftigen jungen Mann (Iliac. ext.),
4) Mann, dem ein für einen Abscess gehaltenes Aneurysma dicht
unter dem Po upar tischen Bande geöffiiet wurde (Art. femor.).
Diesen stellt er 2 Fälle gegenüber, in welchen die Unterbindung ge-
macht worden, ohne dass vorher Blutung stattgefunden hatte und wo
keine Gangrän eintrat. Nämlich 1 ) Alter schwächlicher^ syphilitischer
&fauin^ dessen rechte Iliac. ext. dicht an ihrem Ursprünge wegen
Centralblatt fQr Chirurgie. No. 5. 77
Aneurysma desselben Geftsses unterbundcHn wurde. 2) Junger Mann
mit Verletzung der Art. femor. und Unterbindung ohne Torherigen
starken Blutverlust. Seine Beobachtungen fuhren ihn zu dem Schlüsse,
dass ein Connex zwischen dem starken Blutverluste und der der
Unterbindung folgenden Gangrän statt habe. Er erklärt die Sache so,
daBs bei normaler oder fiist normaler Blutmenge nach Unterbindung
der genannten Gefasse, wodurch ungefähr ein Viertel der gesammten
arteriellen Blutbahn abgeschnitten werde, durch die jetzt grossere
Spannung im arteriellen Gefässsysteme und die sich derselben adap-
tirende verstärkte Herzthätigkeit der collaterale Kreislauf in den be-
treflenden Gliedern erzwungen werde, während Letzteres bei abuorm
verminderter Blutmenge nicht möglich sei (vergl. Jefremoff, Cen-
tralbl. f. Chir. 1874, No. 23, p. 356, Ref.). A. Barger (London).
Kleinere Mittheilungen.
Esmaroh« Ueber elastische Extensionsverbände für Schussfracturen
des Oberschenkels und des Hüftgelenkes.
(Arch. für klinische Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 3. p. 486—491.)
Vier, 40 Cm. lange und 7 Cm. breite Holzschienen gind an dem einen Ende mit
Blechhülsen versehen und können mittelst derselben so zusammengesteckt werden,
dsBs sie eine Art Desault 'scher Schiene bilden. In das obere Ende derselben
sind 2 ovale und 2 runde Löcher eingeschnitten. Durch die ersteren wird der
Gürtel gezogen, mit welchem der Apparat am Kumpfe des Verwundeten befestigt
werden muss. Man wird dazu in der Regel die S&belkoppel des Mannes verwen-
den können. Durch die beiden darunter befindlichen runden Löcher zieht man
den Dammgfirtel, der zur Contraextension dient und am besten aus einem Qummi-
schlauch hergestellt wird. Die Extremität wird zuvor nach der bekannten ameri-
kanischen Manier in eine Eztensionsachlinge gelegt, welche aus Heftpflaster, resp.
nassen Leinenbinden bestehen kann und in ihrem Fusssohlentheile das Steigbügel
brettohen trftgt. In letzteres greift ein aus Qummi gearbeiteter Exten sionsring und
in diesen wieder ein 8 Cm. langer eiserner Haken» dessen rechtwinkelige Verbindung
mit dem unteren Schienenende durch eine ganz einfache Vorrichtung ermöglicht wird.
Extensions- und Contraextensionsvorrichtung lassen sich auch leicht an jeder
Tragbahre, an zusammengesteckten Gewehren u. s. w. anbringen.
WIlh.Koch (Berlin}.
A. Obalinski (Krakau) . Ueber Behandlung der Oberschenkelf racturen
vermittelst der Distractionsmethode.
(Przegl2\d lekarski 1874. No. 44, polnisch.)
Bericht über 4 auf die oben erwähnte Weise behandelte Fälle. In 3 Fällen
dauerte die Callusbildung 22 30 Tage und die Verkürzung betrug IV2 — 2 Cm.
Im 4. Falle, wo eine Fractura spontanea infolge von Lue» entstand, bildete sich ein
fabches Gelenk aus. Obalinskl (Krakau).
HeydeDreioh. . Spontan-Fractur bei einem Tabetiker.
(Bulletin de la soc. anat. de Paris 1874. p. 255.]
Ein 38j&hr. Tabetiker fQhlte beim Auaxiehen seines rechten Stiefels, indem er
den lechtan Fuia auf seinen linken Schenkel gelegt hatte, ein XLnaeken in der
Mitte des rechten Oberschenkels; am 8. Tage grosser Decubitus, heftiges Erbrechen,
Bronchitis. Tod am 29. Krankheitstage. Section: Congestion beider Lungen,
verbreitete Bronchitis; graue Degeneration der hinteren Stränge. An der Bruch-
stelle bedeutende Eiterhöhle, eitrige Durchsetzung der Muskulatur, Schrägbruch,
78 Oetttralblatt ftlr fchiruTgle. No. 6.
CaHttftbildtuig iowohl an d«r AiiiMHWite, ali aBoh idi Markmune« Fragmentendeh
■eigen otarke Ostitis, fettreiche Granulationen in den erweiterten Havers 'sehen
Canftlen. Ptlz (Stettin}.
Mureans. .OsteomyelitiB, spontane Fractur.
(Bulletin de la Mc. anat. de Paris 1874. p. 241.)
t>er ISj&hri Jtlii|;ling vor 6 Wochen mit Sdun^Srzen im unteren Theiie des
Obefsehenkels eHirankt, aeigt jetst schmerzhafte Schwellung des Kniegelenks. Eiter-
entleerung, Drainage, Tod durch Erschöpfung. Section : . Eitrige Infiltration der
unteren ^/a des Oberschenkels, Fractur im unteren Drittel (von der angenommen
wird, dass sie beitfi Transport in den Saal entsenden sei), int hinteren Th^le dt*s
Kniegelenks eine mit der Fraeturstelle communioirende Pbrforatiotiflöffnung, die
Knojrpel steUenweis ukerirt. Thrombose der Yen. Poplitea. Auf einem Längs-
schnitt des Femur zeigt sich der Epiphysenknorpel und das Periost intact, dagegen
eine ausgesprochene eitrige Ostitis in der Spongiosa, Welche letztere stellenweis
resorbirt erscheint und mehrere Eiterhöhlen enthält. Pils (Stettin).
M. KnylLOWBki (Sanokj . Esmarch's Blutleere bei Enucleatio brachii.
(PrzegM lekarski 1874. No» 48, polnisch.)
Der Fall betraf eine Maschinenverletzung der rechten oberen Extremität. Nach
Anlejft^n^ des Esmarch 'sehen Apparates nhirde ein Oirkdschnitt ini chihirgiseheh
Halse gemacht, der Knochen abgesägt, die Qeftsse unterbunden, hierauf der
Apparat weggelassen und die Enucleation des zurCLckgebliebenen Oberarmkopfes
vollendet. Patient verlor dabei gegen 1 Unze Blut. Tod nach 3 Tagen an Septi-
kämie. (Zu umständlich gegenüber dem von Esmarch und Volkmann geübten
Verfahren 1 Ref.) Oballiskl (Krakau).
1} Tetanus infolge Von Quetschvrunde tles Fusees durch
Amputation geheilt.
(New York med. Journal 1874. Aug. No. 113. p. 184.)
In ein Reception-Hospital in New- York wurde ein Knabe mit einer Quetsch-
wunde des Fusses aufgenommen. Ann 1). Tage trat Trismus, am 13. allgemeiner
l^tanus ein, welcher erfql{^os mit hypodennatischen Injectionen von Morphin und
Alrbpin behandelt wnrde. 5 Tage später wurde die Amputation des Unterschen-
kels gemacht, worauf vom folgenden Tage an alle EtBoheinungen von Tetanus ver-
schwutiden waren. Vollkothmene Heilung nach 3 Wochen.
2) SchusBverletzung des Herzens.
(Ibid. p. 16».)
Im BelleVue tto^ital (New- York] wurde bei einem 14jähr. Menschen eine
SchussVerletzüng des Herzens beobachtet. Eingangsöffnung der Pistoienkug»! in
der Nähe der Brustwane, keine Aufigangsöffnung. Nach Eintritt einer Pericarditis,
Pleuritis und Pneumonie. Tod 5 — 6 Tage nach der Verletzung. Bei der Section
fand sich, dass der Schusscanal den linken Ventrikel ganz durchsetzt und zwar
mit Zurücklassung einer klappenförmigen Oeffnung, welche den Blutaustritt in das
Pericardium verhindert hatte. Die Kugel sass hinter dem Herzen in der Lunge.
P. Bums (Tübingen).
^uglieae. Darmverschluss^ künstlicher After. Erfolg.
(Lyon m6d. No. 18 p. 523.)
Die recht ungenaue Beobachtung betraf dne bishet gesunde 50jähr. Frau,
lil^ekh« Vom 21. April ab> wegen absoluter Stuhlverhaltung, vei|^lich mit Afaführ-
mitteln und Kiystiren behandelt wurde ; als sich weiterhin Uebelkeit, Birbrechen,
Meteorfsmus einstellte nnd das fttr Krampf gehaltene Leiden duroh Medioanenle
tkSdit gebiBSsett wurde» sogar fäculantes Brbteohen eintrat, wurde am 3. Mai ein
künstlicher After in der rechten Leiste abgelegt) das Erbrechen cennrte, Stahl*
entleerung erfolgte. Als Ursache - des Verschlusses wurde jetzt eine Invagination
Ve/MaMktb fttr OhiniTgie: No. 5. 79
nipj)on]it, da ^ne andere Forin des VenchlaMet nicht anfgeftonden Werden kohttt^.
Dw nach einigen Tagen angestellte Versuch, Tom eigentlichen After her Wasser-
mengen bis som klkastttohen hina6fsutreibeii, gelang beim sweiten Male; Mitte
Ai^init nahm der Koth irieder seinen Weg dnreh den gansen Darm und der
kIkMtlicfas Afler begann sich su schliessen. (Wie der Autolr hinterher eingesteht»
hätte er mit der Procedur des Wassereintreibens den AnÜsng seiner instmmen-
teüen Bebandlimg beginnen sollen, er wttrde die «>erf61greiehe« Enterotomie Tiel-
leicht geepait haben. Asf.) Pflt (Stettin).
h, Biddar (Mannheitti) . Aus der eliirutgxseli-^näcologi9eiie& Pnocis.
(Betl. kfin. Woehenschriit 1874. p. 46.)
1} Ein Fall ron Ha^inatometra des Uterus bicomis (?) bei vollständi-
gem angeborenem Mangel der Scheide. Operation. Heilung.
Bei einer 17i/^&hr. Kyphotica seit einem Jahre Schmersen im Unterleib, die
rieh alle 4 Wochen steigernd wiederholten. Blutabgang fehlte. Der Introitus
Tsginae nicht vorhanden ; der in das Rectum geführte Finger kann einen in die
Blase gelegten Katheter direct hinter einer ddnnen Gewebsschicht lühlen. Et^ra
8 Cin. über dem Anus fühlt man den prallen Uterus swisohen Hectum und Bauch-
decken, doch ohne Cervicaltheil. Verf. ritite nun mit dem Fingernagel an dem
iwischen Urethra und yorderer Commissur gelegenen häutigen Verschluss, welcher
eine fnne Verkl^bungiinarbe. sengte, diese streichenfd |ind bohireiid von eiiMUide?.
An einzelnen Stellen drang der Finger leichter in die Tiefe, zeigend, dass hier die
Verkleb ung minder innig sei. Bei etwa 8—9 Cm. Tiefe fimd sich der Uterus,
welcher mittelst eines Troikarts punctirt wurde. Schwarzrbthe z&he Flüssigkeit
entleerte sich. Ein folgender stinkender eitriger Ausfluss wurde durch Ausspritzung
der Scheide behandelt. Später folgten reguläre Menses. Der Uterus blieb noch
lange vergrössert, die Scheide noch sehr eng und eine Art Strictur zeigend; am
Uterus ein seitliches Hom.
•
2) Grosses submucöses Fibromyom, breitbasig von der vorderen Wand
ier Uterushöhle ausgehend; Herabziehen derselben vor die Vulva;
Abtragung mit der Scheere; Glüheisen; schnelle Heilung.
Eine 4djähT. Kyphoticai die einmal im 26. Jahre gut geboren hatte, litt seit
2 lahren an profusen Menstruslblutuhgen. Der Uterus war vergröstfert und ante-
flectht, rechts am Fundus harter nussgrosser Tumor zu fühlen. Bei Menstruation
tritt in den e^twa 5 Cm. bxMt erweiterten ttCuttermund ein tunder, glatter, harter
Tutaior, der iii die Va^iia h'erabdrftngt. Mit Aufhören der Blutungen geht et-
lurQck und der Muttermund verengt sich wieder. Bei der nächsten Blutung wulrde
die von Gavage em][>fohlene Jodlösung eingespritüt ; dadurch stand die Blutung
und wurde der Uterus derartig zu Contractionen angeregt, dass der Tumor fast
bis snm IntMi^ vaginal herabtrat. Mit einer Hakenzange gefiufirt und vorge-
zogen, wurde die Basis mit der Scheere al^eschnitten, der Uterus reponirt £s ev-
folgte Heilung und die Menses wurden normal. v« MoBöngeÜ (Bonn).
Bänke (Chirurgische Klinik des Prof. Volkmann in Halle). Hei-
Inng eines Falles von Echinococcns der Leber ihittelst der Sitnon'-
sehen Operation.
(Berl. klln. Wochenschrift 1874. No. 45.)
Bei einem 23|ifar. Mftdehen findet sieh eine sehr grosse fluotmende Lebeige*
schwulst, die seit 4 Jahren bemerkt worden. Eine Probepunction mit der Pra*
Tss'schen Spritze entleerte klare, kochsalzhaltige, eiweissfreie Flassi^eit. Danach
folgte universelle Urticaria und Fieber, wie angenommen wurde, durch Austritt
Ton Echinococcusflüssigkeit in die Bauchhöhle bedingt. Nach Ablauf der
Besction wurden 2 kurze Troikarts mit 2 Cm. Abstand an der hervorragend-
sten Stelle in die Oesdiwulst gestossen, etwt| P/s ^'iter Flüssigkeit entleert, die
80 Centralblatt für Chirni^ie. No. 5.
Kanälen mit Carbolwaehs veraohloasen und unter Li st er '«ehern Verband 6 Tage
liegen gelassen, dann wurden sie durch silberne Sonden für noch weitere 3 Tage
ersetzt. In diesen letaten Tagen Fieber und Wiederansammlung von Flasaigkeit.
Danach Incision zwischen den PunctionsÖfihungen, wobei das dem Periton. pariet.
adh&rente Netz durchtrennt werden musste, ehe man auf die Cystenwand kam.
Letztere wurde mit der äusseren Haut sorgfältig vernäht. Mit der Flüssigkeit
wurde eine etwa erbsengrosse Toohterblase entleert Die Höhle ward mit dfi/o Car*
bollösung ausgeapOlt, ein fingerdickes Drainrohr applicirt und ein List er 'scher Ver-
band angelegt. . Das Fieber sank sofort. Später entleerte sich die Mutterblase, fast
1 Cm. dick, und nach ferneren 2 Monaten war völlige Heilung vorhanden. Der
Verbandwechsel war in den ersten Tagen täglich 4 Mal vorgenommen worden.
Y. Xosengell (Bonn).
Gosselin und A. Bobin. Traitement de la cystite ammoniacale par
Facide benzoique.
(Archives g^n^rales de m^decine 1874. No. 11.)
Man weiss, dass Benzoesäure in den Harn als Hippursäure übergeht.
. O. und R. empfehlen aus diesem Gfrnnde deren innerliche Anwendung bei
Cyglitis, um die ammoniakalische Zersetzung des Urins in der Blase zu bekämpfen.
Vff. theilen auch einige Krankengeschichten mit, wo diese Behandlung mit
Erfolg durchgeführt wurde. (Nichts Neues. Ref.) Oirard (Strassburg i/E.).
J« BngliBOh (Vitien). Ueber einen Apparat nach der Blasenpunction
über der Symphyse.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 42.)
Verf. empfiehlt statt einer festen Kanüle einen N 6 la ton 'sehen Katheter in
der Stichöffnung liegen zu lassen, welcher in geeigneter Entfernung durch 2 Leinen-
bändchen umgeben ist. v« Mosengell (Bonn).
Moldenbauer (Solingen). Merkvri/rdiger Fall von Luxatio penis.
(Berl. klin. Wochenschrift 1874. No. 43.)
Umgekehrt, wie bei dem von N6laton beobachteten und durch Hyrtl vielfach
bekannt gemachten Falle, bei welchem der Penis aus seinem häutigen Futteral naoh
innen entschlüpfte und sich unter der Scrotalhaut verbarg, hatte sich im vorliegenden
Falle derselbe gleichfalls zurückgezogen, aber dann unter die Bauchdecken verkro-
chen. Der Fat. war vom Wagen gefallen, wurde an einen Baum geschleudert und
ging ihm ein Hinterrad dicht am Leib vorbei. Die danach beobachtete VerleUung
schien eine Peniszermalmung. Da die Versuche, den Katheter einzuführen, frucht-
los waren, wurde bei bestehender Harnverhaltung die Boutonniäre nöthig. Später
wird wegen eines Abscesses in der Höhe der Spina ilei ant. eine Spaltung vorge-
nommen. Es zeigt sich nun, dass dort die unversehrte Eichel und der Penis lie-
gen, aus Welchen nach Heilung der Boutonniere bei luxirter Lage das Uriniren
erfolgte. Eine Keposition erfolgte nicht. t« MoseBgeil (Bonn).
BEaokenzie. 23jähriges Bestehen eines Papilloms der Stimmritze.
Operation. Heilung.
(Transact. of the pathul. Soc. of London 1S74. p. 35.)
Der Fall ist dadurch von Interesse, dass dieses Mal die Stimmlosigkeit (des
23jähr. Fräulein) seit Geburt zweifellos festgestellt werden konnte. Die laryngo-
skopische Untersuchung zeigte vollen Abseht uss der vorderen Hälfte der Stimm-
ritze; die in 3 Sitzungen entfernten Thelle ergaben die Natur eines reinen Papil-
loma; gute Zeichnungen illustriren den laryngoskopischen und mikroskopischen
Befund. Pils (Stettin).
Orfginalmittheilungen, Monographieen und Separstabdrücke wolle
man an Dr. B. TiUmanns, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshaudlnng,
BreiÜcopf und Bartels einsenden.
Drnek nttd VeriiiB von Breitkopf and UIrtol in Loipcig.
Gentralblatt
fflr
CHIRURGIE
heransgegeben
▼OB
Dr. L. ]jm, Dr. ft ScMe, Dr. E. TillMoms
in Berlin. in Halle a. 6. in Leipzig.
-^•^ •* ^ -vy-vr^
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Freia des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Fostanstalten.
H2; 6. Sonnabend, den 6. Febmar. 1876«
Ldialt: Rosar, Zur VeTtheldlgnng der Brncheinklemjnungsklappen. (Original-Mit-
tbeilong.j
Thanlwyny Der Lister* sehe Verband. — Forn^, Beiträge tat Anaesthesle. — Jt'
cefetM, Zur Histologie der Tascularisirten GranulationsentzÜndung. — Renauf, Zar
Histologie des Knochens. — Huetar, Parenchymatöse Carbolsanre-Injectionen. — Po*
imkfy In den Knochen eingeheilte Kngeln. — Glaeominl, Hohe Theilung der art.
bnchiaUs. — RlizoH, Ueber Fisteln des Rectums und der Vagina. — BirCh-HirSGbfeld,
MUuehwellungen. — Pollatt€hek, Garbunkelkrankheit. — v. Basch, Hemmung der
Dannbewegung.
Scbefftr, Parenchymatöse Carbolinjectlonen. — Qascoyon, F&lle Ton zweimaliger sy-
pMütiBcher Infection. ^ Hoselttz, Sehnennaht. — Witt, AUmälige Verbesserang per-
▼ener Gelenkstellung. — Lee, Entfernung eines Tumors mittelst der elastischen Liga-
tur. — St. Garmain, Ursachen und Behandlung der Scoliose. — Cazln, Eingeklemmtd
Srbenkelhemie. — Williams, Knapp, Ghoroidealsarcom. — Taylor, Wiederanheilnng eines
sbgetrennten HantstQcks. — Dowse, Nierenabscess. — Hill, Fractur des Calcaneus
durch Huskelzng.
Znr Yertheidigung der Brucheinklemmungsklappen.
Von
Prof. W. Böser.
IHe Mittheilung des Herrn Dr. Lossen in No« 4 dieser Zeit-
schiift bekämpft zwar meine Klappentheorie^ sie enthält aber solche
weitgehende Concessionen für meine Ansicht^ dass ich diese Con-
ce98ionen als eine Abschlagszahlung auf die meinem Experiment ge-
bührende volle Anerkennung wohl acceptiren kann. Herr Dr. Los-
sen giebt die Absperrung des Darminhalts in der eingeklemmten
Schlinge zu und erklärt sich die Absperrung durch einen Mecha-
nismus, welcher mir ganz identisch scheint mit dem, was man ein
Kegel Ventil nennt. Das Mesenterium der eingeklemmten Schlinge
soll eine »verkehrt kegelfbnnige(( Form einnehmen und dadurch eine
Art iKeila gebildet werden, der sich vor die Bruchpforte hinlegt und
e
82 Centralblatt für Chirurgie. No. 6.
die AbschUessung erzeugt. Ein TenÜl sobeiiit itemnacli zugegeben
auch wohl eine Ventilwirkung, nur keine Klappen Wirkung. Aber
zwischen Ventil- und Rlappenwirkung ist der Unterschied nicht gross !
Da lässt sicH hofen, dass die wcStere Vetfo%ung des «xpftimtoteUen
Wegs die Einigkeit tollellds herbeifiihreri wird, und iclx nehme mir
vor, darauf hinzuwirken, indem ich den nächsten chirurgischen Con-
gress zur Demonstration meiner Experime^jite zu benutzen denke.
Einstweilen wiederhole ich aber die Aufforderung an alle die Fach-
genossen, welche sich für Brucheinklemmung interesairen, dass sie
mein Experiment selbst anstellen mochten.
Marburg, 13. Januar 1875.
Thamhayn. Der Lister 'sehe Verband.
(Aus dem EngliBchen übersetzt.)
Leipzig, Telt & Co., 1875. 80. 275 S.
Lister 's Veröffentlichungen in Betreff seines Verbandes liegen
hier tollständig gesammelt, chronologifech geordnet vor. In einer
längeren Einleitung giebt der Uebersetzer zunächst an der Hand der
El liot 'sehen (Brit. med. Joum. 1868) und Simpson'schen (Lancet
1867) Arbeiten einen historischen Ueberblick über die Verwendung
antiseptiscber Verbandmittel. Trotzdem dieselbe vieler Orten vor
Lister stattgefunden, bleibt Lister's Verdienst um den antisepti-
sehen Verband ungeschmälert; es ist eben etwas Anderes, antiseptisch,
als mit einem Antisepticum verbinden, wie seine eigenen Worte lau-
ten. Eine kurze Darstellung der Technik des Verbandes folgt an
zweiter Stelle. In den darauf ausgeführten theoretischen Erörterun-
gen kann sich Th. nicht unbedingt der Keimlehre Lister's an-
schliessen; er kehrt zur alten Gay-Lussac^ sehen Anschauung zurück,
und erklärt die Wirksamkeit der Carbolsäure durch eine Schwächung
der Krafib des allzerstörenden Sauerstoffes.
1. Lister'scher Aufsatz: »Ueber ein neues Verfahren,
offene Knochenbrüche und Abscesse zu behandeln, mit
Beobachtungen über Eiterung«. (Lancet, 1867.)
Die Gefahr der offenen Knochenbrüche wird auf die reizenden
Eigenschaften des bei Luftzutritt faulenden Blutes zurückgeführt,
gegen welche erst eine nicht zur Resorption geeignete Granulations-
decke schützt. Die directe Ursache der erwämten Zersetzung sind
aber, wie Pasteur nachgewiesen, die niederen Lebensformen. Vor
allem bestätigt wird diese Ansicht durch die Veriiältnisse eines trau-
matischen Pneumothorok, je nachdem derselbe mit ein^ äussern Wunde
complieift ist, oder nicht. Zur Zerstörung dieser Keime suchte L. ein
Mittel, und wurde 1664 durch die Berieselungsfelder bei Carlisle auf
die Carbolsäure aufmerksam. Die ersten Versuche mit derselben wur-
den 1B65 im Gla^gower Krankenhause angestellt. L. bildete aus
reiner Carbolsäure und dem eigossenen Blat einten die Wunde schätzen-
den Schorf, ein noch rohes Verfahren, welches jedodi schon glänzende
C^ntaralblatt für Ohirurgie. No, $. ^3
Be^nltate aufieuweisen hs^L fün in flüssige Car\iolsäure getauchtes
Lintstück wird diiect auf die eventuell vorher mit crystallis^er Säure
angeätzte Wunde gebracht, und seinerseits durch eine übergedeckte
Metallplatte geschützt. Dieser Verband wird erst entfernt, w«in die
Wunde durch Granulatiopsbildung g^en die schädlichen Einflüsse
geschützt ist. Das lintstück muss iazwißchen oft mit Carbobäure
betupft werden. Als Beweismaterial für die Wirkung der Methode
sind die Krankengeschichten von 13 complicirten Fracturen angeführt;
davon endete nur eine Durchstechungsfractur des Oberschenkels tödt^
üch (cf . Original) . In diesen Beobachtungen wird schon vielfach der
unangenehmen Beigabe der gewebsreizenden Eigenschaft der Carbol-
saure Erwähnung gethan.
Weiterhin enthält der Aufsatz die Mittheilung der für Abscess-
eröffianngon passenden Modification des Verfahrens. Unter einer Be-
deckung durch eine in CarboUeinöl (1:4) getauchte Compresse wird
der Abscess geöffn^ und entleert; als schützender Verband kommt
eine Paste aus dem erwähnten CarboUeinöl mit Kreide bereitet und
auf Staniol gestrichen, zur Anwendung. Die fest angedrückte Decke
lässt nur an einer Stelle die Secrete abfliessen. Der Verbandwechsel
erfolgt in der vorsichtigsten Weise alle 24 Stunden unter derselben
carbololgetiänkten Compresse. Mit Entfernung des Eiterdruckes auf
die Absce^sinnenfläche hört die Neigung der sog. pyogenen Membran
zur Eiterbildung auf. Gestützt auf seine bisherigen Erfolge kann L«
zum Schluss die möglichst frühzeitige Eröffnung der Senkungsabacesse
empfehlen.
2. Aufsatz: lieber das Wesen der antiseptischen Be-
handlungsweise in der chirurg. Praxis. (Lancet^ 1867.)
Die bisherigen Resultate der antiseptischeu Behandlung offener
Knochenbrüche berechtigen L. zu der Behauptung: Alle örtlichen
entzündlichen Erscheinungen und allgemeinen fieberhaften Störungen
nach solchen Verletzungen entspringen der vergiftenden Einwirkung
der Zersetzung auf das Blut; andrerseits kann man diesen Folgen
zugleich mit der Zersetzung wirksam durch die antiseptische Behand-
lung entgegentreten.
Die erste Desinfection der zur Behandlung kommenden Wunden
wird durch Auswischen derselben mit einem in reine Carbolsäure ge-
tauchten Stück Zeug ausgeführt. Um eine Zuleitung der Zersetzi^ngs-
keime längs der ausfliessenden Sekrete zu verhindern, wir^ jetzt die
schgn oben erwähnte Paste zum täglichen Verbände empfohlen . Die
Eitenproduction ist keine den Granulationen innewohnende jEigen-
schan; erst dar Beiz der Zersetzung oder auch das Antisepticum
bringt sie dazu. Letzterem fehlt jedoch die progrediente Wirkung
der ersteren.
Nach Ajbscesseröffnupgen hält L. eine Desinfeqtion der Höhl^
D^cht für nothwendig; ausgezeichnete Resultate hat er nan^pntfi^c^ be;
Senkungsabscessep mitzutheileu.
6*
84 Centralblatt für Chirurgie. No. 6.
Gequetschte Wunden werden wie offene Brüche behandelt. Ffir
Schnittwunden besitzt L. zur Zeit noch kein passendes Verfahren.
Kurz abgeschnittene, versenkte antiseptische Ligaturen veranlassen
keine Störungen in den Geweben (cf. unten). Eine gänzliche Um-
änderung der hygienischen Verhältnisse ist die Folge einer consequen-
ten Durchführung des antiseptischen Verfahrens in den verrufensten
Hospitälern.
3. Denkschrift über den geregelten Gebrauch der
antiseptischen Behandlungsweise in der Chirurgie.
(Brit. med. Journ. 1868, vorgelesen in der Med. chir. society in
Glasgow, 2. Mai 1868.)
Nach Aufstellung des Principes des ))antiseptischen Verbandes«
als der geordneten Anwendung eines bestimmten Antisepticum, mit
der ausgesprochenen Absicht, in dem betreffenden Theile der Ent-
stehung der Fäulniss vorzubeugen, weist L. eine vielfach ihm unter-
schobene Ansicht einer specifischen Wirkung der Carbolsäure zurück.
Das von Campbell de Morgan benutzte Zinkchlorid hat z. B. für
gewisse Fälle grosse Vortheile, nämlich da, wo ein einmaliger anti-
septischer Verband von langdauemder Wirkung verlangt wird, z. M.
nach L.'s Erfahrungen bei Oberkieferresectionen. Von besonderem
Vortheile sind freilich bei der Carbolsäure die Flüchtigkeit und die
anästhesirende Kraft.
Ohne volle Anerkennung der Keimlehre der Zersetzung kann
eigentlich Niemand mit der ganzen Behandlung einen glücklichen Er-
folg haben. Zum Beweise der Lehre werden Versuche, ähnlich den
Chevreuil-Pasteur 'sehen mitgetheilt.
Eine antiseptische Ligatur einer Arterie vermittelst eines weder
chemisch, noch mechanisch reizenden Stoffes hindert die Heilung der
Operationswunde prima intentione nicht. Die versuchsweise Ligatur der
linken Carotis externa eines Pferdes bestätigen diesen Satz ebenso,
wie die Unterbindung der Iliaca externa beim Menschen (cf. Original) ,
Eine weitere Krankengeschichte liefert den Beweis dafiir, dass ab-
gestorbenes, aber von Zersetzung freigehaltenes Knochengewebe an
und für sich keinen störenden Einfluss auf die Nachbargewebc aus-
zuüben im Stande ist.
Beim Verbände selbst wird jetzt zur Desinfection der Wunden
nur eine wässerige Carbolsäurelösung benutzt. Zum Verbände dient
ein auf Calico 2 Mm. stark aufgetragenes Pflaster aus 1 Wachs,
3 Bleipflaster, versetzt mit 10% Carbolsäure. Als erläuterndes Bei-
spiel ist die Krankengeschichte einer Osteotomie nach schlechtge-
heilter Malleolenfractur eingefügt. Zum Schutz der Wunde vor dem
Reiz des Antisepticum werden zunächst auf dieselbe in 20% Carbol-
leinöl getauchte Lintstücke gelegt, die bis zur Heilung liegen bleiben,
und über die, durch ein gleiches, täglich zu wechselndes Lintstück
vor Ankleben geschützt, erst das erwähnte Pflaster gebracht wird.
Ebenfalls schöne Erfolge hat ein Pflaster aus Schellak und Carbol-
Centralblatt für Chirurgie. No. 6. 85
säare aufzuweisen. Die Wundfläche wird in diesem Falle durch eine
direct aufgeleckte Metallplatte geschützt. Die entsprechenden Kran-
kengeschichten müssen im Original verglichen werden.
4. Beobachtungen über Gefässunterbindungen nach
dem antiseptischen Verfahren. (Lancet, 1869, umgearbeitet
1870.)
Die oben erwähnte Kranke mit Ligatur der Iliaca externa war
10 Monate nach der Operation an einem Aortenaneurysma gestorben.
Von der Ligatur fanden sich noch Beste in einem kleinen Abscesse.
Deshalb kehrte L. zu Versuchen mit resorbirbaren^ thierischen Unter-
Undungafaden zurück. Eine mit Carbolsäure getränkte »Catgutligatur«
der Carotis eines Kalbes fand sich nach 30 Tagen theils ersetzt, theils
durchsetzt von Spindelzellen. Die Tunica intim, und media waren
nicht durchtrennt, ein central gerade vor der Ligatur abgehender
Zweig hatte keinen Schaden gethan. Catgut zur antiseptischen Liga-
tur wird präparirt durch Einlegen der Schafdarmsaite in eine Emul-
sion aus 1 Theil durch wenig Wasserzusatz verflüssigter Carbolsäure
und 4 Theilen eines fetten Oeles. Bänke (Halle).
(Schluss folgt.)
Fome. Contributions ä Tanesth^sie chirurgicale.
(Gaz. des höpitaux 1874. No. 145. u. 146.)
Wie schon früher verschiedene Autoren vorgeschlagen hatten^ die
TTirkung des Chloroforms durch vorhergehende Darreichung von Opium
oder Morphium vorzubereiten und zu verstärken^ so empfiehlt F.^ in
einer der Society de Chirurgie vorgelegten Arbeit, nicht eher zu
chloToformiren, als bis die Patienten durch Chloralhydrat in tiefen
Schlaf versetzt sind. Es soll hierdurch die Angst und Aufregung der
Patienten und ihr unwillkürliches Widerstreben, welches bei Beginn
der Narkose oft so bedrohliche Erscheinungen veranlasst, vermieden
und damit eine Hauptgefahr des Chloroforms beseitigt, ausserdem
aber die zur Anästhesirung erforderliche Chloroformdosis auf ein
Minimum reducirt werden. Versetzt man nämlich die Kranken vor
dem Beginn der Narkose in tiefen Schlaf, so genügen schon 5—6
gnn. Chloroform, um eine vollkommene Anästhesie herzustellen; der
Chloralschlaf geht unmittelbar und ohne jede Excitation in den Chloro-
foraischlaf über.
Leider wiurden die günstigen Erfahnmgen^ welche F. in 2 Fällen
gemacht hat, von anderen Chirurgen, die bereits eine grössere Reihe
von Versuchen damit angestellt hatten^ durchaus nicht bestätigt, viel-
mehr schien gerade die Combination des Chloralhydrats mit Chloro-
fonn eine sehr bedenkliche zu sein. Die Wirkung des Chlorais ist
individuell so ungemein verschieden^ dass sich eine solche Narkose
jedei Controle entzieht. In 3 von Dolbeau und Guyon ange-
Li
86 Centralblatt für Chirurgie. No. 6.
führten Fällen gelang es nur mit Mühe, die Patienten aus einem
stundenlangen Schlaf zum Leben äu erwecken. Ebenso erwachten
F. 's Patienten erst nach 3 — 4 Stunden. Schädel (Berlin).
A. Ja;oobson. Neue histologische Erscheinungen bei der
vascularisirten Granulationsentzündung.
(Centralblatt f. d. med. ^Menschaften 1874. No. &6 u. 57.)
Verf. hat beobachtet» dass die in den Zweigen der GranulatioDS-
gefässe sich aufstauenden und das Gefass vollpfropfenden weissen
Blutkörperchen innerhalb des Gefässrohres sich in Bind^ewebsbün-
deichen umformen» so dass man also kleine Bmdegewebszüge mit
GefiLssendothelien umkleidet antreffe.
Hieran werden manche Fragen geknüpft und unter anderem auch
die Vermuthung ausgesprochen» dass die Existenz der flachen Ran-
vi er 'sehen Zellen im Bindegewebe vielleicht auf solche Weise Zu
erklären wäre. Im Uebrigen wird auf eine in Aussicht genommene
weitere Fortsetzung vorliegender Untersuchungen hingewiesen.
A. Bidder (Mannheim.)
Benaut. Note sur le tissu ^lastique des os.
(Soci^tÄ de Biologie. S6ance du 24. Octbr. Oaz. m6d. 1874. No. 45.)
An entkalkten und mit pikrinsaurem Carmin gefärbten Längs-
schnitten eines Vogelknochens (Tibia) konnte R. deutlich zwei Schich-
ten unterscheiden. Die Fasern der inneren Schicht verlaufen im
Allgemeinen bogenförmig und gehen von der an der Yereinigungs-
stelle des Knorpels und Periosts bestehenden Einkerbung aus. Die
äussere Schicht wird heim Embryo lediglich vom Periost gebildet ; am
ausgebildeten Knochen dagegen besteht sie aus einem System voll-
ständig paralleler ossificirter Längsfasern [Sharpey'sche Fasern]» die
den Gefässcn in die haversischen Canäle folgen und zwischen denen
längliche Knochenkörperchen eingebettet liegen. In unmittelbarer
Umgebung der Gefässe finden sich auch sparsame concentrische Lamel-
len. In dieser peripheren Schicht nun» die in ihrer Structur ein
Analogen mit den ossificirten Sehnen darbietet» entdeckte R. elastische
Fasern, die sich um jene Längsfasem herumwinden. Sie zeigen das
bekannte chemische Verhalten des elastischen Gewebes und konnten
von R. isolirt werden. In ihrem Vorkommen bleiben sie auf die
periphere Schicht beschränkt, beim Embryo fehlen sie vollständig.
Eine Aufklärung über die Art und Weise ihrer späteren Entstehung
muss weiteren Forschungen vorbehalten bleiben.
0. Yolkmann (Haue).
C. Huidter. Die parenchymatöse Injection und Infusion der
Carbolsäure in entzündete Gewebe.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie 1874. Bd. IV. Hfl. 5 u. 6.)
Die Wirkung der Carbolsäure in unmittelbarer Berührung mit
entzündeten Geweben ist nach H. eine doppelte: die Debens* xmd
r
Ceiltralblatt für Chirurgie. No. %. 87
FortpilanznngsfiÜiigkeit der entsündangerBegeijMleii Organisineii wi;rd
vernichtet und in den kleineren Blutgefässen eine globulöse Stase
hervorgebracht.
H. injicirte 2prooentige^ wässerige Lösungen von Carbolsäure in
einer Menge von 1 — 2 grm. (ausnahmsweise mehr/ bis zu 7 girm.)
auf einmal, in Intervallen von 1 — 2 Tagen. Der dazu verwendete
Apparat war entweder die Pravaz'sche Spritze oder ein »Infusor«,
bestehend aus einer Hohlnadel (event. mit seitUQhe& OeiRiungen) wie
bei der Praraz^schen Spritze, an welche ein Gummirohr angesetzt
ist, das die Carbollösung aus einer graduirten Glasröhre zufujirt; es
genügte hierbei der Druck der Flüssigkeit bei massig erhobenem Glas-
gefäss zur «Infusion«. Der Einstich vrird schräg gemacht, die kleine
Wunde mit Garbolwatte bedeckt. H. hat etwa 1000 Mal diese kleine
Operation gemacht, und zwar bei Erysipel im Ünterhautzellgewebe,
in der Umgebung von unreinen Geschwüren und von Lupus^ in Ge-
lenke und in das Innere von Knochen bei Tumor albus uud Caries
(Synovitis granulosa und Myelitis granulosa). Bei der letztgenannten
Aifection kommen besonders spongiöse Knochen in Betracht (Fuss-
Wurzel, Epiphyse der Tibia, Schenkelhals) und es gelang ohne Mühe,
die verdünnte und erweichte Corticalis mit der Nadel zu durchstossen.
In den Fällen von Erysipel soll das Fieber rasch au%ehört haben;
nach den Injectionen in Gelenke und Knochen sollen nie üble Zu-
fülle au%etreten sein, sondern im Gegentheil stets baldige Heilung
oder doch Besserung. Namentlich von der Behandlung beginnender
Knochen- und Gelenkentzündungen nach seiner Methode erwartet H.
viel — eine Umgestaltung der chirurgischen Therapie! Endlich wur-
den noch Hydrocelen, dann Hydrops bursae praepatellaris und ein
Fall von arthrogenem Ganglion am Ellbogen mit Carbolinjection (5
—7 grm.) erfolgreich behandelt, doch macht H. aufmerksam, dass
die Entleerang der hydropischen Ergüsse vorher vollständig voi^e-
nonunen werden müsse, weil sonst Gerinnungen und dann stärkere
Seaction auftreten. Es war in den letzterwähnten Fällen wegen ai^-
tretender Schwellung stets ein Compressivverband erforderlich. Beci-
dive wurden nicht "beobachtet. Gersnny (Wien).
Podrasky (Wien). In den Knochen eingeheilte Kugeln.
(Wiener allgem. med. Zeitung 1874. No. 49 u. iS.)
Die Einheilnn^ von Kugeln in ICnochen gehört bei den neueren
Projeotilen zu den seltenen Vorkommnissen. Der Verf. kennt einen
Wildschützen^ welchem eine Kugel an der hinteren Seite des Humenis
steckt und daselbst deuthch zu fühlen ist. Die Eiterung aus dem
Schusscanal hat sehr lange gedauert, in einem von Pitha operirten
Falle war die Verwundung (Schuss in den Oberschenkel) in 2 Mona-
ten ausgeheilt. Zwei Jahre später traten Schmerzen im Beine auf^
es bildete sich ein Abscess« welcher perforirte ; die im Femur skzende,
von Osteophyten überwachsene^ aber bewegliche Kugel konnte extra-
SS Centralblatt für Chirurgie. No. 6.
birt werden. Heilung. In einem 3. Falle (ebenfalls Oberschenkel-
scbuss) war die primäre Verletzung in 8 Wochen ausgeheilt; der
Patient (Officier) konnte seinen Dienst versehen; 8 Jahre nach der
Verletzung Abscessbildung, Perforation — £xtraction der im Femur
sitzenden Kugel — Heilung.
Der Verf. hat in der med. Wochenschrift vom Jahre 1871 (No.
49 und 50) einen Fall von Schussverletzung des Gehirns mitgetheiU>
über dessen weiteren Verlauf er nun berichtet, weil er auch in diesem
Falle ein Festsitzen der Kugel in einem Knochen^ wahrscheinlich
dem Hinterhauptbein vermuthet. (Ein 15jähr. Knabe war mit einer
Pistole in den Kopf geschossen worden. Eingangsöfihung Hnks von
der Glabella; der zuerst gerufene Wundarzt war 5 — 6 Zoll weit mit
der Sonde in den Schusscanal im Gehirn vorgedrungen, ohne auf
die Kugel zu stossen. Keine Ausgangsöffnung. Rechte obere und
untere Extremität gelähmt. Anderthalb Monate nach der Verletzung
Prolapsus cerebri an der inzwischen vernarbten Eingangsöffnung —
Function — Compression. Lähmung der rechten oberen Extremität
verschwindet allmälig.) Gegenwärtig (5 Jahre nach der Verletzung)
ist der Mann geistig vollkommen normal^ nur ist die Sprache etwas
langsamer und tiefer geworden. Rechte untere Extremität etwas weni-
ger gut entwickelt, aber vollkommen functionstüchtig. Die Narbe im
Stirnbein ist fest, lässt aber Pulsation durchfühlen. Bisweilen etwas
Kopfschmerz. Keine Symptome von Himdruck, Puls vollständig
normal. Der Verf. empfiehlt^ Kugeln, welche im Knochen eingeheilt
sind, nicht zu extrahiren, wenn sie nicht grosse Beschwerden machen,
namentlich aber dann nicht, wenn sie unbeweglich festsitzen. Zum
Beweise, wie leicht es sei, sich in Bezug auf das Vorhandensein der
Kugel zu irren, erzählt er einen Fall, in welchem der Operateur in
der Meinung, eine festsitzende Kugel vor sich zu haben, ein Stück
des gesunden Sitzknorrens fasste und nach vieler Mühe endlich auch
abbrach und extrahirte. Der Verf. bedient sich mit Vorliebe der
Nelaton'schen Sonde — zur Extraction der Kugeln scheint ihm der
Tirefonds von Baudens am zweckmässigsten zu sein.
Winlwarter (Wien).
C. Giacomini. Della prematura divisione dell' arteria del
braccio.
(Torino-Tipogr. Camilla e Bertolero 1874. 70 Seiten in 40 mit V Tafeln.)
Die erste hohe Theilung der art. brachialis wurde von Andreas
Laurentius 1606 beobachtet. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts
bestätigte Bidloo nicht nur die Beobachtung von Laurentius^
sondern stellte sie geradezu als Norm auf und als Heister mehrere
Aneurysmen der plica cubiti durch Ligatur der brachialis geheilt hatte,
schrieb er das" Ausbleiben der Gangrän des Armes dem Vorhanden-
sein dieser Duplicität zu und schloss daraus, dass diese ziemlich häufig
sein müsse. Mehrere Chirurgen sind bei Unterbindungen auf eine
doppelte art. brachialis gestosseu.
Centralblatt far Cklrurgie. No. 6. 89
G. hat nack dieser Sichtung 174 Cadaver untersucht > wdiche
alle vorher injicirt waren^ im Ganzen 312 obere Extremitäten. Sämmt-
liche Anomalieen der frühen Theilung lassen sich auf folgendes Schema
leduciren.
1) Ein dünnes Zweigchen trennt sich von dem Hauptstamme und
rerliert sich im Zellgewebe des Armes.
2) Der Seitenast wird stärker, länger und mündet entweder in
die radialis oder ulnaris (Aberrantes radiales aut ulnares).
3) Der Seitenast wird noch stärker und bildet geradezu die arteria
radialis (Radialisvarietät} oder die art. ulnaris (Ulnarisvarietät) .
4) Der Ast kann noch stärker werden und bildet die art. radialis
und ulnaris zugleich (Radio-XJlnaris-Yarietät) .
5) Der Ast kann endlich alle 3 Hauptzweige aus sich entstehen
lassen (Radio- Ulnaris-Interosseavarietät).
Der andere Ast^ die ihrer Lage, dem Verlaufe und den Zweigen
nach normale art. brachialis, nimmt an Caliber in dem Masse ab,
als der abnorme Seitenast zunimmt, so dass er z. H. in Fall 5 in
der Gegend des Ellbogens erschöpft ist.
Unter 312 oberen Extremitäten fand G. die zu frühe Theilung
60 Mal.
Der Procentsatz der Duplicität der Brachialis wäre somit nach
6. 1:3,95, nach Gruber 1:7,14, nach Foltz gar 1:3,57.
G. glaubt, dass Gruber einen so geringen Procentsatz hat, weil
er die Arterien nicht injicirte und hierbei ihm mehrere Fälle entgan-
gen sein könnten.
Man kann somit nach Foltz und Grub er sagen, dass jede 4.
Leiche die Anomalie der Duplicität der Brachialis darbietet.
Die frühe Zweitheilung kann sich an beiden Armen desselben
Individuums vorfinden. Nach G. trifft man an jedem 4. anomalen
Fall die doppelte Brachialis beiderseitig. Die Duplicität der Brachia-
lis ist häufiger rechts, als links. Nach Foltz fand sich diese Ano-
malie anter 25 Fällen 19 Mal rechts und 6 Mal links vor; nach G.
unter 60 Fällen 32 Mal rechts und 28 Mal links.
Die hohe Zweitheilung ist häufiger bei Männern, als bei Weibern.
Nach G. kommt diese Anomalie je 1 Mal auf jede 3. männliche und
jede 5. weibliche Leiche.
Die Dichotomie findet häufiger in dem oberen, als im unteren
Abschnitt der art. brachialis statt. Von 47 abnormen Theilungen
fallen 23 auf das obere, 16 auf das mittlere und 8 auf das untere
Drittel.
Was die Häufigkeit der einzelnen Untervarietäten anbelangt, so
gestaltet sich dieselbe folgen dermassen. Unter 380 Fällen von hoher
Theilxmg war der Spaltast 212 Mal die art. radialis, 107 Mal die
ulnaris, 33 Mal eine art. aberrans und 22 Mal eine art. radio-ulnaris
und interossea.
In 16 Cadavern mit der hohen Brachialistheilung hat G. ausser
den oberen auch die unteren Extremitäten untersucht. In 9 Fällen
'90 Centralblatt fttr Cfairurgi«. No. 6.
fitnd er auch an diesen Abnormitäten theils in den Gefmsen^ theils
an den Nerven und Muskeln. In einem Falle fend er gleichzeitig
eine hohe Thnlung der Poplitea.
Nach Hyrtl soll die hohe Theilung'bei 2 — Smonatlichen Embryo-
nen Norm sein. Zu erwähnen ist noch^ dass in den Fällen, wo die
Spaltung der Arterie im oberen Drittel stattfindet, man die Schlinge
(doppelte Wurzel) des Medianus häufig abnorm verlängert findet^ so
dass die Theilungsstelle der Arterie über der Schlinge reitet.
Measel (Triest).
— ,
Francesco Rizzoli. Deir ano vulvare nonche di varie aper-
ture e iistole retto-vulvari e rettovaginali.
(Mem. deir Accademia delle scienze Bologna Serie III, Tomo V.)
Die erste Hälfte der Brochuxe ist jener Missbildung gewidmet^
bei welcher das Rectum, statt an der normalen Stelle, in die Vulva
unmittelbar hinter dem Hymen meist als sehr dünner Canal einmün-
det. R. hat schon früher eine eigene Operationsmethode zur Besei-
tigung dieser Missbildung beschrieben.
Diese besteht in d^ Lospräparirung des abnorm geltigerten Rec-
tums und in der Eiapflanzung desselben vor das ßteissbein sswiscben
die Wundlefzen eines vorher in der Raphe perinei gefiihften Schnit-
tes. Nun beschreibt R. neuerdings einen Fall, den er wieder mit
vollkommenen Erfolg operirte, sowohl was die Function des Rectums,
als das äussere Anseh^i des Perineums anlangt.
Die 2. Hälfte der Arbeit theilt 12 Fälle von Fistelbildungen mit.
In Fall I, II und HI handelte es sich um Rectalfisteln, welche in
die Vulva einmündeten und durch Spaltung geheilt wurden. In Fall
IV wurde eine Rectovaginalfistel syphilitischen Ursprungs, welche
unmittelbar über dem Ostium vaginae gelagert war, ebenfalls durdi
Spaltung geheilt.
In Fall V ist die Aetiologie einer Maetdarmscheidenfistel interes-
sant. Diese wurde nämlich in der Brautnacht durch zu stürmischen
Coitus acquirirt. Die Fistel lag 2 Cm. über dem Ostium vaginae und
war für das letzte Glied eines Fingers durchgängig. Es wurde yen
der Fistel aus das ganze Perineum gespalten, sodann die Fistel an-
gefrischt und durch eine Naht vereinigt. Das gespaltene Perineum
wurde nicht genaht. Die HeUung erfolgte vollkommen.
In Fall VI wurde eine grosse Rectovaginalfistel angefrischt und
genäht; doch erfolgte prima intentio nur in zwei Dritttheilen der
Wunde. Durch wiederholte Cauterisationen gelang es nicht, den
Verschluss der übriggebliebenen Fistel zu erzielen. Wohl aber schob
sich ein Fistelrand Uppenförmig so über den andern, dass weder
Darmgase noch Faeces in die Vagina drangen. Au<ih in Fall VII
erfolgte der Verschluss nach wiederholten Cauterisationen durch das-
selbe Uppenartige Uebereinandexschieben der Fistelränder. Dahin-
Cei^tralblfiM« fftr Chirurgte. No. 6. 91
gegen '«rtöfde in Fall VIIl eine Rectovaginalfistel durch blosse Lapis-
toucliinnigen shim wirklichen Verschluss gebracht.
In Fall IX war die Communication zwischen Scheide und Rec-
tum keine directe^ sondern der Fistelgang Terlief einige Cm. lang
im Septutn stachen Scheide und Rectuiii, so dass die beiden Bnd-
offiiungen einige Cm. weit von einander entfernt waren. R. sclilitzte
den Fistelgang des Septum von der Scheide her auf und heilte dann
die Fistel durch Cauterisationen mit Lapis.
Fall X und XI waren Cloakenbildungen nach schweren Gebur-
ten. Die Kranken starben» bevor sie einer operativen Behandlung
unterzogen wurden.
Fall Xn bezieht sich auf einen Mastdarmkrebs» welcher sich bi»
in die Vulva hinein erstreckte und mit Erfolg (1852) exstirpiit wurde.
Es soll kein Recidiv eingetreten sein. Hemel (IViest).
Birck-Hinchfeld. Ueber Mikschvi^ellungen.
(Vortitig, gehalten auf der '47. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu
Breslau. Beotache Zeitschrift far praktische Medicin 1874. No. 40.)
Verf. bestimmte zunächst das Gewicht der normalen Milz und
fand bei 68 ganz gesunden Leichen (Selbstmörder, Verunglückte etc.)
als Durchschnittsgewicht 150 grm., d. h. 0,26% des Korpergewichts
und als Dimensionen 13, 8, 3. Das Gewicht der Leber beträgt 2,7%
des Körpergewichts, also 10 Mal mehr, als das der Milz. Verf. hat
auch bei einer weiteren Beihe von Leichen, wo es sich um Krank-
heiten handelte, die offenbar auf die Milz keinen Einfluss hntten.
Wägungen angestellt und mit den obigen Zahlen übereinstimmende
Resultate erhalten. Von besonderem Interesse ist das Factum, dass
bei Abmagerung von Kranken jüngeren Alters die Milz proportional
der allgemeinen Körperabnahme an Gewicht verliert, während bei
Personen über 60 Jahre Milz und Leber stärkere Gewichtsabnahme
zeigen, als das Gesammtgewicht. Für die ersterwähnten Fälle er-
hielt Verf. für die Milz 0,27% des Körpergewichts (150 Fälle). Die
Leber betrug bei Männern 3%, bei Frauen 3,4% des Körpergewichts.
Bei Leichen über 60 Jahre war das relative Lebergewicht 2,6% und
das relative Milzgewicht 0,23%.
Auf Grund dieser Zahlen haf Verf. die Milztumoren untersucht
und bringt sie in 2 Categorieen: 1) primärer Milztumor (Leukämie,
mehr oder weniger erhebliche Milztumoren bei gesunden Leichen) ;
2) ^ecundärer Milztimior. In die letztere Klasse rechnet Verf. die
Stauungstumoren, die Milztumoren durch Amyloiddegeneration (46
Kille) und bei den Infectionskrankheiten. Zu den septischen Milz-
tumoren der septico-pyämischen Krankheiten zählt Verf. auch jene
bei Tuberculose. In den 71 Fällen von metastatischer Pyämie fand
Verf. eine durchschnittliche Milzgrösse von 302 grm., also 0,6% und
eine Lebetgrösse von 1908 grm. gleich 3,7%. Die Milzdimensionen
betragen i 5 und 9. In manchen Fällen von Pyämie fehlt der Milztumor,
92 Ceniralblatt für Chirurgie. No. 6.
aber nicht häufiger^ als beim Abdominaltyphus. — Aus einer Gruppe
von 36 Fällen einfacher diphtheritischer Wundaffectionen^ phlegmonö-
ser Processe etc. hat Verf. ebenfalls versucht^ ein Mittel zu ziehen.
Das mittlere MUzgewicht betrug 174 grm.^ also 0^3 5 o/o- ^i Puerperal-
fieber erhielt Verf. genau dieselben Zahlen : bei der pyämischen Form
des Milztumor 0^6%^ bei der phlegmonösen^ resp. peritonitischen
174 grm. oder 0^33%, da das Körpergewicht etwas höher war. Diese
Beobachtimg lässt sich für die Natur gewisser Infectionsstoffe ver-
werthen: bei der phlegmonösen Form ist die Lymphbahn^ resp. das
Bindegewebe der Weg, den der Infectionsstoff geht^ während bei der
anderen die Blutbahn direct inficirt wird. Da der Tumor fast stets
^in jenen Fällen^ wo Metastasen sind, beobachtet wird« so glaubt sich
Verf. zu dem allgemeinen Ausspruch berechtigt, dass der Milztumor
der Ausdruck der directen Infection des Blutes sei. Und wenn in
der That die Milzschwellimg infolge des Eintritts des Infectionsstoffes in
die Blutbahnen entsteht, so ist Verf. der Ansicht, daraus weitere Schlüsse
bezüglich der Natur des Infectionsstoffes machen zu können. Um
einen diffundiblen oder chemisch gelösten Körper kann es sich nach
Verf. nicht mehr handeln. Die chemischen Producte der Zersetzung
bei Phlegmonen werden auch in die Blutbahn gelangen, aber sie ge-
nügen nicht, um Milzschwellungen hervorzxirufen. Somit sei der be-
treffende Infectionsstoff wahrscheinlich ein fixer Körper.
Tillmaiins (Leipzig).
A. PoUatschek. Beobachtungen über die Carbunkelkrank-
heit beim Menschen.
(Wiener allgem. med. Zeitung 1874. No. 52.)
Von den Leuten^ die beim Schlachten und Zerlegen einer milz-
brandkranken Kuh beschäftigt waren, erkrankten 5 unter folgenden
Symptomen: 1) (Mann} Am Tage nach der Infection Kopfschmerz^
Uebelkeit, Brechreiz^ Frösteln, am 3. Tage bildet sich eine härt-
liche, blassrothe, stark juckende Prominenz am Daumen, von diffus
geschwellter Haut umgeben; ähnliche Knoten an der Rüokenfläche
der Hände und im Gesicht; aus den meisten derselben bilden sich
Epidermisblasen, die zum Theil auf derben Knoten aufsitzen. Nach
14 Tagen Heilung ohne besondere Medication. Langdauernde Recon-
valescenz. 2) (Mann) Incubationszeit 4 Tage. Derbe, grössere Kno-
ten, eigentliche Carbunkel am Vorderarm — Aetzung; die Entzün-
dung greift in die Tiefe weiter, starke Anschwellung des ganzen
Armes — Blasenbildung und Hautgangrän — Genesung. 3) und
4) (Männer) Am 3. Tage entstehen \mter Uebelkeiten derbe Kno-
ten an der Innenfläche der Vorderarme, die sich nach Aetzung zer-
theilen, Heilung in 6 Tagen. 5) (Frau von 60 J.) Pat. kam 14
Tage nach der Infection in einem äusserst herabgekommenen Zustande
Centralblatt far Chirurgie. No. 6. 93
zur Beobachtung^* An der Hand ein seichtefi misfifarbiges Geschwür^
aus einer Blase hervorgegangen; Heilung. Lange Reconvalescenz.
Der Gerber^ welcher die Haut des kranken Thieres übernommen
hatte^ erkrankte unter ganz ähnlichen AUgemeinerscheinungen^ ohne
dass es zu einer Localisation ^kommen wäre. Die Leute, welche
das (nicht mehr warme] Fleisch gekauft, nach Hause getragen und
gegessen hatten, blieben vollkommen gesund.
• Von einem anderen kranken Thiere wurden beide beim Schlach-
ten beschäftigten Individuen inficirt. Bei dem Manne bildeten sich
Carbunkel an den Armen, welche geätzt wurden — Heilung. Die
esjahrige Frau erkrankte am 2. Tage unter heftigen Allgemeiner-
scheinungen. Tiefsitzende Infiltrate am Vorderarm. Erysipel des
ganzen Armes, sehr rasch gegen den Stamm fortschreitend. Haut-
gangrän an zahlreichen Stellen. Tod unter Schüttelfirösten am 5. Tage.
Der Verf. zieht aus seinen Beobachtungen folgende Schlüsse:
1) Die Blatter der Carbunkel und das carbunkulöse Erysipel sind
coordinirte Erkrankungen. 2} Das Gift wirkt inficirend auch durch
die unverletzte Haut. 3] Die Ansteckuugsfähigkeit ist, so lange die
Theile des Milzbrandcadavers noch warm sind, am grössten. 4) Der
Genuss des Fleisches milzbrandkranker Thiere muss im Allgemeinen
als unschädlich bezeichnet werden. Winiwarter (Wien).
S. V. Bascil. Die Hemmung der Darmbewegung durch den
nervus splanchnicus.
(Sitzungsberichte der kaiserl. Academie der Wissenschaften su Wien 1874.
Bd. LXVni. 3. Abthlg.)
Für das Studium der Hemmung der Darmbewegungen wurden
bisher immer Bewegungen benutzt, die ihre Entstehung der Anwesen-
heit dyspnoischen Blutes im Darme verdankten, Bewegungen also,
während welcher die Bespiration gestört ist, während welcher aber
auch die Circulation infolge der durch die Dyspnoe bedingten Reizung
des vasomotorischen Centrums Veränderungen erleidet. Um die ge-
nannten Uebelstände zu vermeiden, wählte Verf. als Grundlage für
seine Hemmungsversuche jene Bewegungen, die durch das Nicotin
hervorgerufen werden. Diese Bewegungen sind keine spontanen;
während derselben sind Respiration und Circulation ungestört und
die Reizbarkeit der nervösen Centren ist vollkommen erhalten.
Die Versuche lehren:
Die Hemmung der Darmbewegung nach Reizung des nervus
splanchnicus ist nur eine Function der vasomotorischen Eigen-
schaften dieses Nerven. Infolge der Reizung des genannten Nerven
wird ein Verschluss der Darmarterien herbeigeführt; hierdurch wird
nach Verf. das die Bewegung verursachende Blut vom Darme abge-
halten und so entsteht die Hemmung der Darmbewegungen. Dass
94 Qen^bl^tt mr €Shirurgle. No. 6.
der nerr, splaac^xmcus dixect specifi^ch hemz^ende faaern ber
sitze^ wie Pflüg er^ der Entdecker dieser Erscheinungen will» ist
also nach Verf. nicht richtig. TlUmau^ (L^ipsig).
Kleinere Mittheilungen.
Soheffer. lieber parenchymatöse Carbolinjectionen.
Inaug.-DIss. Oreifswaldi 1B74.
S. spritite Kaninchen yermitteUt der Pravaz'schen Spritse verschieden 9taTke
CarbollöBungen in die Parenchyme innerer Organe, z. B. Leber, Lungen. Es be~
währte sich, dass die Einführung der wohldesinficirten Kanüle höchstens nur un-
erhebliche Entzündungserscheinungen zur Folge hat, und dass schwache Carbol*
lötnzigen ohne Schaden in die Gewebe gebracht werden dürfen.
Bänke (Halle).
Oascoyen. Cases of syphilitic reinfection.
(Royal med. and chir. soc. 1874. Novbr. 24. Med. tim. and gas. 1874. Decbr. 5.)
G.'s Vortrag stützt sich auf eine nicht mitgetheilte Zusammenstellung Ton 60
Fällen von 2maliger Infection, darunter U von ihm selbst beobachtete. 10 von
letzteren hatten secundäre Symptome gehabt, die sich bei 6 derselben wiederholten \
in den 4 anderen Fällen zeigte sicti das 2. Mal nur ein harter Schanker. Der
11. Fall hatte zuerst einen harten Schanker mit Drüsenschwellungen , dann einen
gleichen Schanker, direct von tertiären AjOTectionen gefolgt.
Von den Gesammtfällen kam 6 Mal (von den seinigen 1 Mal) die 2. Infection
bei bestehenden tertiären Symptomen vor, wobei nicht erwähnt wird, ol^ hier nur
»harte Schanker« oder auch secundäre Symptome beobachtet seien.
Lee macht auf den milderen Verlauf der 2. Krankheit aufmerksam, und theilt
2 von ihm beobachtete Fälle mit.
Acton will 10 — 11 Fälle gesehen haben.
Drysdale hat nur 1 Fall gesehen: 1S61 Infection, secundäre Symptome;
1870 zweite Infection; er warnt vor Vem'echselung tertiärer Affectionen mit Pri-
märsclerose. Bänke (Halle).
Fr. Ho06litB. Ueber die Naht getrennter Sehnen.
(Wiener med. Presse 1874. No. 49.);
Ein zwölQähriges Mädchen trat beim Herabsteigen von einer Mauer mit
dem rechten Fusse auf die Schneide einer Sense. Grosse lappenförmige Wunde in
der planta pedis. Heftige Blutung aus Art. plant, intern, und extern. Die Sehne
des Muse. flex. digit. pedis commun. sin. ganz durchschnitten. Verf. sog die Enden
der Sehne durch je 2 Nähte (Seidenfaden) zusammen; dann wurde der Lappen
angenäht. Baldige Heilung. Flexion und Extension ganz normal.
Fr. Steiner (Wien).
H. P. Witt (Schleswig) . üeber Verbesserung perverser Gele^kstellung
mittelst des Gypsyerbandes nach Dr. Mezger 's Methode.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1874. Bd. XVH. Hft. 4.)
•
Verf. beschreibt einen von Mezger conatruirten Apparat, wegen dessen Ein-
zelheiten wir auf das Original verweisen, um angeborene und erworbene falsche
OalenksteUungen mit HtUfe von Oypaverbänden allnMÜig zu verbessern.
Ua$ß (Qreslau).
Oentralblatt fttv Chnnirgi&. N&. 6. %:
Lee^ BemoYii of a tumonr by means of the elastsc Kgature.
(Clin. soc. of London 1874. Novbr. 27. Med. tim. and gaz. 1874. Decbr. 12. p. 673.)
Der Tumor befand sich auf dem Rücken eines 55jfihr. Mannes, war mit der
Haut theilweise Terwachsen, und bestand aus 2 Abtheilungen. Die erste Ligatur
hatte ohne Blutung in 4 Tagen bis auf einen dQnnen Stiel durchgeschnitten; 14
Tage später wurde die rweite Partie nach Hautdurcbsch neidung und DurchfÜhruttg
▼on S Nadeln unter den Tumor mit der Ligatur versefaen, und 3 Tage spflter ent-
fernt. Eine gut granulirende Fiflche blieb zfurQck. Hulke spricht gegen den
Nutzen der elastischen Ligatur, Tort er theilt seine Eindrflcke aus Wien mit, die
ihn wenig für die Ligatur eingenommen haben. Bänke (Halle).
St. GermaSn. Causes et traitement de la scoliose.
(S^ance de la Soc. de Chir. du 21. Octbr. 1874.)
Saint-Germain hat in seinem SLinderspitale an JOO Scoliosen beobachtet.
Die Entstehungsursache sei dunkel. Er hat nie durch das mehrstündige Liegen
ein Redressement der Scoliose gesehen. Die Eltarn bezeichneten nie die fehlerhafte
Haltung als Ursache des Uebels, welches am häufigsten an rhachitischen oder sonst
sdiwächlichen Individuen yorkomme. St. 0. empfiehlt das Mieder von Du er es-
sen und Gymnastik, wodurch man in einigen Monaten erhebliche Besserung er-
zielen könne. Das Liegen im Bett verwirft er, als dem Allgemeinzustand nach-
theilig.
Despr^s bemerkt, dass St.-G. und Fravaz die Scoliose infolge von Rhaehi-
tis, und die Scoliose infolge von Schwäche confundiren. Die Scoliose zur Zeit der
Pubertät komme, wie Duchenne gezeigt habe, auf die mangelhafte Wirkung der
antagonist. Muskeln. Für diese letzteren Fälle empfehle sich der Name »wahre
Scoliose«, und als Behandlung derselben: die Mieder, Gymnaotik, Elektricität und
eine pasaende Hygiene.
Casin. Hernie crurale ^trangl^e ; Operation pendant la periode algide.
Gu^rison. Curieux ^piphenorafene.
Ibid.
Cazin berichtet von einer 58jähr. Frau, welcher er eine linksseitige Crural-
hemie, die sie seit 10 Jahr besass, wiederholt schon reponirt hatte, obwohl sie
em Bruchband trug. C. traf die Fat. fast pulsloe ; häufiges Erbrechen ; Bauch auf
getrieben; seit 36 Stunden keine Stuhlentleerung. Die kastaniengrosse Hernie
ist sehr schmerzhaft. Hemiotomie: Der Darm war roth, bis dunkelblau. Guter
Verlauf.
Am 5. Tage nach der Operation klagte Pat. Ober ein kribbelnde« Gefühl in
den Fingern und Zehen. 2 Tage darnach war die Pulpe der Finger voluminöser,
Epidermis blasig abgehoben. Einige Tage später kam es zur Desquamation in
handschuhfingerförmigen Stücken, was über 3 Wochen dauerte. C. bringt dieae
Erscheinung mh dem Status algidus in Verbindung, in welchem die Pat. sich be-
reits befand, als operirt wurde. Der Process an der Haut glich einer Erfrierung
2. Grades.
Verneuil bemerkt hierzu, dass Lungencongestion zur HerbeifühiUDg des
Status algidua beitrage ; Heilungen nach Operationen in diesem Stadium seien enorm
selten. Treckene Sohröpfköpfe und Analeptica eeien am Platie. V. weist ferner
auf die Gefabren dieser Lungencongestion hin; sie werde durch das InhaHren des
Chloroforms gesteigert und sei bei den Reductionen der Hernien, wo das letaLs
Ende weder durch Peritonitis noch durch operative Zufalle sich erkläre, die eigent-
liche Todesursache. Fr« Steiner (>yien).
96 Centralblatt für Chirargie. No. 6.
Williams und Knapp. Zwei eigenthümliche Fälle von Choroideal--
sarcom. (Mit Abbildungen.)
(Arch. f. Augen- u. Ohrenheilkunde v. Knapp und Moos. Bd. 5. Abth. 1. No. 8.)
Wiesbaden, C. W. Kreidel's Verlag.
Erster Fall. Es wird folgender Verbreitungsweg eines intraocularen Sarcoms
angenommen. Die Geschwulst soll von dem die Papille umgebenden Choroideal-
theile auf die Betina, die sich total ablöste und mittelst dieser auf den Ciliarkörper
übergegangen sein und ausserdem soll eine Aussaat von Geschwulstkeimen von der
abgelösten Retina aus durch das trennende Fluidum hindurch auf sonst gesunde
Theile der Choroiden stattgefunden haben, die infolge davon an ihrer Innenfläche
£U einem Viertheile ihrer ganzen Ausdehnung mit kleinen bis hirsekomgrossen
Sarcomknötchen besäet ist. Die Begründung dieser Ansicht ist im Original nach-
zulesen.
Im iweiten Fall, der eine 22jähr. tuberkulöse Patientin betrifft, wird an-
genommen, dass die sarcomatös entartete und abgelöste Retina durch Contact von
einem primären eng anliegenden Choroidealsarcom inficirt worden sei.
Fraenkel (Chemnitz].
Bell Taylor. On tlie transplantation of skin en masse.
(Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 2. p. 18.)
T. berichtet über die gelungene Wiedereinheilung eines Hautstückes, welches
bei einer Ptosisoperation zu viel weggenommen war. 20 Minuten war das Stück
Haut* aus allem Zusammenhang entfernt gewesen, P/s Zoll lang, ^^Zoll breit; die
Einheilung vollständig. Ranke (Halle).
Dowse. Nephritic abscess^ tapping, recovery.
(Med. tim. and gaz. 1874. Decbr. 5. p. 632.)
Die 18jähr. Patientin hatte in den 5 letzten Monaten der Schwangerschaft
starke Schmerzen in der rechten Lumbaigegend gehabt; nach der Entbindung war
Eiter mit dem Urin abgegangen. Im Abdomen rechts ein grosser, fluctuirender
Tumor, der bei einer Function 20 Unzen stinkenden Eiters entleerte. Nach Wie-
deranfüllung des- Abscesses und nochmaliger Function Einlegung eines Drainrohres ;
rasche Heilung unter gleichzeitiger Kräftezunahme der sehr heruntergekommenen
Patientin. D. bedauert selbst die Unmöglichkeit, seine Diagnose sicher zu stellen.
Ranke (Halle).
Berkeley Hill. Fracture of the os caicis by muscular violence.
(Med. tim. and gaz. 1874. Novbr. 21. p. 578.)
Eine 56jähr. Frau erlitt diesen firuch bei einem Fall aus einer Höhe von 2
Meter. Das halbwallnussgrosse Fragment war durch die Muskeln 3—4 Finger breit
in die Höhe gezogen, die activen Bewegungen waren frei. In 4 Wochen war unter
Plantarflexion im Sprunggelenk und Flexion im Kniegelenk mit Benutzung einer
vorderen Schiene eine ziemlich feste fibröse Vereinigung erzielt.
Ranke (Halle).
Berichtigung:
S.40 1iei M* statt Hm.
Originalmittheilnngen, Monographieen nnd Separatabdrficke wolle
man an Dr. Jf. Tillmann», Leipzig, MarfenRtrasse No. 3, oder an die Yerlagsbandlirng,
Breiikopf und Bärtel, einsenden.
Druck und Verlag von Breitkopf und Hirtel in Leipzig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
heransgegeben
TOB
Dr. L Leser, Dr. E Scliele, Dr. H. TUlniiiis
in Berlin. in Balle a. 8. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Pr&-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
' - ■ I ■ '!■■■■■■■» ■«- ■ ■ — ^— ). — — III .1.
H= 7. Sonnabend, den 13. Febmar. 1875.
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^""""^^^^
Inhalt: thamhayn. Der Liste rasche Verband (Schluss). — (Trdy, Operation schwie-
riger Falle Yon OTarlotomie und Hysterotomie. — Eck, Hysterotomie. — Yalf, Gebär-
mnUenuht beim Kaisersehnitt. — Jahresbericht des Bartholomew's Hospital. — Lees,
Handbuch for Krankenpflegerinuen. — Rota, Vorschlag zur Erleichterung der Opera-
tionen am Oberkiefer. — Becker, Einheilung von Kaninchen-Bindehaut in den Binde-
kaotsack des Menschen. — Zelstl, Eine Methode ohne Einführung des Katheters
Flfiasigkeiten in die mannliche Harnblase zu bringen.
PIppiagskSld, Galvanische Suturen. *- Eck, Tracheotomie bei Opiumvergiftungen. —
Clarka, Chirurgische Behandlung des Empyems. — Amory, Behandlung der HarnrÖhren-
stricturen mittelst Galvanocaustik. — Van Buren, Behandlung der Prostatahypertrophie.
— Annandale, Nierenstein. — Jakaon, Kought, Steinoperationen. — Janeen, Suppurative
Myositis. — Maat, Gongenitale Unterschenkelluxation. — MilROZ, Keilförmige Resection
der Tibia. — Annandale , Pseudarthrose des Vorderarms. — LevtChln, Vorschrift zur
Bereitung von künstlichem Kuh-Kumys.
ThamhayiL Der Lister 'sehe Verband.
Leipzig, Veit A Co., 1875. go. 275 6.
(Schluss.)
5. Academische Eröffnungsvorlesung, am 8. Novbr.
1869 in Edinburg gehalten. (Brit. med. journ. 1869.)
Versuch, seinen Zuhörern die Lehre vom Keimursprung der Zer-
setzung zu beweisen, und hiermit den Schlüssel zum Verständniss
der antiseptischen Behandlung zu geben. Versuche von Schwann,
dass ein Zuleiten einer hohen Wärmegraden ausgesetzten Luft ohne
zersetzende Wirkung ist, sind die vorzüglichste Stütze der Hypothese.
Tritt nach der Function eines Abscesses eine Zersetzung ein, so
weist das Mikroskop stets jene Vibrionen nach, die aus zufällig mit
eingeführten, staubförmig in der Lufit schwebenden Keimen entstanden
7
98 Centralblatt für Chirurgie. No. 7.
sind. Für letztere Annahme sind die Pas teur 'sehen und Chev-
reuiTschen Versuche beweisend.
6. lieber den günstigen Einfluss der antiseptischen
Behandlungsweise auf die Gesundheitsverhättuisse chi-
rurgischer Krankenhäuser. "{Lancet, 1870.)
Das — bis auf schlechte Cioseteinrichtungen — gut erbaute neue
Glasgower Krankenhaus war, zwischen BegräbnisssteUen gelegen,
äusserst ungesund; der eine Parterresaal Lister*s, für Schwerver-
letzte bestimmt, war einer der schlimmsten Bäume; und wenn
auch Dank der Vorsorge Lister's, den Saal immer möglichst
schwach zu belegen, es niemals nothwendig wurde, ihn zeitweilig
ganz zu schliessen, wie andere zum Theil nahe benachbarte Säle, so
wurden die darin verpflegten Patienten doch oft genug von Pyämie,
Erysipelas und Hospitalbrand in schlimmster Weise heimgesucht ; seit
der vor 2 Monaten erfolgten Einfährung der antiseptischen Behand-
lung konnte Lister indessen das völlige Aufhören aller accessorischen
Wundkrankheiten auch in diesem Saale constatiren.
Bei in 5 Jahren conservativ behandelten 32 complicirten Frac-
turen ist keine Pyämie beobachtet, während zu gleicher Zeit die con-
servirende Therapie immer weiter ausgedehnt wurde. Die Statistik
der grösseren Operationen vor und nach Einfuhrung des Verbandes
muss im Original verglichen werden. Nur eine einzige Pyämie (bei
einer Oberschenkelamputation) ist zu verzeichnen. Ein 2. Fall nach
einer schweren Handverletzung ist Folge eines nachweisbaren Fehlers.
In derselben Zeit entstand im Saal nur ein Erysipel, bei einer
Unterschenkelamputation mit bestehenden Fistelgängen. Der früher
endemische Hospitalbrand tritt nur noch selten und in durchaus mil-
den Formen auf,
7. Bemerkungen zu einer offenen Verrenkung des
Knöchels nebst anderen Verletzungen, ein Beitrag zur
Erläuterung des antiseptischen Verfahrens. (Lancet, 1870.)
An der Hand einer Krankengeschichte wird die technische Aus-
führung des Verbandes in einer vervollkommneten Form und die
theoretische Begründung desselben dargestellt. Hieraus mag Folgen-
des hervorgehoben werden:
1) Der zur energischen ersten Desinfecdon dienenden 5^0 Car-
boUösung darf kein Alkohol oder Glycerin zugesetzt sein.
2] Den Schutz der Wunde übernimmt mit einer hygroskopischen
Schicht überzogenes, vor der Anwendung in Carbolsäure getauchtes,
kautschuküberzogenes Blattgold, welches auf Shirting geklebt ist, oder
das oben beschriebene Protective. Beim ersten Verband ist dieser
Schutz nicht anzuwenden.
3) Der erste Verband ist nach spätestens 24 Stunden, die wei-
teren nach Massgabe der Secretion zu wechseln; über eine Woche
darf kein Verband liegen.
4) Die desinficirende Schicht (Lackpflaster) muss die Wunde weit
Centralblatt für Öhinirgie. No. 7. 09
überragen^ auch alle benachbarten, isolirten oberflächlichen Verletzun-
gen unter ihren Schutz nehmen.
5) Zufallig eintretende Zersetzung kann durch Abspülen der
Wunde mit Chlorwasser beseitigt werden.
Die Verletzung, eine Liixation des Fusses nach innen, mit grosser
Wunde der Weichtheile und Bruch beider Malleolen complicirt, heilte
trotz anderweitiger schwerer Verletzungen des Patienten mit beweg-
lichem Gelenke.
8. Antiseptische Behandlungsweise der Amputa-
tionsstümpfe. (A System of surgery, 1871. Vol. V, p. 617.)
Neues in diesem Artikel ist:
1) Die Operation, der Verbandwechsel geschieht in dein Dunst-
kegel eines Carbolsäurelösung enthaltenden Zerstäubungsapparates.
2) Die dauernden Nähte werden mit Seide angelegt^ die vorher
mit Carbolwachs imprägnirt ist.
3) Das Verbandmaterial ist eine 8faehe Lage der bekannten, mit
Harz, Paraffin und Carbolsäure getränkten Graze. Aussen, oder zwi-
schen 7. und 8. Lage ist ein Stück undurchlässigen Zeuges, z. B.
Makintosh eingefügt.
4) Auf die Ableitung der ersten reichlichen Sekrete ist die grösste
SoigÜEdt zu verwenden.
5) Bestehende Eiterungen werden durch Abspritzen mit Chlor-
zinkiösung (1 : 12} für den weiteren Verlauf unschädlich gemacht.
9. Besection eines Handgelenkes wegen Caries; Be-
seitigung einer Entstellung durch Narbenzusammen-
ziehung. Amputation am Hüftgelenk. Heilung. (Med.
chir. soc. Edinb. 1871, Edinb. med. Journal 1871.)
List er stellt eine vor 7 Jahren ausgeführte Handgelenkresection
mit vorzüglichem functionellem Besultate vor. An zweiter Stelle (es
handelte sich um eine grosse Brandnarbe zwischen Hals, Brust und
Arm) empfiehlt er zur Vermeidung der Wiedervereinigung getrennter
Narbenflächen, unter dem antiseptischen Verbände, in dem Wundwin-
kel einen Gummizug anzubringen. Der dritte vorgeführte Kranke
ist, 5 Jahr alt, primär nach einer Verletzung operirt. Die Localität
ist für den Verband äusserst ungünstig; nur durch Unterlagen von
antiseptischer Gaze konnte eine Zuleitung von Zersetzungserregern
vermieden werden.
10. Vortrag, gehalten in der 39. Jahressitzung der
Brit. med. association in Plymouth, Aug. 8. 1874. (Brit.
med. Journal, 1871, August.)
Aus der Darlegung der theoretischen Grundlagen im Anfknge
des Vortrages sind die Experimente im Anschluss an Tyndall wich-
tig. Nach diesem filtrirt Watte die Sonnenstäubchen. List er fand
sie bei asejitischen (genau desinficirten und keine Keime enthalten-
den) Wunden von schützender Kraft, solange sie nicht durchnässt
vrar. Staubförmig sind demnach die schädlichen Potenzen mit Sicher-
7»
100 Cejitralblatt für Chirurgie. No. 7.
heitj dass sie indessen identisch mit den gleichzeitig erscheinenden
Vibrionen seien^ wird nicht mit derselben Gewissheit behauptet.
In der nachfolgenden Erörterung der Yerbandtechnik ist die
Dosirung der CarboUösungen niedriger als früher (cf. unten).
Ein öfteres Auswaschen der Operationswunden hält Lister für
unnöthig^ wenn unter Spray gearbeitet wird. Die Sicherheit des Ver-
fahrens ist so gross^ dass jetzt eine Ligatur der art. femoralis weniger
gefährlich ist, als früher ein Hautschnitt in der Hand. Unter den
Ejrankengeschichten ist eine Pseudarthrosenoperation am Schenkelhalse
hervorzuheben.
11. Ein weiterer Beitrag zur Naturgeschichte der
Bacterien und zur Keimlehre der Gährungsveränderun-
gen. (Quaterl. Journal of microsc. sciences 1873.)
Die Versuche sind mit äusserster Vorsicht angestellt, lassen sich
aber nicht im Auszuge wiedergeben, ^s Nährflüssigkeiten wurden
Milch, eine etwas modificirte Pas teur 'sehe Flüssigkeit, Rübenauf-
güsse und Harn verwendet. Bedenklich erscheinen die botanischen Re-
sultate : Bacterien entstehen durch Austritt von Protoplasma aus Sporen
von Fadenpilzen, verzweigen sich und pflanzen sich theilweise durch
Sprossung fort. Anderweitige Schlüsse sind: Dasselbe Bacterium ist
infolge sich ändernder Verhältnisse im Stande, in ein und derselben
Flüssigkeit Gähningsveränderungen hervorzubringen, die sich weit
von einander unterscheiden, z. B. Milchsäuregahrung und schwarze
Pigmentbildung in der Milch. So ist es auch begreiflich, dass die-
selbe Lebensform, die in dem einen Falle unter gewöhnlichen Um-
ständen verhältnissmässig harmlos sein kann, zu anderen Zeiten Er-
zeugnisse zu liefern im Stande ist, die für den menschlichen Körper
den grössten NachtheU bringen müssen. »Der Annahme eines beson-
deren Eigengiftes (zur Entstehung z. B. des Hospitalbrandes) bedarf
es gar nicht mehr. Wir sehen jetzt, dass Lebensformen, die allen
Geschwüren in den Krankensälen eigen sind, besondere Eigenthüm-
lichkeiten in Entleerungen annehmen, welche unter lang liegenden
Verbänden faulige Zersetzung eingegangen sind. In gleicher Weise
können wir es uns recht wohl denken, dass der ungesunde Zustand
eines alten verwahrlosten Krankenhauses nicht auf der Einführung
neuer solcher Formen beruht, sondern nur auf einer Veränderung
derer, welche alten wie neuen Gebäuden dieser Art gemeinsam sind«.
12. Verbesserungen der Einzelheiten des antisep-
tischen Verbandes (als Manuscript an Dr. Thamhayn einge-
schickt) .
Li st er dosirt jetzt wieder: Lösungen von l : 40 fiir Spray, Wund-
reinigung ; von 1 : 20 (eventuell 1 : 5 Alkohol) zur primären Desinfec-
tion. Die Oberfläche der Gaze ist vor dem Anlegen des Verbandes
sorgfältig zu reinigen. Die Desinf^ction bestehender Eiterungen mit-
telst Chlorzinklösungen darf nicht durch Einspritzen unter Anwendung
bedeutender Kraft geschehen; die Infiltration der Gewebe mit dieser
Centralblatt für Chirurgie. No. 7. 101
Flüssigkeit hat bedeutende Gewebsnekrosen zur Folge. Die Drainage
der Wunden muss mit der äussersten Sorgfalt ausgeführt werden :
die Drains werden genau im Niveau der Haut abgeschnitten^ durch Fä-
den fiidrt. Ihre Füllung mit Blutgerinnseln in den ersten Tagen
macht eine Entfernung derselben zum Zwecke der Reinigung nicht
nöthig. Zur Aufnahme der Wundsecrete kann für die ersten 24 Stun-
den vor die Oefhung des Drain ein absolut reiner, mit 5% Carbol-
lösung desinficirter Schwamm gelegt werden.
Oelige Losungen werden, 5% Säure enthaltend, zum Einölen der
Untersuchungsinstrumente, der Katheter etc. benutzt.
Die Behandlung der Präpatellarhygrome mittelst Incision und
Drainage, die Operationsmethode bei Caries am Fuss muss im Ori-
ginal verglichen werden.
An letzter Stelle werden Versuche mit einer antiseptischen Salbe
aus Borsäure, Wachs je 1 Theil, Mandelöl, Paraffin je 2 Theüe kurz
angeführt. Kanke (Halle).
L. Urdy. Examen au point de vue du manuel operatoire
de quelques cas difficiles d'ovariotomie et d'hyst^rotomie.
Paris. Delaluiye. 1874.
Verf. hat sich die Aufgabe gestellt, die schweren Complicationen
bei Ovariotomieen und Hysterotomieen eingehend zu erörtern und
vor Allem das Operationsverfahren in derartigen Fällen anzugeben.
Indem er in der Einleitung zunächst die Worte vorausschickt; dass der-
j^iige die schönsten Resultate erzielen wird, der es versteht, keinen
Umstand, möge er auch noch so geringfügig scheinen, zu vernach-
lässigen, giebt er dann für schwierige Fälle das nothwen<]^e In-
strumentarium an, welches eine oder zwei Klammem (P6an und
B. Brown), 7 oder 8 Ligaturenschnürer von verschiedener
Grösse, Spatel und Schabeisen zur Trennung von Adliäsionen, 15 —
20 Troikarts mit verschiedenen Krümmungen; Drainageröhren von
Metall oder Kautschuk, eine bis zwei Kanülen, Metalldrähte von jeder
Starke, gerade und krumme Nadeln, starke Bistouris, oder besser ein
kleines Amputationsmesser für fibröse Tumoren umfasst.
Im ersten Capitel behandelt Verf. Tumoren mit solchen Adhäsio-
nen, die zu trennen unmöglich oder gefährlich ist. Sind diese Ad-
häsionen schmal und befinden sie sich zwischen Tumor und Ab-
dominalwand, so soll man mit einer Metallnadel den Tumor 3 —
4 Cm. von der Adhäsionsstelle durchstechen, unmittelbar darunter
eine Ligatur legen und dann die Gewebe durchtrennen. Verbinden
schmale Stränge die Geschwulst mit einer Darmschlinge, so lassen
sich diese Verbindungen in den meisten Fällen leicht trennen; bei
stärkeren Adhäsionen aber soll man wie vorhin einen ganz kleinen
Theil des Tumor (nach Unterbindung und Abtrennung) an der Schlinge
lassen und diesen kleinen Rest dann später beim Zunähen der Bauch-
|[02 Centxalblatt fflr Chirurgie. No. 7.
wunde in diese mit hineinnahen^ so dass bei. eventueller Entzündung
oder Eiterung dieses Restes der Eiter in der Wunde zu Tage kommen
würde. Nur in dringendsten Fällen sehe man von dieser Methode
ab und cauterisire den Rest^ nachdem er mit einer Klammer gefasst
ist. Freilich kann auf die angegebene Methode nicht nur leicht Ab*
scedirung folgen, sondern auch durch die Fixation starke Verstopfung
und Zerrung der Eingeweide mit Unterleibsschmerzen für l&igere
Zeit. Ein Beispiel wird zi^ Beleg hierfür angeführt (fibröser Tumor,
für ein linksseitiges ILjrstom gehalten; Gastrotomie ; feste Adhäsionen
mit einer Darmschlinge ; Zurücklassung eines adhärenten Theils der
Geschwulst. HeUung) .
Bei stärkeren Verbindungen mit dem Netz unterbinde man die
grössten Gefässe vor dem Durchschneiden in einer gelesen Entfernung
vom Tumor doppelt ; das Netz aber leitet man entweder nach aussen
und befestigt es dann> breit zusammengebunden, gegen den unteren
Wundwinkel hin; muss es dagegen mit einer z. B. 5 Cm. breiten
Adhäsionsstelle in der Bauchhöhle bleiben, so durchsteche man es
mit krummen feinen Nadeln und Seidenfadenschiingen der Breite
nach an vier verschiedenen Stellen, durchschneide dann die Schlingen
und binde dann je zwei sich correspondirende Schlingen von jeder
Seite zusammen.
Ausgedehnte Adhäsionen kommen am häufigsten mit den
Organen des kleinen Beckens vor; prädisponirt sind hier besonders
einfache oder multiloculäre Ovariencysten und fibrocys tische Tumoren.
Uterusfibrome haben fast nie derartige Verbindungen. Wenn die Ad-
häsionen tief und in der Nähe des Stiels sind, so behandle man sie
nach Art eines gewöhnlichen Stiels. Lassen sie sich dagegen sehr
schwer trennen, so lasse man ein Cystensegment daran imd heile
dieses 1^ die Wunde ein, um eventuell reinigende Injectionen leicht
machen zu können. Die in der Bauchhöhle zurückbleibenden ]äest^
gehen nach Pean entweder atrophisch zu Grunde, oder gehen nach
Entzündung und Vereiterung in Narbengewebe über. In schwierigen
Fällen mit sehr ausgedehnten Verwachsungen entscheidet sich Verf.
nach P6an's sehr günstigen Erfahrungen für partielle Auseiterung
einer Cyste. Die sich hieran schliessenden 9 Operationsgeschichten
sind von hohem Interesse. In allen Fällen wurden grössere oder
kleinere Stücke der Geschwulst zur Vereiterung und Ausheilung zu-
rückgelassen, und nur in einem Fall trat der ^|'od ein.
Das zweite Capitel behandelt solide Tumoren von beträchtlicher
Grösse, deren Exstirpation die Entfernung eines Theiles des Uterus oder
des ganzen Organs mit nothwendig macht. Das Operationsverfahren
richtet sich einmal nach der Grösse des Tumor, zweitens nach der brei-
ten Verbindung mit dem Uterus. Im ersten Falle mache man die Incision
von der Symphyse bis womöglich nur 3 — 4 Cm. oberhalb des Nabels
und zerstückle nach der Methode P6an's (methode de morcellement]
durch Abschnürung die Geschwulst Stück für Stück; eine Methode,
die allerdings sehr zeitraubend, aber, nach Verf., absolut sicher ist.
Centralbktt ftlr Cbinngic. No. 7. 103
Der Stiel wird damn entweder ▼o« Isthmus uteri oder vom Ligamen«
tum kium gebildet, bu zweiten Falle . dagegen , wenn der Tumor
die BeekenhöUe ausfüllt, ist es ofl unmöglich, infidge der Entfernung
&st des ganzen TTterus eixken Stiel zu bilden. Ist die Geschwulst mit
dem Gewebe des Collum nicht zu fest verbunden, so muss man ver-
suchen, sie zu «nucleiren. Bei festeren Verbindungen aber und zu
fürchtenden starken Blutungen muss der Tumor ewisdien zwei Liga-
tttien gefiwst werden, deren untere das Scheidengewolbe, die Uterus- und
Scheidengeiasse einschliesst Da die Stidbildung hier unmöglich ist,
80 müssen die ligaturenschnürer so lange und zwar im unteren
Wimdwinkel des Bauchsdinitts befestigt werden, bis sidi Verklebun-
gen um die Ligaturen gebildet haben. Die nachfolgende Eiterung
findet durch die Scheide oder den unteren Wundwinkel ihren Aus-
weg. Bei eventoeller Eiteransammlung im kleinen Becken würde die
Diämage durch den Utenisstumpf der durch das hintere Scheiden-
gewölbe vorzuziehen sein. Zwei ausfuhrliche Krankengeschichten
iünstriren letztere Operationsmethoden. e*Leopeld (Leipzig).
N. Eck.. Ein Fall von Hysterotomie nach der serös-plasti-
schen Methode von Maslowsky.
(SitiQng der Gesellschaft russischer Aerste in St. Petersburg vom 15. Octbr. 1874,
russisch.)
Die vorgestellte Pat.^ 8S Jahre alt^ trug seit 13 Jahren im Ab-
domen eine Geschwulst^ die bis in das rechte Hypochondrium reichte
nnd leicht verschiebbar war. Fluctuation undeutlich^ Gefassgeräusche
nidit vorhanden, dagegen starkes peritoneales Reiben und Empfind-
lidikeit bei Druck auf den Tumor. Länge der Uterushöhle 22 Cm.
Pat während dieser 1 3 Jahre von blähender Gesundheit, fing im Sommer
1874 über peritonitische Schmerzen und heftige Uteruscontractionen
an tXL klagen und wurde bettlägerig. Beständiges Fieber mit abend-
lichen Exacerbationen, Nachtschweisse und Diarrhöen brachten die
Kranke in hochgradigen Marasmus. Wirkliche Blutungen aus den
Genitalien hatten nie stattgefunden, dagegen war während der letzten
2 Jahre fast constant ein öfters blutig tingirter fluor albus vorhan-
den. Am 24. August 1874 schritt E. zur Exstirpation der Geschwulst.
Nach Einleitung der Chloroformnarkose wurde die Bauchhöhle durch
einen ca. 25. Cm. langen Schnitt in der linea alba eröffnet. Die Ge-
schwulst stellte sich als der bedeutend vergrösserte Uterus dar. Links
inserirten sich Tube und Eierstock sehr hoch oben, rechts fast in
normaler Höhe. Die vergrösserte Gebärmutter wurde sanmit ihren
Adnexen nach aussen hervorgezogen, wobei 6 membranöse Verbin-
dungen mit Nachbartheilen unterbunden und durchschnitten werden
mossten. Um das fast normale untere Uterinsegment wurde nun zur
provisorischen Blutstillung die hakenförmige Klammer von Mas-
104 Centralblatt für Chiruigie. No. 7.
lowßky gelegt. Hierauf präparirte E. von der vorderen Fläche der
Geschwulst einen handtellergrossen Peritoneallappen ab^ der auch die
oberflächliche Muskelschicht in sich fasste und zwar so, dass seine
Basis nur wenig über der Klammer und parallel mit derselben lag.
Der Lappen schrumpfite nachträglich und wurde etwa 0^5 Cm. dick.
Jetzt rückte £. die Klammer etwas iiefer^ legte locker darunter, der
Sicherheit wegen, die Kette eines Constricteurs herum imd trug mit
dem Messer die ganze Geschwulst sammt Tuhen imd Eierstöcken in
einem Zuge ab. Der noch über der Klammer zurückgebliebene Stumpf
wurde mit der galvanocaustischen Schneideschlinge fast im Niveau
der Klammer selbst abgebrannt. Allein die Lumina der Gefässe in
den ligg. lata klafllen trotzdem. Da der Versuch, die Blutung mit
Hülfe des Glüheisens zu stillen, misslang, so wurden endlich beider-
seits Massenligaturen mit Erfolg angelegt. Eine Ligatur wurde noch
am verschorften Gebärmutterstumpf selbst nothig. E. leitete sie durch
den Cervicalcanal in die Scheide und klappte nun den abpräparirten
Peritoneallappen über den Uterusstumpf, um ihn mit 11 metallenen
und 9 Seidenligaturen, die alle kurz abgeschnitten wurden, so an den
vom cavum Douglasii aufsteigenden Peritonealüberzug des Uterus zu
befestigen, dass beide seröse Flächen in genaue Berührung kamen.
Nach Reposition des Stumpfes in die Beckenhöhle wurde die Bauch-
wunde durch 8 tiefe und 9 oberflächliche Seidennähte vereinigt. —
Die Operation hatte 2 Stunden gedauert. Am 2. Tage nach der
Operation wurden die unteren Nähte durchschnitten, 2 Tage lang
floss eine bedeutende Quantität blutigen Serums aus der Bauch-
höhle; am 4. Tage war oberhalb der durchtrennten Nähte eine Ver-
einigung der Wunde per primam erfolgt. Am 16. Tage tnit Blu-
tung aus dem unteren Wundwinkel und aus den Genitalien ein,
welche 4 Tage dauerte, mit dem gewöhnlichen Termin der Kegeln
zusammenfiel und von einer Hyperämie des Zellgewebes im Becken-
raume begleitet war, welche einer Parametritis nicht unähnlich er-
schien. Am 2. Tage der Blutung wurde ein 1 Cm. langer und
schmaler nekrotischer Fetzen vom Bande des Lappens abgestossen;
darauf konnte das in den Cervicalcanal eingespritzte Wasser aus dem
unteren Wundwinkel herausfliessen ; und nach mehreren Versuchen
gelang es 2 Tage später von der Gebärmutterhöhle eine Sonde durch die
Bauchwunde herauszuführen und daran ein Drainrohr durchzuziehen,
welches nach einer Woche ganz entfernt werden konnte. Am 22.
Tage verliess die Kranke das Bett und Ende September war sie voll-
ständig genesen. Im Laufe der nächsten 2 Monate nahmen die Er-
nährung und die Kräfte der Kranken auffallend zu, und sie beflndet sich
gegenwärtig in einem ausgezeichneten Gesundheitszustand. Der zurück-
gelassene Uterustheil, der 14 Tage nach der Operation einen 5,5 Cm.
langen Canal hatte, ist jetzt bedeutend atrophirt, sein Canal misst
kaum 4 Cm.; er ist vollständig beweglich und macht bei der Unter-
suchung den Eindruck eines rudimentären Uterus.
Dieses ist der erste erfolgreiche Fall von Hysterotomie durch den
Centralblatt für Chirurgie. No. 7. 105
Bauchflchnitt in Ruseland und überhaupt der erste, in welchem Mas-
lowsky's serös-plastische Methode am Menschen angewendet wor-
den ist. B. Pawloff (St. Petenburg).
G. Veit. Gebärmutternaht beim Kaiserschnitt.
(Beitrige lur Gebartahülfe und Gynftkologie 1874. Bd. III. Hft. 2.)
Im 1. Fall (21j. Mädchen^ rachitische Conj. diag. 6 Cm.) wurde
der Uterus mit 8 Catgut-Heften geschlossen; die Bauchdecken mit
10 seidenen Suturen. Genesung.
Im 2. Fall (hohe Verkrüppelung, Conj. diag. 10 Cm.) wurde die
Gebärmutterwunde mit 7 tiefen und 2 oberflächlichen^ die Bauch-
decken mit 12 Catgut-Suturen vereinigt. Genesung.
V. knüpft hieran die Bemerkung, dass er fortan bei jeder Sectio
caesarea^ ganz gleich ob die Gebärmutter sich nach ihrer Entleerung
gut contrahire oder nichts ob die anderweitigen Mittel^ die Blutung
zu stillen^ erfolgreich oder wirkungslos seien^ zur Schliessung der
üteruswunde mit Catgutföden übergehen werde.
Leopold (Leipsig).
Bartholemew's Hospital. Bericht für 1873.
In diesem Londoner Hospitale wurden behandelt 3450 Kränke^
darunter 1988 M. und 1462 W.^ davon gebessert oder geheilt entlassen:
1660 M., 1194 W.; ungebessert: 115 M., 82 W.; gestorben: 95 M.,
45 W.; verblieben: 188 M., 141 W.
Von grösseren Operationen wurden verrichtet: Ligatur der art.
iemoral. wegen Aneurysma der art. popl. 3 Mal; bei dem 35j. Mann^
welcher starb, kehrte nach der Ligatur mit Catgut die Pulsation im
Aneurysma wieder, eine 2. Ligatur blieb erfolglos; bei einem 33j. Mann
erfolgte am 22. Tage Gangrän einiger Zehen. Ligatur der Tibial ant.
1 Mal mit Erfolg.
Die 7 Resectionen, sämmtlich mit Erfolg verrichtet, betrafen 2
Mal die Hüfte, 4 Mal das Knie, 1 Mal den Ellenbogen. Von 39
Sequestrotomieen glückte nur 1 nicht.
Verzeichnet sind als geheilt : wegen Trauma : 7 primäre Amputatio-
nen (darunter 2 Obersch.), 1 secundä^e Amput. ; wegen Erkiunkung : 30
Amputationen und Resectionen, darunter 12 Obersch. und 1 Hüftg.
Gestorben nur 1 Unterschenkelamputation.
Es wurden verrichtet: Exstirpationen von Tumoren 111 (darunter
16 Gare, mamm.) mit 3 Todesfällen, 8 Seitensteinschnitte mit 1 Todesfall
(durch Nachblutung), 15 Hemiotomieen ohne Eröffiiung des Bruchsacks
mit 1 Todesfall (durch Septicämie), 18 Hemiotomieen mit Eröffnung
des Bruchsacks mit 1 1 Todesfallen ; 8 Uranoplastiken, 1 ohne Erfolg.
Die beiden Ovariotomieen betrafen eine 25jähT. Frau, welche
schon secundäre Tumoren im Abdomen zeigte und bald nach der Ope-
106
Centralblatt fttr Ghiraigie. No. 7.
iratiocL starb, und eine 59j. Frau, bei der ein fiKploratianssohnitt die
Vnmögüdikdt der Ausfubrung darthat; Tod duick Ersehc^fuag.
Von 3^80 einÜMhen Fxacturen wurden geheilt 309 (1 mit fisilschein
Gelenk), es starben 17, in Behandlung blieben 54; von 59 complicir-
ten Fracturen wurden geheilt 47 und es starben 4^ in Behandlung
blieben 8.
Beigefugt ist eine Tabelle, welehe die Remiltate der Amputationen
(und Exarticulationen) der letzten 10 Jahre (1864 — 1878 incl.) umfasst.
^^•— ^«^
Körpertheil
wegen Trauma
II
wegen Erkrankung
Hüfte
Obersch.
Knie
Untersch.
Fussgelenk
BohuHeig.
Oberarm
Vorderarm
primftr
secandfir
geh. gest. o/oMortal. .geh. gest. % Mort. I| geh. gest. «/o Mort
7
l
12
1
16
29
3
13
2
1
30,00/o
52,00/o
ll,ll«/o
3,330/0
11
2
8
10
4
10
6
47,61o/o
42,850/o
16,060/fl
2
•
—
91
36
28,340/0
3
1
25,000/0
47
21
30,880^
32
3
8,570/0
4
1
20,000/0
14
3
17,040/0
16
1
5,880/o
Pilz (Stettin).
Fl. S. Lees. Handbuch für Krankenpflegerinnen.
Auf Wunsch I. M. der Kaiserin-Königin in deutscher Sprache herausgegeben von
Dr. Paul Schliep.
BerUn. Aug. Hlrscliwald. 1874. 80. 147 8.
Die zunächst für den Gebrauch in der mit dem Augusta-Hospital
zu Berlin verbundenen Krankenpflegerinnen-Schule bestimmte Ueber-
setzung des englischen Textes behandelt in allgemein verständlicher
Form vorzugsweise dasjenige System der Ausbildung^ welches nach
dem Vorschlage der bewährten Miss Nightingale den meisten Kran-
kenwartschulen Englands zu Grunde gelegt ist. Die Unterweisung
erstreckt sich über die allgemeinen Erfordernisse der Ejrankenpflege,
namentlich die persönlichen Eigenschaften der Pflegerinnen^ über die
Methode der Ausbildung und den praktischen Krankendienst in seinen
verschiedensten Zweigen, als Küche^ Wäsche, Saaldienst und specielle
technische Verrichtungen. Unter letzteren sind namentlich die ver-
schiedenen Formen der Anwendung von Arzneimitteln, die Verband-
lehre, kleine chirurgische Hülfsleistungen, der Krankenbericht und
die Zubereitung einer grossen Zahl von Nahrungs- und Genussmitteln
eingehend erörtert. Arn. Hlllcr (Berlin).
Boie (Zfirich). Vorschlag zur Erleichterung der Operationen
am Oberkiefer.
(Aroh. für klinische Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 3. p. 454-^71.)
Der Kranke liegt im warmen Zimmer mit entblösstem Hals und
nackter Brust horizontal auf dem Tisch in gewöhnlicher Rückenlage,
Gentralblatt für Chiniigie. No. 7. 107
unter dem Kopfe ein Kissen, ui^d wird tief oarkotisiTt. Ist die Narkose
£atig, so wird das Kissen ^^.tfemt, der Kranke einen Fuss breit hin-
«o^esckoben und der Kopf über den gepolsterten Tischrand gehängt.
In dieser rechtwinkeligen Lage wird der Kopf, der Scheitel dem Boden
zugekehrt, an den Schläfen von den 2wei Händen des zuyerläasigsten
Wärters, welciiiar am Kopfende auf einem Kissen kniet, fest geboten.
Der Operateur sitzt daneben und pausirt, so oft der Kiranke erwacht.
In der j^e&recke sitzt ein Mundspeculum, diß Zwsge wird mit einer
stumpfen Zange in die Höhe gehalten, damit sie nicht den Gaumen
bedeckt. Sowie geschnitten wird, läuft das Blut in die Choanen und
mit der Zeit durch die Nasenoffaung wieder heraus zun^ Boden. Ein
in den Bachen geführter Stielschwamm kommt blutfrei zurück. Tritt
nach der Narkose Erbrechen ein^ so ist selbst bei den blutigsten
Operationen nie Blut im Erbrochenen bemerkt worden. Nach der
Operation wird der Kranke mit einer Art Schleuderbewegung in die
sitzende Lage gebracht.
Auffallend sind die unmittelbaren Folgen der Anwendung dieser
Frocedur. Die Chloroformnarkose ändert sich dabei gar nicht. Da-
gegen am Kopfe zeigen sich in der Periode des Hängens bemerkens-
werthe Symptome. Die Augen werden glänzend und treten hervor,
der Kopf erscheint geschwollen, da alle seine Querumfange bis zu
3 Cm. zunehmen. Sofort nach dem Aufrichten verschwindet aber
schnell, in wenigen Minuten messbar abnehmend, diese Volumsver-
mehrang. Bis zum 3. Chirurgencougress wurde das Verfahren an-
gewendet: 2 Mal bei Uranoplastik und Staphyloraphie ; 4 Mal bei
Oberkieferresectionen ; 1 Mal bei Amputatio nasi und Rhinoplastik
und 3 Mal bei Hasenschartenoperationen; ferner bei mehreren Ton-
sillotomieen und bei 2 Larynxectomieen. Wilh« Koch (Berlin).
0. Becker (Heidelherg). Ueher Einheilung von Kaninchen-
bindehaut in den Bindehautsack des Menseben.
(Ein Beitrag cur I^ymblepharoii-Operatlon. Wiener med. Wochenschrift 1874.
No. 26.)
Verf. hat nach dem Vorgang von Wolfe (Transplantation con-
joQctiTalfi du lapin k l'homme^ Glasgow med. joum. 1873 und Ann.
d'Oeulifit. LXIX^ 121) zum Ersatz der menschlichen Conjunctiva die
des Kaninchen verwandt. Zwei im Original ausführlich mitgetheilte
Krankengeschichten bestätigen die interessante Thatsache^ dass die
völlig vom Mutterboden getrennte Schleimhaut des Kaninchens auf
den fremden Boden des menschlichen Organismus versetzt auf frischer
Wundfläche des letzteren anheilte. Ausser dem physiologisch werth*
Yollen Umstand, dass Transplantationen von Säugethieren auf den
Menschen gelingen, was von Jacenko und Czerny noch nicht be-
wiesen worden, ist hiermit für die Chirurgie ein wichtiges Resultat
gewonnen, da für die Therapie von mancherlei Erkrankungsformen
108 Centralblatt für Chirui^ie. No. 7.
hieraus nützliche Momente hergeleitet werden können. Freilich ist
die Oertlichkeit, an welcher die Versuche vorgenommen wurden, eine
besonders geeignete^ da, wie Verf. bemerkt, ein günstigerer Brut-
apparat für lebende Gewebe sich kaum ersinnen lässt, als zwischen
zwei von Blut durchströmten lebenden Organen. — Noch ist zu be-
merken, dass B., um besonders grosse Conjunctivaflächen zu gewin-
neU; dieselbe von der ganzen Palpebra tertia durch Auslösen des Knor-
pels abpräparirte und ausbreitete. t« Hosengell (Bpnn).
H. SSeissl (Wien) . Eine Methode ohne Einführung des Kathe-
ters Hüssigkeiten in die männliche Harnblase zu bringen.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 51 und 52.)
Um bei Blasenleiden Flüssigkeiten in die Blase bringen zu kön-
nen, ohne den Katheter einzuführen, der bei Blutungen leicht eben-
soviel und mehr schaden kann, als die injicirten Adstringentien nützen,
hat Verf. einfach die Spitze eines Irrigators in die äussere Hamröh-
renöfihung gesteckt, während der Patient horizontal mit erhöhtem
Steiss gelagert war und der Penis an die Bauchdecken gespannt ge-
halten wurde. Nach mehr oder minder langer Zeit (Secunden bis
mehrere Minuten] fühlt der Kranke das Eintreten der Flüssigkeit in
die Blase (angeblich unter einem Behaglichkeitsgefühl). Es ist so
mehrfach gelungen, nur dm'ch den hydrostatischen Druck, bedingt
durch die Niveaudifferenz der Flüssigkeitssäule im Irrigator und der
Blase, 4 — 8 Unzen in die Blase zu injiciren. — Ein derartig behan-
delter Fall von Haematurie bei Cystitis und Tripper illustrirt die
Methode und fordert zur Nachahmung auf. y. Mosengeil (Bonn).
Kleinere Mittheilungen.
Pippingaköld. Ueber galvanische Suturen.
(Beitr&ge zur GeburtshOlfe und Gynäkologie 1874. B^. III. Hft. 2.)
Verf. wandte die galvanische Sutur mit versilbertem Kupferdraht gegen zut'ei
Fisteln an — die eine vesico-cervical, die andere Vesico-vaginal — , die beide im
grössten Theil ihrer Peripherie von ausgebreiteter Narbentextur umgeben und früher
ohne Erfolg mittelst gewöhnlicher Metallsuturen operirt worden waren. Wegen
der näheren Details und einiger sich daranschliessenden Galvanometer-Experimente
ist auf das Original 2U verweisen. Leopold (Leipzig).
N. Eck. Die Tracheotomie bei Opium Vergiftungen.
(Sitzung der Gesellschaft russischer Aerzte am 16. Decbr. 1874, russisch.)
Im Sommer 1871 hatte E. einem Fat. mehrere Kehlkopfspolypen entfernt. Es
war nur eine letzte, bei der Exspiration sich stetig in der Stimmritze einklemmende
Geschwulst zurOckgeblieben. Um auch diese zu entfernen, wurde zunächst die locale
Anästhesie durch Pinselungen mit Morph, acet. angestrebt. Im Ganzen mochten
hierzu, nach der Schätzung des Operateurs, 0,15 — 0,2 grm. Morphiumsalz verbraucht
worden sein, während Fat. die Nacht vorher etwa 0,15 gr. Opium innerlich gegen
den quälenden Husten genommen hatte. Eine Viertelstunde nach der letzten Be-
Centralblait fOr Chiruigie. No. 7. 109
pinselung wurde Fat. in so hohem Grade asphyktisch, dass E. statt lur Polypex-
stirpation zur Tracheotomie schreiten musste. Die consequente Anwendung der
künstlichen Kespiration w&hrend 3 Stunden ergab nur ein kurz dauerndes Erwachen
des Pat. Die Manipulationen mussten weitere IV2 Stunden fortgesetzt werden, bis
es unter fernerer Anwendung von etwa 6—7 milligr. Atropin und Ton verschiedenen
Excitantien gelang, den Vergifteten dauernd in's Leben zurückzurufen. — E. glaubt
dass die hier im Kehlkopf von den vorherigen Operationen zurQckgebliebenen Gra-
nuladonsflächen, als epithellose Flächen die intensive Resorption des Morphium
begünstigt haben, und warnt daher vor zu energischen Bepinselungen bei obigen
Verhältnissen der Elehlkopfschleimhaut.
Der 2. Fall betraf eine 22jahr. Frau, die in selbstmörderischer Absicht 30 grm.
Tinct Opii simpl. (n. d. russischen Pharmakopoe) zu sich nahm. — E. führte die
Tracheotomie 31/2 Stunden nach Eintritt der Vergiftung aus ; hierauf wurde w&hrend
51/2 Stunden die künstliche Respiration bei der tief Narkotisirten in's Werk gesetzt.
Jetzt, 9 Stunden nach Beginn der Asphyxie trat Tetanus aller Muskeln des Kör-
pers ein und machte die methodischen Compressionen des Thorax unmöglich. Es
wurde daher zum Einblasen der Luft direct in die Trachealkanüle mit Hülfe eines
Blasebalges geschritten. 5 Stunden dauerte der Tetanus mit 12 bis 13 unvollstän-
digen Remissionen, auf die jedesmal um so heftigere Exacerbationen folgten. End-
lich 17 Stunden nach Anfang der Narkose kehrte das Bewusstsein völlig wieder,
nachdem Fat. während der ersten 10 Stunden leblos wie eine Leiche dagelegen
hatte. — Verf. empfiehlt, mit Recht auf obige Fälle fussend, die Eröffnung der
Trachea mit nachfolgender consequenter Anwendung der künstlichen Respiration als
Hauptrettungsmittel im asphyktischen Stadium der Morphiumvergiftung.
E. Pawloff (St. Petersburg).
H. Qsrke (Worcester). Suigical treatment of empyema.
(The Boston med. and surg. Journal 1874. Vol. XCI. No. 7.)
In einem vor der Massachusetts Medical Society gehaltenen Vortrage schliesst
sich Verf. in Bezug auf Indicationen und Behandlung des Empyems den bekann-
ten Ansichten von Lebert und Kussmaul u. A. an. Aspiration des Pleurain-
halts, zum Theil zur Feststellung der Diagnose als erster Act ; nach Wiederansamm-
lung des Exsudats freie Incision der betreffenden Thoraxhöhle mit folgender
Drainage und antiseptischen Ausspülungen. Als Ort der Incision wird der tiefste
Pnnctder Pleurahöhle in der Rückengegend (nach Bowditch), oder bei geschwäch-
ten Patienten der Vorschlag KussmauTs, im 5. oder 6. Intercostalraum in der
Mitte zwischen Axillar- und Mammillarlinie zu incidiren, acceptirt. In dieser Weise
behandelte er 5 Fälle von Empyem, 2 Männer (einer 28 J. alt, beim andern war das
Alter nicht angegeben), ein 4jähr., ein SVsjähr. Mädchen und eine 28jähr. Frau. In
jedem Falle hatte sich der Eiter nach 1, resp. 2maliger Aspiration vneder ange-
svnmelt und es wurde eine permanente Oeffnung angelegt. In allen Fällen günsti-
ges Resultat, nur das 31/3 jähr. Mädchen starb an hinzugetretenem Erysipel. In einem
Falle, in dem zur Desinfection eine Lösung von 2 Theelöffel Acid. carbol. auf
1 Pinte Wasser und 1 Unze Glycerin (die gewöhnl. Dose war 1 Theel. Säure auf
dieselbe Quantität Wasser und Glycerin) genommen war, färbte sich der Urin beim
Stehen ganz schwarz; da sich jedoch sonst keine üblen Symptome zeigten, wurde
(Ueielbe Säurelösung zur Desinfection weiter gebraucht. Die Kinder wurden zur
Operation leicht chloroformirt. Im letzten Falle, bei der 2Sjähr. Frau, wurden an
Stelle von Leinwandwieken 2 Kautschukröhrchen , wie zu erwarten stand, mit
gutem Resultat in der Incisionswunde befestigt und die Pleurahöhle durch das eine
Uigespritst, während die injicirte Flüssigkeit init dem Eiter durch das andere ab-
flo«. Hierauf wurden die Röhrchen mit Holzzäpfchen verstopft. Seinen 5 Fällen
^htC. 4 in ähnlicher Weise von Dr. Blake aus Boston behandelte und im selben
Joamal (June 5, 1873) besprochene Fälle an, welche letztere sämmtlich gut ver-
Weo, 80 dass auf 9 Fälle nur 1 Todesfall (durch hinzugetretenes Erysipel) kommt.
At Borger (London).
HO Centralblatt fftr Ohirurgie. No. 7.
Amory. Traitement des r^tricissements de Turdthre par la galvano—
cauBtique cliimique.
(Archives m^dlcales beiges 1874. No. 11.)
Seitdem Tripier gefunden haben will, dass die, bei der Elektrolyse leicht zer-
setzlicher Sabslösungen [Quecksilberjodür und -Jodid, Chlorsilber], an dem negativen
(alkalischen) Pol einer galvanischen Kette bewirkte Cauterisation von Geweben
sehr gute, nämlich sog. weiche, nicht retractile Narben gebe, wendet M a 1 1 e z
in seiner Klinik zu Paris diese (verbesserte Ciniselli'sche) Methode zur Besei-
tigung von Hamröhrenstricturen mit günstigstem Erfolge an. Er bedient sich dazu
einer sondenförmigen Electrode aus gedrehten Metallfäden, welche nach Art eines
Mandrins in einer GummihOlse steckt und vorn mit einem cylindrischen Metallknopf
versehen ist. Während nun die positive Electrode einer genügend starken galva-
nischen Batterie (etwa 15^18 Üantells) auf den angefeuchteten Oberschenkel ge-
setzt ist, wird die negative Electrode in die Harnröhre eingeführt und nach Schloss
der Kette langsam vorgeschoben. Sobald die Gummihülse sich bequem über den Son-
denknopf hinüberschieben lässt, ist die Strictur beseitigt und die Operation beendet.
Eine Nachbehandlung ist kaum erforderlich, das Verfahren angeblich sehr
wenig schmerzhaft. Becidive sind bisher nicht beobachtet.
Am. Hiller (Berlin).
Van Buren. Plea for the trcatment of the cousequences of obstruc-
tive enlargement of the prostate by early use of the catheter.
(New York med. Journal 1874. July. No. 112. p. 1.)
Verf. bespricht die bekannten unmittelbaren und secundären Folgezustäiide
der Prostatahypertrophie und hebt unter den letzteren namentlich die Steinbildung
hervor; es sind in der Regel einfache Phosphatsteine, welche in der Blase selbst
entstehen, zuweilen enthalten dieselben als Kern einen kleinen Harnefturäfttein,
welcher aus den Nieren stammt und wegen der Harnröhrenverengerung in der Blase
liegen bleibt. In Betreff der Therapie gilt die Erfolglosigkeit einer medicamen-
tösen Behandlung für erwiesen (die Heine'schen parenchymatösen Jodinjectionen
scheinen dem Verf. nicht bekannt, Ref.) und es ist daher nach der Erfahrung dea
Verf. 's das einzig rationelle Mittel, um den gefahrvollen Consequenzen der Prostata-
hypertrophie vorzubeugen, welche sich alle auf die behinderte Urinentleerung zu-
rückführen lassen, die frühzeitige und consequente Application des Katheters. Man
soll mit dem Katheterisiren beginnen, sobald sich Urinbeschwerden einstellen und
damit für immer ganz regelmässig fortfahren, ohne wieder das Uriniren auf natür-
lichem Wege zu versuchen. Gegenüber den gegen dieses Verfahren geltend ge-
machten Einwendungen vindicirt Verf. der Harnröhre einen hohen Grad von Toleranz
gegen instrumenteilen Contact, so dass das Katheterisiren, nach einer vorgängigen
allmäligen und systematischen Angewöhnung, je länger um so besser vertragen
werde. Zum Beweise führt Verf. solche Fälle aus seiner Beobachtung an, wo Patien-
ten bis über 20 Jahre lang bei bestem Wohlbefinden sich beständig selbst kathe-
terisirten und versichert, in zahbeichen Fällen von der fortgesetzten Anwendung
des Katheters niemals wirklichen Nachtheil beobachtet zu haben.
P. Brims (Tübingen).
Th. Annandale (Edinbuigh} . Schwere Erscheinungen eines Nieren-
Steins^ durch inexplorative Incision geheilt.
(British med. Journal 1874. p. 768.)
Bei einer Frau, welche die Erscheinungen einer Steinkrankheit der linken Niere
darbot, legte A. unter Spray die linke Niere und Urether durch einen 7" langen
Schnitt bloss. Da kein Stein, noch anderweitige Abnormitäten sich fianden, wurde
die Wunde vereinigt und streng antiseptisch verbunden. 3 Tage bestand UebeU
keit und längere Zeit gutartige Eiterung ; vom 4. Tage an blieb die Frau dauernd
von ihren Schmerzen frei. — (Wenn A. somit ausführte, was er 1869 für supponirte
Nierensteine empfahl, so dürfte ein solches Vorgehen doch nicht als »energischer
Gegenreiz«, als gesetzmäsftigfe Handlungsweise hingestellt werden. Ref.)
Für (Stettin).
^ Centralblatt fQr Chirurgie. No. 7. Hl
y. MiBOR und O^B. Koaght. 9 Steinoperationen.
(British, med. Journal 1874. p. 812.)
Die Arbeit enthält einen Bummarischen Bericht über die 9 in Wolrerhampton-
Staffbrdishire-Spitale 1874 verrichteten Steinoperationen, welche mit denen der 3
froheren Jahre 40 betragen, mit nur einem Todesfalle. Stets wurde in der Nar-
kose auf eingeführter Steinsonde, ohne Torherige Füllung der Blase, der Sei-
tensteinschnitt gemacht; der Stein selbst mit linkem Zeigefinger und Steinlöffel,
resp. Zange entfernt. Das Alter der Operirten, von denen J. 8 operirte, betrug
2 Mal 3 und 5 J^ire, sonst 4, ^% 22, 48 Jahre ; der kleinste Stein wog 3 Gfarui,
der grösate, dem 22jährigen gehörig, 1200 Qran und bestand bei den Kindern
stets aus reiner Harnsäure, bei dem 2^ ährigen Fat. aus oxalsaurem Kalk, bei dem
48j2hrigen der Kern aus Harnsäure mit einem Mantel aus Fhosphaten. (Auf den
etwaigen Einfluss des Aufenthaltsortes und die Lebensweise ist im Berichte nicht
eingegangen. lief.) Soweit sich die Zeitdauer der Steinbeschwerden ermitteln
liess, schwankte sie von 4 Monaten bis zu 12 Jahren. Plls (Stettin).
A. Jansen. Observation de myosite suppnr^e.
(Archives m6dicales beiges 1874. No. 12.)
Bei einem Cavalleristen war nach angestrengten körperlichen Üebungen^ unter
Rheumatismus ähnlichen Anfangen, eine acute Entzündung und Abscedirung im Be-
reiche der rechten Mm. pectoralis major, Coraco-brachialia und Latissimus dorsi
aufgetreten. Trota frühzeitiger Incisionen hohes Fieber und kursdauernde septacä-
mische Erscheinungen, welche mit Acid. carbolic. innerlich (0,3:200) erfolgreich
bekämpft wurden. Auch die nachfolgende bedeutende Muskelatrophie, bei. Nar-
benschrumpfung wurde durch Massage, Gymnastik und Elektricitat überwunden.
Verf. hAlt es für erwiesen, dass bei der Myositis die Muskelfaser selbst 'sich
entzünden und vereitern könne. Am» Hiller (Berlin) .
Haas« Angeborene Verrenkung des rechten Unterschenkels nach vorne.
(Arch. fCa klinische Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 3. p. 492.)
Der Unterschenkel des am 19. Septbr. 1872 geborenen Knaben stand bei ge-
strecktem Hüftgelenk im Kniegelenk so nach vorne und oben, dass er einen nach
der Streckseite offeneui dem rechten sich nähernden Winkel bildete. Durch leich-
ten Druck konnte man bei Beugung des Hüftgelenks die Zehenspitzen auf die Brust
legen. Die wohl überknorpelten Gelenkflächen der Tibia lagen auf der Vorder-
fliche der Femurepiphyse (luzatio cruris praefemoralis erecta), die Patella fehlte
ganz und der Tensor cruris quadriceps inserirte sich direct an die Tibiatuberosität.
Xach Beposition der Verrenkung liess sich die normale Beugung im Kniegelenk
passiv ausführen. Sobald man aber den Unterschenkel losliess, kehrte er durch
den Zug des Quadriceps sofort in seine Luxationsstellung zurück.
Ein durch 6 Wochen belassener Oypsverband nutzte wenig, indess wurde
späterhin das Gehen durch eine Lederkappe mit entsprechendem Stützapparat er-
m(^licht.
Aehnliche Verrenkungen flnden sich bisher nur 4 Mal beschrieben, doch war
in dreien der 4 Fälle die Patella gut entwickelt und die mechanische Behandlung
bei Weitem wirksamer als in dem eben referirten. Wllh. Koch (Berlin).
Luis MnnoB. Keilförmige Resection der linken Tibia in der Con-
tiuuität.
(£1 Anfiteatro anatomico espaiiol 1874. No. 35. p. 141.)
Bin 24 jähr. Mann hatte vor IV2 Jahren eine Fractur des linken Unterschenkels
erlitten. Auch war über dem Bruch eine Wunde der Weiohtheile vorhanden. Der
Brach wsr geheilt, aber mit einer derartigen Difformität, dass die Tibia im unteren
Drittel von der Medianlinie des Körpers weg nach aussen geknickt erschien und
der Foss nur mit dem Innenrand der grossen Zehe den Boden berührte. Die Be>
wegüchkeit im Tibio-Tarsalgelenk war frei. Wegen Unmögliahkeit des Gehens liess
112 Centralblatt für Chirurgie. No. 7. ^
sich Fat. in das Hospital San Andres zu Mexico aufnehmen. Da die vorgeschlagene
Amputation nicht acceptirt wurde, so resecirte M. einen £.eil aus der winklig ver-
heilten Tibia, anscheinend mit glücklichem Ausgang. Er h< jedoch solche Ein-
griffe nur bei Abwesenheit von constitutionellen Affectionen [Krebs, Scrophulose,
Syphilis) für zulässig, weil sonst gefährliche Ostitiden auf derartige Operationen
zu folgen pjQiegen. In Mexico soll obige Operation noch nie frQher ausgeführt
worden sein. Ullersperger (München).
Annandale, Unvereinigte Fractur der Yorderarms; Absägung, Kno-
chennath.
(British med. Journal 1875, p. 30.)
Bei einer durch Maschinenverletzung entstandenen, complicirten Fractur des
Vorderarms war nach Necrotisirung eines grösseren Stücks der Ulna eine geringe
Beweglichkeit an der Bruchstolle des Kadius, eine bedeutendere an der der Ulna
zurückgeblieben! so dass der Arm wenig brauchbar und Pro- und Supination fast
aufgehoben war. 6 Monate nach dem Unfälle wurden am 27. Juni 1873 unter
Lister' sehen Vorsichtsmassregeln dem 29jährigen Manne zuerst die bereits abge-
rundeten, atrophischen, durch breite, ligamentöse Masse verbundenen Bruchenden
der Ulna abgesägt, dann die ligamentösen Stränge zwischen Ulna und Radius ge-
trennt und endlich aus dem Radius die Bruchstelle nebst anliegender Partie so
weit ausgesägt, dass die Ulna -Enden (IV2" Ulna fehlte) genau adaptirt wer-
den konnten. Zwei Knochennäthe aus starkem Silberdraht sicherten die Verbin-
dung und wurden, da sie am 3. Juli schon lose waren, von Neuem zusammen-
gedreht; die definitive Lösung erfolgte am 3. und 13. Augast (Ulna). 8 Wochen
später, der Kranke hatte seit 6 Wochen das Spital verlassen — zeigten sich die
Knochen fest vereinigt, die Pro- und Supination war in beschränktem Masse vor-
handen; die Kraft und Brauchbarkeit des Arms um Vieles besser, als früher.
A. machte darauf aufmerksam, dass in diesem Falle der Defect der Ulna und
die Adhäsionen am Radius die Operation erschwerten, und dass es in manchen
Fällen von frischen Vorderarm- Fracturen gerathen erscheinen möchte, die stark
diclocirten Bruchenden nach der Reduction durch die Knochennath in ihrer guten
Lage zu erhalten. Pils (Stettin).
m
L. LevBohin (Kasan). Vorschrift zur Bereitung von künstlichem
Kuh-Kumys.
(Bert. klin. Wochenschrift 1874. No. 39.)
Verf. hat bei Patienten, die durch chronische Eiterungen sehr herunterge-
kommen waren, und bei Beconvalescenten nach langwierigen, malignen Erysipelen
mit oben genanntem Präparat gute Erfolge erzielt. Diarrhöen wurden dadurch in
den angeführten Fällen beseitigt, die Ernährung gebessert. Das Getränk enthält
ein geronnenes, durch mechanisches Schlagen ausserordentlich fein zertheiltes Caseln,
viel Kohlensäure und gewisse Quantitäten Alkohol, wird besser vertragen als Milch
(3—6 Flaschen täglich) und ist viel billiger, als Stuten-Kumys. Die Erzeugung ge-
schieht durch Einwirkung eines aus Kumys, Milchzucker und Milch (diese muss
gut abgerahmt sein) bereiteten Fermentes auf ebenfalls gut abgerahmte Milch bei
Wärme und wiederholtem Schlagen der Mischung. v« Mosengeil (Bonn).
Berichtigung:
6. 40 lies überall fk slati Um.
Originalmittheilungen, Monographieen und Sepafatabdrücke wolle
man an Dr. H, TillmoMM^ Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagshaudlang,
BreiOsopf und HärM, einsenden. *
Dmck und Verlag Ton Breitkopf und HIriel ia Leipzig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
heraasgegeben
Ton
Dr. L Leser, Dr.ft ScMe, Dr. E Tillnaii
in B«rUn. in Halle ». 8. in IMptikg.
Zweiter Jahrgang.
Wöehenüich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prir
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
VI 8. Sonnabend, den 20. Febmar. 1875.
Inhalt: Bldder, Auch einige Worte über den Mechanismos der Brucheinklemmang.
fOrigioal-Mittheilang.)
IvtrSM, PiosUtshypeitrophie. — Reyhor, List er 'sehe Wundbehandlung. — < Landatt,
Aetiologie der Wnndkrankhelten. -* Clement, Behandlung der Diphtheritis. — Pettert,
Klebe I Lymphonbagie und Lympbanglektasie. — Rauber, Gohaesion der Knocben. —
Jafetbo, Reprodoction der Knochen nach subperiostaler Resection. — Zenker, Tödtllcbe
Pancreasblutung. — LaptSChlntki , Blntkorpercbenzählung bei einem Recurrenskranken.
— item, Lammbluttransfusion bei Phthisis. — Rlchardton f Purpura haemorrhaglca. —
firWInl, Liehen syphiliticus.
Heike, Chlonlintoxication. — DnbOlt, Zur Jodbehandlung. — Halfter, Dermoide. —
Mreeliberf, Homhauttumor. — Barwell, Zwei FUle von Reflexwirkung. — Mignot, Ex-
ttaction der Fremdkörper im Oesophagus. •— Beck, Ampntationsneurosen. — Humby,
Ukeration der Blase. — Mmarqnay, Status algidus bei eingeklemmten Hernien. —
Trilti, Nasenpolypen. — Tlllaux, Instrument fQr Recto-Yaginalflsteln. -^ Annandalt,
Behandiong der Urethralstiicturen. — Draper, Intrauterine Injectionen bei Haemorrha-
gleen. — Arthur, Fall von Hauthorn.
Auch einige Worte über den Mechanismus der
Brucheinklemmung.
Von
Dr. Alfred Bidder in Mannheim.
Eine kleine Arbeit von mir^ in der ich^ gestützt auf Experi-
mente am menschlichen Darm, nachzuweisen suche, dass die Ro-
ser'sche Ansicht über den Modus der Brucheinklemmung die einzig
richtige ist, befindet sich bereits im Druck und wird im Archiv für
kUn. Chirurgie Bd. XVIII. Heft 2 erscheinen. Da ich nun nachträg-
lich gesehen (Centralbl. f. Chiruigie, 1875, No. 3 u. 4) dass L es-
sen seinen Standpunct geändert hat, und der Roser' sehen Lehre
nmter gewissen Umständen a, wenn auch noch reservirt und verclau-
lulirt beigetreten ist und da femer Professor Roser eine Demon-
8
114 Centralblatt für Chirurgie. No. 8.
stration seiner Experimente ^r den näcbsten Cbiruigencongress
(Centralbl. für Chirurgie, 1875, No. 6] in Aussicht stellt, so möchte
ich mir erlauben hier kurz die Resultate meiner Experimente zusam-
meneufitellea.
Der Einfluss der relativen Weite der Bruchplbrte scheint
mir bisher zu wenig betont worden zu «ein. Eine Brucheinklem-
mung tritt überhaupt nur ein bei absolut oder relativ zu enger Bruch-
pforte und unter letzterer verstehe ich eine solche, die anfangs weit
(ca. 2 Cm. im Durchmesser) durch plötzliches Eintreten von Weich-
Üieilen (Mesenterium, Netz etc.) so eng wird, dass sich der Inhalt
der Bruchschlinge nicht wieder zurückdrücken lässt. Das Hindemiss
der Reposition liegt stets, wie ich gefunden habe, in einer Com-
pression oder engen Stenosirung beider, zur Bruchschlinge
führender, Darmschenkel, bei gleichzeitiger, wenn auch geringer,
Füllung der Schlinge mit Luft, oder Wasser oder dickem Brei.
Den bei der Stenose herbeigeführten Verschluss kann man sehr
wohl einen klappenartigen oder ventilähnlichen etc. nennen, da die
tnhaltsmasse das Darmrohr dicht vor der Stenose nach allen Seiten
auszudehnen sucht, wodurch die im Bruchring aneinanderliegenden
gefalteten Darmwände nur um so stärker aufeinander gedrückt wer-
den, ^ur wenn die schlaffe Darmwand jenseits der verengten Stelle
eben so stark gespannt wird, kann unter Umständen das Aneinander-
liegen der Darmwände aufgehoben und der »klappenartigeoc Verschluss
beseitigt werden.
Ein Einfluss der Abknickung des Darmes auf das Zustandekom-
men der Einklemmung lässt sich nicht constatiren; wo das der Fall
zu sein scheint kann man die Verhältnisse leicht auf Compression
oder Stenosirung reduciren.
Eine Einklemmung nach Lossen, also dadurch, dass der gefüllte
zufährende Schenkel den abführenden in der Bruchpforte comprimirt
kommt niemals vor — es sei denn, dass sich ein sehr hartes Koth-
stück innerhalb des Darmrohres in der Bruchpforte einkeilt; ein
Fall, von dem man wohl füglich ganz absehen kann. Das Los-
sen'sclie Experiment gelingt nur, wenn man nach Füllung der
Bruchschlinge und des i^führenden Scheükels den letzteren nicht
weit hinter der Bruchpforte (also in der Bauchhöhle) comprimirt, so
dass sein das Lumen stark füllender Inhalt nicht abfliessen kann.
Man muss zu dem Zweck also ausser dem Bruch noch
eine innere Einklemmung darstellen, d. h. auf einer Basis ex-
perimentiren, die den gewöhnlichen physiologischen Verhältnissen
nicht entspricht.
Der Versuch muss wohl in folgender Weise angestellt werden:
Man ziehe eine Schlinge vom untersten Ende des Ileum durch eine
relativ weite Bruchpforte — nur bei weiter Pforte lässt sich über-
haupt eine Compression des abführenden Schenkels durch den ge-
füllten zuführenden herbeiführen — und fülle nun den in der Bauch-
höhle liegenden übrigen Darm vom Duodenum aus mit einer dicken
Centralblatl ft!r Chinirgie. No. 8. tl5
Bredmaase^ was alleidiik^ et^as Geduld erfordert, d^ sich die Ibisse
BOT seist langsam fortbewegt, auch wenn man sie unter hohem Druck
einströmen läset. Hat sich nun der ganze Darm und die Schlinge
gefüllt, so flieset allerdings durch den ausföhrenden Schenkel nichts
ab, aber — es genügt dne nur leichte Coinpression der gefällten
BmchseiiKnge^ um dea ganzen Inhalt wieder dutoh den zuführenden
Schenkel in die Bauchhöhle zurückzudrückevi. Auf demselben
Wege^ auf dem er gekommen war, entleert sich also der
Inhalt wieder, zum Beweise, dass auf solche Weise, trotz der
herbeigezogenen »Reibungftwiderstände« dicker Kodmiassen etc. eine
Einklemmung nicht eintritt, auch nicht einmal das geringste Repo-
sitionshindemiss.
Ich glaube es daher wohl aussprechen zu dütfen, dass eine Ein-
klemmung durch starke Füllung des zufuhrenden Schenkels niemals
oder nur in ganz ausserordentlichen FfiUen, d. h. bei gleichzeitiger
innerer Einklemmiqig vorkommt, dass dagegen die Ansicht Roser's
über den Mechanismus der Brucheinklemmung gesicherter und fester
dasteht, als je.
Die nähere Auseinandersetzung und Begründung des eben Mit-
getheilten folgt an einem anderen Orte.
Weil der Streit gerade in diesem Blatte so lebhaft geführt wor-
den ist, glaubte ich, mir ebenfalls an dieser Stelle einige Worte über
denselben Gegenstand gestatten zu dürfen.
Mannheim, den 6. Febr. 1875.
A. Iversen: Hypertrophia prostatae.
Monogpn^isch dargestellt.
Kopenhagen 1874. (155 Seiten).
Der Verf. behandelt sein Thema sowohl von der pathologisch-
anatomischen als von der klinischen Seite; jedoch berücksichtigen
seine selbständigen Untersuchungen besonders die erstere. Zum Ver-
gleich führt er dabei die Untersuchungen von Henry Thompson und
Messer an (im Ganzen 105 Prostatahypertrophien nach dem 36. Jahre).
Der Verf. selbst hat 203 Prostatae bei Individuen zwischen dem 36.
und Sd. Jahre untersucht und führt das Resultat unter den fol-
genden Rubriken an: Alter des Patienten, Gewicht und Breite des
Oigan«, Länge der pars prostatica urethrae, Dicke der portio inter-
media und Grösse des Diameter antero-posterior. Von den untersuchten
203 Personen hatten 64 pathologisch veränderte Prostatae, und zwar
&nd sich 3 Mal Krebs ^ 61 Mal Hypertrophie derselben vor. Bei
den l^zteren werden die Stellung des Patienten, die Todesutsache,
die Symptome, der Zustand der Blase, der Ureteren und der Nieren,
und sehliesslioh die Form der Hypertrophie und die mikroskopische
8*
116 Centralblatt für Chirurgie. No. 8.
Diagnose angeführt. Der Verf. giebt die Häufigkeit der Hypertro-
phie bei Individuen über 60 Jahren auf 59,7 ^^ bei Individuen über
36 auf 27,2^ an. Hypertrophie der beiden Seitenhälften wurde
bei 40,4 ^ beobachtet; Hypertrophie aller Lappen wird zu 26,9 ^,
isolirte Hypertrophie der portio intermedia zu 7,7 ^ angegeben;
am seltensten kommt die isolirte Hypertrophie eines Seitenlap-
pens vor. Für die übrigen 25^ ist die Diagnose nicht speci-
fidrt, und diese sind nur mit dem Namen Hypertrophia pro-
statae bezeichnet. Bei 34,6 ^ war die Hypertrophie mit Prominenzen
am Orificium vesico-urethrale verbünden, und in diesen Fällen &nd
sich immer eine breit angeheftete Basis. Die musculäre Valvida Mer-
cier's hat der Verf. nicht gefunden. Der Querschnitt des Ori-
ficium war durch die Prominenzen verändert, am häufigsten semi-
lunär oder wie eine sagittale oder transversale Spalte; niemals aber
beobachtete Verf. etwas ähnliches bei der reinen Hypertrophie der
Seitenhälften. Eine Elevation des Orificiums nimmt er nicht an,
wohl aber Verschiebungen bei gleichbleibendem Niveau und dann
vorzugsweise nach vorne. Nach der mikroskopischen Untersuchung
werden die Prostatavergrösserungen in difiuse Hjrpertrophieen und
Tumoren getheüt. Die erstem sind entweder rein myomatöse Hy-
perplasieen oder eine Mischung der myomatösen mit der glandulären
Form. In derselben Weise sind die Prostatatumoren entweder reine
Miyome oder Myoadenome.
Als die Hauptursache der Prostatahypertrophie vnrd die mecha-
nische Irritation durch Prostataconcremente betrachtet, denn diese
werden immer in grösserer Menge bei der hypertrophischen Prostata
gefunden. — Während Thompson angegeben hat^ dass nur 15^16 ^
der Individuen mit Prostatahypertrophie krankhafte Symptome zeigen,
haben die Untersuchungen des Verf. solche Symptome bei 40,3^
nachgewiesen. Einen anatomischen Unterschied zwischen Hypertro-
phieen mit Symptomen und solchen ohne dieselben hat Verf. nicht
gefunden.
Eine partielle chronische Retentio urinae bildet das Initialsymp-
tom. — Der plötzliche Uebergang derselben in eine vollständige soll
von einer Exacerbation der chronischen Inflammation am Orificium
intemum mit darauf folgendem Oedem herrühren. Incontinenz ent-
steht lediglich durch Ueberlaufen des Urins bei übermässig gefällter
Blase.
Wenn die Section gleichwohl in der Regel contrahirte und nur
2 Mal dilatirte Blasen nachgewiesen hat, so erklärt sich dieser an-
scheinende Widerspruch mit der klinischen Erfahrung durch die
complicirende Cystitis, welche die früher dilatirte Blase zur ener-
gischen Contraction gebracht hat. Im. Gegensatz zu Thompson hat
Verf. bei allen seinen Sectionen von Personen, weichte in Folge der
Hypertrophie gestorben waren, die Nieren und Ureteren constant
leidend gefunden und überwiegend in solchem Grade, dass die
Centralblatt für Chirurgie. No. 8. 117
nächste Todesursache hier zu «uchen war. Die Veränderungen be-
standen in Dilatation der XJreteren und Hjdronephrose.
Panlli (Kopenhagen},
CReyher (Dorpat). Ueber die Lister'sche Wiindbehandlung.
(Arch. f. klinische Chirargie 1874. Bd. XVn. Hft. 4.)
K. hat sich in dem yon Lister geleiteten Elrankenhause persön-
Ueh überzeugt^ dass es durch eine systematische^ peinliche Hand-
habung der antiseptischen Yerbandmethode möglich ist^ jede Putre-
&ction, entzündliche Beaction und Eiterung in Wunden^ die in ge-
sunden Theilen angelegt sind^ zu vermeiden. Um die Frage zu be-
antworten^ ob die Lister'sche Methode die accidentellen Wundkrank-
heiten zu beseitigen im Stande ist^ hat R. in dankenswerther Weise
tabellarisch die Amputationen zusammengestellt^ welche Syme in
den Jahren 1865— 68, Lister in den Jahren 1870 — 73 ausführten.
Beide Chirurgen benutzten dieselben Säle; jedoch hatte Syme 76^
Li st er nur 55 Betten; ausserdem wurden unter List er zwei neben
seiner Abtheilung befindliche Säle, welche früher als Beservesale leer
gehalten wurden, dauernd mit zusammen 16 Betten benutzt. Femer
hat Li st er eine weit grössere Zahl relativ gefährlicherer Amputa-
tionen ausgeführt. Wir verweisen wegen dieser für die richtige Be-
nrtheihing sehr wichtigen Einzelheiten auf das Original. — Die
Tabelle I. ergiebt, dass Syme in den angegebenen 4 Jahren 120
Amputationen ausführte mit 28 töddich verlaufenden Fällen (23,3%
Mortalität) • Nach Abzug der Amputationen an Hand und Fuss blei-
ben 75 Fälle mit 25 Todesfällen (33,30/o)- — Bei den Todesfällen
war die Ursache unzweifelhaft 20 Mal, wahrscheinlich
25Mal eine accidentelle Wundkrankheit: lOMal Pyämie,
4 Mal Septikämie. — Lister machte 123 Amputationen mit
2L Todesfällen (17,0%) und zwar nach Abzug der Hand- und Fuss-
amputationen 76 grössere Amputationen mit 20 Todten (26,3%). — In
einem Falle von Fingerverletzung war Tetanus die Todesursache, in
keinem der anderen 20 Todesfälle war eine accidentelle
Wunderkrankung die Ursache. Die Tabelle U stellt die Ampu-
tationen in Hinsicht atif die Indication zur Operation zusammen; die
Tabellen IH und IV führen namentlich jeden Todesfall von Syme imd
List er mit den näheren Angaben an. Eine V. Tabelle stellt zur Yer-
gleichung die Kesultate zuslunmen, welche Erichson während der
letzten 3^2 Jahre im University College Hospital in London erzielte:
80 grössere Amputationen mit 21 Todesfällen (26, 2%) ; von diesen wurden
▼eianlasst durch Pyämie 9 Falle, 1 Fall durch Erysipelas, 1 Fall durch
Tetanus.
Maas (Breslau).
t \ 8 Ceolralblatt für Chirurgie« No. 8.
L. Landau (Breslau). Zur Aetiologie der Wundkrankheit^,
nebst Versuchen über die Beziehungen der FäulniBs-Bacterien
zu denselben.
(Arch. f. klini8che|Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 4.)
Verf. benutzte die Methode von Gscheidlen und Traube,
"(velche in sorgfaltig geglühten Glasröhren das Blut von inücirten
Thieren auffingen und dasselbe auf den Eintritt von Fäulniss be-
obachteten, um in gleicher Weise Blutproben vop Menschen zu ent-
nehmen, welche an Infectionskrankheiteu litten. Die beiden oben
genannten Forscher fanden, dass, wenn sie Fäulnissbacterien enthal-
tende Flüssigkeit bis zu einer gewissen Menge den Thieren injicirten,
das diesen entnommene Blut nicht faulte, selbst nach Monaten nicht,
während auch die Thiere gesund blieben ; überschritten sie die Menge
der Injectionsmasse, so faulte das den lebenden Thieren entnommene
Blut und die Thiere gingen unter den bekannten Krankbeitserscheinun-
gen zu Grunde. L. entnahm seine Blutproben erstens einer an
Pyämie erkrankten Wöchnerin. Das 3 Tage vor dem Tode entnom-
mene Blut faulte nicht, das 1 Stunde vor dem Tode entnommene
Blut faulte. Doch war es aspirirt worden^ der yerschlie^sende Watte-
pfropf war blutig, die Böhrchen wj^ren mit der Haut in Berührung
gekommen. Eine (8 Stunden nach dem Tode entnommene Blutprobe
faulte ebenfalls, flbenso verhielten sich Blutproben, welche L. bei
Septilcämie, Wuudfieber und 'J'et^nus, embolischer Pyämie nach einer
Amputation, Puerperalfieber, im Ganzen in 6 Fällen entnahm: nie-
mals faulte das unter Cautelen dem Lebenden entnommene Blut, selbst
nicht nach Monaten» dagegen faulte dasselbe Blut, wenn es mit nicht
desinficirten Gegei^ständen : Schwamm, Wasser, Haut in Berührung
gekommen war. — Blut, welches bei Typbus repnrrens, Typbus ab-
dominalis, Variola entzogen wurde, blieb ebenfalls von fäulniss frei.
Es ergiebt §ich aus diesen Versuchen, dass sich in dem Blute dieser
Kranken keine Fäulnissbacterien befanden; die Spirillen in dem auf-
bewahrten Blute von Recurrens waren nicht mehr nachzuweisen. —
Verf. knüpft noch eine Reibe weiterer Schlüsse an diese Versuche. (Als
durchaus unzutreffend muss Ref. es bezeichnen, wenn L. unter An-
derem die Bebauptung aufstellt, es stehe dahin, ob durch die sogenannte
Liste r'sche Wundbehandlung die sog. aocidentell^n Wundkrankhei-
ten verhütet würden; »theoretisch, sagt L., scheint in dieser Bezieh-
ung die offene, consequent durchgeführte Wundbehandlung vor der
Liste raschen den Vorzug zu besitzen^, dass hier die Wunde mit
undesinficirten Gegenständen noch weniger in Berührung zu kom-
men braucht, als bei jener«. Verf. würde sicher solche Sätze nicht
aufstellen, wenn er sich mit denp Wesen der X^ister'schen Wund-
behandlung u. s. w. auch nur einigermassen bekannt gemacht hätte.
Ref.) Haas (Breslau).
Centralblatt fOr Chirurgte. No. 8. 1 19
Fr. W. demeiiB. Ziir Behandlung der Diphtheritis.
(Medicin. Neuigkeiten f. prakt. Aerzte 1874. No. 51, p. 401—402.)
Bei der UnzuverläsBilgkeit der bisher gebräuchlichen Heilme-
thoden bei Diphtheritis lenkt der Verfasser die Aufmerksamkeit auf
das Brom und empfiäilt die innere Anwendung des Kalium bro-
matum (je nach dem Adter des Patiencen 2 — 4 Gramm in 80 — 100
Gramm Aqu. destill, mit 20—30 Gramm Syrup) mit Chlorwasser
(50 Gramm) in der Weise ^ dass man zw^stündlich einen Esslöfei
Brom-Kaliumlösung in einem Glas abmessen^ einen Theelöffel Chlor-
wasser zusetaen und nach geschehener Mischung sofort einnehmen
lässt.
Das Chlor bewirkt eine Ausscheidung des Brom in einem
äusserst fein zertheilten Zustande, ern kleiner Ueberschuss von Chlor
bleibt zur Verhinderung einer Bückbildung in BromwasBerstoffisäure
noch übrig. Das Brom yerbindet sich weiter im Organismus wieder
mit alkalischer Basis, freies Brenn wurde nicht im Urin gefunden,
während das Bromkalium sehr rasch dabin gelangt.
Verfasser betcmt die enorm zerstörende Wirkung des Brom auf
die Schmarotzerbildungen bei Diphtheritis; binnen 24—48 Stunden
tritt eine Abstossung der^diphtheritischen Massen ein, während selbst
bei den zartesten Kindern keinerlei Nachtheil bei der angegebenen
Behandlungsweise zu constatiren ist. Dem Verfasser steht eine
reiche Casuistik mit eclatanten HeilreBultaten zur Seite, und ist auch
Keferent in der Lage, aus eigenen Beobachtungen in einer Reihe
von theilweise sehr intensiven Erkrankungen »n Rachendiphtheritis
die höchst überraschenden Erfolge der ang^ebenen Behandlungs*
weise bestätigen^zu können.
Referent glaubt auch die äussere Anwendung Von Bromkalium
und Chlorwasser nach der angedeuteten Mischung zu weiterer Prü-
fung bezüglich der Wundbehandlung empfehlen zu müssen, da er in
mehreren Fällen (worunter 1 Fall mit diphtheritischem Wundbelag
nach einer Nekrosenoperation an der Tibia und 1 ^Fall von ausge-
dehnter Hautgangrän am Oberschenkel) , nach der mehrmaligen ört-
hchen Anwendung^genannter Mittel ausgezeichneten Erfolg und rasche
Heilung gesehen hat. ^» ^^W (Essen).
W. Petters. UeberäLymphorrhagie.
(Frager Vierteljahrschrift f. d. prakt. Heilkunde. Bd. 125.)
Nach einer üebersicht über die OTischlägige Literatur folgt die
Mittheflung eines Falles von Lymphorrhagie, der durch den Sections-
befund besonders beachtenswerih wird. Das Leiden bestand, bei der
nun 23jährigen Frau seit 8 V2 Jahren, die Ausflussstelle war die linke
grosse SchamKppe. Ein Jahr nach Beginn der Erkrankung abortirte
Pat. im 3. Monate, und machte danach eine Peritonitis durch. Wäh-
rend der Schwangerschaft sistirte die Lymphorrhagie, auch später zu-
120 CentnJblatt fOr Chimigie. No. 8.
weilen^ selbst für mehrere Wochen. Bei der Untersuchung hnd
man das linke » massig vergrösserte Labium an seiner äusseren
Fläche mit zahlreichen^ hirse- bis wickenkomgrossen derben Knötchen
besetzt^ während am inneren Blatte nur vereinzelte solche Knötchen
Sassen.
Einige dieser Knötchen hatten in der Mitte eine grubige Ver-
tiefung; nirgends sah man die Epidermis zu Blasen erhoben, wie in
einzelnen derartigen Fällen beobachtet wurde. Der Lymphausfluss
erfolgte aus den beschriebenen Knötchen.
Der linke Oberschenkel war dicker, als der rechte, in der linken
Leistenbeuge fanden sich haselnuss- bis kastaniengrosse Lymphdrüsen.
In 18 Tagen wurden 1225 Grm. Lymphe gesammelt, welche stets
ein grösseres lockeres Gerinnsel von blassröthlicher Farbe absetzte^
rothe Blutkörperchen, zahlreiche Lymphkörperchen und Fett enthielt ;
das specifische Gewicht betrug 1,019. (Die chemische Analyse s. im
Orig.) Plötzlich trat Fiebei auf, das linke Labium, die Drüsentu-
moren und der linke Oberschenkel schwollen etwas an, die be-
deckende Haut wurde streifig und fleckig roth^ unter dem Pou-
part'schen Bande konnte man in der Tiefe neue Drüsen tumoren und
fingerdicke, dieselben verbindende Stränge abtasten. Dabei sistirte
der Ausfluss von Lymphe vollkommen. Am 5. Tage dieser Affection
traten die Erscheinungen einer allgemeinen Peritonitis auf, welcher
die Kranke binnen 3 Tagen erlag. Man fand bei der Section all-
gemeine Peritonitis, wahrscheinlich angeregt durch alte Eiteransanmi-
lungen in einer Tube und in einem Ovarium. Die Drüsentumoren
in der linken Leistengegend boten folgenden Befund : die grösste der
Drüsen ist »eine umfangreiche Geschwulstmasse, welche in der Bich-
tung der Liguinalfalte 7^2 Cm. und 4^2 (^* "i senkrechter Blch-
tung misst. Nach oben hin unterscheidet man auf dem Durch-
schnitt eine 172 ^t^- breite Rindenschicht, bestehend aus homogener,
derber, graurother Masse; innerhalb dieser Schicht befinden sich
nur wenige 1 — 3 Cm. weite glattwandige Höhlungen, die mit ein-
ander zum Theil anastomosiren. Ungefähr in der Mitte reicht eine
solche Höhlung bis an die Fläche der Bindensubstanz. Die Innen-
fläche der Rinde wird von einem Kranze glattwandiger Höhlungen
umgeben, die vielfach mit eiAander communiciren und einen Durch-
messer von 5 — 10 Mm. haben; gegen den Hylus gehen sie in ge-
wundene Canäle über, welche die Blutgefässe begleiten«. Eine
zweite etwas kleinere Drüse bot einen ähnlichen Befimd. In den
Hohlräumen war eine dünne, Reicht röihliche Flüssigkeit nebst leich-
ten Fa6er8to%erinnseln enthalten. Oberhalb dieser Drüsentumoren
fand man ein lockeres cavemöses Gewebe mit ähnlichem Inhalte,
welches sich nach oben unter das Poupart'sche Band, theils die
grossen Gefasse entlang, theils in die Tiefe des kleinen Beckens er-
streckte. Die Lymphgefasse liessen sich bis zum Zwerchfell in ab-
nehmender Weite verfolgen, der ductus thoracicus war von normaler
Weite. eenuiy (Wien).
]
Gentettlhlatt fftr ChinirgiB. No. 8. 121
B. Siebs, üeber Lymphangiektasie.
(Fragei '^erteljahischrift f. d. pract. Heilkunde. Bd. J25.)
Der Artikel ist ein Nachtrag zu der von Petters gq^ebenen
Beschreibung (s. d. Yorhergehende Referat)^ theüweise eine Berichti-
gang derselben.
K. beschreibt die Knötchen am Labium als flache Blasen, ohne
Besiehung zu Talgdrüsen und Haarbälgen. Diese Blasen senkten
sich mit einem spitz zulaufenden Fortsatz in die Cutis ein und K.
konnte zuweilen den Uebeigang dieser Fortsätze in rosenkranzartig
erweiterte Lymphgefässe sehen. Diese Blasen waren überall, auch
an dem Theil der im Epithel lag, von einer dünnen Lage Bindege-
webe umschlossen und von Endothel ausgekleidet. K. hält die-
selben für die erweiterten Anfange von Lymphgefassen in Papillen.
Das Ausfliessen der Lymphe erfolgte theils unter Ruptur der Epi*
dermis, theils sickerte die Lymphe zwischen den Epidermiszellen
dnich, wie man bei mikroskopischer Untersuchung aus den Gerinn-
seln schliessen konnte. Die erweiterten Blut- und Lymphgefi&sse des
Labiums lagen zwischen den breiten, sehnigen und sich kreuzenden
Bindegewebsbündeln, aus denen dasselbe vorzugsweise bestand; jedes
Gefass war von einem sehr zellen- und saftreichen Gewebe unmittel-
bar begrenzt.
Die kleineren Blutgefässe konnte man oft innerhalb der Lymphr
bahnen verlaufen sehen, gleicherweise auch Capillaren in den ober-
flächlich gelegenen Ampullen. In den Lymphampullen findet K.
»das Vorkommen von rundlichen oder ovalen, oft sehr grossen Micro-
coccenhaufen zu erwähnen, welche, indem sie meist einzelne oder
mehrere helle bläschenförmige Kerne, sowie abgeblasste rothe Blut-
körperchen uihschliessen, das Ansehen sogenannter Biesenzellen dar-
bieten«.
Eine ähnliche Erweiterung, wie in der Sefaamlippe boten die
Lymphgefasse im linken Ovarium (das von kleinen käsigen Herden
durchsetzt war) ; die grossen Lymphstämme der Lendengegend, des
kleinen Beckens und des Oberschenkels enthielten zahlreich^ Bac-
terien. Die Wandungen dieser Gefässe hatten oft sehr reichlich
glatte Muskelfasern , besonders an den am meisten erweiterten Stel-
len, und zwar verliefen die Fasern in der ziemlich dicken äusseren
Schicht quer, in der dünneren inneren Schicht waren sie schräg ge-
stellt und bündeiförmig angeordnet.
Nach K. ging der ganze Process vom linken Labium aus, in
wekhem durch einen chronisch entzündlichen Zustand die Binde-
gewebsstränge die Lumina der mit ihnen eng verbimdenen Lymph-
gefasse auseinanderzerrten, wodurch der Lymphzufluss aus den gleich-
(alk erweiterten Blutgefässen vermehrt und der Seitendruck innerhalb
der Lymphgefasse erhöht wurde; dieser erhöhte Seitendruck wäre als
Ursache der progressiven Erweiterung der Lymphbahnen zu betrach-
ten. Eine frühzeitige Exstirpation des primären Erkrankungsherdes
121 Gentr^blatt fttr Chinurgie. No. 8.
würde somit Heilung gebracht haben. Dm tödtliohe Peritonitis leitet -
K. nicht von den alten Eiterherden sondern von Bakterieneinwan-
derung ab. Äerwiny (Wien).
A. Rauber. Ueber die Cohaesion der Knochen.
(Centmlblatt f. d. mad. Wissenschaftea 1874. No. 56. p. 881—883.)
Verf. hat bei Untersuchung der Entwicklung der Krümmungen
der Wirbelsäule gefunden^ dass die schöne innere Architeetur der
Knqchen nicht durch ein auf dem Knochen lastendes Gewicht (auch
bei Knochenfischen findet sich eine gesetamässige innere Architeetur
der Spongiosa) formirt wird, sondern^ dass die Wirkung der Musku*
latur hierbei eine hervorragende Kolle zu spielen scheint. In An*
knüpfimg hieran hat nun Verf. Untersuchungen über »die rückwir-
kende Festigkeit der Knochen^ d. h. über die Grösse der Kraft,
welche nöihig ist, um Knochen zu zerdrückent, gemacht und zwar
aft frischen Menschen- und Ochsenknochen. Er bediente sich dazu
eines »Druckhebels«, mit dem man leicht bis auf 1000 Kilogr. be-
lasten konnte. Die bemerkenswerthen Resultate, die übrigens bald
auch anderen Orts veröffentlicht werden sollen, wolle man im Original
naehaehen. A. Bidder (Mannheim).
Th. Jageiho. Zur Reproduction der Knochen nach sub-
periostaler Besection.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie 1874. Bd. IV. Hfb. 5 u. 6.}
Nach einer kurzen Darstellung der von Duhamel, Heine und
besonders der von O liier angestellten Versuche über die Regenera-
tion der Knochen vom Periost aus, beschreibt Verf. 3 Präparate, die
von Hueter nach subperiostaler Resection an Menschen gewonnen
wurden. 2 Präparate sind vom Fusse, eines von einem theilweise
regenerirten Calcaneus, das andere zeigt ziemlich vollkomimene Re-
generation des unteren Endes der Tibia und des Calcaneus, das dritte
endlich ist ein sehr vollkonmienes neugebildetes Ellenbogengelenk nach
subperiostaler Resection, das dem betr. Individuum seit 2 Jahren bei
schwerer Arbeit vollkommen genügt hatte. Es war ein Wipkelgelenk,
bei welchem das obere Ende der Vorderarmknochen zwischen den
neugebildeten, nach unten vorspringenden Condylen des Humerus lag
und mit ihnen in ähnlicher Weise articulirte, wie der Talus mit den
Unterschenkelknochen; das Olekranon war rudimentär gebUeben.
Gersnigr (Wien).
Zenker, üeber todtliche PancreasblutuBg.
(Vortrag, gehalten auf der 47. Versammlung deutscher Naturforscher und Aente
SU Breslau. Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1874. No. 41-)
Verf. theilt 3 Falle von tödtlicher Pancreasblutung mit und ist
der Ansicht, di|ss diesdben nicht so selten vorkommen, als ^ nach
Centnabkit Mr Chimugie. No» g. 129
den bisherigen Mittheäungen darüber (Klebs) der Fall au asin $dheii»l«
In allen 3 Fällen handelte ee sieh um Männer, die sich, abgesehan
von gewissen, aber nicht unmittelbar gefahrdrohenden Krankheitszur
ständen, vollkommen gesund befanden. Der Tod erfolgte ganss fdoter
lidi und in allen ft I^len ftod sieh das Pancreas fettig degenezirt«
Die Blutui^ war relativ gering: die Gberbauchgegend war blutig
gefärbt, das Duodenum mit blutigem Sdbleim erfällt und das Panoreas
in seiner ganzen Ausdehnung intensiv hämorrhagisch infilferirt.
Der Eintritt des Todes ist nach Z. nicht durch einen tödtUchen
Blutverlust veranlasst, — letzterer war ja verschwindend gering —
sondern durch die bekannten Nerveneinwirkungen, wie beim Shoc
(Fischer, Goltz) bedingt. In der That glichen die Sectionsbe-
fiinde auf das Frappanteste jenen, welche man naeh dem Golt zi-
schen Klopf versuche beobachtet: schlaffes, blutleeres Herz, starke
Blutüberfüllung der Unterleibsorgane, auffallende venöse Hyperämie
im plexus solaris. TUIbmüiis (Leipzig).
H. Laptschinski. Blutkörperchenzählungen bei einem Re-
currenskranken.
(Centralblatt f. d. med. WiueBschaften 1875. No. 3.)
Verf. suchte im Blute eines an Recurrens erkrankten, sonst
kräftigen jungen Mannes nach den Obermeier'schen Spirillen. Er
fand sie nicht, wohl aber die, wahrscheinlich aus der Milz herstammen-
den, bereits von Ponfick beschriebenen grossen Kömchenzellen. Zu-
gleich fiel ihm die starke Veimehrung der weissen Blutkörperchen
auf: Täglich angestellte Zählungen zeigten nun, dass mit jedem
Fieberanfall die Zahl derselben so stieg, dass einmal sogar nur 37,5
TOthe Blutkörperchen a\if 1 weisses kamen. Mit dem Fieberabfall
nahm auch die Zahl der weissen Blutkörperchen wieder ab, |in4 dap
Verhältniss der rothen zu den weissen stellte sich z. B. am 6.' Tage
wie 174 : 1.
Während der Remissionszeit schwinden die Körnchenzellen auch
aUmiKg, um bei erneutem Fieberanfedl sogleich wieder aufzutreten,
wobei gleichzeitig die Mib starke Schwellung zeigt. Verf. glaubt,
dass bei jedem Fieberanfalle der Inhalt der Milz sich in die Blut-
masse entleere, und ist der Ansicht, dass die Spirillen keine Bezie-
hung zur Aetiologie der Febris recurrens hätten, weil sie sich nicht
immer im Recurrensblute fanden. A«Bidder (Mannheim).
H. A. Stern. Drei Lammbluttransfdsionen bei Phthisikem«
Inang. Din, Halle.
Die sehr lesenswerthe Arbeit enthält vor allem die Geschichte
dreier, von ßasse iu Nordhi^usen liusgefurter, von St. äusserst sorg-
faltig und vorurtbeUsfrei b^obaohteter direeter LammUuttraasfusiosien
124 Centralblatt far Cliinirgie. No. 8.
bei Fhtfaisikem. Alle 3 Patienten sind inzwischen den Fortschritten
ihres Leidens erlegten. Das Resultat , welches St. ziehen kann^ ist:
die durch Laxnmbluttransfusion bei Phthisikem erzielten Erfolge
beschränken sich im Wesentlichen auf nichts^ als auf eine zeit-
weise Herabsetzung des hektischen Fiebers. Deshalb berechtigt uns
ein so minimaler Erfolg nidit^ die Lammbluttransfusion als ein wiik-
sames Mittel gegen Phthisis anzuerkennen, oder sie weiter als anti-
phthisisches Mittel anzuwenden. Bänke (Halle).
Biohardson. Forms of disease included under the term : pur-
pura haemorrhagica.
(Med. lim. and gaz. 1874. Novbr. 28. p. 597.)
In dem vor der Med. soc. gehaltenen Vortrage versucht R. den
symptomatischen Sammelnamen auf 3 anatomisch verschiedene patho-
logische Zustände zurückzufahren:
i) Aqueous purpura: Vermehrung der wässerigen Blutbestand-
theile^ künstlich hervorzurufen durch grosse Wassermengen in die
Peritonealhöhle injicirt. Die erbliche Bluterdiathese fällt z. B. unter
diese EJasse.
2) Saline purpura : Zunahme der salzigen Blutbestandtheile. Soor-
but soll dieser Erlasse angehören.
3) Vascular purpura: eine meist bei kleinen Kindern mit irgend
einer Skeletdeformität bei gesundem Blute auftretende^ ungefährliche
Erkrankimg der CapiUaren.
Einiges Zeitinteresse gewinnt die Abhandlung durch Mittheilung
einer genauen Krankengeschichte^ welche zur Erklärung der sog.
Stigmatisation herangezogen wird (cf. Original). Baake (Halle).
D. lu GrifOni. Due casi di liehen sifilitico.
(Qaszetta delle cliniche Torino 1874. Dec. 8.)
Nachdem schon Bizzozero und Köster Tuberkelknötchen in
syphilitischen Geschwüren nachgewiesen hatten^ fand 6. deren in
zwei Fällen von Liehen syph. lenticularis. Die Knötchen lagen im
Corium unmittelbar unter der Epidermis und hatten alle Charaktere
von Tuberkeln. Einer von den 2 Fällen ist seit 2 Jahren durch
Antisyphilitica vollkommen geheilt. Es ist dies somit ein Fall von
geheilter Hauttuberkulose (!) Menzel (Triest).
Kleinere Mittheilungen.
Hulke. Nearly fatal poisoning by chloral hydrate. Clin, society,
27. Nov. 1874.
(Med. tixn. and gaz. 1874. Dec. 12. p. 672.)
Ein 23jährige8 M&dchen hatte 4 Unzen Chlorakyrup genommen; Puls un-
fühlbar, Athmung künstlich unterhalten; Auspumpen des Magens nach Wasser-
CentialblAtt fflr Chiruxi^. No. 8. 12ft
iajection, sodann Einpumpung einet starken Kaffees. In 40 Minuten kehrten
Sprache und Bewusstsein snrück. Bwike (Halle).
S. Dubois, Contribution ä Tusage de la teintuxe d'Jode (Maisque
des femmes enceintes. C^phalimatome) .
(Gas. hebdom. 1874. No. 46.)
D. hat mit Erfolg das Bepinseln mit Jodtinctur bei grossen Schwangerscbafts-
flecken an Stime und Wangen mehrerer Frauen angewendet. In wenigen Tagen
schuppt sich die Epidermis ab und die normale weisse Haut erscheint wieder.
Ein taubeneigrosses Cephalämatom bei einem mit der Zange extrahirtem
Kinde, Ton knochenhartem Wall umgeben» verschwand unter täglichem Bepinseln
mit Jodtinctur in Zeit von 18 Tagen. Fr« Steiner (Wien).
B. Haffter. lieber Dennoide.
Inaug.-Diss. Basel 1874.
In der Schiess'schen Klinik in Basel wurde von dem linken Auge einer
42jfihrigen Frau ein angeborenes Dermoid, als Wulst der Conjunctiva am äusseren
Rande der Cornea sich darstellend, abgetragen. Eine ähnliche Geschsrulst der
anderen Seite blieb unoperirt. Das Mikroskop wies Cutis mit Papillen, Talg-
drOaen, Haare nach ; die Deutung einer Stelle als SchweiBsdrüse bÜeb unsicher.
Im Anschluss daran werden 9 Ovarialdermoide sowie eine Dermoideyste unter
der Bauchwand und dem Netse gelegen, aus der Leipsiger Sammlung, genau be-
schrieben. Die einseinen Befunde, c. B. die Bildxmg embryonaler Milchdrüsen in
einem Dennoide des Ovariums» müssen im Original verglichen werden. Verf.
schlieest sich für die subcutanen Dermoide der Remak 'sehen, für Ovarialdermoide
der Klebs'schen Theorie der Genese dieser Geschwübte an.
Buike (Halle).
Hirschberg. Ein Fall von Homhauttumor nebst multiplen Hautge-
schwülsten von gleicher Structur (Fibroma lipomatodes) . Mit 3 Ab-
bildungen.
(Arch. f. Augen- und Ohrenheilkunde 1. Bd. 5, Abth. 1. No. 4. Wiesbaden.
C. W. Kreidels Verlag.)
Bei einem Manne von 30 Jahren bestehen seit dem 8. Jahre an der Körper-
oberft&cfae in symmetrischer Vertheilung und mit Vorliebe für Stellen, an denen
sich swei Haa4>latten h&ufig berühren oder die Haut bei Bewegungen oft ge-
spannt wird, verschiedene, hervorragende, braun pigmentirte Geschvrülste, die an
Zahl und Ausdehnung allmälig zugenommen haben. Dieselben zeigen theilweise
Spuren aaf Parenchymschrumpfung beruhender spontaner Rückbildung in centralen
weisslich narbigen Stellen, auf denen die Haarentwicklung nicht gelitten hat. Sie
sitzen s&mmtlich in der Cutis, sind mit dieser gegen die Unterlage frei verschieb-
lich und variiren in der Grösse von einigen Millimetern bis zu 9 Cm. Sie sind
von Virchow (dessen Archiv, Bd. 52. 1871) als Xanthelasma multiplex oder
Fibroma lipomatodes beschrieben.
An demselben Patienten wurde vor 10 Jahren eine Neubildung der rechten
Cornea bemerkt und 1865 zum ersten Male von v. Graefe abgetragen. Dabei
aeigte sich auch auf der linken Hornhaut der erste Beginn gelblicher Trübungen,
deren Zunahme bei der Entfernung eines rechtsseitigen Recidivs 1^67 zu Consta-
tiren war. Ein rasch entstandenes neues Recidiv rechts prftsentirte sich im April
1874 als eine die Gegend der Cornea einnehmende, wallnussgrosse, höckrige rein
gelbe Geschwulst; das Auge war ohne Sehvermögen. Links scheint der Zustand
Bch seit 7 Jahren wenig ver&ndert zu haben. Es wurde der rechte Bulbus nach
Spaltung des Canthus eztemus enucleirt. Die mikroskopische Untersuchung des
126 Centtalblolt fftr Chinurgie. No. 8.
Tumor ergi«bl f^r dieMn die Cfaaraeterifltioa des Xantheliaiim tifofts der nakro-
skopiMheii Dltfu^ftitg der Cutis- und der Corneal>Neoplafiie.
Franke! (Chemnitz j.
Burwell. Two cases of reflected initation. Clinic. society of Loüdon.
(Med. tim. and gas. 1874. KoV. 28. p. 617.)
1) Einseitiger traumatischer Trismus» beo^Mehtet an einem 15jährigen Knaben
mit einer Hautwunde an der linken Kopfseite. Am 15. Tage konnte P. den
Mund nicht Öffnen, der linke Mundwinkel war auf- und rückwärtsgezogen, der
Masseter und Temporaiis fest contrahirt. Mit der Heilung der Wunde verschwan-
den allmälig die Symptome, die während des Schlafes überhaupt cessirt hatten.
2) Schwere Epilepsie, durch Exdsion eines Neuroms geheilt. Pat. ein 60jähr,
Invalide hatte vor 28 Jahren einen Arm verloren, zwei Jahr später begann die
Epilepsie. Drack aitf ein Neurom des Stumpfes rief die Anfälle hervor. Am
7. August wurde die Geschwulst, ein echtes Stumpfneurom, ergiebig exstiipirt,
und seit dieser Zeit cessirten die Anfälle. Beobaohtong geht bis zum 94. Oet. .
Ranke (Halle).
Mignot. De la position declive comme moyen adjuvaat de Textrac-
tion des corps ^trangers de Toesophage.
• (Gas. hebdom. 1874. No. 44.)
Im Jahre 1872 wurde ein Sjfthriges Mädchen zu M. gebracht, welches ein
Paar Stunden zuvor ein Zweisoustttck verschlackt hatte. M. konnte mit dem
Finger den Fremdkörper tief unten im Schlünde, im oberen Theile der Speise-
röhre fahlen. Nach verschiedenen vergeblichen Venuohen liees nun M. den
Kopf des Kindes nach abwärts geneigt halten, während dessen Beine
sieh auf die Schultern eines kräftigen, dem Operateur gegenüber sitzenden Ge-
hOlfSsa stützten. Durch diese Lage, hoffte M., würde das Geldstück der Tendenz
zum Herabsinken in den Pharynx folgen, während es zuvor nach dem Magen hin
gravitirte. Der Erfolg war gut. Sogleich fühlte M. das Geldstück über dem
Zungengrunde, und konnte es mit Finger und Spatel auf eine seiner Flächen
wenden und herausziehen. Geringe Blutung. Heilung.
M. bemerkt schliesslich, dass diese Methode, welche wohl nur bei glatten
Fremdkörpern erfolgreich sein dürfte, schon vor ihm, wie er später erfuhr, von
Aronssohn in einem ähnlichen Falle mit Erfolg angewendet worden war.
Fr. Steiner (Wien).
Beck. Bulbous neives in arm-stump.
(University College hospital.)
(Med. thn. and gaz. 1875. Jan. 2. p. '8.)
Vor 6 Jahren war der aus phthisischer Familie stammenden, z. Z. 26jährigen
Patientin zunächst das rechte Ellenbogengelenk resecirt, später der Arm amputirt
Seit einiger Zeit Contractur der Schulterheber, Beflexkrämpfe bei Berührung des
Stumpfes; einem Nerven entsprechend ein sehr schmerzhafter Knoten fühlbar.
Bei der Operation|zeigen sich alle Nervenenden knotig geschwollen; gleiche Ver-
dickungen zeigten sich im weiteren Verlaufe mehrerer der Nerven. Trotz der
Entfernung derselben besteht der Zustand nach der Heilung unverändert fort.
Mikroskopische Untersuchung der Tumoren fehlt. Bänke (Halle).
Hiunby. ScrofulouB ulceration of the bladder running an unusual
course (Clinic. society.)
(Med. tim. and gaz. 1874. Decbr. 12. p. 673.)
P., ein 9jfthriges Mädchen, litt längere Zeit an Reizbarkeit der Blase, der
aarmoniakaüsehe Urin enthielt Eiter. Bildung eines Abseesses unterhalb des Na-
bels, der nach reichlichem Eiterabgang dureh den Darm sich verkleinerte, später
dann und wann tympanitiseh klang, zuletzt doch noch nach aussen aufbrach, nnd
CenHalblatt Idr Chirorgf«. No. 8. i2T
bu zum Tode des Sandes wAssrige Flüssigkeit entleerte. Die Section wies käsigje
Oescliwure der Blase nach; eine Eitefhöhle yorn communicirt mit derselben und
mit der Bauchöffnung; an der andern Seite der Blase fahrte eine Perforation ins
Rectum. Bänke (Halle).
Ddmarquay. De l'algidit^ chez les hemieux.
tS^ance de la soc. de chir. du 2S. Oct. 1ST4.)
D. spricht über das Entstehen des Status algidus bei Patienten mit ein-
geklemmten Hernien. ^ fand bei diesen di^ Temperatur bald efb^ht, bditd
herabgesetzt. Das Sinken der Temperatur finde statt, wenn die Einklemmung an
den oberen Partieen des Dünndarmes statt habe, es seien zahlreiche Nerven hier-
bei mit comprimirt. Expefimente, welche D. darüber an Hunden anstellte, spra-
chen auch fft diese Entstehungsuisache des Status algidus.
V ern 6 uii schiebt die Hexabsettong der Temperatur iasbesondeve snf den e«»-
gestiven Zustand der Eingeweide, tot AUeii der Lungen. Auch er «cparimeotixte
und es zeigte sieh hierbei, dass die Einklemmung der Gedflrme an versekiedenfli*
fiteHm keine erhebliehe Tempennturver&odBTung bewirkte. Doch erkennt er der
Einklemmung der Gedärme einen gewissen Einfluss an der Temperaturheiab-
Setzung zu ; die Gesetze hierfür seien aber unbekannt. Er erw&hnt einen Fall, wo
ein Mann mit befugen Leibschmerzen, Stulteihaltung und Erbrechen in^ Spita
angenommen, eine Temperatur von nur 35,4 0. zeigte. Er starb am folgenden
Tage. Die Section wies eine Einschnürung des ganzen Sromanum durch den
Rand des Mesenteriums nach.
D. erwidert, die Incarceration des ganzen Sromanum komme in Rücksicht
auf die mit comprimirten Nerven der Einklemmung einer einzelnen Stelle des
Dünndarmes gleich , daher die Temperaturemiedrigung im Falle von V. , wo ein
tiefexgelegene« Darmstflck incarcerirt war. '
Trölat. Polypes muqueux de rarri^re-cavit^ des foBgee nasales.
(Ibid.)
Tr. macht auf polypöse Tumoren in der Nasenrachenhöhle aufmerksam,
welche, dem äusseren Ansehen nach, zuweilen auch dem erfahrenen Chirurgen als
fibröse Polypen erscheinen, dabei aber Schleimpolypen sind, welche sich von den
ersteren sowohl klinisch, als prognostisch sehr unterscheiden. Sie können sehr
roth, derb sein, aber es fehlen die Blutungen, die Erstickungsanfi&Ue und die
Dysphagie. Die Exstirpadon ist leioht und Reeidive treten nicht ein. In ahn-
lidien zweifelhaften Fällen möge man daher nicht gleich zu zwecklosen Voropera-
tionen greifen.
Duplay bemerkt, dass ihm in einem ähnliehen Falle das gleichzeitige Vorhan-
densein von Schleimpolypen in der Nase zur sicheren Diagnose geholfen habe.
FäUe, wie der von Gos8elin,wo neben einem wahren fibrösen Nasenrach^npolypen
ein Schleimpolyp in der Nase vorhanden war, seien äusserst selten.
miaiuc. Präsentation d'nn instmment.
(Ibid.)
T. seigt ein von Colin construirtes Instrument für Rectovaginalfisteln.
Die eine Branche der durch Druck auf beide Branchen sich öfi'nenden
Zange, trägt vorne eine längliche, innen schwach concave und mit Hom bekleidete
Platte, welche in's Rectum eingeführt wird; an der anderen Branche, welche in
die Vagina eingeführt wird, ist diese Platte gefenstert. Der Gebrauch dieses In>
strumentes, welches nebenbei das unblutige Abtragen der Fistelränder ermöglicht,
ergiebt sich hieraus von selbst. Fr« Steiner (in Wien).
128 Centralblfttt ftlr Cbinugie. No. 8.
Annandale. On the treatment of oi^anic stricture of the urethia.
(Med. tmi. and. gaz. 1874. Decbr. 12. p. 653.)
Nichts neues ausser der Empfehlung metallener Instrumente zur allmftligen
Dilatation einfacher Stricturen. Die Neigung zu Schattelf rösten nach Einführung
von Instrumenten in die Urethra will er durch prophylaktische Verabreichung Ton
Chinin erfolgreich bekfimpft haben. Ranke (Halle).
W. Braper. On iutra-uterine injections in hemorrhage.
(The med. Examiner 1874. No. 18.)
D. giebt ein Resum^ seiner wShrend 7 Jahren gemachten Er&hrungen bezag-
lieh der styptisohen intrauterinen Injectionen bei HSmorrhagieen. Jf, lobt beson-
ders das Eäsenchlorid, welches er auch bei Hftmorrhagieen post paitum mit Erfolg
in die Uterushöhle injioirte. D. sah niemals irgend einen Nachtheil. Ausser
Eisenchlorid wandte D. an: Acid. tannicum, Matioo- Infus und Eiswasser. Es
werden 3 FiUe mitgetheilt, in welchen die Injectionen mit gutem Erfolg gemacht
wurden.
I. Fall. Im 8. Monat der Schwangerschaft beträchtliche Hftmorrhagie. Keine
placenta praevia, Kopflage des Foetus. Da die H&morrhagie sehr betrftchtlich, so
wird unter sorgfältiger Vermeidung der Eihäute ein elastischer Katheter in den
Uterus geführt und etwa 2 Unzen eines starken Matico- Infus injidrt. — Tampo-
nade der Vagina. Innerlich Reizmittel. — Am folgenden Morgen Tampon ent-
fernt; geringe Blutung. 2. Injection. Tampon. Blutung kehrte nicht wieder.
Einige Tage später ein lebendes Kind geboren. —
II. Fall. Hämorrhagie post partum nach Ezpulsion der Placenta. Mit Hülfe
eines elastischen Katheters in die Uterushöhle mehrere Unzen Eiswasser injicirt.
Uterus contrahirt sich, Hämorrhagie sofort gestillt. —
in. Fall. Retroversio uteri. Profuse Menstruation. Injection von etwa
2 Unzen Eisenehlorid (1:10 Wasser). Vollständiger Erfolg, kein Nachtheil.
Menstruation regelmässig, von normaler Stärke, schmerzlos. Hodge'sches Pessa-
rium. Die Hämorrhagie kehrte später 1 oder 2 Mal wieder, als Patientin das
Pessarium ablegte. TUlmanns (Leipzig).
Dr. M. Arthur. A comu lemoved from the forehead.
(Transactions of the Chicago society of physicians and surgeons.
The med. Examiner 1874. No. 16.)
Das Hom stammte von der Stirn einer sonst vollkommen gesunden 53jährigen
Frau. 3 Jahre vorher hatte ein anderer Operateur an derselben Stelle eine
aCyste« entfernt und in dieser Operationsnarbe entwickelte sich allmälig das Haut-
hom. In der Occipital- und Parietalgegend fanden sich ebenfalls 6—7 knoten-
artige Auswachse, die von A. exstirpirt wurden. — Auch Dr. Lyman entfernte
ein 1 % Zoll langes Hom von der Mitte der Unterlippe.
TUlmanns (Leipzig).
Origlnalmlttheilungen, Monogrsphleen und Separatabdrüoke wolle
man an Dr, ff. lYUrncmu, Leipzig, Marienstrssse No. 3, oder an die YerUgshandlang,
BreUkopf und HäHd^ einsenden.
Df«ek vad Ytrlag tob Braltkopf and Hirtol Im Loij^if.
Gentralblatt
fUr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L. Lfiser, Dr.ft ScMe, Dr. E Tttlnaiiiiis
in Berlin. in Halle a. 8. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis deg Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
H!; 9. Sonnabend, den 27. Februar. 1875.
Ilhalt: Berflianily Die Resultate der €tolenkreseetionen im Kriege. — Kapptler, Chi-
roigigehe Beobachtungen. — Sappty, Lymphgefisssyetem. — BefMt, Animalisehe Liga-
taren. — Lesser, Anpassung der Oef&sse an grosse Blotmengen. — Beeckel, Wund-
behandlung. — Hllltr, Erysipelatoser EntzÜndungsprozess. — kndri, Geschwulstmettstasen.
— Eteher, Exstirpation des Mundbodencardnoms. — SobortW, Electrolyse bei Behandlung
der Hodentumoren. — B^ftnger-F^raud, Function der Leber.
Shikowenkoff, Garbolsäureinjectionen bei Erysipel. — Milllngeny Trachom. — Fer-
Haiez, Pustula maligna. — Mttller, Goloboma bulbi. — Nagen, Stimmet, Untersuchung
<ie8 Obres im polarisirten Lichte. ^ RIchet, FaU von akutem purulentem Oedem. —
LJaebowitf Ch y Exartlculatlo femoris. — Maunolry Herzwunde. — Lorenz , Martini,
CkfVtlier, Penetrirende Bauch wunden. — Maclaren, Anus praeternaturalis. — Adams,
Incareerirte Hernie durch Einspritzungen von Oel reponirt.
Bergmann. Die Resultate der Gelenkresectionen im Kriege.
(Mit 20 Tafeln Albertotypie und einer lithographischen Tafel. St. Petersburg.
CBieker. 1874.)
Verf. während des Krieges Vorstand der Lazarethe »Seilerbahna
in Mannheim und der i»Friedrichsbaracken« in Karlsruhe^ berichtet
über die in denselben theils selbständig ausgeführten, theils nach
der Operation durch Andere in Nachbehandlung genommenen Resec-
denen des Ellenbogens, der Schulter und des Fusses mit möglichst
genauer Angabe der Schlussresultate.
Resectionen des Ellenbogengelenks 9 Fälle.
Alle in der Secundärperiode, 3 Mal partiell, 6 Mal total ausgeführt.
2 todtliche Ausgänge durch Pyaemie.
Vollkommene Gebrauchsfahigkeit bei activ möglicher Beweglich-
keit des Gelenks (incL Pro- und Supination) und ausreichender Ge-
9
130 Centralblatt fÜT Chirurgie. No. 9.
schicklichkeit der Finger nur 2 Mal erzielt. Schlottei^elenk bei
massig guter Function der Finger einmal. In den vier übrigen Fällen
Ankylose, zweimal im stiunpfen, sweimal im rechten Winkel bei nur
in 2 Fällen zu ermittelnder, massig guter Beweglichkeit der Finger.
Resectionen im Humero-Scapulargelenk.
13 Mal in der Secundärperiode ausgeführt. 3 Todesfälle. 1 Heilung
nach Exarticulatio humeri.
Die antipyretische und antiphlogistische Wirkung des Eingriffes
blieb in der Regel aus^ wohl deshalb, weil bei einer ungewöhnlich
grossen Zahl auch der am Leben Gebliebenen schwere suppurative
Periostitiden des übrig gelassenen Humerusschaftes sich entwickelten.
Doch ist es zu dem sogenannten lähmungsaztigen Zustand des Armes
dennoch nur einmal gekommen, während die anderen Male die volle
Kraft der Hand und der Bewegungen im Ellenbogengelenk wieder
gewonnen wurde, seibat da wo ein passives Scblotteigelenk sich ge-
bildet hatte oder noch lange Fisteln bestanden. Die Rettung der
langer und der Hand scheint hiernach in der Macht des Arztes und
dem Willen des sich übenden Patienten zu li^en.
Nur einmal wurde die active Beweglichkeit in der Schulter nach
allen Seiten wiedergewonnen, active Beweglichkeit in der Richtung
von vom nach hinten in weiteren Excursionen erhielt sich viermal^
die active Abductionsbew^gung zweimal.
Das obere Humerusende articulirte einmal in einer aus Ver-
wachsung des Acromions mit Processus coraooideus entstandenen Pfanne
zu deren Bildung auch Reste des Collum scapulae mithalfen. In den
meisten anderen Fällen war dagegen das obere Humerusende gegen
die Thoraxwand luxirt.
Die gewonnenen Knochenpräparate zeigten zweimal Schussrinnen
ohne Splitterung. In einer derselben beÜEind sich noch die offenbar
mit ihrer Längseite eingedrungene Kugel. An den übrigen Präpa-
raten fehlte die Bestätigung des Satzes, dass Schüsse unterhalb des
Collum chirurgicum und dturch dasselbe immer mit erheblicher Split-
terung in den Schaft hinein verbunden sind. Auffallen musste dabei
die verhaltnissmässig grosse Zahl (4) der fast vollständigen Abapren-
gungen des Kopfes.
Resectionen des Fussgelenkes.
1 1 Fälle, 8 Mal total, 3 Mal partiell (Talus und Mall. ext. ; Malleol. ext.,
Tibia) ; meist secundär, einmal am fünften Tage nach der Verletzung
ausgeführt. Ein Todesfall am 4. Tage nach der Resection an Sept-
haemie, ein anderer sehr spät, 1 Jahr nach der Verletzung an Er-
schöpfung.
Der Wundverlanf war fünfmal ein ungestört günstiger , einmal
kam die Heilung erst im 6. Monat nach Abstossung nektotisdker
Splilter zu Stande. Die übrigen Fälle gaben den Beweis, dass auch
bei Kriegsresectionen des Fussg^lenks Eitersenkungen und Caries
Oentralblatt Itlr Chirurgie. Nö. 9. 131
der Fusswuiflel das Endresultat verzögern können. Fisteln restirten
im 5., 8., 9. Monat^ einmal noch im zweiten Jahre und zwangen
in einem Falle, ak mehr wie 1 Jahr nach der Resection bereits terflos-
sen war, zur Amputation.
Hei fSaet allen Operirten sind ungünstige Stellungen der Füsse zu
Staude gekommen^ einmal nämlich eine geringe Plantarflexion, die
andern Male daneben noch eine leichte Varusstellung. Doch wird
zugegeben, dass dieser Misserfolg allein von der Art der Nachbe-
handlung abhing.
Mit ein«r Ausnahme, bei der freilich nur massige Excutsionen
möglich sind, erfo^te jedesmal totale Ankylose des Gelenks. — Die
der Schrift beigegebenen Tafeln sind klar und instructiv.
Wilk. Koch (BerUn).
O. Kappeier. Chirurgische Beobachtungen aus dem Thur-
gauischen Cantonsspital Münsterlingen während der Jahre
1865—1870.
1874. gr. SO. VI. u. 322 S. Mit Plänen und 8 Stereotkopbildern.
Frauenfeid, J. Huber't Buohhdig.
In vorliegendem Werke hat Verf., dirigiifender Arrt genannten
Krankenhauses, das ganze chirurgische Keobachtungsmaterial aus einem
^jakrigen Zeiträume nach den ron ihm geföhrten Krankengeschichten
mit groseem Fleisse gesammelt, geordnet und bearbeitet, wobei er
in der Anordnung des Stoffs und in der Aufstellung der zahlreichen
statistischen Tabellen genau dem Beispiele gefolgt ist, das ihm in
der schirurgisfidien Klinik, Zürich 1S60 — 1867« seines Lehrers Bill-
roth g^eben war. Ist nun auch das thurgauische, »nicht klinische«
Cantonsspital^ aus dem yorliegendee Werk stammt, nicht so reich an
chiraigis^dLem Material, wie das grössere T^klinische« Krankenhaus des
Cantons Zürich^ und hat Verf. auch das Werk zunächst nur »zu
eigener Belehrungu und als Berichterstattung an seine vaterländischen
CoUegen YeitoMt, so dürfte doch der immerhin bedeutende Umfang
der hier niedergelegten chirurgischen Erfahrungen und die sorgfältige
statistische Bearbeitung auch ein weiteres Interesse beanspruchen, zu-
mal in der Schweiz, welche durch die genannten beiden Werke von
Billroth und Verf. die erste, breite Grundlage zu einer Wissenschaft'
Kch verwerthbaren Landesstatistik der chirurgischen Krankheiten er-
]äAu — Naoh einer ausführlichen Schilderung des Krankenhauses,
setaer Einrichtung, Direction und Verwaltung giebt Verf. erst eine
aUgemeine Statistik aller von ihm in genanntem Zeitraum beobachte-
tet Krankheiten und reiht dann daran die specielle Bearbeitung der
diiraigischen Krankheiten der einzelnen Körpertheile, wobei dtirch
ausfiifarlidie Wiedergabe seltener tmd interessantel- Fälle die Casuistik
eine weseittUche Bereicherung erhält. Wie Billroth, so hat auch
Verf« sich die Mühe genommen, dem Schicksal der aus dem Spital
Entlassenen noch Jtfhre lang nachzugehen ntid vHr erhalten dadurch
9*
132 Centralblatt fftr Chirurgie. No. 9.
über manche noch schwebende Fragen befriedigenderen AufschluBs,
als es ohnedies möglich gewesen wäre ; so über die Endresultate yer-
schiedener Operationen, die Becidivität und Mortalität von Geschwül-
sten^ das Yerhältniss von Scrophulose und Tuberkulose zu einander,
die Aetiologie und den Ausgang von Caries und der verschiedenen
chronischen Gelenkkrankheiten. Anhangsweise folgt noch eine Abhand-
lung über Beverdin's Hauttransplantationen^ welche Verf., bei einem
ziemlich reichUchen Material von Beingeschwüren zu mehreren Tausen-
den in den letzten Jahren gemacht hat. Eine statistische Zusammen-
stellung der chronischen Gelenkentzündungen, der Amputationen und
Resectionen, mit öfterem Hinweis auf die entsprechenden Kapitel von
Billroth 's bekanntem Werke, bildet den Schluss der Arbeit.
KrSnlelii (Berlin).
Ph. G« Sappey. Le Systeme lymphatique.
(Le^ons recueiUies par Ouignard. — Mouvement m^dical 1875. No. 1.)
In einigen Vorlesungen vor seinen Hörern in der med. Facultät
bespricht der bekannte Pariser Anatom seine Ansichten über Ursprung
der Lymphgefasse und deren Beziehung zu den Blutgefässen. Wir
halten die Mittheilung dieser Ansichten für werth, weil sie den in
letzter Zeit am meisten verbreiteten Anschauungen über den Gegen-
stand fast vollständig entgegenlaufen. Da es sich aber um einen
gleichsam extemporirten Vortrag und nicht um ein in sich geschlosse-
nes Opus handelt, begeben wir uns von vornherein einer jeden Kritik.
Verf. meint zunächst, dass keine der Methoden, die man bisher
beim Studium der Lymphgefasse in Anwendung gebracht hat, dass
weder die Untersuchungen von Mascagni, noch diejenigen von
Fohmann, Panizza und Lauth, noch endlich v. Reckling-
hause n's Arbeiten eine wahre Vorstellung von dem Ursprung der
Lymphgefasse ergeben haben. Er führt hierauf ein viertes, neues
und von ihm herstammendes Verfahren an , welches weder auf In-
jection der Geiasslumina, noch auf Deutlichmachung der Gefasswand
beruht, sondern auf der Tinction der Lymphe selbst. Dieselbe wird
gleichzeitig zur Gerinnung gebracht und schliesst die in den Lymph-
wegen enthaltenen zelligen Gebilde mit ein. — Eine nähere Be-
schreibung dieser »methode rigoureusement scientifique« wird nicht
gegeben. — Es entspringen nach S. die Lymphcapillaren aus einem
feinmaschigen Netz engster Canäle (capillicules), die mit verschieden
grossen, meist stemfärmigen Hohlräumen (lacunes) communiciren.
Durch die feinsten Canälchen treten diese Lacunen einestheils mit
einander in mannigfache Verbindung, andemtheils entspringen aus
ihnen die Lymphcapillaren dadurch, dass die Lacunen sidi in Längs-
zügen anordnen, immer schmäler und mehr ausgezogen und endlich
sogar walzenförmig werden. In den Capillicules und den Lacunen
sind kernige Gebilde in sehr regelmässig linearen Zügen angeordnet (!)
enthalten, nach Verf. die Kerne der künftigen Lymphzellen, wie sie
Centralblatt für Chirurgie. No. 9. 133
sich dann in reicher Menge in den Lymphcapillaren angehäuft finden.
S. sieht die Lymphcapillaren als die Brutstätte der Lymphzellen an;
ar meint gesehen zu haben^ wo der Kern noch Kern ist^ und wo er
sich zur ZeUe umwandelt. Die Lymphcapillaren veTeinigen sich zu
den centralen Stämmchen der Hautpapillen sowohl^ wie der Schleim-
hautzotten^ die darin einander völlig gleichen sollen. Die centralen
Stammchen aber treten an der Basis der Papillen^ resp. Zotten zu
einem reichen Netz von grosseren, sich vielfach durchkreuzenden
Zweigen und Aesten zusammen. In diese münden auch die kleineren
Lymphgefässe^ die von den Talg- und den Schweissdrüsen und von
den Haarfollikeln kommen. Das Netz der grösseren Lymphcanäle
nimmt blos das oberste Drittel des Corium ein, in den tieferen Schich-
ten erblickt man nur einzelne von den Schweissdrüsen kommende
Stiimmchen. Für das subcutane Bindegewebe läugnet S. die An-
wesenheit der Lymphgefasse. Dasselbe sei völlig unabhängig von
dem Lymphgefässsystem. Organe, die sehr reich an Ljrmphgefassen
sind, wie der Hoden und die Lymphdrüsen, die Leber, die Milz, der
ütarus zeigen wenig Bindegewebe. Die solitären Lymphfollikel sollen
letzteres gar nicht enthalten. — Die Lymphgefassnetze stehen durch
die »canalicules« in directer Communication mit den Blutgefasscapil-
laren. Während so einmal der Lymphstrom durch die Venen in den
Blutstrom mündet^ stehe anderntheils das Blutplasma in directem
Wechselverkehr mit der Lymphe durch jene feinsten Wurze^*: uer
Lymphcapillaren. Die Beweise des Verf. 's beruhen auf anatomischen
Präparaten, wo er die centralen BlutgefHssstämmchen der Papillen
Ton einem Netz feinster Gefässchen umsponnen fand, welche letztere
sich in die Blutcapillaren einsenkten und an deren Wand man deut-
lich die stachelförmigen Fortsätze wahrnehmen konnte. Durch Injec-
tion geringer Mengen von carminsaurem Ammoniak lässt sich nach
S. Obiges gut demonstriren. Die physiologischen Beweise aus der
angeblichen Identität der Lymphe und des Blutplasma, sowie aus der
angeblich gleichen Geschwindigkeit des Lymph- und des venösen Blut-
Stromes^ sind gewiss wenig überzeugend. Weiterhin fuhrt Verf. Fälle an,
wo bei chronischer Dilatation der Lymphwege (Elephantiasis scroti,
Lymphvaricen am Bein einer Frau) als auch bei entzündlicher Er-
weiterung derselben (Lymphangitis am Scrotum) sich Blutkörperchen
in der Lymphe und Lymphgefässen nachweisen Hessen, ohne die
Thatsache zu verwerthen, dass beim Abzapfen grösserer Mengen von
Lymphe bei Thieren nach einiger Zeit dieselbe blutig zu werden
pflegt. Die chirurgisch interessantesten Befunde des Verf. 's für den
postulirten directen Uebertritt rother Blutkörperehen aus den Blut-
capillaren in die Lymphwege, sind diejenigen; wo er bei in Eiterung
fibelgehender Sehnenscheidenentzündung nach einem tiefen Panaritium
am Finger, femer bei Beingeschwüren und drittens bei Erysipel den
Zustand der Lymphgefasse der Haut untersuchte : starke Erweiterung
der centralen Lymphstämme in den Papillen; diese Stämmchen aus-
gestopft mit ruthen Blutkörperchen, fast kein Plasma, spärliche weisse
134 Centralblatt far Chirurgie. No. 9.
Zellen^ vielleicht eine auf 800 — 400 rothe Blutseheiben. Die Lympk-
capillaren deutlieh in ihrem Durchmesser yetgrössert. Die Zahl der
»capillicules« anscheinend vermindert, da viele derselben zu Lacunen
erweitert erscheinen und so sehr auffällige weite Plexus von Hohl-
räumen darstellen. <-* Weiterhin äussert Verf. seine Ideen über die
Schicksale der nach ihm in den Lymphcapillaren geborenen Lymph-
zellen. Er lässt sie in die Lungencapillaren gelangen, wo sie ihr
»Hämatosin« erhalten und zu farbigen Zellen werden, um später in
den Blutcapillaren ihre Functionen zu verrichten und — unterzugehen.
— Wie dem Bindegewebe, so spricht S. auch dem Centralnerven-
System, den synovialen und serösen Häuten und den Knochen jede
engere Beziehung zu den Lymphgefassen, speoiell zu den Lymphge-
fasswurzeln ab. Die perivasoulären Lymphscheiden sind nach Verf.
specielle Hüllen der Gebilde, aber keine Lymphgefässe. — Die sub-
serösen Lymphgefassnetze werden auf ihren unmittelbaren Zusammen-
hang mit den Lymphgefassen der von der Serosa bekleideten Organe,
und nicht auf eine Communication mit dem Inhalt der serösen Höhlen
zurückgeführt. — Die Stomata läugnet S. auf Grund dessen, dass
bei vollständigster Injection z. B. der Lymphgefassnetze des Diaphragma
kein Tropfen Flüssigkeit an die Oberfläche des letzteren gelangte.
Lesser (Berlin).
Berens. Animal ligatures.
(PhUadelphia med. Times 1874. No. 145. p. 708 flf.)
Die von Haynes über diesen Gegenstand veröffentlichten Re-
sultate (cf. Centralblatt 1874, No. 22) sind nach B. nicht unanfecht-
bar, weil:
i) verschiedenes Material an dasselbe Gefass, zur selben Zeit
und sehr nahe an einander gelegt wurde, weil
2) tiefliegende Gefasse gewählt wurden, die ohne erhebliche In-
sultirung der Gewebe nicht erreicht werden können und weil.
3] die zu den Experimenten benutzten Katzen sehr zur Eiterung
neigen.
B. verwendete bei seinen Versuchen: genau nach Li st er zube-
reitetes Catgut, imcarbolisirten Darm, Peritoneum^ das in Streifen
geschnitten und gedreht wurde , getrocknete Bindersehnen, endlich
Seide.
Dieses Material wurde theils in der Form von S^tons oder Kno-
ten unter die Haut gebracht, theils als Ligatur verwendet.
Am meisten reizte die Gewebe die Seide; sie führte ausnahms-
los profuse Eiterung herbei. Ihr folgte carbolisirter Darm und dann
Peritoneum. Während letzteres so lange Reizungserscheinungen ge-
ringen Grades bedingt, als es in der Wunde verweilt, unterhält car-
bolisirter Darm dieselben nur durch etwa 4 Tage. Fast keine Ver-
Centralblatt far Cfairuigie. No. 9. 135
eil der .Nftchbanohaft. bedingen einfacher Darm und die
Sehne.
In Hezng auf die Absorptionsfähigkeit steht an der Spitze ein-
facher Dam» ihm folgt carboUsirter^ dann Peritoneum, endlich die
Sehne. Der einfache Darm ist durchschnittlich in U Tagen, die
Sehne in 16 Tagen resorbirt.
Aus d»L oben angeführten Material bereitete und unter die Haut
gebrachte Knoten reizten am meisten, wenn sie aus Seide bestanden;
"weniger intensiv wirkten carbolisirtes Catgut und Peritoneum; ein-
facher Darm schien am wenigsten zu schaden.
Die Experimente mit directer Unterbindung der Gefasse ergaben,
dass Säde und Peritoneum eine relativ starke und langdauernde
Schwellung und Eiterung erzeugen. Nicht viel davon unterscheidet
sich caral>olisirter Darm. Erheblich weniger reizen ein&cher Darm
und Sehne die Nachbarschaft. Alle Versuche sprechen zu Gunsten
des einfachen Darmes und der Sehne.
Von diesen beiden wird schnell aufgesogen und reizt sehr wenig
der Darm; doch umfasst er die Gefasse nur unsicher, auch wenn er
dick geknotet wird. Die Sehne dagegen kann in ausserordentlich
dünnen Fäden mit vollkommener Sicherheit verwendet werden und
möchte auch, wenn sie infolge (ihrer geringeren Absorbirbarkeit län-
ger in der Wunde liegen bleiben muss, kaum schaden, da auch sie
nur wenig irritirt. In ihr wäre, nach B., das vorzüglichste Unter-
bindungsmaterial zu suchen. Wllb. Koch (Berlin).
L. Lesser. lieber die Anpassung der Gefasse an grosse
Blutmengen.
(Aus dem physiologiscben Institute su Leipiig. Berichte der math.-phyi. Olaese
der kOoigl. säche. OeseUtchaft der Wieeeniohaften. Bitcung vom 6. August 1874.)
L. discutirt in der ersten^ grosseren Hälfte dieser Arbeit die
Frage^ ob sich am lebenden Thier aus der Färbekraft die Blutmenge
bestimmen lässt^ w^enn sie durch die Transfusion bedeutend vermehrt
ist und berichtet danach:
I. lieber das Befinden der Thiere nach einer bedeutenden Ver-
mehrung des Blutgebaltes.
Aus mehreren mit defibrinirtem und ganzem Blut angcRtellten
Versuchen lässt sich die Behauptung rechtfertigen , dass Hunde,
denen zum mindesten noch einmal so viel Blut beigebracht wurde>
als sie ursprünglich besitzen, ohne bemerkbare Zeichen gestörter Ge-
sundheit fortzuleben vermögen.
II. Ueber den Druck in den grossen Venen nach der Transfu-
sion, wobei es sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit herausge-
stellt hat, dass durch den bedeutenden Zuwachs der Blutmenge die
136 Centralblatt für Chirurgie. No. 9.
natürlichen Verhältnisse^ welche in den Venenstämmen zwischen Zu*
und Abfiuss bestehen^ nicht geändert worden seien. —
III. lieber Aderlässe an normalen und überfüllten Thieren.
1. Ueber den Gefössraum, welcher nach der Verbhitang nor-
maler und überfüllter Thiere zurückbleibt. —
Die Resultate der tödlichen Verblutung normaler Thiere ent-
sprachen denjenigen^ welche frühere Autoren gefunden hatten. Die
Spannung des Gefässinhalts wurde =0, nachdem 4,5 — 6^ des
Körpergewichts an Blut entleert worden waren.
Bei der tödlichen Verblutung blutüberfüllter Thiere war dagegen
das ausgeblutete Volum etwa nur gerade^ so gross, in keinem Falle
grösser als dasjenige, welches vor der Transfusion zu erwarten ge-
wesen wäre. Und doch hätte man annehmen sollen, dass hier die
Aderlassmenge ausser dem 4 — 6)i^ betragenden Verlust des normalen
Thieres noch ein Plus ergeben hätte, als Antheil von dem durch
Transfusion zugefügten Blutquantum. Die gleichzeitige Tetanisirung
des Bückenmarks mit deutlicher Steigerung des Blutdrucks bewies
aber, dass die Ursache für die geringe Menge des ausgestossenen
Blutes jedenfalls nicht in einer mangelhaften Zusammenziehung der
Gefässwandungen su suchen sei. —
2. Ueber die Geschwindigkeit, mit welcher das Aderlassblut hervor-
strömt, suchte sichL. mit Hülfe der von Tappeiner und Slavjanski
bereits benutzten Vorrichtungen Auskunft zu verschaffen und zwar
an Thieren, welche zunächst einfach verblutet, dann einer Trans-
fusion ganzen Blutes, dann einer zweiten Verblutung, dann wieder
einer Transfusion defibrinirten Blutes, endlich einer dritten und töd-
lichen Verblutung unterworfen wurden. Diese 3 Versuchsarten lie-
ferten bei gleichzeitiger Messung des üarotidendrucks folgendermassen
zu deutende Curven. Die Geschwindigkeit, mit welcher die Entlee-
rung erfolgt, ist in den ersten 20 Secunden bei der Normalblutung
grösser, als bei den folgenden, obwohl der FüUungsgrad der Gefasse
vor den beiden letzten Blutungen bedeutend grösser war; sie ist da-
gegen jenseits der ersten 20 Secunden in den beiden letzten Blu-
tungen die grössere. Im Ganzen entleerten sich aber dann die Ge-
fasse nach Einspritzung defibrinirten Blutes weniger rasch, als nach
vorheriger Transfusion nicht defibrinirten (ganzen) Blutes. Möglicher-
weise kommen hier die Form- und Glätteänderungen in Frage, welche
die rothen Blutkörperchen beim Defibriniren des Blutes zu erleiden
pflegen. Wilh. Koch (Berlin).
E. Boeckel (Strassburg i/E.). De la r^union imm^diate et
du mode de pansement des plaies.
(Qazette m^dicale de Strasbourg 1874. No. 12.)
Verf. hat in den zwei vergangenen Jahren verschiedene Methoden
der Wundbehandlung bei seinen Operirten angewendet. Der Gu^-
r in 'sehe occlusive Watteverband, die offene Wundbehandlung und
Ceniralblatt fttr Chinurgie. No. 9. 137
der bisher gebiäucUidLe einfache Wundrerband wurden hauptsächlich
Terglichen; des List er 'sehen antiseptischen Ver&hrens hat sich B.
bisher zu wenig bedient, um sich darüber aussprechen zu können.
Die 2]ahrige Erfahrung (ca. 50 grössere Amputationen und Exarticu-
lationen und 14 Resectionen wurden während dieser Zeit in der Spi-
talabtheilung des Verf. 's gemacht) haben B. zu der Ansicht gebracht^
dass der Guirin'sche Verband auf die MortaUtät, wenigstens unter
gunstigeren Spitalyerhältnissen^ keinen wesentlichen Einfluss übt, dass
er jedoch sehr empfehlenswerth ist, und zwar, weil die Patienten sich
dabei subjectiv weit am besten befinden; die Schmerzen der ersten
taglichen Verbände werden vermieden und die Kranken auch viel früher
transportfithig, was namentlich für den Krieg von hoher Bedeutung
erscheint. Oefters verlangten die Patienten selbst vor der auszufüh-
renden Amputation, wie ihre Nachbarn, welche sich in ihrem dicken
Watteverband so wohl befanden, behandelt zu werden. B. lässt je-
doch den Verband nicht so lange liegen, wie Guirin es angiebt,
sondern nimmt ihn gewöhnlich nach ca. 10 Tagen ab; von diesem
Augenblick an ist die Behandlung der schön granulirenden Wunde
die übliche.
Die offene Wundbehandlung will Verf. für gewisse Fälle gelten
lassen, indem er hervorhebt, dass S^dillot sie schon vor mehr als
20 Jahren, hauptsächlich für die Oberschenkelamputationen mit vor-
derem Lappen, empfohlen und angewendet habe.
In Bezug auf Nähte soll man sehr vorsichtig sein. Sie dürfen
nach B. nur da angelegt werden, wo eine absolute Indication zur
prima intentio vorhanden ist, also bei plastischen und ähnlichen Ope-
rationen und dann in gewissen Gegenden, wo die Heilung per primam
erfahrungsmässig sehr leicht zu erzielen ist, wie im Gesicht, am Hals,
an den Geschlechtstheilen, an den vorderen Bauch Wandungen. — An
der behaarten Kopfhaut, bei queren und schiefen Wunden der Glied-
massen und ganz besonders nach Exstirpatio mammae sollen sie meist
schädlich sein, hauptsächlich in letzterem Falle das Auftreten von Ery-
sipelas begünstigen. Olrard (StraBsburg i/E.)
A. Hiller (Berlin), Der erysipelatöse Entzündungsprocees.
Eine kritisch-pathologische Studie.
(Berl. klin. Wochenschrift 1874. No. 48 u. 49.)
Verf. stellt die Thatsache voran, dass die Rose so wenig zur Eite-
rung tendire, trotzdem nach modemer Anschauung jede reguläre Ent-
zündung mit Auswanderung farbloser Zellen einhergehe. Kritisch
polemisirt er gegen die Autoren, welche bei Erysipel, wie bei anderen
infectiosen Krankheiten, eine parasitäre Genese annehmen ; besonders
wird Lukomsky (cfr. Virch. Archiv Bd. 60, Hft. 3 u. 4) ad ab-
surdum geführt. H. erwähnt darauf seine und Anderer Experimente,
welche die Schädlichkeit der Bacterien immer mehr in Frage stellen
t38 Centndblatt ftUr Ghuuigie. |ip. 9.
und betont die ohemische Natur des EryBipelaagiftea* Die Wirkungs-
weito des letzteren stellt er nach seinen Untersuchungen folgender-
massen dar : Aufgenommen und in den Kreislauf durch die centripe-
talen Bahnen geführte wirkt es örtlich phlogogen, allgemein pyrogen.
Histologisch charakterisirt sich seine Wirkung im Blut durch Ter-
mehrte Auflösung der rothen Blutkörperchen, sowie durch eine Nekrose
oder Nekrobiose der fiirblosen ZeUen (Körnung) , wo erstere, als höhere
Steigerung, besonders in loco infectionis (wegen der hier stärkeren Cou-
centration des Giften), letztere dagegen vorzugsweise im circulirenden
Blute wahrgenommen wird. Zugleich wird die Contractilität und
amöboide Bewegung der weissen Zellen abgeschwächt, resp. ver-
nichtet, daher die Unfähigkeit der Auswanderung, der Mangel der
Eiterung. — Aus seiaen Beobachtungen erklärt H. ebenfalls die klini-
schen Symptome des Krankheitsbildes, das sich 1) durch infectiösen,
resp. septischen Charakter, 2) superficielle Ausbreitung im befalleneu
Organ, 3) durch meist fehlende Tendenz zur Eiterung kennzeichnet.
Ausser der Haut, welche am meisten davon befallen wird, nimmt
Verf. auch erysipelatöse Erkrankung anderer Organe (Uterus, Vagina,
Pharynx) an. t* Mosengell (Bonn).
C. Andre. Beitrag zur Lehre von der Entetehung der Ge-
schwulstmetastasen auf embolischem Wege.
(Viroh. Archiv 1874. Bd. LXI. Hft. 3. p. 383.)
A. vermochte in einem ausführlich mitgetheilten Falle die embo-
lische Entstehung von Geschwulstmetastasen durch Krankengeschichte,
Section und genaue mikroskopische Untersuchung nachzuweisen. Ein
Rundxellensarcom, wahrscheinlich in der Gegend der incisura ischia-
dica major entstanden, breitete sich anfangs in den benachbarten Ge-
weben aus, drang daim in die vena iliaca ein und so in die Blut-
bahnen. Losgerissene Zellenhaufen wurden durch die vena mesente-
rica inf. in die Leber, durch das rechte Herz in die Lungen gefuhrt,
um dort in den Arterien eingekeilt, ein selbständiges Leben zu be-
ginnen. Nie gab das mikroskopiache Bild den Anschein, als sei
durch blosse Infection der Zellen der verschiedenen Organe ein An-
stoss gegeben, sich in Sarcomzellen umzubilden; vielmehr zeigten
dieselben überall regressive Veränderungen. Die Geschwulstembolieen
wurden durch von den vasa vasorum abstammende Gefasse ernährt.
Die Wandungen der verstopften Gefasse gingen bei weiterem Wachsen
der Geschwiüst entweder durch Verfettung zu Grunde, oder sie dehn-
ten sich vor den andrängenden Zellenmassen aus und blieb von ihnen
nur eine dünne Lage Spindeln übrig. Die Lungenvenen vermittelten
weitere Uebertragung von Geschwulstpartikeln in den grossen Kreis-
lauf zu Milz und Nieren. Vadelmii; (Bonn. ,
OenMlblatt fOv Cbinirgie. No. 9. 139
Th. Escher. Ueber die Exstirpation des Mundbodencar-
cinoms.
In»ug.-Di88. Zürich. 1874. SOS.
Verf. giebt eine Zusammeustellung von 11 in der Literatoi be^
schriebenen Fällen dieser Operation, au wichen nooh 3 von Kose in
Züridi openbrte und bisher noch nicht beschriebene Fälle kommen. In 6
Fällen (Adelmann, Jäger, v. Langenbeck, v. Bruns, Rose
2) wurde gleichzeitig ein Theil des miterkrankten Unterkiefers resecirt, in
SFällen (Billroth 2, Böckel,Bizzoli2, Adam, Kosander, Böse)
dagegen eine partielle Zungenexsürpation mit der Operation ver-<
bunden. In letztem Fällen, in welchen der Knochen des Unter-
kiefers intact war, geschah die Operation mit Ausnahme des Falles
von Adam, der das Carpinom direct vom Munde aus exstirpirte^ im-
mer mit Benutzung einer der bekannten Voroperationen. So treuiite
in einem Falle Rizzoli den Unterkiefer in der Mittellinie (Sedillot) ;
Billroth und Bö ekel machten die temporäre Besection des Unterkie-
fers (Billroth), Rizzoli spaltete die Wange ( Jaeger und Heyfel-
der),Rosander legte die Zungenligatur von der regio suprahyoidea aus
an (C 1 o q u e t) und machte sich B i 1 1 r o t h Mundhöhlenboden und Zunge
durch den 'J^- Schnitt in der regio suprahyoidea zugängUeh ( R e g n o 1 i ) .
Auch Rose exstirpirte in seinem Falle ein Carcinom der rechten
Zungenhälfte und des angrenzenden Mundhöhlenbodens von der regio
suprahyoidea aus, indem er von einem seitlich und dem untern
Bande der rechten Unterkieferhälfte annähernd parallel angelegten
Hautschnitte aus gegen den Boden der Mundhöhle vordrang, den-
selben hart am Kiefer vermittelst des Ecraseurs dnrchtrennte und
durch die dadurch erhaltene Oeffiiung von unten 2 Ecraseure ein-
führte, deren Ketten die erkrankten Theile der Zunge und des Bo-
dens der Mundhöhle umfassten und trennten. Der später geheilte,
und noch nach 2V2 Jahren ohne Recidiv gebliebene Fall soll ausser-
dem noch dadurch ausgezeichnet gewesen sein, dass abnormer Weise
art. Hngnalis und art. maxillar externa mit einem gemeinsamen Stamme
aus der carotis extern, entsprangen, welcher bei der Schnittoperatiou
blossgelegt wiurde, und unterbunden werden musste. — Obiger Ope-
rationsplan (der an das von Mirault, de Morgan und Nunne-
ley geübte Verfahren erinnert, Ref.), wird als eigene »Rose'sche
Methode« beschrieben. Krdnleln (Berlin).
S, Soborow. Die Electrolyse bei Behandlung der Hoden-
tumoren.
(Moskauer medicin. Bote 1874. No. 2.)
Verf. brachte die Electrolyse in 40 Fällen chronischer Orchitis in
Anwendung und erzielte dabei gute und sohnelle Resultate; die ent-
zündliche Geschwulst der Hoden verminderte sich schnell und ver^
140 Centralblatt für Chirurgie. No. 9.
schwand in einigen Fällen nach 3—4 Sitzungen. Die nach Orchitis
blenonrhoica zurückbleibenden Verhärtungen der Epididymis wurden
durch die Electrolyse rasch beseitigt. In 4 Fällen acuter Orchitis
erreichte Verf. bei dieser Behandlung baldige Verminderung der Ge-
schwulst und der Schmerzen; in keinem Falle wurde Steigerung der
entzündlichen Symptome wahrgenommen. Fälle ^ in denen die elec-
trolytische Behandlung ganz ohne Einfluss auf die Erkrankung bliebe
oder sogar eine aUmaUge Zunahme der Geschwulst bedingte^ betrafen
stets^ wie die spätere mikroskopische Untersuchung der castrirten
Hoden ergabt Carcinoma testis, Sarcoma testis u. s. f., so dass die
Electrolyse auch als diagnostisches Mittel bei Hodentumoren zu ver-
werthen wäre. W.Chube (Charkow).
Berenger-Feraud. De Tinnocuite des ponctions du foie avec
le trocart aspirateur.
(Bulletin g^n^rid de th^rapeutique Vol. LXXXVII. No. 11.)
Probepunctionen der Leber sind ebenso ungefährlich als diejeni>
gen^ welche so häufig bei anderen Oi^^anen ausgeführt werden.
Verf. selbst hat in 11 Fällen 5 — 15 Cm. tief in die Lebersubstanz
bei Verdacht auf Abscess erfolglos eingestochen^ ohne dass sich die
geringste Beaction darnach zeigte.
Er citirt mehrere identische Erfahrungen von de Castro und
Velpeau.
Ja diese Functionen scheinen bei zwei Patienten fast eher gün-
stig gewirkt zu haben; der Aspirator hatte ca. 100 Kbcm. Blut her-
ausbefördert und 9 Zufall oder nichts die Schwellung und Schmerz-
haftigkeit der Leber schwanden auf&Uend rasch auf diese echt localen
Blutentziehungen. Girard (Stnwsburg i/E.).
Kleinere Mittheilungen.
N. Stnkowenkoff. Behandlung des Erysipelas mit' Carbolsäureinjec-
tionen.
(Moskauer medicin. Bote 1874. No. 1 — ^2.)
St. brachte die Behandlung des Erysipels mittelst Carbolsäureinjectionen im
Moskauer Militär-Hospitale in 16 Fällen in Anwendung. Die Fälle betrafen: 12
— das Gesicht, 1 — den behaarten Kopftheil, 1 — den Hals, 1 — die obere und
1 ^- die untere Extremität. Die Behandlung wurde am 2. — 4. Tage der Erkran-
kung angefangen. Der frühere oder spätere Anfang der Behandlung hatte keinen
merkbaren Einfluss auf die Dauer des Processes, durchschnittlich dauerte er bei
allen 8 Tage. Auf Herabsetzung des Fiebers hatten die Ii\jectionen keinen Ein-
fluss; ebenso konnten die Injectionen an der Grenze des Processes sein Weiter-
greifen nicht verhindern; trotzdem verliefen die einzelnen Fftlle günstig. Wo viel
Injectionen in die entzündete Stelle gemacht worden waren, konnte St. eine be-
deutende Abnahme des Schmerzes und der Röthe constatiren. Eine Verkürzung
des Processes und Verminderung des Fiebers kam hauptsächlich in den Fällen
vor, wo eine allgemeine Wirkung der Carbolsäure eintrat, — also eine leichte Intoxi-
cation; sogar dann, wenn die Injectionen weit entfernt von der betroffenen Stelle
vorgenommen worden waren. — W. €(mbe (Charkow).
Gentralblatt für Chinirgie. No. 9. 141
■dw. milingen. Le Trachome ä Constantinople.
(Gaz. m6d. d'Orient 1874. No. 8 p. 122.)
Obige Affection macht etwa 12^ aller Augenerkrankungen in der Türken-
haiiptstadt aus. Die Verbreitung dieses hochgradig contagiösen Uebels ist bedeu-
tend. Man findet ganie Familien davon betroffen. In den CoUegien, Schulen und
Waisenhftusern finden sich sehr viel Kinder, die an diesem Augenübel leiden. Nur
das Robert's College zu Hissar nimmt eine Ausnahmestellung ein. Die Krank-
heit, vorwiegend in den niederen Klassen herrschend, wird von dort aus h&ufig durch
Mfigde und Ammen in die besser situirten Familien eingeschleppt. — Verf. . der selbst
aber 1000 F&lle von Trachom behandelt hat, unterscheidet etwa folgende Erschei-
nungsweisen desselben : erster Qrad besteht in Bildung einfacher Follikel, die nach
lingerer oder kflrserer Zeit von selbst verschwinden (?) oder, was viel h&ufiger ist,
sich itt weiter ausgebildeten Formen des Trachom entwickeln. Oefters ist die
Follikeleruption von acuter EntiOndung der Conjunctiva begleitet (Trachoma acu-
iom), während die chronische Form des Trachom, wobei es zur Bildung von pa-
pillären Granulationen kommt, früher oder später zum Entstehen des Narben-
tnchom Veranlassung giebt In seltenen Fällen hat M. die amyloide Entartung
der Conjunctiya (S t e 1 1 w a g) bei Narbentrachom beobachtet. Häufiger war Trichiasis
in 15X der Fälle von Narbentrachom. Pannus wurde in 36,66X der FäUe von
Trachom mit Bildung von papillären Granulationen und blos in b,2bX der Fälle
von- Narbentrachom constatirt. — Das chronische Trachom hatte stets beide Augen
eigriffen, während die einfachen Follikel manchmal blos an einem Auge vor^
kamen (?) Bei Trachoma acutum erkrankten öfters beide Augen nach einander,
mit mehrtägiger Zwischenpause. — Unter 1000 Fällen von Trachom sind notirt :
370 VITeiber und 630 Männer. Am häufigsten wurde das Alter von 15—35 Jahren
afiicirt. Doch fanden sich unter den Fat. auch Kinder von 6—8 Monaten, und
auch Greise. In einer Tabelle vertheilt M. seine Fälle, wie folgt: 28 einfache
Follikel, 24 Follikel mit Trachoma acutum, 298 Trachoma chronicum mit papill.
Granulationen, 647 Narbentrachome, 3 Fälle von Deg. amyl. conjunct. — Als
Complicationen werden angeführt 145 Mal Pannus, 144 Mal Kerat. superf., 70 Mal
Kerat. prof. — 94 Mal Trichiasis, 6 Mal Pterygium, 14 Mal Blenorrhoe des Thrä-
nensacks. — 30 Mal ging das Sehvermögen ganz verloren.
Ullenperger (München).
J. S. Femandes. Pustula maligna.
(El Anfiteatro anatomioo espafiol 1874. No. 35. p. 134.)
In der Provinz Toledo soll nach F. obige Affection an den Augenlidern sehr
häufig vorkommen und wird ihre Ursache vom Verf. auf den Stich eines giftigen
Insectes zurückgeführt, welches der Lidschlag und die Augenfeuchtigkeit sur Be-
vorzugung gerade dieser Körperpartie veranlassen mag. Eine frühzeitige und ener-
gische Anwendung der Caustica hat auch hier und vor Allen das ferrum candens
die besten Resultate geliefert. Misslich ist die Entstehung des Ektropium, welches
sich aber bei spontaner Nekrose der Gewebe unangenehmer zu gestalten pflegt, als
wenn man frühzeitig cauterisirt und dann sofort, unbekümmert um das nach der
Aetzung auftretende Oedem der Umgebung, einen leicht drückenden Occlusions-
verband anlegt. Das einmal vorhandene Ektropium ist nur durch eine kunstgerechte
Plastik zu beseitigen. Ullersperger (München).
J. Kuller. Beitrag zur Lehre vom Coloboma bulbi.
(Inaug. Diss. Bonn. 1874. 15. Aug.)
Verf. stellt die hauptsächlichsten Momente über betreffendes Thema zusam-
men, indem er sich besonders auf Liebreich und eine bezügUc|ie Dissertation des
Dr. Hugo V. Ho ff mann (Bonn 1871) bezieht. Schliesslich theilt er drei Fälle mit,
welche auf der Klinik des Prof. Sämisch zur Beobachtung kamen: 1) ein Colo-
bom der Sehnervenscfaeide ohne Colobom der Iris und Chorioidea, zufällig bei einer
Patientin mit Conjunctivitis granulosa entdeckt. 2) ein Fall, welcher nur die
142 .Centrblblatt fär Ohirurgiev No« 9.
Chorioidea allein betrifft » 3) etn Fall von BriIckeDOoloboiti (Rotte def Membciftnit
pupillaris.) T. Mosengeil (Bonn).
Hftgen und Btimmel (Leipzig) . Die Untersuchtuig des Ohres im polari-
sirten Lichte.
(Berl. klin. Wochenschrift 1874. No. 48.)
Die Vff. haben Coccius' interessante, auf geistvolle Raisonnements basirte
Entdeckung über Wirkung des Polarisationsapparates bei ophthalmoskopischen
Untersuchungen benutit, um bei otoskopischen Versuchen ähnlichen Nutzen für
die Untersuchung su gewinneui als ihn Coccius für Untersuchung des Auges er-
sielte. Wie dieser die Hornhautreflexe und Cornealtrübungen sum Verschwinden
brachte, viele Qlaskdrpertrübungen, die Retina und Reflex der macula lutea elimi-
nirte und die Aderhaut deutlicher hervortreten lasst, so verschwindet hier der zarte
Glanz, welcher über die ganze Oberfläche des normalen Trommelfelles verbreitet
ist, und der sogenannte Lichtkegel, jeder Reflex an anomalen Trommelfellen und
von Flüssigkeiten herrührend. Ferner lassen sich durch den Folarisationsspiegel
an einem normalen, durchscheinenden Trommelfelle einzelne Abschnitte zum gänz^
liehen Verschwinden bringen, analog der Netzhaut des Auges. Am leichtesten
verschwindet der hintere obere Quadrant, nie ganz der vordere untere. Dichte
Trübungen verschwinden nicht, wohl aber leichtere ; erstere treten jedoch deutlicher
hervor. Dasselbe gilt von Blutextravasaten. Die interessanten Resultate fordern
zu weiteren Untersuchungen auf. T* Mosengeil (Bonn).
Biohet. lutoxication gazeuse k la suite d'une plaie non päi^trante
du genoa.
(Mouvement mSdical 1875 No. 1. p. 7.)
Einem 65jähr. herumvagirenden K^rämer ging beim Fallen das Rad eines
Wagens über das eine Knie hinweg. £r wurde im H6tel-Dieu aufgenommen, wo
R. eine Abreissung der Haut über dem Knie^ mit einer 5 — 6 Cm. langen, aber
nicht penetrirenden Wunde, daneben einen geringen Bluterguss in's Gelenk con-
statirte. — Sand und Kies fanden sich unter der Haut angesammelt. Eine leichte
Crepitation wurde wahrgenommen, ohne dass man Lufteintritt von aussen beob-
achtet hatte. Schmerzen gering. Es wurde eine Oegenüfinung angelegt und
eine Drainröhre eingeführt. — Am nächsten Tag bei der Mevgenvirtte fand
man den Fat. in suffoeatoxischem Zustande, Temp< 39, d<) C, das afficirte Bein
kalt, durch subcutanes Emphysem enorm aufgetrieben, die Hautdecken von
livider Farbe, die fiatxtvenen stark gefüllt. Auch die Schleimbeutel sind von
Luft aufgetrieben, das Emphysem setzt sich auf Gesäss, Rücken und Bauch
fort. Aderlass und eine ausgiebige Incision am Bein; letztere lässt eine sehr
grosse Menge Gas entweichen. Die Haut obgleich kalt, ist nicht abgestorben,
denn die Hautwunde blutete reichlich. Die Muskeln hatten ihre normale Färbung
in den oberflächlichen und den tiefen Lagen. Bei Druck auf die Wundenlefzen
wurde stinkendes Schwefelwasserstoff haltiges Gas ausgepresst, das die Instru-
mente unmittelbar schwärzte. Tod 24 Stunden nach der Verletzung. Die 30 Stunden
später unternommene Section ergiebt nichts wesentlich Auffälliges. Nur leichte
Congestion der Lungenbasis beiderseits. Unterleibsoigane intact. Lm Herzen
reichliche schwarze Blutgerinnsel. — Die mikroskopische Untersuchung des Le!-
chenblutes ergiebt nur zahlreiche Bacterien und ähnliche lebhaft bewegliche Ge-
bilde; die rothen Blutkörperchen ohne deutliche Veränderungen. Die gewünschte
chemische Untersuchung des älutes fand nicht statt. — Lesser (Berlin).
L. F. löftcl^owitaoh. Ein Fall von Exarticulatio femoris.
(Sitzungsberichte der Kaieerlichen medicin. GeeeUeohaft zu Wilne. 1874. Ko. 4.
p. 103.)
Verf. befiehtet über eine günstig veilaufene Exarticulatio fettoris, von ihm
wegen Osteevnyeiiti» epiphytaria (Bil)roth) atisgefOhrt. DerFdIl betraf einen mihr
Ceütralblait fUr Chlruigie. No. 9. 143
bcmntefgekomntenen 12)Slirfgen Knaben. Die Operation tmde mit doppelter
LappenbQdung — ernem vorderen \md einem hinteren — atMgeffthtt; an den
Winkeln der Tereinigten Wtmde bHeben Oeffnungen zum freien Abfuss des Eiters.
Die Wunde (8^ lang) heilte per primanl intentionem, so dass Pat. in Zeit von
2 Monaten Yoüständig hergestellt war.
Anknapftend an die mitgetheilte Beobachtung bespricht Verf. die Drainage
grosser Wunden und erkl&rt dieselbe für höchst ungenfigend, da sie ihren Zweck
nicht erreicht, im Oegentheil nur sur Reizung der Wunde beiträgt. Er zieht ein-
gebe Oeffnungen fflr freien Eiterabfiuss vor, und will so stets bessere Resultate
erä^t haben, als durch die Drainage. Es ist dies der rweite, glacklrch von L.
operirte Fall von Bxarticulatio femoris. Der Mittheilnng sind 3 photographiBche
Aofnahmebi die beiden vom Verf. operirten Kranken nach der Operation und
dea im letzten Falle exartieulirten Oberschenkelknochen darstellend, beigefügt. —
W. Gruh* (Charkow).
Maunoir. Herzwunde^ Yeiktzuag der Totderen Kranzgefässe. Tod.
(BnUei. de la »aa. anatom. de Paris 1674, p» 3d4>.)
Bin ^jahrig«r Mann bmehte sich aas Liebesgram in der IVunkenheit mit
einem kleinen Taschenrnesser 2 Stiohe in der Herzgegend bei ; der Tod erfolgte
in 2 Stunden. Die penetrirende , im linkim vierten Interoostalratim gelegene
Wnnde hatte die Hant nur auf V2 ^^- dnrchtrennt, das Pericardittm gering
verUtat, die im Sulc. eoron. ant. verlaufenden Qefasse quer durchschnitten und
endlieh dia rechte Ventrikelwand und das Ventrikebeptum durchstochen; diese
leiste Verwundung lief in schräger Richtong und gestattete gerade einer mittel-
starken Hohlsonde dien Durchtritt. Der Herzbeutel enthielt in seiner unteren
Hftifte und vom vor der Hersspitze ein faustgrosses Gerinsel, von dem aus eine
gleichmässige, gefensterte zarte Fibrinschicht das ganze Herz umhüllte; der Ver-
lauf und die Art der Ventrikelwunde (und die Form des Gerinseis Ref.) machen
es hOchat wahrsehMnlish, dass die Bhitung nur aus den KranageflUsen erf&lgt ist.
Pill (Stettin).
Iioreiis [Tangennünde] . Penetrirende Bauchwunde mit Vorfall und
Verletzung des Dickdarmes.
(Berl. klinische Wochenschrift 1874. No. 45.)
£iB Knabe stieaa einem anderen ein Messer in den Leib ; ein Stflok dea Colon
Iranairersim und Nets viel vor, die art. c^ca med. spritvte; der Darm war an
einer Partie durchschnitten und z<war fiier, so dasa die Mueosa umgeselUagen nach
aussen aak; eiao zweite Partie war nur bis zur Mueosa durchschnitten: Beide
Wunden wurden gen&ht und die F&den kurz abgeschnitten, die Arterie umstechen.
Der Vorfall reponiert und die Bauchwande vereinigt. Eis ftusserlich und kaltes
Sodawasser nebst Tr. thebaiea innerlieh. Heilvmg erfblgte schnell, nur blieb der
getrennt gewesene muse. rectus uBvemoigt. v« MMengeil (Bonn).
B. IfartinB, Eyentoa^äo traamatioa. Reduc^ao eto. — Cura.
(O Cerreio med. de lasboa 1974. No. 7 p. 80.)
In der l^tsung der Sociedade das sciencias raedicas zu Lissabon am 19. Decbr.
T. J. berichtete M. Ober folgenden Fall: Ein 12jfthriges Mädchen war mit dem
Baudi auf eine Wasserflasche gefallen. Durch eine 5—6 Cm. lange Wunde unter-
halb dea linken Rippenbogens, in welche der M. rect. abdom. quer durchtrennt
erschien und wo die Glasstücke auch das Netz verletzt hatten, war ein beträcht-
licher Prolaps von dünnen Därmen nebst Colon transversum und der grossen Cur-
vatur des Magens entstanden. Die Eingeweide lagen über die Böcke des Mäd-
chens ansgebrettet. Geringe Blutung. Die Därme congestionirt und mit Blut
befleckt, doch nirgends verletzt. Bei den ersten Repositionsversuchen entstand
Jbeftigea Erbreehen, welohes nur zu VergrOsserung des Prolapses beitrug. Auch
in der Chloroformnarkose gelang die Reposition nicht. Im Oegentheil fiel noeh
die Milz mit vor. Erst nach Anwendung von Morphiuminjeetionen und nach
capillirer Punotion der von Gasen stark aufgetriebenen Därme, gelang es letztere
144 Centralblatt für Chirargie. No. 9.
völlig zurückzubringen. 5 Zapfennfihte schloBsen die Baudiwunde. Durch dicke
Lagen von Baumwolle und eine Binde wurde auf die Umgebung der Wunde
dauernd ein gleichmässiger Druck geübt. Die Injection Ton Morphium wurde
wiederholt und öfters Chloral mit Morphium in kleinen Dosen gereicht. Erst am
3. Tage eriiielt Fat. etwas Fleischbrühe. Verband und das übrige Regime wie
bisher. Am 2. Tage schwanden die Schmerzen im linken Hypochondrium , am 6.
Tage war Fat. fieberfrei. Die Nähte wurden erst am 15. Tage durchschnitten. Die
Wunde war yerheilt, ohne oberflächlich vernarbt zu sein, was jedoch bald eintrat.
— 21 Tage nach der Verletzung war Fat. völlig geheilt. — M. hebt diesen gün-
stigen Verlauf bei einfacher Behandlung hervor, gegenüber der strengen Antiphlo-
gose, wie man sie sonst in ähnlichen Fällen anzuwenden pflegt^ —
Ullersperger (München).
Chevalier, Plaie p^n^trante (?j de Fabdomen par instrument trän-
chant. — Peritonite traumatique. — Guerison.
(Areh. m^dicales beiges 1874. No. 12.)
Eine Frau hatte durch einen unglücklichen Fall auf ein breites, scharfes KQchen-
messer eine etwa 4 Cm. tiefe Bauchwunde in der linken Hälfte des Hypogastrium,
3 Querfinger oberhalb der Leistenbeuge, erlitten. Die ziemlich heftige arterielle
Blutung aus der »l'art^re sous-cutan6e abd.« (ram. abdominales der art. epigastrica
inf ?) wurde durch Digitalcompression und Liquor ferri gestillt, die Wundränder
mittelst Heftpflasterstreifen vereinigt. — Am 2. Tage Feritonitis, welche nach einer
Woche in Genesung endete. In gleicher Frist hatte sich auch die Wunde geschlossen.
Als Ursache dieses günstigen Heilungsverlaufes wird der antiphlogistische Effect
des Blutverlustes in Anspruch genommen. Am» Hiller (Berlin).
Maolaren. Anus praeternaturalis^ in ihm Hernie, später Lavagination.
(British med. Journal 1874 p. 788.)
Vorstehende seltene Beobachtung lieferte eine 74jährige Frau, welche vor 36
Jahren nach der Operation eines eingeklemmten r. Schenkelbruches eine Fäcal-
fistel zurückbehalten hatte, durch welche 1862 ein durchgetretenes DarmstOck ein-
geklemmt wurde ; Dr. Brown reponirte dasselbe ; seitdem ging der kleinere Theil
der Fäces durch die Fistel ab. Sept. 1874 trat wieder Darm durch dieselbe hervor ;
M. erkannte eine 4'' lange Invagination des Ileum, dessen äussere Fartieen
gangränös waren, erweiterte die Fistel, reponirte den gesunden Darm, vereinigte
die frische Wunde. Die aussen gelassene gangränöse Partie stiess sich ab; die
sehr schwache Frau genas. Doch gehen xur Zeit die Fäces nur durch die Fistel
ab. Pill (Stettin).
W. Adams. Incarcerirte Hernie durch Einspritzungen von Oel beseitigt.
(British, med. Journal 1874, p. 809.)
A. berichtet über einen Fall von eingeklemmtem Schenkelbruch bei einem
48jährigen Manne, bei welchem Kavanagh (Deptford), da die Operation ver-
weigert wurde, nachdem schon 3 Tage Kotherbrechen bestanden, eine reichliche
Injection von warmem Olivenöl gemischt mit wenig Ricinusöl und Terpentin (auf
weiche Mischung A. Werth zu legen scheint,?) versuchte. Nach der 3. Injection
hob sich die Einklemmung. K. hatte in 3 Fällen von Darmverschluss — einmal
bestand derselbe schon 11 Tage — schnell Hülfe durch diese Einspritxungen er-
rielt. PÜÄ (Stettin).
Berichtigung:
8. 117, Z. 5 T. n. lies Srichsen statt Biiohson.
Originalmittheilungen, Monogrsphieen nnd Septratsbdrücke wolle
man an Dr. H. 2¥Umafifw, Leipzig, Ifarienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlnugt
Brtiikopf und BSrM, einsenden.
Dinok and Verlag von Breitkopf vnd Hirtel in Leipsig.
Gentralblatt
ftlr
CHIRURGIE
herausgegeben
▼on
Dr. L. leisar, Dr. K We, Dr. I. Tillnaiiiui
in Berlin. in Halle n. 8. in Uiysig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Freis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger PrA-
nnmeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Hl 10. Sonnabend, den 6. März. 1876.
Inhalt: Loreta, Shoc. — Verneull, Secnndare traumatische Nenralgieen. — v. Winl-
«srter, Widerstand der GefUswinde. — Dimarquay, Colin, Wirkung der Antlseptira
auf niedere Organismen. — Hayein, Injection von putriden Stoffen. — Jakubowitt, Pa-
reoehymatoee Injectlonen. — Madelung, Unterbindung der Art. carotis ext. — Riva,
Behandlung pleuritlscher Exsudate. ^ Walter, Zur Lehre von der Operation der Blasen-
fliteltt. — Seiiodo, Qelenkdrainage. — Berger, Gelenkneuralgleen. — Marcano, Bein-
snekwfire bei Herzkranken. — Henke, Kritisches fiber Klumpfuss und Plattfass.
Fiedler, Hissbrauch subcutaner Morphiuminjeotlonen. — Lewin, Morphiumin toxi ca-
tionen. — Lysakowsky, Puerperale Pyaemie. — Albanl, Fall von traumatischer Aphasie.
— Ceata, Fall von Carlos des Schlifenbeins mit secundirer Meningitis. — Urbantachlttdi,
Anomale Secretion der Drüsen des harten Gaumens infolge medicamentoser Behandlung
der Nasenhohle. — Heinze, Laryngoscopisches. — üolllire, Seltene Geschwülste der
Zuige. — Poltier, Fall von Glossitis. — ülnnicii, Hemla diaphragmatlca ; symmetrische
Oangraen simmtlicher Finger bei Phthisls pulmonum. — WoOd, Operationsmethode der
Hypospadle.
P. Loreta. Di akuni fenomeni consecutivi alle contusioni
dell' addome e della colonna vertebrale.
(Mem. dell' Accad. d. Sciense Bologna Serie III Tomo V.)
Nachdem Verf. einige sehr prägnante Fälle von Shoc^ sowohl
der torpiden, als der erethischen Form angeführt hat, sucht er die
physiologische Erklärung für diese beiden Formen. Nach den Ver-
suchen Yon Bezold und Davers bestehe der >yundstupor in
einer Beflexparalyse der nervi splanchnici, derzufolge sich fast das
ganze Blut in den erweiterten Abdominalvenen ansammelt. Auf
diese Weise erklärt sich die Blässe der Haut^ die Unregelmässigkeit,
Kleinheit und das Aussetzen des Pulses, die Hirnanämie, das Er-
brechen, die Apathie.
Man kann aber doch nicht ganz dieselbe Ursache annehmen für
beide Formen des Shoc, die erethische und die torpide, da ja
beide fast entgegengesetzte Symptome darbieten.
10
146 Centralblatt fUr Chirurgie. No. 10.
L. fuhrt nun aus^ wie wir für die Gefasse z^'ei Nervenarten an-
nehmen müssen^ solche^ welche die Gefässe activ verengem, und
solche, welche die Gefässe zu activer Erweiterung veranlassen. Da-
für spricht vor Allem der bekannte Versuch van CL Berniird mit
der Submaxillardrüse.
Durchschneidet man den betreffenden Zweig des Sympathicus, so
erweitem sich die Gefässe der Drüse sehr bedeutend. Dieselbe Er-
weiterung der Gefässe erreicht man bei intactem Sympathicus, wenn
man die Chorda tympani reizt; daraus geht hervor, dass Sympathicus
und Chorda tympani antagonistisch wirken. Durchschneidet man
Sympathicus und Chorda tympani zugleich, so beobachtet man nur
eine ganz geringfügige Gefasserweiterung, welche man als rein passiv
ansehen kann. Die anatomisdien Untersuchungen sollen es walir-
scheinlich machen, dass die in den Gefässwandungen nachweisbaren
Ganglienzellen den gefässerweitemden Nerven angehören. L. glaubt
nun, dass die beiden Formen des Shoc theils durch eine Paralyse
der vasomotorischen Nerven, theils durch einen Reizzustand der ge-
flteserweitemden Nerven sich erklären lasse. (Ref gesteht, dass der
Gegensatz in den Symptomen der beiden Formen ihm durch L's.
Hypothese nicht genügend erklärt erscheint. Da sowohl die Paralyse
der vasomotorischen Nerven, als auch die Reizung der dilatatorischen
Nerven eine Gefasserweiterung zur Folge hat, so könnte durch diese
Hypothese wohl ein gradueller Unterschied seine Erklärung finden,
nicht aber der Antagonismus in den Symptomen, wie er thatsächlich
zwischen der erethischen und torpiden Form des Shoc besteht.
Sollte nicht gerade dieser Antagonismus in der Erscheinungsweise,
mit Rücksicht auf die gleiche Entstehungsursache, es wahtschein-
licher machen, dass in beiden Formen dieselben (vasomotorischen)
Nerven af&cirt sind, nur dass sie das eine Mal gereizt, das andre
Mal gelähmt sind?} — 2. Die beiden Formen des Shoc unterscheiden
sich (ausser den übrigen Symptomen] wesentlich durch den Zustand
der Pupille, welche bei der erethischen Form stets erweitert, bei
der torpiden Form stets verengert ist. 3 u. 4. Chloroform kann
nur in der erethischen Form verabreicht werden. In eben dieser
Form und nur in dieser können Operationen vorgenommen werden.
5 U..6. Contusionen des Thorax und Bauches, Verrenkungen grosser
Gelenke, plötzliche und beträchtliche Blutverluste bei zarten schwäch-
lichen Individuen bedingen vorzugsweise die torpide Form des Shoc;
während die erethische mehr bei Hoden-* und Knochenquetschungen,
Stich- und Schnittverletzungen erregbarer Individuen beobachtet wird.
Menzel (Triest).
Verneuil. Des n^vralgies traumatiques secondaires pf^coces.
(Archives g^n^rales de m6decine 1874. No. Hu. 12.)
Unter obigem Namen bezeichnet V. einen Zustand der bisher
nie genau beobachtet, oder wenigstens beschrieben worden ist. —
Centralblatt ftlr ChiniTgie. No. 10. 147
Es können unter Umstanden^ einige Tage nach einer stattge-
habten Yerletsimg^ mehr oder weniger heftige Schmerzen entstehen,
welche sich an der getroffenen Stelle oder deren Umgebung fühl-
bar machen^ selten treten sie an entfernten Theilen auf. — Sie
stehen in keinem Yerhältniss weder zur Art^ noch zur Schwere des
Tiauma; sie widerstehen hartnäckig den Narcoticis und Antiphlogi-
sticis, während sie dem Chinin ausserordentlich leicht weichen.
Diese Neuralgieen zeigen sich nicht unmittelbar nach der Ver-
letzung, sondern stets nachdem der primitive, der Verletzung sozu-
sagen normal zugehörende Schmerz aufgehört hat^ und sind damit
nicht zu verwechseln. Sie werden von V. auch als früh secundär
bezeichnet^ um sie von den bekannten viel später auftretenden Kar-
ben- und Amputationsstümpfen-Neuralgieen zu unterscheiden.
Sie treten auf mit einer sehr wechselnden Intensität ; bald sind
sie imerträglich^ bald ziemlich gelinde.
Eine ihrer Haupteigenthümlichkeiten ist ihr intermittarender Cha-
rakter; die meist nächtlichen Anfalle dauern 4—5 Stunden und keh-
ren mit einem ziemlich regelmässigen Typus wieder, gewöhnlich täg-
lich, manchmal jeden dritten Tag. Sie beginnen am häufigsten
zwischen dem 3. und 4. Tag nach dem Trauma.
Allgemeine Erscheinungen begleiten sie nicht; local beobachtete
V. häufig eine bedeutende Hyperästhesie der Wunde und ihrer Um-
gebung, selbst auf ganz geringe Berührungen. Die Granulationen
hatten manchmal ein schmutzig gelbliches Ansehen, oder sie er-
flchienen blutiiberfiiUt^ offenbar in Folge einer Congestion nach der
Wunde. Die Aetiologie dieser Wundneiiralgieen ist ziemlich dunkel.
Sie scheinen am häufigsten in den Theilen vorzukommen, wo
schon aus anderen Ursachen Neuralgieen häufiger sind, so am
Kopf, an der Brust, an der unteren Extremität. Die Art der Ver-
letzung hat keinen Einfluss auf ihre Entwicklung. Die Schmerzen
zeigten sich nach einfachen und complicirten Fracturen, nach Con-
tusionen, Geschwulstexstirpationen, Amputationen u. s. f.
Local konnte nichts als ursächliches Moment aufgefunden wer-
den. Bei beiden Geschlechtem wurde die Affection gleichmässig an-
getroffen; bei Kindern hat man diese Complication noch nicht be-
obachtet. Einige Mal behaupteten die Kranken schon vor der
Verletzung Schmerzen in der Gegend gespürt zu haben. Von allge-
meinen prädisponirenden Ursachen liessen sich nur in wenigen Fällen
Syphilis, Malaria und die (in Frankreich angenommene) rheumatische
Dyscrasie nachweisen.
Die Diagnose erleidet keine grossen Schwierigkeiten und lässt
sich aus den schon citirten Eigenthümlichkeiten bald stellen.
Wenige Dosen Chinin (0,5 — 1) sollen gewöhnlich ausreichen, die
Schmerzen vollständig zum Verschwinden zu bringen.
GIrard (Strassburg).
10*
148 Centralblatt für Chirurgie. No. 10.
Felix V. Winiwarter. Der Widerstand der Ge&sswände im
normalen Zustande und während der Entzündung.
(Aus dem physiologischen Institute der Wiener Universität. Sitzungsberichte der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 1874. B. LXVIII. 3. Abth.)
V. W. stellte seine Versuche am Mesenterium des Frosches an.
Letzteres wurde vorsichtig aus der Bauchwunde hervorgezogen, mehr-
mals mit Cantharidin bepinselt und dann in die Bauchhöhle zurück-
gebracht und die Wunde durch die Naht geschlossen. Am nächsten
Tage wurde das Thier mit einer langsam erstarrenden Leim-Berliner-
blau-Masse injicirt, desgleichen zum Vergleich jedes Mal ein gesundes.
Eine andere Reihe von Versuchen wiurde in der Weise angestellt,
dass die Frosche sich selbst aus einer feinen^ in die vena cava ein-
gesetzten Glasröhre die Injectionsmasse in ihre Gefasse hinein-
pumpten.
Verf. kam zu folgenden Besultaten:
1] Sowohl im normalen, als auch im entzündeten Mesenterium
tritt Injections-Masse durch die Gefässwand, jedoch beim entzüudeten
häufiger und umfangreicher; im normalen Mesenterium des Frosches
wird erst bei einem Druck von 70 Mm. Hg der Austritt der In-
jectionsmasse beobachtet, im entzündeten dagegen schon bei einem
Druck von 25 Mm. Hg, obgleich im entzündeten Gewebe die Blut-
gefässe mit Blutkörperchen vollgestopft sind und dem Eintritt der
Injectionsmasse ein grösserer Widerstand entgegensteht.
2] Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Gefasswandung selbst
durch den Entzündungsprocess eine wesentliche, aber noch unbekannte
Veränderung erleidet (Cohnheim), welche den Austritt von Injec-
tionsmasse und von rothen und weissen Blutkörperchen erleichtert.
(Vergl. auchThiersch^ die feineren anatomischen Veränderungen
nach Verwundung der Weichtheile. Handbuch der allg. Chirurgie
von V. Pitha und Billroth 1. Band 2. Abtheil. p. 550 etc. Ref.).
Tiilmanns (Leipzig).
Demarquay et Colin. De Taction des antiseptiques sur les
organismes inf<6rieurs.
(Qaz. m6d. 1875. No. 3.)
Zu Folge neuerdings angestellter Versuche über die Wirksamkeit
der Antiseptica glaubt D. annehmen zu müssen, dass eine zerstö-
rende Einwirkung der antiseptischen Mittel auf die niedern Organis-
men keineswegs constant sei, beziehungsweise gar nicht existire. Ij.
mischte faulende und von einer Unzahl von Organismen erfüllte,
eiweisshaltige Flüssigkeiten mit bestimmten Quantitäten der zu unter-
suchenden antiseptischen Substanzen. Es machte sich absolut kein
Einfluss auf die Organismen bemerkbar (?R]. In einer zweiten Reihe
von Versuchen setzte D. die betreffende antiseptische Flüssigkeit
schon vor Eintritt der Fäulniss zu; die Entwicklung der Organismen
CentralbUtt für Chirurgie. No. 10. 149
ging mit derselben Intensität vor sich wie unter gewöhnlichen Ver-
hältnissen. Von den verschiedenen angewendeten Stoffen seien die
Carbolsäare^ der Alkohol^ die Eucalyptustinctur, das Tannin und das
Terpentin erwähnt. Nur concentrirte Säuren und Alkalien^ die zu-
gleich die ernährende Flüssigkeit zerstörten, waren von sofortiger
Wirkung begleitet. D. glaubt sonach auch den antiseptischen Yer*
banden eine besondere Wirksamkeit gegenüber den niedern Oiganis-
men absprechen zu können. — Die Colin 'sehen Versuche bezogen
rieh nur auf das Jod. Auch diesem von Davaineals das mächtigste
Antisepticum (namentlich g^en das Milzbrandgift) hingestellten Kör-
per (cf. Centralblatt f. Chir. 1874 No. l) soll diese kräftige Wir-
kung abgehen. Allerdings hat C. seine Controlversuche nur an Ka-
ninchen angestellt und auch das Jod nicht in der von Davaine
empfohlenen Weise, nämlich in fortgesetzter, energischer innerlicher
und äusserer Zuführung, angewendet. Genaueres bleibt weiteren
Untersuchungen vorbehalten. — 0. YoUuBaim (Halle)*.
flayem. De Tinjection des liquides purulents provenant des
malades atteints d'^rysipele.
(Soci^t^ de biologie. S^anoe du 9. Janv. 1875. Gas. mM. 1875. No. 4. p. 50.)
Von einem an Gesichtserysipel und eitriger Meningitis verstor-
benen Kranken entnahm H. eine Quantität Eiter und injicirte sie
einen Tag nach der Obduction unter die Haut eines Meerschwein-
chens. Die Folgen bestanden in einer anfanglichen drcumscripteu
Entzündung der Umgebung der Einstichsstelle, der sich eine An*
Sammlung von Eiter und eine erysipelatöse Entzündung der Haut
anschlössen. Am 5. Tag erschienen Pusteln mit einem serös-eitrigen
von zahlreichen Bacterien erfüllten Inhalt. H. sieht in diesen Er-
scheinungen nichts Abweichendes von den nach Injection andrer
fremdartiger Substanzen auftretenden Entzündungen. Damit stimmen
die zahlreichen von Olli er angestellten Versuche überein, der ein
einziges Mal bei einem Kaninchen die Entstehung eines rothen
Fleckes beobachtete, im übrigen aber nach Injection der verschie-
densten putriden Stoffe an den verschiedensten Versuchsthieren nur
die Bildung von Abscessen, niemals von Erysipelen beobachtete. —
0. Yolkmann (Halle).
Fr. Jakubowits (Nagy-Karoly). Zur Methode der paren-
chymatösen Injectionen. Neue Behandlung der syphilit. Bu-
bonen.
(Wiener med. Prease 1875. No. 3 und 4.)
Ausgehend von der Idee, dass das Jod das stärkste Resolvens
für Drusengebilde sei^ citirt Verf. seine schon 1869 gemachten Er-
fahrungen über parenchym. Jodinjectionen in hypertrophirte Tonsillea.
150 OentndblaU für Clfirurgie. No. 10.
J. hält für die Bedingung eines günstigen Erfolges der Injection das
Auftreten einer mögliehst geringen Beaction; er strebt eine Rückbil-
dung ohne künstliche Entzündung an, blos durch Anregung einer
lebhafteren Besorption. Im Jodkali meint er die geeignetste Injec-
tionsflüssigkeit gefunden zu haben wegen seiner nicht irritirenden
Wirksamkeit, während es in der resorbirenden Wirkung dem Jod
nicht nachsteht. Er wendet immer folgende Lösung an: Jod-
kali, 15 gran; Tinct. jodin. gutt. 5; Aqu. destill, unciam. Er theilt
folg. Krankengeschichten mit: 1) Ein 26jähriger Geistlicher acqui-
rirte ein indurirtes Geschwür an den Genitalien. Temporäre Hei-
lung. 8 Wochen später sehr empfindliche Infiltration der Leisten-
drüsen, die in 4 Tagen zu einem hühnereigrossen Bubo wurden.
Druck und Kälte erfolglos. Die Haut stark geröthet, empfindlich,
die Geschwulst elastisch. J. injicirte nim von obiger Jodkalilösung
eine Pravaz 'sehe Spritze voll, indem er von derselben Einstichstelle
aus mehrere Septa nach verschiedenen Richtungen hin anstach. An
der herausgezogenen Nadel Eiterspuren. Schon an demselben Abende,
obschon Fat. umherging, war die Geschwulst härter und weniger
empfindlich, die Haut weniger gespannt. Den folgenden Tag war
die Geschwulst kleiner, härter, an der Injectionsstelle eingezogen. J.
injicirte nun wieder 1 Spritze voll 6 — 8 Mm. von der ersten Stelle
entfernt, wieder mehre Septa durchstechend. In itägigen Pausen
erhielt Fat. dann noch 2 Injectionen, im Ganzen also 4, worin
1,5 gran Jodkali und 0,5 gran Jodtinct. enthalten war. Nach 8 Tagen
war die Geschwulst haselnussgross und in weiteren 8 Tagen war sie ver-
schwunden. — 2) Ein 23jähriger Oekonom litt seit 5 Wochen an einem
Bubo, der 3 Monate nach einem primären Geschwür entstanden war. Fat.
sehr elend, die Geschwulst hühnereigross, prall ; die Haut blauroth,
nicht faltbar. J. injicirte wie oben, wobei die Kanüle das Gefühl
einer breiig erweichten Marksubstanz vermittelte. Nächsten Tages
die Drüse härter, Stichöffiiung stark eingezogen ; Empfindlichkeit be-
deutend geringer. Tägliche Injectionen, im Granzen 7, innerlich
Eisen und Chinin. Der Bubo war hiemach um's 4fache kleiner ge-
worden; diesen Rest behandelte J. mit hypodermat. Jodkaliinjec-
tionen, da die Geschwulst schon zu hart war. Es blieb eine boh-
nengrosse Induration zurück. Die Besorption hatte tO Injectionen
(3,7 Gran Jodkali) gebraucht. Fr, Stelner (Wien).
O. Hadelong. Die Unterbindung der Arteria carotis externa.
(Arch. f. klinische Ghiruxgie 1874. Bd. XVII. Hft. 4.)
Ein Fall von Aneurysma racemosum des Hinterhauptes^ bei
welehem die doppelseitige Unterbindung der A. carotis extern, vor-
genommen wurde, gab <Ue Veranlassung z\k der folgenden Arbeit. —
Nach einem Bückblick auf die Geschichte der Operation, die von
Centralblatt fUr Chirurgie. No. 10. 151
G. Bushe (t821) , Lizarg« Wallace, Velpeau, ferner von
Wutzer, Maisonneuve, v. Bruns^ Guyon emjtfohlen, von
Manec^ Pirogoff^ Bardeleben dagegen verworfen wurde, giebt
Verf. eine Zusammenstellung von 60 Fällen dieser Unterbindung. —
Es wurde die Carotis auf einer Seite bei 46, auf beiden Seiten bei
7 Personen unterbunden und swar 46 Mal ohne Aufhebung ihrer
Continuität^ 5 Mal wurde sie nach Abernethy's Vorschlag zwi-
schen 2 Ligaturen durchschnitten. In 6 Fällen wurde die ^^Arterie
bei Geschwulstexstirpationen getrennt, 1 Mal war sie zufällig ver-
letzt. In 24 Fällen ist die Ligaturstelle unterhalb des M. biventer
angegeben, in 3 Fällen oberhalb dieses Muskels, in 3 Fällen wurde
die Art. thyreoid. superior, in 1 die Art. lingualis gleichzeitig unter-
bunden; die in allen Fällen benutzten Seidenfäden fielen zwischen
dem 5. — 19. Tage ab. — Die Indicationen zur Operation waren:
11 Mal Krebs, 9 Mal Gefässgeschwülste, 2 Mal Aneurysma traumat.;
3 Mal Gesichtsschmerz; 12 Mal Blutungen; bei Exstirpation von
Geschwülsten wurde 10 Mal prophylaktisch, 11 Mal während der
Operation unterbunden, 2 Mal ist die Indication nicht angegeben.
Das Alter ist in 36 Fällen bekannt und schwankt zwischen 2^2—70
Jahren. Es starben vor Heilung der Ligaturwunde 7 Patienten: 2
an Gehimerkrankung, 3 an Erschöpfung, 2 in Folge von Verletzung
durch Flintenschuss ; 6 weitere Todesfalle standen mit der Ligatur in
keinem Zusammenhang, nur 1 Mal war dieselbe die Ursache des
Todes. — Verf. bespricht dann die Aenderungen des Blut-
stroms im Carotisgebiete, theils wie er sie sich theoretisch denkt,
theils wie sie nach vorliegenden Beobachtungen bei der Unterbindung
vorhanden sind, femer die Schwierigkeiten der Unterbindung beson-
ders bei Arterienanomalieen. — Vergleicht man die Unterbindung mit
der der Art. carotis communis, so ist sie allerdings schwieriger aus«
zufuhren, bietet aber weniger Gefahren für den Patienten sowohl in
Bezug auf Nachblutung, als auf Gehimaffectionen ; Letzteres ist beson-
ders prägnant bei doppelseitiger Unterbindung. — Als Operations-
methode empfiehlt M., den Vorschriften von Guyon zu folgen:
Hautschnitt immittelbar nach Aussen vom Unterkieferwinkel, nahe
dem vorderen Rande des M. stemo-cleido-mastoid., den der Schnitt
1—2 Cm. unter dem oberen Rande der Gart, thyreoid. erreicht. Bei
Vordringen in die Tiefe ist zur Orientirung die Port, horizont. des
N. hypoglossus sehr wichtig, welche die Carotis ext. am Abgange
der Art. lingualis kreuzt; ein wenig unterhalb des Nerven muss die
Arterie entblösst werden. — Nachdem M. noch auf die Beseitigung
der Ligatur-Gefahren durch* die List er 'sehe Methode hingewiesen
und die verschiedenen Indicationen besprochen hat, kommt er zu dem
Scblasssatze, dass die einseitige oder doppelseitige Unter-
bindung der Carot. extern, geeignet ist, Veränderungen
des Blutstromes im Kopfe zu bewirken, welche zur Hei-
lang krankhafter Zustände der Schädeldecken und der
Gesichtsweichtheile dienen können. Die Operation ist
152 Centralblatt für Chirurgie. No. 10.
▼ erhältnissmässig ungefährlich und im gegebenen Falle
der Unterbindung der Carot. communis vorauziehen.
Maas (Breslau).
A. Biva« Della compressione del torace dal lato sano come
mezzo curativo degli essudati pleuritici.
(Rivista clinica di Bologna 1875. No. 1.)
Prof. Concato in Bologna übt folgende Behandlung pleuriti-
scher Exsudate: der Kranke wird auf ein hartes Bett oder ein ge-
polstertes Brett gelagert. Ein Wärter oder irgend eine andere kräf-
tige Person stellt sich an die gesunde Seite des Kranken und übt
mit beiden flach aufgelegten Händen einen kräftigen anhaltenden
Druck auf die gesunde Thoraxseite aus^ indem er sein Körperge-
wicht auf seine Arme überträgt. Bei Frauen muss die Brustdrüse
möglichst geschont werden. Die Compression wird anfanglich durch
5 — 6 Minuten zwei Mal täglich ausgeführt. Man kann sie späterhin
auf 15 und mehr Minuten ausdehnen, wozu aber schon zwei Wärter
nöthig sind, da selbst ein kräftiger Mann die Compression nicht
länger als 10 Minuten wirksam ausführen kann. Durch diese Com-
pression der gesunden Thoraxhälfte beabsichtigt man, die Excur-
sionen derselben zu beschränken^ und dadurch die kranke Lunge
zur Ausdehnung zu nöthigen, wodurch ein Druck auf das Exsudat
ausgeübt^ und dessen Resorption befordert wird. Die Pseudomem-
branen werden gedehnt und der Depression des Thorax entgegen-
gewirkt.
Comprimirt man in der oben angegebenen Weise einen gesunden
Thorax^ welcher z. B. jederseits eine Peripherie von 45 Cm. hat, so
verliert die comprimirte Seite 4 Cm. an Umfang, während die nicht
Gomprimirte deren 3 gewinnt. Aehnlich verhält sich der Durch-
messer von vom nach hinten, während der Seitendurchmesser beider-
seits zunimmt. Aus diesen Daten lässt sich berechnen (die Berech-
nung selbst ist nicht angegeben), dass die comprimirte Thoraxhälfte
ungefähr 480 Ccm. Rauminhalt verliert, während die nicht compri-
mirte 380 Ccm. gewinnt. Die specielle Mittheilung der Fälle ist für
später versprochen. Doch sind die bisher erzielten Resultate überaus
ermunternd. Menwl (Trieat).
?• Walter. Ein Beitrag zur Lehre von der Operation der
Blasenfisteln.
(Dorpater med. Zeitschrift 1874. Bd.V. Hft. 4.)
Verf. beschreibt einen Fall von Hlasen-Uterusfistel, den
er durch Verschluss des äusseren Muttermundes zur Heilung brachte
und von dem er nachträglich noch das pathologisch-anatomische Prä-
parat erhielt^ indem die Kranke längere Zeit nach der Operation an
Centhablatt ffir Chirargie. No. 10. 153
dnem Lungeiileiden starb. Verf. macht darauf aufinaerkfiam^ daes
bisher blos yon Simon ein ähnlicher Fall veröffentlicht sei; livegen
der Seltenheit theile er daher den Fall mit^ um so mehr, als er
etwas anders operirt habe^ als Simon.
Eine 35jälür. Frau^ welche 2 Mal leicht geboren hatte, kam zum
3. Male nieder, wobei das Fruchtwasser früh abgeflossen und die
Geburt sich so verzögert haben soll, dass schliesslich die Anwen-
dung der Zange nöthig war, welche leicht ein todtes Kind ent-
wickelte. Einige Wochen nach der Geburt bemerkte Fat. nun, dass
ihr der Urin stets unwülkührlich ablief und genaue, jetzt angestellte
Untersuchungen zeigten endlich, dass ca. 5 Mm. über dem äusseren
Muttermund in der Medianlinie eine feine, etwa 1 Cm. lange, schlitz-
förmige Oeffnung sich be&nd, durch welche Blase und Cervicalcanal
direct miteinander comnmnicirten. Obgleich es nun möglich war die
Fistel so weit blosszulegen , dass sie direct hätte operirt werden
können, so unterliess es Verf. doch aus Furcht, bei der Anfrischung
der Ränder das Peritoneum verletzen zu können ; er entschloss sich
daher zur Verschliessung des Muttermundes unterhalb der Fistel. —
Nachdem Fat. in die Steissrückenlage gebracht und mit dem Simon'-
schen Instrumentenapparat das Operationsfeld blossgelegt war, spal-
tete Verf. zuerst (ohne den Muttermund herabzuziehen] die portio
vag. nach rechts und links, frischte drauf die hintere Muttermunds-
lippe 1 Cm. breit an; die vordere Lippe musste in der Mitte wegen
des tiefen Herabreichens der Fistel schmäler angefrischt werden.
Nach Stillung der massigen Blutung mit Eiswasser wurde eine ein-
fache Nath angelegt und zwar so, »dass immer von innen nach
aussen genäht und dass jede Nadel immer hart unter dem oberen
Wundrande hinein und etwa 6—8 Mm. vom unteren Wundrande ent-
fernt ausgestochen wurde.« Nur einzelne Nähte wurden näher zur
Wunde gelegt, um ein Einschlagen der Ränder zu verhüten. Auf
jeder Seite wurden 4 Nähte angelegt und sogleich geknüpft; in
der Mitte der Wunde wurde schliesslich noch eine 9. Naht angelegt.
— Ein permanenter Katheter wurde nicht angelegt, sondern nach
der Operation der Urin nur alle 2 Stunden abgelassen. Vom 2. Tage
an urinirte Fat. selbst; vom 3. Tage an war der Urin 3 Tage lang
blutig gefärbt (vielleicht Menstruation, die seit dem letzten Wochen-
bett noch nicht wieder eingetreten war). Vom 6. bis zum 9. Tage
wurden alle Nähte entfernt und es zeigte sich nun, dass die Wunde
vollständig geheilt^ der Muttermund verschlossen war.
Fat. blieb nun gesund und menstruirte regelmässig durch die
Blase, bis sie endlich 14 Monate nach der Operation, wahrscheinlich
einem Empyem verbunden mit Tuberkulose, erlag. Eine vollständige
Section konnte nicht gemacht werden, dagegen gelang es dem Verf.
wenigstens die Genitaloigane aus der Leiche zu acquiriren. Die Un-
tersuchung derselben zeigte nun, dass: t) der Narbenverschluss am
Muttermunde ein vollständiger war. 2) Die vor der Operation schlitz-
förmige Fistel war jetzt eirund, erbsengross und hatte dicke, ganz
154 Centralblatt fAr Chirurgie. No. 10.
überhäutete Baader. 3) Die Uterinhöhle war gänzlich intact; nicht
im geringsten ausgedehnt; die Schleimhaut ganz gesund. 4) Der
obere Rand der Fistel reichte so nahe an das Peritoneum heran, dass
bei der Anfrischung der Bänder eine Verletzung des Peritoneums
ganz unvermeidlich gewesen wäre ; und Verf , meint in Folge dessen^
dass bei jeder Blasen-.Gebärmutterfistel Verschluss des äusseren Mut-
termundes die einzig zulässige Operation sei.
▲• Bldder (Mannheim).
M. Schede. Ueber Gelenkdrainage.
(Arch. f. kliniBche Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 4.)
S. theilt die folgenden Fälle mit^ welche zeigen, wie gute
Resultate die unter dem Lister'schen Verbände ausge-
führte Drainage acut vereiterter Gelenke ergiebt.
Der erste Fall betraf einen Knaben, der ausser an einer Reihe
anderer schwerer Verletzungen^ an einem complicirten Split-
terbruch der rechten Patella litt. Während der Wundverlauf
unter dem Lister 'sehen Verbände zuerst ein günstiger war, trat
später eine Retention des Secretes im Kniegelenke mit hohem Fieber
ein. — Das Durchlegen von 3 Drainageröhren durch das
Gelenk beseitigte die Gefahr. Obgleich im Ganzen über 2
Dritttheile der Patella nekrotisch wurden, regenerirte sie sich voll-
ständig; das Gelenk blieb beweglich: es konnte vollkommen ge-
streckt und bis zum rechten Winkel gebeugt werden. — Indem zwei-
ten Falle wurde eine Ostitis am Fibulaköpfchen die Ursache
einer eitrigen Kniegelenksentzündung bei einem 9jährigen
Knaben. Die Drainage bewirkte baldigen Temperaturabfall und
Heilung mit nur verminderter, nicht aufgehobener Beweglichkeit. —
In einem folgenden Falle entstand die eitrige Kniegelenks-
entzündung nach Extraction eines Sequesters. — Die
Drainage bewirkte Temperaturabfall und Aufhören der Schmerzen.
Der Pat. ist noch in Behandlung. — Viertens entstand eine
eitrige Kniegelenksentzündung 7 Tage nach Excision
eines freien Gelenkkörpers. •— Alle bedrohlichen Erschei-
nungen verschwanden, als durch die sich spontan öffnende Incisions-
wunde ein Drainagerohr gelegt wurde. Die Heilung erfolgte mit
vollkommen beweglichem Gelenke. — In einem 5. Falle ent-
stand die Vereiterung des Kniegelenks nach einem Ery-
sipel, welches seinen Ursprung von Blasen, entstanden durch Jod-
tinctur, genommen hatte. — Pat. ging an der durch eine später
noch hinzutretende Verjauchung des Fussgelenks bedingten Ober-
schenkelamputation zu Grunde. Die Seotion zeigte das drainirte
Kniegelenk in Heilung. — Die Versuche, ebenso auch schwere
chronische Gelenkeiterungen zu behandeln, stellten bei vier
schweren Fällen von Tumor albus des Knies zwar die Unschädlich-
keit der Drainage ausser Zweifel, doch erlagen gleichwohl 3 Pattenten
Centralblatt fflr Chirurgie. No. 10. 155
ihren Leideu. Dagegen waren die Besultate bei fungösen Erkran-
kungen des Ellenbogen-, Hand- und Fussgelenkes , bei denen der
Drainage das Ausschaben der Gelenke und Ausspülen mit einer Syü
Chlorzinklösong vorausgeschickt wurde, sehr günstig. — So weit die
Patienten nicht an allgemeiner Tuberkulose zu Grunde gingen, er-
folgte Heilung mit beweglichem Gelenke. — • Maas (Breslau).
O. Berger (Breslau). Zur (Kasuistik der 'Gelenkneuralgieen.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1674. No. 49.)
Nachdem Verf. bereits früher (Berl. klin. Wochenschrift 1873.
No. 22 — 24) über 7 Falle von Gelenkneurosen berichtet hat, giebt er
in der vorli^enden Mittheilung einen Bericht über 6 weitere Fälle
und theilt seine therapeutischen Erfahrungen mit. B. betont die
Angaben Brodie's und Esmarch's bezüglich der weitaus grösseren
Häufigkeit dieses Leidens, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt
und hebt hervor, dass die Arthro-Neuralgieen mit allen ihren klini-
schen Einzelheiten sich streng an die Symptomatologie der gewöhn-
lichen Neuralgieen anschliessen. Nur bei hysterischen Frauenzimmern
erhalten dieselben ein für Hysterie charakteristisches Gepräge : der
Verlauf wird sehr wechselnd und von der augenblicklichen Gemüths-
stimmung wesentlich beeinflusst.
Unter den 6 beobachteten Fällen befanden sich nur 2 hysterische
Damen aus den gebildeten Ständen, in einem Falle war die Hysterie
zweifelhaft, während die 3 übrigen Patienten (2 Männer und 1 Frau)
in jeder Beziehung vollkommen gesund waren. Von den 13 Fällen
von Gelenkueuralgieen boten also 6 Patienten keine sonstigen neu-
ropathischen Störungen dar und B. tritt deshalb der Auffassung ent-
gegen , als ob es nur hysterische Gelenkneurosen gebe ; er
ist der Ansicht, dass manche Fälle von monarticulärem chron. Ge-
lenk-Rheumatismus bei eingehender Untersuchung sich als Ge-
lenk-Neuralgieen herausstellen dürften. — Was die Therapie betrifft,
so erzielte Verf. in 2 Fällen von Kniegelenk-Neuralgieen durch den
Gebrauch energischer kalter Abreibungen zwar langsame aber doch voll-
ständige Heilung, in dem einen Falle unter gleichzeitiger Darrei-
chung von ferrum. Bei einer an Hystero-Epilepsie leidenden Patientin
wurde durch Galvanisation des Hand -Gelenks entschiedene Besse-
rung erzielt, während in den 3 übrigen ausführlich mitgetheilten Fällen
eine auffallend rasche Heilung nach Anwendung der Electricität
eintrat. Tlllmaims (Leipzig).
Karoaiio« Sur les ulceres des jambes entretenus par une
affection du coeur.
(PtogrhB m^dicol 1S75. No. 3.)
Verf. ist unzufrieden mit der jetzt angenommenen Klassifica-
tkm der Beingesohwüje ^ indem man viele, die auf einer entfernten
156 Centralblatt.far Chirurgie. No. 10.
Ursache beruhen, als ulcera simplicia bezeichnet. Durch das Stu-
dium der Aetiologie der Beingeschwüre hat er die XJeberzeugung ge-
wonnen, dass viele sogenannte ulcera simpUcia ihren Grund in einer
Circulationsstörung und zwar in einer Erkrankung des Centralorgans
haben. 2 Fälle, bei denen die Section gemacht, werden mitgetheilt.
1) Colossales, in 7 Monaten entstandenes Beingeschwür bei einem
51jährigen kräftigen Manne. Die Symptome eines Herzleidens gingen
dem Anfange des Geschwürs 4 Monate vorauf. — Sectionsbe-
fand : Excentrische Herzhypertrophie. Insufficienz der valvul. mitral
el; aort. Frische EndocarcUtis valvularis. — 2. Becidivirende Beinge-
schwüre an beiden Unterschenkeln bei einem 7 Ijähr. robusten Manne.
Vor dem Erscheinen der Geschwüre traten Symptome einer Herz-
affection auf. — Sectionsbefund : Dilatation der sinus aort. , Stenose
der verdickten valvul. mitral. — M. ist zu folgenden Resultaten ge-
kommen: 1) Herzaffectionen disponiren zu Beingeschwüren, können
sie auch hervorrufen. — 2) Die Geschwüre, welche man cardio-
pathische nennen könnte, sind ziemlich häufig. — 3) Die Herzaffec-
tionen scheinen ihre ätiologische Rolle nur mittelst des permanenten
Oedems der Unterschenkel zu spielen. Petersen (Kiel).
W. Henke. Kritisches über Klumpfuss und Plattfuss.
Offener Brief an C. Hu et er.
(Prager Vierteljahrschrift f. d. pr. HeUk. 125. Bd.)
H. wendet sich neuerdings gegen die Ansicht Hueters, dass
bei Plattfuss der Talus wesentlich deformirt sei, er findet viel-
mehr, dass die beschriebenen Formveränderungen nicht in Wachs-
thumsanomalieen begründet seien, sondern in der permanenten Plan-
tarflexion des Talus im Sprunggelenke bei der genannten Affection.
Dadurch bleibe der vordere Theil der Talusrolle beständig ausser
.Contact mit der Tibia. Die scheinbare Yergrösserung des Talus-
kopfes rühre daher, dass das Os naviculare am Talus so in die Höhe
rücke, dass dasselbe mit dem unteren Theile seiner Gelenkfläche am
oberen Theile der ursprünglichen Gelenkfläche des Talus articulire,
mit dem oberen Theile seiner Gelenkfläche aber an dem vorderen
äusseren Bande der Talusrolle, welche Partie sonst bei der Dorsal-
flexion mit der Tibia articulirte. Beim Vergleiche eines normalen
Sprungbeines mit einem von einem Plattfusse findet H. also den
Hauptunterschied in der Verschiebung der Gelenkflächen bei
dem letzteren.
Aehnlich fasst H. die Formveränderungen des Talus beim Klump-
fuss auf; der Talus ist stark plantarflectirt, ein grosser Theil seiner
Bolle sieht dauernd nach vom und hat seinen Knorpelüberzug verloren,
dabei ist die Kapselinsertion durch die Verödung dieses Theiles des
Gelenkes auf die Bolle selbst nach oben gerückt; betrachtet man die
Centnlblatt für Chirurgie. No. 10. 157
Kapselinsertion als einen fixen Puncto so erklärt sich der Irrthum,
dass ein Theil der Rolle zu dem vermeintlich veigrösserten Halse
des Talus gerechnet wird. Die Gelenkverbindung zwischen Talus
und Kahnbein ist nach innen und oben gerückt. Die Wachsthums-
Veränderungen des Talus beim Klumpfuss wären somit nicht so be-
deutend, als Hueter sie darzustellen sucht, und nicht als das Pri-
märe aufzufassen, sondern als Folgen der veränderten Druckverhält-
nisse. Gersmij (Wien).
Kleinere Mittheilungen.
Fiedler. Ueber den Missbrauch subcutaner Morphiuminjectionen.
(Deutache ZeiUchrift für praktische Medioin 1874. No. 27 und 28.)
F. warnt vor der oft aUsu freigebigen fortgesetiten Anwendung subcutaner
Hoipbiuminjectionen und macht besonders auf die Gefahren aufmerksam , welche
entstehen, wenn die Application des Mittels der Willkür des Kranken oder seiner
Angehörigen überlassen wird. —
Abgesehen von den sonstigen bekannten, mehr oder minder unbedeutenden
Nachtheilen beobachtete F. nach fortgesetxten und h&ufig wiederholten Morphium-
injectionen beträchtliche Alterationen in den Nerven- und Gehimfunctionen und
in den extremsten Fällen Formen von Psychosen, welche mit den Erscheinungen
der Cerebralparalyse su vergleichen sind. Zustände psychischer Depression wech-
selten ab mit maniakalischen Erscheinungen. In einzelnen Fällen trat eine spe-
cifische Morphiumpsychose auf, welche sich von der gewöhnlichen Cerebralparalyse
nur dadurch unterscheidet, dass eine Heilung resp. Besserung erzielt werden kann,
sobald der Morphiummissbrauch aufhört. —
Zur Dlustration des Gesagten theilt Verf. 5 Fälle mit (s. Original).
Tillmaiins (Leipzig).
Lewin. lieber Morphiumintoxicationen.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1874. No. 28.)
li. betont die bekannte Erscheinung der primären Steigerung und allmälig
erfolgenden Depression der Herzthätigkeit durch Morphium. Diese Thatsache
findet ihr Analogen in der Wirkung des Morphium auf die Nervensubstanz; ein auf
keinen Metallreiz mehr reagirender Nerv macht z. B. die lebhaftesten Zuckungen,
sobald er mit Morphium in Berührung kommt und stirbt für immer ab, wenn
die Zuckungen nach kurzer Zeit aufhören (Humboldt). Aus dieser directen Ein-
wirkung [des Morphium auf die nervösen Centren folgen natürlich secundär die
bekannten Reizerscheinungen (unregelmässige Wärmeregulirung , gestörte Moti-
lität, Alteration der sensibeln und geistigen Sphäre etc.). — Verf. theilt einen
Fall von Morphiumintoxication mit, der in exquisitester Weise diese Symptome
darbot (s. Original). TlUnuiiing (Leipzig).
B. Lysakowsky, Ueber einen Fall von puerperaler Pyämie aus un-
gewöhnlicher Ursache.
Inaug.-Diss. Halle. 1874.
Verf. beschreibt einen selbstbeobachteten Fall von wohlausgebildeter metasta-
tischer Pyämie im Wochenbett (Schüttelfröste, multiple Gelenkentzündungen, Pleuri-
tis, Icterus, dabei keine Affection des Bauchfells), welche, wie die Section ergab,
von thromboairten Varicen der Vagina ihren Ausgang genommen hatte. Patientin
hatte kurz vor der Entbindung eine starke Blutung gehabt, die auf frühzeitige
Lösung der Plaoenta bezogen, wahrscheinlich in einem Platzen der sehr voluminö-
sen Aderknoten ihren Grund gehabt hatte. Beim Geburtsact, vielleicht schon
158 Oentralblatt för CKinitgie. No. 10.
▼orher, hatte von hier aus eine Ihfection stattgefunden. Alle übrigen, sonst bei
puerperaler Pyämie betheiligten Venen wurden von Thromben frei gefunden.
A. Genzmer (Halle).
L. Albani. Un caso di afasia traumatica.
(Lo Sperimentale 1875. Fase, l^.)
Ein 20jähr. Mann stiess in der Nacht, vielleicht von einem Traume aufge-
schreckt, plötzlich den Kopf mit grosser Gewalt gegen die nebenliegende Wand,
so dass er vollkommen regungslos am Boden liegen blieb. In der linken Schläfen-
Seitenwandbeingegend fand sich eine starke Blutbeule. Eine Schftdelfractur wurde
nicht gefunden. In den ersten Tagen Sopor, darauf Symptome von Himreixung.
Am 12. Krankheitstage zeigte sich eine rechtsseitige Hemiplegie, welche dauernd
blieb. Am 13. Tage war das Bewusstsein schon hergestellt^ aber der Mann konnte
keine andern Worte hervorbringen als buono und core. Und bei diesem Zustand
verblieb es, trotz Anwendung der mannigfaltigsten Mittel. Menzel (Triest)..
Ck>at8. Note on the localisation of the function of language.
(Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 30. p. 113.)
Bei einem in der Glasgow royal infirmary im Octofoer vergangenen Jahres ver-
storbenen 14jähr. Knaben fand sich eine 3^2 ^U lange Eitersammlung in den
Hirnhäuten der Basisgegend, direct an der Syl vi 'sehen Furche, links. Obwohl
die Hirnsubstanz nicht direct betheiligt war, waren doch die letzten linken Stirn-
windungen nach vom gedrängt. Im Uebrigen acute Meningitis, ein kleiner Abscess
im rechten Temporallappen , ausgehend von einer rechtsseitigen Caries des Ohres.
Die 3 letzten Tage vor dem Tode beständige Aufregung und Schwatzen, welche
Symptome auf die Reizung der Broca 'sehen Windung zurückgeführt werden.
Bank« (HaUe).
V, Urbantschitsch. Ein Fall von anomaler Secretion der Drüsen des
harten Gaumens infolge medieamentöser Hebandlung der Nasenhöhle.
(Wiener med. Presse 1875. No, 4.)
Verf. hebt hervor, wie es ja bekannt sei, dass katarrhalische Processe im
Nasopharyngealraume häufig auf die Ohrtrompete übertreten und Schwerhörigkeit
erzeugen, und dass der Erfolg der Behandlung des Ohrenleidens oft von gleich-
zeitig bestehenden Leiden im Nasopharyngealraume abh&nge.
Die Patientin des Verf.'s, 30 Jahr alt, litt an chron. Coryza und chron. Katarrh
des Mittelohres. Der Katheterismus der' Ohrtrompete war so schmerzhaft, dass U.
vorl&ufig nur den Nasenrachenkatarrh behandelte. Einblasungen von Alaunpulver
und Bepinselungen der Nasenhöhle mit Lapislösung besserten den Zustand nach
mehreren Wochen. Bei den fortgesetzten Lapispinselungen aber trat nun nach
jeder solchen oberhalb der Schneidezähne des Oberkiefers erst ein Druckgefuhl,
dann heftiger Schmerz in beiden Sinus mazillar. auf, der über sämmtliche Zähne
des Ober- und Unterkiefers ausstrahlte. Starker seröser Ausfluss aus der Naae
durch 8 Stunden. Am nächsten Morgen nach der Pinselung ein widerwärtiger Ge-
schmack im Munde und an den oberen Schneidezähnen zeigte sich ein brauner
Belag, der vom unteren Drittel der vorderen Seite über deren hintere Fläche und
weiter bis zur Mitte des Gaumens sich ausbreitete.
Diese Symptome (auch der braune Belag) wurden nun durch jede medicamen-
tose Behandlung hervorgerufen, gleichviel ob Lapis oder Alumen oder Tannin, in
Solution oder in Substanz, angewendet ward. Der Belag zeigte sich nur an jenen
Zähnen, an denen nach dem Pinseln das Druck gefühl erschienen war und endete
stets mit einem scharfen Rande an denselben. Grosse Empfindlichkeit der 4 oberen
Schneidezähne beim Essen. Zahnarzt Delling er fand die Zähne intact, nur
wurde eine auffällige Weite der Ausführungsgänge einiger Drüsen in der Mitte des
harten Gaumens, entsprechend der Stelle, bis wohin der Belag reichte, constatirt.
Nach dem Aussetzen der medicamentösen Behandlung hielt diese secretorisehe
Störung noch kurze Zeit an, in Intervallen wiederkehrend, um endlich ganz zu
schwinden. Fr« Stetner (Wien).
Centralblatt für Chinifgie. No. 10. 159
Heinse. Laryngoscopisches.
[Arch. d. Heilkunde 1875. XYI. Jahrg. Hft. 1. p. 65--79, nebst einer Tafel.)
Verf. besohreibt eine Anzahl interessanter laryngoscopiaoher Beobachtungen:
I. Beseitigung eines fibrösen Polypen des rechten Stimmbandes mit der
▼. Bruns 'sehen Quetschschünge. Nach Verlauf beinahe eines Jahres kein Recidiv.
n. Affection der linken Larynxhilfte im Verlaufe Ton Lue». Der Rest des
aersttoten linken Taschenbandes legte sich auf das Stimmband und wurde durch
eine Operation entfernt Die gleichzeitig vorhandene Parese des Stimmbandes tmd
die Aplionie, gegen welche Electricität vergeblich angewendet worden war, wurde
auch dadurch nicht gebessert.
III. Es gelang Verf. in einem Falle, zahlreiche zum Theil unter dem rechten
Siimmbande sitzende Papillome mittelst der Kehlkopf^ineette in mehreren Sitzun-
gen, wenn auch mühsam, so doch vollstAndig zu entfernen.
Endlich wird ein Fall von i»doppel8eitigQr Paralyse der Mm. crico-arytaenoidei
postic» kurz beschrieben. k» Bidder (Mannheim).
IColliere. Observations de tumeurs rares de la langue.
(Progres m^dical 1875. No. 1.)
I. Nussgrosse Hydatidencyste am rechten Zungenrand. Einige Tage nachdem
der 24jähr. Pat. die damals erbsengrosse Geschwulst bemerkt hatte, trat eine hef-
tige Glossitis auf, die 14 Tage dauerte. Nach abgelaufener EntiQndung rasches
Wachsen der Cyste. — Ezcision. Feste Adhäsionen zwischen der Cyste und der
Muskulatur wie der art. ranin. — Verf. meint, der Parasit sei während der Mastica-
tion in die Zunge gedrungen und die entzandlichen Erscheinungen mflssten auf
die Gegenwart des fremden Körpers bezogen werden. Er empfiehlt bei Zungen-
operationen Metallsuturen damit die Patienten der hervorragenden Spitzen wegen
instinctiv die Zunge ruhig halten.
n. Bohnengrosses Lipom am linken Zungenrand bei einem 60jähr. kräftigen
Greise. Verf. liess ein Loch in ein Kartenblatt machen, die Zunge hindurch-
stecken, diese durch einen Assistenten festhalten und entfernte dann den Tumor
mit der rothglähenden Guersant 'sehen Hämorrhoidalzange, welche Operations-
methode M. sehr empfiehlt. An der Zungenbasis befanden sich noch mehrere ana-
loge Tumoren, die nicht entfernt wurden. ^ In beiden Fällen trat bald Heilung ein.
Petersen (Kiel).
Peltiar. Note sur la glossite k frigore.
(Plrogr^s m^dical 1875. No. 2.)
Verf. berichtet ausser über den in der Gazette des höpitaux vom 10. Oct. 1874
bereits mitgetheilten Ball'schen Fall von Erkältungs- Glossitis aber eine eigene
ähnliche Beobachtung. Der Fall zeichnet sich aus durch rapide Entwicklung,
schwere Symptome, rapide Abnahme der Entzündung. Anfang der Entzündung in
der Nacht, am Mittag h<^chst bedrohliche Symptome, drei Blutegel seitwärts vom
Frenulum, am Abend bedeutende Besserung, am folgenden Tage starke Abnahme
der Geschwulst, am 3. Tage war jegliche Schwellung verschwunden.
Petenen (Kiel).
Ifinnich. Ruptura diaphragmatis mit Bildung einer Hemia dia-
phragmatica.
(Wiener med. Presse 1875. No. 2.)
Ein 35jähriger Schieferdecker fiel zwei Stock hoch herab. Er blieb bewusstlos
liegen und blutete etwas aus dem Munde. Auch nach mehreren Stunden, im Spi-
tale, war Pat. noch somnolent. Befragt, klagte er über Schwindel und Schmerzen
im Unterleibe, Kurzathmigkeit. Das rechte Auge geschlossen, oberes Lid und die
rechte Wange blutunterlaufen ; die linke Thoraxhäffte vorgewölbt, das Herz median
verschoben. Links von der 3. Rippe nach abwärts tympanitischer Schall, an den
abhängigen Stellen gedämpft; daselbst kein Respirationsgeräusch vernehmbar. Tem-
peratur nicht erhöht.
160 Gentralblatt für Chimrgie. No. 10.
Diese Symptome nahmen an Schwere immer zu ; Stuhl bald diarrhoiaoh, bald
angehalten. Völliger Appetitmangel. Nach 14 Tagen ezitus lethalis unter den
Symptomen eines rechtsseitigen Lungenödems. Die Section zeigte: eine ausge-
dehnte Fissur an der Sch&delbasis ; in der vorderen Schftdelgrube ein filuterguss
unter der Dura mater. Der rechte Jochbogen und Unterkiefer gebrochen. Bei
Eröffnung der Brusthöhle entwich Gas aus dem linken Pleurasäcke; das KeT%
nach rechts hin verdrängt, das Diaphragma nach dem Abdomen zu vorgewölbt. In
der linken Brusthöhle lag der ausgedehnte Magen und das Colon transvers. mit
dem zusammengeballten Netze, dahinter eine etwa 1 Fuss lange Dünndannschlinge.
Die Eingeweide waren durch ein abnormes Loch mit zackig gerissenen R&ndenii
welches links vom foramen oesophag. noch im sehnigen Theile des Diaphragma
sich befand, in die Brusthöhle getreten. Die linke Lunge lag als platter, luft-
leerer Kuchen an die Wirbelsäule angedrQckt. Im Thoraxraume etwa 2 Pfunde
röthlichen Serum's. Oedem der rechten Lunge. Fr. Steiner (Wien).
Uiimioh. Symmetrische Gangrän sämmtlicher Finger bei Phthisis
pulmonum.
(Wiener med. Presse 1875. No. 1.)
Ein tuberkulöser, dSjährig. Buchdrucker, der angestrengt arbeitete, bekam
eines Abends spontan eine starke Anschwellung und Schmerzhaftigkeit der Finger ;
an den Handrücken bildeten sich Bläschen. Am nächsten Morgen sollen (Sese
Erscheinungen verschwunden sein, bis Mittags bei der Arbeit plötzlich sämmtliche
Finger dunkelroth, dann bläulich, endlich schwarz wurden. Das Tastgefühl
schwand, die schmerzhaften Finger verloren ihre Beweglichkeit.
Bei der Aufnahme des Fat. im Spitale wurde ausgebreitete Lungeninfiltration,
Cavernenbildung , Auftreibung und Empfindlichkeit des Unterleibes bei Druck
nachgewiesen. Die Finger beider Häude krallenförmig gebeugt, die Haut dar-
über geschrumpft, blauschwarz, trocken, glänzend, die daran stossende Haut ge-
schwellt, roth und schmerzhaft, üeber der linken Kniescheibe eine thalergrosse,
blauschwarze Hautpartie. Puls beschleunigt; viel Auswurf.
Nach 14 Tagen erfolgte exit. lethalis. Die Section erwies: Verwachsung
beider Lungen mit der Costalpleura ; ausgebreitete tuberc. Infiltration beider
Lungen, mehrere Cavernen ; das Herzfleisch blass ; die Inthna der Aorta stellenweise
getrübt ; das Peritoneum voll Tuberkelknötchen ; die artt. radial, und ulnar, und
deren Verzweigungen an beiden Armen rigid, ihre Intima getrübt und mit zahl-
reichen Kalkplättchen bedeckt. Auch in den Art. brach, und crural. Trübung
der Intima. ^ Fr« Stelner (Wien).
Wood. New {? Ref.) Operation for the eure of hypospadiasis.
(Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 30. p. 114.)
Anonymer, nicht von W. herrührender, durchaus ungenügender Bericht aus
dem King's coUege hospital.
Das in der Regel vorhandene Präputium wird dorsal, nahe seinem Anhef-
tungspuncte am Penis durchstochen, die Oeffnung quer so weit erweitert, daas die
Glans durch dieselbe hindurchgesteckt werden kann. Sodann wird ein Lappen
von der Unterfläche des Penis, resp. vom vorderen Theile des Scrotum freiprä-
parirt, und nach vorn gebracht (wie?) und an die Wundfläche des Präputium mit
Silbersuturen angenäht. 3 bis 4 Tage lang wird ein permanenter Katheter eingelegt.
2 vom Berichterstatter gesehene Fälle hatten ein günstiges Resultat geliefert.
Bänke (Halle).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TiUmaimMf Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagsbandlang,
BreUkopf und Härtelj einsenden.
Drack und Verlag von Breitkopf oad Hirtel in L«iptig.
Gentralblatt
fllr
CHIRURGIE
herausgegeben
Ton
Dr. L Lim, Dr. I. Sdieile, Df . E TillMniis
in Berlin. in Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
H^ U. Sonnabend, den 13. Mftrz. 1875.
büiatt: Rosar, Was bedeutet das Fehlen der Himbewegung bei blosUegender Dura?
rOriginal-Mlttheilnng). — KoChi Ueber das Schwinden der Sensibilität In der Nsroose.
(OrigiDal-Mittheilung). —
BrailMy Topographiseh-anatoDilscher Atlas. — Kaposi, Ueber den gegenwartigen Stand
der Lehre von der ätiologischen Beziehung kleinster Organismen zu den Infectionskraiik-
heiten. — MonCOq, Transfusion. — KQstsr, Directe arterielle Tbierblut-Transfusion. —
FocMsr, Entleerang der Harnblase durch Aspiration. — Heydsr, Antiseptiscbe Behandlung
der Biastitis.
Brytat, Sydney-JantSy Mc. Cormac, Aneurysmen. — Sawasiitzky, Kostar<v, StHka-
wenkoff, Tracheotomle. — Pollitzer^ Ueber die der Dentition zugeschriebenen Krank-
heiten. — SzeparowiCZ, Neuralgie des nerv, inftramaxillaris. — firsen, Behandlung der
Hydroceie. — CauslnS, Fall von Lebercyste. — Ullsrspsrger, Anwendung der Electrlci-
tät bei Geisteskrankheiten.
Was bedeutet das Fehlen der Himbewegung bei bios-
liegender Dura?
Von
W. Böser in Marburg.
In einer Abhandlung über Trepanation (Archiv d. Heilkunde 1866)
hatte ich die Yermuthung ausgesprochen^ dass dieses Fehlen der Hirn-
bewegung von örtlicher Anämie des entsprechenden Himtheils^
wenn derselbe durch ein Extravasat oder Exsudat comprimirt wird^
abzuleiten sein möchte. Die Section hatte mir in zwei Fällen dieser
Art ein umschriebenes, abscessartiges Exsudat an der betreffenden
Stelle des Arachnoidealraumes ergeben.
Einige neuere klinische Erfahrungen drängen mich zu einer an-
dern Ansicht. Es ist, glaube ich; beim Fehlen der Himbewegung
n
A I
162 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 11.
eine örtliche VerwachBung der Arachnoidea anzunehmen;
diese Verwachsung ist es, welche das Auf- und Absteigen des Ilims
hemmt.
Bis jetzt ist das Fehlen der Himbewegung von den chiruigischen
Kliuikem nicht genug in Betracht gezogen worden. Es mag hundert
Mal vorgekommen sein^ dass die Himbewegungen fehlten^ aber man
mag wohl immer nicht darauf geachtet haben. So mag es auch mir
selbst in früherer Zeit gegangen sein. In der Literatur finde ich nur
einen einzigen Fall erwähnt, wo das Fehlen der Himbewegung ganz
bestimmt beobachtet wurde; der Fall ist von Guthrie (Commentaries,
ed. y. p. 354) und die Erzählung enthält nur die kurze Mittheilung,
dass nach einem Einschnitt in die Dura eine bemerkenswerthe Menge
von Eiter herausgekommen^ dass das Ausfliessen des Eiters eine Zeit
lang täglich befordert und dass schliesslich die Heilung erreicht wor-
den sei.
Es wäre sehr zu wünschen, dass dieser für die Chirurgie höchst
wichtige Gegenstand zu völliger Klarheit gebracht würde. Ich möchte
gern diese Frage weiter bearbeiten und ich richte deshalb die Bitte
an die geehrten Fachgenossen, dass sie die etwa vorgekommenen
Wahrnehmungen über fehlende Hirnbewegung veröffentUchen möchten.
Marburg, 28. Febr. 1875.
üeber das Schwinden der Sensibilität in der Narkose.
Von
WUh« Koeh in Berlin.
So weit meine Ermittelungen reichen, ist schon im ersten Jahre
der (/hloroformanwendung der Satz aufgestellt worden, dass innerhalb
der nervösen Apparate, welche eine einzige, einheitliche physiologische
Verrichtung haben, die Anästhesie nicht gleichseitig in allen Theilen,
sondern successive in dem einen früher, in dem anderen später, und
zwar in einer ganz bestimmten Reihenfolge auftritt. Speciell herrschte
das Bestreben nachzuweisen, dass die Lähmungserscheinungen in der
sensiblen und motorischen Sphäre zuerst immer an der unteren (hin-
teren] Extremität sich zeigen und von da aus centralwärts in der
Weise vorschreiten, dass der Bauch und Rücken, dann die Brust,
der Hals u. s. w., zuletzt der Kopf befallen wird.
Man findet diese Lehre in ihrer ganzen Schärfe bereits bei Simonin
entwickelt (De l'emploi de l'dther sulfurique et du chloroforme. Paris
1848 — 49), am ausfiihrlichsten bei Claude Bernard besprochen.
(Siehe dessen Ijc^ons sur les effets des substances toxiques et mMica^
menteuses 1857, p. 235, 330 und 425. Femer dessen Le^ons sur la
Physiologie et la pathologie du Systeme nerveux. 1858, Vol. I, p. 90.
Endlich die Le^ons sur les an^sth^siques. 1857, p. 135 und 140.)
Centralblatt für Chirurgie. No. 11. 163
Der ftaumersparniss w^en citire ich nur die folgende Stelle :
»Wenn das Nervensystem unter einem^ seine Function vemichtendeu
Einfluss steht, so »eigen sich die Lähmungserscheinungen zuerst an
der hinteren Extremität. Dann sterben die Nerven successive im Auf-
steigen ab. Der Quintus behält am längsten seine Eigenthümlich-
keiten und in seinem Gebiete bleibt das Auge das letzte empfindende
Organ. Die Bewegungen verschwinden in derselben Reihenfolge«.
Liebreich findet (Verhandlungen der Berl. med. Gesellschaft
Bd. V, p. 20] y dass für Operationen am Kopf besser und sicherer als
Chloroform und Aether die Narcotica der zweifach gechlorten Reihe
sind (z. R. das Bichloride of Methylene). Bei ihnen beginnt die
Narkose am Kopf und der übrige Körper wird erst anästhetisch^ wenn
sie hier eine Zeit lang verweilt hat. Auch das Aethylidenchlorid
giebt eine Narkose, wie sie für Operationen am Kopf nicht besser
sein kann. Es tritt Anästhesie am Kopf ein, während der Muskel-
tonus noch besteht.
Die Erklärungsversuche dieser auffalligen Thatsache sind nirgends
in befriedigender Weise gegeben worden. Da man bis vor Kurzem
nicht genau wusste, ob die Anästhetica allein die sensiblen Nerven
oder deren Ganglien angreifen, sprechen die Autoren, und nament-
lich gilt dies auch von Claude Bernard, theils von einem ord-
nnngsmässigen Absterben der sensiblen Endigungen, theils der Stämme,
theils der im Rückenmark und Hirn belegenen Centren, immer aber
mit der Betonung, dass dieses Absterben genau in der Richtung von
den Extremitäten zum Kopfe hin eingeleitet werde. (Die Li eh-
re ich 'sehen Behauptungen postuliren natürlich die entgegengesetzte
Richtung.)
Seitdem es nun feststeht, dass die sensiblen Nerven auch in tief-
ster Narkose gar nicht angegriffen weiden, kann die Erscheinung
folgerichtig doch nur so erklärt weiden, dass die sensiblen Ganglien-
zellen selber in der angegebenen Weise ausser Function treten —
eine Yorstellung, die in der That augenblicklich bezüglich dieses
Punctes die herrschende ist.
Wenn man nun (zunächst mit Aether und Chloroform) an einem
vollkommen unverletzten Thiere arbeitet, bei dem man also mecha-
nisch, electrisch u. s. w. einerseits die Haut, andererseits Mund,
Auge und Nase auf diese Verhältnisse untersucht, kann man sich sehr
leicht überzeugen, dass die Reflexerregbarkeit immer eher an Extre-
mitäten und Rumpf, als an den vorhin bezeichneten Theilen des
Kopfes erlischt. Man findet aber schon bei dieser Versuchsanordnung
kaum je ein gesetzmässiges Schwinden der Art, dass zuerst die Zehen,
dann der Schenkel, die Bauchhaut u. s. w. anästhetisch werden. Im
Gegentheil zeigen sich Schwankungen der Art, dass z. B. zuerst die
Bancfahaut, dann die Zehen insensibel werden und es bleibt constant
eben nur die scheinbar längere Resistenz der Kopfostien.
Ganz anders gestaltet sich die Sache, falls man einzelne Stellen
de8 Rumpfes von der Haut entblösst oder grössere sensible Nerven
11»
164 Centralblatt für Chirurgie. No. 11.
freilegt. Ich habe Thieren kleine Hautwunden an den Hinterzehen
beigebracht^ den N. cruralis^ cutaneus femoris ext. u. g. w. freige-
legt und die Reflexerregbarkeit dieser Theile mit der der Cornea^ der
Nasenschleimhaut u. s. w. vei^lichen und mich auch nicht ein ein-
ziges Mal überzeugen können, dass die Sensibilität der Nervenstämme
früher erlosch, als die der Schleimhautregionen des Kopfes. Im Gegen-
theil fiel ziemlich constant ein relativ früheres Schwinden der Comeal-
sensibilität auf, während sonst Differenzen zwischen Kopf und Rumpf-
ende nur in geringem Grade und immer in der Art nachzuweisen
waren, dass die sensiblen Extremitätennenren um eine Wenigkeit
länger persistirten, als etwa die Nase, der Mund und das Ohr.
Demnach muss ich die Angaben Claude Bernard's u. A. be-
streiten und deren Irrthümlichkeit darauf zurückfiihien , dass man
Theile auf dieses Verhalten geprüft hat, die auch normaliter bei Ein-
wirkung desselben (minimalen) Reizes nicht mit der gleichen Reflex-
stärke antworten. Eine Berührung der Cornea, welche schon starke
Lidbewegungen hervorruft, erregt die Haut etwa des Unterschenkels
noch gar nicht. In der Narkose wird das Gleiche stattfinden und
das schwer verständliche Phänomen der Autoren sofort auf einfache
Verhältnisse sich reduciren, sobald man die sensiblen Fasern so zu-
gänglich macht, wie es an der Cornea u. s. w. normaliter der Fall ist.
Ich betonte, dass die Sensibilität nahezu gleichzeitig schwindetund
gebe damit zu, dass zeitlich kleine Differenzen allerdings nachweisbar
sind. Dies stimmt mit Hitzig's Angaben überein, welcher in tiefer
Aethernarkose einzelne motorische Himganglien noch erregbar fand,
während andere bereits functionsunfahig waren (Untersuchungen über
das Gehirn, p. 37]. Indess sprechen auch diese Anomalieen keines-
wegs zu Gunsten der bisher üblichen Anschauungen.
Es lässt sich bei meiner Versuchsanordnung (Verabfolgung von
einem vor Nase und Mund gehaltenen Tuch) ein schnelleres Abster-
ben der Cornea, der Nasen- und Mundhöhlenschleimhaut schon des-
wegen vermuthen, weil neben der Allgemeinwirkung des Mittels auch
noch die bekannte locale hinzukommt. Verklebt man die eine Lid-
spalte, während man die andere offen lässt, so kann man in der That
fast jedesmal finden, dass die unter dem geschlossenen Lide befind-
liche Cornea um ein Geringes länger empfindlich bleibt als die andere.
Für die Angaben Hitzig's scheint mir weiter veiwerthet werden
zu müssen, dass die verschiedenen Abschnitte des Centralnervensystems
auch von verschiedenen Blutmengen durchflössen werden. Unter sol-
chen Umständen wird von zwei neben einander liegenden Puncten
derjenige am ehesten versagen, welcher das meiste Blut, also auch
die meisten narkotischen Dämpfe empfängt.
Ueber die Angaben Liebreich 's kann ich kurz hinweggehen
imd versichern, dass sich das Aethylidenchlorid und das Methylen-
bichlorid genau so verhalten, wie Chloroform und Aether.
Dagegen möchte ich noch hervorheben, dass auch die nach Curare-
vergiftung eintretende motorische Lähmung an allen Theilen des Kör-
Centatdblatt fttr Ghinirgie. No. 11. 165
pers ziemlich gleichmässig und nichts wie man bisher ebenfalls be-
hauptete, in aufsteigender Richtung^ einzutreten pflegt. Versuche am
N. ischiadicus einerseits und andererseits am N. facialis stellen auch
diese Behauptung über allen Zweifel.
Um i^och einmal zu resumiren geht also meine Meinung dahin,
dass den besprochenen Mitteln gegenüber die motorischen und sensi-
blen Ganglien gleiche Resistenz und gleiche Erschöpfbarkeit zeigen,
dass das stellenweise frühere Absterben einzelner dieser Ganglien
wesentlich in Difierenzen der Blutvertheilung seinen Grund findet
und dass das scheinbar frühere Schwinden der Reflexe am Rumpf
und den Extremitäten darauf beruht, dass die meisten Abschnitte des
Hautkörpers auf den gleichen Reiz schwerer reagiren, als die Schleim*
häute. —
W. Braune. Topographisch-anatomischer Atlas.
Nach Durchschnitten an gefrorenen Cadavem. Mit 50 Holzschnitten im Text. 40
218 Seiten.
Leipzig, Yeit A Co., 1875.
Der vorli^ende neue Atlas B.'s giebt die Abbildungen in ver-
kleinertem Maassstabe wieder, wie sie in dem grösseren früher er-
schienenen Werke in Lebensgrösse dargestellt sind. Die Abbildungen
dieses grossen Atlas sind in getreuer photographischer Nachbildung
oopirt. Im Granzen liegen 31 sehr sauber ausgeführte Tafeln vor
uns; jeder ist ein besonderer Text beigefügt, so dass die stückweise
Benutzung je nach .Wunsch z. B. beim Unterricht etc. möglich ist.
D^ Text enthält 50 Holzschnitte.
Im Folgenden seien die praktisch wichtigsten Puncte kurz her-
vorgehoben, bezüglich der Details muss auf das Original verwiesen
W^en. —
Auf der ersten Tafel ist es im höchsten Grade auffallend, dass
bei mittlerem Füllungsgrade der Därme die Entfernung des Nabels
von der Lendenwirbelsäule verhältnissmässig gering ist. Am Leben-
den ist die Entfernung der Wirbelsäule von den Bauchdecken infolge
der Respiration und des wechselnden Standes des Zwerchfells aller-
dings etwas beträchtlicher, aber nach B. doch immer noch nicht so
beträchtlich, als man gewöhnlich annimmt. Aus dem Yerhältniss der
Bauchdecken zux Lendenwirbelsäule erkennt man die Möglichkeit
emer ergiebigen Compression der Aorta, die um so sicherer ist, je
magerer das Individuum und je weniger voll die Därme sind. Da
die Aorta am 4. Lendenwirbel sich theilt, so ist die Compression
nicht tiefer, eher höher, also unmittelbar am Nabel, bei stark nach
vom gebogener Wirbelsäule auszuführen.
Bezüglich der Dehnbarkeit der Trachea bei Beugung und
Streckung des Kopfes hat B. Messungen angestellt ; letztere ergaben.
1 66 Centiaiblatt für Chiruigie. No. 11.
dats dieselbe 2^2 Cm. betragen kann. Diese federnde Beschaffenheit
der Trachea erklärt zur Genüge das starke Klaffen aller queren Tra-
chealwunden bei gestrecktem Kopfe*
Gut ersichtlich ist die Lage der art. carotis int. in unmittelbarer
Nähe der Schlundkopfmuskulatur und mahnt zur Vorsicht bei Opera-
tionen an Mandeln und am Schlundkopfe. Bekanntlich ist die Carotis
int. nur durch den Ursprung des Constrictor pharyngis und die Rachen-
fascie von den Mandeln getrennt. Tödtliche Verletzung der Arterie
nach Exstirpation der Mandeln sind von Portal, Bums, Beclard
u. A. mitgetheilt worden.
Die Lage des nerv, mandibularis zum Unterkiefer und des nerv,
lingualis zwischen Kiefer und Mundhöhle ist von besonderem Interesse.
Bezüglich des letzteren begreift man, dass derselbe bei rohen Zahn-
extractionen durch Ausgleiten des scharfen Hakens leicht verletzt
werden kann und in der That bereits mehrfach verletzt wurde. Die
Neurotomie des Nerven bei Neuralgieen von der Mundhöhle aus ist
nach der Methode von Roser gut ausführbar, aber auch ohne Durch-
trennung der Wange. Nach Extraction des letzten oberen Backzahns
kann man nach B. den Nerven mit Sicherheit auf dem Aste des
Unterkiefers mit einem Tenotom ohne vorhergegangene Freilegung
zerschneiden.
Von besonderem Interesse sind die Durchschnitte durch den Thorax
und Unterleib^ welche zum Theil dem Pirogo ff 'sehen Atlas entlehnt
sind und patholog. Verhältnisse (Pleuro- Pneumothorax, Pyothorax,
Hydropericardium etc.) auf's deutlichste demonstriren (cf. Original);
hieran schliessen sich die Beobachtungen über Herzdislocationen infolge
von Flüssigkeitsansammlungen in der Pleurahöhle (p. 100 — 102). Es
ergiebt sich, dass bei solchen Dislocationen die Herzspitze bedeutend
weiter ruckt, als die Herzbasis und dass gleichzeitig eine Rotation
des Herzens um -die Längsaxe stattfindet.
Um die von Pleura nicht bedeckte Stelle des Herzbeutels am
unteren Ende des linken Stemalrandes bei Paracentesis pericardi\
sicher zu treffen, schlägt B. vor, mit einem feinen Troikart im oberen
Winkel zwischen linkem Stemalrand und dem 5. Bippenknorpel ein-
zustechen.
Von besonderer chirurg. Wichtigkeit sind die Tafeln, welche
die Verluiltnisse des Peritoneums wiedei^eben. Man übersieht so-
gleich, welche Stellen vom Bauchfell frei sind. Sodann betont B.
besonders die Beweglichkeit des oberen Duodenumstücks, dessen Lage
bekanntlich je nach dem Füllungsgrade des Magens wechselt. B. hat
nachgewiesen, dass der Pylorus bei leerem Magen nahe der Mittel-
linie liegt; während derselbe bei starker Füllung des Magens mehrere
Centimeter nach rechts hinüberrückt. Dieser Lageveränderung folgt
das obere Stück des Duodenum's, dessen Mesenterium, d. h. das lig.
hepato-duodenale, solche Ortsveränderungen ermöglicht. Ebenso folgt
das mittlere, senkrecht verlaufende Stück des Duodenum den Be-
wegungen des daneben liegenden Colon ascend., indem dasselbe bei
Centralblatt far Cliinirgie. No. 11. 167
starker Anfüllung des letzteren nach links zur Mittellinie verschoben
vriidy bei Entleerung des Colons aber wieder nach rechts hinüberrückt.
Bezüglich der Colotomie nach Callisen-Ämussat ist zu be-
merken^ dass die gewöhnliche Angabe, dass das Colon descendens durch
eine verticale Schnittfuhrung am äusseren Rande des muscul. quadra-
tus lumborum am sichersten zu finden sei^ nicht unbedingt richtig
ist. Etwa in der Höhe der Symphyse des 3. und 4. Lendenwirbels
deckt der musc. quadratus lumbor. von hinten her das Operationsfeld
und muss somit durchschnitten werden; nur bei übermässiger
Ausdehnung des Darmes überragt letzterer etwas den äusseren Rand
des erwähnten Muskels und ist direct zugänglich. Um nun zu erui-
reu, wie weit die Umschlagsstellen des Peritoneum durchschnittlich
aus einander liegen und in wie weit ihre Lage zum Colon eine con-
stante ist, hat B. Messungen angestellt. Es ergab sich für das Colon
descendens nach Messungen an l^urchschnitten von gefrorenen Leichen
erwachsener Männer, dass diese Distanz in gerader Richtung, also
nicht der Krümmung der Darm wand entsprechend, 20 — 25 Mm.
betrug, wenn der Darm leer und eng zusammengezogen war; dass
femer die von Peritoneum nicht bedeckte Seite des Darmes nicht
nach hinten, sondern nach einwärts gewendet war, genau gegen den
Winkel, welchen musc. psoas und quadratus lumbor. bilden.
Bei aufgetriebenen Dünndärmen dagegen wird das Bauch-
fell zwischen Psoas und Colon ein Stück weit herabgetrieben und
letzteres durch Zug der parietalen Bauchfellplatte etwas um seine
Axe gedreht, so dass die vom Peritoneum unbedeckte Darmstelle
mehr nach auswärts gewendet wird. Ist dagegen das Colon selbst
aufgebläht, so kann die extraperitoneale Wand 50 — 60 Mm. breit
werden. Auch das aufgetriebene Colon scheint durch den Meteoris-
mus der Dünndärme nach aussen gedreht zu werden. Diese That-
sachen sind für die Colotomie von besonderem Interesse, um so mehr,
ab in Ys aller Fälle von Colotomie nach Callisen-Amussat das
Bauchfell verletzt wurde. Durch die Angaben B.'s dürfte eine Ver-
letzung des Peritoneums eher vermieden werden können. —
Zum Schlüsse seien noch die von B. nach dem Vorgange von
Bonnet gemachten Gelenkinjectionen mit Kochsalzlösung erwähnt.
Bezüglich des Kniegelenks kommt Verf. zu folgenden Resultaten:
1) Die ELniegelenke zeigen bei gleichem Grade der Beugung an
verschiedenen Individuen eine sehr grosse Differenz der Capacität des
Synovialraumes (Schleimbeutel).
2) Die Capacität des Synovialraumes erreicht bei einem bestimm-
ten Grade der Beugung [durchschnittlich bei 20 — 30^) ihr Maximum.
3) Mit dem Maximum der Beugung fallt das Minimum der Capa-
cität der Synovialhöhle zusammen.
Somit lehrt ims der 2. Satz, dass die Angabe B onnet's, nach wel-
cher das Capadtätsmaximum in der halbgebogenen Stellung eintritt,
unrichtig ist; die beginnende Beugung ist nach Br. diejenige Lage,
in der ^e Synovialhöhle das grösste Volumen besitzt. Ja schon eine
168 Centralblatt für Chirurgie. No. 11.
ganz geringe Beugung (von 10<^) bedingt die relativ grösste Zunahme
der Capacität. Auch die andere Angabe Bonnet's wird widerlegt^ nach
welcher die Extensionsstellung des Beines die geringste Capacität des
Kniegelenks bedingen soll. Bei gestreckter Lage ist die Capacität
des Kniegelenks viel beträchtlicher^ als bei vollendeter Beugung. Für
diese im Widerspruch mit Bonnet stehenden Angaben B.'s sprechen
bekannte klinische Erfahrungen^ indem gerade hochgradige Gelenk-
ergüsse mit Extensionsstellung verlaufen (siehe auch Volkmann^
Krankheiten der Bewegungsorgane 1865^ p. 195).
Auch in das Hüftgelenk einer jugendlichen weiblichen Leiche
injicirte B. Talgmasse von der Pfanne aus. Der in der Mitte ampu-
tirte Oberschenkel erhob sich und wurde auswärts rotirt. Nach dem
Gefrieren der Leiche zeigte sich auf dem Frontalschnitt, dass zwischen
Pfanne und Gelenkkopf eine 6 Mm. starke Schicht von Talgmasse
lag. —
In gleicher Weise wurden am Schultexgelenk Talginjectionen vor-
genommen. An den Durchschnitten der gefrorenen Präparate zeigte
sich der am unteren Ende amputirte Humerus in halb erhobener und
etwas einwärts gerollter Stellung , welche er von selbst unter dem
starken Injectionsdruck angenommen hatte. Die grösste Entfernung
des Humeruskopfs von der Pfanne betrug etwas über 1 Cm.
Bei Injectionen in das Ellbogengelenk nahm' letzteres halbe Beuge-
stellung an und die Injectionsmasse vermochte auch hier die Gelenk-
flächen etwas von einander zu entfernen. TUhnaiiBS (Leipzig).
M. Kaposi (Wien) . Ueber den gegenwärtigen Stand der Lehre
von der ätiologischen Beziehung kleinster Organismen (Micro-
coccus) zu den Infectionskrankheiten.
(Vierteljahrsschr. f. Dermatol. u. Syphilis, 1874, I. — Vortrag geh. im ärztl. Verein
SU Wien am 22. April 1674.)
Wien. W, Brauiillller«
K. giebt eine klare Uebersicht und gesunde Kritik des bisheri-
gen Ganges der parasitologischen Forschung von Ha liier bis auf die
heutige Zeit. Er hebt darin als bezeichnend fiir die Unsicherheit der
jeweiligen Ergebnisse die Andauer und neuerliche sehr beachtens-
werthe Zunahme der fachmännischen Opposition hervor, welche gerade
gegen die Grundlagen der Lehrmeinung von der organisirten Natur
der Contagien mit den schärfsten Waffen anfechte. — Die botani-
schen Lehren Hallier's, Karsten's^ Cohn's und Billroth's
werden eingehend erörtert, und mit herben Worten »der Leichtsinn
und die Frivolität^ die Nonchalance und Anmassung« gegeisselt, mit
welcher von einer ganzen Zahl von Arbeitern, auf der vermeintlichen
Basis Hallier's weiterbauend^ stündlich heue Entdeckungen in die
Welt geschleudert und der ernsten Wissenschaft Hohn gesprochen
wurde (siehe die Zeitschr. f. Parasitenkunde).
Centralblatt für Chirurgie. No. 11. 169
Von den zahlreichen^ in den letzten Jahren stark gehäuften^
anatomischen Beobachtungen über das Vorkommen niederer Orga-
nismen bei Krankheiten könne ein Theil, was ihre objective Grund-
lage und ihre Methodik anlange^ einer strengen wissenschaftlichen
Kritik nicht Stand halten, ein grosser anderer Theil jedoch involvire
zunächst unstreitig eine Bereicherung unserer pathologisch-anatomi-
schen Kenntnisse, ohne dabei die ätiologische Frage zu entscheiden.
In wie weit in dieser Hinsicht die Impf- und Injectionsver-
suche als beweisend gelten könnten, sei, abgesehen von den höchst
widerspruchsvollen Resultaten und der sehr discutirbaren Methodik,
im Wesentlichen davon abhängig : 1} dass Pasteur's vitalistische
Theorie sich als richtig erweise^ und 2) dass die Gleichstellung
der Vorgänge im kranken Organismus mit denen bei Fäulniss und
Gährung aus inneren Gründen statthaft sei. Pasteur*{( Lehre aber
wurde stets und werde noch jetzt bekämpft. Auch dürfe nicht un-
beachtet bleiben, dass jene pathologischen Befunde vorwiegend post-
mortale seien^ mithin wohl auch mit den dabei statthabenden Zer-
setzungsvorgängen in Zusammenhang stehen könnten, dass ferner
dieselben Organismen auch im gesimden Körper gefunden seien und
solches im eigenen Lager der Mycopathologen demonstrirt werde.
Vielfache andere (theoretische) Erwägungen sprächen überdies a priori
gegen eine parasitäre Wirkung der kleinsten Organismen.
Auf die umfangs- und ergebnissreichen Untersuchungen Bill-
roth's (dieses Centralbl. 1874, No. 8, 10 und 11) geht K. des Näheren
ein. Er betont schliesslich^ dass die klinisch richtig gestellten That-
sachen den durch das Experiment und das Mikroskop gewonnenen
Kesultaten gegenüber unter allen Umständen ihre volle Bedeutung
behalten. Arn. Hiller (Berlin).
Honooq. (Caen) . Transfusion instantan^e du sang.
Paris, A. Delahaje, 1874. 2me 6d. 8o 318 S.
Der absichtsvolle Zweck vorliegender Monographie beruht in
dem Wunsche des Verf., seinem Transfusionsapparate (Beschreibung cf.
Centralblatt f. Chirurgie 1874, p. 364) die Priorität ku wahren gegen-
über Modificationen , welche der Instrumentenmacher Mathieu zu
Paris an Moncoq's Apparate als selbständige Verbesserungen ange-
bracht hat. — Obigem Zweck zu Liebe will M. sowohl für die Männer
der Wissenschaft wie für die Laien schreiben ; aber gerade darum liefert
er kein Ganzes, sondern eine Compilation zusammengewürfelter bald
physiologischer^ bald geschichtlicher Daten. — So verbreitet sich Verf. im
Anfang ausfuhrlich über seine Lebensgeschichte, über die Schicksale sei-
nes Apparates und die Entstehung vorliegenden Werkes. — Dann folgt
eine Skizze über die Physiologie des Blutes, die Verf. laut eigener
Angabe aus seinen bei Claude Bernard und Long et nachge-
170 Centralblatt für Chirurgie. No. 11.
schriebenen CoU^gienheften entlehnt hat. In den zwei nädiBteii mit
grossen Titeln versehenen Artikeln wird entschieden, dass beim Men-
schen die Transfusion nur von Üubitalvene zu Cubitalvene stattfinden
dürfe — um hieran die Topographie der Venen in der Ellenbogen-
beuge zu schliessen. Der darauf folgenden geschichtlichen Entwick-
lung der Transfusion ist Klarheit und Geschick in der Darstellung
nicht abzusprechen^ doch kommen irgend wie neue Gesichtspunkte
nicht zur Geltung. Es werden weiterhin die Thierversuche von
Hlundell, Prdvost und Dumas, von Milne-Edwards^ von
Dieffenbach und von Magendie besprochen , ga^^z besonders,
um das Defibriniren des Blutes als durchaus verwerflich erscheinen
zu lassen. — M. entscheidet sich auch, im Einklang mit den An-
gaben Malgaigne's und mit den Erfahrungen vonOre und Nicolas
Duranty, gegen das gedankenlose und leider doch noch so häufig
empfohlene Vorwärmen des Transfusionsblutes auf Körpertemperatur.
— Es reiht sich an eine angeblich complette Zusammenstellung aller
von 1818 — 1860 beim Menschen ausgeführten Transfusionen. Verf.
selbst ^iebt aber die UnvoUkommenheit seines statistischen Versuches
zu und begnügt sich mit Schilderung einzelner Falle, die ihm beson-
ders interessant erscheinen. — Aus der zweiten Hälfte des Werkes
haben wir kaum Neues zu berichten. M. erscheint als heftiger Gegner
der Defibrination. Als Beweis führt er die Gegengründe Magendie 's ^
Claude Bernard's, Chassaignac's und Bihier's an, letzterem
völlig Becht gebend, wenn er das Schlagen des Blutes lieber als »Todt
schlagen« desselben bezeichnen will. — Dann aber verfallt M. wieder in
seinen erzähilenden Styl, um von Neuem sein Instrument zu beschreiben
und dessen Vorzüge hervorzukehren. Die vom Verf. in der Veteri-
närschule zu Alfoit und in den Schlachthäusern der Grenelle ange-
stellten Versuche an Pferden, Hunden, Kälbern, Schafen hatten nur
den Zweck, die Brauchbarkeit des Apparats zu prüfen, sonst kein
wissenschaftliches Interesse. — Und wiederum nur seinem Instru-
mente und zwei an demselben angebrachten Veränderungen für die
Transfusion beim Menschen widmet» M. eine lange Reihe von Ca-
piteln. — Zur Transfusion zieht er das Blut von Männern vor, weil
es reicher (woran?) ist, als dasjenige der Weiber. 80 — 120 Grm.
sollen tlie genügende Blutquantität darstellen, um Anämische vom
Tode zu retten, da das Blut zimächst die Bolle eines excitirenden
und nicht die eines regenerirenden Mittels zu spielen habe. M. deutet
selbst an, dass vielleicht das Transfusionsblut zunächst nur quanti-
tativ durch Vermehrung der Flüssigkeitsmenge in den Gefässen und
hiermit bedingte Steigerung des Blutdrucks wirke — gewiss eine sehr
treffende Abstraction aus den Vorträgen Claude Bernard's. — Wir
wollen nur noch die wichtigsten der Indicationen erwähnen, die Verf.
für die Transfusion aufstellt, und zwar 1 . die puerperalen Blutungen,
2. Blutungen nach anderweitigen Traumen, die plötzlich in beträcht-
licher Menge auftreten. Hier könne man mehr Blut und rascher
transfundiren, als bei anhaltenden und kleinen Blutverlusten, wo der
■ -
Centralblatt fftr Chirurgie. No. 11. 171
OigauismuB sich der verringerten Blntmenge bereits angepaast hat.
3. als Voract bei grösseren Operationen, die an erschöpften Indivi-
duen vorgenommen werden sollen. 4. Blutungen aus nicht exstir-
pirbaren Tumoren. 5. Haemophilie und Blutungen, wie solche bei
Scorbut, Purpura haemorrhagica u. s. f. auftreten. Grössere und selt-
nere Blutverluste ergeben hier eine bessere Prognose, als kleine und.
häufig wiederholte Blutungen. 6. Chlorose und chronische Anämie
aus verschiedenen Ursachen. 7. interne (Darm-, Blasen-, Dick-
darm-) Blutungen, denen man schlecht beikommen kann. 8. Vergif-
tungen durch Kohlenoxydgas und andere Blutgifte. Doch bespricht
M. gerade diese wichtige Indicatiou nur beiläufig. Am Ende des
Werkes folgen Abdrücke aus verschiedenen med. Zeitschriften, worin
mit Moncoq's Apparat glücklich am Menschen ausgeführte Trans-
fasionen beschrieben werden. Auch die bezüglichen Verhandlungen
in der Academie der Wissenschaften werden getreulich wiederge-
geben, ebenso ein Brief desjenigen Arbeiters aus der Werkstätte von
Charriere, dem Verf. ^e ersten Aufträge für Ausführung seines In-
strumentes gegeben hat. — Den Schluss bildet eine grosse Tafel in
Flacatenform, worin Verf. dem Leser nochmals mit lakonischen Rand-
bemerkungen seine Traiisfusionsapparate demonstrirt und deren Un-
terschied im Vergleich zu den Imitationen Mathieu's besonders
scharf hervorhebt. — Lesser (Berlin).
E. Kuester. lieber die directe arterielle Thierblut - Trans-
fusion.
(Arch. für Uinische Chirurgie Bd. XVU. Hft. 3. p. 385—405.)
Acht hoffnungslose Fälle : eine Oberschenkelschussfractur mit
Nieren-Degeneration, vier Lungcnphthisen, zwei Phthisen mit Mast-
darmfisteln und Fingercaries, ein Typhus mit Darmblutungen, gaben
die Veranlassung, die directe arterielle Hammelbluttransfusiou mittelst
des Schliep'schen Transfusors (cf. Centralbl. f. Chir. Nü.4 p. 61) 12
Mal zu versuchen. Zehnmal wurde die Art. radialis, zweimal die
Tibialis postica benutzt.
Im Verlaufe der Operation zeigten sich, ausser Veränderungen
in der Sensibilität^ Farbe und dem Volum der zur Transfusion be-
nutzten Extremität, heftige Kreuzschmerzen und eine starke Dyspnoe,
während Y^ — 1 Stunde später Fiebersteigerung und Schüttelfrost sich
einstellten. 5 — 6 Stunden danach besserten sich jedoch alle Be-
schwerden. Blutiger Urin wurde nur einmal , eiweisshaltiger öfter
nachgewiesen.
Alle Kranken gingen zu Grunde und keinem wurde länger als
auf 10 — 14 Tage ein wahrnehmbarer Nutzen geschaffen. Dagegen
hat möglicherweise der Eingriff als solcher einmal durch eine ihm
1 72 Centralblatt für Chirurgie. No. 11.
3 Wochen später folgende Haemoptoe, ein andermal durch eine
dauernde Erhöhung des Fiebers Schaden gestiftet. Die nach Wieder-
auftreten der Kraukheitssymptome wiederholte Transfusion hat fast in
keinem Falle Besserung herbeigeführt. Im Gegentheil schien eine
etwa schon vorhandene Neigung zu serösen Transsudationen noch er-
höht zu werden.
Von den bei der Operation sich einstellenden Beschwerden scheint
vorläufig nur die Dyspnoe einer Erklärung fähig und auf den grossen
Kohlensfturereichthum des Hammelbluts zurückgeführt werden zu
müssen. Dafür spricht, dass dieselbe geringer wurde, wenn man den
Kranken comprimirte Luft athmen liess oder veutilirtes (vor der
Operation apnoisch gemachten Thieren entnommenes) Hammelblut
verwendete, endlich das Fehlen jeder Dyspnoe, wenn man Menschen-
blut direct aus einer Arterie in die des Kranken überleitete (directe
doppelt -arterieUe Menschenbluttransfusion). Zwei in dieser Weise
unternommene Operationen hatten wohl Schüttelfröste und Fieber-
steigerung; aber keine Dyspnoe im Gefolge. • Als Indicationen für die
Transfusion sieht K. an:
1) acute Anämieen, 2) chronische bei Chlorose oder lang dauern-
dem Säfteverlust, falls die Quelle des Verlustes der Therapie zugäng-
lich ist; 3) chronische Bronchialkatarrhe ohne anderweitige Lungeu-
degeneration ; 4) heilbare mit Erschöpfung verbundene Magen- und
Darmkrankheiten; 5) heUbare acute mit Erschöpfung einhergehende
Krankheiten; 6) unter Umständen Pyaemie und Septikaemie; 7) Koh-
lenoxydvergifbungen, falls Menschenblut zu haben ist.
WUli. Koch (Berlin).
Foohier. Die Entleerung der Harnblase durch Aspiration.
(Lyon m6d. 1874. Bd. 17. p. 406.)
F. kommt in seiner Arbeit ^ welche die bekannte Literatur be-
rücksichtigt, gestützt auf eigene Erfahrungen zu dem Schlüsse, dass
die capilläre Function an Stelle des Cathetrismus zu setzen sei, wenn
derselbe bei vollständiger oder partieller (!) Harnverhaltung unmög-
lich, sehr schwer (!), gefährlich, oder sehr schmerzhaft (?) sei; oder
wenn der Harn seinen W^ nicht durch die Harnröhre nehmen
soll. Nachdem die Unschädlichkeit des Verfahrens und seine ein-
fache Technik dargelegt ist, subsmnmirt F. unter jene Indicationen
folgende Zustände: 1) Prostata-Hypertrophie, welche den Cathetris-
mus durch abnorme Deviation, oder klappenartigen Verschluss der
pars prostat, urethrae, oder durch acute Schwellung verhindert;
hier wird durch die Entleerung der Blase zugleich die Richtung der
Harnröhre geändert und dem sich in der Gegend der Prostata an-
stauenden Blute der leichtere Rückfiuss ermöglicht. — 2) Frische
falsche Wege bei voller Hamretention. — 3) Schleimhautverletzung
Centralblatt fflr Chirurgie. No. 1 1 . 173
resp. Entzündimg durch schwierigen CathetriBmus verursacht. —
4; Grosse Schmerzhafitigkeit^ die den Cathetrismus unausführbar macht.
— 5} Partielle Hamretention ^ wenn der Cathetrismus schwierig,
schmerzhaft oder gefahrlich ist. — 6) Entzündliche Affectionen der
Harnröhre (Gonorrhoe) nnd ihrer Umgebung (?). — 7) Traumatische
Harnröhren-Ruptur imd spontan oder chirurgisch entstandene Eröff-
nung der Harnröhre bei Gegenwart ammoniakalischen Urins. —
8) Impermeable Sirictur zumal bei Anwesenheit falscher Wege. —
Bei Frauen könnte die Function in Frage kommen, wenn der Cathe-
trismus nicht ausfuhrbar ist, so 1) während der Geburt, 2) bei Re-
troyersio uteri in der Schwangerschaft und endlich 8) bei Becken-
tumoren. — PU« (Stettin).
Ernst Heyder. Die antiseptische Behandlung der Mastitis
nach Lister.
(Beitrage zur Geburtshfllfe und Gynäkologie III. 3. Berlin. 1875.)
Verf. empfiehlt entgegen der bisherigen Behandlungsweise mit
Cataplasmen etc.^ auf Grund einer Reihe auf der Klinik Bardele-
be n's beobachteter Fälle, die bei abscedirender Mastitis nöthigen In-
cisionen und Verbände streng nach Li st er vorzunehmen. Der Eite-
rungsprocess verläuft schneller; das Fieber fallt schnell ab; Schmerzen
treten nicht ein; eine einmalige Incision ist meist genügend.
Von 18 Fällen verliefen 8 normal, 10 abnorm. Die normalen
Fälle hatten eine durchschnittliche Heilungsdauer von 13 Tagen.
I3ei einem Falle wurde eine 2. Incision nöthig, ein anderer Fall
brauchte 39 Tage zur Heüung (intercurrente Entbindung) ; fünf
andre Fälle waren mit andern fieberhaften Krankheiten complicirt
und machten wiederholte Incisionen nothwendig.
Verf. empfiehlt die Einführung der Methode besonders in die
Privatpraxis wegen ihrer für alle Uetheiligten sehr viel grössern An-
nehmlichkeit. Leopold (Leipzig).
Kleinere Mittheilungen.
Bryant. Behandlung von Aneurysmen. Gefassunterbindungen.
(The Lancet 1874. Vol. 2. p. 515, 728, 833 und
ibid. 1875. Vol. 1. p. 12 und 47.)
B. bespricht unter Zugrundelegung einschlAgiger Fälle aus dem Guy's Hospi-
tal die Behandlung von Verietsungen und Erkrankungen (Aneurysmen) an Arterien
und betont hierbei, dass nach Fehlschlagen der Compression (mit Zuhülfenahme
Ton subcutanen Morphium-Einspritzungen und Anwendung von Kälte) die centrale
Ligatur mit carbolisirtem Catgut auszufahren sei, dass die Methode des Antyilus
— von Syme in dem bekannten Falle von Aneurysma der Carotis ausgeführt und
174 Centralt)latt fOr Chirurgie. No. 11.
empfohlen — nur ihre Berechtigung bei traumatischen Aneurysmen finden könne,
da bei den nicht traumatischen das ein- und ausmündende Gefässrohr meist mit
erkrankt sei und sich darum zur Anlegung von Ligaturen nicht eigne. Für diese
Methode sei Esmarch's Bandage ein wichtiges Hülfsmittel; aber auch nur für
sie allein (?).
Die hierbei erwähnte Casuistik (wohl schon theilweis publicirt, Ref.) betrifft:
Fall 1) Popliteal-Aneurysma eines 31 jähr, gesunden Mannes, der vor 4 Wochen
beim Aufheben eines schweren Sackes plötslich Schmerz im rechten Knie empfand.
Schnelle Ausbildung des Aneurysma. Eine 3tägige intermittirende Digitalcom-
pression der Femoralis bewirkte Heilung. Beide Tibiales pulsiren.
Fall 2) Popliteal-Aneurysma eines 32jähr. mehrfach erkrankt gewesenen Mannes
(Syphilis) wird nach Fehlschlagen mehrtägiger Compression erfolgreich mit Ligatur
der Femoralis behandelt.
Fall 3) Verletzung der Art. brachialis, Torsion beider Enden in der Wunde.
Heilung.
Fall 4) Stichwunde der Art. radialis ; Aufsuchung in der Wunde, Durchschnei-
dung der Arterie und Torsion beider Enden. Heilung.
Fall 5 u. 6) Traumatische Aneurysmen der Radialis. Eröffnung des Sackes.
Torsion beider Arterienenden. Heilung.
Fall 7] Traumatisches Aneurysma der Temporaiis, Eröffnung des Sackes. Tor-
sion beider Enden. Heilung.
Fall 8) Diesem schliesst B. p. 586 eine Ligatur der Femoralis an wegen Ele-
phantiasis des rechten Beinet bei einer 45jähr. Frau, die England nie verlassen
hatte. (Die während 4 Monaten im Hospitale erreichte »Besserung« dürfte unter
den gewöhnlichen Lebensverhältnissen ausserhalb des Hospitales, wie fast in allen
ähnlichen Fällen, schwerlich eine dauernde sein. Ref.)
Fall 9) Aneurysma der Femoralis Über das Lig. Poupart. hinaufreichend, wird,
nachdem 11 stündige Compression der Iliaca keine Wirkung gehabt, erfolgreich
durch Ligatur der Uiac. ext. behandelt; beide Tibial. ohne Pulsation.
Fall 10) Aneur. der Femor. über das Lig. Poupart. reichend, seit 1 Monat be-
merkbar (vor 9 Monaten Stoss in .der Weiche erhalten; Art. radial, rigid) wird
vergeblich durch Compression behandelt; Ligatur der Iliac. ext. erfolgreich; am 3.
Tage die Temperatur der Extremität um 4,6** F. niedriger, als die Körpertemperatur.
4 Tage vor der Entlassung Nachblutung aus der Operationswunde, ohne weiteren
Bericht (!). Pili (Stettin).
Sydney-Jones; Mo. Cormao. Digital-Compression bei Aneurysmen.
(The Lancet 1874. Vol. 2. p. 693 und 866.)
S.-J. erreichte bei einem Popliteal- Aneurysma nach 24 Stunden volle Pulslosig-
keit desselben; die 91/2 Stdn. weiter fortgesetzte Compression sollte nur grössere
Festigkeit der Gerinnungen herbeiführen; 3 Tage nach eingehaltener 14tägiger
Ruhelage im Bette, während welcher Zeit der über bohnereigrosse Sack sich bis
auf WallnussgrOsse verkleinert hatte, verliess Pat. geheilt das Hospital. Die Art.
tibial. post. zeigte keinen Puls, wohl aber die antica.
Mc. C. konnte schon nach 17 stündiger Digitalcompression die Pulslosigkeit
in einem Poplitealaneurysma beobachten; aus Vorsicht wurde die Compression
weitere 7 Stunden fortgesetzt. Heilung.
Nicht so prompt war der Erfolg bei einem traumatischen Aneurysma der Ulnaris,
das seit 1 Monat bestand. Compression der Brachialis bewirkte nach 32 Stunden
volle Pulslosigkeit im Aneurysma; als nach einigen Tagen von Neuem Pulsation
im Aneurysma eintrat, schaffte eine 38 ständige Digitaloompression der Braehialia
scheinbar Heilung, aber schon nach 4 Tagen polsirte das Aneurysma wieder, jetst
genügte eine 248tündige Compression der Radialis (P) zur dauernden Heilung.
Pils (Stettin).
Centralblatt ftlr Chirurgie. Nö. 1 1 . 175
G. SawostdtBky. Zar Therapie des Croup.
iVerhandliingen d. chiruig. Gesellschaft su Moskau 1875. 1. Theil, p. 53, ruBsisch.)
Verf. hat 100 Tracheotomieen ausgeführt» darunter bei Kindern infolge von
Croup 17, 10 bei Knaben, 7 bei Mädchen. Alle befanden sich im Alter von 2—10
Jahren. Unter diesen 17 FflUen z&hlt er 6 glückliche Ausgänge, welche 4 Knaben
von 27), 4, 5, 10 Jahren und 2 Mädchen von 4 und 5 Jahren betreffen; im Gan-
ten alao 34V4X guter Ausgänge. Die Nachbehandlung bei Tracheotonie b^tpre*
chend, empfiehlt Verf. eine feuchte Zimmertemperatur von 16 — 17^R., um das Ein-
trocknen des Schleimes in der Röhre und den Luftwegen zu verhüten. Er erreicht
dies durch Pulverisation von Wasser, durch Aufhängen feuchter Handtücher, durch
Wasserd&mpfe. Zur Auflösung der in den Luftwegen befindlichen croupösen Mem-
branen gel>raucht Verf. Pulverisationen aus Aqua Calcis in die Köhre. 2 Fälle,
in denen er diese Nachbehandlung methodisch anwandte, verliefen äusserst günstig.
Alle Fälle wurden in sehr später Periode des Croup operirt.
W. Gmbe (Charkow).
Sw J. Ko0taröv. lieber Tracheotomie.
(Ibid. p. 58.)
K. berichtet Ober die Resultate von 12 von ihm ausgeführte Tracheotomieen,
darunter 3 bei Kindern, bedingt durch Croup und Diphtheritis ; unter den letzteren
hatte er 3 lethale Ausgänge. Von den anderen 10, welche er unter anderen In-
dicationen ausführte, waren 5 erfolglos. Beim Croup dringt Verf. auf möglichst
frühe Ausführung der Operation. Die Kinder, bei denen er die Operation vor Ab*
lauf der eisten 24 Stunden nach dem ersten croupösen Hustenanfall machte, wur-
den schnell und vollständig gesund ; während die lethalen Fälle erst in der zweiten
Woche zur Operation kamen. Einzelne Fälle werden ausführlicher besprochen.
W. Grube (Charkow).
N. J. Stokowenkoflf. lieber Tracheotomie.
(Ibid. p. 65.)
Unter 14 von St. ausgeführten Tracheotomieen betreffen 6 den Croup, darunter
endigten 3 lethal. Da alle von St. operirten Croup-Kranken in ziemlich gleichem
Zustande ausgesprochener Cyanose sich befanden, so spricht er auch der spät aus-
geführten Tracheotomie nicht den möglichen Erfolg ab. Fast in allen Fällen,
ausser einem (Laryngotomia) > wurde die Tracheotomia inferior gemacht.
W. Grabe (Charkow).
L. H. FoUitEer (Wien), lieber die der Dentition zugeschriebenen
Krankheiten und ihre Zulässigkeit in der Pathologie.
(Wien. med. Wochenschrift 1874, No. 49, 50 u. 5t.)
Gegen A. Vogel' s Ansicht und Ausspruch (im Abschnitt »Krankheiten der
Mundhöhle« in Ziemssen's Sammelwerk unter dem Titel dentitio difficilis mitge-
theilt}, dass die Dentition Quelle der mannigfaltigsten Krankheiten^sei, polemisi-
rend, unterwirft P. 1) die von V. der Dentition zugeschriebenen Krankheitsfor-
men der SLritik und knüpft 2) daran die principielle Untersuchung, ob den
fraglichen Dentitionskrankheiten überhaupt Stelle in der Pathologie einzuräumen
sei. Mit scharfer Kritik werden die an betreffender Stelle erwähnten und von
Vogel mit der Dentition in genetischen Zusammenhang gebrachten »Zahnkrank-
heiten« (Stomatitis catarrhaUs und ulcerosa, Conjunctivalblenorrhoe , Diarrhoe,
Haoteruptionen, Eclampsie und Nervenleiden) als solche aus der Welt geschafft.
T. Mosengeil (Bonn.)
J. Sseparowioz (Lemberg) : Neuralgia nervi inframaxillaris; Operation
nach Parraviciui; Heilung.
(Przegli^d lekarski 1875. No. 1. polnisch.)
Ein 50jähriger Mann litt seit 5 Jahren an Neuralgie des rechten Unterkiefer-
nerven. Fruchtlose Anwendung aller möglichen Palliativmittel. Hierauf Neurec-
176 Centralblatt für Chirurgie. No. 11«
tomie nach oben bezeichneter Methode. Die Aufsuchung des Nerven und seine
Unterscheidung vom nervus lingaalis machten keine Schwierigkeiten ; bei der Her-
ausbeförderung riss jedoch der Nerv entzwei, es wurde aber mit Pincette und
Scheere ein Theil von ihm herausgeschnitten. Die Wundheilung wurde durch
Eitersenkung nach dem Halse aufgehalten ; doch konnte Fat. am 28. Tage nach der
Operation entlassen werden. Nach 6^2 Monaten kein Becidiv.
Obalinski (Krakau).
O. D. Green. Cases of hydrocele complicated with varicocele and
cystocele, treated with Ergotin and tincture of perchloride of iron.
(Fhil. med. Times 1874. No. 162 p. 149 u. ff.)
In die Hydrocelensäcke wurden nach vorgängiger Entleerung der Flüssigkeit
0,03—0,06 Ergotin aiif 20 Tropfen Wasser, in die Venenconvolute mehrere Tropfen
Liquor Ferri injicirt Aus einer Reihe von 35 so behandelten Fällen wurden, um
die Gefahrlosigkeit dieses Verfahrens zu bekräftigen, nur vier genauer beschrieben :
eine Hydrocele der Tunica vaginalis und des Funiculus spermaticus, eine eben-
solche mit Epiplocele complioirte, endlich 2 Hydrocelen, bei welchen gleichzeitig
Varicocele vorhanden war und das Ergotin und der Liquor Fern zusammen in
Anwendung kamen. Das regelmässige Resultat ist, dass allemal unter nur
schwachen Reactionserscheinungen der Erguss schnell und wie es scheint für
immer verschwindet. Aus Controlle - Thierversuchen glaubt Verf. gleichzeitig
eine Verwachsung der beiden Blätter der Vaginalhaut annehmen zu können, die
so innig ist, dass es kaum gelingt, die Serosa von der Albuginea anatomisch
zu unterscheiden. (Wie oft das Ergotin injicirt wurde, bis es zu dieser aus-
gedehnten Verwachsung kommt, ist aus dem Original nicht zu entnehmen. Ref.)
Wilh. Koeh (BerUn).
Goadns. Grosse Lebercyste täuscht einen Ovarialtumor vor. Operation.
Tod.
(British med. Journal 1874. 6. Decbr.)
Die 27jährige, kinderlose Frau bemerkte angeblich nach einem in den ersten
Monaten der Verheirathung erfolgten Abort ein Stärkerwerden des Unterleibes und
Dubliner Aerzte versicherten das Vorhandensein eines beweglichen Tumors in der
rechten Seite und hatten, wie C. erst später erfuhr, von Operation abgerathen.
Der jetzige Befund liess C. die Diagnose (deren ausführliche Motivirung im Ori-
ginale einzusehen ist) auf Ovarialtumor stellen, der eincystig, lang gestielt und
wenig Verwachsungen mit Bauchorganen eingegangen sei. Bauchschnitt, Function
der Cyste — grünlicher Inhalt nicht untersucht — , Tumor ist unten ganz frei,
hängt nach oben mit der Leber fest zusammen, Abtrennung. 36 Stunden nach
der Operation Tod, vorher viel Erbrechen. Section ei^ab nur Spuren von Peri-
tonitis und den Zusammenhang der Cyste mit dem unteren Leberrande. —
Pils (Stettin).
J. B. Ullenperger. Die Anwendung der Electricität bei Behandlung
der Geisteskrankheiten.
München, J. A. Finsterlin, 1875. 8. 51 S. — Preisschrift.
Verf. sucht, an der Hand einer umfassenden Kenntniss der einschlägigen
Literatur, die Wichtigkeit und den Heilwerth der Electro - Galvanisation für die
Behandlung mancher Psychosen rationell zu begründen.
Am. Hiller (Berlin).
Orlginalmitthellangen, Monographieen and Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TiUmamu, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
Breiikopf und HäriA, einsenden.
Drnck und Verlag Ton Breitkopf and II Ariel in Leipsig.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
herausgegeben
von
Dr. l. Leiser, Dr. H. ScMe, Dr. I. Tillmaiiiii!
in Berlin. in Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wödientlich eine Nummer. Preii des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Poitanstalten.
HE: 12. Sonnabend, den 20. März« 1875.
Inludt: Vogel, Fall Yon Syndactylie geheilt durch Dittel's elastische Ligatur. (Origi-
nal-Mltthellnng).
Feter, Salicylsänre. — BIffl, Verga, Impfbarkeit der Tuberkulose. — Thomt, Kitt-
Jeisten des Epithels. — Gharcot, £rkrankangen der Knochen und Gelenke bei Ataxie.
— Walb, Traumatische Hornhautentzündung. — Pepper, Locale Behandlung der Lungen-
cavemen. — Bryk, Casnistik der Geschwülste. — Ivanchlch, Lithotrlpsie. — Lannelon-
gee, Heilung eines Hodentnmors durch Unterbindung der art. spennatica. — Ultzmann,
Ambulatorische Behandlung der Harnröhrenstrioturen. -^ Brimond, Terpentininha-
lationen bei Blennorrhoe der Urethra. — Dawion, Ovariotomie. — Cacheti Onychie. —
Hetz, Lammbluttransfusionen. — Lolinl, Multiples Lymphom. — MatChek, Zwei Metho-
den zur Diagnose metallener Projectile in Schuss'wunden. — Chetnay, Einheilung von
Granatsplittern. — Moogeeti Pseudo-Einklemmung. *- filaestr, Echinococcus hepatis
operirt. — KnQner, Puerperale Blaaenkrankheiten. — Germaln, Durchtrennung der Cor-
pora cavemosa penis. — Bemard, Mal perforant. — Rehm, Onychogryphosls. — Lapt*
SCbintky, Recnrrensspirillen.
Fall von Syndaktylie geheilt durch Dittel's elastische
Ligatur.
Von
Dr. Martin Tegel,
praktischer Arzt in Eisleben.
F. D., ein schwächliches Zwillingskind, geb. am 11. Aug. 1874,
wurde mir Mitte November v. J. von seinen Eltern zur Behandlung
überwiesen, weil an jeder Hand der 3. und 4. Finger verwachsen war.
Bei der Untersuchung ergab sich an der linken Hand, dass die ^
Haut über die beiden gleich langen Finger an der Dorsalseite gleich-
massig und ohne Andeutung einer Furche hinwegging. Die Gelenk-
12
178 Centralblatt für Chirurgie. No. 12.
falten hatten das Aussehen^ als wenn sie nur einem Finger angehör-
ten. Die Nägel waren auf der äusseren Seite stark gewölbt, auf der
inneren Seite hatten sie sich jedoch in verticaler Richtung gegenseitig
stark abgeplattet, so dass man m die trennende Furche höchstens ein
starkes Blatt Papier einbringen konnte. Auf der Yolarseite hatten die
Finger eine gemeinsame Kuppe ohne ein Unterscheidungsmerkmal;
ebenso waren die Gelenkfalten gemeinsam ; doch verlief von der Basis
der letzten Phalanxen bis zur Stelle der Fingercommissur eine röth-
liche nicht tiefe Linie, welche hier die Theilungsstelle der Finger und
den Fingerwinkel andeutete. Die gemeinsamen Fingergelenke waren
leicht beweglich, auch konnte man in der Gegend der mittleren Fha*
langealgelenke die Finger seitlich etwas gegen einander verschieben.
Dies gelang jedoch an der dritten Phalanx nicht, denn hier waren
die Basisenden durch eine breite knöcherne Verwachsung zu einer
einzigen Phalanx verschmolzen. Im Uebrigen waren die Finger von
zierlichem Bau, ebenso die Hände und die nicht verwachsenen Finger.
An der rechten Hand existirten dieselben Verhältnisse, nur waren
hier die Nägel weniger aneinander gepresst, und die gemeinsame dritte
Phalanx etwas breiter.
Die Chancen für die Operation nach den bisher üblichen
Methoden waren nach diesem Befunde sehr misslicb. Bei Tren-
nung der Finger mit dem Messer würden verhältnissmässig sehr
breite Wundflächen entstanden sein; aber abgesehen davon würde
die Trennung der knöchernen Verwachsungen nur mit den grösaten
Schwierigkeiten mögUch gewesen sein, und es war vorauszusehen^
dass heftige Entzündung der Finger folgen würde, welche gewiss
deren Erhaltung in Frage gestellt hätte. Ich entschloss mich des-
halb, einen Versuch mit Dittel's elastischer Ligatur zu machen,
von deren vorzüglicher Wirkung ich mich in anderen Fällen
schon überzeugt hatte. Am 28. Novbr. begann ich damit, dass
ich eine Wundnadel oberhalb des leMen Phalangealgelenks
zwischen den Fingern durchstach, in welche ein Gummifaden ein-
gefädelt war. Der Faden wurde fest zusammengezogen und ge-
knüpft, dabei Sorge getragen, dass seine Druckfurche genau in die
Mitte zu liegen kam. Der Schmerz bei der kleinen Operation war
sehr gering, auch wurde kein Blut dabei verloren. In den ersten
Tagen befand sich der kleine Patient sehr wohl. Die Ligatur bildete
durch Einwärtsziehen der Haut zwei Fingerkuppen, audh die Nägel
waren deutlich getrennt. Damach stellten sich aber Entzündung und
leichte Fiebererscheinungen ein, auch begann die Stichwunde etwas
zu eitern. Ich spritzte das Terrain täglich mit Wasser aus und ver-
band mit Carbolöl. Am 5. Tage war Alles bis auf den Ejiochen
durchschnitten; auch dieser war am 8. Tage durchtrennt, nachdem
ich zur stärkeren Spannung des Fadens ein HefitpflasterröUchen unterge-
schoben hatte, welches quer über die Kuppen gelegt war. Die Haut war
so nach der Durchschnittsstelle hereingezogen, dass die Wundfläche nur
halb so gross war, als sie bei einer Trennung mit dem Messer hätte
Centralblatt für Chirurgie. No. 12. 179
ausfiJlen müssen. Zudem war, noch während der Faden im Durchschnei-
den war, Narbensubstanz in die Trennungsstelle hineingewachsen.
Nun ging ich weiter vorwärts. Ich stach eine Nadel in der Ge-
gend der ersten Phalangealgelenke von oben und hinten schräg nach
vom und unten, so dass die Nadelspitze auf der Volarseite gerade in
der erwähnten Andeutung des Fingerwinkels austrat. Den Gummi-
faden legte ich durch den Wundwinkel der schon getrennten Partieen
und knüpfte fest zu. Einige Tage nach der Operation entzündeten
sich die Finger stark, der Kleine fieberte etwas, und es bildete sich
ein bohnengrosser Abscess am 4. Finger, den ich öffiiete. Die Liga-
tur lag 5 Tage bis sie durchgeschnitten hatte, und war von mir, da
sie nicht mehr genügend einschnitt, nochmals fester geknotet worden.
(Das Losen des Knotens gelingt leicht, wenn man die Fadenenden
stark anzieht. Dadurch entsteht ein Zwischenraum in der Mitte des
Knotens, und man kann nim denselben vermittelst einer eingescho-
benen Nadel etc. lösen.)
Die Finger wurden nun in gespreizter Stellung mit Heftpflaster-
streifen auf einer Pappschiene befestigt, die Wunde fleissig ausgesprizt
und mit Carbolöl verbunden. Die Yemarbung ging rasch von Statten.
Um die Wiederverwachsung vom Wundwinkel aus zu verhüten,
legte ich gleich nach der vollendeten Trennung der Finger einen
Gummifaden in denselben ein, welcher an einem um das Handgelenk
gebundenen Bande angeknüpft und sehr massig gespannt erhalten
wurde. Nach Verlauf von wenigen Wochen gestalteten sich die an-
fangs noch etwas unförmlichen Finger derart normal, dass man nur
bei genauem Zusehen schmale Narbenstreifen an der Innenfläche ver-
laufen sieht. Die obere Commissur erstreckt sich auf der Dorsalseite
etwas weiter nach vorn, als gewöhnlich; auf der Volarseite dagegen
befindet sich der Winkel vollkommen an der richtigen Stelle.
Nachdem ich dem kleinen Patienten einige Wochen Zeit gelassen
hatte, sich zu erholen, begann ich am 9. Jan. d. J. auch die rechte
Hand zu operiren. Der Verlauf war im Ganzen ebenso wie an der
linken ; nur kam es zu keinen nennungswerthen Entzündimgserschein-
ungen und zu keiner Eiterbildung ; auch war der ganze Verlauf viel
milder. Dies schreibe ich dem Umstände zu, dass ich mich anstatt
der Carbolsäure der Salicylsäure bediente, und die Operation in drei
verschiedenen Ligaturen, für jede Phalanx eine, nach und nach be-
endigte. Anfangs März waren auch diese Finger als vollständig nor-
mal im Aussehen und bezüglich der Function zu bezeichnen.
Nach diesem Besultate glaube ich diese Operationsmethode für
alle Fälle von Syndactylie empfehlen zu können, da die Operation
1} bei grosser Leichtigkeit der Ausführung vollkommen gefahrlos ist,
2) man sich durch breite Verwachsung der Finger und Unzulänglich-
keit der Haut nicht von der Operation abschrecken zu lassen braucht,
3} man durch sie die mit Recht bisher gefürchtete Wiederverwachsung
am leichtesten erfolgreich verhüten kann.
12»
180 Centralblatt für Chirurgie. No. 12.
Feser. Salicylsäure und ihre therapeutisch wichtigen Eigen-
Schäften.
fArch. f. wissenschaftliche und praktische Thierheükunde 1875. Bd. I. Hft. 1.)
Zu Waschungen, Injectionen, Tränkung von Verbandstücken etc.
genügt die gesättigte wässerige Lösung (0,4)^]. Beliebig stärkere
Dosirung ermöglicht man durch Zusatz von absolutem Alkohol. Zur
Desodorisirung jauchiger Wunden, Geschwüre etc. benutzt man die
Salicylsäure in Pidverform rein, resp. durch Zusatz von Stärke, Kohlen-
pubrer etc. beliebig verdünnt, oder eine 10 — 25^ige alkoholische
Lösung. Reizung der Wunden ist, ausser durch letztere Art der Appli-
cation, minimal.
Zum innerlichen Gebrauch reichte Verf. grossen Hausthieren
von der wässerigen Lösung 5 — 10 Liter täglich als freiwillig aufzu-
nehmendes Getränk (kleine Dosis). Grössere Dosen (für Schafe z. B.
5 — 30 grm. pro die) verabfolgte er als Schüttelmixtur mit oder ohne
schleimige Einhüllung oder in Pillenform. Ein Pferd bekam 3 Tage
hinter einander je 100^0 Salicylsäure ohne die geringste schädliche
Allgemeinwirkung (Temperatur, Puls, Respiration, Urinsecretion etc.
beobachtet), nur störte die Arrosion der Mundhöhleuschleimhaut, da
das Mittel unpassend als Latwerge gegeben war. Man vermeide die
gleichzeitige Verabfolgung von Eiweiss, Halogenen, Mineralsäuren^
kohlensauren Salzen und Eisenpräparaten.
Betreffs der physiologischen Wirkung der Salicylsäure erfahren
wir, dass bereits im Jahre 1855 Bertagnini (nuovo Cimento I, 363)
hierüber Untersuchungen am Menschen anstellte. Derselbe bekam
nach 7 grm., binnen zwei Tagen in Dosen zu 0,25 innerlich gegeben,
Ohrensausen und Betäubungsgefühl und constatirte die schnelle Wie-
derausscheidung des Mittels durch den Urin (theils unverändert, theils
als Salicylursäure) . Die Resultate einer kleinen Reihe einschlägiger
Thiefexperimente Verf.'s sind folgende: bereits 10 — 20 Min. nach der
ersten innerUchen Salicylsäuredosis violettblaue Verfärbung des Urins-
durch Eisenchloridzusatz. Ausbleiben der Reaction 24 — 36 Stunden
nach der letzten Dosis. (Daher grosse, rasch auf einander folgende
Gaben!) Vermehrte Diurese und Nierenreizung nie beobachtet.
Ebensowenig örtliche Veränderungen im Magen und Darm eines Scha-
fes, welches 35,0 salicylsauren Natrons (s. u.) genossen hatte. In
keinem Falle trat Durchfall ein und niemals Hess sich die innerlich
gegebene Salicylsäure im Koth nachweisen. In die Milch scheint das
Mittel nicht überzugehen (ein Kuhexperiment). Dagegen gahen
Pleura- und Herzbeutelfiüssigkeit eines nach 10 Stunden obducirten
Schafes, sowie das Aderlassblut des mit 100 grm. pro die behandelten
Pferdes deutliche Salicylreaction.
Die von Kolbe zuerst hervorgehobenen gährungs- und fäulniss-
widrigen Eigenschaften der SaUcylsäure konnte Verf. durch Wieder-
holung der Experimente bestätigen und fand derselbe, dass dem, ob-
Centralblatt für Chirurgie. No. 12. 181
wohl löslicheren saUcylsauren Natron die fraglichen Eigenschaften in
geringerem Maasse zukommen^ als der freien Säure.
Von grossem Interesse sind folgende Experimente:
1) Einem Mutterschaf wurden 6 Cbcm. einer putriden Fleisch-
flüssigkeit unter die Haut gespritzt. Zweien gleichen Thieren dieselbe
Menge derselben Flüssigkeit^ vermengt mit 12 Cbcm. einer wässeri-
gen Salicylsäurelösung. Das erste Versuchsthier verendete am 3. Tage.
Die beiden letzten zeigten weder local^ noch allgemein die geringste
Störang.
2) Zwei Jährlingslämmer erhielten obige Dosis einer gleichen
Infectionsfiüssigkeit subcutan und dabei innerlich das eine 20^0 -^
das andere 40^0 Salicylsäure, auf 3 Tage vertheilt in wässeriger Lösung.
Beide erkrankten erheblich^ waren jedoch am 3. Tage als geheilt an-
zusehen, während zwei weitere Yersuchsschafe derselben Reihe trotz
40,0 grm. salicylsauren Natrons an putrider Infection am 3. Tage zu
Grande gingen.
3) Von zwei an putridem Ealbefieber erkrankten Kühen ging die
eine, mit Chinin behandelte, ein. Die andere, welche täglich 25,0 —
50,0grm. Salicylsäure innerlich als Schüttelmixtur und gleichzeitig Sali-
crUnjectionen in den Uterus erhielt, genas nach wenigen Tagen.
Verf. hofft gegen alle infectiösen Krankheitszustände von der
Salicylsäure (äusserlich wie innerlich) mehr, als von Chinin, Hypo-
sulfiten und Carbolsäure^ da jene ohne Nachtheil eine viel stärkere
Dosirung gestattet, als letztere. Zum Schluss empfiehlt er die S.^ um
verdorbenes Trinkwasser geniessbar, resp. unschädlich zu machen.
Smppreeht (Halle).
S. Btffi und A. Verga. Sulla inoculabilitä della tubercolosi.
(Gazz. med. ital. Lombardia. (1874). No. 52 (1875) No. 3.)
Die beiden Forscher hatten schon vor Jahren Versuche über die
Impfbarkeit der Tuberkulose angestellt. Aus diesen und aus vielen
neuen Experimenten, die sie seither hinzufügten^ gelangen sie zu fol-
genden Schlussresultaten:
1) Impft man grauen menschlichen^ Tuberkel oder den Detritus
aus Lungencavemen in's Unterhautzellgewebe von Kaninchen, so ent-
wickeln sich bei diesen Tuberkel in der Lunge, selten in der Leber,
miter gleichzeitiger Abmagerung, Anämie und Leukocytose. Diese
Veränderungen treten intensiver und rascher auf, wenn der Impfstoff
direct in die Venen des Thieres injicirt wurde.
2) Beim Maulesel blieb die subcutane Injection erfolglos; beim
Pferde kann die venöse Injection der Tuberkelflüssigkeit binnen weni-
ger als 2 Monaten Lungentuberkulose erzeugen.
3 u. 4j Bei Kühen, Schafen, Hunden und Katzen bleiben die
subcutanen Einspritzungen erfolglos. Beim Hunde bleiben auch die
venösen Injectionen ohne Resultat.
1S2 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 12.
5) Bei Hühnern gelang 68 in keiner Weise Tuberkulose zu er-
zeugen.
6] Die Tuberkel der Rinderperlsucht sind bei Kaninchen wirk-
samer, als menschliche Tuberkel; dahingegen blieben sie als Futter
bei Pferden -wirkungslos.
7) Der graue Tuberkel des Pferdes wirkt beim Kaninchen milder,
als der menschliche Tuberkel.
8) Bei Katzen und Kaninchen blieb die Inoculation in's Unter-
hautzellgewebe und in die Peritonealhöhle erfolglos bei Anwendung
von käsigem Eiter, von Muskel-^ Krebs-, Papierstiickchen, von Zin-
nober-, Minium-, Dextrinpulver etc. Um diese Fremdkörper fand
man eine Ablagerung von käsiger Masse.
9) Die venöse Injection von Russstaub bei Kaninchen hatte nach
6 Monaten noch keine Tuberkulose veranlasst, obwohl man in den
Lungen die Russpartikelchen deutlich erkannte. Menzel (Trieet).
B. Thoma. Beitrag zur Physiologie der Kittleisten des
Epithels.
(Centralblatt f. d. med. Wissenschaften 1875. No. 2.)
Durch Injection einer Lösung von reinem indigschwefelsaurem
Natron bei constantem Druck in die Vena mediana der Froschzunge,
während die letztere und die Gaumenschleimhaut gleichzeitig mit einer
lY2^i?en Lösung von Chlomatrium injicirt werden, bringt man es
dahin, dass sich das Indigo in die KitÜeisten des Epithels ablagert.
Das Bindegewebe der Zunge wird auch schwachblau gefärbt, während
die Muskulatur und das Epithel ungefärbt bleiben. Während des Ver-
suches (am lebenden Thiere) erweitem sich die Gefässe stark und das
Blut zeigt eine schwache Blaufärbung. Genauere Mittheilungen werden
in Aussicht gestellt.
A« Bi4der (Mannheim).
Charoot. Des arthropathies des ataxiques. Des l^sions osseuses
chez les ataxiques.
(Oaz. des Mpitaux 1875. No. 9. u. 12.)
Im Jahre 1868 machte Ch. zuerst auf den Zusammenhang ge-
wisser Erkrankungen der nervösen Centraloigane mit Leiden der Kno-
chen und Gelenke aufmerksam (ArchiTes de physiologie) . Als »Ar-
thropathies spinales« beschrieb er eine Gruppe von Gelenkaffectionen,
weldie sich bei Ataxie unter dem directen Einfluss der Erkrankung
des Bückenmarks entwickeln und als Symptome dieser Leiden zu be-
trachten sind. Sie treten schon im Initialstadium der Erkrankung
auf^ unabhängig von jedem äusseren Anlaas^ lediglich als Ausdruck
einer trophischen Störung im Bereich der von dem Krankheitsheerd
Centralblatt far Chinugie. No. 12. 183
abhängigen Nerven. Es entsteht ein Hydarthros mit Oedem der Um-
gebung des Gelenks, welcher — gewöhnlich ohne Schmerzen und
Fieber — schon nach einigen Wochen oder Monaten wieder ver-
schwinden kann: benigne Form. — Oder es entwickeln sich weitere
Störungen^ Crepitation bei Bewegungen, Schwund der Gelenkflächen
und schliesslich Luxation des deformen Gelenkkopfs: maligne Form.
Obgleich Ch. zugiebt, dass die anatomischen Veränderungen der Ge-
lenktheile dieselben sind wie bei Arthritis deformans, glaubt er doch
seine »spinale Arthritis« als besondere Krankheitsform aufstellen zu
müssen wegen ihres eigenthümUchen Zusammenhangs mit der Ataxie
locomotrice. Der Sitz des Krankheitsheerds sollen die Vorderhömer
der grauen Substanz sein.
Ebenso kann durch eine Erkrankung des Bückenmarks die Er-
nährung der Knochen derartig alterirt werden, dass sie ihre Festig-
keit vollkommen einbüssen, wie neben mehreren anderen Fällen das
Beispiel einer 62jähr. Frau, die seit Jahren in der Salpetri^re ver-
pflegt wird, in eclatanter Weise zeigt. Vor 20 Jahren zog sich die-
selbe zuerst eine Spontanluxation der rechten Hüfte zu, 12 Jahre
später trat bei einer leichten Bewegung auch der linke Schenkel
aus der F&nne, dann brachen nach einander, jedesmal ohne irgend
welchen besonderen Anlass, der linke Schenkelhals, der linke Vorder-
ann, der rechte Vorderarm, schliesslich luxirte sie sich den linken
Humerus. Dabei fählt man Crepitation im rechten Schultergelenk
und im linken Kiefergelenk. Die ersten Spuren des jetzt ganz deut-
lich ausgesprochenen Rückenmarkleidens sind übrigens erst vor 5
Jahren au%etareten. Syphilis, Osteomalacie oder hereditäre Disposi-
tion bestehen nicht. Schädel (Berlin).
H. Walb. lieber die traumatische Hornhautentzündung.
(Centralblatt f. d. med. Wiseenschaften 1875. No. 7. p. 97—100.)
Verf. präpaiirte sich Hornhäute zur Untersuchung in der Weise,
dass er lebenden Kaninchen eine neutrale Carminlösung in die Cornea
injieirte. Der Farbstoff haftet nur an den fixen Homhautkörperchen,
aber an diesen sehr lange und man kann daher die Betheiligung dieser
beim Entzün4])ngsproce8se nadi Application von Beizen (Chlorzink,
Höllenstein) sehr schön verfolgen. Verf. fasst das Resultat seiner Unter-
suchtmgen in folgende Sätze zusammen:
1} Die eitrige Keratitis ist charakterisirt durch das frühzeitige
Aufitreten farbloser Eiterzellen, an deren Production die Homhaut-
körperchen sich nicht betheiligen.
2) Ausser der eitrigen Form giebt es eine zweite, bei welcher sich an
die in loco entstehenden Veränderungen des Gewebes direct die Repa-
ration anknüpft, welche ausschliesslich vom Gewebe geliefert wird.
Diese Veränderungen sind:
a) Alveolenbildung in den fixen Zellen und Lockerung der Grund-
substanz in Fibrillenbündel.
184 Centralblatt für Chirurgie. No. 12.
b) Weitere A\iflÖBung der freien Zellen in kömige Massen.
c) Anhäufung der letzteren an der ReizsteUe zu gröeseren Proto-
plasmahaufen.
d) Regeneration des Epithels.
e) Kernwucherung in den Protoplasmahaufen.
{] Abschnürimg grösserer Partieen und albnäJiges Auseinander-
weichen derselben.
Das Nähere über das Verhalten der Grundsubstanz bei schwacher
Beizung und bei bis zu eitriger Keratitis führender^ welche letztere
fast immer nach HöUensteinätzung entsteht, oft aber durch energische
Atropinanwendung doch verhindert werden kann etc., wolle man im
Original nachsehen. A. Bidder (Mannheim'.
W. Pepper. On the local treatment of pulmonary cavities
by injeetions through the chest-wall.
(The American Journal of med. sciences. 1S74. Oct.)
Verf. giebt zunächst einen historischen Rückblick über die opera-
tive Behandlung der Lungenerkrankungen mit Cavemenbildung. Es
geht hieraus hervor, dass die von Baglivi 1696, von Barry 1727 be-
reits Torg^chlagene Operation 1845 von Hastings und Storks in
London zuerst ausgeführt wurde. Der betreffende Fall, in welchem
wegen grosser Caverne der linken Lungenspitze eine Incision im 3.
Intercostalraum gemacht und die Höhle mittelst elastischem Katheter
täglich ausgespült wurde ^ findet sich referirt in der London med.
gaz. 1845, Vol. XXXV, p. 378. Der spätere günstige Verlauf ist
von Dr. Hocken veröffentlicht worden. In der Literatur fand dieser
Fall wenig Beachtung und so scheint er denn auch Mosler gänzlich
unbekannt gewesen zu sein, wenn derselbe in der Berl. klin. Wochen-
schrift 1873, 27. Octbr. schreibt: »Ein solcher Vorschlag war von
Masse, v. Herff» Hooken (statt Hocken) erneuert worden, in-
dess ohne praktischen Erfolg«*
Bevor die Mosler 'sehe Publikation in Amerika bekannt war
imd ohne von den Koch 'sehen Injectionaversuchen bei Thieren er-
fahren zu haben, hatte Verf. (Febr* 1874) zur Behandlung von Lun-
gencavemen dünne Jodlösungen mittelst einer feinen Kanüle durch
die Brustwand hindurch eingespritzt. Seine Erfahrungen erstrecken
sich auf 6 Fälle. Li 3 derselben war eine merkliche Besserung zu
constatiren, 2 endeten tödtlich, 1 liess keinen sicheren Schluss
auf die Wirksamkeit der Behandlung zu, da die Injectionen nur 2
Mal ausgeführt worden waren. In keinem Falle übrigens sah Verf.
einen Nachtheil von den Jodeinspritzungen. Am Sdünsse resümirt
er den Inhalt der Abhandlung in folgenden Sätzen:
1) Die Idee, die Lungencavemen mittelst einer 'die Brustwand
durchsetzenden Indsion zu öffnen, ist wenigstens so alt als Baglivi
(1696), vielleicht noch älter; indessen ist es wegen dcFr UnvoUkom-
CentralUatt far Chirurgie. No. 12. 185
menheit der firüheren Berichte schwer sni eruiren^ ob eine solche Ope-
ration wirklich vor dem letzten (Barry), oder gar yor dem jetzigen
Jahrhundert (Hastings, Storks) angeführt worden ist.
2) Die Idee, eine continuirliche Behandlung solcher Cavemen
mittelst localer, direct durch die Brustwand eingeführter Medicamente
einzuleiten, datirt erst aus den letzten Jahren (Mosler).
3) Die Ungefahrlichkeit der Verletzimg einer gesunden Lunge
mittelst feiner Nadehi wurde gekg^itlich durch die Vertheidiger der
Acapunctur und neuerdings durch Koch u. A. demonstrirt.
4) Die Operationen yon Storks und Mosler haben bewiesen,
dass die Lungencavemen äussere Eingriffe sehr gut vertragen, dass
man sie einschneiden, Kanülen einfuhren und verschiedene Medica-
mente in einfacher Lösung oder im »spray« einbringen kann.
5) Die unabhängigen Beobachtungen des Verf. 's haben gezeigt,
dass die locale Behandlung der Lungencavemen mit wiederholten Jod-
injectionen ohne Schmerz, ohne Blutung und ohne traumatische Reiz-
ung ertragen werden.
6} Die Fälle, welche sich am besten für eine derartige Behand«
lung eignen, sind solche, in welchen eine einzige, oberflächliche, nicht
tuberkulöse Caverne esiistirt ; indessen ist einige Besserung auch dann
zu erwarten, wenn die übrige Lunge ebenfalls in den Process herein-
gezogen, oder wenn die andere Lunge bereits ergriffen ist.
7j Die Wirkung dieser Localbehandlung besteht hauptsächlich in
einer Aenderung des Charakters der Erkrankung in den Wänden der
Höhle. Die Eiterung wird vermindert und hiermit das hektische Fie*
her und die Gefahr der allgemeinen Infection. Eine gewisse Ruhe
ist der Caverne gesichert durch das Nachlassen des Hustens. Kurz,
die Behandlung begünstigt die Vemarbung und Schrumpfung der
Cavemen.
8] Die oben angeführten Fälle, in welchen über 70 Injectionen
gemacht wurden, beweisen, dass die Behandlung ohne jegliche Ge-
üedir ist. Lossen (Heidelberg).
A. Bryk (Krakau). Zur Casuistik der Geschwülste.
(Arch. für klin. Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 4.)
B. theilt folgende Fälle mit:
Fall 1. Ein teleangiectatisches, cystoides Myxosarcom der Schä-
delknochen war bei einer 40jähr. Bäuerin auf der rechten Kopfseite
zuerst langsam, dann schnell wachsend einige Wochen nach einem
Stocksehlage entstanden. Die Geschwulst hatte schliesslich 53 Cm«
im Umfange, war 10 — 14 Gm. hoch. Nach 2jährigem Bestehen ging
Fat. durch Blutungen aus ulcerirten Stellen zu Grunde.
Fall 2. Bei einer 2Sjähr. Dienstmagd entwickelte sich in 2 Jah*
ren unter Kopfschmerzen, Nasenbluten, später Schling- und Athem-
beschwerden em Bundzellensarkom des Cavum pharyngo-nasale, wahr-
186 Centralblatt für Chirurgie. No. 12.
scheinlich von der Tonsilla pharjrngea (v. Luschka) ausgehend. —
Fat. ging an Inanitdon zu Grunde. Die Section zeigte einen Durch-
bruch der Geschwulst in die .Sin. sphenoid.^ femer durch die Fora*
mina der hinteren Schädelgrube und des Canal. spinalis bis an die
Dura mater; bohnengrosses Saroom der Gehimbasis^ Sarcom der
Halsdrüsen und einen fibroiden Tumor des Fundus ventriculi.
Fall 3. Ein 46jähr. Gastwirth bekam im Verlaufe Ton 4 Jahren
ein grosses^ diffuses^ ringförmiges Lipom des Halses und ausserdem,
mehrfache Lipome an verschiedenen Körperstellen. Erstickungsan-
fälle veranlassten B. das rechtsseitige Halslipom zu ezstirpiren. Im
Yedaufe der Swöchentl. Heilung schrumpfte auch das linksseitige
Lipom bedeutend; Fat. war von seinen Athembeschwerden befreit.
Fall 4. Ein kindskopigrosser Faserkropf der rechten Schilddrii-
senseite wurde bei einem 33jähr. Dorfmusikanten nach lOjähr. Wachs-
thum erfolgreich exstirpirt.
Fall 5. Bei einem 9jähr. Mädchen wurde eine Struma hyper-
plast. follicul. des linken Schilddrüsenlappens ^ welche erfolglos mit
Jod behandelt war^ wegen bedeutender Schling- und Athembeschwerden
exstirpirt. Bei zuerst günstigem Wundverlaufe stellte sich am 11.
Tage Trismus und Tetanus ein^ an dem die Fat. zu Grunde ging.
Bei der Section zeigten sich die Dura des Gehirns und Rückenmarks,
ebenso die Fia, die Adergeflechte, die Himsubstanz, der Halstheü
des Rückenmarks sehr blutreich. Die Ansa cervicalis des N. acoesso-
rius war von dem jauchigen Eiter eines Abscesses umspült, nach B.
wohl die Ursache der tetanischen Anfälle.
Fall 6. Ein colossales retromammäres, fibröses, cystoides Lipom
(Umfang an der Basis 70, an der stärksten Stelle 87 Cm.) hatte sich
bei einer 47jähr. Frau in 8 Jahren entwickelt. Nach der Exstirpa-
tion ging Fat. septikämisch zu Grunde. Die Section zeigte aus-
gedehnte Venenthrombose , Atrophie des Herzmuskels, zahlreiche Ec-
chymosen, Magen- und Darmkatarrh und ein Lipom des Coecums.
Da sich die Brustdrüse nach der Exstirpation nur comprimirt fand,
so liess sie B. später in einem ähnlichen Falle zurück, worauf sie
sich zur normalen Grösse wieder entwickelte. (S. hierüber bereits
Dieffenbach: Die operative Chirurgie. Bd. H. p. ä72. Ref.)
Maas (Breslau).
Iv&nchich (Wien): Meine Axiome über Lithotripsie.
(AUgem. Wiener med. Zeitung 1875. No. 1.)
Einer Fortsetzung Beines Berichtes über Blasensteinzertrümmeruu-
gen^ welcher sich durch mehrere Jahrgänge des Journals hinzieht,
stellt der Verf. folgende Sätze über die Indicationen zur Lithotriprie
voran: 1) Die Lithotripsie ist bis zum 12. Lebensjahre nur ausnahms-
weise und höchst selten angezeigt. 2) Das Geschlecht als solches
kann keine Gegenanzeige der Lithotripsie abgeben. 3) Vom 12.
Lebensjahre an bis in das Greisenalter nehmen die Chancen eines
Centralblatt fdt Chirargie. No. 12. 187
glücklichen Ausganges der Lithotripsie fortwährend 2u, so dass gerade
für das Greisenalter die Lithotripsie einen entschiedenen Vorzug vor
dem Steinschnitt hat. 4} Organische und dynamisdie Abnormitäten
der Hamorgane bilden keine absolute Contraindication; auch inten-
siver Blasenkatarrh stört wenig. Uebermässige Empfindlichkeit der
Hamwege erfordert die Narkose. 5] Die Grösse und Härte des Steines
bildet keine absolute Contraindication der Lithotripsie. Steine ^ die
in Divertikeln abgesackt sind, oder im Blasenhalse stecken und nicht
zurückgedrängt werden können ; ebenso Steine, deren Kern ein yolu-
minöaer unzerreiblicher Körper ist erfordern den Blasenschnitt. 6) Un-
abweisbar bestimmte Indicationen und Contraindicationen der Litho-
tripsie lassen sich überhaupt nicht formuliren. Wüdwarlcr (Wien).
Lannelongue. Tumeur du testicule traitee et guerie par la
ligatnre de Tartere spermatique.
(Ou. des hdpitaux 1875. No. 4.)
L. hat den schon von Harvey, dem Entdecker des Blutkreis-
laufes, herstammenden Versuch, durch Unterbindung der A. sperma-
tica einen soliden Hodentumor zur Rückbildung zu bringen^ neuer-
dings wieder mit Glück aufgenommen. Bei einem 49jähr. Mann war
der linke Hoden im Laufe von 10 — 12 Monaten zu über Faustgrösse
angeschwollen. Anfangs hatte man, da Pat. eingestandenermassen
syphilitisch gewesen war^ eine Jodkalicur eingeleitet. Doch wuchs
der Tumor immer mehr und wurde so schmerzhaft, dass ein halbes
Jahr spater eine Operation nicht länger aufgeschoben werden konnte.
Die Geschwulst fuÜte sich fest an; war weder transparent, noch fluc-
tuirend, mit der Haut nirgends verwachsen. Der Samenstrang war
normal, die Leisten- und Bauehdrüsen nicht vergrössert. Nach der
unterhalb des Leistenrings ausgeführten Ligatur nahm zunächst die
Geschwtdst an Umfang zu, dann aber verkleinerte sie sich anfangs
rasch, späterhin langsamer bis schliesslich nur ein etwa nussgrosser,
fast steinharter Elnollen zurückblieb. Leider hatte L. vor der Ope-
ration keine Probepunction vorgenommen, so dass er nicht in der
Lage ist, eine bestimmte Ansicht über die Natiur des Tumors zu
äussern. Schädel (Berlin.)
TTltzmann. Zur ambulatorischen Behandlung der Harnröh-
renverengerungen.
[Wiener med. Presse 1875. No. 1 und 3.)
Veif. mahnt zur Vorsicht bei der ambtdatorischen Behandlung
dieses Leidens, da die morbiden Reactionen, welche zuweilen dem
Katheterismus selbst bei der Behandlung des Pat. im Bette folgen,
hierbei manchmal noch heftiger auftreten. Verf. huldigt folgenden
188 Centralblatt far Chirurgie. No. 12.
Grundsätzen: 1] Impermeable und sehr enge Stricturen eignen sich
nicht zur ambulatorischen Behandlung. 2) Man beginne beim Einfuhren
des Bougie stets mit der Nummer, die Tags zuvor noch leicht passirte ;
erst nach einigen Minuten gehe man zu stärkeren Calibem über.
3) Stricturen mit ausgebreiteten Callositäten und alle jene, welche
mit conischen Metallkathetem behandelt werden müssen, eignen sich
nicht zur ambulatorischen Behandlung. 4) Hat man den Fat. etwas
verletzt, so stehe man fiir den Tag von weiteren Versuchen ab. 5) Man
führe nie früher eine Sonde oder den Katheter ein, bevor man nicht
den frischgelassenen Harn untersucht hat, ob keine Verschlimmerung
eingetreten ist. Ist Albuminurie aufgetreten, oder, wenn schon da-
gewesen, vermehrt, so sistire man die Behandlung für 2 — 3 Tage;
beachte man dies nicht; so komme es zu Schüttelfrösten, der Harn
zeigt die acute Pyelitis oder Nephritis an.
Verf. behandelte bisher in der Poliklinik 72 Fälle von Hamröh'-
renstricturen. Der jüngste Pat. war 18 Jahre, der älteste 79 Jahre
alt. In 63 Fällen war vindenter Tripper die Ursache, wonach in
10 Fällen die Verengerung zwischen 2 — 4 Jahren auftrat, in 21 Fällen
zwischen 10 — 20 Jahren; in den anderen Fällen in einer mittleren
Zahl von Jahren. Der Sitz der Strictur war 53 Mal am Isthmus, in
den anderen Fällen theils in der fossa navicul., in der pars pendula,
am On£c. extern. Complicirt waren sie 6 Mal mit Cysto-Pyelitis,
3 Mal mit chron. Blasenkatarrh, 1 Mal mit Hypertroph, prostatae,
1 Mal mit Incontin. urin., 2 Mal mit Harnröhrenüsteln. Unter 4
impermeablen, callösen Stricturen mit Fisteln am Perinaeum wurde
1 Mal die äussere Urethrotomie (mit gutem Erfolg) gemacht; 1 Mal
erwiesen sich die Tedeschi'schen Sonden (von gewalztem Zinn)
sehr gut: sie wirken durch constanten Druck, indem eine llöthige
Bleikugel aufs untere freie Ende der Sonde angelegt wird.
Einfache Urethralfieber sowohl^ als auch mit Albuminurie com-
plicirte traten besonders bei der Behandlung mit Darmsaiten auf (es
wurden gerade die engsten Stricturen so behandelt, und die Urethra
wird durch das rasche Aufquellen der Saiten besonders gereizt) . Das
Vorkommen von durch Kochen fällbaren Erdphosphaten im Harn scheint
das Auftreten von Urethralfiebem zu begünstigen, wie Verf. meint.
Fr. Steiner (Wien).
Bremond. Nouvelle m^thode de traitement de la blennor-
rhagie urethrale par les bains de vapeur t^röbinthines.
(Oaz. hebdom. 1874. No. 47.)
Durch Zeissl's (Wien) Versuche veranlasst, mit Terpentininhala-
tionen blennorrhoische Zustände der Urethra zu heilen, hat Br. in
analogen Krankheitsfällen Versuche mit Terpentindampfbädem ge-
macht. Er placirt seinen Pat. in einen Kasten, der mit Wasser- und
Terpentindämpfen gefüllt ist, nur der Kopf bleibt ausserhalb des
Kastens und wird vor den Dämpfen geschützt. Der Pat. bleibt V4
Centralblatt für Chirurgie. No. 12. 189
Stunde im Bade. 3 — 4 Stunden damadi hat sein Urin den Veilchen-
geruch, der bis zum nächsten Tage anhält. Aus seinen Beobachtun-
gen kommt Verf. zum Schlüsse, dass die Absorption des Terpentins
in grösserer Quantität von der Hautoberfläche, als von den Athmungs-
Organen aus Statt hat. Zum mindesten aber verweile der auf ersterem
Wege in den Organismus aufgenommene Terpentin länger in dem-
selben, und habe daher auch kräftigere Wirkung, wie er in seinen
5 Fallen, die er einzeln beschreibt, nachweist. Br. hebt hervor, dass
Zeissl bei seinem Verfahren 25 Tage zur Heilung brauchte, er aber,
selbst im hartnäckigsten seiner 5 Fälle, nur 10 Tage. Das Terpen-
tin wirke bei diesem Verfahren ebenso wie der Copaivabalsam bei
innerlicher Verabreichung. Fr* Steiner (Wien).
Dawson. Special points in Spencer Wells' ovariotomy
Operations.
(Med. tim. and gai. 1875. Jan. 23. p. 84.)
Abgedruckt aus dem Americ. Journ. of Obstet. D. hat ver-
schiedene Male bei W. assistirt, selbst nie operirt. Er macht auf
folgende Puncte aufinerksam: 1) Beschränkimg der Zahl der Zu-
schauer. 2) Die Anwesenden werden genau auf vorherige Communi-
cation mit übertragbaren Krankheitsstoffen untersucht. 3) Kein Zu-
schauer darf vor eingeleiteter und nach beendigter Narkose im Ope-
rationsraum zugegen sein. Narkose durch »bichloride of methylene«,
um das Brechen möglichst zu vermeiden. Kleiner Excurs über die
Vortheile dieses Anästheticum , das die Vortheile des Aether und
Chloroform vereinigen soll, keine üblen Nachwirkungen hinterlässt,
weniger gefährlich ist und nur leicht der Zersetzung durch Luft und
licht anheimfällt. 4) Bei einer totalen Verwachsung der vorderen
Cystenwand wurde diese incidirt, eine Zange inwendig eingesetzt,
und der Sack durch Inversion entbunden. 5) Mit äusserster Sorgfalt
wird das Einfliessen des Secretes oder Blutes in die Peritonealhöhle
vermieden, die Wunde namentlich am Stiele zu diesem Zwecke genau
geschlossen. Ranke (Halle).
A. Cachet. Consid^rations sur l'onyxis.
(Th^se, Paris. 1874.}
Die Incarceratio unguis findet sich vorzugsweise bei jugendlichen
Individuen männlichen Geschlechts; Gosselin fand unter 54 Er-
krankten 41 zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre und nur 10 waren
weiblichen Geschlechts. •
Die Ursache findet er vorzugsweise in unzweckmässigem Schuh-
werk; daher die Häufigkeit der Krankheit bei Soldaten, denen die
Stiefel nicht auf den Fuss gepasst; sondern nach allgemeinen Typen
gebaut werden, und die Immunität barfuss Gehender.
Ein Einfluss constitutioneller Krankheiten ist nicht nachweisbar.
Unter den verschiedenen Arten der Behandlung rühmt Verf. beson-
190 Centralbktt far Chinugie. No. 12.
ders die von seinem Lehrer Gosselin befolgte Modification der Ex-
Btirpation des Nagels und Nagelbettes^ nach welcher nur die seitlichen
Theüe des letzteren weggeschnitten werden. Es bildet sich dann ein
neuer Nagel^ der^ schmäler als der alte^ die Weichtheile nicht in-
sultirt. Unter 53 in dieser Weise von Gosselin Behandelten war nur
bei 5 eine einmalige Wiederholung der Operation nöthig.
A« OeniBier (Halle).
Kleinere Mtttheilungen.
HotB. Transfusion of lamb*s blood:
(Medic. Examin. Chicago, p. 20.)
9 Lammbluttransfosionen nach der Haase'scben Methode. 5 Transfusionen bei
Phthisis. Der Erfolg bestand nur in vorübergehender Hebung des Appetites. 1 bei Re-
siduen einer Pleuropneumonie, Besserung. 2 chronische Anämieen ohne Erfolg. 1 acute
An&mie im Wochenbette: Tollst&ndiger Erfolg. Trotsdem will H. auch bei acuter
An&mie, gestützt auf Landois' und Ponfick's Mittheilungen, sur Transfusion
von menschlichem Blute zurückkehren. Ranke (Halle).
F. Lolini. Linfoma multiplo addominale.
(Lo 6perimentale 1875. Fase. !<>.)
Bei einem 40jähr. Mann entwickelten sich in der Ueocoecalgegend harte Ge-
schwülste, welche sich rasch vervielf<igten und in wenigen Monaten den Tod be-
dingten. Die Knoten sassen in Unzahl vorzüglich am Peritoneum viscerale, Colon,
Magen, Leber etc. Die mikroskopische Untersuchung wies ein reines Lymphom
nach.
Bei Besprechung der Therapie stellt L. dieselbe nach Trousseau als ziemlich
hoffnungslos dar. Ref. ist weit entfernt, das Gegentheil zu behaupten, doch soQ
man nicht vergessen, dass Billroth und Czerny einige FfiUe von malignem
Lymphom durch innerlichen und äusserlichen (parenoh.) Gebrauch des Arseniks
geheilt haben. Meiuel (Triest).
M. Masohek. Zwei Methoden^ um mittelst der Electricität metallene
Projectile in Schusswunden mit Sicherheit zu diagnosticiren.
(Wiener allgem. med. Zeitung 1875. No. 3.)
Die kugelsuchende Sonde besteht aus zwei bis nahe zu ihrer Spitze isolirten
parallelen Metalldrähten, die durch eine ebenfalls isolirende Umhüllung (Seiden-
bftndchen, mit ScheDakfimiss überstrichen) zu einem biegsamen Stabe vereinigt
werden. Die hinteren Enden der Drähte werden in metaUisohe Berührung mit den
Ausleitungskapseln eines Induotionsapparates gebracht, wenn man mit der Sonde
die Kugel zu berühren glaubt. Setzt das Spiel des Neef 'sehen Hanuners aus, so
sind beide Spitzen der Drähte in Contact mit einem metallischen Körper. Nur der
primäre Strom ist zu diesem Zwecke verwendbar. Hat man keinen Inductiona-
apparat zur Verfügung, so kann man einen schwachen constanten Strom verwen-
den, in der Weise, dass man zwischen das Element und den einen Draht der Sonde
ein Galvanometer einschaltet. Als brauchbares Surrogat für ein solches schlägt
der Verf. einen gewöhnlichen Taschencompass vor, dessen Stativ auf einen Holz-
würfel geleimt und mit ein Paar Spiraltouren isolirten Drahtes umgeben werden
soll. Der Verf. hält sein Verfahren, düsen Prindp nichts weniger als neu ist, für
sehr praktisch, weil dessen Ausführung selbst mit beschränkten Hülfsmitteln mög-
lich sei. Winiwarter (Wien.
Cheensy. £tude sur l'enkystement des projectiles dans les plaies par
armes ä feu.
(Thäse, Paris. 1874.)
Verf. theilt seine eigene mehrfache Verletzung durch Granatsplitter am 23.
Aug. 1870 in Strassburg mit. Die uns allein interessirende Wunde war entstan-
Centralblatt far Chirargie. No. 12. 191
den dureh Eindringen einet Fragmentes in die Mitte dee inneren rechten Fues-
nndes. Dm EisenstQck blieb unentdeckt, die Wunde war am 4. Octbr. definitiy
geecfaloesen. Bedeutende Wege konnten ohne Bosch verde surückgelegt werden,
bis am 9. März 1871 nach einem längeren Marsch Sehmenhaftigkeit und eine An-
ichwellong in der Mitte der Sohle sich einstellte. Die Prominens wuchs und bald
konnte Pat. bei Bewegungen des Fusses ein Ballotement fahlen, das er mit dem
des fötalen Kopfes veigleicht, und das auch anderen demonstrirt werden konnte.
Am 3. Mai wurde dann eine 20 gr. klare, gelbe Flüssigkeit entiialtende, glatt-
wendige, unter dem 3. Keilbeine gelegene Cyste geöffnet und das lose in ihr lie-
gende, 9 gr. schwere Eisenstück entfernt. Rasche Heilung.
Pagensteoiier (Elberfeld).
Kougeot. Pseudo-etranglement cause par des adh^rences de rintestin
hemi^.
(Thise, Paris. 1874.)
Bei einer 72j&hr. Frau, die 3 Tage an StuhWerhaltung, Erbrechen schwärz-
fieher Massen, Auftreibung des Leibes etc. gelitten hatte, wurde von Tr61at ein
kleiner irreponibler Schenkelbruch operirt. Weder in den fibrösen Theilen, noch
in dem Bruchsackhalse fand sich eine Verengerung. Dagegen war das kirschgrosse
und rothe, durchaus nicht wie bei wirklicher Strangulation aussehende Darmstück
durch eine Menge Yon Adhäsionen mit dem Sacke verwachsen. Diese, neuen
Datame, liessen sich leicht und ohne Blutung mit Finger und Sonde trennen,
worauf die Reposition sofort gelang. Der Darm zeigte keine Spur einer Ein-
schnürung. Pat. genas.
Beispiele aus der französischen Literatur werden angeführt und die Unmög-
lichkeit der Unterscheidung von wahrer Einklemmung, sowie die Nothwendigkeit
der Operation betont. Pagenstecher (Elberfeld).
J. A. Gla^ser (Hambuig). Echinococcus hepatis^ operativer Ein-
griff; Tod.
(Arch. für klin. Chirurgie 1874. Bd. XVIL Hft. 4.)
Bei einer 23jähr. Frauensperson entwickelte sich im Laufe eines Jahres eine
Lebergeschwulst, die alle Zeichen eines Echinococcussackes bot. Als der Umfang
des Bauches auf 85 Cm. gestiegen war, machte 0. am 29. Juli die Simon 'sehe
Doppelpunction mit 2 Troikarts. Ohne dass die Incision gemacht worden war,
starb die Pat. am 8. August, nachdem sie am Nachmittage einen heftigen Schüt-
telfrost gehabt hatte. Die Section zeigte u. A., dass die Cyste dem Stamme der
V. hepatica anlag und der eitrig infiltrirte Balg eine oonsecutive Entsündung der
Yenenwand mit wandständiger flacher Oerinnselbildung nebst schnellem Zerfall der-
selben bewirkt hatte. Dies wax| der Ausgangspunct sahlreioher Embolieen in der
rechten Lunge. Maas (Breslau).
H. Knöner, Beiträge zu den Erkrankungen der Blase im Wochenbett.
Inaug.-Diss. Halle a/S. 1874.
Bei Besprechung der im Wochenbett vorkommenden Erkrankungen* der Blase
berichtet Verf. über zwei im Entbindungs-Institut zu Halle beobachtete Fälle Ton
Parese der Blase, bedingt durch entzündliche Vorgänge während des Wochenbetts.
In beiden Fällen wurde schnelle und auch dauernde Besserung durch Faradisation
der Blase erzielt. Das Verfahren bestand darin, dass ein Pol auf die Bauohdecken
gesetzt, der andere mittelst eines bis an die Spitze mit Oummi isolirten Katheters
in die Blase geführt wurde. A. Genimer (Halle).
L. Germain. Section compl^t« des corps cavemeux et du canal de
Turethäre avec perte de substance.
(Thäse, Paris. 1874.)
Verf. tritt durch Beschreibung eines selbst beobachteten Falles der Meinung
ilterer Chirurgen entgegen, Durchtrennnng beider corpora caTemosa könne nicht
/
192 Centralblatt fdr Chinurgie. No. 12.
mit erhaltener FunctionBf&higkett des Fems faeikn.- Am 8. Octbr. 1870 erhielt ein
junger Xaufinann w&brend der Belagerung von Paris einen Schuss ins dorsum penis,
nahe der Wurzel. Die Kugel ging nach Durch trennung beider corpora cavemosa
und der Urethra zur Falte zwischen Penis und Scrotum und dann mit Verletzung
des rechten Hodens durch das Scrotum.
Geringe Blutung, völlige Anfisthesie des Penis, enorme Sufiusion. Vollsttadige
retentio urinae bei prall gefüllter Blase; ein schonender Versuch zu katheterisiren
bewirkt Blutung.
Am nächsten Tage führt Labb^ die Boutonniäre aus; Sonde k demeure Yon
hier aus in die Blase.
Zwei Wochen später wird ein elastischer Katheter vom ostium cutaneum aus,
ein anderer diesem entgegen von der Boutonniäre aus bis zur Wunde geführt, beide in
dieser mit einem Faden vereinigt und der erste mit Hülfe des zweiten nach der
Boutonni^re und von hier in die Blase geführt und fizirt.
Langsame Heilung ohne besonderen Zwischenfall; allmälige Anwen-dung stär-
kerer Katheter.
Ende Januar 1871 ist die Wunde auf dem dorsum penis fistulös geworden;
die anderen sind vernarbt oder in Heilung begriffen. Fat. kommt ausser Be-
obachtung.
Im März 1874 stellt er sich wieder vor; Urinentleerung, wenn die Fistel mit
dem Finger geschlossen wird, vollständig normal. Weder im erschlafften, noch im
erigirten Zustand zeigt der Penis eine Abnormität der Form; Fat. kann normal
cohabitiren. A« Oenniier (Halle).
A. Bemard. Du mal perforant.
Thfese, Paris, 1874.
Eine sich an die Duplay'sche Arbeit in »Archives de m6decine 1873« an-
schliessende Darstellung des med perforant mit 4 theilweise entlehnten Beobachtun-
gen. Das Uebel beginnt mit Epidermiswucherung, dann folgt Ulceration, ^e später
auf Schleimbeutel und Knochen übergreift; es ist eine Ulceration, abhängig von
einer fettigen Degeneration der Nervenelemente; für gewisse Fälle wird der £in-
fluss einer atheromatösen Degeneration der Gefässe, durch den Sphygmographen
nachweisbar, zugestanden. Nichts Neues. Ranke (Halle).
P. Behxn. Ein Fall von Onychogryphosis.
(Arcb. d. Heilkunde 1875. XVI. Jahrg. Hft. 1. p. 80-91.)
Nach kurzer Besprechung der anatomischen und physiologischen Verhältnisse
gesunder Nägel theilt Verf. die Krankengeschichte eines Falles mit, indem die
sämmtlichen Nägel der Hände und Füsse eines sonst gesunden jungen Mannes
eine chronische Erkrankung zeigten, welche am besten unter die Categorie der
»entzündlichen Hypertrophieen« zu setzen sei.
Das Genauere, sowie die Besprechung ähnlicher von anderen Autoren be-
schriebener Fälle wolle man im Original nachsehen. A« Bidder (Mannheim).
M. Laptsohinaky. Nachtrag zu der Mittheilung: Ueber Blutkörper-
chenzählungen bei Febris recurrens (ygl. Centralbl. 1874^ No. 36).
(Centralblatt f. d. med. Wissenschaften 1875. No. 6.)
Verf. hat nun doch die Recurrensspirillen-, deren Existenz er früher be-
zweifelte, gefunden, und zwar in ausserordentlich grosser Anzahl bei einem sehr
schweren Recurrenskranken. Sehr schön seien sie auch an trocknen Präparaten
zu sehen und könnten auf diese Weise lange aufbewahrt und demonstrirt werden.
A* Bidder (Mannheim).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. JET. TUlmanrUf Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagsbandluiig,
Breitkopf und Häriel, einsenden.
Druck nad Yerlsg von Breitkopf and Hirt«! in L«ipxiff.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herauBgegeben
TOA
Dr. L. Leser, Dr. K Mele, Dr. E TUIinaiiiis
iB Bariin. in Halle a. 8. in I^ipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. PreiB des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 13. Sonnabeiid, den 27. Hin. 1875.
Inlutts eenzmer, Versuche zu Hut er 's mecbanischer Fiebertheorie. (Origioalmit-
tfaeilang.) — Kolaezek, Bacterlen im normalen Blute. (Origin&lmittheilung.)
Rosar, Zur Casnistik der fehlenden Hirnbewegung. — FeltZ , P'xperimen teile Septi-
caemie. — Bems, Transfusion bei fieberhaften Zuständen. — Chirurgischer Bericht des
Middlesex-Hospitald. — Limd, 5jährige chirurgische Thätigkeit. — Gripps, Behandlung
der Nachblutung nach Ligatur der art. femoral. — Pftflat^ Erkrankung des Warzenhofes
sJs Vorläufer des Bnistdrüsenkrebses. — QlraldAs, Phlegmonöse Periostitis — White,
tiiftige Eigenschaften der Arnica-Tinctur für die Haut. — Pipplligiköld, Erweiterung
der Harnröhre.
Aneurysma der art. carotis eit. — BurOW, Operation am hängenden Kopfe. — - Miintr,
Complete Trennung des Hinterhauptes von der Wirbelsäule. — Fiscber, Resection des
Schulterblattes. — Maas, Echinococcus des Beckeneinganges. — Ranke, Hygrom der
Bursa trochanteriea. — Hodfe, Resection des Hüftgelenks. — Morton, .SchussTerieCzuiig
des Kniegelenks. — MarSli, Syphilitische Affection der Patella. — Bloxani, Luxation der
Patella. — Davy, Kniegelenk sresectionen.
Einige Versuche zu Hüter's mechanischer Fiebertheorie.
Von
Dr. Alfred Genzmer,
Assistenzarzt a. d. chirurg. Klinik zu Halle a/S.
In seiner allgemeinen Chirurgie (p. 549 bis 565) beschreibt Hüter
experimentelle Studien über das Wesen des Fiebers: er spritzte Frö-
schen 1 bis 2 Pravaz'sche Spritzen voll faulenden Blutes in den
Oberschenkel und untersuchte nach 8 bis 24 Stunden mikroskopisch
die Blutciicnlation dieser Thiere in Lungen^ Zunge^ Mesenterium und
Schwimmhaut. Er fand constant Ausschaltung einer grossen Zahl
von CapiUaren aus der Circulation dieser Thiere und unterscheidet
drei Varietäten derartig ausgeschalteter Gefilsse : solche, die nur Blut-
13
194 Centralblatt für Chirurgie. No. 13.
plasma enthalten (plasmatische Stasen)^ solche^ die mit ruhenden
weissen Blutkörperchen, und endlich solche, die mit ruhenden rothen
Blutkörperchen erfüllt, resp. verstopft sind (globulöse Stasen). Als
Ursachen dieser Ausschaltungen findet Hüter eine durch eingewan-
derte Monaden bedingte vermehrte Haftungsfahigkeit der weissen Blut-
körperchen, die theils gruppenweise zusammengeballt die Capillaren
verstopfen, theils einzeln vor den Abgangsstellen der Seitenäste haf-
tend, den Strom der körperlichen Blutbestandtheile von diesen Seiten-
ästen ablenken. Der Effect ist in beiden Fällen eine Verkleinerung
des Circulationsgebietes. In analoger Weise bricht sich der Strom
des circulirenden Blutes bisweilen an einzelnen haftenden Monaden-
kömem und somit tragen diese auch direct und mechanisch zur Aus-
schaltung von Capillaren bei.
Für die Circulationsstörung innerhalb der Lungen ist noch der
Umstand von Bedeutung, dass bei massig verlangsamter Circulation
während des Fiebers die rothen Blutkörperchen an den zwischen den
Capillarschlingen gelegenen Parenchyminseln zu zwerchsackähnlichen
Gebilden gepresst werden, die sich in grösserer Zahl über einander
lagern und so die Lungencapillaren verstopfen.
In den Geftssausschaltungen sieht Hüter das Wesen des Fiebers
und glaubt durch sie alle Fiebererscheinungen erklären zu können.
Die • Hüter 'sehen Angaben über die Circulationsstörungen bei
septisch inficirten Fröschen einer experimentellen Controle zu unter-
ziehen, war der Zweck einiger von mir in dieser Richtung angestell-
ter Versuche.
Zum Zweck der Untersuchung curaresirte ich die Frösche meist
und benutzte Glastafeln und Korkringe zur Fixation. Andere unter-
suchte ich ohne Curare, nachdem ich sie mit Heftnägeln und Band-
streifen, die ich fest über die grossen Gelenke legte, auf ein Linden-
holzbrettchen gefesselt hatte. Die zu untersuchenden Gewebe wurden
in den letzteren Fällen mit Stecknadeln über ausgebohrte Löcher ge-
spannt.
Bei allen Thieren beobachtete ich die Circulation in Mesenterium
und Lungen bei durchfallendem Licht und etwa 200facher Vergrösse-
rung; Zunge und Schwimmhaut gaben viel weniger schöne Bilder.
Bei einer grösseren Zahl von gesunden Fröschen, an denen ich
die normalen Circulationsverhältnisse studirte, fand ich diese nicht
ganz constant und gleichbleibend. Nicht selten entstehen in den
Mesenterialgefössen durch Verkeilung weisser Blutkörperchen an Ecken,
Verzweigungen etc. Stasen, die sich meist bald wieder lösen; bis-
weilen tritt sogar in einzelnen Capillaren ohne nachweisbare Veran-
lassung eine Aendemng der Stromesrichtung ein. Während in den
Uebergangspausen eine wesentliche Verlangsamung, momentan natür-
lich Stillstand der Ciiüulation eintritt, entstehen plasmatische Slasen,
da keine genügende Druckdifferenz besteht, weldie die BhitkSrpeFcheD
in die engen Kohre hin^inpresst.
Ceniralblatt für Chirurgie. No. 13. 195
In den Lungencapillarew sind zwerchsackfonnige rothe Blutkör-
perchen , die in grösderer Zahl übereinander gepresst bisweilen zu
kurz andauernden und räumlich sehr beschränkten Stosen Veranlassung
gaben, ein geradezu regelmissiger Befund. Sowie beim Auftspannen
der Gewebe eine Knickung oder Quetschung der abfuhrenden GefäBse
enterteht, sieht man im ganzen Gesichtsfeld nur globulöse Stasen^ d. h.
alle CapiUaren sind dicht von ausammengepressten rothen Blutkörper-
chen erfällt.
Zur Untersuchung der Circulationsyerhältnisse bei septisch inficir-
ten Fröschen spritzte ich solchen eine bis zwei Pravaz'sche Spritzen
septischer Flüssigkeit unter die Rückenhaut und beobachtete die Thiere
8 bis 48 Stunden nach der Injection mehrere Stunden hindurch (12
Versuche). Als Infectionsflnssigkeit benutzte ich Wasser^ in dem ge-
kochtes Eiweiss bei Luftzutritt längere Zeit gelegen hatte; die Flüs-
sigkeit enthielt ruhende und sich bewegende Kugel- und Stäbchen-
bactmen einzeln und gruppenweise bei einander in grosser Menge.
Alle Thiere waren mehr oder weniger matt und schwerfällig; bei
zweien zeigte sich starker allgemeiner Hydrops^ drei starben schon
innerhalb der ersten 24 Stunden. Etwa im Verhältniss zu ihrer all-
gemeinen Schwäche litt bei allen die Circulation. Der Blutstrom war
Terlangsamt und es zeigte sich eine verstärkte Neigung zu Stasenbil-
dung; die geringste Zerrung grösserer Gefässe genügte, die Circula-
tion in grösseren Gebieten zum Stillstand zu bringen. Ausserdem
zeigten sich an den Capillaren des Mesenteriums meist zahlreiche aus-
gewanderte Blutkörperchen; diese selbst waren zum grössten Theil
(sowohl innerhalb^ als ausserhalb der Gefässe) stark körnig. Nie zeig-
ten sich als Veranlassung zu Stasenbildung einzelne oberhalb der Ab-
gangsstellen von Seitenästen haftende Blutkörperchen; um solche
schlüpften die circulireuden Blutscheibchen stets ungehindert herum.
Zeigten sich zufällig einmal Bilder, die für ein derartiges Abfangen
des Stromes zu sprechen schienen, so fand sich stets weiter unterhalb
als eigentliches Stromhinderniss eine grössere Verkeilung von weissen
Blutkörperchen. Ueberhaupt fand ich globulöse Stasen fast aus-
scUiesalich oberhalb gesperrter Stellen. — In der Lunge machten
sich die Stasen zuerst in den peripheren Theilen des aufgespiAnten
Organs, d. h. in den stärker gezerrten Alveolen geltend, in denen
oft schon Stillstand eingetreten war, während die mittleren noch leb-
hafteste Circulation zeigten. Von partiellen Stasen war nur im Augen-
blicke des Erlöschens der Circulation etwas zu bemerken. Bei dem
starken Caliber der Arterien, die den einzelnen Alveolen das Blut zu-
fuhren, kann von einem Einfluss haftender Blutkörperchen auf diese
direct nicht die Rede sein; und doch macht sich nach Hüter die
febrile Kreislaufstörung in der Froschlunge vorzugsweise in Ausschal-
tungen ein^lner ganzer Alveolen geltend, während partielle Stasen
eine seltene Erscheinung sind. — Setzte ich die Untersuchung stun-
denlang fort, so wurde der Blutstrom der Thiere allmälig immer lang-
samer und stockte zuletzt meist auch in den grossen Gefässen, obwohl
13*
196 Centralblatt für Chirurgie. No. IB.
das Herz noch schwach pulsirte ; zu gleicher Zeit nahm die Auswan-
derung der weissen Blutkörperchen sichtlich zu.
Bei nicht curaresirten Fröschen zeigte sich die Neigung zur Sta-
senbildung geringer und fehlte in zwei Versuchen ganz, während bei
den hydropischen Thieren die Circulation^ obwohl das Herz noch
schwach pulsirte, gänzlich stockte (va et vient in den grossen Ge-
JTässen). Bei völliger 'Stase konnte ich durch Druck auf einzelne
Theile der untersuchten Gewebe für einige Zeit das Bild lebhaftester
Circulation hervorrufen ; nie bemerkte ich dann durch haftende Blut-
körperchen bedingte partielle Stasen. — In der Erwartung, dass, wenn
die Bacterien die »Fieberstasen« bewirken, ihr Einfluss bei directer
jBinfiihrung in's Blut in kürzester Ze^t sichtbar werden müsste, injicirte
ich 6 Fröschen 1 bis 2 Pravaz'sche Spritzen voll Bacterienfliissig-
keit in die subcutanen Venen in der Seite des Bauches. Ich bediente
mich zu dieser ziemlich subtilen Operation einer fein ausgezogenen
und zum Zweck des Einbindens in die Vene vom leicht erweiterten,
schräg abgeschliffenen Glaskanüle. Die Thiere wurden 2 bis 4 Stun-
den unter dem Mikroskop beobachtet. Freie Bacterien fanden sich
in der Circulation nur spärlich^ dagegen waren die weissen Blutkör-
perchen, und zwar vorzugsweise die wandständigen stark körnig.
Stasenbildungen waren in nicht höherem Grade als bei gesunden
Thieren zu constatiren.
Einer grösseren Zahl von Thieren spritzte ich endlich 1 bis 2
Spritzen einer fein geschlemmten Zinnobersuspension in die Bauch-
vene. Die Kömchen wurden bald zum grössten Theil von weissen
Blutkörperchen aufgenommen, und zwar wieder vorzugsweise von
wandständigen, bewirkten aber nie Stasen, selbst wenn einmal ein
solches Körnchen, viel grösser als eine Monade, zufällig vor der Ab-
gangsstelle eines Seitenastes liegen blieb.
Kurz zusammengefasst sind die Ergebnisse meiner Beobachtungen
folgende :
1) Einzelne nach Hüter für das Fieber charakteristische Erschei-
nungen der Circulation (Stasen — zwerchsackförmige rothe Blutkör-
perclAn) können sich bei gesunden Thieren vorfinden.
2] Die bei septisch inficirten Fröschen beobachteten Stasen ent-
stehen unter dem Einflüsse des CoUapses.
3) Eine mechanische Ablenkung der circulirenden Blutkörperchen
von Seitenästen kommt durch vorgelagerte, aber nicht obturirende
weisse Blutkörperchen oder Fremdkörper (haftende Monaden — Zin-
noberkömchen) nicht zu Stande.
Herrn Prof. Steudener, der mich zu diesen Untersuchungen
anregte und meine Beobachtungen zu controliren die Güte hatte,
sage ich hiermit meinen verbindlichsten Dank.
Centralblatt für Chirurgie. No. t3. 197
Bacterien im normalen Blute.
Von
Dr. Solaezek^
I. Assistent an der chirurg. Klinik xu Breslau.
Entge^n der Behauptung einzelner Beobachter, die im Blute sep-
tisch Kranker von ihnen gesehenen Bacterien wären EindringUnge von
pathogiiostischer Bedeutung, finde ich mich veranlasst zu constatiren,
dass diese auch von mir in solchem Blute zu wiederholten Malen he-
obachteten und anfanglich auch für specifisch gehaltenen Formele-
mente sich ebenso im Blute gesunder Menschen finden, wie dies zahl-
reiche nebenher zur Controlle angestellte mikroskopische Prüfungen
bewiesen haben.
Auch im normalen Blute zeigen sich bei 1000 — 1500facher Ver-
grosserung hin und wieder runde, scharf contourirte, matt glänzende
winzige Kügelchen, öfter zu zwei, selten sogar zu drei kettenartig
angeordnet, in lebhaft oscillirender und Ortsbewegung, während die
Blutkörperchen und ihre molekularen Derivate vollständig ruhig liegen.
Die Doppelkiigelchen stellen sich oft über einander und täuschen so
nur ein einziges Körperchen vor, ganz wie man es an den Mund-
bacterien sieht. Auch eine Vereinigung zweier Doppelkiigelchen zu
einer Winkelfigur mit der beschriebenen Eigenbewegimg ist beobachtet
worden.
Nach allen meinen Erfahrungen über Bacterien in mikroskopischer
Beziehung muss ich die in Rede stehenden Kügelchen, wie ich sie
auch im gesunden -Blute gefunden habe, als Bacterien oder Micro-
coccen ansprechen. Demnach komme ich zu dem Schlüsse, dass Bac-
terien entweder in jedem Blute vorkommen, oder, wenn dies nicht
der Fall sein sollte, trotz aller Cautelen bei Anfertigung der Präparate
aus der Luft hineingerathen.
Letzteres erscheint mir allerdings wenig wahrscheinlich. Denn
wenn ich auch von der Allgegenwart der Micrococcen in unserer
Athmungsluft überzeugt bin, so scheint mir doch die zur Vorbereitung
des Präparates erforderliche Zeit zu kurz, um Object-, resp. Deckglas
oder die Oberfläche des austretenden Bluttröpfchens eine relativ er-
hebliche Menge der kleinen Organismen annehmen zu lassen. Zudem
wurden Objectträger und Deckgläschen mit absol. Alkohol gründlich
gereinigt, darauf abgebrannt und auf ein kurz vorher ausgeglühtes
Dnhtgitter gelegt. In die mit absol. Alkohol gewaschene Fingerspitze,
der das Blut entnommen werden sollte, wurde mit einer eben ausge-
glühten Nadel eingestochen und der vorquellende Bluttropfen mit dem
Objectglase direct abgehoben.
Die UnWahrscheinlichkeit einer zufalligen Beimischung von Luft-
bacterien zu den Präparaten wird aber noch durch folgenden Versuch
wesentlich erhöht, untersucht man nämlich einen Tropfen eben ge-
kochten destillirten Wassers, so findet sich trotz langen Suchens nicht
ein einziges irgendwie sich bewegendes Kömchen oder Stäbchen^
198 CentT^lblatt für Chirurgie. No. 13.
während in ungekochtem auffallend viel Microcaccen vorkommen^
welche durch das Kochen in einen vollständig bewegungslosen Zu-
stand übergeführt werden.
Auch die aprioristische Erwägunge dass diese kleinsten Wesen
durch unsere Nahrung«^ und Athmungsoiigane fortwährend von aussen
aufgenommen werden müssen, spricht zumal mit Rücksicht auf ihre
grosse Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einflüsse dafür, dass sie
wohl auch im Blute circuliren und durch Ausscheidung mittelst der
verschiedenen Collatorien des Organismus für dieseit unschädlich ge-
macht werden. Diese Voraussetzung habe ich durch den Nachweis
vereinzelter, sich deutlich bewegender Bacterien, die den im Blute
beobachteten vollständig gleichen , im normalen Harn verschiedener
Menschen bestätigen können, wenn anders die von mir angewandten
Cautelen gegen ein zufälliges Eindringen derselben in die Präparate
hinreichen. Es wurde nämlich in ein mit Kalilauge und Schwefel-
säure gereinigtes und mit absol. Alkohol ausgekochtes Reagensglas
der Harnstrahl gegen Ende seines Flusses aufgefangen und dann so-
fort mit einer erst jetzt durch Abbrechen geöjQfneten, lang ausgezoge-
neu Spitze eines vorher mit Schwefelsäure gereinigten und am offenen
Ende durch Baumwolle verstopften Glasröhrchens aus der Mitte der
Hamsäule ein Tropfen hervorgeholt und unter den schon bekannten
Vorsicbtsmassregeln unter das Mikroskop gebracht. Die darin ge-
fundenen Micrococcen können ebensowenig wie beim Blute aus der
Luft stammen.
Meine weiteren diesbezüglichen Untersuchungen über die übrigen
Aussoheidungsproducte des menschlichen Körpers sind noch nicht ab-
geschlossen.
Wir erhalten als Nachtrag sn der Originalmittheilung von Prof. Roser aber
fehlende Himbewegung in No. 11 des Centralbi. f. Chir. folgende« Referat:
Zur Casuistik der fehlenden Hirnbewegung.
Ich finde in dem Edinburgh Journal vom Decbr. 1874 folgende
Mittheilung aus der Sitzung der dortigen ärztlichen Gesellschaft vom
11. Novbr. 1874:
»Herr Chiene zeigte einen Patienten vor, dem er am 4. Sept.
1874 nach einem complicirten Depressions-Bruch in der vorderen lin-
ken Schläfengegend Theile des Scheitelbeins» Stirnbeins und der Sohlä-
fenschuppe weggenommen hatte, mit Entblössung der Dura auf 2 1/2 Zoll
in der einen und xy^ ^^ d^^ anderen Bichtung. Die Dura war un-
verletzt. Das Pulsiren des Hirns war bei der Operation nicht zu be-
merken, sei es, dass die Hirnsubstanz viel Quetschung erlitten hatte,
oder dass ein breiter Blutklumpen, zwischen Hirn und Dura liegend,
die Pulsation verdeckte. Der Patient verliess das Hospital mit fest
(firmly) geheilter Wunde am 6. October«. —
In einer Abhandlung über Hirndruck von Gross (American Jour*-
nal of med. sciences, Jiüy 1873, p. 62) heisst es: »Prof. Böser hat
Centraiblatt far Chirurgie. No. 13. 199
künlich (1S66) auf diese Abwesenheit der Pulsatiou^ als etwas Neues,
aufmerksam gemacht, aber diese Erscheinung ist schon seit Jahren
als charakteristisches Symptom von Eiteransammlung hinter der Dura
anerkannte. Ich glaube, wer sich in der Litemtur umsieht, wird die-
sen Ausspruch von Gross nicht bestätigt finden, man trifft keine
Fälle von fehlender Pulsation angeführt und man findet überhaupt
nur spärliche und unbestimmte Andeutungen über diesen Funkt. Wie
wenig dieses Fehlen der Himpulsation , nachdem es Guthrie vor
60 Jahren zur Sprache gebracht, bisher Gegenstand der Aufmerksam-
keit war, mag am besten aus einer Yergleichung der verschiedenen
Auflagen von Erichsen (science and art of surgery] hervoigehen.
Im Jahr 1853 sagt Erichsen: t>yfenn die Dura vorgetrieben er-
scheint, so kann eine Incision in diese Membran gemacht werden«.
Im Jahr 1869 heisst es: »wenn die Dura vorgedrängt erscheint
und ohne Pulsation, so darf man sogar eine Incision durch diese
Membran machen, in der Hoffiiung, dass ein umschriebener Abscess
vorhanden sein und dessen Entleerung erleichtert werden möchte«.
Erst im Jahr 1874 spricht sich Erichsen bestimmt aus: »die
Abwesenheit der gewöhnlichen Hirnbewegung ist in solchen Fällen
ein wichtiges Zeichen, welches einen Abscess unter der Dura oder im
Hirn selbst andeutet«. W. Böser (Marburg).
V. Feltz. Sur la septic^mie exp^rimentale.
(Compte« rendus T. 79. p. 1268-71.)
F. hat zwei grössere Versuchsreiheu an Kaninchen, die eine mit
faulem, putridem Blut, die andere mit dem durch successive Inocu-
lation fieiulen Blutes erhaltenen septischen Klute angestellt. Die Thiere
liess er während der ganzen Beobachtungsdauer durchaus unter ihren
früheren Verhältnissen (sie konnten in einem geräumigen Locale frei
umherlaufen), und gerade diesem Punkte legt F. grosse Bedeutung bei.
Er glaubt sich überzeugt zu haben, dass man sonst ganz falsche Re-
sultate erhält. Subcutane Injection faulen Blutes in der Dose von
1 — 3 Theilstrichen einer Pravaz'schen Spitze führte unter den be*
kannten Erscheinungen im Laufe von 3 — 10 Tagen den Tod herbei, aber
unter 9 Thieren nur bei 7. Inoculation desselben Blutes mit der Lanzette
tödtete von 9 Thieren nur 1 . Wurde ferner das faule Blut sorgfältig
getrocknet und dann einige kleinere Kömchen davon eingeimpft, so tra-
ten keine abnormen Erscheinungen auf. Unterwarf F. faules Blut
der Dialyse und injicirte er von der diflundirten Flüssigkeit 3 — 5
Theilstriche Pravaz, so erhielt er kein Resultat, obwohl in der
Flüssigkeit zahlreiche Bacterien, analog denen des faulen Blutes, nach-
weisbar waren. Um tödtliche Infectionserscheinungen hervorzurufen,
musste mindestens 1 Theilstrioh Pravaz injicirt werden; weitere
Verdünnung erwies sich als septisch erfolglos.
Kaninchen, denen von dem septischen Blute, das stets frisch be-
nutzt wurde, 1 — 3 Theilstriche einer Pravaz'schen Spitze subcutan ge-
200 Centralblatt ffir Chirurgie. No. 13.
geben wurden^ gÜQg^i^ sämmdicb innerhalb 16 — 60 Stunden unter allen
Zeichen der Septicämie zu Grunde. Von 9 Thieren^ denen septiBches
Blut mit der Staamadel eingeimpft wurde^ gingen 7 im Verlaufe von
4 Tagen zu Grunde. Die Einimpfung einiger Stäubchen getrockneten
septischen Blutes hinter das Ohr hatte bei 6 Thieren (von 9) einen tödt-
liehen Erfolg. 3 Thiere^ welche von dem dialysirten putriden Blute
7y resp. 8, 9 Theilstr. Fravaz' erhalten hatten, starben unter acuten
Erscheinungen, vier andere, denen 4, resp. 5, 6, 7 Theilstr. Pr. bei-
gebracht waren, zeigten ausser massigem Fieber keine auffalligen
Symptome; zwei Kaninchen endlich, die nur 1 — 2 Theilstr. Pr. er-
halten hatten, blieben ganz frei von Störungen. Die geringste Ver-
dünnung septischen Blutes, die noch tödtlich wirkt, waren 6 Theilstr.
Pr. einer Verdünnung von 1 : 8000. Es wirkt mithin das septische
Blut energischer, als das einfach putride (Davaine, Dreyer). Die
septische Wirkung nimmt mit den folgenden Generationen zu; sie
hsdltet auch noch der geringsten Menge an, wenn nur das Blut nicht
mit anderen Dingen gemischt oder verdünnt wird. Aus den Dialyse-
Versuchen geht hervor, dass die septisch wirkende Substanz sich mit
Wasser nicht gut mischt oder sich kaum darin löst.
J.Mnnk (Stnwaburgi/E.).
Berns. TJeber die Bedeutung der Transfusion bei fieberhaf-
ten Zuständen von Thieren und Menschen.
(Arch. f. klinische Chirurgie Bd. XVII. Hft. 3. p. 411—423.)
Von drei möglichst gleich schweren Thieren derselben Species
wurden zwei 12 bis 14 Stunden vor der Transfusion durch subcutane
Einspritzung von faulem, bacterienhaltigem Blute septikämisch ge-
macht. Dann wurde dem am stärksten fiebernden Exemplar Blut
meist in die Jugularis übergeleitet, und das andere zur Controlle be-
lassen, während das gesunde dritte Thier das Blut hergab.
Nach 26 in dieser Weise an Kaninchen angestellten Transfusionen
erfolgte nur 5 Mal ein evidenter Temperaturabfall. Im Uebrigen
waren diese Verhältnisse höchst schwankende, so dass sich ein Typus
für die Curven bei den transfundirten und nicht transfundirten Thie-
ren kaum aufstellen lässt. Im Allgemeinen kann nur angegeben wer-
den, dass einige Stunden nach der Transfusion ein Temperaturabfall
grösserer, kleinerer oder unbedeutender Art stattfindet, dass ein
solcher Abfall aber auch bei den Controllthieren nur langsamer, dafür
aber sicherer als bei den transfundirten Thieren vor sich geht, und
dass überhaupt die Temperaturdifferenzen bei den Controllthieren nie
so gross sind, als bei den transfundirten.
Weiter war in 26 derartigen Versuchen die Lebensdauer von It
transfundirten und Controllthieren eine gleich lange, in anderen 6
Fällen lebten die transfundirten Thiere, in den 9 übrigen die Con-
trollthiere länger. Im Durchschnitt v^etirten 23 transfundirte Thiere
8 Tage, 23 ControUthiere 9V2 Tag. 5 an Hunden ausgeführte Ver-
suchsreihen gaben ebenfalls sehr schwankende Resultate.
Centralblatt fQr Chiruxgie. No. t3. 201
In zwei von den 5 Fällen starb das ControUthier, während das
txansfundirte am Leben bliebe in 2 anderen Fällen fand aber das Um-
gekehrte statt. 1 Mal blieb sowohl das transfundirte^ als auch das
ControUthier am Leben.
Ohne jeden Erfolg blieben weiter 2 an pyämischen Menschen
ausgeführte BlutüberleitUDgeo, so dass man in Summa die Hoffiiun-
gen, die auf die Wirksamkeit des Verfahrens bei fieberhaften Krank-
heiten gesetzt wurden, als eitle betrachten und annehmen darf^ es
habe sich in den wenigen Fällen, in welchen bei ausgesprochener
Pyämie nach der Transfusion Genesung eintrat, um Spontanheilun-
gen gehandelt. Willi. Koch (Berlin).
Chiruigischer Bericht des Middlesex-Hospitals.
Dem Berichte dieses Londoner Spitals entnehmen wir, dass da-
selbst 1873 behandelt sind 1257 Kranke, darunter 709 M. und 548 W. ;
Yon diesen wurden gebessert und geheilt entlassen 560 M., 380 W. ;
ungeheilt 1 1 M., 16 \V. ; auf eignen Wunsch entlassen 22 M., 19 W. ;
es starben 47 M., 59 W. Abgesehen von den an Krebs Gestorbenen
betrug die Mortalität 8,59)1^. (Das Hospital umfasst eine besondere
Krebsabtheilung. Ref.j
Der Bericht giebt in der ersten Tabelle A sämmtliche Erkrankungen
nach den Körperregionen übersichtlich geordnet; in Tab. B sämmt-
liche an Carcinom Behandelte und berücksichtigt hier in übersicht-
licher Form neben den ^wohnlichen Daten die Heredität, die Dauer des
Leidens, die secundär ergriffenen Organe. Aus dem Jahre 1872 verblie-
ben 25 Krebskranke in Behandlung, dazu kamen im Jahre 1873 133 ; bei
17 Personen war schon früher operirt worden, bei 43 wurden opera-
tive Eingriffe vorgenommen, femer 1 Mal die Tracheotomie und 1 Mal
die Ligatur der Carotis. (Der Collectivbegriff Carcinom ist leider zu
weit gebraucht, denn sämmtliche maligne Tumoren sind in ihm ein-
geschlossen worden wie Sarcom, Enchondrom etc. Ref.)
Die 3. Tabelle C giobt eine Uebersicht über 51 zugegangene und
26 im Spitale entstandene Infectionskrankheiten, hauptsächlich Phleg-
monen, Erysipele, 1 Mal Septikämie, 6 Mal Pyämie. — Tabelle D ver-
einigt 18 wegen incarcerirter Hernien Behandelte; von den 12 mit
Eröffnung des Sacks Operirten starb das 7 Wochen alte Kind mit
eingeklemmtem Nabelbruche (und zwar derjenigen Form, bei welcher
der duetus omphalo-meser. ungeschlossen bleibt) und ein 66j. Mann,
bei dem keine Hernie vorher bestand. 6 Hernien wurden durch Taxis
nach Eisbehandlung zurückgebracht. — Tabelle E enthält 10 compli-
cirte Fracturen, von welchen starben : eine Fractur beider Oberschen-
kel mit Betheiligung des Knies und eine Fractur des Oberschenkels,
complicirt mit sternförmiger Fractur der Kniescheibe.
Tabelle F giebt den Befund sämmtlicher 105 Autopsieen; Tabelle
H endlich die ausgeführten Operationen. Die wichtigeren derselben sind :
Amputationen: 3 Mal Oberschenkel (H.), 5 Mal Unterschenkel
(l f), 7 Mal Syme'sche Operation (1 f), 3 Mal Vorderarm (l +).
202 Centralblatt für Chirurgie. No. 13.
Besactioneii : 1 Mal Hüfte, 1 Mal Fuss, 1 Mal Ellenbogen, 1
Mal Hand, 1 Mal Os calc. (alle geheilt).
Ligaturen: 1 Mal Carot. comm., 1 Mal lliac. ext. (f), 1 Mal
Femoralis, 4 Mal Radialis, 3 Mal Lingualis.
Ovariotomie 2 Mal (gest.), Amput. linguae 4 Mal, Staphyloraphie
2 Mal, Lithotomie 4 (1 f), Liüiotripsie 2, Colotonüe l (t), Sequestro-
tomieen 20. Pils (Stettin).
E. Lund. 5jähr. chirurgische Thätigkeit am königl. Hospitale
zu Manchester.
London. Simpkiny Marshall & Co.
Der vorliegende treffliche Bericht, ein Abdruck aus dem Liver-
pool und Manchester Med. and Surg. Rep. 1874, 99 Seiten stark,
giebt uns ein deutliches Bild von der Tüchtigkeit und Emsigkeit des
chirurgischen Leiters, welcher bestrebt ist, auf seiner Abtheilung die
neuesten Erfahrungen und Methoden zu benutzen, ohne die erprobten
Encheiresen und gesicherten Erfahrungen früherer Zeiten ausser Acht
zu lassen« Fast jedes Kapitel giebt hiervon ein erfreuliches Zeugniss
und bedauern wir, auf das Detail der operativen Besprechungen und
Erwägungen, und auf die ausgewählte Casuistik hier nicht näher ein-
gehen zu können.
Der Bericht reicht von 1. Jan. 1867 bis Decbr. 1871. In dieser
Zeit sind 1309 Personen behandelt, darunter 977 M. und 332 W. ;
es starben 75. Die Krankheiten sind in der Abhandlung unter fol-
gende — eines einheitlichen Prineips entbehrende — Abtheilungen
gebracht: Contusionen 142, Wunden 122, Amputationen 61, Geschwüre
82, Hernien 25, Geschwülste 21, Abscesse 40^ KlumpfUsse 2, Ver-
renkungen 5, Knochenbrüche 304, darunter 45 complicirte. Erkran-
kungen der Arterien 15, der Venen 2. Affectionen des Schädels und
seines Inhaltes 34, der Wirbelsäule 20, der Harnblase 35, der Harn-
röhre 28, des Penis und Scrotum 11, der Hoden 10, der Brustdrüse
22, der Ovarien 8, der Gebärmutter 16, des Auges 5, des Ohres 2,
der Nase 4, des Mundes 15, des Larynx und der Trachea 15, des Rec-
tum 20. — Jede dieser Abtheilungen wird nach der Art der einzu-
reihenden Fälle in weitere Unterabtheilungen gebracht. Eingangs
der Besprechung dieser Unterabtheilungen sind die sämmtlichen Fälle
stets in einer Tabelle geordnet vorgeführt, welche ausser den gewöhn-
lichen Rubriken von Alter, Geschlecht, Ausgang etc. je nach der
Wichtigkeit der Materie eine Reihe anderer Columnen enthält. Her-
vorheben möchten wir nur, dass L. Lister's antiseptische Behand-
lungsmethode übt (mehrfach in modiUcirter Form), dass er zur Liga-
tur carbolisirtes Gatgut verwendet; bei Fracturen werden vorwiegend
Schienen- Verbände anlegt, oft combinirt mit Extension, die L. fiwt aus-
schliesslich bei Gelenkaffectionen anwendet ; bei Aneurysmen wird erst
nach Misserfolg der Compression die Ligatur der Arterie vorgenommen.
Pils (Stettin).
Centralblatt fQr Chirurgie. No. 13. 203
J» Gripps. Die Behandlung der Nachblutung nach Ligatur
der Femoralis in der Continuität.
(Bartholomew's HospitaUReporto. Bd. 10. p. 87.)
Da die Yeifmhren bei Nachblutungen , welche aus der in ihrer
Continuität unterbundenen Femoralis erfolgen, sehr differiren, hierfür
aligemein gültige Grundsätze bisher nicht aufgestellt sind^ so hat Verf.
in vorliegender Arbeit die Resultate seiner statistischen Erhebungen
mitgetheflt. Die angewandten Methoden ergeben:
No. 1) 14 Ligsturen der Iliaca ext. mit 12 TodetfUlen und 2 Genesungen
No. 2) 5 Amputationen des Obemch. » 2 (3)*) » »2 »
No. 3) 12 Wiedereröffnungen d. Wunde »7 » »5 »
No. 4) 15 Feste Einwicklung u. Compress. »3 • »12 »
No. 5) 7 Fftlle ohne jede Behandlung »4 » »3 »
lusammen 53 Fftlle mit 28 Todesfällen und 25 Genesungen
Mit Uebeigehung der Details, für welche auf's Original verwiesen
wird, sei hier bemerkt, dass No 1 (Lig. der Iliae. ext.) eigentlich
absolut erfolglos geblieben ist, denn bei den 2 Genesenen musste
1 Mal wegen beginnender Gangrän die Amputation des Oberschen-
kels gemacht werden; 1 Mal konnte die von Neuem erfolgte Nach-
blutung nur durch Compression gestillt werden. Die Amputation,
mit hoher Mortalität {^Oßd) kann nur in den verzweifeltsten Fällen
(Fehlschlagen jeder anderen Massnahme] und bei entstandener Gan-
grau in Frage kommen. (Die Compression war in den angegebenen
Fällen nicht vorher versucht worden.) Die Wiederöffhung der Wunde
hat auch keine besonderen Chancen im Gefolge gehabt, denn wenn
das Aufsuchen der blutenden Stelle in einigen Fällen auch leicht ge-
lang, so war es in der Mehrzahl derselben doch sehr mühsam und
schwierig, ja mehrfach resultatlos; 1 Mal hatte die Wiederöffnung
der Wunde eine schnell tödtlich werdende Blutung im Gefolge. (Von
den 5 Genesenen bekamen 2 Nachblutungen, die durch Compression
gestillt wurden.) Ohne Zwischenfall verliefen nur 3 Fälle, in denen
über und unter der Verletzung die Unterbindung gemacht war.
Die besten Resultate hat zweifellos die unter No. 4 angewandte
Compression aufzuweisen, dem wir noch hinzufügen wollen, dass bei
2 Gestorbenen die die Blutung sistirende Compression den Tod durch
Erschöpfung nicht hindern konnte. Die Sorge einer leicht eintreten-
den Gangrän hatte sich in keinem Falle verwirklicht. Die Nach-
blutungen entstammten meist dem peripheren Ende.
Pill (Stettin).
J. Paget Erkrankung des Warzenhofes als Vorläufer des
Brußtdrüsenkrebses.
(Barthol omew's Hospital-Reports. Bd. 10. p. 87.)
P. fand in etwa 15 Fällen bei Frauen zwischen 40—60 Jahren
eine eigenthümliche Hautaffection der Brustwarze und des Warzen-
*) 1 Mal wurde nach erfolglof gemachter Ligatur der Iliae. ext. die Amputap-
tion vocgenommen.
204 Centralblatt für Chirurgie. No. 13.
hofes dem nach 1 — 2 Jahren auftretenden Brustdrüsenkrebse vorauf-
gehen. In diesen Fallen erschien die geröthete Haut der Areola leicht
granulirt und secemirte klare^ gelbliche, viscide Flüssigkeit; dabei
bestanden stechende, prickelnde oder brennende Schmerzen. Dieser
Eruption, welche jeglicher Behandlung widerstand, theils das Ansehen
eines chronischen Eczems, theils das der Psoriasis zeigte (gerade letz-
tere Form hatte eine Tendenz zur weiteren Ausbreitung über die
Brustdrüse) und das Allgemeinbefinden nicht sonderlich beeinflusste,
folgte nach 1 — 2 Jahren Krebsentwicklung in der Brustdrüse. Bis-
weilen begann diese Entwicklung entfernt von der erkrankten Haut-
stelle. AehnUch will P. chronische Hauterkrankungen der Krebsbil-
dung an Lippe und Eichel haben vorausgehen sehen.
Was nun die praktische Seite anlangt, so möchte P. bei Personen
mittleren Alters aus Familien, in welchen Krebserkrankungen vor-
gekommen sind, die Exstirpation der erkrankten Partie ausgeführt
sehen. PUi (Stettin).
Oiraldös. Sur un point du traitement de la p^riostite phleg-
moneuse diffuse.
(Bulletin de l'acad^mie de m6d.' 1875. No. 2.)
Bis 1865 hatte G. nach dem Vorgange von Chassaignac obige
schweren Knochenprocesse, sobald es zur Abscessbildung gekommen
war, durch ausgiebige Incisionen und nachfolgende Drainage behan-
delt. An die Entfernung der gewöhnlich nekrotischen Diaphyse schritt
er erst nach Bildung einer soliden Sequestralkapsel von Seiten des
Periostes. — Nachdem aber Holmes (Lancet 1865, April) aus
dem St. George's Hospital in London einen günstigen Erfolg von
unmittelbarer Herausnahme einer vom Periost völlig denudirten und
abgestorbenen Tibia beschrieben hatte, gleich nach Eröffiiung der
subperiostalen Eiteransammlung, führte G. dieses Verfahren in seine
Praxis ein u:nd empfiehlt dasselbe, auf 7jährige Erfahrung gestützt,
auf s Wärmste. Dieses energische Vorgehen erspare den jugendlichen
Pat., welche ja fast ausschliesslich von dergl. Affectionen betroflfen
werden, langwierige erschöpfende Eiterungen, welche durch die An-
wesenheit des Sequesters unterhalten, zu immer neuen Abscessbildun-
gen und nicht ausheilenden Fisteln Veranlassung geben. Auch sei
die frühzeitige Beseitigung der mortificirten Diaphysen weniger schwie-
rig und minder eingreifend, als die später erforderliche reguläre
Sequestrotomie.
G. hat nach obigen Grundsätzen bei den acuten Knochenent-
züudungen besonders an den unteren Extiemitäten verfahren und räth
zu frühzeitigen operativen Eingriffen an der Tibia, der Fibula, dem
Calcaneus und den Metatarsalknochen. Am Femur und am oberen
Theil des Humerus scheint ihm das Verfahren jedoch nicht gerecht-
fertigt. Wichtig sei es, die Anheftungen von Muskeln und Sehnen
intact zu lassen, was durch die spontane Ablösung des Periostes vom
(*entralblatt fflr Chirurgie. No. 13. 205
Knochen wesentlich erleichtert wird. Vor Allem muss aber nachträg-
lich für gute Fixation der Extremität in richtiger Stellung und natür-
licher Länge gesorgt werden und zwar am besten durch Gypsumgüsse
oder Gypsverbände, welche G. schon seit 1863 bei Gelenkaffectionen
erprobt hat. Lesser (Berlin).
J. White. Giftige Eigenschaften der Arnica-Tinctur fiClr die
Haut.
(Boston med. and aurg. Journ. 1875. p. 61.)
Da über schädliche Folgen der so häufig applicirten Arnicatinctur
bisher von ärztlicher Seite sich keine warnenden Stimmen erhoben
haben, so berichtet W. ausführlicher über 3 Fälle, in welchen die
Anwendung der Arnicatinctur ein heftiges Eczem hervorrief, welches
sich in einem Falle weit über die Applicationsstelle hinaus verbreitete
und nur langsam verschwand. — Jeder Zweifel über die Art des
Ausschlages und seines Zusammenhanges mit der Anwendung der
Tinctur ist durch die genaue Darlegung der Fälle ausgeschlossen. —
Am Schlüsse seiner Arbeit weist W. auf die Möglichkeit hin, dass
manche uns zur Behandlung kommenden Eczeme der Arnicatinctur
ihre Entstehung verdanken mögen und dass er in der Literatur nur
in Hebra's Hautkrankheiten in dem Kapitel über Erythema nodosum
als schädliche Folgen der Tinctur, Dermatitis und Eczem angeführt
finde. Pill (Stettin).
J. Pippingsköld. lieber Erweiterung der Harnröhre.
(Beiträge zur Oeburtohfilfe und Oynftkologie 1874. Bd. III. Hft. 2.)
Nach Verf. ist die vorangehende Erweiterung der Harnröhre bei
eingreifenden Operationen, speciell am Gebärmutterhalse, am Gewölbe
und an der vorderen Wand der Scheide, zu empfehlen, so wie leicht
auazuftthr^i. Diese Methode, anstatt mit Pressschwamm nach H u g u i e r ,
mit glatt gedrechselten, zu 3 bis 4 zusammen eingeführten liaminaria-
cylindem vorgenommen, beleuchten vier ausfuhrliche Krankenge-
schichten, die im Original zu vergleichen sind.
Die Cylinder stören nicht das Uriniren, lassen sich leicht ent-
fernen und verursachen nach der Dilatation keine Incontinenz. Die
Wirkung der Erweiterung hat immer lange genug gedauert und ist
einer in kürzerer Zeit mittelst Finger, Sonden oder Specula forcirten
vorzuziehen. Leopold (Leipzig).
Kleinere Mittheilungen.
Aneurisma da arteria carotida externa direita curado pela compressäo
digital.
(O Correio medico de Lisboa 1875. No. 9. p. 97.)
Ein 36jAhr. verheiratheter Mann, seit 16 Jahren in Bahia wohnend, hatte ror
Jahren an rheumatinchen Beschwerden und Husten gelitten. Seit einem Jahr stell-
206 (>'entralblatt für Chirurgie. No. 13.
ten sich Schmcfrten rechts am Halse und am rechten Ohre era. Wegen der ent-
staadenei) pnlsirenden Geschiralst am Halse wurde im Septbr. 1874 ein erster Ver-
such mit der Digitaloompression der carotis communis vorgenommen, in den ersten
10 Tagen w&hrend 9 Stunden tftglich, in den folgenden 29 Tagen während 14 Stun-
den tftglich. Daneben Digitalis und Chloralhydrat innerlich und eine Eisblase auf
den Hals. Nach 39 Tagen war zwar die Qeschwulst kleiner und härter, pulsirte
aber immer noch. Dies entmuthigte den Fat., der nach Lissabon reiste, um Bar-
bosa zu consultiren. Die länglich ovale Geschwulst vom rechten Unterkieferwin-
kel bis zur Schilddrüse herabreichend, füllte den Raum an der Bans des trig.
carotideum, zwischen Kopfnicker und Sohildknorpel. Die Haut darüber mit zahl-
reichen Venennetzen. Die starken Pulsationen der Geschwulst, wobei dieselbe an
Umfang zunahm, sowie die Blasegeräusche, verschwanden jedesmal bei Compression
der carotis communis. Herz und Lungen gesund. Die Diagnose wurde auf Aneur.
art. carot. ext. gestellt und die Digitaloompression von Neuem eingeleitet. Pat.
vertrug dieselbe in sitzender Stellung nicht, daher wurde dieselbe in horizontaler
Lage während 18 Tagen zu 10 — 12 Stunden täglich, dann ununterbrochen während
41 Stunden fortgesetzt. Nach 40 Tagen, während welcher man im Ganzen während
283 Stunden comprimirt hatte, konnte die Heilung als definitiv erklärt werden.
Nach dem Bericht ist dies der erste nach Digitaloompression der Carotis commu-
nis glücklich verlaufene Fall in Portugal. UUersperger (München).
Burow (Königsberg). Zur Operation am hängenden Kopf.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 5.)
B. hat nach Kose's Vorschlag (cf. Centralbl. f. Chir. 1875, No. 7}^ am hin-
tenüber hängenden Kopf zwei Geschwulstexstirpationen im Munde gemacht; zuerst
eine Epulisexstirpotion, wobei die Blutung am hängenden Kopfe grösser zu sein
sohlen, ak am aufrecht gehaltenen zu erwarten gewesen wäre. Wie ein nach der
Operation erfolgendes Erbrechen erwies, war während der Narkose Blut ver-
schluckt worden. In die Trachea war kein Blut gekommen und die Operation
(Führung der Säge) eine bequemere, als bei aufrechter Stellung. — Bei einer zweiten
Operation (Exstirpation zweier Tumoren des Gaumengewölbes} hatte kein Ver^
schlucken von Blut stattgefunden. T* Mosengell (Bonn;.
Milner. Complete Trennung des Hinterhauptes von der Wirbelsäule.
(Bartholomew's Hospital-Reports. Bd. 20. p. 313.)
Dieser vom Verf. als Unicom bezeichnete Fall kam bei eitiem 38jShr. Manne
zur Beobachtung, der 70' hinabgestfirzt war. Abgesehen von den zahlreiohen Brfkr
okea und Kupturen fand man da« Hinterhaupt vollständig von der Wirbelsäule
getrennt, ohne dass die Qelenkflächen des Hinterhauptbeins und des Atlas eine
Spur von Verletzung darboten. Ausser den zwischen beiden Knochen befindlichen
Bändern waren noch die ligg. later. und suspeusor. dentis, epistroph. vom Hinter-
hauptsbeine abgerissen, die Vertebratgefässe und Medulla durohtrennt, der hintere
Bogen des Atlas abgebrochen ; eine Fractur der Sehädelbasis war nicht nachzu-
weisen (Eröffnung der Schädelhöhle nicht gestattet). Eine 4" lange Hautverletsung
am Kinn war die einzige Wunde am Kopfe. Obwohl die Leiche in der Rücken-
lage gefunden wurde, kann die Kopfluxation nur durch AufTallen bei stark an die
Brust adducirt€fm Kopfe erfolgt sein. Die 3 bekannten unvollkommenen Hin-
terhauptsbein - Luxationen von Lassus, Paletta und Bouisson referirt M.
nach Malgaigne. Pils (Stettin).
H. Fiiohiev (Breslau). Zur Hesection des Schulterblattes.
(Deuteche Klinik 1876. No. 1. p. 1.)
F. theilt 2 eiminder sehr ähnliche Fälle von Besection des Sohulterblattes mit,
welche er im Jahre 1873 und 1874 in seiner Klinik ausgeführt hat. In beiden
Fällen handelte es sich um grosse l'umoren der Scapula, ein Enchondrbm und ein
Myxochondrom, welche beinahe das ganze Schulterblatt einnahmen. Es wurde ein
Centralblatt för Chirurgie. No. 13. 207
der Spina tcapulae folgender Querschnitt gemacht und die ganze Scapula mit Aub-
nähme des Acromion und Gelenktheiles entfernt. Die Operation und Nachbehand-
lung geschah streng nach Lister 's antiseptischer Methode. In beiden Fällen war
bereits nach 4 — 5 Wochen die Heilung yoUendet. P* Bums (TQbingen).
H. Maas (Breslau). Grosser Echinococcus des Beckeneinganges.
(Deutsche Klinik 1875. No. i. p. 2.}
Bei einem Echinococcus im rechten Hypochondrium von über Kindskopfgrösse
wurde nach dem Verfahren yon G. Simon zunächst die Doppelpunction mit 2
dünnen Troikarts und 3 Tage später die Incision zwischen diesen beiden und die
Entfernung dee Sackes Yorgenommen. Operation und Nachbehandlung nach L ist e r 's
Vofacfariften. Der Verlauf war vollkommen fieberlos, die Eiterung sehr gering, die
Heihing bereits nach 21 Tagen vollendet. P. Bniiis (Tabingen).
H. Bänke (Halle). Zwei Fälle von Hygrometi der Bursa trochan-
terica.
[Aus der chif. Klinik des Prof. Voikmann. Berl. klinische Wochenschrift
1875. No. 4.)
In der Hallenser Klinik wurden von diesem seltenen Vorkommen fast gleich*
zeitig zwei Fälle beobachtet. Der eine betraf einen Bergmann, der in dem Manns-
felder Bezirk arbeitete, wo ein Kupferschieferflötz wegen der geringen Stärke der
ersfnhrenden Schicht nur 2^/2 — 3 Fuss hoch abgebaut wird und die Arbeiter dess-
halb mit Hüfte und Achsel der linken Seite auf je einem Brette liegend arbeiten
und rutschend sich weiter bewegen. Hierin liegt das aetiologische Moment fOr
die betreffende Bursitis. Der Tumor bestand aus einer grösseren oberen, fluo-
tuirenden und kleineren unteren scheinbar festem Geschwulstpartie, wurde in toto
extirpirt, war gegen die Haut überall verschiebbar und enthielt etwas haemorrhagisch
gef&rbte Cystenflassigkeit. Die Heilung erfolgte schnell unter Lister'schem Ver-
fiahren. — Der zweite Fall war ohne nachweisbaren Grund entstanden, betraf einen
Oekonom von 19 Jahren. Die Geschwulst, seit 4 /ahren beobachtet, wuchs be-
trächtlich, verursachte Schmerz und Schwäche- im Bein und war zuletzt manns^
kopfgross. Für einen kalten Absoess gehalten, wurde sie nach Lister geöffnet
und documentirte sich durch Ausfluss von aeröser Flüssigkeit mit vielen Beiakör*
nem als das, was sie war. Ein Versuch, durch Compressionsverband die Wan-
dungen aneinanderheilen zu lassen, gelang wegen der Grösse nur an einzelnen
Partieen. Im Uebrigen verlief die Heilung normal. Y. MOMngefl (Bonn).
Hödge. Excision of the hip- Joint in chronic arthritis or hip-disease.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 164. p. 177—182.)
H. theilt die Krankengeschichten von 7 zwischen dem 5. und 11. Jahre stehen-
den Kindern mit, die wegen ulceröser Colitis im Hüftgelenk resecirt wurden. Alle*
mal gaben die Indicationen zur Operation ausgebreitete Abscesse, welche sich 6
Mal in der Nachbansebaft des Gelenkes Öffneten, einmal aber durch das Foramen
obtniatwn zum Lig. PonpartU emporstiegen und an dessen oberen Rande durch-
bnehen.
Die weichen Gelenktheile waren allemal voUkommen lerstörti die Knorpel
erodst, Kopf und Hals des Knochens oariös, mehr oder weniger resorbirt und 2
Mai avf' 8 Dannbein kixirt. Auch bestand in jedem Falle Caries der Oelenkpüanne,
doch nur einmal von ihr aus eine Perforation nach dem Becken. 5 Mal mussten
eonatitntionelle Anlagen, 2 BCal daneben auch Trauma als Ausgangspunkt der Er-
krankung angenommen werden.
UmnitteilMr tddtlieh verlief nur ein Fall, bei welchem der Operation sofort ein
Erysipel folgte. 3 Mal kam es zur Fistelbildung und amylotden Degenention der
groseen Unterleibsdrüsen ; 3 Mal vernarbte die Resectionswunde in wünsohenswerther
Weise.
208 Ceutralblait für Chirurgie. No. 13.
Vom Femur wurden meint beide Trochanteren, von der Pfanne nur die er-
krankten Stellen fortgenommen. Offene Wundbehandlung und gleichzeitige Exten-
sion der Extremit&t nach der bekannten Weise.
Sayre in New- York resecirte in ähnlichen Fällen 50 Mal und verlor etwa 2b ^
der Operirten vor der festen Vernarbung der Wunde. Wilh» Kooh (Berlin).
Horton. Pennsylvania hoepital. Gunshot wound of the knee-joint.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 162. p. 151.)
Ein 45jähr. Arzt bekommt aus nächster Nähe eine Pistolenkugel in's linke
Kniegelenk, die die gössen G^fässe und Nerven der Kniekehle in Mitleidenschaft
gezogen haben musste, da schon einige Stunden nach der Verletzung der Unter-
Schenkel unempfindlich und stark geschwollen war und die PuUationen in beiden
Art. tibial. fehlten. Am folgenden Tage nach dem Auftreten von Blasegeräuschen
in der Kniekehle Amputation des Oberschenkels.
Section des Stumpfes. Nerv, popiiteus extern, gequetscht. In der Arteria
Poplitea ein ca. Vs Zoll grosses einfaches Loch mit zerfetzten Rändern, in der
Nähe desselben ein Knochensplitterchen in der Arterienwand. Vena poplitea an
2 Steilen durchschlagen. Willi. Koek (Berlin).
H. Marsh. Syphilitische Affection der Patella.
(Bartholomew's Hospital-Reports. Bd. 10. p. 395.)
Ein 29jähr. Mann, welcher secundäre Affectionen gehabt hatte, bekam nach
Stoss am 1. Knie vorübei^ehende Schwellung und Schmerzhaftigkeit; 6 Monate
später traten heftige nächtliche Schmerzen in dem von Neuem geschwollenen Knie
auf; Jodkali schaffte Linderung. Jetzt, nach einigen Jahren, erscheint die Haut
über und um die Patella geröthet; mit Venennetzen durchzogen; Patella selbst
sehr empfindlich, in allen Durchmessern veigrössert (3" 1. und 2Vs" br.), die Func-
tion des Beines gestört ; Jodkali in gprossen Dosen lange gebraucht, hebt nur die
Schmerzen auf. Somit handelt es sich wohl bei Abwesenheit jedes anderen Knochen-
leidens um eine auf syphilitischer Grundlage durch Trauma hervorgerufene Oatitia
und Periostitiß der Patella. Pili (Stettin).
Blozam. Luxation der Kniescheibe.
(Med. Soc. of London 1874. Nov. 30. Lancet 1874. Vol. II. p. 800.)
Ein tOjähr. Knabe hatte seit 5 Jahren eine Luxation (completeP Ref.) der
Patella (traumat. oder spont ?} ; diese Luxation entstand jedesmal bei der Beugung
des Kniees und wurde aufgehoben durch die Streckung desselben ; in der Familie
bestand Rachitis. (Der Bericht ist zu knapp, um den Werth des möglicherweise
sehr interessanten Falles würdigen zu können.) PUx (Stettin).
Davy • Kniegelenksresectionen .
(British med. Journal 1875. p. 15. — London med. Soc.)
D. giebt die Resultate über 7 von ihm im Westminster-Hospital ausgeführte
Kniegelenksresectionen. 2 sind etwas gekrümmt geheilt; alle können trotz der ein-
getretenen Verkürzung mit erhöhtem Stiefel sehr gut gehen; die mittlere Aufent-
haltsdauer im Spitale betrug 82 Tage. Zur Erreichung dieses Resultats trugen wesentr
lich bei die blutsparende Methode Esmarch's und die einfache Nachbehandlung
in absoluter Ruhestellung. Pill (Stettin).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H, IWmonfif, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Veriagskandluiig,
BreUkopf und BärtH, einsenden.
Druck and Verl»g von BrAitkopf aad Hftriel in L^ipxig.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
heraasgegeben
TOB
Dr. L. Lesser, Dr. 1 Meüe, Dr. H. Tülnaniu
in Berlin. in Hftlla ». 8. in Leiptig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 14. Sonnabend, den 3. April. 1876.
falhalt; Frisch, Experimentelle Stadien über die Verbreitung der FiuInlasorganiBmen.
— Semmery Faserstoffbildnng. — ParORa, Bericht. — ViRCtndon, Behandlang der Spon-
dylitis. — Dnbrtiiil-CliMibard«!, Behandlung der Seoltose. — Satrt, HarninflUrationeii.
— Mmarquay, Anus praeternaturalis; Operation der Recto- Vaginal fisteln. — LaataC,
Fettbernien. — Paschen, Pathologie der Knochen und Gelenke. — Spancar, Trimethy-
lamin bei acutem und chronischem Gelenkrheumatismus. — Qaatarbook, Untersuchungen
über einige Formen des conischen Amputationsstumpfes. — Moraau, Patellarftacturen.
DavMsOR, Coloboma palpebr. sup. — Farritr, Fremdkörper im äusseren Gehörgang. —
Necrose des Felsenbeins nach eitrigem Mittelohrkatarrh. — Mlchaly Laryngoscopische
Operationen. — MflllAray Luxatio Infraspinata. — Batchar, Oberschenkel fractur. —
GharinI, Ueberzählige Finger und Zehen. — Fayolla, Hygrome. — Rayhar, Histologie
der Gelenke. — Broca, Fatellarfractur. — Hulka, Hernie. — Pellizzarr, Myom des
Darmes. — Qakrung, Uterus duplex. — JDdall, Beckenfractur. — Ebermann, Urethrotom.
A. Frisch. Experimentelle Studien über die Verbreitung der
Fäulnissoi^anismen in den Geweben und die duit^h Impfung
der Cornea mit pilzhaltigen Flüssigkeiten hervorgerufenen
Entzündimgserscheinungen .
Erlangen, Ferd. Enke 1874.
Bei der durch mannigfache Untersuchungen constatirten Empfäng-
lichkeit der Hornhaut für Impfungen mit pilzhaltigen Stoffen hielt F.
die Cornea für ein besonders geeignetes Organ, um die Beziehungen
der Pilze zur Entzündung experimentell festzustellen.
Zuerst studirte er die Verbreitung der Pilze im Gewebe der fau-
lenden Hornhaut, des &ulenden Muskels und der faulenden Haut.
Es zeigte sich, dass an der Hornhaut die Pilze sehr allmälig vom
Epithel aus in die Grundsubstanz eindringen, sich dort in die inter-
14
J
210 Centralblatt für Chirurgie. No. 14.
übrillären Spalträume lagern und so die HombAutsubstanz lockern.
Ausserdem und zwar nox;h rascher als in den Spalträumen dringen
sie in dem präformirten Netz der Saftcanälchen vor. Ganz ausser-
ordentlich beschleunigen kann man alle Stadien des Fäulnissprocesses^
wenn man denselben im Brutofen Tor sich gehen lässt. V^erltftzt man
durch Stiche oder Einschnitt das Somhautepithel, so fisdet vob der
Verletzung aus das Eindringen der Pilzvegetationen ungleich rascher
statte das Epithel setzt dem Eixtdxingen der Pilze einen Widerstand
entgegen^ der proportional ist der Dicke und Festigkeit desselben.
Lässt man die ausgeschnittene Hornhaut zwischen Objectträger
und Deckglas mit Zusatz einiger Tropfen deatillirten Wassers faulen,
s^o hält sich das Gewebe Monate lang intact. Man findet nach eini-
gen Tagen im Gewebe rundliche, gelbliche, stark lichtbrechende Kör-
perchen (Dauersporen). Diese Dsueinporeti theilen sich und häufen
sich in Gruppen an, sie lassen Bacterien und Coccus hervorspriessen,
die dann nach Wochen wieder neue aber farblose Dauersporen her-
vorbringen; es tritt ein Zustand der Kühe ein, dessen Dauer nicht
festgestellt ist.
Auch hier werden die Vorgänge sehr wesentlich beschleunigt bei
höherer Temperatur. Das Gewebe der Hornhaut zerfallt in wenigen
Tagen.
Setzt man die Oomea unteir den beschriebeien Veritältfnissen nur
wahrend einiger Tage täglich ein oder zwei Stunden der hohen Tem-
peratur des Brütofeiks aus, so kann man die von Eberth bei Impfun-
gen in die Cornea gefundene sternförmige Pilzfigur bekommen, die
hier zumeist aus Stäbchenbacterien besteht.
Ganz ähnliche Verhältnisse zeigte faulendes Mvtkelgewebe.
Faulende Haut setzt dem Eindringen der Pilze sehr gtossen
Widerstand entgegen. Sie folgen auch hier zuerst meist anatomisch
präformirten Wegen, Schweissdriisengängen, Haarbälgen und Talg-
drüsen.
Die Folgerungen, die F. aus diesen Versuchen zieht, sind folgende :
1) Die Coccobacteria septica verbreitet sich im faulenden Gewebe
nach den Richtungen, in denen sie den geringsten Widersitand findet.
2} Sie verbreitet sich nicht durch active Bewegung, sondern durch
rasche Vermehrung.
3) Ihre Wirkung ist in den ersten Stadien der Fäulniss eine rein
mechanische. Auch für die letzten Stadien acheint, da der Gewebs-
zerfall nicht parallel läuft mit der Vermehrung der Bacterien, die
Auflösung der Gewebe nicht allein als Arbeitsleistung der PQzoi^-
nismen aufzufassen zu sein.
4) Bei der Fäulniss an freier Luft wandern die Pilze von aussen
in die Gewebe ein, bei der Fäulniss unter dem Deckglase oder im
Paraffin sind die auftretenden Bacterien Abkömmlinge der im Gewebe
vorhandenen entwicklungsfähigen Bacterienkeime.
Auch F. betont, dass eine sichere Diagnose der Bacterien nur
möglich ist, wo dieselben entweder in grösseren Massen angehäuft
CentMlblatt fnr Chinirgie. No. 14. 211
sind, oder wo %ie besonders charakterifitische Fonaen (Stäbchen^ Ket-
lealbrmen) zeigen. Zur Sicherung vor Irrthümem ist der Gebrauch
selur Bttf kar Objeetive unerlässiich.
Die g^Eaalten Gewebe wurden tfaeils frisch, dieils erhärtet
untersucht. Die Schnitte wurden zum Theil mit Carmin, Häma'-
toxilin und andern bekannten Färbemitteln behandelt.
Weiterhin erörtert F. die bei Impfung in die Himihaut auftreten-
den Erscifteinungen. Betreffs der genauen Beschreibung der bereits
bekannten charaktexisfebohen Stomfigur muss ich auf das Original ver-
weisen. Zur Entscheidung der Frage, ob die Stemfigur wirklich aus
Pikelementen entstehe, oder ob man es nicht doch vielleicht mit eigen*
thumlinhcp £ntzändungq[>roducten zu thun habe, versuchte er todte
Hornhäute zu impfen und fand, dass wenn man die geimpften Horn-
häute in der feuchten Kammer bei einer Temperatur von 38 — «40^ C.
aufbewahrt, wirklich Stemfigiuren entstehen.
F, erklärt die Entstehung der Stemfigur durch eine Einlagerung
der Pilze in die interfibrillären Spalten der. Hornhaut.
Ausser dieser Form der Pilzwucherung constatirte F. für die ersten
Zeiten nadi der Impfung eine Fortpflanzung der Pilze durch das
System der Saftcanälchen um die Impfttelle herum und längs der
Nervenfasern.
' Die Fortpflanzung der überimpften Organismen läset sich ohne An-
nahme einer selbständigen Bewegung derselben ein&ch durch Wachs-
thumsdrudL erklären. Sich selbständig bewegende Pilze fand F. nur
einmal bei Impfung bbtssrothlicher, auf ÜEtulenden Kartoffeln gezüchte-
ter Pilzvegetationen.
Jede erfolgreiche, d. h. von einer Entwicklung der Stemfigur
begleitete Impfung führt zu einer Entzündung; doch kann die Ent-
zündung so geringfügig sein, dass sie makroskopisch gar nicht sieht-
bar ist. Trübung und Pilzfigur verschwinden gleichzeitig durch Be-
sorption. (Auf einfache Stiche reagirt die Cornea so gut wie gar nicht.)
Bei stäikerer Reaction kommt es zuerst zu einer Prominenz des
Impfstichs und zu den Zeichen einer Conjunctivitis. Späterhin ge-
staltet sich der Verlauf verschieden:
1) Die prominente von einem entzündlichen Walle umgebene
Stemfigur stösft sioh ab; es entsteht ein seichtes Geschwür, das mit
oder ohne Perforation und Hypopyon rasch keilt.
2) Das Geschwür vergrössert sidi rasch, fuhrt zu Hypopyon,
häufig zur Perforation. Die Heilung erfolgt unter Narbcnbildung
und Gefässentwicklung auf der Hornhaut. Allmählich verschwinden
auch diese (Hypopyon-Keraftitis) . Derselbe Process kann auch einen
ungemein langsamen protrahirten Verlauf nehmen.
3) Es kommt zur Nekrose der Hornhaut, Panophthalmitis und
Verlust des Auges (Homhautdiphtherie) .
Bei der ersten Form wirkt die Pilzwucherung einfach als mecha-
nischer Beiz, die Entzündung stösst sie ab, wie sie einen Aetzschorf
14»
212 Gentralblatt für Chirurgie. No. 14.
Bei der Hypopyonkeratitis findet keine vollständige Abstossung
der Pilzmassen statte dieselben wuchern im Geschwüre weiter und
wirken als beständiger Entzündungsreiz, bis die Reactionskraft der
Cornea und die Proliferation der Pilze aufhört und die Ausheilung
beginnt.
Bei der Homhautdiphtherie kommt es zu einer raschen Verbrei-
tung der Pilze durch das ganze Auge. Doch geht der fortschreiten-
den Entzündung nirgends die Einwanderung der Pilze voran.
In allen diesen Fällen war die charakteristische Pilzfigur gleich-
massig gut entwickelt. Um zu entscheiden, ob die verschiedene Wir-
kung auf verschiedene Pilzspecies zurückzuführen sei, wurden sehr
zahlreiche Versuche mit verschiedenen pilzhaltigen Flüssigkeiten an-
gestellt.
Hierbei zeigte sich zuerst, dass die Entstehung der Stemfigur
unabhängig ist von der Menge, Grösse und Form der Pilzelemente.
Das Ausbleiben der Figur hat entweder seinen Grund in Versuchs-
fehlem, oder darin, dass die Impfstoffe nach einer grossen Schwan-
kungen unterliegenden Zeit ihre Wirksamkeit verlieren, oder endlich
darin, dass die vitalen Processe, die Energie des normalen Stoffwechsels
die Proliferation der Pilze verhindern. Im letzten Falle gelingt dann
noch die Impfung auf die todte Hornhaut.
Die verschiedene entzündliche Wirkung der verschiedenen Impfstoffe
ist im Original tabellarisch zusammengestellt.
Am intensivsten wirkte faules Fleischwasser und Brei von Hospi-
talbrand, am schwächsten fauler Harn, guter Abscesseiter etc.
Da nun in allen diesen Fällen die gleiche charakteristische Pilz-
figur zu Stande kam, und da morphologische Unterschiede der Pilz-
organismen bei den verschiedenen Entzündungsformen nicht nachzu-
weisen waren, da femer die Annahme, dass die Differenz der Ent-
zündung durch mit den Pilzen gleichzeitig übertragene flüssige Stoffe
entstehe, durch Filtrationsversuche von Eberth zurückgewiesen ist,
bleibt nur übrig anzunehmen, dass diese Verschiedenheit auf gewisse
vitale Processe der Organismen zurückzuführen sei.
Da nun die verschiedenen Wirkungen in gewissen Beziehungen
standen zu dem Charakter des Processes, der die Impfflüssigkeit ge-
liefert hatte, so glaubt F., dass die verschiedenen Entzündungsprocesse
den Pilzorganismen die verschiedenen vitalen Eigenschaften überliefern,
dass dann ihrerseits diese Pilzorganismen wieder nach der Impfung
ähnliche Entzündungsformen erzeugten, die ihnen selbst wieder das
spedfische Nährmaterial zuführten.
Femer stellte F. Ueberimpfungen von kranken auf gesunde Augen
an. Es zeigte sich hierbei, dass Homhautdiphtherie und Hypopyon-
Keratitis übertragbar sind, letztere aber nur im progredienten Stadium.
Nach mehreren Ueberimpfungen verlor sich die Uebertragbarkeit.
Impfungen mit eingetrockneten als wirksam bekannten Flüssig-
keiten, nachdem sie wieder angefeuchtet waren, blieben meist erfolge
los, nur einige frische Entzündungsproducte wurden wieder wirksam
Centralblatt ftbr Chinugie. No. 14. 213
und audi diese nur, wenn sie einige Zeit im Brütofen angesetzt
wurden.
Eine Temperatur von 60— 100^ C. hebt die Wirksamkeit der Impf-
stoffe meist auf, nur einmal blieb ein Entzündungssecret trotz mehr-
maligen Kochens wirksam.
Bei Verdünnungen bleibt die Wirksamkeit bis zu einem gewissen
Grade (höchstens bis V3) erhalten.
Die Behauptung Eberth's^ dass die meisten geimpften Thiere
zn Grunde gehen^ bestreitet F. Vermuthlich waren Eberth's Thiere
unter sehr ungünstigen Verhältnissen aufbewahrt.
Impfung der Hunde- und Meerschweinchenhomhaut giebt nur
die leichtesten Affectionen, vermuthlich weil bei diesen Thieren eine
Ansanunlung der Pilze in grösseren Massen nicht vorkommt. Auch
bei Tauben und Fröschen gelingt weder die Erzeugung von stem-
fönnigen Figuren^ noch von progredienten Processen. Wohl aber
findet sich eine Verbreitung der Pilze in den Saftcanälchen mit um-
schriebenen kleineren Entzündungsherden ohne Geschwürsbildung.
Am besten gelingen die Impfungen im Frühjahr und Sonuner.
Liolitheim (Breslau).
G. Semmer. üeber die Faserstoifbildung im Amphibien-
und Vogelblut und die Entstehung der rothen Blutkörperchen
der Säugethiere.
Inaug.-Diss. Dorpat. 1874. 69 Seiten. 1 lithogr. Tafel.
In einer sorgfältigen, unter A. Schmidt 's Leitung vollendeten
Arbeit bespricht Verf. zunächst die Veränderungen der rothen Blut-
körperchen von Amphibien und Vögeln nach Zusatz verschiedener
ehem. Reagentien und verweilt dann länger bei der Thatsache^ dass
nach Zusatz von schwacher Natronlösung oder destillirtem Wasser zu
roüien, von genuinem Fibrin und Serum isolirten Blutkörperchen
sich aus denselben ein Faserstoff bildet, welcher von dem gewöhnlichen,
bei Gerinnung des Blutes gebildeten, sieh nicht unterscheiden lässt.
Eine Reihe hieran geknüpfter Versuche führen den Verf. zu folgen-
den Schlüssen:
1) »Sowohl die übrinopIäiBtische, als auch die fibrinogene Substanz
wird von den rothen Blutkörperchen geliefert.
2] Das Hämoglobin ist bei der Faserstoffbildung nicht betheiligt.
3) Die Fibringeneratoren stammen aus dem Protoplasma der Blut-
körperchen.
4) Es besteht kein Unterschied zwischen dem genuinen und dem
durch Wasserzusatz ausgeschiedenen Faserstoff.
5] Die bei der Zerstörung der Blutkörperchen durch Natron ge-
bildete Masse enthalt einen dem Faserstoff nahe verwandten Körper«.
In der zweiten Abtheilung bespricht Verf. die Verhältnisse beim
S&ugethierblut, aus dessen rothen Blutkörperchen sich der Faserstoff
214 Centfalblatt für Chirurgie. No. 14.
indessen nicht darstellen Hess. Im Säugethierblut aber (am in der
Kälte sehr langsam gerinnenden Pferdeblut besonders gut zu beobach-
ten) finden sich eigenthümliche rothe Kömerkug^, die in Form und
Grosse den farblosen Blutkörperchen entsprechend, aber wie rothe
gefärbt, offenbar Uebeigangsstufen von farblosen zu rothen Blutkör*
perchen darstellen. Diese Kömchenkugeln betheiligen sich, wie man
unter dem Mikroskop direct verfolgen kann, an der Faserstoffbildung,
leisten also dasselbe wie die rothen Blutkörperchen der Amphibien
und Vögel, verhalten sich ihnen überhaupt so ähnlich, dass man sagen
kann : ^ie rothen Kömerkugeln der Säugethiere und die rothen Blut-
körperchen der Amphibien und Vögel sind hom(doge Zellformen«.
(Die Mittheilung von Landois über die »Auflösung der rothen
Bluteellen« und die Bildung des »Stromafibrin« — Centralbl. f. d.
med. Wissensch. 1874. No. 27, ref. im Centralbl. f. Chir. 1874.
lifo. 19 — scheint dem Verf. nicht bekannt gewesen zu sein. Ref.)
A» BMder (Mannheim).
F. Parona. Rendiconto biennale di clinica chinirgica.
(Oazz. med. ital. Lombardia 1875. No. 4.)
In der vorliegenden Nummer werden zunächst die Blasenkxank-
heiten abgehandelt. Von 6 Katarrhen des Blasenhalses wurden 3
durch innere Mittel, Bäder etc. geheilt; bei 3 wurden Injectionen
von Höllensteinlösung in die Blase (10 — 15 Tropfen einer Lösung
von 1 : 60) vorgenommen. Nach der Injection Schmerz und Harn-
drang während ungefähr 6 Stunden. Die Einspritzungen wurden in
Zeiträumen von 5—6 Tagen wiederholt. Je 3 derselben fahrten in
allen 3 Fällen Heilung herbei.
Von zwei Steinkranken wurde einer durch Lithothripsie in 5
Sitzungen geheilt. Der andere, ein 13jähr. Knabe, starb am 4. Tage
nach Ausführung des Lateralschnittes.
Obwohl bei der Section ein geringes peritoneales Exsudat und
eine beginnende retroperitoneale Phlegmone nachgewiesen wurde (ein
so typischer Befund bei frühem Exitus nach Steinschuitt, Ref.)^ zwei-
felt doch P., ob nicht die vielen Spulwürmer, welche sich im Darm-
canal vorfanden, die Ursache des Todes waren (! !] und nimmt sich
in Zukunft vor, dem Steinschnitt ein Wurmmittel vorausgehen zu
lassen, um so mehr, als nach Rizzoli bei Steinkranken Darmwürmer
ein sehr häufiger Befund sein sollen.
Von 12 Hydrocelen wurden 10 durch einmalige Jodinjection ge-
heilt, 2 Mal musste die Injection wiederholt, bei einem von diesen
Fällen schliesslich zur Drainage gegriffen werden.
Von 2 Blasenscheidenfisteln wurde eine durch Smalige Operation
vollkommen geheilt» bei der zweiten konnte es sich nur um Kolpo-
kleisis handeln, wdche aber nur theilweise gekng.
Ein weiterer Fall betriff! eine Frau, welche nach der Entbindung
C«iitcalblatt für Chiniigie. No. 14. 2 15
die lieft^ten HiMBorjihsi(ypeen hatte und Bchon äussert eleii<^ in's Spi-
tal kam. P. fand den Uterus invertirt und reponirte ihn. Die Blu-
tungen hörten z^ar auf, doch erholte sich die Frau nicht und erlag
der Anämie. Meniel (Triest).
M. Vinoendon« Quelques considerationj^ sur le traitement
du mal vertebral de Pott.
These, Paris, 1874.
Verf. rühmt auf Grund von 17 Krankengeschichten, die zum
grössten Theil Kinder unter 1 0 Jahren betrafen, von denen sich aber
die meisten noch in Bebandlui^ befinden (!), folgende Therapie: per-
maneiUe ruhige, halb sitzende (darauf legt Verf. besonders Gewicht)
Lage im Bett, Jodeinpinsehingen , Jodpräpaiate innerlich^ China-
wein, Schwefelbäder, Leberthxan. Die Anwendung von Exutorien und
Cauterien wird verwerfen ; dagegen werden die von älteren Chirurgen
und audb j^t von Triboulet benutzten Emetica und Purgativa,
mit nachfolgendem tonisirenden Verfahren, im acuten, fieberhaften
Stadiutm des Leidens empfohlen. — Die orthopädische Behandlung
wird <^«e jede eigene Erfahrung verworfen, für die Spondylitis cer-
vicalis indessen die Nützlichkeit von Stützapparaten zugegeben.
A* BMder (Mannhehn).
Dubreuil-CShainbardeL Traitement des d^viations du rhachis.
(S6aiice de la sociit^ de chir. du 4. Not. 1874.)
Verf, behauptet, dass die üblichen Behandlungsweisen der Scoliose
nie von Erfolg begleitet sein können. D.-Ch. will durch das Kör-
pergewicht allein wirken, luid versichert, in dieser Weise Scoliosen
des 2. Grades in 8 bis 12 Monaten geheilt zu haben. Er wendet 5
Stellungen an; die wichtigste davon, welche die Extension durch's
Körpergewicht zum Ziele hat, sei jene, bei welcher der Fat. durch
3 Minuten den Kopf abwärts hängend gehalten werde, während die
Fasse horizontal auf den Knieen des Chirurgen liegen. D.-Ch. macht
also die Extension mittelst der über der Difformität gelegenen Kör-
pertheile. Bei Scoliosen 3. Grades sei das Verfahren wirkungslos;
für geringere Ghrade aber komme man, wie der Ref. bemerkt, auch
mit den anderen Verfahren zum Ziel.
St. Germain bemerkt, D.-Ch. *s Verfahren habe den Vorzug,
dass es auch von den Eltern der Kinder geübt werden könne; auch
fordere es wenig Zeit. St. G. suapendirte zuweilen mehrere Kinder
auf einmal in dieser Weise auf einem harten Bette. Zugleich mit
dem Mieder von Ducresson angewandt, führe dies Verfahren bei
leichteren Graden der Scoliose zu ziemlich guten Resultaten.
Fr. Steiner (Wien).
216 Centralblatt für Chirurgie. No. 14.
P. Satre. D'une tumeur p^rinöale, d^pendant de Tinfiltra-
tion lente de Turine.
Thöse, Paris, 1874.
Die vom Verf. besprochene seltene Form der Haminfiltration
steht meistens mit einer Verengerung der Harnröhre, gleichviel aus
welcher Ursache entstanden^ in Zusammenhang. Hinter der Strictur
bildet sich entweder eine Ulceration der Schleimhaut, durch welche
der Urin bei plötzlicher starker Pression in's Zellgewebe gelangt, oder
die Schleimbaut wird durch Bougies, Sonden etc. verletzt, oder es
wird geradezu ein falscher Weg gebahnt durch forcirten Katheteris-
mus und dergl. Durch den Reiz des — in den wenigen Fällen, die
darauf hin untersucht wurden, normalen — Urins wird eine chron.
Entzündung angeregt, welche zu jener Induration des Bindegewebs
führt; dieser schwielige in der Perinealgegend prominirende Tumor
hat einen sich gleichsam verjüngenden Stiel, welcher bis zur lädirten
Stelle der Urethralschleimhaut führt. Die Quantität des eindringen-
den Urins ist sehr gering. Ist der letztere ammoniakalisch oder sonst
zersetzt, so bildet sich eine acute Entzündung mit Ausgang in
Eiterung, Nekrose u. s. w. Dieses letztere kann natürlich auch bei
einer »Infiltration lente« eintreten, wenn zu derselben noch neue Schäd-
lichkeiten hinzutreten.
Den Sitz des Tumors anlangend, so nimmt Verf. mit Gosselin
an, dass die von der Pars membranacea ausgehende Infiltration wohl
immer sich zwischen mittlerem und oberflächlichem Blatt der Fascia
perinei erstrecke.
Den anatomischen Befund und die Symptomatologie behandelt Verf.
kurz, um dann auf die Diagnose, besonders die difierentielle, über-
zugehen, wobei eine Aeusserung von Verneuil angeführt wird,
welcher sagt, er habe kaum einen Perinealtumor gesehen, der nicht
von einer Affection der Hamwege abhänge.
In Bezug auf die Therapie ist bemerkenswerth, dass wenn die
völlig bequeme Wegsamkeit der Harnröhre wieder hergestellt ist, sei
es durch Dilatation, oder innere oder äussere Urethrotomie, der Tumor
bald heile. Verf. empfiehlt in den geeigneten Fällen besonders die
Anwendung der »Sonde k demeurea.
6 ausfuhrliche Krankengeschichten, welche Verf. ziun Theil D o 1 -
beau zu verdanken hat, iUustriren das Obengesagte.
A. Bidder (Mannheim).
Demarquay. i^tudes physiologiques ä cause d'un anus contre
nature.
(S6ance de la soci^t^ de chir. du 4. Not. 1874.)
D. ätudirte bei einem 63jähr. Manne, welchem wegen brandiger
Inguinalhemie ein künstlicher After am unteren Dünndarmabschnitte
etablirt worden war, den Gang des Darminhaltes. Wenn Fat. nicht
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 14. 217
an Verdaaungsstörungen litt^ so veiging eine ziemliche Zeit^ bis der mit
unteTsalpetenaurem Wismuth gefärbte Speisebrei wieder austrat; war
der Verdauungstractas aber irritirt, so erschien der Speisebrei schon
nach 20 Minuten in der FistelöfEnung. Um die Absorptionsschnellig-
keit der Darmschleimhaut zu studiren, wurden 100 grm. Gummiwasser,
enthaltend 1 grm. Jodkali, in die Fistel eingebracht. Ein Katheter
war in die Blase eingefiihrt. Nach 8 Min. fand man Jod im Harn
und im Speichel. Brachte man die Jodlosung in den Magen ein, so
sagte sie sich nach 40 Minuten im Harn ; injicirt in's Rectum zeigten
sich Spuren von Jod nach 25 Minuten im Harn. Eine Injectiou der
Jodlösung in*8 Zellgewebe liess nach 20 Min. Jod im Speichel und nach
40 Min. im Harn constatiren. D. schliesst aus der rascheren Ab-
sorption des Jod vom Dünndarm aus, dass in der Natur des Epithel-
aberzuges die Ursache gelegen sei, und nicht im Venensystem, welches
ja im Magen reicher entwickelt sei, als im Darme.
Fr. Hteiaer (Wien).
Demarquay. Operation de la fistule recto-vaginale.
(86ance de la Boci6t6 de chir. du 4. Nov. 1874.)
D. bezeichnet als Ursachen des häufigen Misslingens der Recto-
Vaginalfisteloperationen die Ansammlung von Kothmassen im Rectum
und insbesondere den Widerstand der Aftermündung beim Stuhlgange,
wobei auch eine transversale Ausdehnung des unteren Theiles der
hinteren Scheidenwand stattfinde. Er empfiehlt daher der Operation
den hinteren Sphincterenschnitt vorauszuschicken und theilt einen in
dieser Weise glücklich geheilten Fall mit. Die Anfrischung der Fistel
geschieht von der Mastdarmseite; Verf. wendet die B landin 'sehe
gekrümmte Nadel und Metallsuturen an, deren Enden in der Vagina
zusammengedreht werden. Fr« 8ieljier (Wien).
J. J. Lansao. Quelques consid^rations sur las hernies grais-
seuses.
Th^se, Paris, 1874.
Unter Fettbrüchen versteht Verf. solche mit dem Peritoneum parie*
tale oder viscerale zusammenhängende Fettgeschwülste, welche natür-
liche oder accidentelle Oefihungen durchbrechend, an verschiedenen
Stellen des Abdomens vortreten und zwar an solchen, wo auch wirk-
Udie Hernien sich zeigen.
In vielen Fällen sind die Umhüllungen die gleichen, wie bei ge*
wohnlichen Hernien. Man kann 3 Varietäten unterscheiden: 1) Es
findet an der äusseren Fläche des Peritoneums Fettwucherung statt ;
die Fetttumoren wachsen zum annulus cruralis, canalis inguinalis etc.
hervor und ziehen das Peritoneum nach, so dass sich ein Sack bildet,
218 Centralblatt für Chirurgie. No. 14.
in dem eine wiikHche Hernie entstehen kann. 2) I>^ Fet(i>niGli
würde nicht« Anderes sein, als ein alter Hemiensaok, mit Fett mn-
hüUt, eine Ansicht, der Nelaton und Bernatz huldjg^ea, während
Gosselin dieselbe nicht theilt. 3) Das Fett liegt im Innern eines
Bruchsackes^ dessen Hals verscklossen (obliterirt) sein kann oder nickt.
In diesem Falle ist der Feltbnich vom Peritoneum überzogen.
Dass die Fettgeschwulst das Peritoneum durchbteche mnd so in
den Bruchsaek gelange, scheint sehr unwahrscheinlich; richtig sei
wohl die Anracht Lanmelongue's^ dass bei einem Bmchsack, ana
dem die Eingeweide zurückgetreten sind, der Hak obliterire und sich
nun vom Peritoneum des Sackes aus, wie bei ehron. Entzündung,
Bind^ewebswucherung mit nachträglicher Fettablagerung bilde,
worauf dann der Fettbrueh fertig sei. Eine Section, wo die Abdo-
minalöfinmug einer inneren Leistenhernie sich obUterirt fand, während
unter dem Peritoneum im Leistenring und Leistencanal ein Fettstrang
der arteria spermatica anlag, wird mitgetheilt.
Nach Anführung zweier Fälle von Fleury, wo sich die Fett-
brüche von Peritoneum umhüllt fanden, geht Verf. auf die differen-
tielle Diagnose der Fettbrüche und deren Behandlung über, welch«
man im Original^ nachsehen wolle. A* Bidder (Mannheim).
B. Paschen. Zur Pathologie der Knochen und Gelenke.
(AiM der chir. Klinik su Rostok. — Deutsche Zeitschrijft f. Chir. Bd. IV. Hft. 5 u. 6.)
1. Eine knorpelige Synostose nach Knieresection,
nebst Bemerkungen über die Endresultate kiibdlicher
Kniegelenksreseetionen.
Bei einem Mädchen von 9 Jahren wurden wegen eiteriger Knie*
gelenkentzündung innerhalb der Epiphysen reeecirt, doch musste 5
Monate später wegen periarticulärer Fisteln, die mit localer Tuberkel-
bildung combinirt waren, die Amputation gemacht werden. Es fand
sich zwischen den Epiphysen der Tibia und des Femur eine Schicht
Zwischensubstanz, welche vorne 3, hinten A^/2 Mm. dick, in ihrer
hinteren Hälfte bindegewebig, in ihrer vorderen knorpelig war; und
zwar bestand sie ganz vom, wo sie mit den Resten der Gelenkknor-
pel in Verbindung war, aus hyalinem Knorpel, weiter nach rückwärts
aus Faserknorpel, der aUmälig» ohne regressive Metamorphose zu zei-
gen, in Rindegewebe überging. Hauptsächlich aus dem letzteren Um-
stände schliesst Verf., dass hier eine knorpelige Umwandlung des Binde^
gewebes (und nicht das Umgekehrte] stattfand. Durch den Knorpel»
an dem man sonst keine Umbildung in Knochen wahrnehmen konnte,
ging eine dünne Knochenspange von der Tibia zum Femur.
P. hält die knorpelige Verbindung nach Resectionen innerhalb
der Epiphysen bei Kindern für häufiger, als die knöcherne.
Ausserdem theilt P. die nachträglichen Befunde (nach 4 und 6
CentraM^latt für Ckiruigie. Nb. 14. 21$
Jahfien) Ton 3 Fallen vtm Knieresectiou an Kindern mit, welche Prof.
König in seinen »Reitdlgen ziir Resection des Knii^elenkes« bald
nach der HeUuiig als gute Besultate beachrieben hatte. Es hatte in
jedem Falle die Langendifferenz der unteren Extremitäten sowie auch
die (ursprünglich angestrebte leidite) Winkelstellnng im Knie be-
tiEchtlich zugenommen, so dase der Winkei einmal 140", ssweimal 90°
betrug. (Eme Verschiebung der Knochenenden aneinander hatte nicht
stattgefunden.)
P. glaubt, dass die ursprünglich angestrebte leichte Flexion im
Knie die Schuld daran trage, indem dadurch beim Gehen der Ilruck
auf dem hinteren Theile der Epiphysen grösser sei, als auf dem vor-
deren, und dass infolge dessen das Wachsthum vom hinteren Theile
des Epiphysenknorpels aus beeinträchtigt werde. Es wäre danach bei
Kindern nach der Knieresection stets die geradlinige Vereinigung
anzustreben. ^
2. Ein geheilter Fussgelenkschuss.
P. giebt die Abbildung des Präparates von einer conservativ be-
handelten Schussverletzung, die quer durch das Sprunggelenk verlief;
die Heilung ist noch nicht vollendet, das Gelenk in guter Stellung
bindegewebig ankylotisch. Oerstny (Wien).
W. H. Spencer. On the treatment of rheumatism and gout
with trimethylamine.
(The Practitioner 1875. Febn»ry.)
Nach einem kurzen Ueberblick über die Geschichte und die chemi-
schen Eigenschaften des Trimethylamin theilt Verf. 22 Fälle von acu-
tem und chronischem Gelenkrheumatismus mit, in welchen durch die
Anwendung des genannten Heilmittels ganz ausgezeichnete Erfolge
erzielt wurden. Die Schmerzen und die Schwellung der Gelenke
Kessen sehr bald nach. Verf. hat im Ganzen 60 Fälle mit Trime-
thylamin behandelt und empfiehlt letzteres aufs Angelegentlichste.
Bekanntlich hat Awenarius das Trimethylamin (unter dem
Namen Propylamin) zuerst gegen »Rheumatismus« angewandt und
aber 250 erfolgreiche Fälle berichtet. Tlümaiitts (Leipzig).
P. Gueterbock (Berlin). Nene Untersuchungen über einige
Formen des conischen Amputationsstumpfes.
(Arch. f. klinUche Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 4.}
Im Anschlüsse an eine frühere Arbeit (Arch. f. klin. Chir. XV.
p. 283) bespricht 6. kurz die durch Hyperostosen des Knochen-
endes entstehende Conicität des Stumpfes^ um zur Besprechung der
Atrophie des Knochenstumpfes (meist als Atrophie des Amputations-
220 Centralblatt für Cbiruxgie. No. 14.
stumpfes bezeichnet) überzugehen. — Nachdem G. die Ansichten von
Louis^ A. Förster, Paget, R. Volkmann u. A., so wie die
einschlägigen Experimente von v. fiustitzky und Ollier erwähnt
hat, spricht er sich nach seinen Untersuchungen dahin aus, dass die
Atrophie des Knochenstumpfes namentlich im Verhältniss zur Volums-
zunähme des Knochens ein seltenes Vorkommniss ist. Verf. weist
femer darauf hin, dass bei äusserlich gleichem Verhalten, eine Durch-
sägung atrophischer Stümpfe sehr verschiedene Bilder giebt. — Die
höchsten Ghrade der Atrophie kommen durch Stehenbleiben im Wachs-
thum in Verbindung mit Nichtgebrauch des betreffenden Stumpfes zu
Stande. — Die klinische Bedeutung dieses Vorganges erhellt schon
daraus, dass man in Fällen dieser letzten Art für entsprechende
Aenderung der Stelzfüsse Sorge zu tragen hat; femer daraus, dasa
man in den Fällen, in denen die Atrophie durch eine rareficirende
Ostitis hervorgerufen ist mit gleichzeitiger Veränderung der Weich-
theile, besonders der knolligen Anschwellung der durchschnittenen
Nervenenden, mit der Besection des Knochenendes nicht ausreicht,
sondern eine Beamputation höher oben machen muss.
Nur so kann der Fat. von seinen neuralgischen und entzündlichen
Beschwerden im Stumpfe befreit werden. — Zum Schlüsse bespricht
Verf. kurz die Conicität des Stumpfes, welche durch Caries und
Nekro.se des Knochens bedingt ist. Maas (Breslau).
R. Moreau. Essai sur las fractures transversales simples de
la rotule.
Thöse, Paria, 1874.
Verf. schliesst sich in Bezug auf die Patellafracturen durch directe
Gewalt ganz den Ansichten Malgaigne's an — die Querfracturen
durch Muskelzug werden durch einen krankhaften Zustand des Kno-
chens begünstigt. Ueber die Differentialdiagnose von Zerreissung des
ligam. patellae oder der Sehne des quadriceps femoris nichts Neues.
— Die Prognose stellt er im Allgemeinen ziemlich günstig und
meint, dass nicht so selten knöcherne Vereinigung erfolge, dass es
aber auch, wo dies nicht der Fall sei, entschieden zu den Seltenheiten
gehöre, wenn bei gut geleiteter Behandlung das Glied nicht fast in
seinen normalen Zustand zurückkehre. Von den auf die Fragmente
indirect wirkenden Verbandmethoden hält Verf. die von Rieh et für
die beste. Derselbe legt nämlich einen Gipsverband an, legt aber das
Knie durch ein grosses Fenster so weit frei, dass man die Fragmente
durch Kautschukstreifen an einander halten kann. Der Verband wird
14 Tage nach Entstehen der Fractur angelegt und 14 Tage liegen
gelassen. Um diese Zeit ist ein fibröser Callus gebildet und »uiie
immobilit6 relative« genügt.
Hieran knüpft sich die Besprechung der Vorrichtungen, welche
Centralblatt fttr Chirurgie. No. 14. 221
die Fragmente direct zusammenhalten: also die Malgaigne'Bohe
Klammer und der Apparat von Rigaud, welcher in das obere und
untere Fragpnent Sclürauben einsetzt und diese dann an ihren kurzen
Stielen fest an einander bringt, so dass die Bruchstücke gut vereinigt
sind.
Bei Fracturen, wo die Kruchstücke wenig auseinander stehen,
also das peripatellare Gewebe nur theilweise zerrissen ist, komme man
mit den indirect wirkenden Apparaten aus; wo aber die BruchflMchen
um 6 — 10 Cm. auseinander klaffen, da solle man die direct wirken-
den Mittel benutzen, und vor Allem sei hier der Rigaud'sche Ap-
parat zu empfehlen.
Endlich theilt Verf. 4 Fälle von Querfracturen mit. Tn den
beiden ersten (Männer von 44 und 68 Jahren) entstand die Fractur
durch Fall aurs Knie bei halbgebeugtem Gelenk. Nach Ablauf der
massigen Reaction wurde trotz sehr geringen Abstandes der Fragmente
die Rigaud'sche Schraube angelegt, neben einem festen Verband.
Darauf schnelle Heilung; im ersten Fall mit fibrösem, in Ossification
begriffenem Callus, im zweiten mit knöchernem Callus.
Der 3. Patient, ein 23jähr. Dragoner bekam durch einen Huf-
schlag eine Querfractur der Patella. Die Reaction war sehr stark, es
bildeten sich Phlegmonen, Abscesse am Oberschenkel etc., so dass
man sich in der Behandlung auf Ruhelagerung und Antiphlogose be-
schrankte. Nach Ablauf der Entziindungserscheinungeu hatten sich
die Fragmente durch festen fibrösen Callus vereinigt und es besserte
sich die Functionstüchtigkeit immer mehr. — Beim 4. Fall, einen 47jähr.
Mann betreffend^ entstand die Fractur durch Fall auf's Knie. Ge-
lenkentzündung. Fester Verband. Darauf Schienen mit Guttapercha-
streifen zur Fixation der Fragmente. Langdauemde Behandlung ; fibröser
Callus, der sich bei Gehversuchen immer mehr dehnte. Bewegungs-
fahigkeit noch 4 Monate nach dem Bruch recht schlecht.
A« BIdder (Mannheim).
Kleinere Mittheilungen.
Davidson. Large coloboma of the upper eylid, successfiilly treated
by Operation.
(Med. tim. and gaz. 1876. Jan. 13. p. 169.)
Da8 Colobom befand sich am linken oberen Augenlid eines 3 urOchentlichen
Mädchens an der Verbindung des inneren mit dem mittleren Drittel ; es reichte bis
zur Umschiagstelle der Conjunctiva auf den Bulbus. Vom oberen Ende setzte sich
die äussere Haut auf den Bulbus bis nahe an den Comealrand fort.
Die seitlichen Ränder des Coloboms wurden als schmale Lappen, die Basis am
freien Augenlidrande gelegen, abpräparirt ; aus der auf den Augapfel übergreifen-
den äusseren Haut ein Tiereckiger Lappen mit der Basis nach oben gebildet; nun
wurden die Spitzen der beiden seitlichen Lappen Tereinigt und die drei freien
Bänder des 3. Lappens mit feinstem Catgut an den gebildeten Rahmen angenäht.
Rasche Heilung. Bänke ^Halle).
222 Centxttlblatt far Cfairuigie. No. 14.
Fdrrier. Corps ^tvangerB du conduit auditif externe ae ditenninant
que des ph^nomenes morbideB träs-tardifs.
(Journal de ni6d. et de ohir. prat. 1875. p. 62.)
In dem 1. Falle hatte «ine Glasperle bei einem 15jähr. Kinde sich l&ager als
3 Jahre in dem äusseren Gehörgange aufgehalten, und war dann, nachdem inzwi-
schen Taubheit entstanden war, mit Cerumen incrustirt, entfernt worden. An der
Stelle ihres Sitzes eine kleine Ulceration.
Im 2. Falle hatte ein junger Bursche eine Bohne angeblich nahezu 12 Jahre
im Obve getragen. Auch hier Taubheit und nach Entfernung des incrustirCen,
aber noch ^kennbaren Körpers eine leichte Myringitis, die bald verging.
Pagengteder (Elberfeld).
N^crose d'une partie du labyrinthe k la suite d'une otite moyenne
suppuree et fort ancieane.
(Journal de m^d. et de chir. prat. 1875. p. 64.)
Mehr als 30 Jahre hatte eine Otitis media purulenta gedauert, als von der Tiefe
der Paukenhöhle ausgehende polypöse Wucherungen entfernt wurden. Dieser Ope-
ration, die 14 Mal wegen der Reoidive wiederholt wurde, folgte immer Schwindel,
Kopfschmers, Erbrechen und Facialpftrese Die letztere ging nicht ganz zarQck.
Dann entleerten sich einige Knochenpartikelchen und endlich ein Stück der Schnecke
selbst, wonach die Patientin , natürlich ganz taub und mit geringer Parese dea
Facialis behaftet, genas. Pagensteeher (Elberfeld).
C. Miobel. Laryngoskopische Operationen.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. IV. Hft. 5 u. ti.)
4 FSAle von Kehlkopf polypen, die theüs mit der einfachen;^ ungedeckten Schlinge,
thails mit dem ungedeckten Messer glücklich operirt wurden.
.Oersimy (Wien).
Molliere. Obfiervation de luxation sous-^pineuse compläte de T^paule
droite.
(Gaz. des höpitaux 1875. No. 7.)
Eine 62jfthr. Frau glitt beim Herabsteigen von dem Trittbrett eines Wagens
aus. Während sie sich im Fallen mit dem rechtefi Arm festzuhalten suchte, kam
die Luxation zu Stande. Der vollständig nach hinten ausgewichene Gelenkkopf
war deutlich unterhalb der Spina scapulae zu fühlen. Der Arm war weder ver-
längert noch verkünt. Der Durchmesser der Schulter von vorn nach hinten ge-
messen betrug 10 Cm. gegen 5 Cm. der gesimden Seite. Die Keposition gelang
ohne Schwierigkeit bei leichter Extension durch directen Druck auf den Gelenk-
kopf. M. glaubt, dass die Luxation durch die gewaltsame Contraction der Schulter-
muskeln veranlasst worden aei. Schädel (Berlin).
B. Butoher. Reports in operativ surgery.
(The Dublin Journal of med. sciences 1874. November.)
Enorme Deformität des Oberschenkels infolge einer in winkliger Stellung ge-
heilten Fractur des mittleren Drittels. Verkürzung 5 Zoll. Osteoclasis mittelst
eines eigens construirten (im Original abgebildeten) Osteoclasten, 5 Monate nach
der definitiven Consolidation. Heilung ohne Verkürzung und mit vollkommener
Beweglichkeit im Knie. Lossen (Heidelberg).
A. Gherixii. Di una deformitä congenita per ecoesso alle mani e ai
piedi.
(Gazz. med. ital. Lombardia 1874. No. 51.)
V. B., jetzt 3 Jahr alt, kam mit überzähligen Fingern und Zehen auf die Welt.
Bei genauer Betrachtung des Falles kann man sich denselben nicht anders erklä-
Centrtf blatt tüf Chirurgie. lk>. ii. 233
ren, als daw man anniauat, daaa jede fiand und jeder Fumb dopfielt angelegt war,
und die beiden Anlagen mit einander Fersohmolzen. Die Hand i. B. z&hh 6 Fin-
gejc, daTon sind die swei äuesersten Kleinfinger, die beiden mittleien MittelAngar,
so daaa eigentlich zwei Zeigefinger und zw9i Daumen fehlen.
Jeder Pubs zahle 9 Zehen: die beiden Anaaeieten eind die kletnea Zehen, der
mittlere stellt die verschmoizenen beiden groesen Zehen dar. Auch die Fene seigt
eine Längsfurche, welche eine Verzchmelzung aus zwei Fersen andeutet.
Therapeutisch war nichts zu unternehmen, da der Knabe seine Hände ganz
gut henQtcte. MenMl (Triest).
G. FayoUe. Des kystes synoviaux tendineux k gprains riziformes.
Th^se, Paris, 1874.
Sieh -dsrehaus snf die Michon'sche Arbeit Über gleichen Gegenstand stützende
übeniohtUoiie , durch 17 grösstentheils entlehnte Beobachtungen erläuterte Dar-
sCellwig 4er Pathologie und Therapie der Reisskörperhygrome, ohne neue Qesichts-
punete. Nnr In belästigenden Fällen soll mit dickem Troikart punctirt und Jod
injicnrt wevden; ist irgend ein ncnterer Bntzüudungszustand vorhanden, muss die
doppelte Indsion mit nachfolgender permanenter Irrigation in Anwendung gezogen
wenien. Daesolbe Mittel bleibt für die Miseerfolge der Jodbehandlung. |
Büke (Halle).
O. Beyher. On the cartilages and synovial membranes of the joints.
(The Journal of anatomy and physiolc^ 1S74. Vol. VIII.
K. untersuchte vermittetst der Versilberungsmethode die Oberfläche der Qe-
lenkenden und der Synovialintima. Verf. kommt zu den bekannten Beaaltaten,
wie sie H üter u. A. auf Grund derselben Untersuchungamethede beschrieben haben.
(Siehe dagegen die Untersuchungen des Bef. im Arch. für mikroskop. Anatomie,
Bd. 10, ref. im Centraibl. f. Chir. 1874. No. 30.) TiUmanng (Leipzig).
M. Brooa. Fracture de rotule en deux temps.
(Journal de m6d. et de ddr. prat. 1875. p. 58.)
Unter dieaem Namen wivd beschrieben, wie eine Frau, aufs Knie fallend, sich
eine nicht diagnosticirte Fractur der Patella zuzog und unter Schmerzen und Schwel-
lung noch 14 Tage umherhinkte. Dann rissen durch Muskelzug bei einem fal-
schen Tritt auch die aponeurotischen Theile und der Querbruch wurde weitklaf-
fend. Pagensteeher (Elberfeld).
SiOke. Cafles of hemia. (Middlesex hospital.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 13. p. 170.)
1) 58jähr. Mann mit seit <3 Tagen eingeklemmter rechlseitiger Inguinalhernie.
Uemiotomie. Trota Gangrän einer kleinen Dannstelle Reposition. Tod an Peri-
tonitis. Kein Auetritt von Darminhalt in die Bauchhöhle.
2) 3 operirte und geheilte Netzhernien, eine davon mit starker, Hydrocele
vortäuschender Wasseransammlung im Bruchsacke, eine andere (Femoral-) Hernie,
deren Bruchsack nach der Operation sich zu einer Cyste umbildete.
BiAke (HaUe).
O. Fellizsari. Ein Myom des Darmes.
{Soeietk medieo fisica Fiorentina 1874. Novbr. 22. ^ L'Imparziale 1875. No. 3.)
Ein junges, sonst gesundes M&dchen aus Florenz consultirte im Juli 1872 Dr. T.
wegen eines leichten Fiebers. Dr. T. fühlte in der rechten Ileocoecalgegend eine
grosse runde Geschwulst, welche fast die Nabelhöhe erreichte. Man vermuthete
einen Ovarialtumor. Das M&dchen hatte davon fast gar keine Beschwerden. SpA^
ter gesellten sich Unterleibsschmerzen hinzu, welche erst im August 1874 die Form
schwerer Koliken mit Brechen, Stuhlverhaltung und Fieber annahmen. Am 2.
Oetober 1874 traten Symptome von Ileus noch prägnanter hervor und am 18. Oct.
224 Oentralblatt fQT Chirurgie. No. 14.
stöBBt die Kranke per anum plötzlich einen gprossen, fleischigen Tumor aus. Von
da an war das Mädchen geheilt. Der Tumor wog 500 grm. und war ein reines
Myom. — P. macht darauf aufmerksam, dass der ganze Verlauf dagegen spricht,
dass etwa ein Uterusmyom in den Darm durchgebrochen sei» dass man vielmehr
annehmen müsse, der Tumor habe sich ursprünglich in der Darmwand (muscularia)
entwickelt und zwar wahrscheinlich im Coecum (Ileocoecalgegend).
MeBzel (Triestj.
E. Qehmng. Gase of double uterus and vag^ina. Division of vaginal
septum.
(The Americ. Journal of med. sciences 1874. Oct.)
Bei einem ITjähr. Mädchen, welches lange Zeit an Dysmenorrhoe und profuser
Leukorrhoe litt, fand Verf. einen doppelten retrovertirten Uterus und eine doppelte
Scheide. Beide Vaginen, von welchen die eine erheblich enger ab die andere,
waren durch ein dünnes, V8~~~^/i6 Zoll im Querschnitt messendes Septum getrennt.
Durch jede konnte man mit der Sonde in einen besonderen Cervix gelangen und
172 Zoll weit eindringen.
Um die Menstruationsbeschwerden zu heben, den Uterus einer orthopidisdien
Behandlung zugänglich zu machen und schliesslich den bestehenden Vaginismus zu
beseitigen, spaltete Verf. das ganze Septum. Unmittelbar nach der Operation
konnte man die beiden, gut ausgebildeten Cervicalportionen sehen. Bei einer
späteren Untersuchung während der Menstruation war an jedem Os die Blutaus-
scheidung zu constatiren.
Nachdem die Dislocation des Uterus mittelst eines modificirten H o dg e 'sehen
Pessariums beseitigt war, verschwand die Dysmenorrhoe und Pat. ist gegenwärtig
vollkommen gesund. Lossen (Heidelbeig) .
G* JüdelL Beckenfractur mit Blasenzerreissung und Hemia diaphrag-
matica hepatis.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie. Bd. IV. Hft. 5 u. 6.)
Ein 35jähr. Arbeiter hatte sich durch Sturz aus grosser Höhe eine Becken-
fractur zugezogen; es trat sogleich Lähmung des Sphincter ani, später auch des
Sph. vesicae ein. Ein grosser Decubitus heilte, ebenso eine nachträglich entstan-
dene Perforation der Harnblase. 6 Monate nadi der Verletzung erlag der Kranke
wiederholten Erysipelen. Bei der Section fand man eine mit starker Verschiebung
geheilte Längsfractur des Kreuzbeins, die durch die ganze Reihe der rechtseitigen
Kreuzbeinlöcher verlief und bis in das Steissbein reichte, geheilte Fracturen der
Querfortsätze des 2. — 5. Lendenwirbels, Comminutivfractur des rechten absteigen-
den und einfache Fractur des rechten horizontalen Schambeinastes, und endlich
eine Hemia diaphragmatica hepatis. (^fenniiy (Wien).
Bbermaan (Petersburg). Ueber Urethrotome.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1874. Bd. XVII, Hft. 4,)
E. hat ein dem Maisonneuve'schen und Bronn 'sehen ähnliches feines
Urethrotom construirt, auf dessen nähere Beschreibung wir hier nicht eingehen
können, wir verweisen auf das Original und die beigegebenen Zeichnungen.
Maas (Breslau).
Origlnslmitthelliingen, Monogrsphleen nnd Separstabdrücke wolle
man an Dr, H. TUhnaamB^ Leipzig, Haiienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlung,
BreUkopf und Härtelf einsenden.
Draek «od Vtrlug von Brciikopf aad UIrtel in Leipzig.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L. Lener, Dr. IL SGMe, Dr. I. TDlinaiiiui
in Berlin. in H^lle a. 8. in Leipaig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prft-
nnmention. Zu beriehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 15. Sonnabend, den 10. April. 1876.
blhaltt CmS«, Transfusion. ~ VulplaN, Directe Faradisation des Herzens. — BetlitR,
Bmcheinklemmungfimechanismas. — Marth, Herniotomie bei Kindern. — TbORiptOSy
OperatiTe Hülfe bei Prostatahypertrophie. — Mitchell, Motilitätsstörungen an Amputa-
tionsstfimpfen. — Marthally Operationsmethode bei vaiicosen Venen. — BIgelow, Bau
nni Pathologie des Schenkelhalses. — v. Nustbaum, Knochentransplantation. — - 8i0rfc,
Chronische Blennorrhoe der Luftwege. — Lawton, Verletzung des Sehnerven.
Kofldirall, Behandlung des Erysipels. — Krasnoglladow, Tetanus traumaticus. — Tod
nach Rbinoplastik. — Mears, Behandlung des Gystenkropfs. — Wltznlewskl , Perichon-
drltis Ivyngea. — Salomon, Anwendung des Giahelsens bei acuter Myelitis. — Nut-
ChintOMy InTsgination. — Hüll, Hernia diaphragmatica. — D^MfRiaaux, Hydrocele. —
Kerr, Hypertrophie der corpora cavemosa. — Jones, Hypertrophie des Knies. — Gliyot,
Ezartlculatio tarso-metatarsea. — Humphry, Auslösung des Calcaneus und Astragalus.
J. Casse. De la transfusion du sang.
(M6m. couronn^s et autres m6m. publi^s par Facad^mie royale de m^d. de Belgique
^ 1874. Tome U. 4me faac.)
Der Hauptwerth der umfangreichen Arbeit des Verf. 's liegt nicht
in den wenigen beim Menschen ausgeführten Bluteinspritzungen, son-
dern in den Experimenten desselben^ welche er «in den Arbeitsräumen
der Veterinärschule zu Brüssel ausgeführt hat^ als auch in dem sorg-
faltigen Studium der einschlägigen, besonders deutschen Literatur. —
Die fast 200 Seiten umfassende Monographie beginnt mit einer ge-
schichtlichen Skizze. C. unterscheidet drei Hauptzeitabschnitte. Zu-
nächst die mythologische Periode, für welche er aus Ovid*s Meta-
morphosen nur zweifelhafte Anhaltepunkte beibringt über die Kennt-
niss der Bluteinspritzungen im Alterthum. Sodann bis zum 15. ja
bis zum 17. Jahrhundert n. (Jhr. ist eigentlich so gut wie gar nichts
15
226 Centralblatt für Chirurgie. No. 15.
Positives über die Transfusion zu berichten. Erst mit der Stadera
medica von Francesco Folli aus Poppi, der durch Harvey*s
Entdeckung des Kreislaufs von Neuem auf den Gedanken der Blut-
überleitungen gebracht wurde, beginnt Verf. den zweiten Zeitabschnitt,
die Periode der versuchsweisen Ausführung der Operation an Thieren
und Menschen. Hierher gehören die Namen von Michel Servet,
Levasseur, Realdo Colombo, Andrea Cisalpino d'Arezzo
u. s. f., von Wren, Lower, Clarke, Boyle und King, von
Denis u. A. Bald entstand ein Streit über die Priorität der Erfin-
dung der Transfusion, welche Deutsche, Holländer und Italiener nach
einander für sich in Anspruch nahmen. Als beraerkenswerth sind
späterhin hervorzuheben die Experimente von Michel Rosa (Lettere
fisiologiche, Napoli 178B), der sich also schon vor etwa 90 Jahren
überzeugte, dass man in die Blutgefässe eines lebenden gesunden
Thieres beträchtlich grössere Mengen von Blut einspritzen könne, als
sie normaler Weise enthalten, und dass trotzdem keine Ueberfüllunf^
der Gefässe eintritt. Auch, beschäftigte sich Rosa mit gegenseitigem
Blutaustausch verschiedener Thierspecies. — Allmälig wurde die Trans-
fusion gegen alle möglichen Leiden versucht. Wir wollen nur her-
vorheben, dass 1796 Darwin (Zoonomia, liOndon) Einspritzungen
von Menschen-, Hammel- und Eselblut empfahl bei Inanitionszustän-
den (Krebs des Oesophagus), aber auch gegen febris putrida. 1792
führte Russell Transfusionen bei Lyssa humana aus. — Der dritte
Zeitabschnitt endlich, die moderne Periode, wird nach Verf. mit dem
Beginn des 19. Jahrhunderts eröffnet und zwar mit den bahnbrechen-
den mikroskopischen und chemischen Arbeiten auf dem Gebiete der
Blutphysiologie (Bischoff, Brown-S^quard, Pr^vost, Dumas,
Panum u. A.). Dieser letzten Epoche widmet C. nur eine flüchtige
Betrachtung, und geht nun zu seiner speciellen Aufgabe über. Er
erörtert zunächst die Frage ob Thier- oder Menschenblut anzuwen-
den sei. Aus mehr äusserlichen Gründen entscheidet sich C. in
seinem Raisonnement für Anwendung von Menschenblut (Schwierig-
keit der Beschaffung von Thieren in grossen Städten). Er meint,
die beiden Uebelstände, die man der Benutzung von Menschenblut
entgegenhält, die Möglichkeit der Ueberfährung kranken Blutes (von
einem Syphilitischen z. B.) und die Gefahr der Phlebitis für den
Blutspender, würden überschätzt. Im Nothfall wiege die Aussicht der
Erhaltung eines Menschenlebens die Gefahr einer syphilitischen An-
steckung auf. In Bezj^ig auf die Phlebitis hält C. dafür, dass wenn
dieselbe nach Aderlässen wirklich so häufig aufträte, wie man an-
nimmt, die blutdürstigen Doctrinen von Broussais gewiss nicht eine
so allgemeine Aufnahme und Verbreitung gefunden hätten. Im Wei-
teren vertheidigt Verf. warm die Anwendung defibrinirten Blutes^ in-
dem er den rothcn Blutkörperchen die Hauptwirkung bei Transfusionen
zuschreibt, das Fibrin aber für unwesentlicth hält. Auch ersetze sich
das Fibrin rasch im kieisenden Blute, so dass die Blutmischung im
Körper durch Injectionen defibrinirten Blutes nur vorübergehend alte-
Ontralblatt für Chirurgie. No. 15. 227
rirt werde. Allerdings bleibt C. sowohl £ur letztere Behauptung als
auch dafür die Angabe experimenteller Beweise schuldig, ob in der
Tbat durch das Defibriniren die Lebenseigenschaften der rothen Blut-
körperchen und ihre Fähigkeit für den Gasaustausch nicht leiden. —
Die einzigen vom Verf gegen die Anwendung ganzen, nicht defibri-
nirten Blutes angeführten Griinde: die rasche Gerinnungsfähigkeit
und deren Folgen und sodann die Venosität des Blutes^ welches erst
nachdem es die Ijungen passirt hat, wirksam werden kann, fallen für
die directe Transfusion von Arterie zu Vene selbstverständlich fort. —
Um zu entscheiden, ob es erforderlich sei, das zu injicirende defibri-
nirte Blut vorher auf Körpertemperatur zu bringen, hat C Trans-
fusionen ausgeführt mit defibrinirtem Blute von 3**, 10°, 27°, 47°, 50°
und .'>5°C. Temperatur und hat während der Einspritzungen die Kör-
perwärme der Thiere im Rectum gemessen. Hei Injection niedrig
temperirten Blutes sinkt die Eigenwärme und erhebt sich nachher um
so stärker, je niedriger die Temperatur des Transfusionsblutes gewählt
war. Benutzt man Blut, welches wärmer ist, als dasjenige des Blut-
empfangers, so steigt die Temperatur des letzteren deutlich, aber die
Temperaturschwankungen sind nicht so beträchtlich, wie bei Injection
kühlen Blutes. Am geringsten fallen die Schwankungen aus bei
Anwendung von Blut, das annähernd, aber in ziemlich weiten Gren-
zen, die Temperatur des kreisenden Blutes besitzt. — Man könne
und dürfe ohne alle Furcht dem Transfusionsblut die Temperatur des
Operationsraumes lassen. Die Erwärmung des Blutes auf Körper-
temperatur sei für den Erfolg der Transfusion gleichgültig. Auch
' beim Menschen hat C. von Anwendung von Transfusionsblut, das
bedeutend kühler war, als das dos Fat., keinen Nachtheil beobachtet.
In Bezugs auf den Ort der Einführung des Blutes schliesst sich Verf.
den Vertheidigem der venösen Transfusion an und betont besonders
die ofk unüberwindlichen Schwierigkeit, das Blut in die peripheren
Verzweigungen einer Arterie zutreiben, als auch die Gefahr von Phleg-
monen, selbst von Fyämie, wie sie bei der arteriellen Transfusion auf
etwaige Gefasszerreissungen und Blutextravasationen folgen können.
Besonderes Interesse nehmen die, wenn auch wenig zahlreichen
Versuche des Verf. 's in Anspruch, welche er angestellt hat, um über
die Quantität des zu injicirenden Klutes Aufschluss zu erlangen. Er
hat zunächst constatiren können, dass man die normale Blutmenge
des Thieres bedeutend vergrössern, ja dass man dieselbe verdoppeln
könne, ohne die Gesundheit des Thieres zu schädigen. Verf. befindet
sich darin im Einklang mit den Erfahrungen des Ref. (vergl. L. Les-
8er, Ueber die Anpassung der Gefässe an grosse Blutmengen. Aus
\ den Arbeiten der physiol. Anstalt zu Leipzig, 1S74, cf. ('entralbl. f.
Chir. 1875, No. 9). Auch die Ergebnisse der Sectionsbefunde sind
entsprechend ähnlich. Hervorzuheben ist auch hier die unerwartet
geringe Affection des Respirationsapparates während und nach den
Transfusionen, während dagegen der Zustand der Unterleibsgefässe,
vor Allem auch derjenige der Leber eine besondere Berücksichtigung
15"
228 Centralblatt für Chirurgie. No, 15.
verdienen. Nur darin stimmt Verf. nicht mit den Erfahrungen von
Mittler, Worm Müller und Ref. überein, dass er meint, Blut-
extra vasate seien häufiger nach Anwendung nielit defibrinirten als
nach Injectionen defibrinirten Blutes. Die Differenz erklärt sich aber
leicht aus dem Verlauf des (übrigens nur einzigen mit ganzem Blut
ausgeführten] Experiments, wo die Injection aus der V. jug. eines
Hundes in die V. saph. eines anderen durch Anwendung einer Dieu-
lafoy 'sehen Spritze vermittelt und aus Furcht vor Gerinnung abnorm
rasch ausgeführt wurde. Letzterem Umstand allein wird daher auch
der interessante, bei unmittelbarer directer Blutüberleitung von Arterie
zu Vene aber nie beobachtete Befund zuzuschreiben sein, dass
die Bauchhöhle eine grössere Menge Blut enthielt und dass das
Blut aus der vollständig zerklüfteten (compUtement fissur^) Leber
stammte, welche letztere auch sonst in allen ihren Theilen vergrössert
und ganz abnorm blutreich erschien. Die übrigen Organe waren nicht
congestionirt, das Gehirn selbst anämisch. — Jedenfalls wird der Zu-
stand der Unterleibseingeweide vor jeder Transfusion mindestens die-
selbe Aufmerksamkeit verdienen, wie derjenige des Herzens und der
Lungen ; und ist der Rath des Vcrf.'s gewiss sehr zu beherzigen, für
jede therapeutische Blutzufuhr den Patienten durch Enthaltung vom
Essen und vorherige gründliche Entleemng des Darms vorzubereiten^
um demselben zum mindesten das sonst quälende Erbrechen und die
oft heftigen Leibschmerzen zu ersparen. — Einen Aderlass bei Trans-
fusionen hält der Verf. nur da für indicirt, wo eine chemische De-
composition der Blutmasse z. B. bei Vergiftungen vorliegt. — Das opera-
tive Verfahren des Verf. 's, der, wie schon bemerkt, fast ausschliess-
lich defibrinirtes Blut anwandte, bestand einfach in dem Einfüllen
der Blutflüssigkeit in die Vene vermittelst eines graduirten Irrigator-
ähnlichen Gefasses unter dem niedrigen Druck der Transfusionsflüssig-
keit selbst, welche durchgehends die Temperatur des Operationsraumes
hatte. Das Gefäss communicirte mittelst eines Schlauches mit der
sorgfältig in die Vene eingebundenen Glaskanüle. Auch beim Men-
schen hält Verf. das Freilegen der Vene und das Einbinden der Kanüle
für zuverlässiger als das Arbeiten mit Stichkanülen. — Die Auseinander-
setzungen von C. über Anwendung nicht defibrinirten Blutes, über
Gefahren der Transfusion im Allgemeinen, so wie über ihren physio-
logischen Effect können wir als nichts Neues enthaltend übergehen.
Es schliessen sich weiterhin Experimente über den ernährenden Effect
von Transfusionen an, die im Ganzen Panum's negative Ergeb-
nisse bestätigen [Vir eh. Archiv, Bd. XXIX). Bei fehlender Nahrung
ist man nicht im Stande, weder durch Einspritzungen nicht de-
fibrinirten noch durch Einspritzungen defibrinirten lUutes das Leben
für eine längere Zeitdauer zu fristen. Das Leben erhält sich nach
Verf. länger bei Anwendung nicht defibrinirten Blutes. Transfu-
sionen fibrinfreien Blutes dagegen erhöhen ganz bedeutend den
Stoffumsatz, so dass das Gewicht der hungernden Versuchsthiere auch
durch spätere Darreichung von Nahrung nicht eher zum Wiederan-
Centralblatt für Chirurgie. No. 15. 229
steigen kommt, bis man nicht die Transfusionen ausgesetzt hat. Wie-
derholte Einspritzungen defibrinirten Blutes bei einem ernährten Thier
bringen dessen Gewicht schneller und dauernder herunter, als es durch
völlige Entziehung aller Nahrung während derselben Zeit geschehen
wäre. Diese tiefgreifenden Einwirkungen auf die Nutrition legen C.
den Gedanken nahe, ob nicht Transfusionen defibrinirten Hlutes sich
bei Polysarcie nützlich erweisen dürften. — Es folgt eine sehr
umfassende und fleissige Zusammenstellung in Tabellenform der in
der Literatur vorhandenen therapeutischen Transfusionen, geordnet
nach den Krankheiten^ gegen welche dieselben ausgeführt wurden.
Leider vermissen wir in dieser einfach chronologischen Aufzählung
das kritisch sichtende und kritisch ordnende Combinationstalent des
Verf.'s, der es unterlassen hat, für die in seiner Monographie darge-
legten und zum grossen Theil durch eigene Experimente geprüften
Ansichten auch statistische Beweisgründe zu suchen.
Legger (Berlin).
A. Vulpian. Note sur les effets de la faradisation directe
des ventricules du coeur chez le chien.
(Brown-S^quard's Arch. de physiologie 1874. p. 975—80.)
Verf. stach Nadeln in das Herz und zwar entweder durch die
Brustwand hindurch, oder nach Eröffnung des Thorax und vorher
eingeleiteter, künstlicher Respiration; und schickte dann durch die
Nadeln, welche mit den Enden der secundären Spirale eines Schlitten-
apparates verbunden waren, kräftige Inductionsströme hindurch. So-
fort entstand, auch wenn die Electrodennadeln nur in das rechte Herz
eingestochen waren, lebhaftes Muskelzittern in beiden Ventrikeln, das
an verschiedenen Punkten des Herzens auftrat, 4 — 5 Minuten lang
anhielt und dann in fibrilläre Zuckungen überging. Nach ferneren
3—4 Minjuten traten die Ventrikel in dauernden diastolischen Still-
stand. Dieselben Erscheinungen waren zu beobachten, wenn nur
1 — 2 Secunden lang der inducirte Strom hindurchgeschickt wurde,
wenn z. B. die Electroden nur auf das Herz aufgesetzt und sogleich
wieder entfernt wurden, ferner sowohl bei chloralisirten und curari-
sirten als bei ganz normalen Thieren. Mit dem Aufhören der fibrillären
Zuckungen und dem Auftreten des diastolischen Stillstandes ist der
Herzmuskel selbst durch keinen Reiz mehr erregbar und zwar weder
durch directen, noch durch reflectorischen (auf die Haut ausgeübten)
Reiz. Da ferner die Durchschneidung der Nn. vagi eben so wenig,
wie voraufgängige Atropinisirung, wodurch nach unserer Anschauung
die Vagusendigungen im Herzen selbst gelähmt werden, das Resultat
der Faradisation ändern, so nimmt V. eine ausschliessliche Wirkung
des Stromes auf die Herzmuskulatur selbst an. — Endlich trat dieselbe
Symptomenreihe auf, wenn nur eine Electrode in's Herz eingestochen^
die andere aber auf irgend eine Stelle der Haut aufgesetzt wurde.
Nur bei schwachen Strömen sind die erwähnten Erscheinungen vor-
230 Centralblatt für Chirurgie. No. 15
Übergehend und machen wieder der normalen Herzbewegung Platz.
V. hält dafür, dass der electrische Beiz eine Art Spasmus der Mus-
kulatur der Ventrikel bedingt, wodurch sie verhindert wird, in regel-
mässig coordinirter Weise auf die Hewegungsimpulse , welche ihnen
von den HerzgangUen eitheilt werden, mit rhythmischer Contractiou
zu antworten. Das krampfartige Zittern erschöpft wahrscheinlich
rapide die Irritabilität der Herzmuskulatur. Hört dann der Spasmus
auf, so können die Ventrikel durch den Nervenreiz nicht mehr in
Thätigkeit versetzt werden, daher der vollständige und definitive Herz-
stillstand. Jedenfalls muss die Kenntniss unzweifelhaft tödtlichev
Wirkung, die durch directe Faradisation des Herzens beim Hunde
herbeigeführt wird, die Befürchtung erwecken, es möchte dasselbe
auch beim Menschen der Fall sein. Da auch S. Mayer (s. dieses
(ycntralbl. 1875, No. 4] ziemlich zu denselben Resultaten gelangt ist,
so dürfte es bis auf weitere Erfahrungen dringend geboten sein, in
Fällen plötzlicher Syncope (z. B. in der Chloroformnarkose) von dem
Versuche, durch die hier und da gerühmte Electropunctur des Herzens
seine Thätigkeit wieder zu beleben, vor der Hand abzustehen.
J« Monk (Strassburg ifE.].
E. P. BeUien. Zur Lehre vom Brucheinklemmungsmecha-
nismus.
(Sitzungsberichte der med. Gesellschaft zu Charkow 1875. No I.)
Die vom Verf. im khnischen Laboratorium des Ref. bei Wieder-
holung der Brucheinklemmungsversuche von Roser, Husch und
Lossen gewonnenen Resultate stimmen in den Hauptpunkten mit
Lossen überein. Das gebrauchte Material, die Ausführung der Ver-
suche waren dieselben, wie bei Lossen, nur erwiesen sich die eben-
falls bei den Versuchen gebrauchten Hundedärme ihrer Dicke wegen
nicht sehr geeignet.
Betreffend die Streitfrage — ob die Compression des ausführen-
den Schenkels der Darmschlinge durch Blähung des zuführenden
Schenkels (Lossen), oder die Abknickung des ausführenden Schen-
kels am Bande des Bruchringes (B u s c h) die Ursache des Verschlusses
sei, spricht sich Verf. entechieden für die erstere Meinung aus :
mehrere seiner Präparate eingeklemmter Schlingen zeigen am Bruch-
ringe gar keine Abknickung ; ausserdem ist dieselbe höchst selten eine
vollständige — sich auf beide Darmwände des ausführenden Schen-
kels erstreckende, wie sie Busch beschreibt; am häufigsten eine
unvollständige, d. h. eine solche, welche nur die äussere, dem Mesen-
terium gegenüberliegende Darm wand betrifft. Eingeklemmte Hunde-
darmschlingen zeigen in keinem Falle eine Abknickung. — Der modi-
ficirte Versuch von Busch [Centralbl. f. Chir. 1S74, No. 34, p. 530),
bei dem die Blähung des zuführenden Darmendes dadurch unmöglich
gemacht wird, dass die Kanüle der Spritze in den zuführenden Sehen-
Centralblatt für Chirurgie. No. 15. 231
kel bis über den Hnichriiig hinaus eingeschoben und hier eingebun-
den wird, wurde vom Verf. meistens mit negativem Resultate wieder-
holt: sehr selten trat Verschluss der Schlinge ein; geschah er aber,
so konnte derselbe nie als Folge einer Abknickung betrachtet wer-
den. Als Ursache dieses Verschlusses erwies es sich, dass beim Auf-
blähen der Schlinge stets das gefaltete Mesenterium mit dem Darme
iu den Bruchring hineingezogen, und dadurch das Lumen des Hruch-
ringes derart vermindert wurde, dass der incompressible zuführende
Schenkel der Schlinge den comprimirbaren ausführenden Schenkel
und das Mesenterium zusammeupresste, wobei der ausführende Schen-
kel unter ähnliche Bedingungen gestellt wurde, wie bei dem Versuche
von Lossen. Somit beweist der Versuch durchaus nicht, dass die
Abknickung des ausführenden Darmendes Ursache des Verschlusses
sei. Die Gradestreckung des zuführenden Schenkels bei seiner Auf-
blähung, wobei derselbe sich in die Axe des Bruchringes stellt, er-
schien für das stete Gelingen des Lossen 'sehen Versuches sehr
wichtig; wurde diese Stellung des zuführenden Schenkels unmöglich
gemacht, indem man das zuführende Darmende stark zur Seite zog,
fixirte, und nun Wasser, Luft oder Wachs unter heftigem Druck
einspritzte, so entstand der Verschluss sehr selten. Darauf hin ge-
langt Verf. zum Schluss, als Ilaupterforderniss für die Entstehung
des Verschlusses der Schlinge die ('ompression des ausführenden
Dannendes g^en den oberen Rand des Bruchringes anzusehen, be-
dingt durch das geblähte, senkrecht zur Ebene des Bruchringes ge-
streckte zuführende Darmende.
Bei Wiederholung der Roser 'sehen Versuche gelang es Verf.
nie einen Klappenraechanismus hervorzubringen.
W. Grabe (Charkow).
H. Marsh. Herniotomie im Kindesalter.
(Barth ülomew 's Uospital-Keport vol. X. p. 205.)
Verf. machte bei einem 5 Monate alten Knaben wegen einge-
klemmten, rechtsseitigen Leistenbruches, nachdem am Tage vorher
die Taxis unter Chloroform erfolglos geblieben war, bei plötzlich ein-
getretenem Collaps die Herniotomie ohne Eröf&iung des Bruchsackes ;
am 4. Tage erfolgte Erysipel, am 12. Tod durch Erschöpfung. Da
Hemiotomieen im Kindesalter relativ selten sind, so reiht M. hieran
eine Statistik von 46 ihm bekannt gewordenen Fällen, von denen 43
Knaben betrafen und 29 im Alter unter einem Jahre standen; das
jüngste Kind war 8 Tage alt. Von 44 Operirten starben 17, also
37^. Die Hernien, vorwiegend rechtsseitig, waren 39 Mal angeboren.
Die Einklemmung bestand in 31 Fällen 20 Mal im Bruchsackhalse, 7
^ial am äusseren, 3 Mal am inneren Leistenringe, 1 Mal an beiden.
In therapeutischer Hinsicht warnt M. vor lange fortgesetzter und kräfti-
ger T&xis (mehrfach fand sich schon am 2. Tage Gangrän des Darmes
232 Centralblatt für Chirurgie. No. 15.
vor und war der Tod in einigen Fällen nur die Folge allzu energi-
scher Taxisversuche) ; er räth nach erfolgloser Taxis in der Narkose
die Operation nicht aufzuschieben^ bei drohendem Collaps unverzüg-
lich zu operiren. An einem weiteren Fall von incarcerirter Nabel-
hemie bei einem 4 Mon. alten Kinde mit Ausgang in Darmfistel nach
Ruptur des Sackes^ schliesst M. die Wiedergabe von 6 in der Literatur
aufgefunden Fällen (C. Forster, Gripps Lawrence, C. Visick,
Steele, Fairbrother, Pochhammer) von Nabelhernien, die da-
durch entstanden waren, dass das Ileum sich nicht aus dem Duct.
omphalo-meser. genügend zurückgezogen hatte und so die Hernien
im Anfangsstück des Nabelstranges verblieben. Intrauterine Peritonitis
scheint durch frühe Anlöthungen diese irreduciblen Hernien zu ver-
ursachen. Drei der Kinder starben, bei 2 entstand Incarceration.
Pill (Stettin,.
Sir H. Thompson. Operative Hülfe bei vorgeschrittener
Prostata-Hyperthrophie .
(The Lancet 1875. Vol. J. p. 3.)
Verf., welcher die Erfolge Th. Pag et 's (Leicester) von Anlegung
von Blasenfisteln bei alten impermeablen Stricturen kennt, benutzt
ein analoges Verfahren, um die Leiden der mit sehr grosser Vorsteher-
drüse behafteten Personen, welche 16 — 24 Mal in 24 Stunden den
Urin entleeren müssen, und die Gefahren, welche der häufige Kathe-
terismus derselben im Gefolge haben kann, zu beseitigen. Zu diesem
Zwecke legt er eine permanente Hlasenfistel oberhalb der Symphyse
an. Da bei dem in Rede stehenden Leiden, die verdickte und ver-
kleinerte Blase durch die Prostata-Geschwulst häufig dislocirt ist, so
wird ein 12 — 13" langer metallner Katheter von mittlerer Stärke ein-
geführt, dessen stark gebogener, nicht zu langer Schnabel quer abge-
schnitten ist (also offen], und welcher ein Stilet birgt mit olivenför-
migem Knopfe, der gerade aus dem Katheterschnabel herausragend,
denselben schliesst. Nachdem auf diesen von aussen fühlbaren Knopf
ein Y2" langer Einschnitt gemacht und derselbe bis auf die Blase
durchgeführt ist, wird eine genau in das Katheterlumen passende
Hartkautschukröhre mit silbernem Schilde (der Tracheotomiekanüle
gleichend) nach Herausnahme des Stilets in das Katheterende einge-
führt und nun der Katheter selbst entfernt; die Befestigung der Kanüle
geschieht mittelst Bänder und Heftpflaster. In Kurzem adaptiren sich
die Wandungen der Wunde der Kanüle so gut an, dass dieselbe be-
hufs Reinigung leicht entfernt und wieder eingelegt werden kann.
Th. betont besonders möglichste Kleinheit der Wunde und häufige
Reinigung der Kanüle.
Die 3 von ihm angeführten und nach dieser Methode operirten
Fälle legen jedoch kein zu beredtes Zeugniss für den Erfolg ab. Bei
dem zuerst Operirten schlüpfte in den ersten Tagen die Kanüle her-
aus, konnte von dem Hospitalarzte nicht wieder eingeführt werden ;
Centralblatt für Chirurgie. No. 15. 233
Urininfiltrationen waren die Folge; nach Vj^ Monate starb Pat. an
EntkräftuDg. — Der 2. Fall betraf einen Arzt, den Th. 1867 und
1869 lithotomirt hatte und der jetzt durch häufigen Urindrang gequält
wurde. Nach 3 Wochen erfolgte hier der Tod. — Im 3. Fall endlich
war die Operation auch nur ein Versuch, die andauernden Hambe-
schwerden zu beheben. Nach dem innerhalb 14 Tage erfolgten Tode
an Erschöpfung eigab die Section den sehr seltenen Befund eines
Carcinonis der Prostata. Pili (Stettin).
W. Mitchell. ()n the spasmodic diseases of stumps.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 172. p. 305.)
Mau hat nach M. an den Amputationsstümpfen folgende Motili-
tätsstörungen zu unterscheiden.
Erstens eine Art Chorea^ bei welcher das Glied in beständiger,
meist sehr heftiger Bewegung sich befindet. Dann Zuckungen in
den bei der Amputation durchschnittenen Muskelgruppen, die meist
periodisch auftreten, aber auch dauernd anhalten können und sehr
häufig mit Schmerz- und Krampfempfindungen an den durch die
Operation entfernten Theilen einhergehen. Curven, welche von in-
telligenten, an dieser Krankheit leidenden Patienten entworfen wurden
und welche die thermometrischen, baro- xmd hygrometrischen Ver-
hältnisse der Luft berücksichtigen, beweisen unwiderleglich eine Ver-
schlechterung der Zufälle bei herannahenden, Regen bringenden Ost-
winden (für Amerika, Ref.).
Sehr selten sind Zuckungen in von dem amputirten Gliede etwas
entfernt liegenden und durch das Messer nicht direct beschädigten
Muskelgruppen. Sie pflegen sich in der Form äusserst schmerzhaf-
ter, 3 — 4 Mal am Tage auftretender tonischer Contractionen zu zeigen.
Zu erwähnen wäre noch, dass in einzelnen Fällen von Myelitis,
Spinalsclerose und Hysterie, das amputirte Glied von heftigen con-
vulsivischen Bewegungen befallen wird, welche unter Umständen auch
auf entferntere Körpertheile überspringen. Auch diese Zustände kön-
nen spontan oder nach Traumen sich entwickeln.
Beispiele: Ein Sergeant, der seit dem 3. Monat nach der Ampu-
tation des Oberschenkels an Zuckungen und excentrischen Schmerzen
leidet, fällt 6 Monate später auf den Stumpf. Wenige Tage danach
Convulsionen in den Flexoren und Extensoren, die anfänglich nur 5
Minuten dauern, aber in der Folge an Intensität und Dauer zunehmen
und schliesslich sich mit Zuckungen im Fectoralis major vergesell-
schaften. Dabei keine cerebralen Symptome. —
Bei einem 50jähx. Herren entwickeln sich nach der Vorderarm-
amputation zunächst excentrische Schmerzen in der Hand. 6 Wochen
später periodische Krämpfe im Stumpf, dann nach einander im Ober-
arm, Deltoideus, Fectoralis, Trapezius und Kopfhicker derselben Seite.
Wllh. Kooll (Berlin).
234 Oentralblatt ittr Chirurgie. No. 15.
Marshall. Neue Operationsmethode bei varicösen Venen.
(British med. Journal 1875. p. 104.}
Nach Darlegung der verschiedenen angewandten Methoden und
der damit verbundenen Gefahren stellt M. einen 29jähr. Mann vor,
der seit dem 16. Jahre an linkseitigen Krampfadem litt, w^elche spä-
ter auch am rechten Beine auftraten; die bedeutende Zunahme und
Schmerzhaftigkeit hinderten ihn an der Arbeit und machten einen
operativen Eingriff wünschenswerth. M. wollte die v. Gräfe'^che
Spaltung der Vene machen, deren Gefährlichkeit er durch Esmarch's
Bandage und Listcr'sche antiseptische Methode vorzubeugen hoffte.
Eine 6" lange Linie bezeichnete den Verlauf des Gefässes, dessen
Varicositäten hauptsächUch unter dem Kniegelenk lagen; nach An-
legung der Esmarch'schen Bandage wurde je eine Hasenscharten-
Nadel an den Endi)uncten der Linie unter die Vene durch die Weich-
theile geführt und durch eine umschlungene Naht befestigt ; als wei-
terhin die Vene 9" lang gespalten war, überlegte M., dass es fiir den
Heilungsprocess erspriesslicher sein würde, das Venen stück ganz zu
entfernen und trennte nun die Vene in der Nähe der Nadeln quer
durch und von den wenigen abgehenden Seitenästen ab; drei weitere
umschlungene Ligaturen wurden noch, oberhalb der Operationswunde,
an der Saphena, wo sie am Oberschenkel verläuft, angelegt. Unter
antiseptischem Verbände heilte die Operationswunde per primam ; ein
Erysipel von den höher hinauf angelegten, umschlungenen Nähten
ausgehend, hielt Pat. noch einige Zeit im Spitale. Die Saphena des
Unterschenkels war bis zum Fussgelenk obliterirt, die Schmerzen
gänzlich geschwunden und das gute Aussehen des linken Beines con-
trastirte jetzt auffallend mit dem rechten, das doch nur wenig afficirt
war. Nach dieser Erfahrung (die leider vereinzelt dasteht, Ref.)
will M. in Zukunft der einfachen Ausschneidung eines möglichst
grossen Venenstücks gegenüber den Bell 'sehen zahlreichen, kleinen
Excisionen, aber unter Esmarch'schen und Lister'schen Vorsichts-
massregeln den Vorzug geben. Pilz (Stettin).
Ä Bigelow (Boston). Bau und Pathologie des wahren Schen-
kelhalses.
(The Boston med. and surg- Journal 1875. p. 1 u. 28 ff.)
Nachdem Verf. gegenüber den Arbeiten von Meyer, Wolff
und Merkel über Structur der Knochen, speciell des Oberschenkels,
die 'fhatsache geltend gemacht hat, dass schon Wyman 1850 in einer
ausführlichen Arbeit (Boston Journal of Natur. History 1850, Vol. 6,
p. 125) die mechanischen Einrichtungen der Knochenstnictur darge-
legt hat, wendet er sich speciell gegen Mcrkel's Abhandlung (cf.
('entralbl. f. Chir. 1874, p. 52), indem er nachzuweisen sucht, dass
der von ihm 1869 beschriebene und abgebildete untere Theil des
Centralblatt für Chirurgie. No. 15. 235
Sdienkelhalsei^, > »wahrer Schenkelhals^ true neck«)* identisch ist mit dem
von Merkel sogenannten »Schenkel sporn«, wie es letzterer selbst
zugiebt. Was aber die von Merkel aufgestellte Hypothese betrifft,
dass in diesem Schenkelsporn die ganze Zug- und Haltkraft con-
centrirt sei, so halt er diese mit Wolff, welcher sie nach der be-
kannten Cul mann 'scheu Rechnung für irrthümlich erklärt, für falsch,
und erklärt nach Darlegung der Structur, für welche auf's Original
verwiesen werden muss, dass der »wahre Hals«, wie es auch Merkel'»
Figuren zeigen, im besten Falle einen schwachen Versuch darstelle,
den Zwischenraum unter den beiden Rollhügeln zu überbrücken.
Im späteren Lebensalter degenerirt derselbe und ändert sich in papier-
dünne Plättchen um^ die von einem dem kleinen Kollhügel näher
gel^euem Punkte nach abwärts radieuartig ausstrahlen. Diese
Schwäche im Bau des »wahren Halses« und seine schwache Verbin-
dung mit der linea intertrochantcrica macht ihn berücksichtigenswerth
für den Chirurgen, da gerade im Alter wegen seiner schwachen Aus-
bildung so häufig die Fractur der Hasis des Halses mit Einkeilung
an der hinteren lin. intertroch. zu Stande kommt, in der That die
häufigste von allen Fracturcn des Schenkelhalses.
Bei ihr wird nur die hintere Fläche an der hinteren lin. inter-
troch. eingekeilt — woselbst der Knochen sehr dünn — , indem sie
den »wahren Hals« oder dessen Residuum weiter unter die Trochanteren
treibt und diese bisweilen ablöst; die vordere viel compactere lin.
intertroch. widersteht. Die eingekeilte Schenkelkopf-Fractur ist von je-
ner im Leben schwer oder gar nicht zu unterscheiden. In den 3 von B.
beobachteten Fällen bestand, auch wie bei jener, Verkürzung, Beschrän-
kung der Auswärtsrollung, aber die Fälligkeit, das Bein zu bewegen.
Noch seltener ist die eingekeilte Fractur der ganzen Basis des Halses. —
Der kurze Passus über die nicht eingekeilten Fracturen des Halses bietet
nur das Eigenthümliche, dass B. die Differenzirung »innerhalb und
ausserhalb ^^r Kapsel« in Frage stellt und als zulässige Schemati-
sirungen überhaupt nur eingekeilte und nicht eingekeilte Fracturen
zulassen will. Pilz (Stettin).
V. Nussbaum. Ueber die Behandlung unglücklicher Vor-
kommnisse nach einfachen und complicirten Beinbrüchen, ins-
besondere über Knochentransplantution.
(Aerztl. Intelligenz-Blatt 1875. No. S.)
N. bespricht in einem im Münchener ärztlichen Bezirksvereine
gehaltenen Vortrage einige Arten der sog. schlecht geheilten Frac-
turen, namentlich die Heilung mit Pseudarthrose und deren Behand-
lung. Für diejenigen Fälle, in denen infolge von ausgedehntem Kno-
chendefect die Bruchenden weit von einander abstehen und blos eine
ligamentöse Verbindung besitzen, bringt N. die Transplantation eines
236 Ccntralblatt für Chirurgie. No. 15.
Kuochenstückes von* dem einen Bruchende an die Stelle des Defectes
in Vorschlag, die er in einem Falle mit Erfolg ausgeführt hat. Es
handelte sich bei einem Offizier um eine geheilte Schussfractur der
Mitte der UIna mit ausgedehnter Splitterung, bei der nach nekroti-
scher Äusstossung der Splitter die Heilung mit Pseudarthrose in der
Art eingetreten war, dass die Bruchenden 5 Cm. weit von einander
abstanden und nur durch einen schwachen ligamentösen Strang ver-
bunden waren. Trotz der Integrität des Radius war die abnorme
Beweglichkeit und Functionsstörung sehr bedeutend. Die Operation
wurde in der Weise ausgeführt, dass nach Blosslegung der Bruch-
stelle und Excision des intermediären Verbindungsstranges" ein 5 Cm.
langes Knochenstück aus der halben Dicke des oberen Brucheudes
der Ulna mit Säge und Meissel abgetrennt wurde^ welches nur noch
durch eine Periostbrücke mit der Spitze des Fragmentes in Zusam-
menhang blieb; dasselbe wurde nach abwärts in die Lücke herabge-
schlagen, die Wunde vernäht und ein gefensterter Gypsverband ange-
legt. Der Verlauf nach der Operation war günstig, die Wunde schloss
sich nach einigen Wochen, nachdem ein kleiner Sequester, welcher
nur etwa Vio des transplantirten Kuochenstückes ausmachte, sich aus-
gestossen hatte; »das transplantirte Knochenstück war eingeheilt und
deutlich zu fühlen« und später auch »die Festigkeit der nun ununter-
brochenen Ulna deutlich zu constatiren«. Nach Y2 Jsihr war die Func-
tionsfahigkeit des Armes so weit wiederhergestellt, dass der Offizier
für den Felddienst tauglich erklärt wurde.
Am Schlüsse seines Vortrages bespricht N. die Operationsver-
fahren zur Geraderichtung der mit winkelförmiger DifFormität geheil-
ten Fractureu und empfiehlt hierbei folgende, dem v. Lange nbeck'-
schen Verfahren mittelst der Stichsäge nachgebildete Technik: nach
einem kleinen Einschnitte auf die Bruchstelle wird mit einem feinen
Meissel Dreivierttheil der Dicke des Knochens durchtrennt und nach
der Heilung der äusseren Wunde die Knochonbriicke vollends zer-
brochen. Der Trennung mit dem Meissel wird der Vorzug vor der
Durchsägung mit der Stichsäge gegeben^ weil bei ersterer keine Säge-
spähne in der Wunde zurückbleiben. P. Bruns (Tabingen).
K« Störk (Wien). Die chronische Blennorhoe der Nasen-,
Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut in ihrem Vorkommen
in Galizien, Polen und Bessarabien.
(Wiener med. Wochenschrift 1874. No. 48.)
Verf. beschreibt eine während einer Zeit von ,1 0 Jahren beobachtete
Erkrankungsform, welche er für einen pathologischen Process soi
generis erklärt. Der Ort, von welchem die infectiöse Erkrankung
ausgeht, ist die Nasenschleimhaut; von dort geht dieselbe durch die
Choanen und den Pharynx zum Larynx und in die Trachea. Die in
Centralblatt fQr Chiruigie. No. 15. 237
der Ueberschrift ang^ebenen Gegenden liefern das Krankenmaterial.
Die Krankheit hat Aehnlichkeit mit Ozaena specifigcher^ hereditärer
Art, doch hat sich nie ein anderes syphilitisches Symptom damit ver-
banden gezeigt und ist deshalb^ wie aus therapeutischen Beobachtun-
gen sich ergiebt, Lues durchaus auszuschliessen. Die meisten Patienten
gehören der ärmeren (Hasse an, bei welcher Reinlichkeit vernachlässigt
worden. Bei Secretion eines eitrigen grüngelben Schleimes aus der Nase
ist die Mucosa selbst anämisch und grüngelb verfärbt. Mit Ausbrei-
tung des Schleimes nach dem Bachen geht die weitere Erkrankung
der Schleimhaut vor sich^ ohne aber, wie bei der Ozaena, Ulceration
zu bewirken; nur am vorderen Winkel der Glottis kommt es zu ober-
flächlicher Erosion; ihr folgt Schwellung, bindegewebige Wucherung
und Verschmelzung der Stimmbänder, so dass oft nur eine kleine
halbmondförmige Oefifhung vor den Arytaenoidknorpeln bleibt. Heiser-
keit und Athemnoth sind die Folgen und verstärken sich um so mehr,
je stärker die Trachea in den Process mit hineingezogen wird. Das
Lumen derselben wird entweder mehr gleichförmig verengt, oder es
bilden sich Stränge und diaphragmenartige Membranen. Auch die
Trachealknorpel verschmelzen und ossificiren zum Theil. Die Be-
handlung ist örtlich ; Adstriugentien, Salz- und Sodalösuugen sind ein-
zuschnaufen und in die Nase zu irrigiren, dazwischen Aetzungen vor-
zunehmen. Die Membranen im Larynx müssen operativ behandelt
werden. Es kann Tracheotomie indicirt sein, deren Erfolg bei weit
fortgeschrittener Erkrankung jedoch problematisch ist.
Eine betreffende Krankengeschichte illustrirt die Mittheilimg.
?. Mosengell (Bonn).
O. LaWBon. Verletzung des Sehnerven.
(The Lancet 1875. Vol. 1. p. 13.)
Diese seltene Verletzung betraf einen 27jähr. Mann, welcher in
einem Streite mit einem Taschenmesser gestochen wurde. Die Wunde
betraf das obere AugenUd nahe am äusseren Winkel und den Seh-
nerven ohne weitere Verletzung des Augapfels; Pat. verlor auf diesem
bisher guten Auge sogleich das Sehvermögen. Die Pupille, etwas
dilatirt, war reactionslos ; die Opticus- Scheibe etwas weisser als in
dem aiideren Auge, die Arterien fadenförmig; die durchsichtigen
Medieen normal. Innerhalb 3 Monate bildete sich eine vollständige
Atrophie des Sehnervens aus. Pili (Stettin).
Kleinere Mittheilungen.
W. Kondireff. Hehandlung des Erysipels mit eiskalten Compressen.
[Moskauer med. Zeitung 1874. No. 50.)
Der Verlauf der Krankheit wurde durch obige Behandlung nicht abgekünt;
er dauerte wie auch bei allen andern Behandlungsweisen durchschnittlich 9Vs Tage ;
auf die Temperatur, sowie den Typus des Fieberzustandes hatte die Behandlung
238 Centralblatt fnr Chirurgie. No. 15.
ebenfaUa gar keinen Einfluss. Trotzdem bevorsugt Verf. obige Behandlung vor
allen anderen wegen der Einfachheit und Reinlichkeit in der Anwendung.
Yf. Grabe (Charkow).
E. Krasnogliadow. Tetanus traumaticus.
(Sitzungsberichte der kaifierl. med. Gesellschaft im Kaukasus 1874. No. 13. p. l^$b.}
Bei einem Soldaten mit einer Schusswunde des Tibio-Tarsalgelenkes mit Zer-
splitterung der hinteren und äusseren Theile des Calcaneus, Astragalus und des
Malleolus externus entwickelte sich am 13. Tage nach der Verletzung Trismus und
ConTulsionen in der verletzten Extremität, darauf ausgesprochener Tetanus. Durch
Darreichung von Chloralhydrat wurden die Krämpfe öfters um Vieles erleichtert,
manchmal gänzlich aufgehoben. Vom Beginn des Tetanus an markirte sich am
meisten ein sehr erhöliter Seitendruck in den Ge fassen, bei einem Pulse von HO-
MO und Temperaturschwankung von 38,2 — 10, 3**^ Tod am 0. Tage nach Auftritt
der eraten Symptome des Tetanus; unmittelbar nach dem Tode Temperatur 4o,3^C.
Die Section erwies: Hyperämie und Leichtes Oedem des Gehirns; an der Ge-
hirnbasis bliitig-fleröses Exsudat, starke Gefässinjection ; in den Ventrikeln dasselbe
Exsudat in geringerer Quantität. Lungen stark hyperämisch, in den vorderen Thei-
len Emphysem. Leber, Milz hyperämirt. Ein ausgeschnittenes Stück des^' der
Wunde angehörenden N. tibialis war in seinen unteren Theilen hyperämi.<ich, hell-
roth gefärbt. — Gestützt auf diese Beobachtung empfiehlt Verf. bei Behandlung des
Tetanus auf den gesteigerten Seitendruck in den Gefässen Rücksicht zu nehmen
und denselben, sowie die gesteigerte Temperatur mittelst Er;;otin zu bekämpfen (?/.
W. Grobe (Charkow).
Death following rhinoplastic Operations.
(New York med. Journ. Bd. XXT. p. 14.)
Eine durch Trauma verlorene Nase wurde mit Hülfe eines Stirnlappens neu
gebildet (Belle vue-Hospital, New-York). Nach 2 oder 3 Wochen ^nirde der Stiel
des Lappens durchschnitten und ein kleines Stück aus letzterem exstir])irt. 7 Tage
nach dieser zweiten Operation Convulsionen, 24 Stunden später Tod. Das Periost
im Grunde der Excisionswunde abgelöst, dura mater verdickt und an Hirn und
Schädel adhärent, Abscess, Thrombose des sinus longitudinalis.
In demselben Hospital waren früher bereits 2 Todesfälle nabh derselben Ope-
ration beobachtet worden. Beide Mal fand sich Thrombose des oberen Theiles de»
sinus longitudinalis. Madelung (Bonn .
Hears. Treati^ment of cystic goitre.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 147. p. 741.)
In den Cystenkropf einer 28jähr. Dame wird nach vorausgegangener Punction
mit einem feinen Trokart eine Drachme Liquor ferri injicirt und dort sammt dem
Instrument 4 Tage belassen. Am fünften Tage Zeichen von Entzündung und
Eiterung. Application von warmen Umschlägen, während die PunctionsöfTnung
durch die Sonde offen erhalten wird. Innerhalb l» Wochen Heilung unter be-
trächtlicher Verkleinerung des Kropfes. Macke nzie (Lancet 11. Mai IS72)
behandelte in dieser Weise 08 Fälle von Cystenkropf und 19 dieser Varietät nahe
stehende Formen. WUh. Ko^'h (Berlin).
Ij. Wissniewski (Krakau) : Ein Beitrag zur Kasuistik der Perichou-
dritis laryngea nach Variola.
(Przegl})d lekarski 1874. No. 41 und 42. polnisch.)
Ein 4jähr. Mädchen kam Ende April 1874 ins Spital mit Variola, an der es
seit 2 Wochen erkrankt war und zeigte zugleich eine geringe Heiserkeit, die
jeden Tag zunahm; am 8. Mai trat Laryngostenose auf, die nach zwei Tagen so
stark wurde, dass man Croup in Verdacht hatte und sogleich eine Crico>Tracheo-
tomie vornahm. Nach Einführung der Kanüle winl das Kind aaphyk tisch, erholt
sich nach energischen WiederbelebungiverRUchen ziemlich schnell, verschied aber
am 3. Tage nach der Operation plötzlich. -• Die Section ergab ein bedeutendes puru-
Centralblatt für Cbinirgie. No. 15. 239
lentes Pleuraexiudat, das die Lunge oomprimirte , nebenbei Nekrose def CartUago
criooidea und einen Sinus, der gegen den Oesophagus gerichtet, aber nur gegen
die Trachea offen war. ObaUnskl (Krakau).
Salomon. Schnelle Heilung einer schweren acuten Rückenmarksaffec-
tion unter Anwendung des Glüheisens.
Correspondenzblatt der ärztl. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. Januar, p. 15.)
Ein 24jähr., sehr kräftiges Mädchen erkrankt unter unbedeutendem Fieber und
gastrischen Symptomen nach schwerer Mausarbeit und öfterem Gehen mit blossen
Strumpfen durch feuchte Zimmer. Binnen 4 Tagen entwickelt sich vollständige,
von unten nach oben fortschreitende Lähmung und vollständige Anästhesie an Ex-
tremitäten, Rumpf, Hals, Nacken, Gesicht etc. Nur die Thätigkeit der Athmungs-
mnskeln ist unverändert. Application von 20 Schröpf köpfen nutzlos. Am 4. Tage
werden mit dem GlQheisen vom 7. Halswirbel bis zum 10. Brustwirbel zu beiden
Seiten der Wirbelsäule tief in das Gewebe eindringende Streifen gezogen. Die
psychisch klare Pat. hat nicht die mindeste Empfindung davon. Nach 2 Stunden
plötzlich eintretende Empfindung von heftigen Schmerzen an den Brandstellen.
Spontane Urinentleerung. Rückkehr der Motilität an den Armen bis zur leichten
Elevation derselben und schwachem Schluss der Hand. Deutliche Rückkehr des
Gefühls im Gesicht und an der Hand. Rasch fortschreitende Besserung aller Sym-
ptome, während die cauterisirten Streifen in Eiterung erhalten werden, so dass 10
Tage nach dem Brennen der erste Gehversuch gemacht werden kann ; nach weite-
ren 5 Tagen wird die völlige Heilung constatirt. Bemerkungen über Natur der
Krankheit und Geschichte des Operationsverfabrens siehe im Original.
Ml^delnng (Bonn).
J. Hutchinson. Glücklicher Haucbschnitt bei Invagmation.
(Lond. med. & chir. Transact. 1874. p. 31.)
Die Beobachtung betraf ein 2jähr. Mädchen, bei dem zur Zeit an der durch
den After hervorgetretenen Invagination deutlich die Valvula Bauhini erkannt werden
konnte. Da der Verlauf ein chronischer war (über 1 Monat), und das Kind sehr
elend aussah, so machte H., nach Misslingen von Wasserinjectionen in der Nar-
kose sogleich die J^parotomie, die ohne jede Schwierigkeit verlief; die Invagina-
tion Hess sich leicht heben, schon nach 3 Minuten konnte die Bauchwunde ge-
schlossen werden; die Heilung erfolgte ohne Zwischenfall. Wegen der vom Verf.
an den Fall geknüpften, sehr interessanten Bemerkungen über I)iagnostik der In-
vagination, Mortalität bei derselben und die operativen Indicationen, muss auf das
Original vemiesen werden. (Cf. Ashhurst, The American Journ. for med. sc.
1774, Juli, ref. im Centralbl. für Chir. 1874 p. 460). Pili (Stettin;.
Hull. A case of diaphragmatic hemia.
{Philadelphia med. Times 1874. No. 157. p. 69.)
Stichwunden durch den Knorpel der linken 8. Rippe und durch das Zwerch>
feil etwas links von der Oesophagusöffnung — letztere Wunde 1^'4 Zoll lang. Wieder-
holte Anfälle von Kolik; Tod in einem derselben, 8 Monate nach der Verletzung.
Section. Ein Theil des Dünn- und Dickdarms brandig. Zwerchfell bruch,
eine Schlinge des Colon transversum einschlicssend, welche mit dem unteren Lun-
genlappen fest verwachsen war. WUh. Koch (Berlin).
Dösonneanz. Hydroc^le. — Caut^risation au ni träte d^argent.
(Revue de th^rapeutique m6d. chirurg. 1875. No. 4.)
Hodenwasserbrüche hat D. im Hospital Necker (Paris) seit Jahren durch directe
Aetzung mittelst Lapis zur Heilung gebracht. Er führt nach erfolgter Function
mit Hülfe des Trokarts einen Mandrin, der an der Spitze einen Höllenstein-
stift trägt, und bestreicht damit die Tunica vaginalis an verschiedenen Stellen. Die
reactive Entzündung ist prompt, der Schmerz angeblich nicht so bedeutend und
der ganze Eingriff ungefährlich. D. zieht diese Methode der Jodinjection vor.
Auch Maisonneuve u. A. sollen ähnlich verfahren. Am. Hiller (Berlin).
240 Centralblatt für Chirurgie« Ko. 15.
J. Q. Kerr. Hypertrophy of corpora cavemosa.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 107. p. 229.)
Kin 33jahr. Chinese bemerkt seit seinem 6. Jahre eine stetig lunehmende Ver-
grösserung des Penis. Derselbe hat bei der Aufnahme des Kranken in's Hospital
einen Durchmesser von 3V2~-4 Zoll. Dabei war die Haut und das Unteihautge-
webe hier wie am Scrotum normal.
Nach einer Incision durch die Haut erscheinen die corpora cavemosa hyper-
trophirt und sclerosirt. Ein beträchtlicher Theil derselben wird unter erheblicher
Blutung exstirpirt; aber nicht mikroskopisch untersucht.
Willi. Koch (Berlin).
Sydney Jones. Hypertrophie des Kniees.
(London pathol. Soc. Jan. 19. British med. Journal 1875. Vol. 1. p. 143.)
Nach einer 5j&hr. Kniegelenkseiterung war das kranke Bein IV2" länger ge-
worden als das gesunde, durch starke Längenzunahme sowohl des Femur, wie der
Tibia. Pili (Stettin).
Qnyot. Quelques consid^rations sur la d^sarticulation tarso-m^tatar-
sienne: comparaison du proced^ de Lisfranc et du procid6 de Mar-
celiu Duval.
(Th^se, Paris, 1874.)
Das Duval'sche Verfahren zur Exarticulation zwischen Tarsus und Metatarsua
unterscheidet sich vom Lisfranc 'sehen wesentlich darin, dass zunächst ein Plan-
tarlappen von aussen nach innen geschnitten wird; man trennt gleich darauf die
Sehne des M. peronaeus longus und das innere Zwischenknochenband und öffnet
von unten das Oolenk des ersten Mittelfussknochen. Nun wird ein Dorsallappen
abpräparirt, der etwa 3 Cm. oberhalb der Zehenwurzeln verläuft und hierauf die
Exarticulation vollendet. Dieses Vei fahren soll leichter auszuführen sein als das
andere. Verf. theilt 11 Fälle mit [9 geh., 2 Erfolg unbekannt (?)], in welchen Du-
val's Methode zur Anwendung kam.
Oirard (Strassburg i/£.).
F. A. Humphry« Auslösung des Calcaneus und Astragalus.
(Bartholmew's Hosp. Rep. Vol X. p.377.)
Vorliegender Fall ist weniger seiner Seltenheit wegen, — allerdings nicht wie
H. glaubte, der erste dieser Art, denn u. A. hat Bardeleben diese Excision
gemacht, — als vielmehr seines ausserordentlichen, kaum für wahrscheinlich gehal-
tenen Heilresultates wegen von Interesse und fordert entschieden auf, in den nicht
seltenen Fällen von Caries dieser beiden Knochen im Kindesalter, nicht wie bis-
her die Amputation zu machen, sondern die Auslösung der in Rede stehenden
Knochen zu versuchen.
Der Fall selbst betrifft einen 9jähr. Knaben, welcher nach Trauma eine sich nicht
schliessen wollende Abscedirung der Ferse bekam. Nachdem durch 2malige Entfer-
nung des erkrankten Knochens keine Heilung erzielt war, wurde die Entfernung des
erkrankten Calcaneus beschlossen. Da aber der Astragalus sich ebenfalls erkrankt
erwies, so entfernte ihn H. ebenfalls. In den ersten 3 Wochen rückte der Fuss
oft nach hinten; jetzt 3 Monate nach der Excision steht der platte, hinten brei-
tere Fuss gut im rechten Winkel, ist gut beweglich, die Fersengegend durch feste
Masse ausgefüllt ; die Verkürzung des Unterschenkels beträgt 1 ^Jj*, die des Fusses,
von den Zehen bis zur Hacke, \^U'. Pils (Stettin).
Originalmittheilnngen, Monogrsphieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TillmaniMy Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlniig,
ßffUkopf und HärUlj einsenden.
Draek nnd Vitrlag Yon Br«iikopf and Hlrtal in Leipzig.
Gentralblatt
ftr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. l. Leser, Dr. l ScMe. Dr. E TUlnamis
iB Berlin. in Halle a. 8. In Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
H^ 16. Sonnabend, den 17. ApriL 1875.
Inhalt: Hazzeni, Bericht. — Chauvel, InsenBlblliat nach Esmarch'scher Compression.
— Br«ulbeat| Anwendung des Phosphor gegen Nearalgieen. — Klelntchmldt, Puerpe-
rale Pyaemie. — Bttek, Krankheiten des Warzenfortsatzes. — Annaiidale, Fremdkörper
im Larynx. ^ Krithaliery Fremdkörper im Oesophagus. — La DantH, Besondere Form
der Mastitis. — Capparelli, Duodenalgeschwür bei Verbrennungen. — Bryaat, Zur
Diagnose yon Hüftgelenksverletzungen. >- Stocket, Eingeklemmte Hernien. — PlnCHSi
Alopede.
Förster, Chirurgische Mittheilungen. » Knapp, Intraoculire Blutung; neue Lidpln-
eette. — Wradon, Phlebitis sinuum. — Andrewt, Tumor. — Moc^uot, Luxat. sub-
claneul. — Bryant, Erlehten, Mammageschwülste. — Htttcbiaaon, Wirbelfraoturen. —
Dauaehor, Blasenstein. — Barnardo, Chloralbydrat bei Muttermundsgeschwüren. —
Krtagold, Haarnadel In der Harnröhre. •— Briflgt, Hernie.
C. Hazsoni. Anno secondo di clinica chirurgica nella r.
universita di Roma.
(Rom. Selbstverlag des Verfassers 1874.)
Der vorliegende Bericht giebt eine Uebersicht über die im klini-^
adien Jahr 1873 — 74 an der k. Universitätsklinik in Rom behandel-
ten chir. Fälle, im ganzen nur 112, worunter nur eine Amputation
(Voiderarm), zwei Enucleationen (nach Gritti und nachRoux); gar
keine Gelenksresection, keine compliciirte Fractur, keine Tracheotomie,
und nur zwei einfiu^he Fracturen (des Radius und des Femur). Das
Material ist also im höchsten Grade dürftig imd für eine Klinik in
jeder Hinsicht unzureichend.
Der sehr ausführliche Bericht (210 Seiten gr. S^ mit 11 Tafeln)
ist wesentlich für die Zuhörer der Klinik bestimmt; er soll sie in's
praktische Leben begleiten. Eine 29 Seiten lange Einleitung giebt
16
242 Centralblatt für Chirurgie. No. 16.
denselben eine Anweisung, ilire fünf Sinne geUbrig auszubilden^ um
richtige Diagnosen zu stellen.
Darauf folgen sämmtliche Krankengeschichten aller einzelnen Fälle,
wobei auch die unwesentlichen wie z. ß. Tonsillenhypertrophie, Hydro*
cela e4c. ausführlich mitgetheiU sind. Die Mortalität sämmtUcher
Fälle nach einer Berechnung des Ref. belauft sich auf lA^ißi. Zu Fall
y mit dem Titel : Multiple Äbscesse de» Obersckenkelft — Incisionen
— Pyämie — Tod — bemerkt M., dass die Autoren sich mit dieser
Krankheit wenig oder gar nicht be&ssen. Doch scheint der ganzen
Beschreibung nach die Annahme^ dass es sich einfach um eine
Osteomyelitis des Femur gehandelt habe, kaum eine gewagte
zu sein.
Interessant sind zwei Fälle von Mal perforant du pied, welche
die Ansicht zu bestätigen scheinen, dass «s sich hierbei wesentlich
um eine neuroparalytische Ernährungsstörung handelt.
Eine Blasenperinaealfistel (nach 3maligem Steinschnitt ausserhalb
der Klinik) wurde durch Cauterisation, eine Blasenrectumfistel nach
einem Lateralschnitt (ausserhalb der Klinik) wurde durch die Naht
•nach Sims geheilt.
Von drei Blasenscheidenfisteln wurde eine geheilt, eine gebessert
und eine dritte wegen des Allgemeinzustandes nicht operirt.
Von 7 Vcethralstricturen wurden 4 durch forciste, 1 durch all-
mälige Düatation, 1 durch die innere und 1 duf ch die äussere Urethro-
tomie behandelt. Der letztere Fall starb, wozu die Degeneration
(speckig) der Nieren nicht wenig beigetragen haben mag.
Zur leichteren Ausführung der äusseren Urethrotomie, empfiehlt
M. nachdeM man auf den bis zur Strictur eingeführten Katheter an-
geschnitten hat, durch die Lefzen der ürethialwunde zwei gefilrbte
Fäden zu führen. Diueh dieselben werden die Wundsänder klaffend
erhalten und die Urethra wird dem Niveau des P^näume genähert.
Femer wird durch diesen Zug die obliterirte Urethra und die Urethra
jenseits der Strictur zu einem fast geradlinigen, deutlich fUlübarea
Strange angespannt. Man schneidet nun auf diesen gespannten Strang
bis jenseits der Strictur ein. M. hat schon 8 Mal auf diese Weise
die äussere Urethrotomie ausgeführt und jedesmal ohne Schwierig-
keiten. ^- In Fall 34 wurde eine narbige Contractur des Unterkiefers
durch Durchsägung dea horizontalen Astes vor den Narbensträngen
vollkommen geheilt. M. erklärt demnach die einfache Durchsägung
(Bizzoli) für genügend und hält die Besection einer Scheibe aua
dem Unterkiefer (Esmarch) für überflüssig. — Unter den Verletsun-
gen ist ein Fall von Zerreissung des Ligam. patellae proprium erwäh-
nenswerth.
Unter dem Titel »Luxationen« finden sich 3 Fälle (45—47) von
Verrenkung des Hüftgelenks angeführt, zwei davon sogenannte spoit-
tane Verrenkungen, die dritte bei einem 1 7moaatlichen Kind durch
Laxität der Bänder bedingt. In allen dreien wurde die Beduction
vorgenommen und darauf ein fixer Verband angelegt.
Centndblatt fflr Chirurgie. No. 16. 243
Vier PäQe von Caries der Rippen wurden durch Resection ge-
Der OperationsmoduB ist nicht näher beschrieben.
Ein Fall von Emphysem der rechten Kopfhftlfte vom proc. mastoi-
dem ausgehend^ welches ganz allmälig ohne Beschwerden zu erregen^
wi betricbtlicfaer Geschwulst Veranlassung gab, wtttde durch einen
BinBchnitt und Einlegen einer Drainrohre geheilt.
Unter den Cysten verdient ein Echinococcus der Orbita erwähnt
so werden^ weldier mit Erfolg exstirpirt wurde.
Ein gfosszelliges Sarcom der linken Suborbitalgegend wird da-
dturcb interessant; dass es sich genau an der Stelle entwickelte^ wo
wenige Monate vorher ein Angiom operirt [worden war. — Wegen eines
Riesenzellensarcoms des Kniees wurde die Amputation des Oberschen-
kels na^ Qritti vorgenommen tmter Zuhülfenahme der Esmarch'-
Bchen Mediode. Die Einschniirungsfurche blieb fast den ganzen Tag
erkennbar; es entwickelte sich feuchter Brand des Amputationsstum-
pfes und die Kranke verschied zwei Tage nach der Amputation. Bei
der Section findet sich ausser seröser Durchfeuchtung der Muskulatur
eine eitrige Infiltration der Gefassscheide im unteren Drittel, in der
Vena cruralis an der Einmündungssteile der Saphena ein im Innern
erweichter^ an einer Stelle der Venenwand adhärenter Thrombus. An
eben dieser Stelle besitzt die Vene eine hirsekomgrosse Ulceration.
M. bemerkt^ dass dieser Fall bezüglich der Unschädlichkeit der Es-
march'schen Compression verdachterregend ist. Ref. gesteht^ dass
68 auffallend ist^ dass die Einschnürungsfurche fast den ganzen Tag
aber erkennbar blieb ; es ist möglich, dass die Einschnürung etwas
alku fest vorgenommen wurde (Ref. bedient sich zur Compression
nie des Schlauches, sondern stets nur der elast. Binde) ; aber es idt
doch bekannt, dass Fälle von Gan'gr^ne foudroyante gerade nach Ober-
schenkelampntationen auch ohne Esmarch'sche Compression vor-
kamen.
Die Exstirpation eines grossen Chondro-Myxo-Sarcoms der Parotis
wnvde dadurch interessant, dass wegen (unausweichlicher] Verletzung
der Carotis externa während der Operation die Carotis communis
unterbanden werden musste, da es nicht möglich war, in der Wunde
selbst die externa vu fiesen. Wenn M. empfiehlt, grosse Carotis-
taneren stückweise (per segmentazione) zu entfernen, weil man dabei
die Gefasse nach und nach, wie man sie durchschneidet, unterbinden
kann, so zeigt gerade sein Fall, dass diese Methode vor gefährlichen
Blutungen nicht sicher stellt, weshalb sie Ref. nur ganz ausnahms-
weise, nie als Regel gelten lassen möchte. Den Glanzpunct der Ope^
rationen M.'s bildet ein Myxosarcom der Stemalgegend, welches mit
Besection fast des ganzen Stemums vom manubrium bis zum proc.
ensifonnis und mit einem Theile des 2., 3. und 4. Rippenknorpels ent-
fernt wurde, so dass das Mediastinum und das Pericardium offen zu
Tage lagen. Die ersten 15 Tage war das Befinden des Fat. ganz
leidlich. Von da afe entwickelte sich eine hypostat. Pneumonie, welr
eher der Kranke bald erlag.
16»
244 Centralblatt für Cbirurg^ie. No. 16.
Hemiotomieen kamen 5 vor bei 2 Inguinal- und 3 Cruralhemien.
Von diesen heilten zwei, starben zwei und eine blieb in Behandlung.
Wenn Netz vorli^t, so trägt es M. mit sanunt dem Bruchsack mit-
telst des Ecraseurs ab. Dadurch wird sofort die Communication zwi-
schen Bauchhöhle und Wunde abgeschlossen. — Wenn Daim ein-
geklemmt war, so kommt es vor, dass, selbst nachdem der einschnü-
rende Bing erweitert ist, an dem nun hervorgezogenen Darme die
Strictur an der früheren Einklemmungsstelle fortbesteht. Würde man
einen solchen Darm reponiren, so könnten die Einklemmungserschei-
nungen weiter anhalten. In solchen Fällen empfiehlt M. nach dem
Vorgange Palasciano's die stricturirte Stelle mit dem Finger zu er-
weitem, indem man den Darm invaginirt.
Von zwei Lithotripsieen ist eine geheilt und eine gestorben,
die drei Steinschnitte hatten sämmtlich tödtlichen Ausgang.
Mensel (Triest).
Chauvel. De Tinsensibilit^ produite par la compression
d'Esmarch.
(S6ance de la soci^te de Chirurgie 1874. Nov. 11.)
Ch. machte 15 Versuche, 12 an der unteren, 3 an der oberen
Extremität. Natürlich stellte er zuvor das Maass der normalen Sen-
sibilität fest. Bei allen Versuchsindividuen wurde eine Verminderung
der Sensibilität constatirt. Die Anästhesie tritt nie sofort, sondern
immer erst nach einem wechselnden Zeitraum von 5 bis zu 20 Minu-
ten ein. Die Insensibilität erscheint schneller an der oberen als an
der unteren Extremität, wobei der Grad der Zusammenschnürung das
langsame oder schnelle Eintreten derselben, sowie den Grad der loca-
len Anästhesie wesentlich beeinflusst. Die Insensibilität erscheint zu-
erst an den periphersten Puncten des Rumpfes, um dann nur allmälig
zu den oberen Regionen vorzuschreiten. Sie trat, mit einer einzigen
Ausnahme, wo die Sensibilität normal zu bleiben schien; in allen
Fällen ein, war aber doch niemals eine ganz vollkommene.
Am schnellsten erscheint der Schmerzeindruck abgeschwächt. Da-
gegen bemerkt der Ref. (Lannelongue), dass Ch« nur an der Haut
experimentirt habe; es sei fraglich, ob der Schmerz in den tieferen
Partieen nicht ganz wie sonst sei.
Im 2. Theile der Ch. 'sehen Arbeit finden sich 2 Beobachtungen,
nach denen die Operation des eingewachsenen Nagels imter Anwen-
dung der elastischen Compression nur wenig Schmerzäusserungen der
Fat. hervorgerufen haben soll.
Der Ref. bemerkt, diese Fälle genügen nicht, der elast. Com-
pression die Bedeutung eines chirurg. Anästhesirungsmittels zu vin-
diciren.
Eine 3. Beobachtung betriA einen an Ischias leidenden Kranken,
welchen Ch. nach Anwendung der elastischen Compression mit dem
Glüheisen punctirte. Die Anästhesie war nicht vollständig.
Centralblatt fflr Chirurgie. No. 16. 245
Le Fo.rt hat auf die Sensibilitätsvenninderung bei Anwendung
der elast. Compression ebenfalls aufmerksam gemacht^ doch hat er
nie eine vollige Insensibilität erreicht. Um die Anästhesie durch
dieses Mittel herzustellen, müsste die Binde am centralen Ende des
Gliedes sehr fest zusammengeschnürt werden^ was andere Nachtheile
bringen müsste. Auch die Annehmlichkeit^ durch keine Blutung bei
der Operation gestört zu werden^ wird zuweilen durch eine später
folgende Blutung aus den kleinen paralysirten Muskelarterienästchen
compensirt. Le Fort ist daher nicht für die allzu eneigische Con-
striction mit der elastischen Binde. Man greife lieber zum Chloro-
form und übe das Esmarch'sche Verfahren nur zum Zwecke der
Verminderung oder Aufhebung der Blutzufuhr.
Fr. Stelner (Wien).
W. H. Broadbent. Fuither illustrations of the therapeutic
usea of phosphorus : iu angina, essential er pemicious anaemia,
leucocythaemia.
(The Practitioner 1875. January.)
Verf. hat bereits früher (Practitioner 1873^ April) mehrere Fälle
mitgetheilty welche die erfolgreiche Anwendimg des Phosphor gegen
Neuralgieen illustriren (Ashburton, Thompson, Bradley u. A.).
Ausser bei Neurosen hat Verf. neuerdings auch bei constitutioneller
Anämie und bei Leucocythaemie günstige Erfolge nach der Darreichung
von Phosphor gesehen und fordert zu ähnlichen Versuchen auf.
TUlmamis (Leipsig).
E. Kleinsohmidt. Die puerperale Pyämie und ihr Verhal-
ten gegenüber der chirurgischen.
Inang.-DiBs. Halle a/8. 1874.
Zum Zweck eines Vergleichs der puerperalen Pyämie mit der
chirurgischen (Verf. hat in beiden Fällen die metastatische Pyämia
multiplex im Auge) stellt Verf. 14 auf der geburtshülf liehen Klinik
zu Halle beobachtete und 104 von C. Müller in einer statistischen
Arbeit zusammengefasste Fälle von puerperaler Pyämie den 83 von
Billroth statistisch verwertheten Fällen von chirurgischer Pyämie
entgegen. Verf. hebt einzelne unbedeutende Verschiedenheiten der
im Wesentlichen völlig identischen Erkrankungen hervor.
Dass die puerperale Erkrankung vorzugsweise in den Blüthejahren
st^ende Individuen befallt, während zu der chirurgischen höheres
Alter disponirt (Hüter), ist wohl erklärlich. Den früheren Eintritt
des ersten Frostes bei erkrankenden Wöchnerinnen (unter 40 Fällen
27 Mal in der 1. Woche: Müller und Verf.) gegenüber der chirurr
gischen Pyämie^ bei der sich in einer ziemlich gleichen Zahl von
Fällen der erste Frost in der ersten^ zweiten und dritten Woche ein-
246 Cantralblatt für (Jhinugie. No. 16.
stellt, erklärt Verf. mit C. Müller durch die Möglichkeit einer In-
fection vor der Geburt.
Die grössere Häufigkeit der Nierenabsoesse bei der Wochenbett»-
erkrankung (in 14,3^ der Fälle bei Müller, IbfH Verf. gegen 4^
der Billroth 'sehen Statistik für die chirurgifiche Pyämie) ist dmth
die Besonderheit der Verwundung im Wochenbett vielleicht nicht ge*
nügend erklärt. 1. Oenimer (Halle).
A. H. Back (New- York). Die Krankheiten des Warzenfort-
satzes; ihre Diagnose, Pathologie uud Behandlung.
(Arch. für Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. 3. AbtheU. 2.J
Verf. giebt eine Schilderung des Krankheitsverlaufs in seinen
verschiedenen Stadien. Eine genügende Zahl von Fällen (24} be-
leuchtet die verschiedenen Gesichtspuncte und es werden bestimmte
Merkmale angeführt^ welche den Praktiker in den Stand setzen, die
ernste Tragweite des Leidens einzusehen. Es wird betont^ dass in
einer grossen Mehrzahl von Fällen die Wichtigkeit der Affection nicht
hinreichend gewürdigt werde und dass infolge dessen die Sterblichkeit
verhältnissmässig sehr gross sei.
Die Entzündung des äusseren Periost^ die Congestion der Schleim-
haut des Warzenfortsatzes mit oder ohne Granulationswucherung, die
chron. .subacute Entzündung mit Hyperostose und endlich Caries und
Ostitis suppurat. werden kurz besprochen und durch interessante Fälle
illustrirt (siehe Original), ohne dass indessen wesentlich Neues ge«
bracht würde.
Nach einer kurzen Erörterung der differentieUen Diagnose und
nach einigen statistischen Bemerkungen giebt Verf. zum Schlüsse eine
tabellarische lieber sieht der am Warzenfortsatz gemachten Operationen.
Es werden 35 Trepanationen des Warzenfortsatzes aus der Literatur
mitgetheilt. In 28 Fällen (4 Fälle vom Verf.) trat Genesung ein^
während 7 Mal exitus letalis (2 Fälle vom Verf.) erfolgte.
Tillmaiins (Leipzig).
Annandale. Two cases of foreign bodies in the air-passages.
(Med. tim. and gaz. 1875. Febr. 27. p. 225.)
A. macht darauf aufmerksam, wie zweckmässig es sei, bei dem
Versuche einen Fremdkörper aus dem Larynx durch die Txacheotomie^
wunde zu entfernen, gleichzeitig vom Munde aus die Manipulationen
durch den Finger zu unterstützen. Zur Entfernung fremder Körper
aus den Bronchien empfiehlt er nach ausgeführter Tracheotomie und
einer tiefen Inspiration, die Trachea temporär zu schliessen ; die fol-
gende heftige Exspiration treibe oft den Körper heraus.
1) Ein llmonatl. Kind verschluckte ein Stück eines Härings.
Der mit dem Finger im Larynxeingang gefühlte scharfe Körper
CentndblaH fttr Ghiraxgie. No. 16. 247
sich mit ener Zange nidit «osBiehen. Trackeotamie dicht MnUft dem
Larynx. Der Körper wurde von der Wunde aus leicht ausgezogen^
wh der Finger vom Mande aus nachhalf. Das Kind erholte sich an-
fnmgR, starb aber uncfrwartet am folgenden Tage. Keine Section.
2) Ein 7jähr« Kind hatte seit 5 Tagen eine Glasperle verschluckt^
die in den Intermksionen der Beschwerden im rechten Bronchus
nachzuweisen war. Tracheotomie. Vexgeblicher Versuch mit Zangen^
mit Liversion des Kopfes. Am folgenden Tage nach tiefer Inspiration
Verschluss der Trachea^ die starke Exspiration treibt die Perle her-
aus. Naht der Wunde^ Heihtng. Bänke (Halle).
Krishaber. Corps ^trangers de Toesophage.
(S^ance de la %ociM de chinugie 1874. Nov. U.)
K. liess in einem Falle von Fremdkörper des Oesophagus den
Patienten erst viel Wasser trinken ^ fahrte dann eine mit einem
Schwamm armirte Fischbeinsonde in den Magen ein und wairtete,
bis der Schwamm sich vollgesogen haben konnte. Dann zog er die
Sonde wieder heraus und »fegte« so den Oesophagus von unten nach
oben aus^ wobei er den Fremdkörper, ein Stück Truthahnknochen,
mit heraus brachte.
Der Bef. Dupley bemerkt hierzu, es sei wohl schwer, den
Magen mit Wasser zu füllen, wenn der l'at. nicht schlucken könne,
und das Hemufziehen des Schwammes würde schmenhaft wetden,
wenn er au stark anschwelle. Fr. Stetner (Wien).
liO Denta. Vari^tö peu commune d'engoigement de la mamelle.
(S^noe de la todM de clururgie 1874. Not. 11.)
Die linke Brust einet 79jähr. Frau stellte einen dunkelrothen
Tumor mit ausgedehnt indurirter Umgebung dar. Kein Oedem. Bald
reichte die Induration an's Stemum, an die Schlüsselbein*- und Achsel-
höUeng^gend. Schwellung der AH^hseldrüsen, Oedem des linken Arms.
Im 36. Lebensjahre war Fat. wegen eines Tumors in der linken Brust
operirt worden. Im 12. Lebensjahre war ein Uterusfibroid spontan
zur Abstossung gekommen. 14 Tage nach der jetzigen Aufnahme
in*8 Spital enüvrickelte sich auch in der rechten Brust eine Anschwel-
lung. Le D. applicirte auf beide Brüste und den Arm einen Com-
pressivwatteverband. Allmalig schwand die Anschwellung. 3 Monate
später war das Oedem am Arme geschwunden. Nach 5 Monaten
vollkommene Heilung.
Le D. weist auf die Seltenheit solcher Anschwellungen der Brust
in so hohem Alter hin, und sucht im Ljrmphgefässsystem der Brust
die Ufsacfae derselben, wofür er die Bezeichnung : Scl^^me phlegma-
sique tempoiaire (de la mamelle) wählt.
Verneuil hat 8 einigermaesen dem obigen ähnliche Fälle ge-
sehen. Eine iOjäfar., sonst gesunde Frau oonsultirte ihn wegen einer
248 CentralblaU für Chirurgie. No. 16.
plötzlich entstandenen steinharten ^ schmerzhaften Induiation beider
Brüste. Heüung in einigen Wochen.
Vor 12 Jahren sah V. eine gichtleidende Dame, deren eine Brust
eines Tages plötzlich anschwoll, gespannt, schmerzhaft wurde. Hei-
lung durch Emollientia in 14 Tagen. 2 Monate später entstand ein
acutes Oedem am linken Oberarm; an den Brüsten diesmal nichts
Abnormes.
Wegen eines ähnlichen Leidens behandelte V. jetzt eine Dame^
die nebenbei auch gichtleidend ist. Ruhe, Emollientia. Heilung.
Die Patientin Le D.'s hatte nie an Gicht gelitten.
_^ Fr. Steiner (Wien).
L. Capparelli. La ulcerazione e la perforazione del duodeno
nelle scottature,
(II Morgagni 1874. November.)
Einer der interessantesten Befunde bei Verbrennungen ist das
runde Duodenalgeschwür. Unter 125 von Holmes angeführten FWen
zeigten 16 den obigen Befund.
C. glaubt, dass, sowie die typhösen Darmgeschwüre auch das
Duodenalgeschwür nach Verbrennungen Folge einer Infection sei,
welche von der Brandstätte ausgehe. Das inficirende Gift wird Ton
C. Kausomiasma oder Phlegomiasma genannt. (Was durch diese
neuen Namen gewonnen sein soll, ist schwer zu verstehen, Ref.]
Meuel (Trieet).
Bryant« ()n the diagnostic value of the ilio-femoral triangle
in cases of injury of the hip.
(Royal med. and chir. soo. 1875. Febr. 9. — Med. tim. and gas. 1875. Febr. 27.
p. 242.)
B. construirt ein Dreieck, dessen eine Seite durch die Verbin-
dungslinie der spin. ant. sup. mit der Spitze des grossen Trochanter
gebildet wird. Bei horizontal liegendem Körper wird von der Spina
eine Senkrechte auf die Unterlage, vom Trochanter aus eine Hori-
zontale gezogen. Letztere Linie stellt die Basis des Dreiecks dar,
und soll bei Einkeilimgsfracturen gegen die gleiche Linie auf der
anderen Seite stets messbar verkürzt sein. Baake (Halle).
W. Stockes. Notes on strangulated hemia.
(The Dublin Journal of med. science 1874. Octbr.)
Verf. berichtet über 10 Fälle von eingeklemmter Hernie, wdche
mit wenig Ausnahmen ungewöhnliche Erscheinungen darboten.
1. Sehr grosser »incarcerirterc, später »strangulir-
tert Scrotalbruch. Herniotomia int. Heilung.
CentralUatt fflr Chinurgie. No. 16. 249
Der Fall iet interessant wegen der enormen Grösse des Bruches^
der intermittirenden Einklemmungserscheinungen^ der Abwesenheit
jeglicher Auftreibung des Abdomen, der relativen Schmenslosigkeit der
Einklemmungsstelle. Verf. war anfangs in Zweifel» ob es sich um
einen hydropischen Bruchsack mit eingeklemmter kleiner Darmschlinge,
oder um einen grossen Scrotalbruch handele.
Die Hemiotomie, welche extraperitoneal ausgeführt werden sollte,
durch Einreissen des Brucfasackes aber zur inneren wurde, constatirte
das Vorliegen von 3 Fuss Dünndarm, welcher trotz 6täg. Einklemmung
gesund aussah, sich indessen nur schwer reponiren liess. Fat., 30 J.
alt, genas.
2. Eingeklemmte Femoralhernie von ungewöhnlicher
Grösse und Form. Herniotomia ext. Heilung.
Patientin 40 Jahr. Bruch, nach 2jähr. Bestehen durch Schlag
auf den Leib eingeklemmt. Ziemlich grosse Geschwulst, von der Ge-
stalt einer Sanduhr, erstreckte sich in das rechte Labium. Die an-
fengs gestellte Diagnose auf Inguinalhemie wurde nach genauer Un-
tersuchung verlassen. Der Bruchschnitt, welcher ohne Eröffnung des
Bruchsackes nach 9Y28tünd. Einklemmung ausgeführt wurde, bestä-
tigte eine grosse, abnorm geformte Femoralhernie. Fat. genas.
3. Eingeklemmte Inguinalhernie. Herniotomia int.
am 5. Tage. Tod.
Patient 21 J. Bruch bestand seit 1 Jahre, konnte nie vollstän-
dig reponirt werden. Einklemmung ohne nachweisbare Veranlassung.
Kleiner, hühnereigrosser Tumor im Scrotum von bimformiger Gestalt.
Der untere Abschnitt weich, schmerzlos, vom Hoden deutlich isolir-
bar, fühlt sich an wie eine Varicocele. Der obere schmerzhaft bei
Berührung. Fercussionston durchaus leer, keine Pellucität. Stuhl
fehlt seit 5 Tagen, Gesicht blass, ängstlich; Bauch angetrieben,
sehmerzhaft.
Diagnose anfangs schwankend zwischen entzündetem Netzbruche
und incarcerirter Darmhemie. Da die Symptome auf locale anti-
phlogistische Behandlung sich nicht bessern, Hemiotomie am 5.
Tage. Befund nach Eröffiiung des Bnichsackes : Kleine, chocoladen-
farbene Dannschlinge rings eingebettet in einen entzündeten und ge-
schwollenen Netzklumpen. Reposition des Darmes gelang leicht,
schwieriger die des überall verlötheten Netzes. Fat. starb 29 Stunden
nach der Operation an Feritonitis. Die eingeklemmte Schlinge war
gangränös.
4. Eingeklemmte Schenkelhernie; äusserer Bruch-
schnitt; Heilung.
Patient, 24 J., hatte den Bruch seit 5 Jahren. Einklemmung
wahrend eines heftigen Hustenan£All8. Bei der Operation zeigte sich
der Bmchsack durch derbe Stränge mit der Fforte verwachsen.
5. Eingeklemmte Schenkelhernie; Darm in einem
vom Netz gebildeten Sacke inearcerirt; Dauer der Ein-
klemmung 12 Tage; innerer Bruchtchnitt.
2^0 Centralblatt fOr Ghiriürgie. No. tS.
TOjähr. PatieBtin. Hernie bestand seit 10 J. Einklemnmngser-
scheinungeii bei der Aufaalime ziemUch heftig.
Nach Eröfihung des Brachsackes zeigte sich Netz und darunter
eine Darmschlinge, welche in einer vom Netz gebildeten Tasche ein-
gdclemmt war. Im Verlauf der Heilung bildete sich eine kleine
Kothfistel aus. Fat. stub 6 Wochen nach der Operation an Eni-
kiäftung.
6. Eingeklemmte Leistenhernie; innerer Bruch-
schnitt; Tod.
68jähr. Mann. Bruch bestand 18 J. und war stets durch ein
Bruchband zurückgehalten worden. Einklemmung seit 2 Tagen. Sehr
heftige Symptome. Bei der Operation fand man den Dann stark ent-
zündet. Reposition gelang leicht. Tod 8 Stdn. nach der Operation.
7) Eingeklemmte Femoralhernie von enormer Grösse;
Reposition.
40jähr. Frau. Bruch bestand seit 13J.> war stets reponibel> ver-
grösserte sich aber langsam, da Fat. nie ein Bruchband trug. Ein-
klemmung seit einigen Tagen. Bruch bei der Aufnahme kindskopf-
gross^ sehr hart^ schmerzhaft. Nach Anwendung eines wannen Bades
und Application eines Klystiers einmalige Ausleerung und entschie-
dene Besserung. Innerlich Senna und Magnes. sulf. bewirken 2
weitere Stühle. Geschwulst wird weicher und schmerzlos. Nach
wenigen Tagen vollkommene Heilung. (Incarceration oder Kothstau-
ung im Bruche? Ref.)
8. Leistenhernie mit Symptomen der Einklemmung;
Herniotomie; Tod. Innere Einklemmung.
Der 34jähr. Patient^ ein Schmied^ empfand während der Arbeit
plötzlich einen heftigen Schmerz im Abdomen, welcher ihn nöthigte,
seine Arbeit einzustellen. In der Folge Erbrechen und Stuhlv«r-
stopfung. Bei der Untersuchung findet man eine Leifirt^enhemie^ welche
indessen durchaus nicht die Erscheinung der Incarceration zeigt. Viel-
mehr kann man mit dem Finger leicht in den Leistenring eindringen.
Da übrigens sämmtliche Symptome andauern und die Hernie der Taxis
gegenüber irreponibel bleibt^ so wird die Herniotomie ausgeführt. Es
findet sich, eine alte Netzhemie, welche durch vielfache Stränge mit
dem Bruchsacke verwachsen ist> von Darm keine Spur. Während
Erbrechen, Stuhlverstopfung, Auftreibung des Leibes fortdauern, wird
Fat. stündlich schwächer und stirbt.
Sectionsbefund: Der Bruchinhalt bestand nur aus Netz; die
in der Nähe der Pforte gelegenen Eingeweide waren vollkommen ge-
sund. Im Duodenum heftige Entzündung der Darmhäute. Am Ueber-
gang des Jejunum in das Ileum fand sich eine Stelle, unterhalb wel*
eher der Darm enger, oberhalb welcher er weiter war. Die Drsadia
der Einschnürung schien in einer grossen Anzahl von Piseudomem-
branen zu liegen, welche die Gedärme in verschiedenen Richtungen
kreuzten und deren eine das Ileum an der erwähnten Steile verengte.
CcntralUatt für Chirurgie. No. 16. 251
9. Symptome einer inearcerirten Hernie bei Lymph*
drüsenentzündung.
Eine 34jahr. Frau wurde mit allen Erscheinungen einer einge-*
klemmten Schfinkdheniie [Stuhlverstopfung, Erbrechen, SchmerEhaf-
tigkeit des Abdomen, schmerEhafter Tumor in der Schenkelbeuge)
angenommen. Obwohl die Art der Entstehung, ein Tritt in die
Schamgegend, einigen Verdacht rege machte, so entschied man sich
doch für die Diagnose: »Brucheinklemmung« und führte die Hemio*
tomie aus. Bei der Operation stiess man auf eine entsündete Lymph*
drüse, nach deren Exstirpation sämmtliche Einklemmungssymptome
naebliesseDu Fat. verliess nach wenigen Tagen geheilt das Hospital.
Verf. knüpft an diesen Fall die Bemerkung, dass die Erscheinun-^
gen der Einklemmung auch unabhängig von einer Hernie auftreten
konnten und führt zum Beweise noch 2 tanaloge« Beobachtungen an,
von welchen indessen nur die letztere hierher gehören dürfte.
Dr. Jameson traf bei einer Hemiotomie ebenfalls auf eine ent-
zündete Lymphdrüse und schnitt dieselbe an. Die Section der an
»innerer Einklemmung« gestorbenen Patientin zeigte, dass unter der
entzündeten Drüse eine gangränöse Darmsohlinge lag, welche während
der Operation durch den tiefen Einschnitt beinahe verletzt worden wäre.
Dr. Geoghegan machte wegen heftiger Einklemmungssymptome
bei einer Frau mit Schenkelhemie den Bruchschnitt und fand nur
einen kleinen Sack vor, welcher etwas Serum enthielt und durch eine
enge Oeffiaung mit der Bauchhöhle communicirte.
10. Eingeklemmte Leistenhernie; doppelte Einklem-
mung; Herniotomia int. Tod.
76jähr. Mann. Sehr grosse Scrotalhemie. Einklemmung seit 5
Tagen. Symptome sehr heftig. Bei der Eröffiiuug des Bruchsackes
traf man stark entzündeten, indess noch lebensfähigen Darm an. Die
Erweiterung des Bruchringes Uess die Reposition nicht gelingen und*
bei näherer Untersuchung fand sich weiter oben eine zweite Verenge-
rung, nach deren Spaltung der Daxm zurückschlüpfte. Fat starb 6
Standen nach der Operation. Section nicht möglich.
Lessea (Heidslberg).
Pincus« Ueber den Krankheitscharakter der chronischen
Alopecie und ihre gewöhnliche Beschränkung auf den Vor-
der- und Mittelkopf.
(Vortrag, in der Berl. med. Gesellschaft gehalten. — Berl. klinisebe Woehensefarift
1875. No. 4 u. 5.)
Die abzuhandebide Krankheit ist nach Verf. in 95^ Ursache der
Kahlheit; von den betreffenden Namen seien Alopecia simplex und
A. furiuracea die geeigfnetsten. Die bisher gebräuchlichen Erklärun-
gen der Aetiologie^ welche entweder in Verödung der Gefässe (Veiel)
oder in Atrophie der peripheren Nervenästchen (Hebra's Schule) ge-
sucht wird^ wird verworfen. Verf. 's Untersuchungen ergeben, dass
252 Centralblatt für Chirurgie. No. 16.
das Bindegewebe, welches die Cutis mit den tieferen Schichten ver-
bindet, sich verändert und hierin der Grund der Erscheinungen zu
suchen ist.' Die anfanglich weiten Bindegewebsmaschen werden enger,
die Balken rücken näher, werden fester und die Cutis wird dichter
an ihre Unterlage geheftet. Dabei wird das Wachsthum der Haare
doppelt beeinflusst: 1) Es büsst in der ersten Zeit (Vi — 5 Jahre) nur
an seiner typischen Länge ein (I. Stadium). Der Ausfall nimmt etwas
zu, besonders derjenige der kürzeren Haare. Secretion der Talgdrüsen
ist etwas vermehrt. 2) Das Haar verliert an Dicke (IL Stadium) ;
diese ist von der Dicke der Papille abhangig. Die Papille feiner
WoUhaare liegt in der Cutis, rückt aber, wenn daraus ein starkes
Haar werden soll (Pubertätszeit) , weiter nach innen in die Fettschicht,
wo der Haarbalg sich bequem ausdehnen kann. Wo die Bind^ewebs-
brücken am meisten senkrecht auftteigen und von der festesten Unter-
lage ausgehen, d. h. am Haupt von der Galea, also auf Vorder- und
> Mittelkopf, werden durch die folgende bindegewebige Schrumpfung
die Papillen am meisten beeinträchtigt. Da beim Weibe die Lücken
zwischen den Bindegewebszügen in der tieferen und mittleren Kopf-
hautschicht erheblich grosser, als beim Manne sind, ist die Alopecie
der Frauen seltener.
Die Sensibilitats Verhältnisse der behaarten Kopfhaut sind (ge-
prüft nach Web er 's Versuch und mittelst Druckprüfungen diirch
Eulenburg 's Instrument) bei der Alopecie vom normalen Zustand
etwas verschieden ; der Raumsinn ist im Anfang etwas gesteigert, der
Drucksinn nicht; die folgende Herabsetzung hat ihren Grund wie
die Alopecie im Schrumpfen und Festerwerden des Bindegewebes^
wodurch nicht nur die Papillen, sondern auch die Nervenenden
atrophiren.
Hinsichtlich der Therapie glaubt P., dass die consequente, 1 — 3
Jahre lang fortgesetzte Anwendung schwacher Alkalilösungen das Lei-
den bessert, resp. heilt. Vor excitirenden Medicamenten warnt Verf.
Das Haar soll anfangs darnach stärker wachsen, um später (Y2 Jahr]
desto schneller zu Wollhaar zu verkümmern. Subcutane Einspritzun-
gen scheinen erfolglos ; der galvanisclie Strom als Erweicher des Nar-
bengewebes wird zum Versuch empfohlen. y, Mosengetl (Bonn).
Miitheilungen.
Cooper Fonter. Surgical Becords.
(The Guy'8 Hospitals Reports 1873—1874.)
Einer Reibe von 53 grösstentheils interessanten Fällen entnehmen wir die
folgenden:
Fall 4. Krebs des Omentums und des Nabels eine Hernie Tor-
äuschend.
Frau von 66 Jahren, welche bereits früher an einer Vortreibung des Nabels
gelitten, wurde wegen heftigen Erbrechens und Schmenen in der Nabelgegend auf-
genommen. Leib aufgetrieben, tympanitisch. Am Nab^ eine Geschwulst Ton 1
Oentralblatt m? Chiraigie. No. 16. 253
•
Zoll DuxehueMer. Kein ImpidB beim Htuton. Der Fall imponirte «nfangs fittr
eine incaicerirte Nabelhernie. Eine genauere Untersuchung ergab indessen in der
Bauchhöhle einen harten beweglichen Tumor , der mit der Nabelgeschwulst su-
sammenhing und für ein Tom Nets ausgehendes Carcinom erklärt werden musste.
Die nach 12 Tagen vorgenommene Section bestfitigte die Diagnose. Das ganze
Peiitoneum war mit Krebsknoten abersäet. Ein grosser Tumor lag im Nets und
war in den Nabelring hineingewachsen.
Fall 9. Sarcom der weichen Schädeldecken.
Die Geschwulst war bei einem 31 jähr. Manne an der rechten Seite des Schä-
dels entstanden, an einer Stelle, welche 2 Mal durch Schlag yerletst worden. Drei-
malige Ezstirpation innerhalb eines Jahres. Bei der letzten Operation Abschaben
des Knochens. Phlebitis des Sinus longitud. Fyämie.
Fall 24. Kirschkern im rechten Bronchus. Tracheotomie.
Operation am Tage nachher ausgeführt. Trotz sorgfUtiger Untersuchung konnte
ein Fremdkörper nicht entdeckt werden. Die flacheren Excursionen der rechten Thor-
azhälfte, die Basseigeräusche, der Schmers an der rechten Seite des Sternums liessen
indessen auf seinen Sitz schliessen. Am folgenden Tage nach einem dyspnoischen
Anfalle, in welchem kanstlich respirirt werden musste, wurde die Trachealwunde
erweitert. Bei einem Hustenanfall wurde der Kirschkern herausgeschleudert. Kind
starb 13 Tage nachher an Bronchopneumonie.
Fall 46. Contusio cerebri; Aphasie; Basisfractur (?).
35 Jahr alter Mann fiel 12 Fuss hoch von einer Leiter herab auf den Kopf
(welche Seite? nicht angegeben). Sofort BewussUosigkeit, Blutung aus dem rech-
ten Ohr. ^ Pupillen erweitert, rechts weiter als links. Bewusstsein kehrte langsam
suröck. Keine Störungen der Sensibilität und Motilität.
Sprache verwirrt. Pat. scheint Alles zu verstehen, kann aber als Antwort nur
■togethen, «gethering« etc. mit wenigen Variationen herausbringen.
Nach 8 Tagen etwas Besserung. Nach 3 Wochen ziemlich geheilt entlassen.
Fall 49. Complicirte Fractur des Olecranon.
Pat. 46 J. alt. Schienenverband in Beugesteliung. Heilungsdauer 48 Tage.
P. mit kleiner Fistel und beweglichem Qelenke entlassen.
Fall 50 u. 51. 2 Reseotionen im Knie wegen Caries.
Beide Patientinnen waren nahezu erwachsen, die erste 19, die zweite 17 Jahre alt.
Bei der ersten kam es nach beinahe 7 Monaten zur Synostose, welche ein voll-
kommenes Aufiitfltzen auf das resecirte Knie erlaubte, die andere ging an Pyämie
zu Grunde. Lossen (Heidelberg).
H. Knapp« lutraoculäre Blutung mit Bildung von Amyloidkörpem
im Extravasate.
(Arch. fQr Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. IH. Abtheil. 2.)
Patient hatte vor einigen Tagen eine heitere Abendgesellschaft mitgemacht,
wo viel getanzt, getrunken und geraucht wurde; während derselben leichtes Un-
wohlsein, sein anscheinend vollständig gesundes Auge erblindete fast vollständig,
war ein wenig geröthet und schmenrii^ Bei der Untersuchung mittelst Augen-
spiegel etgiebt sich Blnterguss in den Glaskörper. Nachdem die Keizsymptome
verschwunden, erfolgte statt Aufhellung noch grössere Verdunkelung und das Extra-*
vasat nahm eine dunkelbraune Farbe an. Keine Drucksteigerung ; in allen TheUen
des Gesichtsfeldes die zwar geringe Lichtempfindliehkeit noch erhalten. Von an-
deren Aerzten wird eine melanotische Geschwulst diagnostidrt , fQr welche aber
nach K. jedes positive Symptom fehlte. Enuoleation des Bulbus. Nach Eröffnung
des Bulbus unmittelbar nach der Enuoleation zeigte sich der Glaskörperraum von
einer sehr weichen, schwarzen Masse (weiches Melanosaroom P) erfüllt Nach Här-
tung des Präparates in Müll er 'scher Lösung ergab die mikroskop. Untertnchnng i
niigends eine Geschwulst, vielmehr alte Blutcoagula zwischen Choroidea und Sdera, *
ähnliche aber geringere Anhäufungen von Blut zwischen Choroidea und Betina.
Die schwärzliche Masse im Glaskörperraume bestand ebenfalls aus Blutkörperchen
264 CentnJblatt fOr Chiraigie. N<^ 16.
witenmsoiit mit nmdeB duehaichtigeB meut Imnogenai, tdteer im Centnnn etwas
diuüderen Kugeln, welehe im DurdimeMer 1 — 3 Mal lo groM aU ein BlutkOrper-
chen waren und bei Zusatz von Jodtiaetur oder ScliwefeU&ure die eharakteristiscfae
Anykttd-Beaction ergaben. An den Ckorotdalartmen aeigte aich speekige IxM-
tration, Verengerung des Lumens und Brikhig^eit ihrer Wandungen, Stauung in den
erweiterten Capillaren* Ruptur derselben, in der Chorioeapillaris sum Theil ausge-
breitete Hämorrhagieen. Ciliarfortsätze, Iris und Betina nozmaL Fat. ün Uebri-
gen vollkommen gesund. Amyloid im Auge biaher nach Verf. noch nicht beschrieben.
TiUmauM (Leipzig}.
H. Knapp. Eiue yerbesserte Lidpincette, besonders für die OpenUion
des Eantropiums.
(Arch. für Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. III. Abtheil. 2.)
Die ans Schildplatt gefertigte Platte der Lidpincette ist wie bei dem Snellen -
Sehen Instrument gekrdmmt und mittelst zweier Nieten an das Ende der unteren
Branche der Lidzange befestigt, welches sich in den Rand der Platte keilförmig
hineinlegt. Die obere Flfiche dieses Randes ragt Über den Stiel der unteren Branche
derart hervor, dass, wenn die Zange zugeschraubt ist, die obere Flfiche der Platte
mit dem Halbring in ein Niveau zu liegen kommt. An diesem so construirten
Instrumente hat Verf. in jüngster Zeit noch eine kleine Aenderung in der Weise
vorgenommen, dass die Ebene der Schildplatte nicht mit der des umgebenden Rin-
ges zusammenfällt, wenn das Instrument geschlossen ist, sondern in der Art schief
gestellt wird, dass der seitüche freie Rand der Platte ungefähr eine Linie höher
liegt, als der Ring.
Das beschriebene Instrument soll in mancher Beziehung brauchbarer sein, als
das Desmarres'sche und Snellen'sche: es hemmt die Blutung vollst&ndiger,
gewährt ein grösseres Operationsfeld und spannt die zu entfernenden Theile, hebt
und exponirt sie besser. THImanns (Leipzig}.
B. Wreden. Analyse eines bemeriLenswerthen Falles von Phlebitis
sinuum dnrae matris ex otitide.
(Arch. für Augßn- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. UL Abthail. 2.)
Der Fall kam an einem 15jähr. Knaben zur Beobachtung. Infolge einer £r^
kältung entstand eine rechtsseitige acute Mittelohrentzündung, welche am Abend
des nächstfolgenden Tages sehen Compltcaldonserscheinungen von Seiten des Sinus
transversus darbot (?); letztere verschwanden nash 4—5 Tagen nach Blutegeln und
Cataplasmen. Neue Erkältung und infolge dessen 24 Stunden nachher recidivirende
Entzündung der Himsinus. 5 Tage lang sehr bedrohliche, cerebrale und stürmische
Allgsmeineiischeinungen (Fieber mit Schüttelfrösten, Uebelkeit, Erbiechen, ELopf-
schmerzen, Somnolens, Deliden, allgemeine, aber vonngsweise rechts prävalisende
Sensiibüitftts- und Motilitätsstörungen an Kopf, Hsls^ obenren und unteren Bxtremi-
täten). Rasche Verbreitung der Sinusentsündung ven dem rechten Qacrblutieiter
auf die übrigen Blutkiter der harten Hirnhaut, deren progressive Invasion W. von
Tag zu Tag verfolgen konnte. Vom Sinus transversus dext. ging der phlebitisehe
Proeesa nach unten auf die Vena jugularis int. (enorme sehmenhaifte Anschwellung
der entsprechenden Halsseite, starke Erweiterung der vena jugularis ext., klonisdie
und tonische Krämpfe der Mm. stemo-cleido-mastoidei und oucuilaris); dann Phk»*
bitis des sinus longitud. sup. (heftiges Nasenbluten, epiieptiforme 0onvul8ionen)|
endüoh PhlebttiB des sinus transv. sinist. und vena jugul. wX. sinist. und suletat
Entzündung des Sinus oavem. dext., fortgeleitet von der Phlebitis fadal. per venam
ophthalsus. sup. Beia- und Lähmungaencheinungen von Seiten daa n. abductM>
*des ersten Quintusaates und des n. oculomotorius, Staaungseiseheinungen am Auge
mit vsnninderter Sehkraft. Unter Behandlung mit Calomel, Kampher, Chinin, Eis
etc. naeh 14 Tagen vollständige, dauernde Heilung. THlianiiS (Leipsig).
Oantn^laU für Ckirurgfi». No. 16. 255
Andravs« Tumor of dentine.
(Chicago 80C. of phys. and surgeons. — Med. examiner 1875. p. 71.)
A. demonstrirte einen aus Zahnbein bestehenden Tumor, der sich an Stelle
des einen Weisheitsxahnes einer ISjähr. Dame entwickelt hatte; er war l^V' l<^ng,
Vs" breit, und nur in mehreren Sitzungen entfernt worden. Bänke (Halle).
IKooqxiot. Luxation sous-claviculaire ; reduction spontaaee.
(Le pcogr^s m^dical 1874. No. 48.)
Seit 2 Jahren linluveitlge habituelle Luxation bei einem 54jfthr. Handwerker.
Mehrmals Spontanreposition. — Die in der Ueberschrift genannte Luxatien trat
Abends narh einer heftigea. Bewegung ein. In der NaeiU starke Sclimercen. Am
andern Morgan £and M. den Schulterkopf unmittelbar unter der Mitt» der Clati*
cula, die innere Seite derselben 7Vs Cm. roa des Spitae des Aeromkm entfernt.
M. konnte weder duioh »le proc6d6 de doueeui«, noek durah »le pr. dm taleo«,
noch durch >le pr. de la bände en caoutchouc« die Reposition machen (Narkose?).
In der darauf folgenden. Nacht sohlAfk Fat« rahig ein und findet ans- andern Mor-
gen beim Erwachen seinen Humeruskopf repQnirt. — M.'s Erklflrungsyersuch ist
nicht erw&hneaswerth. Petenett (Kiel).
Bryant. Diagnosis of tumours of the breast.
(Med. tiofe. and gas. 187&. Febr. 27. p. 232.)
B.'s klinischer Vortrag geht TOn 2 ftdaoh diagnosticirten Fällen aus: 1} E!n-
Caolie Cyste, voa Maimnagewebe verdeckt» bei einer älteren Frau; als Carcinom
diagnostioirtt mit ampttlatio mammae behandelt; 2) Bin am Sternalrande der Brust
^ner 33jähr. Frau gelegener Knoten ohne nachweisbaren Zusammenhang mit der
DrQae; die Inetsion auf das vermeintKche Adenom ergab einen Krebs, der sofort
die amputatio mammae ndthig machte.
Die Besprechung der Differentialdiagnose iwischen Krebs, Adenom und Cysten
ettthält nur Bekanntee. Seine Beobachtung der häufig fH&heren Carcinomentwick-
lung bei ledigen Frauen führt B. auf die bei diesen Personen früher eintretende
InTolutiott zuiiflk. Bänke (Halle).
Eriotuien. Cystic mamma. (Univ. Col. Hospit.)
(Med. tim. and gas. 1875. Maroh 6. p. 252.)
Ein Tumor der rechten Brust einer 48^ähr. Frau seit 6 Monaten entstanden,
ohne Drüsenschwellungen etc. wird als vermeintliches Carcinom mittelst amputatio
mammae entfernt, und erweist sich als aus einer grösseren und mehreren kleinerem
Cysten zusammengesetzt ohne papilläre Wucherungen der Wandungen. Histolo-
gische Untersuchung fehlt. Bänke (Halle).
Cases of fracture of the spine. (London Hospital.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Febr. 27. p. 226.)
1) Ein 50jähr. Mann war von einem herabfallenden Gegenstande getroffen}
sofort fast totsle Lähmung der Unterextremitäten. In beiden Ulnarisgebieten Sen-
sibilität theilweise verloren; von der Brust an abwärts ist die Sensibilität gleich-
massig vermindert. Tod am 18. Tage. Der 7. Halswirbel ist Vi' ^^t vorwärta
gerutscht, der unterste Theil seines Körpers abgequetscht. Der Stelle entsprechend
kleine Blutergüsse in's Mark.
2) Eine Sdjähr. Frau wird nach einem Fall zunächst bewusstlos. Motilität ver-
loren bis aufwärts zu den von Cervicalnerven versorgten Muskeln und dem bicepa
brachii. Sensibilität von Brust abwärts und im Ulnarisgebiete erloschen. Haut der
paralyt. Theile hetss und roth ; Temperatur bietet nichts Auffallendes. 60 Stunden
nach dem Unfall Tod.
Verletzung zwischen 5. und 6. Halswirbel; die proc. articular. sind abgebro*-
chen, die Bänder und Wirbelkörper nicht verletzt. Im Inneren des Markes ein
11/2'' langes Extravasat. Bänke (Halle).
256 Centralblatt für Chirurgie. No. 16.
H« Dausoher. Hühnereigrosser Blasensteiii. Blasenschnitt. Heilmig.
(Wiener med. Fresse 1875. No. 7.)
Der 40j&hr. Fat. war durch sein durch 10 Jahre bestehendes Blasenleiden
äusserst herabgekommen. Zuletzt hatte er continuirliches Fieber, intensiven, eitri-
gen Blasenkatarrh. Eine bestehende Strictur und der üble Blasenzustand Hessen
die Lithotripsie (die Untersuchung hatte einen weichen, grossen Stein festgestellt)
nicht angezeigt erscheinen. Seitensteinschnitt. Nach Eröffnung der Blase suchte
D. vergeblich nach einem Stein in derselben ; er war im Grunde der Blase krampf-
haft in einem Divertikel festgehalten. Mit vieler Mfihe endlich gefasst, liess er
sich nicht extrahiren, was erst gelang, nachdem er mit der Zange in mehrere StQcke
aerdrttckt war.
Die folgende Wundheilung complicirte sich durch Diphtheritis der Wunde und
Blase und einen metastat. Abscess an der Wade. Injectionen von Zinklösung in
die Blase und das Radeiner Mineralwasser (viel kohlensaures Lithion) besserten
den ablen Blasenzustand bald. Heilung. Fr« Steiner (Wien).
▲• di Bemardo« Le chloral contra Fulcäre du col utirin.
(Gaz. hebdom. 1874. No. 47.)
Eine 29jähr. , sonst gesunde, etwas an&mische Frau hatte vor 2 Jahren abortirt,
woher ein heftiger Uterinalkatarrh datirte. Bei der Vaginaluntersuchung fand B.
eine ausgedehnte Ulceration um den Muttermund herum. Jodtinctur, Ferchlor.
ferri, Arg. nitr. in Substanz, selbst concentrirte Schwefels&ure dagegen angewandt,
blieben gleich erfolglos. B. versuchte nun das Chloral in einer Lösung von 2 grm.
Chloral auf 25 grm. destill. Wasser. Nach 5—6 Bepinselungen mit dieser Löaung
war das Geschwür — im Ganzen in 14 Tagen — völlig geheilt. Gleich aufinun-
temd war der Erfolg in einem 2. Falle von Ulc. colli uteri. Um die Heilung
ganz zu sichern, empfiehlt B., noch einige Tage über die Zeit hinaus, wenn das
Geschwür schon geheilt ist, die betreffende Stelle zu bepinseln.
Wie wirkt hier das Chloralhydrat P B. meint, es wirke als local umstimmen-
des Mittel ; die andere Hypothese, wonach sich das Chloralhydrat unter Einwirkung
des alkal. Vaginalschleimes in Ameisens&ure und Chloroform umwandle, verwirft er.
Fr. Steiner (Wien).
W. Kroxigold (Krakau). Eine Haarnadel in der Harnröhre eines
1 4 V2 jährigen Mädchens.
(Wiener med. Presse 1875. No. 6.)
Das Mädchen klagte seit 3 Tagen über stechende Schmerzen in der Schamspalte
Harnverhaltung, hohes Fieber ; endlich Schüttelfröste, trockene Zunge, Schmerz in
der Nierengegend.
Die vordere Vaginalwand war sackförmig vorgebuchtet, Qamröhrenmündung
stark geschwellt ; knapp an deren Mündung ein harter Köiper fühlbar, der mit der
Komzange herausgezogen sich als 672 Cm. lange, 1 Mm. dicke Haarnadel prftsen-
tirte. Baldige Heilung. Fr. Steiner (Wien).
BriggB. Hemia of the whole bowel.
(Med. examin. Chicago 1875. p. 62.)
Der Fall betrifft das im 7. Schwangerschaftsmonat geborene Kind einer kräf-
tigen, 21jahr. Farmertochter, welches 30 Stunden gelebt hatte. Section 30 h. p. m.
Der Bruch war vom Nabel V4 Z^ü entfernt, zwei Fäuste gross, nur an seinem Stiel
Vs Zoll weit mit Peritoneum ausgekleidet, und enthielt den Darmtractus vom Duo-
denum bis zum Colon incl. ; es wird für ihn eine Entstehung durch Ruptur der
Bauchdecken in Anspruch genommen. Bänke (Halle).
Origlntlmittbellungen, Monogrsphieen und Sepsratabdrücke wolle
man an Dr. H, TUlmanM, Leipzig, llsrienstnsse No. 3, oder an die VerlsgehaDdlDug,
BreUkopf und HatUiy einsenden.
Dnok und Verlag von Braille op f nad HIrtal in Leipiig.
Gentralblatt
f«r
CHIRURGIE
heraosgegeben
TOB
Dr. L. leaer. Dr. E SAde, Dr. E TülMiu»
U Berlin. in Halle a. 8. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich ein« Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prir
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Pottanslalten.
BIC
V^ 17. SoBnabend, den U. April. 1876.
lahaltt Geainer, üntersucbnogen über den Hyslinknorpel. (Originsl-Mittheliong.)
Y. Ewetzky, EotzundangaTersacbe am Knorpel. — Roufity Weisse Blutkörperchen. *-
Mff, Wlderstandafihigkeit der Knochen. — Ollier, 94%, V. NuttbaHm, Kettartff, Wund-
behaadlnng. -<- Wi|laMkly firivet, Erysipel. — W#Od, Yasomotorteche Wirknng des Er-
getin. — Biaz, Chinin bei Fiebernden und Qesnnden. •— fUtgtl, Jaborandi. — Blick,
PeiityphUtische Abacesse. — Powell, Phthlsisobe Oelenkaffectionen.
DeMff# k vaa Wetter, Chloral-Anaestfaesle. ^ Kartt, Kraaaopoltky, Aklavitt, Trans-
Aision. — Jattl, Operation der Fisteln des dnctns stenonianns. — Mtei, Fremde Körper
In der Orbita. — Voltolini, Nossschale in der Trachea. — Weod, BrnstdrOsenkrebs beim
Manne. — NenMfICl, Innere Einklemmung. ^ Neuffer, Unterst&tzung der Taxis. —
IMn«, Radlcalopention der Hernien. — Hatry, Seitliehe Lniatlon des Yorderarms.
— WNmsrtt Sehenkelhalsfractnr. — Cabot, Enchondrom des Fusses. ^ Zailfftl, Besieh-
tigang der Pharyngealmündung der EostachlBchen Röhre durch die Nase. — Jacoby,
Ileus beim Neugeborenen.
Untersuchungen über den Hyalinknorpel.
Von
Hr. Alfred Genzmer^
Assisteniarzt a. d. chirurg. Klinik lu Halle a/S.
Durch eine im Gentralblatt für medioiniBche Wiflsenackaften 1875,
No. 16 Yon Y. Ewetaky Teröffentliohte Yorläufige Mittheilung über
sfintanndungeYeiBuche am Knorpel« bin ich Teranlasst, die Reaultate
?on Untersuchungen, die ich über den Hyalinknorpel in normalem
and gereistem Zustande angestellt habe, schon jetzt an dieser Stelle
kurz zu YCToffentlichen ; eine ausfuhrlichere Mittheilung darüber be^
abrichtige ich demnächst folgen zu lassen.
Untersuchungsobject waren die Rippenknorpel yon Kaninchen und
der Knorpelüberzug des Schenkelkopfes vom Kaninchen und Frosch.
Als Färbemittel benutzte ich Goldehlorid, Höllenstein, Hämatoxilin
17
258 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 17.
und Picrocarmin utid' arbeitete Imit «inieq^ Seht öd er 'sehen Instru-
ment (SOOfache Vergiösoernng, Immersion).
1. Histologie des Hyalinknorpels.
lo reiu knorpeligen Theilen, die von Verkalkung und Verknoehe-
rung ganz frei sind^ stellen sich die Zellmldiber als rutdljehe^ äulseiBt
fein granulirte Massen dar^ welche die Knofpelhihlen rolktändig- aus-
füllen. Ein schmaler Saum zeigt sich frei von Kömelung (Neu-
mann 's pericelluläre Schicht], die man wohl am besten mit Klebs*)
als homogene Randschicht bezeichnet.
Peripher liegi der grosse kugelförmige, grobgranulirte Kern mit
nicht immer deutlichem eigen thümlichem Kemkörperchen.
Anders ist das Aussehen des Zellkörpers innerhalb oder auch in
der Nähe der Verknöcherungszone : er wird hier im Ganzen blasser,
enthält häufiger Yacuolen und zeichnet sich durch 2 Lagen ziemlich
gleich grosser, stark lichtbrechender Kömchen aus> die in gleichen
Abständen xim. einander liegend, sowohl den Kem^ als die innere
Kapselwand bekleiden. Eine homogene Randschicht ist infolge dessen
mioht mehr nachweisbar. Das Aussdien der Zellen ist ein sehr zia-
liebes ; Kern und Protoplasma erscheinen mit feinen, regelmässigen,
hellen Zacken besetzt. Bei ungenauer Einstellung entstehen Bilder,
die mit den von Heitzmann in seinen »Studien am Knochen und
Knorpel« (Med. Jahrbücher 1872, Hft. 4, Tafel XI, No. 15) ange-
stellten eine gewisse Aehnlichkeit haben. Man sieht dann Zerstreu-
ungskreise der dunklen Kömer, welche die Contpuren der Zelle zu
überragen scheinen ; die hellen Zwischenräume können dann wohl als
helle Ausläufer der Zellen imponiren, wie sie Heitzmann als An-
fange seines netzförmigen Canalsystems im Hyalinknorpel beschreibt.
Stellt man den Fokus auf die Oberfläche der Zellen ein, so sieht man
die Schicht der Kömer dunkel in hellem Grund; es müssten helle
Felder in einem dunklen Netzwerk entstehen, wenn die Heitz-
mann*sche Deutung richtig wäre.
Der den Zellenkern umgebende Kömchenkranz täuscht feine Aus-
läufer des Kerns vor, die Heitzmann sich in sein Canalsystem er-
strecken lässt.
Auch grosse Yacuolen im Protoplasma^ wie sie beim Frosch un-
gemein häufig sind, können den zwischen ihnen befindlichen Proto-
plasmabalken das Aussehen von Kemfortsätzen geben; doch ist hier
eine Täuschung schon leichter zu vermeiden.
Ghrössere Fetttrepfen^ meist leicht gelbKek gefilrbt, zeigen bei
einer gewissen Einstellung die schönsten Doppeloootouren, wie die von
Heitzmann in den Zellen tieferer Schichten der Grelenkknoipel
gefundenen und als neugebildele tothe Blutkösperchen gedeuteten
Gebilde.
Eintrocknen, beginnende oadaveröse Zersetzung, und der Zusatz
*) Beobachtungen und Versuche aber Cretinismufl. ArohW für etperim^ntelle
Piithologie und Pbarmaoologi«!. Bd. II, p. 437.
C«iitrilUAtt (Ar Chitnigie. Ko. 17. 259
der mtisten BMgenlieii Utel die Zellkfirper innerhalb der Kapeeln
m nnregebnäeBigen, körnigen^ mckigen und steeheligen Gebilden ein-
toknunpfien. Es entstehen dann Hohlräume iwieohen Kapsel und
Zcfikövperi die man als helle Ringe wahrnimmt; in diesen Ringen
^anbte Colomiatti (HyaHnknoipel und Netsftwerknorpel , Referat
in Schmidt's Jahrbüehcom; Bd. 1691) die Erklärung fui Neumann's
pcricelluläxt Schicht gefunden su haben.
Die Knorpelkapoefai sind nieht überall deutlich danustellen. Sehr
scholl sieht man sie meist im Rippenknorpel des Kaninchens in der
Nähe der Verkalkangsionen^ an Ptäpamten, die mit Hämatoxilin gefilrbt
sind. Sie bqiienzen die Knoirpelhöhlen naeh innen scharf und glott^
gehen aber in die Zijrischensubstana meist diffus über; es spricht die-
ser Umstand gegen die Annahme ihrer Entstehung aus einer modifi-
cürten Randschicht des Zellkörpers. —
In der hyalinen Zwiscbensubstanx konnte ich^ abgesehen von
taeinandeigefiigten Kapselsystemen, durch keine der yon mir ange-
wandten Tinctionsmethoden irgend welche Struetur erkenntlich machen.
Von dem Heitsmann'schen Canalsystem fand ich nie eine Andeu-
tung, wohl aber wie Colomiatti (1. c), yon dessen Arbeit ich erst
nach Absehluss meiner Untersuchungen Kenntniss genommen habe»
und Brückner (Eiterbildung im hyalinen Knorpel, Inaug.-Dissert.
Dorpat 1873) bei Behandlung mit Aig. nitr. kömige Niederschläge
auf der Oberfläche der Schnitte; aber auch hier sah ich nie eine
deutlich netzförmige Anordnung.
2. Hyalinknorpel im gereizten Zustand.
Beobachtungsobject waren Rippenknorpel von Kaninehen, die ich
theUs mit glühenden Nadeln anbohrte, theils im Bereiche einfacher
Bohrlöcher mit einer ooucentrirteu (dickflüssigen) Lösung yon Chlor-
sink ätzte; die Lösung wurde mittelst einer fein ausgezogenen Glas-
kanüle als kleiner Tropfen applicirt.
In keinem Falle fand ich innerhalb der ersten 8 Tage in der
Umgebung des Substanzverlustes in den Knorpelzellen andere Meta-
morphosen, als regressive. Die Kerne waren undeutlich und unr^el-
massig geformt, die Zellkörper meist krümelig zerfallen und ge-
schnunpfb, theilweise mit zahlreichen Fetttröpfchen versehen ; vielfach
waren sie in den Schnitten aus den Knorpelhöhlen, die mir vergrössert
schienen^ herausgefallen.
Die Zwischensubstanz zeigte eine vermehrte ImbilitionsfiUügkeit
für Farbstofie ; auf Schnitten, die ich mit Carmin färbte, zeigten sich
immer ziemlich breite rothe Höfe um den Defect, während die Zwi-
schensubstanz im Uebrigen ungefärbt blieb. Nach 14 Tagen fand ich
das Protoplasma der umliegenden Zellen äusserst blass, die Kerne
undeutlich, nie eine Spur von Proliferation; dabei waren die Zellen
durch eine Zui^me der Zwischensubstanz weiter aus einander ge-
rückt, als im normalen Zustand. Die hauptsächligste Veränderung
zeigte sich in der ZwijM^hensubstanz, die vollständig in feinste wellen-
förmige Fäsercheu zerfallen war, wie sie Tillmanns (Beiträgt zur
17»
260 CentralUatt fttr Chirurgie. No. t7.
Histologie der Gelenke» Arch. f. miloroskop. Anatomie 18,74, Bd. 10»
ref. im CentralbL f. Chir. 1874, p. 469) nach Behandlung des nor-
malen Hyalinknorpels mit Kali hyp^mang. oder 10^ Koohsalzlöeang
fiind. Die Fasern gingen ohne scharfe Grenien in die hyaline Sub-
stanz aber, und flottirten in dem Defect. Im Verlauf von zufiUlig
entstandenen Bissen, die vom Defect in's Gewebe verliefen, zeigte
sich stets die gleiche Faserung. Aelteren Angaben entgegen fand
ich nie Verkalkungen. Ich kann somit die Angabe v. Ewetzky's,
dass die Knorpelzellen auf Reize, die in andeien Geweben »Entzün-
dungtt bewirken, nur durch regressive Metamorphosen, nie durdi Proli-
favationsvoigänge oder gar Bildung von Eiterkörpeichen reagiren
(Brückner 1. c), durchaus bestätigen.
S« Regeneration von Defecten im HyalinknorpeL
Die Defecte im Hyalinknorpel waren nach 14 Tagen theilweiee
durch ein Gewebe ersetzt, das von den Weichtheilen continuirlich
ausgehend aus grossen Spindelzellen mit schönen runden Kernen be-
stand, durch wenig äusserst zartes Zwischengewebe von einander ge-
trennt. Die Spindelzellen hatten sich theilweise zwischen die Fibril-
len der zerfaserten hyalinen Zwischensubstanz geschoben, und lagen
an einzelnen Stellen zwischen den blassen abgestorbenen Knorpelzelleo,
von diesen durchaus varschieden. — Herrn Prof. Steudener, der
mich '.bei meinen Untersuchungen gütigst unterstützte, sage ich hier-
mit meinen verbindlichsten Dank. —
Th. V. Bwetoky. Entzündungsversuche am KnorpeL
(Oentndblstt f. d. med. WiMenschaften 1875. No. U.)
Applicirt man auf den Scleralknorpel des Frosches einen Reiz, so
sieht man zuerst im Bereich desselben eine »atrophische« Zone auf-
treten, in der die Knorpelzellen zu Grunde gehen. In den an diese
Zone stossenden Zellen beobachtet man eine Vacuolenbildung, durch
welche der Zellenleib ganz zersprengt werden kann. Diese Vacuolen-
Zone macht dann später der oft erst spät auftretenden Proliferations-
zone Platz. Hier sieht man die Knorpelzellen in lebhafter Wuche-
rung begriffen und zuweilen finden sich unter ihnen junge Zellen,
welche den weissen Blutkörperchen sehr ähnlich sind, doch keine Er-
scheinungen der Contractilität zeigen. Die Knorpelzellen wachsen in
die atrophische Zone und verkleinem diese; andererseits wuchert
auch das Perichondrium und hilft den durch Abstossung des Aetz-
bezirks entstandenen* Defect ausfüllen, worauf sich das perichondrale
Gewebe in Knorpel umwandelt.
Zuerst also Degeneration der Zellen und dann sehr spät auftre*
tend eine Vermehrung derselben, welche Verf. mehr als »einen re-
generativen Vorgang« auffasst, bei welchem zu keiner Zeit eine Um-
wandlung der Knorpelzellen in Eiterkörperchen sich constatiren lässt.
A* BMder (MannheiraK *
Centralblatt fftr Chiruigie. No. 17. 261
C7h, Bonget. Migrations et m^tamorphoses des globtdes
blancs.
{Brown-S^quard's Arch. de physiolog. 1874. p. 821—48.)
R. liat bereits vor einigen Jahren bei den Amphibienlarven nach-
gewiesen, dass die weissen Blutsellen^ nachd^n sie durch Dii^pedesis
die Gefmsse verlassen haben, sich au schwaraen Pigmentzellen umbil-
den, von denen ein Theil sich an der Gefasswand dauernd festsetzt
und die Bildungszellen der Adventitia abgiebt, während der andere
Theil in die Lymphräume übertntt. Die nun an Hyla viridis, Bana,
Pelobates u. A. fortgesetzten Untersuchungen ergaben im Wesent-
lichen Folgendes: Wenn die Blutkörperchen durch Diapedese die
Gefasswand durchsetzen, so wird die Rolle der rothen Blutkörperchen
eine rein passive; der intravasouläre Druck treibt sie durch das Zd-
lenprotoplasma der Gefasswand wie durch einen Filter hindurch, da-
bei erleiden sie zugleich Form- und Gestalts Veränderungen. Der
eigenen Beweglichkeit baar und unfähig in einem anderen Medium
als dem Blutplasma ihre physiologische IntegrilSlt au bewahren, gehen
sie einer baldigen Veränderung und Auflösung entgegen. Die wessen
Blutzellen dagegen, mit amöboider Bewegmig begabt, vollführen ihre
Wanderung durch die interstitiellen Gewebsräume, wie andere beweg-
liche Organismen und fixiren sich erst in den letzten Phasen ihrer
Entwicklung. Bei Amphibienlarven finden sich nun unter ganz nor-
malen Verhältnissen isolirte weisse Bluteellen der Gefasswand adhäri*
rend, sie durchsetzend, oder an die GeflUsoberfläche festgeheftet. Unter
der Einwirkung von solchen Aether- oder Curaredosen, die nur das
Thier unbeweglich machen, erfolgt dann Diapedese der weissen Blut-
zellen in vielen Gefassen. Ebenso constatirt man in der Nähe von
Entzündungsheerden eine reichliche Diapedese weisser Blutzellen, die
wie Cylinder die Gefasswand umgeben, und femer rings um die
Schnittöfihung der kleinen Venen und Arterien, welche dem Orte der
Verletzung am nächsten liegen und sich in paralytischem Zustande
befinden. Aus alledem geht hervor, dass die Rolle der weissen Blut*
zeUen eine active ist; wenn sie die Gefasswand durchsetzen, so ge-
schieht dies vermöge ihrer Bewegungsfahigkeit, die ihnen auch er-
laubt» sich von dem Gefässe, aus dem sie ausgewandert sind, zu ent-
fernen. Kommen die weissen Blutzellen mit rothen zusammen, die
vor mehreren Ti^en extravasirt sind und nun schon regressive Ver^^
änderungen einzugehen beginnen, so hüllen sie die rothen Blutkör-
perchen oder die Blutgerinnsel mit ihren beweglichen Fortsätzen ein,
befördern sie in ihren Zellenleib und infiltriren sich mit den Pigment-
resten. Zu gleicher Zeit nehmen ihre Dimensionen zu, sie verwan-
deln sich in Pigmentzellen, die, ebenfalls noch mit amöboider Be-
wegtmg begabt, verschiedene Schicksale erfahren. Die einen gerathen
in die Lymphräume und werden von diesen dem Blute zugeführt; ihr
Endsehioiksal ist noch nicht genügend bekannt. Andere fixiren sich
an der Gefasswand (auch an Nerven), ramificiren sich und werden
262 Centralblatt itlr Chirurgie. No. 17.
schliesslich zu Adventitia-Zellen. Wieder andere^ ebeofaUs veräsidte
Pigmentzellen bilden die schwarzen und gelben Pigmentlagen an der
Hautoberfläche^ einzelne dringen schliesslich bis unter die Epidermis
und werden hier zu subepidermoidalen^ sternförmigen Pigmentzellen.
Unter dem Einfloss formativer Heizung z. B. infolge fraumati*
sch^ Einwirkung häufen sich die »rothe Blutitörperchen fressenden«
weissen BlutzeUen^ welche in Pigmentzellen sich umgewandelt haben^
im Bereiche der Narben an ; es entstehen hierbei Gebilde^ deren Zu-
sammensetzung und Entwicklungsmodus mit denen der Granulationen,
Fungositäten und der narbigen Vegetationen bei den höheren S&uge-
thieren sehr grosse Analogieen daxbieten.
J« Mnk (StMMdnug i/B.).
▲• Aeby. lieber die verschiedene Widerstandsfilhigkeit der
Knochen im todten und lebenden Zustande.
(Reichert u. du Bois' Archiv 1874. p. 510—13.)
Die yerschiedene Härte und Widerstandsfähigkeit der Knochen
bei den verschiedenen Temperaturen ist bisher aus physikalischen Ver-
hältnissen allein abzuleiten yersucht worden. Dem gegenüber weist
A. nach, dass die ganze Erscheinung vielmehr durch das quantitativ
abgeänderte Verhältniss von chemisdi gebundenem zu fr^em Wasser
bedingt ist.
Knorpel und der aus ihm datgestellte Leim sind im Stande,
grössere Mengen Wasser chemisch zu binden. Im lufttrockenen Zu-
stande stellen sie bei einem Durchschnittsgehalt von 17^ Wasser
eine spröde, harte Masse dar, die bei erhöhter Temperatur unter
Wasserabgabe erweicht. Wird im Luftbade getrockneter Knorpel mit
Wasser befeuchtet, so tritt starke Erwärmung ein, wahrscheinlich
durch eine chemische Bindung von Wasser bedingt, welches die B^lle
von Krystallwasser spielt. Fein gepulverter, frischer, compacter Rin-
derknochen bei einem Mittelgehalt von 24^ organischer Substanz und
9,5 j^ Wasser erwärmt sich ebenfalls beim Befeuchten mit Wasser
merklich; der Luft bei mittlerer Temperatur ausgesetzt, verliert er
nicht nur kein Wasser, sondern nimmt sogar bedeutende Mengen des-
selben auf, während der menschliche ELnochen bei einem mittleren
Gehalt von 28^ organischer Substanz und 12)^ Wasser sich nahezu
indifferent verhält Bei der Abkühlung des menschlichen Knochens
von ca. 40^ C. auf die gewöhnliche Lufttemperatur wird das in der
organischen Knochengrundlage vorhandene freie Wasser chemisch ge*
bunden; damit soll zugleich eine Modification der WiderstandifKhig-
keit bei niederer Temperatur gegenüber der höheren gegeben sein.
J. Kluk (Straitburg i/B.)-
OUiw. Fansementa a la ouate et ocdnsion inamoyible.
(Oomptes rendut T. 80. (1875) p, 154-^59.)
Den ton A. Gu^rin warm empfohlMen Watteverband hat O.
in den letzten 4 Jahren im Hospital Hdtel^Dieu zu Lyon mit dem befiteti
Centnilblatt für Chirurgie. No. 17. 263
Erfolge angewandt. Und doch wies die mikroekopische UnterBkchung
des Wundeiten unter dem Watteverband stets reichliche Vibrionen
and andere niedere Organismen nach^ selbst auf Wunden^ welche ein
vortreffliches Aussehen hatten. Derselbe Wundeiter^ Hunden in's Zell*
gewebe injicirt^ erzeugte brandige Phlegmonen, häufig mit tödtKchem
Ausgange. Es ist das ein deutlicher Beweis^ wie tolerant, so zu sagen,
die Wundflächen selbst f&r diesen sonst so infectiösen Eiter sind.
Deshalb ist auch nach O. das häufige Verbinden der Wunden und
das häufige Abspülen des Wundeiters unnöthig ; in der Seltenheit des
Wechseins des Verbandes liegt daher, wie dies auch die von der Pariser
Academie gewählte Commission hervorhebt, mit der Hauptvorzug des
Watteverbandes. Wurde der Verband zum Zwecke der antiseptischeB
Wundreinigung entfernt, so beobachtete O. regelmässig eine Erhöhung
der Körpertemperatur um 0,2° — 0,6 "C. und daiüber. Es ist dies
nicht wenig aufTaüendj weil man theoretisch das Gegentheil erwarten
eollte und zwar deshalb, weil die Wundreinigung eine sofortige Ver-
ringerung der Resorption septischer Stoffe voraussetzt, auf der nach unse-
rer jetzigen Anschauung das Ansteigen der Temperatur beruht. O.
STO^t den Grund für diese merkwürdige Thatsache darin, dass beim
noch so vorsichtigen Entfernen der auf der Wunde festhaftenden Ver-
bandstucke die Granulationen zum Theil zerrissen werden. Umge-
kehrt folgte auf den Wechsel des Verbandes eine Temperaturherab
Setzung, wenn der Verband schon lange gelegen und rings um die
Wunde sich reichlich Biter angehäuft hatte. Entfernt man hier den
Eiter, so dass die Resorption desselben von der oft excoriirten Wund-
umgebung sistirt ist, so fällt die Temperatur. Man lässt daher am
besten den Watteverband so lange liegen, als der Fat. keiae Be*
schwerden empfindet und sich keine erhebliche Temperatursteigerung
zeigt. Ausserordentlich selten entwickelt sich unter dem Wattever-
bande Wunderysipelas. Zu einer Zeit, wo 22 Falle auf der Abthei-
lung unter Anwendung der sonst üblichen Verbände von Erysipel
befallen wurden, zeigte unter dem Watteverbande nur ein einziger
diese Complication. Das Gleiche gilt für die Entwicklung der Noso-
comialgangrän ; während eine grosse Anzahl der anders verbundenen
Wunden brandig wurde, blieben die mit Watte verbundenen davon
verschont. Diese Complication entwickelte sich erst, wenn zum Zwecke
der Verbandemeuerung die Wunde, freigelegt wurde. Nur sehr sel-
ten entstanden Prämien, die dann einige Eigenthümlichkeiten dar-
boten; einmal fehlten hier die Schüttelfroste, oder waren wenigstens
von geringerer Intensität und seltener ^ als dies sonst der Fall ist.
Auch machte dann die Pyämie nur langsame Fortschritte, so dass sie
mehr einer langwierigen Septikämie glich; es hatte die purulente
Infection gewisaermassen einen chronischen Charakter angenommen;
es gelang auch hier und da die Fat. nach Evacuirung aus den in-
ficirten Räumen zu retten. Eine rationelle Vervollständigung erhält
der Watteverband durch eine gründliche Desiufection der Wundfläche
ver seiner Anlegung, am besten mit einer verdünnten CarboUösung
264 Centralblatt für Chirurgie« No. 17.
oder durch die sofortige Application einer mit Caibolöl geträokteB
Watteechicht auf die frische Wunde.
Ein fernerer Vortheil des Watteverbandes liegt darin^ dass man,
um auch eine vollständige Immobilisation zu erzielen, ihn noch am
besten mit einem Wasserglasverbande umgiebt, welcher eventuell durch
eingelegte Schienen fester und haltbarer gemacht und wenn nöthig
auch mit einem Fenster versehen werden kann. Der auf solche Weise
vereinigten Occlusion und Immobilisation vindicirt 0. die guten Er*
folge der Wundheilung, die er in den letzten Jahren gewonnen hat.
J.Mnnk (Stra«aburgä/E.).
Marc See. Fansement ä Talcool. — Appareil ä imgatkm
continue d'alcool.
(Bevue de Th^rapeuth. m6d. - chirurg;t 1875. No. 2.)
Bei eiternden Wunden, insbesondere auch complicirten Fractugen^
wendet S. nach dem Vorgänge anderer Franzosen den Alkohol in
einer Concentration von 30^, oft noch schwächer, an. Die Wunde
zeigt unter dieser Behandlung ein frisches, gesundes Aussehen, wenn
auch wenig üppige Granulationen, und gutartige Eiterung. Prima
intentio vnrd durch den Weingeist nicht gerade begünstigt, die Ver^
narbung einer granuhrenden Fläche aber geradezu angehalten.
Zur beständigen Alkoholberieselung der Wunden mit verschie*
denen Concentrationen hat S. schon vor 7 Jahren einen besonderen
Apparat angegeben. An« BUler (Beriin).
y. Ntusbaimi. Liste r*s grosse Erfindung.
(Aentl. Intelligenzblatt 1875. No. 5.)
In einem klinischen Vortrage schildert N. die Lister 'sehe Methode
der Wundbehandlung und rühmt die guten Erfolge, welche dieselbe
seit ihrer Einführung in die Münchener chirurgische Klinik, nament-
lich als Schutz gegen das Auftreten von Pyämie und Hospitalbrand
aufzuweisen Hat. Während daselbst in den letzten 3 Jahren in zu-
nehmender Häufigkeit 20, 50 und 80 Procent aller Verwundeten und
Operirten vom Hospitalbrand befallen wurden, findet sich zur Zeit
kein einziger Fall von Hospitalbrand und Pyämie auf der Abthei-
lung. Auf Grund dieser Thatsache widerlegt N. auch den Vorwurf
der grösseren Kostspieligkeit des Verfahrens, da durch die Femhal-»
tung der Wundkrankheiten die Heilungsdnuer bedeutend abgekürzt
werde. P.Bnuig (Tübingen).
8« J. Kostareff. lieber verschiedene Wundrerbände.
(VerhandluDgen der chirurgischen Gesellschaft zu Moskau 1875. 1. Thl. p. 1.)
Bei Besprechung der verschiedenen Wundbehandlungen kommt
K. zn folgenden Schlüssen: 1) bei dem jetzigen Zustande der Wiasenh*
Centralbktt für Chinirgie. No. 17. 205
scfaaft können auf Grn^d theoretischer, experimentell pathologisclieT
und klinischer Untersuchungen nur 2 Methoden der Wundbehand-«
lung fUr ▼oBkbmmen rationell erklärt werden: die Briiandlungsmethode
ohne Verband^ inclusive derjenigen unter einen Schorf , und die
Lister'sch^ Verbandmethode ; 2) aus sanitär«! und ökonomischen
Ricksidbten muss in Krankenhäusern als Kegel die offene Wundbe-»
handlnng eingeführt werden; 3) der Lister 'sehe Verband muss nur
in folgenden Fällen angewandt werden : bei Wunden, welche in tiefe»
normale und pathologische Höhlen dringen, in einigen Fällen com-
pUcirter Praoturen, wo hinzugetretene Complicationen auf Anwesen-
heit eines entzündlichen Irritamentes deuten, zuletzt in maniakalischen
Zuständen, wo der Kranke muthwillig die Wunde reizt. 4) Die Ur-
sache der Ungesundheit unserer Hospitäler liegt weniger in ihrer sani-
täran VemaohläsBigung, lals in ungenügenden Kenntnissen von Seiten
des Personals über das Wesen der Hospitalinfection. Jedes Hospital
kann bei rationeller Behandlung und systematischer Aufsicht in sani^
fiirer Hinsicht verhältnissmässig gut gestellt werden, ohne Anwendung
radicaler Mittel. 5) Die Wundbehandlung von Gu^rin bildet einen
unnützen Ballast in der Chirurgie und ist in Krankenhäusern durch-;
ans nicht zu empfehlen. 6) Unsere Statistiken über Wundbehand-»
hmg und Wundverbände können gegenwärtig gar keinen besonderen
Werth beanspruchen, da in den meisten Fällen jede Methode in der
Behandlung fehlt. W. Grabe (Charkow).
(Wir bedauern I dass obigen apodictischen Behauptungen des Verf. 's nur Ab-
ttractionen« keine Erfahrungen zu Grunde zu liegen scheinen. Die Jled.)
M. Wojlanski. Consid^rations eur T^tiologie, le traitement
et la prophylaxie de l'^rysipile.
(Th^se, Paris. 1874.)
P. Grivet. l^tude clinique de Vinfluence salutaire de T^ry-
sipele sur le lupus.
(Th^se, Paris, 1874.)
W. theilt die in ätiologischer Beziehung int^essante Beobachtung
mit von der örtlichen und eeitlichen Coincidenz einer Erysipelasepi*
demie mit Puerperalfieber. Während auf DepauTs Klinik zu Paris
im Novbr. 1873 nach kurzer Unterbrechung Puerperalfieber von Neuem
heftig endemisch auftrat, wurden gleichzeitig auf Broca's chirurgi-
sehen Sälen sowohl frisch Operirte ab auch anderweitig Kranke mit
ganz unbedeutenden Continuitätstrennungen in auffallender Weise von
Eiysipelas befallen. Ohne auf die näheren äusseren Ursachen dieser
Ersoheinui^ (Loealität, Communication] einzugehen, wird daraus auf
eine innere Verwandtschaft der beiderseitigen Contagien geschlossen,
welche in der, zuerst von Piorry ausgesprochenen, jetzt von der
MehrzaU der Autoren getheilten Ansicht vom septischen Ursprünge
des Erysipels ihre Erklärung finde. Fälle von gleichzeitigem Auftie^
266 Centralblatt fflr Chirargte. Ko. 17.
ten beider Affectionen sind' nach W. auch schcy anderweitig beobach-
tet, und namentlich Moreau, Trousseau u. Ä. haben auf die
Häufigkeit des Erysipels Neugeborener während einer Puerperalfieber-
epidemie aufmerksam gemacht — Erwähnenswerth ist aus der dta-
tenreichen Schrift sonst noch, dass Jobert de Lamballe audi die
Existenz eines Erysipelas der Schleimhäute, besonders der
Mucosa intestinalis und bronchialis, ohne gleichzeitige Hautafiection
annimmt, und Gubler dieselbe mit einer Keihe von Beobaditungen
und Sectionsergebnissen belegt hat (Gaz. m^dic. 1856, p. 358).
G. bestätigt von Neuem die schon seit Hoff mann (1675) und
P. Franck (1792) bekannte Erfahrung, dass die Rose auf den Ver-
lauf chronischer Hautkrankheiten, besonders des Lupus, einen günsti*
gen Einfluss ausübe. In 8 ausführlich mitgetheilten Fällen, von denen
^ von ihm selbst beobachtet sind, wurde mehi^oder weniger entwiekel*-
ter Lupus durch ein intercurrentes, übrigens in* allen Fällen gutartig
verlaufendes Erysipel zum Theil rapide gebessert, zum Theil voUstan*
dig geheilt. Ein gleich salutärer Einfluss der Rose wird von Ricord
und Mauriac auch für syphilitische Affectionen behauptet In thera-
peutischer Hinsicht bedauert G., dass man es nicht in der Hand habe,
Erysipelas beliebig künstlich zu erzeugen (!). Ais Surrogat empfehle
sich das Quecksilberbijodid (Biett), welches nach den Erfahrungen
von Cazenave und Hardy bei Lupus von vorzüglicher Wirkung sei.
Arn. Hiller (Berlin).
H. C. Wood. A contribution to our knowledge of the vaso-
motor action of ergotin.
(Pbiiadelplua ned. Times 1874. No. 133. p. 518 ff.)
Injection des Mittels in die Vena femoralis bedingte zunächst
einen kurzdauernden Abfall des Blutdrucks (in 15 Scdn. um ^4 unter
die Norm), dann eine erhebliche Steigerung desselben. Sehr grosse
Dosen drückten die Spannung in den arteriellen Bahnen regelmässig
herab.
Nach hoher Rückenmarksdurchschneidung kommt eine Erhöhung
des Blutdrucks durch das Mittel nicht mehr zu Staude, während an-
dererseits dieselbe Durchschneidung bei Thieren, welche bereits die
volle Döse erhalten haben, noch das bekannte Absinken giebt.
Da der primäre Abfiill auch nach Vagus- und Rückenmarksdurch«-
schneidung noch auftritt, scheint das Mittel in der kurzen Zeit, in
welcher es noch concentrirt wirkt, allein das Herz zu beeinflussen.
Erst später, wenn es sich durch die Blutbahnen vertheilt, folgt die
Einwirkung auf die Vasomotoren.
Injectionen direct in die Carotis bewiriiten zunächst eine kurze
Steigerung, dann Abfall des Blutdrucks, während die ferneren Ein-
spritzungen keine weitere Steigerung im Gefolge hatten. Unentschie-
den bleibt, wie weit Muskelcontractionen an dieser Erscheinung mit^
wirken. -^ Vergl, die Arbeiten von Holmes (Arch. de physiol(^iA
Centralblatt f«r Chirutgie. No. 17. 267
normide et patholog. III^ 3^4) » Eberty (Inaiig.-Diss. HaUe, 1873),
Haudelin (Ifiaug.-DisB. Dorpat, 1871) u. A.
Wllfc, lodl (Bertin).
BiiKB. Chinin bei künstlicher und spontaner Septikämie, so-
wie im Abdominaltyphus. Unterschied seiner Wirkung bei
Fiebernden und Gesunden.
(Berl. kliniselie WoohenMshrift 1S75. No. 8.)
Verf. sieht die fieberwidrige Wirkung des Chinin nicht in seinem
EinihiBs auf nervöse Organe^ sondern nur in seinen antisymotischen
Ei^enaehaften begründet. IKese rein chemisch aufzufassenden Efiecte
sind an Intensit&t proportional seiner Verdünnung in den Körpersäf-
ien. Bei starken Erysipelen empfiehlt B. mehr Alcoholica als Chinin,
oder wenigstens Combination beider^ bei Typhus grosse Chinindosen,
wie bei Septikämie (6 — 7 grm. täglich). — Bei gesundem Organis*
muB bringen^ was höchst interessant^ Chinindosen^ die bei fieberndem
deutlich temperaturerniedrigend wirken^ kaum merkliche Wärmeab-
falle hervor; jedoch hemmen schon massige Gaben das Ansteigen der
Korperwärme bei Muskelthätigkeit und mindern den Schweiss.
Tt Mosengell (Bonn).
I ■■ «.II «I
F. BiegeL Ueber die therapeutische Anwendung des Jabo-
randi.
(B«ri. klinl«cb6 Woehentehfift 1875. No. 6 u. 7.)
Ein Infus auf ca. 4 grm. der zerstossenen Blätter bewirkt 4 — 5-
ständigen Schweiss und Salivation. Der Diaphorese geht keine be-
sondere Hitze des Patienten vorher^ bisweilen eine Temperatursteige*
rung von einigen Zehntelgraden. Als Nebenwirkung treten bisweilen
auf: Bronchialsecretion^ Singultus^ Aufstossen, Erbrechen (vom Ver-
sdblucken des reichlich producirten Speichels abhängig)^ vermehrter
Harndrangs leichter Schwindel, Uebelkeit, vorübeigehendes Augen-
flimmern und kurze Sehstörungen. Alle diese letzteren Wirkungen
waren geringfügig. t. Mosengell (Bonn).
O, Book« Absoesses origiuaiing in the right iliac foasa.
New York, Appl«ion et Cie. 1S74.
B. giebt eitae Zusammenstellung von 10 theils bereits veröffent-
fiehten^ theils bisher nicht publicirten Fällen von perityphlitischen Ab-
sceasen, in denen (nach Willard Parker*s Methode) frühzeitige
Eröffiiung (vom 7. — 14. Tage der Krankheit) vorgenommen wurde,
bevor Eluciuation zu fühlen war. Eine 3 — 6 Zoll lange In-
dnon wurde über der Anschwellung gemacht , ein wenig oberhalb
und ÜBt parallel mit dem ligam. Poupartii. Nach Trennung der Haut
und der ^urunter liegenden sehnigen und muskulösen Qewebe bis auf
26S CentralMatt für Chirurgie. No. 17.
die fasciü- tt^nsversalis wtirde eine Expknrativnadel oder eia fein«
Troikart eingestochen, um den Eiter aufzufinden. Die Punetiont«-
öflhung vergrösBetfte man nachträglich mit dem Messer. In einem
Fall wurde nach Freilegung der Fascie der Eiter aspirirt und erst dann
die freie Eröfihung gemacht. In zwei Fällen , wo nach F|:eilegun^
der fascia transv. Fluctuation nicht bemerkbar war, Hess man die
Wunde offen und wartete die am 2. und 3. Tage erfolgende spontane
Abscesseröffhung ab. D. änderte in einem von ihm operirten Fall
das Verfahren, indem er ohne vorangehende Incision direct die
ßauohwandungen mit einer Explorativnadel durchstach und dann den
Punctionscanal vergrösser te. Er erklärt die etwaige Perforation einet
Darmes mit einer solchen Nadel für ge&hrlos, glaubt, die grossere
Verletzung der Bauchwaudungen durch seine Methode zu vermeiden
und .80 die spätore Bildung einer Hernie zu verhindern. In den 10
mitgetheilten Fällen trat Heilung ein. Eine ausfuhrliche Bespcechung
der Geschichte der Operation und die Mittheiluug eines Falles vou
Abgang dveier Ascarideu aus einem perityphlitischen Abscess schliesai
die Arbeit. Madeluig (Bono).
*
O. C. Powell. Essai sur le pseudo - rheumatisme articulaire
dans le cours de la diathese tuberculeuse.
(Th^«e, Paris. 1674.)
P. unterscheidet (nach Prof. G übler) 2 Formen phthisischer Ge-
lenkaffectionen, die Arthritis tuberculosa und den sog. Pseudorheuma-
tismus ,artic. der Phthisiker. Exstere ist durch Tuberkeleniption auf
der Synovialmembran bedingt und entspricht den tuberkulösen Ent-
zündungen anderer seröser Häute; letzterer entsteht zwar apch unter
4em augenscheinlichen Einflüsse der tuberculöaen Diathese» bietet je-
doch sonst anatomisch und klinisch ganz das Bild des acuten, oder
chronischen Gelenkrheumatismus dar, ohne jedwede Tuberkelbilduc^.
Der Fseudorheumatismus befällt ebenfalls ein oder mehrere Gelenkf«
tritt aßut oder chronisch auf und ist, wie echter Rheumatismus^ ge*i
wohnlich von Herzcomplicationen tuberkulösen oder nicbt tuberku-
lösen Ursprungs begleitet. Am häufigsten wird er im Verlauf phthi-
sischer Lungenerkrankungen beobachtet; tritt er vor dem Ausbruch
der Lungensymptome auf, so hat er diagnostische, resp: prognostische
Bedeutung. Die Prognose der Ejrankheit ist natürlich abhängig von
derjenigen des Grundleidens, als dessen Theilerschernung sie aufzu-
fassen ist, und wird durch gleichzeitige Herzaffectionen .im entspre-
chenden. Gxade ungünstiger. Die Behandhing ist, abgesehen von ört-
lichen Mitteln« diejeiüge der Tuberkulose.
Dem Text der fleissigen Arbeit sind Kraukengeschichten und
^^ettonsprotokolle als Belege beigegeben. Am« Hiller (Beriin).
"-r
Cenicalblattlar Chirurgie. No. 17. xfßQ
Kleinere Mittheilungen.
Deneffd et van Wetter, p^ Tanesth^sie produite par injection mtrs^-
veineuse de chloral selon la m^thode de M, le prof. Or6.
4
(ll^moir^ de rAcad6mie royale d» m4deeine d« Belgique Vol. IIL Hft. 1.)
— Nouveiiux cas d'anesth^sie par injection intraveineüse de ckloral.
(Bulletin de l'acad. royale de m6decme> de Belgique 1874. No. 12.)
Die Vff. haben seit ^rer leisten Veröffentlichung 4 neue Fälle ron intravenö«-
aer OhloraUnjeeiion mitzutheilen. Somit haben sie die Zahl von 22 ohne Ausnahme
gQnstig Terianfenen Füllen enreleht. Darunter ist wieder einer, wo sich eine leichte
Himatnrie einstellte, ohne jedoch im Geringsten einen Nacfatheil nachgelassen zu
haben. Diese Oomplieationi -welche stets unschuldig blieb, hat sich bis jetzt 3 Mal
geieigt. Thrombose oder Phlebitis sind nie eingetreten.
Die Vff. weisen nun auf die 2 ungOnstigen Ffttte, welche von Cruveiihier
and Tillaux veröffentlicht wurden. Sie zeigen, dass im letzteren die ausser-
ordentlich iingeschickte Ausführung der Operation, die Tillaux 'selbst zugeben
mnaa, und im ersten die Nichtbeachtung der von Or4 gegebenen Vorschriften ein-
zig und allein angeschuldigt werden können. ^irgrA (Strassburg i/£.}.
Kamt, Krasnopolaky, Aüdnvieff* Drei Fälle von Transfusion, aus-
g^hrt von Rüssel.
(Sitzungsberichte der Marine- Aerzte in Kronstadt 1874.)
1. Fall. Matrose, 31 Jahre alt, seit lange Bheumatiker, leidet an ausgespro-
chener Anämie infolge wiederholter Enistaxis. Transfusion von 250 grm. Blut.
Unmittelbar nach der Operation — Uebelkeit, Erbrechen, Athemnoth ; 2 Tage darauf
Phlegmone cubiti et brachii, welche am 5. Tage nach der Operation zum Tode
führte. Section: Phlegmone brachii, längs des biceps ichoröse Infiltration, Extra-
vasate. Die Venenwunde mit Eiter überfüllt. Pleuritis adhaesiva, Nephritis
parench.
2. Fall. Matrose, 21 Jahre alt, leidet an Scorbut mit starker Anämie, starken
Indurationen und scurbutischen Flecken an den unteren Extremitäten. Transfusion
von 250 gnn. gemischten arteriellen und venösen Blutes (Verletzung der Arterie).
Die ersten Tage nach der Operation besserte sich der Zustand des Kraqken y dann
aber nahmen die Erscheinungen des Scorbuts immer mehr zu und führten am 28.
Tage nach der Operation zum Tode. Section : Thrombosis sin. durae matris, Oedema
puhn., Nephritis parench., Thrombosis venae basilicae et brachialis ech. (Wahr-
aeheinlidi ist dies der von Heyfelder [Zeitschrift f. Chir. IV. 5/6. p. 501] als
IX Transfusto curativa mitgetheilte Fall von Heilung.)
3. Fall. Fräulein A. J., 41 Jahre alt, leidet seit Jahren an Keuralgieen infolge
von Anaemie; alle angewandten Mittel erwiesen sich fruchtlos. Transfasion von
256 grm. ihrem Bruder entnommenen venösen Blutes. Oleich nach der Transfusion
Athemnoth, Hitzegefühl im ganzen Körper. Am Tage nach der Operation starke
Cyanose, Athemnoth.. kaum fühlbarer Puls; Champagner verbesserte diesen Zu-
stand. Darauf begann eine beständig fortschreitende Besserung in dem Zustande
der Kranken ; die Neuralgieen schwanden allmälig und das Allgemeinbefinden ver-
beaserte sich, so daas in diesem Falle die Transfusion zweifV^Uosep Nutzen ge-
bracht hat. W. Grabe (Charkow).
Justl« Operation der Fistel des ductus stenonianus nach Deguide.
(Conespondenzblatt der äritl. Vereine in Bheinland etc. ete. 1875. Jan. p. 5»)
Die Fistel, 5 Wochen alt, entstanden naoh einem Wurf mit einem Bierseidel,
lag vor dem masseter, und drang schräg von aussen und vorn nach innen und ea.
IVf Cm. ein. Anfirisehung der äusseren Wundränder «^ Durchbohrung der Wange
iiBi Boden der Wunde 2 Mal mit dem Troikart von aussen nach dem Munde au.
Einfflhrung eines Bleidrahtes durch die Stiehpunkte und Zusamuendreh«tt deaaet-
,270 CentndbUtt filr Ghinugie. N^ 17.
ben in der Mundhöhle. Sutiur der äuitoeren Wunde — Heilung derselben erst ttaeh
Aetzung mit Höllenstein am 41. Tage. Madelung (Bonn).
J. Beseo. lieber fremde Körper in der Orbita.
Inaug.-Difls. Bonn. 1875. 23. Febr.
In einer fleissigen Compüation dessen, was bereits Über das betreffende Thema
b#kantit ist, hat Verf. vielfach iUustrtrende Casuistik eingewebt, besonders aueh von
ausländischen Journalen belogene. Ein von ihm selbst beobachteter Fall ist in extenso
mitgetheilt : ein Kind fiel und stiess sich einen gespitsten Qriffel durch dass untere
Lid in die Orbita; der Qriffel brach ab und blieb stecken. Der Bulbus anfangs vor-
getrieben und nach oben sehend, trat aUm&Ug surflok und war unvereehrt. Nach
5 Jahren bildete sich in der Mitte des unteren Lides eine oonische Geschwulat» aus
welcher Prof. Sä misch die 31/2 Cm. lange Qriffelspitse extri^hirte. Schnelle Hei^
lung folgte und musste noch eine kleine Ectropiumoperation, so wie ein Bew^*
licluKf-Machea des Bulbus folgen. t. HoMBg«ll (Bonn).
Voltolini. Eine Nussschale 10 Monate in der Luftröhre: ein neue»
Speculum für letztere; Operation.
(Berl. klinische Wochenschrift )875. No. 6.)
Ein Knabe hatte eine Nussschale im Munde gehabt und in die Trachea be-
kommen. Suffoeationsanfftlle machten die Tracheotomie nöthig, wobei kein frem-
der Körper entdeckt werden konnte. Auch bei fernaren Untersuchungen war dies
nicht möglich, bis V. einen Apparat conatruirte, welcher es besser gestattete, als
es kleine Kehlkopfspiegel thun, von der Tracheal wunde aus direct tracheoskopisch
zu untersuchen. Dieser Apparat ist nach dem Prindp des Brun ton 'sehen Ohr-
spiegels gebaut, gestattet einen kleinen Trichter in die Wundöffnung cu führen,
welcher von einer seitlich angebrachten Lichtquelle im inneren erleuchtet wird«
während ein die Lichtfihertragung vermittelnder, schräger Spiegel durchbohrt ist
und hinter sich eine Linse trägt, um mit dem Vergrösserungsglas die im Trichter
eingestellte Partie su betrachten. Die Nussschale fand sich unterhalb der Tracheal-
wunde in der Luftröhre durch Spannung festgehalten und wurde entfeint. Es wird
dies als der erste (?) Fall geschildert, in dem ein fremder Körper mit Bestimmt-
heit längere Zeit in der Trachea verweilt hat. r. Mosengeil (Bonn).
J. Wood. Harter BrustdrÜBenkrebs beim Manne.
(Transact. of the pathol. Soc. of London 1874. p. 35.)
Die Geschwulst, bei einem 60jähr. Manne entfernt, hatte die EigenthOmlichkeit
gehabt, dass aus der eingesogenen Brustwarxe mehrfisch starke Blutungesi erfolgt
waren. Dem entsprechend fand man auf dem Durchschnitte eine centrale, mit
halb flüssigem, halb geronnenem Blute erfüllte Höhle; die ganse Schnittfläche er-
schien blutreich. Im mikroskopischen Bilde zeigten sich die Alveolen und das
QerüstweriL von verschiedensten Durchmessern, besonders erstere von sehr unregel-
mäsaiger Gestalt: die Gefässe reichlich entwickelt PUa (Stettin).
Hannerioi. Ueber eine seltener vorkommende Veranlassung zu innerer
Darmincarceiation .
(Correspondensblatt der änti. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. Jan. p. 24.)
Bei einem 21 jähr. Musketier, der binnen 2 Tagen an Peritonitis gestorben war,
fand sich als Todesursache die Abschnürung einer colossalen Darmpartie durch ein
am Mesenterium adhärentes Divertikel. Etwa 167 Cm. oberhalb der valvul. Bauhini
fand sich am Dünndarm, von der conveaen Seite hn redrten Winkel aneg^end,
ein Diveetikel von 8 Gas. Länge und 2 Cm. im Dorclmesser. Daaaelbe war ebenso
wie der ganse Darm durch Gas stark aufgetrieben, Von der Spitse dieses Diver-
tikels fahrte ein fester Bindegewebsstrang von ca. 3 Gm. Länge und der Dickt
eines Rabenfederkiels aom Mesenterium mrück. Jn den Ring, welche vom Dtver-
tikel, seine» Bindegewabsalrang und dem Mesenterium gebildet wurde, war der
C^ntralbktt Iflr Ckinirgia. Ko, 17. 271
ganse Duwtheil vom DiTOtikel an bia mt Talmla BaUhini ^urehgetrtton* I>aB
Coecnm ond der untere Theil des Colon aaeendens diiroh den Zag des Darmes
stark nach innen gegen die Wirbels&ule hin yerxogen. Dicht unteiiuüb des Diver-
tikels war der Darm fest sugescbnürt und auch nach Lösung der Einschnflning
diese Stelle durch die inflammatorische Demarcationslinie noch leicht kenntlich. Es
▼ird Termuthet, dass bei einem Sprung in's Wasser, den der Verstorbene wenige
Stunden vor seiner Erkrankung that» der unterhalb des DiTerükeU gelegene Dann-
Iheil in den Ring trat und demnächst durch die peristaltische Bewegung nach und
nach der ganse bewegliche Theil des Deum bis sum Coecum nachfolgte.
MadeUng (Bonn).
KeulIlBr. Neae Methode zur Unterstützung der Taxis bei eingeklemmten
Brüchen.
(WOrtt. med. CorrespondensbUtt 1875. No. 8. p. 57.)
Verf. empfiehlt bei incaroertrten Hernien nach miselnngenen Taxisrenueheto
die Function des Daimes cur Entleerung der Gase, welche er ffir das Haupthin-
demiss der Reposition hftlt. Als Beleg wird ein Fall mitgetheilt, in dem nach der
Function die vorher erfolglosen RepositionsTersuche leicht sum Ziele führten. — (Die
«neue Methode« des Veif.'s wird schon Ambr. Pari augeschrieben, ist seither
wiederholt empfohlen und verworfen und neuerdings von Dieulafoy mit seinem
Aspirationsver&hren verbunden. Vergl. Dieulafoy, Trait6 de l'aspiration, Paris
1873, p. 188, woselbst die Geschichte und therapeutische Würdigung der Opera-
tion, sowie eine Zusammenstellung von 27 Fällen gegeben ist. Ref.)
P. Bnins (Tübingen).
Haine. Ueber Badicaloperation der Hernien.
(AerztL Correspondensblatt, Organ des Verehis Deutscher Aente in Frag 1875.
M&rzNo. 25.)
An die Demonstration eines Falls von erfolgreich ausgeftthiter Radiealoperation
einer umftnglichen angeborenen Scretalhemie knOpfte H. eine Besprechung der
Geeehichte dieser Operation. Der 4jfthr. Knabe wurde nach der neuesten Wood'-
schen Methode operirt, nur dass ausserdem noch zur sichereren Verschliessung des
LeiitttnriBges unter die Silberdrahtnaht eine Catgutnaht gelegt wurde, die dasdbst*
«nheilte. Veif. hält die Operation für angeseigt, wo bei sonst gesunden Indivi-
dnen Hernien vorhanden sind, die durch BruohbAnder nicht surückgehalten wewien
kteaen. Zum Schluss demonstrirte der Vortn^ende noch ein Präparat einer nach
Gerdy operirten, geheilten Hernie.
Well (Prag).
Hatry. Complete seitliche Luxation des Vorderarms nach aussen.
(Lyon m6d. 1875. p. 13.)
Diese sehr seltene Luxation des Vorderarms kam bei einem kräftigen Kanonier
nur Beobachtung, welcher Aber einen Stein stolpernd vornüberflel, während er mit
der vorgestreckten rechten Handfläche instinctiv die Gewalt des Falles abzuschwä-
chen suchte. Die Circumferenx des rechten Ellenbogens mass 7 Cm. mehr als die
des linken, Qefösse und Nerven erschienen unverletst, die Gelenkbänder zerrissen ;
die Oelenkenden des Himierus, der Ulna und des Radius waren deutlich unter der
Haut XU fühlen \ besonders stark sprang die Tricepssehne vor. Sobald Fat. die zur
Statae des Vorderarms dienende linke Hand entfernte, erfolgte eine Rotatjon nach
innen am abnorm beweglichen Arm, so dass es den Anschein hatte, als ob eine
Fractur bestände. , Ohne Chloroform gelang die Rednction prompt, die Heilung er-
folgte acfanell ohne jeden Zwischenfall ; da jede Gelenkentzündung fehlte, wiirden
paaaive Bewegungen früh vorgenommen; es wurde volle Brauchbarkeit des Arms
erreicht.
Besonders erwähnenswerth erscheint H. die ausserordentliche Bewegliehkeit des
Arms, die er nur mit der eines Folichinells vergleichen möchte.
Pils (Stettin).
272 Oentralblatt fttr Chinirgie. No. 17.
Wilmart, Fracture du ool du f^mur et des deux trochanten.
(La Pregfle m^dicale beige 1875. No. 14.)
Ein 72 Jahre alter Hospitalit mit ausgebreiteter atheromatdser Entartutig der
Arterien erlitt dardi Fall einen Schenkelhalsbruch der rechten Seite, welcher bei
einfacher Bettlage ohne Verband nach 2V2 Monaten mit vollkommener Con«olidation
heilte. Es zeigte sich jedoch Verkürzung, Rotation und beschränkte Bewegung«-
ffthigkeit bei Beugung, Streckung und Abduction. Nach einem halben Jahre er-
folgte der Tod durch Marasmus. Bei der Section fand man den Trochanter minor
abgelöst in der Sehne des M. iliopsoas, welcher 2 Cm. höher als normal sich in-
serirte, den Trochanter major gleichfalls abgetrennt und nach oben hinten und
ina|9n verschoben, wo er mit dem Schenkelhals knöchern verwachsen war. Das
fracturirte Collum selbst war gut consolidirt, aber in seinem Querdurchmesser nahezu
um die Hälfte verringert. Aus der durch die veränderte Lage der Trochanteren
bedingten Verkürzung des Hebelarms für den Muskelzug erklärt W. die dauernde
Befwe^ehkeitsstöning trotz relativer Heilung des Bruches.
Anb Hitler (Berlin).
Oabot. Enchondrom des Fusses.
(Boston med. and surg. Journal 1875. p. 74.)
Ein 22jähr. Mädchen, vor 7 Jahren von einer Eisenplatte am Faste getroffen,
bemerkte dort bald nachher eine Anschwellung, die später zunahm, schmenhaft
wurde und die Function des Fusses beeinträchtigte; jetzt ist die unregelmässige
gelappte Geschwulst hart, unbeweglich, sehr schmerzhaft. Nach der Exstirpation
erwies sie sich als ein hartes Enchondrom, das vom peripheren Ende des 5. Meta-
tarsalknochens (Köpfchen?) ausgegangen, IVa^im grössten Durchmesser maas; die
äusseren, besonders festen Schichten bestanden aus osteoidem Gewebe mit einge-
streuten Heerden von Knorpelsubstanz, die centralen weicheren Theile zeigten für
das blosse Auge Knochenstructur. Pill (Stettin).
S. Zau&l, Besichtigung der Pharyngealmünduiig der Eustachi'-
sehen Röhre durch die normale Nase.
(Aerztl. Correspondenzblatt des Vereins deutscher Aerzte in Prag 1875. Mars No. 25.
Z. verwendet JO Cm. lange Triehter, deren Weite an dem äusseren Ende 1,5
' — t Cn., am inneren 3 — 1 Mm. beträgt. Die vorher erwärmten TVichter werden
mit leicht rotirenden Bewegungen durch den unteren Nasengang, indem man aieli
dicht an den Boden der Nasenhöhle, womöglich unter der coneaven KrOmiaimg
der unteren Muschel hält, bis zum Ostium pharyng. der Tuba voigeschoben. Dorcli
Anbringung eines Spiegels am inneren Ende gedenkt Verf. noch einen tiefisrea
Einblick in das Ostium der Tuba zu gewinnen, um namentlich das Verhältniss des
LevatorwuUtes zum mittleren Theile des Tubalumens studiren zu können.
Weil (Prag).
Jaooby. Ein FaU von Ileus bei einem Neugeborenen.
(Beri. klinische Wochenschrift 1875. No. 4.)
Bei einem neugeborenen Kinde fand, obwohl ein Katheter vom Anus her 14
'15 Cm. weit eingeführt werden konnte, keine Darmentleerung durch diesen statt
Unter den Symptomen des Darmverschluss^s starb es. Die Obduction ergab iu der
Ileocoecalgegend ein prall gefülltes Ende des Ileum. Dieses blinde Ende war ohne
Narbe. Rectum und Colon von Bleifederdicke. An letzteres schloss sich das kleine
Coecum und ein etwa 3 Cm. langes Stückchen Beum, das in der Gegend des
foram. Winslowii an die Wirbelsäule gedrückt blind endigte und dessen Gewebe
gleichfalls ohne Narbe war. Verf. nimmt als Erklärung Vorgänge während dee
späteren Fötallebens an, in dessen früheren Stadien der Darmtractus zusammen-^
hängend angelegt gewesen sei. v> M—eageil (Bonn).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrüeke wolle
jnan an Dr. H, TUUmmnt^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die VerUgshandlniig,
BnUkopf und HärtäL, einsenden.
Draek uad Verlag Ton Breitkopf aad Hirtel la Leipsig.
Centralblatt
Ar
CHIRURGIE
herausgegeben
TOA
Dr. L Leser, Dr.ft Scteie, Dr. E TUlüais
in Berlin. in Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Prä-
nnmeratton. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
!BBa=3S^B^BaBSSBSSS^:^SBBBII^ii^^^BrBBaBBaE
ist 18. SoniMbend, den 1. Mai. 1876.
Inhalt: v. Pitha, Diagnose und Behandlung der Neuralgieen. — Haab, Pathologisches
Langenwachathnm der Knochen. — Nepveu, Bacterien in subcutanen Flflssigkeitsansamm-
luDgen. — Fornet, Anaesthesie mit Chloral und Chloroform. — Aeby, Gelenk und Luft-
druck. — Wfftmann, Dlstraction bei Gelenkkrankheiten. — KullSCher, Blutstillende Mit-
tel. — Blrob*HlrtcMtld y Hereditiie Syphilis. — Bilz, Haemorrhsgische Syphilis. —
Kirkwoody Bericht. — Budin, Coyne, Verhalten der Pupille wihrend der Anaesthesie. —
Tbin, Lupns erythematosus. — BuSCh, Zwanzig Blasenscheidenflsteln. — Kiapp, Opera-
tionsmethode fQi gespaltene Ohrläppchen . — Valette, Pseudo-Elnklemmung. — Speece,
Calleaiar, FergttSaen M'GIII, Behandlung der Patellar-Fracturen.
BaiiazzI, Wirkung des Chinin. — Fieber, Electrische Behandlung der Hysterie. —
■inaich, Erysipel. — Huppert, Fremder Körper im Gehirn. — RobertiOa, Knapp, Sarcom
der Iris. — Bryant, Casuistik. — Corley, Atresia ani. ^ CremonesI, Cysto-Sarcom des
Uterus. — Reuse, Barwell, Hewett, Baker, Wepp, Landi, Aneurysmen.
y. Fitba. Zur Diagnose und Behandlung der Neuralgieen,
insbesondere über die subcutanen Morphin-Injectionen.
(Allgem. Wiener med. Zeitung 1875. No. 1 u. ff.)
Der Verf. macht auf das ausserordentlich häufige Vorkommen der
Neuralgieen aufmerksam, welches er der Zunahme der krankhaften Er*
regbarkeit des Nervensystems unserer ganzen Generation zuzuschrmben
geneigt ist. Man findet Neuralgieen in jedem Alter bei beiden Ge-
schlechtem, in aUen Ständen — namentlich bei Personen, die sich
durch excessive Sensibilität, durch erregbares Temperament als sog.
snenröse Menschena charakterisiren. Oft sind erbliche Dispositionen
nachweisbar. Als directe Gelegenheitsursachen zur Hervorrufung be-
stimmter localer Neuralgieen wirken grosse körperliche Strapazen, Er»
kältungen, Verleümngen aller Art (namentlich Schuss- und vergiftete
Wunden imd gewisse scheinbar ganz harmlose Contusionen) . Die
IS
274 Centralblatt für Chirurgie. . No. 18.
Beschreibung der bekannten charakteristischen Symptome des neural-
gischen Anfalls hat ein besonderes Interesse , da Verf. seit 2 Jah-
ren infolge einer Eitervergiftung bei einer Operation selbst an
den heftigsten Neuralgieen der verschiedensten Art leidet und deshalb
die von ihm geschilderten Zustände als Ergebnisse der Selbstbeobach-
tung eines Arztes anzusehen sind, bringt indessen nichts wesentlich
Neues.
Eine ausserordentliche Kolle spielt die Phantasie in der Deutung
des Schmerzes. Interessant sind P.'s Angaben in dieser Beziehung.
Er hatte z. B. bei einer Neuralgie der Blase das deutlichste Gefühl
eines Blasensteines; er fühlte das Anpressen der Stacheln gegen die
Blasenschleimhaut, empfand das Anschlagen des Steines gegen die
Symphyse, und war so überzeugt von dessen factischer Gegenwart,
dass er erst nach wiederholter genauer, von ihm selbst ausgeführter
Untersuchung der Blase mit der Steinsonde die Nichtanwesenheit
desselben demonstriren konnte. Von dem Momente war das charak-
teristische Gefühl verschwunden. Bei einer Neuralgie der Fersenhaut
hat der Verf. das deutliche Gefühl einer subporiostalen Auslösung
des Fersenbeines, er fühlt sämmtliche dabei in Verwendung kommen-
den Instrumente etc.
Der Verf. litt und leidet an den verschiedensten Formen der
Neuralgie, die offenbar centralen Ursprunges sind und bisher der
Therapie getrotzt haben. Er war daher auf Morphiuminjectionen an-
gewiesen und theilt auch über diese grossentheils eigene Erfahrungen
mit. Er hält die subcutane Anwendung des Morphiums für die ein-
zig rationelle. Sie wirkt unmittelbar, die Narkose ist verhältniss-
mässig gering im Vergleich zu der schmerzstillenden Wirkung und
ist, selbst durch lange Zeit hindurch fortgesetzt, in der Regel ohne
nachtheilige Folgen (?) . Der Verf. glaubt sich zu dem letzteren Aus-
spruch sowohl durch seine eigenen als durch die Erfahrungen v. Nuss-
baum's berechtigt. Er empfiehlt aber ausdrücklich mit den gering-
sten Dosen zu beginnen, nur je nach Bedürfniss zu steigen und die
Injectionen selbst kleiner Dosen nicht zu häufig und unmittelbar hin-
tereinander zu machen, weil sich die narkotische Wirkung des M.
summire. ^
Gewisse Individuen, wie es scheint namentlich Leute mit Herz-
fehlem, haben allerdings eine solche Idiosynkrasie gegen das Mor-
phium, dass die kleinsten Dosen (0,0012; genügen, um die schwersten
Intoxicationserscheinungen (Leichenblässe, kalter Schweiss, Aussetzen
des Pulses und der Bespiration, langdauemde Ueblichkeiten, Erbie-
chen u. s. w.) hervorzurufen. Es scheinen bei denselben Individuen
auch Chloroform und Chloralbydrat ähnliche foudroyante Wirkungen
hervorzurufen ; der Verf. mahnt daher namentlich bei der ersten An-
wendung des Morphiums zur grössten Vorsicht. Gegen Vergiftungs-
symptoroe räth P. energisches Zuführen frischer Luft, Waschungen
mit Essig, Bespritzen mit kaltem Wasser, Clysmata von starkem
schwarzen Kaffee, im Nothfall künstliche Bespiration. Wenn die be-
Centralblatt für Chirurgie.' No. 18. 275
droblichen Erscheinungen fortdauern, so empfiehlt ±. einen Versuck
mit Einathmung von Chloroform zu machen.
Gegen die unangenehmen Nebenwirkungen des Morphiums aut
Magen und Darmcanal empfiehlt Verf. Chin. muriat. in schwarzem
Kaffee. Sehr gut bewährte sich auch ein Zusatz von Y^oo gran
^rm. 0,0006) Atropin. sulfur. zur Injectionsflüssigkeit. Bei längerem
Gebrauche des M. verschwinden diese Zufalle von selbst, ebenso wie
die anfanglich zuweilen ohne alle Aufregung eintretende, langdauernde
aber nicht unangenehme Schlaflosigkeit; eine eigentlich psychische
üble Nachwirkung der Injectionen hat Verf. niemals beobachtet.
Verf. räth endlich, mit Soi^falt jedes Gefäss zu vermeiden, da auch
er die sehr schweren Folgen einer directen Injection in eine Vene
an sich constatirt hat. Ausserdem soll die Injection niemals an der
gerade neuralgisch afiicirten Stelle gemacht werden.
Zur Ausfuhrung der Injection empfiehlt P. bei besonders empfind-
licher Haut ein von Leiter construirtes Instrument zur schmerzlosen
Injection (der Einstich wird mittelst einer losschnellenden Feder ge-
macht], gegen das sich übrigens Stimmen anderer Chirurgen erhoben
haben. Schliesslich empfiehlt der Verf., die Injectionsspritze nicht
dem Laien in die Hand zu geben. Winiwarter (Wien.)
O. Haab. Experimentelle Untersuchungen über pathologi-
sches Längenwachsthum der Knochen.
(Centralblatt f. d. med. Wissenschaften 1875. No. 13.)
Verf. hat die bekannte klinische und pathologisch-anatomische
Erfahrung, dass bei krankhaft vermehrtem Längenwachsthum eines
Böhrenknochens auch der angrenzende gesunde Knochen oft etwas
«tärker wächst, experimentell bestätigt und z. B. gefunden, dass nach
Eintreiben von Stiften in die Tibia eines jungen Thieres nicht nur
dieser Knochen sich zu stark verlängert, sondern auch das Femur.
Bei den Längenunterschieden handelt es sich allerdings fast immer
nur um Zehntel von Millimetern. A. Bidder (Mannheim).
Nepveo. Presence de bacteries dans les coUections sous-
coutan^es.
(Oaz. m^d. 1875. No. 11. p. 126.)
N. untersuchte unter Beobachtung aller Cautelen eine Anzahl
pathologischer, subcutaner Flüssigkeitsansammlungen und fand in
einem Theil der Fälle zahlreiche Micrococcen, während dieselben in
anderen z. B. in einem nach Wirbelcaries entstandenen Congestions-
abscess vollständig fehlten. Die 6 mitgetheilten Fälle, bei denen die
mikroskopische Untersuchung Mikroorganismen verschiedener Formen
ergab, sind:
1) Cyste der linken Niere. Function mit einem feinen
18*
%^% C^ntralUatt für Chirurgie. No. IS.
Troikart und Entleerung einer FlÜBsigkeit, die neben rothen und
weissen Blutkörperchen zahlreiche Micrococcen und Mesobaisterien
enthält.
2j Eitrige Pleuritis seit 3 Monaten bestehend. 9 Functionen.
Der bei der letzten derselben untersuchte Eiter zeigt zahlreiche Micro-
coccen.
3) Hämatocele cystica mit sarcomatöser Entartung der Wan-
dung. Die entleerte Flüssigkeit, sowie das Gesammtblut des Patien-
ten enthält ebenfalls zahlreiche Micrococcen.
4) Vereiterter Bubo,
5) Vereiterte Cyste des Samenstranges bei einem 7-
monatlichen Kinde. Function und Incision des Tumors, der sich als
Cyste des Nebenhodens erweist, die mit dem Bruchsack einer gleich-
zeitig bestehenden Hernie verwachsen ist. Der eitrige Inhalt mit
Massen von Micro- und Mesococcen, sowie Mikrobacterien erfüllt.
6) Aneurysma der art. poplitea. Seit ca. ^/2 3Bhie bestehend»
wird dasselbe anfanglich mit starker Compression der art. cruralis in
der Inguinalgegend behandelt. Bald stellen sich heftige Schmerzen
im Aneurysma, sowie starkes Oedem des ganzen Beines ein. Allmä-
lige Verschlimmerung mit Temperatursteigerung bis 40,5". Amputa-
tion. Die unmittelbar nach der Operation angestellte Untersuchung
ergiebt sowohl im Gesammtblut, als im Inhalt des Aneurysma Micro-
coccen (in letzterem neben reichlichen weissen Blutkörperchen). Auch
die im Kniegelenk enthaltene sanguinolente Flüssigkeit zeigt Micro-
coccen, Mikrobacterien sowie zahlreiche Streptobacterien.
Wie das Auftreten der Mikroorganismen in diesen abgeschlossenen
Höhlenflüssigkeiten zu erklären sei, ob. durch Vorhandensein von
Keimen im normalen Blut, ob durch zufalliges imd auf verschiedeneu
Wegen stattfindendes Eindringen derselben, lässt N. dahingestellt.
Bemerkenswerth bleibt, dass in den Fällen, wo das Blut zugleich
untersucht wurde, dasselbe ebenfalls Micrococcen enthielt. In Fall
2 und 4 ist ein Eindringen letzterer von aussen wahrscheinlich.
0. Tolkmann (Halle).
Fornet Anesthesie chirurgicale en deux temps par le chloral
et le chloroforme.
(S^ance de la sociale de chirargie 1874. Nov. IS.)
F. empfiehlt, zu chirurg. Zwecken die Fat. erst in Chloralschlaf
zu bringen, dann erst sie zu chloroformiren. Er führt ein Paar Fälle
aus seiner Praxis an, und betont, dass die gewöhnliche Aufregung
beim Chloroformiren, das Widerstreben des Fat. etc., lauter Miss-
stände, welche dadurch Gefahr bringen, dass man genöthigt ist^
grössere Chloroformmengen auf einmal einatJxmen zu lassen, weg-
ÜB^en, wenn der Fat. zuvor in Chloral-Schlaf versetzt ist.
Dolbeau weist dagegen durch Anführung von Fällen aus seiner
Praxis nach, dass die Verabreichung von Chloralhydrat vor der Chloro-
formirung sehr gefährlich sei.
Centralblatt für Chirurgie. No. 18. 277
(Die GefiUirl]chk«it des YeifiGÜirens ist in Deutschland bereits er*
probt; in ein Paar Fällen gelang die Wiedererweckung des Fat. nur
mit grosser Mühe nach mehreren Stunden. Ref.)
Fr, Steiner (Wien).
Chr. Aeby. Gelenk und Luftdruck.
(Centralbl. f. d. med. Wissensohafien 1875. No. 15.)
Eine Reihe von Untersuchungen haben den Verf. davon über-
zeugty »dass der Luftdruck an und för sich nach Durchschneidung
sämmtlicher Weichtheile, einschliesslich der Kapsel, völlig ausreiche,
die Gelenkflächen in Contact und somit die dazu gehörigen Skelet-
abschnitte in Zusammenhang zu erbalten«. Das gilt für fast alle Ge-
Imke des Körpers. !• BMder (Mannheim) .
Wittmann. Distraction in Gelenkkrankheiten der Kinder.
(Vortrag, gehalten in der Budapester k. C^BelUchaft der Aente. — Fester med.
chir. Presse 1675. No. 11.)
W. , langjähriger Assistent im Fester Kinderspitale, beobach-
tete während eines Zeitraumes von 5 Jahren (1870 — 1874] 226 Coxal-
gieen, davon 127 Knaben und 99 Mädchen. Unter 1 Jahr = 3 (immer
acut und traumatisch]^ von 1 — 3 Jahr = 36, von 3 — 7 = 121, von
7—14 = 66. — Von Gonitis kamen 148 Fälle zur Beobachtung (68
Knaben, 80 Mädchen). Von Spondylitis 186 Fälle: 103 Knaben, 83
Mädchen ; unter 1 Jahr == 2, von 1 — 3 =o: 42, von 3 — 9 =s 97, von
7 — 14 = 45. — (Leider fehlt die Angabe der Mortalität und der er-
reichten functionellen Resultate. Ref.) — Redner plaidirt warm für
die von Volkmann empfohlene Distractionsmethode, in ablaufenden
Fällen von Coxitis auch für die Taylor 'sehe distrahirende Geh-
maschine. Besonders günstige Resultate wurden bei Spondylitis cer-
vicalis erzielt mittelst der Glisson'schen Schleuder (in einem Falle,
in welchem der Kopf fast auf der linken Schulter ruhte, schwand die
Paralyse des linken Armes schon nach 1 2 Stunden] . Bei Spondylitis
der Brust- und Lendenwirbelsäule wird ein von Schildbach (nach
Rauch fu SS in Petersburg] veröffentlichtes Verfahren mit »ausgezeich-
neter Wirkung« in Anwendung gezogen. Es schwebt dabei das kranke
Wirbelsäulensegment 2 — 3 Cm. über dem Lager auf einem quer über
das Bett gespannten Gurt. Bnppreeht (Halle).
EtOischer. lieber blutstillende Mittel bei ihrer örtlichen
Anwendung.
(Arch. der Heilkunde. XVI. Jahrg. Hft. 2. p. 130—143.)
Derselbe. lieber den Verschluss .von Schnittwunden nach
Einvdrkung blutstillender Mittel und nach Blutung. .
(Ibid. p. 144—165.)
Im ersten Artikel theilt Verf. Experimente mit^ wekhe er über
Wirkung blutstillender Mittel auf den frisch amputirten Unter-
278 Centralblatt far Chirurgie. No. 18.
schenke! des Frosches machte. Auch den coagulirenden Einfluss der
Mittel auf das Serum anderer Blutarten prüfte er und fand, dass eine
30^ Eisenchloridlösung am sichersten wirkt (stärkere Lösungen
machen die Blutcoagula zu hart), während essigsaures Blei unter
gleichen Bedingungen nur wenig, schwefelsaures Zink aber gar nicht
wirkt.
Im zweiten Aufsatze wird eine Reihe von Experimenten mitge-
theilt, in welchen die Festigkeit des durch Styptica bewirkten Ver-
schlusses einer Wunde geprüft wurde und zwar dadurch^ dass unter
einem gewissen Druck Oel in die linke Vorkammer des Frosches ge-
trieben wurde, wahrend gleichzeitig das Vordringen des Oels durch
die Wunde beobachtet wurde. Auch die Zeitminima bis zum spon-
tanen Aufhören der Blutung bei Amputation eines Unterschenkels
oder beider, die Wirkung der Compression, die Verhältnisse der
Nachblutung etc. wurden geprüft; in Bezug hierauf muss auf das
Original verwiesen werden.
Das Hauptresultat besteht in der Erfahrung, dass je höher die
spontane Verklebungsfahigkeit des Blutes ist, auch die Styptica um
so besser wirken. A« Bldder (Mannheim) .
Birch-Hirsclifeld. Beiträge zur patholog. Anatomie der here-
ditären Syphilis Neugeborener.
(Arch. der Heilkunde XVI. Jahrg. Hft. 2. p. 166—178.)
Verf. hat eine grosse Reihe Neugeborener und todtfauler Früchte^
darunter eine Anzahl syphilitischer untersucht und ist in der Lage»
die von Wegner bei letzteren gefundenen KnochenveriLnderungeii
zu bestätigen. Auch die von Heubner beschriebenen Wucherungen
der Nabelschnurgefässwände sah er oft, einige Male aber ohne die
charakteristische Knochenveränderung. Die Milz fand sich im Allge-
gemeinen etwas vergrössert; die Leber nicht. AmyloidveränderuDg
war nur 1 Mal zu constatiren. Dagegen fand sich ziemlich constant
eine Vergrösserung und durch interstitielle Bindegewebswucherung
bedingte fibröse Entartung des Pancreas. A. Bidder (Mannheim).
B&lz. Ueber hämorrhagische Syphilis.
(Arch. der Heilkunde XVI. Jahrg. Hft. 2. p. 179—187.)
Verf. beschreibt einen Fall, wo bei einem syphilitischen, sonst
kräftigen und wohlgenährten jungen Manne gleichzeitig mit rheuma-
tismusähnlichen Anschwelliyigen vieler Gelenke ein allgemeines Ex*
ai^them auftrat, welches sich mit bedeutenden subcutanen Hämorrha-
gieen verband. Die blutrothen Flecke, welche einmal in der ganzen
Ausdehnung der Stelle, wo ein Eisbeutel gelegen hatte, entstanden
waren, entfärbten sich immer im Laufe von 36 Stunden. Nur wenige
Centralblatt für Chirurgie. No. 18. 279
Tage geringes Fieber. Unter Jodbehandlung trat Heilung ein. Verf.
erwähnt kurz zweier ähnlicher zum Tode führender Fälle und ist ge-
neigt anzunehmen, dass vielleicht unter dem Einflüsse des syphiUti*
sehen Giftes eine hämorrhagische Diathese entstehe. Das Gefäss-
System sei bei Syphilis, wie die neuesten Untersuchungen lehren,
oft bedeutend erbankt. A« Bldder (Mannheim).
Eirkwood. Statistical report of the major Operations per-
formed by Professor Spence in the Edinburgh Koyal infir-
mary.
(Med. tim. and gaz. 1875. March 13. p. 275.J
Eine durch ein Nachwort von Spence autorisirte übersichtliche
Zusammenstellung der Operationen Ton October 1872 bis ebendahin
1874 mit Angabe der Veranlassung und des Schlussresultates ; den
tödtlich abgelaufenen Fällen sind kurze Krankengeschichten beigefugt.
Die accessorischen Wundkrankheiten sind nicht besonders berücksich-
tigt; es werden wahrscheinlich neben den beiden mitgetheilten tödt-
lichen Erysipelen leichtere Fälle dieser Erkrankung nicht gefehlt
haben. Spencers jetzige Wundbehandlung ist ungefähr folgende:
Nach der Operation wird die Wunde mit einer sehr schwachen Car-
bollösung ausgewaschen, mit Silbersuturen geschlossen und mit Wachs-
papier bedeckt. Darüber wird eine Schicht Oakum, welches aber die
Haut nicht berühren darf, mit einer Binde befestigt. Am Abend
wird die Wunde ausgespült, die Gerinnsel sorgfaltig entfernt ; zu die-
sem Zwecke werden einige Suturen gelöst. Fortan sorgfältige Drainage,
und 2 Mal täglicher Verband; jedesmal wird die Wunde mit schwa-
chen Carbol- oder Borsäure-Lösungen ausirrigirt. Einzelheiten, so-
wie die eine grosse Rolle spielende vorbereitende innere Behandlung
müssen im Original verglichen werden.
I. Amputationen. z*hl. HjUw- f.
ai ObeTBcbenkel traumatisch, primär 2 1 1 (an Pyämie, bei multiplen
schweren Yerletsungen)
» » secundAr 1 10
» wegen Kniegelenker-
krankung 8 6 2 (Tuberkulose)
» nach Resectio genu 2 2 0
» wegen Nekrose • 2 0 2 (1 Nachblutg., 1 Ersdiöpfg.)
» > Tumoren der Tibia 2 2 0
» » Stumpfosteomyelitis
nach amput. cruris 1 0 1 (Phthisiker, 5 Tage nach der
Operation an Diarrhöen ge-
storben)
b) Kniegelenk traumatisch» primär 1 1 0
c) Unterschenkel traumatisch, prim&r 1 10
Fusscaries 1 Ol (Stumpfosteomyel., cf. ojben)
Gangrän nach Typhus 1 10
dj Knöchel wegen chron. Erkrankungen 8 8 0
e) nach Chopart 1 Ol [Todesursache nicht ange-
* geben;
2S0 Centralblatt fflr Chinugie., No. 18.
foU. floUna- t-
gen.
f) Sohultergelenk, traumatUchi prim&r 1 Ol (Starker Blutverlust, f an
Entkrftftung}
g) Oberarm, Nekrose an Unterarm
Tumor an der Hand
h) Unteranui traumatisch, primär
Zellgew^bsvereiterung
Geschwulst
1 0
0 1 (Primäre Nachblutung, Er-
Schöpfung)
0 1 (Pneumonie, li Tage nach
Verletzung)
0 1 (Pneumonie, 4 Wochen nach
Operation)
upe]
1 (^y
0 1 (Erysipelaa phlegmonosum)
IL Resectionen des Hüftgelenks 3 3 0
» » Kniegelenks 5 4 1 (Pneumonie, 1 Monat nach
» Fussffelenks 1 10
» SchuTtergelks. 5 5 0
» Ellenbogengel. 9 9 0
Resection wegen Caries)
23 22 1
1 Eniegelenkresection und 1 Ellenbogengelenkresection wurden wegen Anky-
lose, alle anderen wegen chron. Entzündungen gemacht.
Hieran schliessen eich 12 Mammaamputationen^ eine Hemiotomie,
2 Steinschnitte j 14 Necrotomieen^ eine secundäre Trepanation ohne
Todesfall; auf 14 Geschwulstexstirpationen entfallen 4 Todesfalle:
1 durch Erysipel^ 1 durch Oedema glottidis^ 1 an Pyämie nach Zun-
genamputation^ 1 vor der Reaction nach Entfernung der ganzen Zunge.
IKe 7 Tracheotomieen mit 3 Heilungen und 4 Todesfallen cfr. im
Original.
Zum Beweise^ dass eine einfache Operationsmortalitätsstatistik
ohne weitere Angaben unbrauchbar sei, fugt Spence die Amputa-
tionen und Operationen »for diseasea in den Jahren 18*60 — 62 bei.
Die Wundbehandlung war damals eine offene. Er verlor von 63
Amputationen (incl. 25 Oberschenkelamputationen) nur 3, von 23
Kesectionen nur 2, 7 Steinschnitte gaben keinen, 12 Bruchschnitte
nur 2 Todesfälle. Bänke (Halle).
Badin et Coyne. Des ph^nomenes pupillaires dans Tasphyxie;
diff^rence de ces ph^nomenes dans l'anesth^sie chloroformi-
que et dans Tanesth^sie asphyxique.
(Gaz. m6d. 1875. No. 8. p. 90.)
Gegenüber Schi frs Behauptung (lapupUla oome esthesiometra. Im-
parziale 1874), dass die Pupille sich während der Chloroformanaesthesie
nicht verengere, sondern dilatire, wie dies auch andere Forscher, z. B.
Jüngken, bereits früher constatirt hätten, halten B. und C. ihre
Ansidit von dem Zustand der Pupille während der Chloroformnarkose
aufrecht (cf . , Centralbl. f. Chir. 1874, No. 33, p. 526). Man muss
die asphyctische Anästhesie und die reine Chlorofoimanästhesie aus-
einanderhalten. Je nachdem man durch rasche und directe, ohne
Zutritt von atmosphärischer Luft stattfindende Anwendung des Narko-
Centralblatt fttr Chirurgie. No. 18. 281
ticims die erste, oder durch langsames und yarsichtlges Chloroformi-
ren die zweite erhält^ ist auch der Contractionsgrad der Pupille ein
verschiedener. Schiff experimentirte in der Weise, dass er einem
Hund erst ein Quantum Chloral in eine Vene injicirte und ihn
sodann chlorofoimirte« Hierbei trat zuerst Verengerung und so-
dann BtariLe Erweiterung der Pupillen ein. Er glaubte hieraus den
Schluss ziehen zu müssen, deuss das Chloral anders wirke als das
Chloroform und dass bei Anwendung des letzteren stets eine Dilata-
tion der Pupille einträte. Nach B.'s und C.'s Ansicht dag^en er-
reichte Schiff bei seinem Experiment erst die einfache, später nach
Hinzufiigung des Chloroforms die mit Asphyxie gemischte Anästhesie.
Sie bewiesen dies durch folgende Experimente, t) Einem Hund wur-
den 2 grm. Chloral in die Venen injicirt. Nach Ablauf der hier-
nach eintretenden Anästhesie (ca. 10 — 15 Minuten] wurde unter
Zulassung von Luft Chloroform angewendet und hierdurch das
Versuchsthier 1 Stunde lang in reiner Ajiästhesie erhalten. Die Pupille
blieb dauernd contrahirt. 2) Ein Hund wurde tracheotomirt und in
die Trachea eine durch einen Hahn verschliessbare Kanüle eingefährt.
Nach Herbeiführung der reinen Anästhesie durch intravenöse Injec-
tion von Chloral wurde der Haha geschlossen. Mit Zunahme der
Asphyxie begannen sich jetzt die Pupillen bedeutend zu erweitem.
Wurde der Hahn geöflhet^ so trat sofort wieder Contraction dersel-
ben ein«
Die Asphyxie signalisirt sich sonach immer durch eine Dilatation
der Pupille. Aus dem anfänglichen mittleren Contractionszustand tritt
letztere bei Beginn der convulsivischen Bewegungen in den Zustand
der Dilatation. Die Asphyxie ist nur zufällig und lässt sich bei lang-
samer und allmäliger Anwendung des Chloroforms vermeiden. Einige
Narkotica dagegen, wie das Stickstoffprotoxyd und das Amylnitrit
scheinen nur durch Herbeiführung der Asphyxie zu wirken.
0. Yolkmann (Halle).
The Pathologie of lupus erythematosus.
{Royal med. and chir. society 1875. Jan. 12. Med. tim. and gas. 1 875. Jan. 30. p. 131 .)
Th. hatte Gelegenheit^ die Haut eines in Wien 1873 verstorbenen
Kranken zu untersuchen; er wählte die innere Oberfläche der zweiten
Zehe, wo die Affection erst einige Wochen vor dem Tode aufgetreten
war. Sehweissdrüsen ) Bindegewebe, Rete Malpighi normal, enorme
Dilatation der Capillaren zumal in den Papillen und um die Drüsen.
Th. sieht in diesem Befunde ein früheres Stadium der von Neumann,
Giddings und Kaposi beschriebenen Yeränderungen.
Sänke (Halle).
W. BoBCdi. Zwanzig Blasenscheidenfisteln.
Inaug.-DtM. Jena. A* Nemenhahn. 1874.
B. theik die Krankengeschichten sämmtlicher seit dem Jahre
i%b1 in der gynäoologischen Klinik au Jena beobachteten Blasen-
282 Centralblatt für Cbirurgie. No. 18.
scheidenfisteln mit. Von 20 Fat. -wurden 19 operirt und 17 geheilt. In
6 Fällen gelang der Verschluss der Fistel durch eine Operation^ in
den übrigen musste mehrmals^ bis 15 Mal^ operirt werden. Bei der
Ausführung der Operation befolgte Prof. Schnitze die in Deutsch-
land jetzt allgemein acceptirten R^eln. 1 1 Mal konnte durch ein-
fache Anfnschung der Fistelränder der Verschluss bewerkstelligt wer-
den^ 5 Mal musste die vordere Muttermundlippe hierzu mit benutzt
werden und 2 Fälle erforderten die quere Obliteration der Vagina.
Als Nähmaterial gebrauchte Schnitze ausschliesslich feine Seide,
nachdem er sich in 2 Fällen von den Nachtheilen der Drahtsuturen
überzeugt hatte. Cauterisationen mit Lapis, fe'rr. candens oder dem
Galvanokauter erwiesen sich, selbst bei den kleinsten Fisteln, absolut
erfolglos. Was die Aetiologie betrifft, war eine Fistel durch ein
Pessarium, alle übrigen durch schwere Entbindungen, meist bei ver-
engtem Becken, veranlasst. 12 Pat. waren Primiparae.
SoliUel (Berlin).
H. Knapp. Eine Operationsmethode für gespaltene Ohr-
läppchen.
(Arch. für Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. III. Abtheil. 2.)
Die Modification ist der bekannten Mirault-Langenbeck'-
sehen Operation der Hasenscharte entlehnt. Das Verfahren bietet den
Vortheil, durch die Anheilimg des kleinen Hautläppchens von dem
einen Hautzipfel an den anderen den abgerundeten Rand des Ohr-
läppchens wieder herzustellen, während sonst eine kleine Einkerbung
zurückbleibt. Tillmanns (Leipiig).
Valette. Des accidents lies ä la migration imparfaite du
testicule.
(Oaz. des h6pitaux 1875. No. 13 u. 14.)
Ein 21 jähr. Arbeiter kam mit allen Erscheinungen einer acuten
Darmverschliessung in das Hötel-Dieu. In der Inguinalgegend, zum
Theil noch im Leistencanal verboigen, lag der rechte Hoden ; derselbe
war weder veigrössert, noch auf Druck empfindlich und liess sich
ohne Schwierigkeit aus dem Leistencanal herausdrängen. Pat. gab
an, dass der Hoden Tags vorher bei einer leichten Anstrengung plötz-
lich aus dem Scrotum in die Höhe gestiegen sei und dass in diesem
Moment seine Leiden begonnen hätten. Die Einklemmungserscheinun-
gen steigerten sich so lange, bis zum ersten Male in der Nacht vom
3. zum 4. Tage reichliche Stuhlentleerungen erfolgten. Der Hoden
liess sich jetzt mit leichter Mühe an seinen alten Platz im Scrotum
reponiren, aber bei dem Versuche, ihn hier dauernd zu fixiren, traten
sofort die alten Schmerzen auf und verschwanden erst wieder, als der
Hoden freigelassen wurde. Nachträglich erfuhr V., dass der Hoden
für gewöhnlich im Scrotum^ allerd^gs stets höher wie der linke.
Centridblatt fftr Chirurgie. No. 18. 283
liänfig aber auch weiter oben, nach dem Leistencanale zu^ lag. Auch
hatte Fat. schon mehrmals ahnliche Zufalle^ wie V. beobachtete^
durchgemacht und zwar jedesmal nachdem der Hoden bei einer An-
strengung in den Canal. inguinal, hinaufgestiegen war.
Nach V. handelte es sich offenbar um einen Fall von Pseudo-
Einklemmung. Die Erklärung dieser eigenthümlichen Affection geben
die Experimente Cl. Bernard's^ Brown Sequard's u. A.^ wonach
die Bew^ung der Därme reflectorisch angeregt wird durch Beize,
welche das Peritoneum, die Hauchdecken oder der Bauchhöhle be-
nachbarte Organe treffen. Die sensiblen Nerven dieser Theile über-
tragen ihre Erregung auf das Centrum, aus welchem die motorischen
Darmnerven entspringen. Die Darmmuskulatur wird auf diesem Wege
entweder in krampfhafte Contraction versetzt, oder sie wird paralysirt.
Im vorliegenden Falle handelte es sich um eine vollständige Reflex-
paralyse. — Besonders zu erwähnen ist noch, dass der Hoden durch-
aus normal war, dass also die beobachteten Symptome nicht etwa auf
eine zum Peritoneum fortgepflanzte Entzündung bezogen werden konn-
ten, wie man dies in ähnlichen Fällen früher anzunehmen pflegte.
Da Bandagen zur Retention im Scrotum nicht ertragen wurden,
die bedrohlichen Zufälle sich jeden Augenblick wiederholen konnten
und Pat. fortwährend ein lästiges Gefühl von Druck und Schwere in
der betr. Seite verspürte, entschloss sich V., zur Radicalheilung die
Castration auszuführen. Er bediente sich hierzu seiner )»Pince causti-
que«, diurch welche alle aus einer Communication des Processus vaginalis
mit der Peritonealhöhle entspringenden Gefahren vermieden werden.
Die Structur des Hodens war normal; im vas deferens fanden
sich wenige, bewegungslose Spermatozoen. Sehftdel (Berlin).
J. Spence. On a modification of the method of using Mal-
gaigne's screw-hooks in transversa fracture of the patella.
W. Callender. On the treatment of fracture of the patella.
A. Fergusson ITGill. The treatment of fractures of the
patella and olecranon by the expectant method.
(The Practitioner 1875. March.)
Statt die Malgaigne 'sehe Klammer bei Patella-Fracturen direct
in der Haut zu fixiren^ legt Spence auf die vordere Fläche des
Ober- und Unterschenkels je ein breites Stück Heftpflaster; die eine
Seite nach der Patella zu ist leicht concav ausgeschnitten. Auf die
breiten Heftpflasterstücke kommen mehrere schmale Lagen desselben
Pflasters und in diese fixirt S. die Malgaigne'sche Klammer. —
Callender behandelt die Patella-Fracturen folgendermassen : die
Extremität wird in eine Schiene gelagert^ an deren Fussbrett sich 2
horizontale eiserne Stäbe mit Rollen für die Extension befinden. Auf
die vordere Fläche des Ober- und Unterschenkels wird je ein genü-
284 Centralblatt fOr Ghimrgie. No. 18.
gend grosses Stück Hefil^flaster gelegt^ wie im Torigen Falle. Unter
dem Heftpflaster liegt etwas Lint etc.^ um die Haut zu schätzen.
Heftpflaster imd Schiene werden durch Bindentouren, welche das
Knie freilassen, befestigt. In die oberen seitlichen Ecken des unteren
Heftpflasterstücks wird je eine Schnur befestigt, welche durch die
unteren Ecken des Oberschenkelpflasters gezogen werden, dann nach
unten über die betreffende Rolle laufen und an einem gemeinschaft-
lichen Gewicht endigen. Durch die Extension werden die beiden Heft-
pflasterstücke sammt den Bruchstücken der Patella möglichst genähert.
Statt der erwähnten Ne vi lle'schen Schiene genügt auch jede andere
Holzschiene, durch deren Fussbrett rechts und links 2 Lödier gebohrt
sind, um die Extensionsschnur auf jeder Seite durchzulassen. —
F. M'Gill verwirft die Anwendung der M a lg a ig n ersehen Klam-
mer, wenn sie direct in der Haut des Fat. befestigt wird. Im King 's
College Hospital wurde Erysipel mit tödtlichem Ausgang nach ihrer
Anwendung gesehen. Die Methode Wood's, mit Achtertouren die
Patellafragmente zu fixiren, hält Verf. für ungenügend. Besser scheint
die Methode Samborn's, welcher ober- und unterhalb der gebro-
chenen Patella ein kleines Polster anbringt, dann einen breiten Heft-
pflasterstreifen auf die Vorderfläche des Ober- und Unterschen-
kels, von der Hüfte bis zu den Knöcheln, legt, lieber der Patella
bildet dieser lange Heftpflasterstreifen eine Schlinge, welche man
durch Dotationen vermittelst eines Stückes Holz oder Aehnlichem an-
ziehen soll. Durch diese Manipulation nähert der angezogene lange
Heftpflasterstreifen die beiden Polster und fixirt so ausgezeichnet die
Brudistücke der Patella. Für das einfachste und relativ das beste
Verfahren erklärt M'Gill die Methode von Teale, der die Extremi-
tät einfach in eine Holzlade legt und Kälte applicirt. Der Pat. muss
6 — 8 Wochen im Bett liegen. Die anfangs bestehende tonische Con-
traction des Quadriceps verschwindet nach einigen Tagen, der Zug
an der fracturirten Patella hört auf, dagegen nähert die Narben-
contraction die durch Bindegewebe verbundenen beiden Bruch-
stücke der Patella von selbst und zwar in der erwähnten Zeit so voll-
ständig, dass man keinen Zwischenraum zwischen den beiden Frag-
menten mehr wahrnehmen kann und das Kniegelenk in functioneUer
Beziehung nichts zu wünschen übrig lässt. — Auch bei Fracturen des
Olecranon findet durch die Narbenschrumpfung eine ähnliche An-
näherung der Fragmente statt. M'Gill legt das Ellenbogengelenk in
eine rechtwinklige Schiene und sah auch hier, dass die Narben-
schrumpfung die beiden Fragmente so näherte, dass kein Zwischen-
raum zu entdecken war. Tillniaiins (Leipsig).
Kleinere Mittheiiungen.
A. Benasai. Degli effetti del chinino sulla contrattüita delP utero.
(Oan. delle clinicbe Torino 1875. No. 2.)
Eine Fran, schwanger im 5. Monat, welche schon 3 Mal aborttrte, etwas
henmtergekommen, erhüt wegen eines Wechselfiabers innerhalb 12 Tagen 7 gnn.
Centnlblatt fttr Ckiniigie. No. 18. 285
Chmin, ohne dass Abortus erfolgte. B. glaubt danim nicht, daet dem C^xinin eine
besondere Wirkung auf Contraction der Uterusfasem zukomme.
Memel (Triest).
Fieber. Beiträge zur electrischen Behandlung der Hysterie.
(Pester med. chir. Presse 1875. No. 1 u. 2.)
Nicht nur bei psychisch-hysterischen Symptomen (Galvanisation des Sympathi-
cus}, sowie bei hysterischen Motilitftts- und Sensibilitätsstörungen ist die Behand-
lung mittelst des electrischen Stromes unter gewissen Umständen Überraschend
dankbar, sondern ebenso auch gegen palpable Affectionen der Genitalien Hysteri-
scher erweist sieh, wie Verf. versichert, die loosl applicirte Electricität oft nütz-
lich. So gegen Lagever&nderungen, Exsudate, Geschwüre, Blennorrhoe, Ovarial-
cysten (Electrolyse). N&heres s. im Original und in den daselbst citirten electro-
therapeutischen Werken des Verf. 's. Rnpprecht (Halle).
Mlxmioli. Erysipelas migrans von besonderer Intensität.
(Wiener med. Presse 1875. No. 5.)
Ein 30jähr. Tischler kam mit indolenten Bubonen beider Inguinalgegenden in's
Spital. Zur Zeit bestanden viele Erysipele. Innerlich Jodkali, äusserlich Jodtinc-
tur und Compression. 11 Tage später heftiger Schüttelfrost. Am 12. Tage ein
Erysipel an der rechten Wange (am 9. Tage war Schmerz in den Zähnen des rech-
ten Oberkiefers dagewesen), das nach 5 Tagen den ganzen Kopf einnahm. All-
m&lig wurden die oberen Extremitäten, der ganze Rücken, die Brust, den Bauch
ausgenommen, davon ergriffen. Nach einer Pause im Weiterschreiten ging das
Erysipel von den Bubonenstellen auf die unteren Extremitäten Über. Hierbei be-
ständiges Fieber bis iO^C. Abends, Morgens um V2^ bis 1® remittirend. Sen-
sorium getrübt. Stimme heiser, im Harn durch 10 Tage Albumen. Die Bubonen
waren während des Verlaufs des Erysipels ganz verschwunden.
Fr. Steiaer (Wien).
H. Huppert. Fremder Körper im Gehirn.
^Arch. der Heilkunde 1875. XVI. Jahrg. Hft. 2.)
Bei der Section eines 42jähr. , seit einem Jahre geisteskranken, früher aber
stets gesunden Mannes fand sich im Grosshim unter dem rechten Hinter- und
Unterhom ein 73 Mm. langer vierkantiger Schieferstift, ohne dass die umgebende
Himsubstanz irgend welche Veränderung zeigte; auch an den weichen und harten
Bedeckungen der Schädelhöhle war nichts von einer Narbe zu entdecken. Es fand
sich nur eine dünne senkrecht stehende Knochenplatte von der inneren Fläche des
Sch&dels ausgehend am unteren Ende des rechten margo lambd.
Verf. nimmt an, dass der Stift schon in früher Jugend in das Gehirn einge-
drungen und ganz symptomlos in demselben liegen geblieben sei.
A. Bidder (Mannheim).
A. Robertson und H. Knapp. Sarcom der Iris.
(Arch. für Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. 3. Abtheil. 2.)
Die ovale bräunliche Geschwulst von l^/" im Längs- und 1"' im Breitenduroh-
messer sass am oberen äusseren Theil der Iris, nahe an ihrem Giliarrande. Unten
am Giliarrande befand sich »eine Kette von 3 ähnlichen, jedoch kleineren Ge-
schwülsten«. Deutlich glaucomatöse Erscheinungen. Sehkiuft erloschen. Enuclea-
Uon des Bulbus durch R. ; dauernde Heilung, die noch nach Verlauf von 2 Jahren
constatirt werden konnte. — Die von K. vorgenommene anatomische Untersuchung
des gut gehärteten Auges ergab diffuse und geformte Glaskörpertrübungen, glauco-
matöse Excavation der Eintrittsstelle des Sehnerven ; die Vorderfläche der Iris matt,
graublau, mit einer Anzahl kleiner, rundlicher Erhabenheiten besetzt, in der
Nähe des Ciliarrandes die oben erwähnten grösseren Geschwülste, welche sich
sämmtlich als melanotische Sarcome erwiesen und wie die vordere Irisschicht zu-
sammengesetzt waren. Alle übrigen Augenhäute normal. Von besonderem Inte-
resse ist die Entwicklung der Neubildung aus der vorderen Irisschicht und die
286 Centralblatt far Chirurgie. No. 18.
grosse Ansahl kleinerer Geschwülste. In der Literatur hat K. nur 1 Fall Ton
melanotischem Sarcom der Iris gefunden ^v. Gräfe, Arch. fQr Ophthal m. Bd. 14,
Hft. 3, p. 1S2 u. 8. w.)-. Tillmanns (Leipzig).
Th. Bryant. Report on operative surgery.
(The Guy*8 Hospital's Reports 1873--1874.
Der Bericht umfasst eine Anzahl Ton Tumoren der Gesichtsknochen — 1 Elfen-
beinexostose der rechten Stirnhöhlei 5 Oberkiefer- und 2 Unterkiefergeschwülste — ,
sämmtlich von Interesse.
Fall 1. Exostose des Sinus frontalis; Ezstirpation, Heilung.
24jähr. Mann hatte eine ca. hühnereigrosse, knochenharte Geschwulst, welche
sich Ton der Nasenwurzel 2 Zoll nach aufwärts erstreckte und einen Ausläufer nach
der rechten Orbita ausschickte. Rechter Bulbus nach vorn, unten und aussen ge-
drängt. Ein horizontaler Schnitt oberhalb der Augenbraue legte den Tumor blos,
der sich als eine Elfenbeinezostose des Sinus front, herausstellte. Die Geschwulst
wurde mit Meissel und Hebel stückweise entfernt. Heilung. Gelungene Abbildun-
gen illustriren den Fall.
Fall 2. Zahncyste des rechten Oberkiefers. Extraction des Zah-
nes. Heilung.
12jähr. Mädchen. Alle Zähne gut ausgebildet. Nur der rechte obere Eckzahn
fehlte. Mittlerer und rechtseitiger Schneidezahn nach rechts verschoben. In der
Lücke zwischen letzterem und 1 . Backzahn eine fluctuirende Geschwulst mit durch-
scheinendem Inhalt. Incision am Zahnfleisch eröffnet eine Cyste, in welcher ein
wohl ausgebildeter Eckzahn sitzt. Nach der Extraction des Zahnes schloss sich
die Cyste.
Fall 3. Fibrom des Oberkiefers. Excision, Heilung.
62jähr. Frau. Der ganze vordere und äussere Abschnitt des linken Oberkiefers
wurde von einem sehr harten Tumor eingenommen. Bulbus vorgetrieben. Nasen-
höhle und Palat. durum unbetheiligt. Diagnose auf gutartige Geschwulst gestellt.
Nach Abtrennung der Weichtheile (Schnitt durch die Mitte der Oberlippe, in der
Nasolabialfalte nach dem innerem Augenwinkel, von da am unteren Orbitalrande nach
aussen, Fergusson) und Durchsägen der Froc. nasal, und zygomat sowie des
Alveolarfortsatzes Hess sich die Geschwulst leicht en masse herausheben. Heilung
nach 16 Tagen. Der Tumor, ein Fibrom, ging von der Vorderwand der Highmors-
höhle aus.
Fall 4. Fibrosarcom des Oberkiefers. Part. Resect. Heilung.
37jähr. Frau. Fat. hatte bereits in ihrem 13. Jahre ein erbsengrosses Knöt-
chen am Zahnfleisch des rechten Oberkiefers bemerkt. Dasselbe wurde entfernt,
erschien aber wieder. Im 23. Jahre Hess sie es abermals exstirpiren und hat seit-
dem noch mehrfache derartige Operationen durchgemacht. Bei der Aufnahme war
der ganze rechte Alveolar- und Gaumenfortsatz von einer höckerigen Geschwulst
eingenommen, welche sich V2 Zoll über die Mittellinie nach links erstreckte. Tiefe
Einbuchtungen entsprachen dem Sitz der Zähne. Den Knochen schien der Tumor
nicht durchsetzt zu haben.
B. spaltete die Oberlippe, schlug Wange und Nasenspitze nach oben und
durchsägte den harten Gaumen in der Mittellinie. Nun wurde von der Nase aus
der Knochen horizontal durchtrennt und die Geschwulst herausgedreht.
Fall 5. Riesenzellensarcom des Oberkiefers einen Zahn ein-
schliessend. Dreimalige Operation, Heilung.
8jähr. Mädchen. Geschwulst nahm hauptsächlich den inneren Abschnitt des
rechten Oberkiefers ein, hatte die Nase nach links, den harten Gaumen nach ab-
wärt9 gedrängt. Der rechte obere Eckzahn fehlte. An seiner Stelle sass der seit^
liehe Schneidezahn. Schnitt durch die Weichtheile wie bei Fall 3. Der nach
Durchsägung der Knochenverbindungen exstirpirte Tumor enthielt neben anderen
Verknöcherungen ein grösseres Knochenstück, in welchem der vermisste Eckzahn
eingebettet lag.
Centralblatt far Chirurgie. No. 18. 287
2 Recidive erforderten wiederholte Operationen. Bei der Letsten musste der
harte Gaumen mit entfernt werden. Ein 3. KecidiT wird nicht erwähnt.
Fall 6. Medullarsarcom des linken Oberkiefers. Totale Kesec-
tion. Heilung. Recidiv nach 4 Monaten.
Fall 7. Fibrom des Unterkiefers. (Abbildung.)
25jähr. Mann. Hechte H&lfte des Unterkieferkörpers war von einem harten,
höckerigen Tumor eingenommen, der die Submaxillar- und Sublingualgruben voll-
kommen ausfüllte und auch in der Mundhöhle deutlich zu fühlen war. Backen-
zähne sämmtlich eingebettet. Geschwulst bestand seit 4 Jahren, wird auf ein Trauma
zurückgeführt. Resection des Unterkiefers von der Mittellinie bis zum Winkel.
Heilung.
Fall 8. Periostales Spindelzellensarcom des rechten Unterkie-
ferastes.
20jähr. Mädchen. Geschwulst bestand seit 3 Monaten und hatte bei der Auf-
nahme beinahe den ganzen rechten Ast des Unterkiefers eingenommen. In den
Mund ragte sie als schwammige Masse hinein. Die Zähne bis auf einen waren
ausgefallen.
Ezarticulaüon des Unterkiefers, Heilung. Recidiv im rechten Oberkiefer 9
Monate später. Logftea (Heidelberg).
A. Corley. Suigical reports and observations.
(The Dublin Journal of med. science 1874. November.)
Imperforate Rectum.
Attsgetragener, im Uebrigen gut ausgebildeter Knabe. Rectum verschlossen;
ganze Analportion fehlt. An der unteren Seite des Penis in der Mitte zwischen
Praeputium und Scrotum eine kleine Oeffnung, aus welcher sich bei starkem Drän-
gen des Kindes einige Tropfen Meconium entleeren. Der enge Canal communicirt
auch mit der Harnröhre — denn nach Einführung einer Sonde in die Blase ent-
leert sich sowohl aus dem Ostium cut. urethrae als aus der Fistel Urin — scheint
indessen gegen dieselbe klappenanig verschlossen zu sein, da kein Meconium aus
der Harnröhre fliesst. Während die Sonde in der Blase liegen blieb, wurde eine
zweite, feinere, in den Fistelcanal eingeführt und nun die Analpartie gegen den
Blindsack des Rectums hin eingeschnitten. In einiger Tiefe fühlte man den Knopf
der zweiten Sonde und incidirte. Es floss viel Meconium ab und eine dritte Sonde
gelangte im Rectum hoch nach aufwärts. Nach 3 Tagen wurde die Oeffnung etwas
vergrössert, so dass Katbeter No. 10 bequem passiren konnte. Da« Kind befand
sich nach der Operation sehr wohl und ist es noch jetzt, ^4 J<^br nach derselben.
Der künstliche After erfordert von Zeit zu Zeit ein Einkerben der Ränder und das
constante Einführen einer dicken Bougie. Die Kothfistel hat Verf. noch nicht in
Angriff genommen, da sie unter Umständen wieder als Wegweiser dienen könnte.
Lossen (Heidelberg).
G. Cremonesi. Sarcoma cistico interstiziale dell' utero simulante una
cisti ovarica.
(Archivio di medic. chir. ed igiene Roma 1874. Nov. e De.)
Ein 52jähr. Weib leidet seit ungefähr 3 Jahren an einer Unterleibsgescbwulst
in letzterer Zeit mit häufigen Metrorrhagieen. Die Geschwulst erstreckte sich bis
über den Nabel. Umbilicalperipherie 98 Cm. Bei der Auscultation vernimmt man
zeitweise ein leichtes Blasen. Die Geschwulst ist elastisch, fluctuirend. Die Uterin-
sonde dringt nur 2—3 Cm. tief ein. Diagnose: Ovarlalcyste. Durch eine Function
wurden 2 Litres einer dünnen gelblichen, sehr eiweissreichen Flüssigkeit entleert
(ob die Flüssigkeit gerann oder nicht, ist nicht angegeben, Ref.). Die Frau starb
5 Tage darauf unter Erscheinungen von Brechen, Durchfall und Blutflüssen. Bei
der Section fand man die Uterushöhle sehr erweitert (verlängert) und in der vor-
deren oberen Wand des Uterus eine enorme Cyste, welche eine Flüssigkeit ent-
288 Centralblatt für Chirurgie. No. 18.
hidt, wie sie bei der Function entleert wurde. Die Innenwand der Cyste seigte
polypöse Wucherungen. — Erscheinungen von Peritonitis von der Einstichsstelle
ausgehend. Meuel (Triest).
Bouse. Gase of popliteal aneurism.
(Clinical society 1874. Dec. 11. — Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 9. p. 47.)
Die pulsirende Geschwulst bestand bei einem 42jähr. Manne seit 2 Jahren und
füllte zur Zeit die ganze Kniekehle aus. Ligatur der Femoralis (wo?). Einen
Monat später Gangrän des Fusses, nachdem schon vorher die Haut über der Ge-
schwulst ulcerirt war. Amputation. Heilung. — Im Anschluss hieran theilen andere
Fälle von Aneurysma mit:
1) Barwell: Fall von durch Berstung des Sackes diffus gewordenem Aneu-
rysma, der unter der Diagnose eines bösartigen Tumors zur Amputation führte.
2) Hewett : Zwei verkannte Aneurysmen ; ein Aortenaneurysma wurde für einen
Psoasabscess gehalten, und ein nach Ligatur der IHaca externa von neuem wachsen-
des Femoralaneurysma imponirte für einen Tumor.
3) Baker: Ein nicht; pulsirendes Glutaealaneurysma wurde als vermeintlicher
Abscess incidirt; Unterbindung der Iliaca communis, in zwei Tagen vom Tode gefolgt.
Die Section ergab Caries der Synchondrosis sacro-iliaca und Ulceration eines Astes
der Glutaea. Ranke (Halle).
H. Wepp. Gase of aueurism of the aorta.
:The American Journal of med. science 1874. Oct.)
Die mit 3 Holzschnitten versehene Krankengeschichte ist in sofern von Inter-
esse, als das Aneurysma 11 Jahre bestand, ohne der Patientin (bei dem Beginn der
Erscheinungen 32 J. alt) erhebliche Beschwerden zu verursachen. Die Geschwulst
hatte allmälig das Sternum usurirt und erschien an der vorderen Brustwand dicht
unter der Haut. Hier trat schliesslich eine Berstung des Sackes ein, welche am
16. Tage den Tod zur Folge hatte.
Bei der Section fand sich, dass das Aneurysma IV2 Zoll oberhalb des Ursprung»
der Aorta begann und den ganzen Aortenbogen einnahm.
Eine beigefügte Tabelle enthält noch 17 Fälle von Aneurysma der Aorta thora-
cica, welche nach aussen durchgebrochen und geborsten waren. Der Tod erfolgte
in den meisten nicht unmittelbar. LosBen (Leidelberg).
P. Landi. Duplice legatura della femorale per aneurysma traumatico
della tibiale anter.
(II Raccoglitore med. 1875. No. 3.)
Ein 15jähr. Knabe wurde von einem Mitschüler mit einem Federmesser in der
oberen Hälfte des Unterschenkels verletzt. Die Stichwunde heilte per primam,
doch bildete sich sehr bald ein grosses Aneurysma der art tibialis antica. Unge-
fähr 3 Monate später Unterbindung der femoralis über dem Adductorenschlitz.
Abfall der Ligatur nach 16 Tagen ^ zwei Tage später heftige Nachblutung. So-
fort Unterbindung im Trigonum ileo-pectineum. Abfall der Schlinge am 20. Tage.
Schnelle Heilung beider Wunden sowie des Aneurysmas, vollkommene Gebrauchs-
fähigkeit der Extremität. Meniel (Triest).
Öriginalmitthellungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TUlmanns^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlnng,
Breitkopf und HärteU einsenden.
Dnek Ttnd Verlag von Breitkopf uid Hlrtal in Lelpsig.
Gentralblatt
för
CHIRURGIE
herauBgegeben
TOB
Dr. L. km, Dr. IL ScM, Dr. H. TOIom
IM Berlin. in B»lle a. 8. in Laipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Pr&-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
"St 19. Sonnabend, den 8. Mai. 1876.
Inlialts Poaflcky Experimentelle Beitrage znr Lehre von der Transfnsion. — Chad-
wick, Directe Traosfusion. — Lotten , BtucheinklemraaDg. — Brubtrger, Technik der
Amputationen und der künstlichen Glieder. — Schttcberblntnkoffy Seeale cornutum gegen
vermehrte Milchsekretion und Entzündung der Brustdrüse. — Delont, Clavicularfracturen
durch Muskelzag. — Odtbracht, Amputation des Gebärmutterhalses. — Labb^, Galvano-
caustik bei Gesichwülsten des Gebärmutterhalses. — - Hlldtbrandt» Behandlung der Fibrome
und Myome des Uterus. — Dolbtau, perineale Lithotritie. — Wackerhagtn, Behandlung
der Unterschenkelfracturen. — Boulty, Hanot, Osteomalacie. — MollÜrty Esmarch'sches
Verfahren bei der Sehnennaht.
VIbtrty Wundvereinigungsmetliode. — Scheutr, Lageruiigsapparate. — Nicoladoni, Be-
handlung drohender Pseudarthrosen. — Thlim, Lammbluttransfusionen. — Krzykowtkl,
TransfDsion. — Pdrttr, Partielle Kesection beider Oberkiefer. — Taylor, Rachitische An-
schwellung der Stirn- und Seitenwandbeine. — Nancrodo, Plonlazek, firott, Tumoren. —
FIflioIra, Empyem. — Sprayt, Penetrlrende Brustverletzung. — Schussverletzung des
Herzens. — Entor, Jackton, Hulke, Neilt, Walmtity, Aneurysmen. — Rüge, Enucleation
der Uterusmyome. — BfOitky, Operative Behandlung der üterusflbrome.
Ponfiok. Experimentelle Beiträge zur Lehre von der
Transfusion.
(Virch. Archiv Bd. LXn. p. 273.)
Die Uutersuchungen P.*8 verdienen in hohem Maasse Beachtung.
Wenn es auch nicht erlaubt sein wird, aus den für einige Thiere,
vor allem den Hund festgestellten Ergebnissen sogleich Schlüsse
für den Menschen zu ziehen^ Thatsacfaen, die an Gesunden gewon-
nen sind^ für die Pathologie zu verwerthen^ so lernen wir doch aus
der vorliegenden Arbeit auch für die praktische Ausführung der Trans-
fusion wesentlich mehr^ als aus vielen der langathmigen Berichte
über menschliche Transfusionen, mit denen die medicinischen Jour-
nale der letzten Jahre angefüllt worden sind.
Bei jeder Art von Blutüberleitung muss der mechanische Effect
in's Auge gefasst werden, den eine erhebliche Vermehrung der das
Gefasssystem füllenden Flüssigkeit hervorrufen muss. Es muss dann
19
290 Centralblatt für Chirurgie. No. 19.
die chemische WirkuBg beachtet werden, in sofern etwaige besondere
Qualitäten des zugeführten Blutes ihrerseits in Frage kommen.
Die Folgen einer plötzlichen Steigerung des in dem Blutgefass-
sy^m enftialtenen Flüflsigkeitsquantums wurden expemmeBteU er-
forßclifc durch EtuleiJung theils von indifferenten Salzlosusagen, haupt-
sächlich aber von künstlichem Serum (1^ Kochsalzwasser undHähner-
eiweiss) und von präformirtem , natürlichem Serum (gewonnen aus
Lammblut] . Der Organismus erwies sich, wenn nur die Einleitung lang-
sam und unter gleichmässigem Druck vorgenommen wurde, ausserordent-
lich tolerant. Die z. li. beim Hunde (Vermehrung des ursprünglich
vorhandenen Blutquantums um die Hälfte) hervorgerufene acute Ple-
thora bewirkte keinerlei ernste Störungen. Massige Oppressionser-
scheinungen gingen rasch vorüber, die ^DhStigkeit der Nieren wurde
eher vermindert als erhöht. Die Haut zeigte keinerlei Steigerung
ihrer gewöhnlichen Functionen. Es fanden sich nicht die von An-
deren beobachteten serösen oder blutigen Transfusionen in seröse Höh-
len und Bindegewebe. Nur bei Einleitung von künstlichem» nicht
von natürlichem Serum trat für einige Tage Eiweissgehalt des Urins
j^uf. Die überschüssig eingeführte Flüssigkeit wird also ein integri-
render Theil der Blutmasse.
P. ist durch seine experimentellen Erfahrungen überzeugt wor-
den, daas deübrinirtes und ganzes Blut in dieser Beziehung für die
Transfusion durchaus gleichwerthig sind.
Die Transfusion gleichartigen Blutes, genommen von Individuen der-
selbeh Thierspecies, ist fast völlig unschädlich. Niemals tritt nach der-
selben Eiweiss im Urin oder Hämaturie auf. Es ist anzunehmen, dass
die l^lufkörperchen in ihrer weitaus überwiegenden Mehrzahl im frem-
den Organiraius unverändest bestehen bleiben. Den nach starken
Blutverlusten folgenden Störungen ist somit durch die Zufuhr gleich-
artigen Blutes auf's Wirksamste zu begegnen.
Die Befunde anderer Experimentatoren, die nach Einführung so-
wohl von indifferenten Salzlösungen als von gleichartigem Blut un-
glückliche Kesultate hatten, erklärt 'P. durch das von jenen ange-
wandte Verfahren brüsk ausgeriPührter Einspritzungen, durch die Ein-
führung colossaler Blutmengen bei vollständiger Substitution des Blutes,
durch die abnormen Verhältnisse, wie si^ die Ueberfuhrung vom Blute
eines vollkräftigei). Thieres aus der Haupt art er ie in die Vena jugu-
larifi und das rechte Herz bediqgt, durch .Embolieen von Luftblasen,
von feinsten Fremdkörpern und. gröberen in der Kanüle oder dem ein-
gebundenen Gefässstück entstandenen Gerinnseln.
Ungleichartiges Blut wirkt nach P. in .grossen Dosen tödtlich,
in mittleren schädlich. Nur sehr kleine Dosen vermag der Orgauis-
mufl ohne wesentUehe Schädigung zu ertragen. Nutzbringend kann
ungleichartiges Blut nur durch sein Plasma und seine farblosen Ele-
mente sein. Die Giftigkeit jeder andersartigen Blutsorte wird durch
Transfusion^i au Housthieren, die 16 Austauschcombinationen um-
fassen (I^nini, Hund, Katsse, Kalb, Schwein, Kaninchen,. Huhn, Ente]
Centralblatt far Chirurgie. No. 19. 291
wabracheinlich gejptxacht. Die Dauer und d^e Intensität der Yexgif-
tiu]gss3rpnitome stehen im Grossen u^id Qanzen in Qonstanil|em Pro-
portionalitä^tsverhältnlss ^u der empfangenen Blutmenge. — Hunde
wurden bei ijidirecter Lammbluttransfusion getödtet durch ein Quan-
tum, welches im Yerhältniss von 1 : 72 zu ihrem Körpergewicht stand.
Die Sauerstoffträger des transfundirten ungleichartigen Blutes gehen
nach P. in ihjcer weit überwiegenden Anzahl, höchst wahrscheinlich
sogar säm^mtlich zu Grimde. Das hierbei frei werdende Hämoglobin
gelangt in das Plajsma und mit ihm in alle Organe und Gewebe des
transfundirten Tbieres. Im günstigen Fall wird der weitaus grösste
Theil durch den Harn, ein kleinerer vielleicht durch die Darn^secrete
ausgeschieden. Die Nieren, denen die Elinünirung zufällt, vermögen
dies nur für kleine Quantitäten ohne eigene Beeinträchtigung. Grössere
Massen bewirken stürmische Entzündungszustände, reichhcbe Exsu-
daten in die Lumina der Harnkanalchen^ secretorische Insufficienz
der Nieren und vollständige Stockung der Harnbereitung. Aeusserst
wahrsdieinlich werden auch andere Organe ausser den Nieren, wenn
gleich mehr vorübergehend, in Mitleidenschaft gezogen.
Besondere Beobachtung verdient die Hämaturie. Das Auftreten
derselben ist nicht auf die infolge der Transfusion gesetzte Yermeh-
rung der iBlutmenge zurückzufuhren. Selbst ein deple torischer Ader-
lass vermag ipiicht zu. verhindern, dass ungleichartiges Blut Hämaturie
hervorbringt. Bei Hämaturie nach Transfusion vermag das M^ikroskop
keine Spur voi;i rpthen Blutkörperchen im Urin nach;eu weisen. Dagegen
zeigt das Spectroskop in ausserordentlich grosßer Menge Hämoglobin. Es
handelt ßiqh ^so nicht um Hämaturie, sondern Hämoglobinurie.
Anders lautende Befunde beruhen aiif zufälliger Bc^imengung von Blut.
Die Uämog^))inurie eitsteht wahrscheinlich durch daa Zi^runde-
gehen sämmtlicher gefärbter Elemente des transplan tirten Blutes. Ihre
Intensität und Dauer hängt bei ein und derselben Blutart aus-
schliessliGh \(m ^er Höhe der transfundirten Dosis ab ; sie tritt jedoc^
schon nach äusserst geringen Dosen auf. Nur kleine Quantitäten von
Hämoglobin können im Process des Stofiwechsels verzehrt werden.
Hfdelnng tBonn).
J. Chadwick. Fall von directer Transfusion.
(Boston med. and surg. Journal 1S75. p. 33.)
ijei einer 23jähr. Fr^u, welche bald- nach der Geburt und in den
nächstem 9 Wochen l^eftige Blutungen gehabt und jetzt das Bild der
hochgi;^d^aten Anämie zeigte, wurde bei eingetretenen Symptomen
extremster Sch>väche die directe Transfusion von Vene zu Vene mit-
telst Aveling's Apparat gemacht. Es erfolgten bei der 6. Ueberlei-
tung Uebelkeit, Kreuzschmerzen und Herzklopfen, Puls U 8 ; bei der
11. wird, der Puls voller und siAkt auf 108; von der 15. ab arbeitet
der Ballon schwerer; 22 Ueberleitungen wurden gemacht. Während
der Transfusion blieben das starke, anämische Geräusch, die Athmung
292 Ceiitralblatt für Chirurgie. No. 19.
und die Herzaction ungeändert. 16 Stunden später ein starker, eine
Stunde dauernder Frost, Temperatur um 3,07° F. erhöht; eine mehr-
fach aus der eröffneten Vene aufgetretene Blutung wird nach 1 2 Stun-
den bei erneuter Nachblutung von 4 — 5 Unzen durch Ligatur sistirt.
Erbrechen, Delirium, Coma. Tod 25 Stdn. nach der Operation. Sec-
tion: Hautdecken sehr blass; acute Pachymeningitis int., Lungen-
ödem; zahlreiche gelbe Flecke im linken Ventrikel durch ^3 seiner
Dicke reichend, dieselben aber weniger im rechten Ventrikel vorhan-
den (mikroskopisch als fettige Degeneration nachgewiesen] ; Urin in der
Blase enthält Cylinder, Ißi Eiweiss, Hämatin, sparsame Blutkörper
(1 in 6 Objecten). Nirgends frische Thromben.
Verf. ist geneigt, als causa proxima des Todes die zu grosse
Transfusionsmenge von 11 Unzen anzusehen, indem bei der dadurch
herbeigeführten UeberfüUung und excessiven Gefässspannung (dem ist
in Wirklichkeit nicht so, Ref., cf. Centralbl. 1874, No. 8, p. 128 ff.)
das schon erkrankte Herz eine gewaltige Ueberanstrengung und Aus-
dehnung seiner Höhlen erfahren habe (dennoch zeigte während der
Transfusion die Herzaction angeblich gar keine Alteration, Ref.). Der
Voraussetzung entgegen fasste der Ballon die doppelte Menge, so dass
die beabsichtigte Menge von 6 Unzen, über welche Ch. nie hinaus-
gehen will, fasst verdoppelt wurde. Mit Recht ist Verf. in neuerer
Zeit davon zurückgekommen bei chronischen Krankheiten , die mit
Herzverfettung verbunden sind, zu transfiindiren ; doch sollte der
Beweggrund hierfür nicht die Gefahr der Transfusion, sondern
die Unzulässigkeit und Nutzlosigkeit sein ; seltsam aber ist der Rath,
wenn man in solchen Fällen dazu schreitet, kleine Ueberleitungen
von 2 Unzen mehrfach zu wiederholen, resp. bei grösserer Ueberlei-
tung einen depletorischen Aderlass zu instituiren. Pilc (Stettin).
LoBsen. Studien und Experimente über den Mechanismus
der Brucheinklemmung.
(Arch. f. kliniBche Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 3. p. 472-486.)
Dieser zweite Aufsatz, eine Fortsetzung und Ergänzung der im
Centralblatt für Chirurgie 1874, No. 4 und Arch. f. klin. Chirurgie,
Bd. Xyn, Hft. 2, p. 301 g^ebenen Darstellung, beschäftigt sich,
die Richtigkeit des von L. verfochtenen Einklemmungsmechanismus
vorausgesetzt, mit der Frage, welcher Druck auf der incarcerirten
Schlinge und dem darüber liegenden [zufuhrenden] Darme lastet, wel-
chen absoluten Werth derselbe erreichen kann imd welche Grründe
dag^en sprechen^ diesen Binnendruck durch einfache Compressions-
taxis zu überwinden^ dr i. die Darmschlinge durch von aussen ein-
setzenden Druck zu reponiren.
Als Widerstände , welche sich dem Verschieben der Darmcontenta
entgegenstellen, müssen ausser der Viscosität des Darminhalts selbst
in erster Linie genannt werden : der Faltenreichthum der Schleim-
Centralblatt für Chirurgie. No. 19. 293
f
hautoberfläche» die temporären durch Peristaltik erzeugten Dannver-
engerungen, endlich die bleibenden durch die Bruchpforten bedingten
Stenosen.
Infolge dieser Momente Mrird sich, sobald das abführende Darm-
ende geschlossen ist^ an jedem Querschnitt der Schlinge und des zu-
fuhrenden Darmendes ein binnendruck herstellen, welcher gleich ist
der Summe der Reibungs widerstände in dem oberhalb des Querschnitts
gelegenen Darmstücke. Dieser Druck wird mit der Länge des zu-
führenden Stückes wachsen; er muss deshalb am >unteren Rohrende
nahe der YerBchlussstelle am höchsten sein und nach oben hin stetig
bis 0 abnehmen; er muss endlich mit jeder weiteren Anstauung des
Darminhalts, d. h. mit der Dauer der Einklemmung zunehmen.
Der absolute Werth demjenigen Druckes, welcher sämmtlichen
Reibungs widerständen das Gleichgewicht halt, beträgt für 100 Cm.
nirgends stenosirter Darmlänge und dickflüssigen Inhalt 3Y2 Cm. Hg.
Diese Zahlen gelten auch für den am Mesenterium hängenden, ganz
in der gewöhnlichen Weise gewundenen Darm; sie verdoppeln und
verdreifachen sich, wenn der Querschnitt der Hruchpforten verringert,
deren Länge vermehrt wird (die Zahlen wie die Versuchsanordnung
8. im Original).
Man würde nun sehr irren, glaubte man durch äussere (/om-
pressionsmanoeuver, bei denen man den constanten Darmbinnen-
druck mehr oder weniger zu überbieten sucht, die angestaute Koth-
säule in jedem Falle sicher verschieben zu können. Dies verhindern^
abgesehen von den eben angegebenen, eine Steigerung des Darm-
binnendrucks in raschen Progressionen bedingenden Momenten, zu-
nächst die Elasticität der Weichtheillager, welche zwischen der an-
greifenden Kraft und der zu verschiebenden Kothsäule sich einschie-
ben, sowie diejenigen druckmindernden Factoren, welche aus der
pnmöglichkeit den Bruch genügend zu umfassen, der event. unvoll-
kommenen Druckrichtung der reponirenden Hand u. s. w. entsprin-
gen, endlich die Festigkeitsverhältnisse des Darmes selber. (Der
frische Schweinedünndarm platzt bei einem Drucke von 20 — 25
Cm. Hg.) Es scheint deshalb rationeller als die Compressionstaxis
diejenige zu sein, welche durch Seitwärtsbewegungen das ab-
fuhrende Darmende zu öffnen strebt. Wilh. Koeh (Berlin).
Brabei^er. Zur Technik der Amputationen und der künst-
lichen Glieder, im Anschluss an eine geheilte Tripelampu-
tation.
(Vortrag, gehalten in der Berl. milit&r&rstl. Qeflellschaft am 21. Novbr. 1874. —
Deutsche militärärztl. Zeitschrift 1875. Hft. 1.)
Einem jungen Manne, welcher infolge Ueberfahrens von der
Eisenbahn ausser mehrfachen schweren Verletzungen an den Glied-
massen noch eine grosse Lappenwunde am Kopfe mit Depression des
2 $4 * Centralblatt fdr Chirurgie. No. 19.
Schädds erlitteti hatte^ wurden uiimittelbar nach der Katastrophe im
Augusta-Hospital der rechte Oberschenkel in der Mitte, der linke
Vorderarm und der linke Fuss im Chopart 'sehen Gelenk in einer
Sitzung abgesetzt. Die letztere Operation musste später in einen
Blasius (Absägung des Taluskopfes) verwandelt werden. Künstliche
Blutleete; Unterbindung mit Catgut, Verband nach Li st er; Heilung.
Die Amputatiunsmethode am Oberschenkel bestand in der Bil-
dung eines vorderen Lappens mit Periosttransplantation, nach v. Lan-
genbeck (Berl. klin. Wochenschrift 1870, Hft. 13) und Wahl in
Essen. B. empfiehlt hierbei, das Periost in Verbindung mit den
Weichthcilen zu lassen, da dasselbe so viel weniger leicht gangränös
werde und der Retraction der Weichtheile ein stärkeres Hindemiss
entgegensetze.
Hinsichtlich der Erfindung und Anfertigung künstlicher GHed-
massen findet er die deutschen Mechaniker hinter Engländern und
Amerikanern noch weit zurück. Dem berühmten anatomischen Bein
fely's, in welchem ein um mehrere Axen bewegliches Fussgetenk
durch eine in einer Kautschukpfanne sich bewegende Glaskugel her-
gestellt und die zugehörigen Muskeln und Sehnen durch entsprechend
verlaufende elastische Bänder nachgeahmt sind, kommt noch das
künstliche Bein des Berliner Instrumentenmacher's Geffers (Schifi*-
bauerdamm 2) am nächsten; hier ist neben der vollen Beweglichkeit
im Fussgelenk die Elasticität des Fusses beim Abwickeln deft Sohl6
dadurch bedeutend erhöht, dass dör nach einem Gypsabguss gebildete
Fuss bis über die Malleolen aus vulcanisirtem Kautschuk besteht und
hohl ist.
(Näheres über die Geschichte der Prothese in der kleinen Schrift
von Dr. E. Meier: »lieber künstliche Beine«, mit 24 Holzchnitten ;
Berlin 1871.) Arn. Kfller (Berlin).
J. Schtscherbinenkoff. Seeale cornutum gegen vermehrte
Milchsecretion und Entzündung der Brustdrüse.
(Sitzungfiberichte der Gesellschaft russischer Aerzte in Moskau 1874. No. 13. p. 158.)
Verf. machte in einer Raphanie-Epidemie im 8imbirshi*st;hen
Gouvernement die interessante Beobachtung^ dass unter den Sympto-
men der Mutterkomvergiftung — die Verminderung, oder das voll-
kommene Sistiren der Milchsecretion bei stillenden Frauen moht sel^
ten beobachtet wird. Dieselbe Erscheinung bemerkte er bei Küheui
welche mit Mutterkorn enthaltendem Mehle, oder mit schlecht aus-
gedroschenem Stroh, in dessen Aehren noch Mutterkorn enthalten
war, gefüttert Wurden. DA eine Anhäufung voü Milch in den Müch-
gängen als Hauptursach^ der Mastitis parenchymatosa betrachtet
wird, so machte Verf. von benannter Beobachtung in vielen Fällen
von Milchanhäufung, von incipirender Mastitis, Gebrauch. Tn rwei Fäl^
len voii Mehrgebärendeui die ih jedem. Puerperium an Mastitis sup^
Centraiblatt für Chirurgie. No. 19. 29^
puratira Ktten^ gebrauchte Verf. mit dem besffeen Ettolg^ Seeale cor-
niitum, sobald er bei .ihnen Anschwellung der Drüsen^ bedingt durch
starken Milchandrang ^ bemerkte. Gleichfalls gebrauchte et Seeale
comutum mit Chinin (ää gr V — X, 2, 3 Mal täglich) in Fällen von
sogenanntem Milchfieber. Ausser im Puerperium wandte Verf. das-
selbe Mittel auch sonst bei Anschwellung der Brustdrüsen mit fieber-
hafter Reaction und erschwerter Milchabsonderung an und erreichte
stets vollständige Resolution. Kei Entwöhnung des Kindes von der
Brust gebraucht Seh. Seeale cornntum^ um möglichst schnell die
Milchsecretion zu unterdrücken, ebenso in FäHen, wo anderer Ursachen
wegen die Ernährung sistirt werden musste. Verf. gab 5 — 7 Tage
hindurch bis zu 1 Drachme Seeale cornutum täglich, ohne unange-
nehme Folgen zu beobachten. W. (jlrube (Charkow).
Delens. Des fractures du corps de la clavictile par contrac-
tion musculaire.
(Arch. g^n^rales de m^deoiBe 1875. No. '^,)
D. hatte schon in einem früheren Aufsatz (Arch. gen. de med.
1873, Na. 5) daraufhingedeutet, dass ein grosser Theil der Fräcturen
des inneren Endes der Clavicula durch Muskelzug produc^t wer^e.
Von Fräcturen des Körpers desselben Knochens konnte Verf. 19
zusammenstellen, ^o die gleiche Ursache nachzuweisen war.
Die Dislocation ist im Allgemeinen gering; meist war die rechte
Clavicula getroffen, (cfr. Nancrede, Centralbl. f. Chir. 1874, p. 575.)
Zu dieser Art der Fmctur scheinen dyscn^asisolie Zustäede besou-
den» XU disponiren ; 5 Mal liesa sieti Lues« 2 Mal Malaria uls gleichzeitig
vorhanden nachweisen. CiUrar4 (Strassburg i/E.).
Odebreoht. Ueber die Amputation des Gebärmutterhalses.
(Beiträge zur GeburUhOlff und Oyn&kologle Bd. III. Uft. 2.)
Die Arbeit stützt sich auf ein Material von 99 Amputationen der
Vaginalportion aus der Klinik und Privatpraxis des Prof. Hegar,
welche sich auf die verschiedenen Erkrankungen folgendennassen ver-
theilen: 15 Falle von Carclnom, 11 von papillären Ulcerationen um
den Muttermund^ 25 von einfacher circulärer Hypertrophie der Vagi-
nalportion^ 17 Fälle als Voroperation des prolapaus uteri, 81 Fälle
von Elongation und Conicität des Cervix mit Verengerung der Orifi-
cien oder des ganzen Canals mit Dysmenorrhoe und Sterilität. — Die
trichterförmige Excision aus dem supravaginalen Theil des Cervix
betraf die Fälle von Carcinom und Prolaps der Gebärmutter. Im
letzteren FaU kann man auch eine liippe nach der andern entfernen.
Wenn auch Bauchfellverletzungen (ausser beim Carcinom) nicht eben
häufig sind, so ist doch äusserste Vorsicht geboten.
296 ' Centralblatt far Chinirg:ie. No. 19.
Opeiirt wurde meist mit Messer und Scheere in der Sims 'sehen
Seitenbauchlage, nur beim totalen Prolaps dps Uterus in der Kückenlage.
Nach der Amputation ist die Wundfläche durch die Naht zu
umsäumen, welche nur Vortheile darbiete und die bisherigen Nach-
behandlungsmethoden ersetzen soll. Zweck dieser Naht ist die Hei-
lung per primam und die Behinderung einer stärkeren Blutung. Die
Nähte (8 — 15) werden rund um den Muttermund gelegt in der Rich-
tung von Radien eines Kreises, dessen Peripherie der Umfang des
Cervicalstumpfes, dessen Mittelpunct im Canal liegt. Blutet es stär^
ker, so sind sie ganz und zuweilen tief unter dem Grund der Wunde .
durchzuführen; bei den anderen Nähten lässt man den Faden in der
Mitte auf eine kurze Strecke sichtbar werden. Nach der trichter-
förmigen Excision ist die Naht dieselbe, nur schwieriger, und erfor-
dert dazu passende Instrumente (s. Original).
In Verbindung mit der Amputation des Scheidentheils wurde
31 Mal auch die bilaterale oder sagittale Discision ausgeführt, welcher
die Umsäumung durch die Naht so folgte, dass auch an den Disci-
sionsschnitten Vaginal- und Cervicalrand mit einander verbunden
wurden (s. die schematische Abbildung).
Die mit diesem Verfahren erzielten Resultate schildert Verf. als
sehr erfreuliche (nur l Todesfall) . Unter ihnen ist eine Kranke her-
vorzuheben, die nach der trichterförmigen Excision wegen Cardnom
der Vaginalportion nach 3^2 Jahren noch am Leben war. Im Inter-
esse einer Reihe von Einzelheiten bei der Operation ist auf das Ori-
ginal zu verweisen. Leopold (Leipzig).
L. Labbe. De Temploi de la galvanocaustique thermique
dans le traitement des tumeurs epitheliales du col de T Uterus.
(Annales de gyn6cologie Paris, Mars 1S74.)
Verf. fasst die Vorzüge der galvanocaustischen Schneideschlinge
vor den anderen Methoden in folgenden Punkten zusammen:
1) Die Entfernung mit ihr ist so schnell (30 — 40 Secunden)^ dass
Anästhesirung der Kranken nicht nothwendig ist.
2) Ungeachtet der Schnelligkeit der Trennung ist die Schnitt-
oberfläche so glatt und blutleer, dass man vor einer nachfolgenden
Blutung geschützt ist (hinreichend widerlegt^ Ref.).
3) Der Plätindraht ist so biegsam, dass man ihn ohne besondere
Schwierigkeit anwenden kann, ohne den Uterus herabziehen zu müssen.
4) Die Art der Anlegung des Drahtes unterscheidet sich in Nichts
von den bisher geübten Verfahren; wohl aber die Art der glühenden
Durchschneidung. Hierbei schraubt Verf. durch eine bestimmte Vorrich-
tung die Schlinge, während sie glüht, immer weiter ein, so dass sie
nach Abtrennung der Geschwulst sich vollständig zurückgezogen hat.
Hierauf erfolgt eine kalte Vaginalinjection und zur Vorsicht legt man
auf die Amputationsfläche einen mit Eisenchloridlösuug getränkten
Tampon. Leopold (Leiprig).
Centralblatt für Chirurgie. No. 19. 297
Hildebrandt. Ueber Behandlung der Uterusfibrome und
-myome diurch subcutane Injectionen von Ergotin-Lösungen.
(Beiträge Eur GeburUhilfe und Gyn&kologie. Bd. III. Hft. 2.)
«
Verf. tritt von Neuem, nachdem eine Reihe ungünstiger Erfah-
runf^en und Resultate mit den Ergotininjectionen in der jüngsten
Litteratur laut geworden sind, für seine von ihm zuerst empfohlene
Behandlungsweise der Uterusmyome ein und referirt über ein reiches
Material von Fällen^ die zum Theil sehr günstige Erfolge aufsuTreisen
haben.
Er theilt das Material in drei Gruppen:
1] 5 Fälle mit Beseitigung der Symptome und Verkleinerung des
Tumors.
2) 9 Fälle, in denen wenig zur Verkleinerun|2^ des Tumors bei-
getragen, dagegen erhebliche Besserung der Symptome erzielt wurde.
3] 2 Fälle, in denen gar kein Einfluss der Injectionen stattfand,
weder auf den Tumor selbst, noch auf die Symptome.
»Fasst man die Momente zusammen«, so resumirt Verf., »welche
für den Eintritt der Resorption bedingend sein müssen, so ergiebt
sich, dass ein Fibromyom des Uterus dann am schnellsten durch Er-
gotininjectionen zur Verkleinerung gebracht werden wird:
1) wenn seine Consistenz die eines prall-elastischen muskelreichen
Fibroms ist,
2) wenn sein Sitz submucös,
3) wenn die Wandungen des Uterus gesund, contractionsfahig,
nicht durch Ausspannung verdünnt, und nicht durch Exsudate starr
geworden sind; und wenn keine Peri- und Parametritis in der Um-
gebung vorhanden ist«. Leopold (Leipsig).
Dolbeau« De Tötat de la lithotritie perineale en France.
(Bulletin g6n6ral de th^rapeutique Vol. LXXXVI. No. 1, 2, 3, 7.)
In diesen unter brieflicher Form verfassten Aufsätzen unternimmt
D. eine nochmalige Vertheidigung und Empfehlung der perinealen
lithotritie, ohne jedoch neue oder entscheidende Argumente anzu-
führen.
Er constatirt, dass mehrere Chirurgen in letzterer Zeit anfingen,
sich der Methode zu bedienen ; die Erfolge waren stets zufriedenstel-
lend. Was die gesammten Erfahrungen anbetriffl;, die bis >etzt ge-
macht werden konnten, so ermuthigen sie zur weiteren Nachahmung.
Von 55 bis jetzt gesammelten Fällen verliefen 44 günstig.
Verf. betont übrigens, dass er die gewöhnliche Lithotritie und
den Steinschnitt durchaus nicht absolut verdrängen will. Für die
erstere soll man alle Blasensteine von weniger als 2 Cm. Durchmesser
reserviren, während die Lithotomie bei sehr harten und sehr grossen
29S Centralblatt fflr Chirurgie. No. 19.
Steinen alleüi indoeirt ist. Zwischen cfiesen Extremen aber werden
diese beiden Methx)den von der perinealen Lithotritie übertroffen>
Girard (Strassburg i/E.).
G. Wackerhagen. A new raethod of applying plaster of
Paris för fracture of the bones of the leg.
(Nev York med. Jiournal 1874<. Ootbr. No. 115. p. ^1,)
Die mitgetheilte »neue« Methode des Gypsverbandes bei Unter-
scbenkelfracturen ist nichts als eine Art des bekannten zwei schaligen
Gypsverbandes^ durch welchen das Eröfiben und Wiederanlegen des
VerbatiMles erleichtert werden soll. Nach der Angabe des Verf. 's be-
stehen die beiden seitlichen Hälften aus je 3 Lagen von Flanell,
welche nach dem Muster eines bis zum Knie reichenden Strumpfes
geschnitten und nach Art der Gypskataplasmen applicirt werden.
Zum Zwecke grösserer Eleganz erhält der Verband einen Schellak-
überzug. Der Verband kann in 3 — 5 Minuten entfernt werden.
P. BniDB (Tübingen).
Bouley und Haaot. Note sur un cas d'osteomalacie.
(BroWn-S6quard'8 Arch. de phy«. 1874. p. 634-*e3.)
In ehiem Falle von exquisiter Osteomalacie bei emem Erwachse-
nen, dessen Krankengeschichte ausführlich mitgetheilt wird, habe»
die Verf. eine sorgfaltige histologische Untersuchung des Knochen-
apparates vorgenommen. Bemerkenswerth ist insbesondere der Be-
fund am Knochenmark^ das nach diesen Autoren in Uebereinstim-
mung mit den Angaben von Virchow u. A. den Ausgangspunkt der
pathologischen Veränderungen bildet. Die hier und da coustatirteu
Veränderungen in den Dimensionen, in Form und Inhalt der Knochen-
körperchen betrachten sie als . secundär ; in diesem Falle war eine
Alteration derselben kaum vorhanden. Nach B. und H. entwickelt
sich im Knochenmark ein neues Gewebe^ das die intertrabeculären
Räume erfüllt und dessen BeschaiFenheit variirt^ je nachdem es sich
um rothes oder gelbes Mark handelt ; die Knochen des Rumpfes und
der Extremitäten zeigen in dieser Beziehung eine nicht unerhebliche
Differenz. In den Knochen des Rumpfes (Wirbel, Rippen^ Schädel)
sind die Markräume vergrössert; sie werden von embryonalen Zellen
und einem mehr oder weniger faserigen Bindegewebe eifoUt; nirgends
findet sich eine Spur von Fett. In den Knochen der Extremitäten
besteht das Markgewebe ausschliesslich aus Embryonalzellen und Fett-
bläschen (?). Die constante Anwesenheit von jungen Zellen lässt
daran denken, dass die Veränderungen durch einen entzündlichen
Process zu Stande gekommen sind, der seiner Wirkung zufolge als
ratefioirende Ostitis aufzufassen wäre, eine Anschauung, zu der auch
aüdo'e Autoren neigen. Es spricht im vorliegenden Falle für diese
Ansicht auch der klinische Verlauf der Affection, der in mehreren
Centralblatt für Chirurgie, ^a. 19. 290
acuten und subacuten, löit Fieber und bcdcutend^rf Stehitterzbaftigkeit
verbundenen Schüben erfolgte. Der Urin des Kranken zeigte zu
keiner Zeit eine Vermehruog der Kalksalze^ auch nicht der anderen au-
OTgaAiMiheii Bestandtheile. hei der Autopsie fand sieh in den Nierenr-
becken, den üreteren und der Rindensubstatfiz der nicht unerheblich
vergrösserteii Nieren eine beträchtliche Menge Harngries vor; die
Harnblase enthielt Steine von Haselnuss- und Wallnussgrösse. So-
wohl der Harngries als die Klasensteine enthidtto üach def Analyse
von A. Robin die hauptsächlichen anorganischen Hestandtheile der
Knochen ; Harnsäure war darin nicht nachweisbar.
J. Mnnk (Strassburg i/£.)-
D. ttolliöre. Note sur Tapplication de Vischemie incoraplete
aux Operations qui se pratiquent sur les tendons.
(S6ance de la Soc. de Chir. 1874. 25. Nov.)-
Au einem Individuum^ das sich 1 Monat zuvor die beiden Streck-
sehneu des linken Zeigefingers durchschnitten hatte» machte M. die
seeuüdäre Sehnennaht mit Metalldraht unter Anwendung des Es-
match 'sehen Verfahrens. Die Streckfunction wurde völlig wiedet
hergestellt.
Hieifoei £»Dd M. das Aufsuchen der Sehnenenden bei absoluter
Ischaemie sehr schwierig. Er T^andte daher in den folgenden FäUeo
von Sehnen- und Muskelverletssungen , die er beschreibt^ das Es-
march'sche Verfahren nur utivollstäddig an, wodurch sowohl das
Untetscheiden der Gewebe, als auch das Auffinden etwaiger bluten-
der Gefässe wesentlich erleichtert wird. Unter den beschriebenen
Fällen ist einer, wo M. durch Wiederherstellung der Continuitat der
Sehnenscheide angeblich eine Kegeneration der Sehne y aus weichet
ein 3 Cm. langes Stück ausgeschnitten ^ar, erreichte.
_ Fr. Steiner (Wien).
Kleinere Mitiheüungen.
Vlbeft. Methode zur Wund Vereinigung nach Exstirpatiouen.
(Lyon m*d. Vol. XVII. p. 453.)
la eloem sehr breit gehaltenen Artikel empflef^üt der Verf. nach Emtirpationen,
beeonders der Bruatdrüae, die ertte Vereinigung durch eine der Asa in sehen (cf.
Gentmlbl. 1874) p. 406) Naht-Weise fast gleichen, von ihm aber schon Iftngere
Zeit geübten Methode su versuehen. Die Blutstillung wird nicht durch Ligaturen,
sondern durch angelegte secr&ofines ersielt^ die bei Anlegung der Nlhte gradatim
entfernt werden. Amf diesem Wege will V. bisher immer, wenn nicht prima rbunio,
doch complete Vernarbung bi4 spfttestens am 20. Tage er2ielt haben; erstere soU
nur ausgeblieben sein: 1) bei nicht genauer Adaptirung der Känder, 2) bei sehr
fetten Porsonea und 3) bei sehr dünnen Lappen magerer Personen.
Pilz (Stettin).
V. Soheuer. Un chapitre de Chirurgie conservatrice.
(Brtixelles, H. Manceaux. 1874. p. 108. 3 planches. 8.)
S. empfiehlt bei compl. Fracturen, Oelenkwurtden und fthnlichen schweren
Verlettubgen ölnen Apparat von folgende^ Oonstructron : 5 Bretter werden tu einer
300 Centralblatt für Chirurgie: No. 19.
Lade bo zusammengefügt, daas 2 derselben am dem Fussende ein X bilden, an
welchem sich die 3 anderen längeren, und zwar das Unterbrett, für die Ferse mit
einer ovalen Oeffnung versehen, und die beiden schmalen Seitenbretter, stellbar
befestigen lassen. In die Lade wird nun die mit Watte umwickelte, nur an der
verletzten Stelle frei gelassene Extremität hineingelegt und durch um das Ganze
gelegte Gurte zwischen den Brettern unbeweglich festgehalten.
In 7 Fällen obengenannter Verletzungen sind, wie die ausführliche Casuistik
erweist, günstige Resultate erzielt worden. Arn* Hiller (Berlin).
K. Niooladoni. y. Dum reicher 's Methode zur Behandlung drohen-
der Pseudarthroeen.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 5, 6 u, 7.)
Nach obiger Methode sollen Pseudarthrosen, die eben erst entstehen, durch
Circulationshemmungen in loco geheilt werden. Letztere werden mechanisch be-
wirkt durch Keile, welche mit ihrer Basis nach der Fracturstelle sehend, oberhalb
und unterhalb derselben so gelegt werden, dass je zwei sich mit der Bajns gegen-
überstehen und einen gewissen Kaum zwischen sich frei lassen. Heftpflasterstreifen
befestigen die Keile und eine von der Spitze des Gliedes her angelegte Bollbinde
drückt sie fest. Die Wirkung soll eine durch Stauungshyperämie bedingte Schwel-
lung der zwischen den Keilen gelegenen Weichtheile sein. Je nach dem Falle
wird man einen oder mehrere Tage lang die Keile liegen lassen, mehr oder minder
oft die Prooedur wiederholen. Bemerkt man hinreichende Callusbildung , so legt
man einen Gipsverband an. Einige casuistische Mittheilungen illustriren die
Methode. Ein Fall, in dem man zwei Knochenabscesse aufmeiseelte, wird, da die
Tiefen der Abscesshöhlen zu überblicken waren, als Beweismittel benutzt, dass die
Circulationsstörungen bis in den Knochen hinein sich erstreckten.
T. Mosettfeil (Bonn.)
Thnm. Nachtrag zu den in No. ^2 (der Berl. klinischen Wochen-
schrift 1874) mitgetheilten Lammbluttransfusionen.
Berl. klin. Wochenschrift. No. 52.)
In rühmenswerther Weise bekennt Verf., dass bei seinen 4 TransfusionsfäUen
(Phthise) (cf. Centralbl. f. Chir. 1874. p. 437] nur eine kurze Besserung erzielt
worden sei. Nach 2—8 Wochen trat dann meist ein so rapider Verfall der Kräfte
ein, dass Th. selbst annimmt, die Transfusion habe in keinem der Fälle eine Ver-
längerung des Lebens bewirkt. Obige Erfahrungen, sowie diejenigen an ähnlichen
Fällen beobachteten, ermuthigen Verf. nicht zu weiteren Versuchen.
Y. MosengeU (Bonn).
Enykowski. Eine Bluttransfusion mit gutem Erfolg.
(Przeglf(d lekarski 1875. No. 2, polnisch.)
Eine 33jähr.' Bäuerin verlor viel Blut infolge von Abortus. Den 2. Tag wurde
sie in's Spital gebracht und die Placenta herausbefördert. Da aber dennoch der
Uterus sich nicht zusammenzog und die Blutung bei der ohnehin schon äusserst
anämischen Person weiter bestand, >vurde zur Transfusion geschritten. Das von
einer gesunden Frau gespendete Blut wurde defibrinirt, erwärmt und in einer Menge
von 5 Unsen (150 gr.) vermittelst einer gewöhnlichen neuen Wundspritze in die
vena cephalica hineinbefördert. Der Puls wurde voller — ein halbstündiger Frost-
schauer folgte — die Blutung stand gleich — der Uterus sog sich zusammen. Am
8. Tage wurde die Wunde per primam geheilt gefunden.
Oballaski (Krakau).
Forter. Pairtielie Resection beider Oberkiefer wegen Enchondrom.
(Boston med. and surg. Journal 1875. p. 18.)
Der sonst gesunde 51 jähr. Mann bekam vor 9 Jahren die ersten Entzündungs*
erscheinungen an den oberen mittleren Schneidezähnen (kOnstliche Stiftzähne) mit
nachfolgender Nekrose der entsprechenden Alveolen. Bald entwickelte sich eine
langsam wachsende Geschwulst, die jetzt vom 1. Backzähne der einen Seite zu dem
der anderen Seite reichte und Oberlippe nebst Nase unförmlich vordrängte. Extirpirt
erwies sich der Tumor als ein reines Enchondrom. Schon nach 4 Monaten erfolgte
CentralbUtt für Chinugi«. Ko. !&. 301
ein BecidiT, das 2 Monate später in Aether*Narko«e mit vorheriger Tamponade
des Larynx durch Schwämme und Tracheotomie exstirpirt wurde. Von dem Y Schnitt
lag der gerade Schenkel in der Mittellinie der Oberlippe. Die beiden schrägen
liefen in die Nasenöffnungen hinein. Die Weichtheile wurden links bis zum Boden
der Augenhöhle, rechts bis sur inneren Commissur der Augenlider abgelösst. Bei
der Exstirpation musste der proc. nas. des Oberkiefers rechts gans, links grössten-
theüs mit entfernt werden ; das neue Enchondrom war leilenreicher, als das frohere.
Nach 16 Tagen konnte Fat. entlassen werden.
P. berichtet über diesen Fall, weil Enchondrome des Oberkiefers su den sei*
teueren Geschwulstformen gehören. So hat Heyfelder nur S unter 450 Fällen
Ton Erkrankung des Oberkieferknochens notirt. 2 weitere Fälle wurden yon
Bigelow beobachtet. (In der neuesten Arbeit von Rabe (Deutsche Zeitschrift
f. Chir. Bd. 3, p. 300] konnte Ref. auch nur 10 Fälle von Enchondrom finden,
deretwegen operirt worden war.) Die erste partielle Reseetion beider Oberkiefer
soll von Roger 1824 verrichtet worden sein. Pill (Stettin).
B. W. Taylor. On certain peculiar swellings of the cranial bones
caused by rickets.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 169. p. 262 ff.)
T. macht auf eigentbflmliche Anschwellungen der Stirnbeine und Seitenwand*
beine aufmerksam, die allein der Rachitis ihre Entstehung verdanken und leicht
mit Syphilis verwechselt werden können. Es sind dies vom Periost ausgehende,
rundliche oder ovale bis 3 ZoU im Durchmesser haltende, von der Nachbarschaft
des Knochens leicht abzugrensende Hervorragungen, welche sich bis auf \^/2lATde
über die normale Knochenfläche erheben können, eine glatte Oberfläche haben
und sich durchaus hart anfohlen. Sie kommen symmetrisch oder nur auf einer Seite
vor, verschwinden oder persistiren und bedingen im letzteren Falle natürlich gewisse
Schädeldifformitäten. Meist finden sich die Spuren der Rachitis gleichseitig auch
an anderen Knochen des Skelets. Wilh« Kock (Berlin).
Hsnorede. Gase of small round-celled sarcoma.
(Philadelphia med. Times 1874. 7. März. p. 353 ff.)
Ein 13jähr. Mädchen ist im November 1872 mit einem nussgrossen Rippen-
tumor und Insufficienz des rechten geraden Augenmuskels behaftet. Trübung der
Papille, Kopfschmerz und, trotz auffUligen Appetites, Abmagerung einen Monat
später. Zwei Monate später Oedem des linken Augenlides und Tumor am äusseren
Theil der linken Orbita, welcher das Auge nach ab- und auswärts drängt. Im
Juni 1873 dieselben Erscheinungen an der rechten Orbita. Ulceration beider
Corneae und Atrophie beider Augen. Geschwülste am Scheitel und rechten Masse-
ter. Die Section (1. Novbr. 1873) ergab: HalbkugelfSrmiges Sarcom im linken
Stirnbein, von der Nasenwurzel bis zum process. angularis ext. und andererseits
vom Marjo infraorbitalis bis zur Grenze des Haarwuchses reichend, somit die Augen-
höhle sammt Inhalt umfassend. Dura mater nirgends perförirt. Ein ähnlicher
nur mehr nach aussen belegener Tumor rechts. Unter dem Pericranium erbsen-
bis halbhaselnuBsgrosse Ablagerungen, deren einige den Knochen vollkommen
durchsetzt haben. An der rechten Thoraxseite eine vom Angulus scapulae bis zum
unteren Rippenrand reichende Geschwulst, welche nur ein Theil eines Tumors ist,
der 2/4 der rechten Pleurahöhle ausfüllt. Die mikroskopische Diagnose ergiebt sich
aus der Ueberschrift. Wilh. Koch (Berlin).
P. Fieniasek (Krakau). Einige Fälle von Sarcom und dessen Meta-
stasen.
(Aus dem anat.-pathol. Laborat. des Prof. Biesiadeoki. Sitzungsberichte der
math.-naturwiss. Abthg. d. Academie f. Wissenschaften zu Krakau Bd. L polnisch.)
Fall 1. Die Geschwulst nahm das obere Drittel des Obersohenke&noohena
ein, war von Kindskopfgrösse und liess nur den Oberschenkelkopf frei. Makto-
skopisch erscheint sie am Durchsdmitte grau und weich; der Knochen grösstea-
theUa atrophirt, so dass nur hier und da kleine Knochenplättchen an der Ober-
A&cJte gefunden weicden. Jn derLuuge vl^e gelbly^ Knötcli^n vop £rb$engro88e ;
am (Eieisen einige Tumoren von Nuss- bis Taubeneigrösse zwischen dem Pericar-
/dium und dem Horamuakel gelagert. MakroskopUph ergab aj/cf^ die Geschwulst
aU ^ndEeliensarcom.
Fall 2. Binem ]2jahr. Mädchen wjurde im April Jl8t>9 der rechte Augapfel
aammt einem vom Peri^t aueg^enden Nei^gebilde exsUrp^irt. Im März IS 70 stellte
sich dieselbe mit einem Recidiv vor, an dem nie auch «inen Monat später verschied.
Section: In der rechten Augenhöhle und ai^ ihr he^iiorgehend ein kiqflskopf-
grosser Tumojr — die obere Augenhöhlenv^nd usurixt uipi^d die dura na^ter hier
ättiporgewOlbt und mit der Ges^hwplat ve^rwachsen. — Im rechten Oyfü7^^n eine
bohnengrosse hartie Geschwulst. — Wir referiren ferner
FaU 5. Fan i6]jÄhr. . M^nn litt seit Monaten an Athembeschwerden und
JSluthusten ; der untersuchende Arzt fand eine an der vorderen Trachealwand sitzende
und jdie <Consistenz eines Schwam,mes aufweisende Gesch^ul/Kt. Tod nach einigen
Wochen an Pneumonie. Sowohl die Geschwulst selbst, als aueh die in der Schild-
drüse, in .den Lungen, der Leber und der Milz gefundenen Metastasen wurden
unter dem Mikroskop äU parvicelluläres Sarcom erkannt.
Fall ß. Eine 4()jähr. Frau wurde binnen IV2 Jahren an einer und derselben
Brust wegen recidivirender Oesohwulst 3 Mal operirt. Tod in d^ 3. Woche nach
der letzten Bxstirpation. Seotion: An der plewra eostalis und pulmonalis un-
zählige perlenardge disseministe weisse Knötchen ; .die beiden Pleuren hier und da
▼erwachsen durch eine bis zu 2 Zoll dicke schwielige Masse. In der linken Lunge
3 hilhnereigrosse, in der.nschten 1 faustgroseer Tumor. (Hiritaafci (Krftkßu).
Qross. Sarconia iuvolying the scapujia. iExcision.
(Phüadelphia med. Times 1875 p. 264.)
Der Tumor mass 5 Zoll in der Jjfinge, 4 Zoll in der fireite und sass dem
dorsum Soapulae unterhalb der Spina breitbasig an. Zur Esotsion .genügte ein
Hautsohnitt, welcher von der Mitte der Spina bis zum untem Wink«! verlief. D«r
ganze Körper der Scapula abwärts von der Spina wurde ebenfalls entfernt. Voll-
kommene Genesung innerhalb 3 Wochen (Pat. war 21 Jahre alt).
Einen ähnlichen guten Verlauf nahm die Operation bei einem 40jähr. Manne,
dem wegen Osteosarcom fast die ganze rechte Scapula exstirpirt wurde.
Wllh. Koch (Berlin).
H. Figueira. Empyemfi tratadö pelo tubo d*esgoto e injecQoes repetidas.
(Correio medico de Lisboa 1875. No. U.)
Ein neuer Fall v.qn 3 Mai wiederholter Function der Unken Thoraxhälfte bei
eintim 19jähr. Heizeir eines Dampfschiffes. Das seröseitrige Exsudat wurde bald
stinken^ unter .A>lftrete^ von Symptomen einer allgemeinen Eiterinfection. — Eine
£röffnu;)g des cavum thpracis durch Schnitt verweigerte Pat. Man stach daher
einen dicken Troikar ein, extrahirte mit F o t i n 's Apparat etwa 2 Liter stinkenden
Eiters und Uess die Kanüle liegen, um dieselbe zu Injectionen von 6X Carbol-
Säurelösungen zu benutzen. Später nahm man 10 — 15—20;^ Lösungen (P) und wie-
derholte die Injectionen 2 — 3 Mal täglich und zwar bei Aufenthalt des Pat. in
frischer I^^ndluft. Nach 4 Monaten konnte Pat. für geheilt erklärt werden. — F.
giebt der Carbolsäure VQr der Jodtinctur in solchen Fällen den Vorzug. Es soll
dies d^r 4. in PorU^gal geheilte Fall von Pyothorax sein.
üllersperger (München).
Spruyt. Plaie penetrante de la poitrine; pneumothorax ; guerison.
(Archives m^dicsles beiges 1675. Hft. -2.)
Ein Soldat hatte bei einer Schlägerei idnen Messerstich in den Kücken, neben
dem iii^bm SohulterblattwinJul, erhalten, worauf HlUnopt^te, Ji'neum^th^Qrax .vp.n
mfitiftgur Ausdehnung >Knd «ine eimiuaseripte Pleuropneumonie folgte. Den nach
«twa >5 Woohen erfii4g«uien ^gandtigea. Ausgang in Heilung sohreibt S. der ener-
gisehen Anwendung ▼on Veaieanlieti «», voa .denen er w^h and^VieiUg bei Ent-
sftnduagen .der ^Pleuren und des £erito9«um gule .Erfolge gesehen h#t.
Anit.PiUer [Berjü^)*
Centralblati; £ttr lOhirargie. No« 19. «303
S^usBverletzuiig des Herzens.
(Middlesex Hospital Report« 1873. p. 1%.)
Bei eraem bOjahr. Manne, der nach einer 8ohus8vefletaung in der Hersgegend
sogleich gestorben war, fand «rch twiscben 5. und 6. Rippe J*//' unter derBruert-
Warze und 2" nach 'innen von der Mamillariinie eine kleine rundliche Hautwunde
vit reinen Rftndem. Die Kngel hatte durchdrungen ; das Pericardiun und den
darüber gelegenen Lungentheil, beide Ventvtt^el etwas über der Herzspitze, die
Aorta thonioica, einen Theil ^es 9. Brustwirbels, und food «ioh im H). Brustwirbel
eingekeilt. Die linke PlewrahOhie und das -Peticanlimi wann mit Blut erMlt.
Pik (Stettin).
!F. Bnsor. Aneurysma der Innominata. Ligatur der Carotis und
Subclavia.
(British med. Journal 1875. Vol. I. p. 192.)
Aus Fort Elisabeth (Südafrika) wird über die seltene Operation (18 Mal bisher
mitgetheilt, Ref.) berichtet, ein Aneur. art. innom. durch periphere Ligatur beider
Hauptzweige zum Stillstand zu bringen ; leider bricht die Krankengeschichte dort
ab, wo ernstere Störungen auftreten und es dürfte die vorhandene i»dilatatio arcus«,
Tielleicht Aneur. arcus, den Heilungsausgang wenig wahrscheinlich machen.
Am S. Septbr. 1874 wurde bei einem 50jähr. Manne, der die Zeichen eines
Aneur. der Innominata und Dilatation des arcus aortae darbot, und längere Zeit
vergeblich medicamentös behandelt worden war, in der Narkose die simultane Liga-
tur der Carot. comm. und Subclavia mittelst Seidenf&den ausgeführt, von denen
die Unterbindung des ersteren GefSsses starker Venengeflechte wegen besondere
Schwierigkeiten darbot; nach 14 Tagen Radialpuls fühlbar. Die Ligatur der Sub-
clavia löste sich am 17. , die der Carotis am 21. Tage. Am 14. Octbr. bemerkte
man intermittirenden Puls, am 18. Kopfschmerzen, rechte Pupille contrahirt; die
folgende 'Nacht verläuft besser, aber Puls intermittirend. Weiterer Bericht wird
versprochen. Pill (Stettin).
A. Jackson. Verletzung der Femoralis, doppelte Ligatur derselben
und der profunda; Tod.
(Briash med. Journal 1875. Vol. 1. p. 210.)
Der hochgradig anämische 53jähr. Mann zeigte am linken iOb«nchenkel 2,
unter dem Lig. Poupart. eine kleine Stichwunde, verursacht durch ein .f^Ueudas
Messer ; am Abende fühlte man unter der Wunde einen pulsirenden Tumor, dessen
Pulsation durch Druck auf die Femoralis zum Schwinden gebracht werden konnte.
Am 3. Tage, ala die Pulsation stärker, die Bedeckungen {des Aneurysma'» dün-
ner zu werden schienen, unterband tman in der erweiterten Wunde über und
unter der Verletzung — die vordere Wand der Arterie war angeschnitten — die
Femoralis. £s trat eine starke Blutung ein, als deren Quellen man die zwischen
den beiden Unterbindungsstellen einmündende Profunda fem. erkannte. Nach ihrer
Ligatur siatirte die Blutung; allein unter den Eracheinungeii der Erschöpfung er-
folgte ohne besondere Zwischenfälle in 7 Tagen der Tod. Section war nichjt ge-
suttet. PiU (Stettin).
HuLkfi. Durch Compression geheiUes Fopliteol- Aneurysma. (Land.
pftthol. Soc.)
(British med. Journal ')875. p. 14.)
H. beriohtet über ein orangengrosses Aneurysma bei einem 44jähr. Manne,
welches er durch Compression mittelst eines A^r und eines unter demselben an-
gelegten Toumiqueu, die nur zeitweiae etwas gelöst wurden, in 14 Tagen lur
Heiking brachte; 7 Monate sp&ter starb 'Fat. iitfolge eines m das Pericardiom htn-
durcbg^broehenen Aorten -Aneurysma. Pllx (Stettin).
J. KeilL Popliteal aneuriam — Digital compression.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 164. p. 183 ff.)
42jähr., früher mit Syphilis behafteter Mann trägt ein eigrosses linksseitiges
Poplitealaneurysma, das 6 Wochen vor seiner Aufnahme in's Spital nach dem Auf-
304 Centralbktt für Chirurgie. No. 19.
heben einer Leiter sich bemerkbar gemacht hatte. Digitalcompresition der Axt.
femoralis durch 57 Stunden und Gangrän des Unterschenkels. Der durch dieselbe
nothwendig gewordenen Oberschenkelamputation folgte am 5. Tage eine tödtliche
Blutung. Der aneurysmatische Sack war vollkommen mit Fibringerinnseln erfüllt.
Wilh. Koch (Berlin).
Walmsley. Aneurysma der Femoralis. Ligatur der Iliaca ext. Heilung.
(The Lancet 1674. p. 762.)
I Ein schw&chlicher, 40ji^. Bäcker fühlte im März 1874 beim Erheben eines
Sackes eine Spannung in der linken Leiste ; 4 Tage darauf eine kleine Geschwulst,
die nach 14 Tagen pulsirte; dazu kamen Schmerzen im Beine; die Grösse des
Tumors und die Schmerzhaftigkeit nahmen bedeutend zu, so dass am 25. Juni
die Pulsätionen sich auf ein Bezirk von l^j^' Länge und öVs" Breite erstreckten
und der Tumor nach oben über idas Lig. Poupartii, nach unten bis zum mittr-
leren( Drittel des Oberschenkels reichte. Die Herztöne Waren normal, die Art.
tempor. geschlängelt, der Puls beschleunigt und klein ; das Bein sehr geschwollen.
Da in den nächsten 4 Tagen das Aneurysma schnell wuchs und von einer Behand-
lung mit Compression in diesem Falle keine Rede sein konnte, wurde am 29. Juni
die Ligatur der Iliaca ext. mit carbolisirtem Catgut ausgeführt; der im Uebiigen
normale Verlauf erlitt nur durch ein am 4. Tage auftretendes Erysipel eine kurze
Störung. Bei der Entlassung am 8. August war der auf Va seiner früheren Grösse redu-
cirte Tumor pulslos, das Bein von normalem Aussehen mit voller Gebrauchsf&higkeit.
Pilz (Stettin;.
P. Buge. Beitrag zur Casuistik der Enucleation von Uterusmyomen.
(Vortrag in der Gesellschaft für Gynäkologie in Berlin, 20. Octbr. 1874. — Berl.
klinische Wochenschrift 1875. No. 1.) *
Bei einer 40j ähriger NuUipara 8—10 etwa pflaumengrosse Uterusmyome. Starke
Blutungen standen anfangs nach Ergotininjectionen, spater nicht mehr und kehrten
profus wieder. Verf. dilatirte 5 Tage lang den Muttermund durch Pressschwamm
und Laminaria und schälte ohne fernere Präparation der Genitalien einen apfel-
grossen Tumor der hinteren Wand heraus. Ein zweiter in der vorderen Wand
musste nach Spaltung der Kapsel wegen zu starker reactiver Contraction der Uterus
sitzen bleiben und \nirde nach 5 Tagen, Stark in Zerfall begriffen, spontan ausge-
stoBsen. Heüung. v« MosengeU (Bonn).
Breisky. lieber operative Behandlung der Uterusfibrome.
(Aertzl. Correspondenzblatt, Organ des Vereins deutscher Aerzte in ^Prag 1875.
März. No. 24.)
Der Vortragende berichtet über die Exstirpation zweier Uterusfibrome, von
denen das eine kindkopfgross mit breiter Basis an der rechten hinteren Uterus-
wand aufsass, während das andere ein gewöhnlicher wallnussgrosser fibröser Polyp
war. B. hält vom klinischen Standpunkte aus die Unterscheidung zwischen Poly-
pen und Fibromen fest, weil die operative Behandlung eine verschiedene sein
müsse. Beim ersteren Falle hatte B. bei der sehr herabgekommenen 45jähr. Frau
als Voroperation die Spaltung der Kapsel in der Länge von 8 Cm. vorgenommen,
die Blutung nach dem Einschnitt durch blutstillende Watte sistirt. Am 2. Tage
wurde der Tampon entfernt, es stellten sich kräftige Wehen ein, die die Geschwulst
immer tiefer brachten. Nach 17 Tagen wurde die Geschwulst mit der galvano-
kaustischen Schlinge entfernt. Zuvor befestigte man Luftkissen durch elastische
Binden über der Symphyse, um einerseits die Aorta abdom. zu comprimiren, an-
dererseits für eine eventuelle Tamponade der Vagina einen Gegendruck von oben
au haben. Die Anlegung der Schlinge geschah mittelst der Brückensonde. — Im
zweiten Falle geschah die Abtragung mit einer Hohlscheere unter Leitung der
Finger. Weü (Prag).
Originalmittheilangen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dt, H. TiÜnwnns^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlnng,
Breitkopf tmd Härtely einsenden.
Dne\ nBd Verlag von Breit köpf and HIrtel in Leipzig.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herausgegeben
vom
Br. L Lasur, Dr. K Sckele, Dr. i TDlnM
in Berltn. in Halle ». 8. in L«ipng.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Hark, bei halbjahriger Prl^
nnmef«tion. Zn beriehen durch alle Buchhandlnngen und Postanstalten.
H^ 20. Swnabend, den 15» Mal. 1876.
T II I I
lakall t lafc», I>fts Impferysipel. — Naake, Reyfter, Bntwickloiig der BatremitUeii
des Meos^en, insbesondere der Geleakflaehen. — Fiivre rouge. -^ LaRQy Lapns und
Cardnom. — Qtbar, Wesen der Aleppobeule. — Ellaclier, Fsll von Tetanus traomaticDS.
— Gsillaumat, Anwendung des Schwefelkohlenstoffs bei atoniscben Geschwüren. — tfa*
«Mr (Ftfaady, Blasensteine. -^ RtUX, Urethral - Fieber. ^ Maffia, Statistik der Her-
niotomieen. — Tlllaux, Utemspolypen. — 8ulbeat| Behandlnng des fluor albus. —
■•■Saly Behandlung des congenitalen Klumpfusses.
■Iranoad, Mercurelnreibungen bei Carbunkel. — Schadelf racturen. — Dalbaail, Hyper-
trophie der Oberlippe. — ■areaccl, Tracheotomie wegen Fremdkörper. — €allard»
OasofhagM-Stiietaren. — Fourastti, Hüftgelenkalnaation. — Paiilal, Fall ttoo Ovarien-'
tumor. — Sandriy Sectio cesarea. — BlZZOiero, Perivaginitis phlegmonosa. — Oan-
graen des Vorderarmes bei Herzkrankheit. — Hulka, Hemiotomieen. — dl Baraaria,
Chloral gegen OescbwQre der portio vaginal, uteri.
Bohn. Das Impferysipel und seine Bedeutung für die Ery-
sipelaslehre.
(Jahrbuch für Kinderheilkunde VIII. Jahrgang. HfL 1.)
An der Hand einer ziemlich umfangreichen Statistik beweist Verf.
zunächst den genetischen Znsammenhang zwischen Impferysipd vnd
Impfling. Die eigentliche Heimat des Impferysipels sind die Findel-
häuser. Im Petersburger Findelhause erkrankten 1863: 3^6)1^; 1868
dagegen nnr 1^1)1^. Das Wiener lieferte 1854—64: 1^82)1^2 im
Durchschnitt. Sehr viel seltener sind Epidemien von Impferysipel in
Privat- oder öffentlichen Oesammtimpfungen (Konitz 1863^ Neuetettin
1870, Danzig 1871, Regier.-Bezirk Frankfurt a/0. 1872). — Nach
Fröbelius ist kein Unterschied zu eonstatiren zwischen dem Ein-
fluss der verschiedenen Lympharten (Retrovaccine, animale Lymphe
und aher Jenn er' scher Stoff). Dagegen scheint originäre Lymphe
häufiger als humanisirte von Rothlauf gefolgt zu sein.
20
306 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 20.
Die Vaccine kann auf jeder Stufe ihres Verlaufs zu einem Herde
des Bothlaufs werden, gewohnlich nur von einigen Pusteln aus, meist
nur an einem Arme (unter 141 Fällen 30 Mal an beiden Armen).
Verf. glaubt^ dass das an anderen Körperstellen ohne directen Aus-
gang von der Impfstelle entstandene Erysipel ebenfalls durchaus als
ein echtes Erysipelas vaccinatorium und nicht als zufälliges Eiysipelas
in yaccinato aufzufassen sein dürfte, wie ja auch das gewöhnliche
Erysipel manchmal noch gesunde Hautpartieen zwischen sich liegen
lasse. — Die Entzündung beim Impferysipel ist nach Verf. im Allge-
meinen heftiger als beim gewöhnlichen Bothlauf und dringt tiefer in
die Haut; bisweilen herdweise Vereiterung.
Die Allgemeinerscheinungen entsprechen einem schweren Leiden ;
initialer Frost, brennende Fieberhitze, grosse Au&egung, Erbrechen,
später Apathie ; beim neuen Nachschub neues Erbrechen etc. Temp.
in deutlicher Uebereinstimmung mit dem Gange der Hautentzündung:
Maxima 40,0 — 41,0^C. fast ausschliesslich in den ersten Tagen, mit
starken Remissionen bis zu Collapstemperaturen ; der definitive Abfall
erfolgt jäh, oder lytisch durch mehrere Tage.
Die Mortalität ist in den Impfanstalten sehr ungünstig und
erhebt sich in den Fällen mit weniger ausgesprochener Neigung zum
Wandern (Beschränkung auf den befallenen Arm, von Verf. erysipel.
localisatum genannt) auf 17,5, bei stärkerer (Verbreitung auf den
Stamm etc. -* erysipelas migrans) auf ßl,d^.
Das Impferysipel tritt auf:
1] innerhalb der ersten 3X24 Std. nach der Impfung (vaccinales
Früherysipel),
2) im Anschluss an das entwickelte Jenner'sche Bläschen meist
innerhalb des 8. bis 10. Tages (vaccinales Späterysipel),
3) im Anschluss an die bereits verheilenden Geschwürsflächen als
zufälliges Erysipel.
1. Das — häufigere — Späterysipel schliesst sich an den Entzün-
dungshof an, welcher das am 6. bis 8. Tage nach der Impfung sich ent-
wickelnde Bläschen umgiebt und welchen Verf. als »normales Impf-
erysipel« auffasst. Das vaccinale Späterysipel ist ein Recidiv oder
eine Ausschreitung des schon bestehenden gesetzmässigen.
Die Ursache dafür ist nicht etwa in einem neuen Giftstoffe zu
suchen, sondern es reichen dazu Schädlichkeiten und örtliche Reize
der allgemeinsten Art aus.
Das beweist der Umstand, dass Fröbelius die 3,6^ der am
Impferysipel verstorbenen Neugeborenen im Petersburger Findelhause
auf iflßi herabsetzen konnte durch die Verordnungen:
1) Zu schwächliche Kinder wurden nicht eher geimpft, als bis
sie kräftiger waren.
2) Es wurde für gehörige Hautcultur gesorgt (Bäder etc.).
3) Die Zahl der Impfstiche wurde von 6 auf 3 herabgesetzt.
4) Die rücksichtslose Maltraitirung der Pusteln von Seite des Feld-
scheers Behufs Abimpfung hatte ein Ende.
Centralblatt fftr Chirurgie. No. 20. 307
5) Die Nachbehandlung der Pusteln mit einem Pulver von Zink*
blumen und Bäriapsamen hörte auf, und damit die Bildung von dicken
Schorfen^ unter denen* der Eiter in die Tiefe drang.
Daraus erhellt, dass verschiedene Einflüsse im Stande sind, dem
normalen Voigang des Impferysipels eine krankhafte Steigerung m
geben.
2. Das Früherysipel, welches dem Acte der Impfung auf dem
Fusse folgt.
Bei diesem entzünden sich unter heftigem Fieber, Erbrechen etc.
sofort die Stichwunden und es entwickelt sich in 12 bis 30 Stunden
ein Bothlauf, der die Impfstiche in rundliche Geschwüre verwandelt,
die lange eitern.
Die Dauer dieser Früherysipele ist sehr verschieden; auch sie
können wandern; bisweilen tritt herdweise Vereiterung ein.
Bei diesem vaccinalen Früherysipel erscheint das Erysipel einge*
impft und gelangt geraden Weges zum localen und constitutioneUen
Ausdruck. Der Umstand, dass von gleichzeitig mit derselben Lymphe
geimpften Kindern nur einzelne erkranken, dass von allen Impfstichen
nur einzelne sich entzünden, beweist, dass der Lymphe rothlaufer-
zeugende Stoffe mechanisch beigemengt sind, die mit derLancette
zuftUlig gefasst werden. Diese phlogogenen Stoffe stören die ruhige Ar-
beit der Lymphe — ohne immer ihre Schutzkraft zu vernichten. V. fand
einmal enorme Pilzwucherung in der Lymphe als Ursache des Früh*
erysipels. Grobe, rostige Instrumente werden gelegentlich auch mit
Recht beschuldigt werden können.
Die Wirkung der Impfung anlangend, so lässt ein Späterysipel
vollen Schutz zu — ebenso ein Früherysipel an einem Arm und
einzelnen Pusteln entwickelt. Sonst zerstört das Früherysipel die
Schutzkraft.
Was das Yerhältniss der Rothlauf-Lehre zum Impferysipel be*
triflft, so lässt sich das folgendermassen resumiren:
1) Es giebt kein specifisches Rothlaufgift.
2) Dem Erysipel kann kein specifischer Charakter zuerkannt wer-
den, da es auf die verschiedensten Reize erfolgt. Damit ftlUt auch
seine Contagiosität (?).
3)^ Der Rothlauf kann, wie die vaccinalen Früherysipele beweisen,
eingeimpft werden.
4) Die vaccinalen Späterysipele beweisen, dass die Irritation der
Haut und des Blutes gleichzeitig beginnen und verlaufen.
5) Der die erysipelatÖse Entzündung hervorrufende und unter-
haltende Factor gelangt in die Lymphgefässe der Cutis und behält
oder bekommt daselbst die irritirende Kraft. Und doch machen die
Späterysipele es wahrscheinlich, dass die Wanderung der Erysipele
angefacht und unterhalten werden kann durch fremde, neu hinzuge-
tretene Reize, während die erste Ursache bereits erloschen ist.
6] Die Empfindlichkeit der Haut ist ein disponirendes Moment
tSa die vaccinalen Rothläufe.
20*
Ycfff . fi^ m eia^m ABhange etnigd mtereeeante e^ene und ent-
lebftte Beobachtungen ühßx vaceinale Früherysipetle bei.
Ketaia (HaUe f/flk),
W. Henke und O. B/erT^er. Studien fiber die Entwicklung der
Extremitäten des Menschen, insbesondere der Oelenkflächen.
(Aus den Sitxungsber. der k. k. Aeademie der Wissenschaften, Wien, 1S74$. Juli 23.)
Pie Stijk4ieu «ind au S^baUteu von Dmbryouen aus dar b. und 6.
Woch.^^ aus dem Eude des 2. Monates bis vom 5. Monale und aus
dem 6. Monate augesteUt. Im ersten Absobuitte der Arbeit wird die
erste Anlage und Gliederung der ElLtremitäteu ausfübrUeh gesi^ädert;
biera^ schliesst sieb die weiteve Gestaltus^ der Grelienke der Finger,
des Ellbogengeleukes und endli^ eine zusanunenbängende DarsteUuug
der gewoujaenen Biesultate.
Beaüglicb der Frage nach der ersten Gliederung konmen
die Vff. zu keiner bestimmten Entscheidung ^wischen den beiden bis
jetzt darüber herrschenden Ansichten, doch neigen sie sich mehr der-
jenigen zu, welche das Zusammenkommen vea getrennt angelegten
Abschnitten als Glieder einer Reihe annimmt. Sie constatirten jedoek
no«h einen dritten Modus der Entstehung einer gegliederten Eeihe von
Skeletabschnitten. Derselbe besteht in einem allmäligen Aufbau je eines
neuen Gliedes hart am Ende des bereits fertigen (so an den Fingern
und Zehen). Hat eines dieser GUeder eine bestimmte lAnge sfreioht,
so wird es durch eine quer darauf gelegte Platte tou etwas yenUch^
tetem Gewebe abgeschlossen; das folgende Stück wächst nun sofort
im Anschlüsse an die zwiachengelegte Scheibe, und ist somit durch'
eine Art von Syndesmose mit dem ersten Stiieke verbunden.
Durch Verdünnung und Schwinden der Zwischenscheibe kann
hieraus unmittelbar ein Gelenk (Biarthrose) werden, wobei fireilicb
anfänglich noch die beiden Hauptexfordemisse eines Gelenkes fehlen,
nämlich die entsprechende Krüimmung der Contactfläehen und die
Differenz der Grösse derselben. Dieses erste Stadium der Gelenkbil-
dung wäre am besten mit dem Namen Amphiarthrose zu bezeich«*
nen. Die AUgemeingiltigkeit dieses Entwicklungsganges sei nicht
sicher zu behaupten, es könne auch eine jier beiden anderen Ent-
stehungsarten zugelassen werden, doch komme dieses Staditmi der
Amphiarthrose wohl bei jedem Gelenke in den Anfangen seiner Bil-
dung vor.
Wevtn nun bewegende Kräfte (die Muskeln) einzuwirken beginnen,
so drücken sich insbesondere die Känder der Endflächen, womit 2
Stücke sich berühren, an der Seite, wohin eine Biegung derselbea
Statt hat> aHanälig stärker ein, wobei das Wichtigste das ist, dasa die
RandeindrückuQg an dem einen der beiden Stücke vorwiegend und in
der Richtung der typischen Bewegung gleichmässig vertheik -** so abo
die ganze Endflache convex wird, während das andere Stuck mit einer
Vertiefung seiner Endfläche den Abdruck dieser Convexität vorsteUb.
Ci&tralblatt Ittf Ckimt«^. Mo. 8«. ^0^
Die Kraft, nie Kopf und Fftome entstiäie, bte&t#ortob die TIT.
auch durch Herbeiziehung der Muskelaction> entgegen Fick^ derdae
Wachsthum der knikäi^nen Gebilde in BettwlA zog, wodurch das
«ine Skick eich mit eemer EnMSche in dae andere hineinbolire nnd
eo die Höhlung eneuge. Die VC hingegen erinn^itt an das diffiferente
Verhalten der das Gelenk uberspringendta MHskrin an beiden Stücken.
An dem einen Stüdce liegen die Muskeln tnit dem grSsbteti Th^e
ikrer Länge an, wäiiend sie an dem and^üi sich gans nahe dem da-
swisohenliegenden Grelenke inserben und es hietdurch mit «einem
Baade in das endete hinemdrücken ; geschehe dies nun abwechselnd
iMld an dieser, bald an jener SleUe, so werden duit)h Druck di^ B&n^
der des aweiten Stückes weggearbeitet Es bildet eich also auf der
Seite die Pfanne, wo die Insemon^i der übetepringenden Muskeln
weniger weit vom Gelenke entfernt sind (so an den Fingern und am
EUbogengelenk^ die Vff. näher untersufchten, und scheüit dieses Ge-
•eti auch für die meisten andern Gelenke bu gelten).
Eine weitere Frage beträft die Vergrösseruag des Kopfes
gegenüber der Pfanne (ohne wriche die Pfenne in*s Bodenlose
fiele, wenn ihre Bänder die des Kopfes übersehreiten) . Die Ursachen
für diese nothwendige Ausbreitung des Kopfes, suchen die Vff. in
Folgendem: Zunächst sei es denkbar, dass der Knorpel durch den
Dtnck der Pfanne etwas in die Breite gehe, weiter aber übe die
über den Kopf gleitende Pfanne einen Heus auf die nutrititen Vor-
gänge in demselben aus. Noch yiel ausgiebiger aber wirkt ein drittes
Moment. Wenn nämlich auf der einen Seite die Contraction der
Muskeln die PÜEinne über der Rand des Gelenkkopfes himiusrieht, so
werden auf der anderen Seite die Sehnen^ die sich bildende Kapsel etc.
nachgezogen und gegen die Kante, welche der Rand des Kopfes mit
der Oberfläche des angrenzenden Skeletabschnittes bildet, angedrückt,
und darüber hin- und hergezogen, wodurch die ohnehin noch schwach
inserirte Kapsel mehr und mehr abgelöst, die genannte Kante aber
durch das Uebergleiten abgerundet wird. So kommt zum primären
Gelenkkopfe auf Kosten der freien Fläche des bisher nicht mit
dem Gelenke in Verbindung gestandenen Skeletantheils ein Weiteres,
eine Accession, hinzu, welche den Kopf erheblich vergrössem hilft.
Der Gelenkkopf zeigt daher in dieser Periode eine Gestalt, die sich
ans 3 verschiedenen (je eine Accession auf der Streck- und Beuge-
seite), noch eckig zusammenstossenden Stücken zusammensetzt. An-
fänglich vermittelt nur das mittlere (der primäre Gelenkkopf) den
Contact mit der Pfanne, bis endlich durch gesteigerte Muskelaction die
Pfanne auf die allmälig abgerundeten Accessionen zu stehen komtnt. Am
schnellsten vollzieht sich die Abschleifung der ungleichen Gelenk-
kopfstücke an den Fingern; an den Seitenpartieen bleiben Stücke der
Accesfiionen dauernd mehr oder weniger unterscheidbar, was an anderen
Gelenken noch ersichtlicher ist (insbesondere an den Gelenkköpfen
des Hinterhauptes).
Die Potte der PhalaingeidcSpfe, sowie der Trochlea des Oberarmes,
310 Centndblatt ftr Chinugie« No. 20.
erklärt sich aus dem directeren Anlegen der überspiingenden Sehnen
auf die Mitte des Kopfes.
Den Schluss der Arbeit bilden die Ergebnisse in Besug auf Thier-
ähnlichkeit in der Entwicklung. Die Vff. bemerken^ dass die Ana-
logieen in der Entwicklung des menschlichen Skelets mit denen nie-
derer Thiere nicht so weit in die niederen Classen zurückweisen,
wie jene^ welche Ton der Genese anderer Körperthefle her bekannt
sind; es sei dies auch nicht zu erwarten, da sie ja nur relativ schon
vorgeschrittene Stufen dieser Entwicklung imtersuchten. Doch er-
strecken sich diese Analogieen bis zu den weitest entfernten Säuge-
thierordnungen. So findet sich eine Analogie bezüglich der Andeutung
von einer Verbindung der Fibula mit dem Femur bei Echidna und
Phalangista. Die Bildung der Verbindung des Talus mit der Tibia und
Fibula im firühesten von den Vff. beobachteten Stadium, iat ganz zu
vergleichen der Bildung dieser Gelenke bei Phalangista. (Weitere
Analogieen sind im Originale nachzusehen.) Von grossem Interesse
ist die Andeutung von einem oder zwei überzähligen Carpuselemen-
ten. Es betrifit dies die Anlage von 10 Carpalia^ wobei das eine
genau der Lage nach dem Centrale am Carpus der Amphibien, Rep-
tilien und einiger Säugethiere entspricht, das zweite (radial gel^ene)
eine Analogie bei Simia Satyrus findet. Das erste erhält sich bis zum
3. Monate und geht dann in das Naviculare auf. Das zweite ent*
spricht der Eminentia carp. radial, infer. des Trapezium des Menschen.
Die Vff. versprechen am Schlüsse ihrer interessanten Arbeit die
weitere Verfolgung dieser Studien mit Berücksichtigung noch früherer
Entwicklungsstadien. 4 Tafeln, von Henke gez., von Heitz-
mann jun. Uthograph.^ sind der Arbeit beigegeben.
Fr. Steimer (Wien).
Dengue, ou fievre rouge des colonies.
(Journal de mM. et de cfair. pratique 1875. p. 157, a. d. ReTae m^cale de Toulouse.)
Nach der oberflächlichen Schilderung ist diese neuerdings erst
beschriebene Krankheit in folgender Weise zu charakterisiren.
Sie entsteht in Indien, erscheint aber auch in seltenen Fallen in
Europa, so z. B. in Spanien im Jahre 1864. Gewöhnlich kommt sie
plötzlich zum Ausbrudi und überzieht mit einer dem Scharlach ähn<-
liehen Eruption unter heftigem Fieber den ganzen Körper. Der Aus-
schlag verschwindet rasch^ und auch das Fieber dauert nur 3 Tage»
Zugleich aber stellen sich sehr schmerzhafte Gelenkentzündungen ein,
die häufigen Rückfällen unterliegen > so dass» obschon gewöhnlich
Heilung eintritt^ doch lange Zeit hierzu in Anspruch genommen wird.
Der zur Illustration dienende Fall war ein sehr schwerer^ da der
37jähr. Mann durch Intermittens^ Dysenterie und Rheumatismus, die
er in den Colonien durchgemacht hatte , geschwächt « nach Ueber-^
stehung des Fievre rouge eine rheumatische (?) Augenentzündung und
GttatnlUait fOr Chinugie. No. 20. 311
deformans der Hand- und Fiusgelenke sorückbehalten hatte.
Eine Cor in Bareges besserte diese Leiden sehr wesentlich.
Zu erwähnen wäre noch, dass die Dengue epidemisch auftritt,
wahrscheinlich contagiös ist^ jede Baee und jeden Stamm ergreift,
dass die Therapie einstweilen noch eine rein symptomatische ist und
dass Chinin sieh nutzlos erwiesen hat. Pagensteelier (Elberfeld).
E<L Lang. Lupus und Carcinom.
(Vierteljahrtschrift fOr Dennatologie und Syphüis 1874. p. 165.)*
Verf. theilt den klinischen Verlauf und die histologischen Er-
gebnisse eines Falles mit, in welchem auf einem theils vernarbten,
theils noch bestehenden Lupusherde der rechten Gesichtshälfte ein
carcinomatöses Geschwür entstanden war — eine Combination von
Carcinom und Lupus, wie sie auch von O. Weber, Bardeleben,
Hebra und Wenk mitgetheilt worden ist.
Die histologische Untersuchung ergab L., dass das schüsselför-
mige Carcinom im Lupusgewebe eingebettet lag; nirgends konnte L.
Uebergänge von Lupus zu Krebs oder umgekehrt constatiren. Im
Gegentheil schien der Lupusherd für das Carcinom als Stroma zu
dienen und von letzterem verdrängt zu werden. Aus gewissen Be-
funden glaubt L. entnehmen zu können, dass Krebszellen theils in
Lymph-, theils in Blutbahnen activ hineingelangen, doch konnte er
nicht die Ueberzeugung gewinnen, dass aus der Froliferirung der Ge-
fasswandelemente selbst Carcinomkörper entstehen.
Teber die Bedeutung der sogenannten Riesenzellen im Lupus ge-
langt Verf. zu der Ueberzeugung, dass sie als retrograd metamorpho-
sirte Zellenconglomerate aufzufassen sei und läugnet ihre Bedeutung
als prolifcrirende Gebilde. Kapost (Wien).
Ed. Oeber. Ueber das Wesen der Aleppobeule.
(Vierteljahrsschrift für Dermatologie und Syphilis 1874. Hft. 4. p. 445.) %
G. buchtet unter der Ueberschrift x^ Erfahrungen aus meiner
Orientreise« vorerst über die »Aleppobeule«. Es geht zunächst aus
seiner Darstellung hervor, dass von den dortigen Aerzten und Laien
alle schwer heilbaren chronischen und ulcerösen Processe, als
Eczan, Lupus, Syphilis, Scrophulose för «Beule von Aleppo« gehal-
ten werden. Der Schlussfolgerung G.'s jedoch, dass es darum keinen
Bouton d'Alepp als Morbus sui generis gebe, ist nach der Leetüre des
Aufsatzes keineswegs beizustimmen. Im Gegentheil, G. selbst theilt 2
Fälle eigener Beobachtung mit, die ganz und gar den bekannten
Symptomencomplex des Bouton darbieten, und von denen G. selbst
nicht anders sagen kann, als dass sie mit den bei uns bekannten
Krankheitsformen nicht übereinstimmen. Das heisst doch offenbar,
dass diese 2 Fälle etwas Eigenartiges darstellen. G. gesteht, dass
diese Fälle eine »Besonderheit« der Entstehung und des Verlaufes dar-
312 Centardblatt füx Chim^e. Na. 20.
Da auch die Eddäning, welche er (p. 488 1. c.) fiir dietelr
ben giebt, nichts weniger als sachlich ist» das Factum ihres Vor-
kommens jedoch von G. selbst zugestanden wird, so können wir
nicht anders, als gegen den Autor G.'s Mittheilungen selbst für eine
Bestätigung der Existenz des Bouton anzusehen.
. KapesI (Wien)»
EliBCher. Fall von Tetanus traumaticus.
(Sitzungsbericht der Budapester k. OeBeilschaft der Aerzte Tom 3. April 1875. —
Pester med. chir. Presse 1875. No. 15.)
Beobachtung aus der Klinik des Prof. Kor&nyi. SystematLsche
Untersuchung des gesammten Hirns und Rückenmarkes mit positiven
Resultaten^ nämlich: Bindegewebswucherung in sämmtlichen Längs*
faserzügen^ besonders der austretenden Nerven; amyloide Degenera-
tion der Granglienzellen des n. V. VH. und der Oliven ; in den Granglien-
Zellen des Rückenmarkes entweder ebenfalls amyloide Degenetation, oder
aber Spaltung des Protoplasmas in eine durch Carmin geftrbte und
in eine sich nicht ßlrbende gelbe Schicht : Yacuolenbildung und con-
centrische Anordnung des Protoplasmas um den Kern, wie nach auf
die lebende Zelle geführten Inductionsschlägen; femer Wucherung
und Verstopfung des Centralkanales. Bappreeiit (Halle).
Guillaiimet. Note sur Temploi du sulfure de carbone dans
le traitement des plaies atoniques et des ulc^rations chroniques.
(Journal de th6rapeutique 1875. No. 3. p. 97.)
Nach den Erfolgen, die zuerst von Dr. Michel, später im Hospi-
tal St Lazare mit der Anwendung des Schwefelkohlenstoffes bei atoni-
schen hartnäckigen Geschwüren, namentlich auch syphilitischen Ur-
sprungs erreicht wurden, empfiehlt 6. dieses Mittel auf das Wärmste.
Die Anwendung geschieht in der Weise, dass die Oberfläche des Ge-
sdhwürs mit einem in Schwefelkohlenstoff getränkten Charpieballen
leicht und schnell überstrichen und sodann mit salpetersaurem Wis-
muthoxyd oder Stärke gepudert wird. Je nach dem Zustand der
Wunde wird dann noch ein trockner Charpiererband hinzugefugt.
Die Veränderung im Aussehen sowie die Yemarbung der Gtoschwürs-
fläche geht auch in den hartnäckigsten und verzweifätsten Fällen mit
überraschender Sdmelligkeit vor sich. Der nächste Eflect des Touchi-
rens mit dem Schwefelkohlenstoff ist ein Blasswerden der Granula-
tionen, bedingt durch die b^ der lebhaften Verdunstung des Schwe-
felkohlenstoffs stattfindende Ischämie. Nach einiger Zeit tritt eine
lebhafte Böthung der Granulationen, sowie ein ca. 20 — 60 Secunden
andauernder intensiver Schmerz ein. Bisweilen folgt demselben eine
mehrere Stunden währende Anästhesie. Das erwähnte Sdimerzgefühl
▼erliert sich übrigens mit der wiederfaohen Application des Mittels.
Ist erst das Aussehen der Granulationen in günstiger Weise yeittn-*
CtttnlbUtt ftr Ghiraigie. No. 20. 313
dgat, 80 geht audi die Venuabung impider TOr skh. Die eiuuweii*
dende Quantität des Mittels, sowie die Anssahl der Veibande richtet
«idi nach, dem Zustand des Geschwürs. Ein xu viel setst awar keinen
Aetischorf, rerUndert aber die Vemarbuqg. Die Ton G. in kuner
Krankengeschichte mitgetheUten Fälle betreffen : 1) Ausgddehntes^ seit
4V} Monaten bestehendes syphilitisches Gesohwür der grossen 8cham-
lippe. Heilung in 14 Tagen. 2) Chronisches, nach Operation einer
Mastdannfistel surückgebliebenes Hautgeschwär. Besserung. (Pikt.
starb vor desr definitiven Verkeilung an Marasmus.) 3) Chronisches
Geschwür des Oberschenkels (uicerirtes Gumma). Besserung.
^ 0. Yolkmaan (Haue).
E. Stamer O'Orady. Notes on cases of vesical calculi.
(Thfi Dublin Jounal of med. scieaoa 1874. December.)
G. berichtet zunächst in genauen Krankengeschichten über 4
günstig verlaufende Fälle von Seitensteinschnitt bei einem 50-, lO-,
8V4- tmd 4jahr., männlichen Individuum; theilt dann die bei einem
12 Jahre alten Knaben wegen eines beim XJriniren stecken gebliebe-
nen Blasensteines ausgeführte Urethrotomia externa mit, die in äusserst
kurzer Zeit zur Heilung gelangte. Hierauf folgen Bemerkungen über
2 Lithotripsieen, nebst einer Abbildung des dabei angewendeten Litho-
tliptors. Den ScUuss der Arbeit büdet eine Tabelle über 15 dem
Autor zur Beobachtung gekommene Blasensteine, als Beitrag zu einer
Statistik dieses Leidens , nebst kleinen Notizen dazu. Die Details der
einzelnen Fälle, welche nichts wesentlich Neues bieten, wolle man
im Original nachsehen. ^__^__ ^» Braan (Heidelberg).
Sur la fievre urethrale.
(S^ance de U See. de chir. 1874. 9. Decbr.)
•
R. beschreibt die Symptome der Krankheit und hebt die Analogie
zwischen Urethral- und Sumpffiebem hervor. Wenn hinter einer ver-
engerten Stelle der Uiethra die Schleimhaut normal ist, so ist das
Einfuhren des Katheters von keinen üblen Folgen begleitet; ist aber
die Schleimhaut verletzt, exulcerirt, dann kommt es, wenn alkaUscher
und fötider Harn alsbald nach dem Katheterismus die Urethra passirt,
zu Fieberanfillen.
Der Referent (Faulet] meint, R.'s Anschauung sei zu exclusiv.
Im Allgemeinen beobachte man üble ZufilUe nach dem Katheterismus,
wenn der Harn abnorm verändert ist und wenn die Secretion langsam
und unvollkommen vor sich geht. Auch könne man nicht Ham-
rohrenveiletzungen allein als causales Moment mitbeschuldigen. Die
Urethra könne gesund sein, es könnte aber eine Absorption von der
Schleimhaut der Blase ausgehen. Der alkalische Harn löse das Epi-
Ael auf, in welchem Fall dann die Berührung des Katheters genüge,
um die Blasenwand zu verletzen. Faulet mochte daher die Beseich-
314 Centralblatt fOr Chimxgie. No. 20.
nxmg febris uiinaria oder f. urethxo^Teeicalis der BezeiclmuDg f. ure-
thralis yorziehen.
R. sagt weiter, es bilde sich durch die Alkalkität des Harns eine
Gährung, und die Absorption der Fermente erzeuge das Urethral-
fieber (? Ref.).
Um dem Fieberanfall zuTorzukommen, räth R., die ursprüng-
liche Krankheit zu behandeln und als Beruhigungsmittel Bromkali zu
geben. Ist der Fieberanfall eingetreten, so empfehle sich Alkohol
und Chinin sulf. Fr. Steiner (Wien).
Despres. Hernies ^trangl^es. Statistique des Operations.
(Oaz. des h6pitaax 1875. No. 20.)
Im Jahre 1873/74 wurden im Hospital Cochin 8 Hemiotomieen
ausgeführt. 5 Mal bei Schenkelhemien mit 3 Todesfallen; eine 4. Pa-
tientin starb in der 3. Woche an chronischer Bronchitis. Von 3 an
Inguinalhemien leidenden Fat. starb einer, bei welchem erst die Punc-
tioix mit Aspiration, dann die Taxis und Hemiotomie gemacht war.
Bei der Section war die FunctionsöfEhung nicht zu finden. D. legt
grossen Werth darauf^ die Taxis nicht zu lange fortzusetzen: igelingt
die Taxis nicht, so verschlechtert sie allemal die Prognose ganz we-
sentlich«. Bei der Operation lässt er nicht chloroformiren, da
der Schmerz leicht zu ertragen ist und die Kranken nach dem Er-
wachen aus der Narkose häufig sehr abgeschlagen sind und lange
mit Uebelkeit und Erbrechen zu kämpfen haben. Vor der Reduction
wird der Darm mit warmem Wasser gewaschen, um ihn zu reinigen
und die Circulation rascher wiederherzustellen. liegt eine kleine
Portion Netz vor, so wird sie einfach unterbunden, grössere Partieen
werden unterbunden, abgetragen und der Stumpf cauterisirt. — In
6 Fällen gelang die Taxis ohne Operation; warme Bäder, Cataplas-
men. 1 Pat. kam moribund in das SpitaL Bei der Section fanden
sich Ecchymosen und interstitielle Rupturen, Peritonitis.
Schädel (BerUn).
Tillauz. Vari^t^ des corps fibreux de Tuterus.
(Sianoe de la Soc. de Chir. 1874. 2. Decbr.)
T. sah einen Uteruspolypen imter dem Einfluss der Uteruscon-
tractionen intermittirend erscheinen imd bald darauf wieder verschwin-
den. — Bei einer andern Patientin war ein Uteruspolyp ecrasirt wor-
den. 1 Jahr darauf fühlte sie wieder lebhafte Schmerzen. Bei der
äntbchen Untersuchung fand sich nichts. 2 Tage später lag in der
Scheide der Frau ein hühnereigrosser Polyp; also ein interstitielles
Fibrom, welches durch die Uteruscontractionen in die Scheide ge-
drängt worden war.
In einem 3. Fall hatte T. einen enormen Uteruspolypen ecrasirt.
Er war breit im Fundus uteri aufgesessen, wovon ein Theil mit ecra-
sirt worden war. Die Pat. starb nach 48 Stunden. Künftighin will
CeatralUAtt ftr Chirurgie. No* 30. 315
T. bei nicht gestielten üterustiuiioren nicht mehr eerasiren, sondern
Schicht für Schicht mit dem Messer ablösen^ um über die Lage des
Utemsgewebes sicher zu sein.
Duplay bemerkt, es sei gefahrlich, an voluminösen Uteruspoly-
pen, deren Insertion man nicht kenne, zu ziehen ; könne man. nicht
an ihre obere Partie gelangen, so sei es besser, den Tumor stück-
weise abzutragen; man vermeide so die Inversion des Uterus.
Gueniot empfiehlt die Acupunctumadeln zur Unterscheidung des
Uterus- vom Fibromgewebe. Im Uterus zurückgelassene Beste des
Fibroids müssen, wie er meint, nicht unbedingt nekrosiren.
Auch Guyon sieht, entgegen T., im Zurücklassen von Stiel-
resten nichts Bedenkliches. Er verweist auf Jarjavay's Bath, in
Fallen, wo man über Tumor- und Uterusgrenzen nicht im Klaren
sei, den ersteren der Länge nach zu spalten, und durch allmälige
Schnitte die Fibromgrenze zu erreichen.
Despris vergewissert sich in zweifelhaften Fällen durch die
Untersuchung per rectum von der Lage des Uterus.
Polaillon entfernte einen Uteruspolypen durch allmälige Liga-
turen.
Blot hat das von T. vorgelegte Stück untersucht. Er bemerkt^
dass man mit den Fingernägeln das Fibrom- vom Uterusgewebe leicht
ablösen konnte. Man hätte daher in diesem Falle wie bei der Fla-
centalösung vorgehen sollen.
Marjolin meint, die Diagnose hätte durch die Bectaluntersuch-
ung bei gleichzeitiger Einführung der Uterussonde erleichtert werden
können.
Dubreuil zieht für diese Falle die Maisonneuve'sche Schlinge
dem leichter abgleitenden Ecraseur vor.
Forget meint, man hätte den Desault'schen Schlingenscbnürer
am oberen Theile des Tumors anlegen können, wodurch vielleicht,
wenn der Uterus mit in die Schlinge gefasst war, die serösen Flächen
desselben mit einander verklebt und so günstigere Chancen erreicht
worden wären. Fr. StelBer (Wien).
Ouibont. Traitement des ^coulements vaginaux.
\Qta, des h6pitftuz 1875. No. 16.)
Mit Hülfe eines Speculums werden 2 in concentrirte Tanninlösung
(25 : 100) getauchte Charpietampons in die Vagina eingeführt. Ein
dritter, trockner Tampon dient zur Aufsaugung der Secrete. Alle
24 Stunden werden die Tampons erneuert, nachdem die Vagina durch
Injectionen sorgfältig gereinigt ist» Während der Cur^ die zur Zeit
der Menstruation ausgesetzt werden muss, soll die Fat. das Bett hüten,
oder sich wenigstens möglichst ruhig halten. Der Ausfluss ist in der
Begel, selbst in hartnäckigen Fällen, schon nach 8 — 10 Tagen voll-
kommen beseitigt. Schädel (Berün).
816 CdtitnJUaU füir Chimigle« Ko. 10.
Mtfasel (OothA) . Behandlung des «ngebcMrenen Klompfttsses.
Ais Manasoript gednickt.
Gleich nach Geburt des Eöndes beginnt di« übliche VorberMtiuig
der Kur darch Mft&ipaktionen und später durch HeftpAasterverbände
-^ darunter eine Gaeebinde tum Schutze der Haut. Hat let^tcve eine
gewisse Widerstandsfähigkeit erlangt^ so kommt folgender Apparat
zur Anwendung. Gegen dne die Wade von hinten umfiaateiide, led«r-
gepolsterte Blechrinne bewegt sieh im Sinne der Plantar- und Dorsal-
flexion mittelst eines durch Klemmschraube feststellbaren Channer*
gelenkes*) ein Fussbrett. Dieses ist durch eine am Hackentheil be-
findliche Schraube ohne Ende um seine Längsaxe drehbar und so in
jeder beliebigen Pronationsstellung 2u fixiren. Die mittelst Heft-
pflasterstreifen auf der Schiene gut befestigte Extremität wird nllmKlig
immer mehr in corrigirte Stdlung hineingeschraubt und kann täglich
besichtigt^ gebadet und gymnastisdi geübt werden. — Ist hierdurch
die FusBStellung soweit gebessert^ dass das Kind zwar mit der Planta
auftritt, aber wegen Einwärtsrotation des Unterschenkels ein Reddiv
drohte so wird auch diese Complication (Verf. findet dieselbe so über-
wiegend häufige dass er für pes yarus congenitus die alten Bezeich-
nungen »crus yarum« oder »Dolschenkel« neu einzuführen yorscfalägt)
mit »frappanter« Wirkung selbst in hochgradigen Fällen bekämpft
durch einen Apparat folgender Construction. Die beiden Stahlschienen
eines Scarpa'schen Stiefels laufen oben je in eine Gabel aus. Diese
spielen, wiederum feststellbar durch Klemmschrauben^ auf einem in
der Höhe der Femurcondylen etwas abstehenden^ das Glied umkreisen-
den Stahlringe. Letzterer bildet das untere Ende einer mittelst Becken-
giirt gut befestigten äusseren Oberschenkelschiene. Dem Fuss-, Knie-
und Hüftgelenk entsprechende Chamiere thun der Wirksamkeit des
Apparates keinen Eintrag. Am besten bei flectirtem Kniegelenk wird
der Unterschenkel möglichst nach aussen rotirt und so an dem be-
schriebenen Ringe festgestellt. Selbstyerständlic^ kann diese Aus-
wärtsrotation des Unterschenkels schon gleich bei Beginn der Kur
angestrebt werden^ indem statt des Scarpa'schen Stiefels ein Apparat
nach Lutter-Langenbeck^ oder der Eingangs beschriebene Men-
sel'sehe Apparat mit dem Condylenringe combinirt wird.
Rappreeht (Halle).
*) Statt des einfachen Charaiergelenks empfiehlt sich vielleicht besser das
K.Qgel9alenky um auch im Sinne der Abduction auf den Fuss einwirken tu können.
* Instrumeatenmacher Baumgartel in Halle liefert Modelle su dem Preise von
10,50 Mark. Ref.
Kleinere Mittheilungen.
Hiramond. Frietions mercurielles sur le fiironcle et Tanthrax.
(Joum. de m6d. et de chir. prost. 1875. p. 114 et 157.]
Mit 5 bis 10 grm. Ungt. oinereum, durch 1 bis 2 Minuten auf den Carbunkel
und 10 Cm. im Umkreis eingerieben, soll, nachdem die Stelle mit einer Compresse
bedeckt ist und so der Ueberschuss der Salbe zurückgehalten wird, sofort Erleich-
GentnIbUtI Air CUnirgie. No. 20« 3 17
tflnn« und in t biB a Ti«n Ztrlheibn« 4«f Gatchwiiltt okn Btarung klBtiw
Das Bistouri wird nach den Beobachtungen des Verf. 's entbehrlich.
Pftfensteektr (Elberfeld).
Casci of frucUue q{ die «kuU.
(Med. tim. and ga«. 1875. March 13. p. 260.)
Ony's hospital (Birkett). 1) Schidelbasisfractur, Genesung. .
ISn 8jihr. Mftddien war nach einem Falle bewusstlos geworden; am nftchsten
Morgen folgte Erbrechen ; ein serOser Ausfluss aus dem linken Ohre hielt 14 Tage
an. Genesung, ohne dass weitere Himsymptome eingetreten wären.
Umrersity College hospital (Heath). 2) Sch&delbasiifractur. Genesung.
ISn 8monatl. Mädchen war 12' hoch herunter gefallen; Blutung aus linkem
Ohr und Nase, 10 Minuten Bewusstlosigkeit. Beide Pupillen anfkngs weit» nicht
reagirend. Keine Lähmung. 24 Stunden lang seröser Ausfluss. Genesung.
Middlesex hospital (Morris). 3) Bchädelbasisfractur, Ctoesung.
Ein 52jähr. Mann war betrunken rttekwärts gegen einen Pfosten gefallen. An-
fangs Bhitungy naeh 5 Tagen rein sevOser Ausfluss aus linkem Ohr, Verlost des
Gehörs auf dieser 8eite. Genesung ohne ffimsymptome.
4} Schädelbasisfractur, Tod.
Ein 31Jihr. Arbeiter wurde von einem Pferde auf den Kopf getreten, und setste
nach einigen Minuten Bewusstlosigkeit seinen Weg fort. Abends legt er sieh mit
Kopfsehmenen su Bett, und stirbt naeh einigen Stunden, 12 Stunden nach dem
Uttfall. Fraetur der linken Sehläfenscknppe bis zum Kteper des os sphenoideum.
Kjeine HinTerletsung. Dura mater in mittlerer Sehädelgrube durch ein orangen-
grosses Extravasat vom Knochen abgehoben. Bänke (Halle).
Dolbesa. Hypertrophie de la lärre supMeure.
(S^ance de la soci^t^ de chir. du 18. Not. 1874.)
Ein Kind mit enormer Hypertrophie der Oberlippe wurde Ton D. in der Weise
opeiirt, dass er die Haut und Sohleimhaot der Lippe Ton dem Gewebe der Neu-
bildung abpräpaiirte, letztere sodann exstirpirte, und durch die Naht Haut und
Schleimhsut zur normalen Form wieder vereinigte . Die Untersuchung des pathol.
Gebildes zeigte wesentlich das fibröse Gewebe der Lippe hypertrophirt, die ueftsse
waren abnonn klein, nebstbei fanden sich abnorm reichliche Lymphiacunen darin.
Die Hautfollikel hypertrophirt.
Dispr^a eriifibrt das Leiden für angeborene Elephantiasis. (Die Geschwulst
gek^ru wohl in die Gruppe der Lymphangiome. Ref.) Fr. Stelner (Wien).
G. Knroftocl. Di tma tracheotomia per corpo estraneo neue rie aeree.
(Lo sperimentale 1875. Fase. \^.)
Ein uagefllhr 4 Jahre altes Mädchen hatte eine Bohne in die Luftwege ein*
gssehlOrft. Trotz der plötzliohen Athemnoth und der klaren Aussage des Mäd-
chens, glaubten die herbeigeholten Aente an einen beginnenden Croup, verordne-
ten Blutegel etc. Erst Tags darauf wurden M. Vater und Sohn geholt. M. Vater
fahrte alsbald die Laryagotomie aus. Dieselbe führte gar keine Erleichterung hM>
bei. Im Gegentheil, da glekhzeitig Blut in die Trachea drang, wurde das Kind
ToUkomnen asphyctisoh. Mehrere Versuche, die Bohne tief unten in der Trachea
zu iaasea, nuislangen vollständig. Da das Kind gar nicht athmete, führte M. Sek»
einen Fedesbart in die Tradiea, in der Absicht Tielleieht refleoterisch EzspiiatieiM-
bewegungen zu eisielen; in dier That kam mit dem Federbart auch die Bohne
aus der Wunde hervor. Doch das Kind atknete noch immer nicht. Es wurde
regehnäsaig die künstliche Respiration unterhalten und endlich nach 5 — 6 Minuten
traten die ersten Lebenszeichen wieder ein. Das Kind war gerettet Die Wunde
heilte per pnmam. Liteiessaal bleibt immerhin die Art, wie der Körper extmhirt
wurde und wie nach 5—6 Minuten währender vollkommener Asphyxie dureh künst-*
liehe Athnmng da« Leben zurückkehrte. Meniel (Triest).
318 Centralblatt Mr Chinitgie. No. 20.
Gallaard. R^tr^cissement oi^g^anique de Toesophage; utilit6 du cath^
terisme.
(Journ. de m6d. et de chir. prat. 1875 p. 153.)
Nach allgemeinen, nur Bekanntes enthaltenden Bemerkungen Über Oeso-
phagusverengerungen wird ein Fall Ton am unteren Ende des Oesophagus sitienden
Carcinom erxfthlt, welches die Sonde nicht passiren konnte. Da es dem Fat. gani un-
möglich war, etwas zu schlucken, so wurde durch eine Fischbeinsonde mit Elfenbein-
knopf die Strictur forcirt, wobei ganz deutlich das Gefühl des Durchdringens einer
weichen zerreisslichen Masse empfunden wurde. Die Blutung war nicht nennens-
werth, und der Kranke konnte sofort Flüssigkeiten schlucken. Eine zweite Bou-
girung mit stärkerem Knopf bef&higt, feste Speisen zu nehmen, und kurz darauf
▼erliess Fat., sich geheilt glaubend, das Hospital.
Pagenstecher (Elberfeld).
Fourestiö. Luxation de la hauche r^duite par les tubes de caoutchouc.
(Oaz. m6d. 1875. No. 10. p. 117.)
Ein 23jfihr., sehr kräftiger Mann wurde in aufrechter Stellung von einer schwe-
ren Erdlast getroffen und acquirirte eine luxatio ischiadica des linken Beins. Die
nach 20 Stunden angestellten Repositionsyersuche durch starke Flexion, Botation
nach aussen und plötzliche Extension bleiben ohne Erfolg. Der Kranke wird nun-
mehr auf einer auf dem Boden liegenden Matratze ausgestreckt, an das linke Bein
zunächst eine starke nach unten eine Ansa bildende Binde gelegt, und durch diese
ein doppelt zusammengelegter Kautschuk schlauch gezogen, der mit einer zweiten
Schlinge an einer im Saale befindlichen Säule befestigt wird. Nach oben wird in
ähnlicher Weise eine Contraextension angebracht. Durch Zuknebeln der an der
Säule befestigten Sdiliuge mit Hülfe eines Stockes wird nun eine starke Extension
auf das Bein ausgeübt. Nach Verlauf von V4 Stunde ist der grosse Trochanter
herabgetreten und nun werden nach Durchschneidung der Schlinge die oben er-
wähnten Brcpositionsyersuche wiederholt. Erst beim 3. Mal gelingt die Reposition
unter hörbarem Krach. — F. glaubt hiemach diese Methode empfehlen zu können,
muss indessen zugeben, dass man mit Hülfe des Chloroforms zu demselben Ziele
gelangt wäre. 0. YollmaBii (Halle).
Foulet. Tumeur kystique de Tovaire prise pour uue grossesse utdiiue ;
ovariotomie daus la piriode ultime; mort par äpuisement.
(Oaz. m^d. 1874. No. 9. p. 105.)
Bei einer 47jähr. Fra,u trat unmittelbar nach einem Fall eine Vergrösserung
des Abdomens ein, die unter heftigen Schmerzen, gastrischen Störungen und Aus-
bleiben der Menstruation allmälig zunahm. Ein consultirter Arzt hielt trotz Gegen-
Yorstellungen der Kranken den Zustand für Schwangerschaft und als nach einiger
Zeit die Schmerzen an Heftigkeit zunahmen, erklärte er, es sei Zeit, nach einer
Hebamme zu schicken. Auch diese war von der Schwangerschaft und der sich
vorbereitenden Geburt überzeugt. Als endlich P. herzugerufen wurde, fand er den
Uteras von normaler Grösse, bewegUch und nach links dislorirt. Nach rechts und
vorn von ihm lag ein grosser, ziemlich harter aber fluctuirender Tumor. Nach'
Sicherstellung der Diagnose auf eine Oyarialoyste entschloss sich P. bei der ver-
zweifelten Sachlage die Ovariotomie zu machen. Ein 22 Cm. langer Schnitt durch
die Bauohwandungen Hess den Tumor sofort zu Tage treten und ohne Schwierig-
keit bis auf den fingerdicken Stiel herausbefördern. Letzterer wurde in Ermange-
lung eines Clamps mit einer starken Seidenligatur abgebunden und ohne Blutung
durchschnitten. Entfernung von ca. Vs L^^' blutiger Flüssigkeit aus der Bauch-
höhle, Einführung eines Stückes Kautschukrohrs neben dem Cystenstiel und Ver-
schluss der Wunde durch eine tiefe (Zapfennaht) und oberflächliche Naht. Dauer der
Operation ca. 20 Minuten. — Trotz sorgfältiger Pflege starb die Kranke 28 Stun-
den nach der Operation an Coilaps.
Der 8 Kgrm. schwere Tumor erwies sich als eine maligne, multiloculäre Cysten-
geschwulst mit theils blutigem, theils viscidem Inhalt.
0. T«lkmaMB (HaUe).
Geatnlblatt fOr Chiruigte. No. 20. 319
B. Suidri. Un nuoTO casa d'operasione cesarea.
(Lo tperimentale 1875. Fase, lo.)
Ein rachitiscli verkrQppeltes Zweigweib, Entgeb&rende, hatte seit 48 Stunden
erfolglose Wehen. Der Beckenring war so enge, dass eine Einkeilung nicht mög-
lich war. Auch die Embryotomie wäre wegen der hohen Lage des Fötus nicht
ohne grosse Gefahren ausfahrbar gewesen. 8. machte darum den Kaiserschnitt in
der linea alba und yem&hte die Bauchwunde vollkommen. Die obere Hälfte der-
selben heilte per primam, w&hrend die untere durch 2 Wochen hindurch ziemliche
Eitermengen entleerte. Da durch die Scheide gar kein Abfluss stattfand, so ver-
muthete S., dass der Cervicalcanal verstopft sei und führte einen metallenen
Katheter in die Uterushöhle, ohne denselben liegen zu lassen. Von diesem
Augenblick an floss fast alles Secret durch die Scheide und fast nichts mehr durch
die Wunde, welche in kürzester Zeit vernarbte. Das Kind lebte 3 Wochen lang.
(Ref. glaubt, dass es vielleicht nicht unzweckm&ssig wäre, von Anfang an gleich
bei der Operation eine Oummiröhre durch Bauchwunde, Uterus und Scheide ein-
zulegen, um den Abfluss der Uterussecrete durch die Scheide zu sichern, wobei
freilich zu entscheiden bliebe, ob der Uterus das längere Liegenbleiben der Gummi-
röhre vertrüge.) Menzel (Triest).
Bizsosero. Perivaginite flemmonosa dissecante.
(Societä di medic. e chir. — Gazz. de cliniche 1875. No. 5.)
Ein 38jähr. Weib trat unter hohem Fieber in'a Spital. Schmerzen im Unter-
leib, Dysurie, oberflächliche Hautabschürfungen der grossen und kleinen Labien.
Am 12. Tsge stiess sich aus dem cavum vaginale ein sackförmiges Gewebsstück
ab., welches B. ab die Vagina mit der portio vagin. uteri erkannte. Die Länge
des Sackes beträgt 6 Cm.^ der Durchmesser 4 Cm. Die innere Fläche ist ziemlich
glatt Mikroskopisch erkennt man die Papillen. Das Epithel fehlt vollkommen.
Nach der Ausstossung der Vagina folgte eine ausgedehnte Perimetritis, welche
ebenfalls überstanden wurde. Zwei Monate später findet man die obere Portion
der Scheide durch einen derben fibrösen Canal ersetzt, welcher zur Noth der Spitze
des untersuchenden Fingers Eingang gestattet.
In der medic. Literatur scheinen sich nur 3 ähnliche Fälle vorzufinden; zwei
von Marcounet in Moskau beobachtet, beide geheilt, der 3 . von Minkewitsch
in Tiflis mit tödtlichem Ausgang. Meniel (Triestj.
London hospital. Heart diseasei plugging of the axillary artery, gan-
grene of forearm^ recovery after amputation.
(Med. tim. and gaz. 1874. Novbr. 28.,p. 603.)
Patient, ein 52}ähr. Mann, Utt seit 35 Jahren an einem Mitralfehler. Am 1.
Septbr. 1873 fühlte er Morgens ganz plötzlich ohne jede Veranlassung einen hef-
tigen Sehmerz im linken Unterarm. 2 Tage später wurde er mit ausgesprochener
Gangrän des Armes in's Hospital aufgenommen, auch in der Axillaris war ein Puls
nicht fühlbar. 2 Zoll unter dem Ellenbogengelenk bildete sich eine Demarcations-
li&ie. Man entfernte die gangränösen Theile, Hess die vorstehenden Knochen
nekroeiren, entfernte dieselben nach 2 Monaten, und erhielt schliesslich einen im
Ellenbogengelenk gut beweglichen Stumpf, wie er durch eine Amputation mit Lap-
penbildnng nicht zu erhalten gewesen wäre. Bänke (Halle).
Hulke, Laige congenital scrotal rupture, hemiotomie^ death. Midd-
lesex hospital.
(Med. tim. and gaz. 1874. Decbr. 12. p. 658.}
Pat., ein 60jähr. Arbeiter, wurde mit einer noch nicht 24 Stunden eingeklemm-
ten, grossen Scrotalhemie aufgenommen. Nach vergeblichen Tazisversuchen zu-
nächst äusserer, dann innerer Bruehschnitt. Ein Theil der nicht stark entzünde-
ten Eingeweide konnte starker Adhäsionen wegen nicht in die Bauchhöhle zurück-
gebracht werden. Naht, antiseptischer Verband. 5 Tage später Perforation des
320 CentralblaU fdt Cbimtgie. No. 20.
adhirenten Darmstfickes tvots fabherigen Wdblbefimdou nad eifolgtem StaUgnge,.
PeritonitiB folgte, Tod am IQ. Tage nach der Operation. Die Perforation £uid
ftioh am Ende der adhSrenten, oolossal yerdiekten Dannschliiige.
Baate (Halle).
Holke. 2 Hemiotomien im Middlesex hospital.
(Med. tim. and gaz. 1875. Jan. 16. p. 60.)
1] Einklemmung einer Schenkelkernie mit gleichzeitiger innerer Einklemmung.
Eine 64j&hr. Frau» seit 7 Jahren mit einer rechtsseitigen Schenkelhernie be-
haftet, fand dieselbe seit 2 Tagen unreponirbar. Gewöhnliche Einklemmungssym-
ptome. Bei der Hemiotomie wurde nur ein kleines Stück Netz nach Lösung idter
Adh&sionen reponirt. Unter Fortdauer der Einklemmungserscheinimgen Tod am
4. Tage nach der Operation. Das reponirte Netz war brandig. Das untere Ende
des Ileum durch einen in's Becken herabgehenden Strang verschlossen. Beginnende
allgemeine Peritonitis.
2] Eingeklemmte Femoralhemie mit mehreren falschen Bruchsftcken.
Eine 4Qj&hr. Frau kam mit einer rechtsseitigen Femoralhemie nach 4tägiger
Einklemmung zur Operation. 3 Cystenwftnde, jede für den Bruchsack imponirend
und von einander durch Serum getrennt, mustten durchtrennt werden, ehe man
auf den eigentlichen Sack gelangte. Tod an diffuser Peritonitis bei Gangrtn der
eingeklemmt gewesenen Darmschlinge. Bänke (Halle).
Hulke. Middlesex hoapital. 4 Hemiotomieen.
(Med. tim. and gas. 1875. Jan. 23. p. 86.)
1) 4]jShr. Arbeiter, seit 4 Stunden eingeklemmte äussere Inguinalhemie rechts.
Hemiotomie: kleine Dünndarmschlinge mit vielen Extravasaten. Reposition, anti-
septischer Verband. Heilung.
2) 50jähr. Frau ; nach Brach eines Bruchbandes war vor 24 Stunden die rechts-
seitige Inguinalhemie eingeklemmt. Operation. Peritonitis. Erster Stuhlgang am
13. Tage. Heilung.
3) 32j&hr. Frau; seit 12 Stunden eingeklemmte Femoralhemie. Operation.
Antiseptischer Verband. Eiterung, Heilung.
4) 20jähr. Mann ; grosse Scrotalhemie ; Reposition nach äusserem Brachschnitt.
Heilung. Bänke (Halle).
A. dl Bemardo. Le chloral contre Fulc^re du col ut^rin.
(Gas. hebdom. 1874. No. 47.)
Eine 2fi|jälir., sonst gesunde, etwas anämische Frau hatte vor 2 Jahren abortirt»
woher ein heftiger Uterinalkatarrh datirte. Bei der Vaginaluntersuehung fand B.
eine ansgedehBte Ulceration um den Muttermund herum. Jodtinctur, Perchlor,
fern. Arg. nitr. in Substanz, selbst ooncentrirte Schwefelsäure dagegen angewandt»«
blieben gleich erfolglos. B. versuchte nun das Chloral in einer Lösung von 2 grm.
Chloral auf 25 grm. dcstiU. Wasser. Nach 5—6 Bepinselungen mit dieser Lösunip
war das OeaehwQr — im Ganzen in 14 Tagen — völlig geheilt. Glttch aufinun-
terad war der Erfolg in einem 2. Falle von Ulc. colli, uienn. Um die Heilung
ganz zu siehera, empfiehlt B., noch einige Tage aber die Zeit hinaus, wenn daa
Geschwür schon geheilt ist, d^e betreffende Stelle zu bepinseln.
Wie wirkt hier daa ChLoialhydrat P B. meint, es wirke als loeal umstijnmien-
. des Mittel ; die andere Hypothese, wonach sich das Chloralhydrat unter Einwirkung
des alkal. Vaginalschleimes in Ameisensäure und Chloroform umwandle, verwirft er.
Fr. Steiner (Wien).
Originslmittheiluafen, Monographleen und Separatabdrücke woUe
man an Dt, M. TiUmimnB^ Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Veilagsbandloog^
Bnükopf vnd Häritl, einsenden.
jyrne'k and Ttriag toa Br«itkopf «ad Hirtel in Letpiig.
Gentralblatt
fÖT
CHIRURGIE
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Dr.L.Iim, Dr. K Sdudii, 0*. i Tilloaiiiis
in BttUn. in Halle a. S. in L«lpzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Freie des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjfthriger Prir-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
iaai^mmm^mmmmmmamamiK:^mx!m
H|- 81. Soimalieiid, den 22. Hai. 1876.
bhalts ThItrtCfiy Klhiisdie Ergebnisse dev Listet'schen Wundbehandlnng und fkber
den Ersatz der Carbolsiure durch SaHcylstare. — Beroer#ii| Vibrionen Im Abseesseiter.
^- Jacobs, Vergiftungen dnich Leuchtgas. -*- Beely, Gyps- Hanf- Schienen -Verband. —
Laopold, Urticaria febrllls nach Application ^on Blutegeln. — Leblond, Oliiheisen bei
CterasknualLkeitea. — Kachar, Krankheiten des Hodens, Nebenhodens and Samenstonags.
*- FDrtt, Maass- und Meigungsverblltnisse des Beokeas. -— Madalaag, Dupuytren'sche
Fingeirerkrümmung.
Laboaeq, Entwicklung der Capillaren and der Blutii5rpercbea beim Embryo. — v. Waaut,
Lupus. — Serval» Entstehaag der Bacterien In organiseken Oeweben. — Latter, Appa-
rat zur schmerzlosen subcutanen Injectlon. — Tairoff, Transfusion. — Chruli Commotio
cerebrl. — Dalttancha, Gehirntumor. — Morris, Epitheliom der Mundhöhle. — * Msiisal,
Slatlar, Sesection des Nerv, alveol. inf. — StOrk, Tracheotomie. — Axillar- Aneurysma.
— Aneurysma der Inaominata. •*- Laagloa, Hydrocele eines Scrotalbruches. — Barlte,
Haematocele des Samenstranges. — Wackorhagan, Mavrlcos, Thoracocentese. — Gllloito,
Apparat für permanente Extension. — Zialowlcz, Behandlung cavemSser Angiome mit
liq. feni. — Dalbaaa, Reposition der Hfiftgelenksloxstionen.
C. Thierach. Klinisclie Ergebnisse der Lister'schen Wundbe-
handlung und über den Ersate der Carbolsäure durch Sali-
cylsfiure.
(Sammlung klinischer Vorträge No. 84 u. 85.)
Wenn wir ea antemehmen^ über die vorli^ende Arbeit von Hl
hier zn berichten^ so müsaen wir von vornherein gestehen, dasa das
nur in aUgemeinen Umrissen geschehen kann. Es würde uns zu weit
fuhren, wollten wir den reichen Inhalt, besonders auch die mitge*
thejdte Casuistik nach Gebühr detaillirt wiedergeben. Ein Jeder,
welchem die positiven Fortschritte auf dem Gebiete der Wund*-
behandlung am Herzen liegen, wird dem Original der hier nur skiz-
zenhaft wiedergegebenen Arbeit des Verf. ein eingehendes, ernstes
Studium widmen müssen.
Th. berichtet über eine lOmonatliche chirurgische Thätigkeit, er
21
322 Centralblatt für Chirurgie. No. 21.
giebt keine Auswahl von Fällen^ sondern einea Ueberblick über das
gesammte während der genannten Zeit antiseptisch behandelte Mate*
rial. —
* Ghßwissermassen als Vorrede bespricht Vf. die Theorie von der
Fexmentwirkung der Luft mit den darin suspendirten Partikeln, und
betont das Unklare und Lückenhafte der bisherigen Anschauungen.
Therapeutische Versuche können aber bis zur völligen Aufklärung
nicht warten; und in der That habe die von Lister herrührende
Methode der antiseptischen Wundbehandlung sich bewährt.
Im ersten Theile der Arbeit wird die historische Entwicklung der An-
sichten über Wundbehandlung gegeben^ soweit sie für das Entstehen der
antiseptischen Methode von Wichtigkeit sind. Ambroise Pare hatte
die Lehre von der giftigen Beschaffenheit der Schusswunden als neun-
zehnjäbriger Chirurg 1536 durch Zufall widerlegt gefunden nach Er-
stürmung von Villane. Doch nur schwer brachen sich Par^'s neue
Ideen Bahn. Johannes de Vigo raisonnirte: Die Schusswunde
sei eine gequetschte^ da die Kugel rund, eine verbrannte^ da die
Kugel heiss, und eine vergiftete, da Pulver giftig; vor Allem müsse
das Gift vernichtet werden. Dagegen nahm schon Pare an, dass in
der Wunde selbst sich die vergiftende Substanz unabhängig von
Pulver und Blei entwickele, und schob die Ursache auf Anhäufung
fauliger Stoffe in der Luft; seine Sectionsbefunde bei der Belagerung
von Kouen ergaben deutlich pyämische Symptome. Seine Theorie
über den Einfiuss der Fäulnissproducte auf Wundverlauf schwand
nicht mehr aus dem Gesichtskreis der Aerzte. 1775 theilte John
Pringle über septiche und antiseptische Substanzen Ansichten und
Versuche mit, die an die jetzt üblichen erinnern. — Die Natur
der schädlichen Substanzen hielt man für gasförmig. Dass die
Fäulnisserreger organischen Ursprungs seien, wurde durch, die Koch-
und Erhitzungsversuche von Fr. Schulze, Schwann und Helm-
hol t z bewiesen . Die nicht gasförmige Natur derselben demonstrirten
zuerst Dusch und Schröder durch Filtration der Luft durch Watte,
hierauf auch Pasteur. G^en die Ansicht derer, welche lediglich
in der Persönlichkeit von Microorganismen das Wesentliche su-
chen, bemerkt Th. : »Wir kennen physiologische Fermente, die,
wenn auch in Zellen entstanden, in Wasser löslich sind und
beim Eintrocknen ihre Fermenteigenschaften bewahren, und warum
sollten nicht solche lösliche Fermente auch in Faulflüssigkeiten vor-
kommen? So lange es nicht gelingt, in vollständiger Weise die
Mieroorganismen von ihrer Nährflüssigkeit zu trennen, oder sie aus
dem atmosphärischen Staube zu isoliren, oder so lange wir keine
Methode haben, in einer faulnissfahigen Flüssigkeit die Microoiganis-
men zu tödten ohne die Albuminate zu modifl<;iren, wird man dies
für eine offene Frage halten dürfen.«
Lister ging zuerst von der Idee aus, dass man einer offenen
Wunde die Dignität einer subcutanen dadurch geben könne, dass man
die bereits in die Wunde eingedrungenen Fermente zerstört und danach
Centnlblatt für Chirurgie. No. 21. 323
nur desinfieirte Luft zutreten läset. — Th. bemerkt hierzu, dass atmo-
sphärische Fermente auch im gesunden Oiganismus vorhanden sind.
Nach Billroth's und Tiegel's Versuchen kommen sie, so zu sagen
latent im gesunden Korper vor und können dann den erforderlichen
Nährboden in der Wunde finden, in welche sie mit der Circul^tion hin-
gelangen. — Als Haupterfordemisse für jeden Verband stellt Th. auf:
Ruhe des verletzten Theiles, ungehinderter Abfluss der
Wundflüssigkeiten und Verhütung oder Beseitigung
septischer Vorgänge. Hierbei wird abgesehen von Verletz-
ungen der Leibeshöhle und ihrer Organe und von Einwirkung
der Wärme und Kälte. Von letzterer erwartet Th. keine antisep-
tische Wirkung und hält sie nur da für hülfreich, wo es sich um die
unmittelbare nur durch die Verletzung bedingte mechanische Verän-
derung handelt. ^ Mit Rücksicht auf obige drei Puncte wird die
zuerst von Vincenz von Kern ausgeführte offene Wundbe-
handlung besprochen. 'S tromey er adoptirte diesVerfahren; Vezin,
Bartscher, A. Burow und Rose wandten es an. Es genügt in
zwei Puncten, der Ruhestellung und dem Abfluss der Wundsecrete in
hohem Grade und ist auch antiseptisch insofern nicht ganz unwirksam,
als die in der Wunde gebildeten Faulnissproducte nicht zurückgehalten
werden. Als Nachtheile sind zu erwähnen , dass die Methode die
Entstehung von Zersetzungsproducten auf der Wundfläche nicht ver-
hindert und theilweise oder ganz auf die erste Vereinigung verzichtet.
Den ersten Nachtheil beseitigte Bardeleben, indem er die ofiene
Wundbehandlung mit antiseptischer Berieselung verbindet. — Gegen-
über der offenen Wundbehandlung stehen die Versuche, Heilung un-
ter einem fest angetrockneten Schorfe erfolgen zu lassen.
Diese Mediode bot List er den Ausgangspunct für seine ersten Ver-
suche. Alph. Gu6rin empfahl einen lange liegen bleibenden Wa tte-
verband, welcher die Luft filtriren und Fermente zurückhalten sollte.
Olli er netzte Watte und Wunde mit Carbolsäure und hielt somit
nicht nur die Fermente fem, sondern suchte noch die in Watte und
Wunde enthaltenen zu zerstören. — Von den bis vor kurzem noch
gebräuchlichsten Verbänden, welche durch häufigen Wechsel die Ruhe
störten, durch mechanischen Druck die Retention der Wundsecrete
bedingten und durch ihre Salben und Verbandmittel durchaus ungenü-
gend desinflcirten, hält Th. nichts. Es sind dies die bekannten Charpie -
und Salben verbände, welche den Schwerpunct in einer arzneilichen
Behandlung der Wundfläche und in dem Abschluss derselben unter
einem Deckverbande suchten. Man könnte diese Art und Weise als
die reizende Wundbehandlung bezeichnen. Ein Stadium der
Rei&igung und Granulationsbildung pflegt dabei vorzukommen. Th. er-
innert bei dieser Gelegenheit an den Fridericianischen Generalarzt
Bilguer^ den Begründer der conservativen Richtung in der Kriegs-
chirurgie, welcher die sonst der Amputation verfiäUenen Glieder mit
allen möglichen antiseptischen Stoffen verband und verhältnissmässig
gute Resultate erlangte.
21»
324 Centralblatt fCLr Ctainicfie. No. 21.
Vom Lister' scheu Verbände sagt Vexf.^ dass bei ihm hinnicht*
lieh der drei Haupterfordemisse Ruhe^ freier Abfluas und Antisepsis^
der Schwerpunct in der Antisepsis, richtiger in der Asepsis liege.
Nach Versicherung L.'s selbst vermag seine Methode jeder fauligen
Zersetzung im Bereich der Wunde vortubeugen oder sie im Keime
zu ersticken^ und zwar nicht, wie bei den anfänglichen Versuchen^
durch Aetzung der Wunde mit concentrirter Caibolsäure, sondern
durch andauernde Wirkung sehr geringer Mengen dieses Präparates.
Dies zugegeben^ Wird aber, bedonderd in der ersten kritischen Zeit
die Ruhe durch öfteren Verbandwechsel gestört und iit der Abfluss
der Secrete oft nicht so firei^ wie bei ofiner Wundbehandlung, ob-
wohl die Drainageröhren einigermasaen der Retention vorbeugen. 6e*
lingt die Asepsis, so haben diese Mängel we;uger zu sagen» ge-
lingt sie nichts so ist der Verwundete schlimmer daran^ als wenn der
Versuch unterblieben wäre; es ist zu dem traumatischen Voigang
die reizende Wirkung der Carbolsäure hinzugetreten und in Folge
der Verhaltung sind septische Stoffe in die Circulation gelangt. Bei
complicirten Fracturen, die nicht ganz £dsch in Behandlung kommen,
hält es Th. deshalb für bedenklich, den Abfluss der Wumlsecrete
irgendwie zu hemmen. — Was die Wahl des List er 'sehen Autisepti-
cums betrifft, so ist sie nidht frei von jedem Einwand. Die CarboUäuve
reizt, in concentrirtem Zustande ; die Wahrscheinlichkeit des aseptiscbea
Verlaufes sinkt aber mit der Verdünnung. Lister selbst hat daher
noch mit dem von Morgan empfohlenen Chlorzink, dann mit Borsäure,
und Alkohol Versuche gemacht. Chininpräparate sind zu theuer und
wirken zu schwach ; andere Mittel, Chlorverbindungen, schweflige Säure,
übermangansaure Salze etc. zersetzen sich zu schnell und werden
unwirksam. Die Carbolsäure ist femer zu flüchtig. — Ein vielfach
günstiger Ersatz ist nach Th. die Sali cylsäure. Aus theoretischen
Gründen, da sie derselben Reihe aromatischer Substanzen angehört,
wie die Carbolsäure und andere mehr oder minder antiseptische Stoffe,,
wurde sie durch Professor Kolbe dem Verf. zu Versuchen empfoh*
len, nachdem Kolbe eine billigere Darstellungsweise (aus Carbolsäure
und Kohlensäure) ang^eben. Salicylsäure, schön weiss krjrstallisirt,
löst sich bei Zimmertemperatur in destUlirtem Wassef im Verhältniss
von 1:300. Dieses »Salicylwasser« besitzt starke antiseptische Wir-
kung. Blut erleidet durch Salicylsäure Fäll\ing und wegen seines Eisen-
gehaltes violette Färbung. Aus Eiterserum fallt Salicylwasser die Albu-
minate, imd zwar in grösserer Menge, als etnprocentiges Carbolwasser ;
frische und granulirende Wunden werden durch Berieselung mit Salicyl-
wasser nicht entzündlich gereist; bei Bildung von einer weissen Gerinn-
ungsschicht durch Fällung aus dem Eiterserum bleiben die Granulationen
darunter unversehrt. Nach längerer Berieselimg von Wunden lässt
sich Salicylsäure im Harn nachweisen, bisweilen unter olivengrüner
Färbung desselben. Giftige Wirkung hierbei und bei innerlichem
Gebrauch von 0,& grm. und mehr pro die ist nicht erfolgt. Farb-
lose Blut- und Eiterkörperchen werden durch die Säure in ihrer Form
CcmtnOblatt fftr GbiruiRie . No. 2 1 . 32 5
-cüMcrvirt, bei rotlien wird der Farbstoff an der Peripherie angehäuft.
Jauchende und stinkende Wunden werden durch Beinigen und Be-
«treoen mit Salicylsäure in Substanz desodorisirt, und es gelingt^ die
Wiederkehr des Geruchs zu hindern^ venu die jauchenden oder
«ordfieirten Gewebe nidit über eine gewisse Dicke (0;2*-0,5 Cm.)
gdien. — Die Technik der SaUejlbehandlung besteht darin^ dass
wie beim List er 'sehen Verfahren durch Carbolsäure, hier durch Sali-
<rflsäure der Zutritt atmosphärischer Fermente zur Wunde während
der Operaticm unschädlidi gemacht wird. Der Salicylnebel wirkt,
trotzdem die Salicylsäure bei Zimmertemperatur nicht flüchtig ist,
antiseptisch wie Carbolspray. Er ist geruchlos, reizt aber zum Niesen
und Husten ; auch die Hände werden dabei rauh, wie durch Garbol-
eänre. Sodaxm muss stets ane hinseicheitde Menge des Antisepticum
im Bereich der Wunde zugegen sein, um die unabhängig von den
Luftfermenten auftretenden Veränderungen der Wundflüssigkeiten etc.
2u beeinfluseen. Dazu dient ausser Salicylwasser besonders Watte,
w^he mit krystalKnischgr Salieylsäure in Terschiedenem Procentver-
bältmss (3 ^ und 10^) imprägnirt ist.
Um längere Zeit hinreichenden Vorrath von Salicylsäure im Be-
reich der Wunde vorräthig zu haben, ohne den Verband zu erneuern,
lässt sich ein Salicylwatteverband anlegen, welchem entweder
immer neue Watteschichten aufgelegt werden (trockner Salicylver-
band} , wenn Blut oder Exsudat an die Oberfläche kommen , oder
welchem durch Berieselung neue Quantitäten von Salicylsäure zu-
gehen (nasser Salicylrerband) • Als dritte Methode kommt die offene
Wundbehandlung mit Salicylberieselung zur Anwendung.
(Seblus« &lgt.) ?• Hosenyell (Bonn).
A. Bergeron. Sur la pr^sence et la formation des vibrions
dans le pus des absces.
(Comptes r«ndus T. BO (1875). p. 4ä0--32.)
B. hat auf der Abtheilung von Gosselin den Inhalt Ton Ab-
-scessen, die niemals mit der äusseren Luft in Communication stan-
den, einer mikroskopisdien Untersuchung unterworfen. Da er sich
überzeugt haben will, dass Carbolsäure die Vibrionen nicht tödtet,
sondern nur »einschläfert«, so wandte er statt derselben eine 10^
Lösung von unterschwef ligsaurem Natron an, von der ein einziger
Tropfen nach Verf. zur Tödtung von Myriaden dieser Gebilde genügen
soll. Mit dieser Lösung wurden alle Instrumente und die Haut des
Kranken über dem zu eiöffiienden Abscess gründlich gereinigt. Zum
Auffangen des Eiters benutzte er kleine Glasröhren, die zuvor in die
erwilmte Lösung getaucht und zur sicheren Vernichtung darin etwa
noch vorhandener Keime über der Flanune erhitzt und dann sofort
in den Abscess hineingesenkt wurden. Der Inhalt der Röhrchen
wurde unmittelbar nach dem Herausziehen mikroskopisck untersucht.
326 Centralblatt für Chirurgie. No. 21.
B. hat 18 Fälle in dieser Weise geprüft und ist zu folgenden Resul-
taten gelangt:
Ij Bei Erwachsenen (von 22 — 60 Jahren) finden sich in heissen
Abscessen^ die sich spontan und ohne äussere Wunde entwickelt
haben^ bewegliche und unbewegliche organisirte Gebilde; diese stell-
ten sich theils als rosenkranzartig angeordnete, in lebhaft oscillirmder
Bewegung begriffene Kügelchen, theils als durchsichtige^ undulirend
sich fortbewegende Stäbchen (Vibrionen) , theils als stark lichtbrech-
ende bewegliche Kömchen dar^ die mit den Kystes von Pasteur
Aehnlichkeit haben. Bei Kindern bis zu 11 Jahren fand er niemals
diese Gebilde.
2) Im Eiter kalter Abscesse (Coxitis^ fungöse eitrige Arthritis,
chron. Adenitis, Caries der Rippen u. s. w.) fehlen dergleichen Or^
ganismen constant, sowohl bei jugendlichen ^ wie bei erwachsenen
und alten Individuen.
Auffallend ist die Differenz im Befund bei heissen Abseessen zwi-
schen Kindern und Erwachsenen. B. ist geneigt, mit der Abwesen-
heit der Vibrionen bei den acuten Abscessen der Kinder den Um-
stand in Verbindung zu bringen, dass letztere in der Mehrzahl der
Fälle vor septischer Infection geschützt bleiben.
J« Mank (Strassburg i/Ej.
Jacobs. Vergiftungen durch Leuchtgas.
Köln, Du Mont-Schaaberf'sche Buchhandlung, 1875. 32 S.
J. lenkt die Aufmerksamkeit der Aerzte von Neuem auf eine
bisher wenig beachtete Art gasiger Vergiftungen, die durch Leucht-
gas. Ausführlich berichtete Fälle englischer und deutscher Autoren,
sowie 3 selbst beobachtete, beweisen, dass derartige Unglücksfalle gar
nicht so selten sind. Die Erscheinungen ähneln denjenigen bei Koh-
lenoxydgasvergiftungen und bestehen in Kopfschmerz, Schwindel,
Uebelkeit imd Erbrechen, Benommenheit des Sensoriums, Sinken des
Pulses und der Respiration bei gleichzeitiger Steigerung der Tempe-
ratur, Muskelschwäche, Coma, Convulsionen, Tod. In einigen Fällen
schwerer Betäubung blieben noch lange Zeit psychische Störungen
und trophische Veränderungen des Hautorgans zurück. — Nach Ver-
suchen von Tour des hat das im Leuchtgase enthaltene CO (21,9)1^)
den wesentUchsten Antheil an der Intoxicatiou. — Behandlung und
Prophylaxe wie bei Kohlendunstvergiftung. Am. Hiller (BerUn).
Beely. Der Gyps-Hanf-Schienen- Verband.
(Aus der Klinik deB Prof. Schönborn in Königsberg. — Berl. klinische Wochen-
schrift 1675. Ko. 14.;
Verf. betont das seit Anwendung des Li st er 'sehen Verfahrens
sich herausstellende Bedürfhiss nach guten Schienen. Ausgehechelter
Hanf^ dessen Fasern parallel liegen^ wird in schmale Bündel abge-
theilt (3 — 4 Cm. breit; 1 Cm. dick)^ diese werden mit Gypsbrei ge-
Cetitralbiatt für Ghiruigie. No. 21. 327
tränkt und je nach Bedürfniss 2 — 6 soldier Bündel auf die oben be-
findliche Partie der vorher eingeölten Extremität gelegt. Zu lange
llanA>ündel schlägt man um; zu dünne Stellen kann man zu je-
der Zeit nodi verstärken, gebrochene durch neue Auflagerungen
flicken. Nach 5—10 Minuten sind die Schienen fest zum Abneh-
men; man kann sie wasserdicht machen, mit Watte polstern etc.
Schienen» die nicht sofort at^enommen werden sollen (einfache Frak-
turen] werden durch eine wollene RoUbinde, während sie noch feucht
sind, an die Extremität angewickelt. Sind Wunden an den Extre-
mitäten, so l^t man Guttaperchapapier über dieselben, welches dann
an die Schiene anklebt, diese vor Nässe schützt und abgewaschen
werden kann. Will man Suspension anbringen, so legt man gebo-
gene Haken oder Oesen von Drath ein.
T. Mosengell (Bonn).
O. Leopold. Urticaria febrilis infolge von Application von
Blutegeln.
(ArchiT f. OynAkologie. Bd. YU. Hft. 3.)
Eine sehr reizbare, hysterische Frau von 31 Jahren, welche an
chronischer Metritis und einem alten Exsudat im Douglas 'sehen
Baume litt, bekam unmittelbar nach der Anlegung von 8 Blutegeln
an die Kreuzbeinfläche Zeichen heftiger Gefässaufregung am Kopf,
Anschwellung der Mundschleimhaut, der Zunge, der Rachen- und
Kehlkopfschleimhaut und Eruption eines Urticaria- Exanthems an
der Saugstelle, welches sich anfänglich von der Sacralgegend aus über
die Hinterfläche des linken Beines bis zur Kniekehle und dem Mal-
leolus ext. verbreitete, an den folgenden Tagen jedoch auch alle
übrigen Stellen des Körpers, zuletzt Hals, Gesicht und Kopf-
haut befiel und von hoher Temperatxursteigerung grosser Pulsfre-.
quenz, sowie Störungen des Allgemeinbefindens begleitet war. Erst
nach 6 Tagen war die Afiection abgelaufen.
Dieser Fall unterscheidet sich von denen Scanzoni's (s. dessen
Lehrbuch) dadurch, dass letztere nur auf die Application von Blut-
egeln an die Vaginalportion beobachtet wurden und von nur 1 stünd-
licher bis höchstens 2tägiger Dauer waren. L. erklärt diese Afiec-
tion so, idass durch den Blutegelreiz der schon an und für sich stark
erregten üterin- und Kreuzbeinnerven, auf dem Wege des Reflexes
ein so mächtiger Reiz auf das Gefässnervencentrum ausgeübt wurde,
dass diesem unmittelbar eine Lähmung desselben in Gestalt der Blut-
überfuUung folgte«. Arn. HlUer (Berlin).
Leblond. De Temploi du cautere actuel dans las maladies uterines.
(AnnalcB de Gyn^cologie 1874. T. I.)
L. fuhrt aus, dass selbst auf tiefe Aetzungen des Collum kein
Narbengewebe folgt; die Schleimhaut stelle sich von selbst wieder her
328 Ce&iralUatt fdr ChiniTgie. No. 21.
und naich einer gewissen Zeit ist keine Spur von Aeteung mehr zu
sehen. — * Leichte imd schnelle Aetzung mit dem Glüheisen dagegen
erzeugt nicht, wie bei tiefer Aetzung, Blutgerinnung in den Gefiissen,
sondern bewirkt nur stärkeren Blutandrang und Bildung neuer Blut*
gefllsse. — Die Wirkung des Glüheisens auf die Menstruation ist fast
Null. Nur beobachte man nicht selten regelmässigere Menses nach
früherer Unregelmässigkeit. Im Allgemeinen sei es nothwendig, nach
Verf. das Glüheisen nur eine gewisse Reihe von Tagen vor oder nach
der Periode anzuwenden. — Diesen physiologischen Wirkungen ent-
sprechend sieht Verf. die Hauptindicationen des Glüheisene in der
chronischen Metritis imd im Uteruscarcinom. — Die chronische Metritis
hat zwei Perioden: die Infiltration und die Induration. Im ersten
Fall bringe die energische und tiefe Aetzung vortreffliche Resultate.
Mehrere Aetzungen in ca. Htägigen Pausen reduciren das Collum
auf ein beträchtlich geringeres Volumen. — Im Stadium der Indura-
tion regt nach L. eine leichte und schnelle Aetzung (in nur 8^10-
tägigen Pausen] den Uterus zu neuer Ernährung an.
Während der Schwangerschaft das Glüheisen auf starke Geschwüre
im und am Collum anzuwenden, hält Verf. nicht für räthlich. Im
Nothfall dürfe das Eisen keinesfalls in den Cervicalcanal, noch weni-
ger bis zum innem Muttermund vordringen.
G^en das Uteruscarcinom soll das Glüheisen nur angewandt
werden, wenn in noch jungem Stadium die Wucherungen auf der
Schleimhaut sitzen. In weiter fortgeschrittenen Fällen sei das Glüh-
eisen wegen zu vieler drohender Gefahren nicht zu brauchen. Hier
kann es sich nur um eventueUe Entfernung durch Galvanocaustik
handeln.
Unter den Gegenanzeigen des Glüheisens stehen nach Verf.
obenan die Entzündungen der Nachbarorgane und ein gewisser Ent-
zündungsgrad des Uterus selbst.
Unter den Methoden, den Uterus zu brennen, erwähnt Verf. ganz
kurz zunächst das gewöhnliche Glüheisen, zweitens die N6la tonische
Art, mittelst einer Ghsisflamme eine leichte Aetzung hervorzurufen, und
drittens die Galvanocaustik. Die Operation ist im Hause der Pat.
vorzunehmen, die Letztere hat sich danach mehrere Tage ruhig zu
verhalten. Leopold (Leipzig).
Kocher« Die Krankheiten des Hodens, Nebenhodens und
Samenstranges.
(Handbuch der Chirurgie von Pitha und Billroth. Bd. IIL 2. Abthlg. 7. Lietg.
2. Hälfte.)
Der Schluss des im Centralbl. f. Chir. i$74^ No. 30 besprochenen
Buches. Ref. kann auch über diese zweite Hälfte nur das wieder-
holen, was er an der citirten Stelle gesagt hat. Vollständige Benutzung
der Litteratur, eingehende eigene pathologisch anatomische Untersuch-
ungen und Vervollständigung des Materials durch Herbeiziehung der
C^Dtralblatt für Chirurgie. Ko. 31. 329
Pripaxate einselii^ ünivenitfttBkUiiikieii «t^npdn die Arbeit su der
UMfülurlichsten und eigenartigsten, die wir übet das Kapitel der Hoden*
o^krankungen augenblicklich besitzen. WlUi. Keek (Berlin).
Forst. Die Maass-* und Neigungsverfaältnisse des Beckens
nach Profildnrchschnitten gefrorener Leichen.
Leipzig. Telt A Coup. 1875.
Yerfasser's neue Idee ist, aus einer Reihe bisher veröffentlichter Ab-
bildungen von Profildurchschnitten, denen er selbst mehrere neue aus
dem Arbeitssaale des Herrn Prof. Braune hinzufügt, Normaldurch«-
Schnittszahlen für die Maasse des männlichen und weiblichen Beckens
zu gewinnen. Für die weiblichen Becken hat er 22 Durchschnitte (Le
Gendre, Pirogoff, Braune), für die männlichen 10 (derselben
Autoren und eigene Beobachtungen) zu diesem Zwecke zusammen-
stellen können. Die Tabellen müssen im Originale nachgesehen
werden.
Der Arbeit voraus schiekt Veorf. eine historisch-kritische lieber-
sieht der bisherigen Anschauungen über die Neigungsverhältnisse des
Beckens und' der Herstellungsmethoden von Profildurchschnitten.
Ahlfeld (Leipzig).
Bbdelmig. Die Aetiologie und die operative Behandlung der
Dupuytre naschen Fingerverkrümmung.
(Berl. klinisehe Ifochenflebtüt 1875. No. 15.)
Yerf. erwähnt zuerst die fast einstimmige Erklärung vieler Auto-
ren^ dass die operative Behandlung des betreffenden Leidens aiblglos
sei» bestätigt Eulenburg 's Behauptung, dass dasselbe durchaus nicht i
nur, wie Dupuytren angiebt, nach harter Handarbeit sich einstelle,
sondern auch bei gut sittdrten Leuten vorkomme. Aetiologisch glaubt
er Entzündungen des Handtellers , besonders chronischer Art, beschul*
digen zu müssen, auch wenn dieselben lange vorher bestanden. Es wird
ein Fall erwähnt, in welchem die Contractur der üascia palmaris eintrat,
nachdem ein Sing Druck veranlasst und desswegen entfernt worden war.
Bei einem Lootsen waren, was selten beobachtet ist, auch die Daumen
flectirt. Bei den meisten älteren Leuten finden sich allgemeine Beuge«
Stellungen der Finger, Glätte der vola manus, Fehlen der MontieuU,
letzteres bedingt durch den Schwund der zwischen die straffen Binde-
gewebsstränge eingesprengten Fettträubchen. Dies Schwinden des
Fettes macht die den Fascialpartien zugefügte Druckinsulte intensiver^
es wird dadurch ein Zustand chronischer Entzündung hervorgerufen,
der erst Hyperplasie, dann Schrumpfung der fibrösen Stränge bewirkt,
also Beugestellung veranlasst. — Das Verfahren von Busch besteht
darin, dass bei nach oben gekehrter Vola die Hand fixixt, der con-
tmhirte Finger permanent extendirt und ein Hautlappen von spitz-
winkliger Fokn abgelöst wird ; die Basis desselben liegt in der Furche
d I
330 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 21.
des betreffenden Metacarpo-Phalangealgelenkes , die Spitse an dem
Punct der Handfläche, der bei äusserster Streckung am weitesten naidi
dem Innern der Yola gelegen, sich anspannt. Mit dem Lappen präparirt
man möglichst viel Unterhautbindegewebe ab. Dabei werden viele
fibröse Stränge durchschnitten, die Ton der fascia palmaris zur Haut
gehen. Auf der nun freiliegenden Fascie werden durch lauter kleine
Schnitte alle festeren Fasern incidirt, welche sich stärker spannen. Ist
so die Streckung gelungen, so kann man unter Umständen die unteren
Sander der Wunde durch Suturen vereinigen. Bei der Nachbehand-
lung ist zu beachten, dass orthopädische Uebungen erst nach Eintritt
der Granulationen erlaubt sind ; erst dann kann von der Dehnbarkeit
des Granulationsgewebes, worauf Busch a. a. O. aufmerksam ge-
macht, Nutzen gezogen werden. Am besten macht man active und
passive Bewegungen im Handbad. Reverdin^sche Transplantationen
unterstützen eventuell die Heilung. y. Mosengeil (Bonn).
Kleinere Mittheilungen.
Lebouoq. Sur le developpement des capillaires et des globules san-
guins chez l'embryon.
(Bulletin de la 80ci6t6 de m^decine de Gand 1875. L.-A.)
L. untersuchte das mittlere Keimblatt mehrerer Sftugethierembryonen in var*
Bchiedenen Entwicklungsstadien und fand, dass die Gefässbildung im Chorion und
dem Embryo selbst sich yersohieden verhält. Dort beginnt sie mit einer ketten-
förmigen Aneinanderlagemng bläschenförmiger und blutkörperchenhalüger Zellen,
deren Seitenwände zur Gefässwand, deren Inhalt nach Schwund der Scheidewände
zum Blut wird. In den Geweben des Embryo (an der Linsenkapsel und der äusse-
ren Haut besonders schön zu verfolgen) geht sie von den Ranvier*schen »Oe*
fässbildungszelien« aus, d. h. grossen, allmälig sich streckenden, mit Aus-
läufern versehenen Zellen, welche ein fein granulirtes Protoplasma und eine An-
zahl elliptischer Kerne mit Kernkörperchen enthalten. Durch Theilung dieser letz-
teren entstehen zellige Elemente, von denen die wandständigen zur Gef^Uswand,
die anderen zn Blutkörperchen werden. Der gemeinsame Ursprung von Wand und
Inhalt zeigt sich sehr schön an solchen in Abschnürung begriffenen Kernen beim
Theilungsact, von denen die eine Hälfte schon den gelblichen Sohimmer und den
Lichtreflex der späteren Blutzelle erkennen lässt» während die andere sich mit
Hämatoxylin deutlich blauviolett färbt (Wandzelle). Durch Anastomose benach-
barter langgestreckter Bildungshaufen entstehen continuirliche Gefässe, durch Ver-
grOsserung der Ausläufer die Seitenäste.
Hinsichtlich des Ursprungs der Kanvier 'sehen oGefiLaabildungszellen« ver*
muthet auch L., dass sie aus weissen Blutkörperchen, die aus bereits vorgebilde-
ten Gefässen ausgewandert sind, hervorgehen. Am* Hiller (Berlin).
J. V. WeouB. lieber Lupus vulgaris.
Inaug.-Diss. Bonn. 15. Aug. 1S74.
In einer für eine Dissertation längeren Arbeit legt der Verf. in klarer, über-
sichtlicher Weise seine Ansichten über das genannte Thema dar, wobei er dem
mit compillatorischem Fleisse gesammelten Detail eigene Beobachtungen zufügt,
das Ganze mit eigener Kritik ordnet und fremden Ansichten mit objectiver Wür-
digung gerecht wird. Das reichhaltige, in der Litteratur zerstreute Material fasat
Centrdblutt fOr Chirmgie. No. 21. 831
er kuri dem heutigen Standpunct eatopreehend Eusammen^ macht auf eine epithe-
liomartige Fonn, die er PapillomlupuB nennt, und auf das Kupfer als Heilmittel,
Ton dem er gute therapeutische Erfolge su berichten weiss, aufmerksam. Die Form
des Papillomlupus ist die lepra&hnliche, welche Busch auf dem 2. Chirurgencon-
gress beschrieben hat. Geschichte, Aetiologie, pathologische Anatomie, Sjmptomatik
und Diagnostik der Krankheit geben dem Verf. mehrfach Gelegenheit, die Bezie-
hungen des Lupus zu leprösen und syphilitischen Erkrankungen, wie zum Epithe-
liom zu besprechen und die Unterschiede zu berOhren. Betreffs der Therapie stellt
Verf. die Anwendung einer Kupfersalbe (Cupr. subacet 0,6 auf Axung. porci 30,0)
sehr in den Vordergrund. T« Mosengell (Bonn).
A. Servel. Sur la naissance des bacteries dans les tissus organiques
mis ä Tabri du contact de l'air.
(Comptes rendus T. 79. p. 1270—72.)
Die zuerst von E s t o r und D^champs, dann Ton O n i mu s und jüngst yon
Tiegel (cf. Centralbl. f. Chir. 1874, No. 34, p. 536) gemachte Behauptung, dass
in organischen Geweben, zu denen jeder Zutritt Ton Filzkeimen aus der Luft
sicher ausgeschlossen ist, Bacterien entstehen, sich fortentwickeln und so Fäulniss-
vorg&nge einleiten können, bestätigt S. durch eine Anzahl Ton Versuchen. Es
wurden vom lebenden Thiere entnommene Organe (Leber, Nieren u. A.), an denen
zuvor s&mmtliche zu- und abführenden GeOUse sorgf<ig unterbunden waren, so
dass auch beim Durchschneiden der Gefässe nicht etwa Luft und mit ihr Keime
in die Organe eindringen konnte, unverzüglich in Chromsäurelösung geworfen.
Nach Verlauf einiger Tage oder Wochen wurden die Organe herausgenommen; es
zeigte sich, dass die innersten Fartieen derselben in faulige Zersetzung übergegan-
gen waren und von in lebhafter Bewegung begriffenen Bacterien wimmelten. — Bis
hierher hatte offenbar die Chromsäure nicht eindringen können, denn setzte 8.
einen Tropfen von der Chromsfture zu den aus diesen Fftulnissheerde entnommenen,
kräftig sich bewegenden Bacterien hinzu, so wurde augenblicklich ihre Bewegung
sistirt. (Des Verf. 's Versuche befinden sich nur in Uebereinstimmung mit den alten
Erfahrungen über Veränderungen an anatomischen Fräparaten, die in Chromsäure
aufbewahrt werden. Red.) J* Mniik (Strassburg i/£.].
J. Leiter (Wien). Apparat zur schmerzlosen subcutanen Injection.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 3.)
Die Construction fusst auf der Beobachtung, dass sehr schnelle Bewegung
eines verwundenden Instrumentes die Verletzung weniger schmerzhaft mache. Eine
Fravas'sche Spritze wird gefüllt in einen Cy linder geladen, in welchem eine su-
rückgepresste Feder durch plötzliches Auslösen die Spritze nach vorne treibt, deren
Spitze bis zu gewisser Tiefe unter die Haut stösst und durch Vorpressen des Stem-
pels die Arznei entleert. ?• Hosengeil (Bonn).
Tairoff. Ein Fall von Transfueio sanguinis.
(Sitzungsberichte der Marine- Aerzte in Kronstadt 1874. p. 82.)
Verf. berichtet über die erste im Kronstädter Hospitale ausgeführte Transfusion
an einem 2) jähr. Bauer zur Beseitigung einer acuten Anämie desselben, hervorge-
rufen durch eine Schnittwunde des rechten Oberarms, die die ganze Dicke des
biceps und die V. brachialis getrennt hatte. Zur Transfusion mittelst der Uter-
hardt'schen Spritze wurden 10 Unzen defibrinirten venösen Blutes verbraucht,
entnommen von einem kräftigen Individuum. Unmittelbar nach der Transfusion
wurde der vordem schnelle (160), unregelmässige, kaum fühlbare FuLs voller und
etwas (um 4 — 12 Schläge) verlangsamt. In den der Operation folgenden 2 Wochen
eine sehr starke Nachblutung aus der Schnittwunde und beständiges sehr hohes
Fieber. Fat. erholte sich sehr langsam. W. Gmbe (Charkow).
332 Centndblatt fttT Chiraigie. Mo. 21.
A. W. Chrul. Aphasie nach Commotio cerebri.
(Sitzungsberichte der medicin. Gesellschaft zu Sambow. 1S74. Ko. 4. p. 52.)
Ein Arbeiter fiel vom Dache einer 2\' hohen Scheune mit dem Kopfe Toran
auf die Erde, wonach sofort Bewusstlosigkeit und Nasenbluten eintrat. Zu sich
gekommen ergrifT er den ersten besten Gegenstand und lief me Temarrt ohne Ziel
umher.
Am nftchsten Morgen Wiederkehr des Verständnisses mit voUstindigem
Mangel der Sprache, nur unbestimmte Töne konnte Pat. hervorbriogen. Der
Gang des Ki^nkfln sohwankend, sein Gehör geschwächt, die Pupillen dilatirt die
Sensibilität der Haut überall bedeutend yerringert. Der linke Nasenflügel und
Mundwinkel herabgesunken; die Beweglichkeit der Zunge begräozt, ihre Sensibi-
lität bemerkbar herabgesetzt. Gesichtsausdruck apathisch ; Athem, Puls und Tem-
peratur normal. Nach dem Gebrauche von Abführmitteln verbesserte sich der Zu-
stand des Kranken einigermassen, so dass er bei Untersuchung der Hautsensibili-
tät das Wort Na-a-a-del 'aussprechen konnte, obgleich er dabei grosse Mühe an-
wenden musste. Auf andere vorgelegte Fragen antwortete er mit einsylbigen oder
unbestimmten Lauten. Gegen Abend konnte er schon mit grosser Mühe stotternd
sein Herunterfallen von der Scheune erzählen; dabei klagte er über Schmerzen in
der Lebergegend, über ein Gefühl von Zusammenziehen des Halses, Gegenwart
eines fremden Körpers in demselben, Trockenheit und unangenehmes Gefühl in
der Nase, Geräusch in den Ohren. Das Geruchsvermögen war erhalten, das Ge-
hör immer noch geschwächt. Am 3. Tage kehrte die Sensibilität allmällg zurück,
ausgesprochener auf der Seite der Flexoren; dsfür trat aber eine vermehrte Thrä-
nensecretion ein. Am 4. Tage verschwanden alle Krankheitss^-mptome, nur das
Stottern blieb. Nach einigen Tagen vollkommene Herstellung.
W. Grabe [Charkow].
DeUrtenohe. Sarcome du cerveau.
(Aiohives m^d. beiges 1675. Hft. 3.)
Bei einer 36jähr. erblindeten Frau, welche unter acut paralytischen Erschei-
nungen innerhalb einiger Stunden zu Chiinde ging, fand man bei der Section im
mittleren Abschnitt des Grosshims einen Tumor von der Grösse einer Kindsfaust,
umgeben von einem Netz erweiterter Venen und Capilhiren, welcher die Substanz
der Thalami optici fast vollständig verdrängt hatte und bei mikroskopischer Unter-
suchung saoh als ein Ohosarcom erwies. Bamerkenswerth in diesem Falle ist
erstens, dass die Geschwulstentwicklung hier ohne Blutungen erfolgt war, was bei
Sarcomen im Gehirn selten ist, und zweitens die erstaunliche Toleranz des Gehirn
gegen einen Tumor von solcher Ausdehnung, welcher während des Lebens, ausser
der Erblindung, gar keine motorischen oder intelectuellen Störungen bedingt
hotte. An. Hlller (Berlin).
KorriB. Epitheliom der Mundhöhle und der Zunge. Exstirpation.
Becidiv. Ligatur beider Linguales. Tod.
(Middlesez Hospital ReporU. 1S74. p. 4.)
Der 43jähr. Mann zeigte vor dem Zungenbändchen eine Ulceration, die trotz
Cauterien, antisyphilitischer Behandlung mehr und mehr imi sich griff und beson-
ders nach vom bis ziun Kiefer und seitlich an die untere Zungenfläche hinreichte.
-In der Naikoee wurde nach geschehener Spaltung des Unterkiefers in der Mittel-
Hnie alles Krankhafte entfernt, dann die Knochennaht angelegt. Wegen Exfolia-
tion der Sägefläche erfolgts in der nächsten Zeit keine feste Vereinigung, später
ToUe Heilnng. Ein nach $ Monaten beginnendes Recidiv in der Narbe wird durch
Cauterium beseitigt. 8 Monate später stellt sich Pat. vor mit einem Becidiv, wel-
ches den grtesten Theü des Bodens der Mundhöhle betrifft, die Zunge erscheint
▼oükommen fixirt ; die Gewebe zwischen Zungenbein und Kiefer-Symphyse gleieh-
mässig hart. Blutung aus dem Munde; bei Wiederkehr derselben Ligatur der
rechten, und bei neuer Blutung nach 5 Tagen Ligatur der linken Art. lingualii
Cenindblatt für Chirurgie. No. 21. '^33
mit carbolisirtem Catgut Eine weitere Nachbhitang irird durch Liq. fern gestiUi.
Die Kräfte nehmen immer mehr ab, einige Ti^e ep&ter stirbt Fat. ohne erneuten
Blatverlust. Die Section zeigt von der Muskulatur des Bodens der Mundhöhle
nur erhalten die hintere Fortion der Mylo-hyoid. und einen Theil des linken Genio-
hyogloss. Die Axt. lingual, sin. ist nicht durohtrennt, aber obliterirt, die deztr.
ist durchtrennt (yon Anwesenheit, resp. Verftnderung des Catgut ist nichts gesagt) ;
genaue Untersudiusg durch Ij\jectionen stellte fest, dass ausser Arrosionen der
Art. ling. solche auch an den beiden Artt. submentales bestanden.
Pils (Stettin).
Meosel. Resection des Nerras mandibnlam von der Mundhöhle ans.
(Deutsche Klinik 1875. No. 2. p. 10.)
M. machte in einem neuen Falle von Neuralgie des Unterkiefernervs die Be-
section desselben nach der ?on Paravicini (1858) vorgeschlagenen intrabucca-
len Operationsmethode. Die Operation wurde ohne besondere technische Schwie-
rigkeiten und üble Znffille ausgeführt und hatte vollkommenen Erfolg. Ausser der
angefahrten Beobachtung ist die Methode bis jetat in 5 F&Uen von Mensel,
Billroth, A. Mensel, Mosetig und Nicoladoni ausgeführt worden und
hatte nur in dem letzten Falle einen ungünstigen Erfolg.
P. Bmna (Tübingen).
8t«tter. Aus der Klinik des Prof. Schönborn in Königsberg. Zur
Besection des Nerv, alveol. inf.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 2.)
Seh. hat nach Paravicini's intrabuocaler Durchschneidung des Nerven' und
Auimeisselung des Canalis inframax., von aussen her in der Gegend des foramen
mentale etwa 6 Cm. lang vom Nerven erfolgreich resecirt. Die Operation wurde an
einer alten Frau gemacht, wobei das Operationsfeld wegen Zahnmangel und Alters*
atrophie der Mandibula besonders zugänglich sich erwies.
T« Moeengeil (Bonn).
Störk. Ein eigene Fall Ton Tracheotomie.
fK. k. (Gesellschaft der Aerzte. 22. Jan. 1875. Wiener med. Wochenschrifit 1875.
No. 6.)
S. stellte eine tracheotomirte Patientin vor, bei welcher infolge von Lues die
Gaumenbögen und weicher Gaumen fast total mit der hinteren Pharynxwand ver-
wachsen waren. Die Glottis war so verengt, dass grösste Athemnoth bestand ; die
Epiglottis wurde durch narbige Schrumpfung der betreffenden Ligg. auf dem Kehl-
kopf beinahe festgehalten. Eine im Ordinationszimmer S.*s vorkommende Asphyxie
gab Veranlassung zur sofortigen Tracheotomie. Es erfolgte hierbei eine starke
venöse Blutung. Neue Lebensgefahr durch Anfüllen der Bronchien mit Blut. —
Eine bis zur Bifurcation eingeführte Schlundsonde wurde mit ihrem oberen Ende
mit dem Athmungsapparat (Wien. med. Wochenschr. 1874, No. 20) verbunden und
anfangs nur Exspirationen vorgenommen, welche Stränge geronnenen Blutes ent>
fernten, spftter auch künstliche Inspirationen, wobei sich Patientin erholte. Um
die Blutung zu stillen, wurden die Weichtheile und die Trachea an die feste Sonde
angedrückt. Heilung ohne Fieber, Katarrh oder Bronchitis erfolgte schnell.
V. Mosengell (Bonn).
Axillar-Aneurysma. Compiession der Subclavia. Heilung.
(Guy's Hospital-BaporU. 1873. p. 61.)
Ein 36jähr. Arbeiter hatte seit 3 Monaten »rheumatische« Schmerzen im rech-
ten Arme, seit 1 Monat eine pulsirende Geschwulst in der rechten Achselhöhle
bemerkt ; eine immer mehr zunehmende Schw&che des Armes^ besonders der Hand
bildete sich aus. Das rundliehe Axillar-Aneurysma, 3" im Durchmesser haltend»
zeigte sieht- und fühlbare Pulsation, welche auf Compression der Subclavia und
der Axillaris direct unter der Clavicula erlosch ; der Badialpuls war vorhanden,
aber sehr schwach. 15. Pebr. 1872 Compression der Subclavia und Axillaris durch
334 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 21.
2V2 Stunden ohne nachhaltigen Erfolg. 17. Febr. Compression der Axillaris durch
-21/2 Stdn. ergab noch am folgenden Tage eine Abachw&chung der Pulsation im Aneur.
Jetzt bewirkte Compression der Axillaris mit Zuhülfenahme von Chloroform durch
51/2 Stdn. YoUes Erlöschen der Pulsation; aus Vorsicht wurde 3 Stdn. lang weiter
comprimirt. 19. Febr. Kein Puls in rechter Radialis, Braohialis und im Aneurysma
aber aber diesem in der Axillaris, welcher bald spontan erlosch. 16. Mftrs hatte sich
der Sack sehr verkleinert, dagegen die Kraft des Armes nicht gebessert. 20. Man,
Puls fehlt im geheilten Aneurysma, in den Vorderarm- Arterien, die Kraft des Armes
hat sich etwas gebessert, nicht die der Hand; electrische Behandlung, besonders
mit dem constanten Strome, erxielte weitere Besserung; am 1. Mai nahm Pat. seine
Arbeit wieder auf. Pili [Stettin).
Aneurysma der Innominata. Compression der rechten Carotis^ Tod
durch capilläre Hämonhagieen im Gehirn.
(Guy 's Hospital-Reports. 1873. p. 63.)
Der 55jahr. Mann hatte vor 15 Monaten plötzlich eine linksseitige Hemiplegie
erlitten, bemerkte seit 3 Monaten eine wallnussgrosse , pulsirende Geschwulst am
oberen Rande des Stemiun verbunden mit Schmerzen an der rechten Halsseite und
im rechten Arme. Später gesellte sich Taubheit auf dem rechten Ohr und Ab-
achw&chung des rechten Auges hinzu ; die Stimme und Athmung waren nie alterirt
gewesen. Die Untersuchung ergab ein Aneur^'sma der Innominata, welches auf die
rechte Carotis überging; Hypertrophie des Herzens, verbreitete Atherose. Puls
der rechten Radialis viel schwächer als an der linken. Obwohl das rechte Auge
etwas prominenter, seine Pupille verengert war, ergab der Augenspiegel nichts
Anormales. Mit Zuhülfenahme von Chloroform begann man mit der Compression
der Carotis um 11 Vi Uhr Vorm., um 2 Uhr war der Puls im Sacke schon schwä-
cher, um 3 Uhr bemerkte man, dass sehr wenig Chloroform gebraucht wurde (für
eine Stunde 1 Drachme), um die Unempfindlichkeit zu unterhalten. Seit 8 Uhr
wurde kein Chloroform mehr gegeben, um 9 Uhr wurde die Compression sistirt.
Um 10 Uhr war Pat noch »comatOs« mit schwacher, erschwerter Respiration ; schnell
verschlimmerte sich der Zustand und Pat. schien zu sterben; künstliche Respira-
tion schaffte Besserung der Athmung. Am folgenden Tage bemerkte man bei fort-
bestehendem Coma linksseitige Hemiplegie, rechtsseitige Facialparalyee, schwache
Pulsation im Aneurysma ; bei Fortdauer dieser Erscheinungen erfolgte nach 5 Tagen
der Tod. (Die Schilderung lässt den Verdacht entstehen, dass bei der Chlorofor-
mirung nicht die genügende Aufmerksamkeit auf den Gehimzustand gerichtet war ;
die angeführte Entschuldigung, dass man die Circulationsverhältnisse genau über-
wacht und beide Temporales immer schlagend gefunden habe, würde nicht beweisen,
dass die Strömung in der Carot. dext. nicht aufgehoben gewesen. Ref.) Section:
Die grossen Gefässe der Basis verdickt ohne Emboiie. Die Oberfläche der Hemi-
sphären, besonders in ihrem lateralen Theile und hauptsächlich an der linken
Hemisphäre bedeckt mit zahlreichen capillären Apoplexien mit erweichter Um-
gebung; die centralen Partieen erscheinen gesund; keine Spur einer alten Apoplexie
oder Erweichung wird gefunden (genauere mikroskopische Untersuchung fehltN
Herz gross, linker Ventrikel contrahirt, Aneurysma des Arcus, der Innominata und des
Anfangsstücks der Carotis dextr. — Subclavia und Carot. dextr. durchgängig, ausser
alten geschichteten Gerinnseln in der Innominata frische Gerinnungen, ebenso im
Aneurysma.
(Genauere Beobachtung und eingehendere Section würden mehr wissenschaft-
liche Ausbeute geliefert haben.) Pilz [Stettin).
J. Iiangton. Grosse Hydrocele eines Schenkelbruches.
(Bartholomew's Hospital-Report. Vol. X. p. dSl.)
Während bei alten Inguinalhernien eine Flüssigkeitsansammlung im Bruchsacke
nicht gerade selten ist, gehören derartige Ansammlungen im Sacke von Pemoral-
hemien zu den weniger häufigen Beobachtungen. B. fand unter 7000 Femoral-
Centralblatt fdr Chirurgie. No. 21. 335
heraitn in den Berichten der Londoner Bmchband-Oeeellschi^ dieses Vorkomm-
mts nur in diesem einzigen Falle. Eine 50jähr. Person hatte 16 Jahre einen Schen-
keibroeh; das abgenutzte Bruchband Hess in den letzten Jahren 6tte3t den Bruch
vortreten, derselbe konnte seit 3 Jahren nicht mehr ganz zurückgebracht werden;
langsam bildete sich eine allmäiig grösser werdende Geschwulst aus. Dieselbe er-
sdüen bei der Untersuchung durchsichtig, war leicht beweglich, mass in ihrem
grösaten Durchmesser hat parallel dem Foupart'schen Bande 7", in der L&nge
5" ; ihr Inhalt Hess sich nicht in die Bauchhöhle snrOckdr&ngen ; einige Zeit ange-
wandter Druck hatte keine Verkleinerung zur Folge. Die erste Function entleerte
3 Finten strohgelber, klarer Flüssigkeit. Die immer schneller sich ansammelnde
Flüssigkeit machte die Functionen in inuner kleineren Zwischenräumen nothwen-
dig; nach Einlegung eines Haarseils trat Eiterung im Sacke ein. Jetzt entschloss
sich Fatientin in's Hospital zu gehen; die beiden kleinen Oeffnungen des Sacks
wurden durch einen 4" langen Schnitt verbunden, dadurch die Höhle desselben
freigelegt und man erkannte jetzt deutlich , dass nach oben hin Netz die Höhle
gegen den Schenkelkanal hin abschloss; schnell erfolgte Heilung.
In Bezug axif die Bezeichnung »Hydrocele des Brucksacks« rftth Verf., um je-
dem Irrthum vorzubeugen, hiervon auszuschliessen irreducible Brüche mit gerin-
gem Bruchsackwasser, welches in diesen Fällen von den OefiUsen des Netzes ge-
liefert wird, femer die kleinen Cysten» welche nicht selten in der Gegend des
Femoralringes und in der Nähe der Einmflndungsatelle der Saphena vorkommen,
▼on denen ein Theil nie mit dem Feritonealsadk zusammengehangen, ein Theil
sieh allmäiig davon abgeschnürt haben mag. Pllx (Stettin).
Borlie. Note sur un cas d'h^matoc^le encyst^e et ancienne du cordon
spermatique.
(Bidletin de FAcadteie Royale de mM. de Belgique. Vol. VIII. No. 13.)
Ein Arbeiter zog sich bei einer heftigen Anstrengung eine diffuse Haematocele
des rechten Samenstranges zu, welche kxirz darauf punctirt wurde und einen ei-
grossen, circumscripten, wenig unbequemen Tumor hinterliess. 13 Jahre später trat eine
neue Blutung ein in die Geschwulst und zwar unter denselben Erscheinungen eines
heftigen Schmerzes in der Lenden- und Leistengegend mit plötzlicher Volumszu-
nahme des Tumors; die Ursache war wieder eine starke Anstrengung.
B. versuchte zuerst eine resorbirende Behandlung und da jeder Erfolg fehlte
und die Schmerzen nicht aufhörten, entschloss er sich auf Verlangen des Kranken
zur Excision der Hämatocele sammt dem unmittelbar darunter liegenden Hoden.
Fat. starb an Pyämie. — Die anatomische Untersuchung des Präparates zeigte eine
Cyste mit dicken derben Wandungen. Hoden und Vas deferens waren normal.
(Leider ist der Sectionsbefund zu nichtssagend. Bef.)
Glrard (Strassburg i/£.}.
G. Waokerhagen. Free incisions, with drainage-tube, versus para-
centesis iu the treatment of pyothorax.
(New-York med. Journal 1875. Bd. XXI. p. 32.)
Von 38 an Pyothorax leidenden Patienten wurden 10 Erwachsene (6 geheilt,
4 gestorben) und 3 Kinder (1 geheilt, 2 gestorben) mit Paracentese des Thorax,
11 Erwachsen» (8 geheilt, 3 gestorben) und 6 Kinder (2 geh., 4 gest.; mit freier
Incision der Pleurahöhle ohne Drainage, endlich 8 Erwachsene (6 geh., 2 gest.)
jDit freier Incision und Drainage behandelt In Erwägung des Sterblichkeitsver-
hältnisses giebt W. der letzteren Methode vor allen den Vorzug.
Madeliuig (Bonn).
8» Mavrioos. De la Thoracocent^e par la m^thode aspiratoire dans
les ^panchements pleur6tiques simples et considerables.
(Gazette m^dicale d'Orient. Oonstantinople 1875. Janvier. No. 10. p. 148.)
Die Aspiration gilt M. als vorzüglichstes Verfahren bei Ansammlungen von
Flflssigkeiten in den Pleurahöhlen, entweder wenn dieselben seröser Natur sind und
336 Centralblatt far Chirurgie. No. 2 h
durch ihre Quimtit&t und die Dauer der Affection sonitigen HeiWerfahren tcotMn,
oder wenn die Flüsaigkeitaneammlung rasch entstanden und sehr bald einen
seröseilrigen Charakter angenommen hat So bleiben die wenig umfangreidien
serösen ErgAsse einem medUoamentös resorbirenden Verfahren, filtere rein eitrige
Exsudate aber der freien Incision der Thoraxböhlen mit Drainage vorbehalten. M.
beschreibt 7 im Marinehospital zu Constantinopel beobachtete und durch Thoraeo-
centese mit Aspiration behandelte Fälle yon hochgradigen Fleuraergdsaen» wo
6 Mal nach Beseitigung der intensiven Krankheitssymptome Heilung und nur 1
Mal der Tod eintrat. üUenferger (München).
Gillette. Appareil ä extension continue de M. Hennequin.
(Revue de th^rapeutique m^dico-chirurg. 1875. Ko. 4.)
Die Extension geschieht mittelst Flaschenzug« an 2 Puncten des unteren
Fragments, nfimlich dicht oberhalb der Wade und über den Condylen des Femur,
welche Stellen durch gut gepolsterte und breite Spangen umschnflrt und mittelst
elastischer Binder mit der Zugvorrichtung am Unterschenkel in Verbindung ge-
setst werden; die Contraextension wird bewirkt durch Druck auf 3 Puncte
des Beckens, die Tuberositas ischü, die fossa iliaca ext. und den horizontalen
Schambeinast, jedesmal durch entsprechend geformte (keilförmige, ovale und wurst-
förmige) Felotten, die mit einem Lagerungsapparat für den Obersehenkel im Zu-
sammenhang stehen. Die Zngvomehtung am Unterschenkel und der Lagerungs-
apparat für den Oberschenkel, 2 an sieh getrennte Stücke, greifen in der Oegead
des Knies verschieblich in einander. (Detailbeschreibung und Abbildungen im
Text!)
Der anhaltende Druck an den bezeichneten Stellen wird g^t ertragen. Die
bis jetzt in ca. 40 FftUen mit dem Apparat erzielten Resultate sind durchaus be-
friedigend: nfimlich in 20 derselben Heilung ohne Verkürzung, bei den übrigen
Fftllen betrug die Verkürzung nicht über 1 — 2^2 Om. 4 Mal soll sogar eine nach-
weisbare Veriängerung der Extremitftt erzielt worden sein von 2^5 Cm., und zwar
in Fftllen, wo nach bereits voraufgegangenen Fracturen schon Verkürzung bestan-
den hatte (?}. Am, Hiller (Berlin).
Zielewioa. Zur Behandlung cayemöser Angiome mit Liquor ferri.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 0.)
Verf. hat durch parenchymatöse Injectionen von Liq. ferri ein Cavemom am
Ohre eines Kindes geheilt und empfiehlt wfihrend und nach der Einspritzung durch
Compresnon der zum und vom Tumor gehenden Gef&sse die Geschwulst zeitweilig
zu isoliren, femer will er nur immer einen Tropfen injiciren. Dass die Kur lang-
wierig sei, gesteht Verf. zu. v« MosengeU (Bonn.)
Bolbeau. De la r^duction des luxations de la cuisse par la flexion
Gombin^e k la rotatton du membre (Methode Despres).
(Bulletin g^6ral de th§rapeutique. Vol. 58. No. 5.)
D. weist darauf hin, dass Despres diese Methode berttta im Jahre 1835 aus-
gebildet und eingeführt hat. Nach AnfQhrung einiger Krankengeechiditen hebt er
hervor, dass das Despräs'sche Verfahren nicht nur für Luxationen nach auswärts,
wie Einzelne es glauben, sondern für alle beliebige Formen der Hüftgelenkaloxa^
tionen anzuwenden sei. Oirard (Strassburg i/£.).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrüoke wolle
man an Dr, H, TiUmanm^ Leipzig, Maiienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
BreUkopf und Höfid^ einsenden. «
% Draek aod Yarlag toe Breiiltdpf ufi Bivisl ia Lsifslg.
Centralblatt
für
CHIRURGIE
herausgegeben
▼OB
Dr. l. Leser, Dr.E ScMe, Dr. i TDlnaniui
iB Berlin. in Halle e. 8. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger PrA-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Vt 22. Sonnabend, den 29. MaL 1875.
Inhalt: Thierseh, Klinische Ergebnisse der Lister'scheii Wundbehandlung und über
den Ersatz der Carbols&ure durch Salicylsiare. (Schluss.) — SchOlir, Jahresbericht. ^
V. Suttceit, Dreissig Jahre Praxis. — TUngel, Behandlung caverDÖser Angiome. — FOr-
brlnger, Butt, Antipyretische Wirkung der 8alicylsäure. — v. Qudden, Schädelwachsthum.
~ Sturm, Adenom der Niere. — Ollivier, Punction eingeklemmter Hernien. — Welcher;
Anatomie des Hüft- und Schultergelenks.
Fester, Aensserliehe Anwendung der Eisentlnctor bei Erysipel. — Fleiizel, Chloroform-
Tod. — < Wilhelm, Electricität bei Drüsengeschwülsten. — Mslherbe, Erythem und acuter
Gelenkrheumatismus. — II lieg, Schussverletzung des Kopfes. — MtCltree, Hirnabscess.
— Welnlecbner, Elfenbein-Osteome der Orbita. ^- Taube, Fall von Oesophagus-Cardnom. —
Keppeler, Rudimentäre Schlüsselbeine. — Ralfe, Leberabscesse. — Wertner, Epileptiforme
Anftlle nach Paraphimose. — Teevan, Ory, WelSS, Blasensteine.
C* Thiersch. Klinische Ergebnisse der Lister'schen Wundbe-
handlung und über den Ersatz der Carbolsäure durch Sali-
cylsäure.
(Sammlung klinischer Vortrage No. 84 u. 85.)
(Schluaa; cf. Centralblatt No. 21, p. 321.)
Bezüglich der Anwendung des nassen und trockenen Salicyl-
▼erbandes ist hervorzuheben, dass Th. zuerst den ersteren versuchte,
dann aber bei Operationsfällen immer mehr zum trockenen überging.
Vor weiterer Schilderung seiner Versuche und Resultate berichtet
Th. über den mikroskopischen Befund der Wundflüssigkeiten und
ihre chemische Zersetzung unter dem Salicylverband. Mikroskopisch
zeigen sich die kleinen Kömchen, welche vom kleinsten, eben noch
mit stärkstem Immersionssystem nachweisbaren Durchmesser bis zur
Grösse der Kugelbacterie vorkommen, oft mit schwacher Lichtbre-
chung, oft mit starkem Fettglanz. In grosser Menge treten sie in
den ersten Tagen auf und haben starke Molecularbewegung. In Es-
sigsäure lässt sich ein Theil lösen, vom Reste ein Theil in Kalilauge
und Aether, ein andrer Theil widersteht. Nach mehreren Tagen
finden sich oscillirende Stäbchen, die in Essigsäure und KaHlauge
22
338 CabtnJblati £llr Cbiruigi«. No. 12.
verschwinden, wohl Fibrinfäden und Fettkrystalle. Andre starke,
gelbgeförbte Stäbchen scheinen aus der Einwirkung von Salioylsäure
auf rolfae Blutkörperchen hervorzugehen. Eigentliche Bacterien hat
Th. weder bei nassem, noch bei selbst bis zu 14 Tagen liegendem
trocknen Verbände gesehen.
Hinsichtlich der chemischen Veränderung der Wundflüssigkeiten
unter dem Salicylverbande ist die Fällung der Albuminate bemer-
kenswerth und der nach 4 — 5tägigem Liegen des trocknen Verbandes
auftretende Käsegeruch. Hierbei verrathen sich organische Ammo-
niake durch Nebelbildung bei Annäherung eines mit verdünnter Salz-
säure befeuchteten Glasstabes. Das bleihaltige Protectiv, zwischen
Wunde und Verband eingeechaltet, schwamsl sich oft, welche Schwe-
felreaction aber nicht immer von Schwefelwasserstoff herzurühren
braucht. Von besonderer Wichtigkeit ist die Thatsache, dass die
Salicylreaction des der Wunde nächst gelegenen Verbandstoffes all-
mälig schwindet ; entweder nimmt die Säure an der Zersetzung TIkU
oder verbindet sich mit den freiwerdenden Ammoniaken. Th. ver-
muthet, dass diese Umsetzung der Secrete ohne Zuthjum atmosphäri-
scher Fermente dtiiDtih Zutritt des Sauerstoffs erfolgt.
Die Ausführung der Operationen in Leipzig, während welcher
und nach denen antiseptische, d. h. Li st er 'sehe Carbol- oder
Thier seh 'sehe Salicyl-Behandlung angewandt wurde, geschah über-
all, wo es möglich war, unter Anwendung der Esmarch'schen Blutleere.
Auf vollständige BlutstiUung wurde hiearbei der Hiauptwerth gelegt, zur
Unterbindung carbolisirtes Catgut verwandt und bei Amputationen, aus-
ser am Oberarm, wo der oweizeit^e Cirkelschnitt den Vorzug erhielt, der
Lappenschnitt geübt, bei welchem ein grösserer Lappen sich bei Lage-
rung des Stumpfes durch seine eigene Schwere auf die Wundfläche
legt. Für diesen Lappen nimmt Th. von unterliegender Fascie und
Musculatur eine dünne Schicht behufs besserer Ernährung mit. Naht
und Drainage fast in allen Fällen. — Paradigmatisch angeführt folgen
zwölf ausführlicher mitgetheihe Fälle von Saücj^behandlung, und zwar
solche, in denen offene Wundbehandlung mit Salicylwasser-Beriese-
hmg und trockene und nasse Salicyl-WatteverbSnde angewandt wur-
den (s. Original). — Nach diesem ersten und zweiten Abschnitt
folgt in einem dritten die Statistik der in der Zeit vom 1. April
1674 bis 31. Jan. 1875 in der Leipziger Klinik antiseptisch behan-
delten FäUe, im Ganzen 160 an der Zahl. — In dem neuen günstig
angelegten Krankenhans kommt eine durchschnittliche Zahl von 240
Patienten auf 84^ Betten. Baracken, Ventilation, Wasserleitung,
Süvern'scheDesinfeotion der AbfallstofEe'etc., Alles ist nach Wunsch,
aber trotzdem ist das neue Institjit nicht frei von aocidentellen
Wundkrankhehen. Hospitallbrand trat allerdings nur einmal vorüber-
gehend in 2 Baracken auf, unter deren freien Unterbau man alte La-
zarethmöbel ans dem früheren Hospitale, in welchem Nosocomial-
gangraen herrschte, ohne Wissen der Aerzte gestellt hatte. Die
Pyämie wurde mit strengerer Anwendung der antiseptischen 4)e-
CeiitraU^latt fdr Chiznr^ie. I^To. 22. 339
bandlung immer seltener. Im Jahre 1873^ wo schon Lister'^pt^e
Behandlung eingeführt war> kamen unter |32 Todesfällen XO pyä*
mische yor^ 1874 unter 106 nur 5 pyämische^ wovon 4 iv^ I^a];se
entstanden, in den 10 Monaten, lin welchen Salicylbehandlung ange-
femg^en wurde und die Carbolsäure allmälig verdrängte, ififr einer.
— Die tabellarische Uebersicht umfasst zwei Zeiträume, {n den *
ersten 6 Monaten kommt unter 90 Fällen die gleiche Anzahl vop
Carbol- und Salicylbehandlungen vor, in den letzten 4 Mpnatei^ sind
unter 70 Fällen 66 Salicyl- und nip: 4 Carbolfälle, ein Bew^i§^ wie
sehr das Vertrauen zu dem Salicylyerband allmälig gewc^ch8^^ war.
Das Auswaschen der Wunden mit starken Chlorzink- und Carbol-
lösungen wir4 immer seltner. — Unter der Gesammtsumme finden
sich 51 grössere Ampi^tationen, Kesectipnen und complicirte Fr^-
turen ; auf sie kommen 7 Todesfälle : 2 Mal an Erschöpfung, 1 Darm-
blutungy 1 Urämie, 1 Hydrothora^, 1 Vereiterung des Schultergelenkes
phne pyämische Veranlassung und 1 Fall yon embolische^ Pyäfnie
(Borsäure-Fall) . Zu erwähnen ist, d^s sich die Catgut-Ligaturen vor-
züglich bewährten und keine Auseiterupg vorgekommen ist. I^ass
gegenüber dem geringefi Auflireten yon Pyämie 13 Erysipel^ vor-
kommen (und zwar auf 51 ]liister'sche Mullverbände 5, auf 60
nasse Salicylverb. 5 und auf 49 trockne Salicylverb. 3 Fälle), scheint
anzudeuten, 4i&ss das Erysipel nicht difrch Femfente bedingt sei und
die dabei gefimdenen Bacterien als zufällige Begleiter auftreten. — .
Als Gesammtresultat muss angeführt werden, dass in der a^tisepti-
sehen ]y{ethode ein zipml^ch sicherer Schutz gegen Pyämie gegej^en
ist ; frische Wunden heilen dabei meis|; fieberlos, prima jiptentip wird
begüi^tigt, N^ose von Knochen und Sägeflächen ist sßlfej^ }uxi
ebenso selt.e^ arte4elle Naehblutu;Dg, eben ^fegef^ des asppjtisc^en
Verlaufe^, ^a es wnrd|e 30gar die wichtige Th^jtj^ache ][)eQbachtet,
dass unter dem antjseptisc^en Salicylverbande pich ^e Knpphen-
Sfigeflächen durch KAochenwucherungen versc^ossep> w^e l^ei sub-
cutwen Fracturen. — Die Salicylsäure zeichnet sich vor de^ Carbol-
säure d94urch aus, dass sie nicht flüchtig ist, weniger reizt, und
sich gerudiloa erweisjt.
Aus der grosse^ Zahl von mitgetheilten Fällen, welche «ntis^p-
tisch beiia;adejU; wurden, können wir hier nur einige wegen des spßciellen
Interesses, das sie in operativ-teclmische^ Hinsicht gewähoreijL, hervor-
heben. Be^ ^ydrpcejen wiirde die Tunica vaginalis 4er Länge m^ch
gespalten, mit Carbolspiritus (1:2) ausgepinselt, durch tiefli^ende
oPerlnaht« und oberflächliche Knopfha)it vereinigt; ein Fall lyurde
ohne Drainage, ein Fall von doppelter Hydrocele mit Drainage be-
handelt, in einem fem^en Falle die überschüssige, stark verdickte
Scrotalhaut, sowie der obsolete Te^i^ti^el exfstirpirt. ^ehnlicjbt ward
bei einem Adenom des Hod,ens verfahren, sowie bei eineip Hygroma
patellae. Diese fünf Fälle heilten ohne Fieber in 2 — 4 Wochen. —
Bei einem Carcinoma penis wurde die Ablatio im Niveau der Schfkm-
beinfuge gemuht, das Scrotum in der Raphe bis zur U^et^ra ge-
■ 22*
340 Centralblatt Mr Chimrgie. No. 22.
spalten^ diese von der Schambeinfuge abgelöst und von innen her
durch einen Knopflochschnitt im Perineum nach aussen geleitet und
hier festgenäht ; die Scrotal- und Peniswunde nach Einlegen eines Drains
genäht. Unter trocknem Salicylverband Heilung in 25 Tagen. Da die
Ausmündung der Harnröhre in solchen Fällen ohne die Thiersch'
' sehe Verlagerung viele Unbequemlichkeiten mit sich bringt , so ist auf
diese sehr sinnreiche Methode besonders auftnerksam zu machen. — Von
denSalicylfällen erwähnen wir: Amput. cruris utriusque eines I8jäh-
rigen Mannes heilte ohne Fieber unter dem zweiten trocknen Ver-
band^ desgleichen eine Amputatio femoris bei einem 13jährigen Mädchen.
Im letzten Abschnitte der Arbeit, dem IV., giebt Th. das Ver-
fahren an, die Salicylwatte zu fiibriciren, sowie die volumetrische, quan-
titative Bestimmung der Salicylsäure nach Kolbe (s. Original.). — Fer-
ner wird auf die Mängel der Watte als Verbandstoff aufmerksam ge-
macht; sie filtrirt den Eiter, indem sie die serösen Bestandtheile
durchlässt und die geformten zurückhält, die sich zwischen Verband
und Wunde anhäufen und zersetzen. Versuche, die mit dem vom
Referenten wegen seiner elastischen Fasern vorgeschlagenen Materiale,
der Jute, vorgenommen wurden, fielen zufriedenstellend aus. Da-
mit angelegte Verbände imprägnirten sich gleichmässig mit Eiter
und wurde es daher überflüssig, die Wunde selbst zunächst stets mit
einer Schicht von 10^ Verbandsstoff zu bedecken; es wurde da-
her jetzt überhaupt nur 4procentige Jute angewandt. Zur Vermei-
dung der Zerstäubung wurde ein Zusatz von Glycerin für gut be-
funden, und so ein weicher, geschmeidiger, wenig stäubender Ver-
bandstoff gewonnen. Aus erwähnten Gründen, welche der geringe
Preis der Jute noch unterstützt, dürfte die Watte für die Mehrzahl der
Fälle durch dieselbe verdrängt werden. — Die vergleichende Kostenbe-
rechnung für die verschiedenen Verbandarten ergiebt bei einem Ampu-
tationsverband für den Oberschenkel: nach Lister 2,35 Mark, trock-
ner Salicylwatteverband 1,52 M. und Salicyl- Jute- Verband 0,92 Mark.
Dazu kommt, dass der Lister' sehe Verband am häufigsten gewech-
selt werden muss, der mit Jute am längsten liegen bleiben kann. —
Zum Schlüsse der so inhaltsreichen Arbeit lässt Verf. in kurzer,
prägnanter Weise Regeln für Vorbereitung und Ausführung des anti-
septischen Verfahrens bei Operationen folgen, die für jeden Operateur
höchst interessante Details liefern, wegen derer wir aber auf das
Original verweisen müssen. v. Mosenyell (Bonn).
EL Sohöler (Berlin). Jahresbericht über die Wirksamkeit
der (früher Ewens' sehen) Augen-Klinik im Jahre 1874.
Der Bericht giebt zuerst eine statistische Zusammenstellung nach
dem Cohn' sehen Schema. /Es folgt die speciellere Statistik der
Staaroperationen und dann Mittheilung einiger Fälle von Cataracta
traumatica. Im ersten Falle wurde ein in die Linse eingedrungenes
Eisenstück 24 Stunden nach dem Unfälle durch modificirte Linear-
Centralblatt für Chirurgie. No. 22. 341
extmction mit der Linse entfernt und eine leidliche noch durph Iri-
dectomie aufzubessernde Sehschärfe erzielt. — Im zweiten Falle
hatte ein Zündhütchenfragment partielle Iritis und partielle Cataract
veranlasst. Die Cataract war nach zwei Jahren noch in derselben
Weise begrenzt, als es gelang den Sitz des Fremdkörpers in der ge-
trübten Linsenpartie zu constatiren. Auch hier wurde die Grae-
f ersehe Linearextraction ausgeführt und zwar zuerst der Fremdkörper
entfernt und dann die Linse entbunden. Nach erwünschter Heilung
betrug die Sehschärfe Y7.
Ungewöhnlich glücklich verlief folgender Fall eines Fremdkör-
pers im Glaskörper. Es wurde eine geschrumpfte Cataracta deren
traumatische Entstehung der zwölfjährige Patient entschieden ableug-
nete, mit der Kapsel entfernt. Drei Wochen nach erfolgter Heilung
gelang es, ein Zündhutstückchen, das sich dicht unter der Scleral-
narbe zwischen dieser und hinterer Irisfläche verfangen hatte, zu
entdecken und von der wiedereröffneten Scleralnarbe aus zu extra-
biren. Darauf erlangte das Auge wieder volle Sehschärfe.
In drei weiteren Fällen von Fremdkörpern im Glaskörper, in
denen noch keine Reizungszustände vorlagen, legte Verf. eine breite
Iridectomie an, entleerte möglichst viel vom Inhalte der eröffneten
Linsenkapsel und wandte dann energische Antiphlogose an. Er
glaubt auf diese Weise günstigere Bedingungen für die Erträglich-
keit des inträoculären Reizmomentes geschaffen zu haben.
Durch Untersuchung Staaroperirter mit voller Schärfe mit beson-
derer Rücksicht auf den Spielraum des nicht empfundenen Wachs-
thums der Undeutlichkeit gewann Verf. die Ueberzeugung , dass im
linsenlosen Auge keine Accommodation vorhanden ist und bringt
weiter casuistische Belege für die Richtigkeit der Cramer-Helm-
holtz^schen Accommodationstheorie durch pathologische Fälle (plötz-
licher Eintritt von Myopie und Accommodationsparese durch Ber-
stung der Zonula und Linsenluxation) und physiologische Fälle (?)
(angeborene Dislocation der Linse mit Accommodationslosigkeit und
myopischem Verhalten des der Linse angehörigen Bildes, ferner Be-
wegungen einer Membrana pupillaris perseverans bei Accommodation) .
Schliesslich beschreibt Verfasser einen von ibm construirten Ap-
parat zur Untersuchung des binocularen Sehens und theilt einen Fall
von Vorlagerung des Rectus inf. nach 60jähriger Parese desselben
mit, durch den es gelang, die vom oberen Lide verdeckte Pupille
dem Einfalle des Lichtes wieder zugänglich zu machen.
Fränkel (Chemnits).
L. H. von Guttceit: Dreissig Jahre Praxis. Erfahrungen
am Krankenbett und im ärztlichen Kabinet.
(2 B&nde. "Wien. W. Braumüller. 1873.)
Der Verfasser war Arzt im Gouvernement Orel (Russland) ; der
erste Band des Werkes ist vollständig von seiner Hand ausgearbeitet.
342 CeütralWatt ftlr fcJhirurgie. No. 22.
der zweite enthält Ifragmente^ die zum theil von dem Soline deö
Verf. ergänzt und zusamlnengfestellt sind.
Zu Beginn seiner Mittheilungen entwirft G. gleichsam sein ärzt-
liches Glaubensbekenntnisse dem zu Folge er als höchstes Princip
das Heilen der Krankheit im Gegensatze zu der Behandlung der-
selben aufstellt. Er hebt mit Vorliebe hervor^ dass er durchaus kei-
nen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit mache ^ »wie dies Wort jetzt
von der exact-physiologischen Schule begriffen wird.« Diesem Gnmd-
satz zu Folge wendet er Volksmedicin und sympathische Curen,
Baunscheidtismus 9 Magnetismus ^ Homöopathie, besonders aber Ra-
demacher's »Blut und Organheilmittek an und erzielt di^ schön-
sten Resultate. Auf die neuere Medicin, namentlich auf die »Wie-
ner ünthätigkeitsschule« , und auf die Chirurgie ist G. sehr schlecht
zu sprechen. Das Buch behandelt in getrennten Abschnitten die
einzelnen Lebensperioden ; fast die Hälfte des I. Bandet ist dem Ca-
pitel »Weib« gewidmet.
Etwas Näheres aus dem Inhalt des Werkes zu referiren ist un-
möglich: überall findet sich ein seltsames Gemisch von exacter
Beobachtung und vager Speculation, von ratioileller Therapie und
absurder Quacksalberei, von scharfer Kritik und der allergröbsten
Selbsttäuschung, von Humanität und Cymsmus.
Was der Verf. in seinen zahlreichen Krankengeschichten über
die socialen Zustände seines Reobachtungskreises mittheilt, hat Ent-
schieden Werth als Beitrag zu dem pathologischen Theil der mensch-
lichen Sittengeschichte. Einzelne Capitel des Buches, wenn auch
nicht geläugnet werden soll, dass sie nur auf Thatsachen basirt sind,
gehen bis hart an die Grrenze der selbst in einem wissenschaftlichen
Werke erlaubten Ungeschminktheit.
Trotz alledem sind eine Menge feiner Beobachtungen und Winke
in dem Buch enthalten; es ist überdies gut geschrieben, so dass iJei
Leser es immerhin mit einem gewissen Interesse durchblättern und
nicht ganz ohne Nutzen aus der Hand legen wird.
Die Ausstattung des Werkes ist gut. Wiiilw«rler (Wien.)
E. Tftngel. lieber die Behandlung cavemöser Angiome
durch galvanocaustische punctformige Ustion.
(Arcli. d. Heilkunde 1875. 16. Jahrg. Hfl. 3.)
Verf. besciireibt ein Verfahren, dessen sich Thiersch zur Be-
handlung ausgedehnter cavernöser Angiome bedient. Es wird dazu
eine Metallklammer benutzt, und zwar im Wesentlichen in der
Weise, dass eine etwa 12 DCm. grosse, dturchlöcherte Metallplatte
auf die Geschwulst gedrückt wird, worauf dann mit einem geraden
Fistelbrenner nach Middeldorpf tiocher eingebrannt werden.
Das Verfahren hat den Vortheil, dass, wenn man die Klammer
noch Y2 Stunde nach der Operation liegen lässt^ nicht die geringste
Oe&tralblatt für C2hiratgie. No. 22. 843
Blatuni^ entsteht. Die Reaction ist unbedeutmd^ die Entstelluni^
geringe die HeilungMiauer eine kurze.
Zwei in dieser Weise mit ausgezeiclinetem Erfolge behandelte
Fälle werden genau mitgetheilt. A* Bidder (Mainih«im) .
P. Forbringer. UntersuchuDgen über die antifebrile Wir-
kung der SalicylsSure , insonderheit fiber ihre temperatnr-
herabsetzende Kraft bei septischem Fieber. (Vorläufige
Mittheilung.)
(Centralblatt f. d. med. WiMenschaften 1875. No. 18.)
Experimente asi Kaninchen^ denen die Salicylsäure in Eiuael-
dosen tob 0,05—0,20 per os oder per anum applicirt wurde, haben
den Verf. darüber belehrt, dass dieses Medicament bei septischem
Fieber einen ganz «itsehieden temperaturherabsetzenden Einfluss
hat. Ebmiso eigidien 2 Versuche in Bezug auf Eiterfieber ein
positives Resultat. Bei Entzündungsfieber liess sich in 8 Ver-
suchen ein Einfluss nicht nachweisen.
«
Die Experimente werden fortgesetzt. A; Bidier (Mannheim).
B. Butt« Die antipyretische Wirkung der Salicylsäure.
(Centralblatt f. d. med. Wissenschaften 1875. No. 18.)
In verschiedenen Krankheitsfällen, Abdominallyphus, Erysipelas,
Bheum. artic. acutus etc. hat Verf. die Salicylsäure in Einzelgaben
von 4,0—8,0 (!) angewandt und gefimden, dass das Mittel »ein ausge-
zeichnetes Antipyreticum ist, welches sowohl in Betreff seiner Wir-
kung, als auch in Betreff seiner Verwendbarkeit mit dem Chinin
wetteifert.« CoUaps, Intoxicationserscheinungen braucht man nicht
zu fürchten. A« Bidder (Mannheim).
B, ▼• Gudden (Mfinchen). Experimental- Untersuchungen
Aber das Schädel wachsthum.
(Gratulationsschrift, mit elf Tafeln in Lichtdruck. München. 1874.)
Die vorli^ende, micfat vollständig abgeschlossene Arbeit steht in
Verbindung mit des Verf/s Untersuchungen über das peripherische
und ««itrale Nervensystem (Arch. f. Psychiatrie Bd. II, Hft. 3.) und
bezieht sich fast ausschUesslich auf den Kaninchenschädel. Auf die
«ehr scbön ausgeführten, aüt Loupeaveigrössening zu besichtigenden
Tafeiü legt 6. ein besondteres Gewicht.
Verf. behandelt in zwei, nicht überall scharf getrennten Ab-
sehnitten zuerst (12 Capitel) Waohsthumsvorgänge, wie sie im Kno-
chen an und für sich auftreten, sodann (6 Capitel) Voijgäage,
wie sie durch Einwirkungen von Aussen h^ bestimmt werden. *-
344 Centralblatt fftr Chirurgie. No« 22.
Die Tauglichkeit des Schädels für Untersuchungen des Knochen*
wacbsthums sieht G. [in der leichten Zugängigkeit des Schädelge-
wolbes. — G. weist zuerst (Cap. I) nach^ dass die Verknöcherung
der Schädeldecke von den Tubera frontalia und parietalia unter rei-
cher Gefassentwickelung beginnt^ und mit den Knochenbälkchen
radienformig die Gefässe verlaufen. Bei der Geburt ist nur die
Stimfontanelle offen , die anderen Wachsthumsbezirke berühren sich
nahezu; diese Berührungslinien sind die Nähte. Ueberall nun,
wo die Knochenbälkchen oder vielmehr die Gefässe (Ha-
versischen Canäle) senkrecht auf die Naht gerichtet sind^
wird diese zackig (Sutura dentata), wo sie parallel ver-
laufen^ glatt (Sutura simplex). Scheinbare Ausnahmen (Cap. 2)
kommen durch wagerechtes Uebereinanderschieben der Zacken zu
Stande. Durch frühzeitige Unterbindung der Garotiden kommen zu-
weilen Aenderungen im Verlaufe der Gefässe und hierdurch Um-
wandlung einer Sutura dentata in eine Serrata vor. — In den fol-
genden Capiteln (3, 4 und 5) sucht G. sodann nachzuweisen, dass
die Nähte für das Wachsthum des Schädels und seine
Configuration ohne Bedeutung sind. Denn es bildet sich
nach Herausschneiden einer Naht ohne wesentliche Wachsthumsbe-
einträchtigung eine neue Naht, ebenso bilden sich Nähte nach Her-
ausschneiden von Stücken aus der Continuität der Knochen, femer
ist die Verdoppelung einer Naht durch Schaltknochen ohne Einfluss.
Bei Unterbindung beider Carotiden entstehen in Y3 der Fälle
Necrobiosen, und kommen so partielle Schädelatrophieen zu Stande
und zwar Verkürzungen sowohl mit, als auch ohne gleich-
zeitige Synostosen. Hierbei behalten die in der Verkürzung
liegenden Nähte ihre fötale Form, während an den Knochenrändern
angrenzender Nähte vermehrtes Wachsthum stattfindet. — Syno-
stosen ohne Verkürzung kann man femer experimentell durch
Unterbindung der Jugularvenen hervorrufen. — An den Nähten
findet aber eine Hemmung und Stauung des Wachs-
thums statt. Man kann einen Wachsthumsbezirk durch Weg-
nahme seines Grenznachbars wuchern lassen. Das beweisendste Ex-
periment für diesen Vorgang ist die W^nahme des Os interparie-
tale: die dadurch entstandene Lücke wird durch vermehrtes Wachs-
thum der Ossa parietalia und des Os occipitis geschlossen. — Das
Wachsthum der Schädelknochen findet nach G. in vierfacher Weise
statt: 1) von den Ossificationspuncten, 2) von den Rän-
dern durch Proliferation ihrer Elemente 3) vom äusse-
ren und inneren Periost, 4) interstitiell. — Als Beweis des
interstitiellen Wachsthums wird hauptsächlich angeführt, dass die
Entfernung von Bohrmarken in den Schädelknochen zunimmt und
zwar desto mehr, je näher am Rande sie gemacht werden. (Es ist
zu diesen Experimenten zu bemerken, dass G. bei Anlegung der
Bohrlöcher die äusseren, von Kölliker bestimmten Resorptions-
flächen nicht berücksichtigen konnte. Ref.)
Centralbktt fOr Chirurgie. No. 22. 345
In dem zweiten Abschnitte werden die Wachfithumsvor-
gsnge besprochen, welche durch Einwirkung des Gehirns,
der Sinnesorgane, der Muskeln und der Zähne bestimmt
werden. Für die Wirkung eines einseitigen Druckes des Gehirns
führt G. einen Schädel, im Besitze von Eberth in Zürich an:
ein hydrocephalisches Kind war durch ein Geschwür der linken
Kopfseite gezwungen, dauernd auf der rechten Seite zu liegen. Es
war eine Asymmetrie mit vollständiger Erhaltung der
Suturen entstanden, die rechte Seite ist im Querdurchmesser ver-
kürzt. — G. weist dann nach, dass eine gegenseitige Abhän-
gigkeit des Hirn- und Schädelwachsthums (Virchow,
Welcher) stattfindet: der Schädel wird durch Druck des Gehirns
ausgedehnt und bleibt bei vermindertem Drucke imter der Norm zu^
rück. — Zur Beweisführung bedient sich G. u. A. der schon früher
von ihm festgestellten Thatsache, dass sich bei Steigerung oder Her-
absetzung der peripheren Nerventhätigkeit die Himcentren ändern.
— Er fand nun bei Verschluss eines Nasenjoches über dem atro-
phirten Bulbus olfactorius eine Verdickung, über dem hypertrophir-
ten eine Verdünnung der Schädelwandung. — Ebenso verhielt sich bei
Wegnahme einer Retina bei Tauben der Lohns opticus und die Schä-
delwand. Beraubt man ferner ein Kaninchen der Ohren und der Au-
gen, so wird über den sehr stark entwickelten Bulbi olfactorü das
Schädelgewölbe dünn, dagegen ist der übrige Schädel weniger ge-
wölbt und verdickt. Es ist also hiemach der gegenseitige Einfluss
unbestreitbar. Das beweisendste Experiment ist die Wegnahme eines
oberen Hemisphären-Lappens und zwar die Veränderung an der Ba-
sis: die unteren Theile schieben die Wände der Schädel-
gruben vor sich her, so dass die Basis scoliotisch wird;
das Gewölbe dagegen ist wohl etwas flacher, jedoch nicht auffallend ;
das Gehirn hat sich an ihm hingeschoben, ohne die Knochenform zu
alteriren. — Bei Abtragung einer ganzen Hemisphäre sammelt sich
an den freien Stellen Serum an: es ist also hierdurch die relative
Selbstständigkeit des Gehirn- und Schädelwachsthums sehr gut argu-
mentirt. Bei Angriffen auf den Schädel selbst (Cap. 2) zeigt
es sich, dass das Gehirn sich beim Zurückbleiben der Nähte im
Waohsthum nach der gesunden Seite verschiebt und dass es sich
beim Anlegen künstlicher Schädelspalten nach dieser Seite stärker
hervorwölbt. — Die relative Selbstständigkeit des Wachs-
thums (Cap. 3), wie sie schon oben durch die Serumansammlung,
femer auch durch die Idiotenschädel documentirt wird , sucht G.
noch durch das Verhalten der Scapula nachzuweisen, welche nach
Exarticulatio humeri, Durchschneiden aller Nerven, Abpräpariren der
Weichtheile stets ihre Form behält. — Der Einfluss der Sinnes-
organe (Cap. 4) wird durch Entfernung des Bulbus gezeigt: die
Orbita wird verkleinert und zusammengedrückt mit sehr gut nach-
weisbarem Einflüsse auf den ganzen Schädel. — Die Einwirkung
der Musculatur (Cap. 5) ist ebenfalls eine sehr bedeutende. Ex-
346 CentelblaH fftr Ohinirgie« No. 22.
trahiit man den N. faciaKs, so entsteht eine Scolioee des Geeichts-
schädek mit der Concavität nach der kranken Seite; Aehnlichei er-
reicht man durch Durchschneidung der Infra-orbital- uzkI Maxillar-
Nerven. Die Entfemxing des einen Masseter macht ein stäriteres
Hervordrängen dieser Seite durch verminderten Gegendruck. Die
Exarticulation eines Armes i]}it der Scapnla macht Sooliose der Wir-
belsäule mit der Concavität nach der kranken Seite; gleichzeitig be-
wirkt aber auch der Cucullaris eine Verschiebung der Hinterhaupts-
schuppe nach der gesunden Seite. — Bei Entfernung der Zähne
(Cap. 6)^ die schwierig und nicht immer gelungen ist, entwickeki
sich Scoliosen des Gesichtsschädels mit der Concavität nach der
kranken Seite. Maas (Breslau).
P. Sturm, lieber das Adenom der Niere und über die
Beziehungen desselben zu einigen anderen Neubildungen der
Niere.
(Arch. der Hsilkunde 1875. 16. Jakrg. Hft. 3. 1 Tafel.)
Verf. hat eine Ileihe von Nieren untersucht ^ welche kleinere
und grössere gelbe knötchenförmige Geschwülste und zum Thnl
kleine Cysten enthielten. Mehrere der Nieren waren ausgezeichnete
sog. Schrumpfeiieren« Die Knötchen erwiesen sich theils als reine
Adenome, theils als exquisite Epithelialcarcinome, mit
mannigfaltigen Uebergängen und regressiven Metamor-
phosen.
Hieran wird die Bespred&uag mehrerer in den Nieren von Kin-
dern befindlicher Tumoren geknüpft, von denen 2 als reine Sarcome
erkannt wurden, 2 andere vom Verf. als Adenosarcome bezeichnet
werden. Auf die Details kann hier leider nicht näher eingegangen
werden, wir verweisen auf das Original. A« Bidder (Mannheim).
Olliviar* De la ponctioci dans les hemies ^txanglöes.
(S^ance de la Soe. de Cfair. 1874. 9. Deobr.)
Ein 64jähr. Mann litt seit 24 Stunden acn einer Incarceratiou
seiner Inguinalhemie. Taxis unter Chloroform erfolglos. 48 Stunden
nach Beginn der Incarcerationserecheinungen wvrde die Function der
-Geschwulst gemacht, wobei sich etwas bräunliches Serum entleerte.
Bruöbsohnitt : der enzündete und mit Pseudomembranen, bedeckte
Darm ward reponirt. S Stunden darnach «xit. 1^»]».
Der Referent (Labli) bemerkt, die Punotion raäese kurze Zeit
nach dem Bciginn der Einklemmung geosaeht werden, wenn die noch
elastische Darmschlinge sich noch auf sich selbst zurückBidien und
die Tx^karstichöffiiungen verschlieesen könne.
In einem anderen Falle war bei einem 65jähr. Weibe eine volu-
minöse Nabelhernie seit einigen Standen iüearcenrt. Kein -Chkro-
ferm wegen HetzMiler. Die <Seschwulst war theibmise duwciiBchei-
Centralblatt Mr Chimigie. Mo. 22. 947
nead. t'iiiieiion init deta Trokar. Entleerung von 1 Weing^las toll
Senmi. Reposition durch die Taxis. Heilühg.
Fr* 0M]i«r (Wien).
H, Wecker. Ueber das Hüftgelenk, nebst einigen Bemer-
kungen fiber G:elenke überhaupt, insbesondere über das Schul-
tei^elenk.
(Arch. für Anatomie. No. 1. p. 41.)
Üie Arbeit Ws bezieht sich auf die Kapsel des Hüftgelenks^ die
sie Te^rstärkenden F&serzüge^ auf Wesen und Bedeutung des lig.
teres; sie ist zum Theil eine Sichtung der vielfach widersprechenden
Angaben gestützt auf wiederholte anatomische Untersuchung — zum
andern Theil geht sie auf Grund der Befunde zur Aufstellung neuer
Gesichtspuncte vor.
1) Längsfaserzüge der Hüflgelenkkapsel.
W. unterscheidet 4 longitudinale Veistärkungs- oder HemmuDgs-
Bänder.
a] Lig. ileo-femorale superius. Von aus- und rückwärts unterhalb
der spin. ant. inf. oss. il. entspringend, zum obem Ende der lin. in-
tertroch. ant. gehend; dickstes und kürzestes Band, der obem äus-
sern Partie des Web er* sehen Kg. super, entsprechend. Hemmt
Streckung, Auswärtsrollung und Adduction.
b] Lig. ileo-femorale antetius (medial. Theil des Weber' sehen lig.
sup., lig. sup. Henke) entspringt unterhalb der spin. ant. inf.,
inserirt sich an der lin. intertrochant. ant. ca. l'' vor dem trochant.
min. Hemmt die Streckung. O^en Henke, Luschka, Quain-
HoffmanH wird das lig. sup. als weitaus stärker als b] angegeben,
welches ntir fut das Auge sich mehr abhebt.
c] Lig. pubo-femorale, vom pecten oss. ptibis nach abwärts, aussen,
rückwärts, inserirt 1'' über dem troch. min. Hemmt die Abduction.
d] Lig. ischio-femdrale, zwischen Pfannenrand und Basis des abstei-
genden Sitzbeinastes entspringend, nach aussen, oben und vom
gehend, im obem Theile der Rollhügelgrube inserirend. Hemmungs-
band für Rotation des Sche)ikels nach innen. Insertion am Schenkel
hat W. constant vorgefunden und verwirft daher die Bezeichnung
ischio — capsulare in der Auffassung Weber*s, Barkow's (von dem
die Bezeichnung stammt), Henle's, Quain-Hoffmann's. Diese 4
Blinder werden schlaff, fast parallel bei* massig ilectirtem und abdu-
cirtem Femtrr; mit der Streckung des Beines winden sich die Bän-
der spiralig um den Schenkelhals.
2) Zona orbicularis.
Für diese nicht sehr manifeste Bildung tritt Henle ein;
er siekt in der Zona einen in sick ^eeciiloBsenen , duroli seine
eigenen Fasern nirgends mit dem Knochen in YeAindung stehenden
Fbserring. Sie erhält am obem und untern Rande von jedem Längs-
%an4^ VeMCikkiHngsfasem und hat ihre Bedeutung in dem ZuBan^*
348 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 22.
men£EiBBen der Längsfasem der Kapsel; sie muss bei jeder Luxation
zerreissen, und zwar gewöhnlich da^ wo sie durch weiten Auseinan-
dertritt ihrer Fasern am dünnsten ist^ unten und hinten.
3. Ligamentum teres acetabuli.
Das lig. ter. ist nach W. ein von dem fibrösen Theile der Kap-
sel und dem Pfannenrande ins Linere der Gelenkhöhle tretendes^
bindegewebiges Band^ welches von der Licisura acetabuli aus einen
synovialen Ueberzug erhält. Es entspringt mit einer langen Wurzel
von der Kapselaussenfläche, zwischen lig. pubo-femorale und ischio-
femorale^ mit einer kurzen vom Knochen , zwischen incisura acetabuli
und Vorderende der Facies lunata. Bei den Femurbewegungen kommt
es niemals zu einer eigentlichen Spannung des Bandes. Speciell gegen
Meyer wird noch die Function desselben als Hemmungsbandes zu-
rückgewiesen. Wenn auch W. in ^s ^^^ untersuchten Falle feine
Gefösscanäle von dem Ansatzpuncte des lig. in den Femurkopf drin-
gen sah^ ist doch an eine Function desselben als gubemaculum vaso-
rum nicht zu denken. Die Function des Bandes ist vielmehr nach
W. in einer Umtreibung der Synovia zu suchen.
Das Band fehlt nach Untersuchungen an Präparaten der Halle'-
schen Sammlung auffallenderweise beim Orang, während Chimpanse,
Gorilla, Hylobates es besitzen — hiemach sind die widersprechenden
Angaben der Autoren zu berichtigen.
4) Schultergelenk.
Zur Eiklärung der Genese des lig. ter. geht W. zum Schulter-
gelenk über. Das lig. coracobrachiale , mit 2 Wurzeln (eine vom
proc. coracoid. , eine von der Spitze des Gelenkpfannenrandes) ent-
springend, heftet sich an beiden Tuberkeln des Oberarms an. Die
vordere Bandcolumne desselben nimmt Fasern von beiden Wurzeln
her auf, und rückt mit ihrer Insertion zuweilen tief in das Gelenk
hinein. Dieses ist das Analogen des lig. teres, und glaubt W., dass
letzteres die Synovialis zuerst nach Art eines Mesenterium nach-
schleppe. Beim 12wöchentiichen Fötus fand er es frei, beim 10-
wöchentlichen schien es ihm wandständig zu sein. Demnach darf
W. es als eine sehr wahrscheinliche Annahme aussprechen: »das
lig. ter. des Hüftgelenkes ist eine Weiterentwickelung der columna
anterior des lig. coracobrachiale der Schulterkapsel«.
Die Beweisführung im Einzelnen, die Präparations- und De-
monstrations-Methoden, die Kritiken der entgegenstehenden Ansich-
ten, vor allem die Abbildungen der Präparate W*s müssen im Origi-
nal nachgesehen werden. Ranke (Halle).
Kleinere Mitiheilungen.
C. Fester. On the extemal use of the tincture of iron in erysipelas.
(Med. tim. and gai. 1875. April 3. p. 362.)
F. empfiehlt aufs W&rmste die ftusserliche Anwendung der tincture of iron bei
einfachen und bei leichteren phlegmonösen Erysipelen, in Form einer Bepinselung
Centralblatt fflr Chirurgie. No. 22. 349
— die auch bei puerperalen Mastitiden, bei Bubonen etc. Yon der yonflg^ichsten
Wirkung sei. Bänke (Halle).
Tieiioal. Mort apparente d'un enfant causte par le chloroforme. —
Rappel ä la vie. — B^flexions.
(Frogris m6dical 1875. No. 5.)
Iridectomie an einem 6j&hr. Kinde in der Chloroformnarkoae. Nach beende*
ter Operation und nachdem seit l&nger als 3 Minuten kein Chloroform mehr ver-
abreicht worden war, zeigte das Kind Leichenblftsse im Gesicht, Henbewegung
und Respiration hatten aufgehört. Die Zunge war nicht surückgefallen. Das Kind
wurde auf den Kopf gestellt, und die künstliche Respiration eingeleitet. Nach
Vs Minute und ungefähr 10 starken Pressionen auf den Brustkorb fing das Gesicht
des Kindes an wieder Farbe zu bekommen, und nach einer aufstossenden Bewegung
trat etwas Schleim aus dem Mund. Die kfinstliche Respiration wurde noch 1 Min.
fortgesetzt, dann das Kind flach mit tiefer liegendem Kopfe hingelegt, die Fenster
weit geöffnet, Gesicht und Brust mit der Hand und einem nassen Tuch geklatscht.
Herzbewegung und Respiration kehrten allm&lig wieder. Somnolenz und Unbe-
ainnlichkeit dauerten bei normaler Respiration und Circulation noch einige Stimden
an. — Das Chloroform soll gut gewesen sein. (Das Kind scheint auf einem
Stuhl [Fauteuil] operirt worden zu sein.) — Ueber Verf.'s areflexions« können wir
schweigen. Petenen (Kiel).
Wilhelm. Zertheilung der Drüsengeschwülste durch Electricität.
(Pester med. chir. Presse 1874. No. 49.)
An der Hand einiger Krankengeschichten sucht Verf. zu beweisen, dass man
Lymphdrüsenpaquete durch einen starken constanten Strom zum Rückgängigwerden
resp. Verschwinden bringen könne. Auf Cpmpression der Geschwülste durch die
Electroden wird Nachdruck gelegt. (Vergl! auch Berl. klin. Wochenschrift 1874,
No. 10: M. Meyer, neues Verfahren behufs Verkleinerung Ton Drüsengeschwül-
sten durch den electrischen Strom. Ref.) Bnpprecht (Halle).
Malherbe. L'^rythäme et le rhumatisme.
(ProgT^s m^dical 1875. No. 5.)
Einem acuten Gelenkrheumatismus ging ein polymorphes (marginirtes und pa-
polöses) Erythem ungefthr 8 Tage vorauf. Dasselbe nahm den unteren Theil des
Stammes, (Ue eine Hinterbacke und den oberen Theil des Oberschenkels derselben
Seite ein, verschwand ungeffUir Vs Tag nach dem Auftreten der Gelenkschmerzen,
um sp&ter im Verlauf der Krankheit theil weise wieder zu erscheinen (auf wie lange?).
Petersen (Kiel).
niing. Schuss durch den Kopf, Tod am 9. Tage nach der Ver-
letzung.
(Allg. Wien. med. Zeitung 1875. No. 7.)
Ein auf Wache befindlicher Soldat brachte sich in selbstmörderischer Absicht
einen Schuss in die Unterkinngegend mit der Richtung gegen den Scheitel bei
und wurde aufrecht stehend, mit dem Rücken an eine Wand gelehnt i^ifgefunden.
Er blutete massig aus Mund und Nase , verlangte von dem Kameraden , der ihn
angetroffen hatte, er möge ihm sein Gewehr leihen, damit er sich vollends todt-
schiessen könne und versuchte endlich ihm die Waffe mit Gewalt zu entreissen.
Nach länger dauerndem Transport während grosser Kälte kam der Kranke , fast
pulslos, in des Verf. 's Behandlung. Die Kleider und Haare waren reichlich mit
Gehirnsubstanz bespritzt, die Kopfbedeckung des Mannes von der Kugel durch-
löchert. Pat. war im Stande sich selbst zu entkleiden und gab auf Fragen durch-
aus deutliche Auskunft. Unter dem Kinn war die Eintrittsöffnung, am Scheitel
ein 3 Cm. breiter Substanzverlust, welcher durch zertrümmerte Gehirnmasse aus-
350 Cantr^Matt für C^^n^gie. No. 22.
geffUlt wiff — die Auag^ngaOffnuqg d^ Sphus^JK^^le^. Die Li^er def linken A(|ge8
stark B^ggi^lii^, d^ linke Bulbus beweglich, jedoch völlig amaurotisch; op]^^a)r
moscopisch nichts nachweisbar. Der Boden der Mundhöhle , Zunge , harter Gau-
men perforirt.
Der Krankheitsverlauf bietet nichts Besonderes dar , da« Bewusstsein war fast
immer ungetrübt, am 6. Tage traten leichte Krämpfe der Extremitäten auf, die
aber wieder verschwanden, an^ 8. T^ge ei^l^tand eine profuse Blutung aus der
Schädelwunde, wobei zertrümmertes Gehirn herausgeschwemmt wurde, der Kranke
wurde fast ai^genblicklich soporös, ^m 9. Tage i^ach der Verletzung trat der Tod
ein.
Bei der Section ergab sich eine breiige Erweichung eines apfelgrosf^en An-
theils des linken Stiralappens , den die Kugel durchbohrt hatte; die Umgebung
desselben, sowie die Hirnhäute zeigten keine Spur einer entzündlichen Reaction.
In der linken Orbita eine grosse Jauchehöhle, in welcher der unverletzte Sehnerv
frei lag. Die Quelle der Blutung konnte nicht nachgewiesen werden, auch war
ein grösseres Extravasat innerhalb der Schädelkapsel nicht aufzufinden.
Winlwarter (Wien).
Maolarei». Gase of abscess of the brain.
(The Glasgow med. Journal 1875. January. p. 112.)
Einem 23jähr. Idädchep üel eii^ Stück Eisen aus einer Höhe von 3 Fuss auf
den Kopf. J))ß ;^^edeutende Hautwunde heilte bald zu. 10 Tage nach der Ver-
letzung trat Lähmung des linken Arms, eine Woche später auch des linken Beins
auf. Nach 3 Wochen war die ganze linke Körperhälfte vollständig gelähmt. Nach
8 Wochen kam sie in M.'s Behandlung. Ihre geistigen Fähigkeiten waren durch-
aus ungestört, die Temperatur und Herzaction normal, Stuhlgang regelmässig.
AiMser über die Hemiplegie klagte sie nyr über ein^ep fixen Schmerz im Vorder-
kopf und häufiges Erbrechen. Et^a/s nach rechts von der Mitte des Stirnbeinef
fand sich eine 1" lange Hautoarbe. Im Laufe der ^h^ten Wochen ging die
Lähmung so weit zurück, dass Fat. stehen und den Arm bewegen konnte ; das Er-
brechen und der Kopfsohmerz blieben jedoch unvieri^ndert. Später besserte es sich
damit etwas, wäbcepd die Lähmung wieder i^ehr heryortrat; gleichzeitig entstand
,eine Contractur der Flexoren der linken Hand. Im 5. Monat trat zum ersten Male
ein 10 Min. anhaltender epileptiCpr7P.er Anfall auf; ni^ch ,d^ Anfalle blieb fßJL
mit dilalirten Pupillen bewusstlos liegen; in den folgenden Tagen wiederholte er
sich mehrmals, bis am 6. Tage die Fat. starb.
Bei der Seotion fand sich die Tabula externa in einer Ausdehnung von IVs''
Länge und ^/g" Breite in die Diploe eingetrieben; die Tabula interna intact, aber
stark verdünnt. Die Meningen hyperämisch, mit einander leicht verwachsen. Im
rechten mittleren Lappen., etwas über dem Niveau des Corpus callosum ein mit
3 — 4 Unzen grünlichen, rahmigen, geruchlosen Eiters gefüllter Abscess, der eine
deutlich ausgebüdete pyogene Membran zeigte. Schädel (Berlin).
Weinleohner. Elfenbein-Osteome der Orbita.
(Sitzung der k. k. Gesellschaft, der Aerzte, 1875. 23. April, Wien.)
Ein 16 jähriges Rädchen litt seit mehreren Jahren an Schmerzen am Unken
Supraorbitalrande. Eine allmälig hier sich entwickelnde Geschwulst verschob den
Bulbus nach aussep, unten. Später ward sie oberflächlicher, dabei hökerig und
knochenhart. Sie wurde mit Hammer und Meisel entfernt. Der jHeilungsver-
lauf, nur zuweijben durch Erbrechen und Kopfschmerzen unterbrochen , war gün-
stig. Das Gefühl an .der linken Stirnhälfte war darnach .unsicher. Die Geschwulst
erwies sich als Elfent>einosteo^I.
In einem 2. Falle von Osteom bei einem 59jährigen Manne, das sich in 26
Jahren eptwickeU h^tte, bemerkte Patient zuerst, als Soldat, Unsicherheit im
Zielen; 12 Jahre später trat Erblindung des rechten Auges ein; mit dem Auf-
brechen der Gescihwulst yei;lvst des Geruches. Nach der Exstirpation entwickelten
CeBtndblait fAr Chirurgie. Ne. 22. 351
sieh Sohkimpolypen uod Knochenwucherungeii in der Nase, die eatfemt wtnideii.
Die entfanite Oeechwakt wog 8 Uncen 10 gras. Der Pat. starb an Erysipel.
Am Sch&del ingte sieh eine anCallende Vergröesemng der kranken Gesiehtshfilfte
nebst zahlreichen neuen Wucherungen. Fr. SMBer (Wien).
IL Taube. Oesopliagnscarcinom oder Aortenaneurysma?
(Areh. der Heilkunde 16. fahxg, Hft. 3. p. 282-^385.)
Ein 56 jähriger Mann bot fast alle Erseheinungen eines Aneurysmas des
Aortenbogens; bei der Section zeigte sich ein ausgedehntes Carcinom, das 10 Cm.
UBt^ dsm Aryfcnoipel anfangend ^/s des Oesophagus einnahm und eine be^^ten^e
Infiltration der umgebenden Lymphdrüsen veranlasst hatte. Der Nervus recurrens
war verdr&ngt, die linke Subclavia von der Geschwulst umgeben, die Wand des
Oesophagus ezükeriirt und an 2 SteUen etwas verengert.
JU 9id4er (Mannheim).
O. Kappeier. Eia Fall von fast totalem Mangel dar Sohlimelbdine.
(Arch. dar Heilkunde 16. Jahrg. Hft. 3. 1 TafeJ.)
Ä einem lOjfthrigen, kleinen, im übrigen wohlgebauten M&dchen, zeigte die
UmtersvchuAg, daas die beiden ClavicuUe fast voUst&ndig fehjtevi; am rechten
Stemalrand fand sich ein IVa Cm. langes Rudiment, am linken ein 4 Cm. langes.
Pat. konnte die Schultern nach vorne so weit einander nähern, dass die Oberarm-
köpfe nur 9 Cm. von einander entfernt sind.
Der eine Musculus cleidomastoideus fehlt. Interressant ist besonders, dass
Eunctionsstörungen nicht vorhanden waren, dass Fat. z. B. mit Leichtigkeit mit
den aufgestützten Händen den Rumpf tragen kann.
Erblichkeit nicht nachzuweisen. A« Blddor [Mannheim).
BalDe. Abscess of lirer treated by aepiraition^ incisaon. Death.
(Med. tim. and gaz. 1874. Decbr. 19. p. 686.)
Piat. kws 4lnect aus Calcutta nach England, hatte vor 14 Tagen Blut im Stuhl-
gang bemerkt, seit dieser Zeit Schmerzen im rechten Hypochondrium. Ni^b u^d
nach entwickelte sich ein fluctuirender Tumor an dieser Stelle, aus welchem ver-
mittelst Azpiratian 8 Unzan Ecfters entleert werden ; nach 4 Wochen Wj^dezholung.
4 Wochen später Incision, Drainage des grossen, den rechten Lappen einnehmen-
den Absceeses. Pat. erlag einer Pleuritis. Die Seetion wies keine ISpuren früherer
Ulcerationen im Darme nach. Baake (Halle).
Balfe. AbscesB of liyer running a rapid course^ aspiration, death.
(Med. tim. and gaz. 1875. lan. 9. p. 82.)
Der 37jähr. Patient war vor 3 Jahren an Dysenterie erkrankt, jetzt seit 7
Tagen von Schmerzen in der rechten Lebergegend befallen. Am 20. Tage Ent-
leerung von 40 Unzen Eiter durch eine Aspirationspunction. 2 Tage später Tod
an Erschöpfung. Der Abscess nahm fast den ganzen rechten Lappen ein. Frische
Perihepatitis. Xeine Spur pathologischer Veränderungen in dem Darme.
Bänke (Halle).
M. Wextner. Epileptiforme Anfälle nadi Faraphimoaia.
(Wiener med. Presse 1875. No. 10.)
Ein sehr kräftiger, gesunder , 15jähriger Bauemjunge hatte sich, wahnchein-
lioh durch Onanie, eine Paraphimose augesogen. Incision und Reposition des
Präputiums in der Narkose des Pat. Etwas oarbolisirte Charpie zwischen CHans
und -Präputium gelegt. Am 3. Tage war die Schwellung verschwunden und Pat.
ging umher; plütilioh bekam er einen exquisit epileptiformen etwa 10 Min. dau-
352 Centaralblatt fOr Chirurgie. No. 22.
emden Anfall, sogleich mit Trismus. Dieses wiederholte sich noch 2 Mid an
demselben Tage. — In der Familie des Fat. litt Niemand an Epilepsie. W.
meint, die Anf&lle seien yielleicht der grossen psychischen Aufregung des Fat.
Yor der Operation suzuschreiben.
Einige Dosen von Flor. Zinci mit geringem Morphiumzusats reichten hin, die
AnfUle in einer Woche gänzlich yerschwinden zu machen. — Auch in einem an-
dern Falle y bei einer Frau, die zur Zeit der Schwangerschaft wiederholt an epi-
leptiformen Anfällen litt, bediente sich W. mit vortrefflichem Erfolge des Zinc.
Ttderian. mit etwas Morph., während Bromkali und Atropin erfolglos blieben.
Fr. Steiner (Wien).
Teevan. Stone in the bladder, lithotomy, recoTery. (St. Peters hoBpital.)
(Med. tim. and gaz. 1875. April 3. p. 363.)
Seit 5 Jahren hatte der 63jähr., kräftige Mann an Blasenbeschwerden gelitten;
der Durchmesser des Steines wurde mit dem Lithotriptor IVs Zoll betragend ge-
funden. Am 22. Septbr. 1873 Seitensteinschnitt ; Entfernung des 1 Unze wiegen-
genden Steines mittelst einer Zange unter Erweiterung der Wunde mit einem
Messer. Heilung, mit Bildung einer später beseitigten Mastdarmfistel.
Bänke (Halle].
Ory. Calcul v^sical; Operation de lithotritie p^iiniale; mort par in-
fection purulente; lithiase renale.
(Progr^s m6dical 1875. No. 5.)
' Genannte Operation wurde von Tr^lat an einem 45jähr. Steinkranken, der
eine Hypospadie und eine klappenartige Strictur 2 Cm. hinter dem engen Orificium
hatte, ausgeführt. Verf. beschreibt die Operation folgendermassen : »Kaum Blutung
bei der medianen Incision, geringe und leichte Erweiterung des Blasenhalses (wie?
womit?), schnelles Zerbrechen (womit?) des Steins ohne grosse Gewalt, soi^f<ige
Reinigung«. Tod am 7. Tage nach der Operation an Septhämie. Die bei der See-
tion gefundenen Nierensteine enthielten phosphorsauren Kalk und phosphorsaure
Ammoniak-Magnesia, der Blasenstein ausserdem Harnsäure und hamsaure Sal^.
Petersen (Kiel).
WeiBB. Hamblasenstein von seltener Grösse etc.
(Aus dem Ungarischen. — Pester med. chir. Presse 1875. Hft. 1 u. 2.)
Ein 30jähr., heruntergekommener Mensch litt seit 20 Jahren an typischen
Steinbesch werden. Seit mehreren Wochen erschwerte Defaecation. Vordere Mast-
darmwand rückwärts gewölbt. Grenzen des Steines vom Rectum aus weder nach
oben, noch nach der Seite hin erreichbar. Lateralschnitt am 31. August 1874
durch Dr. Daränyi in Arad. Stein mit zahlreichen Zotten der gewulsteten Bla-
senschleimhaut ringsum verbunden. Einführung des Dumreicher-Lü er 'sehen
Steinzertrümmerers, welcher 1 1 Mal in Action gesetzt wird. Herausnahme der ein-
zelnen Fragmente unter Losreissung eines grossen Theils der Schleimhaut. Nicht
unbedeutende Blutung aus der Blase. Dauer der gewaltsamen Operation 25 Min.
Gesammtgewicht der Fragmente des (Phosphat-) Steines 185 grm. Keine Reaction.
Am 7. Tage spontane Ausstossung eines thalergrossen und eines handteUergrossen
Stückes nekrotischer Blasenschleimhaut. Vom 23. Tage an grösster Theil des Urins
durch die Urethra entleert. Bis hierher reicht die Beobachtung. Kurze Zeit da-
nach soll Pat. geheilt entlassen sein, wie Verf. glaubt, mit vollständig regenerirter
Blasenschleimhaut. Boppreeht (Halle).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrfloke wolle
man an Dr. H, TiUmamUj Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandluiig,
BreUkopf und HäfUi, einsenden.
Draek aad Verlag toii Braiikopf aad Hirtel ia Leljpsig.
Gentralblatt
ftr
CHIRURGIE
\jL, herauBgegeben
Dr. Lln, Dr. I. ScU, Dr. E. TUloiaiiiis
in Berlin. in Halle ». 8. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wödientlich eine Nummer. Preis dea Jahrgang« 20 Mark, bei halbjihriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Poatanstalten.
N^ 23. Sonnabend, den 5. Jnni. 1875.
InllAlt: Volkoiann, Beiträge zur Chirargle. — Thiernetse, Cassa, Sauerstoff als Gegen-
gift gegen Phosphor. — Pt)dt, Chloroform in der Oeburtshülfe. — Kalth, Operation
eiternder O^arialcysten.
Chloroform-Tod. — Tod nach Einathmnng Ton Methylen. — Roohlan, Transfusionen.
— Mayar, Bericht. — Hagai!, Caibolsäure als Antiphlogisticnm. — Wolff» Expansion des
Knochengewebes. — Speacai Dascaiapt, Tetanus traumaticns. — Jaraaz, Qelsemium
semperTirens gegen Neuralgie. — AaiHtaat, Galvanocauetlk. — Lea4, Fremdkörper im
Larynx. — Wooivarton, Fremdkörper im Bronchus. — Romi^e, Intraooulaire Tumoren.
— LawSOB, FractUT der Schädelbasis. — Radack, Struma cystica. ~- TarrlllOlly Nasen-
polypen. — Caylay, Lipom. — RIthat, Reposition alter Schul teriuzationen. — IHida,
Ovaiiencyste. -~ Fick, Coxitischer Knieschmerz. — Caurty, Fltlzat» Elastische Liga-
tur bei Analflsteln. — Shallenbtrger, Luxation des Oberschenkels. — Gllbaa, Ober-
schenkelfractur. — Camitan, Subperiostale Resection der Diaphyse der Tlbia.
R. Volkmann. Beiträge zur Chirurgie, anschliessend an
einen Bericht über die Thätigkeit der chirurgischen Univer-
sitätsklinik zu Halle, im Jahre 1873.
(XVI und 388 S. in 40 mit 21 Holzschnitten und 14 Tafeln.;
Leipzig, Breitkopf A Härtel.
Verfasser beschnrnkt sich nicht auf die einfache Mittheilung und
statistische Verwerthung eines innerhalb Jahresfrist zur Beobachtung
gekommenen reichen Krankenmaterials^ sondern liefert auch eine er-
hebliche Anzahl selbstständiger Skizzen und kürzerer ^ssays jedes-
mal über Fragen, welche zu den brennendsten des Tages gdiören
und von ihm thefls angeregt, theils in hervorragender Weise gefor-
dert wurden. So lohnend es wäre, die Kritik eines solchen Unter-
nehmens zu schreiben, so unmöglich scheint es, den Gesammtinhalt
desselben auf ein Paar Seiten auch nur in der allerflüchtigsten Weise
anzudeuten. Ref. kann demnach, wenn er der Tendenz dieses Blat-
23
354 Centralblatt far Chirurgie. No. 23.
tes gemäss^ einen Versuch der letzteren Art unternimmt, nur ein-
zelne, im Original besonders ausführlich behandelte Abschnitte über-
haupt in den Kreis dieser Besprechung ziehen und selbstverständlich
auch von diesen kaum mehr als einfache Contouren geben. Er ver-
wahrt sich ausdrücklich dagegen^ als meine er besonders Wichtiges
aus dem Ganzen herausgeschält zu haben — nach seiner Ansicht
findet sich überall die gleiche Fülle des Stoffes un^^die vollendete
Behandlung desselben; er bedauert von den zu ff^t^Trten gege-
benen casuistischen Einzelmittheilungen auch nicht eine einzige aus-
führen zu können.
Nur allein die Leetüre des Originals kann einen Begriff davon
geben^ wie schnell es in der Chirurgie anders und besser werden
würde ^ wenn auch Anderen in der Weise des VerTs. zu arbeiten
beschieden wäre.
In der Halle'schen Klinik wurden während des Jahres 1873
3351 Kranke, darunter wegen Mangelhaftigkeit und Kleinheit des
Instituts eine grosse Zahl der schwersten Fälle poliklinisch, resp. am-
bxüatorisch behandelt. Diese 3351 Krankheitsfälle vertheilen sich auf
die verschiedenen Körperregionen wie folgt:
Kopf (Verletzungen^ Entzündimgen, Neubildungen^ Deformitäten)
93; Gesicht, Nase, Mundhöhle 741; Hals 81; Brust und Thorax 93;
Rücken- und Wirbelsäule 129; Abdomen 68; Becken und Lumbai-
gegend 12; Anus und Rectum 15; Hamorgane 66; Geschlechtsor-
gane 82; Extremitäten 1795 und zwar Verletzungen 695; entzünd-
liche Processe derKnochen und Gelenke 407; entzündl. Processe der
Weichtheile, der Haut^ Krankheiten der Gefässe und Nerven 436;
Krankheiten der Muskeln^ Schleimbeutel etc. Deformitäten^ Rachitis
235; Neubildungen 22; Syphilis 176.
Mehr als die Hälfte sämmtlicher zur Behandlung gekommener
Krankheiten localisirt sich demnach auf die Extremitäten; an &st
allen Körperregionen überwiegen die Verletzungen und entzündlichen
Processe^ namentlich der Knochen und Gelenke, die Neubildungen und
Deformitäten.
Die zum Referat gewählten Gegenstände folgen dieser kurzen
Uebersicht sofort nach.
lieber den antiseptischen Occlusivverband und seinen Einfluss
auf den Heilungsprocess der Wunden.
*
Der Veijoand kam innerhalb eines Zeitraumes von 15 Monaten
bei allen Schwerverletzten und Operirten zur Anwendung , nachdem
unmittelbar vorher, im Jahre 1871 und 72 in Folge von Ueberfül*
lung des Hospitals, Fyämie und Erysipel so viele Opfer gefordert
hatten, dass Verf. nahe daran war, die vorübergehende Schliessung
der Anstalt zu beantragen.
Die mit der Methode gewonnenen sehr günstigen Resultate illu-
CentralUatt fflr Chirurgie. No. 23. 355
«txiren Zusammenstellungen^ aus denen Ref. beispielshalber nur fol-
gende Zahlen anfuhren kann:
Conseryativ behandelte complicirte Frakturen 1$ ohne Todesfall
Penetrirende Gelenkwunden 9 » »
Schwere Verletzungen der Hand 79 » » .
Grossere Amputationen und Exarticulationen 46 mit 13 Todes-
fällen^ unter denen indess 2 Oberschenkelexarticulationen die schon
Tor B^nn der Reaction tödtlich endeten und 6 Oberschenkelampu-
tationen sich befinden^ die an äusserst schwerer und multipel durch
Maschinen, resp. auf der Eisenbahn verletzten Leuten ausgeführt
werden mussten.
Resectionen der Gelenke, in der Continuität der Diaphysen und
Osteotomieen 31 mit 5 Todesfällen u. s. w.
Indess misst V. diesen Zahlen einen nur untergeordneten Werth
bei und deducirt die Trefflichkeit des Verfahrens aus der fast speci-
üschen Einwirkung desselben auf den Gang des Wundheilungsproces-
ses, bei welchem; sofern es sich um frische Wunden handelt, das
«og. Reinigungsstadium und die dasselbe begleitenden Zersetzungs-
und örtlichen Reactionsphänomene ganz oder fast ganz fehlen. Der
ekelhafte Jauchengeruch der ersten Tage pflegt, selbst beim Eintritt
■ausgedehnter Gangrän, nicht nachweisbar zu sein und Neigung zur
Zersetzung, die sich sofort durch Verfärbung des Protective kenn-
zeichnet, kann mit grosser Sicherheit durch eine neue Desinfection der
Wundflächen, event. durch Ausätzung mit Chlorzink beseitigt werden.
Selbst Blut geht unter dem Verbände keine Zersetzung ein. Es wird
durch die andrängenden Gewebe zerstört, oder fällt als kömige Masse
AUS der Wunde heraus oder liegt geschrumpft gleich einem feuchten
Schorf auf der Wunde ^und löst sich erst los, wenn die Uebemar-
bung darunter vollendet ist.
Die geringe örtliche Reaction zeigt sich am Fehlen entzündlicher
Schwellungen, möge es sich um geschnittene Wundränder oder um die
schlimmsten Zerreissungen handeln, an der sich nur zögernd einstel-
lenden Granulationsbildung, an der unbedeutenden Secretion. Letztere
pflegt nur in den ersten Stunden bisweilen reichlich und blutig tin->
girt zu sein, doch ist sie dabei geruchlos und in der Quantität bald
wieder so minimal, dass es genügt mit dem Verbände jeden 2. 3. 4.
u. s. w. Tag zu wechseln.
Acute progrediente Phlegmonen, jauchige Infiltrationen, nekro-
tisirende ZeUgewebsentzündungen kamen in keinem einzigen Falle zur
Beobachtung, trotzdem die Wundsecrete oft schon innerhalb der
ersten 3 — 4 Tage unter hohen Druck gebracht werden mussten und
geöffnete kalte und Congestionsabscesse, um eine prima intentio zu
erreichen, mittelst Compressivverbandes behandelt wurden.
Als merkwürdig möchte noch hervorzuheben sein, die geringe
Reizung, welche in die Wynde eingeführte, nicht faulige Fremdkörper,
namentlich also die Drainröhren hervorrufen, der geringe Wund-
23*
356 Centralblatt für Chirurgie. No. 23.
schmerz und dafi geringe^ resp. gar nicht auftretende und dann nur
l — 3 Tage anhaltende Wundfieber. Ebenso fehlt Nach- und Eiterungs-
fieber gewöhnlich ganz.
Technik und Modificationen des Verbandes s. im Original.
Die Beantwortung der Frage durch Ausschaltung welcher Fac-
toren das antiseptische Verfahren wirkt, lässt V. vorläufig in sus-
penso und kennzeichnet seinen Standpunkt gegenüber der Wundzer-
setzung u. s. w. nur insoweit^ dass er gewisse deletäre und infectiöse
Stoffe annimmt^ welche von aussen an den Kranken herantreten und
die Eiterung etc. yeranlassen. Das Medium, durch welches diese
Stoffe in den Körper gelangen^ ist die Luft, das Atrium meistens die
Wunde.
Diese Anschauung steht in schroffem Gegensatze zu derjenigen
Lehre, nach welcher die Entwicklung und Steigerung des Endzün-
dungsprocesses allein von der Art und Ausdehnung der Verletzung
abhängig ist* V. stützt seine Anschauung in überzeugender Weise
durch die Verschiedenheit in Verlauf offener und subcutaner Ver-
letzungen. Seine Beweisführung widerstreiten auch nicht die be-
kannten Thatsachen, dass zuweilen Eiterung bei unverletzten Haut-
decken sich ausbildet, und dass anderseits manchmal eine solche
trotz des Contactes der Luft mit der Wunde ausbleibt.
Eine sehr genaue Aufzählung und Besprechung der 1873 beolH
achteten Wundkrankheiten giebt Rechenschaft über die unter dem
Liste r'schen Verbände vorgekommenen Misserfolge.
Danach wurde Erysipel bei 30 Kranken 32 Mal, 3 Mal in der
Form der erysipelatösen Gelenkeiterung unter 552 in der Klinik und
3000 ambulatorisch Behandelten (bei Letzteren 13 Mal) beobachtet.
Doch entwickelten sich von diesen nur 7 an regulär nach Lister
behandelten Wunden und zwar zur Zeit der Erlernung der Methode
und eines häufigen Assistentenwechsels.
Pyämiefälle kamen 9 vor, doch nur ein einziges Mal bei einem
Fat., der schon vor Beginn der traumatischen Reaction antiseptisch
nach List er behandelt M^orden war. Die 8 übrigen waren solche,,
bei denen entweder wegen der Geringfügigkeit der Verletzung von
Li st er Abstand genommen wurde, oder wo derselbe bei schon vor-
handener Eiterung in Anwendung kam.
Tetanus kam einmal, Septhämie in keinem Falle vor. —
Krankheiten der Extremitäten.
Einige Bemerkungen über die Behandlung der Ober-
Schenkelbrüche mit Gewichten.
Diese Behandlungsweise ist in der Halle'schen Klinik eine Reihe
von Jahren^ der Prüfung halber, fast ausschliesslich angewendet wor-
den und hat in einer sehr grossen Zahl der Fälle die rascheste und
voluminöseste Callusbildung , dchneUste Cgnsolidation und die ge-
ringste Verkürzung gegeben.
Centndblatt für Chirurgie. No. 23. 357
Besondere Voraüge hat dieselbe bei sehr starken Dislocationen
und bei Brachen im oberen Drittel, ist also bei den am schwierig-
steoL XU behandelnden Fällen am meisten zu empfehlen. Bei complicir-
ten Fraoturen und ausgedehnten Zerreißungen der Weichtheile möchte
sie am besten die TJebersicht und den antiseptischen Verband gestat-
ten, erfordert aber vor allem verständige Individuen, die sich wenig-
stens relativ ruhig verhalten können. Zur Befestigung des Gewichts
wird die Heftpflasteransa allen andern Verbandarten vorgezogen. Die
Orösse des Gewichts richtet sich ganz und gar nach der Reibung,
welche die Extremität auf der Unterlage erleidet; bei Erwachsenen
kamen durchschnittlich zwischen 17 — 30 Pfd. zur Verwendung.
Ein auf der gesunden Seite um den Damm gelegter Gummi-
achlauch verhindert das allzu starke Herabsinken des Kranken und
bewirkt gleichzeitig eine Senkung der der gebrochenen Extremist
entsprechenden Beckenhälfte, wodurch das obere Bruchstück leicht
in eine prononcirte, sehr oft erwünschte Abductionsstellung gezwun-
gen wird. Ein schleifendes Fussbrett ist nothwendig um die Rota^
tion des unteren Fragmentes, resp* das Umfallen des Fusses zu ver-
hindern.
In 10 unter 22 Oberschenkelbrüchen, bei welchen 1873 die Ge-
vnchtsextension von Anfang bis zu Ende durchgeführt wurde, erfolgte
die Consolidation durchschnittlich innerhalb 27^5 Tagen, bei einer
Verkürzung von im Mittel 0,7 Cm.
28 Offene Fracturen an den Extremitäten.
(Oberarm 3, Vorderarm 6, Oberschenkel 4, Patella 1, Unter-
schenkel 14). — Von diesen wurden 15 conse^vativ behandelt und
geheilt, 13 amputirt. Die Amputation verlief tödlich 5 Mal in Fällen
von Zermalmung der Unterextremitäten durch Maschinen oder auf
Eisenbahnen, deretwegen 3 Mal die hohe Oberschenkelamputation,
1 Mal die Hüflexarticulation, 1 Mal eine Doppelamputation des Fe^
mur gemacht vnirde.
Offene Unterschenkelfracturen 14. 1 Mal mit schweren
multiplen Verletaungen einhergehende Amput. femoris; der bereits
64jähr. Mann erlag rasch vor Beginn der Beaction. Die übrigen 13
Männer geheilt; einer davon mit ErJalg am Unterschenkel amputirt,
12 conserv. behandelt. Diese conserv. Behandlung wurde aber nur
10 Mal zu Ende geführt, da 2 Mal wegen Blutung erst die Femoralis
imterbunden und dann noch der Oberschenkel erfolgreich amputirt
wurde. Endlich wurde einmal die Besection des Fussgelenks mit
Glück ausgeführt.
V. bezieht diese Erfolge allein auf die Anwendung des List er-
sehen Verbandes und fragt ob irgend Jemand in der Spitalpraxis, bei
Anwendung der älteren Methoden schon jemals 12 conserv. behan-
delte complicirte Unterschenkelfacturen, die in einer erheblichen Quote
mit starken Quetschungen und spätrer Gangränescirung verbunden
waren, hinter einander geheilt habe. Die Mortalität nach solchen
358 Centralblatt für Chirurgie. No. 23.
Verletzungen betrug nach seinen privaten Erkundigungen an der
Mehrzahl der Deutschen Kliniken bisher mindestens S9ßi.
Folgende durchaus typische, aber bisher nicht beschriebene Bruch-
form sah Y. 7 — 8 Mal. Infolge forcirter Pronations- und Abductions-
bewegung des Fusses wird bisweilen durch den stark nach aussen
sich verschiebenden Malleol. ext. ein Stück von der lateralen (der
Fibula zugekehrten) Seite der unteren Tibiaepiphyse abgerissen, wo-
bei die Bruchspalte sehr schief von oben und aussen nach unten und
innen, annähernd in sagittaler Ebene, verläuft und das abgesprengte
Stück gewöhnlich die Keilform hat und unter Umständen nekrotisch
wird, so dass zur Fussgelenkresection geschritten werden muss. —
Hand- und Fingerverletzungen 172^ darunter 71 schwere
mit Weich theil- und Sehnenzerreissung, Zermalmung der Knochen
und Eröffnung der Gelenke, complicirte Fälle, bei denen stets einer
oder mehrere Finger für die Function verloren gingen, oder amputirt
werden mussten. Sämmtliche nach Li st er behandelt, ohne dass
irgend einmal eine acut-progrediente Phlegmone, eine Sehnenscheiden-
vereiterung u. s. w. auftrat, oder eine Spätamputation nothwendig
wurde. (Schluss folgt.)
Thiemesse et Casse. De roxygene comme antidote du
phosphore.
(Ext. du Bulletin de l'Acad. royale de mdd. de Belg. T. IX. 3»« sdr, No. 1.}
1875. Bruxelles, H. Maneeanx.
Versuche über die Wirkung des Terpentinöls als Antidot bei
Phosphorvergiftungen brachten in der belgischen Academie die Frage
zur Discussion, ob etwa der im rohen Oel (das Ol. Tereb. rectif. er-
weist sich unwirksam) enthaltene Sauerstoff es ist, dem die Rolle als
Gegengift des Phosphors zukommt. — Yff. unternahmen in diesem
Sinne eine Beihe von Experimenten an Hunden, die mit starken
Dosen Phosphor vergiftet wurden, um dann theils durch Transfusionen
defibrinixten, also arterialisirten Blutes, vor allem aber durch directe
intravenöse Infusion von Sauerstofi^^ dessen Wirkung als Antidot zu
erproben. Die Bluttransfusionen, anknüpfend an schon vorhandene
Beobachtungen, ergaben keine befriedigenden Erfolge, mochte man
dieselben bei intacter Blutfülle des vergifteten Thieres, oder erst nach
einem grösseren Aderlass vornehmen. Auch war es irrelevant, ob
die eingespritzte Blutmenge den Aderlass quantitativ bloss deckte^
oder ob sie denselben um mehrere hundert Gramme überstieg. Da-
her wandten die Yff. ihre ganze Aufmerksamkeit den Sauerstoffin-
fusionen zu^ von denen sie für das Leben des Individuum keine directe
Gefahr erwarteten, gestützt auf die Ungefahrlichkeit selbst grösserer
in das Yenensystem eingebrachter Luftmassen, wenn nuf die Ein-
führung an geeigneter Stelle und ohne Ueberstürzung geschieht
Centralblatt fOr Chiniigie. No. 23. 359
(Labor de et Maron, Gaz. xnid. de Paris 1873, Mars — Soc. de
Biologie}. Aber auch, wenn die Infusion von Sauerstoff nicht ganz
ungefährlich wäre, so halten Th. und C. ihre Anwendung bei Phos-
phorvergiftungen für durchatis dringend geboten, weil die Patienten,
falls die Menge des Giftes irgend beträchtlich gewesen, bei Anw*en-
düng aller anderen Mittel doch meistens dem Tode entgegengehen.
Die Vff. wählten meist die Y. saphena ext. zur Infusion und bedien-
ten sich eines sehr einfachen von C. construirten Apparates. Das
kurze Rohr einer zweihalsigen, mit reinem Sauerstof^^ gefüllten
Woulf 'sehen Flasche wird durch einen Kautschukschlauch mit der
Infusionskanüle verbunden. Das lange Rohr, welches durch den
Stöpsel des anderen Halses bis auf den mit Wasser bedeckten Flaschen-
boden reicht, bringt man mit einem Heber in Verbindung, der in
ein mit Wasser gefülltes offenes Maassgefass eintaucht. Durch He-
ben des letzteren fliesst Wasser in die Flasche und während hier der
Wasserspiegel steigt, wird das Oxygengas durch das kurze Rohr in
die Kanüle und cUe Vene getrieben. Das übergeleitete Gasquantum
bemisst man leicht aus der Wassermenge, welche aus dem Maasscylin-
der ausgeflossen ist. Die Schnelligkeit im Ausströmen des Gases
lägst sich durch grösseres oder geringeres Heben des Maassgefasses
reguliren. Es ist wichtig, reinen nicht mit Luft vermischten Sauer-
stoff anzuwenden. Die atmosphärische Luft als solche hat sich den
Vff. als ebenso unwirksam erwiesen (zwei Versuche], wie ungenügende
oder gar keine Infusionen von Sauerstoff. — Th. und C. entnehmen
aus den ausführlicher mitgetheilten 22 Versuchen an Hunden, dass,
um den antitoxischen Effect zu erzielen, man nicht weniger als 150
bis 200 Ccm. Sauerstoff, bei einem Körpergewicht der Thiere von 5
bis 8 Kilo, einfuhren dürfe, dass aber bei grösseren (schwereren) In-
dividuen Infusionen von 300 bis 500 Ccm. nöthig werden können.
Sodann muss die Sauerstoffeufuhr zeitig genug geschehen, ehe der
Phosphor tiefere Veränderungen der Blutmasse und der verschiedenen
Organe hervorgebracht hat. Gegen den Einwurf, dass die Vff. etwa
nicht tödtliche Dosen Phosphor angewandt hätten, verwahren sie sich
durch ControUvergiftungen ohne alle Therapie und diirch die Angabe,
dass sie pro Kgnn. Versuchsthier durchschnittlich etwa 16 bis 20
MilHgrm. Phosphor gereicht haben und zwar in einer die Resorption
sicher nur befördernden Mischung, nämlich in einer Emulsion mit
Eigelb. Bei selbst geringerer Dosis imd gleicher Darreichungsweise
soU die Commission der Academie mit Hülfe des Terpentinöls keine
Lebensrettung mehr ermöglicht haben. Interessant ist Versuch 13,
wo durch Versehen, statt in die Vene, das Gas in das umgebende
Bindegewebe eindrang und Emphysem fast der ganzen Hinterpfote
zur Folge hatt£. Das vergiftete Thier erholte sich nur wenig und
ging im Laufe der folgenden Nacht zu Grunde. Die Section ergab
den charakteristischen Befund der Phosphorvergiftung.
Lesser (Berlin).
360 Centralblatt f&r Chirurgie. No. 23.
Pajot. Le Chloroforme dans les acconchements natnrels con-
sidere aux points de vue scientifique et pratique.
(Annales de Oynecologie 1875. Janvier.)
P. wendet sich besonders gegen die sogenannten Chloroform*
Accoucheure (Accoucheurs anesthesistes) und zeigt nach den verschie-
densten Gesichtspuncten hin^ dass das sogenannte Anchloroformiren bei
natürlichen Geburten, die halbe Anästhesie der Frau, vom Arzt
ganz allein ausgeführt ohne irgendwelche andere ärztliche BeihiUfe
durchaus zu verwerfen sei. Das Besiune seiner Auseinandersetzungen
ist nach P.'s eignen Worten folgendes:
1) Das Chloroform hat in der GeburtshiUfe für alle Zeiten seinen
scharf markirten Platz. Kein praktischer Arzt wird zögern, es mit
allen nöthigen Vorsichtsmassregeln anzuwenden bei schmerz-
haften Operationen, oder bei spontanen, abnormen Entbindungen.
2) Die volle Anästhesie bei natürlichen Entbindungen,
während der Erweiterung der Uterinorificien und der Vulva, ist eine
Vornahme, über die sich streiten lässt. Ihre Gefediren und Nachtheile
scheinen beträchtlich ihre Vortheile zu übertreffen. Jedoch hat auch
die gegentheilige Meinung ihre Gründe und lässt sich vertheidigen.
3) Es ist ein entschiedener Beobachtungsirrthum, dass die ganze
Periode der Erweiterung (Eröffiiungs- und Austreibungsperiode) im
Allgemeinen von den Frauen leicht ertragen werde.
4] Eben so falsch ist es, dass das sogenannte Anchloroformiren,
wie behauptet worden ist, die üterincontractionen verringere und ver-
langsame.
ö] Die halbe Anästhesie (Chloroforme a la reine der Engländer)
ist eben so unnütz wie harmlos, und erscheint an Stelle verzögernder
Mittel geeignet, auf die Einbildungskraft der Frauen einzuwirken und
so Zeit gewinnen zu lassen, wenn bei einer natürlichen Entbindung
nichts Anderes zu thun ist. LeoiH^i (Leipiig).
Th. EeitiL Operation bei eiternden Ovarialcysten.
(Edinburgh med. Journal 1875. Febr. p. 673.}
Während man bisher die Ovariotomie hauptsächlich bei nicht in
Umsetzung begriffenen Ovarialcysten in Anwendung zog, will K. die
Grrenzen der Operation erweitem und räth die Ovariotomie ganz be-
sonders in den Fällen zu machen, in welchen der Cysteninhalt in
eitriger oder jauchender Umsetzung begriffen ist, oder bei welchen
nach der Function septische Erscheinungen »typhoid symptomsc ein-
treten. Er selbst hatte vor 10 Jahren zum ersten Male die Ovario-
tomie in einem derartigen Falle während des Halbdelirium des sep-
tischen Fiebers erfolgreich ausgeführt (Lancet 1865, p. 480) und sie
seitdem in 12 Fällen, von denen 2 chronische Eiterung darboten,
wiederholt. Wenn auch der Allgemeinzustand der Persoueu höchst
ungünstig, die Operation wegen der zahlreichen Verwachsungen der
Centralblatt fftr Chirurj^e. No. 23. 361
Geschwukt sekr mühsam und langdauemd ist, die Kranken für den
Zuschauer solcher Oyariotomieen als absolut verlorene erscheinen, so
widerspricht dieser ungünstigen Prognose die günstige Erfahrung,
denn K. hatte nur 2 Todesfalle zu beklagen. Die 9 bisher nicht
veröffentlichten Fälle, welche im Originale ausführlich wiedergegeben
sind, sind folgende:
1] Acut eiternde Ovariencyste, Ovariotomie» Genesung. Bei der
35jähr. Frau bestand nachweisHch seit 2 Jahren ein jetzt stark ver-
wachsener Ovarialtumor, bei dessen Function 3 Gallonen dicker, eitri-
ger Flüssigkeit entleert wurden; nach 3 Wochen hatte sich unter
Zunahme der bestehenden Fiebererscheinungen die Cyste wieder an-
gefüllt; Ovariotomie am 13. Juli 1871; die Cyste überall adhärent,
verdicktes Peritoneum sehr verändert, viel Blutverlust. Die ersten
24 Stdu. bestand hohe Lebensgefahr, dann Besserung; in der 4.
Woche wird ein abgesacktes peritonitisches Exsudat durch Function
entleert; nach 5 Wochen wird die Frau geheilt entlassen und befin-
det sich heute noch ganz gesund.
2) Acut eiternde Cyste, Ovariotomie, Genesung. 40jähr. Frau
mit grösstentheils adhärenter, multiloculärer Cyste; Entleerung eines
Eimers voll dicklicher (?) Flüssigkeit ändert die Lagerung der Cyste
zu ihrer Umgebung in keiner Weise; 2 Wochen später war heftiges
Fieber angetreten mit schnellem Verfall der Kiäite, Am 27. JuK
1872 mühsame Ovariotomie; die Geschwulst wog 30 Pfd.; die ersten
2 Tage gaben wenig Hoffnung, dann erfolgte gleichmässige, schnelle
Besserung und es besteht z. Z. noch volle Gesundheit.
3) Acut eiternde Cyste bei niedriger Temperatur, Ovariotomie,
Genesung.
Die 5 7 jähr. Frau, vor 2 Monaten pxmctirt, hatte Oedem der
Beine, der Vulva und Bauchdecken, wenig Eiweiss im Urin; der
Bauchumfang in der Höhe des Nabels betrug 46". Bei der hoch*
gradigen Abmagerung, dem kleinen, frequenten Pulse, der andauernd
niedrigen Temperatur etc. vermuthete K. einen malignen Ovarial-
tumor und wollte der Erleichterung wegen nur eine Function machen ;
als aber bei der Function sich stinkende Eitermassen entleerten —
die niedrige Temperatur hatte die Diagnose der Suppuration zurück-
gewiesen — so gestalteten sich die Aussichten günstiger und es wurde
trotz der rothen, trockenen Zunge, der Diarrhoe, der profusen Schweisse
und dem leeren umnebelten Blicke bei voller Apathie am 21 Septbr.
IS 72 die vielfacher Adhäsionen wegen mühsame Operation gemacht;
20 Catgutligaturen wurden nothwendig; der Stiel durch Glüheisen
getrennt und versenkt; die Cyste ohne Inhalt wog 12 Pfd.; nach
einigen Stunden hob sich Temperatur und Puls; gleichmässig zu-
nehmende Besserung begann nach 2 Tagen; in der 5. Woche konnte
Patientin geheilt entlassen werden.
4) Acut eiternde Cyste, Operation, Genesung. Dieser Fall be-
traf ein 20jähr. Fräulein, deren Schwester an Ovarialleiden zu Grunde
gegangen war; Bauchumfang betrug 37^2"^ der Allgemeinzustand war
362 Centralblatt für Chirurgie. No. 23.
T^enig erfreulich. Operation am 31. Decbr. 1872, sehr schwierig;
die zahlreichen kleinen Cysten sehr leicht zerreisslich ; der kurze
Stiel wird durch Glüheisen abgetrennt; starker Blutverlust; hoch-
gradige Erschöpfung nach der Operation, erst am 9. Tage tritt sicht-
liche Besserung ein. Vom 29. Tage ab schnelle Seconvalescenz.
5) Acut eiternde Cyste, Pyämie, Operation. Tod am 3. Tage.
Eine 53jähr. Frau 3 Mal punctirt, bekommt Eiterung der Cyste.
Ihr Zustand so trostlos, dass durch die Operation nur ein Versuch
gemacht wurd^, das sicher verlorene Leben zu retten. 25. Jan. 187S
Ovariotomie, breite Verwachsungen mit Darm und unterer Leber-
fläche; die vordere Cyste voll Eiter, Stiel sehr kurz und breit wird
durch Cauterium getrennt; zahlreiche Ligaturen sind noth wendig.
Anfangs schien alles gut zu gehen, dann Peritonitis und obwohl die
nächsten 2 Tage keine besonderen Erkrankungserscheinungen boten,
so trat unter Abnahme der Kräfte am 3. Tage der Tod ein. Im
Abdomen fand sich unter der Leber t Unze Eiter, um den SüA
eine Art Höhle mit 8 Unzen rothen Serums erfüllt, im Becken eine
Spur klaren Serums.
6) Acut eiternde Cyste, Ruptur, Operation, Genesung. Bei der
27jähr. Person bestand eine seit 18 Monaten nachgewiesene multi-
loculäre Cyste. Neben Anämie litt Pat. auch an Chorea. Die Puno*
tion entleerte blutigen Inhalt. Im Septbr. Eiterung in der Cyste,
heftige Schmerzen im Abdomen, die Extremitäten kühl, die Athmung
schwer, der Puls klein, das Abdomen sehr ausgedehnt. Da an einer
Ruptur der Cyste kein Zweifel sein konnte, so wurde durch eine
Incision die freie Flüssigkeit entleert; nach 3 Tagen hatte sich der
Zustand so weit gebessert, dass die Operation möglich war. Die am
23. Octbr. 1872 ausgeführte Ovariotomie hatte ihre besondere Schwie-
rigkeit wegen der starken Verwachsung mit Netz und Leber; viele
Catgutligaturen ; ein Stiel fast gar nicht vorhanden, der Tumor grenzte
direct an den Uterus. Vom 3. Tage ab gleichmässige Besserung;
am 26. Tage die Wunde vernarbt. Die Chorea ist seitdem ver-
schwunden.
7) Acut eiternde Cyste, Operation, Genesung. Eine grosse, mul-
tiloculäre Cyste bestand bei der 36jähr. Frau nachweislich seit 2 Jah-
ren; der Bauchumfang bei der anämischen, hochgradig abgemager-
ten Person 52". Die Punction brachte grosse Erleichterung der Kran-
ken. Bald aber zeigten sich die Symptome der Eiterung, deshalb
am 13. Sept. 1873 Ovariotomie; kurzer Stiel; die Cyste ohne Inhalt
wog 15 Pfd. Schnelle Besserung; am 15. Tage ist Pat. ausser Bett.
Die beiden Fälle chronischer Ovarialcysten-Eiterung — hier war
keine Punction als Ursache anzuschuldigen — boten nichts Beson-
deres und verliefen gut.
Am Schlüsse des Artikels giebt K. ein Resumi der Vorkomm-
nisse bei den soeben beschriebenen Ovariotomieen und erörtert die
Symptome der Cysteneiterung. Pilz (Stettin).
Cenlaralblatt fQr Chinii|^e. No. 23. 363
Kleinere Miitheilungen.
Chloroform-Tod.
(British möd. Journal 1874. Vol. II. p. 783.)
Im Londoner Boyal Free Hospital wurde ein 14jfthr. M&dohen behufs genauer
Untersuchung des Hüftgelenks chloroformirt. Nach Einathmung von 60 Tropfen
innerhalb 2 Minuten eHolgte plötxlich trotz Zuhfllfenahme der SilTester'schen
Belebungsmethode und der Anwendung der £lectricit&t der Tod. Die Section er*
gab nichts Abnormes; sftmmtliche Organe waren gesund. PUx (Stettin).
Tod nach Einathmung von Bichlorid of Methylen.
(British med. Journal 1S74. Vol. U. p. 823.)
Dem sehr kursen Berichte zufolge wurden zur Narkotisirung 3 Drachmen Ter-
braucht. Nach 2 Minuten sterthorOses Athmen; am Ende der Operation (Ent-
fernung einer kleinen cariösen Stelle nahe dem Thrftnenbeine) setzte plötzlich Puls
und Athmung gänzlich aus. Trotz aller angewandten Belebungsversuche kam Fat.
nicht wieder zu sich. Einer Section ist nicht Erwähnung gethan.
Pils (Stettin).
Roehlen. Transfusionen .
fConrespondenzblatt der irztl. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. p. 34.)
R. berichtet Aber den weiteren Verlauf früher gemachter Lammbluttransfusio*
nen (s. Centralbl. f. Chir. 1874, p. 54.3). In dem Fall von hochgradiger Chlorose,
der »vollständig hergestellt wurde«, war die Wirkung der Transfusion nicht von
Dauer. Anämie und Schwäche kehrten wieder. Bei einer abermaligen Transfusion
entwickelte sich von der Gegend der Arm wunde aus am 12. Tage eine heftige
Phlegmone des ganzen Armes. Die Wunde selbst blieb dabei theilweise geschlossen.
Nur an den beiden Endpuncten des Schnittes, wo die mit Catgut unterbundene
Vene lag, zeigte sich eine äusserst geringe Eiterung. Die Kranke kam in ihren
Kräften wesentlich herunter. — Ein Fall von chronischer Pneumonie wurde ebenso
mit einer zweiten Transfusion behandelt. Einige Besserung. Die Dämpfung scheint
eine etwas geringere als früher. — Ausserdem wurden an 3 neuen Patienten (Anä>
mie und Hysterie, Lungentuberkulose) einmalige Transfusionen ausgeführt. Theils
gänzliche Resultatlosigkeiti theils geringe Besserung. Madelimg (Bonn).
M. Meyer. Bericht über die chirurgische Abtheilung der Kranken-
Terpflegungsanstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin für das Jahr 1872.
(Arch. f. khnische Chirurgie 1874. Bd. XVII. Hft. 3. p. 423-442.)
Zweite eines Auszuges nicht f&hige Hälfte des in No. 27, 1874 des Centralbl.
f. Chir. referirten Aufsatzes. Derselbe behandelt die Krankheiten der Gelenke,
Sehnenscheiden und Muskeln, die angeborenen Verkrümmungen, die Hernien, end-
lich die Krankheiten der Harn- und Oeschl^chtsoigane.
Als interessant wären zwei Hüftgelenksentzündungen hervorzuheben, die sich
infolge angestrengten Gehens bei offenem Bubo bildeten. Das eine Mal erfolgte
die Heüung erst nach Resection des Gelenkes.
Carcinome des Kniegelenks kamen 2 Mal zur Beobachtung.
WUh. Koeb (Berlin).
M. Hagen« Beobachtungen über Carbolsäure als Antiphlogisticum.
(Bayer, ärztl. Intelligenzbl. 1874. No. 32. p. 295.)
Verf. machte Injectionen von Carbolsäurelösung (2X} in folgenden Fällen:
1) bei einer Phlegmone der Hand, 2) in einem Falle von Vereiterung der linken
Niere mit Uebeigreifen der Entzündung auf die Umgebung, 3) in 2 Fällen von
croup<>8er (? Ref.) Entzündung des Kehlkopfes und der Fauces bei Kindern, 4) in
einem Falle von Cruralneuralgie, 5) bei 6 Fällen von croupöser Pneumonie.
Die Injectionen sollen immer sofort den günstigsten Erfolg gehabt haben (! Bef.),
namentlich behauptet Verf., es hätten die Pneumonieen nach den Injectionen »das
Ansehen und den Verlauf von leichten Fällen bekommen«. Die ungenaue Mitthei-
lung der Fälle gestattet kein Urtheil über ihre Beweiskraft.
P« Bruis (Tübingen).
364 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 23.
J. Wolff. Ueber die Expansion des Knochengewebes. Vortrag in
der Berl. med. Gesellschaft am 16. Decbr. 1874.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 6, 7 u. 8.)
In einer Polemik gegen Wegner vertheidigt Verf. seine Ansicht Ober Kno-
chenwachsthum. An den Experimenten wird zunächst der Umstand getadelti dass
Wegner viel au starke Nägel und Drähte genommen habe, wodurch das normale
Expansionsvermögen der Knochen zu sehr alterirt werde. Ferner glaubt Verf. von
den durch Wegner citirten Autoren, welche experimentell nur apposition^Uea
Wachsthum gefunden haben sollten, dass sie theilweise, besonders Duliamel, ge-
rade entgegengesetzte Kesultate gewonnen und ausgesprochen haben. Aus seinen
experimentellen Arbeiten und deren Resultaten, aus der Structur der Knochenbalken
bei den Knochen yersdiieden alter Individuen und aus der mikroskopischen Unter-
fluchung wachsender Knochen schliesst Verf., dass das Wachsthum der Knochen
durch Expansion erfolge. T* Mosengeil (Bonn).
■
J. Spenoe. Tetanus traumaticus, erfolglos mit Calabar behandelt.
(The Lancet 1875. Vol. I. p. 13.)
Das vorwiegend von englischen Beobachtern als besonders wirksam bei Tetanus
gerühmte Extract der Calabar-Bohne liess in S.'s Fall gänzUch im Stich, obwohl
als kräftige Adjuvantien Morphium, Bromkali, Chloroform, Chloralhydrat in nicht
geringen Dosen zur Seite standen ; in 3 Tagen wurden nicht weniger als 22 gran des
alkoholischen Extracts verbraucht. 9 Tage nach Auslösung des verletzten Fusses
im Fussgelenke trat der Tod ein. Pilz (Stettin;.
Pescamps. Tetanos traumätique. — Traitement par le ehloroforme
en inhalations. — Mort.
(Archives m^dicales beiges 1875. Hft. 2.)
Die von Si6gard gegen Tetanus so dringend empfohlenen Chloroforminhala-
tionen hat D. in seinem Falle unwirksam gefunden. Es handelte sich um eine
Fingerverletzung, welche unter den bekannten (zum Theil auch septhämischen)
Symptomen tödtlich endete. Bei der Section fand man Erweichungszustände im
Rückenmark, besonders im Cervicaltheil, und Rothung der vorderen Stränge, sonst
nichts Auffälliges. Am. HUler (Berlin; .
A. Juraaz. Gelftemium senipervirene gegen Neuralgie.
(Medycyna 1875. No. 14, polnisch.)
Die aus der Merk 'sehen Droguenhandlung in Daimstadt bezogene Tinctur
des Mittels wurde mit Erfolg in 3 Fällen von Neuralgie (2 Mal supraorbitale,
1 Mal im Oberarm) zu 5—10 Tropfen 2 bis 3 Mal täglich angewandt — nachdem
andere Mittel fruchtlos versucht worden waren. ObaUnski (Krakau).
Amussat (fils) . Ablation des tumears pedicu16e8 de la peau au moyen
d/^ la galvauocaustique thermique.
^Revue de Therapeut, m^dic.-chirurg. 1875. No. 2 u. 3.;
Den 3 von Middeldorpf im Jahre 1854 veröffentlichten günstigen Erfolgen
bei der Exstirpation verschiedener Tumoren der Haut mittelst der galvanocausti-
sehen Schlinge — weitere Mittheilungen hat A. in der Litteratur nicht finden kön-
nen — reiht Verf. 7 ganz ähnliche Fälle an, in welchen mehr oder weniger ge-
stielte Papillome, Lipome, Fibrome und spitze Condylome der Haut unter Anwen-
dung galvanischer Instrumente, ausser der Schlinge auch Scheere und Bistouri,
abgetragen wurden. Der Operations- und Heilungsverlauf war in allen Fällen ein
befriedigender. Casuistik, histologischer Befund und Abbildungen bringen nichts Neues.
Arn. Hüfer (Berlin).
Mo, Leod. Foreign body in the larynx. Extraction. Tracheotomy.
Recovery.
(The Indian Med. Oaiette 1875. Vol. X. No. 3. p. 72.)
Ein 14monatl. Knabe verschluckte eine Schraube von IV4 Zoll Länge. Eine
Stunde später wurde das Kind im asphyctischen Zustande zu M. gebracht. Bei
Centralblatt ffir Chirargie. No. 23. 365
der Digitalexploration fand er den Sehnubenknopf über den Kehlkopfsein^ng
gelagert, der übrige Tb eil steckte in dem Larynx und wurde dort krampfhaft so
festgehalten, dass die Schraube nur mit Anwendung von betrfichtlicher Gewalt und
mit grosser Verletzung der inneren Laxynxauskleidung herausbefördert werden
konnte. Da sich die Respiration durch Reizmittel nicht befriedigend herstellen
wollte, machte M« in der Voraussetaung, dass der Zustand der verletzten Kehl-
kopftchleimhaut daran schuld sei, die Tracheot. infrathyroid. und legte die Kanüle
ein, worauf die Respiration gut wurde. A. Bürger (London)*
T« WcK^Terton. Fremder Körper im Bronchus.
(The Boston med. and surg. Journal' 1875. p. 285.)
In der Trunkenheit fiel, eine Thonpfeife im Mund, ein 56jähr. Mann 5 Fuas
hoch aus der H&ngematte auf den Boden; die erste Viertelstunde bestand er-
schwerte Athmung, heftiger Schmerz hinter dem Brustbeine und grosse Schmerz-
haftigkeit der contnndirteu Schultergegend. 3 Tage spftter klagte Fat. Tiel Ober
Husten und bekam beim Aufrichten behufs genauer Brustnntersuchung einen £r-
sticknngsanfall. Man fand linksseitigen Lungenkatarrh; dabei war im Uebrigen
die Athmung frei. Am 4. Tage erfolgten wieder einige krampfhafte Hustenaaf&lle
und in einem derselben entleerte er ein Vi" langes Stück Thonpfeife und 1 Drachme
hellrothes Blut. Die n&chsten Tage bestand noch eine leichte Bronchitis.
Pils (Stettin).
Bomiäe. Quelques mots sur les tumeurs intraoculaires.
[Annales de la soc. m6d. chir. de Liöge 1875. F^vrier. p. 57.)
Zweimalige Enucleatio bulbi wegen Sarcom der Chorioidea, das eine Mal bei
einer 64 Jahre alten cachectischen Frau, das zweite Mal bei einem U/i^Üta. Kna-
ben. In beiden F&llen rasche Heilung. Die alte Frau war noch nach 2 Monaten
schmerzfrei, ohne Recidiv, und ihr Allgemeinzustand befriedigend.
üllersperger (München).
O. Iiawson. Fractur der Schädelbasis mit geringen Erscheinungen.
(British med. Journal 1875. Vol. I. p. 210.)
Der 42f4hr. Mann auf der Strasse liegend geftmden und durch einen Schutz-
mann in's Middlesex Hospiul gebtmoht, kam auf lautee Anreden etwas su sich,
konnte anfangs keine Angaben machen, wurde aber im Laufe des Tages etwas be-
sinnlicher; man bemerkte nur eine kleine Hautwunde an der rechten Kopfiieite
und geringe Blntung aus dem linken Ohr; bald nach der Aufnahme erfolgte ein
epileptischer AnM, am 2. Tage trat Delirium tremens ein. Seit dem 5. Tage er-
neute sich eine Reihe epileptischer (?) Anfälle; in einem derselben am 12. Tage
erfolgte plötzlich unerwartet der Tod.
Die wie es scheint für besonders wichtig angesehenen Angaben der Frau er-
gaben, dass der Verstorbene mit seinen 3 BrQdern, gerade wie der Vater, Sftufer
war; alle 2^3 Monate ergab er sich auf 3—4 Wochen heftigem Trünke und den
Abschluss bildete immer ein Delirium tremens und eine Reihe epileptischer Anfälle,
worauf die Pause der Massigkeit erfolgte. Auf diese Aussagen hin (!?j wurde die
ursprüngliche Diagnose der Schädelfractur fallen gelassen.
Section: Blutige Infiltration des rechten Temporalmuskels ; beträchlüches
festes Blntcoagulum zwischen rechtem os temp. und dura mater, sowie zwischen
Pia und Oehim beiderseits an den temporo-sphenoid. Lappen und in der Hinter-
hauptsgegend (?); an diesen Stellen war die Corticalsubstanz zerrissen. Eine lineare
Fractur ging quer durch die Schädelbasis von dem Schuppentheil eines Schläfen-
beines zum andern durch die Felsenbeine und Keilbeinkörper, so dass nach Ent-
fernung der Schädeldecke die Gesichtsknochen wie in einer Gelenkverbindung be-
weglich erschienen.
Das sogenannte Delir. tremens und mehr noch die »häufigen epileptischen An-
fälle« dürften doch wohl mit der Verletzung in Verbindung gebracht werden.
PILe (Stettin).
366 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 23.
J. Badek. Ein Fall ron Struma cystica.
(Przegli^d lekaiski 1875. No. 18, polniBch.)
Die kindskopfgrosse Cyste bestand bei dem 28jähr. Schustergesellen seit 10
Jahren und erst seit etlichen Wochen begann Pat. über Schmersen, Heiserkeit,
Ohrensausen, Funkensehen etc. zu klagen, welche Symptome ihn auch das Spital
aufzusuchen nöthigten. Die Cyste bewegte sich nach oben beim Schlingen, der
Larynx war gegen die rechte Seite — die linke Carotis communis dagegen nach
aussen vom linken m. stemocleidomastoideus {verschoben. — Operation mittelst
galvanocaustischer Schneideschlinge und Drainage — Entleerung von 2 Pfd. choco-
ladenfarbiger Flüssigkeit; der eingeführte Finger fühlte an den Cystenwandungen
kalkartige Ablagerungen. In 2 Monaten völlige Heilung.
Obalinski (Krakau).
Terrillon. Traitement des polypes muqueux des fosses nasales.
(Bulletin g6n6ral de th6rapeutique Vol. LXXXVII. No. 12.)
Verf. empfiehlt die Ausrottung der Polypen mittelst eines modificirten Maist>n -
neuve 'sehen Constricteurs. Das Instrument ist kleiner und besitzt eine stumpf-
winkelige Krümmung. Die eigentliche Operation geschieht nach bekannten Regeln.
Die Blutung soll fast null und der Schmerz höchst unbedeutend sein.
Die empfohlene Nachbehandlung mit Stypticis u. s. w. unterscheidet sich wenig
von der üblichen. Gtrard (Strassburg i/E.).
H. Cayley. Large fatty tumour of arm.
(The Ind. Med. Gazette 1875. Vol. X. No. 3. p. 69.)
C. beschreibt vielleicht die grösste Fettgeschwulst, die an der Stelle ihres
Sitzes, nämlich der inneren Seite der unteren Hälfte des 1. Oberarms, beobachtet
worden ist. Ihr Hals hatte einen Umfang von 18 engl. Zoll; in der Mitte betrug
der Umfang 3 Fuss; nach Entfernung wog sie 23 Pfd. Sie hing mit der die Oe-
fasse deckenden Fascie zusammen. A^ Borger (London).
Biohet. Luxation scapulo-hum^rale ancienne. — Taraudage.
(Revue de th^rapeutique m6dic. chirurg. 1875. No. 8.)
Unter dem Namen »Taraudage« (Schraubendrehung) empfiehlt R. für ver-
altete Humerus-Luzationen ein Verfahren, welches in der wiederholten Ausfahrung
von Rotations- und Circumductionsbewegungen des Oberarms besteht und den
Zweck hat, durch Dehnung, resp. Zerreissung der neugebildeten fibrösen Ver-
wachsungen den gefesselten Humeruskopf wieder flott zu machen. Es soll weni-
ger Kraftaufwand erfordern, als directe Tractionen, namentlich mittelst Flaschenzug.
(Ein längst bekanntes und in Deutschland vielfach angewandtes Verfahren. Red.)
Am. HUler (Berlin).
Uhde. Uniloculäre OvariencyBte (?). Smalige Function. Unvollstän-
dige Exstirpation. Tod.
(Deutsche Klinik 1875. No. 9. p. 69.)
Bei einer 37jäbr. Pat., welche seit 20 Jahren an einer Anschwellung des Unter-
leibes litt, wurde nach wiederholter Function die Diagnose auf einkämmerige Ova-
riencyste gestellt und im Jahre 1867 die Laparotomie zum Zwecke der Exstirpa-
tion der Ovarialcyste ausgeführt. Nach Eröffnung der Bauchhöhle und Function
der Cyste (es entleerten sich 28 Pfund einer hellen, alkalisch reagirenden, wenig
eiweisshaltigen Flüssigkeit von 1,016 specifischem Gewichte) wurde wegen Ver-
wachsung der Cyste mit der hinteren Bauchwand nur eine partielle Exstirpation
der vorderen Cysten wand ausgeführt. Tod am 3. Tage. Bei der Section ergab
sich, dass es sich um eine Cyste der rechten Niere (Hydronephrose) handelte.
P. Brnns (Tübingen).
A. E. Fiok. Ueber den cozitischen Knieschmeiz.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 10.)
Verf. citirt Hyrtl» nach welchem das Hüftgelenk nur von einem Aeatchen
des N. obturatorius versorgt werde, das Kniegelenk dagegen durch 8 bis 9 (vom n.
cruralis 2, vom n. peronaeus 2, vom tibialis 3, saphenus major 1 und bisweilen vom
Centnlblatt fflr Cbirargie. No. 23. 367
B. obtimtoriuB 1). Hieraus leitet Verf. geringere Empfindlichkeit des Httftgelenkee
her und dedncirt aus dem Umstand, dam Laien yon ihrem Hüftgelenk keine richtige
Vorstellang haben, meiat nicht einmal ron seiner Betheiligung beim Oehaet etwas
wissen, dass der coxitische lüiieechmen auf falscher Deutung das im Anfang nur
unbedeutenden Hüftschmenes beruhe (fehlerhafte Localisation). Verf. schlftgt nun
Tor, Patienten mit beginnender Cozitis und betreffendem Knieschmers anatomisch
und physiologisch über das Hüftgelenk und seiner Functionen au unterrichten, dar-
nach aber nach dem Sita der Schmeraen i u fragen. Mit annehmender Erkenntniss
werde der falsche Knieschmers schwinden. n Hoeengeil (Bonn) .
Ckraity. Du traitement des fistules ä Tanus par la ligature 61a8tique.
(Bulletin g^n^ral de th6rapeutique Vol. LXXXVHI. No. 2.)
FtilmeU Emploi de la ligature elastique pour une fistule de l'espace
peWi-iectal superieur.
(Ibid. Vol. XXXVIL No. 12.)
C. empfiehlt die Anwendung der elastischen Ligatur bei Analflstein aufs Leb-
hafteste.
Die Blutung fehlt voUstindig; die an und fflr sich schon sehr ertrftglichen
Schmerzen weichen dem Gebrauch von Narcoticis ohne Schwierigkeit ; man braucht
keine besonderen Instrumente.
Die elastische Ligatur braucht je nach den Fällen 6—14 Tage, bis sie voU-
stindig durchgeschnitten hat. Allein die Patienten können manchmal schon am
ersten Tage aufstehen. — W&hrend der ganzen Behandlung braucht man nur für
leichten Stuhlgang zu sorgen.
F. spricht sich ähnlich aus. — (Cf. Centralbl. f. Chir. 1874. p. 415. Ref.)
etinacä (Strassburg i/E.).
Shellenbdrger. Dislocation of the head of the femur forward on the
pubic bone.
(Philadelphia med. Times 1874. No. 165. p. 197.)
Ein 64jähr., kräftig entwickelter Mann schwang sich auf einen schnell dahin*
fahrenden Zug» wurde aber in demselben Augenblicki als seine linke Hand ein
Eiaengitter fasste und sein linker Fuss auf den Tritt su stehen kam, herabgesohleu-
dert und auf die rechte Hüfte geworfen.
Der Fuss war um s/4 Zoll verkürzt und stark nach auswärts rotirt; der Kopf
des Femur stand auf dem Bamus horizontalis ossis pubis auswärts von der Arterie.
Bei dem Versuche die Einrenkung durch Flexion und Zug am oberen Schenkelende
begab sich der CTelenkkopf auf das Os ilium und wurde von hier aus durch die
Flexion und Botation nach aussen reducirt. Willu Koeh (Berlin) .
W. Gilbee. On a case of fracture of the os femoris with death by
emboliam.
(The Australien Medicat Journal 1874. Nov. No. 163. p. 339.)
Ein 39jähr. gesunder kräftiger Mann erlitt eine einfache Querfractur zwi-
schen mittlerem und unterem IMttel des rechten Femur. Der Fall schien gut zu
verlaufen bis am 20. Tage nach der Verletzung der Kranke plötzlich von einem
heftigen Schmerz in der Präcordialgegend, der längs dem linken Stemalrande nach
oben hin ausstrahlte, ergriffen wurde. Dabei Gefühl von Beengung in der Brust,
beschleunigte Respiration und beschleunigter schwacher Puls, leichte convulsivische
Zuckungen. Herztöne rein. Athmungsgeräusch normal. Nach 10 Minuten Tod
unter dien Erscheinungen von CoUaps. Die Section ergab ab Todesursache das
Loereisaen eines gesunden Fibringerinnsels aus der Ven. femoral, und Fest-
setzung desselben an der Theilungssteile der Art. pulmonal. An dieser Stelle war
die Arterie obturirt durch einen dunklen Blutpfropf, der bei näherer Prüfung sich
368 Centralblatt far Gliirurgie. No. 23.
aus wunnförmigen, yerschlungenen, abgebrochenen und nisammengeprewten Oe-
rinnsein, die sich in die Zweige der Pulmonalarterie fortaetsten, susammengeaetst
zeigte. An der Fracturstelle fand sich guter Callus, keine Splitter, die die Vene
hätten Terletzen können und, wie ausdrücklich bemerkt wird, kein Eiter.
(Kef. beobachtete einen Fall, den er ebenfalls nur auf Verschleppung einea
gesunden Fibringerinnsels Yon einer fast geheilten OperatioDawunde in einen klei-
neren Zweig der Art. pnlmon. zurückfahren kann. Wegen Verletiung des Knie-
gelenkes wurde einem kräftigen 29j&hr. Mann der Unke Oberschenkel im unteren
Drittel amputirt. Heilung per prim. intention. bis auf eine kleine Stelle im Win-
kel der Operations wunde , aus dem die sich frühe gelösten Unterbindungsfäden
herausgehangen hatten. In der Mitte der 4. Woche nach der Amputation wurde
dem sich sehr wohlfühlenden und blühend aussehenden Pat. aus dringlichen Rein-
lichkeitsgründen in der Vormittagsstunde ein kurzes Vollbad gegeben, in das er
vorsichtig gehoben wurde. Wenige Stunden darauf (Nachmittags) Schüttelfrost, in
dem die Temp. bis auf 40,4 stieg. Dabei Klagen über stechenden Schmerz In
der Tiefe der Brust, trockenes Hüsteln. An einer sehr beschränkten Stelle dicht
unter dem Winkel der linken Scapula ein leises, anscheinend aus der Tiefe kom-
mendes inspiratorisches Giemen, bei gutem Percussionsschall an der Stelle. Nach
dem Schüttelfroste, der über eine Stunde andauerte und mit Schweiss endete,
normale Abendtemperatur (l). Am folgenden Tage subfebrile Temp. Am 3. Tage
vollständiges Wohlsein. Temperatur normal. Das gesunde Aussehen der kleinen
Wunde und die geringe Eiterung hatten keine Aenderung erUtten.) '
A« Bürger (London).
L. G. Camison. Beseccion subperioatioa de la diafisis de la tibia j
socaviamento de la extremidad articular superior. Regeneracion. Ci-
catrizacion.
(La gaoeta de Sanidad militar. Madrid 1S75. No. 1. p. 21.)
F. V., einem 32jähr. Corporal bei den Carabiniers, von robustem Körperbau,
der nur früher an hartnäckiger Malaria gelitten, wurde in einem Gefecht durch
ein Gonisches Projectil das obere Ende des Tibiaknochens firacturirt. Pat. wanderte
mit seiner Verletzung in vier verschiedene Hospitäler. In einem derselben acqui-
rirte er Nosocomialgangrän in der Wunde, wodurch der obere Thml der Crista
tibiae blosgelegt wurde. Hier fand sich bei der nachträglichen Aufnahme desiSolda*
ten in's Sfiilitärhospital zu Madrid ein Erweichungsherd im Knochen, wo die Sonde
leicht in das morsche Knochengewebe eindrang. •* Die Eintrittastelle der Kugel
war an der Aussenseite der Tibia obwohl nicht geschlossen, so doch durch eine
Hautnarbe überdeckt. Die Sonde drang auf rauhen Knochen. Die Eiterung
fand aus 2 Fistelgängen in reichem Maasse statt und war von übler Beschaffen-*
heit. Pat. war abgemagert und fieberte leicht.
Am 2. October wurde in der Chloroformnarkose eine Auskratzung sowohl der
Markhöhle der Tibiadiaphyse als auch der Condylen der Tibia mittelst Hohlmelssel
ausgeführt. Nach 14 Tagen war eine fast vollständige Abschwellung des Unter-
schenkels eingetreten, auch die Operationswunde nebst der Eintrittsstelle der Kugel
waren bedeutend verkleinert; Pat. konnte sogar etwas auftreten. Doch ging er
im weiteren Verlauf, nachdem die Wunden fast vernarbt waren, an profuser Albumi-
nurie zu Grunde. Keine Section. Ullersperger (München).
Berichtigung:
8. 347, Z. 7 T. 0. Um Ztitaehrift fftr Anatonie und BatwiekeliiBCsgOMkiehU »tett Aich. Ar
Anatomie.
OTiglnalmitthellungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr, H. TtUmamw, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshaudliuig,
Breitkopf und Härtelf einsenden.
Dntek «ad Vtrlag tob Breitkopf «ad Hirtol in Loipxig.
Centralblatt
ftp
CHIRURGIE
herauBgegeben
TOB
Dr. L. Ijsrn, Dr. K ScIieJle, Dr. E TDlMmu
in Berlin. is Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Niumner. Preis dei Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger 'Prfr-
niameration. Zu besehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
H^ 24. Sonnabend, den 12. Juni. 1875e
Inlialt: Volkmann , Beiträge zur Chimrgie. (Schluss.) — Busch, Fortsetzung der Mit-
theflungen über SehusBversuche. — > Kaposi , Syphilis. — Cariaz, Watteverband. —
WorMfy Transportmittel für Verwundete im Oebirgskriege. — Mackonzlo, Therapie des
Kropfes. — Stdrck, Abnorme Secretion der Balg- und Schleimdrüsen. — Crossmann,
GaWanocaustik. — Ludrik, Casuistik und Behandlung der Selbstmordversuche durch
Kehlkopfschnitt. — Ghardln, Aneurysmen der art. pulmonal. — Vfolnlochnory Erwelte-
rungsfihigkeit der weiblichen Harnröhre. — O^marqiiay, Behandlung der Haematocelen.
— Koller, Bruchschnitt. — Collln, Entzündung der bursa calcanea.
Heaton, Oplumvergiftung. — Papillome der Zunge. — Vornotti!, Nssenrachenpolypen.
— Lodoror, Durehbmch der Cornea. — Brown, 7 jahriges Verweilen von Fremdkörpern
im äusseren Gehörgang. — Rooholt, Schulterhalsbruch. — Porior, do la Chatalgneray,
Inversion bei eingeklemmten Hernien. — Spontane Reduction eingeklemmter Hernien. —
Barrow, Blasensteine. — Anger, Sehnennaht bei alten Sehnenwunden. — Bocholt, Sehnen-
naht. — Frodot, Partielle Metatarsalluxatlon.
R. Volkmann. Beiträge zur Chirurgie, anschliessend an
einen Bericht über die Thätigkeit der chirurgischen Univer-
sitätsklinik zu Halle, im Jahre 1873.
' (XVI und 388 8. in 40 mit 21 Holischnitten und 14 Tafeln.)
Leipzig; Breitkopf ft HftrteL
(Schluss; cf. Centralblatt No. 23, p. 353.)
Es folgen sehr instructive casuistische Beiträge über Luxationen,
Distorsion der Gelenke (d^rangement interne — letzteres
bearbeitet von Dr. Schede] und Entzündungen der Knochen,
namentlich über die Osteomyelitis acuta spontanea (siehe
im Original). Nur bezüglich der letzteren sei angeführt, dass sie V.
in Uebereinstimmung mit Lücke als eine Erkrankung auffasst, ent-
standen durch die Aufnahme irgend welcher deletärer Stoffe in's Blut,
die entweder an der erkrankenden Stelle sich in besonderer Menge
anhäufen, oder hier doch in besondere Wirksamkeit treten. Daneben
wird auf eine gewisse Verwandtschaft der sie erzeugenden Schädlich-
24
370 Centralblatt für Chirurgie. No. 24.
keiten mit denjenigen hingewiesen^ welche beim acuten Gelenkrheu-
matismus wirksam sind^ da beiden Affectionen u. A. gemeinsam ist
die Multiplicität der Localisationen und die Neigung zu compliciren-
den Entzündungen innerer Organe. —
Bemerkungen über Drainage des Kniegelenks.*)
Nach mehr als zweijährigen Erfahrungen kann die Garantie^
welche das antiseptische Verfahren für den glücklichen Verlauf von
frischen Gelenkwunden bietet^ als eine absolute bezeichnet werden.
Die Wunde heilt entweder per primam, oder doch mit überaus milder,
auf die Gelenkkapsel beschränkter Eiterung und die Gelenkbewe-
gungen bleiben erhalten.
Ebenso sicher sind auf diese Weise acute Gelenkvereiterungen
zu beseitigen, falls man mit den Incisionen nicht gar zu lange zögert.
Es werden die letzteren am besten zu beiden Seiten der Kniescheibe
und in schwereren Fällen auch im Bereich der Bursa extensorum ge-
macht. Drains zwischen Patella und Condylen geführt, ab«: schon
nach 3 — 4 Tagen entfernt ; Ausspülungen nur ein oder mehrere Male
vor Anwendung des antiseptischen Verbandes energisch vorzunehmen.
Gewichtsbehandluiig daneben erwräseht. — Es fdgen fünf Kranken*
geschichten, in denen sich Kniegelenksvereiterung nach Fractur der
Patella^ des Fibulaköpfchens, nach Excisiou von Gelenkkörpem, nach
Erysipelas iumI nach Caiies fibulae bildete.
Weniger glücklich waren bisher die Bemühungen, chronische
Fälle mit geschloesan^ Gelenkeiterung durch Incision, Drainage u.
8. w. zu heilen, wenn auch hieriiei das antiseptiacke Verfahrett den
Eingriff als solchen ganz ungefährlich erscheinen Hess. —
lieber die Beiskörperchen enthaltenden Hygrome und
eine analoge Erkrankung der Gelenke sowie des Mus-
kelfleisches.
Die Hygrome, welche 5 Mal in der Schleimscheide der Finger-
flexoren, 1 Mal an der Strecksehne des rechten Mittelfingers sassen,
wurden mit Doppelpunction, resp. Ihcision und Drainage behandelt,
wobei das Drainagerohr als Ausbürstungsmaschine benutz wurde, die
der Wand ansitzenden Körperchen herauszureiisen. Letztere stellten
durchgängig geronnene Albuminate dar, in welche hinein bisweilen
ein bindegewebiger Strang sich verfolgen liess, welcher jedenfalls nur
selten aus einer Synovialzotte, relativ häufig aus Excrescenzen der
Sehnenscheide, resp. Auffaserungen der Sehne seinen Ursprung nahm.
Dieses Verhalten wurde zur Gewissheit durch zwei excidirte Sehnen-
Aragmente, die vollständig aufgefasert und an den Enden ihrer
Büschel zum Theil mit feinen albuminösen kolbigen Anhängen ver-
sehen waren. Nach alledem geht V. für die Mehrzahl der Fälle
wenigstens auf die alte Anschauung MeckeTs zurück, wonach ein
*] S. auch Schede, Ueber Oelenkdrainage, Lang^nbeck's Arch. XVII. p. 519.
Centralblatt f. Chir. 1875. No. 10.
Centralblatt für Chirurgie. No. 24. 371
Theil der freien Körper Concremen^e sind, ein anderer aber, nament-
lich soweit es sich um gestielte Forvien handelt, durch äussere Ge-
rinnungsschichten vexgrösserte und durch eingelagerte Albuminate ^u%e^
quollene Zotten, Bindegewebsfasern, Sehnenbündel und dergl. vorstellt.
Als XJn)ca werden analoge Erkrankungen der Gelenke und des
Muskelfleisches beschrieben — ein Fall sehr reichlicher freier Beis-
körper im Kniegelenk und ein anderer, welcher eine albuminoide,
resp. fibrinöse Infiltration der Kapseln verschiedener grosser Gelenke
und eine gleiche mit der Bildung von Höhlen und grossen freien
Körpern combinirte Erkrankung der Muskeln darstellt.
Osteotomie und Osteoclase.
Während der letzten 6 Jahre bot sich die Gelegenheit zur Osteo-
clase 50 Mal, während des Berichtjahres 14 Mal (7 rachitische Ver-
biegungen des Unterschenkels, 2 difforme Luxationen, 4 deform geheilte
Knochenbrüche, eine ab^chtslos unter dem Troch. major hergestellte
Fractur]. Allemal wurde der intendirte Zweck ohne irgendwelche
gefahrliche Zufalle erreicht.
Die rachitischen Curvaturen waren nur 1 Mal hochgradig bogen-
förmig, 6 Mal prononcirt winkelig, ragten mit der Scheitelspitze nach
aussen und sassen unmittelbar über dem Knöchelgelenk. Gerade
diese letzteren erfordern wegen hochgradiger Functionsstörung die
Osteoclase, welche nur — en^egen der augenblicklichen Meinung —
in den allerseltensten Fällen hochgradiger Knochenscierose misslingt.
Immerhin ist die Operation auf die stärksten Verbiegungen zu reser-
viren, da in milderen Fällen allein das weitere Knochenwachsthum
zur Geradrichtung der Formen genügt.
Osteotomia subtrochanterica.*)
Nach einer sehr eingehenden Beleuchtung derSchwierigkeiten,welche
veraltete Contracturen, namentlich sofern sie mit Flexion und Adduc-
tion verbunden sind, gerade am Hüftgelenk einerseits dem Brisement
forc6, andererseits der Rhea Bar ton 'sehen Durchmeisselung des
Schenkelhalses entgegensetzen, wird als eine einfachere Encheitese
die Durchtrennung, bei Erwachsenen die keilförmige Excision des
Oberschenkels dicht unter dem Trochanter empfohlen. Bei derselben
ist es vollkommen gleichgültig, in welchem Zustande sich das Hüft-
gelenk befindet, während die Trennung sicher unterhalb sämmtlicher
Reductionshindernisse erfolgt und die spätere Festigkeit der Verbin-
dung zwischen Schenkel und Becken der breiten Knochenberührungs-
flächen wegen in keinem Falle gefährdet ist.
Die Beweglichkeit des Gliedes unmittelbar nach der Operation
erscheint so beträchtlich, dass sich die Zurückfuhrung in diejenige
Stellung, welche es beim aufrechten Stehen einnahm, sehr leicht be-
werkstelligen lässt. Dabei gleicht der Eingriff die durch die Flexions-
stellung bedingte Lordose und die scheinbare der Adduction folgende
♦^ S. auch Centralblatt f. Chir. 1874. No. 1.
24*
372 Centralblatt für Chirurgie. No. 24.
Verkürzung aus, während die wirklichen, auf Luxation, cariöeen De-
fecten u. s. w. beruhenden Verkürzungen durch erzwungene Abduc-
tionsstellung des Schenkels und daraus resultirende Beckensenkung
ausgeglichen werden.
Neun auf solche Weise ausgeführte Osteoclasen und Osteotomieen
heilten unter Lister ohne Reaction^ mit vollkommener Gebrauchs—
fahigkeit des Gliedes.
Ebenso befriedigend war der Erfolg in 2 schweren Fällen von
Kniegelenksankylosen, wo in einem der Oberschenkel dicht oberhalb
der Condylen durchmeisselt wurde/ während man im anderen Falle
sowohl den Femur^ als auch die Tibia dicht unter der Tuberosität
durchschlug. Damit wurde natürlich das Kni^elenk mobilisirt und
leicht in die erwünschte Stellung gebracht. —
Gesichts- und Brustkrebse.*) Theer-, Paraffin-
und Russkrebse.
Lippenkrebse. 20 Fälle; 17 bei Männern, 3 bei Frauen be-
obachtet, 19 Mal auf die Unterlippe beschränkt. 19 Fat., bei denen
noch keine Infection der Lymphdrüsen bestand, operirt. Von 17 der-
selben das fernere Schicksal bis Decbr. 1874, resp. bis zum Tode
verfolgt. 14 sind danach völlig geheilt geblieben und dauerte die
Heilung zwischen 5^2 J^^ — 12 Monate. Die Ansicht, dass ein an
Lippenkrebs Operirter, der nach 1—2 Jahren noch kein Recidiv hat,
airf die Dauer geheilt bleibt, möchte auch nach diesen Erfahrungen,
die denen von Billroth und Thiersch entsprechen, eine relativ
berechtigte sein.
Krebse der Gesichtshaut. 27 Fälle; 16 Männer, 11 Frauen;
22 die flache Form , 4 die des ulc. rodens, 5 die tiefgreifende Form
repräsentirend. 22 operirt; 14 von ihnen noch Anfang 1875 ohne
Recidiv, welches zwischen 23 — 4 Monaten ausgeblieben war. Von
den 5 übrigen leben 2 mit Recidiven, l starb am Recidiv, 2 an den
Folgen der Operation.
Krebse der Gesichts- und Nasenschleimhaut. 9 Fälle;
4 Männer, 5 Frauen. Von 7 Operirten starb 1 an der Operation, 2 an
Recidiven. Vier sind zwischen 24 — 14 Monaten gesund geblieben.
Brustkrebse. 33 Fälle (1 Mann). Davon im Ganzen 26, im
Verlauf des Jahres 1873 22 operirt. Von diesen starben an der
Operation 3, an Recidiven bis Anfang 1875 11. 2 leben mit Reci-
diven, 6 sind bisher gesund geblieben zwischen 16—21 Monaten, Bei
3 der letzteren Categorie kam die Ablatio mammae, bei den übrigen
gleichzeitig die Ausräumung der Achselhöhle zur Anwendung.
Aetiologisch konnte die Entwicklung der Neubildimg aus aller-
hand bald mehr acuten, bald mehr chronischen Reizungszuständen,
die zuweilen im Zusammenhang mit der Gravidität, dem Wochenbett,
der Lactation standen, nachgewiesen werden. —
*; Die Abschnitte über die Krankheiten des Gesichts und Abdomens sind voa
Dr. Schede bearbeitet.
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 24. 373
Nach einer eehr klaren Darl^ung des Unterschiedes in der Ver-
breitung der Carcinome und Sarcome, und der Charakterisirung der
dem carcinös erkrankten Gebiete zunächst Uzenden Lymphdrüsen
als Filter^ welche zunächst, ehe sie selbst in die Neubildung aufge-
gangen sind, die Generalisation der Carcinome geradezu hindern, folgt
eine Darlegung der Schwierigkeiten, die Yerbreitungswege der Brust-
krebse genauer zu bestimmen. Wenn auch gewöhnlich die Achsel-
drüsen das nächste Gebiet der Secundärerkrankungen darstellen, so
scheint bisweilen die relative Dünne der Brustwand die directe Propa-
gation auf die Eingeweide des Thorax und des Abdomen zu gestatten.
Schwer erklärbar ist weiter die discontinuirliche Ausbreitung entgegen
der Saftströmung innerhalb der Lymphgefasse. Es kommen hier in
Frage die active Bew^lichkeit und Auswanderungsfahigkeit der Krebs-
zellen, sowie die Möglichkeit, dass ein bis dahin stabiler Krebs mobil
werden kann.
Die Verbreitung innerhalb der Lymphwege zu den Achseldrüsen
hin anlangend, kommen offenbar Unregelmässigkeiten in der Lage
und Ausdehnung der Wurzeln der Lymphgefasse und deren QueU-
gebiete in Betracht. Im allgemeinen fliessen wohl die Lymphgefasse
von Stemum gegen die Achsel, während in der Mitte desselben ein
neutraler Streifen bleibt. Doch schieben sich einzelne Bamificationen
über die Mittellinie hinaus, während andere direct über die Clavicula
in die Oberschlüsselbeingrube sich hieben.
Daneben pflegt die Lage und Begrenzung der Milchdrüse selbst
weniger bestimmt zu sein, als man gewöhnlich annimmt, so dass aus-
nahmsweise Lappen weit über ihren Standort hinaus in Lymphbezirke
hinein sich erstrecken, die unter gewöhnlichen Verhältnissen andere
Wurzelgebiete haben. Alle solche Factoren lassen Propagation und
Generalisation im Einzelfalle doch nicht mit Sicherheit berechnen.
Die grosse Mehrzahl aller Carcinomrecidive sind continuirliche,
d. h. sie entwickeln sich deshalb, weil bei der Operation doch
etwas zurückgelassen wurde. Infolge dessen treten die Becidive im
Allgemeinen schnell ein; die Heilung darf erwartet werden, wenn
nach der Operation ein volles Jahr verflossen ist, ohne dass man
örtliche Becidive, Drüsentumoren u. s. w. nachweisen kann. Nach
2 Jahren ist man gewöhnlich, nach 3 Jahren fast ausnahmslos sicher
(s. a. die Statistiken von Cooke und Benjamin).
Immerhin ist bis jetzt aber auch das Vorkommen nicht continuir-
lieber und auch später Becidive nicht abzuleugnen. Letztere könn-
ten durch Keime, welche bei der Operation zurückgelassen wurden,
und Jahre lang latent blieben, oder aber auch so bedingt werden,
dass die epithelialen Elemente zunächst zu Erkrankungen durchaus
gutartiger Natur disponiren, welche, noch nicht Krebs, doch zu spä-
terer Entstehung desselben führen.
Sicherer als diese Verhältnisse ist die Behauptung, dass unsere
gegenwärtigen operativen Besultate auch in Bezug auf das Ausblei-
ben der Becidive besser sich gestalten, als die der älteren Chirurgen.
374 ' Centralblatt fÖT Chirurgie. No. 24.
Die Nothwendigkeit der Operation ist schon durch den Nachweis des
Ausbleibens der Rückfalle in einer Quote von ]F%llen entschieden^ 2u
ihren Gunsten scheinen auch statistische^ allerdings noch unvollkom*
mene Berechnungen zu sprechen^ insofern sie ergeben, dass selbst in
den Fällen, in denen der Eingriff Recidiven und Metastasen nicht
vorbeugt, das Leben dennoch im Durchschnitt verlängert wird.
Technik und Nachbehandlung siehe im Original.
Theer-, Paraffin-, Kusskrebs (Schornsteinfegerkrebs).
Infolge der in der Umgebung Halle's in den letzten 10 Jahren
sehr emporgekommenen Production voü Theet, Photogen etc. aus
Braunkohle (erkranken namendich diejenigen Leute, w^die längere
Zeit hindurch mit den noch flüss^en Fabrikationsartikeln in Berüh-
rung kommen, am Hautkörper in der Weise, daes zunächst eine ver-
mehrte Anbildung von Epidermis und eine gesteigerte Thätigkeit der
Talgdrüsen Platz greift, wobei die Haut spröde, trocken und rissig wird.
Die ge^ucherten Epidermiszellen bilden dann sammt dem Haut-
talg an einzelnen Stellen, namentlich am Scrotum, kleine Knötchen
oder flache, rundliche, schmutzigbraune Schilder, unter denen die
Cutis im Zustande chronischer Reizung freiliegt. Daneben am gan-
zen Körper, namentlich wieder am Scrotum, rothe, flache, oder
acne-, resp. psoriasisart^e Flecke, Papeln und Beiden.
Nach diesem ersten acuteren Stadium steigern sich dann, nament-
lich bei schmutzigen Leuten, diese hyperplastischen Processe bis zur
Entwicklung multipler, warziger oder papillaerer Bildungen, aus denen
in einzelnen Fällen wirkliche Hornkrebse sich entwickeln. Haupt-
sitz dieser Vegetationen sind der Vorderarm und das Scrotum.
An der Hand der Litteratur wird nachgewiesen, dass diese Er-
krankung die gleiche ist, welche von den Engländern als Schom-
st^einfegerkrebs beschrieben wtirde. Beide Beobachtungsreihen machen
es höchst unwahrscheinlich, als ob es sich hier um zuföU^ am Scro-
tum von Kaminkehrem und Theerarbeitem entwickelte primäre Krebse
(die ja sonst so überaus selten sind) handeln könne.
Die Prognose der Krankheit ist insofern eine günstige, als die
etwa sich bildenden Geschwüre lange Zeit hindurch nur local zerstö-
rend wirken, erst spät die Lymphdrüsen und noch später die Bauch-
eingeweide befallen, und gelungene und rücksichtslos ausgeführte Ex-
cisionen nur höchstens Spätrecidive im Gefolge haben dürften.
Wflh. Kock (Berlin).
W. BtiBCli. Zweite Fortsetznng Aet Mittheilungen über
Schussversuche.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hft. 2.]
B. hält gegenüber Küster und Wahl sowohl nach Berechnun-
gen, als nach seinen Experimenten daran fest, dass die Blcfiiheile,
welche der Chassepotkugel-Spitze und dem irunächst gelegenen Man-
teltheile angehören, beim Durchschlagen der Knochen bis zum S^Aimel^
Centralblatt für Chinurgie. No. 24. 375
S6B erhitet werden. DasB femeor der grosse Ausguigskrater nicht
Torwiegend durch Knochensplitter^ wie Heppner und Garfinkel
woUea^ sondern mehr noch durch die aussprfihenden Meifiragmente
bewirkt wiid^ dafiir spricht die Beobachteng, dase von einer Kürass*
Spange abgelenkte Bkifiragmente die Weichtheile des Halses auf einer
Seite rofB der Mittellinie bis zur Wirbelsäule vollständig serrissen
hatten. Die Aotation der Chassepotkugel — sie macht nadi
Richter, während sie den 0,55 M. langen Lauf passirt, eine Um-
drehung — bewiifct, dass die von dem Zusammenhange der Kugel
gelösten Bleitbeils mit sehr grosser Gewalt die Gewebe treffen, und
es wird das tangentiale Auseinanderfiüiren der Bleisplitter und der
von ilmen in die gleiche Bewegung versetsten Gewebstheile wesent-
lich auf die Gestalt der Wunde einwirken. Ebenso schreibt B. gegen
Richter auch der Rotation der unversehrten Kugel einen Theil der
zerstörendem Wirkung zu.
In dem folgenden Theile (IV) werden Untersuchungen mitge-
theilt, welche sich auf das Verhalten verschieden elastischer
Körper gegen die modernen Gewehrprojectile beziehen. B. fand
nun, dass die Erfahrungen über das Durchschlagen von Glas-
platten durch Kugeln aus glatten Gewehren, welche Richter und
W ahl auch für die modernen Gewehre acceptiren, für diese letztere^
nicht stimmen. Die mit grosser lebendiger Kraft eine Glasplatte
durchschlagende Chassepot- imd Zündnadelkugel bewirkt im Glase
einen unreineren Substanz Verlust und theilt ihre Erschütterungen
auf ein grösseres Gebiet der Glasscheibe mit, als die schwächere
Revolverkugel oder gar der Zündspiegel. Melsens fand ebenso bei
2,5 grm. Pulverladung eine vollständige Zertrümmerung der Glas-
scheiben, bei 0,2 grm. ein Loch mit kurzen, beinahe geradlienigen
Sprüngen in der Umgebung. Duroh eine Reihe interessanter Ver-
suche fand B., dass Projectile von geringer lebendiger Kraft Luft
vor sich her durch ein geringes Hindemiss hindurchtreiben. Eine
durch lose aufgehängtes Giunmizeug durchschlagende Chassepotkugel
bewirkt nim nicht das leiseste Schwanken desselben, so dass Verf.
den Schluss machen muss, die vor der Kugel befindliche Luft durch-
schlage das Gummizeug wie ein fester Körper. Da sich die Luft
beim Durchschlagen der Glasscheibe ebenso verhält, so blieben für
die Erklärung des eigenthümlichen Verhaltens der Schussöffnimg noch
die Wärme der Kugel und ihre Rotation übrig. Da B. selbst an
bereiften Glasscheiben eine nachweisbare Wärmeabgabe nicht fand,
so bleibt allein die Rotation als Ursache der grösseren Splitterung
zurück. Maas (Breslau).
Kaposi (Wien). Die Syphilis der Haut und der angren-
zenden Schleimhäute 3. Lieferung.
Wisn, Verlig ▼. W. BraumflUer. 1875. (29 Tafeln.)
D«M Toiiiegende Hefit bildet den Schluss des Werkes. Es ent»
hält die Cbpitel: pustulöses Syphilid tmd Knotensyphilid der Haut|
376 Centralblatt Mr Chirurgie. No. 24.
femer die Schilderung der symptomatischen Syphiliserscheinungen
der Schleimhaut (die acute und die chronische Angina syphilitica^
Psoriasis linguae u. s. w.)^ endlich die Betrachtung der syphiliti-
schen Haut imd Schleimhauterkrankungen der Neugeborenen. Der
Grundsatz, vom pathologisch - anatomischen Standpunct bei der Ein-
theilung der Erkrankungsformen auszugehen^ ist, wie in den früher
erschienenen Theilen, so auch hier festgehalten; Symptomatologie^
Diagnose, Verlauf der Erkrankungsform ist ausführlich behandelt und
namentUch jederzeit das Verhältniss zur syphilitischen Allgemeiner-
krankung genauer Erörterung gewürdigt. Näher auf den Inhalt ein-
zugehen, ist an dieser Stelle nicht möglich.
Die chromolithographischen Tafeln, von Heitzmann ausgeführt ,
enthalten zum Theil gute, zum Theil aber auch ganz mittelmässige,
schablonenhaft gezeichnete und colorirte Abbildungen.
Wlniwarter (Wien).
Cartaz. Du pansement ouatä.
(Progrfes m^dical 1875. No. 5.)
Der Gu^rin'sche Watteverband ist von einer Commission der
Academie des sciences einer Prüfung unterzogen worden. Gosse-
lin theilt die Resultate der Academie mit. Die Vortheile des Ver-
bandes bestehen darnach in Folgendem: 1) Das Wundfieber der ersten
Tage fehlt oder ist nur in geringem Grade vorhanden. 2) Schlaf
und Appetit bleiben gut. 3) Schmerz ist nicht vorhanden oder nur
sehr massig. 4) Wenn man (am 20. oder 22. Tage) den Verband
entfernt, hat man eine gut aussehende Wunde vor sich, keinen üblen
Geruch, wenig Eiter. 5) Wenn auch nicht constant, so ist wenig-
stens sehr häufig der Operirte ausser Gefahr an purulenter Infection
zu sterben und wird geheilt. — Diese Vortheile werden bewirkt zum
grossen Theil durch die Filtration der Luft, dann aber auch durch
die gleichmässige elastische Compression und durch die Unbeweglich-
keit des verwundeten Gliedes. — Der Verband hindert dagegen nicht,
wie Guerin meint, das Auftreten von Bacterien.«
Ol Her meint dazu, dass die Bacterien weniger Vitalität besitzen,
als an einer offenen Wunde, femer in geringerer Menge vorhanden
seien; wenn Septhämie oder Pyohämie dennoch auftreten, dann ver-
laufen sie chronisch, so dass man Zeit habe, sie zu bekämpfen.
Verf.'s eigene Betrachtungen können wir übergehen.
Petersen (Kiel),
Werdnig. Ueber ein neuerfundenes Transportmittel für Ver-
wundete im Gebirgskriege.
(Wiener med. Presse 1875. No. 12.)
Die Idee zur Herstellung dieses Transportstuhles stammt von
Prof. Mundy. Der Stuhl hat eine hohe Rücklehne, die aus vierkanti-
gen Vertical- und Querstangen in einfachster Weise hergestellt ist. Am
Centralblatt far CMruigie. No. .24.
377
Sitzstücke befindet sich beiderseits je eine abnehmbare Stange für die
Träger; an der Bücklehne sind 2 Angriffspuncte in Form von kuh-
hornformigen Henkeln, ähnlich wie beim Tragbocke zum Holztragen,
angebracht, damit der Stuhl mit dem darauf befindlichen Fat. even-
tuell von einem Manne allein getragen werden könne. An den Bück-
lehnestangen ist jederseits ein horizontal stellbarer Balken, an welchem
der Arm des Verwundeten befestigt werden kann. An den vorderen
Tragstangen des Sitztheiles ist unten beweglich das Fussbrett; ange-
bracht. Der Fat. wird mit Gurten am Stuhle befestigt; ein Schurz
von Caoutchouc-Leinwand schützt ihn vor Bogen etc. Der Stuhl ist
25 Ffd. schwer. Ein Gebirgsstock dient als Zugabe für den Träger.
Das nähere Detail siehe im Originalauf satze.
Fr. Steiner (Wien).
H. Mackenzie. On the treatment of bronchocele.
(Binninghain medical reiriew 1875. January.)
Verf. beobachtete in 7 Jahren (seit Januar 1868) 447 Fälle von
Struma und zwar 104 parenchjrmatöse , 187 fibröse und 26 fibro-
cystische Kröpfe, 76 einfache Cysten, 2 Gefassstrumen, 23 Mal die
colloide und 29 Mal die cirrhotische Form. — 81 Mal handelte es sich
um gut situirte Personen, 366 Mal um Leute aus niederen Ständen.
Geg^ die häufig spontan sich zurückbildende parenchyma-
töse Form (struma follicularis moUis Virchow's) wurde am vor-
theilhaftesten Jod in verschiedenen Applications weisen angewandt.
Auch Electroljse erwies sich nützlich. Die Besultate sind folgende:
Summa dar
Heilang.
Beisening.
Kein Erfolg.
Erfolg anbe-
kannt.
Jod innerlich
Jod innerl. und Jodtinctur
äusserlich
Jodtinctur äusserlich
Jod parenchymatös injicirt
Uectrolyse
Nicht nfiher bezeichnete
Behandlungen
41
19
11
9
13
11
21
13
5
9
9
6
2
2
20*
2»*
4
11
ToUl
104
57
10
20-
15
Die fibröse Struma beseitigte Verf. bis zum Jahre 1872 in
etwa ^/s der Fälle rasch und sicher mittelst des Haarseiles. Seitdem
benutzter; aufmerksam gemacht durch Luton's und Lücke's Publi-
cationen, mit besserem Erfolge und grösserer Bequemlichkeit für den
Kranken die parenchymatöse Jodinjection (Jodtinctur 1 : 20^ 3—5 Tro-
pfen pro Sitzung). Ueble Zufälle wurden dabei nie beobachtet. In
Fällen von »suffocative goitre« wurde wegen der grösseren Schnellig-
keit der Wirkung wieder zum Haarseil zurückg^riffen. Femer kam,
wenn wegen seitlicher Lage des Kropfes die Anwendung des Haar-
* Hier wurde zu einer anderen Behandlung geschritten, deren Art und Effect
aus dem Original nicht ersichtlich.
** Statt dessen Jod parenchymatös mit Erfolg.
378
Centralblatt fiXt Chinirgie. No. 24.
seiles geföhrlich und gleichzeitig wegen enonner Grösse des Ta-
mors die Jodinjection als zu langsam wirkend erschien, die i»cau^
tirisation en flaches« nach Maisonneuve zur Anwendung. In
34 Fällen von 187 wurde eine operative Behandlung nicht unter-
nommen. In den restirenden 153 wurden folgende R^ltate erzielt:
Summa der
FftUe.
Heilung.
BeBserung.
Kein Erfolg.
Erfolg unb«-
Haarseil.
Aetzpfeil
Haarseil und Aetzpfeil
Jod parenchymatös injicirt
72
5
3
73
45
2
59
15
3
3
d
5
3
7
2
Total
153
106
30
8
9
Die Struma cystica behandelte Verf. ausschliesslich durch
ein-^ selten zweimalige Injection von wässeriger Eisenchloridlösung
(4^0—8^0 je nach der Ghrösse der Cyste) und Liegenlassen der Kanüle
bis die (durch Breiumschlage beförderte) Eiterung sich gemässigt.
Durchschnittliche Dauer der Cur betrug 6 — 8 Wochen. Es unter-
lagen dieser Behandlung 59 Fälle mit 58 Heilungen und einem
Todesfall (durch Lufteintritt in eine Vene).
Die Behandlung des fibrocystischen Kropfes bestand in
sachgemässer Combination der beim fibrösen und beim Cystenkropf
geübten Methoden. Von 23 behandelten Fällen wurden auf diese
Weise geheilt 16^ gebessert 4; in 2 Fällen blieb der Erfolg unbe-
kannt; einer starb.
ELiankengeschichten und zahlreiche vor und nach der Cur ge-
nommene photographische Fortraits belegen die (nicht abgeschlossene)
Mittheilung. Bappreeht (Halle).
Störok. Abnorme Secretion der Balg- und Schleimdrüsen.
(Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien 1875. 9. April.)
Bei der einen Kranken waren die enorm hypertrophirten Ton-
sillen theilweise abgetragen worden. An den zurückgebliebenen Stüm-
pfen beobachtete St. häufig recidivirende Entzündungserscheinungen^
die sich auf den ganzen Rachenraum^ den Kehlkopf und die Luft-
röhre weiter erstreckten. Bei Sonnenbeleuchtung sah St. an der hin-
teren, wulstförmig geschwellten rothen Wand der Luftröhre bis zur
Bifurcation hinab, jedoch nur an der pars fibrosa, kleine, weisse, über
2 stecknadelkopfgrosse Pfropfe, die aus den Schleimdrüsenmündungen
perpendiculär herausn^ten. Die Schleimhaut sah wie mit milch-
weissen Pfropfen gespickt aus.
In jüngster Zeit sah St. einen ähnlichen Fall an einem OoUegen,
der 3 Monate zuvor eine heftige Angina und Pharyngitis überstanden
hatte. Seit jener Zeit hatte dieser Patient an der rechten Tonsille,
so wie am ganzen Zungengrunde, aus allen Stomata der Balgdrüsen
i — 2 Linien weit vorragende, weisse, käsige Pfropfe, so dass Tonsille
imd Zungengrund weiss gesprenkelt aussahen. -^ St. bemerkt noch
Centralblatt für Chiturgie. No. 24. 379
hierzu^ da^s man bei oft wiederkehrenden Entzündungen die Schleim-
drüschen in der Mucosa der beiden Arytenoid-Ueberzüge bei Sonnen-
beleuchtung mit freiem Auge als kleine, weisse Knötchen sehen könne.
Fr. Steiner (Wien).
L. Orossmann. Beiträge zur galvanocaustischen Behandlung
bei Neubildungen und Fremdkörpern in den Ohrenhöhlen etc.
rWiener med. Presse 1875. No. 11, 12, 14 u. 15.)
6. beschreibt mehrere Fälle (6 — 7) aus seiner Praxis^ in denen
er zu yerschiedenen Zwecken die galvanocaurtische Behandlung ein-
geleitet hatte. Das Resum^ seiner Erfahrungen ist folgendes: Die
Galvanocaustik ist gut zu yerwerthen bei derben^ hartfaserigen
Polypen im Gehöigange^ welche so rascher und schmerzloser entfernt
werden^ als mit Messer und Scheere oder Aetzung.
Die galvanocaustisch ausgeführte Trommelfellperforation hat
gegenüber der Myringotomie und Myringectomie den Vorzug, dass
man im Trommelfell eine beliebig grosse Oeffnung schaffen kann,
ohne erheblichen Schmerz für den Pat.
Bei aufgequollenen Fremdkörpern im äusseren Grehötgange ist
die Galvanocaustik (zur Zerstücklung desselben) von grossem Werthe,
wenn die Extraction in anderer Weise unmöglich ist.
Ein weiterer Vortheü ist der, dass keine Blutung erfolgt, und
die Beaction meist sehr gering ist. Die Schmerzempfindung, welche
der glühende Draht verursacht, ist individuell verschieden, doch stets
weit geringer, als jene bei Anwendung des Messers oder der Aetz-
mittel etc.
Die Eigenthümlichkeit der leichten Biegbarkeit der galvanocausti-
schen Instrumente ermöglicht es, an sonst kaum zugängliche Stellen
zu gelangen. Auch braucht man nach der galvanocaustischen Ab-
tragung eines Neugebildes kein Aetzmittel, da man mit dem Glüh-
draht touchiren kann. Pr. Steiner (Wien).
A. Imdrik. Zur Casuistik und Behandlung der Selbstmord-
versuche durch Kehlkopfschnitt.
(Wiener med. Presse 1875. No. 13.)
Verf. zieht, theil weise mit Bücksicht auf 2 von ihm beobachtete
einschlägige Fälle, welche er beschreibt, für obengenannte Verletzungen
den Schluss, dass hierbei die Laryngotomie im Ligam. conic. durch-
aus empfehlenswerth sei. Die Kehlkopf wunde als Passage für die
Luft zu gebrauchen, sei verwerflich, da hierdurch neue Schwellung,
GlottiBödem, Heilungsverzögerung der Wunde etc. zu Stande kom-
men. Verf. stellt sich als Regel auf: nie eine Kanüle in einer
Wunde des Schildknorpels liegen zu lassen, imd bei Querwunden
des Larynx ausnahmslos die Eröfihung der Luftwege unterhalb des
Schildknorpels zu machen. Fr. Steiner (Wien).
380 Centralblatt für Chirurgie. No. 24.
E. Chardin. Des an^vrysmes de Taxtere pulmonaire, d^ve-
lopp^s dans les cavernes du poumon.
Paris. 1874. Adrien Delahaye.
Nach Aufzählung einer Reihe von Fällen, in denen Phthisiache
an Lungenblutung zu Grunde gingen und bei denen die Section ein
in einer Caverne liegendes geplatztes Aneurysma eines Zweiges der
Pulmonalarterie ergab, spricht sich Verf. dahin aus, dass solche Aneu-
rysmen wohl durch chronische Arteritis mit Erweichung der Gefass-
wände ^ welche dem Blutdruck nachgäben^ entständen (entgegen
Rokitansky und Rasmussen). Doch spiele der atheromatöse
Process dabei keine Rolle. Die Blutung sei entweder sehr stark,
oder wiederhole sich in geringerem Maasse öfters^ wobei die eine Ca-
verne ausstopfenden Blutgerinnsel temporären Stillstand herbeiführen.
Solche Aneurysmen können sich in allen Stadien der Phthisis
bilden.
Die Diagnose kann nicht mit Sicherheit gestellt werden.
X« Bidder (Mannheim).
Weinlechner. Erweiterbarkeit der weiblichen Harnröhre.
(Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien 1875. 23. April.)
Die Dilatationsfähigkeit der weiblichen Harnröhre darzuthun^ be-
richtet W. über 3 Fälle^ wo er Blasensteine durch Erweiterung und
blosse Extraction entfernte^ ohne dass eine Beschwerde darnach zu-
rückblieb. Weiter spricht für diese Erweiterbarkeit der Coitus per
urethram, wovon W. 3 beobachtete ; in einem dieser Fälle war atresia
vaginae^ in einem zweiten Defectus vaginae, im 3. Falle eine Stric-
tura post partum vorhanden.
Zum Zweck der Untersuchung hält W. das Einführen des Fin-
gers für besser als das Speculum (Hiss und Simon].
In einem Falle erweiterte W. die weibliche Urethra^ um einen
Fremdkörper, eine incrustirte Haarnadel, zu entfernen. Am 3. Tage
hörte die Incontinenz auf. Ebenso bestand in einem 2. Falle von
Düatation der Urethra die Incontinenz nur durch einige Tage. — W.
meinte dass Einrisse bei langsamer Erweiterung seltener sein werden.
Fr. Stetner (Wien).
Demarquay. Quelques r^flexions sur le traitement des grosses
h^matoceles vaginales.
(Gaz. des hdpitaiix 1875. No. 38.}
Während die Heilung kleiner, dünnwandiger Hämatocelen ent-
weder — bei flüssigem Inhalt — durch einfache Function und Jod-
injection, oder — wenn das Blut geronnen — durch Incision und
Drainage in der Kegel ohne Schwierigkeit gelingt, erfordert die Be-
seitigung grosser, lange bestehender Hämatocelen weit eingreifendere
Operationsverfahren.
Centralblatt für Chirurgie. No. 24. 381
Bei der blossen Incision wurde in diesen Fällen eine gewaltige,
weit klaffende Wundhöhle dem Einfluss der Luft exponirt; die starr-
wandige Höhle würde, selbst im glücklichsten Falle, erst nach langer
Eiterung schrumpfen und ausheilen^ bis zu diesem Zeitpunct aber die
Pat. aUen Gefahren einer septischen Infection, weiter verbreiteter
Entzündimgen, Erysipele etc.^ ausgesetzt sein. Günstigere Heilungs-
bedingungen bieten die Castration und Decortication. Erstere ist am
ungefährlichsten, kommt jedoch selbstverständlich nur in Betracht,
wenn der Hoden nicht mehr functionsfahig ist, oder wenn man fürch-
tet, dass der Pat. eine längere Eiterung nicht überstehen würde. Bei
der von Gosselin voigeschlagenen »Decortication« werden die neu-
gebildeten Schwarten mit dem Spatel oder den Fingern entfernt, der
Hoden aber intact gelassen. Die Heilung erfolgt rascher als nach
der blossen Incision, langsamer als nach der Castration. Die Ge-
fahren septischer Infection etc. hat sie, wenn auch in geringerem
Grade, mit der Incision gemein. D. hat 2 Todesfalle unter seinen
Operirten. Die Castration führte er in einem ausfuhrlich mitgetheil-
en Falle bei einem 48jähr. Pat. wegen einer fast kindskopfgrossen
Hämatocele mit Glück aus. Schädel (Berlin).
Koller. Bruchschnitt.
(Wiener med. Fresse 1875. No. 9.)
Die beiden Brüder K. veröffentlichen neuerdings ihr (l) Verfahren
bei eingeklemmten Leistenhernien, welches darin besteht, dass der
Bruchsack freigelegt aber nicht eröffnet wird. Dann wird, mit dem
Fingernagel zwischen Bruchsack und einklemmender Stelle vordrin-
gend, letztere wenigstens zollbreit (!) durchrissen. Die äussere
Wunde wird dann vollständig vernäht. Von 10 seit 1867 so operirten
Kranken, starben 3, geheilt wurden 7. Fr* Steiner (Wien).
Collin. De rinflanimation de la bourse s^reuse r^tro-calca-
nöenne.
(Gaz. des h6pitaux 1875. No. 35.)
Der zwischen der Vorderfläche der Achillessehne und der hintern
Seite des obern Theils des Calcaneus gelegne Schleimbeutel (bursa
calcanea) wird in seltnen Fällen der Sitz einer Entzündung, welche
sich bei dem innigen Zusammenhang der Bursa mit dem umgeben-
den lockern Fett-Zellgewebe leicht weiter verbreiten kann. C. be-
obachtete 2 solcher Fälle. Beide boten ziemlich dieselben Symptome
dar: die Gegend der retro-maUeolaren Gruben war stark geschwollen,
die Haut geröthet, jeder Druck und jede Bewegung, bei welcher die
Sehne gegen den Schleimbeutel angepresst wurde, schmerzhaft. Bei
dem ersten Pa(. ging die Entzündung in Eiterung über ; der Abscess
musste von beiden Seiten geöffnet und drainirt werden. Bei dem
andern Pat. bildete sich die Entzündung zurück. — Als Ursache
8S2 Centralblatt für Chirurgie. No. 24.
wurde ein Fall nach einem starken Marsche und eine kleine Erosion
an der Ferse , von welcher sich die Entzündung auf das suhcutaue
Bindegewebe und secundär auf die Bursa fortgepflanzt hatte, ange-
führt. Sehi4rt (BeriinJ.
Kleinere Mittheilungen.
Heaton. A case of opium-poisoning successfully treated by Belladonna.
(Med. tim. and gas. 1S75. April 17. p. 413.)
Ein 28jähr. Mann hatte um 10 Uhr Abends 2 Unzen Tinct. opii genommen —
ein sofort gereichtes Emeticum bewirkte 2 — 3 Mal Erbrechen. Um Mittemacht
wird er halb bewusstlos in's Spital gebracht. Mittelst der Magenpxmipe wird der
Magen 2 Mal mit Wasser ausgespfilt. Bis sum Morgan znnehmende Bewosstlosig-
keit mit stertorösem Athmen, doch war Fat. noch immer durch Anrufen momentan
zu ermuntern. Zweimal Veo Oran Atropin wird subcutan injicirt: die vereng-
ten Pupillen erweitem sich, der Puls wird voller, das Bewusstsein kehrt wieder.
Im Ganzen wurden 5 Atropininjectionen k Veo Oran gemacht, und giebt H. diesen
wiederholten Dosen den Vorzug vor einer einmaligen grossen Oabe.
Ranke (Halle).
Gases of papilloma of the tongue.
(Med. tim. and gaz. 1875. April 17. p. 416.)
1) 21jähr. Mann, im University eoUege hospital beobachtet, hatte seit 8 Jahren
eine Geschwulst auf dem linken Zungenrücken , die jetzt etwa Mandelgrösse hat
und pilzförmig aufsitzt; Excision. Heilung. Fall nicht welter verfolgt.
2) Einer 50j&hr. Frau wurde im Middlesez hospital ein seit 5 Monaten be-
merktes reines PapUlom vom Zungenrücken entfernt. Heilung.
3} In Gu/s hospital wird einem 55jihr., früher syphilitischen Manne eine
5/4" lance, 9/^'' breite ulcerirte Geschwulst der Zunge galvanocauatisch entfernt,
das Recidiv nach 5 Wochen mit dem Glüheisen zerstört. 9 Tage später schliesat
die Beobachtung. Die Untersuchung ergab ein Epitheliom. Ranke (Halle).
Vemeuil. Polype nasopharyngien.
(S6ance de la Soc. de Chir. 1874. 9 Decbr.)
V. stellt einen Fat. vor, der einen Nasenrachenpolypen , anscheinend einen
erectilen Tumor, hatte, welchen V. mit dem Oauter. actusje zerstörte. Die Keil-
beinsinus sind offen; der Stiel des Tumors sass an der unteren Fläche dieses
Knochens. Fr. Steiner (Wien).
C. Lederer. Durohbruch der Cornea.
(Wiener med. Presse 1875. No. 14.)
Einem Manne flog beim Holzhacken ein Splitter in's rechte Auge. Irisvorfall,
der abgetragen- wurde. Atropin und Einreibung von Unguent. einer, cum Opio in
die Stirn. Heilung ohne vordere Synechie; die Iris sog sich ganz zurück. Vor-
dere Kammer bald wieder hergestellt. Die rechte PupiUe jetzt 3 Mal grösser als
die linke. Ausser etwas Lichtscheu keine nennen swerthe Sehstörung.
Fr. SteiHer (Wien).
8. Brown. Siebenjähriges Verweilen von 28 Steinchen in beiden
äusseren Gehörgängen. Entfernung. Heilung.
(Arch. for Augen- und Ohrenheilkunde 1874. Bd. UI. Abthlg. II.)
Bei dem lOjfthr. sonst gesunden Fat. war das Hörvermögen so gesch wicht,
dass er die eigene Stimme nicht hören konnte und infolge dessen die Sprache zu
verlieren begann. Bis zum 9. Jahre Hörf&higkeit gut; Verlust derselben, nach-
dem Pat. während des Spielens beide Qehörgänge mit Kieselsteinen angefdllt hatte.
Die im vorderen Theile des Qehörganges liegenden Steinchen wurden von der Mutter
des Kindes damals entfernt, wihrend die tiefer liegenden ungestört 7 Jahre lang lie-
gen blieben. B. entfernte in mehreren Sitzungen mittelst Sonde und Spritze die
CentTalbiatt für Chiruigie. No. 24. 383
FremdkSrp^r. Beide Trommelfelle waren lutverletzt, ohne Narben, UefMen aber die
Eindrücke der Eckes und Kanten der Kiesel bemerken. Trommelfelle von marmonr-
tem Aussehen, gedehnt und schlaff (besonders rechts). Schliesslich Trommelfell links
normal, rechts Manubrium schwach sichtbar, proc. brevis angedeutet. Beiderseits
membr. tymp. zum Theil grauweise getrübt. HörfÜhigkeit beträchtlich gebessert
(I. Uhr 11", r. U. 6 Zoll — Stimme 32'}. TUlminiig (Leipzig).
E. Bocholt. Schulterhalsbruch. — Querbruch der Scapula. — Bruch
des Acromion.
(Wiener med. Presse 1S75. No. 10 u. H.)
Der schwächliche, marastische, 72jähr. Fat. ist Tags vor der Au£ciahme in's
Spital, mit der linken Schulter auf eine hölzerne, massive Rinne aufgefallen. Be
der Untersuchung zeigte sich eine Fractur des Collum scapulae. Exposition. Drei-
eckiges Kissen. Mitella.
An der hinteren Fläche des Schulterblattes starke Schwellung und Schmerz-
empfindung; keine Crepitation, auch am Acromion nicht. Nur prominirte der
proc. coracoid. auf der kranken Seite weniger, als an der gesunden, und schien
nach aussen unten gerückt zu sein. Zu Ende der 4. Woche starb Fat. an rechts-
seitiger Fleuritis und Emphysem. — Bei der Section fand sich eine fractur. colli
scapulae, ein Querbruch der Scapula und ein Bruch des Acromion. Verf. citirt
die einschlägigen derartigen Fälle aus der Litteratur, und beschreibt das Fräparat
genauer, wo äinlich wie in anderen Fällen, die Gelenkfläche, der proc. coracoid.,
die tubercula supra- und infraglen. nebst einem schmalen Streifen dea oberen
Scapularandes, abgebrochen waren. Ferner zeigte sich eine geringe Verschiebung
4es Bruchstückes nach abwärts und eine kleine Rotation um eine zur Körperachse
parallel gedachte Linie, so daas der proc. corac mehr horizontal zu Uegen kam
und weniger prominirte.
Verf. hebt die grosse Aehnlichkeit der Symptome obiger Verletzung mit denen
der Luxation des Humerus nach unten innen hervor. Zur Differentialdiagnoee
empfic^t er, die Entfernung des proc. coracoid. vom Acromion, vom Schildknor-
pel und dem Rande des Stemums, zu messen. Freilich gelte dies nur für jene
Fälle, wo der proc. corac. mit abgebrochen sei. Als Therapie für die Scapulahals-
brüche empfiehlt er: warme Bäder, active und passive Bewegung des Humerus,
anstatt erfolgloser Repositionsversuche. Fr« Stelner (Wien).
Perier. Hernie etrangl^e rMuite par la taxis pendant l'inversion du sujet.
(S6ance de la Soci6t6 de Chir. 1874. 11. Nov.]
Bei einer schon oft reponirten, auf's Neue incarcerirten Leisten-Scrotalhernie
versuchte Gössel in erfolglos die Taxis. Im Spital — 46 Stunden nach dem
Eintritt der Xncarcerationssymptome — gelang es F. während der Inversion die
Hälfte der Geschwulst, bestehend aus Bruchwasser, in's Abdomen zurückzudrän-
gen. Die Beduction der Darmpartie wurde in horizontaler Lage des Fat. be*
endet. Fr. Steiner (Wien).
De la Ohataigneray. De rinversion dans la rMuction des hemies.
(Journal de th^rapeutique 1875. No. 2. p. 64.)
Nach einer kurzen historischen Bemerkung über die Inversion des Körpers
zur Reduction eingeklemmter Hernien, wonach diese Methode auf Fabricius ab
Aquapendente zurückzuführen ist, referirt de la Ch. Über einen von ihm nach
genannter Methode mit Erfolg behandelten Fall einer eingeklemmten Leistenhernie.
Nach einigen vergeblichen Versuchen der manuellen Taxis wurde der Kranke mit
Hülfe von Kissen derartig gelagert, dass das Becken höher stand als das Abdomen.
Sofort Hessen die Schmerzen nach und nach einer Stunde war die Reposition
spontan erfolgt. YalkmaHii (Halle).
Hernie inguinale etranglee — Reduction spontan^e.
(Gaz. des höpitaux 1875. No. 33.)
Grosse linkseitige Leistenhernie, seit 8 Tagen eingeklemmt. Seit 7 Tagen
besteht Ileus. Als am Morgen nach der Aufnahme des Fat. die Operation aus-
384 Centralblatt fQr Cbirurgie. No. 24.
geführt werden sollte, zeigte es sich, dass der Bruch im Laufe xLer Nacht spontan
zurückgegangen war. Sehidel (Berlin).
Barrow (Kings College hospital, Fergusson) . Gase of calculus due to
foreign body in the bladder.
(Med. tim. and gaz. 1875. April 17. p. 416.)
Ein 2djähr. Dienstmädchen hatte 2 Monate vor der Aufnahme in's Hospital
eine Haarnadel durch die Urethra in die Blase geführt. Seit dieser Zeit HArn-
beschwerden. Indsion in die linke Seite der Urethra (nichts N&heres angegeben),
bis der Finger eingeführt werden konnte ; Extraction der Nadel mit einer Seques-
terzange, der Phosphatsteinfragmente mit einer Steinsange. Rasche Heilung.
Bänke (Halle).
Anger. Reunion des sections tendineuses traumatiques anciennes.
(Gaz. des h6pitaux 1875. No. 19.)
Eine alte nach Verletzung der Extensorensehne entstandene Contractur des
kleinen Fingers beseitigte A. durch Isolirung der beiden Sehnenstümpfe Yon dem
fest adh&renten Narbengewebe und Anlegung einer Silbersutur.
Obgleich beim Knoten der Sutur die retrahirten Sehnenenden nur bis auf
2 Cm. einander genfthert werden konnten, war das Endresultat doch ein sehr be-
friedigendes, da der Zusammenhang der Sehne durch neugebildetes Narbengewebe
wieder hergestellt war. Schädel (Berlin).
E. Boohelt. lieber die Naht getrennter Sehnen.
(Wiener med. Presse 1874. No. 27.)
Verf. durchschnitt an Kaninchen die Achillessehne und nähte die beiden Enden
mittelst eines Catgutfadens zusammen. Auch die Hautwunde wurde durch Catgut-
f&den geschlossen und die Extremität auf einer Pappschiene fixirt 20 Tage nach
der Operation war die Gebrauchsfähigkeit des Gliedes eine ToUständige. 40 Tage
nach der Operation konnten an dem getödteten Thiere weder die Catgutfäden noch
irgend eine Differenz zwischen der durchschnittenen und der gesunden Sehne auf-
gefunden werden. Winiwarter (Wien.)
Fredet. Luxation partielle medio-tarsienne.
(S^ance de la Soci6t^ de Chir. 1874. 9. Decbr.)
An einem 60jähr. Individuum, das durch einen Sturz 8 Meter hoch herab,
sich die Wirbelsäule gebrochen hatte, fand sich eine partielle Metatarsalluxation
am linken Fusse. Der vordere Theil des Fusses war einwärts geneigt und im
Niveau der Metatarsusgegend bildete der Kopf des Astragalus einen Vorsprung
unter der Haut. Das KaJinbein hatte sich an die innere Seite des Astragalus ge-
stellt; das Würfelbein blieb in der normalen Lage. F. bemerkt, das vorliegende
Object diene zur Aufklärung eines unsicheren Punctes in der Pathologie dieser
Luxation. Sonst würde man gesagt haben, der Astragalus habe seine Höhlung
verlassen, während das Kahnbein eigentlich von seiner Stelle gerückt ist. Die
Hauptkennzeichen der Luxation sind: der vorspringende Astragaluskopf am Fuss-
rücken ; der Vorsprung des Kahnbeines nach innen ; Schwinden des inneren Fuss-
randes und Abflachung der Fusssohle.
Despr^s hat auch einen Fall von dieser Luxation der Gesellschaft präsentirt.
In demselben waren die Strecksehnen zwischen die Gelenkflächen gelagert, das
Kahnbein vollständig auf den Kppf des Astragalus luxirt.
Fr. Stelner (Wien).
Berichtigung:
S.340, Z. 6 t. Q. lies Ewer Büschen statt Ewens* sehen. — 3. 346, Z. 7 t. n. liesLabbtf statt-LabU.
Orlginalmitthellungen, Monographieen und Sep&ratabdrüeke wolle
man an Dt. H. TlUmanm, Leipzig, Marienstrasse Ko. 3, oder an die Yerlagshandlung,
BftUkopf und Bärtelj einsenden.
Druck und Verlag Ton Breitkopf nnd HSrtel in Leipzig.
Gentralblatt
Ar
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L Lesser, Dr.EMde, Dr. E TUIimiis
in Berlin. in Halle a. 8. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, be^ halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
NE: 26. Sonnabend, den 19. Jnnl. 1876.
bÜUÜts KJebt, Regeneration des Plattenepithels. — TeherfMitky-BaritclMWSky, Heilong
der Darm wanden nach der Enterorapbie. — Rpavler, Untersuchungen Aber Blutkörper-
chen. — Stricker, Elterungsprozess. — Rabuteau, Elnfluss des Eisens auf den Stoffwechsel.
— Kocher, Sprengwirkung der modernen Kleingewehrgeschosse. — Sands, £smarch*sche
Methode. — Mayer, Lister's Wundbebaudlung. ^ V» Blacrea, Bietfolie als Wundverbsnd. —
Laiider-Brunton, Fayrer, Natur und Wirkung der Schlangengifte. — Odcbrecbt, Zur Lehre
▼om Intraabdominellen Druck. — Cazenavc, Biegsame Elfenbein sonden. — Lawric, Phimo-
sis und Ctreumcision. -- ChalllCUX, Larynx-Fraoturen. ~ Vlllaret, Eine Gummiaderpresse.
— Cznbcrka, Cbirurgisch-medieinisches Vademecum.
Maat, Anheilen gänzlich getrennter Körpertheile. — Schmitz, Carbolsiure in ihrer klini*
sehen Verwerthung. — Scbeibicr, Man&gebewegungen. — Anger, Behandlung der Pseud-
arthrose. — Bcrtbold, Luxation des 6. Halswirbels. — Warrtn, Scalpining durch Maschinen-
Verletzung. — Jacobe, Gesichts- und Pharynxerysipel. — Talko, Cysticercus cellul. subcon-
Jnnctivalis. — Wltzolewskl, Bericht. — Buck, Ausgedehnte Brandnarben. — v. Langenbeck,
Handgelenkresectionen. — BrocbOWtki, Exarticulatio brachli. — Markonet, Menzel, Ova-
liotomieen. -^ EnglitCb, Verengerung des Ureters. — Stoolo, Hydrocelebel Leistenhoden. —
V. Mosengoil, Extractlon eines Steines aus der Harnrohre ; Heilung eines totalen Dammrisses.
E. Elebs. Die Begeneration des Plattenepithels.
(Arch. ffir eiperim. Pathologie und Pharmakologie Bd. III. Hft. 2. p. 125.)
Wir glauben dem Inhalt obiger für die neuere Untersuchungs-
methodik der pathologischen Anatomie höchst bemerkenswerthen Arbeit
am besten in Kürze gerecht zu werden^ wenn wir einfach des Verf. 's
eigene Schlussresultate citiren. Es ergiebt sich hiernach für die
Regeneration der Plattenepithelien Folgendes:
1) ^»Dieselbe wird ausschliesslich durch ein Auswachsen der Epi-
thelien und zwar derjenigen der tiefsten Schicht bewirkt.«
2) »Entweder geschieht dieses in der WeisCi dass die einzelnen
Zellen dieser Schicht contractu werden^ sich schliesslich loslösen und
epitheliale Wanderzellen darstellen^ die sich wieder zu Netzen an-
einander legen können; oder das Auswachsen findet gleichmässig an
allen Zellen des Epithelrandes (in der tiefsten Schicht desselben) statt
25
386 Centralblatt (ür Chirurgie. No. 25.
und entsteht hierdurek em gleiehmässiges Randwachsthum des B^i-
thels; welches nur scheinbar durch den Erguss eines homogenen
Plasma gebildet wird^ vielmehr durch die Entwicklung gesonderter
und ebenfaHs ccmtrtctiler Frotoplasmacylinder bewirkt Wird, wilche
ebenfalls aus den Zrilen des Epithelrandes herverwacksell.c
3) »Diese letzteren zerfallen durch Furchung (ähnlich wie die Ei-
zelle) in polygonale kernhaltige Platten, welche, der Contractilität
entbehrend, die neugebildeten fixen Epithelzellen darstellen.«
4) »Die Kerne der an der R^eneiation betheiligten Epithelzellen
zerfallen in der bekannten Weise zu Theilkenien und, indem sie die
Nucleoli verlieren, zu hellen Kugeln oder Blasen werden, während
neue Kerne in dem contractilen Plasma entstehen, ähnlich wie in
den Furchungskugeln von Anodonten-Eiem (Flemming), durch
Auseinanderweichen und strahlige Anordnung die Protoplasmakömer
um ein sich aufhellendes, ellipsoides Centrum.«
5) »Die Kemkörperchen werden ausserhalb dieser hellen ElKpsoide
gebildet • und treten in dMselben ein, veorändem zuerst ihren Ott
(contractile Nucleoli? Auerbach) und fixiren sich dann in den
beiden Centren des EUipsotds, oder auch in der Mitte arwisehen bei-
den (Kerne mit einem oder mit zwei Kemkörperchen).«
6] »Eine hyperplastische, pathologische Entwicklung der Kerne
geschieht durch Apposition heUer Kugeln, die ausserhalb der Kerne
entstehen, dann mit denselben verschmelzen (randstandige helle
Kugeln) ; eben dahin zu rechnen ist auch die Bildung grösserer Kör-
nerhaufen an Stelle der Kemkörperchen durch Apposition glänzender
Kömer. Auch diese Formen können wieder unter Bildung von Blasen
und Theilkemen untergehen.«
7) »Bei der Bildang definitiver, fixer Epithelzellen wandeln sich
dfe Kerne unter Bildung einer Membran in mucinhaltige Blasen um,
welche wohl noch eine nnltkive Function haben mögen ; für Prolife^
rations- und Regenerations-Yorgänge aber ohne Bedeutung sind.«
8) »Die Bildung neuer Kerne in dem contractilen epithelialen
Plasma geht vor oder während der Furchung oder auch in den durdk
die Furchung abgesonderten Stücken vor sich und beginnt auch hier
mit der Bildung heller Kugeln.«
K. fögl weiterhin hinzu:
»Indem wir keinen Grnind haben, den Satz von der »legitimen
Succession der Zellent zu bestreiten, acceptiren wir nicht die Meinung
derjenigen, welche jedes Partikekhen Protoplasma mit allen Exgen-
sdüiften ausstatten wollen, welche zur Erzei^ng von Geweben noth-
wendig sind (Beale's living matter). Vielmehr glauben wir anneh-
men' zu dürfen, dass nur solche, durch Ablarchuttg getrennte Stücke
des Plasma hierstu geeignet sind, welche die Fähigkeit der Kembil-
dung besitssen. IX^e aber werden auch schon vor der Kembildung
den Namen der Zelle in obigem Sinne verdienen.«
Verf. ist überzeugt, dass obige Ergebnisse besonders bedeutungs-
voll für die Lehre von dem Cancroid und Carcinom werden dürften.
Centralblatt für Chirurgie. No. 25. S87
Die Anordnung der Versuche und die entsprechenden Vorrich-
tungen beschreibt K. gleich zu Anfang seiner Mittheilungen und ver-
spricht in dankenswerther Weise die genauere Beschreibung der tech-
nischen Einrichtungen in extenso in einem der nächsten Hefte seines
Archivs. Lesser (Berlin).
S. Tchertneisky-BarisohewBky. Zur Ytage aber die Hei-
lung der Wunden des Darmes nach der Entetoraphie.
Indug.-DfiM. St. Pet«r»bürg. 18t5, niisiftch.
Verf. stellte Untersuchungen mit Hunden an, indem er quere
und Längswunden an Därmen anlegte und cylindrische Stücke von
d — S5 Cm. Länge aus dem Darm aussöhnitt. Hierauf legte er eine
sutura nodosa an, vorzuglich die Knoten auf der Seite der Schleim-
haut anbringend. Der Zweck bestand in der Beobachtung des Gan-
ges der Heilung dieser Wunden. Dazu Wurden die operirten Hunde
zu verschiedenen Zeiten getodtet, nach 1, 2, 4, 1, 10, 14, 2t Tagen
und na(^ 1, 2, 3 bis 6 Monaten, und die Därme einer mikroskopi-
schen Untersuchung unterworfen. Ausserdem wurden an allen Hun-
den bei Lebzeiten Temperaturmessungen angestellt und eine passende
Diät vorgeschrieben. Die Zahl der operirten Hunde war 35.
Auf Grund dieser Untersuchungen kam Verf. zu folgenden Re-
sultaten :
1) Von 35 operirten Hunden gingen 6 tu Grunde.
3) Der Tod der Hunde trat gewöhnlich am 4. oder 5. Tage ein
und fiel in die Zeit des Durchschneidens der meisten Nahtösen, da
ungefähr die Hälfte der Knoten in der Zeit vom 3. — 5. Tage abföUt.
Die nachbleibenden Knoten aber fallen immer langsamer und lang-
samer ab, so dass die letzten Knoten erst nach 3 Wochen sich lösen.
3) IKe Periode der stärksten örtlichen entzündlichen Reaction
ftBt WQith in die ersten 4 — 5 Tage.
4) Die Ränder der Schleimhaut wulsteten sich detmassen nach aus-
sen, dass sie stark der Vereinigung der Wundilächen entgegenwirkten
(vorÄügHch bei Querwunden).
5} Beim Zusammenwachsen iiät das fibrinöse die Ränder der
Wunde zusammenklebende Exsudat von grosser Wichtigkeit. An
seiner Stelle beginnt schon von den ersten Tagen an jutiges Binde-
gewebe sich zu bilden, welches mit der Zeit iu eine feste Narbe
übergeht. Ausserdem trägt zum dauerhaften Zusammenhalten der
Wundränder das Ankleben des grossen Netzes in det Region der zu-
sammengenähten Wunde bei. Das angewachsene Netz macht sich
gewöhnlich mit der Zeit (etwa nach 6 Monaten) los, durch Schwin-
den der verlöthenden G^websmassen.
6) Auf der Seite der Mucosa sftellt die zusammengenähte Wunde
eine eiternde Fläche von der Gestalt eines schmalen ßändchens dar.
Die völlige Uebefkleidung mit Epithel tritt erst ungefähr am 14.
Tage ein.
25*
388 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 25.
7) Die späteren Veränderungen bestehen in d^r Verdichtung der
Narbe^ wodurch die früheren Ränder der Wunde sich immer mehr
und mehr nähern. Das Muskelgewebe durchwächst die Narbe (nach
2^2 — 3 Monaten), aber nur in Gestalt unregelmässig verlaufender
Fasern.
8) Es ist am besten^ die einzelnen Oesen der Nähte nicht weiter
als etwa in der Entfernung von 3 Mm. von einander anzulegen und
dabei die Knoten auf der Seite der Schleimhaut zu machen. Von
den 6 gestorbenen Hunden crepirte nur einer mit auf diese Weise
angebrachten Nähten. Die anderen 5 aber starben bei Nähten,
deren Oesen in grösserer Entfernung von einander angebracht waren,
oder bei Nähten, deren Knoten auf der Seite der Serosa lagen.
9} Da beim Ausschneiden ganzer Stücke aus dem Darme man
auch keilförmige Mesenteriumstücke ausschneiden musste,, so wurden
zum Zusammenbringen der Bänder des letzteren auch Nähte ange-
legt, welche ebenfalls eine Einkapselung erfuhren.
10] Der Temperaturmessung wurden 17 Hunde unterworfen.
Gleich nach der Operation fiel die Temperatur beinahe um 1,5^C.
und stieg dann nach einigen Stunden allmälig mit Morgenremissionen
bis zum Abend des 3. Tages, wo sie im Mittel 39,5^0. erreichte.
Vom Morgen des 4. Tages begann die Temperatur von Neuem etwas
zu fallen, und vom 6. Tage an wurde sie normal (38,1^C.). Bei
Todesfällen stieg die Temperatur noch am 4. Tage bis 40^ C. und
der Tod trat dann meist am 4. Tage selbst oder am nächstfolgenden
Tage bei gleich hoher Temperatur ein. Pawloff (St. Petersburg].
L. Banvier. Recherches sur les ^l^ments du sang.
(Arch. de physiologie 1875. p. 1 — 15.)
Mit Hülfe sehr verdünnten Weingeistes, den £. als Reagens be-
nutztC; gelang es ihm, in den rothen Blutkörperchen der Amphibien
Kemkörperchen zu erkennen. Ebenso wies er nach, dass die Um-
hüllung der rothen Blutkörperchen von einer weichen und überaus
biegsamen Substanz gebildet wird, da sie von körperlichen Elemen-
ten durchsetzt wird und sich hinter diesen wieder so schliesst, dass
durchaus kein Zeichen auf den stattgefundenen Durchtritt deutet.
Beim Axolotl, dessen Zellenprotoplasma so durchsichtig und wenig
lichtbrechend ist, dass die Kerne darin sichtbar sind, als wären es
freie Kerne, sah R. in der feuchten ELammer eine Theilung der Kerne
der weissen Blutzellen sich unter seinen Augen vollziehen. Der
Axolotl besitzt ausserordentlich grosse weisse Blutkörperchen; die
grössten fein granulirten haben im Mittel einen Durchmesser von
25 Mikromillimeter im ruhenden Zustande, bei amöboider Bewegung und
ausgestreckten Fortsätzen erreichen sie bis zu 50 und ihre Kerne zu-
weilen bis zu 30 Mikromillimeter Länge^ während beim Frosch die ent-
sprechenden Werthe nur 7« ^^ Vs ^^ ^^^^ angeführten ausmachen.
Die Formen, welche R. die Zellen bis zur erfolgten Theilung der Kerne
Centralblatt ftir Chirurgie. No. 25. 389
und des Protoplasma hinter einander annehmen sah, sind durch eine
Reihe von Abbildungen dargestellt. Zunächst sieht man das Protoplasma
Fortsätze ausstrecken, der Kern nimmt eine bizarre Form an, es ent-
steht an ihm eine Einschnürung, die Einschnürung und Furchung
der Kerne rervielfacht sich und schliesslich kommt eine vollständige
Kemtheilung zu Stande. Während so die Kerne schon von einander
getrennt sind, bildet das Protoplasma zwischen ihnen noch einen un-
regelmässigen Streifen, endlich theilt sich auch dieser und zwar geht
dann die Spaltung so glatt und schnell vor sich, als wäre sie durch
eine scharfe Schneide erfolgt. R. meint, dass das Protoplasma das
eig^tlich Active sei, während die Kemtheilung so zu sagen nur
passiv unter dem Einfluss der Bewegung des Zellenleibes zu Stande
kommen soll. J. Mnnk (Straasburg i/E.).
S. Stricker. Untersuchungen über den Eiterungsprocess.
(Wiener Medicinische Jthrbacher Xahrg. 1874.)
Nach einer eingehenden Discussion über die angewandte Unter-
suchungsmethode, über den Unterschied der Gold- und Silberfarbung,
erklärt Verf. zunächst einige Silberbilder der Cornea, welche der Nach-
barschaft entzündeter, resp. eiternder Stellen entnommen sind. St.
betont die Verschiedenheit der Bilder beim Frosch je nach der Tiefe
der Schicht. Die Gewebsschichten, welche man mit der Descemet '-
sehen Haut abzieht, zeichnen sich durch das Aussehen der verästeten
Homhautkörper aus. In der nächsten LameUe ist das Bild ein an-
deres ; die hier auftretenden granulirten verästigten Korper sind weni-
ger plastisch. Hervorzuheben ist, dass man durch Silber ganz ana-
loge verästete und granulirte Homhautkörper darstellen kann, wie
durch Gold. — Besonders schön treten die Homhautkörperchen her-
vor, wenn man die normalen Corneae halbausgewachsener Katzen
in situ mit Silber färbt; die gelungenen Stellen zeigen auf dunklem
Grunde ein helles, nach längerer Lichteinwirkung fein granulirtes
Netz von reichster Verzweigung. In entzündeten Corneen dagegen
finden sich Stellen, um welche die Bilder noch normal oder fast nor-
mal sind; dann — gegen das Centrum einer solchen Stelle — wer-
den die Balken des Netzes granuUrt, dann durch braune Streifen in
anfangs grössere Abschnitte zerlegt. Die Balken schwellen an, die
Grundsubstanz wird spärlicher, die Theilung macht Fortschritte'. Die
Theilstücke werden immer kleiner; endlich fehlt die Grundsubstanz
ganz, aus dem Comealgewebe ist ein aus Zellen bestehender Knoten
geworden. Dass diese ungleich grossen Theibtücke Zellen sind und
dass das Erscheinen der braunen Linien Theilung bedeutet^ geht da-
raus hervor, dass das Balkenwerk wächst, an Masse zunimmt, und
granulirte kernhaltige Massen ablöst. Neben den kernhaltigen Theil-
stücken kommen auch kernlose vor.
So bildet sich also bei der Keratitis ein Knoten, das Gewebe zerfallt,
es ist ein Abseess vorhanden und die Formelemente des Eiters sind zer-
390 Centralblatt für Chirurgie. No. 25.
fallen^ z^rtheiltes Gewebe, histolc^sche Beobachtuugeu^ welche iiach
Verf. mit den klinischen £i:fahTungen harmoniren. Einerseits liegt in
der Knotenbildung der Schwerpunct der Keratitis traumatica, andererseil«
kommt — auf Grund zahlreichster histologischer Beobachtungen —
ohne Knotenbildung in dem erwähnten Sinne keine Abscessbildung
zu Stande. Nicht jede Knotenbildung ist als bestimmtes Zeichen
des folgeuden Gewebszerfalles anzusehen.
Rings um den Aetzschorf beobachtet man eine Zone, in welcher
durch die Silberfarbung kein Netzwerk zur Anschauung kommt. Die
Grundsubstanz erscheint gleichmässig dunkel mit unverzweigten hellen
Feldern pder Inseln, weldie isolirte Formelemente darstellen. Ausser-
halb des Schorles hat nämUch der Aetzstift das Gewebe nicht abgetödtet,
hier theilen sich vielmehr die Homhautkörper und bilden isolirte
Elemente. Ob ausser diesen isolirten^ aus Hornhautzellen stammenden
Formelementen noch andere vorkommen, welche von aussen in die Cor-
nea eingewandert sind, ist nach Str. für die centrale Keratitis eine ganz
nebensächliche Frage. Bis jetzt ist nach Verf. noch nicht der Be-
weis geführt, dass eine Einwanderung stattfinde und noch weniger,
dass die Einwanderer farblose Blutkörperchen, sind. Auch für ge-
fässhaltige Gewebe ist die Theorie, nach welcher die Auswander-
ung farbloser Blutkörperchen zu Stande komme, einerseits noch nicht
erwiesen , andererseits stehe dieselbe in Widerspruch zu den Erfahrun-
gen am Krankenbett und an der Leiche«
. Den Uebergang von verästeten Hornhautkörperchen in Eiterzellen
sah St. sehr schön an der Fischcomea, welche an gewissen Stellen
isolirte, verästete pigmentirte Körper besitzt. Letztere waren im Eiter-
knoten untergegangen und hatten pigmentirte »Eiterkörpera geliefert,
die stellenweise noch strangformig zusammenhingen.
Zum Schlüsse theilt Verf. seine Ansichten über den Bau der
HomhautzeUen mit. St. hält daran fest, dass die Homhautkörper,
re^p. ihre Ausläufer ein Netz bilden. Dafür spricht die vergleichende
Histologie, die Genese und die krankhaften Zustände. Ob es selbst-
ständige Formelemente in der Cornea giebt, ob die Maschen dea
Netzwerkes immer gleich gross sind (bei verschiedenen Thieren), wie
sie sich femer zur Grundsubstanz verhalten, lässt Verf. unentschie-
den. Auch über die Bedeutung der Saftkanälchen enthält sich Verf.
jeden Urtheils. Es ist möglich, dass sie stets von Protoplasma er-
füllt sind, oder stellenweise dauernd oder vorübergehend kein Proto-
plasma enthalten und nur Emährungssäfte leiten.
TUlmanns (Leipzig),
Babuteau. De Taction du fer sur la nutrition.
(Compt^ rendus T. 80. S. 1169-^70.)
R. hat an sich selbst Versuche über den Einfluss des Eisens auf
den Stoffwechsel angestellt. Jede Versuchsreihe erstreckt sich über
15 Tftge, während welcher R. bei durchaus gleicher Ernährung und
Lebensweise verharrte. Es wurden an den ersten 5 Ti^eo die tag*
Centralblatt fOr Chirmgie. No. 25. 391
liehen Ausscheidungen genau festgestellt^ yom 6. bis zum 10. Ti^
dann 2 Gran (0,12) Eisenchlorür pro die genommen und weiter die
Beobachtung fortgesetzt und in den letzten 5 Tagen die Versuchs-
reihe mit Aussetzung des Eisens geschlossen. Es zeigte sich, dass
die Menge des Harns ziemlich dieselbe blieb, dagegen der Säuregrad
desselben durch das Eisen erheblich zunahm. Diese Thatsache ver-
mag die Anwendung von Eisenpräparaten bei dem aus ausgeschiede-
nen Phosphaten bestehenden Hamgries und der Oxalurie zu recht-
fertigen und die günstigen Erfolge, die man zuweilen davon sieht,
in's richtige Licht zu stellen. Die Menge der festen Bestandtheüe
und ebenso des Harnstoffs nimmt unter Eisengebrauch um etwa 10^
zu; es wird also durch das Eisenchlorür, selbst in massigen Dosen,
der Stoffwechsel nicht unbeträchtlich angeregt. B. erwähnt, dass
schon vor ihm Pourowski unter dem Einfluse des Eisens eine Tem-
peraturerhöhung gefunden hat, die auf die gesteigerte Oxydation, wo-
für die Harnstofizunahme spricht, zu beziehen wäre.
J. Mank (Strassburg i/E.)-
Kocher. Ueber die Sprengwirkung der modernen Kleinge-
wehrgeschosse.
(Correspondenzblatt f. sehweiz. Aerste t875. No. 1, 2, 3.)
Auf Orund zahlreicher Schussversuche auf Cadaver, sowie auf
Körper von versehiedener Resistenz kommt K. zur Ansicht, dass die
von Busch angenommene Centrifugalkraft der rotirenden Kugel nur
wenig Bedeutung habe.
Die grossen trichterförmigen Defecte, welche in den Muskeln
von den Geschossen gesogener Gewehre erzeugt werden, können nach
Verf., wenn die Kugel nur Weichtheile traf, auch nicht durch das
Abschmelzen derselben erklärt werden; es bleibt nur anzunehmen,
dass sie durch den plötzlich wirkenden hydrostatischen Druck, durch
die plötzliche Verdrängung incompressibler Flüssigkeiten in den
Weichtheilen ihren Einfluss geltend mache. Dem hydrostatischen
Druck ^d auch die ausgedehnte Sprengung von Schädel und Dia-
physen in der Hauptsache zuzuschreiben w^en des unmöglichen
AuBweichens des Mark* resp. des Gehiminhaltes.
Die Abschmelzung von Blei kann nach K. nur bei Knochen-
schüssen in's Gewicht fallen.
Aus diesen Sätzen lassen sidi folgende Consequenzen ziehen:
t) Um die Abschmelzung der Geschosse zu verhüten, sollen
Metalle mit möglichst hohem Sehmelzpunct gewählt werden (z. B.
Kupfer oder Eisen). Alle Legirungen von Blei mit Metallen von
noch niedrigerem Sehmelzpunct sind zu vermeiden.
2) Um den hydrostatischen Druck möglichst gering ausfallen zu
lassen, wäre das Volumen der Geschosse auf ein Minimum zu redu-
ciren. • CHrard fStrassburg i/E.).
392 Centralblatt fdr (Chirurgie. No. 25.
H. B. Sands. Esmarch^sbloodless method.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. p. 1.)
S. giebt eine erschöpfende Darstellung der Anwendungsweise,
des Nutzens und der möglichen Nachtheile des Esmarch'schen blut-
losen Operationsverfahrens. Aus einer Zusammenstellung von zahl-
reichen Fällen in der Hospital- und Privatpraxis New- Yorker Aerzte
gewinnt S. Material für eingehende Beurtheilung.
Acht Mal wurde partielle Gangrän der Hautlappen bei 7 primä-
ren. Amputationen und einer Resection, zehn Mal nach secundären
Amputationen beobachtet. Ausser in einem Fall (Resection der Car-
palknochen) war ein Zusammenhang zwischen Gangrän und allzu
starkem Druck der elastischen Binde höchst unwahrscheinlich. 4
Nachblutungen werden verzeichnet als jedenfalls unabhängig vom
Operationsverfahren. Ein Mal trat Lähmung des Vorderarms und der
Hand nach Nekrotomie am Humerus auf. Dieselbe wurde durch
Electricität etc. im Laufe von 2 Monaten fast vollständig geheilt.
Nach Nekrotomie der Scapula folgten ein Mal 2 Wochep lang dauernde
neuralgische Beschwerden. Madelung (Bonn).
L. Mayer. Ueber Lister's Wundbehandlung.
(Aerstl. Intelligenzblatt 1875. No. 17. p. 167.)
In einem Vortrage über die Li st er 'sehe Methode der Wundbe-
handlung bestreitet Verf. zunächst die Richtigkeit der derselben zu
Grunde liegenden Theorie über die Ursachen der septischen Processe,
indem er die »Pilzfabel« einer sehr abfälligen Kritik unterzieht und
den nicht ausbleibenden »Pilzkrach« prophezeit. Als Beweis gegen
die Lister'sche Theorie werden namentlich die Erfolge der offenen
Wundbehandlung angeführt. Nach den Anschauungen des Verf.'s^
welche übrigens nicht mit Ergebnissen eigener Untersuchungen be-
legt werden^ sind die »Pilze« immer nur accidentelle Erscheinungen«
für deren Wucherung schlechte Wundverhältnisse ein besonders gün-
stiges »Mistbeet« (1 Ref.} bieten; ihre Wirkung is^ immer nur eine
mechanische, sofern sie im Falle massenhafter Wucherung als localer
Entzündungsreiz wirken können. Die septischen Stoffe werden für
rein chemische Körper erklärt, die Ursache der Sepsis in den »malig-
nen Gewebsverhältnissen des Individuuma gesucht.
In Betreff der Wirksamkeit der Li st er 'sehen Verbandmethode
bestreitet Verf. den derselben zugeschriebenen unfehlbaren Schutz
gegen accidentelle Wundkrankheiten und führt als Belege zwei von
ihm nach dieser Methode ausgeführte Operationen, eine Ovariotomie
und eine Fussgelenksresection an, bei denen Jauchung mit todtlichem
Ausgange eintrat. Der Hauptvorzug der Lister 'sehen Methode liegt
nach seiner Ansicht in der mit derselben verbundenen grossen Rein-
lichkeit, der geringen Reizung der Wunde und der hierdurch ver-
minderten Eiterung« Um zu einem definitiveti Urtheile über den
Werth der Methode zu gelangen, werden Controlversuche in der Rieh-
Centraiblatt für Chirurgie. No. 25. 393
tung verlangt, »ob mit einfiEichem Mull ohne Antisepticuin, aber ganz
nach Lister's Intention (! Ref.) verbunden^ nicht ebenso g^te Re*
sultate erzielt werden, ob anderes antiseptisches Verbandmaterial, be-
sonders in vereinfachter Form angewandt, nicht dasselbe leistet«.
P« Bnins (TübiDgen).
van Blaeren. De remploi du plomb lamin^ en Chirurgie.
(Archives m^dicales beiges 1876. Hft. 4. p. 251—269.)
B. wendet nach dem Vorgange von Burggraeve Bleifolie von
der Dicke guten Schreibpapiers zum Verbände von Wunden an und
rühmt an dieser Methode im Allgemeinen die günstigen Wirkungen
der Wundocclusion oder des Ausschlusses atmosphärischer Noxen^
nämlich Verhinderung von Entzündung und Wundfieber, Beschränk-
ung der Eiterung und Herabsetzung der Gefahr accidenteller Wund-
krankheitcn. Weitere Vorzüge sind Einfachheit und Sauberkeit . des
Verbandes, seltener vorzunehmender Wechsel desselben und vor Allem
die Möglichkeit, die Wunde zu irrigiren, ohne sie zu entblössen, also
unter Vermeidung des directen Einflusses der Irrigationsflüssigkeit auf
die verletzten Gewebe. Toxische Wirkungen des Bleies sind nicht
zu befürchten; dagegen bildet sich in der Umgebung der Wunde
häufig ein lästiges Eczem, besonders in den späteren Stadien der
Wundheilung. Am. Hiller (Berlin).
T. Lauder-Bnmton & J. Fayrer. On the natura and physio-
logical action of the poison öf naja tripudians and other
indian venenous snakes.
(Proceedings of the royal tociety of London 1874. Vol. XXII.)
Die Vff. haben ausgedehnte chemische imd experimentelle Unter-
suchungen über die Natur und Wirkung des erwähnten Schlangen-
giftes angestellt. Die Wirkung des untersuchten Giftes gleicht im
Wesentlichen der von Curare. (Die Details siehe im Original.)
Künstliche Respiration^ Transfusion^ häufiges Ausspülen des
Magens, Anwendungen diuretischer und sialogoger Mittel etc. werden
als therapeutische Mittel empfohlen und zwar die Transfusion auf
Grund der Thatsache, dass auch ganz besonders das Blut vergifteter
Thiere inficirt ist und anderen Thieren beigebracht giftig wirkt. Aber
weder mit den genannten Heilmitteln^ noch mit subcutanen Injec-
tionen von Ammoniak ist es den Vff. gelungen^ bei ihren Experi-
menten lebensrettende Erfolge zu erzielen. Tillmanns (Leipzig).
E. Odebrecht Aus der gynäkologischen Klinik des Prof. H e g ar
in Freiburg i. B. Beitrag zur liehre vom intraabdominellen Druck.
(Beil. klinische Wochenschrift J875. No. 14.)
Um Bedingungen aufzuklären , unter denen bei gewöhnlicher
Ruckenlage Aspiration nach Hohlorganen des Unterleibes erfolgt^ theilt
394 Centralblatt für Chirurgie. No. 25.
Verf. zwei einsdilftgige Beobacktungsfalle mit. Im ersten findet sich
eine vom allgemeinen intraabdominellen Drucke Terschiedene, oder
wie Verf. sagt, »separate Druckprovinzc in der Blase, Eine Wöch-
nerin, bei welcher schon vor der Geburt ein Tumor neben dem
Uterus constatirt wurde, bekam angeblich durch Zerfall der Ge-
schwulst eine Peritonitis ; die Folge waren Verwachsungen der Blasen-
wand mit umgebenden Partieen. Narbiger Zug, durch Druck deB
Fingers oder eines Manometerrohres im Rectum oder in der Scheiden-
wand eventuell verstärkt, bewirkte beim Versuch, zu kathetrisiren,
nicht nur Retention des Harns, sondern auch zischendes Einströmen
von Luft. Nach der Genesung, schon während der Reconvalescenz,
schwand das Phfinomen und es stellte sich schwaches Pressen ein,
unter dem der Urin durch den Katheter entleert wurde. Bei spon-
tanem Uriniren drückte schliesslich die Bauchpresse den Urin aus.
Ein zweites Mal wurde Aspiration von Luft durch den Katheter in
die Blase bemerkt, als einer Person, bei welcher man Hydro-Pyone-
phrose diagnosticirt hatte, und wo Urin zur Untersuchung abgenom-
men werden sollte. Eigenthümliche Configuration der concaven, ge-
spannten Bauchdecken geben hier dem Verf. Anhalt zur mechanischen
Erklärung. Zugleich ist zu erwähnen, dass diese Patientin, wiewohl
nicht immer, so doch fast exclusive Thoraxinspirationen ausführte,
und dass hierbei Aspiration von Luft in die Blase erfolgte»
v. Mosengeil (Bonn).
Casenave. Sur des bougies et des sondes en ivoire flexible.
(Bulletin de l'acad6mie de medecine 1875. No. 11.)
Biegsame Elfenbeinsonden stellt sich C. seit dem Jahre 1838
dadurch her, dass er Elfenbeinstäbchen von entsprechender Form in
verdünnte Salzsäure legt und sie dadurch ihrer Kalksalze beraubt.
Die zurückbleibende Masse, eine Art Elfenbeingelatine, ist weich und
biegsam, lässt sich jedoch auch in trockenem und hartem Zustande
aufbewahren. Solche Sonden sind auch dauerhaft, und kann ihre
Haltbarkeit durch Zumischung leicht adstringirender und conserviren-
der Stoffe bei der Präparation bedeutend erhöht werden. Auf Grund
langjähriger vergleichender Erfahrungen giebt ihnen C. den Vorzug
vor den Wachs-, Dannsaiten- und Gummi-Bougies.
An. HUler (Berlin).
Ed. Lawrie. Fhimosis and Circumcision.
(The Ind. Med. Gazette 1875. Vol. X. No. 1. p. 13.)
Wiederholte Beobachtungen haben L. zur Ueberzeugung geführt,
dass die Phimose der Kinder in den seltensten Fällen eine angeborene
sei ; sie entstehe vielmehr durch adhäsive Entzündungen der Präputial*
Schleimhaut und der Glans penis infolge der Unterlassung der Retrao-
tion der Vorhaut und gehöriger Reinigung der betreffenden Theile.
Es sind L. öfters Kinder, bei denen er sich bei der Geburt von der
r
Centralblatt fOr Chiruigie. No. 25. 395
Retractionsfahigkeit der Vorl^aut überzeugt hatte, nach 6 Moaaten
wegen Phimose gebracht worden. Die örtlichen entzündlichen Er-
scheinungen wurden von den Pflegerinnen übersehen. Zuweilen fand
er bei Kindern^ die ihm w^en Unruhe und nächtlichen Weinens
gebracht wurden^ weiter keine Affection als die genannten entzünd-*
Üchen Erecheinungen der Vorhaut. Bei weitem Orificium der Vor*
haut empfiehlt Verf. in solchen Fällen von Phimose die Vorhaut ge-
waltsam oder auch mit Hülfe von Scheeienschnitten von der Glans
abzuziehen. Bei enger Präputialöfinung empfiehlt er die Circumcision
und zwar soll das ganze hypertrophische Präputium entfernt werden,
weil die zurückbldjienden Theile zu hypertrophiren geneigt sind.
A. Bvrgeor (London).
G. CShaillowL Quelques considärations sur les fractures du
larynx cons^cutives ä la Strangulation et la pendaison.
(Th^se. Paris, 1874.)
Ch. behandelt vom chirurgisch-forensischen Standpuncte aus die
seltenen Fälle von Larynx- Fracturen^ welche durch Erwüigen und
Erhängen bewirkt werden, bringt jedoch nur Bekanntes ohne weseut^
lieh neue Gesichtspiuikte. Die zu Grunde gelegte Casuistik ist be-
reits in dem Werke von Gurlt über Knochenbrüche vollständiger
enthalten, mit Ausnahme einiger neuerer Fälle, welche jedoch nicht
Eigenthum des Verf. 's, sondern fremden, an anderen Orten bereits
publicirten Beobachtungen entlehnt sind. p, Brus (Tübingen).
Villairet, Eine Gummiaderpresse.
(Deutsche müitärftraü. Zeit8ohnft 1875. Hft. 3.)
V. empfiehlt für den Feldgebrauch, namentlich für Krankenträ-
ger auf dem Schlachtfelde, folgenden höchst einfachen Ersatz des bis-
her gebrauchlichen Knebeltourniquets durch die Esmarch*sche Con-
striction: man nimmt ein B Cm. breites und 7^ Meter langes Stück
eines dünnen, aber festen Gummischlauchs ; dasselbe wird dicht ober-
halb der blutenden Stelle um die Extremität geschlungen und unter
leichter Dehnung durch einmaliges Knoten befestigt. Das Verfahren
setzt so wenig anatomische Kenntnisse voraus, dass es auch von dem
Unerfahrensten geübt werden kann. Dabei erfordert die Anlegung
viel weniger Zeit^ als das Feldtoumiquet, auch ist der Verschluss des
Gefasses an jeder Stelle der Extremität ein vollkommen sicherer, wäh-
rend beim Toumiquet, besonders auf dem Transport, die Felotte sich
leicht verschiebt oder das Band sich lockert. Grösste Einfachheit,
Schnelligkeit und Sicherheit der Blutstillung sind namentlich für
manche Eventualitäten des Krieges, wie Nachtgefechte, Winterkalte,
Blutung aus grossen Gefässen u. s. f. unschätzbare Vorzüge.
Am* HUier (Berlin).
396 Centralblatt für Chirurgie. No. 25.
Csnberka. Chirurgisch-medicinisches Vademecum.
Wien, C. Fromme's Verlag 1875. 16. 525 S.
Das Büchlein ist fiir den selbstständig handelnden, auf sich allein
beschränkten Axzt bestimmt und giebt in conciser Form über die
Untersuchungsmethoden der einzelnen Korpertheile, über Sphygmo-
graphie, Mikroskopie , Laryngo- und Rhinoskopie, die Technik des
Katheterismus, der Zahnextraction und die einfachsten chirurgi-
schen, oculistischen und gynäkologischen Technicismen, namentlich
auch solche, welche gewöhnlich auf den Universitäten nicht Gegen-
stand besonderer Unterweisung sind, wie das Schröpfen, die Appli-
cation von Blutegeln, die subcutane Injection, die Anlegung des
Katheters beim Weibe u. s. w., höchst praktische und nützliche Be-
lehrung. An. Hiller (Berlin).
Kleinere Mittheilungen.
H. Maas. Ueber das Anheilen gänzlich getrennter Körpertheile auf
frischen Wundflächen.
(Deutsche Klinik 1875. No. 2. p. 9.)
Verf. beobachtete 2 Fälle von Wiederanheilung gänzlich abgeschlagener Stücke
der Nase bei Gelegenheit von Schlägermensuren. In dem ersten Falle war der
freie Rand des Nasenflügels und ein Theii der Nasenspitze etwa in der Grösse
eines Zweigroschenstückes abgeschlagen worden ; das Stück wurde sofort angenäht
und heilte mit th eilweiser Abstossung der Epidermis vollständig an. Im zweiten
Falle war ein Stück aus der Dicke des Nasenrückens herausgeschlagen und konnte
erst nach einiger Zeit (wie lange? Ref.) wieder angenäht werden; dasselbe heilte
gleichfalls nach Abstossung der Epidermis vollständig an. Die Nachbehandlung
bestand in beiden Fällen in einfacher Bedeckung mit Oelläppchen und Watte und
Ausstopfen eines oder beider Nasenlöcher mit Wattetampons.
P. Bnuis (Tübingen).
A, SohmitB. Die Carbolsäure in ihrer klinischen Verwerthung.
Inaug.-Diss. Bonn. 24. März 1875.
Verf. giebt in seiner fleissigen Arbeit zuerst historische Notizen über Ent-
deckung» chemische Darstellungsmethoden der Carbolsäure , physikalische und
physiologische Eigenschaften derselben. Es ist dann compilatorisch gesammelt, was
über Experimentelles, äusserliche und innerliche therapeutische Verwendung zu sagen
ist. Eigene Versuche oder Beobachtungen liegen nicht vor.
T» Mosengeil (Bonn).
Scheibler. Manägebewegungen. K. k. Gesellschaft der Aerzte^ 8.
Jan. 1875.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 3.)
Seh. demonstrirt Man^ebewegnngen eines Hundes nach Embolie der Art.
carotis int. Körner von Mohn etc. wurden als Embolie benutzt. Meynert deutet
die Manfegebewegung durch >fitörung im Muskelsinn infolge von Empfindungs-
anomalieen bedingt, wofür der Umstand spricht, dass die Thiere nach einiger Zeit
von selbst wieder geradlinige Bewegungen ausführen lernen.
T« Mosengeil (Bonn).
Onttalblatt fflr Chirurgie. No. 25. 397
B. Anger. Pseudarthrose. — R^ction^ Penetration des fragmenta.
(ReTue de th^rapeutique m4dic.-chirurg. 1875. No. 7.)
Ausgehend ron der Erfahrung, dass Fracturen mit Einkeilung immer am besten
consolidiren, r&th A. in den Fällen, in denen die übrigen Mittel gegen die
Psendarthroee sich als erfolglos erwiesen haben, einen ähnlichen Zustand nachzu-
ahmen, indem man Ton dem unteren Fragmentende einen kleinen Keil abpräparirt
und diesen in die Markhöhle des oberen Fragments eintreibt. Abgesehen von der
unyermeidlichen Verkflnung, ist die Operation, wie er gesteht, ziemlich eingreifend
und invoWirt eine Reihe ernster Gefahren. (Ob A. sie überhaupt schon ausgeführt,
ist aus der Mittheilung nicht ersichtlich.) Am« HUler (Berlin).
L. Berihold. Rechtsseitige Luxation des 6. Halswirbels.
(Aentl. Intelligensblatt 1875. No. 14. p. 135.)
Verf. beobachtete den sehr seltenen Fall einer durch reine Muskelaction be-
dingten rechtsseitigen Halswirbelluxation bei einem I9jähr. Menschen, welcher sich
dieselbe beim Waschen seines Nackens im Momente einer raschen Wendung des
Kopfes nach der linken Seite zugezogen hatte. Die Reposition gelang eine Stunde
nach der Verletzung ohne Narkose bei aufrechter Stellung des Patienten durch
Extension und Rotation des Kopfes. Die Extension wurde in der Weise ausge-
führt, dass der Operateiir, auf einem|Stuhle stehend, mit beiden Händen den Kopf
am Hinterhaupte und Kinn in die Höhe hob, so dass di^ Contraextension durch
das Körpergewicht bewirkt wurde. P« Bnms (Tübingen).
Warren. Scalpirung durch Maschinenverletzung.
(The Boston med. and surg. Journal 1875. No. 7. p. 203.)
Der Fall bietet nur Interesse wegen der Ausdehnung der Verletzung. Die
herunterhängenden Haare eines jungen Mädchens wurden plötzlich von einer
Maschinen-Walze erfasst und nun die ganze Kopfhaut von der protub. occipit. ext.
an einschliesslich der Stimhaut, der oberen Augenlider und ein Theil der rechten
Wange abgeschält; geringe Blutung; möglichste Adaptirung der Theile und Ver-
einigung derselben. Innerhalb 3 Wochen geht der grösste Theil gangränös zu
Grunde; frühzeitige Transplantation auf der eiternden (!) Wunde ist erfolglos; spä-
tere Transplantation hat Erfolg; nach 2 Jahren ist die Wundfläche erst um Vs
Terkleinert. Pili (Stettin).
Jacobs, ^ferysip^le de la face suivi de F^rysipöle du pharynx. — Endo-
cardite.
(La Presse m6d. beige 1875. No. 16.)
Ein 21 jähr. Mädchen wurde von einem massig heftigen Oesichtserysipel be-
fallen. Bei der Aufnahme in's Hospital wurden gleichzeitig Zeichen von Endo-
carditis des linken Herzens constatirt. Beide Affectionen waren am 5. Krankheits-
tage, nach einem reichlichen Aderlass und Darreichung von Calomeli in der Rflck-
bildung begriffen, als am Abend neuer Frost, Schlingbeschwerden, Trockenheit im
Halse und lebhafte Röthung des ganzen Pharynx, der Mandeln und des weichen
Gaumens erfolgten, verbunden mit massiger Anschwellung dieser Theile. Nach
weiteren 5 Tagen war vollkommene ReconTaleaoens eingetreten.
Auch diese Endocarditis erklärt sich nach Verf. ebenso, wie dieselbe Compli-
cation bei anderen acuten Infectionskrankheiten, aus der durch die Allgemeininfeo-
tion bedingten veränderten Blutmischung (und der mechanischen Friction der Theile
bei der Herzaction. Die Bchliessungslinien der Klappen! Bef.). Aehn-
liche Beobachtungen von einem Uebergreifen des Hauterysipels auf Schleimhäute
und auch umgekehrt sind nach J. seit 1864 (Discuasion hierüber in der Soci6t6
midie, des m^ecins des höpitaux de Paris) mehrfach gemacht worden.
Am. Hlller (Berlin).
398 Centralblatt für Chii^n?»e. No. 25.
TaUBO. Ojrstioercttfl cell, subconjunctivalis.
(Medycyna 1875. No. 17, polniseh.)
Nach einem kurzen Ueberblicke der in Europa aberhaupt und in Polea und
Hussland insbesondere beobachteten Fälle schildert T. den von ihm op0rirten und
zwar bei einer 13jähr. Jüdin, die seit 3 Wochen zwar nicht über Schmenen, aber
doch über ein Gefühl eines fremden Körpers im Auge klagte. Die Cyste war von
der Grösse eines Kleinfingernagels und in der inneren Hälfte der unteren Con-
junctivalfalte gelegen. Operation vermittelst eines horizontalen Schnittes, wobei
eine gelbliche Gallerte und ein weisses Bläschen entleert wird. — Mikroskopische
Untersuchung des Bläschens weist charakteristische Häkchen und Sangnäpfe nach.
Heilung nach 4 Tagen ohne Reaction. Oballnski (KrakauJ.
WisBXiiewski. Bericht über die in den Jahren 1870 — 1874 auf der
Chirurg. Abtheilung des St. Lazarusspitals gemachten Amputationen.
(Pnseglnd lekarski 1S75. No. 10, 12, 13. polnisch.)
Auf die Gesammtsumme von 2569 Kranken kommen 45 Amputationen (57 : 1).
— Die Sterblichkeit betrug: Vorderarm 25X — Oberarm 25X — Unterschenkel
38,8X — Oberachenkel 44,4^ — überhaupt 37,7X. — Da« mittlere Alter der ge-
heilten Fälle betrug 30 Jahre — der Verstorbenen 42 Jahre. — Die Beh^dlungs-
weise war in allen Fällen vermittelst in Carbolsäurelösung getauchter Gharpie und
Watte. Die Schnitte meist Lappenschnitte — Seidenligatur und Metallsutur. Die
mittlere Heilungsdauer betrug am Vorderarme 24 Tage ; Oberarm 29 Tage ; Unter-
schenkel 31 Tage — Oberschenkel 78 Tage. Obalinski (Krakau).
G. Buok. Cicatrical contractions from bums inrolving the face and
hand.
New-York, John F. Thow and son, 1874.
Ein 16 Monate altes Kind erlitt eine ausgedehnte Hautverbrennung durch
Petroleum. 4 Jahr 7 Monate alt kam es in B.'s Behandlung. Die Haut der lin-
ken Schädelhilfte und Schläfe, der Wange und Nase war in Narbenmasse umge-
wandelt Es bestand ein ausserordentlich starkes Ectropium der äusseren Hälfte
des linken oberen Augenlides. Das untere Augenlid war durch die Narbencon-
traction nach unten gezogen, ebenso der linke Mundwinkel nach oben. Die Haut
des ganzen linken Vorderarms und dei Hand war gleichfalls Narbe. Die Finger
der Hand waren durch die starke Contraction der Dorsalhaut bis zum äussersten
Orad hyperextendirt, besonders Daumen und Zeigefinger, bis zur Luxation im Meta-
carpophalangealgelenk nach hinten. Sechs Operantionssitzungen im Laufe eines
vollen Jahres waren nöthig, um diese Fehler zu verbessern. Dies gelang, wie die
beigegebenen Abbildungen zeigen, in befriedigendsm Ghrade, die Beseitigung des
Ectropium bedurfte dreier, die der Verstellung des Mundwinkels einer, die der
Fingerverkrümmung dreier Operationen. Aus den ausführlich mitgetheilten Ope-
rationsberichten sei hier nur erwähnt, dass B. noch gegenwärtig seine »Silberdraht-
Zapfennah t« benutzt und deren Vortheile darlegt. HadelaJig (Bonn).
tr. Langenbeck. lieber Handgelenkiesectionen. Berl. med. Gesell-
schaft» 10^ Jan. 1875.
(Berl. kliniscfae Wooheniohrift 1875. No. 14.)
t. L. demonstrirt zwei Fälle von Handgelenkresection : Bei einem Patienten
sind nntef Anirendung des Dorso^Badialschnittes alle Kittpalknochen, zwei Metakar-
palknochen und die unteren Gcflenkflächen der Vorderarmknochen entfernt. Re-
sultat befriedigend. Ein ganz vortreiTlicbes Resultat kam bei Entfernung aller
Karpalknochen, mit Ausnahme des os multangul. maj. und pisiforme, sowie der
Oelenkfläehed von Uhia und Radius heraus. Bei beiden Fällen lag eine tuberku-
löse Synovitis vor, und empfiehlt v. L. für derartige Erkrankungen die Früh-
reseotion. ¥• Mosengell (Bonn).
Oentratblatt fflr Chirurgie. No. 25. 399
Oirookowskl. Eine Exarticnlatio btachii mit guteth Erfolg.
(Oaxeta lekanlia Bd. XVIl No. 25, polnisch.)
Bei einem d2j&hr. £necht wurde die obere linke Extremität infolge einer
complicirten Doppelfractur des Oberatmbeines nach der Larrey'sehen Methode
(en raquette] exarticulirt. Nach 5 Wochen ging Patient hemm; die Wnnde heilte
vollständig nach 4 Monaten. OballBSkl (Krakau).
Q. F. MarlLoiiet. Ueber Ovariotomie.
(Verhandlungen der Chirurgiflchen Oesellschaft in Moskau 1875. 1. Theil. p. 78.)
M. beschreibt einen nngQn«tig verlaufenen Fall Toa Ovariotomie, welcher von
ilitt 1871 an einer 46 Jahre alten Frau, Mntter von 5 Kindern, ausgeführt wurde.
Das Leldeft derselben entwickelte sich in 2 Jahteli als bilocultoe Cyste ebne Ad*
häsioneti, anhaftend mti kursem, dickem Stiel an der hinteren Fläche des rechten
breiten MutterbandiS. Der Btiel wurde mati 3 Ligataren abgebunden. Während
des Abtrennens der Cyste vom Stiele glitt eine Ligatur ab; es entstand eine hef-
tige artefielle Blutung, die ein abennaliges Hervorziehen des Stiels «od eine neue
Unterbindung des blutenden Oefitosee erforderte. Tod am 6. Tage an Septikämie
infolge von Ansammlung blutig-eitriger Froducte in den unteren Bauchfellfialten.
In ähnlichen Fällen erwartet Verf. in Zukunft viel von der Drainage des Douglas '-
sehen Baumes. W* GHäb« (Charkow).
A. BCenvel (Triest). Zwei Ovariotomieen.
(Wiener med. WoehanBohrift 1874. No. 47.)
I. Polycyste des linken Ovarioms. Totaler Vorfall der Gebärmutter. Voll-
koBunene HeUung duieh Ovariotomie.
Lb linken Hypogastvium einer 23Jähr. Patientin lassen sich mehrere Cysten
und ein härtlioker Tuaaot bemerken. Der Uterus seit eiBem Jahre proUibirt. Ope-
ntion, wobei die grösseren Cysten punetirt wurden. Der Stiel wird in 2 Portionen
unterbunden. Im Ganzen 6 Massenligatomi (Seide). Sie werden in die Baueh-»
hMß vevsenkt. Baiisehwunde vOUig vereinigt, der prolabirte Uterus, nicht kOnst-
lieh reponirfe« sog sich nach 4 Tagen völlig ivrOokt wahrseheinÜeh durch Tractio-
nen der mit dem Uterus verklebten Därme. «Eine schmenhaft harte Stelle im lin*
ken Hypogastrium bildete sieh langsam futOck; ebenso h6rten allmälig die öfter
vorkommenden kolikartigen Attaquen auf.
II. Polycyste des rechten Ovariums. Ovariotomie, grosser Abdominalabscess.
Drainage. Symptome vim Pyäaüe. Heilung.
Bei einer 48jähr. MaMpaM war seit 3 Jaihren unter xeitweiligen heftigen
Schmersen der Unterleib geschwollen. Stsorke Alteration des Allgemeinbefindens
swang sur Operation. Bei derselben platste während des Lösens von Adhäsionen
eine apfelgroese Geschwulst und entleerte sich sum Theil in das Cavum abdominis.
Der hmge, dicke Stiel wurde mit der dicksten Seide in 3 Portionen unterbunden.
Diese und andere Massenligaturen wurden in die Bauchhöhle versenkt. Die auch
hier völlig vereinigte Bauchwunde musste im unteren Winkel geöffnet werden, da
sich eine Eiterung einstellte. Etwa 5 Mal täglich Irrigation der Bauchhöhle mit
IX- Carboliösungf Schüttelfröste mit Fieber von 40° folgten. Schliesslich trat auch
hier Heilung ein. T* Moseil^^ (Bonn).
Bnglifloli^ Verengerungen des Ureters.
(Wiener mied. Woehensehrüt 1875. No. 3.)
£. demonstrirt an xahlreichen Präparaten tMlaehe YerengenmgeH des Ureters
in fötalen und extrauterinen Lebensphasen. Dabei ist die Muscularis verdickt,
während die Adventitia glatt darüber wegsieht. Der geschlängelte Verlauf des
Ureters zeigt sich bei Neugeborenen fast immer. Die angeborenen Verengerungen
halten Nierensteine auf und liefern die mechanische Erklärung für Genese der
Hydronephrose ab. v« MoSengeil (Bonn).
400 Centralblatt für Chirurgie. No. 25,
Ch. Steele. Hydrocele in der Bauchhöhle, verursacht durch Leisten-
hoden.
(The Lancet 1875. Vol. 1. p. 233.)
Folgende» immerhin nicht häufige Beobachtung von Hydrocele, welche einen
Leistenhoden complicirte, wurde im Königl. Spitaie zu Bristol gemacht. Ein 28j.
Mann, welcher viel gehen musste, bekam vor 6 Jahren plötzlich heftige Schmerzen
im linken noch nicht heruntergetretenen Hoden; es bildete sich Inder lin-
ken Leiste eine allmälig an Grösse zunehmende Geschwulst, die nicht nur das Ge-
fühl von Schwere und Schmerzen hervorrief, sondern jetzt auch das Gehen ganz
unmöglich machte. Der Tumor von 8" Lange und Breite war von dem ftusseren,
schiefen Bauchmuskel bedeckt, die übrige Bauchmuakulatur lag hinter ihm, er
zeigte deutliche Fluctuation; die Function, durch welche 30 Unzen klaren Serums
entleert wurden, schaffte dem Patienten bedeutende Erleichterung. Nachdem ein
eingelegtes Setaceum Eiterung im Sacke hervorgerufen hatte, erfolgte nach Be-
seitigung einer eingetretenen Eiterverhaltung dauernde Heilung.
Pill (Stettin).
T. Mosengeil. Extraction eines Steines aus der Harnröhre durch ein
besonderes Verfahren.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 17. p. 222.)
Li einem Falle, wo die plötzliche Einklemmung eines Blasensteines im Pro-
stataabschnitt der Urethra eine mit hochgradigen Beschwerden verbundene Urin-
retention von bereits zweitägiger Dauer bewirkt hatte, gelang v. M. die prompte
Extraction des ellipsoiden, H/g Cm. langen und ohngefilhr halb so dicken Harn-
säure-Steines dadurch, dass er einen Bilab bis zu dem Concrement yorschob und
hier das Urethrallumen durch Auseinanderspreitzen der Branchen lu dilatiren
suchte, während der in den Mastdarm eingeführte Zeigefinger der anderen noch
disponiblen Hand direct durch die bei diesem Fat. dflnne Prostata auf den Stein
drückend, denselben in der Richtung nach dem orif. cutaneum urethrae allmälig
vorbewegte. — v. M. räth in ähnlicher Weise auch bei Fremdkörpern im Ohr zu
verfahren, bes. bei Kindern. Er chloroformirte dieselben, Hess sie horizontal mit
dem betreffenden Gehörgang in der Uichtung nach abwärts halten und führte eine
Tenette mit feinen Branchen bis zum Fremdkörper. Durch Ausunanderweichen
der Branchen wurde auch hier der meatus audit. dilatirt, so das« der Fremdkörper
oft durch seine eigene Schwere ganz heraus, oder wenigstens zwischen die Bran-
chen der Tenette fiel.
Derselbe. Heilung eines totalen Dammrisses durch Naht der Rectal-
wand von der Wunde aus.
(Ibid. p. 223.)
Bei einer Primipara heilte v. M. einen frischen, mit Trennung Ton Vagina und
Mastdarm complicirten Dammriss, wobei er jedoch die tiefgreifenden Rectalsnturen
nicht im Mastdarm, sondern in der Perinealwunde knotete. Das eine lang ge-
lassene Ende der Seidensuturen wurde zwischen den Nähten der Dammwunde nach
aussen geleitet. Auch liess Verf. die Suturen nicht frei im Mastdarmlumen zu
Tage treten, sondern führte sie submucös durch, um für jeden Fall vor dem Ent-
stehen kleiner Rectoperinealfisteln beim Durchsehneiden der Fäden sicher zu sein.
Die Vaginalsuturen wurden selbstverständlich in der Vaginalhöhle geschlossen.
Lesser (Berlin).
Beriohtigungs
B. aes, 2. 13 ▼. oben Um Lucet statt Biituh med. JonniAl,
Originalmittheilnngen, Monographleen und Separat&bdrüoke wolle
man an Dr. H. TiUmannMf Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagahandlnng,
TWtlikoff ttnd Härid, einsenden.
Dnick «nd Varlac von Breitkopf and Hflrtel in Leipxig.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
heransgegeben
von
Dr. l. Leser, Dr. E Mele, Dr. E Tillnaniis
in Berlin. in Halle a. 8. in Leif «if.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis de« Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Hi- 26. Sonnabend, den 26. Jnni. 1876.
Inhalt! Stottdener, Knocbenentwicklong und Knochenwachsthnm. — Fischer, Chirnr-
gische Beitnge. — TarchaMflly Gommunication der Blut- und LympbgeflLMe. — TmI0,
Temperatursteigerang nach Oontusion der Wirbelsaale. — Heakef Obere und untere Llp-
penmuakeln. — H^nocqiie, Electropunctor des Herzens. — OnimiiS, Fingerkrampf bei
Telegrapbenbeamten. — Raba, Hellung der Oberscbenkelfracturen. — Berndt, Behand-
lang der Obencbenkelf^sctttien. — Thomas, Resultate nach Amputationen. — Mac Cor*
nae, Knlegelenkresectionen. — Tsevan, Subcutane Urethrotomie.
Papillaud, Tetanus gebeilt durcb Gbloral. — AmHSSat, Sonde ä dard. — FoA, Mann-
Hebe Hysterie. — Rlvingfon, Pulsirender Orbitaltamor. — Pollak, Epidemisches Vor-
kommen der Parotitis. — Hillko, Behandlung der Handverletzungen. •— Eldfldge, Bar-
Itw, Mathows, Geheilte Aneurysmen. — Spokool, Perityphlitis. — FOttCras, Hernia
diaphragmatica« — Hofmokl, Callusbildung ; Blasenstein; Oarcinom des Penis. — Cal-
mell, Hypertrophie der vorderen Muttermundslippe.
P. Stendener. Beiträge zur Lehre von der Knochenentwicke-
lung und dem Knochen wachs thum.
(Au8 den Abhandlungen der naturforschenden Oesellschaft zu Halle 1875.)
Verf. untersuchte die Knochenentwickelung bei menschlichen
Embryonen nach der Strelzoff 'sehen Methode (HaematoxUin-Carmin-
Färbung) und ist dabei zu wesentlich anderen Resultaten gekommen^
als Strelzoff. Er fiigt seiner Arbeit eine grosse Zahl sehr instruc^
tiver mikroskopischer Abbildungen bei.
■
Entwickelung und Wachsthum der cylindrischen
Knochen.
Wahrend sich im centralen Theil der knorpeligen Anlage einer
Phalangeal-Diaphyse die Knorpelzellen stark blähen und sich dann
nicht mehr am Wachsthum betheiligen^ wuchern sie in den seitlichen
26
402 Centralblatt für Chirurgie. No. 26.
Theilen und bewirken Längen- und Diqkenzunahme ; es entsteht
hierdurch das Bild einer mittleren Einschnürung. Zu gleicher Zeit
sondert sich das Perichondrium in den mittleren Theilen, die Ein-
schnürung nach Oben und Unten überragend, in eine äussere &serige
Schicht, und eine ionere zellige, die »osteoplastische Schicht«. Wäh-
rend hierauf die Verkalkung der Knorpelgrundsubstanz in dem gross-
zelligen Theile beginnt (Yerkalkungspunct) , bildet sich an der inne-
ren Seite der osteoplastischen Schicht des Ferichondriums die erste
Knochenlamelle, die »Grundschicht des perichondralen Knochens«.
Diese wird durch einen wuchernden Fortsatz der osteoplastischen
Schicht an einer circumscripten Stelle in schräger Richtung (dem
Verlauf der späteren arteria nutritia entsprechend) durchbohrt, und
während innerhalb der verkalkten Grundsiibstanz die Knorpelzellen
ohne vorherige Froliferation molekular zerfallen, erfüllt der von einem
Gefäss begleitete wuchernde Fortsatz des Ferichondriums die Knorpelhöh-
len mit granulationsähnlichen Zellen. Durch Zusammenfliessen der rei-
henweise angeordneten Knorpelhöhlen entsteht der primordiale Markraum.
Ein Theil der granulationsartigen Markzellen legt sich epithel-
artig um die stehen gebliebenen Bälkchen der verkalkten. Grundsub-
stanz und bildet als Osteoblasten-Schicht die erste Anlage des »en-
dochondralen Knochens«. Die so innerhalb der verkalkten Grund-
substanz entstehenden KnochenrÖhrchen erweitem sich allmälig zu
unregelmässigen Markräumen, während die Knochenbälkchen, an Zahl
ab-, an Dicke zunehmend, später nur unregelmässige Reste der ver-
kalkten Knorpelgrundsubstanz einschliessen.
Die Vergrösserung der Knochenbälkchen und Markräume kommt
durch eine Combination von Anbildungs- und Resorptionsvorgängen
zu Stande.
Als directen Beweis für das Vorhandensein eines interstitiell-
expansiven Knochenwtfchsthums führt Strelzoffan, dass in den
älteren Knochenbälkchen die Abstände der einzelnen Knochenkör-
perchen von einander grösser sind, als in den jüngeren. Verf. be-
stätigt, dass die Breite der zwischen den Knochenkörperchen liegenden
Knochengrundsubstanz im älteren Knochen grösser ist, als im jün«*
geren; misst man aber die Abstände der Centren der Knochenkör-
perchen, so kommt man zum umgekehrten Resultat. Strelzoff hat
übersehen, dass im älteren Knochen die Körperchen erheblich kleiner,
oft kaum halb so gross sind, als im jüngeren.
Würde die Verdickung der endochondralen Knochenbälkchen
durch Knochenexpansion vor sich gehen, so müsste hierdurch eine
Erweiterung des Ringes der endochondralen Grrundschicht entstehen;
dieses ist nicht der FaD, wie Messungen der Querschnitte von Kno-
chen verschiedenen Alters zeigen. —
Im weiteren Verlauf der Entwickelung schwindet der endochon-
drale Knochen mehr und mehr und die Markraumbildimg greift dann
durch die endochondrale Grrundschicht auf die perichondnJe über,
bis zuletzt auch diese der Resorption anheimfällt.
Centralblatt fdr Chirurgie. No. 26. 403
Auch die von St reiz off als »aplastisch« bezeichneten Stellen bei
Rohrenknochen älterer Embryonen , an denen man endochondralen
Knochen an das Periost grenzend findet, sind nicht durch mangelnde
Anbildung perichondralen Knochens, sondern durch Resorption be-
reits gebildeten zu erklären, da sehr häufig neben dem perichondralen
Knochen auch integrirende Theile des endochondralen (endochondrale
Grundschicht) fehlen.
Entwickelung der Rippen und des Schulterblattes.
Die ersten Verkalkungs- und Yerknöcherungsyoigänge bei den
Rippen sind denen bei cylindrischen Knochen ganz analog. Sobald
endochondraler Knochen gebüdet ist, schwindet der perichondrale
vom Verkalkungspuncte nach beiden Seiten fortschreitend, auf der
inneren Rippenfläche, im weiteren Verlauf auch der endochondrale,
während sich auf der Aussenseite immer neue Lagen von perichon-
dralem Knochen anbilden. Nach fortgesetzter Resorption auf der
einen und Anbildung auf der anderen Seite, besteht die Rippe
schliesslich ganz aus dem perichondralen Knochen der Aussenseite;
nur am Wirbel- und Brustbeinende zeigen sich restirende, der Innen-
säte der Rippe näher liegende Kegel von endochondralem Knochen,
deren Spitzen dem Verkalkungspunct zu li^en.
Das Schulterblatt entwickelt sich ebenfaUs aus einer knorpeligen
Anlage; der Yerkalkungskern hat eine linsenförmige Gestalt. Eine
Besonderheit findet sich bei der Yerknöcherung der Spina und des
oberen Theils der Scapula, indem diese Theile nach Resorption des
perichondralen Knochens der fossa infraspinata und subscapularis und
ihrer eigenen endochondralen Knochenanlage schliesslich nur aus dem
perichondralen Knochen der fossa supraspinata gebildet werden. —
Entwickelung des Unterkiefers.
Ob der Unterkiefer aus einer ganz knorpeligen oder einer theil-
weise membranösen Anlage hervorgeht, lässt Verf. unentschieden,
hält letzteres jedoch für wahrscheinlich. Beim Verknöcherungsvorgang
ist bemerkenswerth , dass auf der Innenseite der perichondrale Kno-
chen, im weiteren Verlauf auch der endochondrale resorbirt wird,
und das Wachsthum vorzüglich durch Anbildung perichondralen
Knochens auf der Aussenseite vor sich geht.
In endochondralen Ejiochen restiren oft grössere Strecken ver-
kalkter Grundsubstanz. Man findet hier Bilder, die für Strelzoffs
Lehre von dem*directen Uebergang von Ejiorpelzellen in Knochenkör-
perchen zu sprechen scheinen; genaue Untersuchung lehrt, dass es
sich um Eröffnung von Knorpelhöhlen, mit darin liegenden Mark-
zellen handelt. —
Das postembryonale Wachsthum der Knochen.
Verf. glaubt sich durch seine Untersuchungen zu dem Schlüsse
berechtigt, dass das postembryonale Wachsthum bis zu seinem defi-
nitiven Abschluss nach denselben Gesetzen vor sich geht, als das
20 •
404 Centralblatt für Cbirui^ie. No. 26.
embryonale. Den Auseinandersetzungen Wolfs gegenüber hält er
das Wachsthum der Knochen durch eine Combination von Appa-
sitions- und Resorptionsvorgängen für allein möglich.
Die Knochenresorption wird durch die K ö 11 iker' sehen Osteo-
clasten auf dem Wege der Bildung Ho wship' scher Lakunen ein-
geleitet.
Verf. macht schliesslich auf den Umstand aufmerksam, dass sich
der Schenkelhals in den ersten Lebensjahren in einem stumpferen
Winkel an den Schaft des Femur ansetzt^ als späterhin; es spricht
dieser Umstand jedenfalls direct gegen die Annahme einer gleichmas-
sigen Knochenexpansion als einzigen Factors des postemhryonalen
Knochenwachsthums. A« Gensmer (Halle).
EL Fischer. Klinische Beitrage zur Lehre vom Brande (aus
der chirurgischen Klinik zu Breslau).
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIU. Hft. 2.)
A. Das Mal perforant du pied.
Verf. gieht zuerst eine geschichtliche Uehersicht der von
N61aton zuerst 1852 (im Original ist 1872 ein Druckfehler) beschrie-
benen, von Vesigni^ »Mal perforant« genannten Erkrankung mit
Berücksichtigung der sehr umfänglichen französischen, und vergleichs-
weise kleinen englischen (nur Piffard) und deutschen Litteratur^
aus letzterer Adelmann, Schuesster, Sonnenburg, Estlan-
der hervorhebend. Die hauptsächlichsten Symptome der Er-
krankung sind nach dem Verf. die allmälig und unaufhaltsam bis
in die Knochen und Gelenke dringende Yerschwärung, der chronische,
schmerzlose Verlauf; der Widerstand gegen locale Behandlung, grosse
Neigung zu Bückfallen und successives Befallen verschiedener Theile
desselben oder beider Füsse, Sensibilitätsstörungen in der Nähe
des Geschwürs und am ganzen Gliede, trophische Störungen^
Circulationsstörungen und Veränderungen in der Temperatur der
Theile. Die Erkrankung kommt meist bei schwer arbeitenden Leu-
ten mit unzweckmässiger Fussbekleidimg vor, nur Sedillot wül
andere Beobachtungen gemacht haben« femer meist bei Männern
nach dem 40. Jahre. Die Symptome der trophischen Störung
erläutert F. durch 7 einschlägige Beobachtungen, welche wir
hier nur kurz anführen können : .
Fall 1. Mann, 32 Jahre alt, Myxom des Rückei\marks, leproide
Brandform der Finger, der Zehen, grosse leproide Geschwüre an den
Armen und Füssen. Mal perforant, Störungen der Sensibilität und
Motilität der Extremitäten. Fat. starb, als er einige Wochen be-
obachtet war, an einer Lungenaffection.
Fall 2. Frau, seit 10 Jahren an der linken Körperseite gelähmt
infolge eines Schlaganfalls, trophische Störungen, Mal perforant am
5. Metatarsalknochen, erfolglose Behandlimg.
Fall 3. Mann, vor 8 Jahren Verletzung des linken N. ischiadicus
Centralblatt far Chimrgie. No. 26. 405
durch eine Kreissäge^ Lähmung des Beines, trophische Störungen,
Mal perforant am Ballen der linken grossen Zehe bis in das Gelenk
dringend mit Nekrose der Gelenkenden; trotz Resection derselben
keine Heilung.
Fall 4. Knabe, 13 Jahre, vor IIY2 Jahre Luxatio iliaca traumatica
des linken Oberschenkels mit Atrophie, Paralyse und trophischen
Störungen, Mal perforant an den Köpfchen des 4. und 5. Metatarsal-
knochen, ungeheilt.
Fall 5. Mann, 36 Jahre alt, Lähmung des Unterschenkels nach
einer schlecht geheilten Fractur, trophische Störungen, Mal perforant
unter dem 1. Metatarsalknochen am inneren Fussrande. Fat. ver-
weigerte die voigeschlagene Amputation.
Fall 6. Mann, Schuss durch die Hinterbacke mit Verletzung des
N. ischiadicus, rechter Fuss gelähmt, unempfindlich, atrophisch. Mal
perforant an der Ferse, die Sonde drang in den erweichten Calcaneus.
Fall 7. Mann, 50 Jahre alt, Neuralgieen und Sensibilitätsstörun-
gen am rechten Bein aus unbekannter Ursache; ohne trophische
Störungen. Mal perforant der Ferse bis auf den Calcaneus, Heilung
durch Ueberpflanzung eines Hautlappens und längere Anwendung
des galvanischen und faradischen Stromes.
Zur pathologischen Anatomie des Mal perforant be-
merkt Verf., dass an dem Geschwüre selbst keine charakteristischen
Zeichen sind, an dem Knochen findet sich eine rareficirende Ostitis ;
das Hauptgewicht fällt auf die atheromatösen Verände-
rungen der Gefässe (Lucain), welche durch die Section in 6
Fällen constatirt wurde. Femer fand auch Duplay, Poncet,
Sedillot Erkrankung der Gefasse, welche ersterer als eine End-
arteritis auffasst. F. selbst fand im Fall 1 nirgends in den grösseren
Fussarterien Atherose, dagegen waren die kleineren Gefässe in
der Nähe des Geschwürs verengt, sehr derb, ihr Lumen
im Querschnitt unregelmässig, die Intima durch junges
Bindegewebe un.d kleinzellige Infiltration verdickt,
ebenso war ihr Endothellager verdickt, fettig, trübe.'
Auch verschiedene Veränderungen der Nerven sind beobachtet wor-
den (Duplay und Morat, Estlander, Poncet); Verf. konnte in
seinem Falle keine Veränderungen nachweisen.
In Betreff der Pathogenese führt Verf. die Anschauungen der
Autoren darüber an, welche das Uebel für ein gewöhnliches Geschwür
(Sedillot), Entzündung und Vereiterung von Schwielen und Schleim-
beuteln) Decubitalgeschwür (Leplat, Streubel), Veränderung des
secretorischen Apparates der Sohlenhaut (Adel mann), primäre Kno-
ohenerkrankung (Maurel), Cancroid (Volk mann), inveterirte Syphi-
lis (Pitha, Esmarch) halten; für einen urämischen und glycosämi-
schen Ursprung spricht V^signi^, für eine Erkjankung der Gefässe
eine grosse Zahl von Chirurgen, theils für eine Atherose, theils für
Embolien (Lucain), welche letztere Ansicht F. ausführlich durch 3
Beobachtungen widerlegt; es nimmt die Embolie der Fussarterien
406 Centralblatt für Chirurgie. No. 26.
einen durchaus anderen Verlauf. Verf. selbst hält das Mal perfoiant
für die am tiefsten greifende und bösartigste neuropara-
lytische V^rschwärung, er schlägt deswegen vor dea
Nichts besagenden Namen Mal perforant fallen zu lassen
und ihn durch den zutreffenden der neuroparalytischen
Verschwärung zu ersetzen. Zur Heilung ist ausser der betref-
fenden Localbehandlung die längere Anwendung des Constanten und
indncirten Stroms^ daneben Jodkali zu empfehlen. Erweisen sich
diese Mittel erfolglos, so bleibt nur die Amputation übrig.
B. Der symmetrische Brand.
F. beobachtete 2 Fälle des von Keynaud zuerst näher beschrie-
benen symmetrischen Brandes. Die 1. Beobachtung machte er bei
einem 46 Jahre alten Maurer, der an Intermittens gelitten hatte.
Die symmetrischen Brandstellen betrafen die beiden kleinen Finger^
die beiden Ohren, die Wangen und die beiden Seiten der Nasen-
spitze. — Der 2. Fall betrifft einen 34jähr. Mann, der nach dem
Flecktyphus blaue Färbung der Ohren, der Nase und der Zehen
bekam. Während sich diese Erscheinungen am Kopfe zurückbilde-
ten, trat an den Füssen Gangrän ein, welche eine Doppelamputation
nothwendig machte. Verf. sucht die Ursache in einem vasomoto-
rischen Gefässkrampfe, gegen welchen Chinin und Electricität
anzuwenden ist. Maas (Breslau).
Tarohanoff. Des pr^tendus canaux qui feraient communi-
quer les vaisseaux sanguins avec les lymphatiques.
(Gaz. m^d. 1875. No. 13. — Soc. de biol. p. 157.)
Auf Grund einer grösseren Reihe von Controllversuchen polemi-
sirt T. gegen die Arnold'schen Beobachtungsresultate (Virch. Arch.
Decbr. 1874), wonach die Blut- und Lymphgefässe durch ein System
von sternförmigen Saftcanälchen direct mit einander communidien.
T. wiederholte die Arnold'schen Versuche in der Weise, dass er
Fröschen nach vorheriger Unterbindung der Cruralvene 20 Kcm. einer
mit Berliner Blau gefärbten Gelatinelösung in den Bulbus aortae mit
einem Druck von 80 — 100 Mm. Quecksilbersäule injicirte und dann
die Vorgänge an der Schwimmhaut beobachtete. Am 2. und 3. Tage
nach der Unterbindung fand er die Blutgefässe stark dilatirt, mit
Blut strotzend gefüllt, die Wandungen an einzelnen Stellen geboxstea
und von Hämorrhagieen umgeben. Die Injectionsmasse trat nun eben-
falls aus den Rupturstellen heraus und bildete, indem sie sich zvri-
sehen den extra vasirten Blutkörperchen verbreitete, ein Netz von unt^
einander communicirenden sternförmigen Figuren. Das Eindringen
von Injectionsmasse in Pigmentzellen, wie es Arnold beschreibt,
konnte T. nie beobachten, eben so wenig einen directen Zusammen-
hang der Lymph- und Blutgefässe. Nur zwischen den Bindegewebs-
fibrülen communicirte die sich verbreitende Injectionsmasse. Wurde
Cfintralblatt fttx Ghinirgie. No. 26. 407
das Blut aEUTor durch Injection einer Kochsalzlösung vollständig aus
den Gefassen entfernt, also auch die Bildung von Extravasaten ver-
hindert^ so fand nur ein diflfuses Austreten der blauen Injectionsmasse
statte ohne dass irgendwie bestimmte Figuren entstanden. — Das
vermeintliche System von Safkcanälchen ist nach T.'s Ansicht dem*
nach nichts weiter^ als ein artificielles Netz der zwischen die Blut-
körperchen sich verbreitenden Injectionsmasse.
0* Tolkmami (Halle).
Teale. Excessive and long-maintained high temperature after
injury to the spine. (Clin, society, 26. Febr. 1875.)
(Med. tim. and gaz. 1875. March 20. p. 326.)
Eine junge Dame stürzte mit ihrem Pferde ; letzteres kam auf
die Beiterin zu liegen und wälzte sich mehrere Mal über ihrer Brust.
Der Boden war steinig.
Nach kurzer Bewusstlosigkeit wurde sie nach ScarI;^orough ge-
schafft (5. Septbr. 1874). T. constatirte einfachen Bruch in der Mitte
der linken 5. und 6. Rippe. Leichtes Fieber 14 Tage lang. Schmer-
zen im Rücken^ namentlich am 6. Rückenwirbel. October : Tempera-
tur 100 — lOl^F. Leiehte Symptome einer Reizung des Rückenmarks.
Am 3. Novbr.: 103,5°, 6. Nov.: 106°, 7. Nov.: 107°, Puls nicht
über 100.
Keine Paralysen, Bewusstsein klar. Quecksilbereinreibungen.
8. Nov.: 110°, U.— 13. Nov.: 111—114°, 14. Nov.: 122°! Puls
jetzt 120, klein. Schnelle Abnahme der Ernährung, zeitireüige Un-
fähigkeit zu schlucken. December: Temperatur zwischen 110 — 114°.
Dabei allmälige Zunahme der Ernährung. Am 7. Jan. 1875 Fallen
der Temperatur auf 104°, am 8. auf 102°, am 10. war sie normal.
Schnelle Besserung; schon am 22. Jan. konnte Pat. ausgehen.
Die angegebenen Temperaturen beziehen sich auf die rechte Achsel-
höhle ; an ihrer Richtigkeit kann nicht der geringste Zweifel erhoben
werden; z. B. sind Controllmessungen mit im ganzen 7 Thermometern,
darunter 4 normirten, an den verschiedenen Messungsstellen gemacht
worden. (104°F. entspricht 40°C., 122°F.=50°C.)
Bänke (Halle).
W. Henke. Die oberen und unteren Muskeln der Lippen.
(Zeitschrift für Anatomie* und Entwicklungsgeschichte von His und Braune.
Bd. I. p. 107.)
Während die Ursprünge der Gesichtsmuskeln gut gekannt sind,
fehlt es an genauen Angaben über ihre Ansätze in der Haut. H.
geht von den mit dem sogenannten Orbicularis oris in Verbindung
stehenden Muskeln aus und untersucht ihr Verhalten beim Eintritt
in die Lippen. Die Präparation legt Werth auf Vermeiden des üb*
liehen Glattstreichens der aufgedeckten Ansätze, und zerlegt die sich
durchkreuzenden Faserzüge durch successive Aufdeckung. Die Er-
408 Centralblatt för Chirurgie. No. 26.
gebnisse der Untersuchung werden in den Abbildungen eines auf der
Bostocker Naturforscherversammlung demonstrirten Präparates vorge-
führt.
Neben der Grrundlage der Lippenmuskulatur, der Fortsetzung des
Buccinator^ gruppirt H. die von beiden Kiefern hinzutretenden Mus-
keln in 2^ für beide Lippen analoge Arten: 1) Muskeln, welche die
Grrenze beider Lippen nicht überschreiten (quadrat. inf. und sup..
He nie). 2) Muskeln^ welche diese Grenze überschreiten (triangu-
laris inif. und super. ^ Henke). Topographisch besteht der Unter-
schied, dass der obere Triangularis vom Quadratus bedeckt wird,
während an der Unterlippe das entgegengesetzte Verhalten stattfindet.
— Diesen Gruppen schliessen sich noch Zygomaticus und Risorius an.
I. a) Quadrat, sup. kommt von oben mit glatter Yorderfläche
zu seinem Hautansatze in der schrägen, von dem hinteren Rande
des Nasenflügels nach unten, etwas oberhalb des Mundwinkels ver-
laufenden Linie; seine tieferen Fasern verbreiten sich in dem Dreieck
an der Peripherie der Oberlippe seitwärts vom Nasenflügel, welches
meist keinen starken Bartwuchs zeigt.
b) Quadratus inferior besitzt keine glatt präparirbare Yor-
derfläche, verläuft aber analog dem oberen; er hat eine ausgebreitete
Insertion an der Haut des Seitentheiles der Unterlippe, vom Rande
des Triangularis bis zum Rande der Lippenspalte. Ein Eintreten
von Fasern in den Orbicularis findet bei beiden Muskeln nicht statt;
der obere sucht die Oberlippe nach oben, der untere die Unterlippe
nach unten vor den Zähnen auseinander zu ziehen.
n. Die Trianguläres sind getrennt nur bis zu den auf einander
stossenden Spitzen zu verfolgen. Unter theilweiser Anerkennung des
He nie 'sehen Ligamentes der Lippencommissur als Insertionspunct
nimmt H. vor allem eine Durchkreuzung der beiderseitigen Bündel
an. Der scharfe Rand, welcher einen oft angegebenen, aber nicht vor-
handenen Uebergang beider Muskeln in einander vortäuscht, entsteht
durch eine der Aufwicklung des Pectoralis major ähnliche Anordnung;
die Fasern beider Muskeln verlaufen nach der Kreuzung medianwärts,
und zwar die des oberen in der Unterlippe und umgekehrt. Die
oberflächlichen Lagen der daraus hervorgegangenen Faserbündel
setzen sich an der Haut in der Gegend von den Seitenenden der In-
sertionen der entgegengesetzten Quadrati an. Die tieferen Schich-
ten der gekreuzten Triangtilares bilden in der Mitte der Lippe, an
die Haut sich ansetzend, den grössten Theil der oberflächlichen Lag^i
des Orbicularis. Jeder einzelne Triangularis stellt einen als Einheit
wirkenden zweibäuchigen Muskel dar; je zwei von linker und rechter
Seite zusammen eine in der Mitte zusammenhängende Schlinge.
m. Unter den abgetragenen Trianguläres erscheint jetzt der Buoco-
labialis, mit einer »Spur« directer Anknüpfung oberer und unterer
Orbicularisfasem an einander. Einige Buccinatorfasern endigen ausser-
dem unter dem medialen Rande des unteren Triangularis hervortre-
tend in der Haut.
Ontralblatt für Chirurgie. No. 26. 409
«
TV. Von den Nebenmuskeln ist der Ansatz des Zygomaticus un-
bestimmty nur geht er nicht in den Seitenrand des unteren Triangu-
laris über. Theils yerläuft er mit dem Quadrat, sup.^ theils mit
dem Triangulär, superior; theils biegen Fasern schon oben in den
Orbicularis um.
Der Bisorius war in dem Präparate kaum vertreten; er schloss
sich dem Verlaufe und Ansätze des Quadratus in der Unterlippe an.
Die übrigen Nebenmuskeln sind von H. nicht verfolgt.
Für den aus der oberflächlichen Schicht des Orbicularis einerseits
und dem zugehörigen Triangularis andererseits gebildeten^ als Eioheit
nachgewiesenen Muskel fuhrt H. den Namen Circumflexus ein. An
letzter Stelle werden die gewöhnlichen physiologischen und mimischen
Combinationen des Gebrauchs der Muskeln analysirt (siehe das Original) .
Bänke (Halle).
k
A. Henocque. L'electropuncture du coeur.
(Gaz. hebdom. 1874. No. 52.)
Mit dem Hinweise auf die Experimente, welche Yulpian an
Hunden angestellt hat, bespricht H. die Faradisirung des Herzens
als Wiederbelebungsmittel in der Chloroformsynkope. Yulpian hat
nämlich bei Faradisirung des Herzens des Hundes completen Herz-
stillstand beobachtet. Die dabei verwendeten electrischen Ströme,
sowohl intermittirende als continuirliche , werden von H. nur ganz
allgemein als »verhaltnissmässig wenig intensiva bezeichnet. Er kommt,
nach weiterer Auseinandersetzung der Beobachtungen Vulpian's,
zu dem Schlüsse, dass die Electropunctur des Herzens als zu gefilhr-
lieh, beim Menschen vorläufig nicht angewendet werden soll.
(Die Anfuhmngen aus Steiner's Arbeit zeigen, dass H£-
nocque das wesentlich Negative der Resultate dieser Arbeit ent-
gangen ist. Dass starke Ströme gefährlich sind, hat St. aus-
drücklich hervorgehoben und die Stärke des intermittirenden Stro-
mes, welche ohne Nachtheil verwendet werden kann, genau ange-
geben. Der Ref.) Fr» Steiner (Wien.)
OnimiiB, Craxnpes des employ6s au t^ögraphe.
(Gai. m^d. 1875. No. 15. p. 175.)
Der mitgetheilte Fall von Fingerkrampf betrifft einen seit 19 Jahren
bei der Telegraphie (Mo r s e'sches System) angestellten Beamten, bei dem
sich als erstes Symptom des beginnenden Uebels die Schwierigkeit be-
merkbar machte, eine Reihe von Funkten zu telegraphiren. Diejeni-
gen Buchstaben, die mit einem Strich beginnen (d), wiirden dem
Patienten leichter, als die mit einem oder mehreren Punkten binnen-'
den (s, i, v). Nach allmäliger Zunahme des Uebels arbeitete Pat.
allein mit dem Daumen. Nach Verlauf von 2 Jahren wurde auch
dieser vom Krampf ergriffen, und der Kranke benutzte nun der Reihe
nach den Zeige- und Mittelfinger, endlich den Daumenballen, Auch
410 Centralblatt far Chirurgie. No. 26.
hierbei stellten sich nach einiger Zeit clonische Krämpfe des Vorder-
anns ein^ die sich bei grösserer Anstrengung auf den ganzen Arm
und sogar das Bein der betreffenden Seite fortsetzten, wozu sich noch
Nackenschmerzen und bisweilen Schwindel und Schlaflosigkeit ein-
stellten. — Zur Vermeidung des, wie es scheint, nicht seltenen Uebels
empfiehlt O. im Gebrauch des Morse*schen und des Hugh'schen
Systems abzuwechsehi. O.ToUanaim (Halle).
Habe. Zur endgültigen Heilung der Brüche am oberen Ende
des Oberschenkelknochens.
(Zeitschrift für Anatomie und Entwickelungsgeschichte von His und Braune^
Bd. I. p. 121.J
Das von R. beschriebene Präparat stammt von der linken
Beckenhälfte eines muskelstarken Mannes und wurde auf der Leip-
ziger anatomischen Anstalt vorgefunden; über die Geschichte dessel-
bau war nichts zu eruiren. Die Veränderungen an dem Präparate,
nach einem vor Jahren erlittenen Bruche durch beide Trochanteren
mit Einkeilung ^ ergaben eine Architectur der Bruchstelle im Sinne
einer Wiederherstellung der alten Bogensysteme an Stelle des ur-
sprünglichen CaUus. In den entfernteren Theilen fisind sich eine
tiefgreifende Umänderung der tragenden Bestandtheile durch Verstär-
kung oder Atrophie entsprechend der durch die Fractur veränderten
Lage und Inanspruchnahme; im Widerspruche zu Wolff zeigt das
Präparat, dass eine Veränderung in der Richtung der Bälkcheneüge,
soweit sie nicht bei dem Bruche zerstört sind, zu einer genauen Wie-
derherstellung der ursprünglichen Systeme für die Gebrauchsfähigkeit
des geheilten Beins nicht nothwendig ist.
Die Photographien und die Präparatbeschreibung müssen im Ori-
ginal nachgesehen werden. Baoke (Halle).
A. Berndt« Zur Behandlung einfacher Oberschenkelfiracturen.
Inaug.-DisB. Breslau. 1B74.
B. hat ein Material von 61 einfachen Oberschenkelfractiiren,
welche in 10 Jahren in der chirurgischen Klinik zu Breslau behan-
delt wurden^ zu einer vergleichenden Zusammenstellung über die
Resultate der verschiedenen Behandlungsmethoden be-
nutzt. Es waren 20 Falle ausschliesslich durch Lagerung
auf ein Planum inclinatum duplex behandelt; sie ergaben
l) eine Consolidationszeit zwischen 4—8 Wochen, im Durch-
schnitt 6 Wochen; 2) eine Behandlungsdauer zwischen 4—48
Wochen, im Durchschnitt 10 Wochen und 3) in den genau ange-
gebenen Fällen keine Verkürzung 3 Mal, nicht über Y2" ^ ^!^>
zwischen V2-— 1" S Mal, über^ T 3 Mal. Der Gypsverband ergab
in 13 ausschliesslich so behandelten Fällen ad 1. 3 — 9 Wochen» im
Durchschnitt auch etwa 6 Wochen, ad 2. 6 — 16 Wochen, imDuxch-
schnitt gleichfalls 10 Wochen und ad 3. in den genau nodrten Fällen
Centralblatt ftlr Chinugie. No. 26.
411
keine Verkiirziing 2 Mal^ nicht über ^j^ 3 Mal^ zwischen Vi^^'
2 Mal^ über 1" 1 Mal. — Mit der permanenten Extension
wnrden ebenfalls 13 Fälle behandelt; von diesen Fällen fehlen über
Punkt 1 die Angaben^ ad 2. schwankt die Zeit zwischen 3—19 Wo»
chen^ im Durchschnitt 7 Wochen, ad 3. unmerklich in 5 Fällen,
nicht über Vj" in 2 Fällen, zwischen V2— 1" in 1 Fall, über 1" in
2 Fällen, in 3 Fällen fehlen die Angaben. Ausserdem wurden 15
Fälle durch Combination verschiedener Methoden behandelt, auf deren
Besultate wir hier nicht näher eingehen. Ol^leich Verf. selbst aus
der kleinen Statistik keine Schlüsse ziehen will, heben wir die in
Betreff der Behandlungsdauer günstigen Resultate der Extensions-
Methode hervor (3 Wochen im Durchschnitt weniger, als bei den an-
deren Methoden). , Haas [Breslau).
M. Thomas« The results of amputations performed in the
Glasgow royal infirmary during twenty five years.
(Glasgow med. Journal 1875. April.)
In dem Glasgower Krankenhaus wurden in den 25 Jahren von
1849—1874 1412 grössere Amputationen ausgeführt. Davon starben
im Granzen 452 =3 32^1 X* 1^^® Mortalität der primären Amputationen
betrug 36^5^, der secundären 51,7^^ der pathologischen 2\,%fi.
Die Resultate der Haupt -Amputationen ergiebt folgende XJeber-
sicht :
Primftr
Summ»
TodetflUle
Secun dar
Snmma TodaafUle
Pathologisch
Summ«
Todwfille
Oberschenkel
Untenchenkel
Oberarm
Vorderarm
118
109
134
112
52,50/0
44,9
33,5
11,6
42
50
22
21
76
58
31,8
28,9
Vo
204
83
30
21
30,8o/o
22,9
16,6
4,7
Selildel (Berlin).
Hao Cormac. Cases of knee-joint excision. (St. Thomas'
hospital.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Mai 1. p. 464.)
M. C. operirt operirt bei Kniegelenkresection mit vorderem Bo-
genschnitt^ sägt von der Patella^ bei nicht zu intensiver Erkrankung
derselben, nur die Gelenkfläche ab ; alle erkrankten Weichtheile wer-
den sorgfältigst mit Messer und Scheere entfernt ; die Nachbehandlung
findet auf einer modificirten Schiene — von ÄFIntyre — nur in eini-
gen Fällen im Gipsverband statt. Die Schiene wird die ersten 6 Wo-
chen nicht gewechselt, bis zur beginnenden Consolidation. Die Es-
march'sche Compression wird nicht «angewandt.
1) 4jährige8 Mädchen mit angebrochenem Tumor albus des rech-
ten Knies. Resection mit Entfernung der Patella. Rasche Heilung^
keine knöcherne Vereinigung, so dass die Neigung zur Flexion durch
41i Centralblatt fttr Chirurgie. No. 26.
eine Lederkappe bekämpft werden musste. i 1 Monate nach der Ope-
ration gehend entlassen.
2) 2 2 jähriges Mädchen^ mit seit 4 Jahren bestehender Erkrankung
des rechten Kniegelenks. Resection mit Erhaltung der Fatella.
Sequester des Tibiakopfes wird vorgefunden. Tod 10 Tage später
an »acute double pneumoniae. Sectionsbefiind fehlt.
3) 12jähriges Mädchen^ mit seit 8 Jahren nach einem Fall ent-
standener Entzündung des linken Kniegelenks. Resection mit Erhal-
tung der Patella. In 4 Wochen Heilung der Operationswunde^ dann
Abscedirungen in ihrem vorderen Theile. Sechs Wochen nach der
Operation wird feste Vereinigung der Ejiochen constatirt. Im
4. Monat nach der Operation mit bestehenden Fisteln gehend ent-
lassen.
4] 21jähriges Mädchen; von Solly im Februar 1865 resecirt^
hat bisher das Bein nicht gebrauchen können. Grosse Ansahl Fisteln^
kein biossliegender Knochen. Verkürzung 2^4 Zoll, betrifft vorwie-
gend die Tibia; Atrophie des ganzen Beines, Fuss in äusserster
Equinusstellung fixirt. Kein Eiweiss im ITrin, Lungen gesund. Nach
der Tenotomie der Achillessehne Verbesserung der Fu^sstellung, unter
einfacher Behandlung Heilung der Fisteln. Fat. beginnt mit hoher
Sohle zu gehen, (lieber Winkelstellung im Knie wird nichts be-
richtet.)
5) 14jähriger Knabe, 4 jähriges, linksseitiges Kniegelenkleiden;
grosser Eitererguss. Resection am 24. Juni 1874 mit Entfernung
der Patella. Gipsverband. Nach 6 Wochen leidlich feste Vereinigung
constatirt. Fat. geht zur Zeit, die Operationsnarbe ist oberflächlich
ulcerirt.
6) 20 jähriger Mann, seit 3 Jahren behandelt; Kräftezustand
schlecht. Ossale Form der Entzündung des (welches?) Knies. Resection,
Gipsverband. Eingriff wird gut vertragen, nach 6 Wochen feste Ver-
einigung schon eingetreten. Mit Fisteln, nicht gehend entlassen.
Jetzt manifeste Lungentuberkulose.
Die Wundbehandlung M. C.'s wird nicht weiter angegeben.
Bänke (HaUe).
Teevan. Subeutaneous urethrotomy. (Clin, society. 8. Jan.)
(Med. lim. and gaz. 1875. Jan. 23. p. 103.)
T. hat vor einem Monat nach amerikanischem Vorgange eine
Strictur auf einem Itinerarium mit einem vom Perineum aus einge-
stochenen Tenotom getrennt. Die von T. für England in Anspruch
genommene Priorität fiir die Einführung dieser Methode wird von
Hulke Fergusson vindicirt. Der benutzte gerinnte Katheter
soll, vor der Operation den Urin abfliessen lassend, beweisen, dass man
wirklich auf ein in der Harnröhre befindliches Instrument einschnei-
det. T. glaubt, die Operation sei weniger gefährlich als die äussere
Urethrotomie. Bänke (Halle}.
Centralblatt für Chinirgie. No. 26. 413
Kleinere Mittheilungen.
L. Papillaud. Observation de t^tanos gu6ri par le chloral.
(Gaz. m6d. 1875. No. 15. p. 176.)
Ein 20jähriger Eisenbahnarbeiter wird nach einer starken Quetschung des
-N'agelgliedes eines Fingers von einer Steifigkeit des ganzen Körpers namentlich
aber der Kaumuskeln befallen, zu der sich bald heftige Krampfanf&lle gesellen.
Von einer Chlorallösung (S: 200} wird stündlich ein Esslöffel bis zum Aufhören
der Krämpfe verabreicht. Nachdem der Kranke im Ganzen 72 Gramm Chloral ver-
braucht hat, ist er nach Verlauf von 22 Tagen bis auf eine gewisse Steifigkeit des lin-
ken Arms vollständig wieder hergestellt. — P. glaubt, dass die innerliche Anwendung
des Chlorals in allen Fällen ausreicht und verwirft die intravenösen Injectionen
desselben. 0« Yolkmann (Halle).
Amuflsat. Sonde k dard.
(Revue de th^rapeutique m^dico-chirurgicale 1S75. No. 5.)
In einer Anzahl von Fällen, in welchen ein Prostataabscess in die Urethra
prominirte, dessen Fluctualion wahrgenommen werden konnte (wie? Ref.), bediente
sich A. eines 1843 nach seiner Angabe von Charriöre construirten Instrumentes,
von der Form eines gewöhnlichen Katheters, welches bei Druck auf einen Knopf
des Hi^dgriffes eine zweischneidige Klinge aus dem offenen, abgerundeten £nd-
atOck in der Axe des letzteren hervorspringen und beim Nachlassen des Druckes
wieder zurückschnellen lässt. Bnppreeht (Halle).
F. Fodt. Attaque d'hystirie cbez iin homme^ trait^e et guerie par
la compression des testicules.
(Gaz. hebdom. 1874. No. 50.)
F. beschreibt einen heftigen Anfall von Convulsionen mit vollkommenem
Schwinden des Bewusstseins bei einem Manne. F. comprimirte, im Momente dai
hochgradigsten Steigerung dieser Zustände, lebhaft die Hoden des Patienten, worauf
nach Ablauf von weniger als 1 Minute der Anfall vollständig schwand , bis auf eine
Art von Betäubung, die etwa noch 1 Stunde anhielt. Patient hatte schon früher
derartige Anfälle wiederholt gehabt, diesmal war er den Tag vor dem Anfalle
durch Etwas sehr erregt worden, worauf ein fixer Schmerz in der linken Schläfe
sich einstellte. Gähnen und grosse Müdigkeit gingen dem Anfalle voran.
F. meint, das Verschwinden des Anfalles komme im obigen Falle auf Rech-
nung des Schmerzes (durch die Hodencompresaion). Fr* 8teiner (Wien).
Bivington« Pulsating tumour of the orbita. (Roy. med. and chir. society.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Mai 1. p. 484.)
Historisch -kritische Besprechung der seltenen, pulsirenden Orbitalgeschwülste,
gestützt auf 62 gesammelte Fälle. Der von R. beobachtete Kranke hatte eine
Schädelfractur erlitten; 6 Wochen später Entwickelung der Geschwulst, welche
nach den verschiedensten Heilversuchen durch Ligatur der Carotis beseitigt wurde.
Bänke (Halle).
8. FoUak« lieber das epidemische Vorkommen der Parotitis.
(Wiener med. Presse 1875. No. 12.)
P. berichtet über eine epidemisch in Tyrnau aufgetretene idiopathische Paro-
titis. £s herrschte zur Zeit keine Scarlatina im Orte. Die Parotitis war durchweg
doppelseitig, betraf insbesondere Kinder und junge Leute beider Geschlechter, in
allen Schichten der Bevölkerung. Rachenkatarrh fehlte dabei ganz. Der Verlauf
war, bei einer Krankheitsdauer von 3 — 8 Tagen, stets der in Zertheilung. Die
Anwendung der Kälte und der Wärme, letztere in Form von Cataplasm. emoll.,
hatten das gleiche Basultat: es minderte sich die Empfindlichkeit und die Ent-
zündung Toim. ab.
Kurz nach dem Aufhören dieser Epidemie kamen ScarlatinafäUe vor. P. meint
darum, es Ipcalisire sich ein dem Scarlatinagift verwandtes, weniger heftig wir-
kendes Gift in den drüsigen Organen und führe zur Parotitis. Fr« Steiner (Wien).
414 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 26.
HuUlo. On a wound of the palm.
(Med. tim. and gaz. 1875. Mai 1. p. 463.)
Der klinische Vortrag H.'s soll die Nothwendigkeit der Lagerung des Armes
auf einer Schiene beweisen , wenn eine Wunde der Hand mit arterieller Blutung
complicirt gewesen , die verletzte Arterie aber nicht unterbunden werden konnte.
Der 2üjährige Patient hatte einen Messerstich durch das 4. spatium interosseum
der (welcher?) Mittelhand erhalten. Die starke Blutung stand spontan. Behand-
lung auf einer Schiene (in horizontaler Lage, da H. die Vortheile der verticalen
Suspension durch die Leichtigkeit der Verbreitung der entzündlichen Stoffe auf
den Vorderarm pandlelisirt sieht 1 ) mit sorgfältiger, aber leichter Einwickelung von
den Fingeropitzen an. Heilung ohne Zwischenfall.
Ein zweiter ähnlicher Fall bei einem Mftdchen , in derselben Weise behandelt,
veriief gleich günstig. Büke (Halle).
3 Fälle von geheilten Aneurysmen.
(The Americ. Journal of med. scienc. 1875. Jan.)
1) St. Eldridge. Aneurysma der Femoralis über dem Abgang der Profunda;
Heilung durch fordrte Flexion.
Traumatiaohes Aneurysma, entstanden durch das Auffallen eines schweren
Balkens auf die Leistengegend. Da Fat. jede blutige Operation verweigerte, wurde
die forcirte Flexion versucht. Während der ersten 5 Tage Bandagiren de« Ober^
schenkeis gegen den Rumpf bis zur ftussersten Grenze des Ertrftgliehen. Nur 1
Stunde täglich wird die Binde gelöst, damit die Anschwellung des Beines nicht
allzu bedeutend werde. Der Tumor nahm während dieser Zeit nicht zu, seine Wände
wurden fester. Einer Fortsetzung dieser Behandlung widersetzte sich Fat. entschie-
den und suchte des Nachts die Bandagen zu entfernen. Es wurde daher von einer so
hochgradigen Flexion abgesehen und das Bein in erträglicher Beugestellung mittelst
Gurten g^^n eine fest den Thorax umschliessende Jacke angezogen. Die befestigen-
den Kupferdrähte waren an ihren zusammengedrehten Enden mit einem Siegel ver^
sehen (!) In dieser Lage verharrte Fat. continuirlich 15 Tage. Nach Abnahme
der Bandagen zeigt sich der Tumor vollkommen hart, jede Pulsation war ver-
schwunden, der Umfang hatte entschieden abgenommen. Eine leichte Steifigkeit
im Hüftgelenk verschwand in kurzer Zeit durch passive Bewegungen. 6 Monate
nachher sah Verf. den Fat. Die Heilung war vollkommen.
2) B. Bartow. Aneurysma der Femoralis; anfangs Compreesion, dann Ligatur
der Art. Iliac. Heilung.
Auch hier handelt es sich wahrscheinlich um ein traumatisches Aneurysma.
Der 36jähr. Fat. war Dampfkesselschmied und hatte beim Kesselnieten die Eisen-
stange gehalten, gegen welche die Nieten platt geschlagen werden. Um diese
Stange fest zu halten, hatte er sie häufig gegen den Oberschenkel gestemmt und
so die ganze Erschütterung der Hammerschläge auf denselben übertragen.
Die Geschwulst war langsam entstanden und im Verlaufe von 5 Monaten zur
Grösse einer doppelten Mannsfaust herangewachsen. Sie sass ungefähr 4 Zoll un-
terhalb des Ligam. Poupart. Da Fat. durch Schmerzen und Schlaflosigkeit ziem-
lich entkräftet war, so entschloss man sich zunächst nicht zur Unterbindung, ver-
suchte vielmehr die centrale Gompression.
Eine distündtge Digital-Compression hatte nur geringen Erfolg; die Fort-
setzung musste wegen Mangel an Assistenz aufgegeben werden. Nicht viel mehr
wurde durch die Gompression mittelst eines eigens construirten Gompressoriums
(dem Es march 'sehen Aortencompressorium ähnlich) erreicht.
3 Wochen nach der Aufbahme schritt man daher zur Unterbindung der Iliaca
etc. Bereits 2 Tage nachher hatte sich der Tumor um 4 Zoll im Umfitng ver^
kleinert. 5 Wochen nach der Operation konnte Fat. ausser Bett sein. Die Ge-
schwulst verkleinerte sich mehr und mehr und wurde härter. Bei der Entlassung
57f Monate nach der Operation, hatte sie nunmehr die Grösse und Form des
Hutes eines mitteigrossen Filzes.
Gentralblatt fOr GhiniTgie. No. 26. 415
3) Tb. üathewB. Anearysma der Aorta abdominalia erfolgreich mit Jodkalium
behandelt
3Sjfthr. Frau litt an einem Aneurysma der Aorta abdom., welches sich vom
Stemum bis lum Nabel hin erstreckte. Durch die Erfolge von Dr. Balfoor
(The Americ. Journal of med. scienc. April 1874) ermuntert, gab Verf. in je 24
Stunden 4 mal 15 gran. Kalium jodat. Obwohl diese grossen Dosen anfänglich
den Magen etwas irritirten, b^ann Pat. sich alsbald sehr viel wohler su fohlen.
Nach 5 monatiieher Behandlung constatirt der Verf. folgenden Erfolg: während
Yor Beginn der Kur Pat. stets su Bett lag und ohne Morphium nicht schlafen
konnte, geht sie jetzt umher, fthrt aus, reitet selbst, und schläft ohne jegliches
Soporificum. Die aneurysmatischen Geräusche fraher so deutücfa, sind fast gani
venehwunden, die Geschwulst ist swar noch in fohlen aber sehr viel kleiner als
fraher. LOMen (Heidelberg).
Spokeel. Fhlegmon de la fosse iliaque. — Caries multiples. — Tu-
berculose miliaire aigue. ~ Symptdmes de dyssenterie.
(Progris m^dical 1875. No. 5.)
Der bei einem vorher gesunden 22j. Soldaten (in Folge einer Perityphlitis?)
sich entwickelnde Abscess wurde unter dem Arcus cruralis geöffnet. Eine Zeit
lang schien eine Communication swischen dem Eiterheerde und dem Darm su be-
«tehen, indem aus der Incisionsöffnung und aus dem After die gleiche Flüssig-
keit (Koth und Eiter gemischt) abging. Bei der Section war am Darm Nichts
von einer stattgehabten Perforation su entdecken. Petersen (Kiel).
Fouoras. Hernie diaphragmatique immense.
(Gas. des HopiUux 1875. No. 37.)
F. fand bei einem 32j. Gutsbesitzer, der ihn wegen Magen- und Verdauungs-
beschwerden consultirte, eine gani colossale linksseitige Hemia diaphragmatica.
Die linke Lunge war bis über die 4. Eippe, das Hers nach der rechten Seite
▼erdrängt. Den ganzen unteren Theil des Thoraxraumes füllte der Magen und
andere Baucheingeweide aus. Auf die Diagnose führte einmal die Anamnese und
dann ein eigenthümlich plätscherndes, glucksendes Geräusch, welches bei der
Succussion und bei jeder lebhafteren Bewegung von dem Pat. sowohl, wie von dem
Untersucher deutlich wahrgenommen wurde. Die Lunge war normal, firüher nie
erkrankt gewesen. Pat. erzählte mit aller Bestimmtheit, dass er dies Geräusch
erst bemerkt habe, seit ihm vor ca. 10 Jahren ein schwerer Baumstamm auf den
Rücken gefallen sei. Als Spuren dieser Verletzung Hess sich eine winklig geheilte
Fractur des 3. Lendenwirbels und beiderseitige Subluxation der Sacro-Iliacal.
Synchondrosen noch nachweisen. Nach langem Krankenlager hatte er sich soweit
erholt, dass er selbst schwere Feldarbeiten wieder verrichten konnte, lieber Ver-
dauungsstörungen klagte er erst seit einigen Monaten. Trotz der ärztlichen Be-
handlung verschlechterte sich sein Zustand sehr erheblich, er magerte ab, wurde
schwächer und starb ganz plötzlich an einer Magenblutung. Bei der Section fand
sieh im Abdomen nur ein kleiner Theil der Intestina ; der Magen bis zum Pylorus,
ein Theil der Därme und die Milz lagen in der linken Brusthöhle, die mit der
Bauchhöhle eine grosse, gemeinschaftliche Höhle bildete. Von der linken Hälfte
des Zwerchfells waren nur kleine, der Basis des Thorax adhärirende Reste übrig.
Da das Duodenum an der rechten Seite durch seine Ligamente fixirt war, konnte
es dem Zug des dislocirten Magens nicht genügend folgen und zog sich straff
gespannt gegen den Pylorus hin ; in seinem oberen Theil sass ein 5 frankgrosses
Geschwür, welches in der Mitte perforirt und jedenfalls su tödtlicher Blutung
geführt hatte. Eine genauere Untersuchung des Präparats (ob carcinomatöses
Geschwür?) konnte nicht vorgenommen werden. Schftdel (Berlin).
J. Hofmokl. Ueber Callusbildung.
(Wiener Medicinische Jahrbücher 1874.)
H. studirte die Callusentwickelung an Thieren (Kaninchen, Ratten, Katzen)
und an Menschen.
416 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 26.
Beiilglich der phyviologischen Entwickelnng des normalen Knocken»
hebt H. henror:
1) Die bei der Entwicklung des Knochens aus den ELnorpeUellen entstehenden
Markzellen tragen in ihrer weiteren Metamorphose zur Knochenbiidung bei.
2) Die Knorpelzellhöhlen sammt ihrem Inhalte werden zu Markrftomen.
3) Die primäre Ablagerung der Knochenerde an den ersten Verkalkungsponcten
erfolgt ohne deutlich ausgesprochene Gefitesentwickelung.
4) Die Büdung des endochondralen Knochens erfolgt nur wenig firüher, als
die periostale.
Die normale Bildung des Callus geschieht histologisch nach dem Sdiema
der physiologlsdien Knochenentwickelung. Wie bereits bekannt partidpiren Pe*
riosty Knochenmark, Knochen und die benachbarten Weiohtheile an der Galloa-
bilduog und zwar im Anfang besonders das Periost, während im späteren Stadium
der Knochen vorzugsweise in den Yordeigrund tritt. Der perioÄalen Knochen-
büdung geht starke Gef&ssneubildung mit Verkalkung des neugebildeten Knorpels
voraus. Die Knochenzellen nehmen an der Callusbildung wesentliehen AntheU,
indem sie sich vergrössem, vermehren und so primäre Markräume mit Biarksellen
bilden. Die Knochenbildung geht stets vom Bande eines Markraumes aus, gleich-
viel ob er eine Geftssschlinge besitzt, oder nicht
Bezüglich der Ausdehnung des Periostcallus ist zu bemerken, dass derselbe
gewöhnlich von der Bruchstelle an weiter reicht, als der Markeallus.
TfHmaiiBfi (Leipzig).
Derselbe. Lithiasis. — Carcin. medulläre penis.
(Wiener med. Presse 1875. No. 15.)
H. eotfemte bei einem 76jährigen Patienten einen ziemlich grossen hamsauren
Stein durch die Lithotomie nach Thom. Teale. Stumpfe Dilatation des Sphincters
und der Prostata. Leichte Extraction. Heilung ohne Zwischenfiüle.
An einem 52jährigen, seit seiner Jugend mit Phimose behaftet gewesenen
Patienten entfernte H. ein seit etwa ^U Jahren bestehendes Carcinom des Penis
mit dem Messer. Die Anlegung der Esmarch' sehen Schlinge verhinderte eine
stärkere Blutung. Rasches, continuirliches Recidiv. Die zweite Operation, gal-
vanocaustisch ausgeftthrt, hatte am zehnten Tage darnach Pyämie zur Folge und
Exit. lethalis. Fr. Steiner (Wien).
Calmeil. Hypertrophie de la l^vre anterieure du col utirin.
(Stonce de la soci^t^ de Chirurgie 1874. Dec. 16.)
C. fand bei einer eben gebärenden Frau einen fleiichigen, weichen Tumor in
der Scheide; darüber lag der Kopf des Foetus. Die Entbindung des letzteren
erfolgte rasch; es blieb aber ein kindskopi^osser Tumor in der Scheide zurQck,
mit einem dicken, zum Uterus hin sich fortsetzenden Stile. C. entfernte in wieder-
holten Sitzungen den Tumor sammt dem Stiele durch Abbinden mit starken Fäden und
dem SchlingenschnOrer. Auf dem Durchschnitte zeigte sich der Tumor als solide Maaae,
von Schleimhaut überzogen, die dem unterliegenden Gewebe fest adhänrte^ ein
stark vaskularisirtes Fibrom. Das lab. uterin., wo er sich inserirte, war geschwollen.
Blot hält den Tumor für eine hypertrophirte und oedematöse vordere Mutter*
mundslippe. In einem Falle sah er bei einer Gebärenden auch einen solchen Tumor
in der Scheide, der aber sodann allmälig atrophirte, so dass 1 Monat nach der
Entbindung nichts mehr von ihm da war. Bl. meint, C. hätte auch in seinem Falle
zuwarten sollen , da überdies Operationen in der Puerperalperiode gefährlich seien.
Verneuil theilt Blot 's Ansicht; er sah den angeblichen Polypen, der sicherlich
kein solcher war. Bei der Section einer während des Gebarens verstorbenen Frau,
fand er einmal einen enormen derartigen Tumor, ebenfalls eine Hypertrophie der
vorderen Muttermundslippe darstellend. Fr« Stelner (Wien).
Originalmittliellnngen, Monographieen und Separatabdrücke woJle
man an Dr. H. liUmafUU, Leipzig, Karienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlung,
BreUkopf vni HärtäLj einsenden.
Drael vad Verlag von Br«it1iopf and Hirtel ia L«iptig.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herftttsgegeben
Ton
Dr. L. Lesser, Dr. IL Mele, Dr. H. TUlBaim
iB Berlin. in Halle a. 8. in Leipsig.
^-.^■w^- ■v» \ ■* ^
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nnmmer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjfthriger Pr&-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Fostanstalten.
N^ 27. SonnalMsnd, den 3. JaU. 1875.
Inlialt; ROMr, Zur Lehie von den GranolatioDskr&nkheiten. (Orlglnal-Mittheilang.)
IforMClliloffy VerUuf der motorlsohen und sensiblen Bahnen durch das Lenden-
mark des Kaninchen. — BrodOWSki, Ursprung der Riesen zellen und Tuberkel . —
Hirschberg, Mathematische Grundlagen der medicinlschen Statistik. — Blldin, Coyne,
Verhalten der Pupille während der Chloroformnarcose. — London, Lepra. — Eborth,
Bacterien. — DospriSf Metastatische Abscesse. — Kochor, Analogleen von Schulter-
und HQftgelenksluxationen. — Lefort, Verband für Patellaftacturen. — Thonij^n^ Hun-
dert Steinoperationen. — Zahn, Praeputialsteine.
Olononn, Hauttransplantationen. — Laiiront, Aneurysmen als CompHcation von Frac-
tnren. — Jourdin, Miquoh Ghloral. — Conrad, Aetiologie der congenitalen Gelenk-
diffoimitäten. — Lotzorich, Diphtherie der Impfwunden. -^ Knapp, Tumoren. — Fuck,
Angeborene Trennung der Speiseröhre. — Bacholdor, MamiUitis. — Toalo, Exploration
der Bauchhöhle bei Darmyerschlüssen.
Zur Lehre von den Granulationskrankheiten.
Von
Prof. W. Roser in Marburg.
Bei der sogenannten Narbenzusammenziehung sind zwei wichtige
Erscheinungen wohl zu unterscheiden^ die atrophische Verdichtung
des jungen Bindegewebes^ wodurch die Hautränder angezogen
werden^ und die Atrophie der oberflächlichen Capillar-Gefässe^
welche beim Heilen zum völligen Schwund gelangen. Diese beiden
Atrophie-Processe müssen einander entsprechen^ sie müssen parallel
mit einander verlaufen ^ wenn die Vernarbung ihren regelmässigen
Gang gehen soll. Entsprechen die beiden Atrophie-Processe einan-
der nichts so ist der Heilungsprocess mehr oder weniger gestört.
Tritt z. B. die Verdichtung und Schrumpfung des jungen Binde-
gewebes verhältnissweise früher und in grösserem Umfang auf^ als
die Atrophie der obersten Capillarschicht, so kann eine ganze Reihe
von Störungen daraus hervorgehen^ namentlich kann die Blutzufuhr
27
418 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 27.
und Blutrückfuhr in den Granulations-Capillareii dadurch leiden und
es kann somit eine Stase oder Anämie^ Ischämie, Atrophie^ Nekrose
u. s. w. der Granulations-Capillaren hierdurch bedingt sein.
Wohl die auffallendste unter diesen Erscheiiiimg^i ist die durch
Narben zusammen Ziehung verursachte Granulations—
Nekrose. Seit vielen Jahren bin ich gewohnt, diese Art von Gra—
nulationszerstörung unter dem Namen »gutartiger Granulationsbrandc
klinisch zu demonstriren. Die Gelegenheit dazu kommt wohl jeden
Monat einmal vor. Wichtig ist zwar die Sache nur in sofern^ als
leicht eine falsche Diagnose^ z. B. auf Nosokomial-Gangrän» dabei
gemacht werden kann, aber sehr interessant war mir immer die
Aetiologie, sofern sich kaum daran zweifeln lässt, dass bei den.
Fällen dieser Art eine Sohnunpfkng der jungen Bindegewebeschicht,
welche hinter den eigentlichen Granulationen liegt, den Granulations-
capillaren die Zufuhr abschneidet und sie dadurch zum Absterben bringt.
Die Erscheinungen sind folgende: eine Wunde, die im besten
Heilen begriffen ist, z. B. eine im Verkleinern begriffene Wunde
nach Amputation der Brust, zeigt auf einmal missfarbene Stellen an
der Granulationsfläche ; eine graugelbliche oder bräunliche auch wohl
dunkelbraune Entfärbung geht dem Zerfall der betroffien^i GiKmula-
tionstheile voraus; nach ein paar Tagen sind die kranken Granula-
tionstheile verschwunden, der Detritus derselben ist mit dem Eiter
weggegangen, neue Graaulationen wachsen nach, die Heilung schreitet
weiter und die anfangs gefährlich aussehende Erscheinung ist ohne
alle unangenehme Folgen, ohne Fieber, ohne Schmerz, ohne SehcUlen
vorübergegangen.
Da diese Art der Granulationsgangrän nur im Stadium der Ver-
Schrumpfung einer granulixenden Wunde beobachtet wird und da
auoh die Erscheinungen keine andern sind, als man sie bei aitfge-
hobener Blutzufuhr erwarten kann, so scheint mir die Theorie voll-
kommen gerechtfertigt, wonach eine Zusammensclmämng der Gefasse,
welche durch das schrumpfende Bindegewebe zu den Granulationen hin-
gehen, als Ursache solcher Granulationsgangrän betrachtet werden muss.
Bis jetzt ist diese Art der acuten Granulationsgangrän wohl
noch nirgends asur Besprechung gekommen. Sollte Jemand von den
Fachgenossen eine andere Theorie derselben aufzustellen haben, so
wäre die Veröffentlichung derselben wohl recht wünschenswerth.
^i^
Worosebiloff. Der Verlauf der motorischen und sensiblen
Bahnen durch das Lendenmark des Kaninchen.
Mit 11 Uokschnitten mid 17 Lichtdnuiken.
(Aus dem physiologischen Institute zu Leipzig. Bericht der mAthem.-pky8iBchBn
Classe der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig 1874.)
Nach den Erfahrungen von Miescher und Nawrocki verlau-
fen sensible Fortsetasungen des n. ischiadicus innerhalb des Xioiden--
markea ausschliesslich durch die Seitenstränge zu den reflecio-
Gentralblatt lAr Cbirui^. No. 27. 419
Tischen CrefasBcentren der med. oblongata. Es bfieb zu erörtern , ob
«of demselben W^^ auch diejenigen Fasern yerlaufen^ welche Be-
fiese in den Skelei- und Hautmuskeln herrormfen. Von Dittmar
war femer bewiesen worden^ dass die verengenden Oefilssnerven dureh
die Seitenstränge aus dem verlSngerten Mark in die Torderen Nerven-
wuizeln übergehen. Auch hier fragte es sich^ ob sich alle Fasern
der vordem Wurxeln in diesen Bahnen vereint vorfinden. Um die
Beobachtungen der genannten Forscher nach der ai^egebenen Rich-
tung zu vervollständigen^ hat Verf. unter Ludwig' s Leitung aus-
gedehnte Untersuchungen angestellt. —
Es wurden 2 verschiedene Wege der Untersuchung eingeschla-
gen. AnjREmgB wandte W. eine unvollkommene Veigiftnng der Ka-
ninchen durch Ourare an; während des Höhestadiums derselben^ wo
das Thier eine äusserst geringe Beweglichkeit besass, wurde dann die
Duichschneidung des Markes ausgeführt. War diese geschehen und
die Wunde verrat, so wurde die künstEche Athmung so lange fort-
gesetxt, bis das Thier wieder seine volle Beweglichkeit erlangt hatte ;
bei schwacher Vergiftung sind hiersm mindestens 2 Stunden noth-
wendig. Da aber bei dieeem Verfahren bald die Muskeln der Ex-
tremitäten, bald aueh die des Bumpfes auch nach scheinbar vollkom-
mener Wiederkehr der Beweglichkeit in ein Zittern gerathen und
hierdurch die Erfolge der Reizung mit mancherlei Unsicherheiten
behaftet sind, so operirte Verf. schliesslich nur an unvergifteten
Thieren, deren unterster Brust^ und oberster^ Lendenwiibel mittelst
swei an einem Stativ befestigter Zangen (cf. Original) fixirl war. Ein
sehr sinnreicher Apparat mit Schutzmessem (cf. Original) eiiaubte
mit grosser Genauigkeit das Mark an einer bestimmten Stelle und
Iris SU einer bestimmten Grenze su aerstören, nadidem mittelst
eines kleinen Trepans und einer feinen Knochenzange der Wirbel-
bogen entfernt und die harte Hirnhaut mit einem feinen, sehorfen
Messer durchschnitten war. —
Nach sorgfaltiger Verschliessung der Wunde durch die Naht
wurden entweder sogleich oder aueh nach I Stunde functionelle Prü-
fungen am Thiere vorgenommen. Zur Bnmttelung der ncKib vor-
handenen Leitungsfahigkeit bediente sich W. der Erregung sensibleF
Flächen unter Beobachtung der hierdurch ausgelösten Bewegungen,
üemer des Verhaltens der Gliedmassea beim Sitzen imd Laufen und
«sdlich jener Bewegungen, welche am Körper, namenüich aber in den
Beinen eiAtmten, während das unter dem Oalamus sciiptorius durch-
schnittene Mark tetanisch gereizt wurde. Als Reizmittel diente der
Induetionsstrom und der Druck mit den Fingern. — Nach dem Tode
des Versuchsthieres wurde ein gröeseres Stück des Marks oberhalb
und unterhalb der opmrten Stelle exstirpirt, in Alkohol und 2®/p
chsoms. Ammoniak gehärtet, in Paraffin eingebettet und nach makro*
skopischer Untersuchung von demjenigen Schnitt eine photographische
AüÄiahme bei etwa £5facher Vergrossemng gemacht, an welchem
sieh die geringste Masse des Marks erbalten zeigte. —
27»
420 Centralblatt für Chirurgie. No. 27.
Verf. kam zu folgenden höchst interessanten Resultaten:
I. Die weissen Hinter- und Yorderstränge und die
ganze graue Masse können quer durchschnitten werden,
ohne dass eine sichtbare Alteration in dem reflectori-
schen Zusammenhange zwischen der unteren und der
oberen Körpermasse^ oder eine Störung im Sitzen^ Lau-
fen und Springen eintritt (Taf. I — V). Somit sind in den
weissen Hinter- und Yordersträngen; ebenso wie in der
grauen Masse keine Leitungsbahnen enthalten, welche
den functionellen Zusammenhang des Hirnes mit den
aus dem Rückenmark entspringenden Nerven bedingen.
— Im Gegensatz zu den langen — den Him-Riickenmaiksbahnen —
enthalten jene Theile dagegen kurze Yerbindungswege,
durch welche die einzelnen in nächster Nähe von einan*
der entsptingenden Nervenwurzeln mit einander ver-
knüpft sind. Denn wenn man Durchschneidungen der hinteren
und vorderen weissen Stränge im Bereich der unteren Lendenwirbel
vomimmtj so hört die Bewegung der Beine ganz auf. —
IL Dass in der That in den Seitensträngen die sen-
sibeln und motorischen Bahnen von den Wurzeln aus
zum Hirn emporsteigen und dass der Seitenstrang einer
jeden Markhälfte Reflex und Bewegung erzeugende (sen-
sible und motorische) Fasern für beide Beine führt, dafür
sprechen die weiteren Beobachtungen, welche sich fanden, wenn alle
Theile des Markes mit Ausnahme des weitaus grössten
Theiles eines der beiden Seitenstränge zerstört wurden
(cf. Original). —
HL Bezüglich der Anordnung der motorischen und sensiblen
Bahnen hat Yerf. festgestellt^ dass in allen Theilen des Seiten-
stranges neben den sensiblen auch motorishe Bahnen
anzutreffen sind. Beide sind also, soweit die Zerglie-
derung des Seitenstranges ein Urtheil gestattete, durch-
weg gemischt vorhanden. — Sensible und motorische Fasern
für die beiden Beine sind in jedem einzelnen der beiden Sehenstrange
vorhanden. —
Bezüglich des Yerlaufs der sensiblen Fasern ist zu bemerken,
dass in dem ungleichnamigen Seitenstrang Fasern verlaufen, welche
die Muskeln des Yorderkörpers zu stärkeren Reflexen veranlassen, als
diejenigen, welche im gleichnamigen Seitenstrang emporsteigen (ge«
kreuzte Hyperaesthesie) . — Die motorischen Fasern sind ebenfalls
nicht an idlen Stellen von gleicher Leistungsfähigkeit. (Die genaue-
ren Resultate siehe im Original, p. 282 u. 285 etc.)
lY. An die letzteren Yersuchsreihen , in welchen das Mark von
hinten nach vorne zeigliedert wurde, schliessen sich nun andere an,
in welchen die Zerlegung von rechts nach links geschah. — Aus
den hier constatirten Befunden betonen wir, dass an diejenige Ab^
theilung, welche zwischen den seitlichen Hervorragungen der grauen
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 27. 421
Blasse eingeschlossen ist, sich die Befähigung knüpft, coordinirte
Bewegungen zu übertragen und die allzu grosse Empfindlichkeit der
sensiblen Nerven etwas niederzuhalten. —
Die Bahnen für die Muskeln des Unterschenkels und des Fusses
liegen weiter nach dem seitlichen ümÜEinge der Seitenstränge, die des
Oberschenkds dagegen mehr gegen die Mitte hin.
Von besonderem Interesse ist es, dass man sowohl in der Rich-
tung von vom nach hinten, als auch in der von rechts nach links
grossere Stücke des Seitenstranges entfernen kann, ohne dass die
Functionen der sensiblen und motorischen Theile des Beines leiden.
Ist die Beobachtung richtig, so muss man hiemach annehmen, dass
derselbe Muskel, oder dieselbe Hautfläche schon innerhalb des Rücken-
marks an verschiedenen Stellen ihre »Vertretung finden«.
V. Um über den anatomischen Bau der Seitenstränge Aufschluss
zu erhalten, verglich W. die Flächenmaasse der einzelnen Rücken-
marksstränge auf verschiedenen Höhen sowohl unter einander, als
auch mit dem Flächeninhalt der Wurzelquerschnitte. Es ergiebt sich,
dass die Seitenstränge von unten nach oben gerade so
wachsen, als ob sie in ihrer Masse eine gewisse Anzahl
von Fasern aus jedem neu hinzukommenden Nerven sam-
melten und dem Gehirn zuführten. —
Die Entscheidung, ob und in wie weit der Faserverlauf im
menschlichen Rückenmark mit dem des Kaninchens überein*
stimmt, muss klinischen und pathol.-anatom. Studien vorbehalten
bleiben. — TUlmanns (Leiprig).
Brodowski (Warschau). Ueber den Ursprung sogenannter
Riesenzellen und über Tuberkel im Allgemeinen.
(Virch. Archiv Bd. LXin. p. 113.)
Die Beobachtung, dass sc^en. Riesenzellen neben ausgebildeten
Capülargefassen und anderen kleinen Blutgefässen hegen, berechtigt
noch nicht dazu, sie als einfache Auswüchse derselben darzustellen,
ab entstanden in Folge der Proliferation der die Gefässwand zusammen-
setzenden Zellen. Nicht von den Wänden alter oder neuer bereits
vollkommen ausgebildeter Blutgefässe , sondern von den Keimen neuer
BlutgefiUse nimmt der grösste Theil der Riesenzellen seinen Ursprung.
Neben den sogen. Riesenzellen finden sich sowohl in Tuberkeln als
in anderen pathologischen Gebilden »kleine« Riesenzellen; in der
Reaction gegen Farbstoffe, in der Anordnung der Kerne mit jenen
übereinstimmende , an Umfang und Zartheit der Structur abweichende
Gebilde der verschiedensten Form. Zwischen beiden Arten sind die
mannigfaltigsten Uebeigangsformen bemerkbar , die Entwickelung der
Einen aus den Andern unterliegt keinem Zweifel. Der Zusammen-
hang zwischen den kleinen Riesenzellen und capillären Blutgefässen
lässt sich in Form von protoplasmatischen Brücken, deren Anfange
von den Blutgefässen aus zu injiciren gelingt, nachweisen. Die Bil-
422 Centralblatt fOr cyruTgie. No. 27.
düng der Riesenz^en ist abzuleiten von einer anormalen produo-
tiven Thätigkeit der Blutgefässe. Abnorm ist die Hypertrophie einiger
Theile der protopläsmatischen Keime 5 die BUdung einer ungewöhnlich
grossen imzahl von Kernen, abnorm der Stillstand in der weitem
Entwickelung. So erklärt sich leicht die Lagerung der zahlreichen
Kerne an der Peripherie ^ die Bildung der durchsichtigen blasen-«*
förmigen Gebilde inmitten der Zellen, die nicht selten zu beobach-
tende Anwesenheit von Blutzellen oder* Pigment. Vielleicht geben,
nebenbei auch Keime von Lymphgefässen , deren Entwickelung ron
der der Blutgefässe sieh nicht wesentlich unterscheidet; den genannten
Gebilden den Ursprung.
Verf. schlägt vor, die protoplasmatischen Gebilde, denen die Keime
neuer Blutgefässe den Ursprung geben, Angioblasten (riesenartige^
missgestaltete etc. etc.) zu nennen.
Der Tuberkel ist nach Br.'s Meinimg nur eine Modifioation des
Granulationsgewebes. Zwischen dem gewöhnlichen Grranulations*-
gewebe und den in neuester Zeit als Tuberkel bezeichneten Gebilden
besteht ein Unterschied nur darin, dass in letzteren die Stelle von
fertigen Blutgefässen mehr oder woniger missgebildete Keime der-
selben, d, h. entweder nur riesenhafte oder sogar nur netzförmige
Angioblasten, einnehmen. Das Granulationsgewebe liefert ja auch
bekanntlich den geeignetsten Boden für die Entstehung dieser Neu-
bildung. Verf. schlägt als anatomischen Namen für Tuberkel Gra-
nuloma giganto-angioblasticum vor. Der Tuberkel ist danach
als kleinheerdige Entzündung aufzufassen. Hadeluig (Bonn).
J. Hirsohberg. Die mathematischen Grundlagen der medi-
cinischen Statistik.
Leipzig, Telt & Comp., 1874. 8. 94 Seiten.
Abgesehen von der reinen Mathematik erfreuen sich unsere ge-
sammten naturwissenschaftlichen Kenntnisse nur eines mehr oder
minder hohen Grades von Wahrscheinlichkeit, die allerdings in der
Physik und Chemie mit der Gewissheit nahezu zusammenfällt. Dies
gilt namentilioh für die aus pathologischen und therapeutischen Beobach-*
tungsreihen abgeleiteten Besultate (medicinische Statistik), da hier die
Z&hlungen oder Beobachtungen, aus denen man Schlüsse ziehen will,
niemals vollständig beendigt, sondern immer nuj zu einem kleinen
Theile durchgeführt werden können, üeber diese ünvollkommenheit
hilft uns zum Theil die Wahrscheinlichkeitsrechnung hinweg. Sie
kann und soll uns zeigen, wie weit in der Medicin die Beobachtungen
auizudehnefti sind, damit die Resultate auf allgemeinere Gältigkeit
Anspruch haben , und welchen Grad von Genauigkeit die gewöhnlich
pubUcirten Beobachtungsreihen besitzen.
Auf Grund dieses Baisonnements giebt nun H. im I. Abschnitt
einen elementaren, verständlichen Abriss der Wahrscheinlich-
Centralblatt ffir Chirurgie. No. 27. 423
keitsrechnung ftir Mediciner und erörtert darin an zahlreichen
arithmetischen Beispielen die Wahrscheinlichkeit aas Gründen oder
a priori und diejenige aus Beobachtungen oder a posteriori , die ab-
solute und relative^ die einfiiche und zusammengesetzte Wahrschein-
lichkeit (mehrerer Ereignisse), und die mathematische Hoff-
nung.
Der II. Abschnitt behandelt die Grundziige der medicini-
schen Statistik und enthält den ausfuhrlichen Beweis der beiden
Hauptsfitse derselben. Der erste Satz, das Bernouilli'sche Gesetz
der grossen Zahlen, welches nach A. Fick zu den bemerkenswerihe-
sten und allgemeinsten Wahrheiten zu rechnen ist, die bis jetzt vom
menschlichen Geist mit Sicherheit erkannt sind, besagt, dass man
durch genügend oft wiederholte Versuche, wenn nur 2 Ereignisse
A und B möglich sind , die wirkliche Wahrscheinlichkeit von A inner-
halb gewisser Grensen mit einer der Sicherheit beliebig angenäherten
Wahrscheinlichkeit auf&nden kann. Der Beweis beruht auf den Eigen-
schaften des Binoms. -* Der zweite Lehrsatz lautet : Hat man in einer
grösseren Reihe von vergleichbaren Fällen statistisch ermittelt, wie
oft ein bestimmtes Ereigniss (z. B. der tödtliche Ausgang bei einer
bestinmiten Krankheit) eingetreten ist und wie oft nicht, so kann
man mittelst der durch diese Statistik gelieferten Zahlen immer den
möglichen Fehler des Beobachtungsresultate« berechnen, d. h. fest^
stellen, um wieviel sich die beobachtete Frequennahl des Ereignisses
von seiner wirklichen Chance unterscheiden kann.
Zum Schluss behandelt H. die Bchlussfolgerungen, welche
aus dem Vergleich von 2 Statistiken desselben Ereignisses mittelst deor
Wahxscheinlichkeiterechnuug sich abstrahiren lassen, und besonders
die therapeutische Statistik ^ unter Zugrundelegung eines Vergleiches
zwischen der v. Gräfe'schen Linearextraction des Staars und dem
älteren Lappenschnitt. Arn. Hiller (Berlin).
Budin et Coyne. Recherches cliniques et exp^rimentales
sur r^tat de la pupille pendant Tanesthesie chirurgicale pro^
duite par le chloroforme.
(Axüh. de Physiologie 1875. p. 61 — 101.)
Die experimentellen Untersuchungen an Hunden und die klinischen
Beobachtungen der Verf. haben zu nicht unwichtigen Resultaten ge-
führt^ die sich in folgende Puncte zusammenfassen lassen. Während
der Periode, in der noch Reactionen erfolgen^ ist die Pupille er-
weitert; ist diese Periode vorüber ^ so verengt sich die PupÜle meht
und mehr^ bleibt aber im Uebrigen auf Reize reflectorisch erregbar.
Während der tiefsten Anästhesie ist die Pupille ad maximum verengt
und absolut unbeweglich. Es besteht so eine innige Beziehung zwi-
schen der vollständigen Anästhesie und Verengerung nebst XJnbeweg-
lichkeit der Pupille , ebenso wie zwischen der Rückkehr zur Sensibi*
lität und der Erweiterung und Reflexreactionsfahigkeit der Pupille.
424 Centralblatt für Chirurgie. No. 27.
Mithin giebt das Verhalten der Pupille bei Chlorofonninhalation den
besten Anhalt für die Beurtheilung , ob tiefe Anästhesie besteht oder
nicht. Erweitert sich während der Operation die PupUle allmälig,
so ist das ein Zeichen^ dass die Anästhesie nicht genügend tief ist
und dass die Rückkehr zur Sensibilität nahe bevorsteht. Will man
daher den Fat. vollständig anästhetisch und analgetisch machen, so
muss man die Chlorofonninhalation so weit treiben, dass die Pupille
constant eng und unbeweglich bleibt. Brechbewegungen können eine
Erweiterung der Pupille erzeugen und zugleich die Anästhesie ver*
schwinden machen. Dagegen giebt der Zustand der Pupille keinen
Fingerzeig für drohende Asphyxie oder Paralyse; es überhebt daher
die Beob^htung der Pupille keineswegs von der sorgsamen Ueber-
wachung des Pulses, der Respiration und des Allgemeinzustandes^
aus deren anormalem Verhalten einzig und allein drohende ZufiQle er-
schlossen werden können. J« Mimk (Strasabuig i/B.).
London. Mittheilungen ans den Leprösen Hütten »Biut et
Massakin« in Jerusalem.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 13 u. 14.)
Verf. beschreibt einen Fall von »Lepra anaesthetica, compliciit
mit Myoatrophie und Motilitätsparalyse und nachheriger Knotenbil-
dung«. Zuerst tritt zufallig entdeckte Empfindungslosigkeit auf an
eiQzelnep Stellen^ dann zeigen sich Blasen, hirsekom- bis erbsengross,
die aufgestochen gelbe, klare Flüssigkeit entleeren; die Blasen heilen
dann glatt oder mit feiner Narbe. Furchen zwischen den Metakarpen,
Contracturen der Finger folgen, die Haare an Armen und Unterschenkeln
fallen aus, die Transpiration hört am Unterschenkel und Fuss auf. Septum
narium schivindet , in Haut von Armen , Wangen etc. entwickeln sich
Knoten, Augenbrauen fallen aus. Musculatur stellenweis staik ge-
schwunden, ebenso der Panniculus adiposus. Fingerspitzen kolbig
verdickt; am nervus ulnaris in der Gegend des Cond. intern, zwei Ver-
dickungen zu fühlen. Oberhaut an Fuss und Unterschenkel wegen
Sclerosirung des Unterhautgewebes wenig verschiebbar. Entwiclelungs-
dauer der Krankheit vier Jahre. — In anderen Fällen immer früher
die Characteristica für Lepra cutanea (sive maculosa, s. tuberculosa)
entwickelt, und zwar symmetrisch auf beiden Extremitäten Franc^
grosse, glatte, theilweise über das Niveau prominirende, hell- oder
dunkelrothe Flecke, aus denen sich höher oder tiefer sitzende, kleinere
oder grössere Knoten entwickeln. Später werden auch Schleimhäute
von solchen Knoten afficirt. Die mit der Lepra cutanea histologisch
verwandte Lepra nervorum entwickelt sich, indem zuerst bei febriler
Bewegung Hyperästhesie auftritt, der später Anästhesie f^lgt; symme-
trisch entwickeln sich Pemphigusblasen mit serös -eitrigem Inhalt,
theils vernarbend, theils ulcerirend. Es folgt Muskelatr^phie an Hän-
den, Armen und im Gesicht. Im Stadium der Anästhesie entwickeln
sich Gangränescenzeu , Exfoliation von einzelnen Finger- oder
Centralblatt für Chinirgie. No. 27. 425
Zehengliedem, sehr selten von ganzen Fingern^ nie von Extremi-
täten. Fiel ein Zwischenglied aus , so restringirt sich das NagelgUed
auf den Stumpf. Bei histologischer Untersuchung finden sich im
Ckffium und subcutanen Bindegewebe ^ besonders deutlich im Um&ng
d^ zu Grunde gegangenen Haarbälge, isolirt oder heerdartig grup-
pirt runde kernhaltige Zellen, grössere runde Kerne, spindelförmige
Elemente und spärliche Intercellularsubstanz , ' welche sich auf Zusatz
Yon Essigsäure trübt. Die Zellen sind morphologisch den entzünd-
lichen Proliferationen des Bindegewebes ähnlich. — Aetiologisch ist
das Hereditäre der Lepra zu erwähnen: contagiös ist sie nicht. Die
Gegenden Palästinas, in denen Lepra emheimisch ist, sind auch von
Intermittens geplagt. Die Therapie bis jetzt völlig erfolglos.
▼• Mosengeil (Bonn).
C. J. Eberth. Untersuchungen über Bacterien.
(Virch. Archiv Bd. LXII. p. 464.)
Im ungefärbten sowohl, wie im blauen und rothen Schweiss
kommen Bacterien in sehr grosser Zahl vor. Diejenigen des blauen
Schweisses können, wie dies von denen des blauen Eiters bereits
dargethan ist, bei Körpertemperatur gezüchtet werden und findet dabei
ein^ Production des Farbstoffes statt. Madelnng (Bonn).
A. Despres. Les vari^t^s de siöge des absces m^taatatiques
dans rinfection purulente.
(Bulletin de Tacad^mie de m^decine 1875. No. U.)
Verf. glaubt, dass ausser den auf embolischem Wege erzeugten
metastatischen Herden in Lungen und Leber die mannigfachen pjämi"
sehen Abscesse in inneren Organen mit einer Prädisposition die-
ser Organe für entzündliche Erkrankungen in Zusammenhang stehen,
bedingt einestheils durch voraüfgegangene Krankheiten, anderntheils
durch schädliche Einflüsse der Lebensweise. So finde man Leber-
abscesse bei Potatoren, Milzabscesse bei Malariakranken, metastatische
Gelenkvereiterungen bei Bheumatikern. im. Hiller (Berlin).
TIl Kocher. Die Analogieen von Schulter- und Hüftgelenk-
luxationen und ihrer Repositionsmethoden.
(Sammlung klinischer Vorträge. No. 83.)
Verfasser will nicht bei der auf Aetiologie begründeten Therapie
stehen bleiben , will das sogenannte physiologische Repositionsverfahren,
die luzirten Gelenkenden auf demselben Wege zurückzubringen, auf
dem sie auseinander gewichen, durch ein »anatomisches« ersetzen.
Von vielen Luxationen weiss man nicht , wie sie entstanden, noch
lassen sich an der Leiche experimentell dieselben Arten darstellen.
425 Centralblatt ftr Chirurgie. No. 27.
Bigelow hat nachgewiesen^ dato der bestimmende Factor für
Stellung des Schenkels, sowie das wesentliche Repositionshindemiss
im Lig. ileo-femorale liegt. Es serreisst so selten, dass H. die
mit Zerreissung complicirten Luxationen als »unregelmKssige« den
anderen »regelmässigen« gegenüberstellt. Am Sdliultergelenk ist das
Lig. coraco-hnmerale von analoger Dignität, auch wie jenes yon
verkehrt Y-förmiger Gestalt. Die Analogie räumlicher Verschiebung
bei Hüft' und Schultergelenkluxationen wird durch einige Differeneen
im Bau der Gelenke beeinträchtigt: sur Bildung der Pfiinne des
Schultergelenks concurriren swei Knochen (os coracoides und scapula) ,
bei der Hüfbe tritt zu dem den genannten entsprechenden os pubis und
08 ilei noch das os ischii hinzu. Es kann an der Schulter der Kopf
beliebig weit nach unten und vorn medianwärts ^rutschen, an der
Hüfte hemmt der ringsgeschlossene Knochenrahmen. An der Schulter
aber sind wegen des Aeromialgewölbes (Acromion und lig. acroinio-
coracoideum) Luxationen nach oben oder oben und vom unmöglich.
Das Schema der Luxationen ist demnach folgendes:
Schulter. Hüfte.
a. Lux. praeglenoidea / 1 superior. fehlt ilio-pubica.
(nach vom) \ 2 inferior, subcoracoidea obturatoria.
b. Lux. infraglenoidea 3. axillaris infracotjloidea.
(nach unten)
c. Lux. retroglenoidei ( 4 inferior, infraspinata ischiadica.
(nach unten) \ 5 superior. subacromialis iliaca.
d. Lux. supraglenoidea 6. fehlt. supracotyloidea.
(nach oben)
Diese Luxationen haben bei unversehrtem Y-Lig. dieselben Stel-
lungen ; Unregelmässigkeiten sind stets dtirch Zerreissungen der Ligg.
bedingt.
1. Lux. praeglenoidea sup. sive ileo-pubica (ohne
Analogen an der Schulter). Drei Varietäten^ je nachdem der Kopf am
Schambein Halt machte über dasselbe steigt oder nach oben und
aussen bis unter Spina ant. inf. geht. Bei allen ist die Kapsel vom
zerrissen^ lig. ileo-femorale geht stark gespannt über den Schenkelhals.
(Es folgt hier ein interessanter Obductionsbericht.) Von Bigelow's
sechs Repositionsmethoden hierfür sind einige mechanisch unausführbar,
und empfiehlt Verf. als Nomialverfahren : Zug in der. gegebenen Stel-
lung (Extension und AuswärtsroUung); Druck auf den Schenkelkopf von
oben her^ Flexion zur Ersehlafiung des lig. ileo«-fem. und eventuell^
falls der Druck auf den Kopf nicht zur Beposition genügt, Rotation
nach innen.
2. Lux. praeglenoidea inf. (obturatoria an der Hüfte, suboora*
coidea an der Schulter) . Diese haben ihren Kapselriss am unteren vor**
deren Umfang der Kapsel; obere Kapselpartie und Ligament sehr
stark gespannt. Gegenüber anderen Ansichten will Verf. diese Lux.
Gft&tralblatt für CUniigie. No. 27. 427
beeondera von der Buheetellung des GliedeB aus 'Au Stande kommeta
lassen. Scctionsbefunde bei Lux« obtuiatoria nur nngpenügend ; ex*
perixn^itell ist Lux. obtor. herstellbar. Es lässt sich Lux. pubica ver«
meiden^ wenn die vordere Kapselwand unzerrissen bleibt, die iscihiadica;
wenn jede EinwärtsroUung vermieden wird. Normalreduction besteht
in Flexion bis zum rechten Winkel, Zug und starke Auswärtsrollung.
Bei Lux. subcoracoidea beweisen zahlreiche Autopsieen und Präparate :
Kapsekiss am vorderen, unteren Umfang, bis unter musc. subscapularis
gehend, dessen untere Fasern eingerissen sind, bisweilen Tuberc.
majus abgerissen; vorderer Schenkel des Lig. coraco-humerale straff
gespannt (bei der irregulären Lux. infraclavicularis zerrissen). Zur
Normalreduction wird zuerst Schinzinger's Auswärtsrotation , dann
Flexion (Elevation in sagittaler Richtung) in schwacher Abdüction
empfohlen , wonach durdi Einwärtsrollen und Strecken die Reposition
erfolgt. Durch dies Rotation •'Flexiousmanöver, das von mehreren
Chirurgen (besonders Lücke) lobend anerkannt wird^ sind glückliche
Repositionen auch alter Lux. bewirkt.
3. Lux. infraglenoidea. Bei der Lux. infragl. coxae bald
Em*, bald Auswärtsrollung, steta mit starker Flexion wegen Span-
nung des Lig. — Reposition erfolgt meist durch Zug in der gege-
benen Stellung. Als Methode ist zu nennen: starke Flexion, dann
Zug bei Abdüction und etwas Auswärtsrollung. -^ Die Lux. axil-
laris, nach Malgaigne so selten, soll nach Pitha's irriger Ansicht
der subooraooidea nueist vorausgehen. Kapselriss vom unteren Rande
des subscapularis unten herum bis zu den Teresmaskeln laufend;
Kapeel meist am Kopfe al^rissen ; der Kopf dreht sich auf der kleinen
Facies subglenoidea der Scapula. lig. coraeo-humerale stark gespannt,
bedingt Abductionsstellung* Reposition durch Elevaitom, Zug und
Auswärtsrollung.
4. Lux. retroglenoidea inferior umfasst die infraspinata
und ischiadica. Bei L. ischiadica Kapselriss am untern Umfang,
Flexion und Einwärtsrollung ausgesprochener, als bei der iliaca. Beson-
ders innerer Schenkel des Lig. ileo-fem. stark gespannt, Kapselwand,
hinten nicht zerrissen» hindert das Höhertieten des Kopfes. Reposition
durch Einwärtsrollen, Flexion bis zum rechten Winkel, Zug und
Auswärtsrollen.
Die so seltene L. infraspinata ist zu reponiren durch Einwärts-
rollen des Oberarms, Abdüction, Zug in dieser Richtung und fol-
gende Auswärtsrollung.
5. Lux. retroglen. superior; iliaea und subacromialis. Die
L. iliaca ist die häuflgste Hüflgelenkluxation. Kapselriss hinten;
Kopf tritt über den Sehnen der m. obturatc»rii aus, falls diese nioht
mit dar unter ihnen liegenden Kapsel zeixissen sind. Lig. ilio^fem.
besonders im äusseren Schenkel gespannt. Reposition am besten
durch starke Einwärtsrotation in gegebener Adductionsstellung und
Flexion, Zug in dieser Richtung und Flexion bis rechten Winkd'^
428 Gentralblatt fOr Ckiruigie. No. 27/
durch Auewärtsrollung und Streckung geht dann der Kopf in die
Pfanne. — Die L. subacromialis ist durch kräftige Einwftrtsrotation in
der gegebenen Flexionestellung , Zug in dieser Richtung, dann Aua*
wärtsrotation und Streckung zu reponiren.
6. Lux. supraglenoidea^ nur an der Coxa beobachtet^ kann
direct entstehen und aus der iliaca hervorgehen ; die genetischen Mo-
mente sind dieselben wie bei der L. iliaca^ nur Auswärtsrotatiou statt
EinwärtsroUung. Die Repositionshindemisse sind bei beiden gleich und
in derselben Weise zu überwinden. y. Mosengeil (Bonn).
If* Lefort. Note sur mi appareil pour la fracture transver-
sale de la rotule.
(Bulletin g6n6ral de th^rapeutique Yol. LXXXVII.]
L.'s Vorrichtung für die Patellafractur ist der Trelat'scken sehr
ähnlich. Zwei Ghittaperchaplatten werden oberhalb und unterhalb der
Fragmente nach genügender Erweichung in siedendem Wasser an-
gepresst und mit einer nassen Binde fixirt. Sind die Platten voll-
ständig erhärtet, und nach Abnahme der Bindentouren mittelst Heft-
pflasterstreifen befestigt^ dann werden die beiden zugekehrten Bänder
mit starken Kleiderhaften versehen. Es geschieht dies sehr leidit^
indem man die an einer Kerzenflamme heissgemachte Haft in das
Guttapercha mit Pincetten zur Hälfte hereinstösst. Wenn die Garni-
tur beider Bänder vollständig ist, so spannt man zwischen den Haf-
ten einen starken Kautschuckfaden, der abwechselnd von einer Platte
zur anderen geht, bis alle Haften gegen einander angezogen werden.
Ohne diesen Verband ganz besondere Vorzüge zuschreiben zu
wollen^ hebt L. dessen Einfachheit und leichte Anlegung hervor.
I>ie Fälle von Patellufractur, die er damit behandelte, sind auch mit
verhältnissmässig geringer Zwischenmasse geheilt.
Girard (Strassbuig i/E.).
H. Thompson« Hundert Steinoperationen.
(The Lancet 1875. Vol. I. p. 466.)
Mit Bücksicht auf die vielfach citirte Statistik Marti neau 's (Nor-
wich), welcher von 1804—20 unter 84 Steinschnitten nur 2 Todesfälle
beklagte, giebt Th. eine Serie von 100 Operationen^ welche ohne
Auswahl die Fälle von Weihnachten 1872 bis heute umfassen. Er
betont, dass seine Statistik mitderMartineau's nicht gut vergleichbar
sei^ weil der Steinschnitt im Kindesalter und dem guten Mannesalter
günstig verlaufe und Martineau's Operationsreihe allein 34 Fälle unter
15 Jahren, 24 zwischen 50 und 60 Jahren und nur 12 über 60 Jahren
begreife. Er berichtet, dass unter seinen 100 Operirten, unter wel-
chen sich 4 Frauen finden, nur 4 ein Alter unter 50 Jahren, 65
aber über 60 Jahren hatten. Von den 96 Männern wurde bei 9 der
Centiclblatt far Chintxgie. No. 27. 42t
Steinschnitt gemacht, davon starben 2, ein 61 und 63jähriger
Mann (die anderen standen im Alter ron 36 , 59 [2], 70 ^ 75 und
79 Jahren). Bei den übrigen 87 wurde die Steinzertrümmerung ge-
macht^ 4 starben im Alter von 61^ 65, 66 und 81 Jahren.
Einmal hatte Th. das Glück unter 51 nach einander Operirten
keinen Todes&U zu sehen.
(Wenn Th. auch von einem Vergleich beider Statistiken abstehen
will, so fuhrt er ihn dennoch, um seine geringe Mortalitätsziffer in
das rechte licht zu setzen, selbst durch, ohne dass Lithotomie und
Lithotripsie als gleich'werthige Eingriffe angesehen werden können.
Ref.) Pill (Stettin).
F. W. Zahn, lieber Frfiputialsteine.
(Virch. ArchW Bd. LXII. p. 464.)
Ein 52jähr. Bauer litt bei angeborener Phimose an einer derartigen
Anhäufung von 14 Präputialst^en, dass der Urin nur mit äusserster
Schwierigkeit entleert werden konnte. Es entstand Cystitis und Nieren-
erkrankung und der Tod trat unter urämischen Erscheinungen ein.
Die chemische Untersuchung der 28,5 Gr. wi^enden Steine ergab als
Hauptbßstandtheile hamsaure Alkalien, phosphorsauren Kalk und
phosphorsaure Ammoniakmagnesia. Ihrer Natur nach sind die Prä-
putialconcretionen in zwei Categorien zu theilen, wirkliche Steine
(wie die obigen) , und einfache Incrustationen des eingedickten
Smegma. Die letzteren aus Epithelien, Cholestearin und Kalk be-
stehend sind ihrer Entstehung nach leicht erklärt. Gegen die Ansieht,
als gäbe für die echten Steine etwa aua den Hamwegen gekommener
Hamgries den Kern ab , spricht die Thatsache , dass diese bereits bei
Kindern und zwar in den ersten Lebensjahren beobachtet werden.
Vielmehr scheinen die beim Fötus und Neugeborenen in der die Vor-
haut und Eichel verbindenden Epithellage mehr oder minder zahlreich
und gross sich findenden Epithelperl^ zur Bildung dieser Präputial-
steine Veranlassung geben zu können, indem sie bei verengter IVä-
putialöfihung sich gleich Fremdkörpern verhalten und mit Hamsalzen
incrustiren. Madelimg (Bonn).
Kleinere Mittheilungen.
Clemens. Ueber Hauttransplantationen.
(Berl. kliniflche Wochenschrift 1875. No. 18.)
Ein 20jähr. Midchen fiel in einen Maiachbottig , in dewen 73— 740R. heissen
Maische es vollstftndig untertauchte. Der untere Theil des Körpen gerieht unter
den 800 R. heiaaen Strom sufliessenden Waasers.' Drei Viertheile der Körperober-
fläehe waren Terbraht, an den Beinen, die ihrer Eptdermis TöUig beraubt, war die
Siterung enorm. Troti 7 Wochen lang dauernder starker Eiterung keine Albu-*
mtnurie. Prof. Ried machte die ersten Hauttransplantationen; diese Hautatflckchea
wurden aber« wie auch die danach luerst von Cl. selbst angelegten durch die Eiterung
weggeschwemmt. Cl. bestrich nun die Wundfläche an den Beinen mit Sol. arg. nit.
1 : 30 und pflanste danach zuerst 15 HautstQckchen mit Erfolg auf, spAter noch
4S0 Centxalblatt Mr Chinugie. No. 27.
abw hundert. Er tntnftkm die Hautaiacke tmi aaderea Pecaoneii dvmk AV-
•chneiden mit troekenem oder mit WiMser oder Oe\ bestrichenem Meeaer. Die nüt
befeuchtetem Messer abgeschnittenen wölbten sich durch Aufnahme des Waisexa.
Am besten heilten mögUchst dflnne, mit trockenem Messer geschnittene an, be-
sonders, wenn der Transplantationsgrund erst mit Leinwand abgetupft worden ; war
er lu fefcht, so wölbten sioh auch hier die HaulstAckchen. lieber der Tihia legte
Cl. die Hautstückchen so dicht, dass sie sich berOhrtan« -* Im prolonghten oder
permanenten Wasserbad starben Hautstücke, die erst 3 — i Tage lagen, ab ; lagen sie
schon 8 Tage, so blieben sie zwar meist haften, aber blieben in der £ntwickelang
zurück und producirten Tiel Epidermisschuppen , ähnlich der Hautschmiere der
Neageboreaen. BchUesslich theilt Verf. noch einen Fall von Aaheilung eines
tVsCm. langen, £s8t 1 Qn. breiten Stüpkes Haut mit Nagielpartw von der Finger^
spitze mit. , , ?• Mosengell (Bonn).
G. Laurent. Aneurysmen als Complication von Fracturen.
rni^e, Paris, 1875.)
Diese 61 Seiten starke Tliese, deren Hauptwerdi in den litterarisehen Er-
bebnngstt liegt -^ einige neuere Fälle sind übersehen — handelt auf Grundlage
von 27 Beobachtungen über die Aneurysmen} welche durch Fracturen einschliessUch
der Schusstracturen heryorgerufen wurden und von denen allein 17 den Unter-
schenkel betreffen. Nach Berücksichtigung der über diesen Gegenstand vorUegenden
Arbeiten , führt Verf. sämmtKche Fälle mehr oder minder ausführKch an , schUesst
daran die nichts Neues bietende Aetiolog^e, Symptomatologie und Diagnostik
(6 mal wurde das Aneurysma für. einen Abscess gehalten und pqaotirt>, und be-
stätigt die unter diesen Verhältnissen langsamere Consolidation der Fractnr. Im
Capitel Therapie werden die einzelnen Behandlungsmethoden besprochen , die früher
beliebte Amputation verworfen , in erster (f) Reihe die Ligatur des Hauptstammes,
in zweiter die Digitalcompression desselben empfohlen. Pili (Stettin).
Jonrdsn. Etude aur le chlonJ dans le t^tanos.
(Ihkm, Pam, 1S74.)
Miquel« Du chloral et de son emploi apr^s les Operations chirui^*
cales.
(Th^, Paris, 1874.)
Jourdan verlheidigt die Ghloralbehandiung bei Tetanus; er führt einige neue
Fälle von Heilung unter Anwendung dieser Behandlungsweise an. Man soll nur
so früh wie möglich und gleich mit hohen (8 — 12 Gr.) Dosen beginnen. Ambesten
wäre es, wenn man das Chloralhydrat schon während des tob Blair herrorgehobe-
nen PnMbromalstadinBn des Tetanus darreichen könnte. Verf. schliessl mH eiaet
Verurtheilung der Or6'schen intravenösen Chloralinjection.
Die zweite Dissertation enthält nur Bekanntes. Girard (Strassburg i/E.).
Ck>nrad« Zur Aetiologie der Goxtgemtalen Gelenkdiffonnitäteu.
(Oorrespondenxbiatt f. schweis. Aemte 1875. No. 6.)
VerL beobachtete 3 Frauen, welche während ilurer Sohwangersohaft einen ab-
Borssen Wssserabfluss aus den Genitalien gefolgt von wehenartigen Scbmecsen
hatten. Darauf Abnahme der Kindesbewegnngen , geringe Ausdeluuiag des Untef->
leibes* Bei der Geburt fehlte des Naohweiiser gfinsiieb , das Vonrasser war in avei
Fällen sehr spirlieh, ein Msl gar niohi TocbandeiL Die gebonnen Kinder knnen
alle i Mk lUunipfÜlssen , das eine mit einer Kiumphand zur Welt. Vf. ist geneigl
ebige eongenitale DtfformitMen weU nicht diieet mit der Raumbesehtänkung dnesk
Wasserabftnss, vieUeieht aber mit spastischen Oontractionen des Uterus in Zu-
sammenhaag zu bringen. Gimrd (Bern).
0«ütmlblatt fOr Chkuigie. No. 27. 431
L« JMm&gMi. EiB FaU von Diphtherie der Impfvrunden^ ftllgemeiiie
Diphtherie, Tod, etc.
(Virch. Archiv Bd. LXIII. p. 178.)
Bei einem 4 Monate alten gesunden Kind entwickelte sich am 13. Tag nach
der Impfung in der Umgebung der VaccinationssteUe eine erysipelatdse Schwellung,
dann trat ödemati^ae Anschwellung dea ganxea Kdrpers und hoehgradigor loCecna
ein. Petechien yon Flohstich bis Linsengrdsse. Am 12. Tag djBPr Krankheit Tod.
Der Sectionsbefund ergab die Veränderungen, die bei an allgemeiner Diphtherie
gestorbenen Kindern gefunden werden. L. hat gefunden, dass Vaecine, welche
durch Diphtherieorganismen inficirt wird, keine Vaocinepusteln su erzeugen im Stande
ist und dass so inficirte Lymphe nach der Impfung looale und mit Schnelligkeit
auch allgemeine Diphtherie hervorbringt. Da in dem erw&hnten Fall sur richtigen
Zeit in normaler Weise Impfpusteln auftraten , so muss die lur Impfung verwaadt«
Lymphe nicht inficirt gewesen sein und die locale Diphtherie der Impfwunden mit nach-
folgender allgemeiner Diphtherie somit ala ein secundftrer Frocess aufgefaset werden«
Madeliug [Bonn).
H. Knapp. Tumors of the optic nerys; removal of tumor whithout
removal of eye ball.
(New York med. Journal 1S75. Bd. KXI. Hft. 3. p. 283.)
Bei einer Frau , die an heftigen periodisehen Sohmersen in der OMta «nd der
einen Seite dea Kopfes litt, war seit 3 Jahren Nemo-Betiaitia oanstalSrt, Jod-
kalinm und QuecksUber ohne Erfolg gegeben. Dann wurde cäne Oesehwulst an
der inneren Seite des Auges erkannt, die sich mit dea Augapfel bewegte. Mit
der Soheere wurde die Conjunctiya eingeachnitten und awlsehen die mm. tecti ein*^^
gedrungen. Finger und Soheere lösten die Gesehwulst, die bis a«m foramen op*-*
tkam reiohte, aas ihrem Zusammenhang mii dem aervus optkns, S.ein Muskel
wurde Terletst und die Geschwulst, die ein Drittel grösser war ak ein Auge, ent*
lernt Heilung ohne jede Eiterung;. Die innere H&lfte dev Conjunotiva blieb ge«
fuhlloa. Das Auge selbst funetionirte weiter durohaua normal. Die OeechwuIU
war careinomatös , ohne eigene Scheide und umgriff dea nerrus optiotts.
Kadalug (Soan).
Fuok. Ajigeborene Trennung der Speiseröhre.
(The Botton med. and sorg. Journal 1875. pi. 449.)
Sia anscheinend nonnaler neugeborener Knabe tchlen bald nach der Geburt
yiel SoMekn in dea Lungen »i haben , und seigte nack einer halben Stunde Ueiehe
Hautfarbe mit auaeetaender Atbnuag; auf Kitseln des Bacheas wurde etwas Schleim
entleort; der darauf gereichte Vlo. ipecacuanae blieb ohne WiriLung, gleichwohl war
ia der Nacht die A^dunung besser. Am folgandea Tage arbiaok das Kind riel
Sshieiaa , die niehstsn 2 Tage alles Genossene ; die Untersaehuag eigab nur Schleim-
lasseln in den Langen. Am 6i. Tage erfolgte Erbrechen blutiger Massen, daan
ein sich bessernder asphyktischer Anfall; nachdem vorher weiteres blutiges Ei^
bvecben eiagetreten war, starb das JBLind erschöpft am 7. Tage.
Bai der Section fand man den Pharynx und das obere Ende der Speiseröhre
in einen Blindsack ausgehen in der Höhe der Theüungsstelle der Luftröhre ; direct
darunter lag das freie, durch einen Sohliessmuskel umgebene, enge Luaen dev
Speiseröhre, angelöthet an die Luftröhre; es bestand durchaus keine Verbindung
der beiden Theile der Speiseröhre. Der Ductus arter. Bolalfi war aueserordentlicft
erweitert» der eigentliche Bogen so klein, dass die pars thorac. desc. Aortae als
direete Fortsetauag des belb. Aortae ersehien. Die unteren Theile beider Lungen
sehr ausgedehnt, waren dunkelroth, ohne Luftgehalt , und hatten das Aussehen (?)
hftmorrhagiseher lalarcte. Uebar Aussehen und inhah des Magens und Darms ist
nichts gesagt. Pila (Stettin).
F. Baohelder. Mamillitifl.
(The Boston med. and suig. Journal 1875 p. 437.)
Bei wunden Brustwarzen empfiehlt B. folgendes Verfahren, das ihm gute
Dienste geleistet haben soll. Da beim jedesmaligen Saugen des Kindes die Warse
432 Centralblatt für Chiruigie. No. 27.
an der Fissuntelle wieder abgehoben und die beginnende Vereinigung hierdurch
immer wieder gestört wird , so fixirt B. die seitlich abgezogene Brustwane in dieser
schrftgen Stellung durch Heftpflasterstreifen und behandelt die dauernd offen gelegte
Fissur mit Höllensteinlösung ; nach jedem Säugen muss die Fixation erneut werden.
Die Heilung soll schnell eintreten. PUl (Stettin).
P. Teale. Exploration der Bauchhöhle behufs Aufsuchung des un-
bekannten Sitzes von Darmyerschlässen.
(The Lancet 1875. Vol. I. p. 369.)
Während bisher die Eröffnung der Bauchhöhle nur selten gemacht ist , um den
unbekannten Sitz und die Art des Darmverschlusses zu erforschen und sich über
die zweckmässigste Art der Darmeröffnung (in der Weiche oder Lende) zu ent-
scheiden, so hofft T., nachdem in den letzten Jahren die Scheu vor Eröffnung des
Peritonealsacks sich gemindert, und Hutchinson diesen Weg erfolgreich ein-
geschlagen habe, dass in Zukunft häufiger ein ezplorativer Bauchschnitt gemacht
werde. Zum weiteren Belege giebt er folgende 3 Beobachtungen, von denen die
erste bedeutungsvoller ist.
1) Ein 40jähr. Mann klagte viel über Kreuzsohmerzen, über Abgang von
Schleim und Blut, in den spärlichen, schmal geformten Fäces ; diese beiden wurden
durch diätische und medicamentöse Verordnungen gebessert. 8 Monate später trat
plötzlich wirklicher Darmverschluss auf, welcher weder durch Abführmittel noch
durch Injectionen gehoben wurde. Da 4 Wochen nach Beginn dieses Zustandea
die heftigsten Schmerzen neben zeitweisen Delirien bei höchstem Verfall der Kräfte
einsetzten , so machte T. in der Narkose die Eröffnung des Abdomens in der linea
alba. Dem sehr ausgedehnten Colon transversum sich entlang tastend, fühlte er
am vorderen Theile des Darmbeinkammes einen wallnussgrossen , der Darmwand
fest ansitzenden Tumor, der den Darm geknickt hatte; die Explorationswunde
wurde provisorisch geschlossen und die Colotomie gemacht ; es entleerten sich ausser
Flatus reichliche , halbilüssige Massen ; jetzt bei verminderter Spannung konnte die
genaue Vereinigung der Bauchwunde in der Mittellinie geschehen. Die ersten zwei
Tage passirten die Fäces den künstlichen After , seit dem 3. Tage den natürlichen,
späterhin vorzugsweise den künstlichen After. Fat. erholte sich nach der Ope-
ration schnell und zeigte wahren Heisshunger; während des Aufenüialts im- Hos-
pitale konnte ein Wachsthum der Geschwulst constatirt werden. Nach Vs J^^hre
sieht Fat. noch wohl aus , der Tumor hat aber bedeutend an Grösse zugenommen
und heftige Schmerzen erfolgen beim Durdigange der Fäces durch das Rectum.
2) Im 2. Falle erfolgte am 4. Tage nach der Ovariotomie plötzliches Sinken
der Kräfte bei kleinem Pulse, Auftreibung des Leibes ohne Abgang von Flatus.
Die Bauchwunde wurde wieder eröffiiet. Verklebung der Därme, Vs Unze röth-
lichen Serums wird entleert; Function der aufgeblähten Därme; obwohl sich Fat.
nach diesem Eingriffe sichtlich erholt , tritt dennoch am 2. Tage durch Erschöpfung
der Tod ein»
3) Im 3. Falle klagte ein 60jähr. Mann plötzlich über heftigen Schmerz in der
fosaa iliaca dextr., es erschien bald Erbrechen , Tympanitis , CoUaps und eine ver-
dächtige Dämpfung in der Goecalgegend. Da der Mann vor o^ehreren Jahren einen
rechtseitigen Leistenbruch gehabt haben will, der seit 3 — 4 Jahren nicht mehr
zum Vorschein kam, so wurde am 3. Tage der Erkrankung bei zunehmendem Verfall
der Kräfte der rechte Leistenkanal eröffnet ; hier bestand Eiterung des alten Sackes
ohne Communication mit der Bauchhöhle. Nachdem am inneren Leistenringe
adhärenter Darm gelöst war, quoll eine Unze stinkenden jauchigen Eiters hervor,
welcher herstammte von einer Ferforationstelle des Coecums, in die sich bequem
ein Finger einführen liess; binnen Kurzem trat tödtlicher Ausgang ein.
Füi (Stettin).
Originalmittheilungen, Monographieen und Septratabdrücka wolle
man an Dr. H, TUtmofinf, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlong,
BreUkopf und HärUl, einsenden.
Orack und Verlag von Breitkopf and Hirtol in Lelpitig.
Gentralblatt
ftr
CHIRURGIE
herauBgegeben
▼OB
Dr. L. Lesser, Dr. ft Mele, Dr. E Tilliuiiis
in Berlin. in HaÜA n. 8. in Leipxig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Freit des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
NE: 28. Sonnabend, den 10. JnU. 1875.
InluÜt; Tlllnaint, Ein Wort zur Lister'schen Wundbehandluogsmethode. (Original-
Mittheilung.)
Flelwr, Chirurgische Erfahr angen. — Rabuteau, Bromoform als Anästheticum. —
Toriilon, Studien aber Darmelnklemmung. — Dletl, TheilungSTorgänge an Nervenzellen. —
K^laczeky Beiträge zur Oeschwulstlehre. — Battig, Galyauocaustische Behandlung der
Angiome. — Jamet , Behandlung der Acne und des Cancroids. — Buraw , Laryngologische
Hitthellungen. — Servier, Behandlung der Clavicularfracturen. — Dubreuil , Fes varus. —
Vereeull ^ Unclpressur.
Ketll, Fractur des Felsenbeins. — Stekee, Tumor. — Hutchleten, Gommotio cerebri. —
L6w, Gomplicirter Schädelbruch. — Porter, Resection des Schultergelenks. — Dlmarquay,
NeuTom der Achselhohle. — Ohiemann , Luxation des unteren Endes der Ulna. — Anger,
Luxation des Astragalus. — Fagan, Amputation nach Syme. — Bennett, Eingeklemmte
Schenkelhernie. — GuSSenbauer, Harnblasenmyom.
Ein Wort zur Lister'schen Wundbehandlungsmethode.
Von
H. Tillmanns,
Privatdocent für Chirurgie an der Universität Leipsig.
(Vortrag gehalten in der med. Gesellschaft zu Leipzig.)
Als im Juni dieses Jahres der Erfinder der antiseptischen Wund-
behandlungsmethode den chirurgischen Kliniken in Leipzig und Halle
seinen Besuch abstattete ^ überzeugte sich derselbe in den genannten
klinischen Instituten mit grosser Freude von der strengen und erfolg-
reichen Anwendung des antiseptic treatment. Bei dieser Gelegenheit
demonstrirte Herr Prof. Yolkmann in seiner Klinik in Gegenwart
List er 's und zahlreicher auswärtiger Gäste eine grosse Zahl operativer
Fälle^ die als Belege für die Wirkung und die Technik des antiseptischen
Verbandes dienen sollten. Als Einleitung zu dieser klinischen Demon-
stration gab Volkmann einige kurze statistische Angaben^ welche
einerseits ein beredtes Zeugniss ablegten für das überaus reichhaltige
28
434 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 28.
chiruigische Material der Hallenser Klinik^ andererseits aber ^ auch
nicht minder bewiesen, welche auffallenden Erfolge man durch
strengste Durchführung des antiseptischen Verfahrens erreichen kann.
Die Yon Yolkmann damals mitgetheilten statistischen Angaben hier
kurz zu reproduciren« schien mir deshalb um so mehr gerathen, als
leider auch in Deutschland namhafteste Chirurgen dem Li st er 'sehen
Verfahren noch nicht die verdiente Anerkennung zollen^ nicht zu
erwähnen^ wie viele noch indifferent, ja direct negirend der doch so
wichtigen Frage gegenüberstehen. — Der Güte des Herrn Prof. Volk-
mann und der freundlichen Unterstützung des Herrn Dr. Ranke
verdanke ich die statistischen Angaben sowie detaillirtere Notizen über
jene Fälle ^ welche ich bei der oben erwähnten klinischen Demonstra-
tion gesehen.
Wie die unten mitzutheilenden statistischen Angaben aus. den
Jahren 1874 und 1875 ergeben^ hat Volkmann durch die antiseptische
Wundbehandlung Resultate erzielt , welche zu den besten gehören,
die bis jetzt bekannt sein dürften, Resultate, welche wohl auch
den Gegnern des antiseptic treatment das Geständniss abnöthigen,
dass solche Erfolge unter Anwendung der früher allgemein üblichen
Wundbehandlungsmethoden bisher nicht beobachtet wurden. Mit
diesem Zugeständniss ist für die Anerkennung, für die Verbreitung
des Lister'schen Princips schon viel, wenn auch nicht Alles ge*
Wonnen. — Zu diesen überaus befriedigenden Erfolgen, welche
Volkmann und mit ihm andere hervorragende Vertreter der antisepti-
schen Methode, wie Thiersch, Bardeleben u. A. erreichten, kommt
noch die nicht minder wichtige Thatsacbe, dass, wie uns versichert
wurde, seit 2 Jahren in der Halle'schen Klinik keine im Hause
entstandene Pyämie vorgekommen ist, weder Pyaemia simplex noch
multiplex. — Bevor ich die statistischen Angaben aus der Hallenser
Klinik mittheile und über die von mir und anderen Fachgenossen
gesehenen Fälle berichte , sei es mir gestattet, mit ein paar Worten kurz
die Technik des von Prof. Volkmann geübten antiseptischen Verfah-
rens hervorzuheben. Derselbe hält sich zunächst noch genau an die von
Lister gegebenen Vorschriften. Ausser dem typischen Lister-Verband
kommt auch bei leichteren Verletzungen der Thiersch'sche Salicyl-
verband zur Anwendung. Besonders aber wird die Salicylwatte als
zweckmässige Verstärkung des typischen Lister-Verbandes sehr häufig
angewandt, um an gewissen Körperstellen, wo dies sonst auf grosse
Schwierigkeiten stösst, ja in einzelnen Fällen fieist unmöglich sein
würde, vollständigen Luftabschluss zu bewirken, so bei Ope-
rationen an der Mamma, in der Achselhöhle, am Hals, in der Sero-
tal- und Inguinalgegend u. s. w. Ich sage absichtlich »vollständigen
Luftabschluss«, weil Volkmann im Gegensatz zu Li st er der An-
sicht ist, dass in der That durch den Verband ein vollständiger Luft-
abschluss der Wunde effectuirt werden muss, wenn grosse und absolut
sichere Resultate erzielt werden sollen, dass somit ein wirklicher
Occlusiv- Verband hergestellt wird. Wie die Salicylwatte so wird in
Cantralblatt fOr Chirurgie. No. 28. 435
der allerneuesten Zeit auch die Benzoewatte (4^ und 10 bis U ^)
zur Yerstäikuxig des antiseptischen Verbandes oder zur Ausfüllung yon
Lücken, Ungleichmässigkeiten der Körperoberfläche etc. benutzt.
Sodann möchte ich noch ein Moment bezüglich der Technik des in
der Halle'schen Klinik angewandten Lister 'sehen Verfahrens ganz be*
sonders betonen, das ist die methodische Compression bei der
Anlegung des Verbandes, ein Moment, auf welches Volkmann unter
besonders sorgfaltiger Ausbildung der Drainage mit Recht ein grosses
Gewicht legt. Durch die methodisch und kunstgerecht ausgeführte
Compression wird nach meiner Ansicht die primäre Verklebung der
Weichtheile wesentlich begünstigt und so erkläre ich mir die über-
raschenden Heilungen per primam, welche Volkmann bei grossen
Lappenwunden z. B. nach Oeschwulstexstirpationen, nach Ausräumung
der Achselhöhle bei Amputation der Mamma, überhaupt bei Amputar
tionen an den Extremitäten etc. erzielt. Bekanntlich befindet sich
Volkmann hier im Widerspruch mit Lister. Letzterer wendet
durchaus keinen Druck bei der Anlegung seines Verbandes an, um
nicht den Abfluss der Wundsecrete zu verliindem. Wohl ist es richtig,
dass die Compression, wenn sie von ungeübten Händen gedankenlos
gemacht wird, ihre grossen Gefahren hat, aber in der Hallenser Klinik
ist, wie uns ernstlichst versichert wurde, nie ein Nachtheil Ton der-
selben beobachtet worden^ im Gegentheil, sie ist ein wichtiger^ unter-
stützender Factor bei der Heilung per primam unter dem antisepti-
schen Verbände geworden.
Diese wenigen Worte mögen genügen, um so mehr» als Volk-
mann*) ja in jüngster Zeit seine Ansichten über den »Lister 'sehen
Occlusiv- Verband« eingehend dargelegt hat. ^ — Doch zur Sache 1
Die hier mitgetheilte statistische Uebersicht über die in den Jahren
1874 und 1675 in der Hallenser Klinik behandelten traumatischen und
operativen Fälle bezieht sich nur auf die in der genannten Zeit* Tor-
gekommenen Amputationen, Besectionen und Osteotomieen.
Ausserdem geben wir eine totale Statistik sämmtlicher nach Lister
conservativ behandelter complicirter Fracturen für die ganze
Zeit seit der Anwendung der antiseptischen Methode. Bezüglich der
Operationen aus dem Jahre 1873 muss auf das bereits oben erwähnte
Werk Volkmann 's (Heiträge zur Chirurgie) hingewiesen werden.
L Complicirte Fracturen.
Die Zahl der conservativ und stets nach den Principien der
antiseptischen Methode behandelten complicirten Fracturen be-
trägt 44 und wurden sämmtlich geheilt (im Jahre 1873 17; 1874
20; 1875 bis jetzt 7). Diese 44 complicirten Fracturen vertheüen
sich folgendermassen auf die verschiedenen Körpergegenden: Hume-
rus 3 ; Vorderarm und Ellbogengelenk 1 1 ; Femur 1 ; Kniegelenk 3 ;
Unterschenkel 2^; Fibula 3; Fussgelenk 1.
*) R.Volk mann, Beiträge sur Chirurgie. Iieip2ig 1875. Breitkopf & Härtel.
28»
436 Centralblatt fQr Chiiurgie. Ko. 28.
U. Amputationen.
Im Jahre 1875 wurden von Prof. Volkmann bis jetzt 27 Ampu-
tationen ohne einen einzigen Todesfall ausgeführt^ darunter
6 Oberschenkelamputationen und 1 Hüftgelenkexarticulation. (1 Exar-
ticulatio femoris; — Tumor. — 6 Amp. femoris; — l Tumor; 2 in-
termediär traumatische; 1 primär traumatische; 2 Kniecaries. -- 4 Amp.
cruris. — 3 Caries; 1 Verletzung mit ausserhalb der Anstalt acqui-
rirter Pyämie. — 2 Operationen nach Syme bei Caries. — 4 Opera-
tionen nach Pirogoff. — 3 Caries; 1 primär traumat. — 1 Chopart
wegen ErlBierung. — 1 Lisfranc desgl. 2 Amp. Metatars. desgl. —
1 Amp. humeri — primär traumatisch; — 5 Amp. des Vorderarms —
primär traumatisch.)
Im Jahre 1874 machte Prof. Volkmann 40 Amputationen
mit 6 Todesfällen und zwar: 1 Exarticul. humeri bei bereits be-
stehender septischer Phlegmone nach Trauma ; — 7 Amputationen des
Humerus, 3 primär^ 2 intermediär^ 1 secundär nach Trauma, 1 wegen
Caries cubiti; — 7 Amput. des Vorderarms, 3 primär, 2 secundär
nach Trauma, 2 bei Caries; — 9 Amput. des Femur (Diaphyse), 2
primär nach Trauma , 3 intermediär bei ausserhalb der Anstalt in Be-
handlung durch auswärtige Aerzte acquirirtem acut, purul. Oedem und
Gangraena progrediens, 3 wegen cluron. Eiterungen, 1 wegen Neu-
bildung; — 4 transcondyl. Amput. des Femur, 1 primär nach Traumaj
1 bei erysipelatösen Gelenkvereiterungen, 2 wegen Neubildungen; —
8 Amput. cruris, 1 primär nach Trauma, 1 secundär nach Trauma^
2 wegen Caries pedis, 3 wegen chron. Unterschenkelgeschwüre, 1
w^en Neubildung; — 4 partielle Fussamputationen , 2 nach Piro-
goff wegen Caries, 1 Pirogoff wegen Neubildung, 1 Chopart
primär nach. Trauma.
Unter den erwähnten 6 Todesfallen befinden sich 4 Kranke , die
bei bereits bestehender Septikämie infolge von ausserhalb der Klinik
entstandenen Verjauchungen amputirt wurden (1 Exarticul. humeri
imd 3 intermediäre Oberschenkelamputationen). Somit bleiben nur
2 Todesfalle übrig; der eine Patient starb vor Beginn der Beaction
(amputat. femoris) bei gleichzeitiger Commotio cerebri und 1 Ober-
schenkelamputation (Neubildung, Privatpraxis) starb an Pyaemia sim-
plex. Der Fall ist übrigens in dem erwähnten Werke Volkmann's
von 1873 bereits verrechnet.
m. Osteotomieen.
1874: 13 Fälle ohne Todesfall; 1875: bis jetzt 3 Fälle
ebenfalls alle geheilt. Von den 16 Fällen zeigte sich nach An-
gabe von Prof. Volkmann nur bei 3 Patienten eine minimale Eite-
rung, die übrigen 13 Fälle heilten ohne jede Eiterung; in allen
Fällen zeigte sich weder Phlegmone noch Eitersenkung.
IV. Resectionen der Gelenke.
Im Jahre 1874 hat Volkmann 24 Totalresectionen mit 7 To-
desfällen ausgeführt und zwar: 2 Schulterresectionen , 1 bei Caries
Centralblatt far Chirurgie. No. 2S. 437
fiingosa und 1 wegen Splitterfractur des Gelenkkopfs; 4 Ellbogen-
resectionen^ 3 bei Caries, 1 bei acuter Vereiterung; 12 Hüftgelenks-
resectionen^ 1 wegen acuter Verjauchung des Hüftgelenks nach Becken-
schuss^ 1 puerperale Coxitis^ 10 Caries; 4 Resectionen des Knie-
gelenks wegen Caries und 2 Fussgelenkresectionen^ die eine wegen
acuter traumatischer Vereiterung, die zweite wegen einer schlecht-
geheilten Malleolenfractur.
Bezüglich der 7 letal verlaufenen Resectionen heben wir hervor,
dass von den 12 Hüftgelenksresectionen 5 starben und zwar 2 an
Septikämie, welche bereits bei der Aufnahme ''der Pat. in die Anstalt
bestand (1 acute Verjauchung des Hüftgelenks nach Beckenschuss
und 1 puerperale Coxitisj . Ein kleines, etwa 2 Jahre altes Kind mit
Hüftresection coUabirte rasch nach der Operation und starb noch vor
Beginn der Reaction; die Section zeigte übrigens eine allgemeine
Tuberkulose. Endlich starben 2 Hüftresecirte an Tuberkulose, nach-
dem bereits die Operationswunde bis auf eine feine Fistel geheilt
war. Ferner starb 1 Pat. mit Kniegelenksresection ebenfalls an Tuber-
kulose nach fast vollständiger Heilung bei fortbestehender Fistel.
Der letzte Todesfall war eine EUbogenresection , welche bei einem
alten Manne bei bereits bestehender schwerer septischer, ausserhalb
der Klinik entstandener Phlegmone wegen Caries ausgeführt worden war.
Resectionen aus der Continuität wurden 1874 und 1875
bis jetzt 4 wegen Pseudarthrose (3 Tibia, 1 Femur) gemacht und
sämmtlich geheilt.
1875 wurden bis jetzt 14 Resectionen in der Hallenser Klinik
ausgeführt und zwar 8 Hüftgelenkresectionen, 3 Kniegelenkresectionen,
2 Resectionen des Humerus und 1 im Cubitalgelenk. Von diesen
14 FäUen führten nur 2 zum Tode. Der eine der^beiden Todesfälle
betraf ein sehr kleines noch nicht 1 Jahr altes Kind, mit grossem
Abscess am Femur und abgelöstem , im Acetabulum liegenden Gelenk-
kopf; das Kind erholte sich nicht ordentlich aus der Chloroform-
narkose, brach viel und starb am nächsten Morgen nach der Opera-
tion. In dem anderen letal endigenden Falle handelte es sich um
multiple scarlatinöse Gelenkaffectionen mit Verjauchung des Hüft-
gelenks und Nierenaffection ; der Pat. wurde in trostlosestem Zustande
in die Klinik gebracht, so dass die Aussichten auf Heilung sehr ge-
ring waren.
(Schlusfl folgt.)
Carl Fieber. Chirurgische Studien und Erfahrungen mit
Zugrundelegung der im italienischen Feldzug des Jahres 1866
gemachten Beobachtungen.
(Allgem. Wiener med. Zeitung 1875. No. 13—22.)
Der Verf. wurde zwei Tage nach der Schlacht von Custozza
(26. Juni 1866) einem österreichischen Feldspitale in Verona zur
Dienstleistung zugetheilt und verblieh bei demselben bis zu dessen
Auflösung (10. October 1866). Er fand eine verhältnissmässig grosse
438 Centralblatt för Chirurgie. No. 28.
Zahl Schwerverwvmdeter^ namentlich Soldaten der zuriickweicheuden
Armee ; Ende Juli mussten überdies die sämmtlichen noch nicht trana-
portablen Fälle mehrerer anderer Spitäler übernommen werden. Die
zur Verwendung kommenden Localitäten waren 1) ein Mädchenerzieh-
ungsinstitut mit grossem Hofe (Belegraum etwa 200 Betten) ; 2) ein
Garten^ in welchem 48 Zelte aufgeschlagen waren (384 Betten);
endlich 3) eine kleine Kirche^ die etwa 90—100 Betten fassen konnte
— in beschränktem Masse wurden zwei Filialen mit einem Belegraum
von fast 400 Betten in Anspruch genommen. Lage ziemlich günstig»
zwei Brunnen mit gutem Wasser» die Aborte und Latrinen in befrie*
digendem Zustand. Die Zelte» obwohl sehr mangelhaft ausgerüstet
(gewöhnliche Lagerzelte)» erwiesen sich zur Unterbringung der Ver-
wundeten am geeignetsten; am wenigsten entsprach die Kirche» die
deswegen bald evacuirt wurde. Die Gesammtzahl der Verwundeten
und Kranken (16. Juni bis 10. October) betrug 2270» 883 direct auf-
genommen» 1387 aus anderen Spitälern transferirt. Entlassen als
geheilt 1210» ungeheilt 131» evacuirt 787 in andere Spitäler, 33 in die
Privatpflege. Gestorben 109. Höchste Krankenziffer 770 (am 26. Juni).
Wartepersonal (militärische Krankenwärter) anfangs höchst un-
genügend; erst später wurden einige barmherzige Schwestern requirirt»
freiwillige Krankenpfleger gab es nicht. Ln Maximum neim Aerzte.
Notizen über die vom Verbandplatz oder von anderen Spitälern über-
nommenen Verwundeten mangelten vollständig; es fehlt somit die
Möglichkeit» genaue statistische Tabellen zu construiren. In Folgendem
einige ziffermässig festgestellte Daten. Von 435 unmittelbar nach der
Schlacht aufgenommenen Verwundeten hatten
Verletzungen am Kopfe 20
9 D Gesichte 19
» )o Hals 8
» D Brust und Rücken 51
9 » Bauch und Becken 37
Zusammen am Rumpfe 96 (22^).
Verletzungen an den oberen Extremitäten 134 {Zi ^).
» »9 unteren » 166 (38)1^).
Zahl der im Spitale behandelten Verwundeten überhaupt 786
mit 99 Todesfällen » welche sich folgendermassen yertheilen (grössten-
theils Diagnosen intra vitam) :
Pyämie und Septikämie 43
Urämie 1
Pyopneumothorax 13
Meningitis 2
Nosokomialgangiän 7
Tetanus 1
Anderweitige Todesursachen 32
99~
bei welchen aber nur in den wenigsten Fällen die Section gemacht ist.
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 28. 439
Von aceidentellen Wundkrankheiten wurde echtes Erysipel nur
einmal (Heilung)^ Nosokomialgangrän in 43 Fällen^ acut purulentes
Oedem 3 mal (2 Todesfälle)^ Tetanus einmal beobachtet. Bei Noso-
komialgangrän wurde nur bisweilen energisch geätzt (Salpetersäure) ,
gewohnlich beschränkte man sich auf Chlor wasser^ Kali hyperman-
gan. etc.
Secundäre Blutungen erforderten je einmal die Unterbindung der
Art. hrachialis und der A. radialis^ zweimal jene der Art. femoralis,
einmal die der Art. iliaca externa.
An penetrirenden Brustwunden (17 Fälle) starben 13 Verletzte^
4 wurden als Beconvalescenten entlassen. Von den penetrirenden
Bauchschüssen wurd^i 3 Fälle geheilt.
Complicirte Schussfracturen der Röhrenknochen und Gelenkschüsse
233 Verletzte mit 70 Todesfällen. Conservative Behandlung meist mit
Gyps-, häufig auch mit Schienenverbänden; keine Extensionsyerbände.
Operative Behandlung der Schussverletzungen an den Extremi-
täten:
Amputationen: Primäre 1. Intermed. 4.- Secundäre 9.
1 geheilt. 4 gestorben. 2 geheilt^ 7 gestorben.
Exarticulationen : Intermed. 4. Secund. i.
3 geheilt, 1 gestorben. 1 geheilt.
Resectionen: Intermediär 1. Secundär 4.
1 gestorben. 2 geheilt, 2 gestorben.
Summe: 24 Operationen mit 15 Todesfällen.
Hierbei sind die aus anderen Spitälern übernommenen Operirten
nicht mitgezählt. — Die Methode der Wundbehandlung war Be-
deckung mit Charpie, die in Kalilösung, Kampherschleim oder Borax-
lösung getaucht war oder Gerate. Carbolsäure wurde nicht verwendet.
Keine Irrigation, viel Eis, wenig Kataplasmen. Die internen Erkran-
kungen, welche ebenfalls im Spitale Aufnahme fänden, betrafen mei-
stens schwere Malariafieber und Dysenterie.
Was die Bemerkungen betriffl;, die der Yerf. seinen Beobachtungen
beifügt, so sei nur erwähnt, dass er sich gegen die zu weit getriebene
conservative Methode ausspricht und namentlich vor ausgedehnten
Resectionen in der Continuität der grossen Röhrenknochen warnt, die
damals (1866) ziemlich häufig ausgeführt wurden. Im Uebrigen sind
wohl durch die umfassende Litteratur, die sich seit 1866 auf kriegs-
chirurgischem Gebiete angesammelt hat, die aus den damals gemachten
fragmentarischen Beobachtungen gezogenen Schlüsse längst von an-
deren überholt worden , die an grösserem Materiale arbeiten, nament-
lich aber mit grösserer Genauigkeit dasselbe ausnützen konnten.
Wlni warter (Wien).
440 Centralblatt für Chirurgie. No. 28.
Rabuteau. Recherches sur les propri^t^s anestli^siques du
bromoforme.
(Soci6t6 de Biologie. S^noe du 10 janv. 1875. — Oaz. mM. 1875. No. 5.)
Das Bromoform^ wie es R. durch Einwirkung eines Alkalis auf
das Bromal erhielt, stellt in reinem Zustand eine klare, sehr schwere
und angenehm riechende Flüssigkeit dar. Durch Jod, welches sich
in ihm lost, förbt es sich carminroth. Die Wirkungsweise des ßromo-
forms ist ganz analog der des Chloroforms. Inhalationen des ersteren
versetzten die Versuchsthiere nach einem anfänglichen Excitations-
Stadium in tiefen Schlaf; mit vollständiger Anästhesie, Erschlaffung
der Musculatur und Dilatation der Pupille. Das Erwachen aus der
Narkose erfolgte ziemlich schnell, selbst wenn die Inhalationen durch
längere Zeit (V2 Stunde) hindurch fortgesetzt worden waren. R. hofft,
dass das Bromoform bald neben dem Chloroform als Anästheticum
Verbreitung finden wird. 0* YolkmanB (Kettwig).
Terillon. Note sur Talgidit^ et les symptomes chol^riformes
aecompagnant les ^tranglements intestinaux.
Note sur le r^tablissement de la circulation des matieres
föcales avec une ligature de rintestin.
(Gas. m6d. 1875. No. 3, p. 29 u. 30.)
Die bekannten, dem Stadium algidum der Cholera sehr ähneln-
den CoUapszustände, welche die Einschnürung des Darmes begleiten^
hielt Demarquay (1860) für direct durch letztere hervorgerufen.
Verneuil und sein Schüler Ledoux glaubten, dass bei Constriction
des Darmes durch Vermittlung der nerv, splanchnici eine congestive
Hyperämie der Lunge und als deren Folge ein plötzliches Sinken der
Temperatur erzeugt werde. Eine dritte Theorie ist endlich von
Humbert aufgestellt, wonach der GoUaps in der ersten Zeit der
Constriction durch eine Reizung des nerv, sympathicus, im weiteren
Verlauf aber durch einen septikämischen Zustand, bewirkt durch die
Resorption fäcaler Massen, hervorgerufen werde. — Zur Prüfung
dieser verschiedenen Theorien experimentirte nun T. an einer An-
zahl von Hunden in der Weise, dass er den chloroformirten Thieren
durch einen in der linea alba angelegten Schnitt eine Darmschlinge
herauszog und mit einem Faden abband. Sobald sich die vollstän-
dige Abschnürung durch Blauwerden der Darmschlinge manifestirte,
wurde letztere in die Bauchhöhle reponirt und die äussere Wunde
durch Suturen geschlossen. Die Temperatur wurde vor wie nach der
Operation (im weiteren Verlauf nur 2 mal täglich) per rectum ge-
messen. T. fand nun bei 7 von 10 Hunden schon nach 4 Stunden
eine merkliche Temperatursteigerung. Ein unbedeutendes Sinken der
Temperatur bei den übrigen Versudisthieren glaubt er dem heftigen
Erbrechen zuschreiben zu müssen. Die experimentellen Resultate
gestatten somit keinen Rückschluss auf die erwähnten Zustände beim
Centralblatt ffir Chirurgie. No. 28. 441
Menschen. Ein congestiver Zustand der Lungen wurde weder durch
die Auscultation^ noch durch die Autopsie bestätigt.
T. fand nun femer bei seinen Experimenten^ dass die Hunde
nach den ersten stürmischen Symptomen sich ziemlich rasch erholten
und dass schon ca. am 10. Tag der Yerdauungsapparat wieder normal
functionirte. Wie die Section ergabt war die abgeschnürte Darm*
schlinge um diese Zeit wieder vollständig wegsam. In Folge der
Peristaltik hatte nämlich der abschnürende Faden die Darmschlinge
allmälig durchschnitten , während jedoch die Yemarbung der durch-
schnittenen Partien auf dem Fusse folgte. So war, wenn der Faden
vollständig durchgeschnitten hatte, die Continuität der Darmwandung
gleichwohl wieder hergestellt und die Fäces konnten nun auch wie-
der die Schlinge passiren. Die kleine Padenschlinge fand sich an
den zusammengelötheten, inneren Wandungen der Darmschlinge, zum
Theil frei in deren Lumen flottirend. An der Stelle, wo sie ur-
sprünglich gesessen hatte, zeigten die äusseren Wandungen eine
kreisförmige, etwas nach innen vorspringende Narbe, die jedoch nach
einem Monat kaum noch sichtbar war. 0* Yolkmaiin (Halle).
M. J. DietL Beobachtungen über Theilungsvorgänge an
Nervenzellen.
(Aub dem physiologiscben Institute zu Innsbruck. Sitzungsberichte der Wiener
Academie 1874. Bd. LXIX. Hft 1 — 5. 3. Abth.)
D. suchte an Durchschnitten des in Ueberosmiumsäure gelegenen
Ganglion Gasseri des Frosches die noch so streitige Frage (Mayer^
Schwalbe) zu eruiren^ ob eine Theilung fertiger Nervenzellen im
erwachsenen Thiere stattfinde oder nicht. D. erhielt Zellenformen^
welche durch Theilung alter Zellen entstanden zu sein schienen.
Allerdings sah D. hier und da im Gas s er' sehen Knoten Gebilde,
welche sich mit den für den Sympathicus beschriebenen Kern-
nestem vergleichen liessen und bei der Genesis der sympathischen
Nervenkörper wahrscheinlich eine Rolle spielen. Ob nun jene er-
wähnten Kerne im Gasser'schen Ganglion irgend eine bestimmte
Beziehung zur Entwickelung der Nervenzellen haben ^ lässt D. un-
entschieden. Dagegen ist Verf. im Anschluss an KöUiker, Beale
und Henle der Ansicht, dass er in der That Theilungs-^und Fur-
chungsprocesse an Zellenformen beobachtet habe, die den Eindruck
fertiger Zellen machten. TUlmanns (Leipzig).
Kolaczek. Beiträge zur Geschwulstlehre (aus der chirurgi-
schen Klinik zu Breslau).
(Arch. f. kUniscbe Chirurgie 1875. Bd. XVIU. Hft. 2.)
Verf. bringt sehr sorgf<ige Untersuchungen über eine Reihe
höchst interessanter Geschwülste^ auf deren Details wir hier nicht
näher eingehen können^ sie müssen im Originale nachgesehen werden.
442 Centralblatt für Chinugie. No. 28.
Der erste Fall ist ein Fibro-Sarcoma mit Perlkugeln, in
5 Jahren bei einem 40jähr. Manne subcutan an der linken EUenbeug«
entstanden, yielleidit aus einem Schleimbeutel. — Ein Myxo^Sar*
coma perivasculare der rechten Steissbeingegend fand
sich bei einem 2V2J<^hrigen Mädchen, als dessen Ausgangspunct die
Lu seh k ansehe Steissdrüse oder ein in ähnlicher Weise sich auflösender
Gefässabschnitt der Sacralarterie anzunehmen ist. — EinSarooma
perivasculare der Nase hatte sich bei einem 54jähr. Manne in
1 Jahre entwickelt. — Uei einer 26jähr. Frau kam eine Cyste der
vorderen Vaginalwand zur Beobachtung, welche, in ca. 5 Jahren
entstanden, bis zwischen die Schenkel herabhing. Nach Excision
eines Stückes der ganzen Wand und Herausschälung des Balges trat
schnelle Heilung ein. Nach der Beschaffenheit des Epithels nimmt
K. an, dass die Cyste durch eine Ausstülpung der Harnröhre ent-
standen sei. — Zwei Entero-Teratome des Nabels ca. bohnen-
gross wurden bei 2 Knaben mit dem Messer entfernt. Sie bestanden
aus Schläuchen, den Li eberkühn 'sehen Darmdrüsen vollständig
ähnlich, deren Cylinderepithel auf der Oberfläche der Geschwulst
noch erhalten war. — Ein osteogenes Alveolar-Sarcom des
Kreuzbeins, welches zuerst sowohl klinisch , als auch mikroskopisch
für ein primäres Knochencarcinom gehalten wurde, kam bei einer
35jähr. Schneiderin vor. Es war im Kreuzbein entstanden und hatte
vielfieiche Metastasen in den Schädelknochen, dem Manubrium stemi,
den Beckenknochen, beiden Oberschenkeln u. s. w. gemacht. Der
Verlauf der Erkrankung hatte ca. ^4 Jahre gedauert. — Bei einem
31 jähr, kräftigen Manne war nach einem Stosse mit einer Deichsel
ein Adenom des Blinddarms entstanden, welches in der rechten
Lendengegend dicht über der Crista Uei durchgebrochen war , eine Gre-
schwulstform, die von anderen Autoren auch als Carcinoma cylindr.
bezeichnet worden ist. Ein ähnliches Adenoma carcinomatosum
der Flexura iliaca hatte sich bei einer 29jähr. Frau nach einem
Stosse mit einem Eimer entwickelt. Haas (Breslan).
Alfred Battig. Die Angioma und ihre galvanokaustische
Behandlung.
Inaug. - DiB8. Breslau. 1874.
Verf. bespricht nach einer Uebersicht über die histologischen Ver-
hältnisse der Angiome und ihre Behandlungsmethoden die Vortheile
der galvanokaustischen Behandlung. Er hebt u. A. die
äusserst geringe allgemeine und locale Beaction hervor, die von allen
Operateuren beobachtet worden ist und in den »Neuen Unter-
suchungen über Entzündung« vonCohnheim ihre Erklärung
findet. Cohnheim weist nach, dass man bei Anwendung eines
Aetsmittels, welcher Art es auch sei, immer die anfangliche, weit-
greifende Erweiterung der Gefasse mit allmähger Bückbildung, um
den Aetzschorf die Zonen der Stase, der überwiegenden Diapedesis
Centnablatt für Cadnurgie. No. 28. 443
aus stagnixenden CapillaTen und der Emigration aus fliessenden Ca-
pillaten und dilatirten Venen sowie die Transsudation in diesem Be-
zirke findet, wahrend bei der Glähbitze nur die Gefassdilatation mit
aUmäliger Bückbüdung eintritt, ein Vorgang , der in keinem causalen
Zusammenhange mit den späteren Gefassroigängen steht, die wir als
qpecifisch entzündlich ansehen. In einer casuistischen Zusammen-
stellung der in den Jahren 1870 — 73 in der chirurgischen Klinik zu
Breslau und der von Fischer und Maas privatim behandelten
47 Fälle, findet B. 36 Falle mit Galvanokaustik, 9 mit Excision, 1
mit Eleetrolyse, 1 durch Aetzung mit Säure behandelt; die mdusten
Tumoren (35) hatten ihren Sitz am Kopfe und waren fissuraler Natur;
1 Fall (Tumor cavem. an der Stirn eines 4jähr. Mädchens] endete,
mit Gralvanokaustik behandelt, am 3. Tage nach der Operation durch
Meningitis tödtlich. — Es wurden in der Klinik in den letzten
20 Jahren (vgl. Maas, Arch. f. klin. Chir. Bd. XIL p. 548) von
Middeldorpf , Fischer und Maas 155 Fälle von Angiomen operirt,
davon 137 galvanokaustisch mit nur 1 Todesfalle, so dass B. die Me«-
thode mit Recht, neben der Excision für passende Fälle, ganz be-
sonders empfiehlt. Maas (Breslau).
C. James. Des ^ruptions de la face.
(Gas; m6d. 1875. No. 13. p. 153 ss.)
J. giebt lediglich therapeutische Rathschläge 2ur Behandlung der
Akne und des Cancroids. Erstere empfiehlt er mit einer Salzsäure-
lösung (1 — 3 : 10 Alkohol] zu betupfen und danach mit einer Lösung
von Kali chloricum (4 : 100) abzuwaschen. Nach einer 2 bis 3tägigeh
Wiederholung dieser Behandlung sollen die Akneknoten in kurzer Zeit
einschrumpfen und verschwinden. — Gegen das Cancroid empfiehlt
J. das cosmische Pulver in seiner ursprünglichen Zusammensetzung
(6 Th. Zinnober, 3 Th. Asche verbrannter Schwämme und 1 Th.
weissen Arsenik), eine Therapie, die von Manec in der Salpdtridre
seit über 40 Jahren angeblich mit den besten Erfolgen angewendet
wurde. Die Wirkung des cosmischen Pulvers soll sich nur auf die
erkrankten Partien erstrecken. Mit denselben bildet es einen festen
Aetzschorf , unter welchem sich allmälig gesunde Granulationen ent-
wickeln. Auch bei Cancroiden, die die Grösse eines Zweifrankstückes
überschreiten, ist das genannte Mittel noch anzuwenden, wenn man
durch Einhalten gehöriger Zwischenräume (9 — 10 Tage) zwischen den
einzelnen Applicationen der Gefahr einer Arsenikintoxication vorbeugt.
0. Yolkmann (Kettwig).
Burow. Laryngologische Mittheilnngen.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XYUL Hft. 2.)
I. lieber Chorditis vocalis inferior hypertrophica.
Die unter diesem Namen von Gerhardt beschriebene, auch von
Türck beobachtete chronisch -entzündliche Affection der Stimm-
bänder, welche in dem Falle von Türck und in zwei Fällen des
444 Centralblatt für Chirurgie. No. 28.
Verf.'B auch die vordere Fläche der hinteren Kehlkopfswaud in Mit-
leidenschaft gezogen hatte , beobachtete B. 4 Mal: Bei einem 45jHhr.
Manne hatte sich die Affection nach einem Typhus entwickelt. Bei
der larjmgoficopischen Untersuchung erschien der Kehlkopf bei der
Phonation normal, während man bei der Inspiration unter den aus-
einanderweichenden Stimmbändern zwei genau symmetrische Wülste
sah, welche sich durch tiefe rothe Farbe von den weissglänzenden
Rändern scharf absetzten und nur einen feinen Spalt zwischen sich
liessen. Zunehmende Suffocationserscheinungen machten die Tracheo-
tomie nöthig; Jodkalium verschaffte geringe Besserung; Fat. wurde
mit der Kanäle entlassen. -^ Die 3 folgenden Fälle (Frau, 20 Jahre
alt, Mann 30 Jahre alt, Frau 23 Jahre alt) zeigten ähnliche Befunde
und wurden ebenfiEJls tracheotomirt und mit der Kanüle entlassen.
II. Zwei Larynxabscesse unter der Leitung des Spie-
gels incidirt. B. fügt den 9 von ihm in der Litteratur au%efundenen,
mit Hülfe des Kehlkopfspiegels diagnosticirten Larynxabscessen , von
denen fünf mit dem Messer eröfihet wurden , folgende 2 Fälle hinzu.
Bei einem 33jähr. Manne entwickelte sich in 6 Wochen Heiserkeit,
Dyspnoe, Dysphagie, Schmerzhaftigkeit bei Druck auf die linke
Schildknorpelplatte. Die Untersuchung zeigte eine pralle Geschwulst,
welche links von der Epiglottis medianwärts in das Lig. ary-epiglot-
ticum überging und den ganzen Sinus pyriformis ausfüllte. Eine In-
cision mit dem gedeckten Kehlkopfmesser entleerte reichlichen Eiter ;
Heilung in 10 — 14 Tagen. — Der zweite Abscess hatte sich in etwa
6 Wochen bei einem 67jähr. Manne in der Grube rechts zwischen
dem Lig. ary-epiglotticum medium und laterale dextr. entwickelt
und hatte die Grösse einer halben Pflaume. Nach der Incision er-
folgte schnelle Heilung.
ni. Tracheotomie bei acutem Glottisoedem. Bei einem
26jähr. Mann entstand in Folge einer Phlegmone colU lat. sin. ein
acutes Glottisoedem, welches die Tracheotomie nothwendig machte.
Erst 9 Tage später wurde die Phlegmone incidirt, 7 Tage später
die Kanüle entfernt.
IV. Amyloide Degeneration von Larynxtumoren, Ka-
nüle 7 Jahre lang getragen. Mehrfache Tumoren des KehlkopfSs-
einganges indicirten bei einem 50jälir. Arbeiter im Jahre 1866 die
Tracheotomie. Nach Entfernung eines der Tumoren, welcher sich als
ein Fibroid erwies, zeigten sich an Stelle der Aryknorpel zwei grosse
Tumoren, deren Entfernung zum Theil wegen Weigerung des Pat.
nicht gelang. Pat. lebte mit der Kanüle bis Mai 1873. — Die er-
wähnten Geschwülste, wegen deren sehr interessanten Verhaltens wir
auf das Original verweisen , füllten den Kehlkopf vollständig aus und
zeigten sich bei der Untersuchung (Prof. Neumann) als amyloide
Tumoren.
V. Polyp des Kehlkopfs bei einem 8jährigen Kinde
erfolgreich operirt. Bei einem 8jähr. Mädchen machte ein Polyp
des rechten Stimmbandes (Papillom mit dünnem Stiele) so hochgradige
Centralblatt fflr Ghiruigie. No. 28. 445
Dyspnoe^ dass die Tracsheotomie nothwendig wurde. Etwa 8 Monate
später gelang es B. mit verschiedenen Instrumenten den Tumor zu
entfernen ynd die Fat. vollfitändig herzustellen.
VI. Nussgrosses Sarcom der Epiglottis^ ohne Heiser-
keit oder Dyspnoe. Der erwähnte Tumor fand sich bei einem
30jähr. Landmanne links von der Mittellinie aufsitzend an der unteren
Fläche der Epiglottis und verursachte nur Schlingbeschwerden.
Er wurde in mehreren Sitzungen entfernt.
VII. Nussgrosses Fibroid aus dem linken Morgagni'-
sehen Ventrikel wuchernd, wurde bei einem Manne in einer
Sitzung mit der Störck'schen Guillotine entfernt.
Vni. Ungestielter Polyp des rechten Stimmbandes
mortificirte bei einer Frau nach Zerquetschen mit der Tobold'scdien
Zange und wurde durch Cauterisation vollständig beseitigt. — Mit
den früher (Arch. f. klin. Cbir. XV. 2) mitgetheilten 5 Fällen hat
B. also 9 Fälle von Kehlkopfspolypen erfolgreich operirt.
(Brealatt).
Servier« Fractures. Gouttieres de linge pldtr6.
(Gas. hebdom. 1874. No. 52.)
Bei einem jungen Soldaten war die Clavicula in der Mitte ge-
brochen. Starke Verschiebung der Fragmente, die nach vom einen
Winkel bilden. 1 Woche nach der Verletzung, nachdem die Schwel-
lung verschwunden war, applicixte S. folgenden Apparat aus Gips:
Patient wurde auf den Rücken gelegt, und ein langes RoUkissen zwi-
schen die Schultern befestigt. Dadurch kommen die Fragmente in
die richtige Stellung. Ein feines Leinwandstück wurde auf die kranke
Brustseite gelegt und darauf Gipsbrei in dicker Schicht aufgetragen,
so dass fossa supra — und infraclavicul. und das ganze Schlüsselbein
von der pars acrom. der Scapula bis zum Stemum, nach abwärts bis
nahe an die Brustwarze, hinten bis an den Vorsprung des Muse,
trapez. davon bedeckt waren. Die 2 Cent, dicke Gipsschicht wurde,
nachdem sie etwas erstarrt war, mit queren und schrägen Binden-
touren am Thorax befestigt, gleichzeitig der Arm der kranken Seite
bis zur völligen Immobilisirung mit einbandagirt. Hierauf durfte
Fat. frei umhergehen. Am 24. Tage nach der Verletzung wurde der
Verband abgenommen. Die Consolidirung war nahezu vollkommen.
Anlegung der Mittella. Die Heilung ist schliesslich ohne jede Ver-
schiebung der Bruchstücke erfolgt ; rechte und linke Clavicula gleich lang.
Fr. Steiner (Wien).
Dubreuil. Traitement du pied bot varus.
(Siance de la societ6 de chir. 1875. 6. Jan.)
Verf. bringt in der Darstellung der Pathologie des pes varus
nichts Neues. Therapeutisch empfiehlt er bei hochgradigem pes varus
an nicht mehr ganz jungen Individuen die Durchtrennung des M. ti-
bial. post., seltener die des M. tibial. antic. als hin und wieder nützUch.
Fr. Steiner (Wien).
446 Centralblatt ffl? CbirttTgie. No. 28.
De la forcipressrure.
(S^nce de la 8oci^i6 de chir. 1875. 6. Jan.)
Mit Rücksicht auf die Arbeit von Vanzetti aber ^e »Unci*
preesurc theilt V. Beine Erfahrungen mit, wobei dieses allerdings
nicht neue Verfahren guten Erfolg hatte. Wir heben einige davon
heraus und verweisen im Uebrigen auf den Originalbericht: 1) Ab-
tragung eines dünngestielten Uteruspolypen mit der Scheere; heA;ige
arterielle Blutung; Blutstillung mittelst der Pol3^n2ange^ die einige
Tage hängen gelassen wurde. 2) Heftige Blutung aus der A. mammar.
intern, infolge einer Sequesterextraction bei Nekrose des Stemums ;
Arterien und umgebendes Gewebe mit Pincette gefasst, letztere
48 Stunden liegen gelassen; guter Erfolg. 3) Starke arterielle Blu-
tung aus der Knochenschnittfläche bei Trepanation wegen einer Schädel-
exostose; V. druckte mit' einer Zahnzange den Knochen/ so dass das
Grefass comprimirt wurde und die Blutung stand. 4) Bei einer Ober-
schenkelamputation wurde schlecht comprimirt; V. schnitt die A. fe-
moral, durchs legte eine Schieberpincette ä demeure an und beendete
dann die Operation. _^ Fr. Steiner (Wien).
Kleinere Miitheilum|en.
E. KetU. Bilaterale Lahmung des N. facial. und abducens mit Taub-
heit, in Folge von Fractur des Felsenbeins.
(Wiener med. Presse 1875. No. 19.)
Ein 23jähnger Kutscher yrax mit seinen Pferden in einen tiefen Graben ge-
stant, und ein Pferd fiel ihm dabei auf den Kopf. Man fand den Mann ohn-
mächtig, aus dem Munde und dem linken Oehöigange blutend; sonst keine Ver-
letzung sichtbar. Der bewustlose Zustand dauerte 3 Tage, dann war and blieb
Pat. ganz bei Sinnen. Taubheit des «linken Ohres, Doppeltsehen, Ohrensausen
bestanden fort und dauerten durch 6 Wochen an. Zu Ende dieser Zeit stellte sich
Ptftt. dem Verf. vor. K. fand die Symptome einer doppelseitigen Facialis -Lähmung.
Die fando - mmkuläre Gontractilität der gelähmten Theile ist aufgehoben , während
die galvano-muskuläre Reaction bedeutend erhöht ist ; an beiden Augen Strabismus
conyerg. von doppelseitiger Abducenslähmung. Beständiges Ohrensausen ; am linken
Ohre gar keine Oehörempfindung , am rechten Ohre ist dieselbe — wiewohl
sehr geschwächt — vorhanden ; beide Trommelfelle zerrissen und eiternd, Knochen-
fragmentchen darin. Das Allgemeinbeflnden dabei gut, Extremitäten frei.
K. urtheilt daraus , dass Gaumensegel und Uvula nicht gelähmt sind , dass der
Nerv, facial. an der Stelle lädirt worden sei , wo mit ihm ^e Chorda tympani ver-
läuft, welche mit verletzt sein dürfte, da der Oeschmacksinn an der vorderen
Zungenhälfte gänzlich aufgehoben ist und ein abnormes Trockenheitsgefühl im
Monde besteht (verminderte Speichelsecretion). K. ist daher geneigt, eine Fractur
beider Felsenbeine in der Gegend der Paukenhöhle anzunehmen. Ueber den Vor-
lauf ist nichts weiter geeagt. Fr« Steiner (Wien).
Stokea. Pachydermatocele or Fibro- Molluscum.
(The Dublin Journal of med. science 1875. Janaary. p. 69.)
S. zeigte der pathologischen Gesellschaft in Dublin eine Geschwulst , die er bei
einem 33jähr. Manne, bei dem sie im 6. Jahre entstanden war, eoutiipirt hatte.
Die eine Seite des Kopfes einnehmend , hing sie bis zur Schulter hinab , war leicht
beweglich, uneben, mit bohnen- bis wallnu^sgrossen Höckern besetzt. Blutung
bei der Exsürpation sehr stark; trotzdem war 8 Tage ^äter Patient ausser Bett.
Histologische Untersuchung ergab Hypertrophie der Haut.
H. BraVD (Heidelberg).
Centralblatt für Chirurgie. No. 28. 447
Hutohinflon. Death from large clot of blood between dura mater and
bone (London hospital}.
(Med. tim. and gaz. 1875. März 27. p. 337.)
Ein 52j&hr. Mann war Abends auf den Hinterkopf gefallen und war sofort be-
wusstlos; 12 Stunden später wurde er ins Hospital aufgenommen. Ausser der Be-
wussUofligkeit wird Lähmung der Extremitäten und der Thoraxmusculatur constatirt,
»abdominal respiration*. Eine Pupille war erweitert, eine Stunde später auch die
andere. Tod 3 Stunden später. Section : Leichte Contusion des linken Vorderlappen,
ein Blutklumpen von 4—5 Unzet» befand sich zwischen Dura und Knochen in rechter
hinterer Schädelgrube. Knochen--' oder Arterien Verletzung wurde nicht gefunden,
und wird die sofort nach dem Niederfallen eingetretene Bewusstlosigkeit auf eine
gleichzeitige Commotio cerebri bezogen. Bänke (Halle).
H. Iiöw. Complicirter Schädelbruch. Heilung.
(Wiener med. Presse 1875, No. 5.)
Ein I3jähriger Junge war mit dem Kopfe in eine Maschine gerathen. Da*
die Blutung infolge der Verletzung, die er hierbei erlitt, sehr heftig war, so legte
L. gleich einen Charpiedruckverband an , der erst am 3. Tage nach der Verletzung
geöffnet wurde. Himsymptome waren inzwischen nicht aufgetreten. Es zeigte sich
jetzt 1 Zoll über der Haargrenze eine ellipsoide, 28 Cm. messende, 4 bis 5 Cm.
klaffende Wunde. Die Stimgegend ist um 1 Cm. deprimirt; in der Mitte der
Wunde stand ein 3eckiges Stflck des Stirnbeins in die Höhe; die Fissur ging
durch die ganze Dicke des Knochens, von welchem das Periost abgelöst war. Ein
8 Cm. langes, 21/2 Cm. breites Stück des Stirn- und linken Seitenwandbeines , die
Coronamaht mitfassend, war herausgeschnitten iind machte die Himbewegungen
mit. Dicht daneben ein anderes, 7 Cm. langes Knochenstück vom linken Seiten*
wandbein, das ebenfalls die Himbewegungen mitmachte und dessen unterer Rand
durch einen von dem in die Höhe stehenden Stirnbein-Stück ausgehenden, 11 Cm.
langen und V2 Linie klaffenden Sprung gebildet war. Ein 2 Cm. langer Splitter,
der in der dura mater stak, wurde entfernt.
Die beschriebenen 3 Knochenbruchstücke gingen nach 14 Tagen nekrotisch ab.
Nach 3 Monaten war Pat. vollkommen geheilt. Fr. Steiner (Wien).
J. H. Porter. Excision of the head of the right humerus for cariefl^
the result of on injury.
(The Dublin Journal of med. science 1875. February. p. 85.)
Bei einem 21 jähr. Soldaten soll in Folge eines Schlages auf die Schulter ein
Abscess entstanden sein, dem Fieber, Abmagerung, Schweisse und eine Dislocation
des betreffenden caput humeri nach vom, folgten. Resection eines 2^2 Zoll langen
Stückes des Humerus. Endresultat unter Anwendung von Blectrioitftt und passiver
Bewegung recht befriedigend. P. räth eine Drainage nach hinten durch die Wunde zu
zu legen und den vorderen Längsschnitt zu schliessen. IL Braiui (Heidelberg).
Dämarqnay. N^vrome de Taisselle.
(S6ance de la Soc. de Chir. 1874. 30. Dec.)
D. entfernte bei einem 24jähr. Manne einen Tumor, der seit 2 Monaten in
der rechten Achselhöhle sichtbar geworden war. Seit 6 Monaten bestanden die
heftigsten Schmerzen. Es zeigte sich, dass der Tumor vom Nerv, musculo-cutan.
ausging und ein kleinzelliges Sarcom war. Fr« Steiner (Wien.)
Ohlemann. lieber eine einfache Luxation der ülna im Handgelenk
nach der Vola.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVm. Hft. 2.)
Der folgende Fall wurde in der Klinik von Baum beobachtet. Einem 42jähr.
kräftigen Arbeiter war von einem Pferde der Unke Vorderarm gegen eine Krippe
gedrängt worden. — Die Untersuchung zeigte ein Abweichen der Ulnaraxe nach
der Radialseite, die ulnare Wölbung der Streckseite fehlte. Pro- und Supination
waren aufgehoben, radialwärts und rückwärts vom Os pisiforme fühlte
man das Köpfchen der Ulna. — Bezüglich der Luxatipnen des unteren Endes
448 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 28.
der Ulna cf. Tillmanns, Statistische Beiträge zur Lehre von den Luxationen,
Arch. der Heilkunde 1874. p. 249. — Die Reduction erfolgte in der Narkose mit
einem schnappenden Geräusche ; Fat. war in 14 Tagen geheilt. Haag (Breslau).
Th. Anger. Luxation de Tastragale r^duite par les tractions continueB.
(S6ance de la Soc. de Chir. du 6. Janv. 1875.)
Ein Mann fiel racklings eine Kellertreppe herab , wobei sein Fuss sich zwischen
zwei Stufen fing. Daraus entstand eine vollkommene Astragalusluxation nach Yome
aussen; der Fuss in forcirter Adductionsstellung ; die Haut über dem Astragalus-
kopf gespannt. A. reponirte folgendermassen: ein Tuch unter dem Schenkel diente
zur Contraeztension ; eine Heftpfiasteransa am vorderen Theile des Fusses hinderte
das Abgleiten der Caoutchoucbinden , die sich überdies noch gegen ein Querholz
am Bette stemmten. Nach 10 — 12 Minuten massigen Anziehens fühlte Fat. grosse
Müdigkeit im kranken Beine ; A. fasste nun den Unterschenkel mit der einen Hand,
mit der anderen den vorderen Fusstheil, stützte sein Knie auf den Astragulus,
worauf die Einrichtung unter Knacken vor sich ging. Fr« Steiner (Wien).
*^J. Fagan. Report on a cctse of Syme's amputatiou of foot^ following
removal of necrosed bone by means of the gouge.
(The Dublin Journal of med. science 1875. March. p. 257.)
Eine Fussgelenkentzündung entwickelte sich bei einem lljähr. Knaben nach
einem Stoss an einen Stein. Sondenuntersuchung ergab nach einiger Zeit Ent-
blössung des Astragalus. Mit dem Hohlmeissel wurden die kranken Knochen-
theile entfernt; temporäre Besserung; bald hohes Fieber, Appetitmangel , Schlaf-
losigkeit. Nach Syme operirt, 4 Wochen später Knabe geheilt entlassen. F. hält
die Anwendung des Hohlmeisels überhaupt für unzulänglich, plump und unwissen-
schaftlich. H. Braun (Heidelbergj .
E. H. Bennett. Strangulated femoral hemia.
(The Dublin Journal of med. science 1875. March. p. 262.)
Eine 62jähr. Frau hatte in Folge schwerer Arbeit plötzlich eine VergrAsserung
ihres schon lange bestehenden Bruches bekommen, der bald Verstopfung und Er-
brechen folgten. Abführmittel, warme Umschläge, Eis, Opium wurden ebenso
vergeblich, wie alle Taxisversuche, zuletzt im Vollbad, versucht. Nach 3 Tagen
Hemiotomia externa. Einklemmungserscheinungen dauern fort ; 2 Tage später Tod.
Section ergiebt Verwachsungen zwischen der eingeklemmten IleumschUnge und dem
Bruchsacke, an einer Stelle ebendaselbst Ansammlung eitriger Flüssigkeit ; die Mucoaa
an der Einschnürungsstelle ulcerirt. Bei der Operation war nur der Inhalt des Darms,
nicht aber das Ueum selbst, reponirt worden. H* Braun (Heidelberg).
C. QuBsenbauer, Exstirpation eines Hamblasenmyoms nach voraus-
gehendem tiefen und hohen Blasenschnitt, Heilung.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVHI. Hft. 2.)
Bei einem lOjähr. Knaben diagnosticirte Billroth nach wiederholten, sorg-
fältigen Untersuchungen einen ca. Manns faust grossen Tumor der Blase,
der sich in 10 Monaten entwickelt hatte. Zur Entfernung des Tumors wurde zuerst
die Sectio lateralis gemacht und so constatirt, dass der Tumor an der hinteren
Wand der Blase aufsitze und sich nach dem Scheitel zu ausdehne. Es wurde dann
noch die Sectio alta gemacht, die Recti an ihren Insertionen quer getrennt,
auch die Blasenwunde in dieser Richtung erweitert. Die Geschwulst wurde an ihrem
Ansätze mit den Fingern durchrissen und die Excision des Oeschwulststieles bei
massig invertirter Blase vorgenommen ; der Stiel ging von der Musculatur der Blasen-
wand aus. — Durch die Blasenwunden wurde ein Drainrohr gelegt. Die Heilung
erfolgte in ca. 4 Wochen. — Die mikroskopische Untersuchung des Tumors ergab
ein Myom. Maas (Breslau).
Originalmltthellcngen, Monographieen und Separatabdrüoke wolle
man an Dr, B. Tillmannt, Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlnng,
BftUkopf und Härtdj einsenden.
I>Taek Bild Verlag von Br»itkopf and HIrieL in Loipsig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
herausgegeben
▼OB
Dr. LLesser, Dr. I. SM, Dr. H. Tillniuis
» Berlin. ia UaIU ». 8. in Uipuig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 29. Sonnabend, den 17. Juli. 1875.
Inhalt: LQcke, Ueber die Eigenschaft des Durchscheinens bei festen Geschwillsten
(Original-Mittheilang.) — Tlllmtliiit , Hin Wort tut Llster^scben Wandbehandhingsmethode'
(Original - Minbeilnng.)
Paaum, Transfasion. — Bolllngtf, Aetiologie der Kalberlähme. — Vojtollai, Neues
Stethoskop. — Ulwertky, Traumatische Lebereutzündong. — Spiegelbtrg, Fissur des
Blasenhalses. — Fehling, Leopold, Kystische Myome des Uterus.
Julllard, Neue MeUUsonde. — Wahlborg, Wrighf, Tumoren. — Woir, Ichthyosis. —
Forgntsoa M'fiill, Aneurysma der Subclavia. — MsoriMaux, Innere Urethrotomie mit
Endoscopie. — Lannolonguo, Urethro-Perinealflsteln. — Brock, Eingeklemmte Her«
nien. — Ranko, Operation einer Pseudarthrose des Unterschenkels.
lieber die Eigenschaft des Durchsclieiiieiis bei festen
Geschwülsten.
Von *
Professor Dr. Lflcke«
Die Eigenschaft des Durchscheinens hat man bisher wesentlich
flüssigen Ansammlungen^ insbesondere den Hydrocelen und ein-
zelnen Cystenformen zugeschrieben und bei denselben diagnostisch'
verwerthet. Wir wissen indessen , dass selbst bei massig starkem
Tageslicht dieselbe Eigenschaft den Fingern ^ den Ohren und bei in-
tensiverer Beleuchtung auch Theilen des Handtellers und des Vorder-
arms zukommt. So weit mir bekannt , hat man diesfe Eigenschaft für
die Geschwülste bisher nicht beachtet und es ist mir ebenso gegangen^
bis mich vor Kurzem ein Tumor mit dieser Eigenschaft überraschte
und zu einer falschen Diagnose verleitete.
Es stellte sich in der Klinik ein Mann mit einem linksseitigen
Hoden tumor vor, welcher seit mehreren Monaten entstanden war und
29
450 CentralblaU für Chirurgie. No. 29.
nun die Grösse eines Gänseeies erreicht hatte. Die Geschwulst war
schmerzlos^ hinten^ der Epididymis entsprechend, enthielt sie eine
kleinere etwas knollige und harte Masse, während die nach vom ge-
legene Hauptmasse des Tumors deutlich das Gefühl von Fluctuation
zeigte und lugleich bei massig hellem Tageslicht sich als durchaus
durchscheinend erwies. Wir stellten deshalb die Diagnose auf eine
Hodentttberkulose nebst sie b^leitender Hydrocele. Die Castration
wurde ausgeführt und ich war nicht wenig erstaunt, beim Durch-
schneiden der exstirpirten Geschwulst statt auf die erwartete Flüssig-
keit auf graue, trübe, schwammige Massen zu treffen, welche un-
zweifelhaft als Sarcom au&ufassen waren, wie das auch durch das
Mikroskop bestätigt wurde (Rundzellensarcom). Auch nach der
Herausnahme konnte das Phänomen des Durchscheinens dieser Ge-
schwulst und zwar noch deutlicher und selbst noch nach 24 Stunden
constatirt werden und unter Anwendung aller Cautelen, namentlich
dem Ausschluss seitlich einfallender Lichtstrahlen.
Es ist wohl begreiflich, dass eine Geschwulst, welche das be-
kannte, weichen Sarcomen besonders eigenthümliche Symptom der
Pseudofluctuation zeigte und durchscheinend war , für eine Hydrocele
gehalten werdeix konnte, denn gerade auf diese beiden Symptome
pflegen wiir die Diagnose des Wasserbruches zu begründen. Hier
würde die Probepunction allein directen Aufschluss zu geben im
Stande sein.
Wir sind gewohnt die in Rede stehende Eigenschaft des Durch-
scheinens als eine Eigenschaft mit heller^ durc^ichtiger Flüssigkeit
gefüllter Hohlräume zu befrachten xmd allerdings ist es ja bekannt,
dass cholestearinhaltige Hydrocelenflüssigkeiten, sowie die der Sperma-
tocelen dieses Phänomen in viel geringerem Grade zeigen, dass bei-
gemengtes Blut dieselben Flüssigkeiten mehr oder minder undurch-
sichtig macht. Das Durchscheinen der Ohren und Finger u. s. w.
wird doch wohl auch nur dadurch wesentlich möglich, dass die in
diesen Theilen circulirenden Flüssigkeiten klar sind. Um so auf-
fallender ist es für den ersten Augenblick, dass Geschwülste, deren
Zellen doch einen melbr oder minder trüben, mit vielen Kömchen
erfüllten Inhalt haben, ebenso deutlich durchscheinen, wie Hydrocelen
und sogar bei gewöhnlichem Tageslicht, natürlich mit der Beihülfe,
dass man das lacht zur Untersuchung durch ein dunkles B^hr gegen
das Auge gelangen lässt. Ich habe mich seitdem auch überzeugt^
dass exstirpirte hjrpertrophische Lymphdrüsen , ohne käsige Entartung
freilich j ausserhalb des Körpers ebenfalls durchscheinend sind. Das
Licht muss diese Gewebe aber durchdringen, wie es mattgeschliffenes
Glas durchdringt;
Es ist zu vermuthen, dass das Durchscheinen noch an mancherlei
anderen Creschwülsten wird constatirt werden können, wenn ihre Lage
im Körper nur eine zu dieser Untersuchung hinreichend zugängliche
ist,, so wahrscheinlich an Lipomen und Myxomen; ich vermuthe,
dass Krebsen und Adenomen diese Eigenschaft fehlen wird. Ob vrir
f
Centralblatt für Chirurgie. No. 29. 451
nun durch genauere Beobachtung noch im Stande sein "werden^ fei-
nere Unterschiede in der Art des Durchscheinens^ in seiner Inten-
sität, vielleicht auch in gewissen Farbennüancen des durchfallenden
Lichtes herauszufinden, yermag ich nicht zu bestimmen; es ist aber
doch wohl jedenfalls der Mähe werth, darauf hin mit geeignetem Licht
und mit geeigneten Instrumenten etwas genauer zu untersuchen.
Strassburg, den 30. Juni 1875.
Ein Wort zur Lister'schen Wundbehandlungsmethode.
Von
H. Tillmanns,
Privatdocent für Chirurgie an der UniTersit&t Leipzig.
(Vortrag gehalten in der med. Gesellschaft zu Leipzig.)
(Schiusa; cf. CentralblaU No. 28 p. 433 — 437.)
Im Anschluss an die gegebenen allgemeinen statistischen Angaben
sei es mir gestattet, einige prägnante Fälle besonders hervorzuheben^
welche von Prof. Volkmann vorgestellt wurden.
Zunächst erwähne ich 2 Kesectionen des Schulter-
gelenks; welche wegen Caries sicca gemacht wurden. Vor der
Sesection war der total zerstörte Gelenkkopf unter den proc. co-
racoid. verschoben; es bestand vollständige Ankylose nebst hoch-
gradiger Schmerzhaftigkeit des Gelenks. Der Verlauf nach der Ope-
ration war in beiden Fällen fieber- und schmerzlos^ so dass beide
Patientinnen am 14. Tage nach der Operation mit dem operirten
Arme wuschen , die Stube reinigten und passive Bewegungen inner-
halb beschränkter Grenzen vollständig schmerzlos waren. Beide
Patientinnen sind nicht bettlägerig gewesen und hätten ebenso gut
poliklinisch behandelt werden können. Bei der einen Patientin (Frau
Kröwing, 26 Jahre alt) waren am Tage der klinischen Demonstra-
tion 6 Wochen seit der Operation verstrichen und die Vemarbung
bereits vollendet. Hingegen war die zweite Patientin (Marie Koch^
26 Jahre alt) vor 16 Tagen operirt worden^ trotzdem war die Wunde
bis auf eine linsengrosse ^ nicht fistulöse Stelle geheilt; Prof. Volk-
mann und mehrere anwesende CoUegen übten den heftigsten Druck
auf dies vor 16 Tagen resecirte Gelenk aus , ohne dass die Patientin
auch nur den geringsten Schmerz empfunden hätte. .
Es ist selbstverständlich^ dass eine so überraschend schnelle Hei-
lung nur deshalb möglich war^ weil es sich beide Male um nicht
fistulöse Affectionen handelte. — Von den Resectionen des Ell-
bogengelenks demonstrirte Volkmann einen Fall (Friedr. Farst^
39 Jahre alt)^ welcher wegen Zerschmetterung der Ulna durch Pferde-
huftritt mit Eröffiiung des Gelenks erst am dritten Tage nach der
29»
452 Gentralblatt far Chirurgie. No. 29.
Verletzung resecirt worden war. Trotzdem , nach Angabe Volk-
mann 's absolut typischer Verlauf^ totale Tiefemrerklebung, nie ein
Tropfen Eiter im wörtlichsten Sinne ! Bei der Vorstellung befand sich
Patient am 14. Tage nach der Operation und erhielt erst den 5. Ver-
band. Die Gelenkhöhlenwunde war vollständig primär verklebt^ die
Hautwunde bis auf eine einzige Drainstelle ebenfalls verheilt. Aus
der Drainröhre 9 die noch an demselben Tage ganz entfernt wurde,
floss bei stärkstem Druck auf das Gelenk nicht ein Tropfen Be-
eret; keine Schmerzhaftigkeit des Gelenks bei Druck etc.; leichtere
passive Bewegungen erzeugten keinerlei Empfindungen. Der Arm
war auf einer Watson' Schiene gelagert, welche von Volkmann
in der Weise modificirt ist, dass die Hand in Supination steht, wo-
durch zugleich die Lagerung eine sehr viel sichere und festere wird.
Volkmann wendet diese ausserordentlich brauchbare und bequeme
Schiene bei Ellbogenresectionen, bei complicirten Fracturen des Vorder-
arms etc. mit grosser Vorliebe und gutem Erfolge an. — Uebrigens
erfahre ich nachträglich, dass auch in diesem FaUe am 19. Tage
(6. Lister'scher Verband) die Wunde total und bleibend vernarbt war.
Hüftgelenksresectionen befanden sich gleichzeitig 6, bei
Kindern zwischen dem 2. und 11. Ijebensjahre, in Behandlung; sie
waren sämmtlich wegen Caries gemacht worden und verliefen durchaus
typisch. Die bezüglichen Operationen waren ausgeführt worden am
16. März, am 15. April, 17. April, 26. April, 20. Mai und 2. Juni.
2 Fälle von vorwiegendem Interesse wurden von Herrn Prof. Volk-
mann besonders demonstrirt und besprochen. In dem einen han-
delte es sich um einen sehr schweren mit weiten Hautablösungen
verbundenen Fall (Carl Neuhaus, 8 Jahre alt). Der Knabe war
vor 6 Wochen resecirt; bei der Vorstellung waren die Defecte voll-
ständig ausgefüllt, nirgends mehr fistulöse Eiterung, nicht die geringste
Schmerzhaftigkeit. In dem zweiten Falle, einer erst vor 9 Tagen
wegen Caries und totaler Luxation ausgeführten Hüftresection bei
jeinem 11 jähr. Knaben, constatirten wir prima intentio der Wunde
bis auf eine einzige Drainstelle. Bei stärkerem Drucke auf die Ge-
lenkgegend, gegen den der Knabe völlig unempfindlich war, entleerten
sich aus der Drainröhre kaum Spuren eines rein serösen nicht eitrigen
Secrets, und selbst ausgiebige Bewegungen, welche mit dem resecirten
Oberschenkel gemacht wurden, verursachten durchaus keinen Schmerz.
Kniegelenksresectionen befanden sich 3 in Behandlung.
Sie waren sämmtlich wegen Caries mit Luxation des Unterschenkels
nach hinten bei Kindern von 6 bis 9 Jahren unternommen worden.
Auch hier typischer, d. h. vollkommen reactionsloser Verlauf. Alle
wurden in Blechhohlschienen mit j_ förmiger Fussstütze behandelt.
Der merkwürdigste Fall, welcher zugleich das glücklichste von Volk-
mann bei Knieresectionen unter dem List er'schen Verbände erzielte
Resultat darstellt, ist folgender:
Anna Meyer, 9 Jahre alt, Caries des rechten Kniees mit Luxa-
tion nach hinten und sehr grossem, noch geschlossenem Abscess an
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 29. 453
der äuBseren Seite des Femur. Reseetion des Gelenks y Spaltung und
sorgfältige Ausschabung des Abscesses am 10. Mai. Absolut^ prima
intentio sowohl der Gelenkspalte und der Hautwunde, als auch des
Abscesses. Das die Gelenkspalte erfüllende Blutcoagulum organisirte
sich. Am Tage der Vorstellung, also nach 4 Wochen, sah ich die
Patientin bereits im geschlossenen Gypsverband, welcher seit einiger
Zeit angelegt worden war. Ende Juni ging, wie ich später erfuhr,
Patientin bereits sehr gut ohne Stock in einem geeigneten Schienen-
apparate. Die Narbe in der Haut über dem Gelenk ist hier so fein wie
nach der gelungensten plastischen Operation. — Dieser gewiss über
alle Maassen günstige Verlauf in dem letzteren Falle war natürlich nur
möglich, weil der Abscess noch nicht aufgebrochen war. Die Kno*
chen hatte Volkmann nicht abgesägt, sondern mit dem Messer ab-
geschnitten, wie dies bei Kindern fast ausnahmslos möglich ist.
Von den Fussresectionen sahen wir einen älteren Fall aus
dem Jahre 1874. Bei einer Frau in den vierziger Jahren war
wegen schlecht geheilter, in's Gelenk penetrirender Fractur mit
hochgradiger Valgusstellung des Fusses die Totalresection des Tibio-
Tarsalgelenks ausgeführt worden. Das Resultat dieser nach voll-
ständig verheilter Fractur vorgenommenen Reseetion war in der That
ausgezeichnet: es hatte eine sehr schöne Regeneration des Knochens
stattgefunden, der Fuss stand in sehr guter Stellung, vollständig
rechtwinklig ohne die geringste Pro- und Supination und das Sprung-
gelenk war deutlich activ beweglich. Der vorli^ende Fall zeigt,
dass es möglich ist, nach der Reseetion gute functionelle Resultate
bei activ beweglichem Fussgelenke zu erzielen, Resultate, welche ce-
teris paribus doch wohl die nach Ankylose übertreffen dürften.
Immerhin werden solche Fälle zu den Ausnahmen gehören. —
Von den Amputations fällen erwähne ich kurz folgende.
Zunächst demonstrirte Herr Prof. Volkmann eine Exarticulatio coxae
bei einem 45jährigen Manne (Myxolipom des Oberschenkels von der
Hinterbackenfalte bis zur Kniekehle reichend, fast 2 Fuss im Durch-
messer). Am Tage der Vorstellung war derselbe vor 10 Tagen operirt
worden (vorderer Lappen); Fat. war fieberfrei und die Operations-
wunde bis auf die 2 Drainstellen prima geheilt. Pat. hatte sich übri-
gens am Nachmittage des Operationstages so wohl gefühlt, dass er
rauchend im Bett gefunden wurde.
Von Interesse ist noch, dass der Esmarch'sche Schlauch in
diesem Falle , ohne Aortencompression , eine vollständig blutlose Ope-
ration ermöglichte.
Von den Oberschenkelamputationen sah ich eine primäre Ampu-
tation nach Zermalmung des Beines durch Ueberfahrung bei einer
84jähr. (!) Frau (Frau Hüter). Pat. war vor 7 Tagen operirt worden :
es war absolute Tiefenverklebung trotz geringer geruchloser I^appen-
gangrän eingetreten. Pat. war fieberfrei, hatte nach Angabe Volk-
mann's überhaupt kaum gefiebert; keine Schmerzen, keine Schwellung
des Stumpfes. Wie ich nachträglich erfahre befindet sich Fat. auch
454 Centralblatt für Chirurgie. No. 29.
heute noch wohl und sitzt bereits im Bett. — Das so günstige Resultat
bei dieser alten, noch dazu anämischen Frau wurde wohl zum Theil
auch durch die Esmarch'sche Blutleere ermöglicht. Dass man jetzt
bei heruntergekommenen^ äusserst anämischen Patienten besonders
Amputationen mit Aussicht auf Erfolg wagen kann^ das verdanken
wir ausser der antiseptischen Methode ganz besonders auch der
£smarch*schen Blutleere. — Die beiden anderen in der Heilung be-
griffenen Oberschenkelamputationen betrafen Männer mit schweren
complicirten Unterschenkelfracturen , wo die conservative antiseptische
Methode theils wegen Blutungeir^ theils wegen der erst im Verlauf
der Behandlung sich herausstellenden zu grossen Schwere der Knochen-
verletzung aufgegeben werden musste. In beiden Fällen war mit vor-
derer Lappenbildung operirt worden ^ es war absolute Tiefenverklebung
erreicht; beide Patienten waren fieberfrei.
Von 6 osteoplastischen Operationen nach Pirogoff er-
wähne ich besonders einen älteren Fall (Zermalmung des Fusses
durch Auffallen einer mehrere Centner schweren Eisenplatte]. Der
Fall^ am 21. April operirt, war deshalb von ganz besonderem Interesse,
weil nach Aussage von Prof. Volkmann nicht nur absolute prima
intentio erfolgte und die Heilung also wirklich ohne einen Tropfen
Eiter von Statten ging, sondern Pat. auch am 30. Tage nach der
Operation die ersten Gehversuche auf dem Stumpf zu machen begann.
Das Bett hatte Pat. schon 14 Tage nach der Operation verlassen können.
Ein 2. Fall zeigte ein nicht minder schönes functionelles Resultat.
Eine vor längerer Zeit operirte Frau war im Stande ohne Prothese
auf dem nackten Stumpf Trab zu laufen, mit nur geringem Hinken.
— Prof. Volkmann benutzte hier die Gelegenheit, um die Vor-
theile der von ihm geübten schiefen Durchsägung sowohl des Unter-
schenkels, als des Calcaneus klar zu legen, Vortheile, welche der
zuletzt erwähnte vorgestellte Fall besonders illustrirte.
Zwei Syme'sche, am Tage unseres Besuches in Halle noch in
Behandlung befindliche Fussamputationen waren ebenfalls local
vollständig reactionslos verlaufen. In beiden Fällen war wegen Caries
der Fusswiuzel bei gleichzeitiger schwerer Erkrankung des Calcaneus
operirt worden, in dem einen bei einem 12jähr. Knaben, in dem
anderen bei einem ISjähr. Mädchen. Der Knabe, welcher bereits am
3. Tage nach der Operation das Bett verlassen hatte, war am Vor-
stellungstage vor 5 Wochen, das Mädchen vor 4 Wochen operirt wor-
den. — Zum Schlüsse sei noch einer Amputation des Humerus
und einer Handexarticulation gedacht. In dem ersteren Falle
(Herm. Schramm, 19 Jahre alt) war vor 7 Tagen wegen einer Ma-
schienenverletzung die primäre Amputation des Oberarms gemacht
worden. Kein Fieber, Heilung per primam ; Pat. ist nicht bettlägerig
gewesen und hat vom 4. Tage an weitere Spaziergänge gemacht.
Die Handexarticulation (primär traumatisch, Ferd. Richter, 38 Jahre
alt) war vor 15 Tagen operirt worden, auch hier absolute prima in-
tentio mit fieberlosem Verlauf.
Centralblatt für Chimigie. No. 29. 455
Von Osteotomieen wurden ein älterer und zwei neue Fälle
vorgestellt. Die beiden letzteren betrafen:
1) Resectio cuneiformis tibiae wegen diffortn geheilter Unter*
schenkelfractur mit äusserster Valgustellung. Fieberfreier Verlauf
ohne die geringste Eiterung; vor 4 Wochen operirt^ bereits consolidirt.
2) Keilresection aus dem Femur dicht über der Gelenkspalte
wegen spitzwinkliger Ankylose und gleichzeitiger Luxation dee Unter-
schenkels nach aussen (Edm. Ludwig, 23 Jahre alt). Der Fall ver-
lief ohne Eiterung, Temperatur bis 38,0, sonst nie erhöht. Auch
hier war die Wunde bereits seit längerer Zeit vernarbt.
Von Mammaamputationen sahen wir 5 Fälle, davon 4 Fälle
mit Ausräumung der infiltrirten Achseldrüsen. Die Achselhöhlen-
wunde hatte sich, wie uns versichert wurde, in allen vier Fällen
per primam geschlossen, obgleich es sich um sehr ausgedehnte
Operationen handelte. Z. B. hatte Volkmann in dem einen Falle
gleichzeitig die Mm. pectorales major und minor vollständig hinweg*
genommen, den proc. coracoid. blossgelegt und in allen 4 Fällen
die Achselvenen in grosser Ausdehnung frei präparirt. Drei dieser
Fälle verliefen ganz iieberlos.
Zum Schlüsse erwähnen wir noch einer vor wenigen Tagen aus-
geführten und gelungenen Uranoplastik nach v. Langenbeok
und eines Fibrosarcoms zwischen Scapula und Wirbelsäule. Lti
dem letzteren ganz besonders interessanten Falle war die Geschwulst
von stark Kindskopfgrösse (Längsdurchmesser 25 Cm.) und griff zum
Theil weit unter die Scapula. Die von Volkmann ausgeführte Ex«*
stirpation der Geschwulst war eine ausserordentlich eingreifende Ope«
ration : die proc. spinosi der Wirbelsäule sowie der hintere Rand des
Schulterblattes und der Spina scapulae wurden blossgelegt, die Rücken-
muskeln zwischen Columna und Scapula weggenommen und letztere
selbst vom Thorax abgelöst. Es trat absolute prima intentio der grossen
Lappen ein , so dass nur in der Mitte ein flacher Defect zurückblieb,
weil hier die mit dem Tumor verwachsene Haut hatte weggenommen
werden müssen. Die Temperatur war nur 2 Mal über 38,0 erhöht.
Fat. war vor 9 Tagen operirt und ist, wie mir nachträglich mitgetheilt
wurde, am 14. Tage nach der Operation entlassen worden. Der Fall
ist einer der grossartigsten Erfolge, welche nach Aussage von Prof.
Volk mann unter dem antiseptischen Verbände mit methodischer
Compression in der Halle'schen Klinik beobachtet vnirden.
Gerade in solchen Fällen, wie im vorliegenden > fordert die me»
thodische Compression die Heilung per primam gewiss ganz ausser-
ordentlich.
Das sind die Resultate, welche Volkmann durch strengste
Durchführung des antiseptischen Princips erzielt hat. Ich kann es
wohl unterlassen, hier nochmals das Ungewöhnliche, das Neue in
den vorliegenden Angaben hervorzuheben. So viel, glaube ich, steht
fest, in den Erfolgen Volkmann 's und auch anderer Anhänger
Lister's, z. B. Thiersch's, finden sich zum Mindesten über-
456 Centralblatt far Chirurgie. No. 29.
zaachende Momente; sie müssen den Gegnern des antiseptic treatment
viel zu denken geben. Die Resultate fallen schwer in die Wagschaale
für di& Bichtigkeit des Lister'sdien Princips. In der That giebt es
wohl f&x den praktischen Chiruigen kaum eine wichtigere^ ernstere
Frage als die der Wundbehandlungsmethode. Um so mehr muss man
sich wundem^ dass die von Lister behaupteten Thatsachen bis jetzt
so wenig einer ernsten Prüfung von den Fachgenossen unterworfen
worden sind. Wir müssen leider gestehen^ dass wir, wie Volk-
mann mit Recht sagt (1. c. p. 3), »in der List er- Frage einerseits
über den die Beweisgründe nicht allzu ängstlich abwägenden prin-
cipiellen Enthusiasmus und andereAeits über die principielle passive
Negation kaum noch hinausgekommen«. Manche Fachgenossen werden
dutch theoretische Bedenken von einem Versuch des antiseptic treat-
ment abgehalten, sie können sich nicht zu der List er 'sehen An-
nahme verstehen, dass die deletären Formen der Eiterung und Ent-
zündung auf einem parasitären Einflüsse beruhen. Wie uns aber das
Beispiel von Volkmann und Thiersch beweist, kann man in
praxi treuer Anhänger der antiseptischen Wundbehandlung sein,
ohne deshalb der »Pilz -Theorie« ohne Weiteres beipflichten zu
müssen. Auch wird in diesem Puncto L i s t e r wohl seine
früheren Ansichten modificiren, nachdem Ranke*} in typisch ver-
laufenden Fällen unter dem Liste r*schen Verbände Bacterien etc.
gefunden hat. -- Wieder andere Fachgenossen halten den Li st er '-
sehen Verband für zu theuer, um Versuche damit anstellen zu können.
Ich glaube auch diese Entschuldigung dürfen wir nicht gelten lassen.
Zunächst muss man bedenken, dass die Kostspieligkeit des Ver-
bandes dadurch geringer wird, dass die Zahl der Verpflegungstage
der einzelnen Patienten bei der antiseptischen Behandlung eben-
falls abnimmt. Sodann kann man bekanntlich auch den Preis
wesentlich dadurch herabsetzen, dass man die Thiersch 'sehe**)
Methode wählt oder beim typischen List er -Verbände statt der ge-
wöhnlichen Lister'schen Carbolbinden einfache in wässrige Carbol-
lösung getauchte Mtdlbinden anwendet. Und wenn wir schliesslich
noch an die wohl feststehende Thatsache erinnern, dass strengste
Antisepsis am wirksamsten vor Hospitalbrand, Pyämie und Septikämie
schützt, dass sie somit aus einem in sanitärer Beziehung schlechten
Hospitale ein gutes macht, dann sollte man meinen, dass die Kost-
spieligkeit des antiseptischen Verbandes nicht allzu sehr von seiner
Anwendung abhalten dürfte.
Zum Schlüsse möchte ich nur noch einen Punct hier kurz er^
wähnen. Wenn man die heutige chirurgische Journal- Li tteratur
*) Centralblatt für Chirurgie 1874. No. 13.
**) C. Thiersch, Kliniache Ergehnisse der Lister'schen Wundbehandlung
und über den Ersatz der Carbolsäure durch Salicylsäure. Sammlung klinischer
Vortrftge herausgegeben von Prof. Volk mann. No. 84— 85. Leipzig 1875. Breit-
kopf & Hftrtel.
Centralblatt für Chirurgie. No. 29. 457
durchblättert, so findet man oft casuistische Mittlicüungen , in wel-
chen kurz für oder gegen Li st er raisonnirt wird. Es ist irgend ein
Fall angeblich »streng nach Listera operirt worden und je nach
dem Erfolg wird für oder gegen die antiseptische Wundbehandlung
Stellung genommen. Solche einmaligen Versuche beweisen aber
nichts. Möchten doch die betreffenden Autoren nicht glauben ^ dass
sie wirklich »streng nach List er« verfahren haben. Man kann
nicht so ohne Weiteres die antiseptische Methode praktisch durch-
führen, sie muss erst durch ernste Uebung erlernt werden, besonders
muss das Wartepersonal geschult werden, will man Erfolge, wie die
oben mitgetheilten, erzielen. Ebenso wie diesen einmaligen List er-
Versuchen fehlt auch den rein theoretischen Kaisonnements ohne
praktische Belege jede Beweiskraft.
Doch wenn wir auch eine noch allseitigere Prüfung der Lister'-
schen Methode baldigst wünschen möchten , so wollen wir doch vor-
läufig damit zufrieden sein, dass das antiseptische Princip der Wund-
behandlung in Deutschland wenigstens festen Fuss gefasst hat. Viel-
leicht dürfen wir erwarten, dass auch die hier mitgetheilten Erfolge
Volkmann 's den einen oder anderen Fachgenossen zu einem ernst-
gemeinten Versuch mit der antiseptischen Wundbehandlungsmethode
anregen.
Und wenn sich erst das Princip der antiseptischen Wundbehand-
lung allgemeiner Bahn gebrochen, dann werden sich zweifellos bald
die heilsamen Folgen auf die Eutwickelung unserer chirurgischen
Disciplinen zeigen. Es ist noch nicht abzusehen, in wie weit die chi-
rurgischen Indicationen , die Operationstechnik etc. von dem antiseptic
treatment modificirt werden wird. Bezüglich der chirurgischen Sta-
tistik können wir schon heute sagen , dass sie durch die antiseptische
Methode jedenfalls gewaltig umgestaltet wird. Die früheren Zahlen
werden mehr oder minder an ihrem Werthe verlieren, ganz andere
Gesichtspuncte werden bei der Anfertigung statistischer Zusammen-
stellungen massgebend sein. —
P. L, Panuin. Zur Orientirung in der Transfusionsfretge.
(Virch. Archiv Bd. LXIÜ. p. 1 .)
Die Ansicht, es sei möglich durch Bluttransfusion einem Indi-
viduum unmittelbar Nahrungsmaterial zuzuführen , ist falsch. Es ist
nicht möglich das Leben eines Individuums durch wiederholte Trans-
fusionen zu erhalten , wie P. schon durch frühere Experimente nach-
gewiesen hat. So nimmt bei der Inanition die relative Blutmenge
nicht ab , die relative Menge der Blutkörperchen und des Faserstoffes
wird nicht merklich verändert. Die Menge der Eiweissstoffe des Serum
wird etwas, aber nur unbedeutend vermindert und nicht einmal ganz
458 Ceniralblatt für Chirurgie, Nol 29.
constant. Ebenso bleibt der grösste Theil der einem hungernden Thiere
durch wiederholte Transfusionen zugeführten fremden Hlutkörperchen
erhalten. Ihre Substanz dient nicht als Nahrungsmaterial zur Deckung
der unvermeidlichen Abgabe des Stoffwechsels^ ihre Gegenwart
scheint im Gegentheil, vielleicht durch Vermehrung des Sauerstoff»
Verbrauches, zur Yergrösserung des bei der Inauition eintretenden
Gewichtsverlustes beizutragen. Die physiologische Bedeutung des Blutes
für die Ernährung besteht darin, dass es als ein flüssiges Gewebe mit
Hülfe des Kreislaufes zum Transportmittel dient für andere Stoffe^
welche nicht den eigentlichen constituirenden Bestandtheilen des Blutes
angehören , namentlich für die vom Darm aufgenommenen Nahrungs-
stoffe auf ihrem Wege zu den Geweben. Von der grossen Masse
dieser Stoffe aber, die« in 24 Stunden durch das Pfortaderblut und
durch den Chylus vom Darm aufgenommen werden» ist in jedem
einzelnen Moment nur sehr wenig im Blute vorhanden.
»Ebensowenig kann man den Organismus durch eine mitDepletion
verbundene Transfusion von schädlichen Excretionsstoffen oder von
solchen giftigen Substanzen befreien, welche immerfort im Organismus
gebildet und reproducirt werden.« Das bei Pyämie, Erysipelas^ Diph-
theritis wirksame Gift wird sicher nicht nur im Blut, sondern auch
immerfort in den Geweben des kranken Organismus erzeugt. Bei der
Grösse dieser Bildungsfahigkeit, bei der Schnelligkeit des Kreislaufes
ist die Giftmenge, welche sich durch die Depletion entfernen lässt, ver-
schwindend klein zu nennen, im Verhältniss zu der während eines Tages
producirten Menge. Nach P. lassen sich Blutkörperchen von einem
Individuum in ein anderes Individuum derselben Art recht wohl
transplan tiren. Sie bewahren im gequirlten, defibrinirten Blut ihre
Form und ihre Fähigkeit durch Aufnahme von Sauerstoff Oxyhämo-
globin zu bilden. Defibrinirtes Blut soll also für die Transfusion
gleichwerthig mit ursprünglichem nicht defibrinirtem Blut sein.
Die Transfusion hat nur eine unzweifelhaft rationelle Indication.
Sie ist nur am Platz , wo der Mangel an functionsfähigen rothen Blut-
körperchen die primäre und wesentliche Krankheitsursache bildet.
Zur Diagnose dieses Blutkörperchenmangels genügt es nicht, auf Puls,
Gesichtsfarbe, Temperatur, Rücksicht zu nehmen, sondern die Vor-
nahme einer sorgsamen Blutuntersuchung ist unerlässlich. Dieselbe soll
nach P.'s Vorschlag nach der Methode von Malasse 2 (cf. CentralbL
f. Chir. 1874, p. 37) geschehen, was in etwa V2 Stunde und mit
einem nur kleinen Bluttröpfchen ausführbar ist.
Als Contraindication der Transfusion erscheint grosse Schwächung
des Nervensystems, speciell der Herznerven, welche den Eintritt einer
Paralyse des Herzens während der Transfusion befürchten lässt. —
Aus dem zweiten, längeren Theil der P. 'sehen Arbeit, die in vor-
wiegend polemischer Art sich mit den Arbeiten von Gesellin s und
Hasse beschäftigt und zum Theil in ihren Resultaten mit denen von
Ponfick (CentralbL für Chirurg. 1875, No. 19) völlig überein-
stimmt, seien nur folgende Sätze hervorgehoben. Die unmittelbare
Centralblatt für Chirurgie. No. 29. 459
Transfusion ist ohne grosse Schwierigkeit ausführbar^ aber mit drei
wesentlielien Misslichkeiten verbunden. Die transfundirte Blutmenge
ist nur dadurch zu bestimmen, »dass man die beiden betreffenden
Individuen, vor und nach der Transfusion, auf einer hinreichend
grossen und fein ziehenden Wage wägt; man ist also ausser Stand
die Transfusion gerade dann zu unterbrechen, wenn eine vorher be-
stimmte Blutmenge transfundirt ista. Das von Hasse benutzte Zeichen
des Eintritts von Ohnmacht und Bewussdosigkeit bedeutet nur, dass
in dem Moment das Leben des Individuums durch Ueberfiillung des
rechten Herzens bedroht ist, es zeigt nicht an, ob die Blutmenge,
die der Kranke bekommen hat, gross oder gering ist, indem man
durch schnelle und forcirte Injection die genannten Erscheinungen
schon mittelst einer verhältnissmässig sehr geringen Blutmenge hervor-
bringen kann. Bei der unmittelbaren Transfusion ist man niemals
sicher, dass nicht Blutgerinnsel mit transfundirt werden. Die Schnellig-
keit des Ueberströmens des Blutes ist nicht zu reguliren und es kann
die Transfusion aus diesem Grunde lebensgefahrlich werden. — Die
Transfusion mit defibrinirtem Blut verdient nach P. mit Kücksicht
auf die leichte und sichere Ausführung der Operation unbedingt den
Vorzug vor der mit nicht defibrinirtem Blut. Neue Versuchsreihen
beweisen, dass Magendie's Theorie von der Bedeutung des Faser-
stoffes für den Durchgang des Blutes durch die Capillaren unrichtig
ist. Transfusion von Lammblut oder Thierblut überhaupt ist nicht
im Stande dem Mangel an functionstüchtigen Blutkörperchen abzu-
helfen , da die fremdartigen Blutkörperchen sehr bald im blutempfan-
genden Organismus zu Grunde gehen. — Zahlreiche werthvoUe Be-
merkungen über die Technik der Operation finden sich in der ganzen
Arbeit zerstreut und sind im Original nachzusehen.
Madelung (Bonn).
BoUJnger. Zur Aetiologie der Kälberlähme, nebst Bemer-
kungen über Vergiftung durch Kalbfleisch.
(Deutsche Zeitechrift f. Thiermed. u. vergl. Pathologie 1875. Bd. I. Hft 1.)
Wie früher für die Fohlenlähme (Virch. Arch. Bd. 58, p. 329),
so weist B. jetzt auch für die als Lähme oder Gelenkseuche
bezeichneten Krankheitsformen innerhalb der ersten Lebenswochen
bei Kälbern nach, dass das Wesentliche des Processes eine mit Me-
tastasen einhergehende Pyämie , ausgehend von einer eiterigen Nabel-
yenenentzündung , sei. Die Ursache der grossen Häufigkeit dieser
Processe sieht B. in der vollkommen mangelnden Nabelpflege und der
häufigen Berühnmg der frischen Nabelwunde beim Niederlegen des
Thieres in einem aus Koth , Harn und Fäulnissproducten zusammen-
gesetzten Bade, welches die Wunde auf die einfachste Weise mit
giftigen , fermentirenden Stoffen inficirt. Das enzootische Auftreten
460 Centralblatt für Chirurgie. No. 29.
der Lähme in Gestüten vergleicht er mit dem endemischen Auftreten
der Pyämie und Septikämie in unsern Gebärhäusern; doch besteht
insofern ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Thieren,
als in Gebärhäusern in der Kegel mit der Pyämie der Säuglinge
gleichzeitig Puerperalfieberepidemieen beobachtet werden , während bei
den Thieren letztere meist fehlen. Dies erklärt B. aus der Seltenheit
der manuellen Untersuchungen und Hülfsleistungen bei Hausthieren^
sowie aus dem. Umstände , dass die Lösung der Placenta bei letzteren
aus anatomischen Gründen ohne Gefösszerreissung vor sich geht^
mithin auch die Innenfläche des Uterus nach der Geburt keine eigent-
liche Wundfläche darstellt.
Im AnscUuss daran wird ein Fall mitgetheilt, in welchem der
Fleischgenuss eines frisch geschlachteten Kalbes mit congenitaler
Pyämie schwere Vergiftungserscheinungen bei 27 Personen und einen
Todesfall herbeiführte. Die Symptome bestanden in heftigem Brech-
durchfall mit cerebralen Störungen und ähnelten denen bei Wurstgift-
intoxication. Am. Hiller (Berlin).
Voltolini. Ein besonderes Stethoskop.
(Berl. klinische Wochensohrift 1875. No. 16.)
Verf. bedient sich eines Hörrohrs, bestehend aus einem 1 — l^j'
langen Gummischlauch ^ der unten ein trichterförmiges Ende, oben
einen eichelformigen Zapfen trägt. Letzteren stopft man sich in das
Ohr, das erstere setzt man auf die zu untersuchende Stelle. Es ist
dieser Apparat sowohl acustisch richtig construirt, als praktisch
brauchbar. Bei unseren gebräuchlichen soliden oder durchbohlten
Stethoskopen liegt der Hauptfehler darin, dass die »physikalisch un-
begreifliche Platte«, aufweiche die Ohrmuschel aufgelegt wird, nicht
dicht durch das Ohr geschlossen wird; jener Zapfen dagegen kann
bis an den knorpeligen Theil des Ohres fest eiugespresst werden.
r. Mosengeil (Bonn).
AL Ulwersky. Zur Frage über die traumatische Leber-
entzündung.
(Virch. Archiv Bd. LXÜI. p. 189.)
Die Untersuchungen wurden im Laboratorium für allgemeine
Pathologie in Kiew ausgeführt. Zum Hervorrufen der Entzündung
wurden Holzsplitter, zusammengedrehte Seidenfäden in die Leber von
Fröschen, Kaninchen, Hunden eingeführt, desgleichen durch Einstich
verdünnte Ammoniaklösung eingespritzt. Die Leberzellen nehmen
keinen activen Antheil an der Entzündung , sondern werden auf dem
Wege regressiver Metamorphose zerstört. Die Eiterkörperchen stellen
nicht Theilungsproducte der Leberzellen dar, sondern sind emigiirte
Centralblatt für Chirurgie. No. 29. 461
farblose Blutkörperchen. Die Neubildung von Bindegewebe^ als Pro-
duct der Entzündung^ erfolgt wahrscheinlich auch auf Kosten der
letzteren. Hadelmig (Bonn).
Spiegelberg. Ueber die Fissur des Blasenhalses, mit Be-
merkungen über die rapide Dilatation der Harnröhre beim
Weibe.
(Vortrag in der med. Section der Schlesischen OesellBchaft.)
(Berl. klinische WochenBchrift 1875. No. 16.)
Verf. berichtet über die in der Litteratur bisher nirgends erwähnte
Affection, dass er sie bei rapider Dilatation der Harnröhre in einem
Falle von lange bestellenden Blasenkrämpfen entdeckte. Nach einem
Wochenbette waren dieselben zurückgeblieben und keiner Behandlung
gewichen. Sp. vermuthete Polypen im sogenannten Blasenhalstheile^
fühi'te zu ihrer Beobachtung ein Ellinger'sches Dilatatorium in die
Urethra und öffnete es. Es folgte heftiger Schmerz^ der bald nach-
Uess ; Polypen wurden nicht gefunden. Es besserte sich der Zustand
merklieh. Verf. führte nach einigen Tagen einen Husch'schen Di-
latator ein, und danach ein sogenanntes Intrauterinspeculum nach
Jobert. Jetzt konnte man an der obersten, engsten Partie der
Urethra eine IV2 Cm. lange wunde, granulirt aussehende Stelle er-
kennen. Sie blutete nicht. Aetzung mit dem l^apisstifte führte in
5 Tagen völlige Heilung herbei. Ein Parallelfall, der auch aus dem
Wochenbette datirte, wurde in der Narcose gleichartig behandelt und
ebenso schnell geheilt. Die Bezeichnung Fissur ist von dem seinem
Wesen nach ähnlichen Leiden gleichen Namens am Anus genommen.
— Hinsichtlich der brüsken Dilatation sagt Sp., dass sie zuerst von
P. Hybord und Simonin 1872 geübt sei. Sp. selbst nimmt meist
mit Dilatatorien (nach Ellinger, Busch 's Uterusdilatator , Si-
mon'sche Specula etc.) die Erweitenmg vor. Andere mit den Fin-
gern. In der Narkose kann man bia auf 2^2 Cm. erweitem, ohne
Incontinenz fürchten zu müssen. Nach der Dilatation kann man
Digitalexplorationen , Inspectionen und die eigentlichen Operationen,
deren Voract die Erweiterung war, vornehmen.
T« Mosengeil (Bonn).
H. Fehling und O. LeopoIcL Ein Beitrag zur Lehre von
den kystischen Myomen des Uterus (Myosajrcoma lymphan-
giectodes uteri).
(Novembersitzung 1874 der geburtshülflichen Gesellschaft zu Leipzig.)
Bei einer an Tumor uteri leidenden 37jähr. Frau war die Diagnose
auf Fibromyom des Uterus mit theilweiser kystischer Entartung gestellt»
Mit einem krummen Troikart wurde vom vorderen Vaginalgewölbe
die fluctuirende Stelle der Geschwulst punctirt und hierbei 1500 Gm*
einer hellgelben Flüssigkeit entleert > die sofort an der Luft zu einer
462 Centralblatt für Chirurgie. No. 29.
klaren Gallerte gerann, chemisch wesentlich nnr durch ihren Gehalt
an Fibrin von Ovarialcysteninhalt sich unterschied. In die Punc-
tionsöffnung wurde ein M e r c i e r'scher Katheter eingelegt^ aus dem sich
in den nächsten Tagen noch etwas Flüssigkeit entleerte. Septicämi-
sches Fieber, Abgang von Blut, später chocoladenfarbiger Jauche aus
der Punctionsöffhung. Tod. Nach Leopold' s Untersuchung war die
G^eschwulst aufzufassen als Myom, dessen Hohlräume durch die Er-
weiterung wirklicher Lymphgefasse herbeigeführt worden waren. Den
diagnostischen Werth der Functionen bei Unterleibstumoren macht
auch dieser Fall deutlich. Aber ebenso erhellt auch hieraus die Ge-
fahr der Functionen, wenn man es mit Kysten zu thun hat, deren
dicke Wandungen sich nach der Function nicht an einander legen
können. Jedenfalls empfiehlt es sich den Di eulafoy'schen Apparat
zu benutzen und nur so viel Flüssigkeit abzuzapfen , als zur Stellung
einer sicheren Diagnose nöthig ist. Madelnng (Bonn).
Kleinere Mittheilungen.
G. Juillard. Note sur une nouyelle sonde metallique.
(Bulletin de la 8oci6t6 m6dicale de la Suisse romande. 1875. No. 4.)
Zur leichten Einführung von elastischen Kathetern in die Blase , wenn silberne
ohne grosse Mühe sich einführen lassen, während erstere, wie es nicht selten ist,
entweder gar nicht oder nur sehr schwer hineingebracht werden können, bedient
flieh J. eines silbernen, vom abgeschnittenen durch einen dickgeknöpften Mandrin
verschliessbaren Katheters.
Nach Entfernung des Mandrin wird durch den Katheter ein geknöpfter 70 Cm.
langer silberner Leitungsdraht eingeführt, über welchen zunächst der silberne Ka-
theter herausgezogen, und dann der vorn ebenfalls abgeschnittene elastische hinein-
geführt wird.
Verf. theilt 5 Fälle mit , wo es nur durch diese Methode möglich wurde , zum
Ziele zu kommen. Clirard (Bern}.
C. F. Wahlberg. Mikroskopisk undereäkning af tumörer.
(Finska Lakaresänskapets Handlingar Bd. XVI. No. 4.)
Es werden die Resultate der Untersuchung zweier Tumoren aus der Vagina
mitgetheilt» eines Spindelzellen- und eines kleinzelligen Rundzellensarcoms. Beide
Waren stark vascularisirt. Die zweite Geschwulst stammte aus der Vagina eines
2jähr. Kindes und war von so weicher Consistenz, dass der Operateur sie nur in
sehr kleinen Stücken entfernen konnte. Die Grösse des Tumors deshalb sehr
schwer zu bestimmen ; das grösste Stück , welches zur Untersuchung kam , war
etwa von der Grösse einer Wallnuss, sehr weich und auf der Schnittfläche braun
und weisslich. An diese beiden Fälle wird eine Betrachtung über das Entstehen
der Kundzellensarkome geknüpft. In der ersten Geschwulst war nämUch die
Bindegewebsnatur leicht zu erkennen. Die Zellen des zweiten Tumors glichen
aber durchaus den farblosen Blutkörperchen und müssen als solche betrachtet werden.
Zu Gunsten dieser Ansicht spricht auch der Bau des Tumors, denn erstens war
derselbe reich an Venen und Capillaren, durch welche eine Diapedesis der Blut-
körperchen stattfindet. Dagegen war die Zahl der Arterien eine sehr kleine und
in Folge dessen muss die venöse Blutcirculation i durch Mangel einer starken vis
a tergo eine sehr langsame gewesen sein, welches, wie Cohnheim nachgewiesen,
eine nothwendige Bedingung für das Zustandekommen einer Diapedesis ist. Zwei-
tens ist die Aehnb'chkeit zwischen dieser Geschwulst und einem organisirten Thrombus
Centralblatt far Ckirurgie. No. 2d. 463
allxu gross , um ignorirt werden su ktonen , und drittens sieht man innerhalb der
Oefässe Zellen von derselben Natur, wie die in der Geschwulst.
W^eitere Studien in dieser Frage, mit welcher der Verf. beschäftigt ist, sollen
später mitgetheilt werden. Wahlberg (Helsingfors) .
Wright. Stillborn foetus at füll term^ witb congenital lipoma attached
to the roof of mouth and case of skull.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. Hft. 4. p. 392.)
Ein sonst wohlgebildetes und ausgetragenes Xind stirbt sofort nach der Geburt.
Ein einer Zungenspitze fihnliches Gebilde ragte zwischen den Lippen hervor. Es
ist das Vorderstück einer abgeplatteten eiförmigen Geschwulst, die am harten Gaumen
und der Schädelbasis festsitzt, die Choanen verschliessend bis auf eine enge nur
eine Sonde durchlassende Spalte. Die Oberfläche der Geschwulst bedeckt weiches
flaumiges Haar und ein Epithellager mit Haarbälgen und Talgdrüsen. Die eigent-
liche Masse der Geschwulst besteht aus quer gestreiften Muskeln und aus Fett-
gewebe. Madelung (Bonn).
B. F. Weir. Ichthyosis of the tongue and vulva.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXL Hft. 3. p. 240.)
Verf. giebt nach Aufzählung des bisher über diese Affection in der englischen
und französischen Litteratur Mitgetheilten 9 Krankengeschichten von Ichthyosis der
Zunge y eine von dem bisher unbeobachteten Vorkommen desselben Leidens auf
der Schleimhaut der Scheide. Eine Frau litt seit dem 16. Jahre an ausserordentlich
starkem Pruritus vaginalis, gegen den sie in letzter Zeit vergeblich 10 — 12 Gran
Morphium täglich nahm. Excision und Galvanocauterisation der Schleimhaut der
Labia minora waren ohne dauernden Erfolg. 1869 wurde die Ichthyosis der kleinen
and theilweise der grossen Schamlippen constatirt und ohne Erfolg behandelt. 1 870
mussten dieselben Theile wegen ausgebildeten Bpitheliacalrcinoms entfernt werden.
Madelung (Bonn.)
FerguBson M'QiU. Aneurysma der Subclavia behandelt mit temporärer
directer Compression des Gefässes.
(The Lancet 1875. Vol. 1 , p. 612. ' Med. chirurg. Gesellsch.)
M'Gill berichtet über einen Fall von Aneurysma der Subclavia bei einem
34jähr. Manne, der seit 3 Jahren eine pulsirende Schwellung im äusseren Drittel
der Subclavia bemerkt haben will. Dxgitaleompression und Knetung wurde ohne
Erfolg angewandt) dagegen schaffte Galvanopunctur mehrfach vorübergehende Besse-
rung. Als das Aneurysma immer mehr zunahm , die Sehmerzen im Arme heftiger
wurden, legte Verfasser an der im ersten Drittel freigelegten Subclavia (bei der
Freilegnng wurde die Pleurahöhle eröffnet) eine Torsionszange durch 10V2 Stunde
an , om ohne (?) Schädigung der Gefäashäute Gerinnung im Sacke herbeizuführen ;
am 2. Tage erfolgte von Neuem vorübergehende Pulsation im Aneurysma; bald
auftretende Pleuritis und Bronchitis führten nach 5 Tagen den Tod herbei. Die
Untertuohung des Aneurysma ergab volle Ausfüllung mit Fibrinmassen , die Wan-
dnngen an der Compressionsstelle gesund; das Aneurysma begann y^" entfernt
Tom tmnc. thyr. cervic. und mass 31/4 Länge. Der Operateur glaubt, dass der
Seetionsbefund eine Heilung des Aneurysmas hätte erwarten lassen (?).
Pill (Stettin).
BÖBormeaux. Ur6throtomie interne endoscopique.
(Kevue de th^rapeutique m^dic-ohirurg. 1875. No. 4.)
D. räth, die innere Urethrotomie der grösseren Sicherheit wegen immer in
Verbindung mit der künstlichen Beleuchtung der Harnröhre (Endoscopie) aus-
zuführen und beschreibt zu dem Zweck den von ihm erfundenen Beleuchtungs-
apparat. Bereits am 5. Juli 1863 hat er der Soci6t6 de Chirurgie 17 auf diese Weise
mit günstigem Erfolge behandelte Fälle mitgetheilt ; doch ist er bis heute noch der
einzige Chirurg zu Paris, der die Endoscopie hierbei anwendet.
Arn. HUler (Berlin).
464 Centralblatt für Chirurgie. No. 29.
Lannelongue. Fistules imnaiies multiples; induration du p6rinee;
r^section. ^
(Revue de th^rapeutique m^dic.-chirurg. 1875. No. 3.)
Mehrfache Urethro-Perinealfisteln mit Induration des umliegenden Gewebes
heilte L. dadurch , dass er , nach Einführung eines dicken elastischen Gummicathe-
ters in die Harnröhre und Spaltung des längsten, median gelegenen Fistelganges,
die indurirten Dammpartieen sammt den kleinen G&ngen excidirte und die Wunde
mit dem Glüheisen cauterisirte. Das Verfahren stammt von Voillemier (Gas.
hebdom. 1874, 379), der auf diese Weise 11 Kranke heilte.
Arn* Hiller (Berlin).
H. W. Brock. Report of cases of strangulated inguinal hemia.
(New York med. Journal 1874. Oct. No. 115. p. 381.)
1. Fall. Hemia inguinal, obliq. bei einem 61jähr. Manne, seit 11 Jahren
bestehend, während eines Kittes incarcerirt. Taxis erfolglos. Tod nach 48 Stunden.
2. Fall. Hemia inguinal, obliq. Bei einem 70jähr. Manne. Nach 42stündiger
Incarceration und erfolgloser Taxis Hemiotomie mit Eröffnung des Bruchsackes.
Der Inhalt des Bmches bestand aus einer Darmschlinge und Netz. Nach dem Ein-
schneiden des Annul. inguin. ext. wurde die Darmschlinge reponirt, eine Partie
des hypertrophirten Netzes abgebunden und abgeschnitten. Heilung.
3. Fall. Hemia inguinal, direct. Bei einem Manne von 27 Jahren. Nach
14stündiger Incarceration Hemiotomie mit Eröffnung des Bruchsackes und Bepo-
sition mehrerer Darmschlingen. Heilung.
4. Fall. Doppelseitige angeborene Leistenhernie mit Oryptorchismus bei einem
24jähr. Manne. Rechterseits nach lOstündiger Incarceration und erfolgloser Taxis
Hemiotomie mit Eröffnung des Bruchsackes (Process. vagin.). Der Inhalt des
Bruchsackes bestand aus einer Darmschlinge und dem etwas atrophischen Hoden.
Nach Einschneiden des Bruchsackhalses wurde die Reposition der Darmschlinge
und hierauf die Exstirpation des unvollständig descendirten Testikels gemacht.
P. Brans (Tübingen).
Bänke. Aus der Klinik des .Prof. Volkmann. Pseudarthrose des
Unterschenkels ; treppenformige Reseetion mit Aneinandemietung diirch
Elfenbeinstifte. Heilung.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 17.)
Bei einem Falle von Pseudarthrose mit bedeutender Uebereinanderschiebung
der Fragmente orwies sich das in der Ueberschrift angegebene Verfahren von
bestem Erfolg. Bei einer anscheinenden Uebereinanderschiebung der Fragmente
von 2V2" war nur eine Bein Verkürzung von 5/4" vorhanden. Es war ein ur-
sprünglicher Schragbruch gewesen, die Bruchenden täuschten aber, durch Callus-
' Wucherung! verdickt, einen Querbruch mit starker Verschiebung vor. Die Frag-
mente wurden durch einen fünfzölligen Hautschnitt frei gelegt, die ftussersten
Enden abgesftgt, vom vorderen Fragmente die hintere Hälfte, vom hinteren die
vordere, soweit sie übereinander lagen mit dem Meissel weggenommen, die wund-
gemachten Knochenflächen an einander gepasst und durch geeignete Lage der
Sprengflächen richtige Stellung der etwas nach innen rotirt gewesenen Fussspitae
erzielt. In der coaptirten Stellung der Fragmente wurden diese doppelt durch-
bohrt und durch Elfenbeinstifte zusammen genagelt Lister'scher Verband und
gefensterter Oypsverband. — Trotz günstigem Wundverlauf anfangs starkes Fieber.
Nach 7 Wochen die gelockerten arrodirten Stifte entfernt. Heilung erfolgte nach
Ausstossung einiger Knochensplitter mit flacher aber ausgedehnter Callusbildung.
r* Mosengeil (Bonn).
Originalmitthellungeu, Monograpbieen und Separat&bdrücke wolle
man an Dr, H, TillmafkM, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlnug,
BreWcopf und Hart^y einsenden.
Druck aml Verlag von Üreitkopf und HIrtel ia Ii«ipxig.
Gentralblatt
ftlr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L. Lsser, Dr. K ScMe, Dr. E TUlmaniui
in B«rUB. in Hall« a. 8. in L«ipsif .
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beriehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 80. Sonnabend, den 84. JnU. 1875.
Inkaltt Wtmher, Chronische Tollständlge Dysphagie, Teranlasst durch Verdiekung des
BIngknorpels des Larynx. (Original-MittheUnng.)
Uwf, Histologie des Lnpus. — Klebt^ Beitrige rar Oeschwulstlehre. — Cornil, Me-
thylaniiln-Ylolett in der mikroskopischen Technik. — BlanC, Pulver Yon Goa hei Haut-
krankheiten. — Neitlor, Yeränderungen in den Lungen nach GehirnTerletsnngen. —
V. Wolkf ntteln , Besorption der Haut. — BrilM, Tempor&re Ligatur der Arterien. —
Witt, Massage. — HlfiChberg, Glaucom. — Ball, Casuistik. — FaucOR, SynoTialoysten.
— DasprISy Affection der Ferse durch anhaltendes Stehen.
■orice, Tetanus bei Affen. — Affre, Locale Atrophie in der Gegend der Glabella. —
Btaga, Osteom des Sinus frontalis. — Hlrtchfelder, Pustula maligna mit Mycosis cerebrl.
— Laadgraff, Hautkrankheiten. — Fturcauld, Fremdkörper im Larynx. — Aiigeri Sper-
matocele mit gleichzeitiger Hydrocele. — Gnflar, Hodentuberknlose. — KlniitMar
Beckenfractur.
Chronische vollständige Dysphagie , veranlasst durch
Verdickung des Bingknorpels des Larynx.
Von
Prof. Wemher in GieBsen.
lieber vollständige Dysphagie, veranlasst durch chronische An-
schwellung und Yerknöcherung des Schildes der Cartilago cricoidea,
existirt bis jetzt nur eine Beobachtung , von Travers, »A case of
ossification and bony growth of the cartilages of the larynx, preven-
ting deglutition«, welche in Vol. VII der London med. chirurgical
transactions mitgetheilt worden ist. Die systematischen Handbücher
der Chiruigie übergehen diese Ursache der Unfähigkeit, Nahrung durch
den Oesophagus passiren zu lassen, durch welche eine enge Strictur
desselben täuschend simulirt wird, durchaus. Die Specialisten , wie
Türck (Klinik der Kehlkopf krankheiten) , geben nur die Beobachtung
30
466 Centralblatt für Chiruigie. No. 30.
von Travers und auch nur nach der ungenauen üebersetzung von
Albers (Pathologie und Therapie der Kehlkopf krankheiten] . Dieser
hat in dem betreffenden Abschnitte noch einige weitere Citate^ welche
sich aber^ bei Yergleichung der Originalien^ als nicht hierher gehörig
erwiesen haben, ao aus Bonetus. Hamburger (Oesoph«gu6-«Krank-
heiten] citirt ohne nähere Angabe Shaw^ wahrscheinlich aber nur
aus einer Verwechslung mit Paw, den Alb er s unrichtig anfuhrt.
Somit scheint unsere Kenntniss dieser Form yon Dysphagie auf
einer einzigen Beobachtung zu beruhen. Da aber Verknöcherungen
und Anschwellungen der Kehlkopfknorpel in vorgerücktem Alter
durchaus nicht selten sind, so halte ich es für sehr möglich, dass sie
weniger ungewöhnlich ist, als es scheint, und dass sie nur, wegen
der täuschenden Aehnlichkeit der Erscheinungen, mit Stricturen des
Oesophagus verwechselt wird. Es scheint mir daher nicht ungeeignet,
durch Besprechung der nachfolgenden Beobachtung die Aufmerksam-
keit von neuem auf diesen Gegenstand zu lenken.
P. C^anz, ein gesund und kräftig aussehender Mann von 54 Jah-
ren> suchte im academiechen Hospitale Hülfe wegen beinahe voHstän-
diger Unfähigkeit zu schlingen. Seit etwa 9 Wochen ist er ausser
Stande Anderes , als Flüssigkeiten, Milch und Wasser hi^tiftb^ubringen
und auch diese können nur mit Beschwerden, Schmerz, und indem
häufig einzelne Theile in die Stimmritze gelangen, geschluckt werden.
Die Speisen werden häufig unverändert regurgitirt. Diese weitgehende
Dysphagie war das erste und ist bis jetzt, die aus dem Nahiwig^
mangel entspringende , nicht sehr beträchtliche Abmagerung tpid Ent-
kräftung abgerechnet, das einzige subjective Sympton der Krankheit.
Der Kranke hat kein Fieber, Reapirationsstörungen , Husten sin4
nicht beobachtet worden. Die ScUeknhaut des Mundes, die Tcmnllen
und die Schilddrüse sind normal ; die Stimme ist nicht verändert und
der Kehlkopf folgt den Bewegungen des Schlingens. Die laryngosko-
pische Untersuchung ergiebt Nichts. Eine Schlundsonde von gewöhn-
licher Dicke wird etwas höher oben, als es bei Stricturen des Oeso-
phagus zu geschehen pflegt, aufgehalten, und alle Versuche sie weiter
zu fuhren sind vergeblich. Auch dünnere Sonden und zuletzt ein
Harnröhrenkatheter l^önnen nicht über das Hindemiss gebracht wer-
den. Nur nach vielen Versuchen gleitet derselbe, als man ihn mit
einem Mandrin versehen einfuhrt und möglichst weit nach hinten und
zur Seite, nach links, richtet, über das Hindemiss weg und jetzt ohne
Anhalt beliebig tief. Diese Versuche, die Sonde einzulegen, sind
sehr wenig schmerzhaft und erregen kaum Würgen* Augenscheinlich
ist die verengte Stelle nur ganz schmal und sehr wenig empfindlich.
Nach und nach lernt man auch die stärksten Sonden mit Leichtigkeit
einfuhren, indem man ihre Spitze nach links richtet und den Kehl-
kopf von vorn umfasst und von der Wirbelsäule abzieht. Auch
die stärksten Sonden werden nicht festgeklemmt, wenn sie duibh die
verengte Stelle durchgeführt sind. Wenn der Finger möglichst tief
in den Pharynx eingebracht wird^ so erreicht seine Spitze den
Centrtiblatt für Chiruifie. No. 30. 467
ruodlicheii glatten Voitprtuaig, den die Cartilago eriooid«a in den
ScUund hinein macht und auf welchem sich die Sonden, wenn sie
ohne die obenbeschriebene Manipulation eingeführt werden, Sfuf-
stemmen.
Wiederholte Einführungen von Sonden verschiedenen CaUbers,
der Gebrauch Ton Narcoticis etc. bleiben völlig erfolglos. Der Kranke
ist, nachdem eben erst die dickste Sonde bis in den Magen geführt
worden war, ebenso unfiihig zu schlucken, als vorher. Die Ursache
der Sehlingbeschwerde lag nicht in dem Oesophagus , sondern im La-
rynx, namentlich in der Anschwellung der Cartilago criooidea, und
wenn hiermit jede Hofihung aufgegeben werden musste, durch Schlund-
dilatation etwas zu erreichen, so erschien doch die Gefahr geringer,
als bei Schlundstrieturen, weil die Krankheit, aller Wahrscheinlich-
keit nadbi, nicht fortschreitend ist, und Schlundröhren auf die oben
angegebene Weise immer werden eingeführt werden können.
Ueber die Ursachen ist Nichts bekannt geworden. Def Kranke
war nie syphilitisch, entsündliche Zustände sind nicht vorausgegangen.
Die Veranlaesung scheint allein in der Disposition zu suchen su sein,
weldie das vorgerückte Alter für Yerknöcherungen des Kehlkopfes
giebt.
Augenscheinlich war in dem vorliegenden Falle die Anschwellung
der Cartilago cricoidea nicht mit endzündlichen Erscheinungen und
nicht mit der Bildung sub-perichondraler Absoesse verbunden. Hierin
liegt seine höhere Bedeutung für die Feststellung einer besonderen
Form chronischer Dysphagie. SchÜngbeschweiden bei acuten KeU*
kopfkrankheiten , bei Perichondritis laryngea und Larynx-Abscess sind
nicht seken und die Verkalkungen der Kehlkopfknorpel sind im
höheren Alter so häufig, dass sie kaum als pathologische Zustände
angenommen werden können. Nekrosen und Caries der verkalkten
Knorpel sind oft beobachtet, und damit sugleidi, weim flieh I^ryn*
geal-Abscesse bilden, Schlingbeschwerden. Dagegen war eomplete
Dysphagie bei durchaus entsündungslosen Verkalkungen des Ring-
knorpels bis jetzt so gut wie unbeachtet. — Da die Beobachtung von
Travers ebensowohl zur Bestätigung, als zur Ergänzung der eigenen,
wie umgekehrt dient, so setze ich sie in kurzem Auszuge hier her.
Eine SOjähr. Frau empfand seit Kurzem ohne bekannte Veran-
lassung Beschwerden beim Schlingen. Dieselben nahmen so rasch
zu, dass bald nur nc»ch Flüssigkeiten in geringen Quantitäten und
mit Mühe hinabgebracht werden können. Adstringirende Gurgel-
Wasser und Calomel haben keinen Erfolg. Als Travers zugesogen
wird, ist die Kranke schon so heruntergekommen, daes Hülfe drin-
gend nöthig scheint. Da die linke Tonsille bis zur Grösse einer
Wallnuss angeschwollen war, so wurde sie, da man in ihr die
Ursaehe der Dysphagie suchte, abgetragen; jedoch ohne allen
Nutzen, da das Schlingen unmittelbar darauf ebenso unmöglich
war, als vorher. Als der Finger möglichst tief in den Schlund
eingefülirt worden war, entdeckte man eiiken Vorsprung, der
30»
468 Centralblatt für Chirurgie. No. 30.
ihn völlig ausfüllte. Nur nach links* hin schien ein schmaler
Baum offen geblieben zu sein. Doch gelingt es trotz aller angewen-
deten Mühe nicht, auch nur eine Hamröhrensonde durch denselben
zu bringen. Da die Kranke der Erschöpfung nahe war, so erlaubte
man sich nicht, andere operative Mittel zu versuchen und beschränkte
sich auf den Gebrauch ernährender Klystiere. Vierzehn Tage später
trat der Tod in völliger Erschöpfung ein.
Section : Die Ary- und Cricoidknorpel waren verdickt und völlig
verknöchert. Sie drückten den Oesophagus kreisförmig zusammen,
der Schlund selbst war von normaler Beschaffenheit. Die übrigen
Kehlkopfknorpel waren in ähnlicher Weise, wie die genaimten, aber
leichter verändert.
Die Uebereinstimmung dieser Beobachtung mit der eigenen ist
augenfällig; beide ergänzen sich g^enseitig. In der letzten wird
auch durch die Section bewiesen , dass eine chronische Anschwellung
der Cartilago cricoidea einen solchen Vorsprung in den Schlund hinein
bilden kann, dass eine sehr enge Strictur vorgetäuscht wird und die
Einführung vomSchlundröhren zur künstlichen Ernährung so uimiög-
lieh scheint, dass Travers sich auf den Gebrauch von Klystieren
zurückgebracht glaubte. Die eigene Beobachtung zeigt, dass, trotz-
dem dass der Schlund in gleicher Weise völlig geschlossen schien,
ein kleiner Kunstgriff genügt, um die Einführung auch der stärksten
Röhren zu ermöglichen. Hätte Travers keine Aufklärung durch
die Section erhalten, so würde er die Ursache, durch welche das
SchUngen absolut unterbrochen war, sicherlich in einer sehr engen
Schlundstrictur gesucht haben.
Dass nur der Vorsprung, welchen der Knorpel in den Schlund
in beiden Fällen bildete, und nicht etwa wie Alb er s annimmt, ge-
störte Muskelbewegung das Hinabbefordem der Speisen hinderte, ergab
sich aus den Untersuchungen mit der Sonde. Dieselben und natürlich
auch die Speisen, sassen wie auf einer undurchbohrten Platte auf,
so lange der Larjmx nicht von der Wirbelsäule abgezogen war. Dass
nach links hin der Oesophagus etwas weniger vollständig geschlossen
war, als nach rechts, ergiebt sich aus der Lage desselben zur Trachea,
die ihn nach rechts vollständiger als nach links deckt.
Ein besonderes Interesse wird den beiden vorgeführten Beobach-
tungen dadurch g^eben, dass sie völlig entzündungslos verlie-
fen, sowie dass Athmen und Sprechen vollkommen normal blieben«
so dass also die Aufmerksamkeit in keuier Weise auf den Kehlkopf
gelenkt wurde. Da jedoch die Schlingbewegungen schmerzhaft und
sehr beschwerlich waren, so ist es möglich, dass, in analogen Fällen,
Entzündungen der Perichondrien und Perichondralabscesse früher oder
später hinzutraten. Eine Beobachtung, welche hierher zu gehören
scheint, findet sich in den Transactions of the pathological Soc. 22
von Morell Makenzie. Bei einer Frau von 65 Jahren war eine
Geschwulst von Täubeneigrösse am oberen TheUe des Schlundes ent*
standen. Nur Flüssigkeiten konnten geschluckt werden. Der Ring-
Centralblatt für Chirurgie. No. 30. 469
knorpel war geachwollen und die Bewegung der Stimmbänder ver-
mindert. Einige Monate später verwandelte sich diese Schwellung
in einen Abscess. Bei der Section fand sich ein nekrotisirtes Kno-
chenstück vom Ringknorpel in diesem Abscesse.
Das klinische Resultat der vorstehenden Beobachtungen resumirt
sich in Folgendem:
Es giebt eine Form chronischer Dysphagia compressoria, bei wel-
cher zuerst das Schlucken fester und dann auch flüssiger Speisen
vollständig und bis zur Erschöpfung unterbrochen wird. — Sie simu-
lirt um so mehr undurchgängige Schlundstricturen^ als die Einfuhrung
selbst sehr dünner Sonden unmöglich scheint.
Sie hängt von einer entzündungslos entstandenen Verdickung und
Verknöcherung des Schildes des Ringknorpels ab.
Sie kann mit Leichtigkeit überwunden werden, so dass auch
Sonden von dem stärksten Caliber ohne Schwierigkeit eingeführt
werden können , wenn man dieselben etwas nach links dreht und den
Kehlkopf von der Wirbelsäule ablüftet.
£• Lang. Zur Histologie des Lupus.
(Wiener med. Jahrbücher 1875. p. 237.)
L. fasst das Resultat seiner Arbeit am Schlüsse dahin zusam-
men: »Die als Lupus bekannte Hautkrankheit zeichnet sich durch
Ernährungsstörungen aus^ welche zu einem fortwährenden Entstehen
und Vergehen von Bindegewebe, Gefässen und epithelialen Bildun-
gen fuhren; je nach dem Stadium des Krankheitsprocesses werden
bald die progressiven^ bald die regressiven Producte^ das eine Mal
dieser, das andere Mal jener Gewebsart in die Augen springen ; stets
wird man aber wahrnehmen, dass der (von den Gefässen ausgehenden)
ZellenproUferation die Hauptrolle zufallt, und dass in den letzten Sta-
dien der Krankheit nicht allein Resorption der retrograd metamor-
phosirten Bildungen, sondern auch Organisation von Zellenneubildung
zu Bindegewebe eingeleitet wird, wodurch eben die lupöse Haut auch
ohne vorausgegangene Verschwärung ein narbenartiges Aussehen ge-
winnt«.
Von Einzelheiten mögen folgende erwähnt werden : Ausgangspunct
des Lupus bilden Auswachsungen des Frotoplasmarohres der Capilla-
reu und der Adventitiaelemente. Diese Auswüchse vereinigen sich
zu dem »Lupusnetza, und zwar tritt die Neubildung entweder als in-
filtrirte oder herdförmige auf. Die Zellen des Herdlupus, die durch-
aus granulationsähnlich geworden sind, quellen in der Mitte auf,
hängen aber noch lange mit dem Lupusnetze deutlich zusammen.
Nun tritt das als Riesenzelle bezeichnete Gebilde auf, durch Anein-
anderrücken der gequollenen Elementargebilde unter Verlust der Con-
tonren^ während die Kerne noch lange ihre Widerstandsfähigkeit be-
halten. Im Innern der Lupusherde ist von Gefässen keine Spur.
470 Centralblatt für Chirtu^e. No. 30.
Eine andere Venrendnng der answachsenden Zellen zu einem System
eines sehr feinen Böhrennetzes cf. im Original.
Die ursprüi^liclien Gefilsse werden von dem in Fortpflanzung
begriffenen Lupuszellennetze aUmälig erdrOckt^ und verfallen densel-
ben j&näkrungeetönmgen, wie die Lupuszellen selbst Glasige Ver-
quellung fem vom Lupus befindlicher Gefässe wurde von L. beob-
achtet und für die oben erwähnten Gefösse vermuthet. An den
Schweissdrüssen wurde ausser den gleichen^ vom den umspinnenden
Blutgefässen ausgehenden Processen das Auswachsen von anfangs so-
liden^ später theilweise hohl werdenden Strängen beobachtet. Im
Lupus eingebettet geben dieselben^ regressiver Metamorphose ver&l-
lend> ebenfalls jene vielkemigen opaken Massen. Talgdrüsenneubil-
düngen gehen sowohl von bereits bestehenden Drüsen^ als vom Bete
Mslpighi aus. Ihre Schicksale sind denen der Schweissdrüsenaus-
wüchse analog; von ihnen stammen die vielkemigen Massen ab, die
den Balg der bekannten FoUikelausdehnungen constituiren helfen.
Zwischen die Epithelien treiben die im Corium liegenden Zellen
vielfiEkch Fortsätze, und bilden stellenweise die ganze Dicke der Ober-
haut durchsetzende Netze. Nie hat L. aber wahrgenommen, dass
Epithelien sich zu Lupus transformirt hätten, oder dass überhaupt
eine Zellenart in die andere übeig^angen wäre.
Zuletzt werden die zerfallenen Zellenmassen des Centrums resor-
birt, der übrige Theil des Lupusaellennetaes in Bindegewebe verwan-
delt. Die Ha ssar sehen Körper (corpora amylacea) bleiben lange
unverändert in den Geweben Uegen. Der alte Drüsenappaimt kann
durch einen neugebildeten ziemlich complet ersetzt werden, während
doroh die Besorption des in den PapillarkSrper gesetzten lupösen Infil-
trates aHein schon die Haut das Aussehen einer Narbe erhakini kann.
Baske (HaUe).
E. Klebs. Beiträge zur Geschwulstlehre.
(Prager Vierte^ahrschrift f. die prakt. Heilkunde 1875. Bd. U.)
I. Einleitende Bemerkungen. Unser gegenwärtiger Standpunct. Cellu-
lare Theorie. Versuch einer Eintheilung auf genetischer Grundlage.
Verf. schlägt vor^ aus der Geschwulstlehre diejenigen Bildungen
auszuscheiden^ »welche aus einer Betention Ton Secreten, Körpersäf-
ten oder nicht mehr entwickelungsfdhigen Gewebsbestandtheilen her-
▼ergehen«. Tuberkulose, Bcrophulose und Perlsucht^ Syphilis^ Lupus
und Rotz sollen mit der entzündtichen Neubildung in eine Gruppe
gebracht werden^ welche auch die kleinzelligen Ablagerungen, wie
sie bei mehreren Infectionskrankheiten vorkommen, umfassen solL
Diese Gruppe will K. als »Infections-Geschwülste« bezeichnen, oder,
da er auch die leukämischen Neubildungen himsurechnet, für die Leu-
kämie jedoch eine Infectiun nicht nachweisbar ist, als »Leukocytome«
(an Stelle von Virchow*s Bezeichnungen: Granulome, Graniila-
tionsgescfawülste) .
Centralblatt fftr Chirurgie. No. 30. 471
Die übrigen Geschwülste^ deren Bau schon complicirten Organen
entspricht > nennt er »organoide Geschwülste«. Der Mutterboden
sämmtlicher otgabidi'deir Neubildungen ist das Bindegewebe^ aber nur
insofern, als es die Blut- und Lymphgefässe enthalt^ welche die
eigentlichen trSj^eir der Neubildungen sind.
CHorsmy (Wien).
Comil« SuT ra)>][>licRtion du violet de möthylaniÜBe dans la
technique microscopique et stir les r^sultats obtenus par son
emploi dans T^tude de la dög^n^rescence amyloide des organes.
(Gas. m^d. 1875. No. 21. — Soci6t6 de Biologie. S6ance du 8. mal 1875.)
C. bedient sieh zur Färbung mikroskopischer Präparate einer
dünnen, wässrigen Lösung des Methylanilin -Violetts. £Ke Schnitte,
gleichTiel ob frisch oder erhärtet^ nehmen nach einem 4 — 5 Minuten
langem Verweilen in der Losung eine gesättigte und dauernde blau-
violette Färbung an. Ihre Aufbewahrung geschieht in Wasser oder
verdünntem Glyoerin; durch Zusatz einer Spur Essigsäure wird die
Färbung etwas au%eheUt und die Contoure> namentlich der Zellkerne
treten deuUioher hervor. In Alkohol , Terpenthin und Nelkenöl ver-*
lieren die Präparate ihre Färbung vollständig. — Einen ganz beson-
deren Werth hat das Methylanilin-Yiolett zur Untersuchung amyloider
Orgaiie. Dutch eine constant eintretende Farbentrennung werden die
amyloid entarteten Partien roth gefärbt , während die übrigen Gewebe
blauviolett erscheinen. Diese Eigenschaft des Methylanihn-Violetts
gewährt vor der üblichen Färbungsmethode amyloider Organe mit Jod
und Schwefelsäure den Vortheil, dass auch die zartesten Gewebsele-
mente Form und Structur behalten^ dass die zu untersuchenden Or-
gane vor der Färbung vollständig erhärtet werden können und dass
man endlich die Schnitte in Glycerin aufbewahren kann, ohne irgend-
wie eine Abschwächung oder. Veränderung der oben erwähnten Fär-
bung befürchten zu müssen. — Die ausfuhrlich mitgetheilten histo-
logischen Details mehrerer von^C. untersuchten amyloiden Organe
siehe im Original. 0. Volkmann (Kettwig).
H. Blanc. Note sur Tusage externe de la poudre de Goa
dans certaines maladies de la peau.
(Journal de th^rapeutique 1875. No. 10. p. 375.)
Das nach seinem Fabrikationsort benannte Pulver von Goa ist
eine noch nicht genau analysirte vegetabilische l^bstatiz, deren Haupt-
bestandtheil (80—84^) nach Attfield Chrysophansäure bildet. In
heissem Wasser ist das Pulver nur wenige in kaltem Wasser gar nicht
lösUch. l)ie in Wasser unlöslichen Theile lösen sich dagegen leicht
in Benzin. — Die äussere Anwendung des Goapidvers gegen Haut-
krankheiten alter Art ist in Indien eine sehr verbreitete und der Con-
472 Centralblatt für Chirurgie. No. 30.
sum des Pulvers daher ziemlich bedeutend. BL, der es nur gegen
die von den Engländern mit »Ringworm« bezeichnete» parasitäre und
exquisit contagiöse Form des Herpes cirdnnatus anwendete» erzielte
damit die besten Erfolge. Die erkrankten Stellen wurden nach vor-
heriger Anfeuchtung 2 mal täglich mit einer kleinen Quantität des
Pulvers eingerieben. Die Heilung trat in 3 — 4 Tagen ein. Für
Anwendung im Gesicht empfiehlt Bl. eine alkoholische Losung» na-
mentlich um dem eventuellen Eindringen des Pulvers in die Augen
vorzubeugen. 0« Volkmaim (Kettwig).
BL Heitier. Studien über die in den Lungen nach Verletz-
ungen des Gehirns auftretenden Veränderungen.
(Stricker's med. Jahrbacher 1875. p. 59.)
H. verletzte das Gehirn von Kaninchen an verschiedenen Stel-
len^ theils durch einfache Einstiche^ theils durch Einfuhrung dünner
Stifte in dasselbe. Er beobachtete darauf Ecchymosen unter der Pleura,
Hyperämien und Hämorrhagien in den Lungen, namentlich den Un*
terlappen, und zwar öfter unter stärkerem Befallenwerden der der
kranken Himhälfte entsprechenden Lunge. Hypostasen waren aus-
zuschUessen. Daneben kamen Hämorrhagieen in andern Organen, in
Leber, Magen, Orbita, auch im Beckengrunde vor. Die Verletzung
verschiedener Himtheile konnte in den Lungen die gleichen Verän-
derungen nach Quantität und Qualität hervorbringen; auch bei Ver-
letzung derMedulla oblongata wurden dieselben beobachtet, während
wieder andere Himabschnitte ohne Folgen für die Lungen verletzt
werden konnten. Das Genauere über diesen Punct siehe im Original
— abgeschlossen sind die Versuche nach dieser Hinsicht nicht.
H. macht darauf aufmerksam, dass er unter 4 geschlachteten, gesun-
den Kaninchen bei einem die Lungen hämorrhagisch fand, bei 4 durch
Chloral vergifteten Kaninchen waren Ecchymosen unter der Pleura
vorhanden. B«ike (HaUe).
A. y. Wolkenstein. Zur Frage über die Resorption der Haut.
(CentralblaU fOr die med. Wissensch. 1875. No. 26.)
Verf. zog Fröschen die Haut der Extremitäten handschuhfinger-
artig ab, füllte die so gebildeten Hautsäcke mit Wasser und hängte
sie darauf in die zu prüfenden Lösungen von Salzen und Alcaloiden.
Aehnliche Versuche machte er mit der Haut von jungen Katzen,
Kaninchen und Mäusen. Resultate: »1. Die Haut ist permeabel für
wässerige Lösungen, jedoch nicht für concentrirte. 2. Eine Temperatur-
erhöhung der Lösung vergrössert die Resorptionsfähigkeit der Haut;
die Resorption steht in directem Verhältniss zur Temperatur der Flüs-
sigkeit. 3. Bei jungen Thieren resorbirt die Haut besser, als bei
Centralblatt für Chirurgie. No. 30. 473
alten derselben Gattung. 4. Haare und Wolle erschweren die Re-
sorption. 5. Einige Alcaloide werden ebenfalls von der Haut resor-
birt und haben Erscheinungen der Intoxication zur Folge«. Die Haut
todter Frühgeburten der Thiere ist nur bei höherer Temperatur per-
meabel. ^ Bidder (Mannheim).
F. Bnins. Die temporäre Ligatur der Arterien nebst einem
Anhange über List er 's Catgutligatur.
(DeuUcbe Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Seit einigen Jahren wendet V. v. Bruns das von ihm bereits früher
als Filopressur beschriebene Verfahren der temporären Ligatur bei
Unterbindungen in der Continuität und am Gefässende an. Es be-
steht darin^ dass die Enden der das Gefäss umfassenden carbolisirten
Seidenligatur durch das Bruns' sehe Ligaturröhrchen (s. Orig.) ge-
zogen und über einem daran befindlichen Querstabchen geknotet wer-
den. Das Ligaturröhrchen ragt mit dem einen Ende^ welches den
Knoten trägt, aus der Wunde hervor. Die Ligatur wird nach läng-
stens 3 Tagen entfernt, indem man den Knoten abschneidet, imd
während man das Instrument fixirt, die Ligatur an einem Ende fasst
und extrahirt.
Diese Methode wurde bei 145 Amputationen und Exarticulatio-
nen, worunter 48 Oberschenkelamputationen, und bei 13 Unterbin-
dungen in der Continuität geübt. Im Ganzen kamen 2 Nachblutun-
gen vor: eine nach Continuitätsunterbindung der Carotis comm.,
wobei der Faden zu lange (5 Tage) gelegen hatte^ die andere bei der
Lösung des Fadens von der Art. femoralis nach 3 Tagen, in einem
Falle von Amputation. Durch Versuche an Thieren fand Verf., dass
meist keine vollständige Trennung der Continuität der Arterie an der
Stelle der Ligatur stattfindet, und dass bei Ligaturen am durch-
schnittenen Gefasse das abgebundene Stück meist nicht nekrosirt.
Der Vortheil der temporären gegenüber der bleibenden Ligatur
ist hauptsächlich der, dass schon nach 3 Tagen kein fremder Körper
mehr in der Wunde liegt, der die Heilung verzögern könnte. Aus-
serdem ist das Bruns'sche Instrument bequem bei Ligaturen in
grösserer Tiefe, und es wurde dasselbe auch zur Naht bei Blasen-
scheidenfisteln verwendet, wobei es sich namentlich dadurch als nütz-
lich bewährte, dass die Lösung der Naht ohi^e jede Zerrung der
Wunde möglich war.
Des Verf. Versuche mit Lister' sehen Catgutligaturen ergaben,
dass dieselben in nicht eiternden Wunden erst etwa vom 10. Tage
an Erscheinungen der Resorption zeigen, dass die vollständige Er^
weichung bei fortwährendem Contacte mit Eiter jedoch, je nach der
Stärke der Saite, in 50 — 110 Stunden erfolgte. Er folgert daraus.
474 Cetitralblatt for Cbiturgte. No. 30.
dass diese Ligaturen nur als integrirender Bestandtheil einet streng
antiseptischen Wundbehandlung von Werth seien.
Gersuiy (Wien).
H. P. Witt. Ueber Massage. Vortrag, gehalten in der
General- Versammlung des Vereins Schleswig-Holsteinischer
Aerzte aan 12. August 1874 in Flensburg.
(Ar^. f. klinisohe Chirurgie 1875. Bd. XYIO. Bit, 2.)
Nach einer kurzen historischen Uebersicht über den Gebrauch der
Massage bespricht W. die Anwendung dieses Verfahrens von Mezger
in Amsterdam. Die Wirkung soll wesentlich auf Beschleunigung des
Blut- und Lymphstroms^ Zerreissung der Gefässe von Granulationen
und Fungositäten, Erregung einer schnell zurückgehenden Entzündung
beruhen. Mezger verbindet mit dem Ebneten active und passive
Bewegungen und lässt die an den entsprechenden Muskel- und Ge-
lenkkrankheiten leidenden Patienten herumgehen. — Als spezielle,
für die Behandlung passende Krankheiten fuhrt W. an:
Hyperaemien (?), Blutaustritte, Exsudate, Verdichtungen und Ver-
dickungen der Gewebe, Adhärenzen zwischen Sehnen und Sehnen-
scheiden und überhaupt Entzündungsproducte, welche ohne Nachtheil
wieder in den Kreislauf aufgenommen werden können. Speciell von
Gelenkkrankheiten werden angeführt acute und chronische Synovitis
und Tenosynitis, periarticuläre Entzündung, hyperplastische, fuügöse
Synovitis, periarticuläre und intraarticuläre Blutextravasate und
falsche Ankylosen. Das Kneten wird mit bedeutendem Kraftaufwande
gemacht. Ais Curiosum fuhrt W. an, dass auch Hautkrankheiten
mit Exsudationen und Verdickungen im Coriirai, sowie eine acute
Bfastitis erfolgreich massirt wurden. — W. hat mit Erfolg Steifheit
der Finger und des Handgelenks, sowie eine acute Synovitis mit der
Massage behandelt. — Maas (Bre&lau).
J. Hirschberg (Berlin). Zur Pathologie und Therapie des
Glaucoms.
(Arcb. f. Augen- ufid Oht^nheUkunde 1874. Bd. III. Abth. 11.)
H. beobachtete den interessanten Fall, dass eine anscheinend bis
dahin gesunde Dame sich durch eine einmalige Attopineinträufelung
doppelseitiges acutes Glaucom ziizog. Sodann theilt H. einen Fall von
Glaucoma malignum mit (cf. v. Graefe, Arch. f. Ophthalm. Bd. 15.
Hft. 3. p. 202), in welchem die vorgenommene Operation den Verlust
des Sehvermögens beschleunigte. Nach der Operation erlosch die
Sehkraft des operirten Auges vollständig. 2 Tage spätet trat Um-
nebelung des anderen Auges ein. Zweimalige Function. Irideotanie.
Darauf auch rechts Verlust der Sehkraft. lUlBHUlnt (Leiprig).
Centniblait fttr Chirurgie. No. SO. 475
C9i. B. BalL Notes from surgical practice.
(The Dublin Journal of med. sciences 1875. Febr. p. 87.)
I. Depressed firaeture of skuU, Elevation, Pyftmia^ Recovefry.
Durch einen Fall von bedeutender Höhe erlitt ein Mann eine
Hautwunde mit Fractur und Depression des rechten os parietale ; zu-
gleich eine Contusion an Hüfte und Fussgelenk. Bewusstlosigkeit^
stertoroses Athmen, langsamer Puls, weite und unbewegliche Papillen.
Mit Eleration des deprimirten Stückes Aufhören aller Gehimerschei-
nungen. 8 Tage später Frost ^ heftiges Fieber^ abhängig von Eite-
rung im Hüft- und Fussgelenk. Incision^ Verband nach Lister ^
4 Monate später Heilung.
n. Fracture of the base of the skull by force communicated
through the lower jaw with impaction of the condyle; recovery.
B. diagnosticirte diese seltene Verletzung — die Hineintreibung
des Processus condyloideus mandibulae in die SchädelhShle — bei
einem 36jähr. Manne ^ der einen Huf schlag gegen das Kinn erhalten
hatte. Anhaltspuncte dafür waren die Blutung aus dem Mund und
den Ohren nebst Bewusstlosigkeit bei der Verletzung; später der
AubAuss klarer Flüssigkeit aus dem rechten Ohre, die Schwierigkeit
den Mund vollkommen zu öfinen oder zu schliessen, das Höherstehen
des rechten Unterkieferwinkels und Schwindelanfälle bei stärkeren
Bewegungen. Als Beweis für das Vorkommen dieser Verletzung
werden die im Museum des St. Greorges und Ouy's Hospital befind-
lichen Präparate und eine Beobachtung Chassaignac's^ dessen
Kranker 5 Monate nach der Verletzung an einem Abscess des Schläfen-
lappens starb, angeführt. Die Heilung des vorliegenden Falles wurde
ein halbes Jahr später noch constatirt.
in. Unusual fracture of the base of the skull, with observations.
Ein Eisenbahnarbeiter fiel von einem Wagen herab auf den Kopf;
es erfolgte Blutung aus dem linken Nasenloche und dem linken Ohre,
später Abfliessen heller, wässriger Flüssigkeit; vierstündige Bewusst-
losigkeit; Lähmung des linken n. facialis, Blutung unter die Conjunc-
tiva und Strabismus des linken Auges , Congestion der Betinalgefässe
und Prominenz der papilla n. optici. 3 Wochen später Aufhören aller
Erscheinungen vom linken Auge aus. Die Fracturlinie soll durch
das Felsenbein nach vorn bis zum Dach der Nasenhöhle quer über
die «sphenoidal fissure« (?) gelaufen sein.
TV. Implication of the nutrient art'ery of the tibia in a case of
Compound fracture of the leg.
Einstürzende Steinmassen erzeugten bei einem jungen Manne eine
complicirte Querfiractur des rechten Unterschenkels. Blutung anfangs
unbedeutend, wird nach etwa 2 Stunden sehr profus; Stillung durch
einen mit Eisenchlorid getränkten Tampon,, der nach 14 Tagen sich
losstösst. Ein Vierteljahr später wurde ein Sequester entfernt, der
die Oefihung für den Eintritt der a. nutritia in die Tibia enthielt;
476 Centralblatt fflr Chimrgie. No. 30.
die Quelle für die bei der Verletzung entstandene Blutung war da-
durch erklärt. Aus dem ganzen Falle zieht B. den Schluss, dass die
Heilung der Fractur allein vom Periost aus erfolge , da die Ernährung
der inneren Partieen des Knochens aufgehört hätte (?).
V. Spontaneous fracture of the femur in necrosis; amputation;
recovery.
Patientin 15 Jahre alt, der vor einem halben Jahr ein Abscess
am Oberschenkel geöffnet worden war , fiel auf ebener Erde hin , wo-
nach sich eine Fractur des Femur fand. Nachdem dieselbe einen Monat
mit Schienen behandelt worden war, hatte sich noch keine Consolida-
tion entwickelt, dagegen hectisches Fieber und ein grosser Sequester
war zu fühlen. Nach der Amputation fand man Spuren von Ostitis,
Stalaktiten an der Bruchstelle und oberhalb der Fracturlinie den
grossen Sequester.
VI. Gase of spina bifida treated with the aspirator and elastic
ligature; death on the fourteenth day.
Der bei einem Smonatlichen Kinde in der dorso-lumbaren Region
sitzende, orangengrosse Tumor wird anfangs mit Watteeinwickelung
palliativ behandelt. Nachdem er jedoch 2 Monate später die Grösse
einer Cocosnuss erreicht hatte und oberflächlich ulcerirt war, ver-
langten die Eltern eine Operation. Im Sacke von Rückenmark oder
Nerven nichts zu sehen. B. unterbindet mit elastischer Ligatur den
Stiel, der 3^2 Zoll im Umfang misst, nachdem mittelst der feinsten
Nadel eines Aspirateurs 20 Unzen Flüssigkeit, die Spuren von AI-
bumen und Zucker und grosse Mengen Chlomatrium enthielt, aus-
gezogen waren. Anfangs günstiger Verlauf, nach 14 Tagen plötzlich
Tod unter Convulsionen. H« Brau (Heidelberg).
Fauooxi* Kystes synoviaux ä grains riziformes.
(S^ance de la Booi6t6 de Chirurgie 1874. 23. Dec.)
F. theilt die Synovialcysten des Handwurzelgelenkes in 2 Cate-
gorien, solche, wo die Fat. durch die Grösse des Tumors, Entzün-
dung und Eiterung der Cyste, den Gebrauch der Hand ganz verloren
haben, und solche, wo das Leiden nur eine Functionseinschränkung
herbeiführte. Diese letzteren Fälle machen die Frage , ob man hierbei
überhaupt etwas thun solle oder nicht, schwierig. D^marquay hat
einen Fall von Heilung publicirt, in welchem er Jodinjection und
Drainage anwandte; über die endliche Function der Hand war aber
nichts bemerkt. Ueberdies ist nach Anwendung der Jodinjection die
Herstellung der Fingerbewegung in der That nicht so häufige wie
manche (F ollin] angaben.
Despr^s bemerkt, dass jeder operative Eingriff an einer der-
artigen Cyste, bevor sie im spontanen Aufbruche b^riffen sei, von
Gentralblatt fflr C!hiraxgie. No. 30. 477
schweren Folgen begleitet sein könne ^ während das Abwarten der
spontanen Entzündung des Tumors gute Resultate gebe.
Boinet machte in einem derartigen Falle eine subcutane Func-
tion mit dem Tenotom imd drängte den Inhalt heraus. 14 Tage später
erneute Function mit dem Troikar; wieder etwas ausgedrückt und
einige Tropfen Jodtinctur injicirt. Heilung ohne Functionsstörung
der Hand. Gleich günstig war der Erfolg dieser Methode in einem
2. Falle.
A. Guirin bemerkt^ er hätte sich früher nie an diese Cysten
gewagt Seit der Einführung des Watteverbandes spaltet er selbe weit^
um sie zu entleeren, steckt etwas Watte in die Wunde und applicirt
darauf den Watteverband und eine elastische Compression. £Üe Re-
sultate sollen gut sein. (S. auch Vo 1km ann, Beiträge zur Chirurgie,
Leipzig, Breitkopf & Hftrtel 1875, p. 206. Red.) Fr. Steiner (Wien).
Despres. D'une maladie chirurgicale caus^e par la Station
debout. De la contnsion du talon.
(Gaz. des höpitaux 1875. No. 52.)
D. theilt die Krankengeschichte dreier Fat. mit, bei welchen sich
in Folge anhaltenden Stehens eine bisher von den Autoren noch
nicht beschriebene Affection der Ferse entwickelt hatte. Bei allen
3 Fat. — zufallig sämmtlich Sergeants de ville • — war in ganz über-
einstimmender Weise die Ferse, ohne dass irgend welche entzündliche
Erscheinungen vorausgegangen waren, allmälig so empfindlich gewor-
den, dass sie ihren Dienst nicht mehr versehen konnten. Da die
Fersenhaut durchaus normal, wenn auch ziemlich zart war und sich
weder eine krankhafte Veränderung am Calcaneus, noch andere Ent-
zündungs-Symptome nachweisen liessen, verlegt D. den Sitz des Lei-
dens in das gefassreiche, derbe, subcutane Fett-Bindegewebe und glaubt,
dass dasselbe, durch den anhaltenden Druck contundirt, eine einfache
Ernährungsstörung erlitten habe. Diese Ansicht findet er bestätigt
durch die gleichzeitige Beobachtung eines Fat., der nach einer hef-
tigen Contnsion bei einem Sturz auf die Ferse ganz analoge Symptome
darbot. In allen Fällen genügte längere Bettruhe zur Beseitigung
des Leidens. Da es jedoch leicht recidivirt, müssen die Patienten,
sobald sie wieder zu gdien anfangen, derbsohlige Stiefel mit elastischer
Kautschuk-Einlage tragen, um ihre Ferse möglichst zu schonen.
Sehftdel (Berlin).
Kleinere Mittheilungen.
A. Morioe. Du t^tanus chez le singe.
(Gas. m^d. 1875. No. 16. p. 194. — Soci6t6 de Biologie. S^ance du 3 avr. 1875.)
M. theilt 4 Fftlle von Tetanus bei Affen yenchiedener Arten mit. In 2 von
ihm selbst wfthrend seines Aufenthaltes in Cochinchina beobachteten Fällen trat
die Erkrankung nach unbedeutenden durch die Fesseln der betreffenden Thiere
478 Centralblaft fiOr Ohinirgie. No. SO.
yerursacbten Varletzungen ein. Si« yevlief ganz analog wie bei» Meniolion mit
Trismus, Opisthotonus und Contracturen der Extremitäten und endete in aämmt-
liehen F&llen nach kurzer Zeit mit dem Tode. 0* Yolkmann (Kettwig).
Aifire. Aplasie laminease mediane.
(Oaz. m6d. 1875. No. 17. p. 201.)
Bei einer zur Zeit 24jährigen Frau bildete sich im dritten Monat einer tonst
normalen 8dLwangerschaft, ohne jede äussere Ursache in der Gegend der Qkbella
eine allmälig zunehmende Vertiefung. Dabei stellten sich heftige Kopfschmerzen
ein, die namentlich unmittelbar nach der Niederkuaft sehr hochgradig wurden.
Gegenwärtig befindet sich auf der Stirn der Kranken eine von der Nasenwurzel
nach rechts oben bis in die Nähe der sutura coronaria reichende tiefe Depression
Ton iVs bis 2 Ctm. Breite. Die sie bedeckende Haut ist dünn und trocken, die
Haare der betreffenden Steile spärlich und ungefärbt, die Muskalatur ausser dem
m. pyramidalis gänzlich geschwunden. Der Knochen scheint intact zu sein. Die
ganze erkrankte Gegend ist sehr empfindlich, so dass schon ein leichter Stoss die
lebhaftesten Schmerzen verursacht. Auch die Anfälle von Kopfschmerzen dauern
noch fort.
Dieser Fall einer »medianen Aplasie« spricht nach A.'s Ansicht gegen die bis-
herige Auffassung solcher Affectionen als trophische Störungen im Bereich das
n. trigeminus. A. hält sie vielmehr mit Laude (Th^e 1873) für rein locaie
Atrophien der bindegewebigen Schicht. 0. YAttmaan (Kettwig).
H. Banga. Ein Fall von Oateom des Sinus frontalis sin.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. IV. Hft. 5 u. 6.)
Ein 18j ähriger Bauer wurde in der chirurgischen Klinik zu Basel wegen eines
Osteoms operirt, das seit etwa 3 Jahren bestand, am inneren Theil des Daches der
1. Orbita festzusitzen schien, und den Bulbus verdrängte. Vor 5—4 Jahren hatte
der Kranke einen Schlag mit dem Peitechenstiel auf das linke Auge erlitten.
Die Abmeisselung des mit einem ziemlich dünnen Stiel aufsitzenden Tumors
gelang leicht, der Verlauf war in den ersten 8 Tagen günstig. Am 8. Tage trat
Meningitis auf, unter sehr heftigem Erbrechen; am 10. Tage nach der Operation,
dem Todestage, war dem Erbrochenen etwas Blut beigemengt. Der Tumor, dessen
unxegelmässig höckerige Oberfläche durch den Widerstand der Weichtheile der
Orbita bedingt war, wog 78 Gramm, war etwa hühnereigvoes und f^ durchaus
elfenbeinhart; nur in der Gegend seines Ansatzes befand sich eine kleine, von
spongiösem Gewebe umschlossene Markhöhle.
Ausgangspunct der Geschwulst war der Boden des Sinus ftrontalis, nahe dem
Ausfahrungsgang, wo der Tumor auch das Orbitaldaoh durchbrochen hatte. Wei-
ter nach hinten fand man durch einen Defect im Orbitaldache die Dura mater
blossUegen, in ihr einen Biss, und dieser Stelle entgprechend einen Hirnabeoesa.
Diffuse eiterige Meningitis über den vorderen Theil der linken Hemisphäre.
Im Centrum tendineum des Zwerchfells fanden sich 2 nur durch einen dünnen
sehnigen Strang getrennte Löcher ; durch eines derselben drängte sich die Milz gegen
die Pleurahöhle vor, durch das andere der Magengnmd, in welchem sich ein Ein-
riss befand. In der Pleurahöhle fand sich ergossener Mageniahalt, während in
die Peritonealhöhle nichts gedrungen war.
B. führt noch einen zweiten Fall an, in welchem nach einer Kopfverletzung
(Hiebwunde) Meningitis auftrat, die unter fortdauerndem heftigen Erbrechen zum
Tode führte; bei der Section fand sich ein Einrisa im Foramen oesophageum des
Zwerchfells, und ein Riss im Magen, am Uebergang in den Oesophagus.
Oersnny (Wien).
O. Hirtohfelder. Ein Fall von Pustula maligna mit Mycosis cerebri.
(Ateh. d. Heilkunde 1875. Hft^4. p.* 376'-381.)
Verf. beschreibt einen Fall von Pustula maligna bei einem 18jährigen jungen
Mann. Die an der rechten Halsseite befindliche Pustel soll (wie es scheint, ohne
Q9»tr«lblatt fflr Qhimi^e. Na. 30. 470
BetüiijUnpg) gebfiiU ma; doek sUrti P»t. «a OolUps. Bei der Section fan-
den moh uäilmche Erweickungsherde und Haemorrhagieen im Gross- und Klein-
hirn, mit sIeUenweiser Eiterbildung, Pas MikroalLop wies yahlreiohe PiJznassen
naehj nelehe die CapiUaigefAsae umlagerten. In den geschwollenen Halslymph-
drOaea Candeia aich keine PiUe, ebfinaowenig wie in anderen Organen.
A. Bidder (Mannheim] .
H. Landgraf. Ein Beitrag zur Casuistik der Hautkrankheiten mit
Beziehung auf deren vasomotorische Genese.
(Arch. d. Heilkunde 1S75. 16. Jahrg. Hft. IV, p. 345—361.)
Verf. bringt zunächst die Qeschiohte eines 27jfthrigen Kranken, an dessen
rechtem Oherschenkel seit firfihester Kindheit ein zwischen Lupus und Akne in der
Mitte stehender Hautausschlag bestand. Dieser nimmt den Oberschenkel in 3
bestimmten Abtheilungen ein: die erste entspricht dem Verbreitungsbezirk des
Nervus Ueo-inguinalis, die zweite dem des N. cutan. fem. medius, die dritte dem
des N. cut- fem. extern. Der Ausschlag änderte sich während der Beobach-
tungszeit nicht.
Der aweite Kxankheits£all betritt ein acutes pemphigus-artiges Exanthem an
Hand und Vorderen^ bei einem 15jährigen Mädchen. Die Blasen bildeten sich
s4;hneU, vertrockneten zu Bocken und heilten dann. Oft war die Kranke wochen-
lang gesund, dann zeigte sich der Ausschlag wieder an den betreffenden Stellen.
Im dritten Falle handelt ea aich um eine diffuse Capillarectasie der Haut des ganzen
Körpers bei einem Mann von 55 Jahren, dessen linke untere Extremität seit der
Kindheit atrophisch und paretisch war. Fast die ganze Haut ist blauroth und
zeigt hier und da einzelne hellrothe, Unsengrosse Fleckchen. Die sichtbaren
Schleimhäute sind carminroth. Die Hautröthe weicht dem Fingerdruck; sonst ist
die Haut unverändert und weich.
Verf. hält das Leiden für eine aus unbekannten OrQnden entstandene chro-
nische fluxionäre Hyperämie, vielleicht bedingt durch ,, vasomotorische Neuro-Pa-
rese." Die weiteren Betrachtungen aber die Beziehungen der Nerven zu Haut-
affectionen bieten nichts Neues. A« Bidder (Mannheim).
Fouroanld. Observation d'aphonie due k la presence d'un corps itran-
ger dans le larynx.
(Gaz. des Hopiteux 1875. No. 51.)
Fat. hatte in iV>lge einer Wette fflnf 20 Frank- und zwei 10 Frank-Stücke
verschluckt. Unmittelbar darnach trat Heiserkeit, etwas später absolute Aphonie
•auf. Am andern Morgen fanden sich nur 6 QoldstOcke im Stuhlgang, das 7.
blieb verschwunden. Da die Weilte bei Gelegenheit eines Diebstahls ausgeführt
war, fühlte sich Fat nicht veranlasst davon zu reden; da er ausserdem an Tu-
berkulose der Lungen und Hoden litt, wurde die Diagnose, ohne laryngoscopische
Untersuchung, auf Uibeykulöse Laryngitis gestellt und derogemäss erfolglosv behan-
delt, bis die vrahre Ursache nach Verlauf von 1^4 Jahren bei einem heftigen Hut-
tenanfall in Gestalt des vermissten 10 Frankstücks zu Tage kam.
Von diesem Monent an war die Aphonie vollständig gehoben.
Sehftdel (Berlin).
Anger. Kyste spermatique et hydroc^le. Ponction.
(Gaz. des h6pitaux 1875. No. 61.)
A. beobachete einen Fall von Spermatocele mit gleichzeitiger Hydrocele. Beide
Cysten waren deutlich von einander getrennt im Hodensack zu fahlen. Die oben
480 Centralblatt fftr Chirurgie. No. 30.
gelegene, kleinere Spermatocele hing mit dem Nebenhoden luiammen » war rund,
weder fluctuirend noch transparent und harter wie die Hydrocele.. Nach Angabe des
Fat. war sie lange Tor der Hydrocele entstanden. Nachdem die Diagnose fest*
gesteUt war, schlug A. sein gewöhnliches Verfahren sur Radicalcur der Hydroeele
ein, indem er beide Cysten punctirte, ihren Inhalt abfliessen lies« und dum mitr-
telst eines mit angeschmolsenem Höllenstein armirten Stiletts ihre Wandungen gehö-
rig cauterisirte. Nach 14 Tagen war Fat. geheilt. SehXdel (Berlin).
Calfer. Tuberculisation des organes gemto-urinaires (SociM anato-
mique; säance du 4. dec. 1874.).
(Frogr^s m^dical 1875. No. 12.)
Ein 56j&hriger Mann hatte seit 1 Jahre Schmerzen in beiden Hoden, seit
4 Monaten Harn- und Stuhlbeschwerden. Im Urin war nie Blut oder Eiter. Be-
trftchtUohe Schwellung der Hoden, besonders der Nebenhoden, auch Frostata und Sa-
menbiftschen vergrössert und höckerig. Zuerst geringe, nachher grössere Druckem-
pfindlichkeit der erkrankten Organe. Allmftlige Erweichung der Höcker der
Frostata und der Samenbläschen, dann der Hoden. Kein Erguss in die tun.
propr. Nachweisbare Veränderungen in den Lungen ausser Emphysem und pleurit.
Reibungsgeräuschen (Fat hatte in den lotsten 4 Jahren mehrere Fleuritiden
aberstanden) an den Spitzen zeigten sich erst kurz vor dem Tode. Fat. ging
hektisch zu Grunde. — Section: In den Lungen Tuberkel neueren Datums, Em-
physem, pleurit. Adhäsionen. Darm yollkommen gesund. In den Hoden Tuber-
kel, besonders entlang den Scheidewänden. Nebenhoden mit theilweise ver-
wachsenen Käsemassen durchsetzt, eine sich bildende Careme in der Höhe des
Kopfes. Frostata und Samenbläschen in einen Brei erweichter Tuberkelmasse ver-
wandelt. Die Bedeckungen der Organe verdickt. Nieren, Ureter und Urethralschleim-
haut zeigten keine Veränderung, dagegen fanden sich in der Blase, was nicht diagno-
sticirt werdenkonnte, indurirte Geschwüre, 5 im Fundus, deren eins in der Grösse
eines 20 Cenlim. -Stückes , 4 noch grössere im Scheitel, 3 an der hintern Wand.
Die Geschwüre waren, wie die mikroskopbche Untersuchung (Cadiat) ergab, tu-
berkulöser Natur. Petersen (Kiel).
Kirmisson. Diajonction des symphyses du bassin; fractures de Tos
iliaque et du sacrum. (Soci^t^ anatomique^ s^ance du 13. nov. 1874.}
(Frogr^s m6dical 1875. No. 9.)
Ein 30jähr. Mann war aus dem 5ten Stock auf die Erde geftiUen. Kurz an-
dauernde Unbesinnlichkeit. Zerreissung der Fenishaut an der Basis der Ruthe:
die Haut war vom Fenis abgezogen, so dass die Schwellkörper frei zu Tage lagen.
Beim Beugen des linken Oberschenkels starke Crepitation am Becken. — Feritonitis,
Tod nach 5 Tagen. Section : Diastase der Schamfuge (273 Centim.) und der Kreuz-
Darmbeinfuge (Vs Centim.)- Die hintern Bänder der letztem intact. In der Nähe
senkrechte Fractur des linken Darmbeins. Das Kreuzbein zeigte eine Längsfractur
nach aussen von den linken foramin. sacral. , ausserdem eine Querfractur in der
Höhe des ersten foram. sacral. ant. — Inoomplete Fractur der spin. ant. sup. sin.
— In der Bauchhöhle etwas freies Blut. Der rechte Hoden ausgedehnt durch Blut-
erguss, Albuginea intact, am linken die Albuginea zerrissen, freies Blut in der
tunic. vaginal. Venöse Stase im Gehirn. Peteneil (Kiel).
Origintlmittheilangen, Monographieen und Separstabdrücke wdle
man an Dr. H. TXümaamä, Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlniig,
BreiOtopf und HärUl, einsenden. ^
Drnek nad Verlag von Breitkopf und nirtel In Leiptig.
Gentralblatt
fllr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L. Leser, Dr.KSdeie, Dr. I. Tülniaiuis
in Berlin. in Hftlle ».' B. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöehentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prft*
numeration. Zu beliehen durch alle Buehhandlungen und Postanstalten.
NE: 31. Sonnabeiid, den 8L JnU, 1876.
Inlialt: Reser» Zur Lebre tou den GnnnUtlonskrsnkheiteB. (Qriginal-Bfittheilung.)
Pnstear, Colin , Pegglale, Ueber Oihrung und FEalnii«. — Feltz, Experimentelle
Cntersuchnngen über die toxische Wirkung septischen Blutes. — Grehint, Modrze-
Kivski, Zersetzung der Biweisskörper Im Yacuum. — Czerny, Aneurysma Tsricosum. —
■iBier, Ursache der Furankei. — ^Landsberf y Intra- und extmoculare Sareome. —
Terllloa, Experimentelle Studien über Lebercontusion.
Czeray, Casuistik. — BolllnQery Ursache plötzlicher Todesfälle. ^ fiamfee, Trauma*
Üsches Aneurysma der art. menlngea media. — Blot, Opeiation der Hasenscharte. —
Haaow, Saileylslnre gegen Dipkthetitis. — Fflrbrlnfer, Sallcylsaure gegen Gatarrhe der
haroleitenden Organe. — Balehy Oesophagusstrictur. — CelSOn, Aenssere Herniotomie»
— Behandlung der Harnröhrenstrioturen. — Ergotintinctur bei Haemorrhoiden. -* Ath-
toiiy Fractur des Trochanter major. — eiKerboCk, Geheilte Hüftgelenkresection.
Zur Lehre von den Granulationskrankheiten.
(Zweite Mittheilung.]
Von
Prof. W. Böser in Marburg.
Dem acuten gutaitigen Granuktionsbrand, welcher in No. 27
dieses Blattea beschrieben wuide, kann ein analoger Zustand gegen-*
übergestellt werden ^ welcher bei langsamer, chronischer Schrumpfung
des Granulations- Bindegewebes entsteht und den wir zunächst als
gelbe Granulations-Anämie und als gelbe chronische
Granulations-Nekrose bezeichnen möchten. Wenn die Granu-
lationen bei mangelhafter Blutzufuhr anämisch werden , so nehmen
sijs öfters eine gelbliche Farbe an und die gelbliche Farbe erklärt sich
gans natürlich 4us dem ITeberwiegen der Eiter&rbe über die Blutfarbe.
So lang die Granulationscapillaren gesund sind und frische Blut*
81
482 Centralblatt für Chirurgie. No. 31.
circulation besitzen, sehen sie roth aus, werden sie blutarm ^ so bat
man gelbliche Färbung zu erwarten. Verlieren solche Granulationen
ihre Zufuhr ganz^ so fallen sie ab, theUs in Form von feinem De-
tritus y theils in ganzen Stücken ; solche abfallende Granulationsfetzen
sieht man häufig aus kalten Abscessen herauskommen.
Man wird nicht Toraussetzen dürfen , dass alle gelbliche Entfär-
bung der Granulationen und alles Absterben solcher Granulations-
schichten von der gestörten Blutzufuhr und von der aufhörenden
Gefassverbindung zwischen dem Zellgewebe und den Granulations-
capillaren hergeleitet werden müsse, sondern es wird überhaupt noch
zu untersuchen sein, welche Ursachen der chronischen Granulations-
nekrose zu Grunde liegen. Bei dieser Untersuchung wird sich wohl
herausstellen, dass die gelbe Granulationsentfarbung und die gelbe
chronische Granulationsnekrose grossentheils von der Yerschrumpfung
uq^^Verdichtung des unterliegenden Bindegewebes herkommen. Was
es sojMt noch für Ursachen geben mag, soll in diesem Augenblick
iiiuht eiürtert werden.
•OiU£e Erscheinung, welche hier mit erwähnt werden muss^ ist
diB^^Ulräbarkeit der schlechternährten Granulationsschicht. Alle
chifuiigiMitMtt-' Praktiker und alle pathologischen Anatomen kennen
dMsliidBhwdi%B^ng. Bei chronischen fistulösen Abscessen trifft man
^^^^^o^v^smi^^^^^^^^^ Schicht der Abscessmembran so ablösbar,
dass. dBftAikaiWiSiiSBftlt dem Finger in dem fistulösen Gang hinzustreifen
braucht, um die ganze sogenannte Membran abzulösen. Theils als
ge^ob^scAidit^ ^ttiM ^ n4%ff ^ Capillargefässschicht eingetreten sein muss.
UAtf ^j^l^^^jfg^j^gJI^^ wohl aus einem theilweisen Schwund der
Gefässverbindungen zwischen dem in Verdichtung begriffenen Binde-
gewebe und den Granulationscapillaren erklärt werden können.
Vielleicht H^pi^ die Lehre rvom Auslöffeln der alten Granula-
tionen hfiftm&flCTftßy^fic'THltj^ Begründung entnehmen.
Es leuchtet ein, dass alte ^Grani^^f ionsschichten ^ welche keine gute
Ernährung von ihrem Mutterboaen aus erhalten, auch zur Heilung
schlecht geeignet sind. Es mag bM¥er sein , sie herauszuschaben oder
zu zerstören, als ihre, äussecst %^ä^[^ weitere Atrophie und ihren
spontanen Zerfall ab'sm warten. ' Scham man die schlechte Granula-
titiisscilichli me^ovo 4iflr£'^^fltii^<^aiteli ,^Ma8s eine frische, besser
«HBlpd^ i]afläUiSsali;gdbriief«io^ dass diese frische Schicht
ie:if^JauixftiulAA\}j^^ die Schichte, welche
mija >aiha>AkA vbtfeBnfc Hat;/ iibl^^no dsddv^e^ohi
9 d dSasi o^itfdö&liil di^t iäieilMv/n<$dhn«iik/^aikte^6 wichtiges Motiv,
näadUnfi) diij) aIxteB^ti8ob^Wilk1xag{^^sgf(5lft Fälle, wo das
AiidäfliBlnoGfer,aiilta9€lrafanliit&^ dass man
eäiBs lolfifeptidahd dHSOIiaq^diAaM^ b^b^Al^iiib^te. Hiermit
w.eKfl«ktiittadihUadßoil6Bikß^^«ibtm^f^«^ über
d^taflSutefashdesbAAslfifiUnfrrgttASnmtivIlqfbedffoi^ßlxfn 9.
to
Centralblatt far Chirurgie. No. 31. 4g3
Pasteur, Colin und Poggiale. lieber Gährung und Fäulniss.
(Bulletin de racad6mie de med: de Paris 1875. No. 7, 8, 9, 10, 11, 12. 13, 16.)
In 8 mehrstündigen Sitzungen hat die Pariser Acadimie de ni6*
decine die Frage der GähruDg und Fäulniss einer erneuten Erörterung
unterzogen. Die Anregung hierzu gab die Arbeit Bergeron's (cf.
Centralbl. f. Chir. 1875 No. 21) über Vibrionen im Abscesseiter, aus
welcher Fasteur den Anlass entnahm^ von Neuem für die Unhaltbar-
keit der Lehre von der Generatio aequivoca zu plaidiren. Einer längeren
Discussion über dies unfiruchtbare Problem wurde zeitig vorgebeugt
durch die Erklärung Gosselin's^ dass es sowohl Bergeron^ als ihm
selbst (der die Arbeiten B.'s inspirirt hatte) fem gelegen habe, damit
Je die Autogenesis der Vibrionen beweisen zu wollen. G. glaubt viel-
mehr, dass die Keime dieser Organismen durch Respiration und Di-
gestion von Aussen in den Körper aufgenommen und durch die
Circulation den Abscessen zugeführt seien. Der Eiter warmer Abscesse
könne öfters Bacterien und Vibrionen enthalten ; diese vermöchten dann
wohl dem Organismus nachtheilige Zersetzungen anzuregen, seien je-
doch nach dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft selbst nicht
die gefährlichen Agenden, gegen welche wir bei Wundfieber und ac-
cidentellen Wundkrankheiten zu ringen haben.
Die Beziehung dieser Organismen zur Gährung und Fäulniss
kam an 3 Specialfragen zur Erörterung, nämlich 1) an der spontanen
Fäulniss der Hühnereier, 2) der alkalischen Zersetzung
des Harns, und 3) ander Alkoholgährung in reifen Früchten.
1) Colin erinnert zunächst an die Zersetzungen in Leichentheilen,
welche dem Zutritt atmosphärischer Fermente nicht ausgesetzt sind,
und welche ohne die Gegenwart von Vibrionen erfolgen. Aehnlich
verhalte sich die Fäulniss der Hühnereier, die bei unversehrter Schale
der erhöhten Temperatur des Brütens ausgesetzt seien. Woher stammen
hier die Fäulnisserreger? Dass sie schon bei der Bildung des Eies
demselben in dem mütterlichen Eierstock beigemischt würden, sei
nicht anzunehmen, da die Entwickelung des Eies ungestört von
Statten gehe. Auch hat C. eine ganze Reihe frischer Eier vom Huhn,
Taube, Sperling und anderen kleineren Vögeln mikroskopisch unter-
sucht, ohne etwas Anderes zu finden, als die bekannten, häufig mit
Molecularbewegung begabten, kleinen Eiweisskömchen, welche ge-
legentlich wohl zu Irrthümem Anlass geben könnten. Die Annahme,
dass das Ei während des Durchganges durch den Oviduct imd die
Cloake Vibrionen aufnehme, weist er damit zurück, dass, wie er
experimentell nachweisst, das mit Membran und Kalkschale umkleidete
Ei zwar für Gase und Wasser, aber nicht für feste, in flüssigen
Medien suspendirte Körperchen durchgängig sei. Unter Anderm
blieb ein Ei, welches 48 Stunden in faulendem Blut gelegen hatte,
frei von Vibrionen- (und von Fäulniss), während es 3,5 decigr. Blut-
flüssigkeit in dieser Zeit absorbirt hatte. Ja, die Eier vieler
Thierarten, welche nur eine membranöse Umhüllung besässen, z. B.
31»
4$4 C^ntraUatt far Chirurgie. No. 81»
Exemplaren in wahren Brutstätten niederster Organismen^ im Schlamm
der Flüsse^ in Sumpfwässem und anderen f^ulnissheerden^ durch die
Sonne oder däe bei der Zessetaung umwendende Wäxme ausgebrütet^
HOud gingen fast nie in FiUdniss über. — Dass dageg^ l^cr ohne
den Zutritt solcher Fermente bei unversehrter Sehale dennoch unter
gewissen Bedingungen im. Zersetzung gerathen können» zeigte Colin
duxch Yexeuehe. In der ersten Beihe wiucden idie Eier kleinerer
Vögel unter gewöhnlichßn Yechaltnusen aufbewahrt und innerhalb
deüT ersten zwei Wochen imteisuoht; de zeigen sieh siuBEKvatlich iiiich
uad, soweit nadiweisbai^ frei von Oiganismen. Eine zweite Reihe
vom Eiern wurde mehrere (4*^5) Tage lang eijuer kiinstlichen BriUuiig
unterworfen und dann über einen Monat bei gewöhnlicher Temperatur
aufbewahrt; diese Eier boten sämmüich in verachiedenem Giade
Veränderungen dax^ welche C. ak faul bezeichnet, nämUch Gewi«htfr-
Verlust uud eine entsprechende Zunahme des Li^traums im Ei bis zu
V2f JA V4 des Volums, Vermischung von Gelb und Weiss, Bräunung
und Eintrocknung des Inhalts^ und ein^i £akuligen Gerueh. Mikro*
skopisch fand er die normal darin enthaltenen beweglichen Kömchen
vermehrt, doch nichts wae unzweifelhaft als Vibrionen hätte gedeutet
werden können (übereinstimmende Erfahrungen machte Billroth
\ind Bef.) . Eine dritte Anzahl von Eiern , welche nur in Watste ver-
packt mehrere Monate aufbewahrt wurd^, wax siach Ablauf dieser
Zeit trockener geworden, zum Theü sogar fast ausgetrocknet, zeigte
aber nur geringe (nicht naher bezeichnete) Grade von Zersetzung.
Colin schliesst, daas alle Eier unter gewissen Bedingungen in
Fäulniss gerathen könnten, und diese Fäulniss nicht gebunden
sei an die Intervention von Organismen oder deren Kei-*
men. »Für gewöhnlich, bei offenem Luftzutritt, mögen die Organis-
men eine Bolle spielen bei der putariden Zersetzung. Sie leben von
ihjoen Producten, welche ihnen die Bedingungen ihrer Existenz dar-
bieten; sie modificiren sie in ihrer Weise, wie die Milben, die In^
sectenlarven , die Würmer, die Cryptogamen. Aber sie sind mebr
Zuschauer, Beneficianten, als Errege (acteurs) der Fäulniss«. —
Pasteur stützt sidi in seiner Argumentation auf die Unter-
suchungen seines Präparators Gayon, welche vieles Abweichende
von den Besultaten Colin's darbieten. G. &nd, dase nicht alle
Eier in Fäulniss übergehen ; er konnte solche über ein lang Jahr unzer-
setzt erhalten. In fiuilen Eiern dagegen will er immer Vibrionen ha-
ben constatiren können; auch in denjenigen, welche Colin vorgestellt
und als spontan gefault bezeichnet hatte, femd er unter der Sehale Bao-
terien (Aerobien) und in der Mitte Vibrionen (Anaerobien). Er nimmt
an, dass diese Organismen im Oviduct, in welehen sie von der Ckake
aus gelangten, unter dem Einfluase eines erhöhten Dnsckes durch die
EihüUen in das Innere dringen. Dieser Vorgai^g betneffis aber ünmer
nur einzehie Eier, da ja eine ganze Anaahl der gelegten frisch bliebe.
Die Penetrationsfähigkeit der Vibrionen hatte G. auch noch
CentralblAtt far Chirargie. No. 31. 485
experimentell näker geprüft, indem er Eiet in Tetsehiedeae putride
und Ton Organismen bekbte Flüssigkeiten tri&rend einiger Wochen
liineiolegtef und andenr Bier derselben Pteoedtir unter etwas eriiöhtem
Druck aussetzte. Es eigab sich, das« die Eier der ersten Heike
frisch blieben (in Uebereinstimmung mit dem Ref. — diesjähr.
deutscher Chirurgen-Congress in Berlin), also Vibrionen weder durch
die endosmotische Strömung noch durch ihre Eigenbewegung hindurch-
zudringen vermochten, die Eier der zweiten fteihe dagegen unter Or-
ganismenentwickelung in Fäulniss übeigingen. G. und Pasteur
halten somit die Aufnahme von Keimen aus dem Oviduct unter dem
Einflüsse eines höheren Druckes für erwiesen.
Hiergegen replicirt Colin, dass er es sehr wohl fUr möglich
halte, Eier unter Umständen ein Jahr lang und darüber zu conser-
viren; bei gewöhnlicher Temperatur gingen eben die Veränderungen
sehr langsam vor sich, aber sie erfolgten schneller und ausnahms-
los, wenn das Ei zuvor von der Henne bebrütet und in der l^rütung
unterbrochen worden war. Dass Gayon bei seiner Methode der
Conservirung nur 33 (bis lb)ßi faulet Eier erhiek, erklirt C. atis
der niedrigen und gleichmässigen TemperaAuf, «ns der relativ kurzen
Zeit der Beobachtung, sowie aus dem Umstände, dass Gayon Ver-«
änderungen, wie die von Colin beschriebene Mumifieation und Ma^
ceration des Eönhalts, den laulaigen gar nieht zurechne. Sokon R^-
aumur habe angegeben, das8 alle Eier, deren Embryo während dev
Entwickelung stirbt, in Fäulniss gerathen oder mumificiren ; ja Donn4
wollte sogar durch einfaches Schütteln des Eies und Vennisehung
von Gelb und Weiss schon Erscheinungen von Zersetzung haben
eintreten sehen. Dass also Eäerfönlniss immer durch eine Infection
mit Organismen bedingt sei, könne man nickt behaupten. Der obere
längere Abschnitt des Oviducts, in welchem das Ei noch in häutigeif
Umkleidung sich befinde, sei überdies frei von Vibrionen, ihr Ein-*
dringen auch schon deswegen höchst unwahrscheinlich, weil die struc-
turlose, mit den Kalksalzen imprägnirte Eihaut gar keine offenen
Poren besitze. Den Experimenten Gayon' s mit erhöhtem Druck
hält C. entgegen, dass dabei Rupturen der Eihäute zu Stande kommen
könnten, gerade so wie die Gefässrupturen in der Nasensohleimhaut
und der Conjunctiva von Thieren unter dem Becipienten der Luft-
pumpe. Nadi den Untersuchungen B^champ's und Gayon' s
sollen neben Fäulniss auch Alkoholgäfarung, Buttersäur^ und Milok-
säuregährung im Ei vorkommen; es müssten nach der Theorie
Pasteur's somit auch für diese Umsetzungen die entsprechenden
organisirten Fermente von aussen eingedrungen sein, d. h. das
Ei eine förmliche Arche Noah für allerhand winzige Geschöpfe re-
präsentiren. Wenn man diese Möglichkeit der Invasion überhaupt
zulasse, müsse der Vorgang als ein viel häufigerer angenommen
werden und man dürfe sich wundem, dass für gewöhnlieh nicht
mehr Eier, als Pasteur angiebt, in Fäulniss geriethen. Die That-
Sache aber, dass alle diese hjrpothetisch angenommenen Keime im
486 Ceotxalblatt für Chirurgie. No. 31.
Ei die Entwickelung des Embryo bei der Brütung notorisch nicht
hindern^ beweise entweder^ dass diese Hypothese unrichtig sei» oder
dass diese Keime in dem unzersetzten Eiweiss nicht zu vegetiren
yermöchten (cf. Billroth und Ref.}.
Poggiale hat ebenfalls beobachtet» dass alle Eier früher oder
später^ namentlich im Sommer, faulige Zersetzungen erleiden. Sollte
man hier also annehmen» dass sämmtliche Eier von Hause aus Bac-
terienhaltig wären? Allein Gayon habe ja nur in einzelnen Fällen
derartige Organismen gefunden, und B^champ und Donn6 konnten
niemals im Weiss oder Gelb frischer Eier Bacterien» Vibrionen^
Schimmelsporen oder andere Organismen constatiren. Die Gründe
Gayon* s für eine Invasion von Vibrionen im Oviduct seien unzu*
länglich. Er hält die Frage» wie diese spontane Fäulniss der
Hühnereier zu Stande komme» für eine sehr schwierige und warnt
vor vorzeitigen Schlussfolgerungen.
Nachdem schliesslich Fasteur» nicht ohne einige leidenschaft-
liche Bemerkungen, noch einmal energisch erklärt, es faulten nur
einzelne Eier» und diese enthielten Vibrionen, bekräftigen auch
Colin und Poggiale ihrerseits noch ein Mal» dass alle Eier in
Fäulniss übergingen» auch die» welche keine Vibrionen enthielten»
[Ref. glaubt» nach neueren Untersuchungen über diesen Gegenstand»
dass Pasteur vollkommen Recht hat, wenn er sagt» dass man Eier
bei gewöhnlicher Temperatur viele Monate lang frisch erhalten könne;
aber er muss auch Colin und Poggiale darin beistimmen, dass
alle Eier» die einer kurzen natürlichen oder künstlichen Brütung
unterworfen» dann durch Abkühlung in dem Entwickelungsvoigange
unterbrochen und bei mittlerer oder warmer Sommertemperatur auf-
bewahrt werden» ohne Ausnahme Zeichen von Zersetzung darbieten.
Man findet in solchen Eiern» die oft deutlich fotid riechen, mikro-
skopisch eine grosse Zahl kleiner gleichmässiger» molecularbeweglicher
(bacterienähnl icher) Kömchen» von denen der grösste Theil in
Kalilauge löslich ist, während die anderen an Fetttröpfchen oder
Gasbläschen erinnern. Auch Billroth hebt hervor» dass man in
Eiern» die scheusslich stinken» oft keine Organismen finde. Ref.
hält für diese spontane Zersetzung des angebrüteten Hühnereies die
Erklärung für zulässig» dass bei der Keimung der Bildungszellen des
Eies » wie ja auch bei anderen Thier- und Pflanzenzellen » ^ Stoffe
(Fermente) gebildet werden, welche physiologisch die Umbildung des
Emährungseiweisses zu thierischer Gewebssubstanz vermitteln, also
diejenigen chemischen Lebensvorgänge einleiten» die man unter dem
Namen des Stoffwechsels und der Zellenemährung zusammenfasst;
dass diese Fermente beim Aufhören des Lebens der Zellen an sich
nicht unwirksam werden, sondern noch weiterhin» bei wärmerer Tem*
peratur schneller, bei niedriger langsam, postmortale Umsetzungen
hervorrufen, die wir in die Kategorie der Fäulnisserscheinungen ein-
reihen müssen. Vermuthlich finden ähnliche postmortale Umsetzungen
Centralbktt fAr Cbiruigie. No. 31. 4§|r
durch physiologische, in den Geweben gebildete Fermente auch(^
der Thier- und Menschenleiche noch statt (Leichengift?).] ^9
SchluBfl folgt. Am. Hiller (Berlin). ^^
V. FeltB, Etüde exp^rimentale sur le principe toxique dU
sang putr6fi6. ßb
(Comptes rendofl T. 80. 1875. p. 1338^40.) ^
Die in seinen Versuchsreihen über die Wirkung septischen Blut^
(s. Centralblatt 1875, No. 13) benutzten Flüssigkeiten liess F. f^
der Luft ausgesetzt Monate lang stehen. Die von Zeit zu Zeit TQtr
genommene mikroskopische Untersuchung ergab, dass die Bewegliobt
keit der Spirillen und Vibrionen mehr und mehr abnahm; schliesslich
entsch^randen sie dem Blicke so vollständig, dass auf Zerfall und
Auflösung derselben in der faulenden Flüssigkeit geschlossen werden
musste. Die Bacterien und die Zoogloea-Membranen widerstehen dir
Fäidniss längere Zeit, büssen aber ihre Beweglichkeit gleichfalls ein,
zuletzt sieht man in der Flüssigkeit nichts mehr als unbewegliche
Trümmer von Stäbchen und Kömchen. Gleichzeitig wird der Geruch
des Blutes weniger penetrant, indem die Bildung ammoniakalischer
Froducte abnimmt. Die Zeit, d. h. längeres Stehen frei an der Lu^
wirkt auf faules Blut ganz in der gleichen Weise, wie nach F. lef|^
gerer Contact mit Sauerstoff oder fortgesetzter Aufenthalt im leer^ji^
Baume. Wurde von diesem faulen Blute eine Injection von Y2 ^9
2 Kbcm. in die Venen bei Hunden gemacht, so traten bei all^
(6 an der Zahl) Infectionserscheinungen auf, Temperatursteigerun^
Appetitlosigkeit, Erbrechen, gallige, selbst blutige Durchfalle. Vier
von den Thieren starben, aber erst nach 10 — 12 Tagen, die zwgi
anderen erholten sich allmälig wieder vollständig. Altes, gefaul^
Blut, in welchem jedes sichtbare Leben erloschen ist, hat demnag^
dieselbe toxische Wirkung, wie das Blut, in dem die organisch^
Keime und Pilze in voller Lebensthätigkeit sich befinden und muji
müsste als unmittelbare Ursache der septischen Fähigkeit chemisc)ip
Veränderungen annehmen, bewirkt durch die Gegenwart resp. dfgi
Zerfall der Organismen, nicht die Organismen selbst. — Andererseite
aber zeigt das Blut der durch so gefaultes Blut inficirten und gi(-
storbenen Thiere zahlreiche Bacterien und Coccobacterien, obwo^
doch in dem injicirten Blute kein lebendiger, bewegungsfähiger Kei^
vorhanden gewesen ist. — Putrides Blut, welches 5 Monate lang in 4^
Sonne gestanden und eine teigige Consistenz durch Verdunstung e;^
langt hatte, wurde im Luftbade vollkommen getrocknet und zu ein^^
feinen Pulver zerrieben. Fein gesiebt wurde es in der Dose vongp
Y2 Kbcm. mit 2 — 3 Kbcm. Wasser vermischt und diese kräftige
Hunden in die Cruralvene eingespritzt. Anfangs zeigten die Thic^
eine massige Depression, nach 4 — 5 Tagen stellte sich Fieber ei||>
gallig-blutige Diarrhoe, Erbrechen, gallenfarbstoffhaltiger Harn u. s. jfy.
488 Centnlblatt f^r Chmngie. No. ai.
Von den drei Hunden etaiben 2 nach 10 vesp. 16 Tagen. Auch hier
enthielt das Blut Bacterien^ auch hier zeigten die rothen Katkörper*
chen die bekannte Formveränderung und den Zerfall^ wie im Blut sep-
tisch inficirter Thiere. Und doch konnte die genaueste Untersuchung
des getrockneten und mit Wasser yermischten Pulvers nichts Ton
lebenden Bacterien oder Vibrionen darin entdecken. Da somit auch
das Blut^ welches durch alle Perioden d^ Fäulniss bis zur gänzlichen
Austrocknung hindurchgegangen ist, immer nach einer gewissen
Incubationsdauer septische Erscheinungen hervorbringt, so muss man
nach F. annehmen , dass in der eingespritzten Flüssigkeit bewegungs-
lose und scheinbar todte Keime vorhanden gewesen sind, die in nor-
males Blut eingeführt gleichsam wieder aufleben und nun ihre sep-
tische Fähigkeit von Neuem entwickeln können.
J. Muk (StBBMbug i/E.) .
N. Oröhant und B. ModnejewskL Von der Zersetzung der
Eiweisskörper im Yacuum.
(Denkbl&ttet d. Warsdiaaer äntL Gesellschaft 1^75. Hft. 1 n. 2. p. 167.)
In dem Laboratoriimi von Claude-Bersard in Ptois unternah-
men die Verff. eine Reihe von Untersuchungen, tun festzustellen, wel-
cher Natur die gasformigen Producte sind, welche sich aus dem ^ute,
nachdem m^n die gewöhnlichen Blutgase ausgepumpt bat, entwickln.
Sodann aber sollten die Quellen dieser Grasbildung und etwaige Ein*
flüsse angesucht werden, welche die Quantität und QuaKföt der Gras-
bildung zu modificiren lA Stande wären.
Das entgaste Ittut lieferte im hifdeeren Raum und bei constanter
Erwärmung auf einen bestimmten Wärmegrad, ein €remisch von
Kohlensäure, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und Stickstoff und zwar
in grosser Menge und während einer sehr langen Zeitperiode (einzelne
Versuche dauerten bis zu 2 Monaten), am reichlichsten bei einer Tem-
peratur von 40^ C. Ptodlelversuche mit Hühnereiweiss, Serum,
Paraglobulin und Casein zeigten , dass die Grasbildung auf der Zer-
setzung von Eiwdsskörpern im Sennn, und im Blut speciell auf der-
jenigen des Paraglobulin beruhe. — Dass diese Zersetzung eine
Fäulniss von Eiweisskörpem sei, schlössen die Verf. einmal aus dem
charakteristischen Fäulnissg^puch von Proben, die sie während der Gras-
entwickelung aus den sidi zersetzenden Flüssigkeiten entnahmen (nach
vollendeter Gasproduction war ein charakteristbcher Fäulnissgemch
an den zersetzten Substanzen nicht mehr wahrnehmbar), und zweitens
aus der constanten Anwesenheit in reichlicher Vermehrung begriffimer
Mikroorganismen. — Alle weiteren Bemühungen der Verf. um die
Entwickelung der letzteren zu hindern, blieben erfolglos. Weder
durch Anwendung aller Cautele, um den Zutritt der Mikrooiganismea
zu den Untersuchungsflüssigkeiten zu hindern, npch durch Modiftea-
tion der Temperatur des erwärmenden Wasserbades, noch durek
I
C«ntEalblatt fQr Chinugie. IXo. 31. 4g9
BjBa«fi]gen antUeptiflcber StofSa 2u den eiwcmhabigeft F%i«8igkeiten
(es wurde Jod^ Aig^. nitr.^ CyanqnecksSber, Seeedbi und KoUcn-^
oxydgas augefugt) gelang es dde Entwickelung jener kleinen evgani*
sehen Grebiide zu stören. So fimden sie sich in grosser Menge bei
constaater Erwärmung des Serum bis auf 75 ^; dag^en wax die Menge
der gebüdeten Grase auffallend Terringert, wenn man die Temperatur
des Wasserbades auf 19° C. herabsetzte, statt sie auf 40° C. zu hal*
ten. — Mit Kohlenoxydgas gesättigtes Biut zeigte selbst nach längerer
Zeit die Blutkörperchen relativ wohl erhalten. Mikroorganismen wtuden
dagegen noch nach 2 Monaten in einer au%ehobenen Probe dieses
Blutes nachgewiesen. — Im S^mm, welches mit Jod und dann mit
HöUensteinlösung veisetst worden, soll das entwickelte Gasqnantum
um ein Drittel Ueiner gewesen sein, als im unveimisefaten Serum. «-*
Bei Anwendung von Cyanquecksilber wurde die Gasentwickebing auf
ein Minimum rc^drt, trotzdem reichliche Mikrooiganismen anwesend
waren. — Ebenso setzte Seesalz in einer Lösung von Hühnereiweiss
die Gasbildung ganz beträchtlich herunter. — Die Verff. resümiren
ihre Ergebnisse dahin, dass die angewandten Giftstoffe (Cjanqueck^
Silber, sowie Äntiseptica, z. B. Seesalz) keinen hindernden Einfluss
auf die Entwickelung von Mikroorganismen üben, dass sie aber die
cfaemisehen Zersetzungen eiweisshaltiger Substanzen und die hiermit
verbundene Bildung gasiger Producte abhalten. Diese Gasbildung
wird stets begleitet von einer Entwickelung von Mikroorganismen,
ohne dass durch letztere die Quantität oder Qualität der Gase ver^
ändert würde.
Zuletzt suchen die Verf. den schädlichen Einfluss der gasförmigen
2lersetzungsproducte von Eiweisskörpem auf die Gesundheitsverhält-
niflse in Wohnungen, Spitälern und in der Nähe von Schlachthäusern
u. s. f. au beleuchten. Lesser (Berlin).
¥. CSsamgr. Ein Aneurysma varicostuoi. Ein Beitrag sur
Lehre von der Organisation geschichteter Thromben.
(Virch. Archiv Bd. LXIL p. 464.)
Die jüngst ausgesprochenen Ansichten Boser's imd Ha in 's
(Chirurg. Centralbl. 1874. p. 477) über die Natur des aneurysmatisehen
Sackes in frischen Fällen von Aneurysma traumaticum kritisirt C.
unter gleichzeitiger Mittheilung des Untersuchungsbefundes an einem
von ihm operirten Aneurysma varicosum der Arteria und Vena femo-
raUs. Dasselbe war bei einem 20jähr. Mann durch den Stich eines
Taschenmessers entstanden. Instrumentelle und 6 Tage fortgesetzte
# Digitalcompression, 4 Tage dauernde forcirte Flexion , ebenso die
Unterbindung der Schenkelschlagader nach Hunt er brachten keine
Heilung. 4 Monate nadii der Entstdiung wurde mit Benutzung der
Es march 'sehen Methode der Sack blossgelegt, gespalten, die Fibrin-
coagtda ausgeräumt, die Arterie und Vene unterbunden. IDer losgelöste
490 Centxalblatt fttr Chirurgie. No. 31.
r
Theil des Aneuiysmasackes wurde ausgeschnitten. Nach Ueberstehung
eines Erysipels Heilung. — Das Wesentliche am Befunde des aus-
geschnittenen Aneurysma ist das Bestehen eines leicht isolirbaren,
derben Bindegewebssackes , der dadurch an Dicke zunimmt, dass
die Innenfläche granulationsartig in die äussersten Fibrinschichten
hineinwächst, während sowohl Fibrin als rothe Blutkörperchen resor-
birt werden oder vielleicht zum kleineren Theil als Intercellularsub-
stanz persistiren. Nach Vergleichung mit dem Roser 'sehen Befund
erscheint die Annahme am natürlichsten, dass der Böser 'sehe Fibrin-
sack gleichsam als Modell für die hereinwachsenden Blutgefässe und
für die nachfolgende Gewebsbildung gedient hat, dass somit die
Boser'schen Fälle blos das früheste Entwickelungsstadium des trau-
matischen Aneurysma darstellen. Im obigen Fall wenigstens fand ein
temporärer Abschluss in der Bildung eines derben Bindegewebssackes
statt. Madelung (Bonn).
Semmer. lieber die Ursache der Furunkel.
(Deutoche Zeitschrift f. Thiermed. u. vergl. Pathologie 1875. Bd. I. Hft. 2 u. 3.)
Bei Bewohnern eines Hauses^ die einige Zeit an mehr oder we-
niger zahlreichen Furunkeln gelitten hatten^ führt S. die Erkrankung
auf den Genuss verschimmelten Sauerkohles zurück. Er fand in den
von den Furunkeln ausgestossenen Eiterpfropfen ein zahlreiches Ge-
flecht von Pilzfaden y die den Mycelfaden des Kohls vollkommen
gleich waren. Schimmelsporen werden durch Siedehitze schwer zer-
stört^ ausserdem war der Kohl theils ungekocht genossen worden;
»es hatte also eine Einwanderung von Schimmelsporen vom Darm
aus ins Blut stattgefunden.« Am. HUler (Berlin).
Landsberg. Zur Aetiologie und Prognose intra- und extra-
ocularer Sarcome.
(Virch. Archiv Bd. LXIII. p. 267.)
L. erzählt einen Fall von Fibrosarcom der Aderhaut ^ zu dessen
Bildung ein eitrig chorioiditischer Process den Ausgangspunkt gegeben.
Einer 28jähr. Frau wird das Hymen exstirpirt. Phlebitis. Abscessbildimg
in den grossen Schamlippen und inneren Schenkelflächen. Plötzlich
auftretende heftige Schmerzen im linken Auge^ rasch fortschreitende
Sehstönmg, metastatische Chorioiditis. 4 Monate später wurde das
total amaurotische Auge enucleirt. In der Höhle des Bulbus befindet
sich fast ein Theelöffel Eiter ; daneben eine solide Geschwidst von Hasel-
nussgrösse ^ die vom äusseren Abschnitt der Aderhaut ausging. Nach
2^2 Jahren keine Spur eines Recidivs. — Den Uebergang einer einfach
hyperplastischen Neubildung (Schleimpolyp der Nasenhöhle] in ein
ausserordentlich bösartiges y sich in benachbarte und durch knöcherne
CentaralbUtt fOr Chirurgie. No. 31. 491
Wände geflchiedene Höhlen (Orbital-^ Schädel- und Stirnhöhle) auB-
breitendes Sarcom (parviceUuläres Myxo-Sarcom) zeigte ein 55jähriger
Mann.
Den Orbitalsarcomen giebt die bereits in einem frühen Stadium
der Neubildung ausgesprochene Tendenz zur Verbreitung in die Tiefe
der Orbita resp. über diese hinaus eine prognostisch schlimme Bedeu-
tung. Die vom Bulbus selbst ausgehenden Sarcome dagegen behalten
selbst nach Perforation des Bulbus die Neigung zu einer concentrischen
Verbreitung. Bei ihnen ist es möglich, durch reine Exstirpation
dauernde Heilung oder mehrjährigen Stillstand zu erzielen. Nach
Exstirpation eines vielzelligen Melanosarcom^ welches von der Cho-
rioidea ausgehend die Orbita ausfüllte, blieb 2 Jahre laug jedes Recidiv
aus. Dann wurde ein kleines Recidiv und nach drei Jahren ein zweites
exstirpirt. Bis jetzt in weiteren drei Jahren kein neues Zeichen des
Fortbestehens des Leidens. Ebenso zeigte ein Patient, dem wegen
kleinzelligen von der Sclera ausgehenden tmd die ganze Orbita aus-
füllenden M edullarsarcoms der ganze Inhalt der Orbita inclusive dem
unteren Lid exstirpirt wurde y zwei Jahre nachher noch kein Recidiv.
Madelug (Bonn).
Terillon. l^tude exp^rimentale sur la contusion du foie.
(Arch. de Physiologie 1875. p. 22 — 32.)
Ueber die Wunden der Leber liegen eine Reihe von Arbeiten
vor^ unter denen aus neuester Zeit besonders die von L. Mayer zu
erwähnen ist; spärlich sind dagegen die Erfahrungen über Contusion
der Leber. T. hat letztere experimentell in der Art studirt^ dass er
Hunden, die rücklings gelagert wurden, durch brüsque Erschütterung
des rechten Hypochondriums mit Hämmern von verschiedener Di-
mension und Schwere Contusionen der Leber beibrachte. Auf die
Läsion folgte stets eine ausserordentlich geringe Reaction. Die All-
gemein Wirkung, die anfangs recht bedeutend erscheint, verschwindet
schnell; ungeachtet der Ausdehnung der Verletzung ist der Erguss
in die Bauchhöhle nur spärlich, die Peritonitis bleibt auf die direct
afficirten Partieen localisirt und giebt weiterhin, wenn auch nicht ge-
rade häufig, zur Bildung von Adhärenzen und Verwachsungen Ver-
anlassung. Selten entsteht allgemeiner Icterus, selten ist icterischer
Harn. Bei allen Hunden folgte auf Contusion der Leber Wieder-
herstellung. Meistens enstanden wenig tiefe und wenig ausgebreitete
Fissuren des Lebergewebes, die von einem weichen Blutgerinnsel er-
füllt waren. Die Länge und Tiefe der Fissuren ist sehr verschieden ;
sie kann bis auf 10 — 15 Cm. sich belaufen. Bei sehr heftigen Con-
tusionen entsteht ein klaffender Spalt von einer Tiefe von 4 — 5 Cm.
mit zackigen Rändern, der ebenfalls von einem Blutcoagulum aus-
gefüllt wird. Bei allen diesen Verletzungen war zugleich die Glis-
son'sehe Kapsel mit zerrissen. Ist dagegen, was auch vorkommt,
402 Centvalblatt fUr Chirurgie. No. 81.
^se intact^ bo findet »oIl ein BhiCerguss ian iet Leber ^ der tmtcrr
der Kapsel sitzt und dite Kapsel l^ulenctfftig eca dieser Stelie empor-
wölbt; das Blut findet sich dann in einem oberflächlichen^ unmi<lieibar
uAter 4er Kapsel gelegenen Leberriss. — Nicht selten kommea noch
in der Tiefe multiple kleine Blutheerde von Stecknadelkopf- bis Hasel*
nussgrösse vor, die indess mit dem oberflächlichen Heerde in durchaus
keiner Communication stehen. In den Fällen, wo die Kapsel mit*
gesprengt ist, findet sich 24 — 48 Stunden nach der Contusion rings nm
das Blutgerinnsel, welches die Ränder der Fissur mit einander ver-
klebt und überdeckt, eine mehr oder weniger dichte Lage von jungen
Zellen vor, wodurch der Blutheerd von den übrigen Leb^läppchen
6oharf abgegrenzt wird. Diese Zellenschicht geht über die Fissur
hinaus , breitet sich pilzförmig über die Leberoberfläche aus und bildet
80 eine die Fissur verdeckende Pseudomembram. Diese jungen Zellen
sind abgeplatteten und verlängerten LeberzeUen ähnlich; um die Fissur
herum besteht beträchtliche Hyperämie. In der Umgebung der üLsion
sind die Leberzellen stark granulirt, ihre Kerne treten nur undeutlich
hervor. Am vierten bis fünften Tage findet man reichliche Spindel-
zellen zumeist in den peripherischen Partieen. Das Blutgerinnsel hat
an Umfang abgenommen und ist von allen Seiten von dem embryo-
nalen Gewebe eingeschlossen, welches die Tendenz zur Organisation
zeigt. Gegen den neunten Tag iBt die Vemarbung vollendet, auf
der Leberoberfläche bleibt dann nur als Zeichen der verheilten Ver-
letzung eine leichte Depression von graulich durchscheinender Farbe
zvvüok. — Ist die Kapsel nicht zerrissen, der Bluterguss also unter ihr
gelegen, so zeigt sich im weiteren Verlauf, was die Veränderungen
des Lebergewebes und die Entwickelung der jungen Zellenbrat an-
langt, kein Unterschied von der erst geschilderten Art der Verheilung;
nnr geht gerade bei dieser Form der Verletzung die Vemarbung auf-
fallend langsam vor sich imd beginnt erst am 8. bis 10; Tage. Wäh-
rend dieses Zeitraums gehen die dem Blutheerde benachbarten Leber-
läppchen fettige Degeneration ein, dann kommt es zur Einkapselung
des Blutheerdes, zu dessen Resorption ausserordentliche lange Zeit
erforderlich ist. So kann man noch nach V/2 Monaten mehrere dies«
kleinen Heerde mit schwarzen Pigmentmassen erfüllt sehen. Schnitt-
wunden, die T. Hunden durch Messerstiche beibrachte, welche bald
der Längs«-, bald der Querrichtung nach etwa 1 Gm. tief in die Leber
geführt wurden, zeigten in ihrer Verheilung nichts Specifisches, was
sie von den ein&chen Contusionsfissuren der Leber unterscheiden
könnte. Der Frocess der Wiederherstellung geht auf Kosten der jungen
Zellenbrut vor sich , welche sich iu fibröses Bindegewebe verwandelte
nnd so die Narben bildet. Diese jungen Zellen sollen nach der An-
sicht einher Autoren aus dem Blut direct emigrirte farblose Blutzellen
sein, nach anderen, besonders Joseph imd L. Mayer von den Leber-*
Zellen herstammen. T. meint, dass in den Fällen wo die Kapsel
zerrissen ist und also die Wunde mit der Bauchhöhle communicirt,
die jungen Zellen zum Theil vtNi dem Endothel der Serosa herrühren, das
CentralUatt fOjr Chirvxgi«. No. 31. 493
nach Comil und Bau vi er bei entzündlicber Bsuimg 4er Pmtoamdt*
Oberfläche anschwillt ^ proliferirt und daom sich von der Serosa ablost.
Hierfür spricht auch^ dass bei der subcapsidären Verletzung, wo der
Blutheerd nicht mit dem Peritoneum in mrecter Communication steht^
die jungen Zellen und die durch sie eingeleitete Vemaxbung sehr spät
auftreten. Was das Endothel der die Leber bedeckenden Serosa anlar^^
so war an ihm an den Stellen^ wo es über der figsuniten Partie ver*
loflren gegangen war^ amvnahmglos eine rasche Begenemtioin zu oon«*
statireuj die gewöhnlich am 10. Tage gänsKch vollendet war. Diese
schnelle Regeneration erklärt nach T.^ weshalb man nach Lebercon-
tusion so selten zwischen der Leberoberfläche und den Bauchwan-
dungen Adhärenzen findet. J« Mnnk (Strassburg i/£.)-
Kleinere Mitthettungen.
Csemy« Brinnerungen aus meinen Lehrjahren an der Billrot ha-
schen Klinik.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 8 u. 9.)
1] Phosphornekrose. Subperiostale Kesection beider
Oberkiefer und beider Jochbeine vom Munde aus.
Verf. berichtet Ober diese von ihm während einer Ferienzeit in einer Sitzung
vorgenommene, sonst noch nicht richtig beschriebene Operation. Ein 40jähr. Pat.
hatte seit seinem 14. Jahre in einer Zündholzfabrik gearbeitet, stets gute Z&hne
gehabt, bis ein Jahr vor seinem Eintritt in die Klinik ein Backzahn cariös wurde
und schnell ausfiel. Unter Schmerzen verlor er fast alle Zähne, erst des Ober-
kiefers derselben, dann der anderen Seite. Nekrose folgte unter starker Jauche-
absonderung ; schlaflose Nächte und mangelhafte Ernährung brachten den Pat. sehr
herunter. C. nahm Ablösung des mucOs-periostalen Ueberzugs des Gaumens , sowie
der vorderen Fläche des Oberkiefer vor und sprengte mittelst horizontal verlaufender
Meisselschläge die knöcherne Gaumenplatte ab. Die übrigen Partieen der Oberkiefer
und Jochbeine Hessen sich theils durch stumpfes Lösen, theils durch Meissel und
Knochenzange entfernen. Ein kleiner äusserer Hautschnitt wurde durch 3 E.nopf-
nähte geschlossen, der Gaumenüberzug mit der Gingiva vereinigt. Die Nase be-
hielt als Stütze das Knorpelgerüst , Vomer und Nasenbeine. Drainagerohre gingen
durch die Nasenlöcher in die Höhlen. Da die Blutung sehr gering war, konnte
die C^erat¥3fi i^ der Narkose ausgeführt werden. Nach 4 Wodwn wurde Pat. auf
seinen Wunsch entlassen, nach 2 weiteren Tagen im bewusstlosen Zustand in das
Budolf-Spital aufgenommen, wo er bald verschied. Eine Sinusthrombose war die
Todesursache.
2) Exslirpation eines kopfgrossen subpleuralen Lipoms.
Tod durcli septische Pleuritis.
Biei einem 18jä^. Fat. war in 3 Jahren unterhalb der üaken Scapula ein Tumor
entstanden , der in Forsi und Grösse einem Manness^hädel gUith, nach einem Fall
auf die betreffen4e Stelle entstanden sein soll , unter Haut und MwcuUiur sase,
sich bei der Operation als Lipom manifestirte, von welchem ein faustgrosser Lappen
zwischen 7. u^d 8. Bippe, die er i^useinander gedrängt, in den Thorazraum ragte.
Dieser Tbfiil wurdej nacUem die äussere Partie entfernt war, heraiMgeBchält, ohne
die ihm dlaht anHjBgeade Pleura au perforiren. Ee eriblgte jauchige Eitenwg» Pei-
UoßtÜQüt septi9ehe Pleuritis un4 dej; Tod. Bin Obducftmabeflund ist beigegeben.
T* Mosengeil (Bonn*)
494 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 31.
Bollinger. üeber die Ursache plötzlicher Todesfälle und den so-
genannten Rothlanf bei Schweinen.
(Deutsche Zeitschrift f. Thiermed. u. vergl. Pathol. 1875. Bd. I. Hft. 1.)
In zwei F&Llen yon plötslichem Tod ohne vorauf gegangene Krankheitaerachei-
nungen (»bösartiger Eothlauf«) fand B. als die Ursache Pallisadenwürmer
(Strongylus paradoxus) in den mittleren und feinsten Bronchien, eine reich ent-
wickelte Brut, Eier und Embryonen; im Lungengewebe selbst dadurch bedingtes
acutes Lungenödem. Er glaubt, dass alle Erscheinungen dea sog. »Bothlaufs« der
Schweine sich auf obige Affeotion werden zurückfahren lassen.
Arn, Hiller (Berlin).
8. Gamgee. Verletzung der Arteria meningea m^dia; traumatisches
Aneurysma, Blutungen, Ligatur der Carotis communis; Tod.
(The Lancet 1875. Vol. I, p. 535.)
Am 7. März wurde ein Polizeidiener mit Verletzung am linken Ohre pulslos
im Hospitale aufgenommen ; die Stichwunde ging durch den Tragus und Iftngs der
vorderen Wand des äusseren Oehörganges in die Tiefe ; graduirte Compreasen und
Eis wurden applicirt; am 13. konnte Fat. die noth wendigen Aussagen zu ProtocoU
geben; am 17. bildete sich eine kleine pulsirende Schwellung unter dem linken
Ohre aus, in welcher deutlich »Geräusch« zu hören war; Abends lOVs Uhr erfolgte
erneute Blutung aus dem Ohre ; directe Compresaion und Eis brachte dieselhe zum
Stillstand. Da die pulsirende Schwellung um daa Ohr herum zugenommen hatte
und die Pulsation nach Compression der Carotis erlosch, so wurde 70 Stunden lang
Digitalcompression von Studirenden mit dem Erfolge durchgeführt, dass die Pul-
sation und das Geräusch in dem Aneurysma sehr schwach und der Tumor aelbst
fester wurde. Nach Aussetzen der unerträglich gewordenen Compression erfolgten
leichtere Blutungen, bis am 23. eine starke Nachblutung zur Ligatur der Carotis
communis zwang, die in Aether- Narkose mit Catgut ausgeführt wurde. Pat. war
bald wieder völlig bei Bewusstsein und die Blutung stand dauernd; aber nach
4 Stunden erfolgten Delirien, nach 8V2 Stunden rechtsseitige Hemiplegie und am
folgenden Tage der Tod.
Section: Der Catgutfaden in situ, die Intima durchschnitten. Im centralen
Ende ein fester, vollkommen adhärenter Trombus, das peripherische Ende leer.
Die Membrana tympani zerriaaen. Eine irreguläre Höhle zwischen den Mm. pte-
rygoid mit in eitriger Umsetzung begriffenem Blut erfüllt; die Dura mater und
das Gehirn voUständig (?) normal ; die Art meningea media durch Knochensplitter
an der Verbindungsstelle der pars petrosa und squamosa des Schläfenbeins zer-
rissen; von dieser Stelle führte ein unregelmässiger Gang zum aneurysmatischen
Sacke. Pils (StetUn).
Biet. Consid6rations pratiques sur l'op^ration du bec-de-lievre^ tirtes
de la clinique de M. le Dr. Delore^ ä l'hdpital de la Charit^ de Lyon.
(Bulletin g6n6ral de th6rapeutique 1875. No. 8.)
Verf. beschreibt aufa Genaueate alle Regeln, welche in der obengenannten
Klinik bei der Haaenschartenoperation beobachtet werden. Vielea ist schon be-
kannt und bedarf keiner Erwähnung. D. näht mit Silber und legt regehnäsaig
eine vollatändige hintere Schleimhautnaht an. Sie aoU nebenbei den Vortheil haben,
daaa die kleinen Operirten gegen die Oberlippe mit der Zunge nicht zu drücken
verauchen , indem aie aich gegen die acharfen Enden der Silbernähte atechen. Die
Entapannung der Lippe geachieht mittelst eines IV2 Cm. breiten Heftpflasterstreifena,
der 3 Mal um den Kopf, abwechaelnd Aber und unter den Ohren, geht.
Bei prominirendem und abaolut nicht zurQokzubringendem Zwiachenkiefer,
wie aolchea bei einaeitig , aeltener bei doppelseitig complidrten Haaenacharten vor-
kommt, fahrt D. bekanntlich die aubperioatale Exciaion einea Keüea aua dem
Vomer aua. Girard (Straaaburg i/E.).
Centralblatt für Chirurgie . No. 3 1 . 495
Hanow. Die Salicykäure gegen Diphtheritis.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 20.)
Verf. hat mit Salicybiure innerlich (stOndlich 1 Löffel Ton 0,5 Acid. salicyl.
auf 150,0 Waaser langsam su Terschlucken) bei einer Diphtheritisepidemie gute Er-
folge erzielt. Nach der dritten bis vierten Gabe reichliche Abstossung der diph-
theritischen Fetzen und Abfall des Fiebers. Nach 12 Stunden begann Becon-
▼alescenz. T« Mosengell (Bonn).
Faul Fürbringer. Aus der Klinik des Prof. Friedreich. Salicyl-
säure gegen Katarrhe der hamleitenden Organe mit ammoniakalischer
Gährung des Harns.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 19.)
Bei 4 bezüglichen Fällen vurde SaUcylsAure in Tagesdosen von durchschnittlich
1,0 Gramm in schleimigen Decocten, Schüttelmizturen etc. gereicht. Dabei
schiranden die alkalische Beaction, flbler Geruch und Bacterien im Urin, oder, wie
Verf. sagt, »die Erreger und Producte der ammoniakalischen O&hrung«; der Eiter-
bildungsprocess wurde aber nicht sistirt. Bei künstlichen septischen Fiebern infolge
putrider Infection bei Kaninchen erwies sich Salicylsäure gleichfalls wirksam, nicht
aber bei reinen Entzündungsfiebern (cf. Centralbl. f. Chir. 1875. No. 22).
T« Mosengeil (Bonn).
G. B. Baloh. Stricture of tihe Oesophagus, with the lodgment in it
of a foreign body.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI HfU 3 p. 272.)
Fat. hatte, 2V2 ^fthr alt, zufällig etwas SchwefeUäure Terschluckt. Nachdem
die Gefahr für das Leben überwunden war» konnte Fat. 6 Jahre lang nichts als
flüssige und halbflflssige Nahrung zu sich nehmen. Seitdem er angefangen feste
Speisen zu gemessen, hatte er wiederholt Verstopfungen des Oesophagus durchge-
macht, yon der Dauer weniger Minuten bis zu fünfzig Stunden. ' Im 15. Lebens-
jahr blieb ein Stück gekochtes Bauchfleisch in der Speiseröhre sitzen und man
versuchte vergeblich, es nach abwärts zu stossen oder auszuziehen. Es wurde dem
Fat. Salzsäure gegeben, um das Fleisch zu verdauen und aufzulösen und nach 36
Stimden lang dauernder Obstruction schluckte Fat. das Stück herunter. Im 27. Jahr
wiederholte sich dies mit einem Stück Boastbeef. Auf den Gebrauch von Salzsäure
und Fepsin gelang es nach 37 Stunden die Verstopfung zu heben.
Madelang (Bonn).
A. OolBon« De l'op^ration de la bemie etranglte sans Ouvertüre
du sac.
(Thöse, Faiis, 1874.)
Verf. betont den Werth der äusseren Herniotomie gegenüber dem Bruchschnitt
mit Eröffnung des Sackes. Er veröffentlicht 11 neue Fälle, die nach ersterer Me-
thode operirt wurden. Nur ein Fat., zu welchem er zu spät gerufen wurde, starb
nach diesem Eingriff; die 10 anderen, obgleich 2 darunter ein heftiges Ersyipelas
durchzumachen hatten, kamen alle durch. Girard (Strassburg i/E.).
Notes of hospital pratice (Roosevelt hospital).
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. Hfb. 3.)
1) Jodoform in stricture of the Urethra,
Mit vielem Vortheil wurde folgende Methode angewandt. Jeden Tag wurde
die Strictur mit 3 Bougies erweitert. Nach Entfernung der grössten derselben
4d6 Centrattlatt far Chirorgie. No. 31.
wurde eine kleinere, die mit Jodofonnsalbe bestrichen wafi eii^geführt, dioa der
Penis comprimirt und so beim Ausziehen der Bougie die Salbe in der Urethra
vertheilt.
2)' The use of ergot in the treaitment of haemovrhoids.
Elystiere von einer Drachme von Ergotintinctur und drei Unzen Wasser wur-
den mit zufriedenstellendem Erfolg bei Behandlung Ton Hfimorrhoiden angewandt.
Madelung (Bonn).
J. ABhton. Fractur und Ablösung des Trochanter major.
(Lancet 1875. Vol. I. p. 231.)
Ein 16jähriger Knabe , den Kammeiraden auf dem Felde hin- und herge-
schwungen und dann auf den Boden hatten gleiten lassen, klagte nach einigen
Tagen über heftige Schmerzen im HflftgelenlLe und dessen Umgebung; der ganze
Oberschenkel und die anliegenden Fartieen erschienen stark geschwolien und em-
pfindlich ; Hautwunde und Cr^itation fehlte, dabei Teruraachte Bewegung im Haft-
gelenke hochgradige Sehmerzen, beide Beine sollen gleiche (?) Länge gehabt ha-
ben, doch wurde am folgenden Tage, als eine beschr&nkte Fluctuation fohlbar wurde,
Verlängerung des kranken Beines erkannt. Der Puls war klein, schnell, unreal-
massig, Zunge braun, dauerndes Delirium. Nachdem am 2. Tage der Abi cess ge-
öffnet worden, war deutlich Crepitation vorhanden ; nach 2 Tagen erfolgte der Tod.
Aus dem Sectionsbefund wird nur hervorgehoben, dass der fracturirte Trochanter
major in toto abgelöst und der Schenkelhals xmd oberes Femurende cariös, das
Hüftgelenk zerstört waren. Dem Krankheitsverlaufe wird schliesslich noch hinzuge-
fügt, dass der Knabe nach dem Unfälle bis vom Abend gearbeitet und anfangs
nur etwas Steifigkeit im Beine verspOrt habe. Die nächsten 2 Tage ging er wieder
zur Arbeit — "Morgens und Abends einen Weg von 3 englischen Meilen — dann
erst blieb er der St^meroen wegen zu Hanse. Für wissensdiaftliche Verwerdiung
läset Kraakengesckidite und Sectionsbefand manehe Angabe zu wünschen.
Pfls (Stettin).
G'üterbook. lieber einen Fall von geheilter Hiiftgelenkresection,
Vortrag gehalten am 13 Jan. 1875 in der Berl. med. Geselkchaft.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 13.»
O. fand bei einem 2jährigen Kinde Contis; Adduction, EinwärtsroUung,
Flexion, Abscess oben und aussen am Oberschenkel und Fieber. Unter Exten-
sionsbehandlung Zunahme des Abscesses und Fiebers; nach zwei Monaten durch
dreimal wiederholte Aspiration Eiter entleert. Danach spontaner Aufbruch an
mehreren Stellen, femer mokiple phlegmonöse Absoesse und allgemeine Vecschlim-
merung. Nach Aufgabe der mechanischen Behandlung allmälige Besserung und
Luxatio coxae. Resection unter Anwendung Esmarch' scher Constriction (auf
diese Constriction wird die Genese eines Abseeseee zurückgeführt, welcher später
entstand und nicht mit der Wunde in Communication stand). Die Heilung erfolgte
schnell mit starker, caUusartiger Knochenneubildung — anfangs Lagerung im Ex-
tensionsverband — später Tayjlor'sche Maschine. Schliesslich theilt G. die Ope-
rationsstatistik von 19 Kesect. coxae wegen Caries aus dem Kinderhospital in
London (nach Holmes) mit^ von denen 6 am Leben blieben, wovon aber 3 nur
unvollständig heilten. Trotzdem empfiehlt G. die Operation häufiger, jedoch mit
sorgfältiger Auswahl, vorzunehmen. Y« MoBengeU (Bonn).
Originalmitthelluafeny Monographleen und SeparstabdrÜcke wolle
man an Dr, H. TiUnumns, Leipzig, ICarienstrasse No. 3, oder an die Verlagsbandluug,
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in BotUb. U Halle ». 8. U Leiptig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prft-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N2: 32. Sonnabend^ den 7. August 1876.
Inhalt: Ranke, Casulstischer Beitrag zur Lehre von der Brurheinklemmang. (Original-
MittbeiluDg.)
Pattear, Ctlia, Pegflalt, Ueber Gährong und FSulniss (Scbluss). — Hit, Lympb-
system. — Wlattraltz, Bedeutung der Hantfunctlon f&r die Körpertemperatur. ^ Bai-
mar, Hautstörungen bei progressiver Muskelatropbie. — Cboop|iey Wirkung der Emetlca.
— Heyfeldery Transfusionen. ^ Graele und SaamltCll, Handbuch der Augenheilkunde.
— Mder, Mechanismus der Brucheinklemmung. — Albert, Genu recurvstum.
Dretebke, Lyssa. — SeallfmOllar , traumatische Retning des Hals-Sympathlous. —
Welnlechner, Fistula colli congenita und Oesopbagusdlyertlkel. — Pozxl, Reoidivirende
Osteoperiostitis. — Annandale, Behandlung irreducirbarer Luxationen. — Chanca, Knie-
gelenksreseetion. — Mae Cormac, Erkrankungen des Knie- und des Haftgelenkes. — -
Sarauiy, Behandlung eingeklemmter brandiger Hernien. — Haydtarelcll, Uteruspolyp.
Gasuistischer Beitrag zur Lehre von der Bruch-
einklemmiing.
Von
Dr. H. IL Ranke,
Assistenzarzt der chirurg. Klinik zu Halle.
Die durch Lossen zur Erklärung der Brucheinklemmung her-
beigezogenen Experimente haben, meines Wissens, bis zur Zeit keine
Prüfung durch solche Beobachtungen am Krankenbette erfahren, in
denen es möglich war, die Uebereinstimmung der Verhältnisse mit
den Lossen 'sehen Versuchsbedingungen festzustellen. Die nach den
Lossen' sehen Vorschriften gemachten und gelungenen Repositionen
können keinen Anspruch auf Beweiskraft erheben , da sie diese Be-
dingung natürlicherweise nicht zu erfüllen yermögen. Somit dürfte
82 ^ I
498 Centralblatt für Chirurgie. No. 32.
die Veröffentlichung des nachfolgenden Falles von Hemiotomie ge-
rechtfertigt sein.
Am 7. Juli 75 wurde Professor Volkmann zu einer 73jährigen
Dame gerufen, die seit 4 Tagen unter heftigen Einklemmungser-
schdniungen erkrankt war. Schon viele Jahre besass dieselbe einen
linksiekigen Schenkelbruch ^ welchen sie jedoch stets leicht bis auf
einen kleinen Rest hatte zurückbringen können. Ein Bruchband
hatte sie nicht getragen. Die Einklemmung war plötzlich bei einer
Anstrengung erfolgt. Die etwa klein-apfelgrosse Hernie widerstand
sowohl den gewöhnlichen^ als den Lossen' sehen Repositionsversuchen
auch in tiefer Narkose, so dass sofort, bei den schon bedrohlichen
Erscheinungen, dem heftigen Kothbrechen, zur Operation geschritten
werden musste. Die Taxis gelang nach Freilegung des Bruchsackes
ebensowenig wie vorher ; da ein Finger leicht neben dem Bruchsack-
halse in die Pforte einzuführen war, durfte man hier auch nicht den
Sitz der Einklemmung suchen. Der dicke Brüchsack wird nunmehr
schichtweise gespalten. In ihm findet sich ausser einer geringen
Menge braunrotheu Bruchwassers zunächst, mit der vorderen Wand fest
durch alte Adhäsionen verbunden, ein blattförmiges, flaches Stückchen
Netz, kleiner als eine Daumenendphalanx; der nicht 4 Mm. dicke
Stiel ist schwielig und mit der Bruchsackwand verwachsen. Hinter ihm
liegt, mit ihm und den Sackwänden durch frische Adhäsionen theil-
weise lose verklebt, eine Dünndarmschlinge. Ausschliesslich auf der
convexen Seite derselben finden sich über eine 3 Ctm. lange Strecke
verbreitet zum Theil conAuirende, durch die ganze Dicke der Darmwand
gehende, gegen die Umgebung stark ringesunkene GangtSnAecke.
Der Darm wird etwas vorgezogen ; der vom liegende (wie sich später
herausstellte, zuführende) Schenkel zeigt eine circuläre, scharf be-
grenzte, ca* 4 Mm. breite gangränöse Einschnürung, der einklemmen-
den, engsten Stelle im Bmchsackhalse entsprechend, während am
hinteren (abführenden) nur eine einfache Einschnürung zu bemerken
ist. Unter diesen Umständen verzichtete Prof. Volkmann auf die Re-
position, und spaltete die Schlinge von dem erwähnten gangränösen
Ringe anfangend an der convexen Seite in der Ausdehnung von 3 — 4
Ctm. Bis auf eine nicht tropfbare, der Darmwand anhaftende
Menge röthlichen Serums stellt sich die Schlinge als vollständig leer
heraus. Druck auf den Leib befordert ebensowenig wie gleichzeitig
eintretende Brechbewegungen Darminhalt zu Tage. Die einklemmende
Stelle des ßruchsackhalses wird auf dem Finger flach incidirt, trotz-
dem erscheint kein Koth. Ein mehrmaliges Eingehen mit dem Fin-
ger in den vorderen (zuführenden) Schenkel bis über die Wurzel desselben
hinaus in die Bauchhöhle constatirt bis hierher absolute Leere des
Darmes, und erst bei eintretenden peristaltischen Bewegungen kommt
stossweise je eine Portion sehr dünnflüssigen Kothes zu Tage. Ein
eingeführtes Drainrohr besorgt seitdem den Abfluss der durch die Peri-
staltik intermittirend herangeschafliben Kothmeng^n.
In diesem Fallei in welchem alle Symptome der Einklemmung rot'^
Gentnablatt für Chirurgie. No. 32. 499
handen waren^ kann demnach ebensowenig yon einer abaehUessendeii
Wirkung des Daxminhaltes in der Höhe der Einklemmungsstelle^ als
andererseits von einer Yerengening der Pforte durch nachrüdLendes
Netz etc. die Rede sein. Die DTuckyerhältnisse im [Abdomen zeigen
keinerlei Einfluss auf die Schlinge. Dass der zuführende
Schenkel die schwereren Spuren der Conatriction zeigte ist nicht so
sehr zu betonen als die Leere der Schlinge.
Die Koe her 'sehe Modification der Busch' sehen Theorie der
Abknickung des abführenden Schenkels durch Blähung des zuführen-
den Schenkels in der Bauchhöhle ist durch die über diese Stelle weit
hinausgehende Fingeruntersuchung für unsem Fall ebenfidls ausge«-
sdblosaen. Für die Kocher 'sehe Coacession an Roser fehlt der
Inhalt in der Schlinge. Am ehesten entsprechen die Verhältnisse den
Bidder'schen Ausführungen in Langenbeck's Archiv^ Bd. XVIII,
pag. 291 ; nur hat sich die Transsudation auf eine seröse Durchträn-
kung der Darmwand beschränkt.
w
Fasteur, Colin und Poggiale, lieber Gährung und Fäulnias.
(Bnlletin de l'acad^mie de med. de Paris 1875. No. 7—13, 15 u. 18.)
(SchluM aus No. 31.)
2) ü^ber die Ursachen der alkalischen Harngähruag
hatte bereits vor t Jahre in der Academie eine Discussion stattge*
fundan« Man hatte sich darüber geeinigt^ dass der Harn In der
Blase spontan alkalisch werden könne; nur gingen die ALeiBungen
auseinaad^ bezüglich der Frage ^ ob diese Umsetzung des Harnstoffs
durch ein Ferment bedingt werde , oder auf einer gewöhnliehea
chemischen Reaction beruhe. Poggiale, der diese Frage wieder
anregt I neigt sich zur letztesen Ansicht und führt eine Reihe von
Beispielen an, in welchen Harnstoff ohne Fermentwirkimg in kohlen^
saures Ammomiak und Wasser zerlegt wird, z. B. Erwärmen auf 140^
C, Einwirkung von Kali cau^ticum oder verdünnter Schwefelsäure.
Der Harnstoff theile mit allen Amiden die Neigung, unter Wasser-
aufnahme das entsprechende Ammoniaksalz zu bilden; so geht Aeetar-
mid in essigsaures Ammoniak, Oxamid in oKalsaures Ammoniak
«nd Carbamid in kohlensaures Ammoniak über. Andererseits hält
es P. für beachtenswerth , dass die Bildung von kohlensaurem Am-
moniak innerhalb der Blase immer mit einer Alteration des Blasen-
scUeisss zasammenfalle.
P a s t e u r vertritt die entgegengesetzte Ansicht, dass zur alkalischen
Hamgährttng immer ein Ferment, und zwar ein organisirtes Fer-
ment, erfcH'derlich sei. Er giebt zu, dass die Umsetzung des Harn-
stoffs auch noch durch andere, rein chemische Einflüsse erfolgen
kSone; aber bei jeder sogenannten alkaliscfhen Hamgährung finde
man, wie auch andere Beobachter bestätigt haben, immer Organismen.
Bei der HamstoffzerseCeong innerhalb der Käse seien letztere ent-
32»
500 Centralblatt für Chirurgie. No. 32.
weder mit dem Katheter eingefährt (Traube), oder man müsse an-
nehmen^ dass sie vermöge ihrer Eigenbewegungen von der Harnröhren-
mündung bis zur Blase hinaufdringen.
Colin bestreitet entschieden diese letztere Möglichkeit und er-
innert an die physikalischen Schwierigkeiten, die sich einem selbst-
ständigen Vordringen kleinster Wesen durch die geschlossene oder
vom Hamstrahl bestrichene Urethra entgegenstellen. Auch sei die
Bedeutung der Bacterien für die Hamstoffzersetzung wohl keine so
grosse und unbedingte, wie Pasteur annehme, da es ihm gelungen
sei, einer Kuh drei mal hintereinander mit Zwischenräumen von ei-
nigen Tagen je 25 Ccm. stark alkalischen Harns in die Blase zu in-
jiciren, ohne dass Harnfäulniss innerhalb der Blase eintrat, oder der
gelassene Harn an der Luft früher alkalisch wurde, als unter sonstigen
Verhältnissen. C. hält es darum auch gar nicht für erwiesen, dass
eine alkalische Gährung in der (gesunden! Ref.) Blase überhaupt
vorkomme, oder mit andern Worten, dass, wenn man kohlensaures
Ammoniak in frisch gelassenem Urin finde, derselbe ein Gährungs-
product des Harnstoffs sein müsse. Kohlensaures Ammoniak komme in
vielen Se- und Excretiönen, in mancherlei Geweben als normaler Be-
standtheil vor, so in der Exspirationsluft, im Magensaft, im Darmin-
halt, im Erbrochenen bei Puerperalfieber, in Speicheldrüsen und Nieren-
steinen, (Brandt, Lassaigne). Es könne daher auch in Fällen
alkalischen Harns sehr wohl von den Nieren gebildet und ausge-
schieden sein.
Mialhe bezweifelt dies, da von exacten Chemikern, Liebig,
Lehmann, Scherer u. A., unter Anwendung sorgfältiger Methoden
kohlensaures Ammoniak im firisch gelassenen Harn niemals hatte
nachgewiesen werden können, und Pasteur erwiedert, dass die Ge-
genwart von kohlensaurem Ammoniak im Urin und die Hamgährung
verschiedene Dinge seien; bei letzterer träten immer Vibrionen auf.
Colin* 8 Versuche an der Kuh bewiesen nichts, da man nicht wisse,
ob die Blase der Kuh überhaupt empfönglich sei für Hamgährung,
ja ob nicht immer eine Blasenaffection dazu erforderlich sei. Ueber-
dies könnte die Kuh bei der nächsten Miction die Versuchsflüssigkeit
vollständig wieder entleert haben.
Diesen Einwand weist Colin zurück; die Entleerung sei niemals
eine so vollständige, dass nicht einige Tropfen, mithin auch eine
Anzahl von Keimen der vermeintlichen Fäulnisserreger in der Blase
znrückblieben. Es könne also die Einführung von Vibrionen mittelst
des Katheters nicht als die ausschliessliche Ursache der Hamftulniss
angesprochen werden.
Dies erläutert Gofsselin schliesslich dahin» dass es im Oq^aoiB-»
mus immer pathologischer Bedingungen bedürfe, schwerer Allgemein-
leiden (Typhus) oder Blaseneiterung, welche als prädisponirende
Momente wirkten, damit die durch die Sonde eingeführten Fermente
septogene Kraft erhielten. Jeder Chirurg wisse, dass alkalischer Ham
auch bei Nichtsondirten vorkomme. Er theilt 2 BeobaohtungeH mi^
Cenirdblatt für Chirurgie. No. 32. 501
in welchen sich nachweisen liess^ durch Liegenlassen eines Katheters
nach voraufgegangener Ausspülung der Blase mit Carbolwasser, dass
der direct aus den Nieren abgesonderte Ham^ ohne in der Blase zu
verweilen , alkalisch sein (oder doch auf dem Durchgange durch die
Harn Wege alkalisch werden — Ref.) könne. Dass in solchen Fällen
Vibrionen durch die (geschlossene) Harnröhre nach aufwärts »gewandertt
seien, daran glaubt Gosselin auch nicht; würden sie in alkalischem
Harn bei Nicbtsondirten gefunden , so könnten sie nur durch den
Sespirations- und Circulationsapparat (und durch die Digestion, resp.
die Cbylusgefässe — Ref.) den Nieren zugeführt sein.
3) Die Erörterung der alkoholischen Gährung in Früchten
bietet lediglich theoretisches Interesse bezüglich der vitalistischen
Lehre Fasteur's. Lechartier und Bellamy hatten gefunden,
dass reife Birnen und Aepfel, ohne dass ein Alkoholferment in ihnen
nachweisbar war, im Verlauf von Monaten messbare Mengen von CO^
und Alkohol entwickelten (1 Birne von 329 Gramm Gewicht in 9
Monaten sogar 11,4 Gramm Alkohol). Sie schlössen daraus, dass
die alkoholische Gährung des Zuckers möglich sei ohne
Plefe. Ppggiale, der diese Beobachtungen mittheilt, hält diese
Umsetzung gebunden an die Action der Pflanzenzellen , welche sich
hinsichtlich ihrer Vitalität von den Hefezellen nur dadurch unter-
schieden, dass ihre Thätigkeit eine gewisse Zeit dauert und die Zellen
dann absterben (f), während die Hefezellen sich reproduciren. Aehn-
lieh sei auch die Beobachtung von Schützenberg er zu deuten,
welcher Buttersäuregährung erfolgen sah, wenn er den Stengel von
Elodea canadensis unter Zuckerwasser tauchte. Diese Thatsachen
sprächen jedenüeills gegen die Auffassung Fasteur's, dass „alle
Gährung gebunden sei an die Gegenwart, Entwickelung und Ver-
mehrung von Zellen'^. Denn hier sei die Gährung ohne Zellen-
vermehrung erfolgt.
Faste ur hält diese Beobachtungen nur für eine eclatante Bestäti-
gung seiner Theorie, welche er vor Kurzem, durch mehrfache Erfahrun-
gen ganz ähnlicher Art genöthigt, dahin erweitert hi^tte, dass »jedes
Wesen, jedes Organ, jede Zelle, welche die Fähigkeit
besitze, eine chemische Action ohne freien O durchzu-
führen, Gährungserscheinungen hervorrufen könne«.
In diesem Sinne hatte er selbst bereits die Beobachtung mitgetheilt,
dass mehrere Schimmelarten unter geeigneten Bedingungen als Alko-
holfermente wirken könnten. Dennoch seien alle derartigen Um-
setzungen, auch die Fruchtgährung, verschieden von der eigentlich
sogenannten Alkoholgährung ; denn sie erfolgen ohne Bildung von
Bemsteinsäure , Glycerin, Cellulose, Fett (und ohne Zellenver-
mehrung! Ref. ) , welche Stoffe bei der gewöhnlichen geistigen
Gährung des Zuckers nie fehlen. — Pasteur benutzt gleichzeitig
die Gelegenheit, noch einmal seinen für die ganze Theorie funda-
mentalen Versuch mitzutheilen, in welchem in einer gekochten Nähr-
flüssigkeit, die 75 Gramm milchsauren Kalk enthielt, bei völligem
502 Centralblatt für Chirurgie. No. 32.
Luftabschluss auf Einsaat von Vibrionen eine nachweisbare
Vetmehrung derselben erfolgte und zugleich eine UmwandkiDg des
milchsauren Kalks (in etwa 200 mal grosserer Quantität) in
buttersauren Kalk (Buttersäur^ährung) . Er folgert daraus^ dass
Leben und Vermehrung dieser kleinsten Organismen ohne freien
O möglich sei^ dass alle Gährung eben die Folge dieses Le-
bens ohne O sei, und schliesst mit dem Satze: »Dans la thto-
rie 9 que je viens de präsenter .... il y a une proposition ca-
pitale: c'est celle de la yie sans air ivraie, la tkiorie mbsüte;
inezade, la thiorie s^Scraulea. (Diesem Satze Pasteur's, dem
Leben ohne freien O, auf welchem bekanntlich auch die, als irr-
thümlich erkannte , von Pasteur aber immer noch festgehaltene,
Unterscheidung der Bacterien und Vibrionen als Aerobien und An-
aerobien bosirt, und welcher die Grundlage seiner heutigen Gährungs*
und Fäulnisstheorie bildet, ist in neuerer Zeit von Brefeld, zum
Theil auch durch die Resultate Paschutin's, entgegengetreten
worden. Ref.)
Colin sieht dennoch mit Poggialein den angeführten Beobach*
tungen einen Widerspruch zu der ausgesprochenen Ansicht Paste ur's,
dass jede Gährung auf Entwickelung und Vermehrung von
Zellen beruhe. Er vergleicht die Gährung in abgelösten, reifen
Früchten mit den in Leichen ohne Organismen vor sich gehenden
Zersetzungen; in beiden Fällen kämen unzweifelhaft gährungsartige
und faulige Umsetzungen zu Stande ohne Zellenvermehrung. Dem-
nach müsse man annehmen, dass hier die Zellen des Thier- und
Pflanzenkörpers die Rolle der Hefen und Vibrionen übernehmen, also
ihre Vitalität auch nach dem Tode noch eine Zeit lang bewahrten.
[Ref. kann diese Ansicht Colin 's, die Uebertragung des Vita-
lismus auf den todten Thier- und Pflanzenkörper, nicht theilen.
Die Vitalität einer Zelle erlischt nothwendig mit dem Tode dersel-
ben, resp. des Gesammtorganismus ; dagegen ist es sehr wohl zuläs-
sig, sich vorzustellen, dass gewisse während des Lebens von der Zelle
gebildeten Stoffe, welche die Fähigkeit haben, auf bestimmte, flüssige
oder gelöste organische Körper ihrer Umgebung fermentirend zu wir-
ken, diese Eigenschaft auch nach dem Absterben der Zelle bei einer
gewissen Temperatur noc^ beibehalten. Kennen wir doch eine ganze
Reihe chemischer, von Zellen herstammender (physiologischer) Fer-
mente, welche ganz unabhängig von dem Lebenszustand der Mutter-
zellen und getrennt von denselben ihre Wirksamkeit äussern. Die
Annahme eines postmortal noch fortdauernden vitalen Actes der
Zelle erscheint daher so wenig nothwendig, als überhaupt wahr-
scheinlich.] Arn. HUler (BerUn).
W. His. Ueber die Entdeckung des Lymphsystems.
(His und Braune, Zeitschrift für Anatomie Bd. I. p. 128.)
Die Wiederentdeckung der schon dem Alterthume bekannt gewe-
senen Milchsaftgefösse geschah 1622 durch Caspar Aselli in Cre-
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 32. ^03
mona. A. folgte der zu seinerzeit noch herrschenden Galen'schen
Lehre von der Function der Leber, und liess auch seine Gefässe zu
derselben treten, indem er die in das »Pancreas Aselli« (das bei
Fleischfressern an der Wurzel des Gekröses liegende Lymphdrüsen-
paquet) eintretenden Leberlymphgefclsse far die zur Leber führenden
Fortsetzungen der Chylusgefasse hielt.
1628 wurden die Milchsaftgefässe beim Menschen nachgewiesen,
und zwar auf Veranlassung des Bathsherm Peiresc zu Aix an der
Leiche eines hingerichteten Verbrechers.
In der ersten Abbildung der menschlichen Chylus-Gefässe durch
Vesling (1641) treten dieselben sämmtlich zum echten Pancreas.
1647 entdeckte Joh. Pecquet aus Dieppe den Milchbrustgang
in seiner wahren Bedeutung; der Gang war, von Eustachius ent-
deckt, für eine Vene erklärt, dem Bewusstsein der späteren wieder
ganz entschwunden. - Hiermit wird die alte Lehre von der Blutbe-
reitung durch die Leber gestürzt.
Die Entdeckung der eigentlichen Lymphgefässe und ihrer Be-
ziehung zu den Chylusgefassen wird von drei Anatomen : Budbeck,
Bartholinus, Jolyff beansprucht.
Budbeck ist der erste Entdecker. Ligaturen, um die vermeint-
lichen Leberchylusgefässe angelegt, zeigten ihm die wahre Bichtung
der Flüssigkeitsbewegung in denselben. 1656 fand er selbstständig
den ductus thoracicus.
Bartholinus lässt 1652 in seiner Schrift über die Chylusge-
fasse noch den ühylusstrom sich spalten in eine nach der Leber,
und eine nach dem ductus thoracicus abfliessende Hälfte. 1653
tritt B. in einer neuen Schrift als völlig selbstständiger Entdecker der
Ijymphgefässe auf, datirt die Entdeckung vom 28. Februar 1652. In
der 2. Auflage datixt B. die Entdeckung auf den December 1651 zu-
rück, nachdem er in der Zwischenzeit Budbeck's Publication ken-
nen gelernt hatte.
Der Prioritätsstreit zwischen B. und B. ist nach Koller vutriu-
que inciviliter gesta lis.«
Jolyff ist nach einer beiläufigen Angabe Wharton's vom
J. 1656 als erster Entdecker der Lymphgefässe genannt worden —
selbst hat J. nichts geschrieben. Bänke (Halle).
Winternits. Die Bedeutung der Hautfunction für die Kör-
pertemperatur und die Wärmeregulation.
(Stricker'« med. JahrbQcher 1875. p. 1.)
W. sucht nach einem approximativen zifFermässigen Werth für
die quantitative Herabsetzung oder Vermehrung der Wärmeabgabe
von der Haut unter den verschiedenen Circulationsverhältnissen. Den
Versuchen liegt der Gedanke zu Grunde, die Erwännung eines dem
504 Centralblatt für Chirurgie. No. 92.
Volum nach befltimmten Luftraumes von einer gemessenen Haut-
fläche in einer bestimmten Zeit zu messen. Das Calorimeter besteht
aus einem doppelwandigen , cubischen Kästchen^ mit 15 DCtm.
Grundfläche, dessen eine, auf die Haut gesetzte Seite mit einer im-
permeabeln Membran von feinstem Guttaperchapapier geschlossen ist.
Die Versuche wurden theils gleichzeitig an einer symmetrischen,
theils nach einander an derselben Hautstelle ausgeführt.
1) Die mechanische Blutverdrängung aus einem Körpertheile ver-
mittelst der Esmarcb' sehen Einwicklung, 2) eine venöse Stauung ver-
mittelst einer massig einschnürenAsn circulären Einwicklung, 3) eine
durch starke Hautreize bewirkte seröse Ausschwitzung in der Haut,
endlich 4] Abkühlung der Körperoberfläche bewirken eine Verminde-
rung der Wärmeabgabe, welche von wenigen bis 60 Procent betragen
kann. Bei negativen thermischen Einwirkungen war dieselbe am
beträchtlichsten ; bei venöser Stauung grösser als bei der mechanischen
Blutverdrängung.
Eine durch mechanische imd chemische Reize bewirkte Erweite-
rung der Hautgefasse kann eine Erhöhung der Wärmeabgabe von
der Peripherie bewirken, die von einer Zunahme um wenige Procente
bis nahe an 100 )|^ betragen kann. — Aus der ferneren Verwertbung
der Versuchsresultate ist zu erwähnen : die erschlossenen Schwankun-
gen des Wärmeverlustes vermögen Schwankungen der Wärmepro-
duction um das 3fache der normalen Grösse zu compensiren.
Sie reichen aus, um die Temperaturconstanz unter den gewöhnlichen
Erwärmungs- und Abkühlungsbedingungen zu erklären. Die Ver-
minderung der Wärmeabgabe, also die Wärmeretention nach Wär-
meentziehungen, reicht selbst bei gleichbleibender Wärmeproduc-
tion aus, die Verluste in kurzer Zeit wieder zu ersetzen. Die Be-
schränkung des Verlustes allein kann in manchen Fällen eine fieber-
hafte Temperatursteigerung, eine Steigerung des Verlustes die oft sehr
rasche Entfieberung erklären. Die Körpertemperatur könnte nämlich
bei Bedingungen der Abgabe in der ganzen Haut wie bei der £s-
march' sehen Einwicklung in 2^2 Stunden (die Fehlerquelle aus
der totalen Circulationsaufhebung bei den Versuchen wird bei dieser
Berechnung nicht berücksichtigt), bei venöser Stauung in der Haut
in lYs Stunden, nach Abkühlung der Oberfläche in weniger als 1^4
Stunden um 1^ zunehmen, in Y4 Stunden dann bei Erweiterung der
peripheren Gefasse um 1^ abnehmen. Bänke (Halle).
H. Balmer. Hautstörnngen bei progressiver Muskelatrophie.
(Arch. d. Heilkunde 1875. 16. JtihTg. Hft. 4. p. 327—343.)
Nach Anfuhrung zweier von Friedreich mitgetheilter Fälle, in
denen sich neben progressiver Muskelatrophie an den Händen eigen*
thümliche atrophische Störungen in Form von Geschwür- und Blasen^
bildungen etc. zeigten, was F. als eine Cumbination von progressiver
Centralblatt fQr ChiruTgie. No. 32. 505
Muskelatrophie mit Lepra anaesthetica bezeichnet hatte ^ theilt Verf.
einen ähnlichen Fall aus der Leipziger Klinik mit, den er auch für die
eben erwähnte Muskelerkrankung combinirt mit auffallenden Haut-
störungen glaubt halten zu müssen.
Verf. weist auf die Beziehungen des Sympathicus zu diesen^
Leiden hin, und wünscht eine genauere Untersuchung derselben.
Ueber die weiteren theoretischen Betrachtungen wolle man sich im
Original orientiren. ^ Bldder (Mannheim).
ChoTippe. Quelques recherches sor le mode d'action des
vomitifs las plus employ^s.
(Gm. m^d. 1875. No. 3. p. 37. Soc. de Biol. S^ance d. 26. Dec. 1874.)
Gh. entfernte bei mehreren Hunden den Magen inclusive der
untersten Partie des Oesophagus und der obersten des Duodenums
und machte sodann Injectionen von Apomorphin und Emetin. Er er-
hielt dieselben Resultate wie bei seinen früheren Versuchen^ wo er sieh
auf die Durchschneidung der Vagi beschränkt hatte. Das Apomorphin
rief auch jetzt noch lebhafte Brechbewegungen hervor , während das
Emetin ohne alle Einwirkung blieb. Der Tartarus stibiatus wirkt,
wie bereits Magen die mit Sicherheit nachgewiesen hat, ebenfalls
auch nach völliger Entfernung des Magens noch brechenenegend.
Ch. hofft diese lediglich auf die Magenschleimhaut localisirte Einwir-
kung des Emetins zu weiteren Untersuchungen über den Verlauf und
die Anastomosen der Vagusendigungen, sowie über deren physiologische
Bedeutung verwerthen zu können. ^- 0. Volkmann (Kettwig).
O. Hejrf eider. Zur Lehre von der Transfusion.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. IV. Hit. 5 u. 6).
cfr. Centralblatt f. Chirurgie 1874. No. 35. p. 553.
Die mit dem Apparate von Rons sei ausgeführten Transfusionen
theilt H. in 3 Gruppen :
1] 9 mi|l „Transfusio curativa^ an 8 Kranken , bei allen mit
glänzendem Erfolg. (1. Anämie in Folge von Psoasabscess. 2. und
3. Transfusion an demselben Individuum^ innerhalb weniger Tage bei
Empyem und Nephritis parenchymat. 4. Leukämie. 5. 6. Anämie
durch Blutungen. 7. 8. 9. Anämie bei Skorbut.)
2) 10 Fälle von „palliativer Transfusion^ (10. Anämie durch
eine Operation noch gesteigert — geheilt. 11. Inanition durch ein
Fibroma retropharyngeale — Verlängerung des Lebens. 12. Anämie
bei einem Falle von noch nicht ganz abgelaufenem Typhus. Tod
noch an demselben Tage. 13. Anämie durch Knievereiterung. Tod
3 Tage nach der Transfusion. 14. Anämie bei Caries — vorübergehende
Besserung. 15. Anämie bei Miliartuberkulose^ momentaner Erfolg,
506 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 32.
durch eine starke Blutung aus der Operationswunde wieder zerstört.
16. 17. 18. Bei anämischen Geisteskranken. Vorübergehende Bes*
serung der Anämie. 19. Erschöpfung und Anämie nach doppelseiti-
ger Pneumonie bei einem Kinde von 1 Jahr 10 Monaten. Transfu-
sion von 60 Gramm. Tod am Tage nach der Operation. — )
Im Falle 5 wurde der Kranke nach Injection von 100 Grammen
ohnmächtig.
In den übrigen Fällen (ausgenommen noch Fall 19) wurden
200 — 300 Gramm Blut injicirt. Bei den meisten der Fälle ist ein
Schüttelfrost notirt; aufiallender Weise wurde nicht in einem einatgen
Falle Blut oder Eiweiss im Harn gefunden^ was H. jedesmal aus-
drücklich erwähnt.
Die dritte Gruppe enthält 6 Fälle von ^demonstrativer Transfu-
sion" bei gesunden Individuen. ütersnay (Wien).
Oraefe und Saemisch. Handbuch der gesammten Augen-
heilkunde.
Leipzig, W* Engrelnuuin.
Das Werk wird sieben Bände umfassen, wovon zwei auf Anato-
mie und Physiologie, fünf auf Pathologie und Therapie entfallen.
Man kann jetzt schon, berechtigt durch die Anlage der bisher er-
schienenen Bruchtheile und durch die XJebersicht der Namen, die die
Bearbeitung des für dieses Jahr und den Anfang des nächsten ver-
sprochenen Bestes übernommen haben, versichert sein, dass der
Inhalt der Specialwissenschaft möglichst vollständig erschöpft werden
wird. Wie weit Ansprüche auf Vollständigkeit auf Befriedigung
rechnen dürfen, ist wohl aus dem Inhalte des bereits erschienenen
siebenten Capitels : „Organologie des Auges. Vergleichende Anatomie
von R. Leuckart^' zu ersehen, dessen Aufnahme in ein Handbuch
der Augenheilkunde gewiss ebenso neu, als allen denen erwünscht
ist, die es für keinen Nachtheil halten, den Gegenstand von möglichst
vielen Seiten, diesmal vielleicht von einer ganz neuen, beleuchtet
zu sehen.
Die übrigen bisher erschienenen Kapitel des anatomisch-physio-
logischen Iheiles enthalten der Reihe nach: I. Makroskopische Ana-
tomie von Fr. Merkel. II. Mikroskopische Anatomie der Cornea,
Sklera, Lider und Conjunctiva von Waldeyer. III. Mikroskopische
Anatomie des Uvealtractus und der Linse von Iwan off und Arnold.
IV. Mikroskopische Anatomie des Sehnerven, der Netzhaut und des
Glaskörpers von Schwalbe. V. Entwicklungsgeschichte und VI.
Missbildungen des menschlichen Auges von Manz. VII. Circula-
tions- und Emährungsverhältnisse von Leber. Die letzten vier
Capitel bilden die erste Hälfte des zweiten Bandes, dessen zweite Hälfte
— Physiologische Optik von Aubert — , im Laufe dieses Jahres erwar-
* Oentralblatt fflr Chinngie. No. «32. 507
tet wird. — Vom pathologisch-therapeutischen Theile liegt vor der dritte
Band^ enthaltend Cap. I. Functionsprüfungen von Snellen und
Landolt und Cap. II. Operationslehre von Arlt, und vom vierten
Bande Cap. III. Krankheiten der Conjunctivae Cornea und Sklera
von Saemisch und Cap. IV. Krankheiten der Lider von Michel.
Die übrigen Mitarbeiter sind nach der Keihenfolge der von ihnen
übernommenen Capitel: v. Wecker, Schmidt, Becker, Leber,
Graefe, Nagel, Schirmer, Berlin, Förster, Hirsch (Berlin),
der mit der Geschichte der Ophthalmologie das Werk abschlicsst,
das der Augenarzt künftig für um so unentbehrlicher halten muss,
je schwerer mit der Zeit die monographischen Arbeiten zugänglich
werden, die in Jahrzehnte umfassenden Zeitschriften zerstreut nehen
der mündlichen Ueberlieferung vielfach als einzige Quelle gelten
konnten. FrUnkel (Chenmiitz).
A. Bidder. Experimentelles über den Mechanismus der
Brucheinklemmung und 2 Fälle von Herniotomie mit selt-
neren Complicationen.
(Arch. f. kUnische Chirurgie 1875. Bd. XVin. Hft. 2.)
B. sucht nachzuweisen^ dass unter gewöhnlichen Verhältnis-
sen eine Einklemmung nach der Theorie von Lossen nicht möghch
sei. Ist die Bruchpforte eng (ca. 1 Ctm. breit), so kann durch ein-
fachen Druck überhaupt kein Darminhalt in die vorgefallene Schlinge
gebracht werden, es gelingt dies nur vermittelst eines dünnen Kathe-
ters; die so gefüllte Schlinge lässt sich nicht reponiren, ihr Inhalt
nicht entleeren, es entsteht der Roser*sche „Klappen"- Einklem-
mungsmechanismus. — Ist dagegen die Bruchpforte weit (ca. 2 Ctm.),
so wird das zuführende Darmrohr bei schneller Füllung sich allerdings
so weit ausdehnen, dass es den abführenden Schenkel verschliesst. Es
ist aber selbst bei einer Füllung des ganzen menschlichen Dünndarms
mit einer dickbreiigen Masse sehr leicht möglich, den Inhalt durch
die zuführende Schlinge wieder in die Bauchhöhle zurückzubringen.
Für die Lossen* sehe Theorie wäre es noch nöthig, dass sich dann
oberhalb des zuführenden Darmrohrs noch eine innere Einklemmung
befände. — Auch die Bus ch' sehe Abknickungstheorie hält B. hier-
nach nicht für richtig, sondern die Einklemmung ist stets auf Com-
pression oder Stenose im Bruchring zurückzufuhren. — Hieran knüpft
B. die Mittheilung eines Falles, in welchem bei einem linksseitigen
Leistenbruche (Mann 26 Jahre) die Einklemmung im Bruchsackhalse
sass und eines zweiten Falles, von eingeklemmter Schenkelhemie bei
einer 39jährigen Frau. liier war die Serosa des Darmes zum grossen
Theile mit dem Bruchsacke verwachsen. Der Operateur verletzte bei
Losungsversnchen den Darm, so dass B., der eigentlich assistirte, die
Operation vollenden musste. Er löste die Adhaesionen, legte vier
Darmnähte an, welche er kurz abschnitt und reponirte den Darm. Die
Patientin wurde geheilt. Maas (Breslau).
508 Ceniralblatt fftr Chirurgie. No. 32.
E. Albert, Ueber das genu recurvatum.
(Wiener med. Presse 1875. No. 17, 19 und 22.)
A. citirt erst einschlägige Fälle aus der Litteratur. Er bemerkt^
dass unter den Begriff 9,genu recurvatum^, wenn darunter verstanden
sein soll, dass der Unterschenkel mit dem Femur einen Winkel von
mehr als 180^ bildet. Zustände verschiedener Art gehören: 1] die
angeborenen Luxationen der Tibia auf die Vorderfläche des Femur;
2) jene Fälle, wo nach einem Trauma eine Ankylose im hohlen
Winkel sich bildete; 3) das genu recurvatum der paralytischen
Kinder, welches auf Erschlaiiung , insbesondere der ligg. cruciat.^
und auf vermindertem Tonus des ganzen Muskelsystems beruht. Bei
Tabetikem und erwachsenen Paralytikern bildet sich ein ähnlicher
Zustand' aus.
A. beschreibt dann 2 Fälle von genu recurvat. Der erste stellt
das Präparat eines genu recurvat. congenit. dar, wo beide
Unterschenkel mit dem Oberschenkel einen hohlen Winkel bilden,
der bis 270° gesteigert werden kann, zugleich mit etwas Abduction
und Rotation des Unterschenkels nach aussen ; hochgradige Plattfiisse
(das nähere Detail siehe im Originalaufsatze]. A. stellt sich die
Frage, ob hier eine angeborene Luxation oder eine Contractur vorliege,
und schliesst* aus dem Mangel eines oberen Recessus der Kapsel, der
Verbildung der Menisci, der abnormen Lagerung der Gefasse, dass
hier eine Contractur, keine Luxation vorliege. Als wichtigste ana-
tomische Veränderung zeigte sich die Verlagerung der Gelenkfläche
und die daraus hervorgehende Bewegungsbeschränkung.
Der 2. Fall stellt eine bänderige Ankylose in der Stellung des
genu recurvatum dar. — Ein 16jähr., sonst gesundes Mädchen war
vor 2Y2 Jahren zufällig am linken Knie angeschossen worden.
Gegenwärtig bildete der Unterschenkel der getroffenen Seite mit dem
Oberschenkel einen Winkel von 225° und ist in dieser Stellung fast
ganz ankylotisch ; die Tibia in leichter AbductionssteUung und etwas
nach aussen rotirt; Patella beweglich; oberhalb der Patella 2 Narben,
eine median, die andere, 2 Quadratzoll gross, lateral, nicht am Kno*
chen fixirt. Pat. war nach der Verletzung mit gestrecktem Beine
gelagert worden; 4 — 5 Tage floss Synovia aus der Wunde; Heilung
der letzteren nahezu ohne Eiterung. Erst später traten lebhafte
Schmerzen auf. Pat. war 17 Wochen im Bette, ging dann auf
Krücken , mit ganz steifem, aber geradem Knie. Vor 3/4 Jahren be-
merkte Pat., dass das Knie nach vorn concav ward, was unter
periodischen Schmerzen sicl^ immer mehr steigerte.
In wiederholten Sitzungen brachte A., in der Narkose der Pat.,
den Unterschenkel beträchtlich zurück, und konnte sich über-
zeugen, dass die Contractur von Veränderungen im Gelenke herstamme.
Pat. ging schliesslich mit Unterstützungsapparat, ohne Stock; das
Hctive Flectiren blieb ihr versagt.
CentralblaU fflr Chirurgie. No. 32. 509
A. bespricht schliesslich die Therapie^ welche als Ziel die Gerade-
Stellung der Extremität in einem Apparate, oder, wenn knöcherne
Ankylose eingetreten ist, die forcirte Brechung, mit oder ohne sub-
cutane Osteotomie, anzustreben hat. Fr« Steiner (Wien).
Kleinere Miitheilungen.
Th. Dresohke. Beitrag zur Casuistik der Lyssa humana.
(Arcb. d. Heilkunde 1875. 16. Jahrg. Hft. 4.)
Ein 12jähriger Knabe wurde von einem tollen Hunde so leicht in die Ober-
lippe gebissen, dass die kleine Kisswunde bereits am folgenden Tage verheilt
war. Mehr als 2 Monate später stellten sich Schlingbeschwerden und sonstige
Erscheinungen der Wasserscheu ein, wobei Fat. sich 2 Tage noch ziemlich wohl
befand; erst 8 Stunden vor dem Tode traten maniakalische Erscheinungen auf.
Dampfbäder, Morphium nutzten nichts. Die Section ergab besonders Hyperämie
des Gehirns und eigenthümliche Erosionen in der Magenschleimhaut.
Verf. hebt die lange Incubationsdauer bei diesem Kranken hervor; ferner die
Acuität des Verlaufes und das Fehlen von Lähmungserscheinungen und tonischen
Krämpfen. Eigenthümlich war es, dass nur bei Berührung des rechten
Nasenloches Schlundkrämpfe sogleich eintraten.
Wie gefährlich kleine Gesichtswunden sind, zeigt auch dieser Fall; denn 2
von demselben Hunde in Oberschenkel und Oberarm gebissene Personen, deren
Wunden stark bluteten, blieben gesund. A« Bidder (Mannheim).
A. Seeligmüller. Ein Fall von acuter, traumatischer Reizung des
Hals-Sympathicus.
(Arch. fOr Psychiatrie und Nervenkrankh. 1875. Bd. V. Hft. 3.)
Ein 31 jähriger Schmied wurde durch ein mit grosser Gewalt gegen seine linke
Supraclaviculargegend geschleudertes eisernes Siederohr zu Boden geworfen und
war längere Zeit bewusstlos. Zwei Tage später fand Ref. an ihm alle Zeichen von
Reisung des linken Halssympathicus, nämlich : Erweiterung der linken Pupille und
Lidspalte und Protrusion des linken Bulbus. Ausser diesen oculopupillären Sympto-
men zeigten sich auch vasomotorische, jedoch nur in Anfällen, von denen Ref.
einen zu beobachten Qelegenlieit hatte. Während dieser Anfälle war die linke
Oeaicfatshälfte auffällig blasser als die rechte und zeigte eine Temperaturdifferenz
von 0,150 C. (später einmal 0,90C.). Erst nach circa 6 Wochen waren die oculo-
pupillären Erscheinungen verschwunden und ebenso sind seit dieser Zeit die vaso-
motorischen Anfälle, deren Fat. selbst im Ganzen et¥ra 5 beobachtet hat, nicht
wiedergekommen. Ref. zieht daraus den Sohluss, dass in gewissen Fällen
von Sympathicusaffection die vasomotorischen Erscheinungen
sich darum der Beobachtung entzogen haben, weil dieselben nur
sporadisch und in Anfällen von kurzer Dauer aufgetreten sind.
Seeligmfiller (Halle).
J. Weinleolmer. lieber die Fistula colli congenita und Divertikel
der Speiseröhre.
(Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien 1875. 28. Mai.)
W. erörtert erst die embryologischen Vorgänge und das Zustandekommen der
Pistula colli durch gestörte Schliessung der Kiemenbögen. Die Fistula colli congenita
kommt häufig beiderseitig, und, wenn einseitig, häufiger rechts vor. Die weitere
Auseinandersetzung bringt nur Bekanntes. — > Die Therapie sei ziemlich machtlos
gegen diese Fistel. Am besten sei es, dieselben» namentlich wenn sie vollständig
5101 Centralblatt für Chirurgie. No. 32.
sind, bcstehien eu lassen. Von der angeblich wirksamen Jodinjecüon hatW. dabei
keinen Erfolg gesehen. Eher noch lassen die unvollständigen ilusaeren Fisteln eine
gründliche Heilung zu. Für diese Fälle empfiehlt W. die ^xstirpation , nament-
lich, wo durch Heilungsversuche Verschluss der Oeffnung mit Eiterretention ent-
stand. In 2 Fällen hat W. der Länge nach gespalten, den Gaagherauspräparirt,
und so Heilung erzielt.
Hieran knüpft W. klinische Mittheilungen über 2 von Prof. Kl ob in einer
früheren Sitzung demonstrirte Oesophagus-Divertikel. Zunächst über das in Folge
von Syphilis des Bachens entstandene Divertikel. Als die syphilitischen Ulceradonen
an der hinteren Bachenwand zu heilen begannen, entstanden immer grössere
Schlingbeschwerden, es wurde immer schwieriger, in den Oesophagus zu gelangen,
endlich war es ganz unmöglich; Patientin musste per anum ernährt werden. Da-
raus zieht W. den Schluss, dass das Divertikel nicht — wie Prof. Klob meinte —
aus einem Abscess der hinteren Rachenwand hervorgegangen sei, sondern dass,
als die halbperiphere Ulceration zur Heilung kam, die Narbe in Gestalt einer sichel-
förmigen Falte heranwuchs, und bei der stetigen Schrumpfung wie ein Diaphragma
Über dem Schlundkopf sich bildete ^ und Über ihr die Kachenwand durch die In-
gesta zu einem Sacke nach hinten und unten ausgebuchtet wurde.
Der zweite Fall ist eine Divertikelbildung in der Höhe des Ringknorpels.
Die Fat. litt schon 13 Jahre an Schlingbeschwerden. Dieselbe gab an, dass daa
Hinderniss anfangs höher war, und mit der Zeit immer tiefer hinabrückte.
Auf letzteres Symptom und auf die grosse Wandelbarkeit des Erfolges beim
Schlingen und Einführen von Bougies, weist W. insbesondere hin. Sie gestatten
die Diagnose von Speiseröhrendivertikel nur dann, wenn die Einwirkung eines
corrüsiven Giftes auszuschliessen ist, denn auch Stricturen zeigen ähnliche Symptome.
Ist die Diagnose „Divertikel*^ gesichert, so könnte man auch an eine Operation
gehen , wie bei der Oesophagotomie und dann das Divertikel entweder abbinden
oder abschneiden und eine Naht anlegen.
Auch bei einem 13 jährigen Mädchen mit Oesophagus-Divertikel zeigte sich
das Symptom des allmäligen Tieferrückens des Hindernisses. Fflr diesen Fall
meint W. wohl auch das Längenwachsthnm der Speiseröhre in Betracht ziehen zu
müssen.
Prof. Klob glaubt, die Ursache der Abnahme der Beschwerden beim Herab-
steigen der Oesophagus-Divertikel liege in dem dadurch bedingten Engerwerden
der Eingangsöffnungen derselben. Fr. Stefner (Wien).
Poszi. Recidive de cause interne d'une ancienne affection osseuse.
(Soci6t6 anatomique, e^ance du J8. d^c. 1874. Progr^s m6dical 1875. No. 14.)
Ein 'Ißjähriger Schlosser hatte vor 8 Tagen nach einer Verdrehung des Kreuies
(tour de reins) heftige Schmerzen in der rechten Hinterbacke bekonunen, die in
den Oberschenkel ausstrahlten, nicht verschwanden, sondern schlimmer wurden.
Vor 32 Jahren hatte Pat. eine schwere Erkrankung des rechten Oberscbtnkels in
der untern Epiphysengegend überstanden. Man fand jetzt eine eingesogene am
Knochen adhärente Narbe. Der Knochen zeigte eine beträchtliche Hyperostose.
Pat. hatte in den 32 Jahren nie Schmerzen an der früher kranken Stelle gehabt,
das rechte Bein war nur etwas weniger kräftig. Seit einigen Wochen hustete Pat.
Nachweisbare Veränderungen in den Langen. Rechtes Knie staik geschwollen,
geringer Erguss ins Geienk, Hauptschwellung in der Epiphysengegend. Bildung
eines grossen Abscesses, Oeffnung desselben, die Sonde gelaagt auf entbk^iMrten Kno*
eben, Drainage. Abundante Eiterung. Schleimigeitriger Auswurf. Verfall. Tod 2
Monate nach Aufnahme ins Hospital. — Section : Frische Miliartuberkulose in den
Lungen, in den Spitzen kreidige Knötchen (alte Käseheerde). — Spindelförmige
Hyperostose des Femur in grosser Ausdehnung, Knochen elfenbeinhart, kein 11 ark-
canal an der affidrten Stelle. In der Abscessgegend Periost abgehoben, cirottm*
Scripte Ostitis. — P. glaubt, dass die acute Entwicklung der Millartuberculose <l»e
Veranlassung einer Affection an einer schon lange geschwäohten Stelle gewMM. -^
Vern«uil, der P. veranlasst hat, den Fall der anatomischen QeseUschaft
Centralblatt ffir Chirur^e. No. 32. 511
voRulegen , ist denelben Meinung, da solche Fälle nicht selten, aber zu wenig stu-
dirt seien. Er berichtet über andere derartige Fälle: Ein Kutscher hatte vor fünf
Jahren eine AfTection der bursa trochanterica, war seit 3 Jahren Tollständig geheilt,
dann fing er an zu husten und der Abscess kam wieder. — Bei einer Frau reci-
divirte eine s^t lange geheilte Affection (l^sion) unter dem Einflüsse des Puerpe-
riums. -^ Ein 27jähriger Mann, der vor 20 Jahren einen subperiostalen Abscess
an der Tibia gehabt hatte, wurde syphilitiBch. An der früher krank gewesenen Tibia
rasende Schmerzen, Schwellung, es entstand ein Gumma, welches vereiterte. Die
Syphilis hatte sich für ihren Sitz den locus minoris resistentiae gewählt. Man weiss
seit langer Zeit, dass syphilitische Veränderungen an den untern Extremitäten be-
deutender sind bei Individuen, die an Varicen leiden.
Charcot sagt, dass man in der internen Medicin Analogien findet. Variola-
pusteln sind sehr zahlreich auf Narben von Blasenpflastern. — Die Gicht befällt
oft Gelenke, welche vorher schon eine Disposition zu Erkrankungen zeigten.
Parrot erwähnt, dass man dasselbe bei Neugeborenen sieht: wenn bei den-
selben die Haut an den Hinterbacken gereizt ist, dann zeigen sich hier zuerstund
intensiver die Rötheln. Varicellen hinteriassen oft Spuren auf dem Gesicht, wahr-
scheinlich, weil die Haut des Gesichts weniger geschützt ist gegen Kälte und alle
Reizungen, als die des übrigen Körpers. Petergeil (Kiel).
Th. Azmandale. Clinical remarks on unreduced dislocations.
(Med. tim. and. gaz. 1875. Mai 29. p. 576.)
Demonstration und Operation zweier veralteter Luxationen. A. macht, bei
nicht gelingenden späten Red uctions versuchen , Incisionen behufs Feststellung des
Repositionshindernisses ; lässt sich letzteres nicht anders heben, so folgt die par-
tielle oder totale Resection des Gelenkes. Die Gefahren dieses Vorgehens glaubt
A. durch das antiseptische Verfahren aufgehoben (cfr. Annandale, Edinb. m6d.
joum. 1875. No. 1. pag. 612).
1) Einfache Luxation des rechten Vorderarms nach hinten, vor 4 Monaten
durch Fall aquirirt. Beim Versuch, mittelst Cooper' scher Methode zu reponiren,
bricht das Olecranon ab. Die spätere Incision von der Hinterseite aus ergab eine
alte Fractur des proc. coronoid., Callusbildung mit Verwachsung der Ulna und des
Humems. Resection «der Ulna, des Radius, des Olecranon.
2) Luxatio subclavicularis der rechten Schulter, bei einer 62jährigen Frau seit
6 Wochen bestehend. Bedeutende Schmerzen, Verdrängung der Art. axill. Nach
vergeblichen Repositionsversuchen Indsion am inneren Rande des Deltoideus, Re-
section des fest mit den Rippen durch fibröse Adhäsionen verbundenen Kopfes.
Bei Lösung derselben mit dem Finger wird eine Circumflexa durchrissen; Ligatur
war wegen Atherom unmöglich» deshalb Unterbindung der Axillaris ober- und
unterhalb des Abgangs des blutenden Gefässes. Zwei Tage ^ter Gangrän des
Unterarms, gefolgt von Tod am 3. Tage nach der Operation. Bimke (Halle).
Chance. Excision of Knee-joiat (London hospital).
(Med. tim. and gaz. 1875. Juni 11. p. 634.)
Bericht über eine von Maunder an einem 8jährigen Mädchen ausgeführte
rechtseitige Knieresection, wegen seit 2 Jahren bestehender offener Caries.
Hufeisenschnitt, Entfernung der Patella, Knochennaht des Femur und der
Tibia, Gypsverband, keine Naht des Lappens, hydropathischer Umschlag. Opera-
tion unter Es maroh' scher Blutleere. Ranke (Halle).
Mao Cormao. Cases of Hip-and Knee-joint disease. (St. Thomas'
hospital.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Juni 12. p. 634.)
M. C. resecirt nur selten bei chronischer Coxitis im Kindesalter. Wie weit
er mit d«'r conservativen Therapie geht, zeigt der erste der mitgetheilten Fälle —
512 Centralblatt für Chirurgie. No. 32.
betreffend ein Mädchen mit beiderseitiger, aufgebrochener Caries de« Hüftgelenks,
die Heilung erfolgte in 10 Monaten (permanente Extension). Die 3 Hüftresectionea
eignen sich ebenso wenig zum Referate, als die beiden angefügten Knieresectionen.
Bänke (Halle).
Surmay. Hernie etranglee; Gangräne de rintestiii; anus contre na-
iure; gu^rison.
(S^ance de la sooi^t6 de Chirurgie 1874. 30. Dec.)
Gelegentlich des Berichtes über einen mit gutem Erfolge angelegten künstlichen
After (in Folge einer eingeklemmten, gangränösen Hernie), erhob sich die Frage,
ob man den einklemmenden Bruchring erweitem solle , wenn Gangrän des Darmes
vorhanden sei.
Tillauz bemerkt hierzu, der Darm sei nun allerdings offen, aber die Koth-
massen passiren schwierig durch den künstlichen After, wenn der einklemmende
Ring zuvor nicht erweitert wurde. T. ist daher dafür, auch bei Darmgangrän den
Bruchring zu erweitern, wie zum Zwecke der Reduction der Hernie, um den Aus-
tritt der faeoes zu erleichtern.
Lannelongue will die Fälle unterschieden wissen » Zuweilen sei wohl der
Austritt der Faecalmassen wegen der Enge der Oeffnung erschwert, doch nicht
immer. Und wenn die Oeffnung auch enge wäre, so seien dafür, da fast immer der
Dünndarm von Gangrän betroffen ist, die Entleerungen flüssig, und treten darum
leicht aus,
Desprös stimmt der Ansicht Tillauz's bei: wenn man den Darm aussen
befestigen müsse, so sei es unumgänglich nöthig zuvor zu erweitern. Der erschwerte
Austritt der Faecalmassen bestehe nur durch 24 Stunden, dann erfolge er regel-
mässig, wenn nicht Peritonitis eintritt.
• A. Gu^rin meint, man müsse in dieser Beziehung Inguinal- und Cruralhemien
trennen. Bei gangränösen Inguinalhernien sei es schlecht, den Ring zu erweitern,
der ziemlich weit sei, die Erweiterung erleichtere daher den Rücktritt des Darmes ;
bei Cruralhemien könne man unter Umständen die Erweiterung befürworten.
Fr« Steiner (Wien).
Heydenreioh. Polype de Tut^rus. [Soci^tä anatomique^ Seance du
18. Dec. 1874.)
(Progr^s m6dical 1875. No. 13.)
Bei einer 49jährigen Frau trat nach einer heftigen Bewegung eine Metro-
rrhagie ein, die im Hospital verschwand. Man fand nur Metritis mit Fieberbewe-
gungen. Mitte October regelmässige Menstruation. Am 6. Nov. Cauterisation des
Cervix mit dem Glüheisen, 14. Nov. regelmässige Menstruation, 17. Nov. Perito-
nitis, 18. Nov. Tod. Section: Eiterige Peritonitis, Eiter in den Tuben, am ämsem
Ende der rechten eine mit derselben communicirende Eiterhöhle. Linkes Ovarium
atrophisch, am rechten alle Zeichen frischer Schwellung. Am Uterus oben rechts
ein nuRSgrosses, nach aussen vorspringendes Fibrom. Uterus-Wandungen von nor-
maler Dicke, Mucosa geröthet, mit schleimigem Eiter bedeckt. Im Innern vom
Fundus ausgehend, ein länglicher, schwärzlicher, weicher stark vascularisirter
Sohleimpolyp , bis ungefähr 1 Centim. oberhalb des orific. extern, herabreiehend
(nicht diagnosticirt). Petersen (Kiel).
Origin&lmittheilungen, Monographieen und Separttsbdrfioke wolle
man an Dr. H. TUtoumn«, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlmig,
Bratkopf und HärUly einsenden.
Drqek and Verlag tab Braitkopf «ad HIrtel In Leipzig.
I
\
Gentralblatt
ftlr
CHIRURGIE
heransgegeben
▼OB
Dr. L. Lm, Dr. I. ScMe, Dr. H. Ti
in Berlin. in Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlimgen und Postanstalten.
N2; 33. Sonnabend, den 14. Angust. 1875.
Inhalt: P. Bruns^ Zur Simon* sehen Methode der unblutigen Erveitening der weib-
lichen Harnröhre. (Original-Mittheilung.)
Erb, Westphal, Sehnenrefleze. — Va]da, Heymann, Desinfectionsmittel. — MDIIer,
Sslicylsiure. — Hohenhausen , septische Pneumonie. — Dammaniiy Experimente Ober
Wasserinjectionen in den Darm. ~ Fltch, Neuer Trolkar. — Rivington, Aneurysma or-
bitale. » Lindner, Distichiasls. — Duplay, Periostitis des Schläfenbeins. — Desor^s,
Leberechinococcus. — Dobson, zweimalige Lithotomie. — Harfmann, Gelenkrheumatis-
mus. — GttSSenbauer, Methoden der Knochentrennung.
Glemanti, Blutegel in der Glottis. — Sldney Jonas, Gastrotomie. — Rinteln, Ga-
suistik. — Reltland, Eingiessen von Wasser in den Darm bei Bleikolik. — Kelth, Ex-
stirpation Ton Uterustumoren. — v. Flllenbaum, Seitenstein schnitt , Crurallsligatur,
Exstirpation einer Gelenkmaus.
Zur Simon 'sehen Methode der unblutigen Erweiterung
der weiblichen Harnröhre.
Von
Dr. P. Bruns,
Priyatdocent der Chirurgie in Tübingen.
Die von G. Simon ausgebildete und kürzlich empfohlene Me-
thode der raschen^ unblutigen Erweiterung der weiblichen Harnröhre
ist als ein neues und sicheres diagnostisches und therapeutisches Hülfs-
mittel unzweifelhaft von grösster^ praktischer Wichtigkeit. — Nach-
dem mir vor Kurzem bei einem Besuche der Heidelberger Klinik
Professor Simon sein Verfahren demonstrirt hatte ^ fand ich bald
darauf Gelegenheit^ dasselbe in einem Falle von Fremdkörper -Ex-
traction aus der weiblichen Harnblase anzuwenden und seine Vorzüge
kennen zu lernen. Die nachstehende Mittheilung dieser Beobachtung
mag daher dazu beitragen, die Simon 'sehen Erfahrungen zu bestä-
tigen und die yerdiente allgemeine Aufnahme des Verfahrens in die
Praxis zu fördern. Zugleich bietet vielleicht auch die Beobachtung
33
514 CentTftlblatt für Chirurgie. No.
noch deshalb einiges Interesse, weil bisher i
Publikationen aus der Heidelberger Klinik (G.
klinischer Vorträge von ß. Volkmann. No.
Arch. für klin. Chirurgie. Bd. XVIII. p. 167) .
nodi nicht zur Extraction eines FiemdkÖrpers i
Wendung gekommen ist, bei der es sich genu
haft erweist.
Der Fall betraf ein 24jährige8 Mädchen, i
Monaten eine Haarnadel in der Harnblase behf
reits dreimal der Versuch dei Extraction mitte
glückt, worauf sich Pat. in die hiesige Khnik
In der Chloroform narkose wurden nach 2 s
des oberen und unteren Randes der HamiöhTei
mern der Simon'schen Erweiterungs-Specula <
Harnröhre eingeführt und letztere hierdurch 1
messer von 2 Ctm. (^ Umfang von 6,3 Ctm
konnte der Zeigefinger und neben demselben n
in die Blase eingeführt und mit leichter Mühi
gezogen werden, trotzdem dieselbe, wahrscheini
heren Extractionsversuche , stark verbogen wa
Schenkels der Haarnadel betrug 7 Ctm.) D
wenigen Minuten beendet und »von keinerlei
Unmittelbar nach der Operation ergab die anges
Wassereinspritzung in die Dlase vollständige Su
Schlusses; auch spater trat keinen Augenb
tiaenz auf. Patientin wurde nach 2 Tagen <
W. Erb. Ueber Sehnenreflexe bei Gesund
marksktanken.
lArch. f. Paychiatrie und Nerven krtnkheiten )8'
C. WestpbaL Ueber einige durch mech
auf Sehnen und Muskeln hervorgebrac
scheinungen.
Ibidem.
Erb und Westphal haben unabhängig
Bewegungserscheiuungen studirt, welche durch
kung auf Sehnen und Muskeln hervorgebracht i
erste dieser Erscheinungen, welche Erb als
Unterschenkelphänomen bezeichnet, wird am dei
men an der Sehne des Quadriceps. Klopft i
Finger oder Fercussionshammer kurz und leid
patellae während der Unterschenkel der sitzei
schlaff herabhängt, so wird dieser durch eine 1
refiectorische Contraction des Quadriceps plötzlii
dert. Weniger augenfällig kann man dieselbe El
_.J_ ,.
Centralblatt für Chirurgie. No. 33. 515
Klopfen oberhalb der patella heryorrufen ; an den Sehnen anderer
Mnskebi, auch solcher der Oberextremitäten, ist dieser Versuch eben-
falls gelungen.
Ein zweites Phänomen wird von Erb als Reflexclonus, voii
Westphal als Fussphänomen bezeichnet: Macht man^ indem man
den vorderen Theil des Fusses mit der vollen Hand ergreift, eine
plötzliche kräftige Dorsalflexion desselben und hält ihn in dieser
Stellung fest, so tritt sofort ein rhythmisches^ klonisches, rasches Zu-
cken des Fusses ein — eine Reihe kurzer energischer Plantarflexionen,
offenbar durch rhythmische Contraction der Wadenmuskeln, besonders
des Soleus hervorgerufen. Diese Zuckungen können durch passive Plan-
tarflexion des ganzen Fusses, nicht (wie Brown-Soquard beobachtet
haben will} der grossen Zehe allein sofort sistirt werden.
Der physiologische Grund des Seflexclonus muss der gleiche
sein, wie der des Patellarsehnenreflexes ; denn bei diesem handelt es
sich nur um eine einmalige Contraction von Muskelfasern durch mini-
males Klopfen auf die Sehnen; bei jenem dagegen um rhythmische
Zuckungen, hervorgerufen durch plötzliche Dehnung (resp. Erschüt-
terung) ihrer Sehnen und gleichzeitige Fixirung des Unterschenkels
in einer Stellung, in welcher die letzteren gedehnt sind. Wenn wir
nun annehmen dürfen, dass durch plötzliche Dehnung der Sehne
eines Muskels eine Contraction derselben entsteht (Schiff), so erklärt
sich der Reflexclonus einfach aus dem foitwährenden Wechsel zwischen
der passiven Dorsalflexion und der durch Contraction der Waden-
muskeln entstehenden Plantarflexion.
Beide Erscheinungen werden zuweilen an demselben Individuum
beobachtet, zuweilen nur eine derselben. Sie finden sich auch bei
Gesunden, in besonders ausgesprochenem Grade aber bei Kranken
und zwar 1. bei solchen mit Compression des Rückenmarks mit oder
ohne myelitische Symptome in Folge hochgradiger Kyphose der Wir-
belsäule; 2. bei diffuser chronischer Myelitis; 3. bei Ataxie, jedoch
nur in solchen Fällen, wo die Degeneration der Hinterstränge sich nicht
bis in den untersten Brust- und Lendentheil erstreckt; eine Beobach-
tung, die vielleicht diagnostisch zu verwerthen ist (Westphal) und
4. bei Hemiplegien und Hemiparesen (Westphal).
Erb macht darauf aufmerksam, dass man vielleicht aus einer
bestimmten Verbreitung der Reflexe auf den Sitz einer Erkrankung
in bestimmter Höhe des Rückenmarks schliessen könne. Drei
von ihm darauf hin genau untersuchte Fälle von Compression des
Brust-, resp. Lendentheils bei hochgradiger Kyphose scheinen hierfür
zu sprechen. SeellgrmtQler (Halle).
Vajda und Hesnnann. lieber den Werth einiger organischer
Desinfectionsmittel.
(Wiener med. Presse 1875. No. 6, 7, 8, 11, 12, 15, 16, 19, 21 und 23.)
Die Verff. verglichen die von Kolbe als Conservirungs- und
Desinfectionsmittel besprochene Salicylsäure mit der Phenylsäure und
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516
Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
deren Analogon, der Kressylsäure. Die Verff. suchten zuerst den
absoluten Desinfectionswerth der genannten Mittel festzustellen. 'Die
verwendeten Lösungen der 3 Mittel waren zweierlei: 1) stärkst concen-
trirte Lösungen^ 2] gleiche Concentrationen. — Als stärkste Concen-
tration für die Carbolsäure wurde 1 : 30 ermittelt^ für die Kressylsäure
1 : 70. Von der Salicylsäure wurde als stärkste Concentration die von
Thiersch angegebene, genommen, nämlich: 1 Theil Salicylsäure,
3 Theile phosphorsaures Natron und 50 Theile Wasser. — Das Des-
infectionssubstrat bildete der blutige Harn, der von einer blennor-
rhagischen Haematurie herrührte, und sehr leicht ammoniakalisch
wurde. Als Grenze des Experiments wurde jedesmal der Punct betrach-
tet, wo die reichliche Zahl der Pilze eine weitgehende Zersetzung
anzeigte. lieber die Methode der Untersuchung ist im Originalaufsatze
nachzusehen.
Aus den Versuchen ging hervor, dass der beschriebene native
Urin binnen 24 Stunden seine saure Reaction verliert, während der
mit Phenylsäure versetzte Harn seine saure Reaction darüber hinaus
behielt. Minder wirksam zeig^ sich die Kressylsäure, am intensivsten
wirkte die Salicylsäure, welche nach 72 Stunden noch keine Alkales-
cenz erscheinen liess. Auch ohne Zusatz von phosphorsaurem Natron
übertrifft die Salicylsäure die beiden andern in dieser Beziehung.
Bezüglich der Erhaltung der Formelemente zeigt sich die
Thierse h'sche Lösung der Salicylsäure auffallig günstig ; der Zellenleib
der weissen Blutkörperchen zeigte erst nach 96 Stunden die Zeichen
des Zerfalles (Mischung 1:1); bei der Phenylsäure waren die Form-
elemente nach 48 Stunden im Zerfall begriffen. Im nativen Urin
waren sie schon nach 24 Stunden im Zerfall.
Auch bezüglich der Hemmung der Bildung von pilzlichen Or-
ganismen scheint die Salicylsäure obenan zu stehen.
Die Verff. haben nun, um die Grenze zu ermitteln, wie weit
man bei einer bestimmten Menge des absolut concentrirten Desinfec-
tionsmittels mit dem Zusätze des gewählten Substrates gehen könne,
weitere Versuche gemacht, und sind zu dem Resultate gekommen,
dass die Salicylsäure die Grenze ihrer Wirkungskraft in der oben
angegebenen Form noch nicht erreicht hat zu einer Zeit, wo die
beiden andern Mittel dieselbe längst überschritten haben. Dasselbe
Resultat ergab sich bei völlig gleicher Concentration der 3 Mittel.
Die weissen Blutkörperchen erhielten unter Einwirkung der Salicyl-
säure eine schwachbräunliche Färbung, in Folge deren sie ihre Quell-
barkeit temporär eingebüsst zu haben scheinen. Die beiden anderen
Mittel zeigten nicht diese Einwirkimg.
Bezüglich der Einwirkung auf höher organisirte Pilze lehrten
die angestellten Versuche, dass alle 3 IVIittel eine, wenn auch nicht
direct zerstörende, so doch hemmende Wirkung besitzen, doch steht
hierin keines dem anderen vor.
Weiter prüften die Verff. das Verhalten der 3 Mittel bei der
Resorption im thierischen Oiganismus und kamen zu dem Schlüsse,
r
-^1-T
r
f
Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
517
da88 die Salicylsäure selbst in grösserer Menge die physiologischen
Functionen des Organismus nicht wesentlich beeinträchtigt^ weder
momentan bei grösseren Gaben ^ noch bei längerem Gebrauche in
kleinen Dosen. Die Kressylsäure dagegen wirkt, ähnlich wie die
Phenylsäure, giftig, insbesondere durch Reizung des Rückenmarkes,
sodann durch Veränderung des Chemismus der Säftemasse.
Als Yerbandmittel zeigt die Salicylsäure keine der üblen Neben-
wirkungen, wie die Phenylsäure ; ebenso fehlen die localen Reactions-
erscheinungen. Auf die Pilze im Wundsecrete ist die Salicylsäure
von zerstörender Wirkung ; dieselben verschwinden bald ganz. Auch
begünstigt die Salicylsäure die Granulation.
Für offenbar inficirte Wundflächen leistet die Salicylsäure Nichts
(wie die Behandlung kleiner Geschwüre damit zeigt) ; hier ist die
Phenyl- und Kressylsäure, die als Aetzmittel wirken, am Platze.
Die Salicylsäure überragt nach Obigem die 2 andern Mittel;
1) dadurch, dass sie die Formelemente conservirt, 2} dass sie direct
und indirect ein pilzhemmendes Mittel ist, 3] dass sie selbst in
stärkster Concentration keine üblen lokalen Wirkungen zur Folge
hat. Hierzu kommt noch, dass Farbe und Geruch der Salicylsäure
fast Null, und der Geschmack derselben nicht unangenehm ist.
Die Verff. betonen schliesslich, dass unter den neueren organi-
schen Desinfectionsmitteln die Salicylsäure jedenfalls obenan stehe,
und der Versuch ^ sie auch bei Infectionskrankheiten (Cholera etc.)
zu verwenden, empfehlenswerth erscheine. Fr« Steiner (Wien).
Julius Müller. Ueber die antiseptische Eigenschaft der
Salicylsäure gegenüber der der Carbolsäure.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 19.)
^Asoo Salicylsäure- Verdünnung sistirte auf 24 Stunden die Gäh-
rung einer 10^ Traubenzuckerlösung, welche mit Presshefe versetzt
war; Carbolsäure in derselben Verdünnung nicht. Auf Gerinnung
der Milch ist Carbolsäure in so reichlicher Verdünnung, wie Salicyl-
säure von keinem Einfluss mehr. Urin hielt sich aber bei bestimm-
tem Carbolzusatz , bei gleicher Quantität Salicylsäure jedoch nicht.
Ebenso Leberinfus. Der Spaltung des Amygdalins durch Emulsin
wird durch Salicylsäure besser, als durch Carbolsäure entgenge wirkt.
Ebenso wird schon durch geringe Salicylquanta die Umwandlung des
Glycogens in Zucker gehemmt. (Alle Säuren hemmen nach M. und
Ebstein die Umsetzung des Glycogens.)
Ausser Leber- und Speichel-Ferment wird auch das Pepsin, in
seiner verdauenden Wirkung beeinträchtigt. — Als Gesammtresultat
ist zu erwähnen, dass die Salicylsäure eine die Gährung und Fäulniss
bedeutend hemmende Substanz ist und dass sie die Wirkung der so-
genannten unorganisirten Fermente ungleich stärker aufhält^ als die
Carbolsäure. Die Löslichkeitsverhältnisse der Salicylsäure sind: in
t
518 Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
Wassey 1 : 300 — Alkohol 1:4 — heissem Oel 1 : 50 — heissem
Glycerm 1 : 50 (ohne nachfolgende Ausscheidung^ die auch nicht
eintritt, wenn man 1 SaUcylsäure in 20 heissen Glycerins löst und
dann 80 Wasser zusetzt). t. Mosengeil (Bonn).
G. Hohenliausen. Experimenteller Beitrag zur Kenntniss
der septischen Pneumonie.
fInaug.-Diss. Dorpat. 1875.)
Eine Keihe von Experimenten haben dem Verf. gezeigt^ dass sich
bei Hunden durch wiederholte Einspritzung von 5—10 Tropfen fau-
lender Flüssigkeit, insbesondere sich zersetzenden Blutes in die Bron-
chien, ausgesprochene lobäre Pneumonie erzeugen lasse.
Gesundes, frisches Blut bewirkt, in die Trachea eingebracht,
wie schon andere Autoren gefunden haben, auch nach des Verf.
Versuchen keine Lungenentzündung; diese tritt aber wohl ein, wenn
nach Injection des Blutes das Thier gezwungen wird, durch mehrere
Stunden hindurch Fäulnissgase einzuathmen, welche letztere aber für
sich allein nicht geeignet scheinen, entzündliche Processe des
Lungengewebes hervorzurufen. Nur beiläufig erwähnte Experimente
mit Einblasen von feinem Meersand in die Bronchien ergaben ein
n^atives Resultat. A. Bidder (Mannheim).
DammaniL Versuche über Einführung grösserer Wasser-
mengen in den Darmcanal der Hausthiere.
(Deutsche Zeitschrift f. Thiermed. u. vergl. Pathologie 1875. Bd. L Hft. 1.)
Forcirte Wasserinjectionen mittelst des Hegar 'sehen Apparates
Kautschukschlauch mit hoch erhobenem Glastrichter) in den Mast-
darm von Pferden, Schweinen und Hunden in der Chloroformnarkose
ergaben das Resultat, dass bei Hunden mit ihrem kürzeren ca. 1 Meter
langen Dickdarm das eingegossene Wasser sehr schnell bis in den
Dünndarm vordringt, während es bei Schweinen und Pferden mit
einem 4 resp. 7 Meter langen Colon die valvula Bauhini nicht über-
schreitet. Hieraus erklärt Verf., wie es auch beim Menschen mit
seinem kurzen Dickdarm möglich sei, sogar in einfacher Rückenlage,
durch solche Wassereintrichterung selbst höher hinauf gelegene Darm-
partieen ausgiebig zu erweitem, sie event. local zu behandeln, z. 6.
bei Ruhr, und stagnirende Fäcalmassen flott zu machen.
Am. Hiller (Berlin).
Simon Fitch. The dome-trocar; its application to ovario-
tomy, aspiration, and transfosion.
(New York med. Journal Bd. XXI. Hft. 4. p. 379.)
Verf. empfiehlt eine Modification des Doppel- Kanülen -Troikarts
(Sp. Wells). Das Ende der innem Kanüle ist durch ein abgerun-
^f^^mter^
V
:r
Centralblatt für Chirurgie. No. 33. 519
detes oder kuppelförmiges Dach überdeckt, welches nur an seiner
unteren Seite ein ovales Fenster trägt. Ist die innere Kanüle nur
bis zu einem bestimmten Punct vorgeschoben, so kann das Instru-
ment gleich einer Sonde gebraucht und frei in der Höhle bewegt
werden, ohne Gefahr ein Eingeweide zu verwunden und ohne dass
Flüssigkeit ausfliessen kann. Weiter voigeschoben dient die Kanüle
zum Austritt der Flüssigkeit, ohne dass durch Vorlagerung der Höhlen-
wand die Oefihung verl^t werden kann. Neben dem offenbaren
Nutzen dieses Instrumentes, welches natürlich in verschiedenster
Grösse gearbeitet sein kann, für die Function der Ovarial- und Hy-
datidentumoren, für die Paracentese des Abdomens, soll der »Kuppel-
troikart« besonders eine Vereinfachung und Sicherstellung der Trans-
fusion ennöglichen, indem man ohne Hlosslegung der Vene den
Troikart einstechen kann, ohne Lufteintritt befürchten zu müssen.
Madelmigr (Bonn).
W. Bivington. Aneurysn>a orbitale.
(British med. Journal 1875. Vol. I. p. 426. Lond. med. chirurg. Soc.)
R. berichtet in der Gesellschaft über einen eigenen Fall von er-
folgreicher Carotisligatur bei einem nach Fractura basis cranii entstan-
denen Orbital- Aneurysma, nachdem vorher vergeblich Injection von
Liq. ferr.. Digital- und Instrumental-Compression und innerlich
Veratrum in Anwendung gezogen war (cf. Centralbl. f. Chir. 1875.
No. 26). Hieran schliesst er eine Uebersicht der über die Natur dieses
Leidens aufgestellten Ansichten. — Während Travers (1809) und nach
ihm Dalrymple das Aneurysma als ein Aneur. per anastomosin in
ihren Beobachtungen deuteten, sahen es B u s k und eine Reihe anderer
Operateure als ein An. der Art. ophthalmica innerhalb der Augenhöhle
an. Nachdem Nunnely, gestützt auf 2 Sectionen, die Aufmerk-
samkeit auf die hinter der Orbita gelegenen Gefässe, Art. carot.
int. innerhalb des Sin. cavem. und Art. ophthalm. innerhalb der
Schädelhöhle , Bowman auf die Verstopfung des Sin. cavernos.,
petrosus und trans versus gelenkt hatten und Nelaton für einige
traumatische Fälle die Communication der Carot. int. mit dem Sin.
cavernosus nachgewiesen hatte, war die verschiedenartigste Genese
des in Frage stehenden Leidens über jeden Zweifel erhoben. — Mit
Bezug auf das Vorkommen berichtet R. als Ausbeute seiner littera-
rischen Forschungen, dass von den 62 bekannt gewordenen Fällen
29 spontanen, 33 traumatischen Ursprungs waren; von ersteren fanden
sich tl linksseitig, 13 rechtsseitig, von letzteren 22 links, 9 rechts.
In therapeutischer Hinsicht räth er: Belladonna, Digitalis, Veratrum
und Eis zu versuchen, die schmerzhafte und wegen des Druckes auf
die Nervenstämme am Halse nicht gleichgültige Instrumental-Com-
pression, wie auch die Galvanopunctur zu verlassen, die Injection
coagulirender Flüssigkeiten nur beim Aneur. art.-venosum , dagegen
r
Centnlblatt fOr ChiTurgie. No. 33.
gitalcompreBsion der Carot. com. jedenfalls zu veisucheii. Das
te Mittel bleibe die Lig^atuj der CarotiB conunuiuB, sei aber
ii erster Instanz zu machen, sondern erst nach Erfolglosigkeit
deren angerathenen Massnahmen. Pils (Stettin] .
idner. Neue Operationsmethode der Distichiasis.
(Allgem. Wiener med. Zeitung 1675. No. 26.)
3 Fällen von Distichiasis, theilweise mit narbiger Schnimpf-
1er Conjnnctivtt palpebrarum, bei welchen die anomalen
aus dem inneren, scharf markirtcn Lidrande hervorwuch-
lat Verf. folgendermassen mit momentanem Erfolg operirt ;
: längs des Lidrandee bis auf den Tarsus, die ConjunctiTa
rarum wird nach einwärts IYj Linien weit abpräparirt,
iet die pathologischen Haarbälge tragende Band des Tarsus
von hinten und oben nach vom und unten resecirt. Die zu-
räparirte Conjunctiva wird dann mit dem vorderen Band des
[iglichen Schnittes durch Naht vereinigt.
Wlnlwartor (Wien).
Lplay. De la periostite du temporal compliquant Totite
purulente,
(Arcb. giniralee de med. 1875. No. 6.)
;i eitrigen Entzündungen in der Paukenhöhle sieht man häufig
mplication eine Schwellung, Böthung und SchmerzhaOigkeit,
ers an der hintern Ohrgegend eintreten, welche den Verdacht
reiterung der Cellulae mastoi'deae lenken können.
I handelt sich aber manchmal einfach um eine secundäre Pe-
I des Schläfenbeins durch Fortpflanzung des entzündlichen
les vom Periost des Cavum tympani auf dasjenige der Äussen-
des OB temporale.
ese Periostitis tritt mit mehr oder weniger heftigen allgemeinen
calen Erscheinungen auf; selten geht sie von selbst zurück,
Keigt sich Eiterung, die sich selbst überlassen entweder spou-
ch aussen oder in den Gehörgang hinein sich entleert. Ist
dem Eiter Abfluss gescbafit worden, so geht die Heilung
h rasch von statten innerhalb 20 — 30 Tagen. Einigemal sah
i Frocess eine grosse Ausdehnung bekommen und auf die
^knochen übergehen.
IS Hauptinteresse dieses Zustandes liegt in der Möglichkeit
Verwechslung mit der Entzündung der Cellulae mastoi'deae.
n ist derselbe bis jetzt nur zu wenig beachtet worden, und
in wahrscheinlich mehr als eine unmotivirte Trepanation des
Centralblatt far Chirurgie. N6. 33. 521
Warzenfortsatzes Toigenommen. Ein Hauptmerkmal bei der Difieren-
tial-Diagnose liegt darin , dass bei der Periostitis die Böthe und
Schwellung nicht localisirt ist, sondern über die Grenzen des War-
zenfortsatzes meist hinausgeht. Die Ohrmuschel scheint abgehoben
zu sein ; der Schmerz ist lebhafter ; die Wandungen des äusseren Ge-
hörgangs sind überall gleichmässig geschwollen, während die Schwel-
lung bei dem anderen Zustand nic^t selten gering ist und auf die
hintere Wand localisirt erscheint.
Hauptsächlich fehlen Gehimerscheinungen. Verf. giebt jedoch
zu, dass es Fälle geben kann, wo die Diagnose sehr schwierig oder
unmöglich zu stellen ist.
Die Prognose ist günstig; selten bleiben durch necrotische
Knochentheile unterhaltene Fisteln. ^
Die Behandlung kann bei geringen Erscheinungen eine antiphlo-
gistische sein ; jedoch räth Verf. frühzeitig einen Einschnitt bis auf
den Knochen zu machen.
Man soll nicht warten bis Eiterung vorhanden ist. Auf den
Schnitt schwinden rasch alle Symptome. Sollten sie jedoch nach 24
Stunden nicht weichen, so ist es dann sicher, dass man es mit einer
Vereiterung der Cellulae mastoideae zu thun hat und jetzt kann man
die Eröflhung derselben ruhig ausführen. Aber überall, wo man
seiner Diagnose nicht vollständig sicher ist, soll man sich vorläufig
mit dem Schnitt begnügen.
Verf. hebt übrigens hervor, dass diese Vorsichtsmassregeln schon
von Wilde empfohlen wurde^ und meint, dass, wenn man sie stets
befolgte, viele Trepanationei^iatten unterbleiben können.
Glrard (Bern).
Despres. Kyste hydatique du foie. — Cautere et ponction.
Gu^rison.
(Gaz. des höpitaux 1875. No. 60.)
D. zerstörte vor Function der Cyste die Bauchdecken durch Wie-
ner Aetzpaste. Er will hierdurch den Ausfluss von Cysteninhalt in
die Peritonealhöhle nicht nur bei der Function, sondern auch bei
einer eventuell später erforderlichen Incision möglichst verhüten.
Geschieht dies nicht und tritt, wie in nicht seltenen Fällen, schon
nach der einfachen Function plötzlich Verjauchung in der Cyste ein,
so kann man gezwungen sein, die Incision vorzunehmen, noch ehe
sich solide Adhäsionen gebildet haben. Ebenso hat dies Verfahren
den Vortheil, dass es, falls die Function zur Heilung nicht genügt,
die Incision vorbereitet, während, wenn es unnöthig sein sollte, die
Fat. von der unbedeutenden Verwundung in keinem Falle Schaden
haben können.
In dem mitgetheilten Falle wurde Fat., eine 27jährige Näherin,
durch einmalige Function geheilt. Die Durchätzung der Bauchdecken
dauerte 10 Wochen.
'522 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 33.
Uebrigens muss man sich hüten, die Äetzun:
setzen, bie die Cyste eröffnet oder Entzündung ii
tietes ist, da sonBt natürlich sofort auf die Incisio
Dobson. Lithotomie zum zweiten Male glücn.iiuii uusgciuiut..
(The Lancet 1875. Vol. I. p. GIO.]
Im Juli 1872 wurde ein 3jähr. Pat., der seit seiner Geburt Beschwer-
den und später immer Schmerzen beim Urinlassen gehabt haben soll, in
demselben Zustande mit prolapsus recti und allen Symptomen eines
Blasensteins ins ßristoler allgemeine Hospital angenommen. Durch
Sfeitensteinschnitt wurde ein 83 Crran schwerer, aus Harnsäure be-
stehender glatter Stein in toto entfernt, ein zweiter Stein konnte nicht
gefühlt werden. Nach 4 Wochen verUess das sichtlich gekräftigte
Kind das Krankenhaus. — Nach 21/2 Jahren musste bei demselben
Kinde wegen eines neuen sehr grossen Steines, welcher die heftigsten
Beschwerden verursachte und die Gesundheit untergraben hatte, von
D. die zweite Operation gemacht werden; der entfernte Hamsäure-
stein wog 326 Gran , die Heilung ging schnell von Statten , Pat. er-
holte sich sichtlich. Interessant ist der Fall nicht nur wegen der
zweimal glücklichen Operation an demselben Individuum, sondern
auch w^en des Nachweises, daES innerhalb 2'/i Jahren sich ein so
grosser Stein bilden kann. — Unter den im Norfolk und Norwich
Hospitale operirten 1015 Steinkranken bildete sich nur in 27 Fällen,
darunter bei 3 Kranken unter 6 Jahren, ein Stein wieder; der grösste
dort entfernte Stein bei einem Kinde unter 6 Jahren wog 210 Gran.
File [Stettin].
F. Hartmann, Der acute und chronische Gelenkrheumatismus.
Erlangen, Verlag von F. Enke, 1874. p. 212 nebst XI Tafeln.
Auf Grund zahlreicher casuistischer Beobachtungen stellte Verf.
mit Zuhülfenahme der einschlägigen Litteratur das betreffende Werk
zusammen. Die erste Hälfte des Buches ist dem aculen, die zweite
dem chronischen Gelenkrheumatismus gewidmet. — Die pathologisdi-
anatomischen Verhältnisse des acuten vrerden an 6 ObductionsfäUen
erläutert. In einem der Fälle trat der Tod am 5. Tage der Erkran-
kung (ohne nach'ffeigbnre Ursache) ein, im zweiten am 32. nach com-
plicirender Peritonitis, in zweien in Folge von Pericarditis, in je einem
bedingt durch Marasmus und Klappenfehler. Aus den hierbei ge-
wonnenen Befunden leitet Verf. den Satz her, dass der acute Gelenk-
rheumatismus in seinem anatomischen Bild eine acute Entzündung
der Synovialmembran, resp. aller Synovialmembranen sei, analog der-
selben Erkrankung der Schleimhäute; auch könne der weitere Ver-
lauf dieser Erkrankungen bei Synovialis und Mucosa ein gleicher
iy-yr
Centralblatt für CKinirgie. No, 33.
523
sein. — Die Symptomatologie wird durch 4 Fälle von verschiedener
Intensität illustrirt^ wie überhaupt die ganze Monographie durch eine
ausgiebige Verwerthung der aus dem Krankenjoumal gezogenen Da-
ten eine lebhafte 'Färbung erhält. Verf. geht danach die Anatomie der
verschiedenen Gelenke durch. Es folgen kurze Schilderungen der com-
plicirenden Erkrankungen von mehr oder minder typischer Häufigkeit.
Für die beim acuten Gelenkrheumatismus auftretenden auscultatorischen
Geräusche am Herzen stellt Verf. die Erklärung als Hypothese auf^ dass
Congestivzustände des Endocardium eine Functionsstörung der Klappen
und Papillarmuskeln veranlassten. Im vierten Theil etwa aller Fälle seien
Complicationen durch Herzaffection gefunden. — lieber Verlauf, Dauer
und Ausgänge des acuten Gelenkrheumatismus ist nichts Neues ge-
sagt. — Im Capitel über Aetiologie wird eigentlich nur die Erkältung
als Ursache hervorgehoben. Geographische und klimatische Verbrei-
tung werden nach Hirsch abgehandelt. Kurze Erwähnung finden
die durch erbliche Anlage, Geschlecht, Alter, Beschäftigung etc. be-
dingten Momente. — Im Capitel über Therapie giebt H. der sympto-
matischen Behandlung den Vorzug: Mässigung des Fiebers und
Linderung der Schmerzen. Kälte scheint er besonders gern als
Anästheticum anzuwenden ; Inimobilisirung im Contentivverband
scheint ihm unbekannt. Die sonst übUchen äusserlichen und inner-
lichen Behandlungsmethoden werden kurz ausgeführt, ohne weitere
kritische Beleuchtung- —
Vom chronischen Gelenkrheumatismus sagt H. zuvörderst aus, dass
dieser Art Gelenkentzündung eine rheumatische Ursache zu Grunde
liegen müsse, dass hier mehr der Character der Organisation und
Neubildung, beim acuten derjenige der Destruction auftrete. Auch
bei der chronischen Form soll zunächst die Synovialis betheiligt sein,
hierauf Sehnenscheiden, Muskelansätze, Knorpel und Gelenkknochen.
Auf den Grad der pathologischen Veränderung der Gelenke soll we-
niger die Dauer der Entzündung, als die öftere Wiederholung von
Einfluss sein. Fälle von langem Bestand ohne besondere Intensität
der Erkrankung werden als Beweis angeführt. Bei Schilderung der
bekannten Veränderungen an den Knochen erwähnt Verf. , dass die
Pfannen der Gelenke besonders dann Umgestaltungen erfahren, wenn
ein Abgleiten der Gelenkenden möglich ist. Von der Pfanne des
Hüftgelenkes sagt er, dass sie sich besonders nach oben und hinten
erweitere, der Kopf nachsteige (wohl richtiger: die Pfanne vor sich
hertreibe) und die Pfanne sich selbst in die Beckenhöhle hineinschiebe,
hier auf der Innenseite eine Vorwölbung bildend. Beispiele, welche
auf rheumatischer und traumatischer Basis beruhende Affectionen der
verschiedensten Gelenke zeigen, sind angeschlossen.
Unter den ätiologischen Momenten wird hier zunächst der acute
Gelenkrheumatismus angeführt ; für die von vornherein chronisch ver-
laufenden Fälle andauernde Einwirkung einer kalt-feuchten Atmo-
sphäre (Wäscherinnen, Forstleute, Schiffer, Taglöhner etc.). Hin-
sichtlich des Geschlechts ist zu erwähnen, dass mehr Männer befallen
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524
Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
werden j hinsichtlich des Alters ^ dass selbst das Kindesalter nicht
verschont bleibt, der Beginn der Erkrankung aber meist im Alter
zwischen 30 und 40 Jahren liegt. Im Capitel über Symptomatologie
und Verlauf des chronischen Gelenkrheumatismus sind prägnante
Beispiele und anschauliche Schilderungen verschiedener typisch ver-
laufender Fälle gegeben. Am Schluss dieser Abtheilung macht Verf.
auf kleine^ auch vom Ref. mehrmals beobachtete , rundliche An-
schwellungen in der Nähe der Gelenke aufmerksam. Sie sind bei
Druck schmerzhaft^ rühren von Exsudaten in das Unterhautzell-
gewebe her^ wölben die Haut etwas hervor^ treten mit subacuten
Anfallen auf und verschwinden mit ihnen. — Im Capitel über Diag-
nose wird die Differentialdiagnose zwischen chronischem Gelenkrheu-
matismus und Gicht ^ Gelenkneurosen (sehr characteristisch geschil-
dert), und ähnliche Symptome vortäuschenden Bückenmarksleiden
gegeben. Hinsichtlich der Prognose ist Verf. noch besonders günsti-
gen Urtheils, indem er sagt, dass der chronische Gelenkrheumatismus
im Allgemeinen zwar bis an das Ende des Lebens mit herumgetragen
werde, aber unter ausnahmsweise günstigen Bedingungen Heilung
eintrete.
Bei der Therapie führt H. unter den prophyl actischen Mitteln das
Abhärten durch Kaltwasserbehandlung an, welcher er aber, und wohl
mit Recht, keinen grossen Nutzen zutraut, mehr schon den kalten
Douchen nach römisch-irischen Bädern. Seebäder, deren Gebrauch
er nach vorausgegangenem Gebrauch verweichlichender, warmer Bäder
empfiehlt, sowie eine zahlreiche Menge innerlich und äusserlich an-
zuwendender medicamentöser Mittel, aber auch mechanische Mass-
nahmen (bei Beginn der Schwellung nach vorausgegangenem acu-
ten Anfall Compressiwerbände und bei starken Ergüssen Entleerung
durch Aspiration] werden angeführt. Der Electricität als Resor-
bens wird Lob gespendet (sowohl dem galvanischen, als dem indu-
cirten Strom) . Auch die Massage wird berührt und schliesslich in aus-
gedehnter Weise der Nutzen der Bäder, besonders der Wiesbadener
hervorgehoben, der mehr auf ihrer allgemeinen, als auf ihrer localen
Wirkung beruhe. In diesem Abschnitte sind mehrfach interessante
Bemerkungen enthalten, hinsichtlich deren auf das Original zu ver-
weisen ist. — Eine chromolithographische Tafel, das Obductionsbild
eines an acutem Gelenkrheumatismus erkrankten Fussgelenkes dar-
stellend und schwarze Lithographien von durch chronischen Gelenk-
rheumatismus verkrüppelten Händen sind beigegeben.
T. Mosengeil (Bonn).
Oussenbauer. Die Methoden der künstlichen Knochentren-
nung und ihre Verwendung in der Orthopaedie.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hft. 1 u. 2.)
Eine sorgfältige historische Uebersicht und kritische Sichtung
der bei der künstlichen Knochentrennung in Frage kommenden Me-
Centralblatt für Chirurgie. No. 93. 525
thoden^ auf welche in einer zweiten Hälfte die in der Billroth'-
Bchen Klinik während eines Zeitraums von 5 Jahten mit der Opera-
tion gemachten Erfahrungen folgen.
Da die zahbeichen historischen Daten eines Auszugs kaum fähig
sind^ muss sich Ref. bescheiden, das aus denselben entwickelte Schema
der einzelnen Yerfahrungsweisen kurz wiederzugeben.
I. Methoden der künstlichen Knochentrennung ohne Haut-
verletzung.
Ij Der künstliche Knochenbruch durch Ueberwindung der relativen
Knochenfestigkeit;
a. Nach dem Princip des zweiarmigen Hebels
a) ohne Instrumente durch, blossen Händedruck
ß] mit Instrumenten (Osteoklasten von Purmann^ Boschi^
Oesterlen und Rizzoli
b. nach dem Princip des einarmigen Hebels
a) ohne Instrumente
ß) mit Instrumenten (Einspannen der Stelle^ welche zerbrochen
werden soll, in den Schraubstock; Esmarch's und Volk-
mann 's Instrumente)
2) Der künstliche Knochenbruch mit Ueberwindung der absoluten
Knochenfestigkeitj
a) ohne Instrumente (Extensionsmethode mit der Hand)
ß) mit Instrumenten (z. B. Schneider-Mennel)
II. Methoden mit Verletzung der Haut.
i) Knochenbruch mittelst partieller oder totaler Continuitätsresection
(May er 's partielle Durchsägungen, Khea Barton 's u. A. keil-
förmige Besectionen)
2) mittelst der Osteotomie. Langenbeck's subcutane Osteotomie,
Brainard's Perforationsmethode, Meisseloperationen von Bill-
roth, von Nussbaum u. A.)
Von schlecht geheilten Knochenbrüchen wurden ein Ober-
schenkel mit dem Mennel- Schneider 'sehen Apparate, ein Unter-
schenkel nach 4 Jahren mit dem Instrumente von Bizzoli, ein
Oberschenkel bei einem 10jährigen Knaben mit der Hand wiederge-
brochen und mit guter Gebrauchsfähigkeit geheilt. — Bei rachitischen
Verkrümmungen macht Billroth bei noch in gewissem Grade bieg-
samen Knochen die gewaltsame Streckung in der Narkose mit nach-
folgendem Gypsverbande, oder er bricht bei nicht mehr biegsamen
Knochen die Knochen mit der Hand und legt einen Gypsverband an
oder, wo auch dies nicht gelingt, macht er die subcutane Osteotomie
mit dem Meissel und nachfolgender Infraction. Die Methoden sind
von G. durch Krankengeschichten erläutert. — Drittens macht Bill-
roth die subcutane Osteotomie bei Winkelstellungen des Knie-
^^
526 Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
und Hüftgelenks, Fälle, für welche A. Mayer die Osteotomia cu-
neiformis empfahl^ und auch R. Volkmann unter dem Namen
der Osteotomia subtrochanterica ein keilförmiges Stück mit dem Meissel
subperiostal entfernte. Schliesslich erwähnt G. noch 2 Fälle^ in denen
die künstliche Knochentrennung ebenfalls vermittelst partieller Con-
tinuitaeteresection yorgenommen wurde. — Maas (Breslau).
Kleinere Mittheilungen.
Clement!. Geschichte eines seltenen Falles von Anheftung eines
Blutegels an die Wandungen der Glottis.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hit. 1. p. 194 ff.)
Der Blutegel, eine H. sanguisorba, welche sich von der medicinalis durch
grössere Haftbarkeit unterscheiden soll, sass, wie die lar}iigoskopi8che Untersuchung
zeigte, bei einer 58jährigen Frau mit seiner kleineren Mundsaugscheibe am oberen
Rande des rechten Oiessbeckenknorpels, w&hrend der Körper durch die Glottis in
den hintern Abschnitt der Trachea hineinragte. £r verursachte periodische Suf-
focationsanf&lle und eine mehr oder weniger erhebliche Stimmlosigkeit, und war wahr-
scheinlich beim Trinken in die Trachea gelangt.
Seine Entfernung konnte erst am 15. Tage mittelst einer yom Munde aus
eingeführten, scharfgezähnten Zange effeotuirt werden. . WUh. KO€h (Berlin) .
Sydney Jones. Gastrotomie wegen Oesophagusstrictur.
(Lancet 1875. Vol. I. p. 678.)
Ein 67jährigeT Mann hat seit 10 Monaten Beschwerden beim Schlucken und
kann seit 6 Wochen nichts Festes mehr schlingen. Die Sonde lässt sich über den
Anfangstheil der Speiseröhre nicht hinunterführen; hinter dem Stemalende der
Clavicula ist ein harter Tumor fühlbar. Gastrotomie, Schnitt 1" unter dem Rippen-
knorpel beginnend, 3 Zoll lang, trifft den äussersten Kand des linken Muse. rect.
Die Ernährung erfolgt am 2. Tage durch die Magenwunde; Entzündung um die-
selbe und Flatulenz stören den Verlauf, die Nahrung wird vorzugsweise durch
Mund und After gereicht. Am 3. Tage findet sich etwas Blut im Auswurfe, reich-
liche Blutung durch den Mund, Blutcoagula lagen an der Magenfistel ; die Schleim-
absonderung in den Bronchien wird ernstlicher, die Expectoration schwächer: am
40. Tage nach der Operation erfolgte der Tod.
Seotion: Carcinom des Pharynx, am unteren B4mde der cart. cricoid. begin-
nend und den linken Schilddrüsenlappen involvirend; viel Schleim in den Lun-
gen; die Magenwände in fester Vereinigung mit der Bauchwand.
Pils (Stettin).
Binteln« Mittheilungen aus der Praxis.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 21.)
I. Heilung von Kothbreehen durch Abgang eines invaginirten
Darmstückes. Eine 60jährige Fat. litt lange an Diarrhoe, danach an kolikar*
tigen Schmerzen und hartnäckigster Stuhlverstopfung mit Erbrechen, das nach
einigen Tagen Koth per os zu Tage förderte ; dabei starker Meteorismus. Am 25.
Tage waren 5—6 Stuhlentleerungen erfolgt, in denen ein 10 Ctm. langes Dünn-
darmstück von schwärzlich brandigem Aussehen enthalten war. Heilimg.
71— rrwrr*^
Centralblatt fQr Chinirgie. No. 33. 527
II. Gangraena senilis am Fuss (Obturation der art. tib. ant.}, Abstossen
brandiger Zehen, Schmerz nur durch Morph, und die ständige Applikation des
Eisbeutels auf den Fuss zu beseitigen. Heilung.
ni. Lungenvorfall durch eine Brustwunde. Heilung. Messerstich
in den neunten linken Intercostalraum bei einem 10jährigen Mädchen. Vorfall
und Einklemmung einer Partie der Lunge. Diese Partie, schon sehr insultirt,
umgab R. mit einer Ligatur, welche täglich fester gezogen wurde. Abstossung
am 8. Tage. Spontane Heilung. y* Mosengreü (Bonn).
Beialand. Ein Fall von Bleikolik ^ behandelt mit Eingiessen grosser
Wassermengen in den Darm.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 21.)
Bei einem Töpfer, welcher zum Qlasiren sich des Bleiglanzes (Schwefelbleies)
bedient, waren Symptome einer Bleivergiftung eingetreten. Dabei hochgradige
Obstipation und Erbrechen. Drastica wurden mit ausgebrochen. Schliesslich
durch öfter wiederholtes Eingiessen von 3 — 4^/2 Liter lauen Wassers in den Mast-
darm bei . Knieellenbogenlage (nach He gar) wurden die Schmerzen und die Ob-
stipation beseitigt. T« Mosengeil (Bonn).
Th. Keith. Drei glückliche Entfernungen fibro-cystischer Tumoren
des Uterus.
(Lancet 1875. Vol. I. p. 676.)
Bei Uterus-Geschwülsten, die K.. speciell in grösserer Zahl unter die Hände
gekommen sind, hatte er bisher von operativer Entfernung — sofern sie nicht in-
trauterin gelegen durch die Vagina erreichbar waren — Abstand genommen, weil
ihm die damit verbundenen Gefahren zu gross erschienen. Jetzt hat er in drei
F&llen, von denen zwei ausführlich mitgetheilt werden und von denen der erstere
durch falsche Diagnose zur Operation kam (das erste Mal bei seinen 194 Oyario-
tomieen), glücklich die Exstirpation ausgeführt und hoflft, dass auch auf diesem Ge-
biete die Chirurgie weitere Triumphe feiern werde. Die Fälle sind kurz folgende :
Ein 52jährige8 Fräulein bemerkte eine Geschwulst im Leibe, die schnell bis
zur Höhe des Nabels emporstieg und nun deutlich das Vorhandensein einer Cyste er-
kennen liess; da der Tumor schnell bis zur Höhe der Rippen anwuchs, wurde am
2. Nov. 1874 in der linea alba der Bauchschnitt gemacht und nach geschehener
Function der Tumor aus dem Abdomen herausgehoben; mit ihm erschien das
hühnereigrosse linke Ovarium und der in die Geschwulstmasse hineingezogene
Uterus. Da an dem auf Armdicke vergrösserten Gebärmutterhalse keine Klammer
anzulegen möglich war, so wurde im unteren Theile desselben nach Umlegen eines
starken Eisendraths die Geschwulst abgetrennt, die Uteruswunde genau vereinigt
und der so erhaltene Stumpf im unteren Winkel der vereinigten Bauch wunde
fixirt. Die entfernte Geschwulst wog 1 1 Pfund ; der Uterus enthielt in seiner Höhle
einen l^einen Polypen. Am 36. Tage konnte Fat. in ihre Heimat geheilt entlassen
werden.
Der zweite Fall, welcher grössere Schwierigkeiten für die Operation darbot,
betraf eine 44jährige Person; der cystische Tumor erfüllte das grosse Becken,
reichte bis zum Nabel, war unbeweglich ; der cerviz uteri, kaum abzureichen, schien
in die Geschwulst überzugehen. Da innerhalb von 2 Monaten ein bedeutendes Wachs-
thum statt hatte, die rechte Lendengegend stark vorgetrieben wurde, so machte
X. die Function im Nabel; dieselbe entleerte rothbraune Flüssigkeit; ihr folgte
Entzündung der Cyste und starke Zunahme des bestehenden Ascites. Obwohl unter
diesen Verhältnissen ein operativer Eingriff wenig Chancen hatte, so wurde auf
weiteres Drängen dieser Weg versuchsweise betreten. Nach Einschnitt in der linea
alba erschien ein dunkelbrauner von starken Venengeflechten umsponnener Tumor,
der in der rechten Lenden- und Darmbeingegend mit dem grössten Theile der vorderen
Bauchwand feste Verwachsungen eingegangen war. Mit einem gewissen Kraftauf-
i
528 Centralblatt für Chirurgie. No. 33.
wände geLang eine schnelle Lösung derselben; der Tumor wurde durch die erwei-
terte Bauchwunde schnell herausbefördert und am Collum uteri wie im ersten Falle
abgetrennt; dennoch erfolgte durch heftige Blutung ausserordentliche Erschöpfung.
Sehr mühsam war die Blutstillung besonders am hinteren Leberrande, und während
die Operation selbst nur wenige Minuten gedauert hatte, konnte die Bauchwunde
erst nach 2 Stunden geschlossen werden. Die Fat. war puLilos, erst nach Vs
Stunde der Badialpuls deutlich ; in der 2. und 3. Woche erfolgte erschwerter Stuhl-
gang. 6 Wochen nach der Operation reiste Fat. nach Hause; ein späterer Be-
richt meldet »volle Gesundheitff.
Im 3. Falle wuchs bei einer 40jährigen Fat. eine fibro -cystischer Tumor des
Uterus sehr schnell ; es wurden ausser dem Uterus beide Ovarien entfernt ; auch hier
erfolgte Genesung; ein ausfahrlicher Bericht Aber diesen Fall wird versprochen.
Pilz (Stettin).
V. Fillenbaum. Mittheilungen aus der chirurgischen Äbtheilung des
k. k. Gamisonsspitals No. 2. in Wien.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 17 und 18.)
L Zwei Fälle von Seitensteinschnitt. Bei einem ISjähr. Soldaten fand
sich in der contrahirten Blase ein Concrement. Dasselbe war schon beim Fatien-
ten, als er ein 6jähr. ELnabe war, nachweisbar gewesen, in seinem 12. Jahre nicht
mehr aufgefunden worden und hatte im Verlauf seiner Militärdienstzeit während
eines Jahres nach jedem Reiten Bluthamen und Beschwerden veranlasst. Litho-
triptische Versuche misslangen. Durch Seitensteinschnitt zwei Steine (20 und 1 3V2 Or.)
entfernt, welche den Uretherenöffnungen gegenüber lagen und an zwei denselben
entsprechenden Functen warzenförmige Hervorragungen zeigten; hamsaure Kerne
von Fhosphaten schaalig umlagert; Heilung. — Ein anderer Fat. datirt seine Be-
schwerden auch aus der ELindheit. Nur in gekrümmter Stellung hockend konnte
er unter Schmerzen uriniren ; Harnstrahl oft unterbrochen, Fahren höchst beschwer-
lich. Während seiner Militärzeit Steigerung der Beschwerden, Urin stets blut-
haltig. Durch Seitensteinschnitt wird ein Concrement mit Fhosphatkem von Harn-
säureschichten umgeben und von beträchtlicher Härte entleert. Heilung.
n. Stichwunde am Oberschenkel. Ligatur der Art. crura-
lis in inguine. Ein Thierarzneischüler stach sich mit einem Fräparirmesser
in die Innenseite des linken Oberschenkels. Eine starke arterielle Blutung durch
Naht und Compressiwerband für 8 Tage gestillt; darnach neue erschöpfende Blu-
tungen. Unter Esmarch'scher Einwicklung Unterbindung zweier Muskelarterien
in der erweiterten Wunde. Nach einigen Tagen neue Hämorrhagien, Unterbindung
der art. cruralis in inguine durch Catgut. Aus der Unterbindungswunde nach
4 Wochen neue Blutung, nachdem die Granulationen daselbst zerfallen. Kälte
sistirte sie. Heilung.
ni. Exstirpation einer Gelenkmaus. Ein Jäger litt an einer Knie-
gelenkmaus mit allen bezüglichen Beschwerden. Die Entstehung datirt er nicht
von einem heftigen Trauma, sondern von wiederholtem Knieen. Der freie
Körper Hess sich auch bei starker Gelenkbeugung immer leicht zum Vorschein
bringen. Excision unter Esmar ch 'scher Einwicklung, nach deren Entfernung
zwischen den Nähten hervor starke Blutung eintrat, die durch Gompressivverband
gestillt wurde. Die Structur des ziemlich grossen, flachen, metallisch glänzenden
Gelenkkörpers ist die des Knorpels, umgeben von einer bindegewebigen Fartie.
Die reihenweise geordneten Knorpelzellen waren an der Feripherie transversal, in
der Tiefe vertical geordnet. Heilung erfolgte diirch Eiterung, doch blieb das Ge-
lenk beweglich. — T« Mosengell (Bonn).
Oilginalmittheilangen, Monographieen and Separat&bdrücke wolle
man an l>r. H. TUlmaam», Leipzig, Harlenstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlang,
BreWcopf und HäfUl^ einsenden.
Druck und Verlag von Breitkopf und Hirtel in Leipzig.
t^nri
Gentralblatt
ftlr
CHIRURGIE
herausgegeben
von
Dr. L. L«, Dr. I. ScMe, Dr. H. Ti
in Berlin. in Halle a. 8. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch aUe Buchhandlungen und Postanstalten.
N2^ 34. Sonnabend, den 21. Angnst 1875.
Inhalt: Kdnig, Lehrbuch der speclellen Chirurgie. — Gaehigens, Wirkung des Ar-
sens. — HWXf 8corbut. — Tarchanolf, Wechsel der Zahl der farblosen Blutzellen. —
Mackenzie, Injectionen in Lymphdrüsentnmoren am Halse. — Englisch, Tamponade der
Nasenhöhle. — Nicoladoni, Phlebarteriectasie. — Roser, Klappen formige Darmstenosen. —
Derselbe, Hindernisse bei Reposition von Darmvorfallen. — Marlon Slms, Utero-Lapa-
rotomie. — GliyOn, Einspritzungen von Sodawasser ln*s Colon bei Undurchgängigkeit
der Darme. — Keyet^ Injectionen in die Blase. — Wlldt, Methoden, um die weibliche
Blasenhöhle zugänglich zu machen. — Warren Brickell, Operation der Dammrisse. —
Echeverria, Fussgelenkresectionen.
Redniky Inflammatio retrobulbaris. — Masony Tumor der Nasenscheidewand. — Pon-
cet, Schussverletznng der clavicula. — Burtonshaw, Anwendung des Aspirators bei
Empyem. — Hafffter, Echinococcus multilocularis der Leber. — Sturm, Uterusmyom. —
De Saint-Germaln, Mastdarmvorfall. — JaCCOUd, symmetrische Gangrän der Extremitäten.
— Pantler, Contentiwerband für Patellarfracturen. — Auglor, Mehrfache Beckenfractur.
P. König. Lehrbuch der speciellen Chirurgie für Aerzte
und Studirende. Erster Band.
Berlin 1875. Avgnst Hirschwald.
Der vorliegende erste Band der speciellen Chirurgie, mit zahlreichen
Abbildungen 9 erreicht in vollkommener Weise das Ziel, welches sich
der Verf. in der Vorrede gesteckt hat. Vollständig sind neben der
eigen tUch chirurgischen Litteratur die Gebiete der Physiologie, der
normalen und pathologischen Anatomie, der experimentellen Patho-
logie durchforscht und mit scharfer Kritik das Wissenswerthe her-
ausgenommen und zusammengestellt. ]>ie subjectiven Anschauungen
des Verf. treten einerseits nirgends das Maass eines Lehrbuches über-
schreitend hervor, während andererseits der erfahrene Chirurg beson-
ders für die in ihren Indicatioiien zweifelhaften Operationen in so
bestimmter Weise seine Ansichten ausspricht , dass sie dem Arzte
34
Centialblatt für Oiimrgie. No. 34.
Kichtschour für sein Handeln dienen können. — Der
schnitt des Buches behandelt die Krankheiten des
erletzungen der Weichth eile, der knöchernen Schädelkapsel
idelinhalts, ein Abschnitt, auf den eine ganz besondere
rendet ist. — Die Schwierigkeit des Capitcls ist in aus-
weise vom Verf. gelöst; sehr inatructive Zeichnungen
A. die Formen der Fracturen und ihren Verlauf; überall
Jägige Litteratur in der oben angegebenen Weise benutzt,
iht kommenden Fragen nach Möglichkeit in klarer Weise
Der folgende Abschnitt behandelt die chirurgischen
1 des Gesichts; bei den plastischen Operationen sind die
iven Zeichnungen des Werkes von Szyraanowski
ie Krankheiten der Nase und der mit ihr in Verbindung
öhlen bilden den ersten Theil der Krankheiten der ein-
e des Gesichts; es folgen dann die Krankheiten des
Kiefer, des Gaumens, der Mandeln und des angrenzenden
'harynx, der Zunge, der Speicheldrüsen und des äusseren
dritte Abschnitt enthält die Krankheiten des Jlal-
rsten Theil die angeborenen Krankheiten bilden , den
! Verletzungen, die entzündlichen Processe, diese mit
erücksichtigung der Bindegewebs räume zur Erklärung
i Abscessformen. — Die Vemarbung am Halse, beson-
rbrennungeu, wird besonders besprochen. Den 4. Theil
bschnittes bilden die Geschwülste am Halse, den 5. die
1 der Schilddrüse, deren pathologische Veränderungen
ich Virchow besprochen sind, dann die Krankheiten
nnd Oesophagus. Es folgen die Krankheiten des Kchl-
;r Trachea, deren laryngoskopisclier Theil [§ 90 — 100)
learbeitet ist. K. spriclit sich mit Recht für die Tra-
ibst in den späteren Stadien der Diphtherie aus ; die
ienen ihm ausser von dem Alter der Patienten, dem
r Operation, der Schwere der herrschenden Epidemie,
Theil auch von der Methode der Nachbehandlung ab-
en letzten Abschnitt des ersten Bandes bilden
ten der Brust, in dem zuerst die congenitalen und er-
ndungsdefecte, sowie die Formfehler, dann die Verletz-
itzündlichen Processe und Geschwülste des Thorax und
lie Krankheiten der Brustdrüse besprochen werden. Bei
m der Mamma empfiehlt K., um die bei der gewöhn-
führuDg zuweilen vorkommenden Eiters enkungeu in die
1 vermeiden, den gebräuchlichen, längs des unteren Ran-
tctoralis major verlaufenden Schnitt zur Exstirpation der
[licht längs des Muskelrandes in die Achselhöhle hinein
, sondern auf sein äusseres Ende einen senkrechten
Achselhöhle zu führen, so dass ein dreieckiger Lappen
Die Wunde wird nach Listcr behandelt, genäht und
i'^enn, wie vorauszusehen, der zweite Theil dem ersten
iff- '
Centralblatt für Chirurgie. No. 34.
531
entspricht y ist die deutsche Chirurgie durch ein Werk bereichert,
welches sich bald in allen Kreisen der Mediciner Freunde erwerben
wird. Maas (Breslau).
C. Groehtgens. Zur Kenntniss der Arsenwirkungen.
(Centralblatt für die med. Wissensch. 1875. No. 32.)
Die Erfahrungen über den Einfluss des Fiebers, der Zuckerham-
rühr , der Phosphorvergiftung auf die Steigerung der Zersetzung von
»Organeiweiss«, veranlassten den Verf. auch das Arsen in dieser Hin-
sicht zu prüfen. Nachdem ein grosser Hund während 15 Tagen einem
sog. »protrahirten Hungerversuch« unterworfen und die Ausscheidung
von N durch den Harn gleichmässig geworden war (4,7 gm. für den
mittleren Versuchstag), bekam er ausser Wasser nur noch Natrium-
arsenat in steigender Dose. Am 27. Tage war die Stickstoffausschei-
dung ca. 8,7 gm. Verf. schliesst daraus: »die im Zustande der Ar-
senvergiftung stattfindende Steigerung der Stickstoffausscheidung er-
folgt daher ohne Zweifel in Form von Harnstoff^ der sich aus dem
untersuchten Harn in Masse darstellen liess, während peptonartige
Stoffe vergebens darin angesucht wurden (ebenso Milchsäure)«.
Wahrscheinlich wirken auch nicht nur toxische, sondern auch
geringere arzneiliche Gaben ähnlich auf die Umsetzung der eiweiss-
artigen Körperbestandtheile des Menschen und sind wohl darauf die
Heilwirkungen des Arsens in manchen Krankheiten zu beziehen. —
Die ausführliche Darstellung der Versuche soll im Archiv fÜr experi-
mentelle Pathologie und Pliarmakognosie erfolgen. Auch sollen ähn-
liche Versuche in Bezug auf Antimonpräparate angestellt werden.
A* Bldder (Mannheim).
Felix. Etiologie du scorbut.
(Gaz. m6d. 1875. No. 24. p. 289.)
Angesichts der bemerkenswerthen Thatsache, dass der Scorbut
im Westen Europas immer seltner wird, während er im Osten, na-
mentlich in Russland und Rumänien jährlich neue Opfer fordert, hat
Professor Felix in liukarest bereits im Jahre 1871 auf 4en Zusam-
menhang der Krankheit mit der verminderten oder gänzlich aufge-
hobenen Fettzufuhr während der langen und strengen Fasten der
griechischen Kirche aufmerksam gemacht. Die strenggläubigen grie-
chischen Christen nähren sich während der Fastenzeiten fast aus-
schliesslich von Vegetabilien und vegetabilischen Oelen. Letztere sind
jedoch wegen ihres sehr hohen Preises den Armen gar nicht zugängig,
und werden auch den Soldaten und Strafgefangenen beinahe vollstän-
dig entzogen. Gerade dieser Thcil der Ikvölkerung aber ist es, unter
dem regelmässig kurze Zeit vor oder nach den grossen kirchlichen
34 ♦
t
532 Centwiblatt fdr Chirurgie. No. 34.
Pesten der Scorbut ausbricht. — Entspreclieiid seiner Theorie hat
daher F. anstatt der bisher üblichen Therapie eine reichliche Fettzu-
fiihr (Leberthran) voi^schlagen. O.VolkmanB (Kettwigl.
Tarohanoff. Recherches sur les variations du nombre des
globules blancs dans le sang veineux de l'oTeille du lapin
S0U8 rinfluence de la section du aympathique, de la constric-
tion totale de roreille, de la compression isol^e des veines
et des excitations inflammatoires.
(3oc. de Biol. S^nce du 5. juin 1875. Goz. mM. 1375. No. 25.)
T. fand bei seinen am Kaninchenohr angestellten Versuchen,
dass eine Durchschneidung des N. sympatbicus die Zahl der weissen
Blutkörperchen im Venenblut herabgetzt. Uen Grund davon erblickt
er in der relativ verminderten Verdunstung ; denn die Zahl der weis-
sen Blutkörperchen glich sich wieder in beiden Ohren aus, wenn
letztere mit einem undurchdringlichen Fimiss überzogen wurden. Die
vollständige Abschnürung des Ohres hat eine beträchtliche Vermin-
derung der weissen Blutkörperchen zur Folge.
Wird nur der arterielle ZuäuBs abgesperrt, so tritt anfänglich
eine Verminderung, späterhin aber eine Vermehrimg der weissen
Blutkörperchen ein. T. erklärt dies dadurcli, dass die aniangliche
starke Auswanderung der weissen Blutkörperchen späterhin bei Zu-
nahme de^ Odems gänzlich aufhört. — Während in diesem Fall die
erwähnten Eis ch ei nun gen ganz auf das eine Olir beschränkt bleiben,
werden durch Entzündungsreize die weissen Blutkörperchen sowohl
im entzündeten als auch im gesunden Ohr vermehrt. — Die Com-
pression der Venen allein vermehrt die Zahl der weissen Blutkör-
perchen ausserordentlich und zwar ohne dass eine Vermiiideruug der-
selben vorherginge. — 0. TolVniann (KettwiRl-
BEackenzie. On the hypodermic treatment of indolent en-
largements of the cervical glands.
(Med. tin. and gaz. 1875. Mai 29. p. 577.)
Die chronischen , indolenten Lymphdrüsen Schwellungen hat M.
in zweierlei Absicht: Resolution oder Destruction herbeizuführen, mit
parenchymatösen Injectionen behandelt. Zur Erreichung der ersteren
empfiehlt M. die Essigaäure. Er hat in 27 Fällen zwischen 5 und
20 Tropfen der gewöhnlichen verdünnten Essigsäure [etwa 1 Theil
acid. acet. und 1 1 Theile Wasser) durchschnittlich einmal wöchent-
lich injicirt. 15 Fälle sind geheilt, 4 gebessert, in 5 Fällen tmt
Eiterung ein, und 3 Patienten brachen die Behandlung zu früh ab.
Die Flüssigkeit muss möglichst in die Mitte der Drüse injicirt werden.
W^FT
Centralblatt ffli Chirurgie. No. 34. 533
Die eitrige Zerstörung txitt am eicherstea ein durch InjectioQ
einer Höllensteiolösung (1 Drachme auf 1 Unze], und zwar von
3—5 Tropfeu. In drei Fällen von fünf so behandelten war die Cur
erfolgreich. VerBuche mit Injectionen von Pepsin und verdünnter
Salzsäure hat M. aufgegeben. Baake (Holle).
J. Ünglisch. Zur Tamponade der Nasenhöhle.
[Wiener med. Freue 1B75. No. 21, 23, 24 u. 26.J
E. fand wiederholt bei Individuen, die Jahre lang an penodisch
wiederkehrenden Nasenrachenkatarrhen litten, au den hiuteren Enden
der Nasenmuschelu und im Bachen, Wucherungen an der Schleim-
haut, die bei der leisesten Kerühning bluteten, woraus sich erkläre,
dasB öfter auch nach der Tamponade der Nasenhöhle die Blutung
hinten noch fortbestehe. E. fuhrt die verschiedenen iimerlichen und
äusserlichen Mittel an, die im Laufe der Zeit gegen Naseublutungeu
empfohlen wurden ; immer kehrte man wieder zur Tamponade mit
der Bellocque'schen Röhre zurück, als dem sichersten Verfahren.
Doch sei es auch nicht ganz tadelfrei, da der zum Munde herausge-
leitete Faden häufig quälende Salivation herbeiführe. Am zweck-
entsprechendsten erscheine das in neuester Zeit erdachte Instrument
von Küchenmeieter-ClosBet. Dieses besteht aus einem Kaut-
schukballou von etwa 1 Ctm. DurchmeBser und P/4 Ctm. Länge, der
in einen dünnen zur Nase herauszuleitenden Kautschukschlauch über-
geht. Mitelst eines sogenannten Embolus wiid das Instrument in
die Nasenrachen höhle geführt, mit Wasser gefüllt, vorgezogen, wobei
es sich fest an die Choanen andrückt; eine Klammer schliesst den
Schlauch ab. So ist der Verschluss gegen die Rachenhöhle vollkom-
men ; die Nasenhöhle wird dann in der gewöhnlichen Weise tamponirt.
Den einzigen UebelBtaud, oämlich das mögliche Zurückschlüpfen
des Ballons, zu beheben und gleichzeitig mit demselben Appa-
rate den Verschluss der NEieenhöhle herzustellen, verwandte E.
zwei Ballons von Kautschuk, die durch ein Mittelstück mit einander
verbunden sind und deren einer in den Schlauch übergeht. 1 — '/i
Unzen Wasser genügen zur AnfüUung der Ballons, Der Verschluss
geschieht mittelst einer Fadenschlinge. Der »innere« Ballon verschUesst
die Choanen , der oäusseie« die Nasenhöhle und darf nic^t über die
äussere Nasenöffnung vorragen; sie fixiren sich gegenseitig in ihrer
Lage. Das Einfuhren des Apparates geschieht mit einer Pincette etc.
E. verwendet dazu zwei Metallstäbe von P/j Mm. Breite, die an
einem Ende miteinander verbunden , am andern Ende auseinander
federn und durch einen Ring geschlossen werden; hiermit wird der
innere Ballon eingeführt.
Auch für andere Fälle wird der Apparat zu verwenden sein; E.
empfiehlt ihn für Blutungen beim Steinschnitte. Der innere Ballon
wird iu's Rectum eingeführt, der äussere hegt vor der Aftermündung
534 Centralblatt fOr Chirurgie. N
und sichert angefüllt die Lage des inneren. I
Blase und Prostata gegen die Symphyse und
ung das kleine Kecken ganz aus.
(Ein dem obigen ganz ähnlicher Appar».. ..«. .»..^^ ^u..^. ...
Prof. Billroth's Klinik zum Verschlusse der Blaseumündmig nach
der gelungenen plastischen Operation bei Ectopia vesicae au weibli-
chen Individuen, versuchsweise angewendet worden. Ref.)
Fr. StelHer (Wien).
C. Niooladoni. Phlebarteriectasie der rechten oberen Ex-
tremität.
(Arch. f. kLiniache Chirurgie 1875. Bd. XVIU. Ut't. 2.)
N. beschreibt einen sehr interessanten Fall von Phlebarteriec-
tasie des rechten Armes bei einem ITjährigen Arbeiter, die sich
seit dem 8. Lebensjahre entwickelt hatte. — Es handelte sich uin ein
cirsuides Aneurysma des ganzen Arterien Systems der rechten oberen
Extremität gleichzeitig mit einer ganz bedeutenden Varicosität der Ve-
nen. — Die Erkrankimg erstreckte eich bis an die Subclavia, welche er-
weitert und geschlängelt erschien. Die von W. Krause (Arch. f.
klinische Chirurgie Hd. II.) nur an den feinen Gefässeu der Finger
beobachtete Communication zwischen Venen und Arterien zeigte sich
an 2 grossen Venensäckeu anf dem Dorsum manus , welche selbst-
ständig pulsirten ; ihre Fulsation nahm bei leichtem oentralen Drucke
zu und verschwand nicht, wenn man sie, wie es leicht gelang, seit-
lich verschob. Die Erkrankung begann an der Hand, und nimmt
N. im Wesentlichen eine Fortpflanzung des chronisch entzündlichen
Processes per continuitatem an. — Entgegen Krause nimmt N, wohl
mit Recht erhöhte Widerstände der Blutcirculation in der erkrankten
Extremität an und erklärt hieraus die vorhandene bedeutende Hyper-
trophie des Herzens. — Das bei Compression der erkrankten Bra-
cbialis auftretende Phaenomen einer Pulsverlangsamung sucht N.
durch die vermehrte Füllung des ganzen übrigen Arteriensystems,
also auch der erweiterten Subclavia zu erklären. Die Subclavia drückt
so auf den Nerv, laryng. recurrens, durch welchen sich der Reiz auf
den Vagus fortpflanzt. — In Betreff der Therapie kommt N. nach
der Casuistik zu den Schlüssen, dass bei Erkrankungen einzelner
Finger die Unterbindung der zuführenden Arterien und im Falle des
Misslingens die Amputation zu machen ist, ebenso bei Erkrankungen
des Metaoarpus. — Bei weite^ebender Entartung ist von der Unterbin-
dung nichts zu hofi'en. In dem Falle von Krause hob die Compression
der Brachialis nicht einmal den Puls in der Radialis und Ulnaris
auf, und in dem vorliegenden Falle entstand bei der Compression
eine heftigere Pulsation und lauteres Geräusch auf der Streckseite des
Ober- und Vorderarms, und das Volumen der Extremität wurde
nicht wesentlich vermindert. In Betreff der Amputation spricht
Centralblatt für Chirurgie. No. 34. 535
sich N. dahin aus , dass so lange der Arm einigermaassen brauchbar
istj Ulcerationen und quälende Empfindungen nicht auftreten, von
ihr abzusehen ist, besonders da in dem Falle von Schottin die Er-
krankung 55 Jahre auf eine Extremität beschränkt blieb.
Maas (Breslau).
Böser, lieber klappenformige Darmstenosen.
(Sitzungsberichte von dem IV. chirurgischen Congress.)
(Beri. klin. Wochenschrift 1875. Juni 28.)
Es giebt Darmstenosen, welche sich mit eigenthümlich klappen-
artiger Verschliessung des Darmrohrs verbinden. Der Klappen -Me-
chanismus bei diesen Fällen beruht auf der unverhältnissmässig star-
ken Ausdehnung des Darms oberhalb der engen Stelle; vermöge der
sackartigen Ausdehnung dieses Darmtheils werden die Bänder der
Verengungsstelle klappenartig gegeneinander gedrängt (zum besseren
Verständniss diene die Vergleichung der Figuren in der Berl. klin.
Wochenschrift) ; es kann dies so weit gehen y dass der Darminhalt
gar nicht mehr durchpassirt, sondern sich massenhaft hinter der Ste-
nose ansammelt. Am Mastdarm gelingt es zuweilen, eine solche
Stenose zu erkennen und durch Einfährung einer Röhre oder eines
Halbcylinders die Klappe zu lüften. Die Copro-Stase im Darmkanal
kann hierdurch auf älinliche Art beseitigt werden , wie die Urin-
retention durch den Katheter bei manchen Prostataerkrankungen.
Es ist ja bekannt, dass es Prostataaffectionen giebt, bei welchen die
klappenformige Verschliessung des Blasenhalses erst dann eintritt,
w^enn die Fat. ihren Urin zu lange zurückgehalten, die Blase also zu
grosser Ausdehnung haben kommen lassen.
Bei der sogenannten Knickung eines Darms und den davon
abhängigen Ileus -Erscheinungen dürfte ein ähnlicher Mechanismus
öfters vorkommen. Wenn eine Darmschlinge durch lokale Peritonitis
an ihrer Spitze angewachsen und daselbst nur massig verengt ist, so
kann durch Uebei-fiillung des oberen Darmtheils eine solche klappen-
artige Compression des unteren Stücks erzeugt werden, dass nun der
Durchgang des Darminhalts vollständig gehemmt wird. Wenn man
unter solchen Umständen einen Darmschnitt macht und den gedehn-
ten Darm entleert, so kann der Ileus gehoben und die Function des
Darms, die Fortschaffung des Darminhalts nach unten, wieder her-
gestellt werden. (Man kann alsdann, wie N^laton gezeigt hat, die
künstlich angelegte Kothfistel wieder zuheilen lassen.)
Böser (Marburg).
Böser. Ueber ein klappenartiges Hinderniss bei Keposition
von Darmvorfallen.
(Sitzungsberiehte von dem IV. chirurgischen Congress.)
(Beri. klin, Wochenschrift 1875. Juni 28.)
Bei aufgeschnittenen oder aufgeplatzten Bruchsäcken kann man
im Zurückbringen der Darmschlingen dadurch gehindert werden^ dass
536 Centralblatt für Chirurgie, No. 34.
bei jedem Repositionsversuch die enge Stelle mit zurückgedrängt und
zusammengeschoben wird und dass sie dabei eine Compression und
eine klappenartige Verengung erfahrt. Das einfachste Beispiel hier-
von bietet sich bei einem aufgeschnittenen Nabelbruch dar; jeder
Druck auf die vorliegende Darmschlinge schiebt zugleich die Bruch-
pforte und die umgebende vordere Bauchwand -Partie nach innen,
der Bauchraum wird dadurch beengt^ und die Bruchpforte kann da-
bei^ einem gespannten Knopfloch ähnlich^ verengt werden.
Man muss, um das Hindemiss in solchen Fällen zu überwinden,
die enge Oeffnung mit mehreren stumpfen Haken angezogen und
erweitert halten, während man die Darmschlinge zurückschiebt. Die
Fälle, wo man Ursache hat, zu den stumpfen Haken als Hülfsmittel
der Darmreposition zu greifen, kommen bei der Herniotomie nicht all-
zuselten vor. Wenn ein tiefsitzender Bruchsackhals Sitz der Ein-
klemmung war und dieser künstlich erweitert worden ist, so kann
die Reposition noch immer grosse Mühe machen, weil das Bauchfell
bei jedem Druck auf die Darmschlinge mit zurückgedrängt wird. Mit
den stumpfen Haken wird diese Schwierigkeit auf einfache und
leichte Art überwunden.
Bei geplatzten Bruchsäcken mit heraushängenden Darmschlingen,
z. B. bei einem geplatzten Mastdarm- oder Scheiden bruch, wird man
das Loch im Bruchsack in ähnlicher Art erweiteit halten müssen,
während man die Darmschlinge hineinzuschieben bemüht ist.
Böser (Marburg).
Marion Sims, Utero-Gastxotomy.
(The American Journal of med. scienccs 1875. April.)
In der New-York medical Society (1875. Febr. 15) be-
richtet S. über zwei von ihm wegen grösser Fibroide ausge-
führte Exstirpationen des Uterus mittelst Bauchschnitt. Beide ende-
ten tödtlich, die eine 35 Minuten nach der Operation in Folge
profuser Blutungen aus erweiterten Venen, die andere 76 Stunden
nachher durch Septikämie. In beiden Fällen verfuhr S. nach der
Methode von P6an (doppelte Unterbindung des supravaginalen
Theiles des Cervix sammt den breiten Mutterbändem , Amputation,
Herausleiten des Stieles durch den unteren Winkel des Bauchschnit-
tes), ist aber von den Vortheilen derselben nicht besonders einge-
nommen. Er empfiehlt, die breiten Mutterbänder isolirt zu umschnü-
ren und an ihrer Insertion am Uterus abzubrennen. Ebenso soll der
abgetrennte Cervix an seiner Schnittfläche cauterisirt werden. Die
so behandelten Stiele versenke man in die Bauchhöhle und überlasse
sie sich selbst.
Was die Utero-Laparotomie überhaupt betrifil, so sei diese Ope-
ration noch eine neue und bedürfe entschieden der Prüfung. In-
dessen, so viele Gegner sie auch habe^ so werde sie doch zweifellos
denselben siegreichen Weg gehen, wie die Ovariotomie. In Amerika
Centrtilblalt f(ir Chirurgie. No. 34. 537
sei sie bis jetzt erfolgreich von Kimball, Buinham, Boyd,
Storer und Darby ausgeführt worden; in England vun CharleB
Clay, Flctcher, Law Bon Tait. Koeberle in Strassburg
habe von 6 Fällen 4 geheilt, während Pran in FariB in It Fällen
7 Heilungen, nach einer neuen Publication eiuee seiner Schüler
(Urdy [vergl. Centnübl. f. Chir. IS75. No. 7]), in 20 Fällen 15
Heilungen (75^) aufzuweisen habe. LoBsen (Heidelbeig).
Gayon. (^bstruction intestinale trait^e avec succes par l'in-
jection d'eau gazeuse dans le gros intestin.
(Journal de luM. et de chir. prat. 1875, Juin p. 230 et JuiUet p. 292.)
Bei einem 62jähi'igcn Manne war eine Inguinalhemie bei bedeu-
tenden Kinklcmniuiiffssymptumen reponirt worden, worauf nach eini-
gen Stunden Erbrechen sich wieder einstellte, das bald unter Col-
lapserBcheinungeu fecal wurde. Massenreduction war nicht anzu-
nehmen. So wurde denn mit Hülfe einer Schlundsonde, die mau 40 Ctm.
hoch hiuau^eführt , Sodawasser injicirt, der Inhalt etwa zweier Sy-
phons, wovon der erste zum grossen Theil zurückfloss. Sehr rasch
folgte heftige Kolik und Entleerung stinkender, flüssiger Massen,
dann harter Kothhallen. 2 Stunden nachher war der Kranke ausser
Gefahr. In einer Nute wird weiter erwähnt, dass Bouchut in zwei
Fällen und auch Behier in einem Falle vun Intestiualobstruction
durch harte Kothballon in derselben Weise mit Glück verfuhren.
Das Abdomen schwoll durch das Gas unter heftiger Kolik in allen
Fällen bedeutend an, und die Ausleerung trat sehr rasch ein.
PageKstecher (Elberfeld}.
B. L. Keyes. The injection of the bladder.
(The American Jouratd of med. sciencea 1675. April.)
Verf., ein grosser Verehrer der Behandlung acuter und chroni-
scher Blasenkatarrhe mittelst Injectionen, insbesondere Warm- und
Kaltwasserinjectionen , beschreibt einen von ihm construirten lu-
jcctionsapparat, mit dem der Pat. sich selbst die Einspritzungen je-
derzeit machen kann.
Der Apparat ermöglicht es, sowohl die stossweise Einspritzung
der Clysopompes, wie die mit Luft gemischte der Gummiballons zu
vermeiden. Er irritirt weder den Hals der Hisse, wie der Verweil-
katbeter, noch läast er auf die tonisiiende Füllung derselben verzich-
ten, wie der doppelläufige Katheter.
Die Zusammensetzung des ganzen Apparates ist höchst einfach.
Er besteht aus einem weichen GuramikaÜietei , einer metalleneu T-
Köhre mit doppeldurchbohrtem Uahn und einem Kautschukballon,
der an seiner am Boden befindlichen Ausflusaö^ung einen langen
Kautscbukschlauch trägt.
£■"-• S«! • >
538
Centralblatt für Chirurgie. No. 34.
Soll die Injection beginnen, so wird der mit warmem oder kal-
tem Wasser gefiillte Ballon mindestens 6 Fuss über dem Boden auf-
gehängt und der Kautschukschlauch mit dem einen Ende der T-Röhre
in Verbindung gesetzt, wahrend man den vertical abgehenden Schen-
kel in ein tiefer stehendes Gefäss leitet. Nachdem durch kurzes
Oeffnen des doppeldurchbohrten Hahnes alle Luft aus dem Schlauch
entfernt ist, führt sich der Pat. den Katheter in die Blase und fügt
ihn dem noch freien Ende der T-Röhre an. Wird nun der Hahn
nach dem verticalen Schenkel der Röhre hin geöfiiiet, so entleert
«ich die Blase vollkommen; richtet Pat. aber den Hahn nach den
horizontalen Schenkeln hin, so strömt das Wasser unter einem Drucke
von ca. 6 Fuss in die Blase. Ist diese gefüllt, so bewerkstelligt ein
einfaches Umstellen des Hahns sofort deren Entleerung und Pat. kann
solcher Weise auf das sorgfaltigste die Ausspülung vornehmen.
Losscn (Heidelberg).
H. Wildt. Neue Methoden, die weibliche Blasenhöhle zu-
gängig zu machen.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1S75. Bd. XVIII. Hft. 1. p. 167—186.)
Eine Beschreibung der von Simon (Heidelberg) neuerdings
geübten und vervollkommneten Massnahmen^ das Innere der weiblichen
Harnblase dem Finger und dem Gesicht zugänglich zu machen.
Dieselben bestehen 1) in der methodischen Erweiterung der Harnröhre,
2) in der Spaltung der Blasenschcidewaiid.
Die Harnröhrenerweiterung, welche, wenn auch nicht in so voll-
kommener Weise, Christopher Heath (Med. Times and. Gaz.
1874, 11. April) vorgeschlagen hatte, wud in einmaliger Sitzung nach
voraufgegangener Narkose und Einkerbung der Schleimhaut des Ori-
ficium urethrae mittelst röhrenförmiger Specula aus Hartgummi vorge-
nommen. Dieselben sind nach dem Muster der Vaginalspecula con-
struirt, mit einem vorne conischen Obturator versehen, 6Y2 Ctm.
lang. Sie werden in 7 verschieden dicken Nummern benutzt^ deren
erste eine Dicke von 9 Mm., deren letzte eine solche von 2 Ctm.
besitzt. Natürlich muss mit dem Speculum No. 1 angefangen werden,
dem No. 2 u. s. w. folgt. Wenn man nachher nicht das ganze
Speculum, sondern nur den Obturator auszieht, so legt sich nach
Abfiuss des Urins die hintere Blasenwand an das Lumen des Specu-
lums an und man kann so successive, indem man das Instnunent
nach verschiedenen Richtungen wendet, einen grossen Theil der
Schleimhaut dem Gesicht zugänglich machen. Nach Entfernung des
Speculums 7 gelingt es leicht, auch den voluminösesten Zeigefinger
und daneben noch Instrumente in die Blasenhöhle zu führen. Incon-
tinenz des Urins ist bislang dem Verfahren niemals gefolgt. Die
diagnostischen und therapeutischen Vortheile desselben s. im Original.
Die Spaltung der Scheideublasenwand , ein augenblicklich ganz
rtTi.. -/
Centralblatt für Chirurgie. No. 34. 539
gefahrloses Unternehmen^ da der Verschluss in jedem Falle späterhin
operativ sieher zu erreichen ist, kommt in Frage, wenn es sich um
Entfernung von Steinen, um Beseitigung von Blasenkatarrhen ^ endlich
um Ausrottung von Geschwülsten aus dem Blaseninnem handelt.
In Anbetracht der hohen Erweiterungsfähigkeit der Harnröhre sind
die beiden ersten Indicationen jedoch nur dann zwingende, wenn die
Steine excessiv gross sind, der Katarrh ein äusserst hartnäckiger ist,
und man wird den Schnitt zu rein diagnostischen Zwecken oder
behufs Tumorenbeseitigung natürlich ebenfalls nur dann machen,
wenn die Erkrankung mit Wahrscheinlichkeit ihren Sitz in den
höchsten Theilen der Blase hat oder sich bis dahin erstreckt. Der
Schnitt beginnt am hintern Ende der Harnröhre und spaltet die
Blasenscheidewand in der Axe der Vagina bis zum Muttermund.
So kann man bequem mit 2 Fingern in die Blase dringen und, wäh-
rend man von den Bauchdecken aus die höheren Theile dem unter-
suchenden Finger entgegendrückt, die tiefsten Buchten der Blase
betasten. Kommt man auf diese Weise nicht zum Ziele, so kann
man dem Längeschnitt noch einen im vorderen Scheidengewölbe an-
zulegenden Querschnitt hinzufügen und nun durch Druck von den
Bauchdecken aus die l^lase förmlich umstülpen und in die Scheide
hineindrängen, also alle Theile derselben nicht nur palpiren, sondern,
auch inspiciren.
5 Krankengeschichten illustriren die vorstehend gegebenen De-
tails. Wilb. Koch (BerUn).
Warren Brickell. Rupture of the Perineum. With a descrip-
tion of a new Operation.
(The American Journal of med. sciences 1875. April.)
In kurzer Einleitung klagt Verf. über die im Grossen und Gan-
zen unzureichenden Hülfsmittel zur Operation des zerrissenen Dam-
mes. »Welches sind zur Zeit (1875) die allgemein anerkannten Ope-
rationsmethoden?« fragt er und antwortet: »Die Klammernaht, die
Balkennaht und die unterbrochene Naht« (Knopfnaht) . Der einfachen
Knopfnaht mittelst Silberdraht, deren sich Verf. früher bedient zu
haben scheint, wird, und wohl nicht mit Unrecht, vorgeworfen, dass
sie die einander genäherten Wundränder von hinten nach vorn auf-
rolle und hierdurch sowohl die prima intentio fraglich mache, als
auch die ursprüngliche, keilförmige Gestalt des Dammes nicht wieder
herzustellen vermöge.
Diesem Aufrollen der Wundränder zu begegnen, construirte Verf.
iünne, vernickelte Stahlstäbchen von verschiedener Länge (von y^ —
2Yi Zoll variirend), welche oben und unten gabelförmig enden, und
sucht mit diesen die Suturen in der Sichtung von hinten nach vorn,
wie mit Sperrhölzchen, auseinander zu halten. Die Anwendung ist
folgende: Nachdem die zusammengehörigen Theile in ausgiebiger
Weise angefrischt sind, wird ein Silberdraht wie bei der Knopfnaht
i
540
Centralblatt für Chirurgie. No. 34.
»y'
fv
durch die ganze Dicke der Wundränder hindurchgeführt. . Nun nimmt
man ein Stäbchen^ dessen Länge den Querschnitt der Wimdääche
um ein Weniges übertrifil^ setzt es zwischen den klaffenden Rändern
mit seinem gabelförmigen Ende auf die in der Tiefe der Vagina lie-
gende Suturenschlinge^ drängt es an und schliesst nun über der oben
herausstehenden anderen Gabel die Enden des Drahtes. Durch ein
festeres Zusammendrehen des letzteren werden die Wundränder mehr
und mehr aneinander gezogen, ohne dass die Sutur dieselben ein-
rollen kann. Solcher auseinandergespreizten Nähte legt Verf. je nach
der Länge des Bisses 2, 3 und mehr in Abständen von % — V2 Zoll.
Daneben sollen oberflächliche Hülfsnähte die genaue Coaptation der
Schleimhaut und äusseren Haut besorgen.
Die Stäbchen und Suturen werden am 4., 5. oder 6. Tage ent-
fernt. Zu dem Zwecke ist die eine, in der Tiefe liegende Gabel
zum Abnehmen eingerichtet und kann nach Durchtrenuung der Sutur
mittelst einer Zange aus der Vagina hervorgeholt werden. Der Schaft
des Stäbchens wird sodann von vom her herausgezogen.
Verf. macht sich selbst den Einwand, es könnten die Stahlstäb-
chen Fisteln zurücklassen; meint indessen, diese schlössen sich sehr
rasch spontan.
4 Fälle werden zur Illustration des neuen Verfahrens angeführt-
In dreien war das Perineum zerrissen, zweimal Vs ^^^^ w®^* ^^
den Mastdarm, einmal halbwegs bis zum Anus. In sämmtlichen Fäl-
len bestand vollkommener Prolapsus uteri. Der vierte Fall betraf
eine Cystocele mit Vorfall des Uterus bei starker Relaxation der Scheide
und des Dammes ohne vorau%egangene Zerreissung.
Die Heilung des genähten Dammes erfolgte in allen 4 Fällen.
Die engen Kanäle der Stahlstäbchcn schlössen sich in wenigen Tagen
nach der Herausnahme der letzteren. Nur einmal war eine Aetzung
nothwendig. In den beiden letzten Fällen verwandte Verf. anstatt
des Silberdrahtes Catgut zur Naht und sah theilweise Resorption der
Fäden.
Verf. hebt in allen Fällen die vorzügliche Höhe und Festigkeit
des neugebildeten Dammes hervor. Gleichwohl bekommen sämmt-
liche Pat. bei ihrer Entlassung aus der Behandlung ein Hodge-
Pessarium. (Die heutzutage wohl überall bekannten und anerkann-
ten Operationsmethoden des veralteten Dammrisses, die Dieffen-
b ach 'sehe, von Simon weiter ausgebildete trianguläre Naht, die
Heppner'sche Achter tour, die Perineosynthese von v. Langen-
beck scheinen dem Verf. vollkommen unbekannt zu sein. Ref.)
Lossen (Heidelberg).
P. P. Echeverria. De la rösection tibio-tarsienne dans les
luxations compliquees.
(Thfese, Paris, 1874.)
E. hat aus der Litteratur 77 Resectionen des Fussgelenks bei
complicirten Luxationen desselben zusamme^estellt, an welcher Zahl
K
*
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 34. 541
Deutschland nur mit einem geringen Procentsatz Theil nimmt. 7 To-
talresectionen gaben keinen Misserfolg; 35 Reseetionen der Unter-
schenkelknochen allein gaben, ausser 2 Nachamputationen mit 1 To-
desfall^ 8 Todesfälle oder 22,8^; die 31 Reseetionen des Tibiaen-
des allein endeten in Oenesung, die 4 des Wadenbeins (2 mit Weg-
nahme des Astragalus) in gleicher Weise. Diesen Zahlen legt E.
selbst nur einen relativen Werth bei. —
Die Indicationen der Resection sind bei mittelschweren compli-
cirten Luxationen gegeben ; die Functionsunfahigkeit des Fusses nach
nicht mit oflFenen Wunden complicirten, unreducirt geheilten Luxatio-
nen gilt £. ebenfalls als Indication. üontraindicationen sind bedeu-
tende Weichtheilquetschung, und Ausdehnung der Fracturen bis auf
den Körper der Tibia. Die subperiosteale Resection ist unter allen
Umständen zu versuchen; knöcherne Vereinigung der Gelenkenden
hindert die Gebrauchsfahigkeit nicht. Die Resection ist ungefähr-
licher als die Amputation, nur bei Tuberkulösen ist letztere vorzu-
ziehen. E. glaubt, die resecirten Knochenenden seien bei der Nach-
behandlung in unmittelbaren Contact zu bringen.
Zwei der mitgetheilten Krankengeschichten scheinen anderweitig
nicht veröffentlicht zu sein.
1) Riebet, im Hötel-Dieu, 1874. Der 49jährige Pat. hatte
in Folge einer subcutanen, vor 5 Monaten erlittenen Malleolenfractur
einen pes valgus, der durch Maschinen nicht zu bessern war. Ent-
blössung der Fibula und Durchsägung derselben mit der Kettensäge
an der Fracturstelle. Heilung. Functionelles Endresultat?
2) Riebet, ebenfalls im Hotel-Dieu, 1874. Der 43jährige
Pat. war vor 2^2 Monaten verunglückt, 60 Tage bettlägerig gewesen ;
Gehversuche wurden bald durch Schmerzen unmöglich. Luxation en
dehors, mit Fractur beider Malleolen. Subperiosteale Resection der
Tibia mit T- Schnitt an der inneren Seite ; Abtragung von 4 Ctm. mit-
telst der Kettensäge. Fractur der in Dislocation consolidirten Fibula.
12 Tage lang permanente Irrigation. Verlauf durch mehrere Absce-
dirungen gestört. Der Fall war zur Zeit der Veröffentlichung noch
nicht abgeschlossen, es fehlt daher auch hier das Endresultat.
Ranke (Halle).
Kleinere Mittheilungen.
J. Bednik. Inflammatio retrobulbaris e phlebitide venae oph-
thalmicae.
(Wiener med. Presse 1875. No. 18.)
Ein 54jähriger, trunksüchtiger Tagelöhner stellte sich mit einer fluctuirenden
Geschwulst in der linken Schläfengegend — angeblich nach einem Falle ent-
standen — in der Klinik vor. Augenlider und Conjunctiva stark geschwollen, letz-
tere stark injicirt, der bulbus beträchtlich gerade nach vorn herausgedrängt, un-
beweglich und kaum rückdrückbar.
Incision : reichliche Eiterentleerung ; die Sonde stösst auf entblössten Knochen.
Pat. verliess trotz Warnung das Spital. 3 Tage später kam er wieder, doch voll-
kommen stumm, völlig apathisch; hohes Fieber; die Tncisionswunde war ver-
i
542 Centralblatt für Chirurgie. No. 34.
klebt, wurde geöffnet ; reichliche Entleerung von stinkendem Eiter. 2 Tage später
— Pat. konnte wieder etwas sprechen — trat auch das rechte Auge vor, wodurch
die Diagnose Meningitis gesichert war; nach 2 weiteren Tagen exitus lethalis.
Die Section ergab: zwischen Muse, temporalis und Cranium eine Eiterhöhle,
der Knochen missfarbig; der Muse, pteryg. ext. von Jauche durchsetzt, welche
durch's Foramen ovale in die Scbädelhöhle gedrungen ist; auch im Sin. cavern.
Jauche, ebenso ist das Ganglion Gasseri, der Sin. circul. Kidley und über die sella
turcica hin auch der Sin. cavern. dext. jauchig infiltrirt. Im Fettgewebe der
Unken Orbita sind die Aeste der Yen. ophthalm. gansfederdick mit Eiter und
eitrig zerfallenden Thromben erfüllt ; ähnlich in der rechten Orbita ; zudem Pachy-
meningitis und eitrige Meningitis.
Als besonders bemerkenswerth in diesem Falle , hebt R. das Auftreten der
Stummheit bei normalem Zustande der Insel , und die Wiedererlangung der Spra-
che, hervor. Fr. Steiner (Wien).
Mason« (St. Thomas's hospital.) Myeloid sarcoma of the septum nasi.
(Med. tim. and gaz. 1875. Mai 22. p. 552.)
Der 60jährige Pat. hatte zuerst vor einem halben Jahre bald nach einem hef-
tigen Nasenbluten eine leicht blutende Geschwulst im linken Nasenloch bemerkt,
welche vom Septum ausging. 19. Septbr. 1874 Entfernung mittelst Polypenzange.
Das 1. Kecidiv wurde am 14. Octbr. mit dem Messer entfernt, nachdem die
Nasenhöhle durch einen seitlich verlaufenden Schnitt durch die Weichtheile und
durch partielle Resection des Oberkiefemasenforteatzes freigelegt war. Das 2.
Ilecidiv wurde am 6. Jan. 1875 in ähnlicher Weise entfernt; dabei musste der
Schnitt durch die Oberlippe hindurch verlängert und ein Theil derselben geopfert
werden. Schnelle Heilung. Bis zum 11. April 1875 frei von Kecidiv. Die mi-
kroskopische Untersuchung ergab ein »myeloid sarcoma«. Bänke (Halle).
Poncet. Coup de feu sous la clavicule droite; atrophie musculairc
enyahissant le bras droits le bras gauche et le tronc.
(Soci6t^ de Biologie. S^ance d. 5. juin 1875. Gaz. m^d. 1875. No. 25.)
Ein 33jähriger, früher stets gesunder Marineinfanterist erhielt bei Monssac
(S^dan) einen Schuss in die rechte Brust. Die Kugel drang 2V2 Ctm. vom Ster-
num und IV2 Ctm. von der Articulatio sterno-clavicul. entfernt in den Thorax ein
und durchschnitt ihn in der Richtung nach hinten und aussen. Die AusgangsölT-
nung befand sich unterhalb der spina scapularis. In dem Moment, wo der Ge-
troffene zusammenstürzte, stellte sich eine krampfhafte Contractur der rechten Hand
ein , so dass das in letzterer gehaltene Gewehr nur mit Mühe entfernt werden
konnte. Als Pat. nach einer 3tAgigen Bewusstlosigkeit erwachte, war der rechte
Arm gelähmt. Nach 8 Monaten war der Schusskanal vollständig vernarbt, während
die Lähmung des rechten Armes trotz angewandter Electricität fortdauerte. Im
Jahr 1873 wurde Pat. wegen einer zunehmenden Schwäche des linken Armes aber-
mals in Behandlung genommen , ohne dass auch jetzt die fortgesetzte faradische
Behandlung eine Besserung des Zustandes zur Folge gehabt hätte. Eine im Mai
1875 angestellte Untersuchung ergab eine Atrophie fast sämmtlicher Muskeln des
Schultergürtels sowie der oberen Extremitäten. Besonders hochgradig ist die
Atrophie der Extensoren am Vorderarm, so dass durch das Uebergewicht der
gut functionirenden Flexorengruppe die Hände und Finger beständig contrahirt
sind. Auch die Rücken- und Wadenmuskeln zeigen beginnende Atrophie. Die
Sensibilität ist im Allgemeinen vermindert, an der Dorsalseite der Vorderarme voU-
ständig aufgehoben. Seitens der übrigen Organe keinerlei Störungen. Da bei der
noch vorhandenen Functionsf&higkeit der Vorderarmflexoren eine vollständige
Durchtrennung des rechten plexus brachialis durch den Schuss auszuschliessen ist,
so muss man nach P.'s Ansicht annehmen, dass nur die starke Erschütterung des
plexus hinreichte, um eine vorübergehende totale Lähmung und später eine all-
mälig vorwärts schreitende, von rechts nach links übergehende Atrophie der ner-
vösen Elemente hervorzurufen. O. Yolkmann (Kettwig).
Centralblatt rar Chirurgie. No. 34. 543
C'asee itlustrating ilic use of the pneumatic aspirator.
(North-eastem hospital for children.)
[Med. tim. and gaz. 1875. Mai 2S. p, 551.]
Empyein , 1 frische Pleuritis durch Functioa und AtipiratioD
Knabe, seit H Monaion bestehendea linkeBcitiges totales Empyem,
tieerung einer halben Finte Eiters , 7 Tage apSter bei erneuter
iinction, Ausspülung der HnMe mit verdünnter Jodünctur. Letz-
2. Febr. 1S75 bis 12. Febr. täglich durch die letite Punctions-
men ; Heilung mit gewühnlicher Thoraxdeformitat.
her Knabe mit rechtseitigem Empyem , nach Masern, vor 2 Mo-
Die Aspiraüon entleerte 6 Unzen Eiters. Heilung mitEinzieh-
Seite.
Knabe, seit 0 Wochen erkrankt, linksseitiges Eknpyem. Durch
I 2'/t Unze Eiters entleert. Entlassung mit schwach athmender
Mädchen, seit 3 Tagen erkrankt; Dämpfung am Thorax links
e der Scapula. Eine Wuche später Dämpfung über die ganze linke
tieerung von 23 Unzen Serum vermittelst Aspiration bei beatehen-
r. IG Tage später geheilt entlassen — kleine Athmungsunter-
h vorhanden. Ranke (Halle).
in Fall von Echinococcus multilocularis hepatis.
d. Heilkunde 1S75. IG. Jahrg. Hft. 4. p. 3G2-37I.)
! Frau litt an intensivem Icterus. Durch Ausschluss liesa aich die
lilocularen Leberechinococcus stellen, »as durch die Sectien be-
^ahlreiche kleine Echinococcen hatten besonders den linken
lisetzt und den dtictus hepaticus verlegt. Die Gallenblase war
asse gefallt- Verf. glaubt, dass in diesem Falle nachweislich
langen, r.ymph- und BlulgefisKen Ech in ococcenblaaon sich befunden
onnten übrigens in keiner einzigen Blase der Leber entdeckt
A. Bldder (Mannheim).
1 eeltner Fall von Utcruamyom.
d. Heilkunde 1875. IG. Jahrg. Hft. 4. p. 371-370.)
ibt ein colossales Myoma cysticum einer 4!)jährigen Frau. Es
)varialtumor gehalttn und lu operiren versucht. Die Operation
brochen werden, und bei der bald darauf stattfindenden Section
grosses vom Fundus uteri ausgehendes Myom, dadurch besonders
» zwischen die beiden Blätter des nünndarmmesenterium empor-
A. BIMer (Mannheim).
doin. Chute du rectum ; traitement par la douclic
sur I'anuB et le perinec.
arn. de med. et de chir. prat. 1975. Mw p. 209.)
mhautvorrällen der Kinder wurde durch Application eines starken
Anus und Perineum nach vorgingiger Keduction selbst da noch
alle anderen Mittel, bis zum OlOheisun, erfulglos geblieben waren.
Ulglich -wiederholt, die Heilungsdauer betrug in dem schlimmsten
icidive blieben aus. Auch bei einem Erwachsenen , der an Pro-
amurrboiden litt, war nach 48 Sitzungen die Heilung vollendet.
Pagonsl«<!ber (Elberfeld).
fr^ne symctrique ilea extrerait^s.
n. de med. et de chir. prat. 1S75. Mai p. 19H,)
(Ihrigen Manne wurde die Gangrän , die sich im I,aufe von 3'/j
firfach sich wiederholenden Attaquen auf kleine Stellen der Haut
544 Centralblatt fOr Chirargie. No. 34.
der 2. und 3. linken Zehe und der plauta derselben Seite bes
einmal symmetrisch. Unter den heftigsten Schmerzen wurden 4
und 3 der linken Hand kalt und schwa» bis zur Wurzel. Zugleich waren aicsel-
ben Zehen wie früher ergriSca und Schmerzen in den Ohren und der Nase vor-
handen ohne CirculationistOrungen. In wenigen Tagen indesa bildete sich der
OangrAn drohende Zustand der Finger zurück bis auf einen oberflächlichen Schorf
der 3. Phalanx des rechten kleinen Fingers und einen ebensolchen der Pulpa des
Zeigefinger« derselben Hand,
Mit dem ersten Auftreten der Gangrän am Fusse war SwöchentÜche Amblyopie
verbunden gewesen. Arterien etwas atheramatfiB , leichtes QerSusch beim 1. Ton
an der Herzspitze.
Die an den Fall geknöpften Erarterungen bieten keine neuen Qesichtspuncte.
P«g«iiBtecher (Elberfeld).
Fantier. Äppareü poui les fractureB transversaleB de la lotule.
(Joum. de mM. et de chir. prat. Hai 1S75. p. 315.)
Zwei getrennte Leim verbin de werden, der eine von den Malleolen zum untern
Bande, der andere ron der Mitte des Oberschenkels lum obem Rande der Knie-
Hcheibe angelegt. So lange der Leim noch nicht spröde geworden , werden ent-
sprechend der vorderen Circurofereni der EitremiUt in die einander zugekehrten
Kinder des Verbandes LOcher gebohrt, die am anderen Tage mittelst durchgezo-
genen Schnflrriemens noch Unterpolsterung mit Watte zur Annäherung der lieiden
VerbandstOcke und damit der Fatellarfragmente verwandt werden.
PagenBtecher (Elberfeld).
Angler. Triple fracture verticale du basBin par compreseion. —
D^chinire de l'urfethre. — Infiltiatiou d'urine. — Mort Bept jours
apt^s l'acddent.
[8oci£t£ anatornique, sbance du 27. nov. 1ST4.)
(Progrfee mMcal 1675, No. 11.)
Einem 4Tj&hrigen Manne war, nachdem er gefallen war und noch (auf der
Seite) lag , ein schwerer Balken quer aufs Decken gefallen. Bei I^ebzeiten war
eine Fractur nicht zu constaüren, der Fat. konnte ohne grosse Scbmenen im
Bett seine Beine bewegen. Harnverhaltung, Katheter entleerte am Abend Blut
mit etwas Urin vermischt, am folgenden Tage reinen Urin Desormeaux [auf
dessen Abtheilung der Fat. lag) liess den Katheter liegen. Am Scrotum nnd Damme
Blutunterlaufung. Anfangs kein Fieber, aber urinöa riechender Athem. Bei einer
Kectaluntenucbung kurz vor dem Tode fühlte Desormeaux den Katheter dicht
unter dem Finger, Es zeigte sich Urin Infiltration , aber nicht des Hodensackea,
und des Dammes, sondern an der innem und untern Partie des Oberschenkela. —
Mach einer Incision am Perineum fUhlte man die nackte Sonde in einer Ausdehnung
von mehreren Centimetem in einer grossen Hohle. An den Oberschenkeln wurden
auch mehrere Tncizionen gemacht. Temperatur in den letzten Tagen 39*. — Die
Section ergab ausser der Ruptur der Urethra aubperitoneale Blutunteriaufung in
der fossa iliaca, Dlastaae der Sohamfuge, senkrechte Fractur durch die horizonlÄlcn
und absteigenden Aeste beider Schambeine und durch die rechte Hdlfte des Kreuz-
beins, Fractur des Querfortsatzes des letzten Lendenwirbels. Von der Fractur des
linken horizontalen Scham bei nastes aus ein Spalt bis in die Pfanne, Der Ham-
röhreoriss befand sich in der Oegend der pars membr., ■/( Ctm. vor dem caput
gaUinaginis. — A. meint, diese BeckenfVactur sei interessant wegen der Leichtig-
keit, mit welcher man den Mechanismus der Fractur (entstanden durch Compresrion
des Beckens in querer lUchtung) erklären könne. Petersen (Kiel).
OrlglnalmUthellnngen, Honographleen nnd Separatabdrüeke wnlle
m*n an Dr, H. ItUmaniu, Leipzig, Htrionstnsse No. 3, oder ui die Verlicshindlanf,
BpeÜtop/' und Härtü, einsenden.
•-»
i
Gentralblatt
far
CHIRURGIE
herausgegeben
von
Dr. L. L w, Dr. I. SGMe, Dr. I. TüImdiis
in Berlin. in Halle ». S. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch aUe Buchhandlungen und Postanstalten.
N^ 35. Sonnabend, den 28. Angnst 1875.
Inhalt: Braune, Yenenelasticltät. — Prtvott, David, Dejerine, Veränderungen des
RüekenmATks bei MuskeUtrophie. — Wlnl warter, Das maligne Lymphom und das Lym-
phosareom. ~ Siedamgrotzky, Milzbrandbacterien. — Celra^, Einfluss der Bakterien auf
Blut und Blutcirculation. — Poupler, Einfloss der Alkalien auf die Blutbeschaffenheit. —
8alko\M8ky, Sallcylsäure und Benzoesäure. — Chlene, Wundheilung durch Bliitgewebe. —
M&kUf Zusammensetzung der Darmsteine. — Münchmeyer, Urticaria. — da Costa Alva-
renga, Kieselsaures Kali gegen Erysipel. — BigelOW, Die corpora cavernosa der Muschel-
beine. — Schwarz, Lingualisligatur bei Zungencancroiden. — Sommerbrodt , Seltene
Deglutitionshindernisse. — Kefth, lY. Serie von 50 Oyariotomieen. — Emmert, Repeti-
torium der Verbandlehre. — Lee, Hüftverrenkung.
Lane, Aneurysma der Occipitalis. — Schmidt, Extraction eines Fremdkörpers aus der
Trachea. Totalexstirpation eines Kehlkopfes. — Sidio, Glottis-Stenose. — Rlckmann,
Strictur des Oesophagus. — Borland, Stern um-Fracturen. — Wacquez, Lumbarabsceas. —
Weir, Lumbocolotomie. — OtlS, Keflexneuralgie bei Urethralstricturen . — Burnbam,
Excision des Steissbeins. — MeuSOl, Kniegelenksresection.
■
W. Braune. Beiträge zur Kenntniss der Venenelasticität.
(Beiträge zur Anatomie u. Physiologie, als Festgabe C. Ludwig zum 15. Oct. 1874
gewidmet von seinen Schülern.)
Leipzig, 1874. Verlag Yon F. C. W. Yogel.
Ausgehend von der Thatsache^ dass Spannung und Erschlaffung
eines Gefassrohres an sich die Bewegung der darin enthaltenen Flüs-
sigkeit beeinflusse^ suchte Br. zu eruiren^ welche Stellungen des
Kumpfes und der Extremitäten eine Spannung und welche eine Er-
schlaffung der Hauptvenen veranlassen. Durch eingestochene Nadeln
wurde die Längenzunahme der Venen gemessen. Es ergab sich
durchweg eine nicht unbeträchtliche Verlängerung der unteren Hohl-
vene bei starker Bumpfüberstreckuug^ der vena jugul. dextr. int. bei
Hintenüberbiegung und Drehung des Kopfes. Dasselbe Verhältniss
der Spannung zeigte sich an der vena cephalica^ basilica und me-
diana. Das gesammte System wird gespannt und verlängert bei Strek-
kung des Armes im Ellenbogengelenk und erschlafll bei Beugung.
35
546
Centralblatt für Chirurgie. No. 35
Die Venen der unteren Extremitäten werden gespannt, wenn man die
Oberschenkel möglichst weit spreizt.
Um die Elasticitätsverhältnisse der Venen zu messen, experimen-
tirte Br. mit kleineren und grösseren Gewichten. Bei Belastungen ist
die Verlängerung der Vene den dehnenden Gewichten nahezu propor-
tional. Selbst bei grossen, aber kurz dauernden (Y4 Min.) Belas-
tungen bleibt die Elasticität eine vollkommene. Man konnte die vena
saphena z. B. in einem Falle mit 1000 Gramm. belasten, ohne dass
dadurch eine bleibende Verlängerung, sowie eine dauernde Gewebs-
veränderung hervoi^ebracht worden wäre. Freilich betraf diese Deh-
nung ein jugendliches Individuum, während bei einem 46jährigen
Manne (Säufer) schon bei 75 Gramm und bei einem 58jährigen an
Tuberculose gestorbenen M'anne schon bei 6 Gramm sidi die Vene
nicht mehr schnell auf ihre frühere Grösse zurückzog. Aehnliche
Unterschiede zeigten sich an der vena cephalica, cava inferior und
jugul. int. Tfllmamis (Leipzig).
--•■■?
t.r^-
Pr6vo8t et David. Note sur un cas d'atrephie des muscles
de r^minence th^iiar droite avec lösion de la moSlte ^piniere.
(Arch. die Physiologie 1875. p. 59&->6<^l-.)
Pe^eriiiie. Note sur T^tat de la moelle ^piniere dans un cas
de pied-bot equin.
(Ibidem. 1875. p. 253—257.)
Im ersten Falle handelte es uch um Atrophie mit fettiger
D«g«B£ration, die einzig unil allein die Muskeln des rechten Dau-
menballens ergriffen hatte. Die Atrophie datirte nach den An-
gaben des Fat. aus firühestec Jugend und fiel zusammen mit einer
circumscripten Läsion des Rückenmarks, die charakterisirt war durch
1) deutliche Atrophie der vorderen Wurzeln des achten Halsnerven-
paares rechterseits 2) leichte Atrophie der vorderen Wurzeln des 7.
Halsn^rvenpaares derselben Seite 3] Atrophie des rechten Yorderhoms
der grauen Substanz in dieser Höhe, welche sich 2 Cm. der Länge
nach erstreckte. (Aehnliche FSHe sind bereits von Cornil, Vul-
pia», Charcot, Müller, Duch^ne u. A. und neuerdings von
Roth [Virch .Arch. Bd. 53.] beschrieben. Ref.) Zugleich geht aus
dieser Beobachtung hervor, dass die Nerven, welche die Muskeln des
Daumenballens beherrschen, von dem unteren Halstheil des Rücken-
markes durch die vorderen Wurzeln des 7. und hauptsächlich 8.
HalsnervenpaafPes austreten.
Der Fall von Dejerine betraf einen 4Gjährigen Mann^ dessen
pes equinus von frühester Kindheit her datirte und der schliesslich
an einer Pleuritis zu Grunde ging. Der pes equinus war höchsten
Grades; beim Auftreten sah die Fusssohle nach hinten und oben,
der Fussrücken berührte den Boden ; ausserdem bestand unvollständige
Luxation des Talus auf das Os naviculare. Die Dorsalflexo^en des
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 547
Unterschenkels und die Peronei waren merklieh, atrophisch. Die
Untersuchung des erhärteten Rückenmarks ergab 1] im mittleren
Theile der Lendenanschwellung eine deutliche Atrophie der rechten
Seite gegenüber der linken. I)ie Atrophie erstreckte sich zumeist
auf den Seitenstrang und in geringerem Grade auf den Hinterstrang.
Das rechte graue Yorderhom ist zumeist in seinem vorderen, äusseren
Theile verkleinert, ebenso das rechte Hinterhom, dieses nur massigen
Grades. In der atrophischen Zone des rechten Yorderhoms sind fast
alle Ganglienzellen verschwunden, an ihrer Stelle findet sich fibrilläres
Bindegewebe mit reichlichen Kernen und vielen neugebildeten Ge-
fässen, deren Wandung verdickt ist. Der atrophische Seitenstrang
ist sklerosirt, seine Neuroglia vermehrt, ein grosser Theil seiner Ner-
venfasern geschwunden. 2) Die vorderen Wurzeln sind rechterseits
nur Y3 so dick als linkerseits, von grauer Farbe. Die Läsion ist am
ausgesprochensten im mittleren Theile der Lendenanschwellung und
nimmt nach oben wie nach unten an Intensität ab. Die Muskeln
zeigten einfache Atrophie bei erhaltener Querstreifung mit Yermehrung
des interstitiellen Fettgewebes; die Muskelfasern selbst waren nicht
fettig degenerirt, nur waren einzelne Primitivfasem auffallend schmal
(entsprechend dem Befunde von Yolkmann.)
Die Atrophie der grauen Substanz der Yorderhömer, des Seiten-
strangs und der vorderen Wurzeln bei spinaler Eänderlähmung ist
auch von Privost und Yulpian, Clarke^ Johnson u. A.
constatirt worden. J» Mimk (Strassburg i/E.).
Winiwarter. Ueber das maligne Lymphom und das Lym-
phosarcom.
(Arch. f. kHnische Chirurgie Bd. XVUI. Hft. 1. p, 98—167.)
W. glaubt die Claasification der primär aus den Lymphdrüsen
sich entwickelnden Lymphdrüsengeschwülste folgendermassen aufstellen
zu können:
I. Hyperplastische Formen, Lymphome.
Hierher gehören:
Die Drüsenhyperplasieen bei der Scrophulose; scrophulöse
L3nnphome.
Die einfache Drüsenhyperplasie Yirchow*s.
Die leukämischen Lymphdrüsentumoren (immer combinirt mit
Yeränderung der Blutbeschaffenheit).
Das maligne Lymphom Billroth' s, jene raschwachsende Form,
die früher unter den Begriff Pseudoleukämie , metastasirendes Lym-
phom, malignes Lymphosarcom gefallen ist.
II. Heteroplastische Formen, Lymphosarcome :
Die primäre Sarcomentwickelung in den Ljrmphdrüsen^ wobei die
Geschwulst von Anfang an aus dem Bahmen des Lymphdrüsentypus
heraustritt und sich als etwas Selbstständiges, als Sarcom weiter ent-
wickelt.
35 •
i
548
Centralblatt für Chirurgie. No. 35.
,/
Das maligne Lymphom wird nach den bisherigen Erfahrungen
und 20 sehr ausführlich mitgetheilten ^ bei Billroth beobachteten
Fällen als eine Hyperplasie der Lymphdrüsen mit unbeschränktem
Wachsthum charakterisirt; wobei jedoch im Ganzen immer der Typus
des Lymphdrüsengewebes eingehalten wird. Die farblosen Elemente
des Blutes sind in der Kegel nicht vermehrt^ können es aber unter
gewissen Umständen sein. Befallen werden zuerst ganz circumscripte
Drüsengruppen^ gewöhnlich die Halsdrüsen einer Seite^ welche unter
einander durch den Lymphstrom in unmittelbarem Connex stehen.
Im weiteren Verlaufe können die Lymphdrüsen des ganzen Kör-
pers und die nach dem Typus des Lymphdrüsengewebes angelegten
Theile der inneren Organe (z. B. die Follikel der Milz) in Mitleiden-
schaft gezogen werden.
Metastasen nach inneren Organen^ die ebenfalls wieder den Cha-
rakter des Lymphdrüsengewebes haben^ sind dieser Geschwulstgattung
ebenso eigenthümlich wie die Tendenz^ nicht über den Mutterboden
hinaus zu greifen und in Gewebe anderer Natur hineinzuwuchem.
Im Gegentheil leidet ihre Umgebung meistens nur durch Druck. —
Das Lymphdrüsensarcom besteht in der Entwickelung von Sar-
comelementen primär in einer Lymphdrüse.
Es vergrössert sich vollständig unabhängig von der Lymphdrüse,
greift weiter nach der Peripherie^ lässt vielleicht die nächstgelegenen
Drüsen intact imd wuchert dafür mit ganz demselben unumschränkten
Fortschreiten wie das Sarcom anderer Organe in die Nachhalte webe.
Die AUgemeininfection ^ welche in den meisten Fällen^ man kann
sagen in der Regele gerade die Lymphdrüsen freilässt, manifestirt sich
durch Metastasen von entschiedenem Sarcomgewebe. Endlich hat das
Sarcom in weit höherem Grade die Tendenz zu exulceriren und re-
trograde Metamorphosen einzugehen.
Die klinische Differentialdiagnose hat sich im Wesentlichen an
die anatomischen Merkmale zu halten. Beim malignen Lymphom
erkrankt in der Regel eine Gruppe von Drüsen aus demselben Ge-
biet zugleich — beim Sarcom geht die Erkrankung von einem viel
circumscripteren Heerde aus und verbreitet sich von da in die Um-
gebung^ die sie frühzeitig af&cirt; es ist deshalb die Geschwulst in
frühen Stadien bereits fixirt^ während das Lymphom im Allgemeinen
sehr beweglich ist.
Die längere Dauer des Leidens spricht im streitigen Falle eher
für Lymphom^ die Schmerzhaftigkeit mehr für Sarcom^ die Af-
fection von Drüsen an andern Körperstellen entschieden für Lymphom,
das Auftreten von Geschwülsten an einem Theile des Körpers, an
dem sich lymphatische Neubildungen in der Regel nicht finden, für
Sarcom.
Verwachsung der Haut mit dem Tumor ^ oder Durchbruch der-
selben und Hervorwuchem der Geschwulstmassen ist, ebenso wie Zer-
fall der Geschwulst^ ohne dass ein äusserer Eingriff hierzu Veranlassung
gegeben hätte, charakteristisch für Sarcom.
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 549
Endlich wäre noch hervorzuheben, dass die malignen Lymphome
mit ganz überwiegender Majorität in den Drüsen des Halses zu
wachsen beginnen, dass also ein an anderer Stelle sich entwickelnder
Tumor mehr Wahrscheinlichkeit für Sarcom darbietet.
WUh. Koeh (Berlin).
Siedamgrotzky. Zur Kenntniss der Milzbrandbacterien.
(Deutsche Zeitschrift f. Thiermed. u. vergL Pathologie 1875. Bd. I. Hft. 4.)
Neben den bekannten stäbchenförmigen Gebilden, an welchen
S. übrigens, wie schon Bollinger, eine zarte kurzcylindrische Glie-
derung wahrgenommen haben will, fand Verf. im Impfcarbunkel und
Blut sogenannte Bacterienkeime, d. h. kleine kugelförmige Kör-
perchen, welche besonders den Lymphzellen aufsitzen und, hier zu
Stäbchen auswachsend, denselben bisweilen ein maulbeerförmiges oder
morgensternartig gerändertes Aussehen verleihen sollen. Beide, Stäb-
chen sowohl wie Keime sind unbeweglich. Bezüglich der Beziehungen
dieser Gebilde zur Milzbranderkrankung hebt S. als das Resultat
anderthalbjähriger Untersuchungen hervor, dass dieselben während
des Lebens der inficirten Thiere im Blute nur in einzelnen Fällen
und dann nur vereinzelt, dagegen constant in wechselnder Menge im
Impfcarbunkel nachgewiesen werden konnten ; dass ferner auch nach
dem Tode dieselben in einzelnen Fällen im Blute nicht, dagegen
stets in der Milz aufzufinden waren. Stäbchen können meist erst
wenige Stunden vor dem Tode im Blute nachgewiesen werden, nie
gelang es früher als 24 Stunden vor dem lethalen Ausgang. Aehnlich
verhält es sich mit den Bacterienkeimen , die, wenn isolirt, nach S.
kaum von äusseren Verunreinigungen unterschieden werden. Wie
schon Bollinger erwähnt, scheint nach dem Tode die Entwickelung
der Stäbchen schneller vor sich zu gehen; man findet stets mehr
Bacterienkeime, wenn man die Section 24 Stunden nach dem Tode
macht, als wenn sie unmittelbar p. m. erfolgt. Das constante, oft
überreichliche Auftreten dieser Gebilde in der Milz erklärt S. so,
dass die mit den Keimen besetzten farblosen Blutkörperchen in dem
Filtrirwerk der Milz hängen bleiben und hier sich eher als an allen
anderen Orten weiter eniwtckeln.
«
Versuche, die Milzbrandbacterien zu isoliren, misslangen dem
Verf. Impfungen mit dem Filtrat des mit Kochsalzlösung versetzten
Blutes und dessen Rückstände ergaben in beiden Reihen ein sehr
variables und darum wenig brauchbares Resultat. Bei Impfungen
mit ganzem Blut in die Haut von Kaninchen und Schweinen liessen
sich nach 24 Stunden im Impfcarbunkel Bacterien nachweisen oder
doch, wo diese noch zu fehlen schienen, stets Bacterienkeime. Aller-
dings sind nach S. die frei in der Flüssigkeit schwimmenden, kuge-
ligen Gebilde weder zahlreich, noch prägnant über alle Zweifel er-
haben. Ungleich reichlicher werden sie bereits nach 48 Stunden an der
Impfstelle gefunden, so dass man dann bisweilen dichte, wurstförmige
550 Centralblatt für Chirurgie. No. 35.
Agglomerate von Stäbchen aus dem Gewebe auspressen kann. Die
Ausbreitung der Bacterien hält jedoch mit der Weiterverbreitung des
Carbunkels^ die 'wesentlicb im Ünterhautzellgewebe; in der Richtung
der abführenden Lymphgefässe^ erfolgt^ nicht gleichen Schritt; sie
finden sich nie aa der Peripherie der Anschwellung und anfanglich
auch nur ca. 5 Mm. von der Impfstelle entfernt. Der Tod in Folge
von Milzbrand trat bei den Thieren nur dann ein^ wenn subcutan
das Milzbrandblut eingespritzt wurde^ ohne dass Verf. jedesmal Bac-
terien an der Impfstelle nachweisen konnte.
Für eine mechanische Wirksamkeit der Bacterien vermochte
S. keine Beweise in seinen Versuchen aufzufinden ; dagegen ist er
geneigt anzunehmen^ »dass dieselben Stoffe erzeugen^ welche
chemisch auf den Thierkörper einwirken«.
Arn. Hiller (Berlin).
Ceirafy« lieber die Wirkung der Injection putrider Flüs-
sigkeiten in die Lymphbahnen von Amphibien auf die Cir-
culation in den Blutcapillaren.
(Oeorge's Hospital Reports. Vol. VII. p. 17.)
Verf. hat die Versudie über die Wirkung von Bacterien auf
die Bestandtheile des Bluts und dessen Circulation in den Ca-
pillaren unter Klein's Leitung in der »Brown Institution« von
Neuem aufgenommen und zieht aus seinen Versuchsreihen ^ die am
Mesenterium von Bufo Tulg. imd der Schwimmhaut von Rana tem-
por. mit allen nothwendigen Cautelen angestellt wurden, folgende
Schlüsse :
1) Die Injection putrider^ animaler Flüssigkeit in die Lymphbahn
von Amphibien ist von einer Entzündung gefolgt, welche von
einer auf andere Weise hervorgerufenen Entzündung nur darin ab-
weicht, dass sie schneller eintritt.
2) Grosse Dosen wirken direct giftig auf das Nervensystem und
verursachen dadurch Herzparalyse und allgemeine Stase.
3) Die Anhäufiing von weissen Blutkörperchen und die Bildung
vom Thromben ist keine locale Wirkung der Bacterien auf die Ge-
fösswandung oder auf das Plasma des Blutes oder auf die Blutkörper-
chen selbst, sondern einfache Folge 1) der Entzündung, 2) der Paralyse
des circulatorischen Centrums, 3) der Insultation der Gefasswand
durch Zug etc.
Die Details der Versuchsreihen müssen im Original eingesehen
werden. PÖ* (Stettin).
Z. Foupier. Action des alcalins sur la composition du sang.
Kecherches exp^rimentales sur la pretendue an^nxie alcaline.
(Compt. rend. 1875. T. 80. p. 1146—49.)
Im Gegensatz zu der ziemlich verbreiteten Anschauung, dass un-
ter längerem Gebrauch von Alkalien Blutarmuth eintritt, weist P. mit
«■■■«
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 551
Hülfe der Methode von Malassez (s. Centralblatt 1874 No. 3) nach^
dass wenigstens unter normalen Verhältnissen bei gesunden Menschen,
wie ancb bei Thieren (Hunden, Kaninchen, Hühnern) die Menge der
rothen Blutkörperchen, das Körpergewicht und die Temperatur bei
alkalischem Regime zunehmen. Anders ist es dagegen bei Krankhei-
ten; hier zieht längere Zeit fortgesetzter Gebrauch von Alkalien
Anaemie und Abnahme des Körpergewichts nach sich. Bemerkens-
werth ist insbesondre ein Fall, betreffend einen 47jährigen Mann,
der seit 18 Jahren taglich mindestens 16 — 20 Gramm Natr. bicarb.
zu sich genommen hatte ; nur zweimal, bei intercurrenten acuten Krank-
heiten von kurzer Dauer, war das Mittel ausgesetzt worden. Dieser
Mann bot plethorisohen Habitus, und kein Zeichen der häufig be-
schriebenen Anämie dar. Bei der vorgenommenen Zählung der rothen
Blutkörperchen wurde eine Zahl gefunden, die den von Malassez
auf Grund zahlreichen Bestinmiungen berechneten Mittelwerth, noch
um ein Geringes übersteigt. Dagegen zeigte es sich, dass mit dem
Auftreten eines mit Fieber verbundenen Zustandes ihm das Natr.
bicarb. nicht bekam und gewissermassen instinktmässig Widerwillen
erzeugte. So lassen sich die scheinbar widersprechenden Erfahrungen
der klinischen Beobachtung vereinigen und den Alkalien ihre gesi-
cherte Wirkung bewahren. Wie sie unter normalen Verhältnissen
den Stoffwechsel anregen (Vermehrung der Körpertemperatur und des
Gewichtes), so setzen sie diese Wirkung auch bei fieberhaften Pro-
cessen weiter fort, hier allerdings zum Nachtheil des schon an und
für sich in stärkere Oxydation versetzten Organismus. In fieberhaften
Zuständen ist somit längerer Gebrauch von Alkalien besonders in
grossen Dosen contraindicirt. J» Mimk (Strassburg i/E.).
IL SalkowBky. Ueber die antiseptische Wirkung der Sali-
cylsäure und der Benzoesäure.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 22.)
Verf. hat Experimente angestellt^ aus welchen hervorgeht, dass
Salicylsäure bei Zusatz zu eiweisshaltigen Substanzen (Infosen von
gehacktem Fleisch) die Fäulniss aufschiebt, dass dieselbe aber mit
dem allmälig eintretenden alkalisch Werden des Gemisches doch erfolgt.
Eigenthümlicher Weise zeigte »ich in dem Falle keine weitere Fäul-
niss, noch Auftreten niederer Organismen, in welchem S. intensiv
faulende Ascitesflüssigkeit zugesetzt hatte, um besonders günstige Ver-
hältnisse für Fäulnissentwickelung zu schaffen. Diese faulige Zusatz-
flüssigkeit war 2Y2 Jahre alt und Hess mikroskopisch keine Bacterien
entdecken. Alle Gemische mit gesättigter Salicylsäurelösun^ gingen
in etwa 12 Tagen in Fäulniss über, die mit der genannten Zusatz^
flüssigkeit versetzten gar nie, auch nicht bei einem Gehalt 'von nur
0,25 ^ Salicylsäure. — Desodorirende Eigenschaften besitzt die Sa-
licylsäure nach S. nicht. Ihre Wirkung kommt nicht, wie Kolbe
vermuthet, durch Spaltung in Carbolsäure und Kohlensäure zu Stande.
i
V ts -y^
552 Centxalblalt fttr Chirurgie. No. 35.
«
Sie ist in weit geringerer Concentration, als Carbolsäure wirksam und
lässt sich aus Fäulnissgemengen durch Extraction mit Aether leicht
wieder darstellen, Carbolsäure dagegen nicht nachweisen. — Weit stär-
kere auti septische Eigenschaften als die Salicylsäure besitzt die Ben-
zoesäure. Binnen 3 Monaten trat in einem Infus von Fleisch gar
keine Fäulniss hier ein. Sowohl die aus Harz gewonnene, als die
aus Fferdeharn dargestellte Benzoesäure zeigten gleiches Verhalten.
Die Benzoesäure empfiehlt sich durch geringen Preis. Innerlich sind
beide Stoffe als Antiseptica zu verwerfen, da sie bei ihrer Aufnahme
in's Blut in die unwirksamen Natronsalze übergehen. Als Antiseptica
empfiehlt Verf. schliesslich ausser Phenol dessen Substitutionspro-
ducte: Thymol, Chlor- und Brom-phenol. v. Mosengeil (Bonn).
J. Chiene, Die Wundheilung durch »Blutgewebe«.
(The Lancet. 1875. Vol. II. p. 47.)
Die beobachtete Organisatoin von Blutcoagulis in Wunden, die
streng nach Lister behandelt worden sind, brachte Ch. auf den
Gedanken, die offenen Wunden behufs der Heilung speciell mit Blut
auszufüllen. Der mitgetheilte einschlägige Fall betrifft eine dreieckige
Wunde an der Ferse, deren jeder Schenkel 174" lang und welche
reihst ^12" tie{ y?3i. Die beobachteten Veränderungen (unter Li st er 's
Verband] waren kurz folgende: am 6. Tage erschien die gallertartige
Masse noch dunkel gefärbt, war am 12. fester und dunkelbraun und
lieferte beim Bekratzen der Oberfläche keine Blutung, am 16. stiess
sich eine oberflächliche Schicht in der Dicke der benachbarten Horn-
schicht ab; jetzt erfolgte auf leichtes Kratzen im Centrum Blutimg
und das frisch entstandene Coagulum machte dieselbe Metamorphose
durch. Am 30. Tage war die frühere scharfe Abgrenzung des gesun-
den Homepithels verschwunden und dafür Epithelbildung an den
Ecken des Coagulums vorhanden; am 34. Tage war die frühere Coa-
gulum-Oberfläche mit einer Epitheldecke überzogen. —
Pilz (Stettin).
C. Mehu. Analyse des calculs intestinaux.
(Bobin's Journ. de l'anat. et de la^phys. 1875. No. 3. p. 325.)
. Unter furchtbaren Beschwerden waren von einem Kranken 3
Darmsteine entleert worden. Zwei von diesen wogen 15^4 grammes;
aussen waren sie braun gefärbt, wie Cacaosaamen, auf dem Durchschnitt
schwarzbraun. Besonders beim Trocknen entwickelten sie einen starken
Faecalgeruch. Auf 100° C. getrocknet wurden sie ganz geruchlos
und verloren gleichzeitig die Hälfte ihres Gewichtes. Gallenfarbstoff
oder Derivate desselben waren nicht nachweisbar. An Asche enthiel-
ten sie 39^ vom Trockengewicht. Von oiganischen Bestandtheilen
lieferten sie überwiegend in Chloroform und Aether übergehende neu-
trale Fette, etwa 18^; ausserdem etwa 36 j^ oiganischer, in Alkohol,
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 553
Aether, Chloroform und Ammoniak unlöslicher Substanz (ein grosser
Theil der letzteren dürften wohl an Kalk gebundene Fettsäuren sein^
die reichlich in den Faeces vorkommen und erst nach Säurezusatz in
den Aether übergehen ; an diese Möglichkeit scheint M. nicht gedacht
zu haben; Ref.). Von unorganischen Bestandtheilen fanden sich:
dreifach phosphorsaurer Kalk zu 36^2^^ kohlensaurer Kalk zu 1,2^
Kochsalz und alkalische Salze 1>4^ und Kieselsäure 0,2^. Die Pro-
centangaben beziehen sich auf das Trockengewicht der Steine.
J. Mank (Strassburg i/£.).
Münchmeyer. Einiges über die Urticaria.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 20.)
Aetiologisch ist nach M. die Urticaria entweder auf rein ausser-
liehe Initamente der Haut oder auf innere Vorgänge im Organismus
zurückzuführen. Bei beiden Fällen die gleiche Quaddel^ eine scharf
umschriebene^ platte^ anämische^ oft röthlich geränderte Erhabenheit
der Haut, eine local beschränkte Exsudation in das Cutisgewebe. Bei
einer Quaddel, die Verf. durch Brennnesselstich in der geschorenen
Cutis eines Kaninchens hervorrief, waren die Capillaren durch die
Exsudation comprimirt. Dass Transsudation aus den feinsten Ge-
fassen dabei vorliegt, wird dadurch (?) bewiesen, dass biswei-
len bei der Rapiditftt des Processes nicht nur Flüssigkeit, sondern
auch Formelemente (rothe Blutkörperchen) durch die Interstitien der
relaxirten Gefässwandung durchtreten (Urticaria hämorrhagica). — Bei
vom Verf. an sich selbst vorgenommenen subcutanen Injectionen von
destillirtem Wasser sah er öfter plötzlich oberhalb der Injectionsstelle
(10 — 12 Ctm. davon) juckende Urticaria entstehen. Er will dies
durch Anstechen eines Lymphgefasses und plötzliche UeberfüUung der
Lymphbahnen erklären, nicht aber durch Hineintreiben der Injections-
flüssigkeit in die Cutis. Die scharf begrenzte Bänderung der Pom-
phi soll sich durch Eeizzustände der organischen Muskelfasern der
Cutis ergeben. — Ferner theilt Verf. einen eigenthümlichen Fall mit,
in welchem bei einem Soldaten, so oft er sein Gesicht einem schar-
fen, kalten Winde aussetzte, 3 grosse Quaddeln auf Wangen und Kinn
entstanden. Er nimmt hier zur Erklärung keine reflectorische Ge-
fasserweiterung, sondern directe Reiz Wirkung an. Für die nicht auf
äusseren Reiz entstehenden Urticarien nimmt M. an, dass sie eben
Theilerscheinung der eigentlichen Erkrankung seien. — Bei Aufzäh-
lung der ätiologisch unterschiedenen Formen beginnt Verf. mit Urti-
caria febrilis (Scarlatina, Morbillen, Nesselausschlag etc.). Eingefügt
ist die Beschreibung eines Gastrokatarrhes mit starkem Fieber und
einer flüchtigen Urticaria -Eruption, wobei sich um den Nabel con-
centrisch wachsend ein Pomphus bildete, der die ganze Bauchhaut
bedeckte. Die gemeinschaftliche Ursache aller derartigen Urticarien
sucht Verf. in Reizung der Nervenendigungen in den Schleimhäuten
und reflectorisch darauf folgender vasomotorischer Affection (evident
554 Centralblatt für Chirurgie. No. 35.
bei Urt. ab ingestis). Die für das Zustandekommen der Urticaria im
Allgemeinen so bedeutungsvolle Idiosynkrasie einzelner Individuen
wäre damit fxeüich noch, nicht erklärt. v. Mosengell (Bonn).
F. F. da Costa Alvarenga. Do silicato de Fotassa no tra-
tamento da Erysipela etc.
(Memoria der Akademie d. Wissenschaften zu Lissabon 1875. 4. 180 S.)
Das Mittel soll ein oder mehrere Mal täglicb auf die erysipelatösen
Stellen mit dem Pinsel aufgestrichen werden^ entweder pur oder
mit Wasser zu gleichen Theilen oder im Verhältniss von 1 : 11 ver-
mischt. Je concentrirter die Lösung^ desto rascher, nach A. ^ der
Erfolg. Es werden 48 Beobachtungen aus Lissabon und 7 aus Rio
de Janeiro mitgetheilt und empfiehlt Verf. das kieselsaure Kali als
wirksamstes und durchaus billiges Mittel bei erysipelatösen Affectionen.
(In Deutschland bereits mehrfach angewandt; auch zu Injectionen
in die Blase bei Katarrhen. Red.) UUersperg«r (München).
Bigelow. Die corpora cavemosa der Muschelbeine.
(The Boston med. and surg. Journal 1875. p. 489.)
Vielfach wird bei der Schwellung der Sehn ei der 'sehen Schleim-
haut der Nasenhöhle von venöser Congestion; ausgedehnten Venen,
Sinus artigen Venen, Venenplexus etc. gesprochen ; dennoch sind diese
Bezeichnungen alle nicht zutreffend, sondern es findet sich hier nach
B. wirklich erectiles, cavernöses Gewebe. Die Differenz des coUa-
birten und ausgedehnten Gewebes ist am Besten an der unteren Mu-
schel zu erkennen, aber auch über derselben und .am Septum vor-
handen, woselbst dieselbe noch biB Y4" betragen kann. Die genauere
Untersuchung ergiebt echtes, cavernöses Gewebe, dessen Hohlräume
ziemlich gleich gross, dicht an einander gelagert, durch unregelmässige
Oeffnungen mit einander communiciren, während schmale Bänder und
Quersepta ihre Wandungen verbinden. Die Wandungen selbst be-
stehen aus Bindegewebe mit einzelnen eingestreuten muskulösen und
elastischen Elementen. 6 beigegebene gute Abbildungen illustriren
diese makroskopischen und mikroskopischen Verhältnisse, die gewiss
vollste Berücksichtigung verdienen. Pub (Stettin).
Schwarz. Bemerkungen zur Ligatur der Lingualis bei
Cancroid der Zunge.
(British med. Journal. 1875. Vol. I. p. 34.)
Nach Angabe der allgemeinen Indicationen zur Ligatur der Lin-
gualis, Blutungen aus Cancroiden der Zunge und als Vorakt vor Ex-
stirp ationen derselben , verweilt S. besonders bei der Anwendung der
tf #.■«■=■•*■»• «■•T^
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 555
Ligatur zur palliativen Besserung des bestehenden Oancroids, nennt
hierauf sich beziehend einige französische und englische Operateure
und verweist besonders auf die bekannte Arbeit von Demarquay in
den Archives gen., der unter 12 Ligaturen 8 zur Wachsthums-Hin-
derung resp. Verminderung angewandt, registrirt hat. Während aber
D. und die meisten ihm folgenden Operateure stets die beidersei-
tige Ligatur machten, räth Schwarz auf neuere Erfahrungen
gestützt, die einseitige Ligatur auszuführen, sobald das Cancroid nur
am Rande sich befinde oder auch die Mittellinie noch nicht über-
schritten habe. Stets soll nach der Ligatur das Aussehen des Can-
croids sich bessern, die jauchige Absonderung sich mindern, die
Schwellung der Theile nachlassen, die Beschwerden beim Schlucken
und Kauen geringer werden und der Appetit sich heben; die locale
Affection und die Infiltration der Drüsen schreite langsamer fort.
Drei ausfuhrliche als Beleg angeführte Krankengeschichten er-
strecken sich leider nur über wenige Wochen. PUs (Stettin).
P. Söminerbrodt. Ueber zwei seltene Deglutitionshindernisse
mit Bemerkungen über die granulöse Erkrankung des
Schlundkopfes.
Vortrag gehalten in der medicin. Section der Schlesiscfaen Gesellschaft für vater-
Undische Cultur.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 24 u. 25.)
Bei einem 68jährigen Pat. seit einem Jahre stetig gesteigerte
Schlingbeschwerden. Die Schlundsonde, etwa 20 mal eingeführt, traf
im obersten Theil der Speiseröhre einen Knoten, an dem beim
Ausziehen der Sondenknopf schwierig passirte. Schliesslich kann
nur flüssige Nahrung verschluckt werden. Die hintere Pharynxwand
im Niveau der Zunge vorgewölbt. Laryngoskopisch eine runde Vor-
wölbung zu sehen, welche die hintere Partie der Rima glottidis und
die Gegend der Arytaenoidknorpel verdeckt und die ganze Breite des
Pharynx eiimimmt. Palpatorisch ist diese Erhabenheit, welche den
Larynxeingang zum Theil; den zum Pharynx fast ganz verl^t, gleich-
massig hart, dabei schmerzlos. Nirgends Drüsenschwellung, Larynx
auf Druck von aussen schmerzlos, der vordere obere Winkel des
Schildknorpels stark vortretend. Bei Entkleidung des Patienten findet
sich starke Kyphose im obersten Theil der Brustwirbelsäule und com-
pensirende Lordosis der Halswirbel ; die Yorwölbung ist durch die nach
vom gedrängten Wirbelkörper bedingt. William Adams giebt
(Lectures on the Pathology and Treaiment of lateral and other forms
of curvature of the spine, London 1875) einen ähnlichen Fall an. —
Da Combination der Lordosis und Kyphosis zusammen mit seitlicher
Verkrümmung häufiger vorkommen, als sie rein für sich bestehen,
so wird in diesen Fällen, wie Verf. hervorhebt, der Oesophagus seit-
lich ausweichen und die Cervicallordose kein Deglutitionshindemiss
abgeben.
556 CentralbUtt fOr Chirurgie. No. 35.
1d einem zweiten Falle handelte es sich um eine spastiBche
Strictur des Oeeopha^us bei einem jungen Mädchen. Es war eine
hochgradige Pharyngitis granulosa vorhanden. Durch Berührung der
erkrankten hinteren Fharynxwand mit den Speisen wurde leflectorisch
ein Krampf des unteren Bachenschnürers ausgelöst. Die locale Bepin-
selung der afificirten Partie mit der von Man dl in Paris empfohlenen
Lösung von Jod und Carbolsäure in Glycerin brachte sofort Besse-
rung und nach 3 Wochen Heilung.
In der Litteratur hat nur Green in New-York drei ähnliche
Fälle verzeichnet. Statt der spastischen Stricturen hat aber Sommer-
brodtselbst vielfach Husten affecte bei Pharyngitis granulosa beobach-
tet, welche hei langem Bestand theilweise schon Tuberkulose vor-
täuschten und meist schnell zu heilen waren. Als bestes aller von ihm
erprobten örtlichen Heilmittel wird obige Mandl'sche Bepinselung
(Jodi puii, |acid. carbol. ana 1. Kai. jod. 2. Glycerin 100. empfohlen^.
In den letzten 2 Jahren hat er dieselbe ausschliesslich, und zwar hei
168 Fat. mit Erfolg angewandt. r. Mosengell Bonn).
T. Keith. IV. Serie von 50 Ovariotomien.
{Britiah med. Journ. IBT5. Vol. I, p. 836.)
Nachdem K. im Lancet 7. Sptbr. 1867 die erste Serie, 20. Aug.
1870 die zweite und 16. Nov. 1872 die dritte veröffentlicht hat, gieht
er jetzt seine vierte. Die Mortalität betrug in der ersten 11 Todes-
fälle, in der zweiten 8, in der dritten S und in der vierten 6 Todes-
fälle. (In der letzten Zeit hat er 4 Mal diagnosticirte Cysten des
breiten Mutterbandes, die er wahrscheinhch früher durch Operation
entfernt hätte, duicb Function geheilt.)
Unter den letzten öO Fällen sind 2 Operationen nicht vollendet
worden; von aUen Operirten starben 6 an Fyämie und unter diesen
befanden sich 2 mit malignen Geschwülsten und war einmal die
Bauchhöhle drainirt worden. Nach seinen Eafahrungen räth K. durch-
aus zur Kauterisation des zu versenkenden Stieles.
Was die Ovarialgesohwülste anlangt, so waren 7 solide, maligne
Geschwülste; in 3 Fällen wurden fibro- cystisch entartete Ovarien
sammt Uterus entfernt [cfr. Centralblatt f. Chir. 1875, No. 33); nur
in 9 Fällen bestanden keine Adhäsionen, dag^en in der Mehrzahl
derselben sehr ausgedehnte; in 4 Fällen wurden acut suppurirende
Cysten, 3 mal beide Ovarien entfernt ; einmal wurde die Ovariotomie
im 5. Monate der Schwangerschaft erfolgreich au^eführt. l>ie Ope-
rirten standen im Alter von 20 — 67 Jahren, darunter 22 im Alter
zwischen 20—30 Jahren. PU« (Stettin).
B. Emmert. Repetitorium der chirurgischen Verbandlehrc.
Bern 1876. ient und Belnert»
In einer für das Examen bestimmten Zusammenstellung wird ein
Schema der Verhandlebre gegeben, das der Lehrer ausfüllen, der mit
den Verbänden selbst und der Technik Vertraute repetiren kann.
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 557
Verbandmaterial (weiche^ feste, erhärtende Stoffe)^ Eintheilung der
Verbände nach allgemeinem Zweck, Aufzeichnung derselben nach der
Körperlocalität und specielle Verbände bei Fracturen sind die den
Inhalt bildenden Rubriken. t. Mosengreil (Bonn).
S. Lee. Geschichte einer Hüftverrenkung.
(George's Hospital Reports Vol. VE. p. 169.)
Verf. war in der seltenen Lage folgende Untersuchung machen
zu können. Ein 45jähriger Eisenbahnwärter fiel, durch einen
Wagenpuffer gestossen^ auf die rechte Seite ; das rechte Bein konnte
der sehr angegriffene Fat. nicht mehr bewegen. Alsbald in das Hos-
pital gebracht^ erkannte man an dem coUabirten Manne eine Luxation
des Oberschenkelkopfes nach hinten^ es fehlte aber Adduction und
Verkürzung des Beines; am 2. Tage erfolgte der Tod. Es fand sich:
der Schenkelkopf direct hinter der Pfanne unter dem Muse, pyrif.,
die Gelenkkapsel bis auf einen kleinen Rest^ an der Vorder- und
Hinterseite dem Femur ansitzend^ gänzlich zerrissen; das lig. teres
aus dem Schenkelkopf ausgerissen^ an der Pfanne aber erhalten. Bei
der weiteren Präparirung sah man die das Gelenk umgebenden Mus-
keln stark gedehnt^ aber nicht zerrissen, der Gelenkknorpel des
Schenkelkopfes normal. Bei den nun angestellten Repositionsversuchen
gaben die Muskeln das Repositionshinderniss ab. Hieran anschliessend
giebt Verf. die wenig bekannt gewordenen anatomischen Befunde nicht
reponirter Hüftgelenksluxationen von A. Cooper, Scott, Billard
und Quain, von denen der instructivste letzte Fall hier wiedergegeben
werden soll. Der Kopf stand ebenfalls dicht hinter der Pfanne unter
dem Muse, pyrif., umgeben von einem Blutergusse; der Muse,
glut. max. war normal, die Fasern un hinteren Theüe des im Uebri-
gen erschlafften Muse. glut. med. eingerissen, der Muse, pyrif.
leicht gedehnt, die Mm. gemelli und obturat. ext. in äusserster Span-
nung ; wirklich yerletzt war der letztere und der Muse, quadrat. fem.
Das Kapselband war am inneren und unteren Theile eingerissen, das
Ug. teres am Schenkelkopfe abgerissen, ebenso der Pfannenrand ab-
gebrochen. PUl (Stettin).
Kleinere Mittheilungen.
J. Lane. Aneurysmatische Erweiterung der Occipitalis. Ligatur
der Carotis.
(British med. Journal 1875. Vol. I. p. 635.)
Ein 37jähriger Mann erlitt durch Fall auf das Fussbrett eines Omnibus eine
kleine Wunde in der linken Parietalgegend, 4'' über dem proc. mastoid. Derselbe, an-
fangs durch den Blutverlust ohnmächtig geworden, erholte sich bald und konnte nach
geschehenem Verbände allein nach Hause gehen. Am folgenden Tage schon empfand
Fat. Sausen und Klopfen im linken Ohre, das immer stärker wurde, ihn zuletzt
seine Arbeit ganz aufgeben liess und sogar am Schlafen hinderte. Obwohl jetzt
nach 4 Monaten keine äussere Schwellung bestand, hört man doch mit dem Stetho-
skop ein ausserordentlich lautes Geräusch und fühlt deutlich Pulsation am proc.
i
558 Centralblatt für Chirurgie. No. 35.
maat. ; hier und auf die Garot. comin. angevandte Digitalcompression lassen alle
objectiven und subjectiven Erscheinungen versch winden. Instrumentalcompression
durch 6 Wochen scheint die Erscheinungen tilgen zu wollen, mit ihrem Nachlasse
treten die alten Erscheinungen wieder auf und nehmen schnell zu. Deshalb wird
zur Ligatur der Carot. comm. geschritten und dieselbe 1" unter der Theilungsstelle
mit Catgut ohne jede nachtheilige Folge ausgeführt; Eiterung an der Unterbin-
dungsstelle besteht eine Zeit lang. Die ersten 3 Tage sind alle Erscheinungen
von Seiten des Aneurysma gehoben, dann ist wieder ein schwaches Geräusch zu
hören, welches durch Compression hinter dem proc. mast. schwindet; Puls in der
tempor. und facial. fehlt noch. Da es wahrscheinlich ist, dass in der Art. cervic. prof.
die Collateral-Bahn gegeben ist, so wird eine Nadel unter ihr hindurchgefilhrt und
durch umschlungene Nath das Qefäss auf ihr comprimirt ; der Effect war anfangs
zufriedenstellend, später aber konnte man durch das Stethoskop ein Geräusch in
der Occipitalis wahrnehmen. Die Hoffnung, dass die consecutive Entzündung noch
weitere Hülfe bringen würde, wurde wirklich realisirt, indem Fat. bald nicht mehr
das Sausen resp. Pulsiren wahrnahm. Dasselbe war nach V2 ^^^ <^uch objectiv ge-
schwunden und nach Jahresfrist noch nicht wiedergekehrt. Pill (Stettin).
M. Schmidt. Mittheilungen aus der chirurgiBcIien Casuistik.
(Arch. f. klinische Chiruigie 1875. Bd. XVIII. Hft. 1. p. 186—194.)
1. Eztraction eines Fremdkörpers aus der Trachea von oben her.
Ein 27jähriger Mann hatte 19 Monate vor der Operation ein Knochenstück
verschluckt, welches, wie die tracheoskopische Untersuchung ergab, unter der Mitte
der Luftröhre in sagittaler Richtung sass. Nach wiederholten misslungenen Ver-
suchen gelang die Entfernung mittelst einer gewöhnlichen Kehlkopfpolypenzange,
welche durch die Glottis eingeführt wurde und den Fremdkörper in 2 Stücken bis
zu den Stimmbändern emporhob. Von hier aus wurde er mit Leichtigkeit aus-
gehustet. —
Sehr leicht war die Extraction eines 114 Mm. langen Fischbeinst&bchens, welches
sich ein Mädchen durch eine unterhalb des Ringknorpels belegene Trachealfistel
behufs Entfernung festsitzenden Schleims eingeführt hatte. Dasselbe erschien bei
jedem Hustenstosse in der Tjrachealöffnung und konnte hier leicht gefasst werden.
2. Totalexstirpation desKehlkopfs mit ungünstigem Ausgange.
Bei einem 56Jährigen Viehhändler entwickelte sich aus einem Geschwür des
rechten Stimmbandes ein fibröser Krebs, der nach 2^/2 Jahren bereits das ganze
Kehlkopfsinnere ausfüllte und trotz energischer Aetzungen weiter um sich griff.
Seine Ausrottung mit dem Messer gestaltete sich ungewöhnlich schwierig durch
eine erhebliche Blutung, durch die Unmöglichkeit, den Kehlkopf mit Zangen nach
unten zu ziehen und durch die Schwierigkeit, das Knorpelgewebe von nachbar-
lichem hartem Bindegewebe zu unterscheiden, welches sich in Folge einer früheren
Tracheotomie um den Larynx und die oberen Tracheairinge entwickelt hatte. Tod
am 5. Tage. Keine Section. WiUu Koch (Berlin).
Th. Sidlo. Ueber einen seltenen Fall von Glottis-Stenose.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 26, 27 u. 29.)
Ein Infanterist hatte vor Jahren rechterseits Bruststechen gehabt, spielte
später ein Blasinstrument und erkrankte zuletzt an Husten, Heiserkeit und Schling-
beschwerden. Bissen und selbst Flüssigkeiten seien ihm im Halse stecken geblie-
ben, hätten Erstickungsanfälle hervorgerufen, bis sie durch Husten und Brechen
wieder entfernt worden. Schmerz sei nie dabei vorgekommen. Die DyspnoS stei-
gerte sich, Cyanose trat ein und alle Symptome einer Larynxstenose. Zugleich war
recente Spitzeninfiltration vorhanden. Bei Inspirationen zeigte sich ein motus perversus
der Stimmbänder, indem diese sich mehr oder minder beim Inspiriren schlössen. Der
Grund lag in Lähmung der Glottiserweiterer und Wirkung der Antagonisten. Nachdem
andere Behandlung, Electricität etc. vergeblich versucht worden , nahm S. Kathete-
/
vrrr
Centralblatt für Chirurgie. No. 35. 559
zisationen -Tor, und es gelang, die rima glottidis zu erweitern und alle Erstickungs-
gefabr zu beseitigen, in der Pat. bis dahin beständig geschwebt hatte.
Allein Pat. ging dennoch kurze Zeit darauf an Pneumonie zu Grunde. Die
Section erwies eine Narbe an der hinteren Wand des Larynx, wo durch starke
Constriction des Narbengewebes die Aryknorpel bis zur Juztapposition an einander
gerückt waren. — Parallelfälle (von Gerhardt, Riegel u. A.) werden angeführt.
T. Mogengeü (Bonn).
Biokman. Traumatische Strictur dei Speiseröhre beim Kinde.
(The Lancet 1875. V6L I. p. 583.)
Während neuere englische Schriftsteller vom Gebrauche der Schlundsonden
zur allmäligen Dilatation bei Stricturen der Speiseröhre abrathen, fand R. diese
Behandlung bei einem jungen Kinde so erfolgreich, dass er sich zur Publication
des Falles gedrängt fühlt.
Ein vierjähriges Mädchen hatte Essigsäure genossen, es folgte heftige Hals-
entzündung, später erschwertes Schlingen; jetzt konnten feste Speisen nicht mehr
geschluckt werden. In der Narkose zeigte sich eine , im oberen Drittel des Oeso-
phagus belegene Strictur, die für eine elastische Schlundsonde durchgängig war,
welche nur die Stärke eines englischen Katheters No. 6 hatte. Nachdem man an-
fangs jeden 2. resp. 3. Tag in der Narkose bougirte, wurde spä^jsr alle Wochen
einmal eine Schlundsonde eingeführt ; nach 5 Monaten konnte schon No. 19 durch-
geführt werden. Jetzt ist das früher elende, blasse, abgemagerte Kind wohl, frisch,
gut genährt und kann bequem feste Speisen gemessen. Pil2 (Stettin).
Borland. 2 Fälle von Stemum-Fractur.
(The Boston med. and surg. Journal 1875. p. 492.)
Bei der Seltenheit dieser PäUe — nach Malgaigne wurde im Pariser H6tel-
Dieu innerhalb 11 Jahren nur 1 Fall, im Lond, Middlesez Hospital unter
1901 F^actur dieselbe nur 2 mal beobachtet — giebt B. 2 eigene Beobachtungen.
Die erstere reiht sich den sehr seltenen Fällen, von directer Muskelwirkung im
Oebäracte an, von welchem Chaussier 2, Compte und Martin, Lucchetti
und Porta je eine gesehen haben; die letztere entstand angeblich durch Contre-coup.
1. Eine unverheirathete , 19 Jahr alte Person vor 6 Tagen normal entbunden,
zeigte am 5. Tage ihres Spitalaufenthaltes eine deutliche Sternum-Fractur im unte-
ren Theile desselben; die darüber liegende Haut starb ab, es folgt schlechte Ei-
terung und am 12. Tage trat der Tod ein.
2. Zwei Brüder arbeiteten auf einem 40' hohen Gerüst, dasselbe gab nach, sie
stürzten hinab, beide lagen besinnungslos da: der eine in vollen Krämpfen ohne
weitere Verletzungen, am 4. Tage war Pat. wieder wohl auf; der andere lag mit
vorgebeugtem Körper und zeigte eine Vorwölbung des Nackens ; es war das Brust-
bein quer an der Verbindungsstelle des Körpers und HandgriJSes gebrochen und
das obere Ende hinter das untere dislocirt. Eine andere Verletzung war am ganzen
Körper nicht aufzufinden, deshalb glaubt B. die Ursache der Fractur in der Wir-
kung des Contre-coup zu sehen; Pat. genas. FiLc (Stettin).
Wacques. Absehe lombaire d^termin^ par un corps ^tranger (ealcul ?)
(Archives mH. beiges 1875. Hft. 5.)
Bei der Eröffnung eines unter der lebhaftesten Schmerzempfindung sich
langsam entwickelnden Abscesses in der rechten Lumbaigegend, fand man nach
Abfluss des Eiters in der Tiefe eine runde, bohnengrosse Goncretion von phosphor-
saurem und kohlensaurem Kalk mit Spuren von Cholestearin, Eisen und organischer
Substanz , welche , zwar unbekannten Ursprungs , als der Ausgangspunct der Ab-
scedirung angesprochen wird. Am» lilller (Berlin).
B. F. Weir. Lumbo-Colotomy. Stricture of colon.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. Hft. 4. p. 414.)
Bei einer Frau, die an einer oberhalb der Mitte des colon transversum gele-
genen Strictur litt, wurde die Lumbo-Colotomie gemacht. Tod einen Tag später.
560 Centralblatt fflr Chirurgie. No. 35.
Bei einer einige Zeit (wann ?) vor der Operation vorgenommenen, manuellen Rec-
talexploration war es möglich, über die flexura sigmoidea aufwärts zu gehen und
mit den Fingerspitzen die rechte Niere zu berühren. Bei der Autopsie fand sich
zwar keine Verwundung des Mastdarms, aber eine bis zum Anfang der flexura
sigmoidea reichende Ecchymose. Das Peritoneum an der Uebergangsstelle vom
Uterus zur vorderen Mastdarmwand war oberflächlich eingerissen.
Madelnng (Bonn).
F. N. Otis. Gase of longstanding grave reflex disturbance asso-
ciated with urethral constrictions etc.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI p. 152.)
Bei einem 50jährigen, an hypertrophischer Phimose leidenden Arzt entwickelte
sich wahrscheinlich nach Follicularulceration der Harnröhrenschleimhaut Urininfil-
tration und Fistelbildung im Hodensack. Nach 5^2 jährigem Bestehen derselben
Bildung zahlreicher Abscesse am Scrotum und Kücken des penis mit Durchbruch
des Eiters nach aussen. Entzündliche Paraphimosis. Bildung von Urethralfisteln.
Heftige, hauptsächlich Nachts auftretende Schmerzen, die vom penis nach dem
Oberschenkel und selbst bis in die Fersen ausstrahlen. Dem aufs Aeusserste ge-
schwächten Pat. wurden mehrfache verengerte Stellen der Harnröhre gespalten und
erweitert. Heilung der Abscesse. Sofortiger Nachlass der Schmerzen.
Madelung (Bonn).
Bumham. Entfernung des Steissbeins wegen Coccygodynie. Heilung.
(The Boston med. and surg. Journal 1875. p. 613.)
Die jetzt 44 Jahr alte unverheirathete Nätherin fiel angeblich im 15. Lebens-
jahre heftig auf das Kreuz- und Steissbein; der anfangs starke Schmerz mässigte
sich in den letzten Wochen ohne ganz zu erlöschen. Nach etwa 4 Jahren traten
die heftigsten neuralgischen Schmerzen in den Beckenorganen , besonders im
Mastdarm und After auf; die Defäcation und das Sitzen verursachten viele Schmer-
zen. Da innerliche Medication nicht zum Ziele geführt, die Untersuchung hoch-
gradigste Empfindlichkeit des os coccygis, dessen Wirbel einen rechten Win-
kel bildeten, nachwies, so wurde dasselbe ohne besondere Blutung mit Messer und
Xnochenscheere entfernt. Nach 6 Wochen Heilung; die Schmerzen sind gänzlich
geschwunden, der After-Schliessmuskel ist normal thätlg. Das Allgemeinbefinden
hat sich wesentlich gehoben. Pilz (Stettin).
Mensel* Eine Sniegelenksresection nach Schuss Verletzung.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 20.)
Ein Bevolverschuss fast au bout portant abgegeben, war Vi Zoll unter der
Patella mitten durch das Lig. pat. in die Tibia eingedrungen. Kugel sass fest
eingekeilt. Gelenk frei beweglich, nicht schmerzhaft, ohne Schwellung. Im
Gyps verband nach 6 Tagen Schwellung, am 8. Tage Temp. 40^ und Eiterung im
Schusskanal. Am folgenden Tage Resection der oberen Tibia- und unteren Femur-
partie ; Patella und Perone unverletzt gelassen. Mit der Kugel Hosenzeug ent-
fernt. In der achten Woche solide Vereinigung zwischen Ober- und Unterschen-
kel. Resectionsschnitt quer durch Lig. pat. Verkürzung 5 Ctm. Parallelfall von
V. Nussbaum 1870 resecirt und von M. nachbehandelt, wird erwähnt, wobei
6 Ctm. Verkürzung. — T. Mogengeil (Bonn).
Berichtigung:
In Ko. 32, p. 503, Zeile 12 ?. a. lies: Haller statt Koller.
Originalmitthellungen, Monographieep und Separatabdrücke wolle
man an Dr, H. TlllmaivM^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
Breitkopf und Härielj einsenden.
Dmek und Verlag von Breitkopf und Hirtel in Leiptig.
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Gentralblatt
fllr
CHIRURGIE
herausgegeben
von
Dr. LLesser, Dr. I. ScMe, Dr. E. TUlmiiis
in Berlin.
in Halle a. 3.
in Leipsig.
V^-^-^W V--
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N^36.
Sonnabend, den 4. September.
1875.
Inhalt: Morfon» Amputationsatatistlk. — Hannover, Endresultate von Gelenkresectio-
neii. — Schmidy Form und Mechanik des Hüftgelenks. — Forlaninl, Foulls, Structur
des Tuberkels. — Llebman, Krebs des Gebärmntterhalses. — Foulls, Structur des
Eierstocks. — Rfamer, Argyrla. — Franzolinli Carbolinjectionen. — v. Schroff,
Chininwirkungen. — Mora, Seltene Sectionsbefunde. — Heyfelder, Transfusionen. —
GarvenS, Iridotomie. — Simmont, Schiene für Fracturen der unteren Extremitäten. —
Vogt, Fussgeienkresectionen.
Hertz, Ghloroxaläthylen. — CalattrI, Behandlung des Trismus und Opisthotonns. —
Weber, Pyämie. — HQter, Intraarticuläre Carbolinjectionen. — Sonnenburg, Eplgnathus.
— Verneull, Gongenitaler Tumor am Boden der Mundhöhle. — Guillaumet, Congenitale
Cyste in der Nackengegend. — Workman, Osteochondrom des Oberkiefers. — BIdder,
Vom Narbenepithel recidivlrender Hautkrebs. Diffuses, periostales Sarcom der Schädel-
basis. — Maberly, Leberabscess. — Mö, Drei Fälle von Hydronephrose. — Hoath, 13 Litho-
tomieen. — Willard, Urethrotomia ext. — Browne, Ligatur der Carotis communis. —
Goodall, Doppelseitiges Aneurysma der Art. poplit. — HIrtz, Einrenkung von Daumen-
iDxationen. — Eidam, Symphysenspaltung während der Geburt. — 8ts. Marie, Arthritis
sicca. — Hutchinson, Sectionsbefunde. — van Buren, Watteverband.
'■^
T. Morton. Statistical Account of the cases of amputation
performed at the Pennsylvania Hospital from Jan. 1. 1870
to Jan. 1. 1875; with a gQ^eral summary of the Mortality
oUowing this Operation in that Institution for forty-five years.
(The American Journal of med. sciences 1875. April.)
Von den 152 Amputationen^ welche von 1870 — 1874 incl. an
151 Pat. vorgenommen wurden, endeten 41 tödtlich (21 ß^). 116,
darunter 1 Doppelamputation ^ waren primär (innerhalb der ersten
24 Stunden ausgeführt): 81 heilten, 34 starben (29^); 5 waren se-
cundär: 3 heilten, 2 starben (40)|^j; 29 betrafen chron. Fälle: 23
heilten, 6 endeten tödtlich (26 ^j; 2 primär Amputirte wurden von
den Angehörigen nach der Operation mitgenommen.
Die Vertheilung der Operationen und Todesfälle auf die einzelnen
Gliederabschnitte übergehen wir, da sie in der nun folgenden Ge-
36
562 Centralblatt für Chirurgie. No. 36.
sammtstatistik der letzten 45 Jahre wiederkehrt. Zu dieser Zusam-
menstelhmg benutzte Verf. sowohl die im Americ. Journal veröffent-
lichten Statistiken von G. Norris und dessen Angaben in den
Pennsylvania Hospital Reports , als auch die eigene im Octoberheft
dieses Journals von 1870 mitgetheilte Statistik der Jahre 1860 — 1870.
Sie umfasst 902 Amputationen an 896 Patienten. Hiervon
wurden 663 geheilt, 230 starben (25^), 3 verUessen nach der Ope-
ration das Hospital. 618 Amput. waren primär: 460 heilten, 155
starben (25^); 95 waren secundär: 55 heilten, 40 starben (42^);
183 betrafen chronische Fälle: 148 heilten, 35 starben (19^). Von
den 230 Todesfallen trafen 59 innerhalb der ersten 5 Tage, 32 zwischen
dem 5. und 10., 139 nach dem 10. Tage ein. Die Todesfdle vertheilen
sich sehr verschieden auf die einzelnen Monate, so zwar, dass auf
Januar 11, Februar 15, März 15, April 16, Mai 27, Juni 25, Juli 29,
Angust 22, September 19, October 21, November 11 und auf De-
cember 19 fallen.
Verf. glaubt, es hänge dies mit der Ventilation der Krankensäle
zusammen, welche in den Wintermonaten durch die Heizung und
künstliche Luftzu- und Abfuhr weit ausgiebiger sei, als im Frühjahr,
Sommer und Herbst, wo man sich nur mit dem Oeffhen der Fenster
begnüge. Eine von E. Richardson ausgeführte Zusammenstellung
der im Hospital von 1850 — 1874 incl. überhaupt vorgekommenen
Todesfälle (2015 an der Zahl) habe zudem ergeben, dass Februar und
November die niedrigste Nummer der Sterbefalle tragen, dass die
Sterblichkeit von Mai bis September stets steige, dass Juli und August
immer die doppelte Zahl aufzuweisen haben, als Februar. [Ohne die
Richtigkeit dieser Schlussfolgerung bezweifeln zu wollen, scheint mir
für eine derartige monatliche Mortalitätsstatistik die fCenntniss des
monatlichen Krankenzugangs von der grössten Wichtigkeit. Ref.]
Von Interesse ist die Vertheilung der Operationen und Todesfälle
auf die einzelnen Gliederahschnitte.
6 Exarticulationen der Hüfte.
(5 bei chronischen Leiden): 2 geheilt, 3 gestorben; auch die eine
primäre, gestorben.
12 1 Oberschenkelamputationen.
49 primäre: 24 geheilt, 25 gestorben (51 j|^); 18 secundäre: 11
geheilt, 7 gestorben (39 )i^); 54 bei chronischen Leiden: 41 geheilt,
13 gestorben (24^).
33 Kniegelenkamputationen.
(Ob Exarticulationen oder Amputationen im Knie ist nicht zu er-
sehen. Ref.) 24 primäre: 16 geheilt, 8 gestorben (33^); 2 secun-
däre: 1 geheilt, 1 gestorben (50^); 7 chronische: 6 geheilt, 1 ge-
storben (17^).
293 IJnterschenkelamputationen.
190 primäre: 118 geheilt, 72 gestorben (38^); 34 secundäre: 15
geheilt, 19 gestorben (56^); 67 chronische: 53 geheilt, 14 gestorben
(21 ^); 2 primäre verliessen nach der Operation das Hospital.
Centralblatt für Chirurgie. No. 36. * 563
65 Fussamputationen.
47 primäre: 37 geheilt, 10 gestorben (21 )|^) ; 5 secundäre: 4 geheilt^
l gestorben (20)^); 13 chronische: 12 geheilt^ 1 gestorben (8^).
25 Schulterexarticulationen.
19 primäre: 12 geheilt^ 7 gestorben (^1 ßi); 1 secundäre^ geheilt;
5 chronische, geheilt.
138 Oberarmamputationen.
107 primäre: 87 geheilt, 20 gestorben (19^) — 1 primäre verliess
nach der Operation das Hospital; 19 secundäre: 12 geheilt, 7 ge-
storben (37^); 11 chronische: 9 geheilt, 2 gestorben (18^).
160 Vorderarmamputationen.
127 primäre: 115 geheilt, 12 gestorben (9^); 15 secundäre: 10
geheilt, 5 gestorben (33^); 18 chronische: 17 geheilt, 1 gestor-
ben (6^).
3 Ellenbogenexarticulationen: 3 primäre, geheilt.
52 Handgelenk- und Handamputationen.
48 primäre, geheilt; 1 secundäre, gebeut; 3 chronische, geheilt.
Von 881 Patienten wird das Alter notirt. Unter diesen standen
288 in den Jahren unter 20. Von ihnen wurden 246 geheilt, 42
starben (Ibßi). 259 Patienten standen zwischen 20 und 30 Jahren:
193 geheilt, 66 gestorben (25 ^); 176 Pat. standen zwischen 30 und 40
Jahren: 124 geheilt, 52 gestorben (30^); 105 Pat. standen zwischen
40 und 50 Jahren: 71 geheilt, 34 gestorben (32^); und 53 Pat.
waren älter als 50 Jahre: 28 geheilt, 25 gestorben (47^). —
Lossen (Heidelberg).
A. Hannover. Fernere Mittheilungen über das Endresultat
der Resectionen im Kriege 1864 in der dänischen Armee.
(Stricker' B med. Jahrbücher 1875 p. 189.)
Eingangs der Abhandlung weist H. den auf dem IQ. Chirurgencon-
gross zu Berlin (1874) erhobenen Vorwurf zurück^ als hätten politische
Motive bei den dänischen Aerzten in Nachbehandlung und Beurtheilung
des Endresultates der Resectionen eine Rolle gespielt. Ebenso wenig
will H. die seinem absprechenden Urtheüe über Gelenkresectionen von
von Langenbeck beigelegte Allgemeinheit anerkennen. Die von
V. L. aus dem Invalidengesetze abgeleitete Fehlerquelle einer un-
günstigen Abfassung des Befundes durch die deutschen Militärärzte
im Interesse einer grösseren Unterstützung des Invaliden fällt nach
H. Angaben für die dänischen Berichte zum grössten Theile fort.
Die Nachbehandlung^ welche erwartet werden kann, muss vor der
Resection in gleicher Weise berücksichtigt werden, wie etwa die in-
dividuellen Verhältnisse für hohe oder tiefe Unterschenkelamputation
Berücksichtigung verlangen. Eine Art progressiver Muskelatrophie
als Ursache eines ungünstigen Ausfalles hält JEI. gegenüber von Lan-
genbeck aufrecht.
36»
564
Centxalblatt für Chirurgie. No. 36.
Berichte über 15 Schulterresectionen , 16 Ellenbogenresectionen,
1 Knieresection ^ 3 Fussgelenkresectionen^ die bis in die neueste
Zeit verfolgt sind, folgen. Erwähnenswerth ist ein Sectionsbefund
nach Resection des rechten Schultergelenks, mit Bildung eines Ge-
lenkes zwischen dem Humerusende und einem, in die Sehne des
Subscapularis eingeschalteten Knochenstückchen. Ranke (Halle).
P. Schmid. Ueber Form und Mechanik des Hüftgelenkes.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Die dem Verf. von Aeby empfohlene Methode der Untersuchung
bestand darin, dass in einer Wachstafel ein dem zu messenden Umriss
beiläufig entsprechender Ausschnitt gemacht wurde, dessen erweichter
Rand dann durch Andrücken an den Schenkelkopf in der gewählten
Ebene einen genauen Abdruck der betreffenden Begrenzungslinie
darstellte; letzterer konnte nach dem Erhärten des Wachses leicht
auf Papier übertragen werden. In einem einzigen Falle (unter 21)
war der Kopf ein reiner Kugelabschnitt« in allen andern Fällen ein
ElUpsoid, welches entsteht, wenn ein Kreissegment sich um eine (hier
naliezu horizontal gestellte] Achse dreht, welche nicht durch das
Centrum des zu dem Segmente gehörigen Kreises fallt; und zwar hat
der Rotationskreis bei Erwachsenen einen kürzeren, bei Kindern einen
längeren Radius, als das rotirende Kreissegment ; die kindliche Form
des Femurkopfes muss somit durch die reine Kugelform in die Form
des erwachsenen übergehen, und, wie es scheint, ziemlich frühzeitig,
wenigstens stammte der eine kugelförmige Schenkelkopf, den S. fand,
von einem dreijährigen Kinde. Diese Formveränderung ist wahr-
scheinlich durch die Function bedingt, denn die Rotationsachse des
EUipsoids fällt mit der Drehungsachse des Kopfes bei Beugung und
Streckung zusammen. Die Details der Arbeit, namentlich die ge-
fundenen Maasse können hier nicht wiedergegeben werden. Die
Messungen der Hüftpfanne ergaben, dass ihre Oberfläche beim Er-
wachsenen der des Gelenkkopfes fast vollständig congruent ist, der
Unterschied ist so gering, dass er durch die Elasticität ausgeglichen
werden kann ; wenn die Rotationsachse des Kopfes und der Pfanne
zusammenfallen (also in der Ruhelage, bei der Beugimg und Strek-
kung), findet eine vollkommene Berührung der Oberflächen von Kopf
und Pfanne statt. Eine andere Reihe von Versuchen erwies neuerdings,
dass der Luftdruck allein hinreicht, den Gelenkkopf in der Pfanne
zu erhalten, um die ganze Last der Extremität zu tragen. Li
S.'s Versuchen betrug das Maximum der so getragenen Belastung
18 Kilogr. «ersimy (Wien).
C. Forlanini. Sulla struttura del tubercolo (Vorläufige
Mittheilung).
(Annali univ. di Medic. e Chir. 1875 Gennajo.)
F., Prosector Assistent am Ospitale maggioxe in Mailand, ist
durch viele Untersuchungen über die Structur und Entwicklung des
I I JPIIU"! fx't
Centralblatt für Chirurgie. No. 36. 565
Tuberkels zu folgenden Resultaten gekommen : Jeder Tuberkel besteht
ursprünglich aus einem granulirten Protoplasmaklumpen mit zahl-
reichen Kernen. Dieser Klumpen wächst durch Zunahme des Pro-
toplasma's und durch Vermehrung der Kerne. Gleichzeitig geht an
der Peripherie der Masse, als regressive Metamorphose, eine reichliche
Alveolenbildung vor sich. Das Schlussresultat ist, dass man an der
Peripherie des Tuberkels ein protoplasmatisches Beticulum, in der
Mitte einen von Alveolenbildung frei gebliebenen Protoplasmaklumpen
mit Kernen, die sogen. Kiesenzelle vorfindet.
In manchen Fällen ist die Alveolenbildung spärlich, die Kem-
wucherung reichUch (Lungen) und man findet dann ein zartes Reti-
culum oder gar keines ; in andern Fällen hat man schöne grosse Al-
veolen d. i. ein gut ausgebildetes Netzwerk mit spärlichen Kernen
(Lymphadenom Wagner) und in manchen Fällen soll das Protoplasma
des Keticulum zu grossen epithelioiden Zellen auswachsen.
Was den Ort der Entstehung der primären Protoplasmaklumpen
betrifft, so glaubt F., dass sie in einigen Fällen im Lumen von
Blutgefässen (Schüppel), in andern Fällen in Lymphgefässen ihre
Entstehung haben könnten. Verf. hofft in Bälde gründlicheren Auf-
schluBs hierüber geben zu können. Menzel (Triest).
Foulis. A study of tubercle.
(The Glasgow Medical Journal 1875. July.)
Verf. studirte im Laborat. von Prof. Stricker in Wien die
Tuberkelfrage experimentell, indem er bei Meerschweinchen und
Kaninchen theils in die Bauchhöhle, theUs in die Lungen Injectionen
von mit Wasser zerriebenen tuberkulösen Lungen, von Mischungen
fein pulverisirten Korkes mit Wasser, von serös-blutiger Flüssigkeit
normaler Thiere und von Zinnober-Mischung machte, und gelangte zu
dem Resultate, dass, wenn man die Periotonealoberfläche mit solchen
Flüssigkeiten in Contact bringt, welche Zellen, Detritus, Zinnober
etc. enthalten, innerhalb 3 Wochen eine diffuse Eruption weisser
Knötchen entsteht, welche nicht von Miliartuberkeln zu unterschei-
den wären. Diese Knötchen bestehen hauptsächlich aus rapid vom
Peritoneal-Endothel sich entwickelnden Zellen, sind Entzündungs-
producte und unterscheiden sich von der gewöhnlichen entzündlichen
Hyperplasie nur durch den Mangel an Blutgefässen. Sie sind zu-
sammengesetzt aus Zellen verschiedenster Grösse nnd gelingt es in
ihnen die den Beiz ausübenden Partikelchen der Injectionsflüssigkeit,
falls es ihre Natur gestattet (Zinnober) eingeschlossen zu finden.
Dagegen erstreckt sich die Eruption dieser Knötchen nur so weit,
als ein Contact mit den reizenden Partikelchen möglicherweise statt-
gefunden haben kann. Besondere Elemente in den Tuberkelknötchen
giebt es nicht, sie bestehen aus Zellen jeglicher Art. In Fällen, wo
die Tuberkulose allgemein wird; handelt es sich (falls sie nicht in
i
566 Centtalblatt tat Chirurgie. No. 36.
der BuccessiveD Veränderung der Z eilen thatigkeit der Organe Hegt)
um eine metaBtatische Entzündung. — Aus der nach Zinnober- Inj ection
reeultirenden Tuberkulose ergiebt sich die Nichtspecifität der Tuber-
kel. — Es ist deihgemäss der Tuberkel das Resultat einer localen
Entzündung, welche in gewissen Zellen [Endothel), deren Vitalität
gestört ist, angefacht wird. Der Grund dieser gestörten Vitalität liegt
in einer Reizung der Zellen durch solide Fartikelchen oder durch die
Zellen heterogener Flüssigkeiten. Die Tuberkel zer&llen meistens aus
Mangel an Vascularisation , obgleich sie auch, wie nicht selten ge-
schieht, durch Absorption verechwinden können.. Dass der »Zerfall« in
der Natur der Tuberkel liege, muss entschieden geläugnet werden.
Mu-Ckmld (Berlin).
C Liebman. Cenni clinici intorno ai primi stadf del cantro
del collo uterino.
(Oioraale Veneto 1875. Aprile.j
Verf. weist nach, wie der Krebs viel öfter als angenommen wird,
im Inneren des Cervicalkanals (am innem Muttermund) seine Ent-
stehung nehme und von da erst später auf den äussern Muttermund
und die Vaginalportion sich ausbreite. — Es folgen 4 Krankenge-
schichten von Fällen, in welchen L. diese Entstehungsart beobachten
konnte. Der 3. Fall ist besonders interessant durch die Schwierigkeit,
die er der Diagnose darbot. Weder durch Betastung noch durch
blosse Besichtigung der Vaginalportion und des äusseren Muttermundes
wäre es in diesem Falle möglich gewesen die Diagnose auf Krebs zu
stellen.
Verdächtig war das übelriechende Secret, femer der Umstand,
dass die Sonde über dem äussern Muttermunde, entsprechend dem
Cervicalkanal eine geräumige Höhle constatirte ; Sicherheit rer-
schafi^e erst die Untersuchung eines mit dem I^öffel aus dem Cervi-
calkanal herausbeförderten Stückchens. Heniel (Triest).
Foulis. Die Stnictur des Eierstocks in Bezug auf gewisse
Erkrankungen desselben.
(British med. Joum. 1876. Vol. I. p. 841.)
Während nach Waldeyer ein genetischer Unterschied zwischen
primordialem Ei und FollicuWepitbel nicht besteht, lässtF., gestützt
auf eigene, mehijährige Untersuchungen, das Epithel der Follikel vom
Bindegewebe des Ovarialstroma abstammen (?) , Wie F. weiterhin die
Bildung der Graafschen Follikel aus den Fflüger'schen Schläuchen
in der von Waldeyer angegebenen Weise von der Hand weist,
seine eigenen Ansichten unter Beibringung histologischer Details dar-
legt, darüber veigl. das Original. — Was nun die pathologische Cy-
stenbildung anlangt, so b^inne diese im GraaFschen Follikel durch
Centralblatt für Chirurgie. No. 36. 567
excessive Secretion der Epithelien. Dieser »Ueberausdehnung« folge
dann eine verbreitete Cyetenbildung. Die Sarcome bilden sich nach
den Untersuchungen des Verf., durch excessive Proliferation sowohl
der die Cyste auskleidenden Epithellagen, als auch der Bindegewebs-
körper; und gerade die Proliferation der Epithelien könne diagnos-
tisch zum Nachweise eines bestehenden Ovarialsarcoms benutzt wer-
den, wenn solche in der durch Punction entleerten Flüssigkeit sich
finden (?). Als Bel^ führt er ausführlich 2 Fälle an in welchen
aus obigem Befunde (es handelte sich um spontane -Berstung von
Ovarialcysten,) die Diagnose intra vitam gestellt und durch die Section
bestätigt werden konnte (?). Pü» (Stettin).
B. Biemer. Ein Fall von Argyria.
(Arch. d. Heilkunde 1875. 16. Jahrgang. Hft. 4. p. 296—326.)
Ein 43jähriger Mann erhielt im Laufe von 2 Jahren wegen Tabes
34^032 Grm. Argent. nitric. in Pillenform; es hatte sich eine Grau-
färbung fast der ganzen Hautoberfläche, besonders im Gesicht einge-
stellt. Er starb schnell an einem Lungenleiden. Fast in allen in-
neren Organen fand sich stellenweise Silberfarbung ^ wo sich Binde-
gewebe zu stärkeren Lagen oder Membranen formirt. Besonders stark
war die Silberablagerung in der Haut^ und diese unterzog Verf. einer
genauen Untersuchung. In dem Bindegewebe des Corium, besonders
in der Umgebung der kleinen Blutgefässe und in den Scheiden der
Schweissdrüsenknäuel fand sich das Silber in zahlreichen Körnchen
abgelagert; die Epidermiszellen in allen Schichten waren frei^ ebenso
die Lymphgefasse ; es lag nirgends in oder zwischen Zellen^ auch nicht
zwischen den Endothelzellen der Blutgefässe^ sondern in deren Adventitia ;
wie überhaupt das Silber nur dem Bindegewebe und den dem Binde-
gewebe angehörigen homogenen Membranen ein- oder angelagert war.
Verf. nimmt an, dass das Silber in rein mechanischer Weise als reducirtes
Metall von den Blutgefässen abgelagert wird, besonders in den Se-
cretionsgebieten der Haut, aber die Epidermisschicht nicht passiren
kann und daher unterhalb derselben liegen bleibt. Auf die Begrün-
dung dieser Ansichten, sowie auf die Beschreibung der detaillirten
Untersuchungen der verschiedensten Hautpartieen kann hier nicht
näher eingegangen werden. A« Bidder (Mannheim).
F. Franzolini. Contributo alla storia delle applicazioni delP
acido fenico in terapie chirurgica.
(Giornale Veneto 1 875. Aprile.)
In einem Falle von Synovitis hyperplastica granulosa wurden von
F. nach Versuch der verschiedenartigsten Mittel (Gewichtsextension
etc.) Injectionen von Carbolsäure vorgenommen. Trotz der hohen
Concentration (33 — 50^), in der die Einspritzungen lauwarm in die
Gelenkhöhle vorgenommen wurden, zeigte sich nie die geringste
568 Centralbhtt fflr Chtrargie. No. 36.
Keaction; im Gegeotbeil, es fand nach jedesmaliger Einepiitzung
(12 — 25 Ctgrm. Sauie) eine vollkommene Remission der Schmelzen
statt, welche 1 — 2 Tage anhielt und dem Kranken hei weitem an-
genehmer war, als die durch Morphin inj ectionen bewirkte Schmerz-
linderang. Gleichzeitig wurde die locale Affection von Tag zu Tag
besser. Der Kranke erlag jedoch einer ausgebreiteten Lungen- und
Darmtuberkulose. Heniel fTriest).
C. T. Schroff. Beitrag zur Kenntniss der Chininwirkung.
(Stiicker's med. Jahrbflcher 1875. p. IT5.J
Die Herabsetzung der Beflexerregbarkeit durch Chiningaben, wie
sie von Fröschen bekannt, und entweder als Erregung der Reflex-
hemmungscentren (Chap^ron) oder als secundäre Störung in Folge
der Herzlähmung (Meihuizen, Heubach) gedeutet ist, untersuchte
S. an Kaninchen und Hunden, denen er das Gehirn in der Höhe
des vorderen Randes des Pons durchtrennte, nachdem durch
Chininvergiftung die ßeäexerregbarkeit derselben entschieden her-
abgesetzt war. Da nun die ßeflexenegbarkeit nach Abtrennung des
GroBsbims nicht zunahm, kann diese Chininwirkung nicht auf der
Erregung der Hemmungscentren beruhen, und hat somit die Cha-
p^ron'sche Theorie wenigstens für Warmblüter keine Geltung.
In Betreff der Frage, ob die Herabsetzung eine primäre oder se-
cundäre in Folge mangelhafter Versorgung der Centmlorgane mit
Blut sei, weist S. darauf hin, dass zu der Zeit, wo die Reäexerreg-
barkeit der Vasomotoren bis auf ein Minimum herabgesetzt ist, die
Herzthätigkeit zwar weniger &equent ist, aber in ihrer Energie keine
Verminderung erkennen lässt. Bänke (Halle).
A. Hora. II Laboratorio e Gabinetto patologico dello Spedale
maggiore di Bergamo.
(Annali univeriaU di medicina e chinigia 1615. Oeuuajo.)
Unter diesem Titel werden zunächst die wichtigsten anatomischen
Präparate des Spitals zu Bergamo mit klinischen Erörterungen ver-
öffentlicht.
I. Der erste Fall betrifft eine cystische Degeneration einer Niere
bei einem Manne, welcher gleichzeitig an Paraplegie litt. Der Lum-
bartheil des Rückenmarks fand sich in gelber Erweichung. Es wird
nun die Frage erörtert, ob, wie die klinische Anamnese es annehmen
liesse, die Myelitis secundär zu der Nierendegeneiation hinzugetreten
sei ; mit andern Worten, oh die Myelitis durch eine progressive Ent-
zündung der Reikalnerven angefacht worden sei. Ohne in diesem
Falle eine sichere Entscheidung treffen zu können, liegen doch Fälle
(von Leyden und Kussmaul) vor, wo zweifellos die Rückenmarks-
erweichung von Leiden des Urogenitalsystems ausging.
II. Der zweite Fall gehört zu den Seltenheiten, Es handelt sich
Centralblatt fAr Chirurgie. No. 36. 569
um ein weiches Kieinspindelzellensarcom^ welches sich primär in den
Lungen entwickelte.
in. Im dritten Fall handelte es sich um ein Myom der Darm-
muscularis^ welches Invagination des Darmes und Ileus zur Folge
hatte. Es stiess sich eine 42 Ctm. lange Darmschlinge (invaginirt)
mit dem Myom gangränös per anum ab und der Fall endete mit
völliger Genesimg.
IV. Im Fall IV fand sich bei einem an Pellagra-Marasmus ver-
storbenen Individuum ein kirschgrosses Elfenbein-Osteom in der Dura
mater über dem sinus falciformis. Memel (Triest).
O. Heyfelder. Zur Lehre von der Transfusion.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
(Vergl. Centralbl. f. Chir. 1874. No. 35 u. 1875 No. 32.)
H. berichtet über sechs von ihm ausgeführte directe Transfu-
sionen von Arterie zu Vene ; 4 davon mit Lammblut^ und zwar 2 bei
vorgeschrittener Tuberkulose ^ wobei einmal länger dauernde ^ einmal
rasch vorübergehende Besserung erzielt wurde, die beiden anderen
nach abgelaufenem Typhus^ und zwar in dem einen Falle wegen
Anämie und EnteroheÜLOsis mit rasch vorübergehender Besserung^ in
dem anderen wegen Anämie und Drüseneiterungen mit darauf folgender
Heilung. Die beiden letzten Transfusionen wurden mit Menschenblut
gemacht 9 mittelst directer Ueberleitung des Blutes aus der Art. bra-
chialis in eine Armvene. In dem einen Falle (fortschreitende Lun-
gentuberkulose) wurde dauernde Besserung, in dem anderen (hoch-
gradige Anämie) Heilung erzielt.
Die Verletzung der Blutspender heilte beide Male rasch.
H. sucht bei jeder Transfusion von Arterie zu Vene den Blut-
strom durch rhythmische Compression des Ueberleitungsrohres zu ver-
langsamen , um allzustürmische Reaction zu verhüten. Nur in dem
letzten Falle trat Hämaturie ein^ in den übrigen nicht.
H. empfiehlt auch^ vor der Transfusion Darm und Blase des
Blutempfangers zu entleeren^ weil sonst während oder gleich nach der
Operation unwiderstehlicher Stuhl- und Harndrang auftrete.
Gersuny (Wien).
E. H. Garvens. Ueber die Iridotomie.
Manchen 1874. Th. Ackermann.
Nach einem längeren historischen Ueberblicke^ der mit Mau-
chart's Bericht über die von ihrem Erfinder Thomas Woolhouse
Diaeresis genannte Operation beginnt^ kommt der Verf. zu dem
eigentlichen Anlasse seiner Abhandlung , zu einer Monographie
V. Weck er 's über Iridotomie (Extrait des Annales d'OcuIistique. Sep-
tembre^ Octobre 1873). — v, Wecker unterscheidet die einfache und
•3-s«
570 Centralblatt für Chirurgie. No. 36.
doppelte Iridotomie ; die einfache wird bei vorhandener Linse als rein
optische^ nur zum Zwecke der Pupillenbildung ausgeführt bei Schicht-
staar^ centralen Homhautflecken und adhärirenden Leucomen, wenn die
Scheerenpincette noch durch die freigebliebene Pupillaröffiiung durch-
zuführen ist. Mit seinem couteau k arr^t macht er eine innen 4
Mm. grosse Homhautwunde, durch welche seine Scheerenpincette ein
und mit einer Branche unter den gegenüberliegenden Fupillarrand
geführt wird ; ein kräftiger Scheerenschlag stellt dann die gewünschte
Oeffhung her. Der Vortheil der Operation besteht in diesem Falle
erstens in der Kleinheit der künstlichen Pupille und zweitens darin^
dass die Homhautwunde nicht vor derselben liegt^ sie also nicht durch
etwaige Trübung beeinträchtigt. — Die doppelte Iridotomie wird bei nicht
mehr vorhandener Linse und Pupillarverschluss gemacht; das Messer
durchbohrt mit der Cornea auch die Iris, deren Wunde die eine Branche
der Scheerenpincette zur Ausführung eines einfachen oder doppelten
Schnittes aufzunehmen hat; es wird hierbei ausser der optischen auch
eine antiphlogistische Wirkung angestiebt. — Specieller werden vier
von Kothmund'operirte Fälle, die der Verf. beobachtet hat, unter
Abbildung der erzielten Pupillen mitgetheilt; eine Tabelle bringt
dann eine Uebersicht von sämmtlichen 15 Iridotomieen, theils ein-
fachen, theils doppelten, die Rothmund bisher ausgeführt hat; ob
die Kesultate gegenüber denen concurrirender Operationen sehr ver-
lockend sind, wagt Ref. nicht zu entscheiden. — Anhangsweise erwähnt
Verf. neue Indicationen , die v. Wecker in den Annales d'Oculi-
stique. Tome LXXI für die Iridotomie nachträglich aufgestellt hat.
V. Wecker räth, Nachstaare, die für die Nadeldiscision zu dick sind,
mittelst Iridotomie double zugleich mit dem sphincter iridis einzu-
schneiden; letzterer soll bei der Retraction den fast immer angewach-
senen Nachstaar in günstiger Weise dislociren. Weiter ersetzte
V. Wecker in einem Falle die Iridectomie vor einer Discision durch
die Iridotomie , ohne dass während der drei Monate dauernden lin-
senresorption das Auge eine Injection gezeigt hätte.
Fränkel (Chemnitz).
W. Simmons, Description of a splint for combined Sus-
pension and Extension in the treatment of firacture of the
lower extremity.
(The American Journal of med. Bciences 1875. April.)
Der durch eine Abbildung veranschaulichte Apparat besteht aus
2 schmalen, seitlichen, in der ganzen Länge des Beines herablaufenden
Holzschienen, zwischen welchen das Glied auf 2 oder mehreren breiten
ßindenstreifen ruht. Unten tragen die Schienen ein unbew^liches
Fussbrett, in dessen oberes Ende eine dritte, dickere Schiene beweglich
eingefügt ist, welche über die Rückenfläche des Beines bis nach oben
reicht. An dieser starken, von 2 langen Ausschnitten unterbrochenen
r '>
'W..
Centralblatt für Chirurgie. No. 36. 571
Schiene sind die beiden seitlichen mittelst zweier Drahtbogen in der Weise
suspendirt^ dass jeder Bogen in einer beweglichen Rolle hängt, welche
sich in dem betreffenden länglichen Ausschnitt je nach der Richtung des
Zuges hin und her bewegt.
Der ganze Schienenapparat wird durch eine feste Schnut schwebend
an der Zimmerdecke oder an einem das Bett überragenden Galgen
befestigt. Diese Schnur läuft durch 2 an den Enden der Rücken-
schiene befindliche Ringe und zieht^ sobald der Aufhängepunkt gegen
das Fussende hin verlegt ist^ den ganzen Apparat und mit ihm das
suspendirte Bein nach abwärts. Die Contraextension wird durch die
Schwere des Körpers vermittelt.
[Der als neu beschriebene Apparat ist nichts anderes , als eine
complicirte Nachahmung der Schiene von Smith^ die dem Erfinder
unbekannt zu sein scheiot. Ref.] Lossen (Heidelberg).
Vogt. Ueber ßesection des Fussgelenkes wegen Ankylose
in fehlerhafter Stellung des Fusses.
(Dissertation. Jena 1875.)
Ein Mal wegen Eq^uinusstellung nach Polyarthritis rheumatica,
in einem zweiten Falle wegen Flexions-, Adductions- und Supinations-
Stellung nach Mascbinenverletzung wurden die mit einander ver-
wachsenen drei Knochen des Fussgelenkes in toto entfern t^ so zwar,
dass ein 2 Ctm. hohes Knochenstück (1 Ctm. vom Unterschenkel,
1 Ctm. vom Talus] herausgesägt wurde. — Ried machte einen
L -Schnitt, den verticalen Schenkel hart hinter, den horizontalen untet
den Malleolen. Dann wurde zunächst im grössten Breitendurchmesser
der Malleolen und femer dicht unter dem Malleolus internus je ein
transversaler Bohrkanal angelegt, von welchen aus mit der Stichsäge
horizontal nach vom und hinten gesägt würde. Lagerung des flec-
tirten Gliedes auf die Aussenseite; Cerat-Charpie. Nach 3 Wochen
fester Verband. In beiden Fällen gutes functionelles Resultat.
Bapprecht (Halle).
Kleinere Mittheilungen.
A. Herts. Das Chloroxaläthylen.
Inaug.-Diss. Bonn 1875.
Verf. hat auf Veranlassung von Prof. Binz das von Wallach dargestellte
Chloroxal&thylen (C6HgClN2) in seinen Wirkungen auf den Organismus un-
tersucht. Es wurde das leicht lösliche salzsaure Salz der Base in schwach alkali-
scher Lösung verwandt. Chemisch ist der Stoff den Alkaloiden der Nicotingruppe
ähnlich ; toxisch ist es ein Gift rein narcotischer Art, das zuerst die Nerrencentren,
absteigend auch die peripheren Nerven und wahrscheinlich auch die Muskeln lähmt.
Es steht in seinen Wirkungen dem Coniin nahe, lähmt die Ceniralorgane schneller,
die peripheren Nerven langsamer, als dieses. Nicotin wirkt viel energischer und
verschieden. Kaninchen und Hunde werden in ihrem Allgemeinbefinden wenig be-
einflusst, Frösche und Katzen leicht getödtet. Genauere Prüfung der Wirkungen auf
einzelne Bahnen, die motorische und die sensible Sphäre der Nerven, auf die
572
Centralblatt für Chirurgie. No. 36.
Muskel- und die Herzth&tigkeit folgt. — Im Harn ist der Stoff nach subcutanen
Injectionen schnell nachweisbar. —
Für therapeutische Zwecke ist vor der Hand noch kein fester Anhaltepunkt
gewonnen. (v. Mosengcll Bonn).
Ii. OalaBtri» Caso di tetano parziale traumatico successivo ad emor-
Tofilia. Guerigione con mezzi meccanici.
(Gaz. med. ital. Lombardia 1875. No. 27.)
Ein 17jähriger Bauembursche wurde wegen Hämophilie in's Spital aufgenom-
men. Derselbe hatte gleichzeitig Nasen-, Nieren-, Magen- und Darmblutungen
und blutete ausserdem aus einer kleinen Wunde an der grossen Zehe. Nach Hei-
lung der Hämophilie entwickelte sich eine auffällige Starre der Nackenmuskulatur
und Trismus. Als nach 8 Tagen dieser Zustand fortdauerte, machte C. forcirte
Bewegungen des Kopfes und sperrte den Mund mit Gewalt durch einen Mund-
spiegel täglich auf. Nach zwei Wochen lang fortgesetzten Uebungen war der
Kranke geheilt. (In Folge der Uebungen?! Ked.) Menzel (Triest).
N. Weber. Three cases of pyämia and one of acute general miliary
tuberculosis complicated with pyämia. (Clin, society of London.)
(Med. tim. and gaz. 1875. Mai 22. p. 564.)
Bei den 4 Fällen führte eine Erkrankung des Schlundes zu einer Affection
des mittleren Ohres, und von hier aus erfolgte die AUgemeininfection. Der letzte
Fall betrifft einen 10jährigen Knaben, der nach einer Otitis media mit käsigen
Ablagerungen an allgemeiner acuter Miliartuberkulose starb. Die Section ergab
ausserdem pyämische Leberabscesse. Bänke (Halle).
O. Hüter. Zur Anwendung der intraarticulären Carbolinjectionen bei
perforirenden Gelenkwunden, insbesondere des Kniegelenkes.
(Deutsche Zeitschrift f Chirurgie Bd. V.)
H. hat in einem neuen Falle yon perforirender Kniegelenkswunde die Heilung
unter Anwendung intraarticulärer Injectionen einer zweiprocentigen CarboUösung er-
folgen sehen. Die Injectionen wurden nicht durch die Wunde gemacht, um dieselbe
nicht zu irritiren, sondern an den am stärksten geschwollenen und schmerzhaften
Stellen des Gelenkes, und zwar mit der Pravaz'schen Spritze (1—3 Spritzen toU
auf einmal). Details über den Verlauf des Falles fehlen. Oersnny (Wien).
Sonnenburg. Ein FaU von Epignathus. Operation. Heilung.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Träger der Geschwulst war ein 5 Tage altes, ausgetragenes und sonst gut ent-
wickeltes Kind von gesunden Eltern. Das Gebilde war birnförmig, füllte die
Mundspalte fast ganz aus, war von Cutis bedeckt und mit Wollhaaren besetzt.
Der breite Stiel kam aus einer Spalte des harten Gaumens hervor und sass wahr-
scheinlich an der Schädelbasis fest. Die Abtragung wurde mit der galvanokausti-
schen Schlinge in der Höhe des harten Gaumens gemacht. Die Geschwulst enthielt
Fett, Drüsen, Knochen und Zähne. Gegen den Stiel zu ging die Cutis in Schleim-
haut über; am Stiele sass ein fast vollkommen entwickeltes Augenlid. Verf. be-
trachtet die Geschwulst als einen rudimentär entwickelten Kopf. Der Verlauf der
Heilung nach der Operation war gunstig.
S. giebt schliesslich eine Aufzählung von 17 Fällen von Epignathie aus der
Litteratur. Gersnnj (Wien).
Verneuil. Tumeur cong^nitale polycystique inser^e k la sympbyse
du maxillaire inf^rieur et ä la face inferieure de la langue.
(Bulletin de l'Acad^mie de m^decine 1875. No. 22.)
Bald nach der Geburt eines 8monatlichen Fötus wurde ein über kindskopf-
grosser Tumor ausgestossen , der seiner äusseren Beschaffenheit nach erkennen
liesS; dass er von der nicht vereinigten Symphyse des Unterkiefers, sowie
V "■■»'
Centralblatt für Chirurgie. No. 36«
573
von dem Boden der Mundhöhle ausgegangen und hier während des Oeburtsactes
abgerissen war. Die nähere Untersuchung ergab ein mehrkammeriges Cystoid,
dessen Wandungen aus derbem, fibrösem Bindegewebe mit zahbreichen, knorpeligen
und knöchernen Kernen bestanden, und dessen Hohlräume mit einer zähklebrigen,
zellenreichen Flüssigkeit erfüllt und theils mit Platten-, theils mit Cylinderepithel
ausgekleidet waren. Die Epithelien entsprachen den Zellen des Schmelzorgans und
der UmhüUang des kindlichen Zahnkeimes. Y. hält daher die Cysten für ent-
artete Zahnfollikel und die ganze Geschwulst für ein von dem ersten Kiemenbogen
ausgegangenes Neoplasma.
Gegen diese Ansicht spricht sich aus verschiedenen Gründen Depaul aus.
£r betrachtet diesen Fall als ein neues Beispiel von fötaler Inclusion oder £pi-
gnathismus, wie solche seit Geoffroy St. Hilaire mehrfach, unter Anderen von
Ahlfeld beobachtet und beschrieben worden sind. Am» Hiller (Berlin).
Gkiillaiimet. Kyste s^reux cong^nital de la nuque et du cou chez
un foetus de quatremois et demi. (Soci6t6 anatomique^ s^ance du 13.
nov. 1874.)
(Progr^s m6dical 1875. No. 9.)
G. demonstrirte der anatomischen Gesellschaft einen Fötus von 41/2 Monat mit
einer Nackengeschwulst von der Grösse einer kleinen Orange. Die Geschwulst
war durchsichtig fluctuirendi nicht compressibel, sass mit breiter Basis auf, reichte
vom Hinterhaupt bis zum untern Winkel des Schulterblatts, nahm den Nacken und
die Seitentheile des Halses ein. Beim Eröffnen flössen ungefähr 10 grm. einer röth-
lichen Flüssigkeit aus. Die Cyste zeigte weisse Wandungen und 4 Fächer^ die
miteinander eommunicirten. Nirgends eine Communication mit der Schädelhöhle
oder dem Kanal der Wirbelsäule, die vollständig intact war. — Die mikroskopische
Untersuchung fehlt. Petersen (Kiel).
Workman. Osteochondrom des Oberkiefers.
(Boston med. and surg. Journal 1875. p. 553.)
Die 24jährige Fat. erhielt vor 4 Jahren einen Schlag gegen den oberen inneren
SchneidezaJin der rechten Seite; nach 2 Jahren bildete sich angeblich genau an
dieser Stelle eine kleine, harte, schmerzhafte Schwellung. 2 Zähne mit den cariö-
sen Alveolen wurden entfernt; im folgenden Jahre wurde die anliegende Alveolar*
partie schmerzhaft, schwoll an und bald erfolgte schnelle Bildung einer Geschwulst
an der Innen- und an der Aussenseite des Alveolarfortsatzes. Die erkrankten
Knochen mit der von ihnen eingeschlossenen Geschwulst wurden in der Narkose
entfernt; schnelle Genesung. Die Geschwulst war ein Osteochondrom.
Pik (Stettin).
A. Bidder. Ein Beitrag zur Geschvirulstlehre.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
1. Ueber ein vernarbendes, vom Narbenepithel recidivirendes
Carcinom der Haut*
Nach Ausschabung eines Epithelioms mit dem scharfen Löffel kam es, wenige
Tage nach der Vernarbung, zum Recidiv in der Narbe, die ebenso entfernt wurde.
Die mikroskopische Untersuchung ergab einen Zusammenhang der Epithelzapfen
mit dem Narbenepithel. B. deutet diesen Befund so, als wäre das Hecidiv von
dem Narbenepithel ausgegangen, ohne die Wahrscheinlichkeit in Betracht zu ziehen,
dass ein zurückgebliebener Carcinomrest mit dem Narbenepithel könnte in Ver*
bindung getreten sein.
2. Ein diffuses, periostales Sarcom der Schädelbasis, der
oberen Halswirbel und der Retropharyngeal-Gegend, Spondylitis
cervicalis vortäuschend.
Der einzige Umstand, welcher in diesem Falle Zweifel an der Diagnose »Spon-
dylitis« erregen konnte, war, dass die Gewichtsextension die Schmerzen steigerte,
während sie dieselben sonst rasch lindert. Gersuny (Wien).
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574
Centralblatt far Chirurgie. No. 36.
F. H. Maberly. Lai^e abecess on the surface of the right lobe of
the liver^ communicating with the colon and tapped through the
wall of the ehest.
(Birmingham medical review 1875. April.)
Bei einem fiisenbahnunfall wird ein Mann gegen die Decke des Wagens ge-
schleudert. Seitdem anhaltende Schmerzen im Leibe, obwohl die Zeichen einer
ernsten Laesion fehlen. Nach einem Vierteljahr, während einer Anstrengung,
plötzlicher heftiger Leibschmerz rechts. Keine Zeichen von Bauchfellruptur.
Nach zwei Tagen acute .Bronchitis. Später fällt Prominenz des rechten Hypochon-
drium auf und entdeckt man jetzt daselbst tympanitischen Percussionsschali bis
hinauf z^ zweiten Rippe, sowie Herzverdrängung nach links. Profuser, eiteriger
Auswurf, Fieber, Delirien. — Man diagnosticirt jetzt Pyopneumothorax und aspi-
rirt 31/4 »pints« übelriechenden Eiters. Hierauf Nachlass aller Erscheinungen.
Nach wenigen Tagen jedoch kehren Fieber und Dyspnoe zurück. Incisiou an der
Aspirationsstelle und Einführung eines Drainrohrs. In den letzten 14 Lebens-
tagen wiederholt Bluthusten und Abfluss von Faecalmassen aus der Schnittwunde
in der Brust. — Die Section ergab einen grossen Abscess zwischen der unteren
Fläche des Diaphragma und der oberen des rechten Leberlappens, und freie Com-
munication desselben mit dem Colon transversum. Sappreebt (Halle) .
G. Mo. Tre casi di idronefrosi dipeudenti da chiusura deir uretere
per calcolo urinario.
(Societä di Medicina e Chirurgia. Torino. — Gazzetta delle cUniche 1875. No. 7.)
1. Ein 34j ähriger Mann wurde mit einer Kopfcontusion in's Spital aufgenommen
und starb wenige Stunden später. Wir übergehen die Beschreibung der Hirn-
verletzung. Die rechte Niere ist in einen durchscheinenden Sack umgewandelt,
mit einer Flüssigkeit gefüllt, welche die Charaktere des Urins nachweist, obwohl
die Nierensubstanz vollkommen geschwunden ist. Im obersten Theile des entspre-
chenden Ureters ist ein Stein eingekeilt, welcher denselben fast vollständig ver-
schliesst. Interessant ist, dass in den Bronchial- und Mesenterialdrüsen und auf den
Wänden des colon transv. sich Kalkablagerungen vorfinden. Es scheint, dass die
linke Niere allein nicht genügte, sämmtliche Salze aus dem Blute zu entleeren. Dies
würde mit der Ansicht Virchow's übereinstimmen, wonach die Kalksalze sich
in den Geweben ablagern sollen, sobald die Nieren deren Elimination nicht mehr
besorgen. Das Volumen der functionirenden Niere, nach der verdrängten Flüs-
sigkeit gemessen, betrug 210 Ccm., ihr Gewicht 50 Gramm.
2. Bei einer 56jährigen Frau, an Pneumonie verstorben, war der linke Ure-
ter durch einen Stein vollkommen verstopft. In diesem Falle war aber nicht
die Niere selbst in einen Sack umgewandelt, sondern blos das Becken zu einem
grossen Sacke (viel grosser als in Fall 1) ausgedehnt, welcher mit Urin gefüllt
war. Die rechte allein functionirende Nieie hat ein Volumen von 720 Ccm. und
ein Gewicht von 125 Gramm.
3. Dieser Fall betrifft eine 22jährige Frau, welche unter urämischen Erscheinun-
gen zu Grunde ging. Es fanden sich in beiden Ureteren Steine vor. Die linke
Niere war fast vollkommen atrophirt, in ihrer Substanz fand sich auch ein Stein;
die rechte Niere massig atrophisch, ihr Becken massig ausgedehnt.
Mensel (Triest).
O. Heath. 13 Lithotomien.
(Lancet 1875. Vol. I. p. 790.)
Verf. veröffentlicht seine innerhalb 18 Monaten im Newcastler Hospital und
in der Privatpraxis gemachten Steinschnitte, sämmtlich an männlichen Fat. 2 Per^
sonen standen im Alter über 60 Jahre und 4 unter 10 Jahren, bei 2 fanden sich
3 Steine vor. Der kleinste Stein wog 15 Gran, der grösste 354 Gran; die chemisch
Zusammensetzung war nur bei 2 Steinen eine gemischte. In 2 Fällen wurde der
Steinschnitt in der Mittellinie gemacht, sonst immer seitlich; in einem Falle ent-
stand eine ziemlich heftige Blutung. Sämmtliche Patienten sind geheilt entlassen.
Pilz (SteUin).
Centralblatt fOi Ghinugie. No. 36.
575
Wülard. Perineal section.
(Med. Examiner, Chicago 1875. Mai 1.)
Der Verf. tritt wann f&r die äussere Urethrotomie ein, welcher in der Hei-
math desselben fast stets die Function vorgezogen wird. Der mitgetheilte Fall
betrifft einen Arbeiter mit hochgradiger, aber für ein feines Bougie durchgängi-
ger Strictur in Folge einer Gonorrhöe; keine Fistelbildung; absolute Harnver-
haltung seit T2 Stunden. Heilung; nach der Operation war der permanente Ka-
theter eingelegt worden. Bänke (Halle).
H. K Browne. Gase of aneurism of the external carotid ; ligature ;
recovery.
(Birmingham medical review 1875. April.)
Eine 29jährige Arbeiterin fühlte , während sie eine bedeutende Last auf dem
Kopfe trug, plötzlichen Schmerz in der rechten Seite des ELalses. Es bildete sich
daselbst unter zunehmenden Schmerzen eine langsam wachsende Anschwellung,
welche nach 6 Jahren die Grösse einer Orange erreicht hatte, Athem- und Schluck-
beschwerden und quälenden Husten bedingte und alle Symptome eines Aneurysma
darbot. Dieselbe sass beweglich zwischen Unterkieferwinkel und Zungenbein. Unter-
bindung der Carotis communis mit catgut unter genauer Befolgung der Lister' sehen
antiseptischen Cautele. Weder locale Erscheinungen, noch Fieber, noch Zeichen
gestörter Hirncirculalion complicirten die am 16. Tage vollendete und nach einem
Jahre noch andauernde Heilung. Alle subjectiven Symptome waren geschwunden.
Der Tumor war solid und hatte sich nur wenig verkleinert.
Bnppreeht (Halle).
Gk>odaU. Aneurysma popliteum links^ später rechts. Flexion und Com-
pression. Heilung.
(Lancet 1875. Vol. I. p. 680.)
Ein 30j ähriger Gelbgiesser , vor 4 Monaten so gefallen , dass sein linkes Bein
unter den Leib zu liegen kam, bemerkte seit 9 Wochen eine langsam wach-
sende Schwellung in der Kniekehle. Jetzt findet man dort eine weiche, ezpan-
sible, pulsirende Geschwulst; der Fuss und das Bein sind ödematös, der Tumor
selbst und seine Umgebung sehr empfindlich. Flexion in einem Winkel von bO°
lässt die Pulsation erlöschen; dieselbe kehrt nach 4 Stunden wieder, die Flexion
wird verstärkt; nach 21 Tagen wird Gompression der FemoraUs zu Hülfe genommen ;
vom folgenden Tage ab erlischt dauernd die Pidsation. Heilung. Drei Monate
später erscheint Fat. wieder mit taubeneigrossem Aneurysma in der rechten Knie-
kehle, dass angeblich auch nach Fall entstanden sein soll. Ausser der Flexion
wurde noch Gompression der Femoralis benutzt ; später musste letztere, da dieselbe
vom Kranken nicht gut ausgeübt wurde, durch Digital-Compression ersetzt werden.
Volle Heilung. PII2 (Stettin).
Hirts« Luxation du pouce ; expMient simple pour en op6rer la r6duction.
(Revue de th^rapeutique m^dic.Hshirurg. 1S75. No. 14.)
H. benutzt zur Reduction hartnäckiger Luxationen des Daumens einen ein-
fachen, 1 Ctm. breiten Riemen von Rindsleder, welcher in der Mitte zusammen-
gelegt und zu einer Schlinge geknotet wird. Hieran wird der zuvor mit Watte
gepolsterte Daumen angeschlungen und durch kräftige, mit den beiden Riemen-
enden ausgeführte Tractionen reponirt. Das Verfahren soll ebenso schnell und
schonend zum Ziele führen, wie die Reduction mittelst Zangen.
Am. Hiller (Berlin).
H« Eidam. Ein Fall von Symphysenspaltung während der Geburt.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 28.)
Eine kräftige Multipara wurde von einem in U. Querlage befindlichen Kinde
durch combinirte Wendung auf den Steiss und Extraction entbunden. Es erfolgte
■t
1
576 Centralblatt für Chirurgie, No. 36.
eine Spaltung der Symphysis ossium pubis. Schmerzen und Fieber nahmen zu,
bis ein Beckengürtel angelegt wurde, welcher die Knochen auf einander presste.
Damach Hessen Schmerz und üble Allgemeinerscheinungen schnell nach. Dem
frühen Anlegen der Beckenbinde schreibt Verf. auch das Ausbleiben intensiverer
localer Entzündungen zu. — Hinter manchem schweren Puerperium mit Unf&higkeit,
die unteren Extremitäten zu bewegen (fälschlich als Lähmung gedeutet), yermuthet
Verf. eine Symphysentrennung. T« MosengroU (Bonn).
Ste. Marie« Arthrite s^che suppur^e. (Soci^te anatomique^ B^nce
du 27. nov. 1874.)
(Progr^s med. 1875. No. 11.)
Nach S.-M. soll eine Arthritis deformans des Hüftgelenks bei einem 40jährigen
Mann in Eiterung ühergegangen sein. Fat. ist mit einem grossen Abcess in
Duplay's Abtheilung aufgenommen worden. S.-M. begründet seine Diagnose
auf Arthritis deform, durchaus nicht, der Sectionsbefund spricht auch nicht dafür,
sondern für eine gewöhnliche Caries. Dieser Meinung sind in der Debatte auch
Verneuil und Houel. Charcot findet Aehnlichkeit zwischen den Gelenkent-
zündungen bei Tabes und der Arthritis deform. , stimmt jedoch Houel bei, der
auseinandersetzt, daas sich bei Geienkleiden der Tabetiker keine Stalaktiten
finden, und dass der Knochen selbst Sitz einer Entzündung sei.
Petersen (Kiel).
Hutohinson. (London Hospital] Sectionsbefunde.
(Lancct 1875. Vol. I. p. 857.)
1. Ein Matrose, welcher auf einem Tau unter einer Raae stand, glitt, ergriff
mit den Händen das Tau, konnte sich aber nicht lange halten und fiel 30 Fuss
hoch herab auf das Deck, woselbst er stehend ankam. Fast pulslos in das Hospital
gebracht, wurden hier die bis zu den Knieen reichenden Stiefel entfernt. Nun sah
man an der Innenseite des rechten Fusses eine 8" lange Wunde; femer Commi-
nuliv-Fractur des Fersenbeines , Fractur des. Schien- und Wadenbeins direct über
dem Gelenke ; an dem linken Fuss dieselbe Verletzung, nur erschien das Fersenbein
einfach gebrochen. Schienenverband. Er^'sipelas des rechten Beines; Tod. Die
Section ergab : die Fersenbeine in eine Menge kleiner Stückchen gebrochen ; Schien-
und Wadenbein beiderseits in der Epiphysenlinie durchgebrochen, Ecchymosen re-
troperitoneal, am rechten Muse, psoas entlang und an beiden Ureteren.
2. Ein 82jähriger Mann fiel 5 Fuss hoch von einer Leiter auf sein linkes Bein ;
dasselbe, stark geschwollen, zeigte bedeutende Schwellutig des Kniees und Fractur
beider Unterschenkelknochen. Delirium, Bronchitis, Tod. Die Section erwies eine
Schrägfiractur der Tibia mit Splitterung im oberen Drittel und einen Bruch der
Fibula im obersten Theile mit Spaltung bis ins Tibiofibular-Gelenk. Das Kniege-
lenk mit Blut erfüllt, welches nach genauer Untersuchung seinen Weg dahin aus
dem Tibiofibular-Gelenke genommen hatte.
3. Im dritten Falle fiel der 34jährige Mann etwa 5 Fuss hoch durch Abgleiten
von einer Leiter platt auf das Pflaster ; erst nachher klagte er über heftige Schmer-
zen in dem tympanitischen , gegen Berührung schmerzhaften Leibe; kleiner Puls,
Erbrechen und nach 30 Stunden Tod. Die Section zeigte als Ursache der Ferito-
^. nitis die Perforation eines älteren Duodenalgeschwüres. TUE (Stettin).
Wm. H. van Buren. Raw-Cotton Dressings for wounds.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. Hft. 3. p. 268.)
Verf. giebt die Geschichte des Gu6r in' sehen Watteverbandes und empfiehlt
diesen Verband für kriegschirurgische und Hospitalpraxis. Eigene Beobachtungen
sind nicht mitgetheilt. Madelnng (Bonn).
Originalmittheilongen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TUlmann8f Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlung,
Breitkopf und Härtely einsenden.
Onick und Verlag von Breitkopf und HBrtel in Leipzig.
w^'. '.''W''.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. L. Lesser, Dr. I. SU, Dr. E TillMniis
in Berlin. in Halle a. S. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 37. Sonnabend, den 11. September. 1875.
Inhalt; Simons Methoden, die weibliche Urinblase zngängig zu machen. — Mullier,
Massage. — Krtfnlein, Historisch-kritische Bemerkungen zum Thema der Wundbehand-
lung. — Bose, Znr antiseptlschen Wundbehandlong. — BowditCh, Instrament zur Be-
stimmimg der Färbekraft des Wassers. — BouChllt, Ophthalmoscopischer Befund bei com-
motio und contnslo cerebri. — Bouchut, Ghloralhydrat bei acutem Gelenkrheumatismus
mit Cerebralerscheinungen. — Annandale, Behandlung des Zungencarcinoms. — Ohle-
mann, Oberkiefergeschwülste. — Krieg, Enchondrom der Speicheldrüsen. — Thaden,
Wirbelverletzungen. — Kerr, Steinkrankheit in China. — Budge, Function des m.
levator anl. — Annandale , Operation bei genu valgum.
Heath, Arterienvereiterung. — Howe, Transfusion von Ziegenmilch. — Mosler, Arte-
rielle Transfusion bei Typhus abdominalis. — Schwalbe, Electrotherapeutlsche Beiträge.
— Smith, Fall von Erysipelas bei einer Amme. — Schweninger, Fall von Enchondrom.
— MUller, Carcinom der männlichen Brustdrüse. — Otls, Oarles der Wirbelsäule mit
Nieren- und Hodentuberktüose. — Dupont, Luxation der rechten Beckenhälfte. — Fagan,
Verletzung des Ileo-Sacral-Gelenks beim Kinde.
G. Simon« Ueber die Methoden, die weibliche Urinblase
zugängig zu machen und über die Sondirung des Harnleiters
beim Weibe.
(Sammlung klinischer Vorträge, herausg. von R. Volkmann. No. 88.)
Leipzig. Breitkopf und HftrteL 1875.
Verf. theilt die in den letzten Jahren auf seiner Klinik in Hei-
delberg ausgebildeten Methoden^ die weibliche Blase zugängig zu
machen 9 mit. Von sämmtlichen bisherigen^ meist nur behufs Ent-
fernung von Fremdkörpern vorgenommenen Operationen dürften fer-
nerhin nur die unblutige Erweiterung der Harnröhre und der Schei-
denblasenschnitt die relativ sichersten und ungefährUchsten Methoden
bleiben. Die unblutige Erweiterung der Harnröhre geschieht besser
schnell^ als allmälig^ da sie in wenigen Minuten dieselbe Dilatation
ergiebty als die langsame^ bei dieser aber durch langes Liegenlassen
der Zapfen Entzündung und Geschwüre der Harnröhre entstehen
37
578
Centralblatt für Chirurgie. No. 37.
^. I
können. Die unblutige Urethralerweitening beim Weibe ist sehr alt
(Franco 1561^ Fabricius Hildanus etc.). 1837 hat A. Cooper
5 mal Steine in der Weise entfernt^ dass er theils langsam, theils
rapide die Urethra dilatirte. Hybord (1872) und Christopher
Heath (1874) empfehlen das Verfahren gleichfalls.
S.'s Verfahren der Blasenuntersuchung besteht in 3 Arten:
l) Einkerbung des Orificialrandes der Urethra, des engsten und rigi-
desten Theils der Harnröhre, durch zwei seitliche, Y4 Ctm. tiefe
Schnitte und einen nach unten gehenden von 1/2 Ctm. Länge. Die
Einkerbungen, am besten mittelst der Scheere gemacht, erleichtem
das Eindringen des untersuchenden Pingers, verkürzen die Harnröhre
um Y4 — Y2 Ctm. , schaden der Continenz nicht, Übernarben und
bleiben permanent.
2) Die DUatation erfolgt durch Erweiterungszapfen (andere Ope-
rateure bedienen sich direct des Fingers, wodurch öfters an den
engern Stellen, wie unter dem arcus pubis, die Schleimhaut zerrissen
wird und Incontinenz, wenn auch nur für einige Tage entsteht) . Als
solche Zapfen dienen Specula aus Hartgummi, vorn gerade abgeschnit-
ten und mit abgerundetem Mandrin versehen. S. hat 7 verschiedene
Nummern, deren stärkste 2, deren schwächste* ^4 Ctm. Durchmes-
ser hat.
3) Einschieben des Zeigefingers durch die Harnröhre bis zur
Blase und Palpiren derselben. Dabei wird der Mittelfinger nicht in
die Hand eingeschlagen, sondern gleichzeitig in die Scheide ein-
geführt, so dass sich der Band des Septum urethro- vaginale an die
Commissur beider Finger andrückt. Femer wird der Vertex der
Blase mit der andern Hand dem untersuchenden Finger entg^enge-
drückt. Nur die höchst gelegenen seitlichen Theile, welche am
Knochen festgewachsen sind, sind so weniger gut zu erreichen.
Ueber das Maass der erlaubten Dilatation haben Hybord und
Spiegelberg Angaben gemacht, doch sind Hybord's Maasse zu
klein, Spiegelb erg's zu gross. Nach Simon kann man beim
erwachsenen Weibe ohne nennenswerthen Nachtheil mit Speculis von
1,9 — 2,0 Ctm. Durchmesser eindringen. Die Continenz bleibt unmit-
telbar darnach bei Einspritzen von Wasser in die Blase selbst in auf-
rechter Stellung der Frau erhalten. Bei jüngeren Mädchen darf der
Grad der Ausdehnung natürlich nicht so gross sein.
Was die Casuistik betrifft, so hat S. bis jetzt in 2^/^ Jahren
die Methode in mehr als 60 Fällen angewandt. Zu ihrer Ausführung
bringt man die Pat. in die Steiss-Rückenlage und chloroformirt. Bei
öfteren Wiederholungen kann man später die Narkose weglassen.
Die zweite Methode, die Blasenhöhle zugängig zu machen, besteht
im Scheidenblasenschnitt. Man wendet Um an, wenn die vorige
Methode tmgenügend erachtet wird. Es kann danach eine Blasen-
scheidenfistel bleiben ^ welche eine fernere Operation nöthig machen
würde, doch sind die Chancen der Heilung sehr gross.
Durch Versuche am Cadaver bestimmte Verf. als beste Schnitt-
'S
Centralblatt für Chirurgie. No. 37. 579
führung beim ScheidenblasenBchnitt einen etwa 3 Ctm. langen Quer-
schnitt im vorderen Vaginalgewölbe, V4"*V2 Ctm. vor der vorderen
Muttermundslippe^ von dessen Mitte ein zweiter, zwei Ctm. langer
Schnitt gerade nach vom gegen die Harnröhre läuft. Durch solch
einen Schnitt gelingt die Umstülpung und Hervorwölbung des Vertex
und oberen Theiles des Blasengrundes, was bei Schnitten in sagittaler
Richtung nicht möglich ist. Die Umstülpung wird durch den Zug
feiner Doppelhäkchen, welche in die Mucosa eingesetzt werden, und
Herabdrücken der Blase von aussen her mittelst der über der Sym-
physe eingesetzten Hand bewirkt. Die Schnitte fuhrt man bei Er-
weiterung der Scheide durch Simon' sehe Specula oder solche von
Bozeman und bei starker Spannung der Blasenwand, oder nach
Herabziehung des Uterus und des oberen Theils der Blasenscheiden-
wand. — Die Operationswunde wird später genäht.
Die Indicationen zur Erweiterung der Harnröhre:
1) Zur Diagnose der Krankheiten der Blasenschleimhaut.
2) Zur Diagnose von Fremdkörpern und Steinen, welche mit
Instrumenten oft durchaus nicht, mit den Fingern oft leicht zu finden
sind.
3) Zur Extraction derselben.
4] Bei hartnäckigem Blasenkatarrh zum Auspinseln der Blase mit
concentrirten Aetzmitteln. (Sehr ungleiche Erfolge.)
5) Zur Heilung von Fissuren der Harnröhre (gleichfalls oft ohne
Erfolg) .
6) Zur Diagnose von Defecten der Blasenscheidenwand bei ver-
schlossener Scheide.
7) Zur Diagnose des Sitzes und der Ausdehnung von Gewächsen
und Geschwülsten in der Blasenscheidenwand.
8) Zur Exstirpation von Geschwülsten, besonders von Papillomen
an den Blasenwandungen. (Ausschaben mit scharfen Löffeln und Ab-
reissen mittelst Zangen.)
9) Zur Aufßndimg und Extraction, resp. Ausschneidung von
Nierensteinen aus dem Blasenstück des Harnleiters.
10) Zur Eröffiiung einer Hämatometra, deren Entleerung zwischen
Blase und Mastdarm unmöglich oder zu gefährlich ist, z. B. bei an-
geborenem Mangel des ganzen oder des grössten Theils der Scheide.
— Scanzoni's Vorschlag, in solchem Falle vom Rectum aus zu
eröfhen, ist wegen der damit verknüpften Peritonealverletzung viel
gefahrlicher; dagegen geht vorne am Uterus der Peritonealüberzug nicht
so weit herab.
11) Zur Heilung einer Dick- oder Dünndarm-Blasenfistel (ein
sehr quälendes Leiden, das bisher tödtlich verlief) durch Aetzung des
Ostium vesicale der Fistel. —
Indicationen für den Scheidenblasenschnitt:
1) Bei sehr grossen Steinen und bedeutender Empfindlichkeit der
Blase.
2) Zum unmittelbaren Abfluss des Urins bei sehr hartnäckigem
37*
580 Centralblatt für C
Blasenkatarrh mit Ulcerationen de
setzten Unna soll ao verliütet wen
3) Exstirpatiou von Geschwü^»^^ uuu ^^^.co^vo^ou , »tv ^^
hoch in den Seitentheilen der Blase eitzea, ohne anderweitig erreicht
werden zu können.
4) Operation der Dünn- und Dickdarm-BIasenfisteln, die durch
Aetzungen allein nicht geheilt werden können. —
Id den beiden letzten Fällen ist natürlich T-Schnitt und Blasen-
umstülpung nöthig und kann die T-Wunde erst nach Heilung der
Operatiouawunde in der Blasenwand geachloseen werden.
Ferner können durch die künstlich hergestellte Zugängigkeit
der Blasenhöhle auch die Sondirung und die Kathetrisirung der
Harnleiter vorgenommen und somit Pliimleiter- und Nierenkrankheiten
der Behandlung zugänglicher gemacht werden.
Es wird durch S.'s Methode für die Frau viel mehr dabei ge-
wonnen, alä durch Tuchmann 's Methode für den Mann (cfr.
Chirurg. Centralbl. 1874 p. 471, aus Wien. med. Wochensch. 1874
No. 31 u. 32 — und Deutsche Zeitachr. f. Chir. 1875. Bd. V. Hft. 1).
T.'a Verfahren kann nur für diagnostiscshe Zwecke verwandt werden.
Simon hat bis jetzt die Harnleiter 9 mal sondirt und S mal kathe-
trisirt, also in 17 Fällen, und zwar hei 11 Frauen. Je einmal gelang
Sondiren und Kathetriairen nicht. Bei hinlänglich langen Instrumen-
ten gelangte Verf. ohne Schwierigkeit ins Nierenbecken, und wurde
die Operation steta ohne geringsten Nachtheil vertragen. Sonde und
Katheter sind von festem, nicht biegsamen Metall, oben schwach ge-
bogen und 25 Ctm. lang. — v. MosengeU (Bonn).
Hullier. Quelques remarques sur le traitement de certaines
affections chiriu'gicales par le massage local.
(Archives m^dicales beiges 1875. Hft. 7.)
Auch M. ist t^ach mehijähriger Erfahrung zu dem Urtheil ge-
langt, dass wir in der Massage [veigl. Centralbl. f. Chir. 1874,
No. 26 und 1875, No. 30) ein äusserst wirksames, die Resorption
hcfbiderndes Mittel besitzen, dessen Anwendung sich besonders bei
Verstauchungen jeden Grades und bei Quetschungen mit starken
Blutergüssen empfehle. Entgegen den subtilen Unterscheidungen
mancher Autoren hinsichtlich der Technik (nfrictions, foulage, petris-
sage, sciage, malaxation, pincement, pcrcussioQ, hachure, claquement,
vibrations pointees et profondes»!] glaubt er als Praktiker, dass man
mit 3 Manipulatiouen in jedem Falle auskomme, nämlich 1) dem
Streichen der GHeder, 2) dem Kneten, und 3) den Tractionen, ver-
bunden mit passiven Bewegimgen im Gelenk.
Man bestreicht zunäclüt die aflicirte Extremität mit Glycerin,
umfasst sie dann unterhalb der Verletzung mit beiden Händen un '
führt nun, unter stärkerem oder gelinderem Druck, aufwärts streichend
Cerltralblatt für Chirurgie. No. 37. 581
Bewegungen in der Bichtung der Sehnen und der Venen aus. Mit
Bücksicht auf den stets vorhandenen Schmerz beginnt man immer
mit ganz leichten Frictionen mittelst der flachen Hand ; später, wenn
der gewöhnlich sehr rasch erfolgende Nachlass der Schmerzen ein
energischeres Eingreifen gestattet, fangt*man an, mit Zuhülfenahme der
Finger die verletzte Stelle gehörig zu kneten. Ist neben dem Schmerz
endlich auch die Schwellung beseitigt, dann dienen Tractionen und
passive Bewegungen dazu, die Motilität und Gebrauchsföhigkeit der
Extremität zu beschleunigen.
2 Sitzungen täglich, jede von V4 — Y2 S^^^^^de Dauer, reichen
aus; selten ist man genöthigt, die Behandlungsweise länger als 2 — 3
Tage fortzusetzen. L'eber Intensität und Dauer der jedesmaligen Be-
arbeitung entscheiden die Empfindlichkeit des Fat. und die Schwere
der Verletzung.
Die Resultate dieses Heilverfahrens werden durch eine kurze
Cebersicht über sämmtliche während der Jahre 1871 — 1874 im
Militärhospital zu Namur nach verschiedenen Methoden behandelte
Distorsionen veranschaulicht. Hiernach wurden behandelt:
a) nach der immobilisirenden Methode (1771 — 1872)
42 Fälle (vorzugsweise Distors. pedis), mit in Summa 1078 Be-
handlungstagen, oder pro Kopf und Verletzung 2 5,6 Tage.
b) mit der Massage (1873—1874)
37 Fälle (desgl.), mit in Summa nur 344 Behandlungstagen, oder
pro Kopf und Verletzung 9,03 Tage.
Es ergiebt sich mithin, bei einer Durchschnittszahl von etwa 40
Beobachtungen für jede Behandlungsweise, die sehr bemerkenswerthe
Abkürzung der durchschnittlichen Heilungsfrist um 15 Tage zu
Gunsten der Massage.
Schliesslich empfiehlt M. das Verfahren noch als diagnostisches
Hülfsmittel bei manchen Fracturen, zur schnellen Beseitigung von
starken Schwellungen, welche die Diagnose hindern.
Arn. HlUer (Berlin).
Erönlein. Historisch-kritische Bemerkungen zum Thema der
Wundbehandlung.
(Arch. f. klinische Chirurgie Bd. XVIII. Hft. 1. p. 74—98.)
(Ein Ueberblick über die Entwickelung der verschiedenen Wundbehandlungsarten
bis zur neuesten Zeit.)
Die Reaction gegen den XJnrath der sonderbarsten, ohne jede
Kritik verwendeten Verbandmittel des Alterthums und des Mittel-
alters beginnt nach Verf. erfolgreich erst zu Ende des vorigen tmd
Anfang des jetzigen Jahrhunderts. Sie führte auf der einen Seite zu
einer Wundbehandlung, welche sich von der jetzigen offenen wenig
unterscheidet und wesentlich an die Namen Vincenz v. Kern und
Philipp V. Walther sich knüpft; andererseits zu einer Methode,
welche das Prototyp aller späteren Occlusionsverfahren geworden ist
•^^:'
582 Centralblatt für Chirurgie. No. 37.
und an welche sich auch das antiseptic treatment direct anlehnt^
nämlich zur Heilung der Wunden unter dem Schorf ohne Eiterung.
J. Moore^ Hunter, A. Cooper u. A. machten sich vor Allen
um die Cultivirung dieses Verfahrens verdient. Erst Lister indess
erklärte sich die Thatsache, dass bei der Hunt er' sehen Schorfhei-
lung die Eiterung fehle^ genauer. Nach seiner Theorie lag die Ur-
sache der letzteren bei offenen Wunden in der fauligen Zersetzung
des ersten Wundsecrets. Diese Zersetzung wurde eingeleitet durch
die in der Luft suspendirten staubartigen Bestandtheile : dadurch,
dass der trockene Blutschorf diese letzteren von der Wundfiäche fern-
hielt^ verhinderte er Zersetzung und Eiterung. Indem es ihm ge-
lang, die Einwirkung dieser festen Luftbestandtheile auf Wunden zu
paralysiren, löste er das Problem, nicht nur einzelne kleinere, son-
dern auch grössere Wunden, die sich zur unmittelbaren Vereinigung
nicht eignen, mittelbar und ohne Eiterung heilen zu lassen.
Die Frage der praktischen Bedeutung des L ist er ^schen Verfah-
rens ist nach Verf. noch nicht gelöst. Er meint, dass sehr sorgfal-
tige Statistiken nothwendig sein werden, um zunächst den Cardinal-
punct, d. h. über die Grösse der Mortalität und über das Verhältniss
derselben zu der nach der offenen Wundbehandlung beobachteten
Sterblichkeitsziffer zu ermitteln. Wilh, Koch (BerHn).
H. Bose. Zur antiseptischen Wundbehandlung.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 28.)
Verf. hat Versuche gemacht, eine concentrirtere Lösung von
Salicylsäure in Wasser zu erhalten, als die Thiersch'sche 1 : 300.
Er fand, dass 10 Theile Salicylsäure in 100 Wasser gelöst bleiben^
wenn man 8 Theile Borax zusetzt, und dass die Salicylsäure alsdann
nicht ausschliesslich als salicylsaures Natron, welches bekanntlich als
Antisepticum unwirksam ist, gelöst sei. Folgendes Experiment be-
weist, dass die Salicylsäure als solche in Lösung bleibt: 6,9 Salicyl-
säure werden in 100 Aq. durch Kochen gelöst, und mit 2,89 dop-
peltkohlensaurem Natron versetzt. Es entweicht die Kohlensäure und
das Natron wird durch SaUcylsäure gebunden; beim Erkalten starrt
die ganze Flüssigkeitsmenge von ausgeschiedener crystallisirter,
überschüssiger Salicylsäure. Erwärmt man wieder bis zur Lösung
und fugt 3,58 Borsäure zu, so bleibt die Lösung beim Erkalten
beständig. Durch Borsäure allein ist die Lösung nicht zu erzie-
len. Ein Quantum Eiter wurde mit concentrirter wässriger Salicyl-
säurelösung gemischt und ein zweites mit gleicher Menge 2^/^^
SaUcylsäure-Boraxlösung. Das erste b^ann nach 8 Tagen sich von
oben an zu verfärben und schimmelte; das zweite Ptäparat blieb
unverändert. Bei kleineren Operationen hat B. seine Lösung viel-
fach mit grossem Erfolg angewandt. Von zufälligen Wunden sei der
Fall erwähnt, dass eine gerissene Wunde, welche eine Sehne getrennt
-i ■■ ■ »^ ■»■-
Centralblatt für Chirurgie. No. 37. 583
und das darunter liegende Metakarpo-phalangealgelenk weit geöffnet
hatte^ ohne Eiterung unter dem ersten Verbände heilte. Zu Unter-
bindungen und Suturen verwendet Verf. Catgut und legt grossen Werth
darauf, zu Nähten die dünnsten Fäden zu gebrauchen. ■ — Lösungen mit
mehr als 4 — 5^ Salicylsäure sind zum Desinficiren unzweckmässig,
da sie reizen ; auch kommen dabei manchmal capilläre Blutungen vor.
V. Hosengreil (Bonn).
H. P. BowditclL Ein Instrument zur Bestimmung der
Färbekraft des Wassers verschiedener Flüsse.
(Keports of the medical Commission upon the sanitary qualities of the etc.
river-waters.)
Bockwell and Churchill, Boston 1875.
Als Mitglied einer Commission^ welche entscheiden sollte, in wie
weit das Wasser verschiedener Flüsse tauglich war, durch eine Was-
serleitung der Stadt Boston zugeführt zu werden^ construirte B.^ um
eine Norm für die Färbung der verschiedenen Wässer zu gewinnen,
folgenden Apparat: Zwei Metallrohre sind luftdicht in einander ver-
schiebbar und werden einseitig durch genau aufpassende Glasplatten
verschlossen. In dem nicht verschlossenen Ende des inneren Bohrs
steckt ein schwaches (Hartnack'sches) Ocular. In dieser fem rohr-
ähnlichen Vorrichtimg wird nun durch die beiden Glasplatten ein
cylindrischer Baum abgegrenzt, dessen Höhe wechselt mit der stär-
keren oder geringeren Einschiebung der Bohre in einander, und welcher
durch ein eingelöthetes Böhrchen hindurch mit einem die zu unter-
suchende Flüssigkeit enthaltenden Gefass communicirt. — Zwischen
den mit Flüssigkeit gefüllten Cylinder und das Ocular ist ein recht-
winkelig geschliffenes Doppelprisma so eingefügt, dass der eine Winkel
des Bhombus über die äussere Bohrhülse hinausragt. Bringt man nun
eine weisse Fläche vor die äusserste Glasplatte der Vorrichtung, und
stellt das Ocular auf den oberen Band des Prisma ein, so kommen
in's Gesichtsfeld einmal Strahlen, die am Tubus vorbei den vorsprin-
genden Winkel des Prisma treffen, hier doppelt reflectirt werden und
so zur Perception gelangen und dann Strahlen, welche direct in der
Längsaxe des Instrumentes sich bewegen, aber erst den Flüssigkeits-
cylinder durchdringen müssen, ehe sie zum beobachtenden Auge ge-
langen. So erscheint jetzt das Gesichtsfeld halb weiss und halb ge-
färbt, und zwar je nach der gewählten Höhe des Flüssigkeitscylinders.
Fügt man vor den vorspringenden Winkel des Prisma eine gefärbte
Glasplatte ein , so ist jetzt auch die zweite Hälfte des Gesichtsfeldes
gefärbt. Auf diese Normalfärbung kann nun diejenige der Flüssig-
keit sehr einfach dadurch gebracht werden, dass man durch Ver-
schieben der Bohre (mit Hülfe einer Mikrometerschraube) die Höhe
des Flüssigkeitscylinders ändert. —
Die Beschreibung dieses Apparates erscheint gerechtfertigt, weil
derselbe auch für Farbenuntersuchungen von Körperflüssigkeiten
h
584 Centralblatt fflr Chirurgie, ü
(Blut, Galle u. s. w.) sich bewähren du
Farbstoffen zu bestimmen auf anderen Wegen mit vielen Umstanden
und Schwierigkeiten verknüpft ist. lesser [BerUn).
Boucbnt. Des signes ophthalmOBcopiques diif<§rentiel8 de la
commotion et de la contusion du cerveau.
[Comptes rendu» T. 81. 1875. p. 102.)
B. hat sich zeit 10 J&hren mit sorgfältiger Aufiiahme des oph-
thalmoskopisch'en Befundes bei der Himerschütterung und Hirn-
quetschung beschäftigt und glaubt nun sein Resultat, wie fulgt,
zusammenfassen zu können : In den Fällen, wo nur Himerschütterung
vorliegt, zeigt der Sehnerv seine normale Form, Klarheit und Fir-
buQg, die Netzhaut bietet ebenso wenig wie die sie durchziehenden
Venen eine merkliche Veränderung dar. Bei der Hirnquetschung
dag^en (gleichgiltig , ob ihr Entzündung folgt oder nicht) oder bei
serösem resp. blutigem Erguss in das Ilim, mit oder ohne Schädel-
fractur, erscheint der Sehnerv merklich geschwollen, abgeplattet,
rosafarben, zuweilen reichlicher vascularisirt; seine Contouren sind
weniger deutlich, er ist diffus oder, circumscript von einem se-
rösen E]^U8S durchsetzt, der sich auf die benachbarten Netzhautpsr-
tien mit opalin-duichsichtiger Färbung verbreitet; dadurch erscheint
der Pupillarrand gleichsam verschleiert. Hat die Suffusion die
Scheide des Sehnerven erreicht, so erscheinen die Betiualarterien bis-
weilen verengt. Die Netzhau tvcncn, die mehr oder weniger erweitert
sind, weisen durch die Verlangsamung ihrer Circulation auf eine in ähn-
licher Weise innerhalb des Schädels bestehende Stauung in der Blut-
bew^ung hin. J« Miink (StraBsbarg i/E.).
Bouohnt. Nouvelle m^thodc du traitement du rhumatisme
c^r^bral par l'hydrate de chloral.
(Comples renduB T. 80. 1875. p. 1341.)
Die CompUcation des acuten Qrelenkrheumatiemus mit Cerebral-
erscheinungen , denen in der Mehrzahl der Fälle eine acute Menin-
gitis zu Grunde liegt, gilt für ein schweres und bedenkliches Symptom.
Der ophthalmoskopische Befund crgiebt eine seröse Infiltration der
Pupille und der benachbarten Netzhauttheile mit Erweiterung der
Retin alveuen. Dieser sogenannte Himrheumatismus kündigt sich
durch mehr oder weniger heftige Delirien an, die zuweilen sehr ra-
pide zu Coma und Asphyxie und so innerhalb weniger Stunden zum
Tode führen.
In drei Fällen derartiger Ilimerscheinungen im Gefolge des acuten
Gelenkrheumatismus hat B. bei innerlichem Gebrauch von Chloral
zu 3 — 6,0 p. dosi, mehrmals am Tage gereicht, gute Erfolge gesehen;
es trat eine sofortige Verminderung der Himsymptome ein und
alle drei Fälle gingen in Heilung über. !• Mnnk (Scrassburft i/E.).
Centralblatt für Chirurgie. No. 37. 585
Th. Anoandale. Behandlung des Zungencarcinoms mit Be-
richt über Zustand des Tastsinns und der Sprache nach der
Exstirpation desselben.
(British med. Journal 1875. Vol. 1. p. 834.)
A. plädirt dafiir^ bei ausgesprochenem Carcinom nicht lange zu-
zuwarten^ sondern schnell zu operiren, nicht aber kleine Excisionen
zu machen^ sondern bei einseitiger Erkrankung sogleich die Hälfte
der Zunge ^ bei Verbreitung des Carcinoms über die Mittellinie die
ganze Zunge zu opfern^ bei Erkrankung der Spitze hinter derselben
im Gesunden die galvanocaustische Schneideschlinge resp. den
Ecraseur anzulegen. Bei Entfernung der halben oder ganzen Zunge
räth A. nach dem Syme' sehen Verfahren die Haut der Lippen-, der
Kinn- und der Unterkinngegend in der Mittellinie bis zur Gegend des
Zungenbein» zu spalten, den Unterkiefer in der Symphyse zu trennen,
nach beiden Seiten auseinandergezogeu zu halten und nun die Ab-
tragung mit galvanocaustischer SchneideschUnge oder Ecraseur zu
machen, da erfahrungsgemäss nach der Messer-Operation die meisten
Fälle von Pyämie und Phlebitis gefolgt sind. Am besten werde stets
die Zunge in der Mittellinie gespalten und je nach Bedarf die eine
oder beide Hälften entfernt. Nöthigenfalls müssten die arcus gloss.
palat. quer eingeschnitten werden. Nach der Operation werden
die Kieferhälften durch Drathsutur geschlossen, ebenso die Weichtheile
vereinigt; die ersten 2 — 3 Tage kann die Ernährung mittelst der
Schlimdsonde nothwendig werden. Ein Operations-Fall dieser Art
wird ausführlich wiedergegeben.
Hieran schliesst sich der Bericht G. Mc. Kendrick's über ei-
nige physiologische Untersuchungen eines solchen Operirten. Die
Tastempfindung ist normal an den Lippen, an dem Zahnfleische, der
Wange, dem Boden und Gewölbe der Mundhöhle, ist erhöht an der
Narbe; die Geschmacksempfindung, prompter für leicht lösliche Ge-
genstände, war deutlicher an den Rändern der Narbe als an den mitt-
leren Theilen derselben ; Säuren, Tannin und scharfe Stofie, als Senf
und Alkohol, gaben keine Geschmacksempfindung nur die Empfindung
des Brennens ; Beste von Papulae circumvall. konnten in der Umgegend
der Narbe nicht mehr aufgefunden werden. Beigeschmack und Ekel
waren normal. Ueber die Untersuchungen der Stimme und der
Sprache muss das Original nachgesehen werden. Pll» (Stettin).
Ohlemann. Beitrag zur Statistik der Oberkiefergeschwülste.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hft. 3. p. 463—476.)
Ein Ueberblick über die in der Göttinger chirurgischen Univer-
sitätsklinik seit 1856 zur Beobachtung gekommenen und operirten 32
Oberkiefergeschwülste. Carcinome kamen am häufigsten vor; sie
machten 15 mal die totale^ 2 mal die partielle Resection nöthig.
586
Centralblatt für Chirurgie. No. 37.
Unter den Sarcomeu figuriren 5 Riesenzellen- ^ drei Spindelzellen-j
ein Rundzellen- und ein Medullarsarcom^ von denen nur letzteres
und ein zu bedeutender Grösse angewachsenes Riesenzellensarcom die
totale Resection erforderten. Als vereinzelte Fälle schliessen sich
ihnen zwei Cylindrome mit partiellen Resectionen^ 2 Epitheliome mit
fast totaler und ein Enchondrom mit totaler Resection an. Unter
den 20 totalen Reseotionen befinden sich B Todesfalle und 17 Hei-
lungen^ unter den 12 partiellen kein Todesfall. Die Carcinome en-
deten^ auch wenn die Resection gelungen war^ 1 — 3 Jahre nach der-
selben tödtlich. — Bronchopneumonien wurden durch strengste Des-
infection der Wunde yermieden. Nachblutungen tödteten 2 mal;
Erysipele traten öfter auf^ hatten aber keine erhebliche Bedeutung.
Die Diagnosen der Tumoren, in specie die differentiellen zwischen
Sarcom und Carcinom stützen sich nur zum Theil auf genaue mi-
kroskopische Untersuchungen. Wilh. Koch (Berlin).
L»'.
R. Krieg. Beiträge zur Lehre vom Enchondrom der Spei-
cheldrüsen.
Inaug. Diss. Tübingen. 1874.
Pie Arbeit enthalt eine kurze Besprechung der pathologisch-
anatomischen und klinischen Eigenthümlichkeiten der Enchondrome
der Speicheldrüsen und eine Zusammenstellung Yon 61 Fällen der-
selben aus der Litteratur und den Journalen der Tübinger chirurgi-
schen Ehnik. Es gehören hiervon 53 Fälle der Farotisgegend^ 6 der
Submaxillargegend und 2 der Sublingualgegend an. Die in der Tü-
binger Klinik beobachteten imd operirten 9 Fälle werden ausführlich
mitgetheilt. Unter denselben befinden sich 7 Fälle von Enchondromen
der Parotisgegend ^ von denen 4 innerhalb und 3 ausserhalb der
Drüsensubstanz ihren Ursprung genommen hatten; 2 mal bestand
Combination mit Carcinom, 1 mal mit Myom^ i mal mit Cystenbil-
dung (seit dem Abschlüsse dieser Arbeit sind noch 2 weitere Fälle
von reinen Enchondromen der Parotis in der Tübinger Ellinik be-
obachtet worden. Ref.). Die übrigen 2 Fälle betreffen Enchondrome
der Submaxillardrüse bei einem 28jährigen Manne und einer 36jäh-
rigen Frau (ein 3. Fall bei einer Frau von 68 Jahren ist im Juni
dieses Jahres vom Bef . exstirpirt worden) . — Als Anhang folgt noch
die Mittheilung einiger Fälle von Enchondromen in anderweitigen
Weichtheilen , um die in der Tübinger Klinik beobachteten Weich-
theü- Enchondrome überhaupt zusammen bekannt zu geben. Der
1. Fall betrifft ein Enchondrom des linken Testikels bei einem 25jähri-
gen Manne^ welches durch die Castration entfernt wurde, der 2. Fall
ein Echondrom im Unterhautzellgewebe der Stime bei einer Frau
von 32 Jahren, der 3. Fall ein wallnussgrosses Enchondrom der
Oberlippe (ausser diesem sind nur noch 3 Fälle von Enchondrom der
Lippen von Paget, Dolbeau und Puppe bekannt gegeben; ein
i
■T-'
Centralblatt für Chirurgie. No. 37. 587
5. Fall bei einem 60jälirigen Mann ist vor Kurzem wieder in der
Tübinger Klinik beobachtet und exstirpirt worden. Ref.).
P* Bnws (Tübingen). /
Thaden. Ueber Wirbelverletzungen.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVUI. Hft. 3. p. 426-463.)
Unter etwa 1200 im Altonaer Krankenhause zwischen 1861 und
1874 incl. behandelten Fracturen sind 28 Wirbelbrüche bei 26 Män-
nern und 1 Weibe notirt. Die Fat. standen zwischen dem 19. und
70. Lebensjahre; bei etwa 10 derselben waren Lähmungen entweder
nicht oder nur in ganz geringfügiger Art nachweisbar.
Halswirbel. Verstauchungen derselben kamen bei 13 Män-
nern Yor^ stets als Nebenverletzungen und anscheinend nicht durch
directe Gewalt. Alle klagten über lebhaften Nackenschmerz und
Empfindlichkeit bei Druck resp. Rotation. Schlingbeschwerden^ Läh-
mung der Blase und Extremitäten wurden nur je einmal, Uebergang
in Spondylitis niemals, auch nicht bei Scrophulösen beobachtet.
Unter den 9 Brüchen sind zu erwähnen, einer des proc. odontoideus^
einer im Körper und in der linken Bogenhälfte des Epistropheus.
Die damit Behafteten kamen zu Fuss ins Spital, konnten den steif
gehaltenen Kopf nicht drehen , hatten keine Gliederlähmungen, aber
heftigen Schmerz in der oberen Nackengegend. Die Section verificirte
die Verletzung einmal nach 8 Tagen, einmal nach 5^2 Jahren.
Zweimal kamen Diastasen der durch Rheumarthritis ankylosirten
Halswirbel zur Beobachtung. Sie führten schnell zum Tode.
Im Bereich der 8 oberen Rückenwirbel zeigten sich bei 3
Individuen zum Theil mehrfache Brüche, bei 4 anderen Contusionen.
Im letztern Falle waren schmerzhaft: einmal der 4., einmal der
1. Wirbel, die anderen Male sämmtliche oberen Wirbel resp. die
Gegend zwischen den Schulterblättern. Lähmung kam nur 1 mal
vor und verschwand in 14 Tagen.
Bezüglich der Wechselwirkung zwischen diesen Cfontusionen und
der Spondylitis erwähnt Verf., dass von 8 mit Wirbel Vereiterung be-
hafteten Erwachsenen nur 2 und der eine gewiss mit Unrecht ein
Trauma als deren Ursache angaben.
An den 4 untern Dorsalwirbeln und den Lenden-
wirbeln wurden 17 Contusionen, meist Folge gewaltsamer Vorn-
überbeugung, nachgewiesen. Gebrochen waren die 4 unteren Rücken-
und der 1. Lendenwirbel bei 8 Männern. Von diesen waren 5 ge-
lähmt. Die Lähmung verlor sich in 5 Wochen bei 2, die 3 übrigen
starben. Die Diagnose stützte sich bei fehlender Lähmung und Cre-
pitation auf die plötzliche Unfähigkeit zu stehen, auf den fixen
Schmerz an der Bruchstelle, auf die Deformität (fehlende Lumbal-
Lordose mit compensirender dorsaler Abflachimg) , auf die langdau-
emde Steifigkeit und das lange Krankenlager.
Die 4 unteren Lendenwirbel waren bei 6 Männern im Wirbel-
körper gebrochen und zwar 2 mal mit Blasenlähmung, 1 mal mit
Wl
588 Centralblatt für ChiruTgie. 3
totaler Paralyse der Beine, viermal ohne eicliei oavuircmixuc x^auuiuiif^
derselben. Drei Männer von 36 — 42 Jahren kamen zur Section,
welche nach der Verletzung die unteren Gliedmaseen gut bewegt
hatten, von denen nur 1 an Blasenlähmung litt. Der Bruch betraf
den 2., 3. und 4. Lendenwirbel, und zwar stellte der 3. Wirbel eine
sogenannte Compressionsfractur dar.
Die anscheinende Immimität des 5. Lendenwirbels, welche
Gurlt' s Casuistik von fast 300 Fällen vor 10 Jahren eigab, ist durch
neuere Mittheilungen widerlegt. Trennung des Bogens zwisdien
oberem und unterem Gelenkf orte atz desselben ist sogar relativ läufig
nachgewiesen und zum Theil wenigstens auf ein früheres Trauma
zurückzuführen. —
Von 24 Erwachsenen mit Spondylarthrocace oder Kyphosis lumbo-
dorsalis gaben 5 Trauma als Ursache ihrer Krankheit an.
Wllh. Koch [Beriin).
L G. Eerr. Urinary calculus in China.
(New York med. Journal 1S76. Bd. XXI. p. 5Ö6.)
Im Medical missionary society's hospital zu Canton in China wurden
in den letzten 4 Jabren 151 Steinkranke operativ behandelt. Es
werden 114 Lithotomieen mit 7 Todesfallen, 37 Lithotripsieen mit 1
Todesfall verzeichnet. — Eine übersichtliche Tabelle ordnet Opera-
tions- und Todesfälle nach dem Älter. Die Chinesen ziehen die Opera-
tion durch Schnitt vor, Madelong (Bonn).
D. Budge. UebeT die Function des Muse, levator ani mit
Rücksicht auf Pathogenese.
[Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 27.)
Verf. giebt hier aus seinen Experimenten und Studien gewonnene
Resultate, soweit dieselben für Praktiker hinsichtlich der Pathogenese
von IntereSBC sind. Entweder sah man den Levator ani als Heber
und Erweiteret des Anus oder (Cruveilhier, Henle, Leshaft)
als zweiten Sphineter an. Zur richtigen Würdigung seiner Function
ist sein Verhältniss zur Beckenfascie zu constatiren. Zu ihr hat er
sowohl Ursprungs- als Ansatzpuncte, ersteie am arcus tendineus, letz-
tere an den bew^licheren l'heUen. Bei Anspannung des Muskels
wird die sonst nach unten trichteiformig sich vertiefende Fascie
nach oben verflacht; durch diesen Gegendruck von unten wird die
BauchpresBe vervollständigt, wird also unter Umständen Defaecation
zu bewirken gesucht. —
Die FuncüoD des m. levat. ani als Fascienspannei ist nicht die
wichtigste. Er entspringt ausser am arcus tendineus am ram. horiz
ossis pubis, Spina ossis ischii und vorderen Ende des Steissbeins
Seine Fasern verlaufen so, dass der ganze infraperitoneale Theil de:
Rectum von ihnen eingeschlossen und bei Contractionen bis zum
Centralblatt für Chirurgie. No. 37. 589
After, der frei bleibt, eingeschnürt wird. Experimentell hat B. nach-
gewiesen, dass am eben getödteten Thiere Beizung des Muskels völligen
Abschluss des Rectums für durchlaufendes Wasser bewirkte. Für
Vögel hat schon Cuvier diesen Muskel als Sphincter erklärt. Als
Defaecator wirkt er nur, wenn die Bauchpresse angewandt wird und
der Sphincter ani nicht contrahirt ist. Nimmt aber die Contractions-
fähigkeit des Levator ani ab, so kann Obstruction folgen (z. B. Nach
langem Fahren, übermüdenden Märschen, bei allgemeinem Emäh-
rungsmangel, bei Nervenaffectionen etc.).
Schliesslich beweisst Verf., dass nicht der N^laton'sche Sphinc-
ter ani superior, sondern der Levator ani bei zerstörtem Sphincter
ani vicariirend die Retentio alvi bewirkt. v. Mosengeil (Bonn).
Th. Annandale. Neue Operation für gewisse Fälle von hoch-
gradigem Genu valgum.
(Edinburgh med. Journal 1875. July. p. 18.)
In Fällen von genu valgum, bei denen die Condylen des Ober-
schenkels sehr schräg geneigt stehen, kann man eine Besserung der
Stellung des Unterschenkels dadurch erreichen, dass man den Ober-
schenkel, wenn auch seine Axe im mittleren oder im unteren Drittel
gekrümint ist, an der Äbknickungsstelle durchtrennt und gerade rich-
tet, oder dass man von den Condylen des Oberschenkels durch eine
genau horizontale Schnittlinie die schräg geneigte Epiphysenpartie
entfernt. Obwohl der letztere Vorschlag wegen der damit verbunde-
nen Eröffnung des Kni^elenks der gefährlichere ist, so hat ihn A.
dennoch, weil er ihm als der sichere erschien, und er durch streng
gehandhabtes »antiseptisches« Verfahren den Gefahren der Kniegelenks-
entzündung vorzubeugen hoffte, bei einem 6jährigen Mädchen erfolg-
reich durchgeführt. — An der Innenseite des Kniees wurde ein 5
Zoll langer Längsschnitt gemacht, das Gelenk eröfihet, die ligg. la-
teralia (das int. und das ext.) und die ligg. cruciat. quer durchtrennt,
und nun in horizontaler Schnittlinie die darüber vorspringende Partie
beider Condylen abgesägt. Das jetzt vollkommen geradlinige Bein
wurde auf eine Schiene gelagert. Operation und Verband geschahen
natürlich unter antiseptischen Cautelen. Geringe Eiterung trat ein,
doch brauchte am 8. Tage der Verband nur alle 2 Tage gewechselt
zu werden. Nach 6 Wochen volle Heilung; beide Beine waren gleich
lang; seitliche Bewegung im Knie nur in geringem Grade möglich,
aber leider Flexion und Extension ebenso beschränkt. Daher nach
5 Wochen in der Narkose Trennung der Adhäsionen im Gelenk durch
forcirte Beugung. Nach 2 Tagen ging das Kind mit Hülfe von
Krücken wieder umher ; die Beweglichkeit im Gelenk war entschieden
gebessert (Endresultat nicht angegeben). PH« (Stettin).
590 Centralblatt fQr Chirargie. No. 37.
Kleinere Mittheilungen.
Ohr. Heatfa. (University College Hospital.) Zwei Fälle von Arterien-
vereiterung.
(The Lancet 1875. Vol. II. p. 50.)
1. Eine 28j&hrige Frau hatte einen kleinen oystischen Tumor an der Aussen--
Seite des Unterschenkels, 3" unter dem Knie, der früher durch Function entleert,
jetzt von H. exstirpirt wurde. Am 3. Tage erfolgte ein Frostanfall, dann Röthung
des Beines mit nachfolgendem Oedem und Schwellung der Inguinaldrüsen. Bei con-
stant hohem Fieber zunehmende Schmerzen um das Knie, besonders an der Innen-
und Hinterseite. Das Knie selbst schwillt an, unter Entwickelung eines Abscesses an
der Innenseite des Oberschenkels. Incision, profuse Eiterung, hohe Prostration
der Kräfte. 16 Tage vor dem Tode profuse Blutung aus der Incisionsstelle ; 6 Tage
vor dem Tode Gangrän einiger Zehen; kein Puls in Tibialis ant. und post. Tod
durch Erschöpfung. • — Section: Kniegelenk hochgradig verändert, commu-
nicirt durch mehrere Oeffnungen mit dem grossen Oberschenkelabscesse, der zwischen
sämmtliche Muskeln sich hinauf erstreckt und bis zur Operationsstelle herabreicht;
das Tibio-Fibular-Gelenk normal. Die Art. poplit. lag in der Abscesshöhle an dem
vorspringenden Theile des condyl. int. , hier war ihre vordere Wand auf 1 Zoll
Länge arrodirt, ebenso Vs" ^^^^ ^^ ^^^ ihrer Innenseite abgehender starker Ast,'
der jetzt mit schwachem Thrombus verschlossen intra vitam die Blutung geliefert
hatte. Unter der arrodirten Stelle war die Intima der Poplitea sehr verdickt; ein
sehr weicher Thrombus befand sich in der erkrankten Arterie. Ausser diesen Ver-
änderungen noch rechtsseitige Pleuro-Pneumonie.
2. In Folge eines Stosses hatte sich bei einem sonst vollkommen gesunden
Manne eine chronische EUenbogenentzündung ausgebildet, die zu einer fast voll-
kommenen Ankylose geführt hatte. H. versuchte mit scheinbar gutem Erfolge
forcirte Streckung, der gewonnenen Beweglichkeit folgte aber schnell heftige Ent-
zündung mit mehrfachen Abscedirungen. Trotz fortgesetzten passiven Bewegungen
wurde nicht viel erreicht und deshalb die Excision des Gelenks vorgenommen.
Hierbei erfolgte ein kleiner Hautriss an der Beugeseite des Gelenks. Am 5. Tage
fand an dieser Stelle eine beträchtliche Blutung statt, die am 9 Tage wieder-
kehrte und die directe doppelte Unterbindung des blutenden Gefösses in der er-
weiterten Wunde erforderte. Trotzdem trat noch eine 3. Blutung ein und nuin
machte jetzt die Ligatur der Brachialis im mittleren Drittel ; eine fernere Blutung
f&hrte zur Amputation im Oberarme. Schon nach wenigen Stunden erfolgte hier-
auf der Tod. Einige Tage vorher hatte man noch linksseitige Pleuritis diagnostizirt.
Section: Die obere Ligatur umschloss eiterndes Bindegewebe an der Vorderseite
der Arterie und lag der unteren sehr nahe, letztere umschloss genau die Arterien-
wand, aber unter ihr war die vordere Arterienwand auf 1" Länge gänzlich ge-
schwunden bis zur Bifurcationsstelle, woselbst Kadialis und Ulnaris in einen Sinus
ausmündeten: zwischen beiden Ligaturen ging kein Gefäss ab. Vena brachial,
enthielt kein Gerinnsel; die übrigen Gefässe waren normal; die Brachialis-Liga-
tur lag etwas unter der Stelle, wo anastomotische Zweige von dem Hauptstamm
abgingen. Pil8 (Stettin}.
J. W. Howe. Transfusion of goat's-milk.
(New York med. Journal. 1875. Bd. XXI. p. 506.)
Ein 39j ähriger Arbeiter litt an chron. rheumat. Arthritis des Kniegelenks,
Lungen- und Peritoneumtuberkulose. Nachdem P. mehrere Tage keine feste
Nahrung genommen und seine Kräfte rasch verfielen, wurden ihm 17s Unzen Zie-
genmilch in die vena cephalica »auf die gewöhnliche Art« transfundirt (Blut konnte
Ccntralblatt fOr Chirurgie. No. 37. 591
nicht rasch genug beigeschafft werden). Der Fat. klagte über Schwindel, Trü-
bung des Gesichtsfeldes und Nystagmus. Puls unverändert. Wenige Minuten
später waren diese Symptome verschwunden. Injection einer weiteren Unze Milch.
Als 4 Minuten später abermals eine Unze eingespritzt wird, klagt der Fat. über
Schmerz in der Brust und Kurzathmigkeit. Als jetzt die Kanüle entfernt wurde,
verschwand Beides. Der Fuls schien sich gehoben zu haben. Acht Stunden
später wiederum Injection von 3 Unzen. Am folgenden Tag fühlte sich Fat. viel
besser und wünschte eine neue Injection. Ein Tag später Tod. Die Venen, in
welche die Milch injicirt war, waren gesund. Verf. glaubt, dass diese Transfusionen
weder den Tod des F^t. beschleunigt, noch sein Leben um eine Stunde verlängert
haben. Madelimg (Bonn).
W. Mosler. Ueber arterielle Transfusion deiibrinirten Menschenblutes
bei Darmblutung im Verlauf von Typhus abdominalis.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 20.)
Nach einer erschöpfenden Blutung in dem durch dis Ueberschrift charakteri-
sirten Falle wurde eine arterielle Transfusion ausgeführt ; von einer venösen wurde
wegen hochgradiger Hersschwäche Abstand genommen. Genesung.
T» Mosengeil (Bonn).
C. Sohwalbe. Electrotherapeutische Beiträge.
(Virchow's Archiv Bd. LXIII. p. 462.)
Varicen, chronische Beingeschwüre, Elephantiasis, femer Erysipele, Fhlegmonen,
Urticaria, Entzündungen einzelner Gelenke sowie acute und chronische Folyarthri-
tiden hat S. durch Behandlung der benachbarten Haut mit der electrischen Geissei
behandelt und will hierbei gute, oft überraschend glänzende Erfolge erzielt haben ;
bei Beingesohwüren , bei Erysipelen, selbst bei der Gesichtsrose wurden die Fat.,
nach den Angaben von S. , nur ambulant behandelt. — Dann werden noch aus-
gezeichnete Heileffecte bei Fleuropneumonie und Lungenphthise von der Anwen-
dung der electrischen Geissei auf die Haut des Thorax berichtet und giebt S. an,
dass er schon jetzt »diese neue Methode« veröffentliche, um sich die Friorität der
Erfindung zu wahren. Madelung (Bonn).
J. Lewis Smith. Erysipelas^ and its effect on a child at the breast.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI.)
Die Amme eines 7 Wochen alten Kindes erkrankte an Erysipel. Das Kind
nahm noch 2 Tage lang die Brust, bekam dann Diarrhoe und starb nach 3 Tagen.
In der Peritoneidhöhle wurden 2 Unsen Eiter gefunden. Madelmg (Bonn).
B. Sehweninger« Beitrag zur Lehre vom Enchondrom.
(Aerztl. Intelligenzblatt 1875. No. 24. p. 241.)
Mittheilung eines Falles von Enchondrom der Tibia bei einem i 7jährigen
Mädchen, durch Trauma entstanden. Amputation des Oberschenkels nach Gritti,
13 Monate später tödtlicher Ausgang in Folge von metastatischer Enchondrombil-
düng im Becken und in den Lungen. Die genaue anatomische Untersuchung stellte
fest, dass der metastatische Beckentumor seinen Ausgang von den Lumbal- und
Betroperitonealdrüsen durch Infection auf dem Wege der LymphgeflUsse genommen
hatte; die Enchondromknoten in den Lungen dagegen waren durch den Blutstrom
verschleppt, indem die Geschwulstmasse im Becken in die Vena cava hineinge-
wuchert war und sich die Lungenarterien mit Thromben derselben Neubildung
ausgestopft zeigten. P* Bmns (Tübingen).
592 Centralblatt für Chirurgie. No. 37.
Müller. Ein Fall von Carcinom der männlichen Brustdrüse.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Der Fall bietet keine Besonderheiten. Es kam widerholt zu Becidiven in der
Narbe, die geätzt wurden; schliesslich glaubte M. bei Anwendung des constanten
electrischen Stromes ein verlangsamtes Wachsen der Neubildung zu bemerken.
Gersnny (Wien).
Otifl. Caiies of the vertebrae; Tubercular disease of kidneys and
testicles.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. p. 514.)
Ein 4^ähriger Mann litt seit Jahren an den heftigsten Schmerzen beim Uri-
niren. Blasenkatarrh I Abgang von Blut und kalkigen Massen mit dem Urin ge-
sellten sich zu den Schmerzen, welche sich so steigerten, dass dem Fat. das Leben
zur Qual wurde. Obgleich kein Stein zu entdecken war, wurde der mediane Stein-
schnitt ausgeführt. Man vermuthete einen Stein in einem Divertikel der Blase
und hoffte jedenfalls durch die Operation Besserung des Blasenkat^hs. Es wurde
kein Stein gefunden. Ein Monat lang wurde die Blasenwunde offen gehalten. Die
Linderung der Schmerzen dauerte einige Monate. Fat. starb nach Jahresfrist an
Caries der Wirbelsäule. Die rechte Niere war hochgradig cystisch degenerirt, die
linke, dreimal grössere, enthielt einen grossen Abscess. Die Blasenwandungen
waren verdickt. Hinter der Frostata fand sich ein Divertikel, »der gut geeignet
war, einen Stein zu enthalten«, aber keinen enthielt. Der rechte Hoden tuberculös
entartet. Madelung (Bonn).
Dupont. Luxation compl^te de la moiti6 droite du bassin.
(Archives m^dicales belges|1875. Hft. 7.)
Ein Fionier wurde während der Uebungen an der Scheide mit dem Rumpf
heftig zwischen zwei Fontons eingekeilt, zwar gleich befreit, doch ohnmächtig und
pulslos in das Lazareth gebracht, wo er schon nach 3 Stunden starb. Aeussere
Verletzungen waren an dem Manne nicht zu constatiren gewesen. Die Section er-
wies, ausser einem reichlichen Bluterguss in die rechte fossa iliaca, eine Trennung
der Schambeinfuge und gleichzeitige Ablösung und Verschiebung des rechten Darm-
beins im Ileo-Sacral-Gelenk nach hinten, sodass die ganze rechte Beckenhälfte mit
der daran hängenden Extremität nach aussen und hinten luxirt erschien. Fractu-
ren der Beckenklxochen oder schwerere Beschädigungen der bedeckenden Weich-
theile fehlten merkwürdigerweise. Am« Hiller (Berlin).
J. Fagan. Verletzung des Üeo-Sacral-Gelenkes beim Kinde.
(The Lancet. 1875. Vol. II. p. 49.)
Ein 4j ähriges Mädchen zeigte nach Fall die linke Sacral- und Olutäal-Gegend
stark geschwollen, die Haut darüber geröthet, glänzend, von starken Venengefleoh-
ten durchzogen; es bestand deutliche Fluctuation. Durch Aspiration wurden 14
Unzen dünnen Eiters entleert, anscheinend die Hälfte des Inhalts; am folgenden
Tage erschien eine kleine Schwellung in der linken Inguinalgegend , die in den
nächsten Tagen ebenfalls fluctuirte und per Aspiration 4 Unzen Eiter entleeren
liess. Innerhalb der nächsten 24 Tage der Behandlung wurde 7 mal eine Eiter-
Ausziehung bewirkt. Als Residuum des Leidens blieb eine tiefe Rinne zwischen
proc. spin. des Kreuzbeins und dem hinteren Theile der crista ilei, welche unter
Druckverband bald verschwand ; das Kind konnte bei der Entlassung ohne jeden
Schmerz normal gehen. In einer grösseren Auseinandersetzung über Differential-
Diagnose dieses Ealles stützt F. seine Diagnose auf die Gegend der Verletzung
und die secundäre Eiteransammlung in der Leiste. Pilz (Stettin).
Orlginalmittheilnngen, Monographleen und Separatabdrficke wolle
man an Dr. H. Tillmanns, Leipzig, Marienstiasse No. 3, oder an die Yerlagshandlnng,
BteUkopf und Hartelt einsenden.
DraelE und Verlag von Braitkopf und HIrtel in Leipzig.
Gentralblatt
für
i
CHIRURGIE
heransgegeben
TOB
Dr. LLesser, Dr. M. Mele, Dr. H. Tllloiaoiis
in Berlin. in Halle m. S. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 38. Sonnabend, den 18. September. 1875.
Inhalts Roser, Rippenresection bei Empyem. (Original-Mittheilang.)
Sander, Qeschichte, Statistik, Bau und Einiichtnng der Krankenhäuser. — Burger
Compendium der Operativ-Chirurgie. — Gu^rln, Wundbehandlung. — Sloll, Verglei-
chende Untersuchung über die Zwischenrippen- und Bauchmuskulatur. — Tuchmann,
Künstlicher Verschluss der einen Harnleitermündung. — Jakowlckl, Physiologische Wir-
kung der Bluttransfusion. — GelSSOl, Kriegscbirurgische Keminiscenzen. — BllChanan,
Bericht. — H^noque, Phlegmonöse Periostitis. — d'AzambaJa, Tlllot, Ozaena. — Robert-
son, Haematom des Ohres. — Harvey, Zwischensubstanz der Hoden.
Fiorese, Tetanus durch Ghloral geheilt. — Berti, Splaggia, Transfusion. — Valoranl,
Fall von Schädelcarcinom. — Lafont, Spontane Heilung eines Nasenrachenpolypen. —
West, Tumor in der Oberhalsgegend. — MaCCblavelll , Aortenaneurysmen. — Bian-
Chetti, Phlegmonöse Gastritis. — Lalller, Eisenchlorid gegen Herpes Zoster. — Moronf,
Oangraen des Fusses bei Diphtherltis. — GrOSSmann, Gasuistik fi-emder Körper in der
Harnröhre.
üeber Bippenresection bei Empyem.
Von
Prof. Böser in Marburg.
Der Bearbeiter der Pleuritislehre in dem Ziemssen' sehen Sam-
melwerk^ Herr Dr. Fraentzel, lässt mich den »schlechten Rath<x
geben ^ dass man bei jedem Empyemschnitt eine Rippenresection
machen solle. Gegen das Missverständniss ^ welches hier vorliegt^
muss ich Verwahrung einlegen ; mein Bath war immer nur der, dass
man bei eng zusammengerückten Rippen, wenn dieselben die Ent-
leerung des Eiters hindern, zur Resection schreiten soll. Und diesen
Rath wird hoffentlich Niemand als schlecht bezeichnen wollen.
Die Fälle von Empyemfistel , bei welchen man die Rippen so
eng zusammengerückt findet, dass sich das Einfuhren oder Einlegen
einer Kanüle nicht wohl machen lässt, kommen nicht allzuselten vor.
38
594 Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
Nachdem dies von Reybard schon lange gezeigt worden, haben
sich wohl alle chirurgischen Kliniker hiervon überzeugt und es hat
deshalb mein Vorschlag, in solchen Fällen ein Stückchen Rippe zu
rfeseciren (Archiv für lü^ßilkunde 1865), viele Nachahmung gefunden.
Ich kann mich hier auf die chirurgischen Kliniker im Norden und
Süden berufen. Ich könnte auch noch eine Reihe von neuem Fällen
aus der Marburger Klinik anführen, es scheint mir dies aber unnöthig
und somit will ich lieber von der Verbesserung der Operation sprechen,
als dass ich Längstbekanntes nochmals wiederholte oder Krankheits>
geschichten, wie sie auf jeder Klinik zu haben sind, abdrucken Hesse.
Bei meinen ersten Operationen dieser Art war ich sehr sparsam
mit Reseciren, ich fand aber, dass man genöthigt sein kann, die
Operation zu wiederholen, wenn sich durch Knochenwucherung oder
durch Hinaufrücken des Zwerchfells der Ausflussraum allzusehr wie-
der verengt. Ich rathe demnach, lieber ein grösseres Stück, drei bis
sechs Ctm., wegzunehmen. Bei den Operationen der letzten Jahre
habe ich es immer so gemacht. Einige Collegen, mit welchen ich
über diesen Gegenstand sprach, theilten mir dieselbe Erfahrung mit.
An der Knorpelgrenze der Rippen ist die Resection sehr
leicht zu macjien, besonders bei Kindern. Hat man erst vorn den
Knorpel durchschnitten, so lässt sich die Rippe sehr leicht an ihrem
vorderen Ende fassen und hervorheben und die Operation wird da-
durch zu noch grösserer Einfachheit und Sicherheit gebracht. Es
versteht sigh von selbst, dass man so viel als möglich subperiostal
operirt und dass man die ganze Resection damit anfangt, das Periost
zu spalten und die Weichtheile mit dem Meissel nach beiden Seiten
abzudrängen.
Eine Gefässverletzung ist mir bei meinen zahlreichen Empyem-
operationen nie vorgekommen, ich habe aber immer den Grundsatz
befolgt, mehr dehnend, mit der Kornzange und den stumpfen
Haken oder dem Finger, als schneidend, mir den Weg in die Pleura-
höhle frei zu machen.
Es ist die Frage aufgestellt worden"^), ob es nicht in manchen
Fällen besser sein möchte, an zwei Rippen ein Stück wegzunehmen.
Mir ist es nicht zweifelhaft, dass dies vortheilhaft sein kann und so
habe ich schon früher und auch in diesem Sommer wieder danacli
gehandelt. Ein 5jähriges Kind mit schon viele Monate bestehender
Empyemiistel hatte seine Fistel an der sechsten Rippe links, ganz
nahe der Zwerchfellsinsertion ; ich resecirte das entsprechende Rippen-
stück, sah aber gleich, dass dies auf die Länge schwerlich ausreichen
würde. Somit fügte ich sogleich die Resection eines Stückchens aus
der fünften Rippe hinzu. Es fand sich eine sehr merkliche Knochen-
wucherung zwischen und hinter den beiden Rippen und die Oeflhung
wurde erst durch die zweite Resection weit genug, um den Zeigefin-
ger in den Thorax einzuführen.
*) König, Lehrbuch I. p. 635.
'*^
Centralblatt fflr Chirurgie. No, 38.
595
Die Heilung ging in sehr befriedigender Art von statten.
Auch in der Nachbehandlung habe ich das Umwälzen der Kran-
ken solcher Art sehr nützlich gefunden. Wo das Umwälzen nicht
hinreicht, z. B. bei engen Empyemfisteln (die man doch nicht so-
gleich mit dem Messer angreifen will), kann durch Luft- Ein-
spritzung, in Verbindung mit dem Umwälzen, die Austreibung des
Eiters erleichtert werden. Doch wird das Lufteinspritzen nur mit
Vorsicht und ohne Kraftanwendung gestattet sein; es sind mir ver-
schiedene Fälle mitgetheilt worden, wo bei raschem Lufteinspritzen
ein ohnmachtartiger Zustand oder sogar Apoplexie-Zufälle entstanden
waren. Ich vermuthe, dass eine plötzliche Hemmung des venösen
Rückflusses im Thorax die Ursache solcher Zufalle gewesen sein
mag. Bei einem Falle solcher Art, welcher in meiner Abwesenheit
in der Marburger Klinik vorkam, war eine plötzliche seitliche Läh-
mung und eine mehrtägige Aphasie, also sehr beunruhigende Er-
scheinungen, nach einer wohl zu raschen und gewaltsamen Injection
von Ijuft beobachtet worden. Bekanntlich sind auch bei unvorsich-
tigen Wasserinjectionen ähnliche Zufälle in verschiedenen Kliniken
zum Vorschein gekommen.
P. Sander. Ueber Geschichte, Statistik, Bau und Einrich-
tung der Krankenhäuser.
(Nebst einem Bericht über das Krankenhaus der Stadt Barmen.)
Köln 1875. M. Dnmont-Schauberg'sche Buchhandlung.
Verf. erörtert in eingehendster und durchaus anregender Weise
die praktisch so wichtigen Fragen, welche auf Bau und Einrichtung
von Krankenhäusern Bezug haben. Die vortreffliche Arbeit soll gleich-
sam dem Bauprogramm des neu zu errichtenden Barmer Kranken-
hauses als Unterlage dienen. Wir empfehlen hiermit das lehrreiche
Werk auf das Wärmste der allseitigsten Beachtung. —
Nach einem kurzen historischen üeberblick ))zur Geschichte der
Krankenhäusera bespricht Verf. zunächst die Krankenhaus-Statistik.
Bezüglich derselben wird mit Recht betont^ dass es fast niemals
Werth hat, die Todten - Ziffern der verschiedenen Anstalten oder
Jahre mit einander zu vergleichen, oder aus der Mortalität auf
den Einfluss zu schliessen, welchen irgend ein Differenzpunct aus-
geübt hat. Eine Oleichartigkeit zweier Krankenanstalten bezüglich
des Krankenmaterials, der sanitären Verhältnisse etc., die solche Ver-
gleiche gestattet, kommt fast niemals vor. Somit sind auch Statisti-
ken, wie die von W. Farr vollständig werthlos, welcher bekannt-
lich eine Tabelle über die Sterblichkeits-Ziffer einer Anzahl von
grösseren und kleineren Hospitälern aufstellt und es darnach für erwie-
sen hält, dass die Mortalität in grossen Hospitälern grosser Städte dop-
pelt so gross ist, als in kleinen Krankenhäusern kleiner Städte. Nicht
minder verfehlt ist der Versuch der Miss Nightingale^ aus einer
38»
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596
Centralblatt für Chirurgie. No. 38
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Vergleichung der Sterblichkeit der Wärter mit jener der gleichalterigen
übrigen Bevölkerung auf die gesundheitlichen Verhältnisse eines
Krankenhauses zu schliessen. — Ebenso unsichere Resultate erzielt
man^ wenn man die Mortalität bestimmter Krankheiten als Maassstab
für die Beurtheilung der Salubrität eines Kraukenhauses anlegt^ wie
es z. B. Simpson in seinen bekannten Arbeiten über Hospitalism
bezüglich der Amputationen gethan hat. Aus der blossen Zusammen-
stellung von 2098 Amputationen aus der Privatpraxis mit 10,8)^
Mortalität und 2087 Fällen aus der Hospitalpraxis mit 41 ^ Sterblich-
keit darf man nicht mit Simpson den Schluss ziehen, dass die
grossen Hospitäler an sich grössere Gefahren bieten, dass deshalb an
ihre Stelle Dörfer von kleinen eisernen einstöckigen Hütten treten
müssen, die alle paar Jahre abgerissen und an einem anderen Orte
wieder aufgebaut werden können. Es ist hier zu bedenken, dass die
von Simpson gegebenen Notizen sowohl aus der Privatpraxis, als
aus den einzelnen Krankenhäusern unvollständig sind; nicht minder
zu betonen ist, dass die einzelnen Aerzte, abgesehen von dem ver-
schiedenen Grade ihrer Glaubwürdigkeit etc., die Indication zur Am-
putation nicht in gleicher Weise stellen, dass endlich die Fälle selbst
je nach der Art der Verletzung, nach der Zeit der Operation, je
nach der Constitution der Kranken sowie bezüglich der Nachbe-
handlung etc. etc. durchaus ungleichartig sind, alles Momente, welche
es verhindern, die Amputationsfälle als solche ohne weiteres in Be-
ziehung auf den Einfluss der Oertlichkeit mit einander zu vergleichen.
Verf. erörtert sodann die Beeinflussung der Wunden durch die
sog. Hospitalkrankheiten und die angeblich in Krankenhäusern leich-
ter stattfindende Verbreitung der Infectionskrankheiten. (Exantheme,
Ruhr, Typhus, Cholera, Puerperalfieber.) Bezüglich der ersteren steht
fest, dass sie auch in der Privatpraxis vorkommen und man kann
deshalb nach S. nur fragen, ob die sog. accidentellen Wunkrankheiten
in den Hospitälern häufiger vorkommen, als in der Privatpraxis.
Aber um hier eine praktisch brauchbare Antwort zu erhalten, fehlt
es an genügendem statistischem Materiale. Dass die Pyämie und
Septikämie in Krankenhäusern häufiger vorkonmit, als in der Privat-
praxis, ist wohl nur deshalb der Fall, weil die schweren Verletzungen,
welche vorzugsweise dazu führen, meist in öffentlichen Krankenan-
stalten Aufnahme finden. So erklärt auch Billroth die Annahme,
dass in schlechten Krankenhäusern viel und in guten wenig Pyämie
vorkomme, für ganz unerwiesen, während in der That die Mehrzahl
der Chirurgen der Ansicht sind, dass durch das Zusammenliegen
vieler Wundkranken, durch mangelhafte Ventilation etc. der Häufigkeit
der Pyämie Vorschub geleistet und durch gute Hospital-Einrichtungen
dieselbe gemildert werden könne. Leider aber sind imsere Kennt-
nisse über die Entstehung der Pyämie noch gering, gleichwohl aber
ist auf strengste Reinlichkeit, gute Luft etc. der grösste Werth zu legen ;
nur dürfen wir, wie S. mit Recht hervorhebt, nicht glauben, »mit
diesen Mitteln alles Unheil verhüten zu können«. Während bei der
s.
*
Centralblatt für Chirurgie. No. 38. 597
Pyämie der Kranke nach S. keinen specifischen Stoff erzeugt, der auf
Andere übertragbar ist und hier dieselbe Krankheit hervorrufen kann,
nimmt es derselbe bezüglich der Kose höchst wahrscheinlich, vom Hos-
pitalbrand dagegen sicher an, dass es geschieht. Von den schweren
Zellgewebs-Entzündungen ist es nicht erwiesen, dass sie durch An-
steckung entstehen. Selbstinfection ist für viele der letzten Fälle
wahrscheinlich, während die von Billroth angenommene Impf-
barkeit aller acuten Entzündungsprodukte nach den bisherigen Ver-
suchen an complicirte Bedingungen bezüglich der Temperatur und
Wassermenge gebunden ist. —
In einer kurzen Besprechung der Pilztheorie besont S. das Un-
sichere derselben, um so mehr, als noch nicht einmal der sichere
Nachweis des constanten Vorkommens der Bacterien bei den betref-
fenden Wund- und Infectionskrankheiten gegeben sei. Wenn auch
in Zukunft eine festere Begründung der Pilztheorie nicht unmöglich
ist, so beeinflusst sie doch vorläufig wenigstens unsere praktischen
Maassregeln der Krankenhaus- Verwalturg durchaus nicht. Bezüglich
des List er' sehen Verbandes müssen grössere Erfahrungen abgewar-
tet werden, bis wir dem Verband bei allen seinen sonstigen grossen
Vorzügen auch die wichtigste Eigenschaft vindiciren können, dass er
bei strengster Handhabung das Entstehen der Wundkrankheiten sicher
verhindert. Aber es widerspricht nach Verf. entschieden den bishe-
rigen Erfahrungen, dass alle Infection von Aussen den Kranken be-
fällt und dass die Wundkrankheiten durch Verhinderung einer Aus-
sen-Infection ganz vermieden werden könne. — Bezüglich der eigent-
lichen Krankenhaus-Statistik ist Verf. der Ansicht, dass sie keine
sichere Antwort bezüglich der besten Einrichtung, der Bauart und
Grösse eines Hospitals gebe. Nur allgemeine Erfahrungen und Er-
wägungen geben im Gegensatz zum Centralbau eine Reihe von Grün-
den für das Pavillon- oder Barackensystem (»Blocksystem«), wie Verf.
besonders in dem 3. Theile seines Buches darlegt. Ausführlich und
klar bespricht hier S. Bau und Einrichtung von Krankenhäusern; die
Wahl des Bauplatzes und der Bauart, die Unterabtheilungen für die ver-
schiedenen Arten von Kranken, die Krankensäle, Ventilation, Heizung,
Beleuchtung, Mobiliar, Nebenräume der Krankensäle, Speise- und
Waschküchen , Desinfections-Anstalt , Leichenhaus , Verwaltungsge-
bäude und Wasserversorgung. In den vorstehenden Capiteln legt
Verf. seine Erfahrungen nieder, welche er zum Theil aus der Be-
sichtigung zahlreicher Hospitäler gewonnen hat und bezüglich des
hier gegebenen reichen Inhaltes müssen wir auf das Original verwei-
sen. Den Schluss des Buches bildet die Geschichte und der gegen-
wärtige Zustand des T^armer Krankenhauses mit einer Statistik über
grössere Operationen aus den Jahien 1862 — 1874 und einer Zusam-
menstellung des in den genannten Jahren stattgehabten jährlichen
Krankenbestandes (cf. Orig.). Tilimanns (Leipzig).
ii
Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
ivagor'. Compendiiim der Operativ-Chirurgie.
Leipzig, Verlag von C. L. Hlrsclireld. 1875. .
1 eo dankenswerthes Unternehmen es gewesen sein würde,
er Verfasser sich die Aufgabe gestellt hätte, in der übersicht-
''orm eines Lehrbuchs dem Studireuden und Praktiker die
hen Fortschritte zugänglich zu machen, welche auf dem Ge-
' operativen Chirurgie iti der neueren Zeit fast nach jeder
g hin geschehen sind, eo wenig hat der Autor eich bemüht,
gewiss von Vielen empfundenen Kedürüiiss Rechnung zu
Die Hurger'sche Operativ-Chirurgie ist wieder nur eine
ler leider vielfach gebräiichlicheii Zusammenstellungen von
;h vielen alten und ältesten Methoden und Namen, von Gu-
1 Schlechtem, Nützlichem und Verwerflichem, wobei es dem
rot? der jedem Methodeiicomplex angehängten »Würdigungu
teils selbst überlassen bleibt, sich das, was er brauchen und
orten kann, herauszusuchen. Am meisten befremdet aber die
aliche Sorgfalt, mit welcher der Verfasser es vermieden hat,
nzenden Errungenschaften der jüngsten Entwickluugsphase
Wissenschaft zu berücksichtigen. Was nicht ganz verschwie-
ist entweder nur in durchaus ungenügender und unverständ-
^eise besprochen, oder Verf. findet sich in den wunderbarsten
eni darüber befangen. In gleicher Weise sind eine ganze
ler neueren vervollkommneten Instrumente gänzlich ignorirt
So wird, um nur einiges hervorzuheben, unter den Metho-
Neurotomie und Neurectomie weder die Wagner'schc Auf-
ing des Infraorbital canal s , noch die Lücke'sche temporäre
in des Jochbeins , noch die Paravicini'sche Durcbschnei-
ts nerv, inframaxill. vom Munde aus der Erwähnung für werth
i; der Regnoli-Hillroth'schen Methode der Zungenex-
n, der Exstirpation des Kehlkopfes nach Billrotb, der Niere
mon, der Tracheotomie nachBose undMaxMüller (nicht
die Tracheotomie inf. ist genannt), der Plastik der Unterlippe
Langenbeck, der Khinoplastik mit federndem Stützlappen
olkmann, der Operationen der Hypospadie und Epispadie
liersch wird in dem ganzen Buche mit keiner Silbe gedacht.
gutligatur ist nirgends erwähnt. — Der neue Aufschwung,
die Transfusion und ihre Technik genommen hat, wird mit
rten abgefertigt: "Neuerdings hat man angefangen, frisches
inirtesThier- (Kalbs- oder Lamm-] Blut zurTrans-
zu verwenden«. — Aus der sehr kurz gehaltenen Beschrei-
es Esmarch'schen Verfahrens erfahrt man nicht einmal,
,n sich zur Einwicklung des Gliedes am zweckmässigsten einer
ibinde bedient. — Die Drainage kennt Verf. nur als eine
i der Behandlung der Cystenkröpfe — u. s. w. Die zahlreichen
n Unterlassungssünden aufzuzählen würde viel zu weit fuh-
id mache ich daher nur noch auf die Capitel über Ankylosen-
F •»
Centralblatt fttr Chirurgie. No. 38. 599
operatioueii und Oßteotomieen aufmerksam, die auch ihrerseits an
Vollständigkeit sehr viel mehr zu wünschen übrig lassen, als man
selbst von einem kurz gehaltenen Lehrbuche erwarten sollte. —
Aehulich verfährt Verf. mit den Instrumenten. Die Nela ton 'sehe
Soude, die electrischen Kugelsucher, die amerikanische und Löff-
1er' sehe Kugelzange finden in seinem Buche keinen Platz. Bei der
Besprechung der Operation der Ohrpolypen wird gerade das Instru-
ment, dessen sich alle Ohrenärzte so gut wie ausschliesslich bedie-
nen, der Wilde 'sehe Polypenschnürer, nicht erwähnt. Ebenso fin-
det sich nichts von einem Bruns' sehen scharfen Löffel, nichts von
einem Süersen-Hohl'schem Obturator bei Gaumenspalte, nichts
von einem Langen b eck 'sehen Nähwerkzeug für die Uranoplastik
und Staphyloraphie, nichts von einem Meier-Meltz er 'sehen Draht-
ecraseur für Uteruspolypen. Von allen Toumiquets wird nur das
Schraubentourniquet von Petit erwähnt. — Die Beschreibung der
neueren amerikanischen Zahuzangen lässt die wirkliche Gestalt der
Instrumente kaum ahnen u. s. w. —
Die pathologischen und therapeutischen Anschauungen des Verf.
sind damit im Einklang. Die Warnung vor der »Heleidigung der
inneren gefässreichen Auskleidung« der Todtenlade bei der Necrotomie
(p. 88) , die Vorschrift, nach jeder bedeutenden Operation der Art
mehrere Tage Eisumschläge zu machen (p. 89), der Rath, nach einer
Gelenkresection die Wunde »ganz oder theilweise« zuzunähen (p. 97),
die Empfehlung der liigatur »bei alten Mastdarmfisteln, bei denen
eine schnelle Heilung nicht wünschenswerth ist« ^ — der unbedingte
Vorzug, der der Goyrand' sehen Methode der Excision von Ge-
lenkkörpern in zwei Acten eingeräumt wird, mögen nur als einzelne
Beispiele für den Geist, der das Ganze durchweht, herausgehoben
werden. —
Auch in Bezug auf die Wundbehandlung, auf welche Verf. an
zahlreichen Stellen zu sprechen kommt, sucht man vergebens nach
den Spuren eines Einflusses der letzten Jahrzehnte. Naht, Eis, vor-
zugsweise aber Heftpflaster und Charpie — das ist alles. Der bis
dahin sorgfältig verschwiegenen offenen Wundbehandlung geschieht
nur bei den Amputationen (p. 141) in folgender eigen thümlicher Weise
Erwähnung: »Schapira unterlässt jede Vereinigung, weil dadurch
das Wundsecret zurückgehalten werde. Er belegt die Wunde ein-
fach mit einem Leinwandläppchen und versucht die Wundränder erst
mit Heftpflaster einander zu nähern, wenn die Granulation der Wunde
in vollem Gange ist.« Sind Burow, Kose, Krönlein dem Verf.
unbekannt? Dass das antiseptische Verfahren in dem ganzen Buche
einfach todtgesch wiegen wird, kommt einem nach dieser Probe von
Litteraturkenntniss fast selbstverständlich vor. —
Was das Buch an Vollständigkeit und Kritik leistet, beweist
aber wohl am besten der Artikel über Ovariotomie, in welchem bei-
spielsweise von allen Methoden der Behandlung des Stiels nur die
Masseuligatur mit folgendem Einnähen desselben in die Bauchwunde
'J.x
600
Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
genannt und schliesslich die Kritik der Operation in folgender naiver
Weise eingeleitet wird : »Die Exstirpation endlich betreffend, so gehen
die Ansichten der Wundärzte über die Zulässigkeit derselben weit
auseinander. Die statistischen Notizen sprechen nicht zu Gunsten
der Operation; diese weisen nach« dass ^3 — y^ der Operirten der-
selben zum Opfer fiel, und dass bei etwa dem vierten Theile die
Operation unvollendet bleiben musste. Nach diesen Ergebnis-
sen ist es nicht zu verwundern, dass diese Operation
gegenwärtig nur höchst selten mehr zur Ausführung
kommt.« Bei einer Operation, in Betreff deren die Einzelstatistik
mancher Operateure der Zahl 1000 nicht mehr fem steht, gewiss eine
mehr als sonderbare Behauptung.
Ref. ist daher nicht in der Lage, dem Verf. Recht zu geben,
wenn er in seinem Vorwort behauptet, dass »der Praktiker alles
Wissenswerthe in gedrängter Kürze in seinem Buche vorfinde«.
Schede (Halle).
■1
tt"
A« GueriiL Role pathog^nique des ferments dans les mala*
dies chirurgicales.
(Gaz. hebdom. 1875. No. 4.)
Gosselin rapportirt über die obige Arbeit G.'s, und hebt her-
vor, dass G. in derselben nur einzelne chirurgische Krankheiten,
insbesondere die Amputationswunden berücksichtigt. Für diese letz-
teren habe G. seine aus Pasteur's Untersuchungen abstrahirte Ver-
bandmethode ersonnen.
Gosselin erörtert nun: 1) ob der Watteverband gut sei; 2) ob
derselbe seine Wirksamkeit ausschliesslich dem von G. angefülirten
Grunde verdanke. Die erste Frage betreffend, sei constatirt das
Ausbleiben oder doch nur schwache Auftreten von Wundfieber; Ap-
petit und Schlaf bleiben gut; Schmerz fehlt oder ist sehr massig;
wird nach 20 — 22 Tagen der Verband entfernt, so zeigt sich eine
vorzügliche Wunde, an der dicker, nicht übebiechender Eiter in
massiger Menge vorhanden ist; hierzu komme, dass der Fat., wenn
nicht stets, so doch sehr häufig, der purulenten Infection entzogen
werde; leider fehle eine Mortalitätsstatistik, doch sprechen die be-
kannten Erfahrungen für den Watteverband.
In Bezug auf die 2. Frage erörtert Gosselin G.'s Behauptung,
dass die Baumwolle die Eigenschaft habe, die atmosphärischen Fer-
mente zurückzuhalten und dass man auch nach 24 Tagen im Eiter
der Occlusionsverbände nie Bacterien oder Vibrionen finde. Er be-
merkt, dass er doch auch im Eiter der Occlusionsverbände zuweilen
Bacterien und Vibrionen gesehen, trotzdem seien aber die Wunden
trefflich geheilt, von putrider Infection keine Spur dagewesen. Der
Watteverband verhindere also nicht stets die Vibrionenbildung.
Verf. sucht daher die Ursache der günstigen Wirkung des Watte-
verbandes zunächst in der gleichmässigen Compression, welche derselbe
V
ü-;.
&
Centralblatt für Chirurgie. No. 38. 601
ausübt^ wodurch die Resorption des an der Wundfläche haftenden Blu-
tes begünstigt^ erneute Hämorrhagieen verhindert^ und die ersten
Exsudate , die ja leicht zur Zersetzung neigen^ zur Resorption gebracht
werden. Ueberdies dürfte auch die gleichmässige Wärme, die Un-
beweglichkeit des kranken Theiles, welche diese Verbaudmethode her-
stellt^ zur Mässigung der Entzündung und zur Absetzung eines der-
artigen Eiters beitragen, der zur fauligen Zersetzung nicht geneigt
ist (?!j; endlich mag auch das seltnere Reinigen der Wunde von
günstigem Einflüsse sein.
Den atmosphärischen Fermenten will Gosselin einen gewissen
Einfluss bei der Wundinfection nicht absprechen, doch wirken sie
nach ihm nicht auf alle organischen Gewebe schädlich ein; die in-
tensive traumatische Entzündung sei eine der Bedingungen, unter
welchen sie schädlich einmrken können.
Nach obiger Erörterung sei Gu^rins Verbandmethode als ein
nachahmenswerther Fortschritt zu bezeichnen.
Fr. Stelner (Wien).
E, SiolL Vergleichende Untersuchungen über die Zwischen-
rippen- und Bauchmuskulatur der Wirbel thiere.
(Inaug.-Diss.)
Verf. unterwirft in seiner fleissigen Arbeit die über die Entwick-
lung der Bauch- und Zwischenrippenmuskulatur oft erheblich diffe-
rirenden Ansichten der vergleichenden Anatomen (Meckel, Müller,
Owen, Staunius, Gegenbaur etc.) einer «ingehenden Prüfung
und kommt an der Hand seiner eignen Untersuchungen zu folgenden
Resultaten. Bei den untersten Klassen der Wirbelthiere, den Fischen
und kiemenathmenden Urodelen bestehen nur zwei auf beiden Seiten
des Rumpfes symmetrisch belegene Muskelmassen. Durch einen
sehnigen Längsstreifen werden dieselben jederseits in eine dorsale und
eine centrale Hälfte getheilt und zerfallen ausserdem durch eine den
Querabtheilungen der Wirbelsäule entsprechende Anzahl sehniger
Querblätter in eben soviel Myocommen benannte Querabschnitte. Der
Dorsaltheil dieser primitiven Seitenrumpimuskulatur tritt bereits bei
den höheren Fischen in eine innigere Verbindung mit der Wirbel-
säule; bei den niederen Amphibien beginnt er mit den Rippen zu
verwachsen und in seinen tiefsten Schichten eine Art primitiver In-
tercostales zu bilden. Der ventrale Theil bildet durch innigere Ver-
wachsung seiner Myocommen und Absonderung von der übrigen
Muskelmasse den m. rectus, der zu beiden Seiten der Mittellinie liegt
und vom Becken bis zum Zungenbein verläuft. Bei den niedcru
Amphibien, und zwar zuerst bei Proteus und Siredon, tritt femer in
Gestalt des direct auf dem Peritoneum aufliegenden und mit querer
Faserung von den Querfortsätzen der Wirbelsäule nach der Mittel-
Unie des Bauches zu verlaufenden m. transversus, der erste selbst-
ständige Bauchmuskel auf. Während nun aber bei den Kiemenath-
ß02 Centralblatt für Chiiurgie. No. 38.
meni, sowie bei den Larven der (jatamandnnpii uiid u»gEDi.ii«aiii.H:i>
liatrachier die Hauchböhle sammt den ersten Bauchmuskeln noch
vollständig vom Bauchtheil der primitiven Seiten rumpfmuskulatur
umschlossen wird, fallt letztere bei den entwickelten Individuen und
den beschuppten Amphibien bis auf den bereits früher getrenuten
lectuB weg und es tiitt dafür zuerst bei Triton als neuer selbststän-
diger Seite ubauchmuskel der obliquus externus hinzu. Derselbe ent-
sjmngt mit Zacken von den Rippenrudiineutcn und verläuft unmit-
telbar unter der Haut liegend und ohne Andeutungen von Queiab-
theiluugen schräg nach vorn und unten Über dem rcctus hinweg bis
zur Mittellinie. — Die intercostatcB exteini [sowie die intertransver-
sarii und inf«rspiuales} entstehen, wie bereits oben angedeutet wurde,
aus den tiefsten Schichten des Dorsaltheiles der piimitiveu Seiten-
ruinpfmuskulatur. Die m. intercostales intern i und der obliquus
internus dagt^eu entwickeln sich mit dem Wiederauftreten der Rippen
bei den beschuppten Amphibien als ganz neue Muskclgruppe. Der
obliquus internus ist nämlich nach S. nichts anderes als die hinterste
Partie der intercostales intemi , die sich anfänglich bis zu den ludi-
tnentäreu liendcurippen, später aber bei fortschreitender Entwicklung
bis zu den IJeckeiiknochoii «"streckt. — Die weiteren Aus- rcsi»,
Rückbildungen, die die erwähnten Muskelgruppen noch hei den
höheren Vertebratcn erleiden, sind nicht sehr wesentlich und meist
durch die veränderten Athem verhältniese und die immer schärfer
auftretende Trennung vou Brust- und Bauchhohle bedingt. Das
Nähere darüber muss im Original verglichen werdi-n.
0. Tolkmano (Keilwig;.
Tuchmann. lieber den künstlichen Verschluss der einen
Harnleitermündung.
(DeuUehe Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Diese Arbeit ist lediglich eine Erweiterung des Aufsatzes in der
Wiener med. Woeheuschr. (Jahrg. 1874) über diesen Gegenstand von
demselben Verf , und kann diesbezüglich auf das Referat im Ceutralbl.
;Jahi^. 1874. p. 471) verwiesen werden. Gersnnj (Wien).
5
A. Jakowioki. Zur physiologischen "Wirkung der Bluttrans-
fusion.
(Inang.-DisB. Dorpat. 1875.)
tn eisten Theil der Arbeit führt Verf. einige Experimente an,
welche die schädliche Wirkung ungleichartigen Blutes, sei es defibri-
nirt oder nicht, bei der Transfusion bestätigen sollen. [Vergl. darüber
die Arbeiten von Ponfik; referirt im Centralbl. f. Chirurgie 1875.
No. 19. undvonPannm: Virchow's Arcli. Bd. LXIII.)
m - ^ --
Centralblatt für Chirurgie. No. 38. 603
Im zweiten Abschnitt theilt er experimentelle Untersuchungen
über das von A. Schmidt dargestellte Fibrinferment mit und fasst
seine Resultate in folgenden Sätzen zusammen:
1. »Das Fibrinferment ist ein constanter BestandtheU des circu-
lir enden Blutes^ seine physiologische Menge ist aber äusserst gering.
2. »Der Organismus zerstört (oder wandelt um) sowohl das in
ihm circulirende als auch das injicirte Fibrinferment imd kehrt einige
Zeit nach der Fermentinjection zur Norm zurück.
3. dEs sind im lebenden Organismus Bedingungen vorhanden,
welche sowohl das circulirende als auch das injicirte Ferment in seiner
Wirkung hemmen, bis es zerstört (oder umgewandelt und ausge-
schieden) wird«. A. BWder (Mannheim). x >^
R. Geissei. Kriegschirurgische Reminiscenzen von 1870
bis 1871.
(Deutsche Zeitschrift f. Chirurgie Bd. V.)
Das vom Verf. in Form einer Tabelle zusammengestellte Beo-
bachtungs -Material umfasst 37 Fälle, in welchen 43 grössere Opera-
tionen ausgeführt wurden, und zwar 23 Amputationen (14 Todesfälle,
9 Hfeilungen), 13 Resectionen (9 Todesfälle, 4 Heilungen), 7 Arte-
ricnligaturen (an I Kranken, ohne Todesfall] . Details s. im Original.
Gersuoy (Wien).
G. Buchanan. Clinical surgery report for the year 1874.
(Glasgow med. Journal 1875. July.)
Der Bericht besteht nur aus einigen statistischen Zahlen und kur-
zer Angabe der Todesfälle. Aufgenommen wurden 306 Fat., 17 star-
ben. Unter anderen wurden behandelt 87 einfache, 19 complicirte
Fracturen, 16 Luxationen (1 veraltete), 13 Schädelwunden etc. —
39 Operationen mit 5 ^ Mortalität : 8 glückliche Oberschenkelampu-
tationen nach Garden (Amp. transcondylica) , 1 im oberen Dritttheil
mit lethalem Ausgange an Shok; 7 Unterschenkelamputationen im
unteren Dritttheil (2 •}•; 1 Pyämie; 1 traumatic fever (!?) 3 Fussam-
putationen nach Syme (1 f). 2 partielle Fussamputationen. 1 Ober-
l Unterarmaraputation. 7 plast. Operationen. 12 Geschwulstexstirp.
1 Zungenexcision. 1 EUenbogenresection ; alle mit glücklichem Er-
folge. 2 Herniotomieen (l f an Peritonitis). 1 Radicaloperation der
Hernie nach Wood etc. etc. Marckwald (Berlin).
G. Buchanan. Surgical practice in the westem infirm ary
from the 1. Nov. 1874 tili 1. Mai 1875.
(Glasgow, med. Journal 1875. July.)
Neues Hospital: behandelt 176 Kranke (136 m. 40 w.) mit
0,2 ''^ Mortalität. 67 Operationen mit 1 f (Oberarraexarticulation Dach
^fÜ
'T
604
Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
Gangrän). Es wurde bei den Operationen Es mar ch' 8 Constrictions-
binde angewandt^ doch ohne die Theile vorher zu bandagiren. Ope-
rationen: 1 Oberarmexarticulation (f). 5 Oberschenkelamputationen
nach Garden (1 secundäre) und 1 Oberschenkelamputation in der
Mitte, alle 6 mit glücklichem Erfolge. 2 Syme'sche Operationen.
3 Ellenbogen- und 1 Handgelenk-Resection, 2 Seiten-Steinschnitte, l
Herniotomie etc. etc, ohne Todesfälle. — Marckwald (BerUn).
Li • „
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IS. "
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y;
Henocque. Traitement de la periostite phlegmoneuse diffuse.
(Gaz. hebdom. 1875. No. 4.)
Girald^s hat zunächst darauf hingewiesen , dass rücksichtlich
der Therapie des obigen Leidens neue Fortschritte zu verzeichnen
seien. Die grossen, bis auf den Knochen gehenden Incisionen sind,
bei festgestellter Diagnose, allgemein als nützlich, ja nöthig, ange-
sehen.
Weiter aber hoflft G., gestüzt auf seine Erfahrungen, die Periode
der Lösung des Sequesters beseitigen zu können, indem er, die necrot.
Knochenpartieen frühzeitig, vorder Lösung, entfernt. Am Femur
und am oberen Theile des Humerus sei eine Ausnahme zu machen,
überall sonst sei die Entfernung der betreffenden Knochenpartieen
am Platze, sobald die erste Incision gezeigt hat, dass das Periost vom
Knochen völlig getrennt sei. Giraldes' Vorgänger in dieser
Methode war Holmes. G. kommt zur Schlussfolgerung: Die sub-
periostale Resection soll baldmöglichst gemacht werden, wenn ein
Knochen am grössten Theil der Diaphyse entblösst ist; ist eine Nei-
gung zum TJebergreifen der Erkrankung auf die Epiphyse oder das
Gelenk vorhanden, so wird je nach der Ausdehnung des Leidens die
Resection eine partielle oder totale sein.
Für alle Fälle sei es aber angezeigt, die subperiostale Resection,
wenn schon nicht frühzeitig, so doch alsbald dann zu machen, wenn
man die Bildung eines Sequesters beobachtet. ^* Steiner (Wien).
Je-
i t
A. d'Azambuja. De TOzene et de son traitement.
(Paris. Adrian Delahaje« 1875. p. 84.)
Nachdem Verf. zuerst besonders darauf aufmerksam gemacht hat,
dass der Ausdruck »Ozäna« nur ein Symptom, den fötiden Gestank
der Exspirationsluft der Nase, bezeichnet, welche bei verschiedenen
Arten der Coryza auftreten kann, bespricht er diese und betont da-
bei, dass es auch eine Ozäna geben könne bei chronischer Cor)'za
ohne Geschwürsbildung. In den meisten Fällen trete die Ozäna in
Folge constitutioneller Affectionen, hauptsächlich bei Scropheln und
Syphilis, auf, auch als Nachkrankheit verschiedener Infectionskrank-
heiten; wohl nur selten bei sonst gesundem Organismus aus localer
Centralblatt für Chirurgie. No. 38. 605
Ursache^ z. B. durch Eczem der Schleimhaut^ Traumen etc. Die
Besprechung der Symptomatologie und der differentielle Diagnosen
bietet wohl nur Bekanntes; wer. sich dafür näher interessirt^ wolle
daher die betreffenden Abschnitte im Original nachsehen.
In Bezug auf die Behandlung empfiehlt Verf. besonders die
Nasendouche (nach Th. Weber oder mit dem einfachen Irrigator)
und die directe Cauterisation der Geschwüre. Necrotische Knochen-
stücke müssen vor allen Dingen entfernt werden. Nur in den selten-
sten Fällen^ wenn alle anderen Mittel nicht helfen , wiU er sich zu
dem operativen Verfahren von Rouge in Lausanne (cf. im Centralbl.
f. Chirurgie, 1875 No. 1) entschliessen , das allerdings vortrefflich
schnelle Heilung bringe, aber doch gefährlich sei, da Rouge unter
9 Operrirten einen Todesfall in Folge von eitriger Meningitis zu
beklagen habe. Die Operationsgeschichten von Rouge werden wört-
lich wiedergegeben und ausserdem 12 Krankheitsfalle (bisher noch
nicht veröffentlicht) aus der Ambulanz der Herren Duplay und Foix
genauer beschrieben. A* Bidder (Mannheim).
Tillot. Traitement de la rhinite chronique et de l'ozene par
Teau pulveris^e de Saint-Christau.
(Journal de mSd. et de chir. prat. 1875. Juin p. 262.)
Auszug aus Annales des malad, de Toreille et du larynx.
5 — 10 Minuten hindurch wird die Nasendouche im vollen Strahle
gegeben, um Crusten etc. zu entfernen, dann der Pulverisateur in
das Nasenloch eingeführt und 10 — 20 Minuten in Wirksamkeit gesetzt.
Das Wasser von Saint-Christau enthält neben Eisen und Kupfer
Spuren von Jod und Arsenik. Pagenstecher (Elberfeld).
A. Bobertson. Haematoma auxis.
(The Glasgow MedicalJournal 1875. July.)
Die Blutgeschwulst des Ohres, obgleich gelegentlich bei »Fussballa-
Spielern als Resultat directer Gewalt beobachtet, kommt fast aus-
schliesslich bei Geisteskrankheit und zwar der verschiedensten Art,
am meisten bei allgemeiner Paralyse der Irren vor und hat dort nach
Verf. ihren Grund nicht in einer Verletzung, sondern in einer func-
tionellen Störung des Hals-Sympathicus, combinirt mit, oder viel-
leicht resultirend aus • der vorhandenen Cerebral- oder Cerebrospinal-
Erkrankung. Denn 1) entsteht die Blutgeschwulst nicht selten in
beiden Ohren gleichzeitig und 2) kommen zuweilen noch gleichzeitig
andere Blut^ffusionen (unter der Conjunctiva des Auges) vor, ohne
dass eine Gewalteinwirkung erkennbar oder eine Blutdiathese vor-
handen, und 3) hat Verf. einen Fall beobachtet, bei dem neben dem
haematoma auris noch andere Störungen des vasomotor. Systems be-
^
(>()6 Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
standen. Die Prognose ist durchaus ungünstig in Betreff der Geistes-
krankheit. Verf. hat im Gegensatz z» anderen noch keinen Pat.
genesen gesehen, bei dem dieses Symptom vorhanden gewesen. —
Marckwald (Berlin),
R. J. Harvey. Ueber die Zwischensubstanz der Hoden.
(Centralblatt für die med. Wissensch. 1875. No. 30.)
Verf. hält die Hodenzwischensubstanz für nervöses Gewebe,
welches aus reichhaltigen mit Zellen versehenen vasomotorischen
Nervenfasern besteht. Nähere Auseinandersetzungen folgen an einem
anderen Ort. A.. Bidder (Mannheim).
Kleinere Mittheilungen.
P. Florese. Tre casi di tetano traumatico guariti col eloralio.
(Qazz. med. ital. Prov. Veneto. No, 27.)
In allen drei Fällen waren die leichten Verletzungen an den Extremitäten. In
keinem war der Krampf der Nackenmuskeln und der Trismus zu grosser Intensität ge-
diehen. Alle drei wurden durch Chloraihydrat geheilt. Menzel (Triest).
E. Berti. Sopra una trasfusione di sangue.
(Gazzetta clinica di Palermo Anno VI. Fascic VI.)
Ein 35jähriger Mann wurde wegen complicirter Fractur des Femur in's Spital
von Livorno aufgenommen. Nach mehr als 2 Monaten entwickelte sich unter dem
festen Verbände ein grosser Abscess, welcher his zum Knie reichte, vielfache In-
cisionen nöthig machte und durch die profuse Eiterung und wiederholte Schüttel-
fröste das Leben des Kranken gefährdete. B. dachte an eine hohe Oberschenkel-
amputation. Da jedoch der Mann durchaus zu schwach war, um eine solche zu
ertragen, so wollte ihn B. durch eine Transfusion kräftigen. Es wurde ungefähr
40 Grm. delibrinirten Lammblutes transfundirt. Besserung. 5 Tage darauf eine
2. Transfusion von circa 80 Grm. Nicht nur der Allgemeinzustand, sondern auch
die localen Verhältnisse besserten sich derart, dass von einer Amputation Abstand
genommen werden konnte. Der Kranke ging von der Zeit an seiner Heilung
ziemlich rasch entgegen. Meaiel (Triest).
S. Spiaggia. Oligaemia da metrorragia — trasfusione del sangue — raorte.
.^n einem 40jährigen Weibe, welches durch wiederholte Uterusblutungen äus-
serst anämisch geworden war, wurden in die Arteria radialis 200 Grm. venösen Men-
schenblutes injicirt. Die Kranke starb 10 Minuten nach der Transfusion bei klei-
nem Pulse, Dyspnoe, kühlen Extremitäten etc. Verf., welcher mehreren von Al-
ba nese ausgeführten Transfusionen beigewohnt hat, glaubt annehmen zu sollen, dass
derartige Todesfalle nach Transfusion wesentlich durch den moralischen Eindruck
den die Operation und deren Vorbereitungen auf den Kranken üben, veranlasst
werden (?). Mensel (Triest).
F. Valerani. Vasto Carcinoma del cranio esportato coli' ansa galva-
nica. Morte dopo 5 mesi per ascesso cerebrale.
(Gazzetta delle cliniche 1875. No. 7.)
Ein 46jährige8 Weib hat seit 20 Jahren einen kleinen Geschwulstknoten in
der Hinterhauptgegend. Vor 4 Jahren begann der Knoten zu wachsen und wurde
mit der Canquoin' sehen Paste zerstört. Nach 2 Jahren kehrte der Tumor wieder
'JT^r-
,v^
Centralblatt fflt phirorgie. No. 38 .
007
«
und erreichte in weitern 2 Jahren eine erstaunliche Grösse. Seine Basis erstreckt
sich von einem proc. mastoid. bis zum andern and nach aufwärts bis nahe zur Mitte
der sutura sagittaria. Der Umfang mass 49 Ctm. Nur an den lländem schien die
Geschwulst beweglich. Die Geschwulst wurde ohne Narkose mit der galvanokau-
stischen Schlinge, in mehreren Portionen abgetragen. Ungefähr im Centrum der
Basis der Geschwulst war ein Defcct im Knochen von der Grösse von 2 Fünffrank-
stücken. An dieser Stelle war die Geschwulst mit der Dura mater verwachsen und
wurde letztere ebenfalls abgetragen, so dass das Gehirn nackt pulsirte.
Der Verlauf war anfangs merkwürdig günstig, die Kranke sollte schon das
Spital verlassen, als sie circa 5 Monate nach der Operation comatös wurde, und
unter Krämpfen in wenigen Tagen starb. Bei der Section fand man einen hühner-
eigrossen Abscess im rechten hintern Grosshirnlappen. Mensel (Triest).
E. Iiafbnt. Note sur un cas de guerison spontauee d'un polype naso-
pharyngien chez un adolescent.
(Gaz. hebdom. 1S75. No. 3.)
Ein 24jähriger, kräftiger, sonst gesunder Arbeiter litt i^eit 3 — 4 Jahren an
häufigem, heftigem Nasenbluten und Schmerzen in der linken Nasenseite. £s waren
dies die Symptome des Wachsthums eines Nasenrachenpolypens, der, wie jetzt die
Untersvichung zeigte, insbesondere im linken Sinus maxillaris festsitzend , Bulbus
und Oberkiefer dieser Seite und das Gaumensegel vordrängte imd das linke
Nasenloch völlig verlegte. Trotz des Drängens des Fat. wurde die Operation als
nicht dringlich verschoben , und er verliess das Spital mit der Weisung wiederzu-
kommen, wenn die Geschwulst wüchse. </2 ^^^^ später stellte sich Fat. wieder
vor: an der linken Gesichtshälfte war kaum noch ein Vorsprung sichtbar, der
Exophthalmus verschwunden , das Gaumensegel nicht mehr vorgebaucht ; nur das
linke Nasenloch noch durch eine kleine, röthliche Geschwulst etwas verlegt;
die Blutungen hatten sich allmälig vermindert. L. verlor hiernach den Fat. aus
den Augen, meint aber sicher annehmen zu können^ dass er im Fall einer Ver-
schlimmerung des Leidens wiedergekommen wäre. L. citirt einen analogen Fall
Guerin's, der ihn veranlasst hatte, im obigen sich abwartend zu verhalten.
Fr. Steiner (Wien).
J. P. West. Notes of a case of fibro-cystic tumour or hydrocele of
the neck.
(Birmingham, med. review. 1875. April.)
Ein 43jähriger Herr trug, seit 4 Jahren einen bis zu Hühnereigrösse angewach-
senen Tumor rechts zwischen Unterkieferwinkel und Zungenbein. Function ent>
leerte trübes, gelbes Serum. Trotz Incision und Drainage wuchs nach Verschluss
der Wunde der Tumor rapide. James Paget erklärte ihn deshalb für maligner
Natur. Exstirpation. Heilung in 14 Tagen. Jjeeson's (in Birmingham) Unter-
suchung ergab : als Cysteninhalt gelbes, durch rothe Blutkörperchen tingirtes Flui-
dum. Die Wand des Balges bestand aus Bindegewebe mit Muskelfasern, Fett-
zellen und eingestreuten grossen, einem kubischen Epithel ähnelnden
Zellen. Die Dicke der Wandung schwankte zwischen Vi6 ^^^ V-2 ^oll und zeigte
letztere an einer Stelle eine einwärts gerichtete, ringförmige Frominenz von dem
Durchmesser einer halben Krone, deren Oberfläche das Aussehen einer Erdbeere
hatte. — Der Tumor wurde der »pathological society of London« vorgelegt» welche
Faget beistimmte. Verf. hält an seiner Diagnose einer gutartigen Cyste fest.
(Carcinomatös entartete Kiemengangscyste ? Ref.) Rappreeht (Halle).
F. Maoohiavelli. Suir elettro-agopuntura applicata a mezzo curativo
degli aneurismi dell' aorta toracica.
(Gaz. med ital. Lombardia 1875. No. 22, 24, 25, 26.)
Verf. veröffentlicht 3 Fälle von Aortenaneurysmen, welche mit Electropunctur
behandelt wurden. In jedem Falle wurden 3 Nadeln eingestochen. Alle drei
608 Centralblatt für Chirurgie. No. 38.
Aneurysmen hatten die Thoraxwand schon durchbrochen. Für den letzten Fall
ersann M. ein besonderes Verfahren, um die Erschütterungen beim Stromwechsel
zu vermeiden. Der 2. Fall ist offenbar an den Folgen der Operation gestorben,
indem bei der Section ein grosser Bluterguss In der Pleura nachgewiesen wurde,
welcher aus den durch die Nadeln erzeugten Substanzverlusten des Sackes stammte.
Bei den beiden übrigen Fat. wurden die subjectiven Beschwerden merklich gebessert.
Der eine von diesen lebt noch heute, d. h. über 15 Monate nach der Operation, der
andere ist nach mehr als 2 Jahren an einem Blutsturze gestorben.
Menzel (Triest}.
G« BiazLohetti. Sopra un caso di gastrite flemmonosa.
(Gaz. med. ital. Prov. Veneto. No. 28.)
Die Erkrankung trat bei einem 30jährigen gesunden Manne unter dem Bilde
eines acuten Magenkatarrhs auf, zu welchem sich bald Erscheinungen von Perito-
nitis hinzugesellten. Bei der Obduction fand B. eitrige Peritonitis, eitrige Infil-
tration des submucösen Zellgewebes des Magens, stellenweise Gangränescenz der
Magenschleimhaut. Menzel (Triest).
Lailler. Traitement du zona.
(Journal de med. et de chir. prat. 1875. Juillet. p. 297.)
Eine Lösung von 10 Eisenchlorid in 40 Alkohol soll, im Initialstadium des
Herpes zoster (vor der Ausbildung der Bl&schen) auf die gut getrocknete Haut ein-
gepinselt, den Process zu coupiren im Stande sein.
Pagenstecher (Elberfeld).
D. F. Moroni. Gangrena d'un estremitä in seguito a difterite.
(Giomale Veneto 1875. Aprile.)
Bei einem 7jährigen Knaben, der eben eine schwere Rachendiphtheritis über-
standen hatte und noch immer an Paralyse des Gaumensegels litt, entwickelte sich,
als er eben Reconvalescent war, eine erysipelatöse Anschwellung des r. Fusses, welche
bald in trockene Gangrän überging. Die Gangrän demarkirte sich an der Grenxe
zwischen mittlerem und oberem Drittel des Unterschenkels, nachdem M. dem Knaben
zuvor etwa 150 Gframm Blut zur Ader gelassen hatte. Es konnte die Amputation an
der Stelle der Wahl ausgeführt werden. Das gangränöse Bein war einer Untersuchung
nicht mehr zugänglich, doch vermuthet M. eine Embolie der Poplitea und dies
um so mehr, als verschiedene Autoren gezeigt haben, dass Myo- und Endo-
carditis eine gar nicht seltene Complication der Rachendiphtherie ist.
Menzel (Triest).
Qrossmann. Zur Casuistik fremder Körper in der Ramrölire.
(Wiener med. Presse 1876. No. 29.)
Ein 30j ähriger Mann hatte in hypochondrischer Sorge, an einer Harnröhren-
strictur zu leiden, sich wiederholt selbst ein Bougie eingeführt. Als Verf. gerufen
wurde, stak das Bougie fest in der Urethra und konnte nicht extrahirt werden.
Erst bei stärkerem Zuge folgte dasselbe so weit, dass Gr. sich überzeugen
konnte, dass es oben umgeknikt und so in doppelter Lage vorgeschoben
war. Gr. fixirte nun das obere, umgeknikte Ende in der Urethra und drückte es
zugleich nach abwärts, während er am freien Ende in entgegengesetzter Richtung
stark anzog. Unter massiger Blutung erfolgte die Extraction.
Fr. Steiner (Wien).
Berichtigung:
S. 578, Z. 6v. 0. lies Acten stfttt Arten. — S. 584, Z. 10 v. u., Z. 23 T. n. lies Papille nnd Papil-
lär ran d statt Pnpille and Pnpi Harr and. — S. 5SS, Z. 20 t. n. lies J. Budge statt D. Bndge.
Originalmittbeilungen, Monographieen nnd Separat&bdrücke wolle
man an Dr. H, 2^Umanns, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlnng,
Breiikopf und Härtelj einsenden.
Dmclc nnd Verlag von Breitkopf nnd Ilirtel in Leipzig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
herausgegeben
▼on
Dr. L. lesser, Dr. IL ScMe, Dr. H. Tilliiiaiiiis
in Barlin. in Halle «. 8. in L«ipsif.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 39. Sonnabend; den 25. September. 1875.
— ■' — — — ■ ■ I
Inhalt: Ranke, Messungen des intraarticuläien Druckes am Kniegelenk des Lebenden.
(Original-MittheUong.)
Holnuf reu» Methode zur Beobachtung des Kreislaufs in der Froscblunge. — Berliner-
blau, Directer Uebergang der Arterien in Venen. — Jerusallmsky, Wirkung des Croton-
Chloral-Hydrat. — Volkmann, Lupus und Tuberkulose. — v. Langenbeck, Auftreten
von Gardnomen auf luposen Hautnarben. — Morotoff, Einfluss der Dlstractionsmethode
auf Hüft- und Kniegelenk. — v. Puky, Gompliciite dorsale Luxation im Metacarpo-
Phalangealgelenk des Zeigefingers. — Wex, Narbencontracturen nach Verbrennung der Hand.
Denison, Neuer Extensionsapparat. — Apparat für Patella-Pseudarthrosen. — Salicyl-
saure als Verbandmittel bei Verbrennungen. — Tetanus mit Gelseminum behandelt. —
Bulko, Ergotlninjectionen. — Warren , Intussusception. — Pemborton, Darmverscbluss.
— Torsujtff, Hemia diapbragmatica. — Model, Bruchschnitt. — Rhelnsildtor, Diagnose
und Behandlung der Ovariencysten. — Thaden, Stein in der Prostata und Harnblase. —
Haag, Lithotritie bei Kindern. — Dubrlsay, Congenitale Knlegelenksluxation.
Messungen des intraarticulären Druckes am Kniegelenk
des Lebenden. Vorläufige Mittheilung.
Von
Dr. H. B. Ranke,
Assistenzarzt an der chirurgischen Klinik zu Halle.
Es ist neuerdings die Frage ^ in welcher Weise die permanente
Extension den intraarticulären Druck l)eeinflusst^ von verschiedenen
Seiten erörtert worden. Eine endgültige Entscheidung derselben ist
bis zur Zeit nicht erfolgt. Während nun die bisherigen Bearbeitun-
gen des Gegenstandes sich nur auf Leichenversuche stützen, gaben
mir in der Volk mann 'sehen Klinik ausgeführte Gelenkpunctionen
Grelegenheit, die fraglichen Verhältnisse am Lebenden zu prüfen.
Bei 20 Gelenkpunctionen sind Druckmessungen von mir ange-
39
610 CentralblaU für Chirurgie. No. 39. .
stellt. Anfänglich, so lange mir die Technik nioht geläufig war^ er-
hielt ich vielfach widersprechende Resultate; iu Folge davon sind
die 5 ersten Functionen nicht zu verwerthen. Die folgende Mitthei-
lung bezieht sich demnach nur auf 15 Versuche am Lebenden; den-
selben haben sich eine grössere Anzahl von Leichenexp^rimenten
angeschlossen.
Alle Messungen sind am Kniegelenk gemacht. Sie beziehen sich
ausschliesslich auf den intraarticulären Druck. Obschon es viel
wichtiger wäre, den Druck, welchen die Contactflächen der Gelenk-
körper auf einander ausüben, zu messen, müssen wir doch aus tech-
nischen Schwierigkeiten von vornherein hierauf verzichten.
Eine Beschreibung des benutzten Troikart's würde ohne Zeich-
nung unverständlich bleiben. Es sei daher nur erwähnt, dass eine
Seitenabzweigung der Kanüle desselben mit einem offenen Quecksil-
bermanometer' in Verbindung steht; dass man femer die äussere
Mündung der Kanüle nach Entfernung des Stilets beliebig öffiien
und schliessen kann, und somit sowohl den Gelenkinhalt abzulassen
als auch Injectionen in die Gelenkhöjüe zu machen im Stande ist.
I3en Einstich ins Gelenk machte ich am oberen äusseren Rande der
Fatella unter Beobachtung aller Cautelen der antiseptischen Methode ;
nach Beendigung der Function erhielt die Wunde einen Liste r'schen
Verband, die Extremität wurde fiir einige Tage auf eine Bleohschiene
gelagert. Für kein Gelenk haben sich üble Folgen aus diesem Vor-
gehen ergeben. Wenn an einer Leiche das eine Knie in der von
Reyher (Deutsche Zeitschrift für Chirurgie B. IV) angegrebenen Weise,
das andere aber in der von mir benutzten Art punctirt wird, so stim-
men die Versuchszahlen von beiden Seiten gut überein.
Die Extension wurde sowohl an einem Knöchelgurt, als vemit-
telst der Heftpflasteransa oder an einem Stecknadelverbande ausge-
iibt ; der Knoten des Knöchelgurtes lag dabei auf dem Fussrücken.
Die Contraextension wurde entweder dem Körpergewicht überlassen
oder vermittelst des gewöhnlichen Perinealgurtes bewirkt. Angezogen
wurde genau in der bei uns sonst üblichen Weise. Ein Unter-
schied in der Zugwirkung der verschiedenen Verbände
wurde niemals, weder an der Leiche, noch am Lebenden
beobachtet. Bei den letzten Experimenten glaubte ich deswegen
mich auf den bequem anzulegenden Stecknadelverband beschränken
zu dürfen.
Die Messungen ergaben in der Kürze Folgendes:
1) Relativ frische, d. h. 2 bis 6 Tage alte Blutergüsse ins Knie-
gelenk ohne nachweisbar gröbere Verletzung des Bandapparates lies-
sen in voller Streckung das Quecksilber auf 1,5 — 20 Ctm. Höhe
steigen. Letztere excessive Höhe wurde nur einmal, bei einem 2 Ti^
alten rechtseitigen Hämarthros beobachtet; bei der gewöhnlichen,
leicht flectirten Stellung des Gelenkes zeigte das Manometer auch
hier nur einen Druck von +9 Ctm. Hg. Die bursa extensoruBi
war in diesem Falle auffallend wenig entwickelt.
• Centralblatt für Chirurgie. No. 39. 611
Die individuell sehr verschiedene Geräumigkeit der Gelenkhöhle
spricht sich darin aus^ dass die Druckhöhen nicht der Menge des
Inhaltes bei gleichaltrigen etc. Individuen proportional gefunden werden.
Von voller Streckung ausgehend sinkt der intraarticnläre Druck
zunächst bis zu einer Flexion um annähernd 30^; bei weiterer Flexion
gelangt er sodann zu einer die frühere weit übersteigenden Höhe. Die
negative Schwankimg betrug mit Ausschluss des oben erwähnten
FaJles zwischen 0,5 und 1,0 Ctm. Hg.; bei rechtwinklig fleotirtem
Knie stand das Quecksilber 3 bis 15 Ctm. über der Anfangshöhe.
Die Einwirkung der Muskulatur auf den intraarticulären Druck
liess sich am leichtesten bei Contractionen des Quadriceps beobach-
ten. Die Drucksteigerung betrag dabei 8 bis 25 Ctm. Hg.
Wurde das im Gelenkraum angesammelte Blut abgelassen, so
sank mit der Druckhöhe in der Ausgangsstellung auch die Höhe der
angeführten Schwankungen; an der Richtung derselben änderte sich
nichts.
um in der kurz bemessenen Versuchszeit einen Einfluss des
Extensionszuges auf den intraarticulären Druck am Quecksilberma-
nometer constatiren zu können, bedarf es namentlich bei erwachsenen
Personen auch in tiefer Narkose ziemlich bedeutender Gewichte; die
im Folgenden angeführten Zahlen beziehen sich sämmtlich auf die
grösste von mir angewandte Belastung der Extensionsschnur bei Er-
wachsenen mit 40 Pfd., bei Kindern mit 20 bis 25 Pfd.
War der Druck im Gelenkinnem bei der Lagerung, in welcher
die Extension ausgeübt wurde, positiv, so bewirkte der Zug stets
eine Drucksteigerung, freilich um höchstens 2 Ctm. Hg. , und zwiu:
war die Höhe dieser Steigerung im allgemeinen der Höhe des Druckes
in der Ausgangsstellung proportional. Die Drucksteigerung durch die
Extension wird kleiner bis unmerklich, wenn der Gelenkinhalt all-
mälig abgelassen wird.
Nach der vollständigen Entleerung gelang es bei zwei Gelenken,
die sich durch einen schlaffen Bandapparat auszeichneten, durch
Extension ein Fallen des Quecksilbers um nicht ganz 0,5 Ctm. zu
erhalten.' Somit wirkte die Extension unter diesen Bedingungen
druckemiedrigend. '
2) Acute, seröse Ergüsse kamen nur zweimal zur Function. In
voller Streckung betrug die Druckhöhe +2, resp. +0,5 Ctm. 'Hg.
Im ersten Falle, bei einem Kinde, bewirkte die Extension ein Stei-
gen des Quecksilbers um 3 Ctm., im zweiten, bei einem Erwach-
senen, um nur 0,5 Ctm. Stellungfs Veränderungen waren von gleichem
Erfolge wie unter l) begleitet; Extensions versuche bei entleertem
Gelenke wurden nicht vorgenommen.
3) Chronische Hydrarthrosen, zum Theil mit bedeutender Bän-
derdehnung, ergaben eine Druckhöhe von -|-0,5 bis +3,0 Ctm. Hg.
Noch weniger als bei den Fällen unter l) war hier eine Proportio-
nalität zwischen Inhaltsmenge und Druckhöhe bei den verschiedenen
kranken Gelenken vorhanden. Die Richtung der Druckänderung
39»
612 Centralblatt far Chirurgie. No. 39.
stimmte bei den hier ebenso wie unter 1) ausgeführten Versuchen
mit der dort gefundenen überein; die Grösse derselben zeigte die
auffallendsten Schwankungen. So lagen z. B. bei zwei besonders
bemerkenswerthen Fällen die Druckhöhen in der Ausgangsstellung
kaum um 1/2 Ctm. Hg. auseinander^ während trotzdem eine Con-
traction des Quadriceps in dem ersten Falle eine Drucksteigerung
von nur 1,5 Ctm. Hg., in dem zweiten dagegen eine solche von
17 Ctm. Hg. bewirkte. Die Extensionsdrucksteigerung war jedes-
mal zu constatiren, ihre Grösse blieb immer unter 1,2 Ctm. Hg.
Extension bei entleertem Gelenke ergab mir bisher nur einmal eine
am Manometer ablesbare Druckemiedrigung.
4) Eitrige Ergüsse bei fungösen Gelenkentzündungen habe ich
bisher zweimal punctirt. Beidemal waren jüngere Kinder erkrankt.
Der Gelenkinbalt betrug in dem frischeren Falle 40 Kbctm. ; das
Manometer zeigte bei voller Streckung einen Druck von +5,5 Ctm.
Hg. im Gelenkinneren an; der Druck sank bei einer Flexion um
30® auf +1,75 Ctm. Hg.; bei rechtwinkliger Flexion erreichte er
eine Höhe von +14 Ctm. Hg. Die Extension mittelst eines Steck-
nadelverbandes bewirkte bei einer Belastung von 25 Pfd. eine Stei-
gerung des Druckes auf +8,5 Ctm. Hg. Die entsprechenden Grös-
sen in dem zweiten Falle, wo die Erkrankung des Gelenkes bereits
längere Zeit bestand, sind +2,0, +0,2, +6,0 und endlich +4,5
Ctm. Hg. Nachdem beide Gelenke möglichst vollständig entleert
waren, erzielte die Extension immer noch einlB deutliche Druckstei-
gerung, und zwar um 0,3 bis 1,0 Ctm. Hg. Beidemale handelte es
sich um fast kugelige, pseudofluctuirende Gelenkschwellungen.
Die Versuche ergeben somit:
Bei bestehendem positiven intraarticulären Drucke
bewirkte die Extension am Lebenden eine Steigerung
der Druckhöhe; war der Druck im Gelenkinnern gleich 0, so
wurde in einigen Fällen durch den Extensionszug ein weiteres Sin-
ken des Manometerstandes hervorgebracht, während in den Fällen
sub 4] auch jetzt noch die Drucksteigerung eintrat.
Somit ergiebt sich ein bedeutender Widerspruch gegen die Be-
sultate Reyher's (1. c.) , welche an der Leiche nach Lösung der
Muskelstarre gewonnen wurden. Sehr überrascht war ich, als ich (im
Gegensatz zu den Versuchen am Lebenden) am gleichen Objecte
Reyher's Angaben lediglich bestätigen musste. Eine weitere Ver-
suchsreihe, ebenfalls an der Leiche unternommen, hat mir den schein-
baren Widerspruch erklärt, und zwar sind die Differenzen durch La-
gerungsverschiedenheiten der Extremitäten an der Leiche und bei
unseren Kranken bedingt. Der Extensionszug wirkt beim Lebenden
nie von der vollständigen Streckung aus, in welcher sich das Knie-
gelenk der todtfaulen Leiche befindet; wir unterstützen vielmehr die
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 39. 613
Extremität in einer leichten Flexionsstellung sowohl des Hüfi- als
des Kniegelenks, die weitere Besprechung dieser complicirten Ver-
hältnisse muss bis zu,, einer ausführlichen Bearbeitung verschoben
werden.
Ft Holmgren. Methode zur Beobachtung des Kreislau£s; in
der Froschlunge.
Beiträge zur Anatomie und Physiologie, als Festgabe Carl Ludwig gewidmet von
seinen Schülern. 1874. ^
Zum Versuch dient am besten Bana esculenta^ welche der
Bana temporaria wegen des geringeren Gehaltes an Pigmentzellen
und wegen der grösseren Lungenalveolen vorzuziehen ist. Das
Thier wird mit Curare vergiftet^ wobei es gleichgültig ist^ an wel-
chem Orte und in welcher Form das Gift eingeführt wird. Kleine
Dosen Curare verdienen den Vorzugs doch ist es bekanntlich we-
gen des varürenden Gehaltes an wirksamer Substanz nicht möglich^
genau die Dosis zu bestimmen. Die Quantität des Giftes soll hin-
reichen^ um den Frosch 2 — 3 Tage gelähmt zu halten. Nach Verlauf
der Curarewirkung wird die herauspräparirte Lunge wieder in die
Brusthohle gebracht^ die Wunde zugenäht und das Thier kann am
Leben erhalten werden. Das Herauspräpariren der Lunge wird in
der Weise vorgenommen, dass mit möglichster Schonung dicht an der
Armhöhle und etwa an der Grenze zwischen der Rücken- und Bauch-
haut eine breite Hautfiedte mit einer Pincette emporgehoben wird;
mittelst einer krummen Nadel wird dann durch die Basis dieser Fal-
ten ein Seidenfaden durchgezogen und sofort geknotet. In derselben
Weise wird eine zweite Ligatur nach der hinteren Extremität zu an-
gel^; die zwischen den beiden Ligaturen befindliche Haut wird in
einer dem Zweck entsprechenden Ausdehnung weggeschnitten und
jedes noch blutende Gefäss sofort unterbunden. In der Wunde
schimmert sodann am Rande des grossen Brustmuskels die mit Luft
gefällte Lunge durch die dünne Muskellage, welche vorsichtig mit
einer Pincette kegelförmig abgehoben und mit der Schedre durch-
schnitten wird. Darauf tritt die mit Luft gefüllte Lunge sofort oder
allmälig aus der Wunde, bleibt eine geraume Zeit in diesem aufge-
blasenen Zustand oder fallt plötzlich zusaikimen und muss durch eine
aus Kautschuk und Messing bestehende Röhre (cf. Original) wieder
aufgeblasen werden. Die für das bessere Gelingen des Experiments
vortheilhafte FiUlung der Lunge mit Luft ist am sichersten zu erwar-
ten, wenn man die beschriebene Operation zu einer Zeit vornimmt,
wo die Curarelähmung ihre Vollendung noch nicht ganz erreicht hat.
Schliesslich wird das Thier auf dem Objecttische des Mikroskopes oder
auf einem besonderen mit einem Loche versehenen Brettchen in dei
bekannten Weise befestigt. Vortheilhafter aber ist es, besonders auch
für stärkere Vergrösserungen , wenn auf dem Brette eine besondere
614 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 39.
Vorrichtung (Lungenkammer) angebracht ißt (cf. Original). Der vom
Verf. hierzu angegebene Apparat besteht im Wesentlichen aus einem
mit einem Deckgläechen bedeckten hohlen Messingcy linder, welcher
in die Durchbohrung des Brettchens passt, das Niveau des letzteren
überragend, und dieselbe Grösse hat, wie der Durchmesser des Loches
im Objecttische eines Mikroskopes von Hartnack. Ueber dem Cy-
linder ist ein horizontal gestellter Meesingring, ebenfieüls mit Deck-
gläschen versehen, angebracht, dessen Oe&ung dieselbe Grösse hat,
wie der untere Cylinder. Der obere Ring kann durch eine am B^nde
des Brettchens befestigte Zahnzange in verticaler Richtung auf und
*nieder bewegt werden. Während der Frosch auf dem Brett in der
gewünschten Lage durch Nadeln auf Korkstücke fixirt wird, legt man
die herauspräparirte Lunge zwischen die genannten Deckgläschen,
drückt das obere der letztem leise an die Lungenoberfläche an und
kann dann das herrliche Schauspiel des Kreislaufs bequem besichti-
gen. —
Behufs des Studiums feinerer optischer Eigenthümlichkeiten der
Blutkörperchen ist es rathsam, den Blutstrom durch släikeres Ein-
blasen von Luft zu verlangsamen oder fast augenblicklich zu unter-
brechen. Statt mit atmosphärischer Luft kann man die Lunge auch
mit einer anderen Grasart aufblasen; nicht minder gestattet die Me-
thode, andere Blutarten, oder überhaupt allerlei Flüssigkeiten mittelst
feiner Kanülen durch eine Vene [grosse Bauchvene, oder die hintere
äussere Oberschenkelvene) in den Kreislauf des Versuchsthiers zu
injiciren, um ihre Wirkung nach jeder Richtung hin zu studiren.
Um die Struetur der Capillargefösse an der Lunge zu untersuchen, ist
es am besten, das Thier vorher verbluten zu lassen.
TiUmanns (Leipiig).
Fanny Berlinerblau, üeber den directen Uebergang von
Arterien in Venen.
(Reieheit und du Bois' Archiv für Anatomie 1875. p. 177-<-l%.)
Sucquet hat zuerst 1856 beim Menschen directe Communioa-
tionen zwischen Arteri^a und oberflächlichen Venen beschrieben^ am
Ellenbogen, Handgelenk, den Fingern, der Kniegegend und besonders
zahlreich an den Zehen, der Nasen-, Lippen-, Stirn-, Wangen- und
Ohxhaut und der Schleimhaut der Nasenhöhlen. Darauf baute S. eine
neue Theorie, wonach die oberflächlichen Hautvenen in "äer Norm
wenig oder fast gar nicht gefüllt seien und erst bei Steigerung der Blut-
fälle in den Arterien, gewissermassen als Nebenschliesssung dienen,
d. h. aus den mit überschüssigem Blut gefällten Hauptstämmen das
Blut ini ihre geräumigen Bahnen ableiten. Später hat Hyrtl bei Fle-*
dermäusen und in neuester Zeit Hoyer am Kaninchenohr ähnliche
directe Communicationen beschrieben.
Sucquet war durch Injectionsversuche zu seinen Kesultaten ge-
kommen, gegen deren Beweiskräftigkeit, zumal bei blos makroskopischer
Centralblatt tdt cyruigie. No. 59. 615i
Prüfung^ He nie gewichtige BedeBken erhoben hat; desshalb ist von B.
unter Anleitung von Aeby (Bern) der Gegenstand einer nochmaligen
Untersuchung unterworfen worden. Zur Injectionsmasse verwandte
sie, wie S.> in Alkohol gelösten Schellack, dem so viel Busspulver
hinzugefügt wurde, als zur genügenden Färbung erforderlich. Es
wurde dann von der Axillarijs aus bei der Leiche einer 80jährigen
Person eine Injection gemacht und nach 2tägiger Erhärtung mit der
Untersuchung begonnen; es fand sich weder am Ellbogen noch an
der Hand ein directer Uebergang von Arterien in Venen ; eine von der
V. femoralis ausgeführte Injection führte bezüglich der unteren
Extremität, ebenso wie Injection des Kopfes von der Carotis aus
gleichfalls zu einem negativen Ergebniss. Die Versuche wurden noch
4mal wiederholt; nirgends fand sich in den Venen eine Spur von
injectionsmasse ; dies allein ist jedoch nicht strikt beweisend. Entschei-
dend war die Thatsache, dass, wo die Masse aus den Arterien in die
Venen eindrang und man so die von S. gelieferten und im Sinne von
Uebergangsarterien gedeuteten Bilder zu Gesicht bekam, diese wor
der zersetzenden Kritik des Mikroskops auskiahmslos zerstoben«. Aus
diesen Gründen verwirft B. den von Sucquet behaupteten deriva-
torischen Kreislauf in den oberflächlichen Hautvenen. Zu demselben
Resultat ist übrigens jüngst auch Vulpian gelangt (Ecole de m6d.
1875. 11. Januar).
Beim Kaninchenohr dagegen ergaben die Versuche von B., dass
hier in Wirklichkeit arterielle und venöse Bahnen unmittelbar ohne
Dazwischentreten von Capillametzen ineinander übergehen und zwar
geschieht dies, wie aus der beigegebenen Tafel ersichtlich, 'mehrfach
an einem und demselben Ohr, namentlich in den Randpartieen. Ausser
am Ohre haben sich ähnliche Communicationen nirgends bei Kanin-
chen auffinden lassen, ebenso wenig bei Fröschen.
J. Maak (Strasflburg).
N. Jerusalimsky. Beobachtungen Über die Wirkung des
Croton-Chlordl-Hydrat
(Mosk. med. Zeitung 1875. No. 17.)
Experimente an Thieren eigaben ein Sinken des Blutdrucks,
gleichgültig ob der Einfluss der Gehimcentra vorher ausgeschlossen
wurde oder nicht; die Wirkung war folglich eine das Herz paralysi-
rende. Bei kleinen Dosen Verlangsamung, bei grossen Stillstand der
Bespiration. Zur Schlaferzeugung sind viel grössere Dosen nöthig, als
von Chloral. Control versuche ergaben, dass kein specifischer Einfluss
auf den Trigeminus oder andere sensible Nerven stattfand. Bei
einem Fall von Prosopalgie bewirkten 40 Oran keinen Schlaf, wohl
aber Uebelkeit, Brustbeklemmung mit Ohnmacht und einen Puls
von 120. Auf SauerstoiTeinathmen sank die Zahl der Pulsschläge.
In einem anderen Falle wurde eine Neuralgie geheilt, in einem drit-
ten der Schmerz gelindert. — W» 9r«be (Charkow),
616 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 39.
R. YolkmaniL Lupus und Tuberkulose.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 30.)
Verf. theilt in Folge der in letzter Zeit stattgefundenen Discus-
sionen über Lupus seine klinischen und anatomischen Erfahrungen
mit, um raschere Verständigung anzubahnen. Es wird darauf hinge-
wiesen^ dass sehr häufig Irrthümer in der Diagnose vorliegen, beson-
ders die meist bei älteren Leuten vorkommenden flachen, spontan
oder nach Gebrauch von Aetzmitteln partiell vernarbenden Hautkrebse,
welche sich durch sehr chronischen Verlauf auszeichnen und für Lupus
gehalten werden. Ein Fall wird angeführt, welcher seit 17 Jahren
als Lupus angesehen und behandelt wurde und sich schliesslich als
Krebs, sowohl klinisch als histiologisch, manifestirte. — Der einzige
Zusammenhang zwischen Lupus luid Krebs, den Verf. gelten lässt,
ist der, dass sich bisweilen (v. Langenbeck sah es zweimal, Volk-
mann viermal] in alten Lupusnarben Carcinom entwickelt. (Vergl.
Lang, Vierteljahrsschrift für Dermat. imd Syph. 1874 p. 165. cf. im
Centralbl. f. Chir. 1875. No. 20.] »Seine Ausgangspuncte sind dann
das Narbenepithel, oder in die Narbe eingeschlossene und versprengte
Reste der halbzerstörten Hautdrüsen. Chronische, oder immer wie-
derkehrende Beizungen der epidermoidalen und epithelialen Decken
sind eben allezeit die gewöhnlichsten Ursachen des Carcinomsa.
Den anatomischen Charakter des Lupus fietsst V. mit Zugrunde-
legung der Arbeiten von Virchow und Auspitz als den einer Ghra-
nulationsgeschwulst auf und stellt ihn in eine Gruppe mit Syphilis
Lepra und Tuberkulose. Mit letzterer ist besonders nahe Verwandte-
Bchaft vorhanden. Vielfach kommt Lupus in Familien vor, in denen
Tuberkulose herrscht; bei Lupösen selbst hat V. öfter scrophulöse
Drüsen exstirpirt, chronische Conjunctivitiden und Gelenkleiden auf
tuberkulöser Basis beruhend gefunden. Doch scheint es ausserdem,
als ob Lupus eine meist local bleibende, wenig infectiöse^ abge-
schwächte Form der Tuberkulose sei; doch kommen Misch- und
Zwischenformen, zwischen Lupus und manifester Haut- und Schleim-
haut-Tuberkulose vor; auch entwickelt sich der Lupus der Haut-
decken zuweilen neben einer Tuberkulose der Knochen oder der
Lymphdrüsen. Bezügliche Beispiele werden angeführt. Dem histo-
logischen Bau nach gehört der Lupus stricte zu den Tuberku-
losen: es finden sich im lupösen Granulationsgewebe kleine kuglige
Knötchen, die wie Miliartuberkel zusammengesetzt sind, aus grösseren
endothelartigen Zellen bestehen, welche typische Riesenzellen ein-
Bchliessen. Die Charakteristica der Tuberkel (Knötchenform, bekannte
histologische Zusammensetzung, Gefässlosigkeit und Tendenz zum
Zerfall) finden sich auch beim Lupus. Die Unterschiede zwischen
Lupusknötchen und Tuberkeln sind von Ed. Lang (Stricker's
med. Jahrb. 1875 Hft. H.] präcisirt. V. zieht noch in Erwägung,
ob nicht die Benennimg »Tuberculoid« für lupös die Basis einer all-
gemeinen Verständigung abgeben könnte. —
T. Moseiigeil (Bonn).
Centralblatt für Chirurgie. No. 39. 617
B. y. Langenbeck. lieber das Auftreten von Carcinomen
auf luposen Hautnarben. Vortrag, gehalten in der Berl.
med. Gesellschaft 3. März 1875.
(Berl. klinische Wochenschrift 1875. No. 24.)
V. L. fuhrt das Vorkommen carcinöser Gebilde auf Lupusnarbeii
auf denselben Grund zurück^ wie ihr häufigeres Auftreten auf Haut-
narben Dach tiefer gehenden Verbrennungen , nämlich auf die fort-
währende Irritation und dauernde Entzündung, v. L. hat unter allen
von ihm beobachteten Lupusfallen nur drei gefunden, bei welchen
später Carcinom zur Entwickelung kam. Bei allen bestand lupöse
Erkrankung der Gesichtsgegend seit der Kindheit; bei einer Frau
hatte seit 15 — 20 Jahren Heilung bestanden^ in ihren vierziger Jahren
entwickelte sich Carcinom; ein zweiter Fall betraf einen 59jährigen
Mann 5 der etwa 30 Jahre an Lupus gelitten, der dritte Fall einen
69jährigen Fat.
Der Ansicht v. Lewin, dass Narbencontractionen für Lupusaf-
fectionen besonders charakteristisch seien, pflichtet v. L. nicht bei.
Die Ulcerationen sollen hierbei nicht mehr, als andre analoge Processe
wirken, wenn sie an leicht beweglichen Hautstellen ihren Sitz haben.
Dagegen sollen sich gewisse Formen des Hautkrebses durch gewaltige
Narbenverziehungen auszeichnen, es tritt bei ihnen Naibenbildung in
den ältesten Partieen ein, während excentrisches Weiterwachsen er-
folgt. Schliesslich erinnert Verf. an die homartigen Epidermissdiwie-
len, die auf einzelnen Hautkrebsen vorkommen, bei Lupus aber nie
beobachtet sind. ▼• Mosengeil (Bonn).
P. Morosoff. Ueber den Einfluss der Distractionsmethode
auf das Hüft- und auf das Kniegelenk.
(Russische Inaug.-Diss. Charkow 1875.)
Verf. stellte sich auf Vorschlag des Ref. die Beantwortung fol-
gender Fragen zur Aufgabe: kommt wirklich eine Diastase der Ge-
lenkflächen im Hüft- imd Kniegelenk bei der Distraction vor? In
welchem Grade? bei welchen Gewichten?
Um zunächst die normale Form und Grösse des Oberschenkel-
kopfes und der Gelenkpfanne zu bestimmen, stellte M. 16 Versuche
an, deren Resultate er in folgenden ^Sätzen zusammenfasst : 1) Die vor-
wiegende Form der Krümmung des Oberschenkelkopfes und der Gelenk-
pfanne im reifen Alter (20 — 35 JahrenJ ist regelmässig kugelig; 2) im
höheren Lebensalter stellt der Kopf einen sphäroiden Körper mit sehr
unbedeutender Vergrösserung des meridionalen Durchmessers vor; 3) bei
einem 16jährigen Jünglinge bildete derselbe ein Sphäroid mit vor-
wiegender äquatorialer Krümmung; 4j die Krümmungen des Kopfes
und der Pfanne trefifen gegenseitig so zusammen, dass zwischen ihnen
eine dünne, capillare Schicht Synovia zu liegen kommt. In einigen
Fällen übrigens trefien die Gelenkflächen nicht so genau auf einan-
618 Cemtralbktt für Chiruifie. No. 30.
der ; es bildet sich zwischen ihnen ein Spalt von ^4^ % sogar Y2 ™™'
Dies wird aber nur an Leichen, welche nicht mehr ganz frisch sind»
beobachtet. 5) Bei verschiedenen Stellungen des Hüftgelenkes schlies-
sen sich die Gelenkflächen nicht immer vollständig an einander;
existirt dann ein Spalte so erreicht er doch nie die Breite eines Milli-
meters. —
Die Wiederholung der berühmten Web er 'sehen Experimeiita
über Bedeutung des atmosphärischen Druckes für die Mechanik des
Hüftgelenkes föhrte Verf. zu interessanten Resultaten. Die Grebr.
Weber bestimmten den hier wirkenden athmosphärischen Druck auf
291/4 Pfd. (bei 750 mm. Barom.), Schmid — auf 55 Pifd,; Moro-
soff fand die Grösse desselben zu 58,9 Pfd. (bei 750 mm. Barom.).
Diese Verschiedenheit der Resultate beruht auf verschiedener Bestim-
mung der Quecksilbersäulenbasis , welche der atmosphärische Druck
auf das Hüftgelenk ausübt. M. nimmt als Basis an die Ebene des
äquatorialen Schenkelkopfkreises. Diese Annahme hat für sich, dass
bei Veränderung der Grösse des Schenkelkopfes der atmosphärische
Druck auf das Hüftgelenk sich ebenfalls ändert. Zwei vom Verf.
gewonnene Zahlen, welche sich auf den atmosphärischen Druck be-
ziehen — die eine experimentell gefunden, die andere theoretisch
berechnet — differiren nur um 0,9 Pfd.
. M. führte femer 7 Experimente aus, in denen nach Durch-
schneidung der Kapselmembran und Entfernung aller das Hüftgelenk
umgebenden Weichtheile Gewichte angehängt wurden, um ein
Auseinandergehen der Gelenkflächen zu bewirken. Hierbei wurden
ebenfalls grössere Zahlen gewonnen, als die von den Gebr. Webet
angeführten. Bei 20 Pfd. wurde nicht der geringste Effect erzielt;
erst bei 50—60 Pfd. wurden die Gelenkflächen getrennt und bis auf
4Y2 mm. von einander entfernt. Durchschnittlich bestimmt M. die
zur Zerreissung des Hüftgelenks nothige Eiaft auf 60 Pfd. Das
lig. teres hat keinen Einfluss auf die Verbindung der Gelenkfläcben. —
Die Gelenkflächen werden bei gestreckter Lage des Hüftgelenks auch
ohne atmosphärischen Druck in fester Verbindung erhalten, und zwar
durch die Kapselmembran und das lig. Bertini. In dieser Hinsicht
sind 2 Experimente M.'s interessant: man durchbohrte den Boden dar
Pfanne und beseitigte dadurch den Einfluss des athmosphärischen
Druckes auf das Hüftgelenk; die das Gelenk bildenden Knochen
blieben nun in fester Verbindung, so lange die Kapselmembran und
das lig. Bertini erhalten waren. Die Muskeln hatte man in beiden
Experimenten entfernt. Bei Anwendung von 10 — 12 Pfd. wurde
nidit das geringste Auseinanderweichen der Gelenkflächen beobachtet,
bei 20 Pfd. eine Diastase von Y2 nmi., bei 40 Pfd. bis zu 1 mm.
Das lig. Bertini bewirkt also bei gestrecktem Gelenk allein den festen
Schluss der Gelenkflächen. Bei diesen Experimenten wurde ausserdem
Folgendes beobachtet: bei Gewichten von 20—40 Pfd.. drehte sich der
Oberschenkelknochen stark nach aussen, bei 40 — 60 Pfd. in entgegen-
gesetzter Richtung, d. h. bemerkbar nach innen. Diese Thatsache
Oentralblatt l«r Chirwygie. No. 39. 619
ist wichtig» da Einige (Busch, Reyher) die therapeutische Wirkung
der Distraotionsmethode b^ Gelenkkrankheiten durch Veränderung
der Berührungspuncte der Gelenkflachen erklären.
Von den das Gelenk umgebenden Muskeln schreibt M. dem m.
obtiirator externus eine wichtige Rolle für den festen, hermetischen
Verschluss der Hüftgelenkshöhle zu ; derselbe liegt der incisura aceta-
buli fest an. Der la. ileopsoas ist ebenfalls für das Festhalten des
Gelenkkopfes in der Pfanne bei gestreckter Lage des Hüftgelenks
nöthig.
Die dritte Gruppe von (S) Versuchen war der Wirkimg der
Distraotionsmethode auf das Hüftgelenk gewidmet. Das Ausweichen
des Oberschenkels bei der Distraction wurde mittelst zweier Nadeln
oontrolirty Ton denen man die eine in den Oberschenkel und die an-
dere in das os ilei eingedreht hatte; letztere blieb unbeweglich
und gaxantirte dafür, dass das Becken fixirt war. Die Resultate
waren folgende: 1) an der Leiche entsteht wirklich unter dem Ein-
flüsse der Distracdoosmethode ein Auseinanderweichen der Gelenk-
flächen, welches je nach der Frische der Leiche verschieden leicht
zu Stande kommt; 2) bei einem Gewichte von 9—12 Pfd. entsteht
nicht das geringste Auseinandeigehen der Gelenkflächen; 3) ist die
Leiche nicht mehr frisch^ so kann bei 20 Pfd. eine Diastase bis zu
V) mm. vorkommen; 4) 40 — 45 Pfd. bewirken eine Diastase bis zu
1 mm.; 5) bei grösseren Gewichten (60 — 80 Pfd.) wird kein weite-
res Auseinandergehen beobachtet; 6) die von den Chirurgen vorge-
schlagene Abduction hat keinen günstigen Einfluss auf das Zustande-
kommen der Diastase; 7) eine Diastase der Gelenkflächen ist am
lebenden Menschen höchst zweifelhaft, so lange das lig. Bertini er-
halten bleibt. — In Betreff des Kniegelenks führte M. 12 Experim.
mit gewöhnlicher Distraction aus. In 3 anderen Experim. controlixte M.
"die Experim. von Hüter, Weidenmüller und Reyher; letztere
wurden nach der manometrischen Methode ausgeführt. Die ersteren Ex-
perim. ergaben : 1] im Kniegelenk besteht unter physiologischen Ver-
hältnissen bei gestreckter Lage kein Spaltraum zwischen den Gelenk-
flächen; 2) eine Distraction mit 20 Pfd. erzeugt keine Diastase;
3) bei 45 Pfd. und mehr entsteht ein Spalt, welcher zwischen den in-
neren Condylen ^[^ mm.^ zwischen den äusseren IY2 iiun. beträgt.
Die letzten 3 Versuche führten zu folgenden Schlüssen: 1) eine
Diastase der Gelenkflächen kommt leichter und in grösserem Maasse
zu Stande^ wenn die Kniegelenkhöhle eröffiiet und ein Troikar ein-
geführt ist; 2) Distraction mit 12 Pfd. führt zu keiner Diastase;
3) grössere Gewichte (20 — 80 Pfd.) führen in verhältnissmässig kurzer
Zeit zu vollständiger Diastase; 4} der Wasserstand im Glasrohr
sinkt bei plötzlichem Anhängen sogar bedeutender Gewichte nur all-
mälig; bei schnellem Abnehmen der Gewichte hebt sich das Wasser
im Kohre nicht zur vorigen Höhe^ sondern nur auf einige Ctm.
Nach ausführlicher Kritik der verschiedenen Meinungen über den
Wirkungsmechasismus der Distraotionsmethode, glaubt Verf. den
620 Centralblatt fttr Chirofgie. No. 39.
guten Einfluss der Distraction bei Entzündungen des Hüft- und
Kniegelenks auf folgende Momente zurückfuhren zu dürfen.
1] Bei der Distraction wird ein leichter gleichmässiger Druck
auf die entzündeten Gelenkflächen ausgeübt durch gleichzeitige Stei-
gerung des intraarticulären Druckes. 2) Die Contractur der jdie Ge-
lenke umgebenden Muskeln wird yermindert. 3) Die Contactpüncte
der Gelenkflächen werden verändert. 4) Die Gelenke befinden sich
während der Dbtraction in Buhe und Unbeweglichkeit. — Die Ver-
hältnisse der normalen Gelenkflächen im Hüft- und Kniegelenk
studirte Verf. an Sägefläohen gefrorener Leichen. Sonst wurden
Becken und die unteren Extremitäten in einen besonderen Apparat
gebracht; das Becken fest fixirt, der Oberschenkel in verschiedene
Stellimgen zum Becken gebracht oder am Fusse Gewichte zur Dis-
traction angehängt. Büttelst Kälte-Mischungen brachte man hierauf
Becken und Extremitäten zum Gefrieren, so dass sie zu feinen Säge-
schnitten sehr geeignet sich zeigten. Von den Sägeflächen wurden
genaue Zeichnungen gemacht ^ ohne alle Schematisirung. Der sehr
fleissigen, unter Prof. Wagner 's Leitung ausgeführten Arbeit sind
16 lithogr. Tafeln beigegeben, ^welche die vom Verf. gewonnenen
Resultate aufs Anschaulichste illustriren. W* Grabe (Charkow).
A. V. Puky, Complicirte dorsale Luxation im Metakarpo-
phalangealgelenke des Zeigefingers mit Sehneninterposition.
(Wiener med. Woclienschrift 1874. No. 27 u. 28.)
Verf. citirt zunächst die einschlägigen Mittheilimgen von Goy-
rand, Kaisser^ Bertillon u. A.^ welche über ähnliche Fälle
berichten. P.'s Fall ist folgender: Ein Maurer fiel 7 Fuss hoch von
einer Leiter auf die vorgestreckte linke Hand. Dabei bohrte sich der
luxirte Kopf des zweiten Mittelhandknochens durch die Weichtheile
der Hohlhand. Auf dem Dorsum war die Gelenkfläche der Basale
phalange des gebeugt stehenden Index zu fühlen. — Die Reposition
durch Extension und Flexion war unmöglich, gelang aber^ als wäh-
rend der Hyperextension eine Rotation und darauf Flexion vorge-
nommen wurde. In einem Schienenverbande heilte die Wunde in
zwei Tagen unter Eisbehandlung. —
Zur Erklärung des erst durch Rotation überwundenen Reposi-
tionshindemisses will Verf. von der Hypothese des Muskel- und
Bänderknopfloches und der Kapselinterposition nichts wissen; da-
gegen nimmt er die von mehreren Autoren schon vermuthete oder
erwiesene (Pitha, Roser, Lisfranc, Dupuytren,
Lorinser u. A.) Interposition von Sehnen an. Leichenver-
suche, sowie das Gelingen der Reposition durch Rotation stützen
diese Ansicht. Demarquay und Roux reducirten gleichfalls durch
Rotationsmanöver. Die litterarisch mitgetheilten irreponiblen Falle
werden noch angeführt und die Behauptung aufgestellt, dass durch
Einführung des rotirenden Momentes die Reposition der betreffenden
Luxationen ihre Schwierigkeit verliert. ▼• Mosengell (Bonn).
Gentralblatt für Chirur^e. No. 39. 621
O. Wex. Ueber Narbencontracturen nach Verbrennungen
an der Hand.
(Inaug.-Diss. Bonn. 1875.)
Nach einem kurzen Ueberbhck über Entwicklung des Narbengewe-
bes im Allgemeinen geht Verf. zu den pathologischen Verhältnissen des-
selben an der Hand über, bespricht die aus ihnen resultirenden
Functionsstörungen und die Methoden zu ihrer Beseitigung^ sowie
die Indicationen an den verschiedenen Verfahrungsarten. Als Ver-
fahren von Busch wird dasjenige beschrieben^ wobei ein dreieckiger
Lappen^ mit "der Spitze nach dem Carpus sehend ^ und die Narbe
möglichst umschneidend^ abgelöst, die orthopädische Nachbehandlung
aber erst nach Eintritt der Granulationen begonnen wird (vergl.
Madelung in Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 15, ref. im Cen-
tralbl. f. Chir. 1875. No. 21). — Für die nach Verbrennungen vor-
kommende Syndactylie wird, wie sie für die angeborene mit Erfolg
verwandt worden, die DitteTsche Ligatur empfohlen. Aus der
Litteratuv gesammelte, sowie zwei vom Verf. auf der Bonner Klinik
beobachtete Fälle werden mitgetheilt. ▼• Mosengell (Bonn).
Kleinere Miitheilungen.
Ch« Deniflon. A new extension apparatus, etc.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. p. 482.)
Verf. macht der üblichen Behandlungsmethode der Fracturen durch Gewichts-
extension den Vorwurf, dass sie eine constant gleich wirkende Kraft anwende, um
bestftndig wechselnde Hindernisse (Muskelcontraction etc.) zu überwinden. Statt
der Gewichte benutzt also Verf. einen Kurbelapparat mit Spemrorrichtung. Der-
selbe hat bei grosser St&rke nur die Crrösse einer Taschenuhr und wird in hölzer-
nen Unterlagen und Schienen nach Belieben eingeschraubt. Besonderen Nutzen
soll dieser Apparat bei Behandlung von Patellarfracturen haben. Das Princip der
Anwendung ist dasselbe wie beim B. Bell' sehen Verfahren (Ref.). Anstatt der
gepolsterten Kiemen drücken oberhalb und unterhalb der Patella quer angelegte
breite Heftpflasterstreifen die Fragmentstücke aneinander. Anstatt der Schnallen
sind 4 Kurbelapparate eingeschaltet. Wie schon Benjamin Bell angegeben,
reicht der obere Riemen an der vorderen Seite des Unterschenkels bis ziun Fuss
und gewinnt dort seinen weiteren Halt. Die Anwendung des Heftpflasters, die es
ermöglicht, den angewandten Druck auf eine grössere Oberfläche zu vertheilen,
erscheint von Vortheil. Aehnliche Apparate kommen bei der Behandlung von
Olecranonfracturen, Riss der Achillessehne, bei Schenkelfracturen und zur Exten-
sion von Knie- und Hüftgelenken zur Anwendung.
Madelung (Bonn).
(Bellevue hospital.) Apparatus for old cases of ununited fracture
of patella^ to enable the patient to walk.
(New York med. Journal 1875. Bd. XXI. p. 610.)
Ein Gypsverband umgreift das Bein oberhalb des Kniees, ein zweiter unterhalb.
In beiden ist je ein Ring von starkem Eisendraht befestigt, der theilweise hervor-
ragt. Ein starker Kautschukstrang verbindet die beiden Ringe und hält das Bein
in extendirter Stellung fest.
622 Centralblatt ffir Ohirurgiei Ko. 89;
(RoBserelt Hospital.) Salieylic acid in extensive bum.
Ibidem.
Als Emulsion mit Olivenöl (1 : 16) that 8alicylsaure gute Dienste bei Behand-
lung einer ausgedehnten Brandwunde, desgleichen in Solution (1 : 500) bei Aus-
spolung von Blase und Pleurahöhle (Cystitis, Empyem).
(Charity Hospital.) Tetanus treated by Gelseminum.
Ibidem.
Complicirte Fractur einer Phalanx des Zeigefingers. Amputation. 3 Tage
nach der Verletsung Tetanus. 20 — 30 Gran des flüssigen Eztractes von Oetseminum
wurden alle 3^4 Stunden gegeben. Naehlaas der Muakelcontractionen fiOr 4—^
Stunden. Tod durch tetanische Contracdonen der Respirattonsmuskeln.
Madelung (Bonn).
K. BuilLG. Ergotininjectionen.
[Sitzungsberichte der Kaiserl. med. Gesellsch. zu Wilna. 1875. No. 2. p. 56.)
2 Fälle von Fibromyoma uteri wurden g&nzlich erfolglos mit je 50 Injectionen
behandelt. Jedesmal heftige Schmerzen durch 20 Min., einmal Verringerung einer
heftigen intercurrenten Metrorrhagie. W* CNmbe (Charkow).
8. T. Warren. Two cases of intussusception succesfully treated. by
fluid injections.
(New York med. Journal. 1875. Bd. XXI. p. 490.)
Ein 7 Monat altes Kind bekommt plötzlich Erbrechen, Stuhlverhaltung,
Schmerzen im Leib, heftigen Stuhldrang, Blutabgang aus dem Rectum. Der in
.den Mastdarm eingeführte Finger entdeckt eine weiehe, runde Geschwulst, die
vollständig den Darm verschliesst. Injectionen von warmem Seifenwasser in den
Mastdarm. Erst beim 3. Versuch gelingt es, 10—12 Unzen Wasser einzuspritzen,
Dieselben werden zurückgehalten. Heilung.
Ein zweites 9 Monate altes Kind zeigte dieselben Symptome, ausserdem eine
umschriebene, ziemlieh grosse, harte Geschwulst unmittelbar über dem Nabel. Auch
hier führten grosse Injectionen von Seifenwasser zur raschen Heilung.
MadelnDg (Bonn).
Femberton, DarmYerschluss. Tod.
(British med. Tourn. 1875. Vol. I. p. 576.)
Ein 50j&hriger, imbeciller Mann sollte seit 3 Tagen an Erbrechen und Stuhl-
mangel leiden ; die Untersuchung ergab eine massige Spannung des Abdomen und
in der rechten Inguinalgegend einen harten, über eigrossen, schmerzlosen, nicht
durchscheinenden Tumor ohne Oedem der Bedeckung. Da die Folgen des Darm-
verschlusses zunahmen, so wurde auf dem Tumor eine Incision gemacht ; es flössen
2 Unzen blutigen Serum aus einer Höhle ab, in welcher der allseits angelöthete,
feste Hoden sich vorfand; der Bruchsack selbst war leer. Die von hier aus an-
gestellte Untersuchung konnte die Stelle des Darmverschlusses nicht eruiren. Nach
24 Stunden erfolgte der Tod unter den Erscheinungen der Erschöpfung. Section : die
Gegend der rechten fossa iliaca, des rechten Hypochondrium und von dort zum
Kreuzbein hinab war ausgefoUt durch eine enorm ausgedehnte Dickdarmschlinge,
deren Wandungen bis zu membranöser Durchsichtigkeit verdünnt waren ; die eben-
falls sehr ausgedehnten Dünndärme hatten das Zwerchfell bis zum 3. Intercostal-
räum emporgedrtngt ; eine volle Axendrehung bestand im S. romannm, eine 2. entge-
gegengesetzt gedrehte im Ueum. Der rechte fibrös entartete Hoden zeigte gar kein
normales Hodengewebe mehr. — Pili (Stettin).
J. ToTsujeff« Ein Fall von Hernia diaphxagmatiksa.
(Sitzungsberichte der Kaiserl. med. GeseUach. im Kaukasus. 1875. Russiaoh.)
Ein 22) ihriger Mann kam wegen hefdger Schmerzen im Leibe, die sich be-
sonders nach dem Essen und Trinken einstellten, und wegen gleiohaeitiger 2tlgiger
C^tralUatt Air Chinixgie. Ko. 3d. 623
Obstruction in's Krankenhaiu. Temperatur und Puls aber der Norm, Berührung dee
eingesogenen Leibes schmerihaft,. Oberschenkel angezogen. Fat. bisher gesund,
erkrankte nach dem Heben eines schweren Kastens sofort unter Schmerzen und
Erbrechen. Diagnose wegen der durch Schmerz sehr behinderten Untersuchung
nicht möglich. Tod nach einem Tage. Linke Lunge bis auf ein Viertheil des
Normalyolums verkleinert, in der linken Thoraxh&lfte alle Dünndärme und das
Omentum majus; OefFnung im Diaphragma 2 Finger links vom Oesophagus
von der Ghrösse eines lOOroschenstQckes Die Därme mit einander durch Exsudat
verklebt. W. Grube (Charkow).
A« HodeL Bruchschniitt bei einem Kinde von 28 Wochen.
(Bair. Aerztl. Intelligenzblatt 1875. No. 30. p. 301.)
AusfQhrliche Mittheilung einer Hemiotomie bei incarcerirter Hemia funiculi
spermatici bei einem Kinde von 28 Wochen. Operation ohne Eröffnung des Bruch-
sackes (Process. periton. vaginalis). Radicalheilung. P. BnuiB (Tübingen).
BlieinstAdter« Diagnose der Ovariencyeten und Indicationen ihrer
Behandlung.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 18,19 u. 22.)
* Verf. hat in Strassburg besonders Köberl6's Künik besucht und theilt seine
dort gewonnenen Kenntnisse in wohlgeordneter Weise mit. In höchst dankens-
werther Weise führt B. , kurz und präcis im Ausdruck , den «jetzt üblichen Gang
der Untersuchung, resp. die Anwendung der diagnostischen Hülfsmittel in ihrer
zweckmässigsten Aufeinanderfolge« vor. Die Einzelheiten sind im Original nachzu-
lesen. V« MosengeU (Bonn).
Thaden. Stein in der Prostata und Harnblase.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875, Bd. XVUL Hft. 3. p. 595.)
Ein Beleg für jene selteneren Fälle, in denen Steine der Niere oder Blase sich
in der Prostata festsetzen , die heftigsten Hambeschwerden verursachen und sich
allmälig mit einem Kalkmantel umgeben. Nach Spaltung der vorderen Mastdarm-
wand sammt Sphinoter ani und Prostata wurden einem 7üjährigen Gerichtsdiener
zwei Steine entfernt, deren einer in der ausgedehnten pars prostatica und mem-
branacea der Harnröhre sass, bimförmige Gestalt und Durchmesser von 3, 4, 5
Ctm. hatte.
In seiner oberen vorderen Circumfere'nz sass ein genau dem ost. vesicale ure-
thrae entsprechender Defect, welcher einen anderen Stein von reichlich Wallnuss-
grosse umfasste. Der Prostatastein bestand aus 2 hamsauren Xernen und kohlen-
saurem Kalk, welchen letztem wieder eine Harnsäureschicht umschloss, der kleinere
aus Tripelphosphat und phosphorsaurem Kalk.
Die erweiterte pars prostatica durch den dilatirten Sphincter mit der engen
Blase in stets offener Verbindung gleicht einer Harnblase in Sanduhrform. Dies
Yerhähniss erklärt das vor der Operation beobachtete Harn träufeln.
Willi. Koch (Berlin).
F. E. Haag. lieber Lithotritie bei Kindern.
(Annalen der chirurg. Gesellsch. zu Moskau. 1875. Bd. I. p. 85.)
Gestützt auf eigene Beobachtungen hält Verf. die Lidiotritie bei Kindern für
gleichberechtigt mit Lithotomie, weil die instrumentelle Technik jetzt vervoll-
kommnet, die Anästhesirung leicht und die Operation relativ gefahrloser sei. Der
Kern der Steine von Kindern besteht gewöhnlich nach 14 Untersuchungen des
Veif.'s aus Harnsäure imd hamsaurem Ammoniak, desto sehner enthält er oxalsaure
Verbindungen, was für die Operation günstig ist. Das Abgehen der Steintrümmer
und die Operation wird nicht sohlechter als von Erwachsenen ertragen.
W. Brühe (Charkow).
624 Centralblatt far Chirurgie. No; 39.
J. Dubrisay. Luxation cong^nitale du genou.
(Le Mouvement m6d. 1875. No. 19.)
Ein leicht in Kopflage geborenes Kind (Mädchen) einer 21j&hrigen Primipara
zeigte sofort nach der Geburt folgende Anomalie im linken Kniegelenk: der Un-
terschenkel in spitzwinkliger Hyperextension und mit der Fussspitze nach innen
rotirt, 80 dass der linke Fuss leicht mit der rechten Leistengegend in Berührung
^bracht werden konnte. Bequem und ohne Schmerzen Hess sich aber der Unter-
t Schenkel sowohl in einfache Streckung zurückbringen, als auch in ganz ausgiebiger
Weise flectiren. Das Kind selbst war ebenfalls im Stande den Unterschenkel activ
in Flexion zu stellen; nur bei der Action der Extensoren gerieth der Unterschen-
kel wiederum in die anomale überstreckte Stellung. — L&nge der beiden unteren
Extremitäten, als auch der Umfang beider Kniegelenke waren dieselben. Weder
an den knöchernen Gelenkkörpem, noch an der Patella des afficirten linken Knie-
gelenks war eine Difformität nachweisbar. Auch die das Gelenk bewegenden Mus-
keln fünctionirten normal. — Die überstreckte Stellung lieferte das typische BÜd
einer 'Luxation des Tibiakopfes auf die Femurcondylen : Eine tiefe Quer^rche in den
Weichtheilen an der Vorderseite des unteren Femurendes, oberhalb des promini-
renden Tibiakopfes, und eine vollständige Verflachung, ja Vortreibung der Knie-
kehle durch die Femurcondylen, auf denen dicht unter der Haut die Pulaationen
der A. poplit. wahrgenommen wurden. Verneuil bestätigte die gestellte Diagno^
am folgenden Tage und ersetzte den primären Pappwatteverband durch einen Gut-
taperchayerband in halb flectirter Stellung des Kniegelenks, der 14 Tage liegen
I blieb. Beim Verbandwechsel überzeugte man sich, dass eine Ueberstreckung selbst
bei starker Contraction der Streckmuskeln sich nicht mehr einstellte. Aus Vor-
sicht wurde jedoch der Verband noch einige Tage liegen gelassen. 6 Wochen
nach der Geburt war an den beiden Extremitäten absolut kein Unterschied wahr-
i nehmbar. Mit 13 I||Ionaten lernte die Kleine laufen, und geht jetzt in ganz nor-
I maier Weise. — Verf. citirt Jacquemier, der ähnliche Zustände am Ellenbogen-
gelenk gesehen haben will. Robert theilt (Des vices cong^nitaux de la confor-
I mation des articulations , Thöse de concours 1851, vergl. Cannstatt's Jahresbe-
richt 1851, p. 165) eine Beobachtung Kleeberg' s (Königsberg) mit, die von der
beschriebenen sich jedoch durch grosse Schmerzhaftigkeit bei den passiven Beu-
gungsversuchen unterschied. Die Fixirung des Gelenkes erzielte hier schon in
12 Tagen vollen Erfolg. Auch einschlägige Beobachtungen von Wutzer und
Cruveilhier werden angeführt. — Bei Experimenten an Kinderleicben ,fand
Verf., dass nach Durchschneidung von Haut und Muskeln die Tibia auf die Vor^
derfläche der Femurcondylen sich luxiren Hess, wenn man nach Durchtrennung
des lig. post. auch die ligg. cruciata durchschnitt, dass aber die oben dargestellte
Ueberstreckung mit Rotation des Unterschenkels nach innen erst dann entstand,
wenn man neben dem lig. post. und den ligg. cruciat. auch das lig. ext. duroh-
trennte. — Für seine kleine Fat. ist Verf. geneigt, nicht eine Zerreissung, son-
dern eine Dehnung, vielleicht eine Entwicklungshemmung der genannten Liga-
j mente anzunehmen, und stützt sich zum Theil auf die Mittbeilung von Veterinär-
I ärzten, welche öfters bei Lämmern ähnliche Kniegelenksluxationen beobachtet und
in wenigen Tagen durch leichte Schienenverbände geheilt haben wollen. — Ganz
I besonders erwähnt noch Verf., dass die Mutter des lindes vierzehn Tage vor des-
sen Geburt, während der sonst ganz normalen Schwangerschaft in ihrer Wohnung
ausgeglitten, und auf ihre Hände und ein Knie gefallen sei. — (Vergl. Maas,
Arch. f. klin. Chirurgie 1874. Bd. XVIL Hft. 3, ref. im Centralbl. f. Chirurgie
1875. No. 7.) Lesser (Berlin).
I
Origi^almitthellangen, Monographleen und SeparatAbdrüeke wolla
man an Dr, JET. TiUmanntf Leipzig, Mailenstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlnng,
Bnithopf und Härld, einsenden. >
Dndk und Verlag tob Breitkopf and Hittel in Leiptig.
Gentralblatt
fftr
CHIRURGIE
herausgegeben
▼OB
Dr. L. Lfaser, Dr. I. Sckeie, Dr. E Tilloiaiiiis
in Berlin. in HftUe a. 8. in L«iprig.
Zweiter Jahrgang.
Wöohendioh eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Pri-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N2:' 40. Somiabeiid, den 2. October. 1876.
lülialt: Holmer, Chlrnrglscbe Mittheüungen. — Kronecker, Das charakteristische
Merkmal der Herzmnskelhewegmig. — Fleltchl, Beschaffenheit des Axencylinders. —'
Vehy Wirksamkeit klar llltrirter faulender Fiatsifkeiten. — MeybUfQ, Milzbrand. —
DurOdl^y Thrombose und Embolle. — Fayror/ Elephantiasia srabum. — De Cristoforl,
Thoracentese. — Campbflli Behandlung der Lsgeverindeningen des Uterus. — Sta4-
faMi, HaematoceU zetronterina» — Sllveftri, Amputation mittelst elsstischer Ligatur.
■
HortAloapy Aneurysma cirsoides. — Lailfr, Ligatur der Carotis communis. — Schaff,
Zahnfleisch- Scorbut. — Garbl, Amputation mittelst elastischer Ligatur. — Menzel, Be-
seedon des Fuss^ und Kniegelenks. — BontempS, Prostatafaypertrophie.
Ratf r, Nachtrag.
Hohuer. Mittheilungen der chirurgischen Abtheilung des
Communehospitals in Kopenhagen.
(Hospitalstidende 1875. No. .1—3 u. 5—6.)
I. Einige Fälle von Kniegelenksreaectionen.
Verf. hebt hervor^ dass es, um die EniegelenksreBectionen richtig
zu würdigen, von Wichtigkeit ist, die Beobachtungen mehrere Jahre
nach dem Schlüsse der eigentlichen Behandlung fortzusetzen, und
fiihrt von den von ihm ausgeführten Resectionen nur diejenigen Falle
an, welche als vollkommen abgelaufen angesehen werden können.
Von diesen 7 FäUen sind 5 mit gut bräuchbarer Extremität geheilt,
2 später amputirt, das eine mal mit todtlichem Ausgange. Die Mor-
talität war also eine geringe (14 p. C). Die besten Resultate gaben
3 Kinder in einem Alter von 5, 8 und 11 Jahren. Bei ihnen wurde
im Laufe von 1, 2 und 5 Monaten knöcherne Ankylose erreicht, bei
den geheilten Erwachsenen erst in 8 bis 9 Monaten. Die beiden
Umstände, welche das Resultat noch lange gefährden, nämlich fort-
40
626 Centralblatt für Chirurgie. No. 40.
dauernde osteitische Pfocesse^ und bei Kkideni I|6|nmimg des Langen-
wachsthutns^ werdeA ia den Kiaukengeßoibichteii noch näher beleuchtet :
1. Sjähriger Knabe. Arthritia fungosa mit Destruction der 6e~
lenkknorpel^ superficieller Caries der Knochen und Congeetionsabscess
am Oberschenkel. Resection im Juli 1871.
Es wurden Y^' dea Femur und V4'' der Tibia waggenommen.
Drei Monate nach der Operation feste knöcherne Vereinigung. Im
Juni 1872 ging Fat. mit erhöhter Sohle gut ohne Stocks lief umher
und kletterte auf die Bäume. Eine kleine Fistel war noch vorhanden,
heilte aber bald. Die l^tbelle zeigt das Verhältniss zwischen den
beiden Extremitäten im Juni 1S72 und 2 Jahre später, während dessen
sich kein Recidiv gezeigt und der Knabe den vollen Gebrauch des
Beines gehabt hat.
Juni 1872 September 1874
BAieoiste Sitr. CtosuAe B^r.
Länge 61Vs Ctm. 637% Otm.
Schenkel .... 34 - 347» -
Schienbein . . . 271/« - 29 -
QrOsster Umfang | »r . 32
des Schenkels i *
Qrösater Umfang ( oni/ 001/
der Wade • ^^*^« ' ^'^ '
BeiMbto Bxtr. Gwaate Acte.
67 Ctm. 71 Ctm.
40 - 41 -
27 - 30 -
24 - 24 -
36 - 38 -
Die Verkürzung hat sich demnach von 2 Ctm. auf 4 Ctm. ge-
steigert, während die resecirte Extremität um 51/» Ctm. gewachsen
ist. Verf. nimmt, namentlich bei- Yergieichung mit dem Maasse dtr
gestinden Extremität an, dass die Knochenenden am Knie am diesem
Längenwachsthum Theil genonunen haben , lun so mehr, als die Epi-
physenlinien nicht überschritten waren. Die Frage nach käoftiger
weiterer Zunahme der V^pküraung bmis» unbeantwortet goloooon wer»
den. Es ist schwierig, ein absolut sicheres Maass zu erhalten, da
eine unbemerkbare Flexion vielleicht enjtstajiden Bein kana^ Yei&
hebt die Bedeutung einer bessern Ernährung der Extremitäten durch
fortgesetzten Gebrauch hervor.
2. 11 jähriger !Knabe. Caries patellae mit Perforation in das
Gelenk. Granulöse suppurattve Synovitis, Ulocoration der Gelenk-
knorpel. Besection imNovember 1871. Durcbsägung des Femur
durc^ den obem Theil der Fovea patellaris, so dass hinten etwas von
den 'knorpelbekleideten Enden der Condyli zurückgelassen wurde.
Von der Tibia wurde eine dünne Scheibe w^genommen. 4 Wochen
nach der Operation knöcherne Heilung. Im Juni 1872: Lauft
ohne Stütze den ganzen Tag. Schwache Flexion im Knie, Verkür-
5«ung 1 — 2 Ctm. Im September 1874:
ItoiftQüia Bitr. aenads Satt.
. 66 Ctm. 68 Ctm.
L&nge
de« Femur . .
der Tibi» . .
Um£ang des Schenkek
der Wade . .
37 - 39 -
29 - 29 -
37 - 38 -
24 - 24 *
Centralblan für Ohinur^e. No. 40. 627
Dm: Wabhsthiim der reBeoirten Ezüremität hat denmach mit der
getfuiMleiQ! ungefähr 3 Jahre Schritt gehalten.
3. 4Y2Jähriger Knabe, Fnngöse Arthritis genu mit sehr chro-
mfchem Verlauf^ später suppaiative Arthritis mit Durchbrueh der
Kapsel, CoiügeBtioiisabscess am Femur. Vergebliche Behandlung mit
Pünoäön und grossen Incisionen. Im Mai 1873 Resection. Das
untere Ende des Femur wurde weggenommen, und zwar vom condyl.
int^ etwas mehr, als vom ext. (circa 2 Ctm.), wodurch die Epiphysen-
tinie für diesen Gondylus getroffen k» sein schien. Die Patella war
cariös und wurde exstirpirt. Von der Gelenkfläche der Tibia, welche
gesund war, wurde nur eine dünne Scheibe entfernt. Silbersuturen.
Antiseptischer ' Verband. Sehwebeappamt (fileohachiene mit Seiten-
klappen für das Knie] . Einen Monat später beginnendes Festwerden.
4Y2 Monat nach der Operation feste knöcherne Ankylose in schwach
flectirter Stellung. Februar 1874. Die Fisteln vollständig geheilt.
Winkel 140°. Die Verkürzung in dieser Stellung circa 4 Ctm. Die
wirkliche Verkürzung kaum 3 Ctm. 8 Monate später (October 1874)
scfiien die Verkürzung um 1 Ctm. zugenommen zu haben, und die
Wachs thumshemmung der Tibia zur Last zu fallen. Die Angabe
des Maasses ist jedoch nicht ganz sicher, namentlich weil die Flexion
etwas zugenommen hatte. Wegen dieser Nachgiebigkeit der Verbin-
dung, selbst nachdem dieselbe fest scheint^ empfiehlt Verf, eine stütz*
ende Schiene.
Von den 4 Resectionsfällen bei Erwachsenen mussten 2 später am^
putirt werden; der eine wegen der fortdauernden Ostitis. Als der
Pat. geheilt war, trat Caries ossis ilei auf. Beweis seiner schlechten
Constitution. In dem zweiten Falle wurde die Amputation 2^/^ Mo»
nat nach der Resection vorgenommen. Das Knochenleiden war hier
sehr verbreitet gewesen. Bei schlecht werdender Eiterung und Aus-
bleibeiQ ^et k^a^ckdieffnen Vereinigung; Amputation — Tod. Sectios:
allgemeine Tuberkulose.
Die beiden Fälle, wo die Resectionen bei Erwachsenen zu einem
Sestiltate ftihrten^ waren:
1. 18jähriger Mann. Füngose Arthritis. Durchbruch der Kapsel.
Beikkung den Schenkel hinauf. Subluxation. Caries der Gelenkenden.
Sesideiioti im October 1S71. 7/ des Femur und y^" der Tibia wur-
den entfernt. 4 Monate später gttter Festigkeit. 9 Monate nach der
Qperadon ging er auf Krüoken umher. Beständig secemirende
Fisteln, kein denudirter Knochen« Verkünenng 6 Gtm. Grösster
Umfang der Wade der xesecirten Extremität 28 Ctm. , der gesunden
Z%, des Schenkels 39 und 44 Ctm. N>ach 1 1 und 13 Monaten wurden
die Knochensuturen entfernt. Im 15. Monat bedeutendes Evidement
des untern Femurendes mit scharfiea Löfleln. Im August 1873 feste
Ankyiose, keine Schmerzen, IdJehte Flexion. October 1874: die
Fisteln secemiren nur seröse Flüssigkeit; Tägliche Arbeit mit Fahren
von W^mateidal.
2. 2Bjährig^s Dienstmädchen. Synorntis granulosa. Relativ frühe
40*
628 CentMdblatt fftr Chirurgie. No. 40.
Rdseotion wegea Verdacht einer beginnenden Tuberkulose der Basis
cerebri. Die Gelenkknorpel ulcerirten, jedoch nur auf einem be-
grenzten Theile des Condylus int. femoris et tibiae. Denudation.
Operirt im Februar 1873. September. Solide knöcherne Verei-
nigung. Die Knochensuturen wurden entfernt. November. Fängt
an ausBer dem Bette zu sein. Januar 1874. Evidement der Fisteln.
Mai 18 74. Verkürzung 4 Ctm ; Umfang des Schenkels der gesunden
Seite 41 Ctm. , der reseclrten 36 Ctm. Umfang der Wade 26 und
27 Ctm. (ein wenig Oedem.) Herbst 1874. Alle Fisteln sind ge-
heilt^ guter Gang ohne Unterstützung.
IL Esmarch's unblutige Operationsmethode.
Verf. hat die Methode mit Erfolg bei Sequestrotomieen und Ex-
stirpationen von Geschwülsten an den Extremitäten angewendet. Bei
Resectionen des Kniegelenks hat er dieselbe ein einziges Mal mit gu-
tem Resultat versucht, er benutzt sie aber hier doch nicht als Regele
wegen der Neigung derselben, eine bisweilen langwierige capilläre Hä-
morrhagie zu veranlassen, welche zu einem die nachherige Behandlung
störenden Nachbluten disponirt. Dabei furchtet er Gangrän des Haut-
lappens (Textor's Methode). In 3 EUbogenresectionen und einzelnen
Excisionen der Knochen der Fusswurzel und des Mittelfusses ist die
Methode mit Erfolg angewendet worden. Femer wurde sie bei 3
Schenkelamputationen, 1 Exarticulation des Kniees, 2 Operationen nach
Syme und 2 nach C hepar t benutzt. 2 Schenkelamputationen bei
Patienten mit sehr geringer Chance endeten todtlich; die übrigen
Amputationen wurden geheilt. In keinem dieser Fälle entstand
Pyämie. Panlli (Kopenhagen).
H. Kronecker. Das cfaarakteristisGhe Merkmal der Herz-
muskelbewegung.
(Beiträge zur Anatomie und Physiologie» als Festgabe Carl Ludwig gewidmet yan
seinen Schülern. Leipzig, F. €• W. Yogel. 1875.)
Mit Hülfe der von Ludwig in die physiologische Forschung
eingeführten graphischen Methoden wurden bekanntHcK die Einflösse
^er verschiedenen Herznerven auf den Blutkreislauf genau zergliedert.
— Ludwig war es auch^ welcher 1866 eine Methode angab, die
Function des isolirten Froschheraens^ welches mit einem kunst-
lichen Kreislauf in Verbindung gebracht war» zu untersuchen (Cyon).
Sodann entdeckte Bowditch unter Leitung Ludwig's eine neue
Eigenthümlichkeit des Herzmuskels, welche diesem ror allen and^
ren Muskeln zukommt: die Grösse der Zusammenriehung* des elec-
triscli gereizten Ventrikels ist unabhängig von der Starke des Beizesi
nur wechselnd mit dem Ermüdungszustande des Muskels. Genügten die
in gleichen Intervallen folgenden Reize nicht mehr, um maximale Con-
tractionen des Herzmuskels auszulösen, so wurden diese nicht kleiner,
CentralblaU für Chirurgie. No. 40.' 629
sondern unregelmässig aussetzend. — Zum Theil um die Angaben von
Bowditch zu vervollständigen^ hat Kr. nun in Gemeinschaft mit
Stirling ausgedehnte Versuche unternommen. Er fand zunächst,
dass die Pulse nicht aussetzend >varen, sondern regelmässig erfolgten,
wenn die minimalen Reize ganz genau in gleicher Intensität gehalten
wurden, oder gänzlich ausblieben, wenn die Stromintensität noch um
ein Geringes gemindert wurde. Erwärmen steigert die Reizbarkeit und
Beweglichkeit des Herzens, Abkühlen setzt beide herab; die Pulse
werden zugleich niedriger und langsamer. Bei sehr niedriger Tem-
peratur (3 — 5°) vermag das Herz überhaupt nicht häufiger als etwa
alle 10 See. einen Puls zu vollenden.
Von grösstem Interesse sind die Thatsachen, welche K. bezüglich
der Ernährungsvorgänge des Froschherzens fand. Letzteres besitzt
keine Coronararterien, die Ernährung geschieht nur duxch Diffusion
des Blutes aus dem Lumen in die Wandungen. Die grössere oder
geringere Contractionsfähigkeit des Herzens hängt von seiner besseren
oder schlechteren Ernährung ab. Je frischer und arterieller das Blut,
um so kräftiger regt es die Herzthätigkeit an. Bleiben die ruhenden
Herzwandungen einige Zeit mit stagnirendem Blute in Berührung, so
verliert der Muskel an Leistungsfähigkeit. Jeder Puls steigert die
Energie des nächsten, bis* die Mischung des gebrauchten und frischen
Blutes in dem aufs Herz gesetzten Röhrensystem gleichmässig ge-
worden ist (Bowditch). Dem entsprechend werden die Herzschläge
niedriger, wenn demselben Blut entzogen wird. Verdrängte Kr. das
in der Herzhöhle befindliche Blut oder Serum durch unschädliche
Kochsalzlösung (0,6^), so sinken die Pulse sehr schnell bis zur Un*
merklichkeit, bald bleiben nur noch matte peristaltische Bewegungen
und endlich steht das Herz in Diastole still, unfähig selbst auf cUe
stärksten Reize die leiseste Bewegung auszuführen. Durchspült maa
das erschlaffte Organ neuerdings mit Ohaltigem Blute, so beginnen
bald fibrilläre Zuckungen^ dann schwache Herzschläge, bis das Herz
ebenso kräftig arbeitet, wie im frischen Zustande zuvor. —
Die Yersuohe wurden in der Weise angestellt, dass in die Ven-
trikel eines isolirten Froschherzens eine Doppelwegkanüle (cf. Original)
eingeführt war; die Vorhöfe wurden um letztere fest zugebundep, so-
dass das Herz noch selbstständig pulsirte (Luciani).
Die Versuche sind von hohem praktischen Interesse. Bezüglich
der Wirkung der Transfusion scheint nach den von Kr. gefundenen
Thatsachen Alles davon abzuhängen, dass möglichst rasch dein Het-
zen arterielles O haltiges Blut zugeführt wird. Denn die
Gefahren bei grossen Blutverlusten beruhen wohl neben den Ano-
malieen des Blutdrucks ganz besonders in Ernährungsstörungen des
Herzmuskels. Doch ist Ref. weit entfernt, die am Froschherzen ge-
wonnenen Thatsachen in ihrer ganzen Ausdehnung ohne Weiteres auf
den Menschen, übertritgen 55U wollen. — TiUmaims (Leipzig).
630 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 40.
R Fleisohl. Ueber die Beschaffenheit de« Axencylinders.
(Beiträge zur Anatomie und Physiologie, als Festgabe Carl Ludwig gewidmet von
seinen Schülern. Leipzig, F* €• W* Yogel. 1875.)
An mit Chromsäure ^ Carmin^ Terpentin behandelten Längs-
schnitten vom Rückenmark des Cyprinus carpio (Hinterstränge) stellt
sich der Axencylinder als ein vielfach gebogener eingedrehter Strang
dar, welcher von ungleichmässiger Dicke ist und mit Excrescenzen
von verschiedenster Fonn besetzt ist. An anderen Stellen erscheint
der Axencylinder als aufeinander folgende, quergestellte, unregelmäs-
sige Platten, welche auf einen längsverlaufenden Faden au^^reiht
sind. Die Formen des Axencylinders variiren auf Längs- und Ouer-
schnitten sehr. An Alkoholpräparaten vom Fischnickenmark (Karpfen)
sieht man nach der Carminfarbung den Axencylinder auf dem Öuet-
Bchnitte als eine breite, kreisrunde oder polygonale Fläche von gleich-
massig rosenrother Tinction und auf dem Längsschnitt als rosafaibe-
ner, regelmässiger Streifen von beträchtlicher Breite. Zur Controle,
ob das Chromsäurebiid oder das Alkoholbild des Axencylinders als
der richtigere Ausdruck der physiologischen Verhältnisse anzu-
sehen sei, wurden frische, in Ueberosmiumsäure präparirte Rücken-
marksfasern, sowie Querschnitte von in derselben Flüssigkeit (1 : 1000)
während 24 — 48 Stunden gehärteten Rückenmark untersucht. Sie
stimmten mit dem Alkoholbild überein.
Im Allgemeinen ist die Regel, dass Chrom sehr dünne, utiregiel-
mässige, Alkohol dicke gleichmässige Axencylinder macht.
Verf. ist deshalb der Ansicht, dass der Axencylinder aus einer
Substanz bestehen muss, welche verschieden von den übrigen Form-
elementen des Körpers ist. Weder Protoplasma, noch das leim-
gebende Gewebe, oder die Epithelialgebilde zeigen ein ähnliches
Verhalten gegen jene Reagentien wie der Axencylinder. »Der Axen-
cylinder ist im Leben eine Flüssigkeitssäule, deren Volum weit mehr
als die Hälfte des Volums der ganzen Faser betragt. Das Mark
nimmt in der lebenden Nervenfaser höchstens den Raum ein, wel-
chen in der eben abgestorbenen die Myelingerinnungen einndimen.
Die Flüssigkeit, aus welcher der Axencylinder besteht, enthält eine
sehr leicht und unter verschiedenen Ufuständen in sehr verschiedener
Art gerinnende Substana«. TUlaumas (Leipng).
F. Veh. Ueber die Wirksamkeit klar filtrirter faulender
Flüssigkeiten.
(Inaug. -Diss. Dorpat 1875.)
Nach einer kurzen historischen tJebersicht theilt Verf. in seiner
ersten Versuchsreihe 1 9 an Hunden und Katzen angestellte Versuche
mit, in denen er den Thieren mit Bacterien inficirte Pasteur'sche
und Cohn' sehe Losungen subcutan injicirte. Die Lösungen wurden
verschieden lange Zeit nach der Ansiedelung von Bacterien benutzt
Gentndblatt Air Ghiruigie. No. 40. 63}
und in kleineren Quantitäten, lal^ uü »ehr verschiodamet . Sfitp^r-*^
stellen, in kurzen Intervallen eingespritzt. In den meisten FtOlen
vertrugen die Thiere den Eingriff ohne besondere allgemeine oder lo-
cale Reaction; in einigen Fällen trat putride Infection ein, manches
tnal bildeten sich Abscesse an den Einstichsstellen, wobei der Umstand
interessant ist, dass einige Male bei einem Thiere, dem an zwei sym-
metrischen KSrperstellen gleichzeitig 2 Injectionen gemacht wurden,
gerade an der Körperhälfte sich ein Abscess bildete , an welcher die
kleinere Quantität der Flüssigkeit injicirt worden war. Mehrere Sec-
tionen der getödteten Thiere zeigten, dass sich im Unterhautzellgewebe
eixuet Injectiönsstelle; auch wenn dieselbe im Leben nicht empfindlich
und geschwollen gewesen war, doch verbteitete seröse Infiltration und
venSße Hyperämie vorfanden (die beiden letirten E:2&perimente wurden
mil durch Frieren geklärter Flüssigkeit angestellt).
Verf. kommt zu folgenden Schlüssen:
»1. Localafifectionen, durch subcutane Application bacterienhalti*
ger Flüssigkeiten hervorgebrachl, lassen si^h am lebenden Thiere nich%
immer nachweisen und bringt hier nur der Obducttonsbefund mi
klares ReSttkat«.
»2. Die Verschiedenheit der localen Wirkung bacterienhaltiger
Flüssigkeiten lässt sich nicht immer auf Individualität und Speciea
des Versuchsthieres und Verschiedenkeit der faulenden Flüssigkeit
zurückfuhren, sondern es spielen hierbei noch andere im Einzelfall nicht
zu eruir^nde Momente eine Bolle«.
v9. Es ist wahrsdieinlich, dass dvtrch multiple subcutane It^ectiön
septischer Flüssigkeiten das typische Bild der putriden Intoxiea^bieik,
ebenso wie nach Infusion in die Venen, hervorgebracht werden kann«.
In der zweiten Versuchsreihe injicirte Verf. inficirte Pasteur'-
sche Lösung, welche er zuerst durch Tbonzellen filtrirt und dann
durch Gefnerenlassen vollständig geklärt hatte, in die Jugularvene
von Hunden. Diese klare, bacterienfreie Flüssigkeit erregte in fast
allen Fällen putride Intoxication , der die Hunde recht schnell erla-
gen; der Seoüonsbefund war der bei dienet latoxieation bektumta. *
Daran knüpft Verf. einige Experittfinte, in dienen er gleichzeitig
den Blutdruck und die Respirationsfrequenz maass und einige weitere,
wo >er zur Injection faulendes, mit Wasser versetztes Lungengewebe
und faules Blut benutzte.
Verf,, welcher seine Versuche selbst für noch unvollendet erklärt,
glaubt die Vermuthung ansprechen zu dürfen, dass das »Filtrat un-
gleich schärfer wirke, als die trübe Lösung«. Den Ghrund findet
er darin^ dass die Filtration sehr zeitraubend war, und dass die Flüs-
sigkeiten daher nicht zu einer Zeit angewandt werden konnten^ wo
sie am wirksamsten sind. A. BMder (Mannheim).
632 Centralblatt ftlr C^uruigie. No. 40.
H, Meyburg. lieber Milzbrand.
(Inaug.-Dis8. Bonn. 1S75.]
Als Factoren für Entwicklung des Milzbrandgiftes fuhrt Verf.
an: Feuchten Boden ^ Temperaturverhältnisse (Kalte Nächte nach
heissen Tagen] ^ mineralische Düngstoffe ^ besonders Sulphate. --
Träger des Anthraxgiftes seien alle flüssigen Bestandtheüe des er-
krankten Organismus^ besonders Blut und die sog. gelbe Sülze, eine
gallertige Masse in den Höhlen des Körpers und den Anthraxbeulenj
femer fauliges Futter und das an Stellen gewachsene, wo Müzbrand-
cadaver verscharrt sind. — Am empfänglichsten sind wohlgenährte
und hochträchtige Thiere; doch ist die Placenta ein Filter, durch
welchen das Gift nicht auf den Foetus übergeht. — Mikroskopisch
fallen die Bacteridien auf, deren längefre Formen meist Knickungen
zeigen. Mit beginnender Fäulniss wird deren Lebensprocess gestört
und hört Contagiosität auf. — Anthraxkeime wandern ein: durch
Epidermiswunden, Athmung u&d Verdauungsschlauch, letzterer Weg
der Infection ist am mindesten gefahrlich, da Verdauungssäfte das
Giift zerstören können.
Arten des Auftretens: 1) Apoplectiformer Anfall, nur Minuten
bis Stunden ; 2] acute Form, Stunden bis Tage dauernd ; 3) Subacute
Form. — Incubationsstadium Stunden bis 12 Tage dauernd. — Von
den Obductionsresultaten fällt besonders Mangel der Todenstarre,
theerig flüssiger Zustand des Blutes, schnelles' Faulen der Cadaver auf.
Auf Menschen geht die Krankheit meist in nachweisbarer Art
durch directe Impfung über, wohin auch der Insektenstich gehört;
die caxbunkulöse Entzündung tritt in 84 ^ an entblösst getragenen
Hautstellen auf. An einem Individuum finden sich selten über 4
Carbunkel. Durch überstandene Carbunkulose wird keine fernere
Immunität erzielt. — Hinsichtlich der Therapie l^gt Verf. besonderen
Werth auf Prophylaxe, sonst auf kräftiges Aetzen und locale Be*
handlung; innerlich wird Chinin und Carbolsäure empfohlen.
V* Hosengell (Bonn).
I
Dnrodia. Etüde sur les thromboses et les embolies veineu-
ses dans les contusions et les fractures.
(Th^e, Paris, 1875.)
Nach einer sorgfältigen Zusammenstellung der Litteratur über
Embolie und Thrombose, in der die deutschen Arbeiten gebüh-
rend gewürdigt werden, bespricht Verf. die Ursachen der Thromben-
büdung in fracturirten und contundirten Gliedmassen. Er fuhrt als
locale äussere Ursachen Compression der Venen durch Extravasate,
Fragmente und zu fest angelegte Verbände an^ ausserdem Ent-
zündung der Venen uud der umgebenden Gewebe durch Quetschung.
Autochthone Thromben entstehen femer durch Resorption molecular
zerfallener Gewebstheile und septische Infection. Eine allgemeine
Centralblatt fttr ehinugie. No. 46. 6^33
üzsache ist durch Herzschwäche bedingte VerlaiigBanimig- der Cir-
culatioii.
Seine Angaben über die anatomischen Verhältnisse der Throm-
bosen stützt Verf. auf 8 Sectionsbefunde von Kranken^ die zwischen
dem 5. und 30. Tage^ laachdem sie eine (m^st subcutane) Fractur
oder schwerere Contusion erlitten, an purulenter Infection (wqhl we-
nig beweiskrilftig Ref.), Marasmus, traumatischer Peritonitis^ Delirium
oder Gehirnerschütterung gestorben waren.
Er beschreibt die Erscheinungen der Phlebitis und Periphlebitis
und fügt selbst hiiuu, dass für. die secundäre Entstehung derselben
durch die Thromben der Umstand spreche, dass bei der so häufigen
varicösen Fonn der Thrombosen den freien Intervallen stets auch ge-
sunde Stücke der Gefasswände entsprechen, und dass subcutane Venen
(am Bein die saphena, am Arm basilica, cephalica etc.), obwohl hier
Phlebitis ebensogut entstehen könnte, als bei den tiefliegenden Gefä^
sen, regelmässig frei von Gerinnungen getroffen werden. Am häu-
figsten finden sich die venae tibiales anticae und posticae und die
peroneae thrombosirt; in der vena femoralis Teichen die Thromben
meist bis zur Eintrittsstelle der saphena.
Das Losreissen der Thromben wird begünstigt durch regressiv^
Metamorphosen (Verfettung, schleimige und eiterige Erweichung),
veranlasst durch den hergestellten coUateralen Blutstrom, Muskelcon-
tractionen, Bewegungen des verletzten Gliedes und alle mechanisehen
Läsionen der thrombosirten Vene.
Es folgt eine Zusammenstellung von 10, grosstentheils bereits
anderweitig veröffentlichten Fällen von Embolie d^ Lungenarterie
nach Fracturen oder Contusionen : der ursprüngliche Thrombus befand
sich 4 mal im rechten, 3 mal im linken Unterschenkel, 2 mal im
Oberarm; in einem Falle wurde nach Oberschenkelbruch der Throm-
bus nicht constatirt. Die hieratls zu folgernde, in Bezug auf Embo«-
lieen relativ grösste Gefährlichkeit der Unterschenkelbrücke hat wohl
in der vorher erwähnten Prädisposition der venae tibiales und pero-
neae für Thrombosen ihren €^nd. Auffällig ist, dass von den 10
Fat. 7 weiblichen und nur 3 männlichen Geschlechts waren; aUe
befanden sich bereits in gereiftem Alter. Der Tod erfolgte zwischen
dem 16. und 60. Tage meist ganz plötzlich nach Bewegungen der
in Beconvalescenz befindlichen Kranken ; nur einmal gingen drohende
Symptome dem Tode um 12 Stunden voraus. Dass selbst nach den
stürmischsten und eclatantesten Erscheinungen einer Embolie der
Lungenarterie nicht nothwendig der Tod eintreten müsse ^ zeigen 2
weiter angefühlte Fälle von Genesung.
Ueber die Häufigkeit der Embolieen giebt Verf. statistische An-^
gaben aus den Journalen des Krankenhauses St.-Andr^ zu Bordeaux
1864 finden sich 114 Fälle von Fractur mit 4 Fällen von Embolie.
1867 » » 133 > » » »1 Fall » »
1872 » » 275 » » Gontus. » 2 Fällen ^ »
1873 » B 117 » » Fractur » 1 Fall » < • »
634 Oentndblatt fOi GliinitgiB. No. 40.
Im G^üBMi wuide« von 1864 bis 1^73 12i6{Fitiofciixeft behaadek
mit 4 Fallen von Embolie (300 : 1) . Die Zahl der in dieser Zeit aar-
mgiOnt behandeltem Contusioneii beläiift sich auf idSO, mit 2 Fällen
Ton Embeüe (1000: 1). <—
Die Diagnose der Thrombose^ gegriimlet auf Oedf^me^ Schmers-
haftigkeit im Verlauf der Venen lind Falpation des Thixnnbus ist bei
4f^tn so ungemein häufigen Vorkommen und der relativen UngeftünAieh*
keit derselben nicht von Belange die palpatorische Untersuchung lur
den Kranken entschieden ge(%&rlicli. Embolie ist kaum ru yerkehnen.
Die Behandlung muss sich auf Prophylaxe beschrän'ken : <8chutt: und
möglichste IminobÜisalion des Terl^tzten Gliedes.
▲• 4}eiinMr (Hatte)*
J. Fayrar. ElephantiaBia axabum.
(The Fractitioner 1875. August.]
Eine kurze Abhandlung über Pathologie und Therapie dar
Elephantiasis Arabum^ welche Verf. in Indira häufig zu beobachten
Gelegenheit hatte. Der eitste Theil enthält vorwiegend nur Bekann-
tes. BesBÜglich der Behandlung der Elephantiasis empfiehlt F. im
febrileik Stadium salinische und diaphoretische Heilmittel^ sowie solche
Arzneimittel j wie sie gegen Malaria gegeben werden. Jodprilparate
mit Chinin 9 Arsenik und Eisen sollen bis eu einem gewissen Grade
ebenfidls erfolgreich sein. Gegen die heftigen Schmeraen, welche
besonders im Samenstrang^ Hoden und überhaupt in der Lumbaxge-
gend den Fat. peinigen, werden Opiate, Fomentationen etc. «npfi^Uen»
Local ist Gompression mit gleidlzeitiger Anwendung von Jod-, Blei-
und Quecksilberpräparaten von Nutzen^ Das wirksamste Mittal gegen
Elephantiasis ist der Wechsel des Klima. Europäer» welche in Ia-
dien von Elephantiasis be&llen werden und dann frühzeitig nach
Europa zurückkehren, werden vollständig gdbeilt. Auch Eingeborene
können durch Uaftwechsel, durch Au&uehen trockener Grc^nden ihm
Kxankheit cum Stillstand, ja aur Heilung bringen. — Während des
Fieberstadium schwellen die Samenstränge zuweilen so beträchtlich
an 9 dass sie den Inguinalcanal dauernd erweitem und spater dm
Entstehung von Hernien veranlassen. — Nach d»a Fiebcffstadium
ist die Darreichung von Chinin, bei Anämie mit Eisen, von Nutaen;
Tonica haben keixie specifi^ohe Wirkung g^en die Krankheit.
Besüglieh der ohinuigislshen Behandlung hebt F. hervor, dass sie
besonders antipyretisch wirke. Verf. hat ganz beträehtlidse Elephan*
tiasis des Scrotum von 80^60 Pfd. operirt und mit verhHltniasmässig
gerin^r Mwrtalitiät. Die Schnitte werden zu beiden Seiten des Dor-
sum pcnis und entsprechend dem Verlauf des Samenstrattgs gefiifazt,
Samenstiang^ Hoden und Penis werden frei präparirt und dann die Qt^
schwulst entfenU, Die Operationswunde heilt gewöhnlich schnell in
2—4 Monaton, die Narbe hat keine Neigung zu Recidiv. Von Yortheil
OentnCblaU für Chinitgitt. Nti. 40. 685
iat, vor der Enifisniung grofider Tumoireii das OpttmfionfiMd noohEa«-
fliftroh Uudeer zu madben und Eis zu appliciien. Die Gefa8«e» oft
2ö-^M und mehr» sind soigfalti^ zu unterUnden, daaüt die oft her-^
unteTgekommiehen Fat. nicht noch durch Nadiblutungeu geschwaoht
^vesden. Von 193 Fat mit Scrotal-Ebphantiam^ operivt im Medieai
College Hospital in Caloutta von 1859^-^1871, starben 35 und awar oa
Pfämie, Eiakohe» Diarrhoe, Tetanus und 6hock unter zum Theil sehr
«ngönstigm «a&itäcen Verhältnissen; die Pat. standen zwischen dem
20. mA 50. Lebemsjabise. —
Bai Slephantiasifi der JGxlz^ipitäten hikt die Unterbindung der be-
trcffen^n Arterie keimen dauernden Erfolg, um so weniger» als ja die
ElephaütidsiB-Gepchwulst der locale Ausdruck einer constitutioneUeii
Krankheit ist — TiUmawis (Leipwg).
De Cristofori. La toracentesi.
(Annali univ. di v^edicina e okiruzgia tS75. Gennc^o.)
. Nach Mittheilung mehrer Fälle von Thoracentese und von Thoia^
cotomie kommt Verf. zu folgenden Schlussresultaften :
1. Die ExploMillivpunction ist ein vorzügliches Hülfsmittel, um
die Existenz und die Natur eines pleuritischen Exsudates zu be-
stimmen, ,
2. In jedem pleuritischen Exsudat, welches durch rasches Knt-
Mehen und Anwachsen gefahrdrohend w:hfd, oder wekhes statiN^när zt
werden droht, ist die Thoracentese angeieigt.
3. Beim Empyem ist der Schnitt in einem Intercostalraum mit
Einfuhrung einer Doppelröhre zur Vornahme täglicher Irrigationen
j«der andereti Metiiode voreueieben. MsMei (IViest).
H. F. Campbell. Besume of a report on position, pneu-
matic pressure and mechanical appliance in uterine äißr
pLacemeDts.
(Abdru«k mis der Juni-Nuaimer des Atlanta medkal attd smgioai joumal. 1S9S.
Qeoigia.)
. In einem Vortrage, an den sich noch eine kurze Disoussion der
med. Gesellschaft zu Savanaah anknüpft, entwickelt C. seine An«
sichten über die Behandlung der Lageverändeiungen des Uterus. 8ein
seit virien Jal^en geübtes Verfahren beruht darauf, dass er in allen
iSlIlen, wb die Dislocation des Uterus nicht mit Adhäsionen etc. com*'
plioirt ist, die Kranken die Kniebrustlage (iKnee and breast posturec)
tiinnehnien lässti und dann die Scheide erölShet, worauf die Luft ein*
strömt und nun durch die »pneumatie pressure« oder »air-*pressuTec
der Uteni» reponirt wird. Dieselbe Stellung sei auch von Sims aa^
gewandt worden, aber nur zur Operation von Fisteln. Die Beaeioh«-
aung »Kuieellenbogeulage« und äkoliehe Benennungen gäben nur zu
636 €entrdblait fdr COiirurgie/ Ko. 40.
Lrrtlitimern Vearanlassimg, und nur der Ausdruck oElniebrustlage« sei
richtige weil der Rücken hierbei geiwungen sei^ die nc^tiiwendige con-^
cave^ nach unten herabhängende Fonn eizuEunehmen. Eine instructive
Zeichnung und mehrere Diagramme erläutern die Stellung und wird
an einem Beispiel die physikaliche Wirkung der in die -Vagina ein-
strömenden Luft, welche im luftleeren Zustande den Uterus gleichsam
angesaugt erhält^ auf die Reposition der Lageveränderung erläutert.
Sodann giebt C. ein eigenes, von ihm constmirtes , einem
Speculum ähnliches Instrument an, seinen i»Pneumatic Setf-Re-
poftitotcr. In einaielnen Fällen, z. B. bei Retroflexio uteri, be-
sonders uteri gravidi, muss allerdings der Uterus zuerst durch den
Colpeurynt^r oder andere im Mastdarm vdigenommene Manipulationen
aus der Kreuzbeinaushölung befreit werden, worauf dann die »pneu-
matic pressure« die Stellung vollständig in Ordnung bringt. Vor An-
legung von Pessarien, welche zur Erhaltung der guten Lage o$
wichtig sind, sollte man nach C. stets die »pneumatic pressure« an-
wenden. C. hat vortreffKche Erfolge mit diesem VerÄhren gehabt;
denso andere Aerzte. In Bezug auf das Nähere der interessanten
Mittheilung muss auf das Original verwiesen werden.
A« BIdder (Mannheim).
Stadfeldt* Mittheilung der gynäcologischen Foliklinik der
Entbindungsanstalt in Kopenhagen. 2 Falle von Hämatocele
retrouterina.
(Ugeskrift for Loger 1875. No. 20.)
Verf. nimmt in Folge seiner klinischen Erfahrung an ^ dass die
Blutansammlung bei der Hämatocele retrouterina bald im cavum pe-
ritonei^ bald im Bindegewebe um den Uterus herum ^ und bei den
schwereren Fällen oft gleichzeitig an beiden Stellen gefunden wird.
Die nachstehenden beiden Krankengeschichten sprechen für diese
Anächt.
Bei einer 27jährigen Frau^ die einmal vor 5 Jahren geboren hatte
und später regelmässig menstruirt gewesen war^ fingen nach einer
Anstrengung während der Menstruation heftige Schmerzen^ Empfind-
lichkeit des Unterleibs; nervöse Symptome und Metrorrhagie an.
Neun Tage hielt sich der Zustand ziemlich unverändert; eine Ge-
schwulst war von aussen nicht zu fühlen. Jetzt aber zeigte sich mit
steigenden Schmerzen die Hämatocele hinter der Symphyse (erst von
diesem Zeitf^unct an hat Yerf. selbst den Fall beobachtet). Die
GhrCese^ die Form imd zum Theil auch die Ctosistexiz der Gesohwuli^
waren die eines graviden Uterus im 6. Monate. Der Uterus war nach
vom und nach oben verschobeuv Die Uterinsonde wurde 7 Ctm.
hineingeführt. Die untere Begrenzung der Gesdiwulst wurde wie
ein halhmondförmiger Band ein. paar Zoll herunter in der Sec^vagi-
nalsoheidewand gefohlt. Im Rectum wurde die vordere Wand in d^
Oehtsalblatt fOr COiinugie. No. 40. 637
Gegend der foasa Dougltsii henroigewölbt oonstatirtj und die von
Aussen und Innen gefühlte Geschwulst schien eine zusammenhängende
Masse zu bilden. Ungefähr 2 Wochen spät^ perforirte sie ins Reo*
tum^ und nach der Enileerung der Blutcoagula wurde die Geschwulst
in der fossa Douglasii unbedeutend, während die Infiltration in den
Parametrien sich eine Zeitlang hielt. Secundäre Entzündung; Dila-
tation der Perforationsöffnung mit einem Bruchmesser, reinigende In-
jectionen ins Kectum; Exacerbation während ein paar Ovulationspe-
rioden; Genesung nach drei Monaten.
Verf. hat die Yermuthung, dass sich das Hämatom zuerst gebil-
det hat, erst später mit den allarmirenden Symptomen das Extravasat
im Cavum peritonei. Dieser Verlauf konnte in einem zweiten Falle
genau constatirt werden.
Eine 27jährige Frau, die vor 3 Jahren geboren und eine nach-
folgende Parametriti^ im Wochenbett überstanden hatte, bekam
während der Menstruation Schmerzen und Empfindlichkeit des Unter-
leibs, und 14 Tage später wurde über der Symphyse und in* den beiden
fossae iliäcae eine in der Mitte leicht excavirte Geschwulst gefühlt.
Die Lage der Geschwulst war hauptsächlich in den Seitenrändern des
antevertirten Uterus, in der Bectovaginalscheidewand erstreckt«) sie
sich ein paar Zoll unter das Lacunar. Die Grösse der ganzen Ge-
schwulst die eines graviden Uterus im 4. Monate. Mit heftigen
Schmerzen und Neigung zum CoUaps vergrösserte sich aber jetzt die
Anschwellung und wurde besonders nach der Coagulation des Blutes
mit ihrer obem Grenze in der Höhe der spina ilei ant. »up. gefühlt.
Die Ptominenz von der fossa Douglasii trat im Rectum starker hervor
und im Septum rectovaginale erstreckte sich die Infiltration bis ein
paar Zoll über den Anus. Tbeils durch Resolution, theils durch
Endeerung bei einer Perforation ins Rectum verminderte sich die
Geschwulst, usd nach 2 Exacerbationen in den Ovulationsperioden
trat die Genesung ein, Panlli (Kopenhagen).
O. G. Silvestri. Dtie casi di amputazione del mignolo coUa
legatura elastica per indieazione vitale.
(Qai. n»d. ital. prov. Yen. 1975. No. 2^.)
S. beobachtete vor ungefähr 20 Jahren isinen Fall, wo bei einer
jungen Frau sich zu einer einftichen Frostbeule progressive Gangrän
der oberen, Extremität hinzugesellte, welche die Mitte des Oberarms
erreichte, pie Frau wurde amputirt und starb am darauf folgenden
Tage. Einem ähnlichen Fall begegnete S. kürzlich, die Gangrän
hatte sich aber noch nicht über die 2. Phalanx des Kleinfingers er-
streckt. Es wurde eine feste elastische Ligatur über der 1. Phalanx
angelegt und dauernd liegen gelassen (Amputation). Die 'Gangrän
hatte ,an der elastischen Schnur eine dauernde Barriere gefunden.
In einem 2, Falle (Verletzung des Kleinfingerballens} wurden
die ungemein intensiven Schmensen, welche sich über die ganze ent-
688 OtatraMlatt fOv Cbinu^e. Nov iO«
sfKsecbjeiide Körperfaälfte eitstreckten , ebeufdil» duiA eine elaatiiehe
Ligatiur über der Verletzung angehoben (freitteh mit Aufopferung
des entapieehenden Fingertbeiles}.
S!. gliarubt; dass auch Phl^monen auf diese Weise am Fortschrei-
ten gehindert werden könnten. Menael (Titfeft).
Kleinere Miftheilungen.
Horteloup. Sarcome teleangiectasique du cuir cheveltt'^ compliqu^
d^an^vrysme cirsoide. Op^iration. GuMson.
(La France medicale 1875.)
Eine 74 Jahre alte Dame hatte im Alter von 35 Jahren zwei linsengrosse
Warzen auf dem Hinterhaupte bemerkt ; die eine "«^ar unverändert geblieben, die
andere allmftllg und ohne Schmerz zu Terursachen, gewachsen. Im Mai 1974 ent-
stand auf dem grosseren JLndtchen eine leicht blutende Ijlceratioiiv die jedoch bald
heilte. Bar Knoten wuchs jetet bedeutender.
Im September 1874 bemerkte Fat. be^m Erwachen eine heftige Blutung am
E-opfe, die mit Mühe durch auf|g;elegte Eisenchloridwatte gestillt wurde.
Der Tumor war jetzt apfelgross, gestielt, von weisser Haut bedeckt, Hess diem
llsdittl{mls isochrdne Schlftge fAhten und durch ias Gesicht erkennen. Die nm-
gebenden Aesf» dar Art« oceipitsles waren.* oirioid erweitert, in den Arterien Freiaii-
seinent» Compression derselben venninderte die PuiaaUoAen der OeschwuUt. pi*9~
nose: teleangiektatisches Sarcom.
Beide arteriae occipitales wurden durch Simpson'sche Akupuncturnadeln
verschlosseii ; da die cirsoide Erweiterung der €fef)tose eSne ausgiebige UmschneMuag
vtohiDderte, wurde der Stiel unter mfissigsr Blutung adt Messer wndEcrssBur ab-
Setras^n. Die Uatersuehung dta Tumor eijgab eine deutliche biudeg^webige lUp-
sei. Er w<u: von einem erweitert^, vielfach anastomosirenden « zartw^digpn Oe-
ffissnetz durchzogen, grauröthlich und bestand im Wesentlichen aus parallel und
eng aneinanderliegenden Spindelzellen. Der Wnndverlauf War durchaus ganst%.
8 Mona^a nach der Ope^atiott w«kr kein KecidSv vorhanden.
JL GfiMmer (BMLq)»
H. Latüb. Theilweisd Exstirpation der Glandtfk sllbttmdUdrte. Se*
cundäre Hämorrhagie. Ligatur der Carotis communis.
(HiNqFitsIstMeod« ia7&, K(K. a.)
Nach einer eiq^toi^ativen Ineisiöo in di» OJaoidula «ub^^^Uris^ mit theilweiser
Exstirpation derselben trat Gangr&n und später eine sehr bedeutende Blutung ein.
Die Carotis communis shi. musste mit carbolii^er S^de Hgirt werden. Am 2J.
Tage fiel die Ligatur ab. 8 Wooheb nach der Operation entoUnd eine arterielle
H&morrhagie aus der noch nicht geheilten Wunde, welche mit Eis bekämpft wurde.
Darauf völlige (Genesung. Wenige Secunden nach der Unterbindung wurde eine
starke Dilatation det linken Pupille beobttchtet, welche sich 4 Wochen hielt.
Faalli (Kopenhagen)'.
J. Soheff. Der sogenannte Zahnffeischscorbut.
(Wiener med. Presse 1875. No. 5.)
Verf. wendet sich gegen die oft ganz irrig gebrauchte Bezeichnung »Scorbut«,
für gelockertes, leicht blutendes Zahnfleisch, wovon oft der Zahnstein die Ursache
sei, nach dessen Entfernung das Zahnfleisch wileder getfttnd werde. Aildbrerseits
fthle oft gerade \Mi Pikanten, wddie am ganzen Körper Scorbut haben, derselbe
aia Zahnfleische. Der Scerbot konfene allev^Uags am Zahnfleisofae ^ror^ aber stets als
Qtfttralblatt fttr dhimigie. No» 4<K. > Q^$
Folge Yoraasgegangeiier Entzündung; im Geffensatz zum Körper'-Scorbut. Die Haupt-
ursache eines scorbüt. erkrankten Zahntfeisches liege in vernachlässigter Pflege der
ZftlMki|. Verf. «{uriclit ausfülurücber über den Zahnsteu»; dieser vuebese zvischen
Alveole und Zabnfl^ivch hineiui letsterea wevdel entzündet, stellenweise kommt es- dixui
zur Oangicftneacenz desselben «nd naoh des Abstossung der «ecrot. Partieen enV
sUben die sogenannten asoorbutiseben Gesehirüra«^ Dussb die Entsüadung werden
auob die Alveokm zur BesQvption gebraofat, das Peridantiwn entzündet sich nun
auch, und die Zübne fallen aus. Nekrosen der Alveolen, Ulesrationen an den
Lippen« der Zunge« dev Wsnge beglesten dirnnr Enicheinungan. £nt in di»*
Bern Stadium kö^ae man i^m »ScorbutK des Zabnilefsobea reden. EntfexniiBg des
Zi^nsteins i|b4 aergf<iga iUiahaltung durob Bünsten etc. (Wasasv mil etwas Ra-
tanbiatinctur> seien die sicberen Mittel dagegeni es erfolge bald Heilufkgi wtiurend
der Körperscorbut trotz angewandter Mittel vielleiebt fortbestehe, ein Beweis, wie
Verf. meiwt, 49t» die beiden Zustünde verchiedenen Ursachen ihre Entstehung
verdanken. Fr. Steiner (Wien).
■
A. Qarbi. Amputazione della coseia meiiiaAte la eetnprefstoione «lastit^;
(Öazz. med. ital. Prov. Venete 1875. No. 7.)
Ein 28j übriger tuberkulöser Strüfling sollte wegen Tumor albus des Kniegelenks
amputirt werden. Wegen der Schwäche des Pat. wühlte O. die elastische Ligatur als
Amputadonsmelbode ; sie wuvde den 5. Deo. 1S34 angelegt. Zwei Tagn daiauf wurde
im &nie esairtLtulurt (I ) und sünmlUiebe Weiobthcöis des Obcvscbenkels bis 10 Ctm,
unter des Seblinge bis smf den Knochen abgetragen. Die Oondjlen des Femur wul^
den somit aus dem Bumpf nackt bervonagen gelassen. Die vasa nutiitia des Kno-»
chens bluteten. F^ starb am £9. Tage nach Anregung der Iigai|ui,.und obwohl wüb*-
rend dieser Zeit über der 1. eine zweite Ligatur angelegt wajrde, naebidem die eiscein
ihrer Wirkung stillstand, waren die Weichtheile naoh 29 Tagen noch niobt gana
duKcbtiennt. Die Art war duiohscbnitten und mit einem 17 Ctnu langen Thvossbus
erfüllt. Dahingegen wav deor nervus ischialicus noch ziemliob unversehrt. Seine
Penpberie war an dar EMMobnütungsstelle um l^ geringer als nebenan.
Beideraestlge Pneumonie, Tubsrkulosa derliwngen und Leber, und allg. Hydrops.
(Zugegeben, dass der Tod nicht der Operation und nicht der Methode zur Last
zu legen sei, so wird die Methode selbst doch schwerlich Nachahmer finden. Wozu
haben wir denn Bamaztch's Msthode, ohne BhiSverlust tu aaspntiren? Sollte aber
auob jene gerisige Blutmenge ins Gewkht iaUen, welcbe nasb LigsSnr de^HaupCstÜmme
und der Abnahme der Binden verloren geben kann, io würde sieb Ref. doeh üoeh
eher entsohliessen , unter Anwendung der hümostet. Methode galvanokaustisch zu
ampntiven. lief.) Mensel fUrlest).
r
Cotiferenza scientiflca XV U tänutasi neu* ospedale civlcö di Trieste
il 23 Geunajo 1874.
(Annali univ. di med. e chirurgia 1875. 0ennajo.)
Dr. Mensel stellt zwei Kranke vov:
I. Resectlon des Fussgelenks ^ gfehsüt.
Ein 21jfihriger Mann zog sich durch Fall eine starke Distorsion des rechten
Fusses zu. Acht Monate später waren um beide Knöchel grosse Abscesse entsten-
den ; heftiges Fieber und intensive Schmerzen brachten den Kranken sehr herunter.
Den 8. Februar 1873 totale Kesection des Fussgelenks, darauf Gypsschwebe, und
offene Wundbehandlung. Regehnüssiger Verlauf, 7 Monate nach der Operation
vollkoumene Heihmg. Der Gang des Pat. ist als «in velttcommener zu beaeich-"
nen und die Heilung (wie dem Ref. aus spätem Nachrichten bekannt) eine dauernde.
Die beiden Malleolen haben sich aus dem erhaltenen Periost fast vollständig wieder
neugebildet
640 Cd&taralUatt ftr Gliinagie. No. 40.'
II. Resection des Kniegelenkes — geheut.
Ein lOjfthrigefl Mädchen litt seit 4 Jahren an Tumor albus dee rechten Kniees
mit Fisteln. Den 19. August 1873 wurde die Resectlon mit Patellarlappen Torge-
nommen und die Wunde in der Gypssohwebe offen behandelt. Von Femur und
Tibia zusammen waren im Gänsen 4 Ctm. abgesAgt worden. Zur Zeit der Vor-
stellung waren 47% Monate seit der Operation yerstrichen und das Mfldchen ging
ganz behende mit Hülfe eines Stütsapparatee (2 seitliche Stahlschienen) und eines
Stockes, obwohl noch einige Fisteln offen waren. Gegenwärtig (19. Februar 1875)
und xwar schon seit vielen Monaten sind die Fisteln vollkommen verheilt, und
geht das Midohen ganz frei ohne Stock. Die Verwachsung ist nicht knöchern,
sondern fibrOt und da noch immer eine Neigung lur Flexion des Kniees besteht,
kann die Kleine den Stützapparat noch immer nicht entbehren.
Mettfel (Triest).
C. BontempB. Hypertrophie g6n6rale de la prostate avec cystite du
col; retentioxi d'urine; impossibilit^ de pinitrer dans le reservoir
urinaire; einq ponctions de la vessie; Catheterisme practicable au
bout de dix joürs; gu^rison.
(Gaz. hebdom. 1875. No. 3.)
Die Krankengeschichte ist im langen Titel gegeben. Sie betrifft einen 78i&h-
rigen Zimmermann, der an Prostatahypefrtrophie leidend, einmal nach reichlidaem
Weingenuss nicht Harn lassen konnte. 3 Tage hintereinander wurde vergeblich der
Oathetensmns versucht; inzwischen warme BSder und Belladonnaeinreibungen. Am
4. Tage wurde dei^ Blasenstich gemacht (mit einem geraden Troikar). Rasche Bes-
serung der gefahrdrohenden Symptome. Ein Gummikatheter, der eingelegt wurde,
fiel 2 Tage sp&ter, durch Ungesduck des Fat., heraus. Erneute Function, da das
Eittfikhren des SLatheters nicht gelang, in der ersten Stiohiiffnung. Noch dreimal
wiederholte sich diese Fatalität und stets musste wieder von Neuem in der ersten
Stichöffnung punctirt wettlen. Trotzdem gering«' Reaction. Mtttlerweile gelang es
B., von der Urethra aus in die Blase su gelangen. Heilung in 14 Tagen. 2 Mo-
nate später konnte Fat ai]^h ohne Katheter urinireu. . Fr« Steiner (Wien).
Die Redaotion «rhält von 'Rtrin Frof« Roser noch folgende Ergftnaong sei-
ner Qriginal-Mittheilung Über Bippearesection bei Empyem in .No. 88 die-
ses Blattes. Dieser weitere Beitrag gehört an S. 595, Z^ 2.v. o.
•In $Ü»n Fällen, wo ich Rippenresection gemacht hatte und auch in manchen
anderen Fällen von Empyem -Schnitt fand ich fUr gut, den Finger möglichst
einzufflhrei^ und die ![iunge, das Zwerchfell, den Rercbeutel, die innere Brustwand
mit dem Finger zu befühlen. Ich habe Rippensplitter gefunden, Verwachsungen
der Lunge erkannt, einmal auch ein Loch im Zwerchfell wahrgenommen. Einmal
habe ich auch das Zwerchfell gesehen und den Kllnicisten xeig^ können. Nach
dem Befühlen habe ich immer die Operirten langsam umgewälzt und sie einige
Zeit schwebend halten lassen. Bei diesem Verfahren ist die vcülkonmene Ent-
leerung der Fleura besser erreicht worden, als es wohl je mit Einspritzungen ge-
lungen wäre. — Es scheint mir vortheilhafter, dass die Fleura Luft enthaltet
als eine, immer zur Zersetzung bereite, wässrige' Flüssigkeit. — Schädliche FolgeUi
z. B. Ohnmacht, sind bei dem Umwälzen nie vorgekommen«.
Oiiginalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrflcke wolle
man an Dr. B, TiiUmmfi^ Leipzig, MarieostrsMe No. ^ odfir an die Yerbcshandlang,
BtiWtopf und Bäridf elnflBnden.
•ms
Droek «ad Y«rltg yon Breitkopf uid Hirtel in Leipnf.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herausgegeben
Ton
Dr. L. Lesser, Dr. ft ScMe, Dr. H. Tillüiaiiiij!
in Berlin. in Berlin. In Leipxlg.
Zweiter Jahrgang.
Wöehentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjfthriger Prir
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 41. Sonnabend^ den 9. October. 1876.
lalialts Worm MDIIer^ TraDsfusion und Plethora. — Viertel, Knochenechinocoooen.
— Port, KriegsTerbandstudien. — Hlckl, Chirurgische Mittheilungen. — BerthOld, Un-
tersuchung des Augenhintergriindes, des Trommelfells oder des Kehlkopfs. — erilbe,
Statistik und Behandlong des Brustkrebses. — Blrentpruag, Leberahsceas nach Kopf-
verletzungen. — Ravothy Druckbehandlung der Yaricocele. — Lund, Subcutane Duzch-
trennung des Schenkelhalses. — Roberts, Plattfüss.
Sotsehawa, Tod nach Tacdnation. — Sellnsfcy, Watte-Respirateur als Analysenr In-
fectiöser Stoffe. — Dipterocarpus trinervis. — Poray • Koschltz , Syphillsinfection. —
Maschka, Lyssa. — Dolnlnger, Nachtheile der Jodbehandlung bei Kropf. — Oortmasn,
Behandlung der Thrinensackerkranknngen. — Hervleux, Penetiirende Bmstwunde. —
Stowart, CompHclrte Luxation des Yordeiarmes. — Risel, Echinococcus der Leber durch
Incision geheilt. — Laboulbine, Suocussionsgeräusch in einem Abdominal - Tumor. —
Marsh, Ectopie der Blase. — Walten, Traumatisches Blasenleiden. — RabitSCh, Thermo-
galvanischer Inciso-Cauterisator bei der Behandlung der Prostatahypertr<^Ueen.
J. Worm Müller. Transfusion und Plethora.
(Universitfttsprogramm für das erste Halbjahr 1875.)
Christiania. W. C. Fabritins. 1875.
Vorliegende Abhandlung betrachtet Verf. als eine Fortsetzung
seiner physiologischen Studien über die Abhängigkeit des arteriellen
Druckes von der Blutmenge (Berichte der Kgl. Sachs. Gesellsch. d.
Wiss./maüu phys. Cl. Decbr. 1873 —ref. im Centialbltt. f. Chir. 1874
p. 119 und 150). Es kam W. M. darauf an^ zu untersuchen, ob und
um wie viel die Blutmenge eines Thieres vermehrt werden dürfe»
ohne dass auf die Dauer der Organismus danmter leidet. In den
bisher vom Verf. angestellten Experimenten war die Beobachtungszeit
für Entscheidung obiger Frage eine viel zu kurze. — Die Versuehe
zerfallen in zwei Hauptgruppen» je nachdem das Blut derselben Species
oder solches einer anderen Species benutzt wurde. ' Femer kommt
die Unterscheidung hinzu» ob das Blut vor der Einspritzung defibri-
41
642 Centralblatt far Chirurgie. No. 41.
nirt wurde ; oder ob m^n. dasselbe dir^ct aui der Arterie des Blut-
spenders in eine Vene des Versuclisthieres überleitete. — Die meisten
der Versuche sind an Hunden ausgeführt und zwar mit Hunde- oder
mit La^mblpt^ einige auph mit Katsenblut ; nur ^inzelpe ^xp^rinpiente
betreffen Kaninchen^ welcheii defibriuirtes Kaninchen- odeir defibrii^rtes
Lammblut eingespritzt wurde.
Um die Variationen zu studiren^ welche die Blutmenge nach
einer Transfusion im Laufe der folgenden Beobachtungszeit erfährt,
wurden sowohl mehrere Tage vor als auch nach der Transfusion
Blutkörperchen-Zählungen nach der Methode von Malasses (cf. Cen-
tralbl. f. Chir. 1874 p. 37) unteri^oxKppaen und zur ControUe Bestim-
mimgen der Färbekräft des Blutes nach den von Welcker, Hei-
de nhain und Panum geg^bwen {(^elp ausgeführt. Höchst be-
merkenswerth, auch für die sonstige Brauchbarkeit der Methode von
Malasses;^ ist der Umstand, dass durchgekends die Blutkörperchfini-
Zählungen dieselben Resultate wie die Bestimmungea der Fätbekraft
er|;«^ben. —
Um femer den Einfluss der vermehrten Blutmenge auf den Stoff*
Wechsel kennen zu lernen, hielt es W. M. für nothwendig, den Thie-
ren eine jede Nahrungszufuhr beinahe e^Ie Woche vor und hs% eben
9A lange nach der Bluteinapritzuog abzußchneiden. AUe 24 Stundea
wurden die htin^emden Thiere gewogen; man bestlHimte ihre Rec-
tum temperatur, femer das Quantum, dl^a speciflsc|;ie Gewicht und
nach Liebig' 8 Titiirmethode den Hamato%ehalt des in 24 Slinihden
ende^rt^n Urins.
Mit Rücksicht auf Tr^sfusionen defibrinirten Blutes derselbeA Spe^
des kommt Verf. au dem Resultat^ dass Hunde eine Venaehvujig de»
Blutn^euge uii^ 82 — 83 ^ ohne Schaden o^tr^en^ wenn nur die ]Sii\-
spritaiuDgen langsam uud mit Pausfcn aufgeführt werden. -^ Bei ^iner
Vermehnmg der Blutmenge um 154)|^ scheint dagegen die GryeBse
überschritten, indem hier lebensgeffLhrliche Symptome auftraten. Doch
mögen individuelle Verhältnisse^ dae Alter und dev BrnÜkrung^u-
stand des Thi^rest ^ine grosse B^4eutui^ bei Fixjürupg pbiger Grenze
haben. —
Sodann glaubt aber M. W. , dass die wirkliche Vermehrung der
Bhitmenge erheblich geringer sei, ah das eingespritzte Matquantum,
indem bereits ein paar Stunden nach der Transftision etwa <Üe Hälfte
des eingespritzten Blu^ksma durch die Oefi&sse wieder attstreton aoH»
Allein aue^ die factische Vermehrung ist nur von kurzer Dauer. Nach
einigen (2 — 5) Tagen kehrt die Blutmenge höchst wahrecdieinlieh
wieder zur Norm zurück^ indem dex Oq^ismus^ wie es V-al»n->
tin bereits ausgesprochen^ in der That einen unverändevlichen
Frocentgehalt des Gesammikörpers an Blut lu behaupten scheint.
Bei dieser Rückkehr zur Norm in quantitativar Beziehung verhaltMi
sich aber die Blutkörperchen und das Blutplasma sehr verschieden.
Letzteres tritt in den ersten 2, 3 — 4 Tagen in beträchtlichen Quanti*
täten aua den Gef&ssen heraus; zu gkieher Zeit arsoheint die Ham-
Centralblatt ftlr Ghlrur^e. No. 41. 643
8toftecr«lJon der transfimdirten^ hungeraden Thier^ erbeblic^h t^rmdirt.
Die Bltttkörpercheii dagegen erhalten sich in den etsten 2*^4 Tagen
nach der Transfusion nnverändett, sowohl die eigenen des Thie/ecr,
als auch die eingespritzten^ und ewar hatten letztere ihre Lebens^
fähigkeit fast durohgehends behahen^ wenn auch das ein£ttspi4ti{ende
Blut vor der Transfusion 24 Stunden im Eis aufbewiahtt Mhxtdt,
wenn also auf die rothen Zellenelemente während dieser Zeit dänetnd
eine Temperatnr von blos 3— ^4^0. eingewirkt hatte. Allein der einge^
fahrte Ueberschuss an rothen Blutkdrperchen hat wahrseheinlicb aneli
nur eine begrenzte Lebensdauer. £0 scheint, dass dieselben wähnend
eines längeren Zeitraumes nach und nach destrtrirt werden und dem Stotf«
Wechsel anheimfallen. Möglicherweise tragen sie zu der beöbaetitetetr,
permanenten Vermehrung des Hamstoffii nneh ThinsAisionen bei.
Dagegen sixkd die Schieksale des hierbei freiwerdenden Bhrtfitrfo«ftoffei
noch unerfonsoht. Eine Yermehrung des OallenfarbstoA^ hat 1f . M.
nieht gefunden, auch fehlte in allen Yersüchen Icterus. ^ Bn stcfttt
dahin, ob nicht die Lefbensfiäiigk^t der eingespritzten rorthen Blttt^
seilen verlängert werden kann durch gute Emährong des Oigimismns.
Se)bs<r?er0tandlich keaante Verf., da et an hungeniden Thiensn etpeh
rimentirte, über diesen PunCt keine Auftchlusse erhalten. Dagegen
will er sidi überzeugt haben, dass die Lebenskraft der BltrfkcitpertAeft
jedenfiedls nicht in erheblichem Orade von der DeAbrination und auch
nicht von der Kälte beeinftasst wird. — Yielleicfat wird nach den
Untersuchungen von W. M. der Valentin 'sehe Satz dahin etwtniteti
werden müssen, dass für die Dainer nicht nur die Blutmenge eines
Organismus eine bestimmte Grösse besitzt, sondern dass andv in der '-
selben nur eine bestimmte, Ton der Quantiftäf und der ZüsfMn^
mensetzung des Bkttplasma abhängige- Zahl ton Blirfkörpetichen
für die Dauer enthalten sein kann (lief.). ^ Im Weiteren sucht
W. M. die Unschädlichkeit und die Bequemlichkeit dfer Defibrina-
tion des Blutes zu begründen , indem er sich fest dufchgehends den
neuesten Auseinandersetzungen Panttm's (cf. Virch. Arctdr Bd. 6S
— ref. im Oentralbl. f. Chir. tSl^ No. Sf9.J anschHesst. vDie Vofthefle
de9 defibriinirten B!hztes,c sagt er, i»sind se unschätzbar, daM seine
Anwendung in der ärztlichen T)tiai8, tso lange man keiit T&jeiblüf,
welches das Menschenbhi« rsmphtciren kann, geftmden hat, unbedSagf
vorgezogen werden muss^s F^eüioh sei es erAnrderlich, dae Blut in
ganz reinen und trockenen G^fdssen aofimfiuigen , sorgfäkig zu deft'^
briniien und durch zwei dichte Leinwandfilter oder dittch eittett
Atlasfilter zu filtriren.
Guxiss anders gestalteten sieh die Ergebnisse S&t Binsprifztmgen
fremdartigen Blutes. Während in den IVansfbsionsvetmchen mit ^m
Kute derselben Thierart keine oder nur geringe Störungen sdbst bei
grosser Ueberfüllung des G^efSsssystemtr auftraten, führten bei der
difecten oder der indirecten Lanunbluttnmsfusion Ktttquanfit, die
mehr dh 2^ ^ Yon der Norm betrugen, den Tod dief Hunde her-
bei. Und zwar hatte dSasaelbe Qttantum Lammbl'ut im Weseut-
41»
ß44 Centralblatt für ChiruTgie. No. 41.
lichea gaxKZ. denselben Effect^ mochte eine Depletion vorhergegan-
gen sein oder nicht. Uebereinstimmend mit den Befunden von
King, Magnani, Panum, Mittler, Landois u, A. beobach-
tete W. M. als das wichtigste Symptom der Lammbluttransfusionen
beim Hunde Blutungen und zwar capillare Blutungen aus Wunden,
und oft sehr starken Blutfarbsto%ehalt des Urins (Hämoglobi-
nurie, Ponfickj; sodann fast immer starke BlutüberfiiUung der
Nieren, häufig Lungenhyperämie mit Infarcten oder kleinen Extrava-
saten, Blutaustritte in den Darmcanal und blutige Färbung des In-
halts seröser Höhlen. Die Ursache obiger Symptome ist in der De-
struction der rothen Blutkörperchen zu suchen, welche auch mikros-
kopisch von Landois (Centralbl. f. med. Wiss. 1873 No. 56 u. 57)
und von C reite (Zeitschr. f. rat. Medicin 1869 Hft. 1 p. 90 u. ff.)
genau studixt worden ist. Es kommt hier die Wirkung des einge-
spritzten Blutes auf die Blutkörperchen des Versuchstbieres oder der
Einfluss des Blutes des blutempfangenden Organismus auf die einge-
spritzten Blutkörperchen in Frage. Für die Lammbluttransfusionen
beim Hunde hat nun W. M. , die Angaben von Landois über die
grosse Kesistenz der Hundeblutkörperchen gegenüber dem Serum sehr
vieler Arten von Säugethierblut bestätigend, ermittelt, dass, ganz un-
abhängig davon, ob defibriniites oder undefibrinirtes Lammblut ein-
gespritzt wird, im Gefässsystem des Hundes die Iiammblutkörperchen
faat gänzlich nach kurzer Zeit au%elöst und zerstört werden. Die
Sjchnelligk^it iiex Destruction schont vom Mengenverhältnisse zwischen
Lammblut und Hundeblut .abhängig zu sein. Aber auch die eigenen
Blufkörperchen des ]lundes er£a)iren eine wena auch sehr geringfü-*
gige Destruction. — Nach Verf. erklärt die Destruction der Blutkör-
pi^rcjiien nur den HämOjglobingehalt der verschiedenen Transsudate
und denjenigen des Harns. Als Ursache der oft beträchtlichen wirk-
lichjen Blut^ustritte in angelegte Wunden, sowie in den Darmcanal
siebt er siiJi genöthigt, einen Einfluss des fremdartigen Blutes auf
di^ Gefässwände selb^ anzunehpien , wodurch »auf irgend eine Art
^ine. Integritätsstörung der Gefässwände« zu Stande kommt. Die Er-
I^läxung der I^lutungen durcl^ eine mehr oder minder umfangreiche
V^stopfung. vpn Capülaren und kleinen Gefässen in den verschiedenen
Organen durch .zusammengeballte Fremdblutkörper und Stromafibrin
^^d hierdurch bedingte Blutdrucksteigerung in den noch wegsamen
Capillaren (Landois) erscfheint Verf. als durchaus, nicht zureichend,
namentlich für die so oft schon während der Transfusion stattfinden-
den Blutungen.
Schliesslich betrachtet Verf. die bisher am Menschen ausgeführten
Lammbluttransfusionen und findet, dass hier die Erscheinungen im
Wesentlichen dieselben sind, wie beim Hunde. Der Grund, warum
beim Menschen eine verhältnissmässig geringere Zahl von gefilhrlichen
Symptomen beobachtet wird, liegt nach W. M. lediglich darin, dass
hier die transfundirten Blutquanta gewöhnlich nur Yio — Vso ^^^ höch-
stens Yi5 der normalen Blutmenge betragen haben. —
Gciliitralblatt fOr Ohlrtirgie. No. 41. 049
Im Anschluss an Panum (1. c.) giebt W. M. vörltofig detik de-
fibriniiten Menschenblut die erste Stelle bei Transfaräcmeii aili'Meili
sehen y da das transfundirte Blut vhattptsHchlicb oder Tielleiolit ans^
schliesslich y^rmlttelst seiner rothen BlütkörperchiBn dem Oxganibmus
zu Nutzen istc. Als Indicationen für Bluteinspritzungiön dürifbii attef»
nach W. M. nur gelten: starke Blutungen, getvisse Vergifttaingeri
(z. B. durch Kohlenoxydgas] ^ und ferner einige chronische Anändbeinl
(nach chronischen Blutverlusten^ bei Chlorose und Leukämie); t; ;*
Eine grosse Zahl interessanter Eihzelbeobacfatungen^ sowie cuiire^
gende Aninerkungen zu denselb^i finden sich im Original kn Vielen
Stellen. So betotit z. B. Wi Mi mit vollem Ileicbt/ wie* bei Eitpeiv^
menten über Sepsis n. s. f. so manche der bisheiligen Differenzen.: ticb
würde lösen lassen^ wenn man bei Injection putrider Stoffe darauf
Rücksicht nähme, ob die zu den Injectioneu benutzten septischen oder
faulenden Substanzen (Blut, Eiter^ G)^web|i^iafuse) von derselben H)^^
von einer anderen Thierspecies oder Tiiiergattung stammen. Denn nur
so liessen sich alle die Effecte eliminiren, welche die fremdartigen
Flüssigkeiten schon an sich in ihrem iiioht veränderten Zustände auf
den VersuchsoTganismus ausüben. ZweifidUos würden dann' die Ev-(
gebnisse so mancher experimentellen Arbeiten auf dem Gebiete def
Septikämie und Pyämie in einem anderen Lichte 'erscheinen als bisherJ
Trotz einiger etwas gewaltsamer Deutungen in Bezug auf eiiischlägige
Ergebnisse anderer Experimentatoren, ist die vorliegende» mit tidfem
wissenschaftlichen Ernste vollendete Arbeit als ein wesentlichef»
Fortschritt auf dem Wege zu verzeichnen, auf dem allein die Tfans-^
fusionslehre weiter gefördert werden kann. Losder (B^rlm)*, .
VierteL lieber Knochenechinococcen. Aus der chirurg^
Klinik in Breslau.
(Arch. f. klinisfiie Chinixgie 1875. Bd. XYIU. Hft. 3. p, 476—493.) .
Eine Beobachtung Fische r^s und die in der Littenttur beschrieb'
benen 26 Fälle von Knochenechinococcen vertheilen sich auf die-
verschiedenen Körperregionen^ wie folgt : Scfaädelknochen 4^ Wirbel*'
säule 3^ Becken 5^ Humerus 5, Fingerphalangen 1, Femur 2, Tibia 1.
Die Knochenechinococcen stellen langsam wachsende und anfiings
meist indolente Geschwülste dar^ welche zunächst das Bild eines
central entstandenen Knochentumors ^ später das einer Knochencyste
bieten.
Nach dem Sitz der Knochenechinococcen richten sich auch die
von ihnen hervorgerufenen Symptome, die von dem Bilde eines Hirn-
tumors oder eines Bückenmarksleidens bis zu dem eines Senkungs^
abscesses auf das Mannigfaltigste varüren können. Fracturen, bis-
weilen mit consecutiver Pseudarthrosenbildung» und Luxationen seien
häufig in ihrem Gefolge. Ebenso können sie Knochenabscesse und
Necrosen imd chronische Gelenkleiden vortäuschen. '
645 CeAtndUatfc für Chinugie. No. 41.
Diagnostidibar idnd sie exet wenn der Knoolien usurirt und das
Hydatidenschwinen fühlbar ist, oder wenn durch spontanen Durch-
bruch u. s. w. ein Theil des Inhalts entleert wird* —
Beiäglich der Ptognose stellen sich am ungunstigsten die Schä^
delknochen» die Wirbel und das Becken, wen^er ungünstig die
Extremitäten. Fast in allen Beobachtungen, wo sich eine Anamnese
findet^ ist eines oft lange Zeit Torhergegangenen Trauma Erwähnung
gethan ; indessen fehlt zur Zeit jeder Grund, dieses Trauma mit dem
Auftreten der Echinococcen in Causalnexus zu bringen.
Die Casuistik und die sehr interessante Beobachtung Fis^^her's,
eine Oystengesohwulst des Beckens mit nachfolgender Perforation ins
Hüftgelenk betreffend s. im Original. WiUi. Koeh (Berlin).
Port. Kriegsverbandstudien.
(Deutsche milit&rinBti. Zeitschr. 1875. Hft 5.)
Verf. erinnert an die wenig erbaulichen Zustände, die der Sani-
tätsdienst nach jeder grösseren Schlacht bietet, an die Ueberfiilludg
der Verbandplätze und Lazarethe, an das Uebermaass der von dem
Einzelnen zu leistenden ärztlichen Arbeit und an die gewöhnliche
Umnilänglichkeit der vorräthigen Verbandmittel. Er sieht den Grund
Uerfur nicht in einem Mangel der bestehenden Einrichtungen, son-
dern in der Unzweckmässigkeit der üblichen Fracturverbände der
Friedensohirurgie für den Feldgebrauch. Bei der Wirkung des heu-
tigen Sehnellfeuers seien dieselben viel zu umständlich, erforderten
soviel Zeit und Hände zu ihrer Anlegung, soviel Raum zu ihrer
Unterbringung, dass sie dadurch sowohl eine Beschränkung des trans-
portfähigen Materials, als auch eine unliebsame Erschwerung und
Ausdehnung der ärztlichen Thätigkeit involvirten. Das Ziel aller
Kriegsverbände sei, solche zu finden, die zu ihi^er Anlegung einen
minimalen Zeitaufwand beanspruchen, die den Anforderungen für den
Transport wie for die Nachbehandlung zugleich entsprechen, die
der Art sind, dass man sie in grösserer Menge vorräthig halten
kaan, und dabei so ein&ch in Construction und Material, dass man
im Felde die schwindenden Vorräthe sich selbst aller Orten er-
setzen kann.
Dieses ideale Ziel hat Verf. in folgender Verbandmethode an-
gestrebt: er fertigt aus Draht und Schnur (die man im Felde
überall findet) sich selbst compendiöse Gestelle, welche mit Lein-^
wand überflogen 1] dem verletzten Glied sofort eine solide Unter-
lage bieten, und 2) in ihren Drahtstäben eine solche Festigkeit be-
sitzen, dass der darüber anzulegende Gypsverband nur aus einer ein-
zigen Schicht zu bestehen braucht und, unbeschadet der Festigkeit,
a^ ganze StFeehen für den verwundeten Theil freigelassen werden
kann. •*- Solche Gestelle eignen sich bequem zur Suspmision, und
machen bei. der Anlegung der Gypssdiicht die sonst zur Unterstützung
G#iiti«R>latl f«r Cliinitgie. No. 41. 041
Terwendeten Hände der Gtehfilfen eilibelurlich ; sie erttHiglMlieli ferner
den offenen Zutritt zur Wunde, den freien Abfluss des Seeifets und
eine er. Localbehandlung (Irrigation}; endliob eignen eioh diese Yer-
binde für den Transport ebensowohl wie für dife Nachbehandlung^
te««dien mithin bei der Ankunft im Lezareth nicht emendrt zu weirdeni
1) Drabtgestell für den tJnterschettkelbruch.
»Zwei Seitentheile bestehen je aus 2 in einander gesteckten und
durch Schnur mit einander verbundenen rechtwinkeligen Drahtrahmeni
werden gleiclifalls mit Schnur an das Fussb^ett befestigt, darauf i
Bügel an die verticalen Stangen der Seitentheile zum Auseinander-
halten derselben gebunden. Damit ist das ganze Gestell fertig,
tleberzieht man nun das Fussbrett straff mit Leinwand und hängi
man in die oberen horizontalen Stangeü der Seitentheile ein äiiid^
ticinWand so ein, dass es zur Aufnahme des Gliedes eine Biiine t)ilr
iety so ist alles zum sofortigen Gebrauch rorbereitet«.
Die Fixirung der Extremität geschielit durch eine ftollbindej
weiöhe um den Unterschenkel und die oberen Drahtstangen der Sei-
tentheile herumgeführt wird^ wobei die letzteren einander sich nahern.
Vollkommene Fixirung, z. B. für den Transport, erreicht inan durch
eine einfache Gypsbindenlage, mit entsprechenden Ausschnitten für
die Wunde. — Durch Verschieben der Seitentheile lasst sick ein
solches Verbandgestell platt zusammenlegen und bequem verpacken.
Der Draht der vorräihifi^en Verbände soll geglüht sein, eine Dicke von
V/2 Mm. besitzen und behufs Conservirung mit Asphaltlack überzogen
werden.
2] Drahtgestell für den Oberschenkel.
An das Unterschenkelgestelt werden seitliche Verlängerungen, be-
festigt, deren äussere, in der Gegend des Trochanter ausgeschweift^
bis zum Hüftbeinkamm reicht und dort einen Beckenhalbring trägt,
während die innere bis an den Damm geht und hier einen Fortsatz
zur Stütze des Beckenhalbrings abgiebt. Je nachdem man es mit
einer rechten oder linken, langen oder kurzen Extremität zu thun hat^
müssen die Verlängerungsstücke in verschiedener Weise an das Unter-
schenkelgestell befestigt werden. Die Fixirung an das Becken ge^
schiebt durch Bindentouren, er. Gyps.
Ein mit Watte gepolsterter Riemen, der an die untere Stange
der äusseiren Verlängerung und an den Beckenhalbring in der Unter-
bauchgegend befestigt wird, dient zur Contraextension; eine einfache
Kurbel, gegen die Rückseite des Fussbretts angelegt, dient zum Auf-
röllefii der Extcln^ionsstreifeü und wird mittelst eines durch die Oesefii
gesteckten Drahtstabes in beliebiger Stellung flxirt.
i) Drahtgestell für die obere E:ittreniität.
Ist am einfachsten und besteht sos einem handbreiten Draht-
rahlUM von dei* ungefähren Läiigedes ganzen Arms, dessen Seiten-
stäb^, der Quere üach durch einige leicht gekrülnlnte Bügel ausein-
ander ifehalteü, am oberen Ende zusammenlaufen und an ihrfer Spitze
648 Contralblatt fflr Ghimrgie. No. 41.
den Schulterlialbriiig tragen. Dieser Bahmen wird straff mit einer
Rollbinde überspannt und zum Gebrauch in der Ellenbogengegend
in einen beliebigen Winkel gebracht , so dass ein Leinwandlager £är
die Hinterseite des Ober- und Unterarms entsteht. Befestigung wieder
mit Binde oder Gryps. — An den Thorax kann der so eingeschiente
Arm sehr fest durch eine Bindentour angedrückt werden» welche vom
Vorderarm^ hier befestigt^ durch die Achselhöhle der gesunden Seite
über den Nacken und wieder zum Vorderarm zurückläuft. Dieser
Draht braucht nur SYs — ^ Mm. dick zu sein. Die beschriebenen
Apparate sind durch Zeichnungen erläutert. —
Als schliessliches Auskunftsmittel, wenn an blutigen Gefechts-
tagen der ganze Vorrath an Drahtgestellen erschöpft sei, bleibe dann
noch der Gypsverband, und zwar der gefensterte oder der
gegitterte. P. spricht sich dabei für die Präformirung der
Fenster (Szymanowsky, Roser) aus und schlägt vor, fertige
Fensterstücke von verschiedener Grösse , zu deren Anfertigung er ein
eigenes Verfahren besitzt^ vorräthig mitzunehmen. Der Gypsgit-
ter verband werde^ statt mit Holzstäben, zweckmässiger mit Draht-
stäben, angefertigt. — Schhesslich könne man sich mit Vortheil auch
eines Strohschienenverbandes bedienen, zu dessen Anfertigung
für den Oberschenkel er ein besonderes Verfahren angiebt.
Betreffs der lesenswerthen Einzelheiten dieser praktischen Mit-
theilungen muss auf das Original verwiesen werden. —
Für die Lazarethe empfiehlt P. noch 2 weitere Drahtgestelle:
1) Eine Schwebevorrichtung für die obere Extremi-
tät^ bei schweren Verletzungen derselben, die den Kranken zum
Aufenthalt im Bett zwingen; und 2) einen Apparat zur Schiefla-
gerung der unteren Extremität für jene Brüche am oberen
Ende des Femur, bei denen durch die Wirkung des Beopsoas das
obere Bruchstück nach vom und innen gedreht ist, und eine Coap-
tation der Bruchenden nur dadurch erzielt werden kann, dass man
das untere Bruchstück in dieselbe Richtung bringt. Beschreibung
und Zeichnung ebendaselbst.
Den Schluss bilden Bemerkungen über die von P. mit grossem
Vortheil geübte Methode der Gypsrinnenbildung, die er zur Er-
zielung von ImmobiUsirung, gleichmässigem Druck und freier Zu-
gänglichkeit zur Verletzung nochmals dringend empfiehlt.
An. Hiller (Berlin).
Hiokl. Mittheilungen aus Prof. Weinlechner's Abthei-
lung im Rudolphspitale : Erfahrungen und Beobachtungen
über die Transplantation gänzlich abgetrennter Hautstücke.
(Wienar med. Wochenschrift 1875. No. 31.)
In 4 Jahren sind an 62 Kranken 1296 Hautläppchen transplantirt
842 (65^) hafteten, und wurde nur auf Geschwüre transplantirt,
welche von den Rändern her benarbten und gesunde Granulationen
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 41. 649
zeigten. Auf ödematösen Granulationen hafteten die Läppchen nichts
wohl aber auf solchen ^ die stärker eiterten^ wenn der Verband oft
emenert wurde. Bei Narbenspannung hafteten die Hautstückchen
erst nach Umschneidung der Geschwüre. Dauer und Ausdehnung
der Geschwäre^ Alter, Ernährung und Constitution der Kranken
hatten keinen Einfluss. Läppchen mit Unterhautzellgewebe , sowie
stark gequetschte hafteten nicht. Die Epidermissohuppentransplantation
nach Fiddes blieb erfolglos. Es schien^ als ob Haut desselben In-^
dividuum besser anheilt ^ als von Andern entnommene. Die ersten
Verbände wurden gelegt, indem zwischen die Transplantationsstuck-»
eben und das Heftpflaster Stanniol interponirt wurde. — Absolute
Rnhe des bepflanzten Gliedes ist nothwendig. Die Grösse der Läpp^
chen variirte von der eines Haferkoms bis zu der einer Bohne. Die
kleinen hafteten besser. — Sehr dicht transplantirte Läppchen wurden
nach ihrer Anheilung stark emporgehoben und ulcerirten schliesslich.
— Beim ersten Verbandwechsel nach 24 Stunden sind die Läppchen
verschieden gefärbt^ je nachdem sie von den Granulationen schon
Blutgefässe erhalten haben^ oder nicht; die blassrothen^ vascularisirten
liessen sich durch einen Wasserstrahl nicht mehr abspülen und heilten
an, leichenfarbene spülten sich ab; die von ursprünglicher Farbe
heilten später an oder fielen auch ab. Die angeheilten waren etwas
dicker und an Umfang kleiner, als vorher. Die Epidermisabstossung
der Läppchen war meist am 3. Tage vollendet. — Die nach der
Reverdin' sehen Transplantation erfolgenden Narben sind nicht
widerstandsfähiger, als die ohne dieselbe entstehenden. Die Recidive
der Ulcerationen entstehen durch Contractur des rückgebildeten Gra-
nulationsgewebes ^ das unter den Läppchen immer vorhanden bleibt.
Circumcision der Geschwüre und Heftpflasterdruckverband nach Maas
(Sammlung klin. Vortrl^e von R. Volkmann No. 60.) sichern am
meisten davor. T«Mosengell (Bonn).
Berthold. Beschreibung einer einfachen Methode, vermit-
telst deren zwei Beobachter gleichzeitig den Augengrand, das
Trommelfell oder den Kehlkopf untersuchen können.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 25.)
Die Idee B.'s ist die^ dass der eine Beobachter direct durch einen
durchbohrten Concavspiegel^ wie es meist geschieht^ das Object oder
sein umgekehrtes Bild beobachten soll, Dieser Concavspiegel wird
nicht direct von einer Lichtquelle^ sondern durch einen anderen zwei-
ten Concavspiegel beleuchtet, durch dessen Durchbohrung ein zweiter
Beobachter blicken kann, um das Bild im ersten Concavspiegel zu
betrachteil. Der Spiegel, welcher für den zweiten Beobachter und als
Lichtquelle für den andern Spiegel dient, muss eine Brennweite haben,
die der Entfernung beider Spiegel von einander entspricht, der andere,
welcher dem ersten Beobachter direct dient, das Object, z. B. Augen-
050 Ctotralblatt für Ohimrgie. Nd. 41.
hintergrund^ beleuchtet und dem zweiten Beobachter däU Spiegelbild
liefetn soll, muss eine Brennweite haben, die ^ÖBäei ist^ alä die
Entfernung des reellen Hinteigiundbilddieng yom Spiegel y da Cou'-
cavspiegel nur dann scharfe Bilder geben, wenn die Objecto sich nicht
zu nahe ihrem Brennpuncte befinden. 15-«-20 Zbll ftrennWeite giebt
gute Bilder. Die OefGaung im MittelpuAct des betreffendem Spiegdii
darf nur klein sein, da 'sonst det zweite Beobachter unter Umstäilden
das Bild aH Stelle der Durchbohrung würde suchen müssen. Der
Zweck der Methode ist selbstverständlich ein demonstrative. Diö
Beobachtung von Kehlkopf uhd Trommelfell ist mit dieser Methode
für den zweiten Beobachter eine leichtere, als die des Augenhintef«
grundes, da bei letzterem Falle leicht störende Beflexbilddr von Cor*
n0Ei und linse auftreten, in erSterem nioht. ▼« Mosesgeil Bomi)«
W. Grubd» Zur Statistik und Behandlung des Bruetki^bsw«
[SitzuDgsbericIite der med. Gesellschaft zu Charkow 1875. Beilage No. 2. p. 89.)
Gestützt auf ein Material von ciroa 1000 Fällen verschiedener
Neoplasmen der Mamma ans seiner 16jährigen Praxis au Charkow^
erörtert Verf. die Diagnostik ^ud Therapie« Yon 947 Tumoren kamcaa
auf Caroinome 734, Adenome 116, Sarcome 97; vier Falle betrafen
Männer. Die häufigsten Krebsformen waten carc. simpl.j fibrosumi
medulläre und g^latinosum; nur ein Fall von oaro. mdanodcta.
Möglichst Mhe Diagnose ist wegen de» Therapie wünscheneWertk.
Sie ^ütat sich besonders auf das Alter (zwischen 40 und 50 Jahrta^
selten früher) •
D^ Krebs begann fMier ohne Aü^nfthttiö in einer* BitRStdi^M ;
in det and^i^n etst i^ehr späte Entwickelung. Beginn äet Afi^io^
ausnahmslos mit einem Knoten; mehrere zu Anfang sprechen sicher
gegen Carcinom. Niemals scharfe Umgrenzung des Knotens, der hart,
schmersslos, beweglich ist, alhnäligf, abet beständig wädiirt. Bei
doher« Krebsdüignose ist Entfernung der ganzen Drfise indietrt ilrift
Schniti bis zur Axilla^ wobei die Unte]fsuchung d^t subfai^^feialen
Lymphdrüsen ermöglicht wird. Operirt wurden 287 Fälle, da-
runter 201 Patientinnen Imal, 56 2mal, US 3mal, 5 4n^d und 3
dmal. 10 jir ddt Operationen hatten einen lethalen Ausgang. 41 mal
Etstirpation paniell, danach 37 BecidiVe. Mach 159 totalen ^tfüt-^
pationen nur 18 Recidive, worunter 4 nach boomen. Mikfotfköpidcih
untersucht wurden 522 Tumoren, wovon 287 nach der Opetation; 29S
öei ülceration. Unter ersteren waren 247 Carcinome, 33 Sarcome,
7 Adenome, nnter letzteren 226 Carcinome und 9 Sarcome.
Jede andere Behandlung gegen Brustkrebs ausser der operativen
ist zu verwerfen. W. Ottvlhe (CharkowJ.
«•—aAAMai^B^
Centralblatt Mr Chivmgie. No. 41. 051
Baeransprting. Der Leberabscess nach Kopfverletzungen.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hfl. 3. p. 556—594.)
Ea giebt nach B. für die Entstehung der Leberabscesse nach
Kopfverletzungen 5 aetiologische Momente : 1) Gleichzeitige Einwirkung
einer äusseren Gewalt auf die Lebergegend ^ 2) die Einwirkung des
Contrecoup bei Erschütterung des ganzen Körpers^ 3) Emboli von
maligner Beschaffenheit aus extrahepatischen Pfortaderästen, 4) solche
aus den Lungenvenen, endlich 5] die metastatisohe Localisation der
Septikämie, —
Die weitverbreitete Ansicht, als seien die Leberabscesse nach
Kopfverletzungen häufiger als nach andern YerletzungeUi verwirft B.
auf Grund statistischer Erhebungen aus den Sectionsprotocollen des
Berliner pathologischen Institutes.
Unter 732&.i5wisGhen 1859 — 1873 in diesem Institute vorgenom-
menen Sectionen finden sich 146 Kopfaffectipnen und unter diesen
89, als deren tödtliche Ursache Pyämie angenommen werden musste.
Bei diesen katata t9 mal Lebetabsceese , rei^. Rupturen am Beo^
bachtung {IS ßi excl. 3 dutch diteote Beschädigung der Leber ent-
standener Abscesse).
In derselben Periode wurden nach Verletzung oder Entzündung
äusseret TheÜe excl. des Kopfes 39 Leberabscesse notirt, zum Be-
vreise, dass es durchaus nicht die Kopfi^erletzung als solche ist, welche
den L^berabscess bedingt, sondern dass allein in der Blutinfection
deren ursächliches Moment liegt. Um das Yerhältniss der letzteren
Kategorie zu ermitteln, wurden sämmtliche Phlegmonen, Verwun--
düngen und Operationen des übrigen Körpers zusammengestellt, bei
denen zwischen 1868 — 1873 incl. in Folge infectiöser Wundkrank-
heiten der Tod eintrat. 3177 Protocolle ergaben 115 solche Fälle
und imter diesen wieder 17 Leberabscesse (IS^^)* In derselbeli Zeit
kamen 48 Kopfverletzungen zur Secticm. Von diesen waren der sep-
tischen Infeotion 33 erlegen und auf diese kommen 6 Leberabscesse
— 18 ji^, dieselbe Zahl wie die aus den Jahren 1859 — 73 gewonnene.
Wnh. Koch (Berlin).
>*«A*i»M*i
Bavoth. UebeT Bruckbehandlung der Varicooele, der Beis^
zustände ita öenitalapparat, sowie der Phlebectasieen an den
Extremitäten.
Vortrag, gehalten in der Hlfelaad'schen Gesellschaft.
(Berl. klin. Woohensohrift l»7d. No. 23.)
Verf. knüpft an seine (cf. No. 19^ 1874, der BerL klin. Wochenr
sehrift) Empfehlung^ die Varieocele durch Druok einer Bruchbandpe^
lotte zu heilen (cf. chir. Centralbl. 1874 p. 224), iUustrirende Kran-
kengeschichten. Mehr oder minder hochgradige Varicocelen^ schneller
oder langsamer entstanden, complicirt mit rerschieden häufigen 8a-
menergiessungen, theilweise ohne geBcfalechdicke Iteksustände, wer^
552 Centralblatt far Chifaigie. No. 41.
den häufig schnell gebessert und geheilt. Die Polltttioiien «U
stirten bisweilen mit dem Anlegen der Bandage^ die Varicocelen
nahmen schnell an Volum ab, die Neigung zum Onaniren schwand.
Neuralgieen wurden beseitigt und die bei grösseren Varicocelen ein-
tretende Atrophirung der Hoden wurde rückgängig. Unter den die
Wirkung der Druckbehandlung bedingenden Momenten hebt Verf.
hervor: Circulationsbcschleunigung , Steigerung des Tonus in den
Venen und im Cremaster ^ Beschränkung der Blutzufuhr, 'Entlastimg
der Vene vom Druck der regurgitirendeh Blutsäule. — Zwei Rille, in
denen hochgradige Varioen durch Schenkelbruchbänder beseitigt wurden,
folgen; in einem Falle waren XJlcera varicosa vorhanden. Auch eine
als stürmische Fubertätsentwicklung bezeichnete Erkrankung eines
17jährigen Menschen, der an Erectionen, Pollutionen und Nervosität
litt, wurde durch zweckmässige Druckbehandlung curirt.
V» MweHf^it (Bonn).
E. Lund. Erfolgreiche beiderseitige subcutane Durchtreunung
des Schenkelhalses.
(British med. Journal 1875. Vol. II. p. 258.)
In der British medical Association berichtet L. über vorgenannten
Fall. Es bestand feste Anchylose beider Hüftgelenke in gerader
Stellung, der Beine ^ so dass Fat. nicht sitzen konnte. 12 Wochen
nach der Durchtrennung des linken Sehenkelhalses geschah die des
rechten; Fat. konnte jetzt beide Schenkel bewegen und bequem die
Körperlast auf einem der Beine tragen. Füz (Stettin).
Oh. Roberts. Plattfdss.
(George's Hospital Reporte. 1872—1874. p. 211.)
Bei dieser Untersuchung sind nur die höheren Grade des Platt-
ftisses berücksichtigt^ bei welchen die Sohle ganz plan oder sogar nach
unten convex vorspringt. Die Formen mit schwacher Gewölbebildung
im Tarsus und Metatarsus sind ausser Acht gelassen. Unter 10000
Kindern aller Klassen im Alter von 8 — 12 Jahren fanden sich die
höheren Grade des Plattfusses bei 42,7 per Tausend; ein bedeutender
Unterschied wurde durch örtliche Verhältnisse mit ihrer Beschäfti-
gungsweise bedingt. So ermittelte er bei den Kindern der ländlichen
Districte in York^ Lancaster und Chester^ die nur gel^entlich zu
ländlichen Arbeiten mit herangezogen werden^ hauptsächlich aber
die Schule besuchen^ nur 17^1 von Tausend. Dagegen bei den
Kindern der Fabrikorte, die vorzugsweise von schwächlichem Bau &
Stunden täglich, meist stehend, in heisser , dunstiger Atmosphäre ar-
beiten, 79 per Tausend. Am deutlichsten erhellt die Wirkung der
Beschäftigung auf Ausbildung des Plattfusses aus den nach dem Le-
bensalter gecHxlneten Zahlenreihen.
Centndblatt fflr Chinugie. No. 41. 653
Es zeigten Plattfüsse im 8. Jahre 15,1 von Tausend Kindern,
im 9. Jahre 45,6 pr. m., im 10. Jahre 51,2 pr. m., im 11. Jahre 104,2
pr. m. und im 12. Jahre 132,4 von tausend Kindern, lieber die
späteren Jahre, welche 10 Arbeitsstunden haben, liegen keine stati-
stischen Erhebungen vor.
Erst gegen das S. Lebensjahr werden die Kinder zum Arbeiten
herangezogen, daher hier noch die kleine Ziffer, die nun schnell zu*
nimmt. Als besonders schädlich wird das lange Stehen angeführt,
dagegen ein specielles Vorwiegen einer constitutionellen Erkrankung
(Scrophulose, Syphilis oder Rachitis) in den Fabrikbezirken in Abrede
gestellt. Nicht selten beobachtete R. neben Plattfuss Erschlaffung
der Gelenkbänder, besonders des Ellenbogen- und Kniegelenks (genu
valgum). Pill (Stettin).
Kleinere Mittheilungen.
N« Sotsohawa« Tod in Folge von Schutzblattemimpfung.
(Sitzungsberichte der med. Geselhch. zu Charkow 1875. Beilage No. 2. p. 97.)
Bei einem 4monatlichen Kinde entwickelte sich am 4. Tage nach der Impfung
ein Krysipelas phegmonosum, welches sich rasch über den ganzen Körper verbrei-
tete und sohnell tödtete. Impf schnitte durch den Gemeindeimpf er 2 Ctm. lang ge^
macht. Schlechte Lymphe oder unreine Lanzette (?). W» Grabe (Charkow).
J. Selinsky. Ein Watte-Respirateur als Analyseur infectiöser Stoffe.
(Sitzungsberichte der kaiserl. med. Gesellsch. im Kaukasus 1875.)
Verf. empfiehlt einen solchen zur Veminderung von Ansteckung durch Infec-
tionskiankheiten und g^ubt zugleich die Natur der Infectionsstoffe durch ihn be-
stimmen zu können, da gasartige Schädlichkeiten ein negatives Resultat der Wat-
teantersuehung ergeben würden, moUeculftre aber eich naohweisen Hessen. Im
letsteren Fall wOrde ein Nutzen von der Anwendung des Respirateur zu erwarten
sein. Wt Grabe (Charkow).
Sau tratamento pelo oleo de Dipterocarpus tiinervis.
(Oaz. med. de Lisboa 1875. No. 12.)
Aus der Revista de pharmacia de Porto wird über einen Baum berichtet, dem
iBlume obigen Namen beigelegt hat, der auf Java wächst und dessen Harz von
den Eingeborenen zur Heilung veralteter Geschwüre benutzt wird. Mail, Dou-
glas und Salisbury empfehlen das Harz auch bei Lepra und sollen mit demselben
in den Hospitälern Calcutta's ausgedehntere Versuche angestellt werden.
Ullersperger (München).
W. Poray-KotohitB« Ein Fall von Syphilisverbreitung in einer
Werkstube.
(Sitzungsberichte der med. Gesellsch. zu Charkow 1875. Beilage No. 1. p. 11.)
Bei drei Arbeitern waren an den Lippen primäre Affectionen, an den Genita-
lien nur secundäre, beim 4. am Penis Symptome älterer Ansteckung. Die Lifec-
tion wurde durch einen gemeinschaftlich benutzten Knäuel von Zwirn (Kürschner]
vermittelt, dessen Faden durch den Mund gezogen und dann abgebissen wurde.
Dadurch wurden die Lippen ecodirt und inficirbar. W« Grube (Charkow).
654 Oentnlblalt Ittr Chimrgle. No. 41.
Masolika« Eiin Fall von angeblicher Lyssa.
(Wiener med. Wockensohrift 1875. No. 25.)
Eine 52jfthrige Tagelöhnerin var 9 Monate Tor ihrem Eintritt ui die Kranken»
anatalt von einem Hunde in die Oberlippe gebisaen. Drei Tage vor der Aufioabme
Schlingbeschwerden und Krämpfe bei Deglutitionsversachen. Diese Reflexkr&mpfe
wurden immer heftiger , erfolgten schon , wenn nur einige Tropfen Flüssigkeit in
den Mund gelangten. Salivation, Inspirationsbeschwerden, Fulsfrequens ron 140.
Es wurde die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Lyaaa gestellt. Nach dem Tode er-
gab die Obduction an der Basia des Gkhima luuBiitlelbar vor dem Chiasma nerv,
optic. auf der l4amina perforata ant. eine birnförmige fluctuirende Cysticercus-Blase
von Haselnussgrösse , die etwas in die rechte Sylvische Grube reichte. Die Him-
aubstans in der Nachbarschaft geröthet und erweicht, v« Moa6ngefl (Bonn).
Deininger (Dinkelsbühl) • Ueber die Nachtheile der Jodbehandlung
des Kropfes.
(Bair. Aerztl. Intell. -Blatt 1875. No. 26. p. 261.)
Verf. vertheidigt die Existenz einer »Kropf resorptionskrankheit«, indem
er annimmt, dasa gewisse im Gefolge der Jodbehandluog von Strumen beobach-
tete Krankheitserscheinungen,^ welche sonat fiv Symptome der Jod-Intoxication
gehalten werden, von einer Vergiftung durch die in die Blutmasae aufgenommene
Kropfsubstanx ( 1 ) abzuleiten seien. Zum Beweise theilt J>. einige Fftlle sm «einer
Praxia mit, is denen jene Eveabaiaupgen bei der von ihm auaBcbUesalLeh «nge-
wandtea Behandlungsmethode mittelst innerlicher (1) Darreichung von Jod- Jodkdi-
l6sung eingetreten sind. Die S]fmptome beatanden vorzugsweise in einer tiefen Stö-
rung der Blutbildung und EmShrung (rasche Abmagerung und Blässe der Haut und
Schleimh&ute), sowie in eigenartigen Störungen des Nervensystemea (lðisnras,
Kopfschmerz, Heisshunger, Herzklopfen, Steigerung der Pulsfrequenz u. a. f.).
P. Bnms (Tübingen).
li. Oertznann« üeber die Behandlung der Thränensackerkranktmgen.
Inaug.-DIas. Bonn. 1875.
Verf. fuhrt alto' Eh^krankungen de« Thrrfinenaackea auf ehi einzigea AtiolvgiBchea
Moment, Stenoee dee Tbrftneneanala znrflok. Dieae selbal ist dmh SelmMiuig
der Sokleinhftut oder narbige Gontraeflur naoh ulcerOee» Prooesaen he^ge. IMa
Therapie besteht demnaeh ih SottfBren, bei' eventuriler BlensoriMe mit diwieCep Ap-
pücatiott von Topiola auf die Schleirahaut, bei ObKtemtioo de» Oanahr ohne Eipsto
rung dee Saeke» m Verödung mittelst Gauterisation , bei Hydrops in totaler Sft«
stirpation der Schleimhaut. Letzterer, von Berlin empfohlenen Methode wird das
Wort geredet und 4 Faüe bosidiriebaiy in welcfaaa am Vtdahren. m dm Sowwf
Klinik angewandt wurde, T«. Mosengell (Bonn).
Hervieuz. Flaie p^n^trante de poitrine. Ghi^rison.
(Bulletin de l'acad^mie de m6d. 1875. No. ZO.)
Bei einem Selbstmordverftich. hatte sieh ein junger Mann ein Messer in dar
Gegend dea Herzens, und zwar inv 4. Intercostalraum 8 Ctox. linka vom Stemum,
unmittelba« dber de« Steller des Spitzenstosses , in horizontaler Eichtung 9 Ctm.
tief langsam eingestossen , dann die Spitze nach aussen gewendet , in der Absicht
das Herz mögUdist sicher zu tieifen, und da« Messer in scfcigger IBcbtuag wie^
herausgezogen. Eine sehr heftige aorterietta Blutung — nach der Schätzung des
Verf. 's ^ Pfd^ ^ wurd« von ^vk alabaid berbeigerufsaen Arzt äaudu die Vereiniying
der Brustwunde mittelst der umschlungenen Naht gestillt. Damach Thrombusbil-
dung und Emphysem nech aussen und unten von der Wunde, welches die Gfrösse
von 2 Mannsfilusten erreichte, diann jedoch nicht weiter wuchs. Tiefe ErachOpfung,
kleiner unregelmfissiger Puls von 84 Schlflgen, frequente und oberfiftchEche Re-
spiration ; sonst weder Hustenreiz, noch blutiger Auswurf, noch andere bedrohlTche
Krankheitserscheinungen. Bei einer exspectativen Behandlang rerÜefen die ersten
OantvfJl>la,tt fftr Cbimvgle. No. 41. 695
beiden Tage nach dn Verletfliuig, abgesehen ^on Sotmnen in der W^nd«» Dyopnoe
und mfisfdgem Fieber, zufriedenstellend- An^ c^itten Tage ergiebt die Augcultation
und PerouBsion der affibirten Brustseite nichts Abnormes mehr. Am 4. Tage Ent-
fernung der l^ähte ; W\inde per primam geheilt. Seitdem fortschreitende Reconva-
lesc^nz ohne weiteren Unfall und völlige Genesung nach Verlauf von 18 Tagen.
In den epikritischen Bemerkungen hebt Verf. als bemerkenswerth hervor, dass
trotz der anatQqusc!i günstigen Bedingungen eine Läsion des Herzens oder des
Hersbeutelf aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erfolgt sei, und dass auf der andern
3eite d^e als sicher anzunehmende Lungenwunde sich weder durch I^ustenreiz,
noch durch ^lutauswurf, noch durch Zeichen von Pneumonie oder Pneumothorax
manifestirt habe. Für das letztere Verhalten wird an eine Reihe fthnlicher Fälle
in der Litteratur erinnert« Am« HUler [Berlin),
W. p. Stewart. Compotmd dislocation of elbow and Compound
£i;acture of both bon^s of fore arm. Fracture of olecr9,i^om»
(Tbe Indian med. Gau. \m. VqL X. No* 4. p. 99.)
Ein lOjähriger Knabe hatte durch Fall von einem Baume eine complicirte
l4vsmtifm des VordeTarm» naeh biat#ni auwendem eine oonpUeirte Fifketnv beider
Vorderarmknochen erlitten. Das durch, eine Querwunde der Haut der Ellenbeuge
hervorgetretene untere Ende de% Humerus ^rde behufs Reposition der Theile
entfernt, ebenso das abgesprengte Olecranon. Unter CarbolOlverband Heilung
innerhalb % Monaten. A« Biirger (London).
Bis^L Heilung eines Eohinocoecns der Leber durch Incision. (Aus
dem Stadtkrankenhause zu Halle a/S.)
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. Nq. 28.)
Es viu4e duiKdi ein nodificirtea ftimon'sohes Verfalmen e]na Ecluno<K>oiCieA*
blase d«r Lebe» eröffnet und bei «9epliseher B^andlung Heilung corsieH. Vov der
Ineisioii wurden etwa 40 CaiUbade« Mädeln i« die Qesohwulst g^stocheni spfttei; in
letsloiie mit Hülfe de« Simen'schen Xfoiqusrta eine Pittel'schie QmuAiMgatujr ge-
legt, um Verwsobfung der aneinander liegenden Bauchfellflächen und Verödung des
swisehenliegeivlen L^bergew^bes j|u erziele». De? Chimmiladei» war ftpeiVdi sn
dann , um Pt^ch^chueiden zu vejx^las^en un4 z^ui^ite durch 4sA Messer in seiner
Wirkung unterstützt werden. T» Mosengeil (Bonn).
I#bo^|>9nA* Sm k^ suQcuasipQ hippoc^atiqu^ per^ue dan» un^ tu-
meuv abdaminftift.
(BoUiSin de Faoad6mie de m^deeiiie 1875. No. 31.)
Ab dnem kindskopfgroBsen, sohsvf abgegfensten und flvotuivenden Tumot In
Unkeii H3fpogaBtrium einer bMtinrigen, sonst gesuBden Prau könnt» Verf. nach
Verlauf von H Tagen, wfi^ena welcher Zeit derselbe wuchs* imd duvoli die Bauch-
de^en sn abscediren sieh anschicdtte, an Stelle der abeolutea Dämpfung keMen
PeveusslonBSohall und bei der Bewegung zwischen zwei Hände» ein deutliek plät-
sebemdes Geräusch wahrnehmen, ähnlich wie in ein« halb oder drei Viertel mit
Wasser gefüllten Flasche. Zwei Tage später zeigte die Geschwulst sehr lautes
FUltsoham und ausgesprochenes metallisches Klingen. Bei dem. wenige Tage
nachher erfelgendeH Aufbruch entleerte der Tumor bekräoktliohe Mengen
grünlichen Eiters und Gase yon sehr fötidem Geruch. Die mikroskopische Unter-
suchung der Flüssigkeit constatirti^ afi^ S'pmel^^^nten »ausschliesslichEiter-
körperchen«.
Ein Zusammenhang der Geschwulst mit dem Ovaiium Hess sich nicht nach-
weisen; ebensowenig eine Communication derselben mit. der atmo^häxisohen Luft.
Die Gesohlechstheile waren, bis auf eine yorübengehende, duxoh die Geschwulst be-
dingte Deyiation des Uterus nach rechts, intact. Uebrigens erfolgte unter einem
desinficirenden Verbände, welcher später durch Jodinjectionen in die Abscesshöhle
ersetzt wurde, binnen 2 Monaten vollständige Heilung. Am. HUler (Berlin).
656 Centralblatt f&r Chirurgie. No. 41.
H. Marsh. Extroversion der Blase. Operation. Tod.
(Barthol. Hospital Reports 1875.)
3 jähriger wohlgenährter Knabe mit Spaltung des Abdomen, der Symphyse
und des Dorsum Penis. Ein 2 0" grosser Lappen mit transversaler Basis wird
mit der Epidermiseite nach einwärts über den oberen Theil des Spaltes gelegt. Zwei
andere Lappen von der Inguinalgegend entnommen, werden 9ut ihrer Wundseite
auf diejenige des ersten gelegt, dabei eine Oeffnung für den Abfluss des Urins
gelassen. In den ersten 2 Tagen schien Alles günstig zu verlaufen. Am 3. Tage
wurden die Ränder der Lappen brandig und die Suturen schnitten verschwärend
ein. Das Kind fing an blass und Übel auszusehen, verlor den Appetit und konnte
ohne Opium nicht schlafen. Die Lappen gingen bis auf kleine Stümpfe verloren.
Die Schwäche nahm zu und der Tod erfolgte in der 7. Woche durch Erschöpfung.
Verf. warnt vor dieser Operation bei zu jungen Kindern. Zwei Fälle von
Holmes, ebenfalls mit tödtlichem Ausgange und «einer von John Wood, bei
Kindern von 2 und weniger als 2 Jahren, werden angeführt. Nach Holmes soll
die Operation nicht vor dem 4. Jahre gemacht werden. Wenüier (Giessen).
H. Walten. Traumatisches Blasenleiden^ Steinbildung ^ Operation,
Heilung.
(The Lancet 1875. Vol. L p. 675.)
Der jetzt 72 Jahr alte Fat. bemerkte nach einem Fall von einem Balcon vor
31 Jahren 5 Tage hindurch Blut in den Urinentleerungen, diesem folgte Urin-
träufeln bei voller Blase und das Unvermögen längere Zeit Urin zu halten. Die*
sem begegnete Fat. durch 3 — 4 maligen täglichen Catheterismus. Während die
ersten 5 Jahre der Urin klar , ungetrübt blieb , fing er später an sich zu trüben,
auch wurde die Entleerung öfter nothwendig; jetzt muss der Urin stündlich ent-
leert werden und es besteht grosse Reizbarkeit der Blase und Schmerzhaftigkeit
in der Harnröhre; die Untersuchung ergiebt die Anwesenheit eines Steines und
Vergrösserung der Frostata. Nach Entfernung des aus Phosphaten bestehenden
Steines erfolgte schnelle Heilung und Herstellung der normalen Blasenthfttigkeit.
Pllx (Stettin).
Babitsch. Prof. Bollini's neuer tbermo-galvanischer Inciso-Caute-
risator bei der Behandlung der Prostatahypertrophieen.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 31.)
Ein Frostatotom nach Mercier wird mit einer Fiatinklinge statt mit einer
stählernen armirt. Die männUohe Branche besteht aus zwei durch eine Bifenbein-
platte isolirten, kupfernen Seitenlameilen. An das Vesiealende des Kupferblattes
ist je ein Ende des Incisors aus Fiatina gelöthet. Eine Scala am Griffe bezeichnet
die Länge des Weges, welchen der Incisor zurückgelegt .Die Glühsohlinge ist von
der weiblichen Branche electrisoh isolirt. — Die Blutung nach Gebrauch des In*
strnments ist kaum nennenswerth , Yerheilung der Wundränder wird durah den
Glühschorf gehindert. — Der Cauterisator besteht in einem mit Flatindiath um-
wickelten Forzellanstücke, angebracht am durchbrochenen Winkel eines Katheters.
Die verkette Frostatapartie soll als Detritus mittelst des Harnstroms ausgespült
werden. Bis jetzt liegen nur Versuche an der Leiche vor. Klinische Veröffent-
lichungen sind in Aussicht gestellt. T« Moseagell (Bonn).
Berichtigung:
S. 631 Z. 4 t. n. lies achwieher statt scbftrfer.
Orlginalmlttbeilungen, Monographieen und Separatsbdrüeke wolle
man an Dr. B, TIUmomM, Leipzig, Ifarlenstrasse No. 3, oder an die Verlagshaiidlong,
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Dniek und Verlag Ton Breitkopf «ad HIrtel in Lelpilg.
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NE' ^. Sonnabend, den 16. October. 1876.
Inhalt: M. VOfel, MechAnlsmus der Tripperinfection. (Original-Mittheilnng.)
Thll0, Häufigkeit scrophuloser Erkrankungen bei phthisischer Anlage. — Macrae,
Yerhalten der Anaesthesie bei Lepra. — Eckhardt, Oefissnerrenoentren. — Ma, An»
Wendung des Ghloral in der Chirurgie. — Nicaisa, Subcutane Transfasion. — SdlHtfar,
Epitheltrübungen der Mundschleimhaut bei Syphilitischen. — Rondot, Sarcom des Ohr-
lappchen. — Maundery Dammriss-Operation. — HlfSCh, Unterbindung der Vena cru-
ralis. — Baaek, Eeseetlon des Fussgelenks bei Oaries.
V. Ebnar , Verhalten des Knochengewebes im polarisirten Lichte. — Vidal, Erectües
Hautsaroom. — Johnson, Lymphadenom. — Baumgarion, Hirnarterien - Syphilis. —
RiChardSOn, Künstliche Respiration bei Dipbtheritis. — Taylor, Wirbelfractur. — Wilkos,
Atresia anl. — Chouppo, Txophische Störungen nach Nerven-Yerletzungen.
Zum Mechanismus der Tripperinfection.
Von
Dr. Martlii Yogel^
prakt. Arzt In Eisleben.
Die Frage . »wie gelangt das Trippersecret in die Harnröhre des
Mannes?« ist eine yielfach ventilirte und es knüpfen sich daran
mannigfache Hypothesen. Einzelne Autoren gestehen allerdings
offen zu^ dass es keine ausreichende Erklärung dafür gebe. Denn
Flüssigkeiten vermögen nur von Innen kommend die Harnröhre^
welche als ganz feiner geschlossener Spalt sichtbar ist, in eine Oeff-
nung zu verwandeln. Von Aussen kommend würden sie in einem
sehr starken Strahle auf die Hamröhrenmündung einwirken müssen,
um deren Lippen auseinander zu drängen. Da es sich aber bei
dem Trippercontagium nur um eine geringe Menge noch dazu
zäher und sehr wenig bewegter Flüssigkeit handelt, so ist das
Eindringen derselben mit Becht räthselhaft, wenngleich wir uns den-
ken können, dass nur ein sehr geringes Quantum nöthig ist, um
42
658 Centralblatt fdr Chirurgie. No. 42.
eine Harnröhre zu inficiren. Wenn das Trippersecret auf die Con-
junctiva verpflanzt wird; so ist uns der Mechanismus viel leichter
verständlich. Ein relativ fester Gegenstand, z. B. der Finger^ an
dem etwas Secret haftete, strich über das Auge, um es auBZuwischen;
dadurch wurde der innere Lidrand etwas herausgekehrt , und kam
mit dem inficirenden Finger in Berührung; das Gift war nach Art
einer Salbe eingestrichen.
Dass das Trippersecret wirklich während des verdächtigen Coitus
in die Harnröhre eingebracht wurde^ und nicht etwa später dadurch^
dass vielleicht an der Eichel und dem Praeputiiun Infectionsstofie
hängen geblieben waren ^ und von da aus nach der Harnröhre sich
einschlichen, dafür giebt es mancherlei Gründe. Es würden zunächst
alle Individuen, die der Vorhaut beraubt sind, eine gewisse Immu-
nität gegen die Infection besitzen. Denn wenn schon die Schleim-
haut der Eichel auch bei unbeschnittenen Individuen sehr wenig Ten-
denz für die Infection durch Trippercontagium hat, um wie^ viel we-
niger wird die Schleimhaut einer entblössten Eichel, welche schon
mehr dem Charakter der Oberhaut sich nähert, das Gift beherbergen.
Es würde sich dasselbe leicht an den Kleidungsstücken abreiben,
und höchstens an der Corona glandis haften, wo es aber wieder zu
weit entfernt von der Urethralmündung wäre. Diese Immunität
besteht jedoch durchaus nicht, wie z. B. die Praxis bei den israe-
litischen Patienten lehrt. — Femer ist es eine Erfahrung, welche
Specialisten mit reichlichem Material nicht selten machten, dass
Leute, welche gleich nach dem verdächtigen Coitus urinirten,
resp. bei denen es zum baldigen Samenerguss kam, vom Tripper
frei blieben, während andere, die bei demselben Individuum den
Coitus nicht vollständig ausführten, oder spät urinirten, davon be-
fallen wurden. Zur Erklärung dieser Thatsache bleibt nichts an-
deres übrig, als dass das Gift schon während des Coitus in die
Harnröhre gedrungen war und durch die Flüssigkeiten wieder hin-
weggeschwemmt wurde. Bei einem länger dauernden, oder wieder-
holten Coitus hat sich dagegen das Gift zu schnell imbibirt, und
kann nicht mehr ganz durch vorbeipassirende Flüssigkeiten hinweg-
schwemmt werden.
Zeissl hat in seinem Lehrbuche der Syphilis nun folgende
Theorie aufgestellt, um das Eindringen des Trippersecrets in die
Urethra zu erklären. Die Urethralmündung des Mannes sei aller-
dings fest geschlossen, aber beim Eindringen des turgescirenden mem-
brum virile in die Vagina werde die Hamröhrenmündung auf mecha-
nische Weise etwas geöffnet, indem die beiden Lefzen derselben etwas
auseinandertreten. Es entstehe dadurch ein luftleerer Raum zwischen
denselben, der vermöge des physikalischen Gesetzes von einem Tröpf-
chen der etwa in der Vagina befindlichen Flüssigkeit erfüllt werde,
und dieser werde dann um so sicherer dort zurückgehalten, als die
Zurückziehung des Penis das Ostium cutaneum urethrae jedesmal wie-
der schliesse. Dadurch sollen bei dem wiederholten Vorwärts- und
CeatxftUblatt fOr Chirurgie. No. 42. 650
BückwärtBbewQgen iea Penis nach und naeh mehrere Tröpfchen in
der Urethra angesaimaalt kreiden, und es sucht Zeissl den Beweis
seiner 'Theorie in den oben angefuhrteo Thatsachen^ dass das Gift
durch Sperma oder. Urin wieder hiaweggeschwemmt werden könne.
Dieser Theorie widerspricht Fr. Wilh. Müller in seiher Patho-
logie und Therapie des Hamröhrentrippers. Nach Müller und Ande-
ren kommt die Infection sp zu Stande, dass eine Berührung' der Harn-
röhrenlippen bei fest geschlossener Harnröhre mit dem anomalen Secret
erfolgt^ und dass selbst bei einem flüchtigen Coitus der roUständige und
unmiUelbare Contact der Hararöhrenmündung mit der erkrankten Schei-
denschleimhaut Yollkommen genügend sei. Von der äusseren Mündung
der Urethra aus breite siojh dann die Entzündung gleichmäsaig längs
der fossa navicularis auf die weiteren Thei}e des Canals aus.. Müller
citirt für dieselbe Absicht unter Andern auch Ri.tjter und Dsondi.
Piese leichte Entzündlichkeit der Harnröhrenlippen ist schwer
zu begreifen. Denn dieselben haben das gleiche Epithel auf ihrer
Oberflache, und doch wohl dieselben Eigenschaften, wie der Ueber-
zug der ganzen Eichel j welche für die Infection mit Trippersecret
sehr erschwerende Verhältnisse darbietet. Im Gegentheü müssen
wir annehmen, dass, wenn im weiteren Verlauf des Trippers die äus-
seren Hamröhrenlippen geröthet und geschwollen erscheinen, dies
als eine von Innen, nicht yon Aussen, kommende Entzündung
aufzufassen ist, bei der wir die primäre Entzündung in der Urethra
finden.
Von dem Einwände Ritters, dass eine Flüssigkeit gar nicht in
der Urethra zurückbleiben könne, da sie durch den natürlichen Col-
laps derselben wieder herausgepresst werde, müssen wir ganz Abstand
nehmen, da bei bestehendem Tripper ein massenhaftes Secret zwi-
schen den collabirten Hamröhrenwänden Platz hat.
Was nun die von Zeissl angestellte Theorie anlangt, so kön-
nen wir uns ebenfalls nicht ganz dadurch befriedigt fühlen. Wenn
wir auch zugestehen müssen, dass jedenfalls die vorher geschlossene
Harnröhre intra coitum sich zeitweise öflnet, so will uns die Lehre
von der Bildung eines luftleeren Raumes nicht einleuchten, durch
den die Infection zu Stande kommen soll. Es setzt diese Theorie
immer das Vorhandensein eines sehr reichlichen Secrets voraus, und
doch wissen wir, dass lufectionen möglich sind bei Individuen, bei
denen eine Untersuchung kaum ein Secret constatiren konnte.
Wie sollen wir uns nun aber das Eindringen des Giftes in die
Harnröhre erklären?
Betrachten wir die Hamröhrenmündung, so ist sie allerdings ein
fest geschlossener Spalt. Dieser Spalt läset sich aber sehr leicht öff-
nen, wenn wir in . seiner unmittelbaren Nähe mit den Fingern ver-
tikal zu seiner Längsrichtung etwas nach hinten einen seitlichen
Druck oder Zug ausüben. Ja noch mehr, es bildet sich ein deut-
liches Ectropium der innem Hamröhrenschleimhaut, so dass zwei er-
habene oval gestaltete bläulich rothe Wülste entstehen. Diese Schleimr
42»
660 CentralblaU far Cbiroigie. No. 42.
hautwälste sind um so beträchdicber^ je weiter die Hamrolixe überhaupt
ist. Zwischen ihnen ist der weitere Verlauf der Harnröhre durch
eine Vertie6ing angedeutet. Man kann nun 8<^t auf die schon
auegestälpten Theile nochmals die Finger aufsetzen und durch wei-
teres Auseinanderziehen noch tiefer liegende Theile der Urethra heraus-
stülpen.
Setzt man die Finger in longltudinaler Richtung des Harnröhren-
Spaltes auf, so wird dieselbe beim Zug oder Druck noch intensiver,
als im gewöhnlichen Zustande geschlossen. Uebt man nun aber
^eichzeitig mit zwei Fingern den longitudinalen und mit zwei an-
deren Fingern den transversalen Zug aus, so stülpt sieh eine noch
beträchtlichere Partie der Urethralschleimhaut aus, als wenn der
transversale Zug allein angewendet wurde. Dies beruht darauf, dass
die Hamröhrenmündung zwei Commissuren an ihren beiden End-
punkten besitzt; werden diese durch den longitudinalen Zug abge-
zogen, so kann die herausgestülpte Schleimhaut freier heraustreten. —
In dieser Weise kann nun eine Schleimhautfläche, je nach der Weite
der Harnröhre — von einem halben bis zu drei Vierteln eines Quad-
ratcentimeters hervorgestülpt werden. Ich habe dieses Experiment an
vielen Individuen, nicht blos Trippeikranken, sondern so oft sich
nur bei Patienten Gel^enheit zur Untersuchung der Genitalien bot,
geübt. Namentlich habe ich bei den militärischen monatlichen Unter-
suchungen der Mannschaften auf diese theilweise Untersuchung der
Urethra während meiner Dienstzeit besondere Rücksicht genommen.
Wir müssen gestehen, dass wenn intra coitum durch den Zug,
den die Eichel beim Vordringen in die Vagina erfahrt, eine gleiche
Hervorstülpung der Urethralschleimhaut stattfindet, eine hinlängliche
Erklärung ^für gegeb^i ist, wie das Trippersecret in die Harnröhre
kommt. Denn wenn eine so beträchtliche Schleimhautfläche der
Urethra von einer halben bis zu drei Vierteln eines Quadratcentime-
ters mit der erkrankten Schleimhaut der Vagina in direkte Berührung
käme » so können Entzündungsprodukte sehr leicht von der^ einen
Schleimhaut auf die andere übertragen werden, und bei der grossen
Reizbarkeit der Urethra Boden fassen. Vergegenwärtigen wir uns
aber, dass beim Eindringen des Penis in die Vagina die Schleimhaut
der letzteren die Eichel genau umschliesst — auch an der Spitze
der Eichel — so muss beim Vordringen eine von allen Seiten gleich-
massig erfolgende Zerrung der Eicheloberfläche durch die Vaginal-
wände vom Centrum nach der Peripherie und nach hinten zu statt-
finden. Da nun im Centrum durch die Urethralöfinung der Ort ge-
geben ist, wo die gezerrten Weichtheile der Eichel am ehesten nach-
geben können, so wird sich die Urethra öffnen und hervorstülpen,
gerade wie bei der Oeflhung durch die Finger. Nur wird, da der
Zug der Vaginalwände viel gleichmässiger von allen Seiten vertheilt
ist, die Hervorstülpung auch eine vollkommenere sein. Man könnte
mir nun einwenden, dass bei der Immissio penis die Turgescenz der
Eichel eine so bedeutende wäre, dass die Weichtheile der Eichel nicht
Centralblätt fllr Chirurgie. No. 42. 661
von der Urethra her nachgeben^ und das Ectropium deshalb nicht
eu Stande kommen könnte. Die Eichel ist aber g^en Druck ein
naohgiebiges Organ, irie wir bei der Reposition der Paraphimose
z. B. sehen; die Vaginalwände machen also durch Druck ebenÜEdls
die Eichel weniger strotzend und dadurch nachgiebiger; auch ist es
überhaupt nicht denkbar^ dass die Eichel bei stärkster Füllung starr
und unnachgiebig werden könnte, wie die Corpora eavemosa penis,
sie wird stets eine mehr weiche elastische Masse darstellen. Sie wird
sich aber beim Eindringen in die Vagina um so leichter verkleinern,
da sie von vom dem elastischen Druck der Vaginalwände, und von
hinten dem der temporär unnachgiebigen corpp. cavem. penis aus-
gesetzt ist.
Man könnte mir einwenden, dass die Urethra in ihrer Länge
bei der Erection ad maximum gespannt und ausgedehnt wäre, und
dass deshalb eine weitere Dehnung durch Ausstülpung wenigstens
im erigirten Zustande nicht möglich wäre. Gkmz abgesehen davon,
dass die Urethralschleimhaut wdiil auch bei stärkster Spannung des
Gliedes als ein ursprünglich faltenreiches Organ der weiteren Aus-
dehnung fähig sein wird, so muss man doch auch in Rechnung zie-
hen, da«s durch den oben erwähnten Druck der Vaginalwände und
der corpp. cavemosa die Eichel von vom nach hinten comprimirt
wird, und dass durch diese Verkürzung schon wieder ein Stück für
die Dehnbarkeit der Urethra gewonnen wird.
Der Mechanismus der Tripperinfection würde also auf folgende
Weise zu erklären sein. Beim Eindringen des Penis in die Vagina
wird die Urethra durch den zum Theil seitlichen Zug der Vaginal-
wände geöffiiet, und ein Ectropium der Schleimhaut der Harnröhren-
mündung gebildet. Dieses Ectropium kommt durch seine Lage und
und durch den Zug, den das Frenulüm praeputü auf die Hamröhren-
mündung ausübt, mit der hintern Vaginalwand in direete Berührung,
und gleitet auf letzterer aufveärts. (Da das Ectropium nunmehr die
Spitze der Eichel bildet, kann es selbst wieder einem Zuge von
Seiten der Vaginalwände ausgesetzt sein.) Beim Zurückziehen des
Penis geht die ausgestülpte Urethralschleimhaut in ihre ursprüngliche
Lage zurück, und die Hamröhrenmündung schliesst sich, um bei er-
neutem Vordringen wieder ausgestülpt zu werden. Auf diesem Wege
sind nun mannigfache Momente vorhanden, die das Zustandekommen
einer Inf ection begünstigen können. Dahin gehört zunächst ein lange
ausgedehnter Coitus. Wir können uns leicht vorstellen, wie durch
das häufigere Aufvrärtsgleiten die schädlichen Stoffe in die Schleim-
haut der Harnröhre intensiver eingerieben werden, und wie dieselbe
dabei sogar ihr Epithel theilweise verlieren kann. — Ein Hypospa-
diacus wird sich leichter infidren, da das Ectropium bei ihm in seiner
ganzen Ausdehnung mit der hinteren Vaginalwand, welche haupt-
sächlich die Trägerin der Seerete ist, in Berührung kommt. Ein
Mensch mit weiter Harnröhre bietet mehr Schleimhautfläehe der
Urethra dar; ein Mensch mit grossen Genitalien setzt sich einem
662 Centralblatt fflr CHinugie. No. 42.
stärkeren Zuge der Vaginalwände aus, wodurch das Ectropium
der Harnröhre viel bedeutender wird. Dasselbe findet naturlich
auch bei enger Vagina statt. Das Gleiche ist der Fall bei einem
Individuum^ das mit einer Phimose behaftet ist> da die Vagi-
nalwände an dem Präputium einen bessern Halt als an der glat^
ten Eichelfläcfae finden^ die Zerrung dadiu^h vermehrt wird^ und
das Praeputium nun die Ausstülpung der Harnröhre vermittelt^
u. 8. w.
Es erklärt sich auch hinlänglich, warum durch die passirenden
Flüssigkeiten die inficirten Theile wieder abgewaschen werden kön-
nen, so dass die Ansteckung verhütet wird; ebenso erklärt es sich,
warum bei einem unvollkommenen Coitus, we kein Samenexguss
stattfand; leichter eine Infection Platz greifen kann.
Ebenso wie das Trippersecret in die Harnröhre durch Ectropium-
bildung gelangt, ebenso mü^ssen wir es uns vorstellen, dass Secrete
von Geschwüren dott hineingelangen können, und zu neuen Ge-
schwüren Veranlassung geben. Nur ist dieses Vorkommniss verhält-
nissmässig selten, da die Geschwüre beim Weibe meistentheÜs den
Introitus der Vagina einnehmen; wo also der eindrängende Penis noch
keine solche Zerrung durch die Vaginal wände erKtten hat, dass das
Ectropium hervorträte. Jedoch ist auch von hier aus unter Um-
ständen eine Infeeition denkbar, wenn man die grosse Nachgiebigkeit
der Hamröhrenlippen kennt, und sich vorsteUt, dass der Penis
durch Zu£Edl gegen die Gesohwür^egend angedrängt wurde, wodurch
ein theilweises Ectropium , vielleicht nur der einen Hamröhrenlippe,
veranlasst werden kimn.
Therapeutisch Hesse sich wohl noch einiges über die Abor-
tivbehandlung des Trippers anknüpfen. Es ist nämlich nach dem
Gesagten wohl nicht unmöglich , dass * kurze Zeit nach dem Coitus
eine Infection beseitigt werden ' könnte , wenn man künstlich mit
den Fingern das Ectropium der Hamröhrenschleimhaut bildete, und
dasselbe mittelst eines Pinsels reinigte, der in ein Chainilleninfus,
eine schwache Chlorkalisolution , verdünntes Chlorwasser, oder der-
gleichen desinfidrende Lösungen getaucht wäre. Man würde natür-
lich starke Mittel vermeiden müssen, da durch dieselben die Urethra
noch mehr gereizt werden könnte. Es versteht sich von selbst, dass
nur kurze Zeit nach der Infection eine solche Reinigung Aussicht
auf Erfolg bieten kann, da nur so lange die inficirenden Stoffe noch
einigerinassen lose der Schleimhaut aufsitzen , eine Entfernung mög-
lich sein dürfte. Immerhin wäre es rathsam, versuchswdse in den
ersten Stadien des Trippers solche Auspinselungen noch vornehmen
zu lassen, so lange überiianpt von einer abortiven Behandlung die
Bede ist. Denn dass bei Injectionen von Medicamenten zu diesem
Zweck mit der Spritze gerade die am meisten befallenen Theile durch
den Spritzenschnabel von den Medicamenten abgesperrt werden, liegt
auf der Hand. — Mir sind in meiner Praxis nur zwei Fälle vorge-
kommen, wo ich Gelegenheit hatte, kurve Zeit nach dem verdächtigen
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 42. 663
Coitus solche Aaspinselungen Yorzunehmen. Eine Infection hat bei
beiden Individuen nicht stattgefunden, ob aber die Keinigung
mittelst des Pinsels die Veranlassung zu diesem günstigen Umstände
war, kann ich um so weniger behaupten, als ich keine Gelegenheit
hatte, mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass die betr.
weiblichen Individuen mit Gonorrhoe behaftet waren, und mich hierin
auf die Aussagen der Fat. verlassen musste. Von einer jener Per-
sonen wurde übrigens noch constatirt, dass die Menses zur Zeit des
Coitus noch nicht abgelaufen waren.
A. Thilo. Ueber die Häufigkeit scrophulöser Erkrankungen
bei phthisischer Familienanlage.
(Inaog.-Diss. Kiel. 1875.)
Esmarch hat in den letzten Jahren bei den vielen in der
Kieler Klinik vorkommenden scrophulösen Erkrankungen durch die
Anamnese zu erfahren gesucht, ob die Eltern der Ejranken oder an-
dere Familienmitglieder an ähnlichen Erkrankungen leiden oder ge-
litten haben. Die Resultate hat Th. in seiner Dissertation nach
einer allgemeinen Einleitung in einer Statistik veröffentlicht. Auf der
stationären Klinik wurden vom 1. Jan. 1873 — 31. Dec. 1874 behandelt
74 scrophulöse Krankheiten. In Betreff der Gesundheitsverhältnisse
der Familie wurde angegeben: Phthisis der Eltern oder Grosseltem
29 mal, Phthisis der Geschwister oder naher Blutsverwandten
4mal, nur Scrophulöse der Eltern 3mal, nur Scrophulöse der Ge-
schwister 5mal, gesunde Familienverhältnisse, insbesondere keine
Phthisis ISmal, Nichts 16mal. In der ambulanten Klinik kamen in
derselben Zeit 130 scrophulöse Erkrankungen zur Beobachtung. Die
Anamnese ergab: Phthisis der Eltern oder Grosseltern 21 mal, Phthisis
der Geschwister oder naher Blutverwandten 3mal, nur Scrophulöse
der Eltern 3mal, nur Scrophulöse der Geschwister Imal^ Lues des
Vaters Imal, gesunde Familienverhältnisse, insbesondere keine Phthisis
lOmal, Nichts 9 Imal. Lässt man diejenigen Fälle, in denen Nichts
zu ermitteln war, ausser Betracht, dann ergiebt sich, dass in mehr
als der Hälfte aller Fälle Phthisis der Eltern oder Grosseltern vor-
handen war. Verf zieht den Schluss, dass »hier die Anerbung der
Scrophulöse der Kinder auf Phthisis der Eltern zurückzuführen ist.a
Ferner giebt Th. eine Zusammenstellung der vom 1. Juli 1872
— 31. Dec. 1874 auf Esmarch's Klinik beobachteten lupösen Er-
krankungen. Aus derselben geht hervor, dass »einmal der Lupus bis
in das höchste Alter hinein vorkommt und hier vorwiegend im übrigen
gesunde Personen befällt, zweitens aber, dass bei jüngeren Individuen
(unter 35 Jahren) der Lupus in weit über der Hälfte aller Fälle mit
Scrophulöse combinirt ist.a Phthisis der Eltern lag in 34,6^ aller
Fälle und in 48,5 )i^ aller derer vor, wo die Erkrankten das 35. Le-
bensjahr noch nicht überschritten hatten, femer in 32,1 )i^ aller der-
664 Centralblatt für Chirurgie. No. 42.
jenigen Fälle, wo die an Lupus Erkrankten zugleick scrophulös ge-
wesen waren. An der Hand von 4 Krankengeschichten zeigt Th.
alsdann, dass der Lupus direct yon einer scrophulosen Erkrankung
ausgehen kann, und kommt zuletzt zu dem Schluss, dass der Lupus
vorwiegend eine s er ophulöse Erkrankung sei, ohne damit sagen
zu wollen, dass jeder Lupus scrophtdös sei. Fetersen (Kiel).
W* Haorae. Notes on the distinction of the sensations of
touch, pain, and heat in the sentient nerves of lepers.
(Med. tim. and. gaz. 1875. Juli 31. p. 118.)
M. wurde im Aussatzspital zu Madras zu Untersuchungen über
die Anästhesie nach ihren verschiedenen Richtungen hin angeregt,
als er die allgemeinen Sensibilitätsprüfungen bei wiederholten Unter-
suchungen sehr widersprechende Resultate geben sah.
Die Ausdehnung des Verlustes der Tast- und Sohmerzempfindung
war sehr oft verschieden, und zwar war meistens die Schmerzempfin-
dung in grösserer Ausdehnung verloren ; doch constatirte er das um-
gekehrte Verhalten in 2 Fällen. Die Defecte waren meist symme-
trisch und traten auf den Extensorenseiten früher auf ^ als auf der
Flexorenseite ; sie begannen meist an den distalen Enden der Extre-
mitäten. Isolirte Stellen mit Verlust der Sensibilität entsprachen
nicht immer erkrankten Hautpartieen. Im allgemeinen entsprach die
Ausdehnung der fehlenden Schmerzempfindung auch einem Verluste
des Wärmesinnes. Eine Ausnahme bUdete ein 2 t jähriger Fat.^ der
Wärmeempfindung trotz des Verlustes der Schm^zempfindung in den
Fingern behalten hatte. In keinem Falle konnte Muskelanästhesie
constatirt werden. Bänke (Halle).
Eckhard. Uebersicht des jetzigen Standes unserer Kenntnisse
über die Centren der Gref&ssnerven.
(Pester med. chir. Presse 1875. No. 4, 5, 6» 9.]
Nachdem Bernard 1853 den Halssympathicus mit bekanntem
Effect durchschnitten, sahen Budge, Brown-S^quard und Schiff
auch nach Bückenmarksdurchschneidungen Gefassdilatation und Tem-
peraturerhöhung gewisser Körpertheile. Man schloss hieraus unrichtig
auf den Ursprung der Gefassnerven im Bückenmark. Wharton
und Bernard constatirten hierauf: keine Gefassdilatation nach
Durchschneidung der Ischiadicuswurzeln im Wirbelcanal; wohl aber^
wenn unterhalb der Vereinigung mit dem Sjrmpathicus durchschnitten
wurde. Hieran knüpfte sich wieder der Trugschlüsse dass im Sym-
pathicus das Gefassnerrencentrum liege. — Gegen Wharton
wandte sich Lister^ gegen Bernard Ludwig und Schiff mit
r
Centaralblatt für Chirurgie. No. 42. 665
der (bis heute nicht widerlegten) Behauptung^ dass die die Gefäta-
lumina regulirenden Einflüsse auf die ganze Länge des Bückenmarks
yertheilt seien. Später erzeugte Budge Gefässverengerung (Ohr]
durch Reizung der Grosshirnschenkel und Andere durch Beizung
der Yierbügel; des Cerebellum^ des Grosshims. Man darf hieraus
nur schliessen^ dass von den genannten Stellen aus die fraglichen
Gefässnervencentra gereizt werden können. Der Begriff eines Ner-
vencentrums verlangt den Nachweis, dass bei Erhaltung gewisser
Theile des Centralorgans die peripheren Gefässlumina spontan oder
reflectorisch noch Veränderungen zeigen, welcbe nacb Zerstörung jener
dauernd in Wegfall kommen. Die Veränderung der Gefässlumina
erkennt man 1) aus dem veränderten Blutdruck^ 2] aus Temperatur-
veränderungen der betroffenen Theile^ 3) an dem direct beobachteten
Gefasscaliber. — Verf. kam unter Zuhülfenahme der Methode 3) zu
demselben Resultat, wie Ludwig bei Anwendung der Methode 1)
— nämlich, dass das Centrum sämmtlicher (?) GefHssnerven im un-
teren Theile des Bodens des vierten Ventrikels zu suchen und bei
Kaninchen ungefähr Y2 Zoll lang ist. Da jedoch die Beobachtungen des
Verf. sich nur auf die Ohrarterien beziehen und die Blutdruckmessun-
gen Ludwig 's die Möglichkeit nicht ausschliessen, dass vereinzelte
Körperprovinzen ihre besonderen Gefässnervencentren* haben, so be-
hält List er (s. oben) bis heute Recht, um so mehr, als neuerdings
Goltz nach Durchschneidung des Rückenmarkes z. B. die erigirenden
Nerven noch reflectorisch erregen konnte ( — reflectorisch wirkende
Rückenmarkscentren für die Gefasse, analog denen für die Skelet-
musculatur?). — Ausserdem nimmt Schiff im Verlauf der Gefass-
nerven selbst noch besondere gefässverengende Vorrichtungen an, weil
er nach Eliminirung des Hauptgefässnervencentrums die Ohrarterien
nach einiger Zeit sich trotzdem wieder verengem sah. Wie Verf.
glaubt, mit JJnrecht. Denn auch nach Durchschneidung des N. hy-
poglossus bemerkt man nach einigen Tagen flimmernde Bewegungen
der Zungenmuskulatur, wahrscheinlich durch Einwirkung der Wund-
secrete auf den peripheren Stumpf des durchschnittenen Nerven. —
Für die Annahme, dass die Ganglien des N. sympathicus Gefässner-
vencentren seien, spricht mit einiger Wahrscheinlichkeit nur ein
(noch näher zu prüfendes) Experiment von Vulpian (cf. Original). —
Strychnin in das Blut eingeführt, reizt (Sigmund Mayer),
Chloralhydrat im Gegentheil lähmt (Heidenhayn) das vasomoto-
rische Centrum. Durch Athemnoth wird dasselbe in hohem Grade
erregt (Traube, Gscheidlen u. A.). Bei apnoischen, curarisirten
Thieren, deren Vagi und Sympathici durchschnitten sind, steigt der
Blutdruck beträchtlich und zeigt dann isochrone Schwankungen (im
entgegengesetzten Sinne) mit den Phasen der eingeleiteten künstlichen
Respiration : sog. Athembewegungen des Gefasssystems, ausgelöst durch
die Thätigkeit des Respirationscentrums (Hering).
Bttpprecht (Halle).
666 Centrftlblatt für Chirurgie. No. 42.
H. 866. Sur Ttisage du chloral en Chirurgie.
(Journal de th^rapeutique 1875. No. 14;)
S. bedient sich im Hospital Sainte-Eug^nie seit circa einem Jahr
fast ausschliesshch des Chlorais als Yerbandmittel und ist mit seinen
Erfolgen so zufrieden, dass er das Chloral für bestimmt hält, »alle
bisherigen Antiseptica zu ersetzen«. Von den vielen in Behandlung
gekommenen Fällen, erwähnt er 2 Amputationen des Oberschenkels,
2 Kesectionen des Ellenbogens, 6 Evidements des oberen Theils der
Tibia, 2 Resectionen des Sprungbeins, 2 complicirte Unterschenkel-
fracturen, eine in das Gelenk penetrirende Wunde des Ellenbogens,
zahlreiche Quetschwimden mit ausgedehnten Blutergüssen, welche alle
unter dem Chloralverband durchaus günstig verliefen. In mehreren
Fällen von Erysipel und diffuser Phlegmone genügte ein 2 — 3tägiger
Chloralverband, um diese schweren Complicationen verschwinden zu
lassen. — Die Anwendungsweise des Chlorals ist sehr einfach. Fast
immer genügt eine 1 % Lösung, mit der die Wunden irrigirt und in
der gewöhnlichen Weise verbunden werden. Das Chloral riecht ange-
nehm, ist nicht flüchtig und hat keinerlei irritirende Eigenschaften.
Seine Resorption bleibt ohne alle üblen Folgen, so dass es auch bei
Affectionen des Mundes und Rachens, sowie der Nasenhöhle ange-
wendet werden kann. In einem Fall wurde es sogar bei einer Per-
foration des Oesophagus mit nachfolgender Eiterung im hintern
Mediastinalraum mit vortrefflichem Erfolg angewendet. Endlich glaubt
S. auch auf den billigen Preis des Mittels aufmerksam machen zu
müssen, der es zur Anwendung in der Spitalpraxis besonders geeignet
i]QiLcht. ' — 0. Tolkmanii (Eettwig).
Nicaise. Transfusion du sang dans le tissu cellulaire.
(Gaz. m^d. 1875. No. 33.)
Bei einer an Uterusoarcinom leidenden fast moribunden Kranken
wurde von N. die Transfusion gemacht, als in Folge einer plötzlichen
Bewegung die Kanüle aus der Vene glitt, so dass trotz sofortiger
Unterbrechung der Operation circa 15 Gramm Blut in das subcutane
Zellgewebe drangen. Die hierdurch entstandene massige Anschwellung
war schon am nächsten Tag vollständig verschwunden und der Zu-
stand der auf das äusserste herabgekommenen Kranken nicht unwe-
sentlich gebessert (? Ref.). Tod nach 2 Tagen. Die Autopsie ergab,
dass das Extravasat vollständig verschwunden und an seiner Stelle
nur das Zellgewebe schwärzlich verfärbt war. Die Einstichsstelle in
der Vene war obliterirt, die Venenwandungen etwas verdickt. Ober-
halb der Einstichsstelle befand sich in dem etwas verengten Venen-
lumen ein dünner circa 3 Ctm. langer Thrombus.
Mit Bezug auf diesen Fall lenkt N. die Aufmerksamkeit auf den
schon von Karst 1873 angeregten Gedanken, die intravasculäie
Transfusion durch die in das subcutane Zellgewebe zu ersetzen.
Centralbktt fßr Cbifurgie. No. 42. 667
Karst; später Landenberger^ Poncet u. A. fanden bei ibren
an Thieren angestellten Versuchen ^ dass das in das subcutane Zell-
gewebe injicirte Blut ausserordentlidi schnell resorbirt wird. Es
treten dabei keinerlei locale oder allgemeine Störungen ein^ wenn das
Blut von derselben Tbierart entnommen ist^ defibrinirt wird und eine
Temperatur von 37-^38^. hat. Bei Entnahme des Blutes von an-
deren Thiergattungen erfolgte zwar die Resorption ebenfalls sehr
sehn eil f doch erlagen die Yersuchsthiere schon nach kurser 2^it. .—
0. Tolkmann ' (Slettwig) .
Schuster. Die Epitheltrdbungen der Mundschleimhaut bei
Syphilitischen.
(Archiv d. Heilkunde, 16. Jahrg. Hft. 5 u. 6.)
Verf. setzt auseinander^ dass die Epitheltr Übungen nicht Folge
von Mercurialcuren 9 sondern meist bei Leuten zu finden seien ^ die
das acute Stadium der Syphilis überwunden hätten, die aber die
Mundschleimhaut mannigfachen localen^ mechanischen Beizen , z. B.
durch Tabakrauchen aussetzten. In wie weit ein damit behaftetes
Individuum noch fähig ist, andere anzustecken, oder das Gift mit
dem Sperma zu übertragen, lässt sich noch nicht mit Sicherheit be-
stimmen.
Die Therapie ist besonders eine locale, d. h. besteht in Lapis-
ätzungen, verbunden mit einer »Provocationscur«. Nur wo noch an-
dere Symptome hartnäckiger Syphilis bestehen, sei eine specifische
Cur einzideiten. A» Bldder (Mannheim).
Bondot« Sarcome du lobule de roreille.
(Qaz. rn^d. 1875. No. 25. p. 319.)
Bei einer 42jährigen Frau war ohne jede nachweisbare Ursache
im 20. Lebensjahr eine kleine Anschwellung des rechten Ohrläppchens
entstanden, aus der sich im Lauf der Jahre ein 5 Ctm. langer, 3,5
Ctm. breiter, flacher, weicher Tumor ausgebildet hatte. In der letz-
ten Zeit war seine Oberfläche an einigen Stellen , namentlich am
hintern Rand, sowie unterhalb des Tragus ulcerirt. Uebrigens hatte
die Gesehwulst, abgesehen von einigen Schmerzen, die sich besonders
zur Zeit der Menstruation bemerklich machten, nie besondere Be-
schwerden verursacht. Die benachbarten Drüsen waren frei — Exstirpa-
tion des Tumors. Das Mikroskop bestätigte die auf Sarcom gestellte
Diagnose.
R. macht auf das höchst seltene Vorkommen von Sarcomen am
Ohrläppchen aufmerksam. Die an dieser Stelle auftretenden Tumoren
sind meist reine Fibrome, die sich bisweilen aus cicatricicllen Keloiden
entwickelt!. Nach einem 1864 erschienenen Bericht von Sdint-Vel
sind namentlich die erwachsenen Negerfrauen zur Entstehung dieser
6ßS Centralblatt fftr Chirnfgie. No. 42.
GeBchwüUte disponirt und zwar in Fo%e der unter ihnen yerbreiteten
Sitte I sehr schwere Ohrringe zu tragen. Das Klima soll auf die
Ausbildung dieser fast immer recidivirenden Geschwülste ohne Einfluss
sein. Nach Campbell^ der sie häufig bei den Einwohnern von
Nepul fand, treten sie nicht selten gleichzeitig mit Struma auf.
0. YoUnuMUi (Kettwig).
Maiinder. A Suggestion conceming the Operation for rup-
tured Perineum.
(Med. tim. and. gai. 1875. Juli 10. p. 40.)
Die 37jährige Pat. hatte vor 8 Jahren einen Dammriss acquirirt;
in Folge des Vorfalls der hinteren Scheidenwand und des Uterus grosse
Beschwerden. TJm nun bei der vorgenommenen Operation den neu-
gebildeten Damm möglichst resistent zu machen^ legte M. 3 Catgut-
suturen von der Scheide aus oberflächlich an^ im übrigen verfuhr er
ganz wie gewohnlich. Vollständige Heilung. Die Catgutsuturen
waren sich überlassen worden.
In zwei Briefen an die Redaction der Med. Tim. [abgedruckt in
der Nummer vom 17. Juli 1875. p. 78) giebt 1) 6. 6. Bantock an^
die erwähnten oberflächlichen Scheidenschleimhautsuturen schon vor
5 Jahren gebraucht zu haben; 2] J. Knowsley Thornton^ dass
Spencer Wells und er selbst seit 2 Jahren dieselben Suturen be-
nutzt hätten^ und zwar theils Catgut^ theils feine Seide dazu verwen-
det worden wäre.
In der Med. Tim. vom 24. Juli 1875 p. 106 giebt Robert Bar-
nes an^ schon vor 27 Jahren Charles Brooke in gleicher Weise
operiren gesehen zu haben ; er selbst habe nach diesem Vorgange die
gleiche Massregel seitdem befolgt.
Maunder fugt aQem diesem hinzu ^ dass er^ unbestritten der
Priorität anderer, doch selbstständig auf das Verfahren gekommen sei,
und bedauert nur, dass die Methode niclit früher veröffentlicht sei.
Bänke (Halle}.
R. Hirsch. Ueber die Unterbindung der vena cruralis.
(Inaug.-Diss. Halle. 1875.)
Braune hat durch eine grosse Zahl von Injectionsversuchen den
Nachweis geliefert^ dass die vena cruralis der einzige Weg ist, auf
dem Blut aus der unteren Extremität in die Bauchhöhle gefuhrt wird.
Auch die klinische Erfahrung spricht für Braune; eine von Roux
ausgeführte Unterbindung hatte Gangrän des Beins zur Folge.
Verf. berichtet über einen analogen Fall aus der Volkmann'-
sehen Klinik: einem 51jährigen Mann wurde nach vorausgegangener
Unterbindung der iliaca ein sehr grosser, im Laufe von 2 Monaten
entstandener Tumor der linken Leistengegend excidirt, wobei Vene
und Arterie doppelt unterbunden und exstirpirt werden muasten. Der
Gentxalblatt für OUnizgie. No. 42. S69
Kranke starb am 3. Tage, naehdem das linke Bein an£Euigs kalt und
geföbllos, dann blaofleckig und achliesslick bis zur Leiste gangr&nös
geworden war. Dem stehen indessen 2 weitere Fälle aus der Halle'-*
sehen Klinik gegenüber (der eine d^nelben ist bereits in Volk»
mann' 8 Beiträgen zur Chirurgie p. 249 besohrieben] , in denen nach
Exstirpation grosser , aber langsam gewachsener Tumoren der linken
Leistengegend ebenfalls Vene und Arterie unterbunden werden muss^
ten, in deren einem erst einige Wochen nach der Operation geringes,
aber längere Zeit anhaltendes Oedem des Beins und starke Füllung
der Hautvenen eintrat, nachdem Pat. bereits herumgegangen war,
während im zweiten Pat. 3 Tage nach der Operation an Nachblutung
starb, ohne dass sich eine Spur Ton Gangrän des Beins gezeigt hatte.
Zur Erklärung des seheinbaren Widerspruchs, in dem diese Fälle
zur Theorie Braune' s stehn^ njbnmt Verf. an, dass die langsam
wachsenden Tumoren durch ganz allmälige Compression der Vene zur
Ausbildung von Collateralen Veranlassung gegeben hatten : es besteht
die Berechtigung, in ähnlichen Fällen die Unterbindung der Vene
auszufuhren. ^ Genimer (Halle).
1"**
K* Beuck. Die Eesection 4es Fussgelenks insbesondere bei
Caxies.
(Inaug.-Difts. Kiel. 1875.)
Verf. spricht sich zunächst für die Resection des Fussgelenks
wegen Caries aus und berichtet dann über 4 einschlägige von Es-
march operirte Fälle, die sämmtUch- günstig verliefen.
I. ISjährigee Mädchen, operirt 19. Januar 1866 wegen ungefähr
seit ^4 Jahr bestehender Fussgelenks-Entzündung. Periost erhalten,
entfernt wurde unteres Ende der Fibula und der Tibia und oberste
Kuppe des Talus. Am 17. Juni waren alle Wunden geheilt. Active
und passive Bewegungen sehr gut. Stangenstiefel, nicht gut ertragen.
n. 17 jähriges Mädchen. Anfang der Fussgelenks -Entzündung
Ende Septbr. 1866. Resection 26. Mai 1868. Entfernt Gelenkenden
der TJnterschenkelknochen , der Talus und ein oberflächliches Stück
vom Calcaneus. Sehr langsame Heilung, aufgehalten durch Typhus
und Erysipele. Am 31. Mai 1869 nekrotische Knochenstückchen ex-
trahirt, und ein 2 Ctm. langes cariöses Stück von der Fibula abge-
meisselt. Pat. am 2. April 1870 mit Fisteln entlassen. (Ref. kann
über das Endresultat berichten, dass Pat. jetzt vollständig geheilt ist
und auf einer hohen Sohle so ausgezeichnet geht, dass man ein
Hinken kaum wahrnimmt. Sehr lange war das Auftreten schmerzhaft.)
SYJähriger Knabe aus ungesunder Familie. Seit 5 Monaten
Caries der Fusswurzelknochen. Operation am 26. Febr. 1874. Ent*
femt 08 naviculare, Talus und ein Theil der übrigen Fusswurzelknochen.
10. Juni 1874 mit fast geheilten Wunden entlassen. Pat. gegen Ende
des Jahres geheilt, der operirte Fuss ebenso gebrauchsfähig
wie der andere, alle Bewegungen frei. Verkürzung kaum Y2 C^-
670 Centralblatt ffir GhitBigie. No. 42.
IV. 14jäliriges Mädchen. Mutter schwindsüchtig. Vor 6 Jahien
Ostitis d^s unteren Endes der TilHa. Vor 4 Jahren nach Trauma
Exacerbation und Uebergreifen auf mehrere Eusswurzelknochen. Am
25. Juli 1874 Entfernung eines 5 Ctm. langen StücJLes. der Unter*
Schenkelknochen y des Talus ^ Calcaneus, os navicul. und os cuboid.
Anfang März 1875 nur noch 2 Fistelöfihungen. Verküszung 5 Ctm«
Am untern Ende der Unterschenkelknocfaen neiigebildete Knochen-
masse. Fnss noch sehr wackelig. (Pat. geht mit Stangenstiefel. Ref.)
Petersen (Kiel).
Kleinere Mitiheilungen.
V. V. Ebner. Untetsuchungen über das Verhalten des Knochenge-
webes im polarisirten Lichte.
(Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Bd. LXX
Hfl. 6. 1874. p. 105—141.)
Verf. verwandte zu seinen Untersudiungen theils trockene, theils in Wasser
unter das Mikroskop gebrachte Schliffe, vorzugsweise vom Oberschenkel des Frosches
und der Tibia des Menschen, doch stellte er auch an zahlreichen anderen Knochen
von Amphibien, Vögeln, Sftugethieren und Menschen seine Beobachtungen an.
— Verf. fasst die Resultate seiner Arbeit in folgender Weise zusammen :
1) Die Erscheinungen, welche das Knochengewebe unter dem Polarisations-
mikroskope zeigt, lassen sich unter folgender Annahme genügend erkl&ren: die
doppelt brechenden Elemente der Orundsubstanz sind positiv einaxig und in der
Hauptmasse mit ihren optischen Axen den langen Durchmessern der Knochenkör-
perchen parallel gestellt. Nur in der unmittelbaren Umgebung der Knochencanfll-
chen (Kalkcanftlohen) ist eine dünne Schicht Orundsubstanz» in welcher die optischen
Axen der doppelt brechenden Elemente diesen Canalchen parallel geriditet sind. —
2) Jedoch ist möglich, dass die doppeltbrechenden Elemente der Knochengrund-
substanz optisch zweiaxig sind. In diesem Falle läge dann die lange Axe des
Elasticitätsellipsoides in derselben Richtung, wie die eine optische Axe im vorher-
gehenden Falle. Der Winkel, welchen die beiden optischen Axen möglicherweise
einschliessen, und der durch die lange Axe des Elasticitätsellipsoides halbirt wird,
könnte nach den Versuchen am Oberschenkel des Frosches 15^ bis 20®, nach den
Versuchen an der Tibia des Menschen 10^ bis 12° betragen. —
3) Die Voraussetzung, welche auf Grund unserer E.enntnisse über die Entwick-
lung des Knochengewebes gemacht werden muss, dass die doppeltbrechenden Ele-
mente des Knochens in ihrer Orientirung von der Richtung und Lage der Knochen-
körperchen abhängen werden, hat sich auf das Glänzendste bewährt. Dass die
Folarisationserscheinungen des Knochengewebes bisher nicht befriedigend erklärt
werden konnten, liegt allein daran, dass die sehr wechselvollen, vom Verlaufe der
Gef&sscanäle nicht direct abhängigen Lageverhältnisse der Knochenkörperchen,
welche von massgebender Bedeutung sind, nicht gehörig beachtet wurden. —
4) Bei der innigen Beziehung zwischen der Lage der Knochenkörperchen und
der Orientirung der doppeltbrechenden Elemente in der Knochensubstanz lassen
sich nun umgekehrt aus den Folarisationserscheinungen Schlüsse auf Richtung und
Lage der Knochenkörperchen machen. Durchschnitte von Lamellen sind z. B.
senkrecht zur Längsrichtung der Knochenkörperchen geführt, wenn diese Lamellen
wie isotrope Körper sich verhalten. Wirken dagegen die Lamellen doppeltbrechend,
so liegen die langen Durchmesser der Knochenkörperchen in der Schliffebene oder
sind zu derselben mehr oder weniger geneigt u. s. w. TllliiUHliiS (Leipzig).
Centralblatt für Chirurgie. No. 42. 671
Vidal. Sarcomes idiopaüiiques de la peau.
(Soci6t6 de Biologie. Slanoe du 24. juillet. 1875)
Der Yon V. der Soci6t6 de Biologie Torgestellte Fat. erl^rankte vor 3 Jahren
mit Jucken, Ameisenkriechen und einer schmerzhaften Spannung in den Extremi-
täten. Es entstanden an einzelnen Stellen der Haut rothe Flecken, auf denen sich
sodann anfänglich flache, später mehr prominirende weiche Tumoren bildeten.
Einige der letzteren ulcerirten , andre (en der Fusssohle) bedeckten sich mit einer
dicken Epidermisschicht. Ein ganz ähnlicher Tumor entstand neuerdings auf der
Eichel. Keine Drüsenanschwellung. Der grösste der Tumoren, der gestielt der
Tordem Fläche des Oberschenkels aufsass, wurde exfftirpirt, wonach ausserordent-
lich schnelle Vemarbung eintrat, so dass schon nach Verlauf Ton 14 Tagen die
Stelle, wo die Geschwulst gesessen hatte, nicht mehr zu erkennen war. — Die
histologische Untersuchung ergab ein reich vascularisirtes , an einzelnen Stellen
pigmentirtes Spindelzellensarcom (nach R an vi er' s Diagnose »erectiles Hautsar-
com«). — Der Allgemeinzustand des Kranken ist zur Zeit noch leidlieh, doeh er-
weckt eine hartnäckige Diarrhoe den Verdacht auf bereits bestehende Qeneralisation
der Tumoren. 0. Tolkmun (Kettwig).
Johnson. Gase of Lymphadenoma.
(Med. tim. and. gaz. 1875. Juli 24. p. 94.)
Der 53jährige Fat. war bis vor 10 Monaten gesund. Seither Drüsenanschwel-
lungen zunächst Ober der rechten, dann über der linken Clavicula ; es folgten Ver-
grösserungen der Halsdrüsen, der Achseldrüsen. Abnahme der Kräfte, Kurzathmig-
keit, zuletzt Schlingbeschwerden. Vereiterung einer Drüse unter dem linken Obre.
Die obere Körperhälfte wurde ödematöe. Die weissen Blutkörperchen waren nicht ver-
mehrt, Leber und Milz nicht yergrössert. Die Drüsen waren weich, schmerzlos,
von Nuss- bis Orangen-Grösse.
Bei der Section zeigte sich die Trachea von vom durch ein Faquet Drüsen
comprimirt.
Arsenik ist nicht angewandt worden. Bänke (Halle).
P. Baumgarten. Zur Himarteriensyphilis.
(Archiv d. Heilkunde, 16. Jahrg. Hft. 5 n. 6. p. 45^—470.)
Verf. bestätigt im Wesentlichen die He ubn er' sehen Angaben, glaubt die letz-
teren aber dahin erweitern zu müssen, dass die Intimaerkrankung nicht das »pri-
märe« sei und die Wucherung der Adventitia erst »errege«.
Gegen diese Auslegung seiner Worte verwahrt sich Heubner (Ebendaselbst
p. 538): er habe die Frage, ob die Erkrankung von der Intima oder Adven-
titia ausgehe, durchaus offen gelassen, weil für ihre Entscheidung bis jetzt
sichere Anhaltspuncte noch nicht gegeben seien. B. habe ihn offenbar miss ver-
standen. A» Bidder (Mannheim).
B. W. Iliohardaon. A recovery by artificial respiration in a case of
diphtheritis croup.
(Med. tim. and. gaz. 1875. Jidi 17. p. 64.)
R. hat in der Med. tim. vom 2. August 1873 einen Fall veröffentlicht, wo
künstliche Bespiration vermittelst eiües doppelt wirkenden Blasebalgs 5mal die
natürliche Athmung wieder herstellte. Als weiteren Beleg für die Oüte der Me-
thode vnrd der in der Ueberschrift erwähnte Fall mitgetheilt. lV2Tage nach der
Tracheotomie wurde zunächst die innere verstopfte Kanüle entfernt, einige Stunden
später die äussere; der Fat. athmete kurze Zeit durch die Wunde, wurde dann
asphyctisch. Das elastische Endrohr des Blasebalgs wurde nun in die Wunde ge-
bracht, und stellte sich nach wenigen Minuten wieder spontane Respiration ein.
Genesung. Ranke (Halle).
672 Centralblatt für Ghimxgie. No. 42.
Taylor. Notes of a case of fiacture of cervical spine (Charin-Cross-
hospital) .
Der P«t., 33 Jalure alt, acquiriite die Fractur durch einen Stoas gegen einen
Balken, wodurch, der Kopf kräftig hinten über gebeugt wurde. Sensibilit&t von der
6. Bippe abwärts verloren, ebenso Motilit&t. Obere Extremitäten sind nach jeder,
nur mit Mühe auszufahrenden Bewegung geneigt, sich in Flexion su istellen. Bis
zum 4. Tage sich steigernde Hyperästhesie der oberhalb der gelähmten Parüeen
gelegenen ELörpertheile. Tod am 7. Tage nach leichten Convulaionen. Temperatur
nichts bemerkenswerthes. Der ungenaue Sectionsbericht giebt an, dass der 5. Cervi-
calwirbel eine Compressionsfractur, der 6. Wirbel einen Abbruch des proc. spin. zeigte.
Die Verbindung des 6. mit dem 7. Wirbel war gelockert, doch keine Verschiebung
vorhanden. Die Ligamente intact, ebenso die Rückenmarkshäute. Ausgedehnter
Bluterguss in die Substanz des Rückenmarkes entsprechend dem 5. und 6. Wirbel.
Bänke (Halle).
W. Wilkes. Case of imperforant anus.
(Med. tim. and gaz. 1875. Juli 24. p. 93.)
Am Tage nach der Geburt des starken Knaben constatirte W. an Stelle des
Anus eine nur V2 Zoll tiefe Grube. Am 3. Tage Entleerung von Meconium durch
den Penis. Tod am 10. Tage. Das Mesocolon der fiexura sigmoidea war sehr lang;
der Darm 'ging nach der rechten Seite hinüber, wo er zwischen Bauchdecken und Co-
cum in das Rectum überging. Die Mündung desselben, von der Stärke des Katheters
No. 3 befand sich in der portio membranacea der Harnröhre. Abbildung im Original.
Bänke (Halle).
Chouppot Troubles trophiques k la suite de l^sions traumatiques des
nerfs de la jambe.
(Social de Biologie. S^ance du 24. juillet 1875.)
Ein 24jähriger Mann erhielt durch einen Granatspliter eine schwere Verwun-
dung am äussern , obem Theil des linken Unterschenkels. Ein Theil der Fibula
wurde nekrotisch und erst nach 6 Monaten war die Wunde vollständig vernarbt.
Als Fat. wieder das Bett verliess, war das Gefühl im linken Unterschenkel etwas
vermindert, im übrigen zeigten sich während 2 Jahren keinerlei Störungen. Erst
nach dieser Zeit entstanden an der Plantarseite der 2 ersten Zehen sowie an dem
innem Fussrand ganz spontan mehrere tiefe Ulcerationen ohne alle Tendenz zur
Heilung. Eines dieser Geschwüre (an der grossen Zehe) besteht zur Zeit noch und
ausserdem haben sich noch folgende trophische Störungen des linken Unterschen-
kels hinzugesellt. Am obem Rand der ausgedehnten Narbe befindet sich eine
stark hyperästhetische Stelle von der Grösse eines 2 Frankstückes. Die leisesten
Berührungen derselben verursachen dem Kranken sehr lebhafte Schmerzen. Unter-
halb der Narbe bestehen in der Haut einige nach den Zehen hin strahlenförmig
verlaufende Partieen, die auf Druck unempfindlich, aber der Sitz lebhafter spontaner
Schmerzen sind. Die erste Zehe ist vollständig, die 2. und 3. Zehe, sowie ein
Theil der planta pedis theilweise anästhetisch. Die Haare des erkrankten Unter-
schenkels sind stark hypertrophirt. Die Schweisssecretion bedeutend vermehrt.
Sehr merkwürdig ist femer der Widerstand der leidenden Extremität gegen Tem-
peraturunterschiede. Bei einer Temperatur, die die Haut des gesunden Beines auf
10 — 12* abkühlt,, zeigt der linke Unterschenkel mindestens noch eine Temperatur
von 28 — 30*. Die Muskulatur des linken Beines, namentlich der vastus int. sind
atrophischer wie rechts, jedenfalls in Folge der langen Inactivität.
Die Behandlung blieb bisher, abgesehen von vorübergehenden Besserungen,
erfolglos. •— 0. Yolkmann (Kettwig).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrüoke wolle
man an Dr. H. TUknanna, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlung,
Breiikopr und HarUi^ einsenden.
Drnek und Verlag tob Breit köpf und HIrtel In Leipzig.
Gentralblatt
mr
CHIRURGIE
herausgegeben
Br. L. Lfiser, Dr. H. ScMe, Dr. H. TlUmais
in Berlin. in Berlin. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Prä-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Poitanstalten.
NE; 43. Sonnabend^ den 33. October. 1875«
Imhalt: EllaschtwitSCh, Darmsaiten und andere Fädeq für die Knopfuaht. — Miri-
noffy Veränderungen der Darmsaitenligaturen. — KOster, Pathologie des Hitzschlages. —
BaMenberg, Quantitative Schweissanomalieen. — Jacobson , Centrale Ueberhiutung bei
carcinomatSsen Geschwuren. » HoHf, Struetur des Tonsülengevebes. — Rajowsky, Re-
sorption am menschlichen Zwerchfell. — Weichsel baum, Gbylangioma cavemosum. ^ Frouildy
Carcinom im weiblichen Becken. — Tlzzoni, Gaule, Hoden tuberkulöse. — Kalscheuofi
Hydrophthalmns. — Hirschmann, Behandlung des Trachoms. — Hardio, Neue Methode
der Rhinoplastlk. — Ädams, Neues Verfahren, eingezogene Narben zu behandeln. —
Szeparowicz, Gasulstlk der Tracheotomie. — BrunS, Mal perforant du pied. — Lane,
Behandlung der Haemorrholdalknoten. —
DIx, Aneurysmen durch Compression gehellt. — Stolz, Transfusion. — Rtoroll-Macken-
zlo, Parenchymatöse Injectionen .bei vergr&sserten Dr&sen. — Nleden, Unterbindung der
Carotis communis. — AdamS, Traumatisches Emphysem. — BuSSard, Vomeuil, Leber-
cysten. — BIrniMlum, Catgutnaht des Uterus beim Kaiserschnitt. — GOnsburg, Ver-
leteungen der Vagina. — Tbadon, Blasenstein. — Stvkowonkoff, Stein der Urethra.
^ » ■ _
E. Eliaschewitsch. Darmsaiten und andere Fäden för die
Knopfiiaht. ^
(Milit&r-med. Journal 1875. Juni, russisch.)
Verf. dieser experimentellen Arbeit wirft folgende Fragen auf:
Welchen Einfluss haben die Beschaffenheit und die Dicke der Fäden
auf die Beaction in den Stichcanalen, ferner auf das Durchschneiden
der Wundränder und dann auf das Zustandekommen der prima in-
tentio? Schliesslich erörtert Verf. das Schicksal der Darmsaiten im Thier-
körper. Aus der vorausgeschickten genauen historischen Uebersicht
des verschiedenen Nahtmaterials ergiebt sich, dass Darmsaiten schon
900 vor Chr. gebraucht wurden, dann aber der Vergessenheit an-
heimfielen, bis sie erst Anfangs dieses Jahrhunderts wieder in Frank-
reich und England in Gebrauch kamen (A. Cooper, Porta); endlich
wurden sie in unserer Zeit in Form von carbolized catgut durch Lis-
ter von Neuem eingeführt.
43
674 Centralblatt für Chirurgie. No. 43.
Nach Rasirung des Rückens bei Hunden wurden verschiedene
Nahtmaterialien durch eine Hautfalte durchgeführt und in leichtt
Schlingen zusammengebunden. Die geringste Reizung in den Stich-
canälen rufen die glattesten, gleichmässigsten, mittelmässig resistenten,
nickt hygroskopischen Fäden hervor. Die verschiedenen Fäden stel-
len betreffs Entzündung und Eiterung folgende abnehmende Intensi-
tätsscala dar: Baumwolle, Lein, Seide, Metall, fil de Florence, See-
gras, carbolisirtes Catgut. Es giebt kein Material, zu dem sich die
Gewebe passiv verhielten. Metalldrähte aus verschiedenem Material,
aber von gleicher Dicke zeigen keine Differenz in der Reaction; der
Silberdraht hat keine Vorzüge vor dem Eisen- und Kupferdraht. Ge-
wichste Seide ist gewöhnlicher Seide vorzuziehen. Darmsaiten ent-
sprechen allen Anforderungen am besten; sie werden leicht am 4. — 8.
Tage entfernt. Nicht carbolisirte Saiten reizen weniger, erweichen
und schwellen aber leichter, wodurch ihre Festigkeit leidet.
Verf. vereinigte in einer ferneren Eteihe von Experimenten ab-
sichtlich angelegte Wunden mit allen den bezeichneten Materialien
und überwachte die Heilung mit möglichster Abhaltung von Schäd-
lichkeiten. Es wurden lineare Spaltwunden, dann 1 Ctm. breite und
schliesslich tiefe Wunden, in welche fil de Florence und Catgut eingelegt
waren, durch die Naht geschlossen. Bot die Wunde an und für sich
genügende Bedingungen für prima intentio , blieb aber klaffend , so
heilte sie unbedingt langsamer, als mit der Naht. Unter dieser Vor-
aussetzung behindern die Nähte die prima intentio nie, da die Reac-
tion gegen dieselben sich auf die nächste Umgebung beschränkt. Die
Anwesenheit von fil de Florence oder catgut in tiefen Wunden be-
hindert die prima intentio nicht.
Das Durchschneiden der Fäden hängt nun einerseits von der
Spannung der Wundränder, andererseits vom Grade des Anziehens
der Naht und vom Zustande der von derselben umfistssten Theile ab.
Die Eigenschaften der Nähte, von denen die Intensität der Entzündung
in den Stichcanälen abhängt, haben natürlich auch einen grossen
Einfluss auf das Durchschneiden. Darmsaiten, welche am wenigsten
reizen, schneiden ant schwächsten ein, selbst bei starker Spannung
der Ränder.
Das Schicksal der Catgut schlinge ist Gegenstand einer
besonderen Versuchsreihe. Es wurden zu diesem Zwecke Darmsaiten
um Arterien (Carotis, Femoralis) und Uterushömer von Hündinnen
angelegt. In Müller' scher Flüssigkeit erhärtete, in 90^ Spiritus
aufbewahrte Hautstücke mit Nähten wurden mit Pikrocarmin gefärbt
und gleichfalls in verschiedenen Zeitintervallen (5 — 25 Tage nach
Anlegung der Naht) untersucht.
Sobald die Granulationen in den Stichcanälen mit den Darm-
saiten in Berührung kommen, beginnt in der ganzen Peripherie der
Fäden eine Abfaserung. Mit dieser Abfaserung und der gleichzeitigen
Verdünnung der Fäden zerfallen die Fibrillen in grössere oder klei-
nere Partikel — zuletzt — zu kömigem Detritus. Die Schnelligkeit
r
Centralblatt für Cliirui^e. No. 43. 675
dieses Processes hängt von dem grösseren oder geringeren Safitgehalt
der lebenden Gewebe, dem Grade ihrer Reaction und yon der Art der
Zubereitung der Darmsaiten ab. Feine nach Li st er zubereitete car-
bolisirte Saiten werden in 5«— 6 Tagen bis zum Maximum verdünnt. An
Gefassen fängt ihr Zerfall vom 5. Tage an; ebenso an den Gebär-
mutterhörnem. Bei Hunden , welche einen Monat nach Anlegung
der Ligatur getödtet wurden, war kein Rest der Ligatur zu bemerken.
W. Gmbe (Charkow).
D* MnrinofF. lieber Veränderungen der Darmsaitenligaturen.
Inaug.-Diss. Petersburg. iS75 (russisch.).
Verf. studirte an Hunden und Kaninchen die makro- und mi-
kroskopischen Veränderungen verschieden starker und verschieden
zubereiteter Darmsaiten nach Gefössligaturen und Unterbindung der
Uterushömer (carbolized catgut, einfache und Chloraldarmsaiten) .
Makroskopisch zeigten alle Daimsaiten nach 2 — 3 Tagen nur
Imbibition^ nach 7 Tagen — starke Anschwellung, Weichheit; über
ihnen hatte sich eine feine durchsichtige Bindegewebsmembran gebil-
det; die Knotenenden waren mit der Umgebung verklebt. Dün-
nere Saiten wurden rascher resorbirt: sie verschwanden in 10 Tagen,
No. 3 von Lister' 8 Catgut — in 20—30 Tagen. Die Knotenreste
der ersteren erhielten sich bis 25 Tage, der letzteren — bis 70 Tage.
Mikroskopisch zeigten sowohl einfache Saiten als Catgut in den
ersten Tagen Zerfaserung, später — alhnäliges Schwinden der Fasern
zwischen den Granulationen.
Dicf Zubereitung der Ligaturfäden soll ohne Einfluss 'sein auf die
Schnelligkeit der Resorption. Carbolisirtes Catgut reizt die Umgebung
schwach, noch weniger irritiren Chloralsaiten, einfache Darmsaiten —
gar nicht. Nach Unterbindung der Uterushörner ging keines der
Thiere zu Grunde. — Gefässunterbindungen wurden 110 gemacht an
17 Kaninchen imd 13 Hunden. Um den Einfluss auf Nachblutungen
zu erörtern, durchschnitt Verf. jedem Thiere gleichzeitig Carotis, Fe-
moralis und Brachialis, und unterband beide Enden des durchschnit-
tenen Gefasses. List er 's carbolisirtes Catgut gab 10^ Nachblutun-
gen, Chloralsaiten 25)^, einfache Darmsaiten 87^. Unter 48 Cat-
gutligaturen 37Mal prima intentio, unter 34 Ligaturen mit Chloral-
saiten 28Mal, unter 28 Ligaturen mit einfachen Darmsaiten 8Mal.
Die Resorption der Gefässligaturen scheint langsamer zu erfolgen.
W. Grnbe (Charkow).
E. Eöster. Zur Pathologie des Hitzschlages.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 34.)
Verf. theilt das Sectionsresultat eines an Hitzschlag gestorbenen
Soldaten mit. Im Wesentlichen eigab sich Hämorrhagie in das
Ganglion supremum dextr. des Sympathicus land Anschwellung des Un-
43»
676 Centralblatt für Chirurgie. No. 43.
ken bis auf doppelte Grösse (Auseinanderdiängung und Zertrümmerung
der Nervenfasern] y kleinere Hämorrhagieen im unteren y grössere im
oberen Theile des Sympathicus ; kleinere Blutergüsse in und um beide
Vagi mit Anschwellung der betreffenden Stellen und in die Scheiden
beider Phrenici ; hämorrhagische Flecke in der Gefassscheide der Ca-
rotiden; leichte Hyperämie des Gehirns^ kleine Ecchymosen unter das
Ependym des linken Ventrikels; Lungen in Inspirationsstellung^ hä-
morrhagische Infiltration des rechten unteren Lappens; Ecchymosen
unter dem Peri- und Endocard des linken Ventrikels. — In einem ande-
ren Falle ^ in welchem Hitzschlag nicht vorlagt sondern wo der Tod
bei einer gehetzten^ vor Verfolgern fliehenden Frau plötzlich eintrat
[»Hetzschlag«), zeigten sich Hyperämieen^ hämorrhagische Infiltrate
und Ecchymosen an ähnlichen Stellen. K. will durch Mittheilung
dieser Fälle zur genaueren Berücksichtigung des vasomotorischen
imd des respiratorischen Nervensystems bei Sectionen solcher Personen
anregen^ die an Hitzschlag, resp. an »Hetzschlag« verstorben sind. —
T« Mosengell (Bonn}.
F, Buddenberg. lieber quantitative SchweissanomaÜeen.
Inaug.-Diss. Bonn. 1875.
Auf Grund einiger mitgetheilter Beobachtungen werden sowohl
totale als partielle Anhidrosis als stets auf Lähmung beruhend^ hin-
gestellt. Wie es scheint^ Anhänger der Secretionstheorie Pflüger's,
sagt B. geradezu^ dass da^ wo Anhidrosis in einem gelähmten Bezirk
vermisst werde, nicht die ganze Nervenfaserung ihre Function einge-
biisst habe. Es wird ein Fall citirt, in welchem bei Parese det unteren
Extremität profuser Schweiss an den nicht gelähmten Partieen ein-
trat. — Bei der Zittmann-Cur eines hemiplegischen Syphiliticus
schwitzte nur die nicht gelähmte Seite etc. — Bei Besprechung der
Hyperhydrose deutet Verf. auf das Fehlerhafte der Hypothese hin»
welche den Schweiss als physikalisches Filtrat, als nur abhängig vom
Gefässsy Stern darstellt. Der Ausbruch allgemeinen Schweisses in
der Fieberkrisis bedeute nichts Anderes, als eine veränderte Thätig-
keitsäusserung des Nervensystems, »eine Rückkehr zur normalen
Function, welche so lange damiederlag, als die fiebererregende Potenz
gegen das Nervensystem vorging«. —
Claude Bernard's Experiment, Hemidiaphorese nach Durch-
schneidung des Halssympathicus an Kopf und Hals derselben Seite zu
erhalten, deutet B. in der Art, dass der Sympathicus so gut wie Ge-
fdssnerven auch Drüsennerven enthalte, welche (wie für Glandula
submax.) Hemmungsnerven sind. »Den Sympathicus durchschneiden
heisst das Hindemiss wegnehmen; die secretorischen Nerven erhalten
das Uebergewichta. Obductionsbefunde, welche nach im Leben beobach-
teter Hyperhidrosis unilateralis pathologisches Verhalten des Sympathi-
cus zeigten, folgen. Beziehungen zum morbus Basedow ii werden auf
anatomischer Basis aufgestellt und schliesslich Beweisfälle dafür gebracht.
Gentralblatt för Chiruxgie. No. 43. 677
dass gewisse Beize (z. B. scharf gewürzte Speisen) » wie auch besondere
Irritabilität der die Secretion anregenden Nerven übermässige Leis-
tungen veranlassen können. t* Mosengeil (Bonn).
A. Jacobson. Ueber das Vorkommen centraler Ueberhäu-
tung in carcinomatösen Geschwüren.
Vortrag, gehalten in der Berl. med. Geaellsch. 1875. 17. Mftrs.
(Beri.^klin. Wochenschrift 1875. No. 27.)
Entgegen der von einzelnen Klinikern aufgestellten^ diagnostisch
wichtigen Behauptung^ dass lupöse Geschwüre benarben, carcinöse
nicht, führt Verf. einen Carcinomfall an, in welchem centrale, insel-
förmige Ueberhäutung vorgekommen. Makroskopisch und klinisch
wurde die Sache für ein ulcus chronicum gehalten, bis die mikrosko-
pische Analyse den carciuösen Charakter nachwies. —
Die Entstehung der centralen Narbe erklärt Verf. dadurch, dass
der krebsige Heerd, der bei seinem Wachsen allmälig die Oberfläche
erreichte, der Ausgangspunct für die centrale Ueberhäutung gewesen sei.
Auf Grund constatirter Thatsachen stellt J. schliesslich den Satz
auf, »dass das Vorkommen centraler Narben mit Epidermoidal-Ueber*
zug an Stellen, wo die Haut mit ihren epithelialen Adnexen schon
längst zu Grunde gegangen ist, mit ziemlicher Sicherheit uns zur
Diagnose einer exulcerirenden epithelialen Neubildung hinweist«.
y. Mosengeil (Bonn).
G. Horff. Ueber die anatomische und pathologische Struc-
ttir des Tonsillengewebes.
• Inaug.-Diss. Bonn. 1875.
Indem H. mit den historischen Notizen beginnt, dass Kölliker
1850 den Normalbau der Tonsillen richtig erkannt, Sachs und Bei-
chert noch 1859 dieselben für acinöse, Böttcher gar für patholo-
gische Gebilde angesehen, Billroth, Huxley, He nie und Schmidt
aber Kölliker zugestimmt haben, schildert er kurz die histologischen
Verhältnisse, wobei eigene Beobachtungen und Deutungen vorkommen.
Besonders hervorzuheben ist der unmittelbare Zusammenhang des folli-
culären wie interfoUicuIären Gewebes mit den Lymphgefassen, wie aus
den unter Prof. Kost er 's Leitung gefertigten Präparaten des Verf.
hervorgeht. In den Tonsillen findet sich ein erweitertes Binde-
gewebfr-Saftcanälchensystem und sie sind ein Haufen von Follikeln
oder von Lymphdrüsen in einfachster Form.
Die pathologischen Verhältnisse trennt Verf. je nachdem sie die
oberflächliche Schicht der Schleimhaut oder das eigentliche Tonsillen-
gewebe betreffen. Danach ergeben sich 1) Oberflächlicher
Tonsillenkatarrh, dessen Fundament Hyperämie ist, und welcher
leicht in 2) lacunärenTonsillencatarrhübexgeht. Hierbei entste-
678 Centralblatt für Cbirurgie. No. 43.
lien die nach ihrer Zersetzung oft so widerlich riechendien^ hervorstehen-
den weissen Pfropfe dadurch ^ dass die im acuten Stadium, durch
Epithel- und Detritusmassen ausgefüllten Lacunen bei Abnahme der
Schwellung diese Massen nicht mehr beherbergen können. — 3) C r o u -
pöse und 4) diphtheritische Tonsillitis. Bei jener eine* auf
die Schleimhaut aufgelagerte Membran^ aus einem zelligen Netzwerk
bestehend; bei dieser^ wenn es zur Bildung einer Membran kommt^
besteht die Membran aus der necrotisiienden Mucosa. 5) Acute
Tonsillitis^ a) folliculäre Form^ oft übergehend in b) diffuse
lymphatische Tonsillitis, wobei das ganze cytogene und übrige
Bindegewebe dicht von Lymphzellen infiltrirt ist. Ebenso sind die
Follikel dicht mit lymphoiden Zellen gefüllt. Confluiren dieselben
im Centrum des Follikels, so ist der Beginn der multiplen Abscesse
bei dieser Form gegeben. 6) Chronische Form, a) chronische
folliculäre Tonsillitis b) Interstitielle zellige Tonsillitis
(besonders in der Jugend häufige Tonsillen stark veigrössert, von geringer
Consistenz; Follikel stark vergrössert mit Erhaltung des Reticulum;
lymphoide Infiltration im cytogenen Gewebe; Crypten unverändert).
c) Interstitielle indurative Tonsillitis, meist mit dem Sta-
dium der Hypertrophie auftretend und in das der Schrumpfung über-
gehend (Analogieen bei Lebercirrhose und interstitieller Nephritis zu
finden) . Als Curiosa werden die dabei zuweilen gefundeneu CoUoid-
cysten, Tonsillensteine, hyaline Knorpel- und Knochengewebspartieen
erwähnt, d) Senile Atrophie; nach Krankheiten und bei Marasmus.
7) Neoplasmata, werden nur andeutungsweise erwähnt.
T. Mosengeil (Bonn).
A. Rajewsky, Ueber Resorption am menschlichen Zwerch-
fell bei verschiedenen Zuständen.
(Virch. Archiv Bd. LXIV. p. 186.)
Verf. suchte die Aufsaugungsfähigkeit des menschlichen Zwerch-
fells im normalen Zustand «u bestimmen und zugleich den Unter*
schied zwischen dem normalen und pathologisch-yeränderten Zustand
nachzuweisen. Er resumirt die Resultate seiner Untersuchungen folgen-
dermassen. Das normale menschliche Diaphragma hat die Fähigkeit,
Flüssigkeiten und darin suspendirte Partikelchen au&usaugen, wie
y. Recklinghausen vom Kaninchenzwerchfell gezeigt hat. Das
menschliche Zwerchfell erlangt, wenn es durch entzündliche Processe
verändert ist, eine grössere Fähigkeit, Flüssigkeiten, die mit ihm in
Berührung kommen, seine Bahnen passiren zu lassen. An solchen ent-
zündeten Diaphragmen erhält man unter dem minimalsten Drucke eine
Injection des Saftcanalsystems, welche als die natürlichste zu betrach-
ten ist. So hergestellte Präparate beweisen, dass die Saftcanälchen mit
den Lymphcapillaren in Verbindung stehen, dass sie femer nicht belie-
bige Räume oder Spalten sind, sondern besondre Canälchen, die im
lockeren Bindegewebe eingegraben sind. Entfernung des Endothel der
Centaralblatt für Chirurgie. No. 43. 679
Serosa auf natürlichem oder künstlichem Wege eröänet neue Bahnen
für den Durchgang der Flüssigkeiten , nämlich die Saftcanälchen,
welche an der freien Oberfläche der Serosa beginnen. — Die Unter-
suchungen wurden im v. Recklinghausen' sehen Institute ange-
stellt. Madelung (Bonn).
A. Weichselbaiim. Eine seltene Geschwulstform des Me-
senterium (Chylangioma cavemosum).
(Vi ich. Archiv Bd. LXIV. p. 145.)
Bei einem 80jährigen Mann fand sich zwischen den Blättern des
fettieichen Gekröses des oberen Ileum eine handtellergrosse Geschwulst.
Beim Einschneiden floss, wie aus den Poren eines Schwammes^
Flüssigkeit, die sich nach mikroskopischer und chemischer Unter-
suchung als Chylus erwies. — Die Hohlräume der Geschwulst ent-
sprachen ihrer Form nach derjenigen der cavemösen Blutgeschwülste,
zeigten dieselbe Structur, das gleiche Endothel. Die Füllung mit
Chylus beweist, dass sie entweder aus Chylusgefässen hervorgegangen
oder doch mit ihnen in Communication getreten waren. Die Ge-
schwulst war wahrscheinlich Anfangs ein Lipom, denn die Peripherie
bestand grösstentheils noch aus Lipomgewebe. In ihm entwickelte sich
das cavernöse Gewebe. Einzelne Partieen der Peripherie waren ge-
eignet, die Entstehungsweise aufzuklären. Längs den Bindegewebs-
zügen traten Rundzellen auf, breiteten sich an Zahl zunehmend auf
Kosten des umliegenden Fettgewebes aus. Da, wo diese Zellen
grössere, rundliche, den Lymphfollikeln ähnliche Gruppen bilden,
waren Hohlräume vorhanden von characteristischer Form und zackiger
Begrenzung, wie sie Kölliker von den Lymphcapillaren im Schwanz
von Batrachierlarven beschrieben. — Diese Chyluscapillaren dehnen
sich weiterhin zu den eigentlich cavemösen Bäumen aus. Verf. giebt
eine Zusammenstellung und Kritik theils der so seltenen Litteratur-
berichte über cavernöse Lymphangiome, theils die verschiedenen An-
sichten der Autoren über die Entstehungsweise der cavemösen Tu-
moren überhaupt. Madelung (Bonn).
W. A. Freund. Ueber Ausgangspuncte und Verbreitungs-
wege des Carcinoms im w^eiblichen Becken.
(Virch. Archiv Bd. LXIV. p. 1.)
In Fällen ausgedehnter carcinomatöser Erkrankung der Becken-
organe bei Weibern ist der Nachweis des Ausgangspunctes der Neu-
bildung schwierig und oft unmöglich. Die ersten Stadien des Leidens
verlaufen fast symptomlos und die Zeit der noch möglichen Con-
statimng des Ausgangspunctes der Neubildung geht ungenützt vor-
über. Man nimmt in solchen Fällen meist die Prädilectionsstelle des
Krebses im weiblichen Becken^ den Uterus als Ausgangspunct des
680 CentralblaU für Chiruigie. No.-43.
Carcinoma an. Fr. vermochte in 7 Fällen theils während des Lebens,
theils auf dem Sectionstisch andere Organe als primär erkrankt nach-
zuweisen (Mastdarm, Blase , Vagina) und in einzelnen Fällen die
weitere Entwickelung und Fortsetzung von diesen bis zur Serosa des
Uterus oder in ihn selbst zu constatiren. Bei der Seltenheit der bis-
her bekannt jgewordenen Fälle von fortgesetztem Gebärmutterkrebs
sind solche Mittheilungen bemerkenswerth. Die Fälle geben aber
zugleich einen guten Beweis für die Richtigkeit unserer Anschauungen
über den bestimmenden Einfluss traumatischer Insulte auf die Ent-
wickelung primärer Krebserkrankung; den viel£Eichen Insulten , wel-
chen unter gewöhnlichen Umständen der Scheidentheil der Gebär-
mutter ausgesetzt ist, entspricht das häufige primär krebsige Erkranken
dieser Stelle. — Fr. fand keinen Fall von primärem Uteruscardnom
bei constatirtem Schutz dieses Oigans vor mechanischen Insulten.
Vielmehr blieb die Gebärmutter in einer. Reihe von Fällen kreosiger
Erkrankung in ihrer Umgebung, welche notorisch vielfachen mecha-
nischen Insulten unterworfen ist, eine Zeitlang vor gleicher Erkran-
kung gleichsam geschützt und wurde erst spät durch Ausbreitung der
Neubildung auf Umw^en ergriffen. Madelnng (Bonn).
G. Tizzoni und J. Oaule. Ein Beitrag zur Lehre von der
Hodentuberkulose.
(Vir eh. Archiv Bd. LXln. p. 386.)
Die Untersuchung des Hodens eines 30jährigen Individuums^ das
an chronischer Tuberkulose gestorben war, gab den Vcrff. Gelegenheit
das Vorkommen von wahrer Miliartuberkulose des Hodens zu consta-
tiren. Der Befund ist von Wichtigkeit, da die seither in der Litte-
ratur berichteten Fälle nur Knaben oder Individuen mit acuter
Miliartuberkulose betrafen. Die Tuberkel waren spärlich im Gebiet
der gewundenen Samencanälchen, am reichlichsten in der Epididymis.
Eigentliche käsige Metamorphose war in ihnen noch nicht eingetreten.
Derselbe Hoden zeigte aber eine von älteren Forschem öfters,
wenn auch ungenau, beschriebene, von Virchow geleugnete Affec-
tion, eine intratubuläre, käsige Orchitis. Während im Gebiet der
gewundenen Samencanälchen, wie in dem der geraden nur der Be-
ginn einer Veränderung des Epithels bestand, traten im rete testis
und epididymis hauptsächlich drei Stadien der Erkrankung hervor,
1) Wucherung, 2) Zerstörung des Epithels nebst Auftreten von Rund-
zellen und eigenthümlichen riesenzellenähnlichen Klumpen in dem
Lumen, 3) Bildung von käsigen Producten. Ob zwischen der käsigen
Orchitis und der Miliartuberkulose ein Zusammenhang bestand, Hess
sich an der Hand des einzelnen Falles nicht entscheiden.
Madelvng (Bonn).
Centralblatt für Chirurgie. No. 43. 681
J. Kalsoheuer. Ueber die verschiedenen Formen des Hy-
drophthalmus.
Inaug.-Diss. Bonn 1875.
Nach einleitenden Bemerkungen beschreibt Verf. je einen Fall
von congenitalem und traumatischem Hydrophthalmus und weist
nach^ dass die Vorgänge und Veränderungen in beiden Arten von
Fällen ihrem Wesen nach sich dui'chaus nicht unterscheiden ^ mit
Ausnahme derjenigen Veränderungen, welche durch das Trauma
direct veranlasst werden, als Narbenbildung etc. — Es folgen makro-
und mikroskopische XJntersuchungsresultate des enucleirten, nach
Trauma entstandenen hydrophthalmischen Bulbus. Für beide Arten
giebt Verf. als kurze Charakteristica an : trübe comea globosa, erhöhte
Bulbusresistenz, grosse Ausdehnung und Verdünnung des Scleralsau-
mes, Druckexcavation der Papille, Irisatrophie und Glaskörperver-
flüssigung.
Enucleation empfiehlt K. nur, wenn sympathische AfEection des
anderen Auges befurchtet wird oder durch die grosse Ausdehnung des
Bulbus Lidschlag und Lidschluss behindert siild. —
T. Mosenireil (Bonn).
L. Hirsohmann. Behandlung des Trachoms.
(Sitzungsberichte der med. Gesellschaft zu Charkow. 1S75. No. 5. p. 78.)
Verf. wandte die von Sameiso hn empfohlene Behandlung
hartnäckiger Trachomformen mittelst Galvanokaustik in 150 Fällen
mit günstigem Erfolge an. Fälle, welche jahrelanger Behandlung
getrotzt hatten, wurden in 2 — 2^2 Monaten vollkommen geheilt. Die
Zahl der Cauterisationen schwankte zwischen 1 und 15; jedesmal
wurden 1 — 8 wirkliche trachomatöse Kömer cauterisirt. Entzündliche
Comealcomplice^fionen waren kein Hindemiss. Der Schmerz war ge-
ringe die Reaction nie auffallend, zuweilen nur 3 — 12 Stunden
ein leichter, vorübei^ehender Beizzustand der Conjunctiva vorhanden ;
nie Narben. Becidive selten, und in diesem Falle bessere Resultate
durch die früheren Mittel. Wiederholung der Cauterisationen nach
4 — 7 — 10 Tagen. Alle Patienten ambulatorisch behandelt.
Bestreuung der Lider mit Chin. muriaticum in Pulverform
und energische Einreibung desselben vermittelst eines Fingers in die
Conjunctiva durch Y4 — Y2 Minute, darauf Abspülung des Restes, er-
gab gleichfalls auffallend gute Resultate; nur traten bei dieser Me-
thode zuweilen heftige Blutung, immer ziemlich heftige Schmerzen,
oft für mehrere Stunden ein, wogegen kalte Compressen mit Vortheil
angewandt wurden. Diese Behandlung erwies sich besonders erfolg-
reich in veralteten Fällen mit grossen gallertigen Kömern oder
gleichmässiger Infiltration der narbigen Conjunctiva, mit gleichzeitigem
Pannus, oft schon nach 1—2 Einreibungen, jedesmal mit rascher Er-
leichterung. In frischen Fällen keine Besserung. Wiederholung der
Einreibung alle 2—4 Tage. W.Örube (Charkow). •
682 Centralblatt für Chirurgie. No. 43.
J. Hardie. Neue Methode der Rhinoplaatik.
[British med. Associat. — British med. Journal 1875. Vol. II. p. 260.)
Bei einem 1 6jährigen Mädchen^ welche mit Ausnahme von kleiuen.
Resten beider Nasenflügel die ganze Nase verloren hatte, half sich
H.9 um die neue Nase genügend zu stützen und prominent zu ma-
chen^ nachdem er seinen ersten Plan^ beide proc. nas. des Oberkiefers
abzulösen und als Stütze zu verwerthen^ aufgegeben hatte ^ auf fol-
gende Weise: er verpflanzte das letzte Glied des 4. Fingers an die Nase,
indem er in der Volarseite derselben in der Mittellinie die Weich-
theile durchtrennte , dann dieselben, unter Hinzufügung eines trans-
versalen Schnitts an der Basis der. Phalanx nach beiden Seiten ab-
löste und diese frischen Wundränder an die angefrischten Ränder
der Nasenöffnung annähte; Hand und Arm wurden genügend befes-
tigt. Auf der einen Seite erfolgte die Vereinigung durch Granula-
tionsbildungy auf der anderen per primam ; nach 3 Monaten wurde die
Phalanx abgetrennt. In weiteren Nach Operationen vereinigte man
die Reste der Nasenflügel und der Scheidewand mit dem Fingergliede
und entfernte den Nagel. Obwohl ein genügender permanenter Na-
senersatz geschaffen war, so wich derselbe schon in den nächsten
Wochen so nach der Nasenhöhle hinein, dass eine Ueberdeckung
mit Haut nothwendig wurde. Das Mädchen soll ohne besondere (?)
Beschwerden dieses Alles ertragen haben. Doch meint H., dass in
geeigneten ähnlichen Fällen mehr als eine Phalanx zu benutzen sei. —
Pilz (Stettin).
W. Adams. Neues Verfahren, eingezogene Narben zu beheben.
(British med. Associat. — British med. Journal 1875. Vol. II. p. 260.)
Die nach Drüseneiterungen und Knochenexfoliation entstandenen
vertieften Narben räth A. auf folgende Weise zu behandeln. Ein
Tenotom wird am Rande der Narbe eingestochen und nun dieselbe
in ihrem ganzen Umfange vom Untergrunde abgelöst, die beweglich
gemachte Narbendecke hervorgedrückt und in dieser Lage erhalten
durch 2 feine Hasenscharten- Nadeln, welche vom Rande aus unter
ihr in rechten Winkeln sich kreuzend hindurchgelegt werden; nach
3 Tagen werden dieselben entfernt. In 3 Fällen erreichte A. den
gewünschten Erfolg, die Narbe war au niveau der Haut und soll all-
mälig auch das Aussehen derselben angenommen haben.
Pll2 (Stettin).
J. Szeparowicz. Beiträge zur Casuistik der Tracheotomie. —
(Przegl^d lekarski 1875. No. 21—26, polnisch.)
1] Tracheotomia super, bei einem 5jähr. Mädchen am4. Tage der
Laryngitis Croup, mit gutem Erfolge — Kanüle verblieb 7 Monate.
Centralblatt ftr Chinugie. No. 43. 683
2) Ungünstiger Ausgang bei einem Själmgen Knaben^ wo die
Tracheotomie am 5. Tage der Pharyngo-Laryngitis diphtheritica aus-
geführt wurde. Tod am 3. Tage nach der Operation.
3) Diphtherie bei einem 4jährigen Patienten; am 4. Krankheits-
tage Operation; nach 4 Tagen Tod. —
4) Laryngitis crouposa descendens bei einem 5jährigen Knaben;
Tracheotomie am 7. Krankheitstage mit gutem Erfolge — Kanüle
blieb 13 Tage liegen« —
5) Chorditis vocalis inf. hypertrophica bei einem 22jährigen
Manne — Tracheotomia superior — Heilung mit Permanenz der
Kanüle. — Syphilis konnte als Ursache nicht nachgewiesen werden;
dieser Fall gleicht dem yon Burow (Archiv f. klin. Chir. Hd. XVIII.
Hft. 2) beschriebenen, so wie denen von Gerhardt und Türck. —
6) 19jähriges Mädchen mit Perichondritis arytenoidea und thyre-
oidea (syphilitica}; Tracheotomie mit gutem Erfolge.
7) Cicatrices laryngis post ulcera syphilitica; Tracheotomie mit
gutem Erfolge.
S] Schnittwunde des Larynx beim Selbstmordversuch — Tracheo-
tomie — später Tod infolge von Pneumonie. —
9) Carcinoma epitheliale laryngis — Tracheotomie mit Permanenz
der Kanüle.
10} S. wurde zu einem im höchsten Grade Dyspnoetischen gerufen,
kam aber zu spät, nämlich in dem Augenblicke^ als der Pat. das
letzte Exspirium machte; dennoch schritt er zur Tracheotomie. Nach
28tündigem, vermeintlich nutzlos unterhaltenem künstlichen Athmen,
wurde der Pharynx mit einem Federkiel gereizt, worauf Reflexe er^
folgten; weitere energische durch 2 Stunden fortgesetzte Belebungs-
versuche wurden mit Erfolg gekrönt. —
11} Perichondritis tuberculosa laryngis; Tracheotomie; Tod am
16. Tage nach der Operation infolge tuberculöser Lungeninfiltration.
12} Ein 2jährige8 Mädchen erkrankt zusammen mit ihrem klei-
nen, etwas älteren Bruder: das erste zeigte nur einfache Mandelent-
zündung, die ein paar Tage dauerte, der zweite fiberte stark, es stell-
ten sich Convulsionen ein, zuletzt bemerkte man im Pharynx Diphtherie,
die nach Höllensteinbepinselungen in ein paar Tagen wich. Durch drei
Wochen Euphorie bei beiden ; nach dieser Zeit tritt bei beiden zugleich
Croup ein (keine Zeichen im Pharynx, dagegen Aushusten von
Membranen}; das Mädchen wird beinahe in Agone tracheotomirt. —
Tod am 2. Tage. Dem älteren Bruder wurden, da er nicht so grosse
Dyspnoe aufwies, Inhalationen mit acid. lacticum applicirt, die sich in
ihren Folgen als vortre£Elich erwiesen. —
S. erklärt sich gegen die Narkose während der Tracheotomie und
plaidirt für das von Böse beschriebene Operationsverfahren. —
Obwohl S. Inhalationen von Milchsäure für ein sehr schätzbares
Mittel bei Croup hält, so betrachtet er doch die Tracheotomie als eine
der erfolgreichsten Behandlungsmethoden desselben, die nicht nur me-
chanisch (gegen Dyspnoe) wirkt, sondern auch durch Erleichterung des
684 Centralblatt für Chirurgie. No. 43.
Athmungsprocesses und durch Beseitigung der dadurch bedingten ve-
nösen Hyperämie des Larynx auf den Krankbeitsprocess selbst grossen
Einfiuss hat. Darum räth S. Tracheotomie bei Croup in frühen
Krankheitsstadien vorzunehmen; nicht so bei Diphthme. Hier solle
man abwarten^ bis alle anderen Mittel im Stiche gelassen haben und
soll deshalb die Tracheotomie in solchen Fällen als ultimum remedium
bei drohender SuflFocation angewandt werden. — Was des Verf. An-
sicht über das Verhältniss der beiden Krankheitsformen zu einander
anbelangt^ so stimmt er mit 0er tel darin überein^ dass Croup und
Diphtherie besondere Krankheitsformen seien , meint aber^ dass bei
Diphtherie zuerst die Blutkrase und dann erst die Localisirung auf-
tritt. — Obaliiski (Krakau).
P. Brons. lieber das »Mal perforant du pied«.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 30, 31 u. 32.)
Verf. schliesst jeden pathologisch-anatomischen Character aus und
will das Leiden nur vom klinischen Standpunct aus betrachten. Im
Allgemeinen stehen sich zwei Ansichten der Autoren gegenüber: die
Einen betrachten die AfFection als einen localen Prooess, die Andern
als secundäre Erscheinung im Gefolge andrer, zum Theil allgemeiner
Störungen. Druckwirkung, Schwielenbildung, Entzündung und tief-
greifende Ulceration, eventuell unter Betheiligung eines Schleimbeu-
tels (ulceröse Dermosynovitis) wären für die erstere Anschauung die
zur Erklärung nötbigen Momente ; ähnlich die Hypothesen von pura-
lentem Hygrom, Ostitis oder Neubildung. Die zweite Classe nimmt
entweder spedfische Allgemeinleiden an ; Lues und atheromatöse De-
generation der Arterien (Gangraena senilis) werden als Grund ange
sehen, ebenso neuroparalytische Verschwärungen oder Lepra anaesthe-
tica. Die vasomotorische Lähmung bedinge zunächst Atonie der
Gefässe, verlangsamte Circulation, Stauung und passive Hyperämie,
sowie den malignen Character traumatischer Affectionen, und in diesem
Sinne sei das mal perforant, das primär, wie sein Sitz (Ferse und
Köpfchen der Mittelfussknochenj schon sagt, ein Decubitus ist, eine
neuro-paralytische Verschwärung. — Die Arten der primären Ner-
venaflFection unterscheidet Verf. als centrale (spinale) und periphere.
Unter den Affectionen des Rückenmarks, in deren Gefolge mal per-
forant beobachtet wurde, finden sich traumatische Läsionen und
chronisch-degenerative Processe. Es werden 4 Fälle aufgeführt, in
denen Fractur der Wirbelsäule vorlag mit bleibender partieller Läh-
mung; das Plantargeschwür trat 1—6 Jahre nach der Verletzung auf.
Ferner werden als ätiologische Momente FäUe von Tabes dorsualis mit
Sensibilitäts- und Coordinationsstörung citirt und andere centrale
Affectionen, geheilte Spina bifida mit zurückbleibender Schwäche und
Atrophie der unteren Extremitäten, progressive Muskelatrophie und
spinale Kinderlahmung. Unter den peripheren Nervenaffectionen
geben besonders Verletzungen des Nervus ischiadicus zum Auftreten
Centralblatt für Chirurgie. No. 43. 685
des mal perforant Veranlassung. Auch wird ein Fall erwähnt ^ in
welchem durch Druck eines Tumors auf die Wurzeln dieses Nerven
derselbe Erfolg bewirkt wurde. Schliesslich ist die Lepra anaesthetica
hier zu erwähnen. Das Gesammtresultat aller Betrachtungen des
Verf. ist^ dass i»die Besonderheiten im Auftreten und Character des
Plantargeschwüres einzig und allein ihren Grund in der praeexistiren-
den localen Ernährungsstörung durch Nervendegeneration habena.
In Betreff der Therapie ist ausser der gegen das Geschwür gerich-
teten zu erwähnen ; dass nach experimentellen Beobachtungen der
Electridtät grosser Einfluss zuzutrauen ist. Am Ende der Arbeit
folgt eine eigene Beobachtung in ausfuhrlicherer Mittheilung. Bruch
des unteren Theiles der Brustwirbelsäule hatte Paralyse und Anästhe-
sie der peripher vom Bruch gelegenen Partieen zur Folge. Es folgte
Besserung im Laufe der Jahre ^ es trat aber am Ballen der linken
grossen Zehe mal perforant ein. Die Analgesie an den Unterschen-
keln war sehr entwickelt. Doch erfolgte Heilung mit an dem Knochen
adhärenter Narbe. — v^Mosengeü (Bonn).
J. Lane. Die Behandlung der Hämorrhoidalknoten mittelst
Klammer oder Cauterium und mittelst der Ligatur.
(Lancet 1875. Vol. II. p. 162.)
H. Smith hat im Lancet 1875 Vol. 11, p. 90 und 124 ausführ-
licher über seine Erfolge bei Entfernung von Hämorrhoidalknoten
und Mastdarmvorfflllen mittelst seiner verbesserten Klammer und Glüh-
eisen berichtet; darnach hatte er nur 4 Todesfälle bei 400 Fat. zu
beklagen. Indem er bei dieser Gelegenheit indirect Lane angreift,
welcher die grossen Yortheile der Methode von Smith gegenüber der
Ligatur, besonders den Schutz gegen Erysipele, Pyämie und Nach-
blutung nicht anerkennen wolle, entgegnet L., dass seine Erfahrungen
für die Ligatur noch weit günstigere seien, und er somit keinen Grund
habe, von der Ligatur abzugehen. Er habe in St. Mark's Hospital
bei über 800 Operirten nur 3 Todesfälle, darunter keinen an Pyämie
und Tetanus gesehen; ja Allingham habe unter 400 mit Ligatur
behandelten keinen verloren. Im Ganzen soll in St. Mark' s Hos-
pital von 3210 mit Ligatur Operirten keiner an Pyämie gestorben sein.
Pilz (Stettin).
Kleinere Mittheiiungen.
J. Dix. Erfolgreiche Behandlung von 2 Aneurysmen durch Compres-
sion mittelst Draht.
(British med. Assocciat. — British med. Journal 1875. Vol. II. p. 258.)
Die von ihm 1864 angegebene Methode zur Blutstillung yerletzter Qef&sse hat D.
auch erfolgreich bei einem Aneurysma der Carotis und Femoraiis angewandt. Nach
Blosslegung der Arterie wird mittelst Aneurysmanadei ein Draht um die Arterie
gebracht, jedes der beiden Enden in eine Nadel eingef&delt und durch die Weich-
686 Centralblatt für Ckinugie. No. 43.
theile nach auBsen gefohrt, so das« in der Haut beide Drahtenden Vs'' auaeinander-
liegen. Jetzt werden dieselben über einer in der Richtung der Arterie li^^de
Korkplatte allmälig zusammengedreht. Bei den Aneurysmen Hess D. die ersten
3 Tage einen geringen Blutstrom bestehen, dann erst schloss er die Arterie ganz.
Nach 24 Stunden war vollständige Gerinnung im aneurysmatiachen Sacke einge-
treten und es konnte jetzt der Draht entfernt werden. ~ Die Vortheile dieser
modificirten »Acupressur« bestehen nach Verf. in der allmiUgen Blutabsperrung und
dadurch begünstigter Bildung eines CoUateralkreislaufes zur Vorbeugung der
Gangrän; ferner wird die Durchschneidung der Intima und so Durcheiterung des
Oefitosrohn und die Möglichkeit einer Nachblutung Termieden. Der Draht kann
durchgehends am 3. Tage entfernt werden. Pili (Stettin) .
W. Stols. Transfusion bei Anaemie.
(Med. Bote 1875. No. 7, russisch.)
St. spricht sich kategorisch gegen die Transfusion bei acuter puerperaler Anaemie
aus. Er sucht nachzuweisen, wie es bis jetzt unerwiesen sei, ob das Procent-
▼erhältniss Ton Heilungen nach der Transfusion grösser sei, als ohne diese Opera-
tion (?), femer sei die Operation, selbst in Händen von Chirurgen mit Schwierig-
keiten verknüpft. Verf. führt einen Fall an, in dem sich nach heftigen Nasenblutungen
und einer zufälligen Verletzung während der Schwangerschaft eine acute Anaemie
mit wiederholten Ohnmächten, Sinken des Pulses etc. entwickelte. Es wurde die
Transfusion mit einem Robert-C ollin' sehen Apparate ausgefQhrt; das Blut
wurde einer Vene de« Mannes der Kranken entnommen. Hascher lethaler Ausgang.
Der Mann verblutete sich fast (?), denn nach Eröffnung seiner Vene konnte der
Chirurg an der Patientin lange kein genügend weites Geftss finden, da ihre Venen
stark collabirt waren. W« Gmbe (Charkow).
Morell-Maokezusie. Die Behandlung veigrösserter Drüsen durch
subcutane Injection.
(British med. Assocciat. — British med. Journal 1875. Vol. Ü. p. 260.)
Verf. beschränkt sich in der Besprechung nur auf die CervicaldrQsen und ver-
sichert, von den verschiedenartigst venuchten Injectionen allein die mit verdünnter
Essigsäure lebhaft empfehlen zu können (Quantum und Stärke werden nicht ange-
geben); in 36 Fällen habe er sie erfolgreich erprobt und in der Woche nur eine
Injection gemacht; sind mehrere Drüsen afficirt, dann seien sie öfter zu machen.
Pü]^ (Stettin).
Hieden. Unterbindung der Carotis communis.
(Correspondenzbl. d. ärztl. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. No. 16. p. 53.)
Nachdem lOwÖchentliche Compression der Carotis comm. sin. zur Heilung eines
Aneurysma arteriae ophthalroicae (vgl. Centralbl. f. Chirurgie 1874. p. 543; ohne Er-
folg angewandt worden war, unterband N. die Carotis communis. Cooper'schea
Verfahren, Catgut, antiseptischer Verband. — Heilung der Wunde in 3 Tagen.
Nach Verlauf eines Jahres, welches Fat. in vollkommenem Wohlbefinden zugebracht,
wird constatirt, dass der Bulbus nur noch circa 1 — 1 V2 Linien vor dem der anderen
Seite hervorragt. Das Auge kann wieder in normaler Weise nach aussen gedreht
werden, die Pulsation und das Schwirren sind vollständig zum Stillstand gekommen.
Fat. hört noch ein sausendes Geräusch von etwa Vs d«' Stärke des früheren. Seh*
schärfe «Vis- Madelug (Bonn).
Adams. Traumatisches Emphysem ohne Verletzung des Thorax.
(Lancet. 1875. Vol. II. p. 129.)
Ein 8j ähriges Kind wurde durch einen leichten Karren am oberen Theile des
Rückens flberfahren. Bei der Aufnahme im Hospitale bedeutendes Bmphysem des
Gesichts, der Schläfe, der Brust, der linken Rackenseite, der Bauchdeoken, der
Arme und Beine, ausserdem hochgradige DyspnoS; nirgends eine Hautvarletiung,
CentTalblatt far Chirurgie. No. 43. 687
ebensowenig ein Rippenbruch aufzufinden. Unter Zunahme des Emphysems und
der Athmennoth nach H/s Stunden Tod. Section: Bei Entfernung des Brustbeins
entwich Luft aus dem Thorazraum. Lungen sehr collabirt, die oberen Lappen
blutreich ; am vorderen, seitlichen Umfange jeder Lunge ein gerötheter Fleck und
innerhalb desselben durch Luft ausgedehnte, nicht geborstene Lungenbläschen.
Die Stelle der Ruptur wurde nicht gefunden. Trachea und Bronchien enthalten
rothe schaumige Flüssigkeit; in dem fast leeren Herz nur sparsame Blutgerinnsel.
Die Rippen, Rippenknorpel und Wirbel unverletzt, die Baucheingeweide normal.
Wahrscheinlich hatte der Knabe mit dem Gesicht auf der Erde gelegen , als er
aberfahren wurde. TUm (Stettin).
Bussard. Kyste hydatique du foie. — Guirison apr^s une seule
ponction aspiratrice.
(La Presse medicale beige 1875. No. 38.)
VemeuiL Kyste hydatique du foie. — Ponction. Sonde ä demeure.
Desinfection permanente.
(Rerue de Therapeut, m^d. chirurg. 1875. No. 16.)
In dem von B. mitgetheilten Falle wurde bei einem 29 Jahre alten Soldaten
durch die Function der Geschwulst und Aspiratioü von 750 Gramm einer wftssri-
gen, Hakenkränze enthaltenden Flüssigkeit vollstAndige Heilung erzielt. Bis nach
3 Monaten kein Recidiv. Bemerkenswerth war der Ausbruch eines Urticaria-Ex-
anthems auf Bauch und Schenkeln etwa 30 Stunden nach der Operation. — Die
Function und Aussaugung von Lebercysten haben Bieulafoy, Jaccoud und
Desnos empfohlen.
y. dagegen verwirft diese Methode als unsicher. Dauernde Heilung könne nur
durch narbige Schrumpfung des Sackes erreicht werden. Zu dem Zwecke punctirt
V. die Geschwulst mit einem dicken Troikart und fahrt nach der Entleerung durch
die Halse desselben eine starke elastische Gummisonde ein, welche so lange liegen
bleibt, bis rings herum Adhäsionen zwischen den Peritonealblättern zu Stande ge-
kommen sind. Alsdann werden bis zur Vemarbung der Geschwulsthöhle Einspritz-
ungen Ton CarboUösung und Alkohol gemacht. Das Verfahren ergab ihm mehrfach
▼ollständige Heilungen. — In dem letzten derartig behandelten Falle beobachtete
V. ebenfalls unmittelbar nach der Function Entwicklung von Urticaria.
Arn. Hiller (Berlin).
Birnbaum.. Catgutnaht des Uterus beim Kaiserschuitt.
(Correspondenzbl. d. ärztl. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. No. 16. p. 16.)
Auf Grund seiner Erfahrungen bei drei Fällen von Kaiserschnitt (1 Heilung)
stellt B. folgende Sätze auf. Die Catgutnaht bewirkt keine Heilung der Uterin-
wunde per primam intentionem. Sie ist zur Schliessung der Uterinwunde aberhaupt
unsicher, da sie theils keine hinreichend lange Dauerhaftigkeit hat, theUs
aber dadurch, dass die Knoten sich bei einiger Gewalt leicht aufziehen. Sie
bewirkt aber äusserst energische, die Blutung stillende Nachwehen. Sie ver-
batet dadurch die Auswärtswendung der Wundränder, die zwar etwas klaffen, aber
gerade gegeneinanderstehen , nicht wie sonst so oft, in dem Schleimhautrande viel
enger anein anderliegen , im Rande des serösen Ueberzugs viel weiter auseinander-
fallen. Trotz ihrer geringen Dauerhaftigkeit und Haftbarkeit vermag sie daher die
so gefährlichen Nachblutungen aus den Wundrändern dennoch zu verhüten.
Madelang (Bonn).
M. Oünsburg. Verletzungen der Tagina.
(Sitzungsberichte der med. Gesellsch. zu Charkow 1874. Bd. II. p. 20.)
1) Eine alte Frau stiess beim Fallen in der Dunkelheit auf eine in einem
Kohlenhaufen steckende Schippe, deren Stiel sie sich dabei in die Vagina eintrieb.
Sofortige heftige Blutung aus den Genitalien, Ohnmacht. G. fand bei der Unter-
suchung einen schräg-circulären Riss der rechten Scheidenwand, welcher von der
Urethralöffnung bis zur hinteren Commissur verlief. — Während der Untersuchung
688 Centralblatt für Chirurgie. No. 43.
— heftige BlutuQg, beständige Ohnmacht, tödtliche Bl&sse der Haut, fadenförmiger
Puls. G. tamponirte sofort die Vagina mit Leinwandläppchen , die in Eiswasser
angefeuchtet wurden. Als die Kranke zu sich kam, klagte sie über heftige
Schmerzen in der Lendengegend und im Steiss. Nach 4 — 5 Tagen erholte sie sich
ailmälig; erneuerte Untersuchung erwies Verheilung der Bisswunde.
2) Ein Bauer brachte seiner Frau — einer Idiotin — den oberen Theil eines
Schnapsgläschens , welches am Halse abgebrochen war, in die Vagina hinein, 24
Stunden darauf wurde O. vom Untersuchungsrichter hinberufen. Er fand die Frau
mit stark aufgetriebenem Leibe, ihre Wäsche ganz mit Blut besudelt, seit 1 Vs Tagen
keine Urinentleerung. Mittelst des Sims' sehen Oebärmutterspiegels und einer
Zange extrahirte Ver£/ das Qlas , wobei es zerbrach und abermals die Vaginawand
verletzte. Die Kranke wurde gesund, ohne bleibende Folgen der Verletzung.
Hieran anknüpfend bespricht Verf. die Casuistik der Vaginalverletzungen und
zieht den Schluss, dass sie, abgesehen von den öfter zur Beobachtung kom-
menden Vaginalverletzungen bei geburtshülflichen Operationen, höchst selten sind,
und dass die Meinung von Kiwi seh, nach der nur solche Verietzungen, welche
die Bulbi vestibuli betreffen, zu heftigen Blutungen Anlass geben, durch obige Fälle
widerlegt wird. W. Grabe (Charkow).
Thaden. Section eines Falles von spontaner peripherischer Harn-
steinzertrümmerung.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hft. 3. p. 594.)
Einem im 75. Lebensjahre verstorbenen Manne gingen in 16 Jahren über 500
Fragmente (22 gr.) ab, die ersten vor der Sondirung, welche 4mal gemacht, nur ein-
mal Berührung mit einem Stein ergab. Ein fühlbares Zusammenstossen der Steine
in der Blase hatte Fat. nie bemerkt, Harnbeschwerden traten nur bei Entleerung
der Fragmente auf. 8 Wochen vor dem Tode kam zuerst der Katheter in Anwen-
dung bei saurem Harn, wegen Blasenatonie , welche binnen 4 Wochen sich mit
Blaseneiterung combinirte.
Bei der Section zahlreiche Blasendivertikel , welche Steinschalenstücke beher-
bergen; das grösste vor der linken UreterenmOndung gelegene Divertikel enthält
einen haselnussgrossen Stein, die Blasenhöhle ausserdem noch 2 freiliegende tau-
beneigrosse. Die Divertikelsteine bestehen aus Tripelphosphaten, die freiliegenden
aus einem Kern von Harnsäure und einer Umhüllung von Phosphaten.
Wilh. Koch (Berlin).
N, Stokowenkoff. Stein der Urethra.
(Annalen der chirurg. Gesellsch. zu Moskau 1875. Bd. 1. p. 295.)
Ein 46j ähriger Bauer klagt über heftige Harnbeschwerden. Er leidet seit
früher Kindheit an Blasensteinen, von denen schon im 5. Jahre durch Operation
3 entfernt wurden. Später einmal (im 28. Lebensjahre) Abscessbildung am Damm,
Eröffnung und Entfernung eines Steines. Jetzt harter Tumor von Apfelgrösse am
Perineum mit einer Fistel am unteren Ende. Die Sonde von hier aus und der
Katheter von der Urethra her stossen auf einen Stein. Urinentleerung auf denselben
Wegen. Entfernung des Steins durch Einschnitt. Derselbe hatte in der hypertro-
phirten pars bulbosa und membranacea urethrae gelegen. Excision der sclerosirten
Urethralparti e. Nach einem Monat plastische Operation mit Heilung per primam,
aber mit bleibender kleiner Fistel. (Cf. den sehr ähnlichen vom Hef. beschriebenen
Fall in der Berl. klin. Wochenschr. 1867. No. 5, auf den auch Verf. hinweist.)
W. Gmbe (Charkow).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr, JET. TiUmamm, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlang,
BfeUkopf und JSärUl, einsenden.
Dmek and Verlag Ton Braitkopf and Hirtel in Laipsig.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herausgegeben
TOB
Dr. LLesser, Dr. I. Sdiele, Dr. H. Tillnoiis
in Berlin. in Berlin. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbj&hriger Frftr-
numeration. Zu beliehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 44. Sonnabend, den 30. October. 1876.
Inluüt: Wolffy Entwicklung des Knochengewebes. — Bidder, Bedingungen krankhaften
Längenwachsthums der Bohrenknochen. — GuSSenbauer, Knochenentzündungen der Perl-
matterdrechsler. — Lasser, Tr&nsfnslon und Autotransfnsion. — Hlller, Experimenteller
Beitrag zur Lehre von der organlsirten Natur der Contagien und von der Fäulnlss. —
da 8ln4ty, Epithel des Uterus. — Stewart , Abdominalabscesse. — Bergeron f Behand-
lung der Mastdarmflsteln mit elastischer Ligatur. — Colley, Excision von Varioen des
Unterschenkels. — Berger , Circumcision chronischer Unterschenkelgeschwüre. — Howte,
Resection des Kniegelenks bei genu Talgum. —
Förster , Chirurgische MittheÜongen. — Cornily Epitheliom des Schädels. — Rebln,
Blauer Urin bei Hysterie. — Hagedorn, Galvanocaustlsche Schneideschlinge. — v. Mosen-
geil, Magnetisch- electrischer Rotationsapparat.
J. Wolflf.. Untersuchungen über die Entwicklung des
Knochengewebes.
Leipzig, W. Engelmann. 1875.
Die Arbeit W.'s ist als Fortsetzung der in der Petersburger me-
dicinischen Zeitschrift 1868 veröffentlichten Untersuchungen zu be-
trachten. An den Schluss der historischen Einleitung stellt W. den
Satz^ dass es nur eine Art der Knochengewebsbildung, nämUch die-
jenige aus embryonalem Bindegewebe ^ gebe. Er beschränkt sich in
der weiteren Abhandlung zunächst darauf^ die Entwicklung des
Knochengewebes auf bindegewebiger Grundlage zu beschreiben. Die
bindegewebige Grundlage des Knochens stimmt mit dem formlosen
embryonalen Bindegewebe yollständig überein. Da dasselbe gegen
die äussere Oberfläche der Knochenanlage ganz allmälig in fibrilläres
Bindegewebe übergeht^ so darf es nicht willkührlich in Schichten zer-
le^ werden. Das Gleiche gilt von der periostalen Ossification. Als
vorbereitende Prooesse sind Erweiterung und Neubildung von Gefässen
und eine VeigrÖBS^rung und Vermehrung der Zellen mit gleichseitiger
44
690 Centralblatt far Chirurgie. No. 44.
Abnahme der faserigen Intercellularsubstanz zu verzeichnen. Wahr-
scheinlich wandern dabei aus den Gelassen farblose Blutkörper-
chen aus. Die erwähnten Zellen (Gegenbaur's Osteoblasten] fasst
er mit den Zellen, aus welchen Bindegewebe und Knorpel hervorgeht,
unter dem Namen Bildungszellen zusammen. Die wachsenden Gefitose
drängen die Faserbündel der bindegewebigen Anlage auseinander: auf
diese Weise entsteht ein Faseigerüst, welches zunächst den Bildungs-
zellen, und später, nachdem es verkalkt, der ersten Knochensubstanz
zur Stütze dient. Einzelne stärkere Fasern halten das Fasergerüst
und nach ihrer Verkalkung das Gerüst der Knochenbalken zusammen,
und verbinden sie mit den oberflächlichen Lagen des fibrillären Binde-
gewebes: Sharpey*sche Fasern, von W. Stütz- oder Verbindungs-
fasern genannt. Die erste Knochengrundsubstanz tritt in einiger
Entfernung von den Gefassen um sie herum auf, und folgt ihnen in
ihrer Ausbreitung; sie entsteht durch eine partielle Differenzirung des
Protoplasma der anliegenden Bildungszellen und Sclerosirung ihrer
zartfaserigen Zwischensubstanz. Gegen Waldeyer wird behauptet,
die Bildungszellen gingen nicht mit ihren Kernen bei diesem Processe
vollständig unter. Die Betheiligung der einzelnen Zellen an der
Bildung der Knochengrundsubstanz ist eine durchaus ungleichmässige.
Der Uebergangszustand des Zellenprotoplasma in letztere ist wahr-
scheinlich nur von kurzer Dauer. Die mit der Bildung der Knochen-
grundsubstanz zusammenfallende Sclerosirung derselben beruht auf
einer gleichmässigen Aufnahme von Kalksalzen durch dieselbe, wel-
cher Vorgang von der Verkalkung ausgebildeter Gewebe zu trennen
ist. Mit der Verkalkung der stärkeren Faserbündel — hier bilden
die Kalksalze auch einen kömigen Niederschlag, p. 42 — nehmen
dieselben bedeutend an Umfang zu, und zwar unabhängig von den
Bildungszellen. Die Bildungszellen selbst hält W. (gegen Strelzoff)
vor ihrer Differenzirung zu Knochengrundsubstanz für nicht mit Kalk-
salzen imprägnirt.
Bald nach dem Auftreten der ersten Knochengnmdsubstanz wer-
den auch einzelne von den anliegenden Bildungszellen durch die
Thätigkeit der benachbarten, hinter ihnen liegenden Zellen und auch
in Folge des Druckes von Seiten der erweiterten Gefasse auf die
Zellen als Knochenzellen in die Grundsubstanz eingeschlossen. Voll-
ständig eingeschlossen fahren dieselben fort, durch Differenzirung
ihres peripherischen Protoplasma neue Knochengrundsubstanz in ihrer
Umgebung zu bilden; in Folge davon werden die Knochenhöhlen
kleiner und nimmt die Entfernung der Zellen von einander zu. Junge
Knochenzellen vermehren sich dabei auch noch durch Theilung.
Gegenüber der vielfach angenommenen secundären Entstehung der
Knochencanälchen hält W. dieselben schon bei der Einschlieseung
der Bildungszellen zu Knochenzellen um die Fortsätze derselben
herum für in ihrer ganzen Ausdehnung vorgebildet; sie sind von
einem dem Zellenkörper analogen Protoplasma erfüllt. Das Dünner-
und Längerwerden der Canälchen ist durch Neubildung von Knochen-
Centralblatt far Chirurgie. No. 44. 691
grundsubstanz an den Wandungen der Canälchen in Folge fortgesetz-
ter Umwandlung der peripheren Schichten der in ihnen verlaufenden
Zellenfortsätze zu erklären. Die Frage , ob die Zahl der Knochen-
canälchen und die Menge ihrer Anastomosen mit der Entwicklung
zunimmt, kann nur schwer durch directe Zählungen beantwortet
werden. Aus Vergleichung der sichtbaren Knochencanälchen ver-
schieden alter Knochenkörperchen mit einander an entsprechend
behandelten Schnitten ist W. zu der Ueberzeugung gelangt, dass Zahl
und Menge dieselbe bleibt, nur die Objecte bei ausgebildeten Kno-
chenkörpem in der stark sclerosirten Grundsubstanz deutlicher sicht-
bar sind. Die bei längerer Einwirkung von Säuren in der Knochen-
grundsubstanz um die Knochenkörper herum auftretenden Contoureu
bezeichnen ebenso^ wie die durch Kochen in Wasser isolirbaren
Schichten der Grrundsubstanz die sogenannten Wandungen der
Knochenhöhlen und Canälchen, besonders dichte Theile der Knochen-
grundsubstanz, welche vollkommene Analoga der Knorpelkapseln dar-
stellen. Abwechselnd wird die Bildung einer zellenlosen und zellen-
haltigen Knochengrundsubstanz wiederholt ; dieses ist die Ursache der
schichtweisen Anordnung des Knochengewebes in Lamellen, wobei
die in eine Reihe zu liegen kommenden Zellen gleichsam die Grenzen ,
der Lamellen bilden. Die Anordnung der Knochenkörper aber ist
wesentlich von den Capillargefassen abhängig, und die durch sie be-
dingte Lamellenbildung entspricht an Längsschnitten dem Verlauf
und an Querschnitten der Peripherie der Gefasse. Die Ursache der
zeitweilig unterbrochenen Einschliessung der Bildungszellen zu
Knochenkörperchen sucht W. in einer zeitweiligen, gleichmässigen
Erweiterung der Gefasse auf gewisse Strecken (gegen Gegenbaur
und Waldeyer). Die Lamellenbildung beruht nicht auf einer Unter-
brechung in der Bildung der Knochengrundsubstanz.
Den Aufbau des Knochengewebes und die Entstehung der Ge-
fasscanäle hat W. besonders an successiven Längs- und Querschnitten
durch die ganze Dicke von Röhren- und Schädelknochen verfolgt.
An embryonalen Schädeldeckknochen sieht man, dass die Knochen-
foalken, welche sich dem Verlaufe der Gefasse entsprechend um die
stärkeren Faserbündel anbilden, auf Kosten des zellenreichen Bil-
dungsgewebes an ihren Enden länger werden, und dass neue Knochen-
balken nur im Zusammenhange mit früher gebildeten und von ihnen
aus entstehen und weiterwachsen. In ganz gleicher Weise nimmt
das subperiostale Knochengewebe der Röhrenknochen gegen das Pe-
riost an Dicke und zugleich gegen die Epiphysen an Länge zu. Die
scheinbar nur aus Zellen bestehenden Fortsetzungen an den Enden
der Knochenbalken erklärt W. (gegen Waldeyer) für von der Fläche
gesehene und mit Bildungszellen bedeckte Knochenbalken. Die
letzten Seiten sind dem Nachweis für die Eingangs aufgestellte Be-
hauptung gewidmet, dass die Knochenbildung in knorplig präformirten
Knochen in gleicher Weise erfolgt. Bamke (HaUe).
44*
692 Centralblatt für Chirurgie. No. 44.
A. Bidder. Neue Experimente über die Bedingungen des
krankhaften Längenwachsthums von Röhrenknochen, nebst
Bemerkungen über Knochenbildüng.
(Arch. f. klin. Chirurgie Bd. XVni. Hft. 4.)
Verf. legte sich die Frage vor^ ob ein künstlich vermehrtes
Längenwachsthum, wie man es durch Einschlagen von
Elfenbeinzapfen in die Diaphyse eines Röhrenknochens
hervorrufen kann^ im Stande ist, die physiologische
Thätigkeit eines functionell gestörten Epiphysenl^norpels
zu ersetzen. Die Frage hat deshalb eine grosse praktische Be-
deutung, weil die künstliche Verlängerung gerade häufig bei Eindem
angestrebt werden muss^ bei denen eine Störung des Epiphysen-
knorpels zu einer Verkürzung geführt hat. — B. fand nun, dass
das Einlegen von Elfenbeinstiften wohl im Stande ist, ein gesteigertes
Längenwachsthum einer Kaninchen-Tibia zu bewirken ; doch bleibt
der Knochen stets kürzer, wenn eine traumatische Ab-
Sprengung der oberen Epiphyse stattgefunden hat. —
Es werden sodann einschlägige Beobachtungen von Olli er und
Letenneur angeführt, welcher letztere ein vermehrtes Längenwachs-
thum einer Tibia auf den Reitz einer Silbersutur zurückführt ; femer
die Arbeit von Poncet über den Einfluss der Ostitis auf das Län-
genwachsthum. Bei der mikroskopischen Untersuchung fand B.
die Elfenbeinstifte vielfach arrodirt, tiefe in die Elfenbeinmasse ein-
dringende Löcher und Gänge, und diese in den dicht am Elfenbein
anliegenden Theile mit Mark, weiter zurück aber mit neugebildetem
Knochengewebe ausgekleidet. Eine nähere Beziehung der Riesen-
zellen zur Resorption des Elfenbeinies fand B. nicht. Das Auftreten
von Knochensubstanz in den Lakunen der Elfenbeinzapfen lässt es
bei Pseudarthrosen räthlich erscheinen, die Zapfen dauernd zurückzu-
lassen und nicht nach einiger Zeit herauszureissen.
(Ref. hat in seiner vom Verf. citirten Arbeit (Arch. f. klin.
Chirurgie Bd. XIV. p. 201) das Reizungswachsthum wiederholt bei
den bekannten Versuchen gesehen, so in einem, 1. c. erwähnten Falle
bei einfachem Einbohren von Platinadrahtstiftchen eine Verlängerung
der Tibia von 5 Mm.) Maas (Breslau).
C, Oussenbauer. Die Knochenentzündungen der Perlmut-
terdrechsler.
(Arch. f. klin. Chirurgie Bd. XVIU. Hft 4.)
Anknüpfend an die zuerst von Englisch (Wi«n. med. Wochen-
schrift 1870) beschriebene Knochenentzündung der Perlmutterdrechsler
giebt G. zuerst eine Beschreibung der Arbeitsweise und der chemischen
Beschaffenheit des in den Arbeitsräumen befindUchen Perknuttesstau-
bes nach Analysen von Kl aus er. Es enihält im Wesentlichen
C02CaO und circa 10^ organische Substanz, reich an Stickstoff,
Centralblatt für Chirurgie. No. 44. 693
von Fr^my Conchiolin genannt. Dieser Perlmutterstaub dringt
in die Lungen ^ der C02CaO wird gelöst, das in den Gewebsflüssig-
keiten unlösliche Conchiolin bleibt zurück. Nach G.'s Ansicht gelangt
nun das Conchiolin in den Kreislauf [? ]^ sammelt sich in den Markcapil-
laren der Knochen^ embolisirt die Capillaren in den Diaphysenenden
event. den kleinsten Arterien und führt so zum Infarct. Aus der primären
Osteomyelitis entwickeltisich dann die Ostitis^ Periostitis und Gelenkent-
dung. Verf. möchte deshalb der Erkrankung den Namen Conchiolin-
Osteomyelitis geben und sucht zur Kräftigung seiner Hypothese nach der
noch nicht gefundenen Homsubstanz-Osteomyelitis^ welche bei der In-
halation Ton Homstaub vorkommen müsste. Experimentell gelang es
nicht, bei Kaninchen durch Inhalation von Perlmutterstaub ähnliche Er-
krankungen hervorzurufen. — Den Verlauf und die Therapie erläu-
tern die 6 folgenden in der Billroth 'sehen Klinik beobachteten Fälle:
1} Pat.U5 Jahr alt, 3 Jahre Perlmutterdrechsler, war vor seiner
Aufnahme in die Klinik bereits 6 Mal erkrankt. Er kam mit einer
Entzündung der rechten Unterkieferhälfte 3 Monate vor seiner Auf-
nahme poliklinisch in Behandlung ; Einreiben mit XJng. einer, brachte
in 6 Tagen Heilung. Am 30. August 1871 war Anschwellung
des ganzen Unterkiefers mit Ausnahme der Gelenkfort-
sätze vorhanden; Schmerz, welcher vor der Bildung der Geschwulst
in der Tiefe des Knochens sass, nur noch zeitweise ; die Geschwulst
schmerzt auf Druck und bei den sehr beschränkten Kieferbewegungen.
Basche Resorption erfolgte bei Einreibung von grauer Salbe und
feuchtwarmen Umschlägen. Pat. hatte durchaus normale Zähne. Am
18. März 1872 hatte Pat. eine Anschwellung des linken Vor-
derarms; zu Neujahr 1873 Schmerz wieder im linken Vorderarm
mit nachfolgender Anschwellung der unteren Diaphysenenden
derUlna und des Radius, dann auch der oberen Diaphy-
senenden; Hand und Ellenbogengelenk bei Bewegung
schmerzhaft; dieselbe Therapie und Erfolg wie oben.
2) Pat. 17 Jahre alt, 2 Jahre Perlmutterdrechsler ^ am 3. Octbr.
1871 aufgenommen, bekam 2 Monate vor seiner Aufnahme unter
Schmerzen Anschwellungen beider Vorderarmknochen
über den Handgelenken; 8 Tage später Schmerzen mit folgender
Anschwellung des vordem Theils des rechten Fusses (Verf.
schreibt »Vorderfiissa ! Ref.]; bei seiner Aufnahme Anschwellung
der unteren Diaphysen beider Radii und Ulnae von fester
Consistenz wie fibröses Gewebe , scharf gegen die Epiphysen abgesetzt;
Heilung bis zum 16. November.
3) Pat. 16 Jahre alt^ 3 Jahre in der Fabrik beschäftigt^ aufge-
nommen den 14. November 1871^ bekam 14 Tage vor seiner Aufnahme
Schmerzen und Anschwellung des linken äusseren Knö-
chels, an dem sich eine fluctuirende, 3 Finger breit
hinaufreichende, scharf abgesetzte Geschwulst befand.
Heilung unter feuchtwarmen Umschlägen mit rascher Resorption der
Flüssigkeit bis zum 23. Decbr.
694 Centralblatt für Chirurgie. No. 44.
4) Fat., 15 Jahre alt, IV2 J&hre in der Fabrik, hat seit semem
5. Jahre zeitweilig an Anschwellungen seines rechten Ellenbogengelenks
gelitten. Seit Monaten entwickelte sich eine Anschwellung der
rechten Ulna unter dem Olecranon, die bei seiner Aufnahme
am 1. Decbr. 1873 fibrös derb war, auf Druck schmerzhaft und sich
bis zum 8. Januar 1874 bis auf eine haselnussgrosse, knochenharte
Stelle bei Anwendung der feuchten Wärme verlor.
5) Fat., 14 Jahre alt, 2 Jahre Ferlmutterdrechsler, zeigte nach
einander folgende Knochenerkrankungen: 1) Ostitis ossium me-
tatarsi IV et V pedis sin. mit folgender Anschwellung der
Tibia, welche erst nach Darreichung von Jodkali, 1 Grm. pro die
verschwand; Heilung am 7. Octbr. 1872. 2) Ostitis ulnae sin.
zuerst im Decbr. 1873, recidivirend im Februar und im Mai 1874.
Während der Beobachtung entwickelte sich Osteomyelitis, Osti-
tis und Feriostitis; Eäsbehandlung erfolglos, dagegen schneller
Erfolg bei Einreibung von grauer Salbe und Jodkaligebrauch.
3) Ostitis scapulae sin. fand sich am 5. Octbr. 1874; Heilung
bis zum 30. Nov., Therapie: feuchte Wärme, Ung. einer; Jodkalium.
4j Ostitis humeri sin., ossis cuboidei sin. et ossis tali
dextr. bei seiner Aufiiahme am 21. Decbr. 1874; später noch Ent-
zündungen des n., ni., IV. Metatarsus, des Unterkiefers; Heilung
am 9. März 1875. —
Alle Fatienten fieberten, so lange die Krankheits-
erscheinungen im Zunehmen waren. Die Fatienten erholten
sich aber stets sehr schnell und boten in keinem Falle die Symptome
einer Dyskrasie.
Fall 6 wurde ambulatorisch behandelt: Fat., 18 Jahre alt, 3Y2
Jahre Ferlmutterdrechsler, früher an beiden linken Vorderarmknochen
über dem Carpus erkrankt, kam mit einer fluctuirenden Ge-
schwulst unter dem linken Trochanter major, 4 Zoll nach
abwärts reichend, in Behandlung. Nach 2 Wochen war bei der
Therapie wie im Fall 5 nur - noch eine Verdickung des Feriosts
wahrzunehmen .
Aus den sich noch an die Krankengeschichten anknüpfenden
Bemerkungen heben wir hervor^ dass 6. die wiederholten Erkrank-
ungen selbst eines Knochens im Ganzen nicht als Recidive, sondern
als Neuerkrankungen aufzufassen geneigt ist. — Maas (Breslau).
L. Lesser. Transfusion und Autotransfusion.
(Sammlung klinischer Vorträge No. 86.)
Die Thatsache, dass ein künstlich plethorisch gemachter Hiuid,
der von einem andern durch unmittelbare Transfusion vielleicht das
doppelte seines ursprünglichen Blutquantums (zu 7 ^ des Körperge-
wichts berechnet) erhalten hat; ohne directe Schädigung seines
Wohlbefindens, mit der stark vermehrten Blutfulle weiter lebt, führt
zu der Frage, an welchen Orten der Organismus diese vermehrte
Blutmenge beherbergt. Blutaustritte, mit Ausnahme höchstens steck*
Centralblatt fdr Chirargie. No. 44. 695
nadelkopfgrosser Ecchymosen ^ kommen selten vor (Worm Müller
und Verf.).. Ebensowenig erfolgen Exsudationen in seröse Höhlen
oder Bindegewebsspalten oder ein stärkeres Fliessen der Lymphe im
Ductus thoracicus, wovon man sich durch Aufnahme der Lymphe
während der Versuche überzeugt hat.
Es bleibt also der grösste Theil des zugeführten Blutes in den
Gefässbahnen und zwar, wie mit Sicherheit anzunehmen^ in den Ca-
pillaren, den kleinen Venen und den kleinen Arterien. . Diese Bezirke
sind auch in den einzelnen Organen schon innerhalb der physiolo-
gischen Breite höchst verschieden gefällt und bilden gleichsam Re-
eervoire, welche bedeutende Blutmengen aufnehmen können.
Noch sichereren Aufschluss über obige Verhältnisse giebt uns das
Verhalten des arteriellen Druckes (Worm Müller).
Bei Transfusion von 2 — 4 ^ des Körpergewichtes steigt der Blut-
druck in geringem Grade und vorübei^ehend^ um bald zur ursprüng-
lichen Höhe zurückzukehren. Weitere Zufuhr bis zum Zwei- und
Dreifachen der ursprünglichen Blutmenge kann den Blutdruck nicht
mehr in die Höhe bringen ; dasselbe Verhältniss findet statt bei Trans-
fusionen an verbluteten Thieren.
Dieses hochgradige Adaptionsvermögen des Gefasssystems scheint
die Besorgnisse einer dauernden gefilhrlichen Steigerung des Blut-
druckes bei Transfusionen am Menschen zu widerlegen. Nur etwa
bei chronischer Anaemie mit bereits vorhandenen Erkrankungen am
Gefassapparat oder bei solchen Leiden innerer Organe^ wo jede augen-
blickliche Drucksteigerung an sich schon Gefahr bringt ^ wäre eine
solche zu fürchten. — Nach unsern Anschauungen muss auch der
depletorische Aderlass (ausser etwa bei Vergiftungen) bei der Trans-
fusion wegfallen, wie auch theoretisch in derselben Weise die Be-
fürchtungen bei Anwendung der Esmarch 'sehen Einwicklung
(UeberfuUung der übrigen Blutbahnen) zurückzuweisen wären, wenn
nicht schon die Praxis hierüber entschieden hätte.
Im Experiment lAsst sich femer keine Aenderung der Leistungs-
fähigkeit des Herzens und keine BlutüberfüUuug der Lunge nach-
weisen. Dagegen erfolgt bei grosser Blutzufuhr eine Blutstauung
rückwärts von den Hohlvenen, Blutfiille der sichtbaren Schleimhäute,
der sichtbaren Hautvenen, Spannung des Abdomen und Tenesmen,
häufig mit Blutbrechen und blutigen Diarrhoeen, also Stauung bis
in die Wurzeln der Pfortader hinein. Verf. betont daher, wie
wichtig es sei, bei Transfusionen eine gründliche Voruntersuchung
der Abdominalorgane vorzunehmen. —
Noch bedeutsameren ^ufschluss über die Blutmenge und ihre
Vertheilung im Organismu^efem uns die Resultate von Verblutungen
blutüberfüllter Thiere.
Ein blutüberfuUtes Thier verliert durch tödtlichen Aderlass, d. h.
bis der arterielle Druck==0 geworden ist, nicht mehr als 4 — 6 % seines
Körpergewichtes an Blut^ oder eben soviel wie ein solches mit nor-
malem Blutquantum. So kann bei tödtlicher Verblutung das Thier
696 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 44«
doch noch mehrere Hunderte von Grammen über die normale Bhit-
menge besitzen^ der Tod oder der tödtlich tiefe Stand des arteriellen
Druckes tritt schon da ein, wo nicht einmal die ganze transfiindirte
Blutmenge wieder abgeflossen ist. Künstlich blutreich gemachte
Thiere werden also gleichsam empfindlicher gegen Blutverlust. Diese
Beobachtungen beweisen für die Therapie die wichtige That-
sache, dass bei Blutverlusten das Individuum nicht sowohl aus
Mangel an Blut, als aus Mangel an Blutbew^gung stirbt. Beim Sin-
ken des arteriellen Druckes und Aufhören der vis a texgo bekommt
das Herz und damit das Hirn kein Blut mehr. Je blutreicher aber
das Individuum vorher war, desto mehr Blut wird noch im Organis-
mus vorhanden sein, und desto sicherer wirkt die Therapie, welche
das restirende Blut zur Erhöhung des arteriellen Druckes zu verwen-
den sich bestrebt durch Schieflegen des Körpers mit dem Kopf nach
abwärts, durch Ausdrücken, Massiren der Extremitäten, noch besser
durch systematische Esmarch'sche Einwicklung derselben, sodann
durch Kneten des Abdomen und Compression des Thorax.
Diese von den Franzosen als Autotran sf usi on kurz bezeichneten
Massnahmen werden in folgenden Fällen ihre systematische Anwendung
finden und dürften wesentlich das Gebiet der Transfusion einschränken.
1) Bei Blutveriusten massigen Grades mit oft unerklärlichem Collaps
als Ersatz der Transfusion oder wenigstens als Vorversuch vor derselben.
2)' Bei Anämischen. Vor und nach Operationen, die mit einem
neuen Blutverlust verbunden sind.
3) Wenn bei Anämischen zu operativen Zwecken die Narkose
eingeleitet werden soll, da der arterielle Druck durch das Chloroform
schon an sich beträchtlich herabgesetzt wird.
4) Als Voract einer bei hochgradigen Blutverlusten unumgäng-
lichen Transfusion in der Zeit der hierzu nöthigen Vorbereitungen.
Sichert oft ganz allein einen Erfolg der unternommenen Blutein-
spritzung. Auch als diagnostisches Mittel kann die Autotransfusion
dienen. Wenn z. B. ihre Wirkung gegenüber der Intensität des
CoUapses bedeutend ausfallt, so beherbergt der Organismus gewiss
auch eine bedeutende Blutmenge, und wir können häufig dann auf
eine Blutzufuhr von aussen verzichten.
Die Bemerkungen über unmittelbare und mittelbare Transfusion,
über Verwendung des defibrinirten und ganzen Blutes , über Thier-
bluttransfusion bei Menschen und einige Winke über die Technik
müssen im Original nachgesehen werden. Pagenstecker (Eiberfeld).
Hiller. Ein experimenteller Bakrag zur Lehre von der
organisirten Natur der Contagien und von der Fäulniss.*)
(Arch. f. klin. Chiru^e 1875. Bd. XVin. Hft. 4.)
H. isolirte die Bacterien aus faulenden Eiweisslosungen, verdünn-
tem Blutserum, Fleischwasser und Pasteur* scher Lösung durch
*) Vortrag, ^ehalten in der 2. Sitzung des IV. Congresses der Deutschen Oe-
■eÜBchaft fOr Chirurgie, am 8. April 1875.
Cenindblatt für Chinugie. No. 44. 697
Filtration mit Thonbechem und Auswaschen mit destUlirtem Wasser^
Diffusion durch thierische Membranen, Ausfällen u. s. w. und hielt die-
selben fiir noch lebensfähig, weil sie sich in C o h n ' scher , gekochter
Nährflüssigkeit vermehrten. Bei täglicher Injection einer V2
Pravaz'schen Spritze bekamen die V ersuchsthiere,
Hunde und Kaninchen^ weder Fieber, noch mit Aus-
nahme eines leichten Oedems locale Erscheinungen. —
Auch an sich selbst hat H. sowohl Impfungen, als auch die Injection
von 0,5 Grm. der bacterienreichen Flüssigkeit ohne Schaden gemacht.
H. hält deswegen die Bacterien nur für häufige, vielleicht constante Be-
gleiter der accidentellen Wundkrankheiten, welche das septische Gifk als
Träger desselben verbreiten und vielleicht auch (ist aber nach Verf. un-
wahrscheinlich) erzeugen oder reproduciren können ; dagegen leugnet er
jede selbstständige mechanische Action. Schliesslich theilt H. nocheinige
Versuche überFäulniss mit. Er injicirte mit allen Cautelen bis 0,2
seiner Isolationsflüssigkeit in Hühnereier, fand diese nach mehreren Ta-
gen nicht faulend, woraus er schliesst, dass die Bacterien der Fäulniss
die physiologischen Erreger der Eiweisszersetzung nicht sind und das
thierische Eiweiss in unzersetzter Form nicht assimiliren können.
Femer spritzte H. in Hühnereier bacterienhaltige Pasteur'sche
Losung und schliesst aus dem Nichtfaulen derselben, dass höchst
wahrscheinlich auch bei der' Vegetation der Bacterien keine Stofie
gebildet werden, welche die Zersetzung der Eiweisskörper zu bewirken
im Stande sind. — Femer legte Verf. Eier in faulende Flüssigkeiten,
fand sie nach 10 Tagen noch frisch, und hält (wenigstens das atmo-
sphärische) Fäulnissferment für einen festen organischen Körper.
Endlich infundirte Verf. Zimmerstaub mit destiUirtem Wasser. Es
entwickelte sich Trübung ; die Flüssigkeit wurde in Hühnereier injicirt
und bewirkte zum Theil stinkende Fäulniss, entwickelte in Züchtungs-
flüssigkeit Bacterien und faulte. Es fuhrt also die Luft Bacterien-
keime, femer ist der Staub unserer Luft Träger eines Fäulnissfer-
mentes , welches jedoch nicht in den Bacterien zu suchen ist , und
schliesslich fuhrt der Staub föulnissfähige organische Substanz.
(Bezüglich der Beweisfahigkeit der zuerst referirten Versuchsreihe
möchte Referent anfuhren, dass neben der geringen Quantität die
Controlversuche auf die Infectionsfähigkeit der ganzen faulenden Flüs-
sigkeit fehlen.) Maas (Breslau).
De Sinety. Sur repith^lium de Tut^rus.
(Soci^t^ de Biologie. Sdance du 15. Mai 1875. — Oaz. m6d. No. 22.)
Im Collum sämmtlicher von ihm untersuchten, den verschieden-
sten Lebensaltem angehörigen Uteri fand Verf. die eigenthümlichen
Bechetzellen , die nach Friedländer's Angabe nur im kindlichen
Alter vorkommen. Dieselben sind weniger sphärisch als an anderen
Körperstellen, zeigen aber sonst dieselben Eigenschaften und secer-
698 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 44.
niren den characteristischen zähen Schleim, der sidi stets in wech-
selnder Quantität im Collum uteri vorfindet. Nach oben gehen diese
Becherzellen in Cylinderepithel über, an welchem Verf. im kindlichen
Organ nirgends FUmmercilien entdecken konnte. — Analoge Ver-
hältnisse wie beim Menschen fand de S. beim neugebomen Meer-
schweinchen und beim erwachsenen Kaninchen. Bei ersterem hatten
jedoch die Becherzellen eine weit weniger oblonge Form als im
kindlichen Uterus. — 0. Tolkmaui (Kettwig).
Grainger Stewart. On abdominal abscess.
(Med. tim. and gaz. 1875. Juli 31. p. 115.)
Klinischer Vortrag über Aetiologie, Diagnose, Verlauf und The-
rapie der Abscedirungen in der Leibeshöhle. Nachdem (durch
Function) die Anwesenheit von Eiter festgestellt ist, soll unter anti-
septischen Cautelen incidirt werden; die Vorzüge des antiseptischen
Verbandes haben sich Verf. vielfach bewährt. Von den mitgetheilten
Krankengeschichten verdient Erwähnung: Perinephritis rechts, bei
einer alten Frau; Incision nach Annandale; Tod 24 Stunden
später« Vollständiger Verschluss des rechten Ureter durch einen am
unteren Ende festgeklemmten Stein; vereiterte Hydronephrose. An-
dere Niere gesund, daher Urin normal. Ranke (Halle).
A. Bergeron. Du traitement des fistules anales par la liga-
ture flastique.
(La France m^cale 1875.)
Die Hehandlimg von Mastdarmfisteln mit der elastischen Ligatur
(Dittelj empfiehlt sich nicht nur durch vollständige Ungefahrlichkeit
(Blutung^ Eiterung und Fieber treten nicht ein), sondern auch da-
durch, dass die Patienten dabei ungestört ihrer Beschäftigung nach-
gehen können. Man benutzt am besten einen soliden Gummifaden,
den man mittelst einer geöhrten Sonde einfuhrt und fest knotet;
Drainagerohre sind weniger brauchbar.
Obwohl der Schmerz in den ersten Stunden nach der Operation
ziemlich heftig zu sein pflegt, ist Narkose doch durchaus nicht nöthig.
Am 4. bis 7. Tage pflegt der Faden durchzuschneiden ; Einfuhrung
von Wieken etc. ist nicht nöthig, da die Wundflächen, mit nekro-
tischem Gewebe bedeckt, durchaus nicht zur Verklebung neigen.
Nach einem Monat pflegt die Vemarbung beendet zu sein. Bei blutr
armen Personen, bei Frauen und in allen den Pallien, wo die Fistehi
hoch hinauf gehen, ihre Spaltung demnach mit starker Blutung ver-
bunden sein würde, sollte man stets die elastische Ligatur anwtoden.
±. (j^enimer (Halle).
Centralblatt fiSr Chirurgie. No. 44. 699
Davies Colley. Varicose veins of the lower extremity trea-
ted by excision.
(Guy '8 HospiUl Keports 1875. p. 431.)
Ermuntert durch die Erfolge der Lister' sehen Behandlung bei
Eröffnung der Gelenke und Sehnenscheiden führte Verf. in 2 Fällen
die Excision von Varicen am Unterschenkel aus, unter Anwendung
des List er' sehen Verfahrens.
1) 34jähriger Mann litt seit 2^2 Jahren an varicösen Anschwel-
lungen beider Unterschenkel. Alles Bandagiren war erfolglos und
Fat. gezwungen j seine Beschäftigung, bei der er viel stehen musste,
aufzugeben.
Die Venen waren beiderseits ausserordentlich ausgedehnt. Ganz
besonders aber prominirte ein 4^2 Zoll langes^ 2^2 Zoll breites Con-
volut an der inneren Seite des rechten Unterschenkels. Die vielfach
geschlängelte Vene hatte fast die Dicke eines kleinen Fingers.
Unter Anwendung der Esmarch' sehen Blutsperre und des
Lister' sehen Carbol-Spray wurde der Varix mit einem 5 Zoll langen
Schnitte blossgelegt, zuführendes und abführendes Ende mit Catgut
unterbunden und das ganze Convolut herausgeschnitten. Dasselbe
lag der Vena saphena interna auf, stand indessen in keiner sichtbaren
Verbindung mit derselben. Heilung unter Lister' s Verband', ohne
febrile Symptome. Fat. nach 6 Wochen geheilt entlassen.
2) 22jährige Frau litt an einer 2 Zoll langen, 1^4 Zoll breiten
varicösen Venen-Geschwulst an der Innenseite des linken Knies.
Unter Carbol-Spray wurde der Varix blossgelegt, oben und unten
mit Catgut unterbunden und herauspraeparirt. Heilung ohne Zwischen-
falle in 4 Wochen.
Verf. will hiermit keine neue Operationsmethode erfunden , viel-
mehr das bereits von Celsus empfohlene, von vielen englischen
Chirurgen geübte, wegen der Gefahr der Entzündung und der Pyae-
mie aber in Misscredit gerathene Verfahren wiederum zu Ehren ge-
bracht haben. Seine Vorzüge vor der viel angewandten Acupressur
bestehen in der Vermeidung der Entzündung, sowie besonders in der
Sicherheit, welche dasselbe gegen eine Erweiterung der nächstliegen-
den durch die Acupressur nicht verschlossenen Venen bietet.
Lossen (Heidelberg).
P. Berger. Du traitement des ulceres de jambe par Tinci-
sion circonferentielle.
(La France m^dicale 1875.)
Die Nu SS bäum' sehe (?) Methode der Behandlung alter vari-
cöser Fussgeschwüre mit Umschneidung soll nach B. bereits längere
Zeit vorher von Dolbeau in Paris mit ausgezeichnetem Erfolg an-
gewandt sein.
Die durch die Umschneidung erzielte Erleichterung der Narben-
700 Gentralblatt für Chiriugie. No. 44.
contraction und die theilweise Versetzung des Ilegeneiationsprocesses
in gesunde Gewebe sind erst in zweiter Linie als Vortheile der Um-
sdmeidung anzusehen; in der localen Alteration des Blutkreislaufes,
die durch den stark blutenden Schnitt hervorgerufen wird^ sieht
Verf. das hauptsächlich wirkende Moment. Infiltrationen^ Stasen und
Stauungen innerhalb der callösen Gewebe der Geschwürsumgebung
sollen dadurch gehoben werden; Verf. macht auf das Analoge der
Behandlung mancher Homhautgeschwüre durch Peritomie aufmerksam.
Ein starkes Klaffen der Wundränder ist nicht anzustreben; sie
sollen möglichst frühe verkleben.
Verf. rühmt die Seltenheit der B^cidive nach Gircumcision. Die
Narbe bleibt stets frei von Ulcerationen^ sollten sich solche auch am
andern Bein oder in der Nähe des geheilt-en Geschwürs einstellen.
A« CtonzBier (Halle).
G. Howse. Genu valgum treated by excision of the knee-
Joint.
(Ouy'B Hospital Reports 1875. p. 531.)
Ein 12jähriges Mädchen hatte nach dem Keuchhusten eine
Schwäche im rechten Kniegelenk zurückbehalten, welche allmälig in
Folge abnormer Belastung zu folgender Deformität des Gelenkes
führte. Steht Pat. aufrecht^ die Füsse parallel neben einander, so ist
das rechte Knie soweit nach aussen von der Mittellinie gerückt, dass
zwischen ihm und dem normalen linken ein Abstand von circa 4 Zoll
besteht. Das rechte Bein bildet einen nach innen offenen Winkel
von 160^. (Ein genu varum also, nicht valgum. Ref.). Bei
Bewegungen fallt die ausserordentliche Schlaffheit des Bandap-
parates auf. In der Beugestellung gestattet dieselbe den Unter-
schenkel um Y4 Kreisbogen nach innen zu rotiren, so dass der äus-
sere Fussrand gerade nach vom sieht. Das Gehen ist in Folge
dessen sehr unsicher, Pat. muss sich stets eines Stockes bedienen und
fällt auch hiermit noch oft genug zu Boden.
Von anderen Mitteln sich wenig Erfolg versprechend, führte
Verf. die Resection des Kniegelenkes aus. Es zeigte sich hierbei,
dass neben der enormen Schlaffheit der Bänder eine Wachsthums-
anomalie des Femur bestand. Während der Condyl. ext. femur.
vollkommen entwickelt ist, bildet der internus nur eine sehr
geringe Prominenz, in welcher sich noch kaum ein Knochenkem
entdecken liess. Xlm diese schiefe Gel^nkfläche in eine horizontale
umzuwandeln, musste mittelst der Butch er' sehen Säge vom Condyl.
ext. ein ziemlich bedeutendes Stück entfernt werden, während am
inneren Condylus nur eine dünne Knorpelscheibe abfiel. Von der
Tibia wurde nur die überknorpelte Fläche abgetragen. Die ganze
Operation - geschah unter Carbol-Spray und mit Anwendung des
Esmarch' sehen Verfahrens. Lagerung des resecirten Beines auf
eine unterbrochene Eisenschiene; Lister's Verband. Heilung ohne
CentnablaU fQr Chiiurgie. No. 44. 701
besondere Zwischenfälle. Die Eiterung dauerte an der inneren Seite,
wo der noch knorpelige Condylus lag, länger als an der äusseren.
Pat. nach 4Y2 Monate entlassen, konnte mit Hülfe eines Stockes gehen.
\^erkürzung 1 Zoll. Drei Monate später ging das Mädchen ohne
Stock. Lossen (Heidelberg).
Kleinere Mittheilungen.
Cooper ForBter. Surgical Records.
(Guys Hospital Reports 1875. Vol. XX.)
Dem Berichte über 81 yerschiedene F&lle entnehmen wir die folgenden:
I. Aneurysmen der Arterxa poplitea. (Fall 15 u. 16.)
1 ) 38jähr. Pflasterer. Atheromatose fast sämmtlicher palpable^ Arterien. Com-
pression beider Femorales mit Finger, Toumiquets und Gewichten. Rechts vor-
übergehende Besserung. Links Status idem. In Anbetracht des Allgemeinsustan-
des der Arterien wurde von der Ligatur abgesehen.
2) 40jihr. Arbeiter. Geschwulst bestand seit 3 Monaten. Keine Hersgerftusche.
Digital- und Instrumentalcompression der Femoralis 5 — 6 Wochen lang. Aufhören
der Pulsation. Tumor hart und klein.
n. Hernien. (FaU 19— 28.)
1) Incarcerirte Femoralhernie. Operation. Heilung. No. 19.
53jähr. Wittwe ; bekam vor 6 Monaten rechtseitigen Schenkelbruch ; trüg kein
Bruchband. Seit 12 Stunden Verstopfung und Schmerzen in der Leistengegend.
Sie hatte sich nicht überangestrengt. Taxis erfolglos. Herniotomia interna. Bruch-
sack dunkelroth, ebenso Bruch wasser, aber klar. Heilung per prim. intent.
2) Incarcerirte Femoralhernie. Operation, Heilung. No. 20.
44jähr. Frau; hatte dreimal geboren; leidet an häufigem Gallebrechen. Bei
solchen Anfällen bemerkt sie in den letzten 12 Monaten, dass ein kleiner Knoten
an der rechten Leiste hervortritt, welcher schmerzt, während der Nachtruhe aber
wieder yerschwindet. Vor 12 Tagen war er wiederum herausgetreten; Pat. hatte
in kurzer Zeit 5 Stühle, Ton da ab Verstopfung. Bei der Aufnahme heftige Leib-
schmerzen, Tympanitis, lebhafte, deutlich sichtbare peristaltische Bewegungen.
Zunge belegt, ab und zu Erbrechen ohne f&culenten Geruch. Unter dem rechten
Lig. Poup. kleiner, harter Knoten. Herniotomia interna. Bruchsack entleert kla-
res Serum. Im Halse eine kleine Darmschlinge eingeklemmt. Reposition; Hei-
lung nach 6 Wochen.
3} Inguinalhernie. No. 24.
11 jähr. Pat., vor einem Jahre durch Ueberfahren an der linken Seite des Un-
terleibes verletzt. Drei Tage vor der Aufnahme kam der Bruch ohne Veranlas-
sung zum ersten Male hervor. Taxis erfolglos. Eisumschläge. Anderen Tages ist
die Hernie spontan verschwunden.
4) Incarcerirte Inguinalhernie; Reposition durch Taxis nach
Anwendung von Eis und Opium. No. 25.
57jähr. Mann. Bruch seit 20 Jahren. Nie Bruchband getragen. 10 Stunden
vor der Aufnahme Hernie vorgefallen , 1 Stunde später Erbrechen und heftige
Schmerzen, die sich fortwährend steigerten. Kop^osse, rechtseitige Serotalhemie.
Taxis erfolglos. Eisumschläge, Opium. (15 Tropfen Tinctur.) 3 Stunden später
bei nochmaliger Taxis Bruch leicht reponirbar.
5) Incarcerirte Inguinalhernie; spontanes Zurückgehen nach
Anwendung von Eis und Opium. No. 26.
50jahr. Maurer. Bruch seit Kindheit, stets durch Bruchband zurückgehalten.
Einige Stunden vor der Aufnahme war derselbe während heftiger Anstrengung
702 Centralblatt für Chirurgie. No. 44.
vorgefallen. Sehr bald starke Schmerzen; kein Erbrechen. Linkseitige, orange-
grosse Leistenhernie, vollkommen weich. Taxis erfolglos. EisumschlSge, Opium
(2 8tQndl. 0,06;. Am anderen Morgen bei dem Erwachen war die Hernie von
Selbst zurückgegangen.
6) Incarcerirte Leistenhernie; Reposition durch Taxis nach
Anwendung von Eis und Opium. No. 27.
22jähr. Musikant. Bruch besteht seit 3 Jahren, war stets reponibel. Kein
Bruchband. TVs Stunde vor der Aufnahme war die Hernie wieder vorgefallen und
liess sich nicht zurückbringen. Alsbald Schmerzen und Erbrechen. Grosse recht-
seitige Scrotalhemie. Zunge belegt, Aussehen schlecht. Taxis erfolglos. Eisum-
schlftge und Opiiun (0,06). Anderen Tages gelang die Taxis ohne Mühe.
7) Incarcerirte Leistenhernie. Spontane Reduction nach An-
wendung von Eis und Opium. No. 28.
ISjähr. Arbeiter. Bruch bestand seit der Kindheit. Bruchband bis zum Bten
Jahre getragen. Später erschien der Bruch zeitweise, war indess immer reponibel.
5 Stunden vor Ai^nahme Hervortreten der Hernie. Grosse rechtsätige Scrot«!-
hemie, weich, aber schmerzhaft. Häufiges Erbrechen. Taxis erfolglos. Eis und
Opium (4stündl. 0,06). Anderen Tages ging der Bruch spontan zurück.
in. Ovariotomieen. (Fall 40—44.)
1) Ovariotomie; Heilung. No. 40.
31jähr. Frau, Mutter von 5 Kindern. Vor 17 Monaten bemerkte sie eine all-
mälig wachsende Anschwellung des Abdomens. Function vor 6 Monaten. Bei
der Aufnahme: grosser, deutlich fluctuirender Tumor im Unterleib; Aussehen der
Fat. gesund. Ovariotomie. Keine Adhäsionen, geringe Blutung. Stiel in Klam-
mer gelegt. Cyste enthielt eine Menge kleiner Secundärcysten. Wundverlauf ohne
Störung. Klammer löst sich am 12. Tage. Fat. nach 6 Wochen geheilt entlassen.
7 Monate nach' der Operation gebar sie ein gesundes Kind, war denmach wahr-
scheinlich schwanger während der Operation.
2) Ovariotomie; Heilung. No. 41,
43jähr. ledige Frau, bemerkt die Anschwellung des Leibes seit 9 Monaten.
Untersuchung ergiebt einen 2-lappigen höckerigen Tumor, der 1 Zoll Über den
Nabel nach aufwärts reicht. Beide Lappen ziemlich gleich gross; der linke zeigt
Fluctuation, der rechte ist fest. Allgemeinbefinden gut. Ovariotomie, Function
der multiloculären Cyste. Entleerung puriformer Flüssigkeit, von welcher etwas
in die Bauchhöhle fliesst, aber wieder möglichst rein weggewaschen wird. Leichte
Adhäsionen, geringe Blutung. Stiel in Klammer befestigt. Wundverlauf ohne be-
sondere Störung. Klammer löst sich nach 13 Tagen. Fat. nach 7 Wochen geheilt
entlassen.
3) Ovariotomie; Tod am 5. Tage durch eiterige Fe ritonitis. No. 42.
44jähr. Frau, verheirathet. Seit 3 Jahren bemerkt sie einen Tumor im Un-
terleib. Niemals Function. Untersuchung ergiebt grosse Cyste mit sehr deut-
licher Fluctuation. Ovariotomie. Zahlreiche Adhäsionen mit der Bauchwand, dem
Darm und Netz. Ziemlich bedeutende Blutung. Stiel in Klammer gefasst Tod
am 5. Tage in Folge eiteriger Feritonitis.
4) Ovariotomie; Multiloculäre Cyste. Tod. No. 43.
28jähr. unverheirathete Frau. Schop seit 10 Jahren bemerkte sie, dass ihr
Leib stärker wurde. Sechsmalige Function. Die anfibiglich klare Flüssigkeit war
bei den letzten Malen dick und trüb.
Grosse Cyste. Fat. klagt über zeitweise auftretende Schmerzen. Ovariotomie.
Adhäsionen mit der vorderen Bauchwand und den oberen Abschnitten des Mesen-
teriums werden mit den Fingern gelöst; der Stiel wird in einer Klammer befestigt.
Tod am 4. Tage in Folge allgemeiner Peritonitis. Eingeweide durch firische Ad*
häsionen verklebt.
Centralblatt für Chirurgie. No. 44. 703
5) OTariotomie, Heilung. No. 44.
25jähr. Pat. , yerheirathet. 4 Jahre Tor der Aufnahme erste Schwellung be-
merkt. Menstruation stete vorhanden. Grosse Cyste mit unebener Oberfläche.
Oyariotomie. Bei der Function entleert sich eine trübe, dicke Flüssigkeit. Keine
Adhäsionen. Der Stiel wurde in einer Klammer fixirt. Heilung ohne Zwischen-
ftlle. Ais die Klammer sich am 19. Tage noch nicht lösen wollte, wurde der
Stiel mit einem Faden fest umschnürt. Er fiel nach 3 Tagen ab und Fat. rer-
Hess 4 Wochen nach der Operation geheilt das Hospital.
IV. Fracturen.
1) Complicirte Fractur des Oberschenkels, Heilung. No. 67.
75 Jahr alte Frau hatte den Fuss in einer Matte verstrickt und fiel zu Boden.
Fractur des Oberschenkels dicht über dem Knie; wahrscheinlich T-Bruch. Knie-
gelenk geschwollen fluctuirend. Aeussere Wunde klein, hatte indessen stark ge-
blutet. Schienen verband. Nach 6 Wochen beginnende Consolidation zu consta-
tiren. Fat. in Heilung entlassen.
2) Complicirte Fractur des Humerus, complicirte Luxationen
des Daumen und Zeigefingers. Secundär - Exarticulation der
Schulter. Heilung.
Mit den angeführten Verletzungen wurde ein 33jähriger Mann aufgenommen.
Conservativ-Behandlung während der ersten 6 Wochen. Intercurrentes Erysipel.
Vereiterung des Schultergelenks. Exarticulatio humeri. Fat. vollkommen geheilt
nach 5 Wochen entlassen. LOBsen (Heidelberg.)
Comil. Epitheliome perle des teguments du cräne.
(Soci^te de Biologie. S6ance du 15. Mai 187.^. — Oaz. m6d. No. 22.)
Eine 68jährige Frau, der in früheren Jahren ein Anzahl Atherome der behaarten
Sch&deldecke entfernt worden waren, wurde im Jahre 1874 abermals wegen eines
auf der Mitte des Kopfes bestehenden Tumors operirt, der sich bei der histologi-
schen Untersuchung als ein Ferlepitheliom erwies. Wiewohl bei der Operation
der Knochen mit abgeschabt worden war, trat doch schon nach einigen Monaten
ein Becidiv ein, welches bei der Aufnahme der Kranken im Mftrz 1875 einen faust-
grossen, höckrigen, auf dem Schädel unbeweglich aufsitzenden Tumor darstellte.
Spontane Schmerzhaftigkeit. Keine Drüsenanschwellungen. Exstirpation des
Tumors am 8. April. Derselbe zeigt sich auf dem Durchschnitt weisslich, fest,
trocken, ohne sichtliche Vascularisation. Die mikroskopische Untersuchung lässt
in ihm Kugeln von concentrisch gelagerten, abgeplatteten Hornzellen mit dazwischen-
liegenden dünnen und gefösslosen Bindegewebsbündeln erkennen. Die isolirten
Zellen zeigen gezähnelte Ränder und unregelmässige Fortsätze. Die Kerne er-
scheinen granulirt, einzelne colloid. Bei Färbung mit MethylaniHnviolett lässt die
den Zellinhalt bildende Hornsubstanz eine Menge feiner, theils radiärer Streifen
erkennen. Die der Mitte der Ferlkugeln entnommenen Zellen haben eine kuglige
Form ohne Fortsätze und entbehren häufig der Kerne. Ihr Inhalt ist stark licht-
brechend und nimmt eine intensive violette Färbung an. Diese Zellen ähneln
vielfach denen der diphtheritischen Fseudomembranen.
0« Tolkmann (Kettwig).
Bobin. Note sur un cas d'urine bleue; considerations sur la nature
probable de la mati^re bleue contenue dans certaines. urines.
(Sod^tö de Biologie. S^ance du 26. juin 1875. — Gaz. m^d. No. 28. p. 345.;
Eine 35jährige hysterische und sehr nervöse Kranke entleerte zweimal nach
einem jedesmaligen heftigen Schmerzanfall in der rechten Brust- und Lendengegend
eine kleine Quantität blauen Urins. Die Farbe , namentlich der zuerst entleerten
Menge war ein tiefes Indigoblau. Unter dem Mikroskop Uess der Bodensatz eine
tiefblaue amorphe Masse erkennen, daneben E^ithelien aus Blase und Vagina mit
blaasblauen Kernen, ferner zahlreiche Algen und Sporen. Die blaue Masee Itete
704 Centzalblatt für Chinufrie. Ko. 44.
sich in Wasser, Alkohol und Aether nnr wemg, in Chlorofoim, Terpenthinftl und
Benzin gar nicht. Von den Tenchiedensten chemischen Reactionen war besonders
characterisdsch die mit Salxsiure, in der sich die genannte Masse mit schön car-
minrother Farbe löste. — Da eine Simulation in diesem Falle bestimmt ausiu-
schliessen ist, so reiht sich derselbe einer Ansahl ähnlicher, bereits frfiher gemach-
ter Beobachtungen an. Die Natur des eigenthümlichen / mit den Terschiedensten
Namen belegten , färbenden Princips li^ bisher fast völlig im Dunkeln. R. hält
die blaue Substanz nach dem Vorgang Braconnots, der dieselbe Cyanurin nannte,
fOr ein Oxjdationsproduct der Harnsäure. Vielleicht ist sie auch ein Derivat des
Indols und hängt mit einer Erkrankung des Pancreas zusammen.
0. V#llaunu (Kettwig).
Hagedorn. Demonstration einer galyanokaastiBchen Scbneideschlinge,
welche bei der Operation eine sichere Blutstillung ermöglicht.*]
(Arch. f. klin. Chiruigie 1S75. Bd. XVIH. Hit. 4.)
H. hat eine galvanokaustische Schneideschlinge constmirt. welche man zugleich
als Drahtecraseur wirken lassen kann, einen gafvanokausti sehen Draht-
schnfirer, wegen dessen genauer Beschreibung wir auf das Original verweisen*
Um femer den richtigen Hitzegrad der Schlinge zu haben, vor allem ein zu stari^es
OlGhen des Drahtes, der dann zu schnell durchschneidet und nicht mehr blutstillend
wirkt, zu vermeiden, macht H. auf den Widerstand beim Drehen des Wirbels auf-
merksam^ der im umgekehrten Verhältnisse ein sicherer Gradmesser für die Olllh-
Wirkung der SchHnge ist. SchnOrt sich der Draht zu leicht und zu schnell zu-
sammen, d. h.' slso, glüht der Draht zu stark, so empfiehlt es sich, den Strom nur
kurze Momente einwirken zu lassen und längere Momente zu unterbrechen. H. hat
mit seiner Schlinge unter anderen Operationen, ohne Blutung, ohne Unter-
bindung und ohne Nachblutung einen Oberschenkel und einen Unterschen-
kel, dessen Heilung allerdings 2 Monate dauerte, amputirt, femer 11 Brustampu-
tationen wegen Carcinomen u. s. w., im Ganzen 35 grosse Operationen gemacht,
über welche er später Näheres berichten will. Maas (Berlin).
y. Mosengeil. Demonstration eines magnetisch-electrischen Rotations-
apparates zu galvanokaustischen Zwecken.**)
(Arch. f. klin. Chirurgie. Bd. XVIQ. Hft. 4.)
Verf. demonstrirte einen nach dem System des Dr. ▼. Hefner-Altenbeck
construirten magneto-electrischen Apparat, dessen Princip und Wirkungs-
weise auf dem Satze beruhen, dass in einem in sich geschlossenen electrischen
Leiter ein Strom entsteht, wenn Theile yon ihm zwischen zwei entgegengesetzten,
sich fast gegenüberstehenden Polen eines Magneten bewegt werden. In dem
Apparate besteht der Leiter aus relativ dickem, umsponnenen Kupferdraht, der um
eine Blechtrommel gewickelt ist, die Magnete aus fCLnlzig gestrichenen, starken
Hufeisenmagneten von Wolframstahl. Indem wir wegen des Genaueren aiif das
Original verweisen , heben wir hervor, dass v. M. selbst auf den hohen Preis des
Apparates aufmerksam macht. Ref. bemerkt femer, dass ihm eine Hauptbedingung
eines guten Apparates fOr galvanokaustische Zwecke abgeht: die Möglichkeit nAm-
lich, den Strom genau und leicht zu dodren, wie dies vor allem dieMiddeldorpf-
sche Batterie gestattet. Maas (Berlin).
*) Yortrftg, gehaltAn %m 3. Sitzangst^ge des lY. CongresseB dei deatschen Getellschaft für Chinir-
gie ZQ Berlin, am 9. April 1875.
**) OemoutrfttioB in der 4. Sitsang des IT. Congresees der deateehen Oeeellecluft f&r Chiraiq^e
n Berlin, 18. April 1875.
Origlnalmitthellnngen, Monographieen und Separatsbdrücke wolle
man an Dr. H. Tillmann», Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlang,
Breühopf und Hättely einsenden.
Dmek nnd Verlag Ton Breitkepf and H Ariel in Leipaig.
Gentralblatt
ftr
CHIRURGIE
herauBgegeben
yon
Dr. L. L w, Dr. I. Scliele, Dr. I. Ti
in Berlin. in Berlin. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 45t Sonnabend, den 6. Noyember. 1875«
Inhalt: Solokoff» Einfiass der künstlichen Unterdrückung der Hautperspiration. —
Gll^rln, Pansement ouat^. — Sarazin, Antiseptische Occlusion der Wunden. — Heschl,
Reaction auf amyloid degenerlrte Gewebe. — FIck, Wärmeentwicklung bei der Zusam-
men Ziehung des Muskels. — Chirurgischer Bericht des St. George*s Hospital. — Ko-
walski, Bericht. — Weigmann, Steinrecidive, — BarSOW, Exstirpation der Zunge. —
Heinzaly Behandlung und Diagnose der Kniegelenkschüsse. — Bull, Doppeltgetheilter
Fuss mit 11 Zehen. — Moritz, Plantargeschwüre. — Nepvou, Ruptur der Ovariencysten.
— Karpotschenko, Ursachen der Brucheinklemmung.
Kruof, Künstliche Ernährung durch subcutane Injection. — RiiohlOi Lammblut-Trans-
fusionen. — Bolsnot, Transfusion. — Forbos, Amylnitrit bei Tetanus. — Schmiedoberg,
Digitalinwirkung am Herzmuskel. — Bresgon, Partieller Schichtstaar nach Verletzung
der Linse. — Slnowleff, Künstliche Perforation des Trommelfells. — Wagnor, Ueber-
zählige Halsrippe. — Lovls, Halscyste; Enchondrom der Finger. — KlopOtOWSlty, Pene-
trirende Brustverletzung. — Wyscbinsky, Schussverletzung der linken Schulter. —
Bucholtz, Uteruskrebs. — Maundor, Subcutane Operation bei Anchylose des Kniegelenks.
N. Solokoff. lieber den Einfluss der künstlichen Unterdrü-
ckung der Hautperspiration auf den thierischen Organismus.
(Vir eh. Archiv Bd. LXIV. p. 40.)
Zur Unterdrückung der Hautperspiration bei Hunden und Kanin-
chen erwies sich dem Verf. Bestreichen mit Leinöl als am geeignet-
sten. Bei den verschiedenartigsten Versuchsformen (46 Versuchen]^
beim partiellen^ wie beim totalen Bestreichen blieben die klinischen
Erscheinungen immer dieselben; Eiweiss und geformte Elemente im
Harn^ Durchfall, Verfall der Herzthätigkeit und Athmung, Störun-
gen im Nervensystem, ab und zu Krämpfe, endlich Erniedrigung
der Temperatur. Bei anatomischer Untersuchung fanden sich immer
entzündliche Affectionen der parenchymatösen Organe, ganz besonders
des Darmcanals, der Leber, der Nieren. Je länger das Thier mit
theilweis unterdrückter Hautperspiration gelebt hatte, um so auffallen-
der waren die anatomischen Veränderungen.
45
706 Centralblatt für Cbimigie. No. 45.
Die uineTe Temperatur zeigte bei partiellem Bestreichen ia
der ersten Zeit nur geringe Schwankungen (stieg ein wenig bei Hun-
den^ fiel ,bei Kaninchen). In der grössten Anzahl der Fälle fing
die Temperatur einige Tage vor dem Tode an, stufenweise zu sinken^
zuweilen indessen machte sich wieder eine Steigerung geltend^ die so-
gar einen intermittirenden Character hatte. In einigen Fällen zeigte
die Temperatur gar keine Schwankungen ; plötzlich sank sie um einige
Grade^ worauf das Thier bald starb. Wurden dagegen grössere
Theile der Haut bestrichen, so überlebte das Thier das Verfahren nur
um wenige Stunden, die Temperatur fiel sehr rasch. Schon diese thermo-
metrischen Messungen zeigen, dass die Erkrankung und der Tod
nach künstlicher Unterdrückung der Hautperspiration nicht Folge
der Wärmeabnahme ist. S. fand weiter, entgegen den Angaben yon
Laschkewitsch, dass der Grund der fortschreitenden Abküh-
lung nicht in der Erweiterung der Blutgefässe der Haut und Unter-
haut liege, indem beim Bestreichen der Haut keine Lähmung der vaso-
motorischen Nerven wie beim Durchschneiden des Sympathicus sich
entwickelt. Ebenso wurden entgegen L. durch Umhüllung mit Watte
sterbende Thiere nicht erwärmt. Selbst wenn die Utnhüllung un-
mittelbar nach dem Bestreichen vorgenommen wurde, konnten die
Thiere vom Tode nicht errettet werden. — Nach S. ist die beobach-
tete Erniedrigung der Temperatur vielmehr die Folge mangelhafter
Wärmeerzeugung, die bewirkt wird durch die grossen Veränderun-
gen (parenchymatöse Entzündungen) im Organismus. Die niedrige
Temperatur kennzeichnet die schwere Erkrankung, ist ein Vorbote des
baldigen Todes, aber nicht die Ursache aller Erscheinungen. — Als
Ursache der klinischen und anatomischen Befunde ist man gezwungen
eine Vergiftung des Organismus anzunehmen, Svenn auch nach den
misslungenen Erklärungsversuchen Anderer (Edenhuizen) die Frage
nach dem Retentum perspirabile, dem Gift selbst, fürs Erste bei Seite
gelassen werden muss.
Mikroskopisch gelang kein Nachweis, ob etwa der vergiftende Stoff
im Blut enthalten sei. S. machte Injectionen vom Blut von Tbie-
ren, die durch Unterdrückung der Hautperspiration vergiftet und
bereits in der Agone befindlich waren, in gesunde Thiere. Er fand^
wie Laschkewitsch bei demselben Versuch, keine Temperatur-
emiedrigung, aber bald trat bei dem der Injection ausgesetzten Thier
Albumen im Harn auf. welches erst am 3. — 4. Tag wieder ver-
schwand. Das Blut der bestrichenen Thiere enthält also doch ein
Etwas, was wie das Bestreichen selbst wirkt, nur nicht so intensive
Erscheinungen hervomifik. Dass diese Krankheitserscheinungen nicht
hochgradiger werden, dafür sorgt die gesunde Haut, die als Oigan,
welches das vermuthete Gift ausscheiden kann, in voller Tlatigkeit
bleibt. Thiere, die durch Bestreichen bereits erkrankt sind, gesunden
rasch, wenn man den Anstrich entfernt.
Verf. wendet sich gegen den Vorschlag von Senator, durch
Ueberziehen der Haut mit imperspirabeln Stoffen bei fiebernden Kran-
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 707
ken die Temperatur herabzuseteen und bestreitet den Werth d€a: Be-
obachtungen^ auf denen S. seine Vorscbliige baairt.
Madelimg (Bonn).
A. Querin. Le pansement onat^.
(Bulletin de Tacad^mie m6decine de Paris 1875. No. 84—36.)
Anlässlicli einer Prioritätsfrage gegenüber Bonrggraeve giebt
G. neue Mittheilungen über Methode und Wirkung des Watte Verban-
des, die grosstentheils das Bekannte enthalten. G. legt besonderes
Gewicht darauf, dass mit der »Luftfiltration« combinirt werde eine
»elastische Compression« der Extremität, absolute XJnbeweglichkeit,
gleichmässige Lufttemperatur und seltener Wechsel des Verbandes.
G. lässt solche Verbände 25—30 Tage liegen. Neu dürfte sein, dass
er jetzt seit kurzer Zeit auch prima intentio bei seinen Opera-
tionswunden anstrebt und in 3 Fällen glücklich erreicht hat. Die
eingeheilten Ligaturfäden wurden hier ^ einige Wochen später durch
Eiterung entleert.
Bonnafont wirft der Methode vor, dass die Watte durch Imbi-
bition mit Eiter an der Wundoberfläche sich verfilze und so schon
nach 6 — 8 Tagen eine Eiterretention bewirke, die zu den übelsten Zu-
fällen Anlass gebe. Seitdem er einmal in Afrika bei 5 seiner Amputirten
den Hautlappen unter diesem Verbände nach 8 — 10 Tagen vollstän-
dig brandig gefunden, habe er und auch Andere von dem Verfahren
gänzlich Abstand genommen.
Bezüglich der Theorie stimmt Gosselin mit G. nicht ganz
überein. Namentlich die Angabe, dass der Eiter unter dem Watte ver-
bände von Vibrionen stets frei gefunden werde, bestreitet er ganz
entschieden. Er hat in einer sehr grossen Zahl von Fällen, die er
daraufhin untersuchte — und Ollier, Demarquay, Verneuil,
Nepveu, Bergeron geben dasselbe an — diese Organismen aus-
serordentlich häufig constatiren können, auf Wunden, die übrigens
durchaus günstig verliefen und von jeder infectiösen Complication
freiblieben. Unter 4 Fällen treffe man sie mindestens in zweien
an. — Die günstige Wirkung des Watteverbandes müsse daher wohl
auf andere Momente bezogen werden, und man sei genöthigt anzu-
nehmen, dass es neben den Vibrionen und Bacterien in der Luft
auch noch andere schädliche Stoffe gebe, die durch die
Watte von der Wunde fem gehalten würden. Den schädlichen Einfluss
niederer Organismen auf Wunden hält er überhaupt nach den vor-
liegenden Erfahrungen keineswegs für sehr bedeutend.'^ — (Ref. erinnert
daran, dass er auf einem anderen Wege, nämlich dem des Experi-
ments, zu dem gleichen Resultat gelangte: »dass diese atmosphä-
rischen Fermente höchst wahrscheinlich nicht die Bacte-
rien sind, sondern irgend ein anderer molecularer organischer Körper,
gleichviel ob derselbe an den Bacterien haftet oder von ihnen getrennt
ist.« Laugenb. Arch. XVIII, p. 694.) Arn. HiUer (Berlin).
45*
708 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
Sarazin. Nouvelle m^thode d'occlusion antiseptique des plaies.
(Archivefl m^dicales beiges 1875. Heft 9.)
Besteht in der gleichzeitigen Anwendung von Watte und Theer
(occlusion antiseptique) , und hat dem Verf. unter Anderm bei ausge-
dehnten Weichtheilverletzungen durch Granatsplitter, mit und ohne
Knochenbruch, sehr gute Dienste geleistet. Dies veranlasst ihn, das
Verfahren besonders für die Kriegschirurgie zu empfehlen. Der Ver-
band vereinigt nach S. alle Vorzüge der antiseptischen Methode, ist
sehr wenig umständlich und kann durch Gehülfen angelegt werden.
Seine Wirkung reicht für mehrere Tage und somit selbst für weite
Transporte der Verwundeten aus. Arn. Hiller (Berlin).
Hesohl. Eine hübsche a vista-Reaction auf amyloid dege-
nerirte Gewebe.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 32.)
Verf. empfiehlt die violette Tinte von Leonhardi in Dresden, ein
Gemisch^ dessen färbendes Princip aus AniUnblau und Anilinroth
besteht — zur Färbung amyloid degenerirter Gewebe.
Y. Mosengeil (Bonn).
A« Fick« Ueber die Wärmeentwicklung bei der Zusammen-
ziehung des Muskels.
(Beiträge zxir Anatomie und Physiologie, aU Festgabe Carl Ludwig gewidmet tod
seinen Schülern. Leipzig, F. €• W. Yogel. 1875.)
Die Wärmeentwicklung beim Tetanus lässt sich durch die Yer-
muthung erklären^ dass wahrscheinlich für jeden vom Nerven kom-
menden Reizanstoss in der Muskelfaser eine bestimmte Menge zer-
setzbaren Stoffes bereit liegt, welcher durch den Reizanstoss entzündet
wird. Oder aber, man könnte der ehen ausgesprochenen Ansicht
entgegengesetzt annehmen, dass nach dem ersten Reizanstoss die
ferneren, welche zur Erhaltung der tetanischen Zusammenziehung, nicht
zur Vermehrung der letzteren führen, gar keine chemischen Processe
auslösten und nur dahin wirkten, das Entstehen des zweiten Processes,
welcher die Zusammenziehung aufhebt, zu verhindern.
Aus den vom Verf. angestellten Versuchen geht nun hervor, dass mit
der Dauer des Tetanus die Wärmemenge bedeutend wächst. Aber bei
den Acten der Verkürzung und Wiederverlängerung des Muskels wird
mehr Wärme entwickelt, als während eines ebenso lange andauernden
Tetanus. »Während eines in constanter Höhe anhaltenden Tetanus
geschehen zwar fortwährend chemische Processe, bei denen chemische
Anziehungskräfte Arbeit leisten und zwar, wie es scheint, bei nicht
allzu langer Gesammtdauer mit annähernd beständiger Intensität, aber
diese Intensität erreicht sicher lange nicht die Hälfte des Werthes,
welchen die Intensität dieser Processe hat in den Zeiten, während
welcher die Zusanmienziehung und vielleicht auch die Wiederausdeh-
nung des Muskels stattfindet.« Eine Bestätigung findet dieser Satx
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 709
in der merkwürdigen Thatsache^ dass bei einer Reihe von möglichst
rasch auf einander folgenden Zuckungen mehr Wärme frei wird, als
während eines gleich lange dauernden Tetanus, hervorgebracht durch
eine Frequenz von Beizanstössen, die eben im Stande ist, den Muskel
in dauernder Zusammenziehung zu erhalten. Dass im Muskel auch
nach Ablauf des ganzen Erregungsvorganges Wärme entwickelt wird,
d. h. dass chemische Processe in ihm ablaufen ^ ist sehr wahrschein-
lich. Tillmaims (Leipzig).
Chirurgischer Bericht des St. George's Hospital für 1872.
(Qeorge's Hosp. Reports Vol. VII).
In diesem Jahre wurden behandelt 2074 Fat., darunter 1224 Männer
und 682 Frauen; die 106 Todesfälle, — 14 wurden fast sterbend einge-
bracht — vertheilen sich auf 80 Männer und 26 Frauen. Die Mortalitäts-
ziffer beträgt 5,2^, der mittlere Spitals-Aufenthalt 31,7 Tage. Von
566 Verletzungen mit 30 Todesfällen betreffen den Kopf 118 (7 f j,
das Gesicht 15 (1 f), die Wirbelsäule 3 (2 t), den Hals 4 mit 3 Selbst-
mördern (1 t), die Brust 30 (1 f), den Unterleib 15 (i f), die unteren
Extremitäten 312 (13 f). Von 24 complicirten Fracturen starben 8
(12 Oberschenkel-, 5 Unterschenkel-, 2 Schädelfracturen) . Von grösseren
Operationen sind zu nennen Amputationen und Exarticulationen 27
(12 f). Von 9 Resecirten starb je 1 Oberkiefer-, Unterkiefer- und
Hüftgelenk-Resecirter. Von 9 operirten eingeklemmten Hernien an
4 M., 5 Fr. starben 5 (2 M. u. 3 Fr), und betrafen von 4 Inguinal-
hemien 1 W. (f), von 5 Femoralhemien 4 W. (2 f); alle starben an
Peritonitis. Von 6 Steinschnitten (5 W.) starben 2 W. ; die eine
Ovariotomirte starb. 1 traumatisches Ubiar-Aneurysma und 2 Popli-
teal- Aneurysmen wurden geheilt. Von grossen Gefössen wurde die
Carot. com. erfolgreich unterbunden, von 22 wegen Necrose Operirten
starben 2. — . PH* (Stettin).
H« Kowalski. Bericht über die chirurgische Abtheilung des
Tarnower Spitals für 1874—75.
(Przegl^d lekarski 1875. No. 32—36, polnisch.)
Von 361 Kranken waren 196 chirurgische; die anderen gehörten
den Augen-9 Haut- und venerischen Krankheiten. Davon starben
24=12,2^. — Bemerkenswerth ist ein Fall von Hemiotomie, wo
Gangrän des vorliegenden Darmes mit Erguss des Danninhaltes in
den Bruchsack vorgefunden wurde; die Incarceration wurde einge-
schnitten^ worauf grosse Kothmassen entleert wurden ; Heilung in 3
Wochen. Von den 12 Amputationen wurde 1 am Oberschenkel;
6 am Unterschenkel^ 1 am Vorderarme^ 4 an Fingern voigenommen^
alle wurden geheilt entlassen. — Bei den 8 grösseren Amputationen
wurde Esmarch's Blutleere und in allen ein Charpie-Occlusivver-
band angewandt. K. gebraucht beim Verbandwechsel eine leichte
Solutio kaH hypermanganici. — Obalinskl (Krakau).
710 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
Weigmann. Ueber Steinrecidive.
(Arch. f. klinische Chirurgie 1875. Bd. XVIII. Hft. 3. p. 516—556.)
Keine Art der Operation schliesBt die Möglichkeit solcher Reci-
dive au8^ weder die Lithotomie^ noch die Lithotritie. Piersig
(Recidive nach Blasensteinschnitt^ in B. SchnQ.idt'8 Beiträgen zui
chirurgischen Pathologie der Hamwerkzeuge) sammelte 155 Fälle von
Recidiven allein nach dem Schnitt^ Verf. 86 ebensolche^ die nach
der Lithotritie beobachtet wurden. Auf Grund dieser Erhebungen
lässt sich Folgendes behaupten. Ursachen der Recidive sind:
1. Das Herabsteigen eines Concrements aus der Niere in die
Blase. 2. Fortbestehen des chronischen Blasenkatarrhs. 3. Anomale
Verhältnisse der vorangegangenen Operation (zurückbleibende Stein-
trümmer^ Charpie-, Blutreste etc.)^ restirende Fisteln , die sich leicht
incrustiren. 4. Stauungen des Harns in der Blase (Blasenlähmung,
Prostatahypertrophieen^ Stricturen in Folge der Vemarbung u. s. w.)
Häufigkeit der Recidive: schwankt nach den einzelnen
Autoren zwischen 1,0)^ — 16,6^.
Häufigkeit der Recidive bei denselben Kranken. Ein
zweites Recidiv trat ein bei circa 22 )|^ der Fälle ^ ein drittes bei
Ififii ein viertes bei 2^25^. Ein siebentes Recidiv erwähnt Ci-
viale^ ein elftes Lisfranc.
Geschlecht und Alter. Steinrecidive bei Weibern verzeichnet
Piersig 3 Mal^ Verf. 5 Mal^ demnach sind dieselben, wie die Stein-
krankheit überhaupt, bei Frauen selten. Weiter ergeben die Tabellen,
dass die primären und secundären Steine bezüglich des Alters der
Patienten ziemlich gleichen Schritt halten.
Beide erreichen nämlich ihr erstes Maximum in der Jugend bis
zu 20 Jahren, ihr zweites im Alter von 60 — 70 Jahren, doch zeigt
sich dabei, dass in der Jugend der primäre Stein, im Alter das Re-
cidiv überwiegt. Im mittleren Alter und jenseits der 70. Jahre ist eine
Abnahme in der Häufigkeit beider zu bemerken, eine raschere jedoch
bei den primären Steinen, eine langsamere bei den Recidiven, so dass
letztere in diesen Lebensperioden wieder überwiegen.
Eintritt und Zwischenzeiten der Recidive. Die meisten
Recidive treten in und gleich nach den ersten 3 Jahren nach der
Operation ein. Dann werden sie rasch seltener; im Allgemeinen um
so mehr, je länger die freien Zwischenräume sind. Jedoch verschwin-
den sie nie ganz, so dass selbst im hohen Alter noch ein Recidiv
eintreten kann, wenn in der Jugend Steinbildung vorhanden war.
Die Zwischenzeiten zwischen den Recidiven lassen bisweilen eine
gewisse Regelmässigkeit nicht verkennen (z.B. 4 durch je 2 Jahre
getrennte Recidive), im Allgemeinen jedoch sind diese Zeiträume so
unregelmässig und von so individuellen Verhältnissen abhängig, dass
sich nähere Angaben darüber nicht machen lassen.
Chemische Beschaffenheit der Steine. Den häufigsten
Bestandtheil der Recidive bilden phosphorsaurer Kalk und phosphor-
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 711
saiue Ammoniak-Magnesia^ den der primären die Harnsäure. Letz-
tere wird also in den Recidiven häufig durch Phosphate vertreten.
Bilden irgend welche fremden Körper den Kern eines zweiten Steines^
so umhüUen sie sich fast immer mit phosphorsaurem Kalk resp.
Ammoniak-Magnesia. Eine Wiederbildung des Steines aus oxalsaurem
Kalky dessen primärer Stein ebenfalls aus oxaisaurem Kalk bestand^
sclieint^ wenn überhaupt^ nur äusserst selten vorzukommen.
In Betreff der Aussicht auf Recidive theilt Civiale die Steine
in zwei Klassen. In die erste gehören die Steine aus Harnsäure und
ihren Salzen^ femer die aus oxaisaurem Kalk und Cystin. Wenn diese
Steine sich langsam gebildet haben und wenn nach ihrer Entfernung
eine rasche und vollständige«Heilung beobachtet wurde, dann kann man
ziemlich sicher sein, dass die Heilung auch von Dauer sein werde.
Wenn jedoch die Hamsedimente sehr reichlich unter der Form von
Kiystallen oder Gries fortbestehen, so wird man kaum hoffen können,
dass die eine oder andere Operation unbedingte Heilung bringen
werde. In die zweite Klasse gehören die aus Phosphaten bestehenden
Steine, welche am häufigsten und oft mit ziemlicher Raschheit reci-
diviren.
Sitz des Recidives. Unter 240 Fällen 210 Mal die Blase;
ungleich seltener der Ureter, die Harnröhre, das Scrotum, das Peri-
neum, die nach dem Steinschnitt zurückgebliebene Wundfläche u. s. w.
Zahl der Steine. Sowohl beim Recidiv, als bei der ersten
Operation findet sich überwiegend nur ein Stein; beim Recidiv ist
aber häufiger eine grössere Zahl von Steinen vorhanden als bei der
ersten Operation, bei denselben pflegen endlich die grössten Zahlen-
werthe vorzukommen.
Behandlung. Die sorgfältigste Operation, die bestbewährten
Medicamente gewähren nicht die geringste Sicherheit gegen Recidive.
Man hat somit genug gethan, wenn man bei der Operation aufs
Sorgfältigste auch die kleinsten Steintrümmer entfernt, wenn man
das Zurückbleiben von Fisteln auf jede Weise zu verhüten sucht,
wenn man die Stauungen und Zersetzungen des Harns nach Kräften
zu mindern versucht. WUh« Kooh (Berlin).
K. W. Barsow. Ueber Exstirpation der Zunge von der regio
inframaxillaxis aus.
(Militär-med. Journal 1875. Mal. russisch.)
Verf. studirte noch unter Prof. Heppner's Leitung an Leichen
die Operation der Zungenexcision überhaupt und besonders die neue
Billroth' sehe Exstirpation von der regio suprahyoidea aus in topo-
graphisch anatomischer und chirurgischer Hinsicht. Zur genaueren
Erforschung der regio hyomaxillaris verfertigte er 60 anatomische
Präparate mit Gefässinjection. Um die technische Seite genau zu
Studiren ^ hat er die Operation wiederholt an frischen Leichen nach
verschiedenen Methoden ausgeführt. Zuletzt beschreibt er einen nach
712 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
Killroth von Prof. Heppner ausgeführten Fall von Exstirpatio
linguae^ dem Yerf. assistirte. Das Resultat dieser sehr eingehenden
Untersuchungen ist folgendes:
1) Bei Krebsaffectionen der hinteren Theile der Zunge verdient
das Messer vor allen anderen Methoden den Vorzug.
2) Die Exstirpation der Zunge durch einen Schnitt in der regio
submaxillaris giebt dem Chirurgen die Möglichkeit^ die Grenzen der
Affection genau zu bestimmen und in gesundem Gewebe zu operiren,
muss deswegen also allen anderen Operationen (Louis, Boyer,
Jäger, Sidillot) vorgezogen werden.
3] Unter den von der regio submaxillaris her operirenden Me-
thoden verdient wegen ihrer Einfachheit und günstiger topographisch
anatomischer Verhältnisse die Billroth' sehe Operation von der regio
hyomaxillaris her den Vorzug, da die Regnoli' sehe Operation durch
verticale Trenniing dieser Gegend zu überflüssigen Verletzungen führt.
4) Die Czerny'sche Operation setzt eine kleinere Wunde, ist
aber nur bei einseitiger Zungenaffection anzuwenden.
5) Bei der Billroth' sehen Operation muss alles Erkrankte in
der Umgebung der Zunge ohne Vergrösserung der äusseren Wunde
entfernt werden. Erreicht die Geschwulst der Zungenwurzel bei
gleichzeitiger Infiltration der Mundhöhlenbasis und der nächsten
Lymphdrüsen einen grossen Umfang, so empfiehlt Verf. eine Verlän-
gerung der hinteren Winkel der Seitenschnitte bis zum Winkel des
Unterkiefers beiderseits, oder nur auf der Seite der grösseren Ge
schwulst. Die Schnitte dürfen aber nur bis zur Fascie gehen, um
Verletzung der a. maxill. ext. vorzubeugen. Im oben erwähnten Falle
machte Heppner eine solche Verlängerung, welche den weiteren
Gang der Ojperation sehr erleichterte.
6) Bei gleichmässiger VertheUung der Geschwulst auf beide
Hälften der Zunge empfiehlt Verf. gleich Billroth und Czerny
die doppelte Unterbindung der Art. lingualis, bei Affection nur einer
Hälfte — einseitige Unterbindung derselben.
7) Besondere Aufmerksamkeit ist auf Befestigung des Zungen-
restes in möglichst normaler Stellung zu verwenden. —
W. Ornbe (Charkow).
HeinzeL lieber die conservirende Behandlung der Klniege-
lenkschüsse , sowie über die Indicationen zur primären Am-
putation, und die Diagnose der Knochenverletzung bei
penetrirenden Schusswunden des Kniegelenks nach dem
jetzigen Standpuncte der Wissenschaft.
(Deutsche militfträrztl. Zeitochrift 1875. Hft. 6.)
I. Conservirende Behandlung der Kniegelenkschüsse.
H. unterscheidet die conservirend exspectative und die con-
servirend operative Behandlung (Resection) und vei^leicht die
Resultate beider nach umfassenden statistischen Erhebungen^ sowohl
Centralblalt für Chirurgie. No. 45. 713
aus der einschlägigen Litteratiir^ als auch namentlich nach dem
reichhaltigen^ in den Zählkarten der Königl. Militär-Medicinal- Ab-
theilung des Kriegsministeriums niedergelegten Material des letzten
Krieges 1870 — 1871. Wir heben daraus Folgendes hervor und ver-
weisen bezüglich mancher interessanter Einzelheiten auf das Original:
A. Im Ganzen wurden exspectativ conservirend behandelt
191 Kni^elenkschüsse (darunter 156 allein aus dem letzten Kriege];
von diesen wurden geheilt 143, starben 48 oder 25,1^. Der Ver-
letzung nach betrafen dieselben:
1. Perforation des Kniegelenks mit einer Oeffhung, oder zugleich
mit Ausgangsöffnung, ohne oder mit oberflächlicher Verletzung der
Epiphysen (durch Schramm- und Binnenschuss) : 96 Fälle, welche
bei obiger Behandlung eine Mortalität von 14,5^ ergaben.
2. Eröfihung des Kniegelenks mit Patellarschuss : 30 Fälle mit
einer Mortalität von 10^.
3. Eröffnung des Kniegelenks mit Schuss Verletzung des Femur
oder der Tibia, oder beider zugleich, oder in Verbindung mit Verletz-
ung der Patella: 65 Fälle mit 47,6^ Todesfällen. — Die 156 ex-
spectativ behandelten Kniegelenkschüsse aus dem deutsch-französischen
Feldzuge hatten eine Gesammtmortalität von 27,5^, ein Resultat,
welches auffallend günstig erscheint gegenüber denjenigen im letzten
amerikanischen Kriege, in welchem/ nach den Berichten von Chis-
holm, von 103 Fällen 50 geheilt wurden^ und nicht weniger als 53
(=52^) starben.
B. Von den operativ behandelten wurden primär resecirt 17,
davon geheilt 7, todt 10=58,8^; mit Einschluss von noch 22 an-
deren in der Litteratur summarisch aufgeführten Fällen (v. Nuss-
baum); im Ganzen 41 Fälle, davon geheilt 16^ todt 25=60,9)^.
Secundär resecirt wurden 44, davon geheilt 3, todt 41=93,1 %
Von Interesse sind die JBndresultate der 10 geheilten (namentli-
chen) Resectionen: 3 gehen mit Hülfe eines Stockes und erhöhter
Sohle, 2 gehen mit Hülfe zweier Krücken, 1 geht mit Hülfe einer
Krücke und einer Stützmaschine, 1 geht mit Hülfe einer Stützma-
schine, 1 musste wegen Difformität nachträglich im Oberschenkel
amputirt werden, 1 musste wegen beträchtlicher Fissuren in der Tibia
nachträglich im Unterschenkel amputirt werden, 1 (Franzose) blieb
unbekannt. — In 5 von diesen Fällen ist vollkommene Ankylose
erzielt worden. —
II. Ueber die Indicationen zur primären Amputation bei
penetrirenden Schusswunden des Kniegelenks.
So verschieden, wie die Ansichten namhafter Chirurgen über die
Anzeigen zur primären Amputation, erweisen sich auch die Resultate
nach Zusammenstellungen aus den letzten europäischen Feldzügen
von 1848 an bis auf die Gegenwart (nach Lotzbeck). H. betrachtet
als feststehende Indicationen folgende : Zermalmung oder vollständiger
Verlust des Unterschenkels bis an das Gelenk (durch Vollkugel oder
714 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
Sprenggeschoss) , ferner umfangreiche Zerschmetterung der Knochen
mit so weitgehender Zerreissung der umgebenden Weichgebilde^ dass
eine Restitution nicht möglich ist, und endlich drittens lebensgefahr-
liche und nicht anders stillbare Blutungen aus der zerissenen A. und
V. Poplitea.
Die Erfahrungen des Krieges von 1870 — 1871 über die Lethalität
dieser Operationen sind nach den Acten des Kriegsministeriums fol-
gende : in den preussischen Feld- und Keservelazarethen sind während
des Krieges im Ganzen 1148 Oberschenkelamputationen vor-
genommen worden, darunter nicht weniger denn 421 (36,6 )K^) wegen
Schussverletzung des Kniegelenks. Die letzteren ergaben 102 Hei-
lungen, 265 Todesfälle (Rest unbekannt), mithin eine Mortalität
von 72,2^.
Im Ganzen wurden von den 1148 im Oberschenkel Amputirten
281 geheilt, 686 starben, bei 181 (Franzosen) blieb der Ausgang
unbekannt; mithin beträgt die Gesammtmortalität 70,9^.
Darunter waren Primär- Amputationen 353, mit einer Mortalität
von 60,06^, Secundär-Amputationen 734, mit einer Mortalität von
77^6^. 61 waren ohne nähere Angabe, ob secundär oder primär.
Aus den mitgetheilten Resultaten einer gewiss recht ansehnlichen
Statistik ist es dennoch schwer, ein definitives Urtheil zu gewinnen über
den relativen Werth der einzelnen bei Kniegelenkschüssen in An-
wendung gezogenen Behandlungsweisen. »Die begleitenden Neben-
umstände und der Scharfblick des erfahrenen Chirurgen«, sagt H.,
»haben im gegebenen Falle zu entscheiden, welchem der hier con-
currirenden 3 Heilverfahren, deren Sterblichkeit fast gleichlautend
erscheint, der Vorzug gebührt, ob der exspectativen Behandlung mit
einer Mortalität von 61,3, oder der primären Resection ^mit einer
Mortalität von 60,9, oder der primären Amputation mit einer Mor-
talität von 59,4^.« —
III. Erfahrungen und Rathschläge bezüglich der Diagnose der
Knochenverletzungen bei Kniegelenkschüssen bilden den Schluss.
Arn. HUlor (BerUn).
O. Bull. Doppeltgetheilter Fuss mit 1 1 Zehen.
(The Boston med. and. surg. Journal 1875. Vol. II. p. 293).
Während bei Thieren ein doppelter Fuss als Missbildung nicht
zu selten ist, findet sich beim Menschen kein sicherer Fall dieser
Art beschrieben; deshalb verdient folgende Beobachtung volles Inte-
resse. Ein sonst wohlgebildetes Mädchen zeigt an ihrem linken Fusse
11 Zehen, welche in zwei Reihen der Art angeordnet sind, dass
gewissermassen zwei hinter einander stehende unvollkommene Füsse
gebildet sind ; der vordere Fuss hat wie normal eine grosse und 4 klei-
nere Zehen, der hintere 6 gleich grosse Zehen, beide Füsse sind von
einander durch einen tiefen^ breiten Raum getrennt. Die Stellung des
vorderen Fusses ist die eines hochgradigen Talipes equino-varus, und
es wenden sich beide ihre Plantarseiten zu ; welchem der beiden Füsse
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 715
die einfache Ferse zukommt, ist schwer zu sagen; nur die Zehen des
vorderen Fusses sind activ beweglich, alle sind gut auisgebildet^ frei^
nicht mit einander verbunden ; der hintere Fuss scheint seine eigenen
Metatarsal- und 2 — 3 eigene Tarsalknochen zu haben. Ausserdem
ist das ganze Unke Bein dicker^ als das rechte und misst z. B. im
Umfange am Oberschenkel 1%'' mehr^ am Knie 1", unter dem Knie
Vi '> welche Dickenzunahme nicht auf Kechnung der Knochen^ son-
dern der Muskulatur kommt. Bei leichter Beugung des Knies fühlt
man einen festen Strang, welcher an der Ausenseite desselben be-
ginnt^ und hinter der Fibula bis zum Fersenbein hinabsteigt. Die
linke grosse Schamlippe hat die doppelte Grösse der rechten. — Die
Erfahrung L i 1 1 1 e ' s, dass congenitale und paralytische Klumpfusse häufi-
ger auf der linken Seite beobachtet wurden^ konnte Verf. des kleinen Beob-
achtungsmaterials wegen nicht bestätigen, dagegen drängt ihn seine
Erfahrung zu dem Schlüsse, dass Polydactylie die linke Seite häufiger
befalle und bringt er dafür eine Reihe von Beispielen aus der Litte-
ratur bei, darunter auch eine doppeltgetheilte linke Hand. Eine
gute Zeichnung erleichtert das Verständniss. PH» (Stettin).
E. Moritz, lieber Plantar-Geschwüre.
(St. Petersburger med. Zeitschrift 1875. Bd. V. p. 1.)
Verf. bespricht in einem ^ im Deutschen ärztlichen Vereine zu
St. Petersburg gehaltenen Vortrage die verschiedenen Arten tiefgrei-
fender Plantargeschwüre^ welche gewöhnlich unter dem Namen Mal
perforant zusammengeworfen werden. Er lässt letzteres mit Recht
nicht als eine besondere Krankheitsform gelten und schlägt daher vor^
diesen Namen ganz fallen zu lassen und die Geschwüre in der Fuss-
sohle wie an anderen Stellen nach ihrem Hauptcharacter zu benen-
nen (Ulcus plantare e clavo, leprosum^ neuroparalyt. etc.] . Aus dem
aus der Litteratur angeführten casuistischen Materiale^ welches übri-
gens nicht vollständig gesammelt ist, zieht Verf. den Schluss^ dass
die meisten Fälle von Mal perforant als ulcerirte Leichdorne
aufzufassen sind und dass die Malignität der Geschwüre wesentlich
aus den anatomischen Eigenthümlichkeiten der Fusssohle zu erklären
ist. Die neuroparalytische Form der Plantargeschwüre wird nicht
eingehender gewürdigt und gegenüber den rein localen Druckge-
schwüren als die seltenere Form erklärt (s. dagegen die vom Bef.
gesammelte Casuistik^ Berl. klin. Wochenschr. 1875. No. 30 u. ff. ref.
Centralbl. f. Chir. No. 43). Zum Schlüsse werden 3 Krankheitsge-
schichten mitgetheilt^ von denen die beiden ersten ulcerirte Leichdorne^
die dritte multiple Druckgeschwüre an den Zehen von nicht näher
bestimmtem Character betreffen. P« Bruns (Tübingen).
Nepveu. Rupture des kystes de Tovaire dans le peritoine.
(Annales de Gyn6cologie. Tome IV. 1875. Juillet.)
Verf. hat ein Material von 155 Fällen^ grösstentbeils aus der Litte-
ratur gesammelt^ in welchen Kupturen von Eierstockscysten eintra-
716 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
ten. Die Richtung des Durchbruchs vertheilte sich in folgender
Weise; t28Mal Durchbruch in die Bauchhöhle^ tlMal in den Darm,
6Mal in die Blase , iMal in den Uterus ^ 2Mal in die Scheide und
7 Mal Durchbruch der Bauchwand. Specielles Augenmerk hat nun
Verf. auf die häufigsten Rupturen in die Bauchhöhle gerichtet.
Die Ursachen der Rupturen der Cysten liegen entweder in
einem Trauma oder in Veränderungen der Cystenwäude.
In ersteren Beziehungen sind zu erwähnen Brechmittel^ Hustenstösse,
starkes Bücken^ heftige Anstrengungen^ starkes Lachen^ vor allem
die Muskelanstrengungen während der Schwangerschaft und Geburt
und während der Arbeit; ferner chirurgische Eingriffe^ Functionen,
einfache Genitalexplorationen, Fuss- und Fauststösse, Schläge etc.
Betreffs der Veränderungen der Cystenwände seien in vielen Fällen
erstens eine entzündliche Erweichung beobachtet worden,
zweitens in einigen Fällen eine Entzündung der Cysten im Wochen-
bett in Folge von Puerperalfieber, drittens Umwandlung der Cyste
und deren Wände in Carcinom etc. (Verf. geht über diese jedenfalls
wichtigsten Ursachen leicht hinweg.)
Die Symptome sind meistens scharf ausgeprägte nach der
Ruptur, obwohl in etlichen Fällen der Ruptur weder Symptome vor-
ausgingen noch folgten. In den meisten Fällen traten heftige
Schmerzen auf; dabei eigenthümliche Zufälle von Ohnmacht oder
Convulsionen, oder hysterische Erscheinungen. Der Anblick des Unter-
leibs ist vollständig verändert; der Tumor verschwunden, die
Bauchwand weich und eindrückbar, veränderter Percussionston, deut-
lichere Fluctuation im Unterleib. Meist folgt letale Peritonitis; selten
eine anfangs umschriebene, später allgemeine Peritonitis. Von 127
Fällen 63 Todte, davon 6 sofort gestorben, 8 in Zeit von 12 Stunden
—4 Tagen und 8 innerhalb 6 — 12 Tagen. Von der Hälfte der
übrigen 64 Fälle wird mehr oder weniger völlige Heilung berichtet, in
einzelnen trat neue Füllung, ja selbst Ruptur zum 2. und 3. Male ein.
Der pathologisch anatomische Character der rupturirten
Cysten ist leider bisher wenig beachtet worden. Alle Cystenvarie-
täten können bersten. Die Perforation ist meist einfach, bisweilen
mehr — 30fach; die betreffende Stelle, bald am hintern, bald am obem
Theil. Der Ruptur von Cysten, welche Eiter oder altes Blut oder
gelatinöse Massen, fremde Körper etc. enthielten, folgten stets schwere
Symptome, der von serösen Cysten dagegen verhältnissmässig selten.
Betreffs der Prognose ist sehr bemerkenswerth, dass unter 127
Fällen nur 43 von wirklicher Heilung vorliegen.
Die Behandlung der Rupturen ist nach Verf. noch nicht end-
gültig festgestellt. Bisherige Methoden: unmittelbare Function des
Abdomen, und die Ovariotomie. Von Entscheidung bei der Behand-
lung sei der nach einer Probepunction festgestellte Character der er-
gossenen Flüssigkeit.
Die Arbeit hat besonderen Werth durch ausführliche Litteratur-
angaben nicht blos über die Rupturen in die Bauchhöhle, sondern
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 717
auch über die am Schluss beigefügten Fälle von Durchbrueh in die
Nachbarorgane. — Leopold (Leipzig).
W. Karpetschenko. Studien über das Wesen und die Ur-
sachen der Darmbrucheinklemmung.
Inaug.-Difls. Petersburg 1875 (ruuisch).
Vielfache Einklemmungsyersuche an lebenden Thieren^ todten
Menschen- und Thierdärmen (Hunde ^ Katzen^ Kaninchen^ Ratten
etc.), zu denen Wachs, Fett, Gyps, Luft u. s. f. benutzt wurden,
brachten Verf. zu folgenden Schlüssen: alle bisherigen Theorien,
welche den Mechanismus der Einklemmung von Darmbrüchen erklä-
ren (Roser, Busch, Lossen), sind unzulässig; eine Umdrehung
der Darmenden um ihre Längsaxe im Bruchringe bildet das Haupt-
moment; die nähere Ursache derselben ist in anatomischen Verhält-
nissen des Darmcanales zu suchen. Die S carpa- Busch' sehe Um-
knickung bildet ein wichtiges Hülfsagens beim Einklemmungsacte;
diese Umknickung des Darmendes am Rande des Bruchringes kommt
durch Ueberfüllung des Bruches zu Stande. Beide Enden der
Darmschlinge werden bei der Einklemmung gleichzeitig geschlossen.
Die Umdrehung wird durch Anwesenheit von Gasen in der Bruch-
schlinge begünstigt. Umfangreiche Verwachsungen der Schlinge mit
dem Bruchsacke schützen vor Einklemmung, sehr alte, grosse Brüche
können deshalb nicht eingeklemmt werden. Die Taxis muss in Re-
dressirung der Umdrehimg des einen Endes der Schlinge bestehen.
Dieser sehr ausführlichen, noch unter Prof. Heppner*s Leitung
ausgeführten Arbeit, sind 3 Zeichnungen beigegeben.
W. Grube (Charkow).
Kleinere Mittheilungen.
J. Erueg. Künstliche Ernährung durch subcutane Injectionen.
(Wiener med. Wochenschrift 1S75. No. 34.)
Bei einem Geisteskranken, welcher Nahrung verweigerte und bei Application
der Schlundsonde Suffocationsanfällle bekam, Klysmata aber herauspresste, wurde
Olivenöl in ganzen und halben Unzendosen subcutan injicirt. Wie 1869 Menzel
und Per CO schon bei Hunden gefunden, dass flüssiges Fett binnen längstens 48
Stunden ohne besondere Reaotionserscheinungen völlig resorbirt wurde, trat auch
hier dasselbe Besultat ein, und wurde der Patient wfthrend einer Zeit von 39 Tagen,
von denen er 9 gefastet und an 10 gegessen, an 20 nicht hinter einander
folgenden Tagen durch subcutane Injectionen em&hrt. Nach Injection eines Eies
entstand eine torpide Entzündung und AbscessbUdung. Obgleich Patient die
Injectionen für »Eiweissextract« hielt, äusserte er sich doch, dass, so gerne er früher
Fett gegessen, er dasselbe jetzt nicht mehr möge. ?• Mosengeil (Bonn).
Buehle. 5 Transfusionen mit Lammblut.
(Correspondenzbl. d. ärztl. Vereine in Rheinland etc. etc. 1875. No. 16. p. 23.)
Die 4 Patienten litten an unerklärlichen Formen von Anaemie. Ein Mann starb
10 Tage nach der Operation an Septicaemie, die sich aus einer Phlebitis oberhalb
der Operationswunde entwickelt hatte. Ein Zweiter erholte sich vollständiger als
718 Centralblatt für Chirurgie. No. 45.
vorher bei Eigenpräparaten und war 10 Monate nach der Operation arfoeitafthig als
Eisenbahnkarrer. — Ein Mädchen litt seit 5—6 Jahren an täglichem Erbrechen.
Sie verlor einige Tage nach der Transfusion das Erbrechen, bekam Appetit und
erholte sich bis zu 16 Pfd. Gewichtszunahme. Nach 2 Monaten begann wieder
Erbrechen. Die 4. Kranke war bei völliger Appetitlosigkeit so anämisch und
hydrämisch, dass ihr Tod nahe bevorzustehen schien. Wenige Tage nach der
Transfusion fand sich Appetit ein und blieb in steigender Weise der Art, dass die
Frau völlig arbeitsfähig wurde. Bei nach 8 Monaten wieder eintretender Anaemie
und Appetitlosigkeit gab die Transfusion wieder Appetit und mehr Kräfte, Ge-
wichtszunahme und besseres Aussehen für vier Wochen. Dann neues Sinken der
Kräfte und Tod in Marasmus. Madelnng (Bonn).
Boisnot. A case of purpura haemorrhagica requiring transfusion.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 176.)
Die Transfusion wurde an einem 7jährigen Knaben ausgeführt, welcher grosse
Ecchymosen an den Ohren, am Mund, an der Nase und in der Lebergegend hatte
und z u wiederholten Malen grosse Quantitäten Blut aus der Nase , aus Rachen
und Kehlkopf verloren hatte. Drei Tage nach der Operation noch eine auf
Tamponade der Choanen stehende Nasenblntung , dann fortschreitende Besserung.
Wllh. Koch (Berlin).
Forbes. Case of acute (?) tetanus coutrolled by inhalationB ofnitrite
of amyl.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 189.)
Das Mittel kam circa 40 Stunden nach Ausbruch des Tetanus zur Anwendung,
als Trismus, Opisthotonus, Schlingkrämpfe, wiederholtes Zucken der Extremitäten
aufgetreten waren, die Körpertemperatur 102 F., der Puls 133 und die Athmung
32 per Minute betrugen. 5 Tropfen 2Mal des Tages gegeben, beruhigten die Hen-
und die Muskelaction vollständig. Beim Aussetzen des Mittels vom 9.— 11. Tage
stellten sich sofort die Zufälle in der früheren Heftigkeit wieder ein, so dass man
noch weitere 4 — 5 Wochen mit demselben fortzufahren für gut befand. Die
Heilung erfolgte nach Verbrauch einer Unze des Mittels.
WUh. Koeh (Berlin).
O. Schmiedeberg. Ueber die Digitalinwirkung am Herzmuskel des
Frosches.
(Beiträge zur Anatomie und Physiologie, als Festgabe Carl Ludwig gewidmet von
seinen Schülern.)
Bei der Digitalinwirkung ist als ausschliessliche Ursache des systolischen
Herzstillstandes eine directe Muskelveränderung anzunehmen. Es hat den
Anschein, als ob die Elasticität des Muskels grösser geworden sei und als ob mit
der Zunahme derselben der selbstständige Uebergang des letzteren in den diasto-
lischen Zustand immer mehr behindert werde. Bestätigt sich die Annahme, dass
eine Veränderung der Elasticität mit jenem systolischen Herzstillstand in ursäch-
lichem Zusammenhang steht, so würde sich daraus ergeben, »dass auch im Ken-
muskel Elasticität und Contractilität neben einander hergehen, dass aber die
Aeusserung der letzteren von der ersteren wesentiioh beemflusst werden kann«.
TIHmailns (Leipng].
H. Bresgen. Ein Fall von partiellem Schichtstaar nach Yerleteung
der Linse.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 33.)
Ein Knabe erlitt durch einen Nagel eine kleine perforirende Hornhautwunde,
1 Ijinie vom Limbus entfernt, ihr entsprechend Perforation der Iris ohne Verletzuog
des Sphincter und eine feine Kapselwunde mit strichförmiger Trübung der Corticalis
bis zum Kern. Heilung unter Druckverband und Airopinapplication. Die Trübung
nach 5 Wochen nur am Ende des Stichcanales etwas vergrössert. Nach Vs ^^hr
war die vordere Corticalis mit Ausnahme der strichfOrmigen TrQbung ganz pellucid ;
hinter der Corticalis eine gleichmässig saturirte Trübung, ein Schichtstaar im
Centralblatt für Chirurgie. No. 45. 719
vorderen Linsenabscbnitt. Bei der Operation entleerte sich die vordere Corticalis
mit dem Kern; die hintere pellucide Corticalis blieb zurück und wurde prompt
resorbirt. Die traumatisch entstandenen Schichtstaare, über die v. Gräfe und
Hirschmann berichten, waren in luxirten Linsen entstanden. Wäre im vorlie-
genden Falle die Trübung nicht erst so spät nach der Verletzung entstanden , so
hätte man annehmen können, dass Kammerwasser durch den Stichcanal in die Linse
gedrungen wäre und den Staar bedingt hätte. — Anhangsweise theilt Verf. casu-
istische Beobachtungen über hereditären Schichtstaar mit.
Y« Mosengefl (Bonn).
J. SinowiefE. Künstliche Perforation des TrommelfeUs.
(Moskauer med. Zeitung 1875. No. 9. p. 284, russisch.)
Verf. hat die Myringotomie, deren Indicationen er ausführlich erörtert, in 30
Fällen ausgeführt: 16Mal bei Einziehung des Trommelfells mit grösserer oder ge-
ringerer Entwickelung der hinteren Falte, 2Mal bei Atrophie desselben, 4Mal bei
serösem Exsudat in der Paukenhöhle, 7 Mal bei Myringitis acuta und subacuta,
IMal bei Vernarbung der Membran. In 11 Fällen wurde die Operation 3— 4Mal
wiederholt, da die Perforation, trotz beständiger Luftdouche, schnell (in 3—4 Tagen)
zuheilte.
In 24 Fällen Verbesserung des Qehörs, Linderung und vollkommenes Aufhören
der subjectiven Symptome. Besonders empfiehlt Verf. die möglichst frühe Aus-
führung der Operation bei Myringitis acuta , da der Process darnach viel schneller
verlaufe. Erfolglos war die Operation in veralteten Fällen.
W.Cfmbe (Charkow).
J. Wagner. Seltener Fall einer überzähligen Halsrippe.
(Sitzungsprotokolle der Gesellsch. für experimentelle Wissensch. an der Universität
Charkow 1875. p. 8, russ.)
Die Rippe war am Körper des 7. Halswirbels mittelst eines wahren Gelenkes
befestigt. Die linke Halsrippe war 3 Ctm. lang, endigte nach vom frei; die rechte,
5 Ctm. lang, war vom mit der ersten Brustrippe verwachsen. Mm. scaleni ante-
riores — normal , der m. scalenus medius befestigte sich mit seinen tieferen For-
tionen an die rechte Halsrippe; links dasselbe Verhältniss. Lage der a. subclavia
normal. Tuberculum scaleni wenig entwickelt ; dafür konnte aber die Verbindungs-
stelle des vorderen Endes der HaUrippe mit der ersten Brustrippe leicht mit dem
Tuberc. scaleni verwechselt werden und bei Unterbindung der a. subclavia
Schwierigkeiten verursachen. Das Präparat wird im anatomischen Museum aufbe-
wahrt. W. Gmbe (Charkow).
Levis. Hydrocele of the neck in a cbild.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 176.)
Die Halscyste reichte vom Ohr bis zum Oberarm, vom Kinn bis zum Schulter-
blatt, war mehrftcherig und wurde nach voraufgegangener Function zu etwa ein
Drittel durch Ecrasement entfernt. Tod 4 Tage später an Septhaemie.
Derselbe. Gase of multiple enchondroma of the fingers.
Ibidem. No. 180.
Eine Reihe verschieden grosser Enchondrome am unteren Humerusende und
an den Fingern eines 11jährigen Knaben^ die sich seit 5 Jahren allmälig entwickelt
haben. Die umfänglichsten sitzen an der Orundphalange des 2., 3. und 4. Fingers
und an der Mittelphalange des 2. und 3. Fingers. Geringere Anschwellungen am
oberen Ende der Metakarpalknochen. Die Metakarpo-Phalangealgelenke relaxirt,
die Fingergelenke in der Beweglichkeit herabgesetzt. Wilh« Koeh (Berlin).
J. Elopotowsky. Verletzung des Thorax mit Prolapsus eines Lun-
genstückes.
(Beilage zu den ProtocoUen der med. Gesellsch. zu Woronesch 1875. p. 128.)
Ein Sjähriger Knabe fiel auf ein Messer , das er in der Hand hielt : 1 V2 Zoll
lange Wunde rechts , 3 Zoll vom proc. ensiformis zwischen der 6. und 7. Kippe :
720 Ceniralblalt für Chirurgie. No. 45.
Vorfall eines faustgrossen iLungenstückes , das sich bei der Inspiration jedesmal
aufblähte. Kein Pneumothorax. Repositionsversuche erfolglos.
Anschwellung, Röthe, Schmerzhaftigkeit des vorgefallenen Theiles; allmäliges
Schwinden dieser Symptome mit spontanem , langsamem Kückschritt des Frolapaus
und Verkleinerung der Oeffnung im Laufe eines Monats.
Die Therapie bestand nur im Auflegen beölter Compresseik
W. Grabe (Charkow).
L. Wysohinsky. Ein Fall von Schussverletzung der linken Schulter.
(Sitzungsberichte der med. Oesellsch. zu Charkow 1875. Beilage No. 1. p. 49.)
Beschreibung eines Falles aus der Klinik des Ref. : comminutive Fractur am
oberen Dritttheil des Humerus und dem Acromialende der Clavicida. Verletzung
des Gelenks durch grobes Schrot. Sofortige prim&re Resection. Nach 5 Wochen
Entlassung mit guter activer Beweglichkeit der Extremität. Hieran anknüpfend,
spricht sich Verf. gegen die passiv conservative Behandlung bei Schussverletzungen
überhaupt aus und befürwortet die primären Operationen bei denselben.
W. Grabe (Charkow).
Bucholts« lieber drei im Warschauer Ujazdow' sehen Militärho-
spitale operirte Fälle von Uteruskrebs.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1875. No. 20.)
Von 20 Kranken mit Uteruskrebs wurden 3 operirt und verliesssen anschei-
nend genesen das Hospital, 10 erlagen ihren Leiden und 7 wurden auf eige-
nen Wunsch entlassen. In dem ersten Falle war Patientin noch 3 Jahre nach der
Operation (Chassaignac* scher Ecraseur) vollständig gesund. In dem 2. Falle
war bereits nach 8 Monaten Recidiv vorbanden. Die 3. Patientin im Nov. 1S73
operirt, verliess am 15. Decbr. 1873 angeblich geheilt das Hospital. ^— Bezüglich
der Diagnose macht Verf. darauf aufmerksam , dass manche Fälle , welche zuerst
für Uteruscarcinom gehalten wurden, nachträglich sich als andere Processe erwie-
sen. In einem solchen Falle mit der nach Spiegelberg pathognostischen Un ver-
schiebbarkeit der Vaginalschleimhaut besserte sich das Aussehen des Mutterhalses
unter localer Anwendung von Jodtinctur, Ungt. kal. jod., Blutentziehungen und Cau-
terisationen sehr schnell, so dass die jahrelang sterile Frau seitdem 2mal schwanger
gewesen ist. Ebenso machte ein Fall von Polyp der inneren Schleimhaut der hin-
teren Muttermundslippe diagnostische Schwierigkeiten. Tillmanns (Leipzig).
C. Maiznder. Subcutane Operation bei Anchylose des Kniegelenks.
(British med. Journal 1875. Vol. 11. p. 262. — British med. Associat.)
Der 23jährige Pat. hatte sich vor 3 Jahren die Kniescheibe in 3 Stücke
gebrochen und das steif gewordene Knie noch weitere 2 Male verletzt, er ging wie
ein Mann mit einem Stelzfusse, das rechte Bein beim Gehen im Bogen schwingend.
Das Qelenk war der Sitz einer unbeweglichen Anchylose zwischen Kniescheibe,
Ober- und Unterschenkel. Nach in der Narkose gemachten, kräftigen Beugever-
suchen, wobei Adhäsionen hörbar gelöst wurden, folgte starke Reaction ohne Bes-
serung der Function. Nach 14 Tagen löste M. mittelst starken Tenotoms die
von den Patellarfragmenten ausgehenden Bänder und Adhäsionen und brachte nun
das Bein in Beugestellung, schon am 4. Tage konnten passive Bewegungen gemacht
werden, bald folgten active und nach 7 Wochen konnte Pat. mit kaum merklichem
Hinken gehen. Pilx (Stettin).
Orlginalmitthellangeny Monographieen und Sepsratabdiüoke wolle
man an Dr. H, TlUmannt, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Verlagshandlang,
BreUkopf und HarUH^ einsenden.
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Druck aad Verlag Ton Breiikopf und Hirtel in Leipzig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
herausgegeben
Yon
Dr. L. Lesser, Dr. IL ScMe, Dr. E. Tilliuiiis
in Berlin. in Berlin. in Leipcig.
m
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beäehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 46. Sonnabend^ den 13. Noyember. 1876*
Inhalt I Ulrich, Pathologie und Therapie der muskulären RückgratsTeTliHimmungen. —
Rindfleisch, Chronische und acute Tuberculose. — Thierfelder, Bedeutung der provleo-
riscben Knorpelverkalkung. — ZeCh, Die Phyblk in der Eleotrotberapie. — HortelOUp,
Behandlung der Syphilis mittelst Calomelr&ucherungen. — Kaialbars, Trophische und
vasomotorische Störungen peripherer Nervenverletzungen. — ZsIgmoiMlyy Der Gypssaok-
verband. — Jacsche, Aetiologle der acuten eitrigen Zellgewebsinflltration nach dem
Steinschnitt. — Qrflnfcld, Auto-Endoscopie der Urethra. — Bergeron, Behandlung der
Yaricen.
Bryant, Bericht über Knochengeschwülste. — Anger, Behandlung der Flexionscontractnr
der Finger. — Rosner, Veraltete incomplete Luxation der ülna nach hinten. — HirSCh-
berg, Blasenectopie. — Bryant, FlUle von Blasenstein.
A. S. Ulrich. Pathologie und Therapie der muskulären
Rückgratsverkrümmungen.
(Bremen, C. E. MttUer's Verlag. 1874. 109 S. 3 Taf. Abbild.)
Verf. beginnt im t . Kapitel mit einer Eintheüung der Rückgrats*
Verkrümmungen, je nach dem localen oder constitutionellen, musku-
lären, ossiculären oder gemischten Ursprung des Leidens und stellt
dann zunächst den Kegriff der Kyphosis, Lordosis, Scoliosis fest. —
Die Rückwirkung des vorhandenen Localleidens auf den Gesammt-
organismus, sowie die Abhängigkeit der muskulären von den ossicu-
lären Affectionen und umgekehrt ^ werden besonders betont. Die
muskulären Rückgratsverkrümmungen sind die häufigsten; ihnen ist
speoiell das 2. Cap. gewidmet, in welchem Verf. sich eingehend über
die Mängel der modernen Kindererziehun^ verbreitet^ namentlich in
Rücksicht auf die vernachlässigte körperliche Ausbildimg. Er stellt das
gewiss sehr berechtigte Verlangen, dass kein Kind vor dem 7. Jahre
46
722 Centralblatt für Chirurgie. No. 46.
in den Schulunterricht eintrete und dass die Gesammtstudienzeit
des Kindes 3 — i, die des Jüngliogs und der Jungfrau 6 — 8 Stunden
täglich nicht überschreite. Die localen und allgemeinen Folgen des
zu anhaltenden Stillsitzens werden in düstern Farben geschildert und
zweckmässige diätetische VoTBchriften für Kinder hinzugefügt, wobei
Verf. besonders auf die übliche Bekleidung kleiner Mädchen aufmerk-
sam macht und Schnürleiber und Corsets, namentlich aber auch die
tief ausgeschnittenen sog. Leibchen proscribirt^ welche »nur bis an
oder sogar noch 1 — 2" unter die Schulterhöhe reichen und die freie
Bewegung der Arme, namentlich die Erhebung derselben in der
Seitenebene ^ hindern«. — In den körperlichen Uebungen ist jede
Ueberanstrengung schädlich, jede einseitig vermehrte Entwicklung des
Organismus streng zu verhüten. ^ —
Eingehend auf die einzelnen Arten der Bückgratsverkrümmungen,
bezeichnet Verf. als Ursache der muskulären Formen der Kyphosis
vorzugsweise lang anhaltende Stellungen und Lagen, welche Dehnun-
gen der Rückenmuskeln bedingen. Dadurch werde ein Ueberwiegen
der Muskulatur der vorderen Thoraxseite herbeigeführt, die sehr häufig
noch ganz besonders durch unvernünftigen Betrieb gymnastischer
Uebungen vermehrt werde. In dieser Hinsicht sei auch das Tragen
von Schultornistern schädlich. —
Nach wenigen kurzen Bemerkungen über die Lordosis bespricht
Verf. 3. die Scoliosis^ als deren hauptsächlichste Ursachen er die un-
gleiche Uebung der Muskeln beider Körperhälften (vorzugsweiser
Gebrauch der rechten) bezeichnet. Er beschreibt verschiedene Grade
der Scoliose, deren Abgrenzung von einander übrigens eine vollkom-
men willkürliche und fluctuirende ist. — Verf. sucht dann die
i^hädliche Wirkung des stärkeren Gebrauches namentlich der
rechten oberen Extremität näher zu begründen. Bei jedem Erheben
des Armes sollen Wirbel und Intervertebralknorpel der Lendengegend
der gleichnamigen, der Dorsalgegend der entgegengesetzten Seite
schäifer aufeinandergepresst werden, wodurch eine Ueberbiegung mit
der Convexität hier nach links, dort nach rechts herbeigeführt
werde. — Die Torsion der Wirbel erklärt er in folgender Weise: auf
jeden in dem nach rechts convexen Dorsaltheil der Wirbelsäule be-
findlichen Wirbel wirkt der Druck des darüber liegenden Körpertheiles
im Sinne einer Seitwärtsschiebung nach der convexen Seite. Diese
Schiebung ist am vorderen und hinteren Ende der Wirbel gleich
stark, aber die Abweichung dieser Enden ist verschieden, weil die
Befestigung d^r Rückenwirbel aneinander auf der hinteren Seite
(durch die fest aneinanderdrückenden Gelenkfortsätze, die Muskeln,
die festen ligg. flava, capsularia, interspinaUa, apicum und int»-
transversalia) ausserordentlich viel stärker ist , als auf der vordexen,
wo sie allein durch das ligam. longitud. anter. (möglicherweise auch
etwas durch das poster.) beigestellt wird. Jene wirkt der Seiten-
schiebung der Wirbel nadi rechts sehr kräftig entgegen, während der
Widerstand der letzteren gegen dieselbe nur ein sehr geringer sein
Centralblatt far Chirurgie. No. 46. 723
kann. Da nun ausserdem in Folge der nozmalen Bückenkyphose
»eine Abnutzung der Vorderseite des Corpus der Wirbel mit fast gänz-
lichem Verschwinden des Vordertheils des Intervertebralknorpels statte
findet, und ausserdem durch die abnorme Krümmung eine ähnliche
Abnutzung der linken Seite des Wirbelkörpers entsteht^ so wird die
oben erwähnte relativ schwache Vorderseitsbefestigung hierdurch noch
schwächer«. Es erklärt sich also daraus die Drehung der Wirbelkörper
nach rechts und der proc. spin. nach links. —
Enthält diese Theorie gewiss manches Wahre, so werden freilich
die Behauptungen des Verf., die er bei Besprechung der Scoliose in
Folge schiefer Stellung des Beckens aufstellt, gerechtes Bedenken
erregen müssen. Seiner Meinung nach befindet sich nämlich
bei einer sehr grossen Anzahl von Menschen das
Becken in schiefer Stellung. Die eine, meist die rechte crista ilei
steht höher als die andere, eine Differenz, die meist nur gegen 1 Zoll,
zuweilen aber auch bis 2 Zoll (?1) betrage, ohne dass die Pa-
tienten oder ihre Umgebung es jemals gemerkt hätten. Die gering-
fugigsten Umstände, z. B. beim Treppensteigen stets mit demselben
Fuss voran zu treten, öfteres Ruhen auf demselben Beine etc. sollen
die Ursache hiervon sein können, indem dadurch ungleiche Uebung
der unteren Extremität veranlasst wird, welche wieder zu ungleicher
Entwickelung der letzteren sowohl in Bezug auf Umfang wie auf
Länge (?!I) der Beine führe. (Selb&t die Richtigkeit dieser durch
nichts bewiesenen, zum mindesten sehr auffallenden Behauptung, die
anderweitiger Constatirung doch dringend bedürftig wäre , einmal zu-
gegeben, so würde eine ungleiche Länge der Beine doch immer nur
eine statische Scoliose herbeiführen können, die sich bekanntlich so
gut wie niemals fixirt und eine andere Therapie als eine die Verkür-
zung des einen Beines ausgleichende Prothese nicht erfordert. Ref.)
Das 3. Kap. behandelt die Therapie der Rückgratsverkrümmuiigen
im Allgemeinen. Nachdem Verf. die beschränkte Wirkungssphäre
medieamentöser (Eisen-Leberthran etc.) und chirurgischer Mittel (My-
otomien) sowie der Electricität hervorgehoben, dagegen die grosse
Wichtigkeit einer geeigneten Diätetik im weitesten Sinne des Wortes
betont hat, nachdem er Bädern und Douchen einen geringen Werth
eingeräumt, eigentlich orthopädischen Curmethoden und Apparaten
aber so gut wie jeden Nutzen abgesprochen, wendet er sich zur
ausfuhrlichen Besprechung der »gymnastischen« Behaadlungs-
weise. Unter Gvmnastik will er aber nicht das verstanden wissen,-
»was z. B. in Deutschland leider als Tumkunst in die Mode gekommen
ist« und was, »Zufölligkeiten ausgenommen, nicht anders als schädlich
und verderblich auf die Gesundheit und Schönheit des Körpers wirken
kann<r, sondern die »wissenschaftliche Gymnastik, geschaffen von Pehr
Henrik Ling, neben Linn6 und Berzelius der glänzendste Stern
am Himmel Schwedens, die sobald die Menschheit hinreichend aufge-
klärt worden, zuletzt einmal über den ganzen Erdboden verbreitet wer-
den wird.« — Die Gymnastik, in Deutschland gewöhnlich schwedische
46»
724 Centralblatt fQr Chirurgie. No. 64.
Heilgymnastik genannt^ wirkt durch active^halbactive und passive Bewe-
gungen (unter den halbactiven werden solche Uebungen verstanden,
bei welchen den Bewegungen des Patienten durch den Arzt ein grösserer
oder geringerer Widerstand entgengesetzt wird) und sind dieselben
gerichtet: 1) auf die allgemeine Stärkung der Muskeln und Nerven;
2) auf die Beförderung der Bespirationsthätigkeit ; 3) auf die Beför-
derung von Ernährung und Wachsthum, Vermehrung der peristal-*
tischen Darmbewegungen und Erhöhung der Innervation des vegetativen
Nervensystems (Bewegungen, welche die Bauchmuskeln stärken);
4] auf locale Kräftigung gewisser Muskeln des Rückens und des
Rumpfes. Endlich sollen 5] individuell vorhandene Symptome be-
sonders berücksichtigt werden.
Das 4. Cap. schildert nun die den einzelnen Zwecken dienenden
Bewegungen und Uebungen genauer, welche bei aller Mannigfaltigkeit
und bei allen Nebenintentionen schliesslich sämmtlich den einen
Endzweck verfolgen, eine starke Streckung der Wirbelsäule und des
Rumpfes herbeizufuhren. Eine Reihe von Beispielen erläutert die Art
und Weise, wie eine schwächere und stärkere Contiaction bestimmter
Muskeln und Muskelgruppen erzwungen werden kann. Schliesslich
werden gegen Kyphose , I^ordose und Scoliose eine Reihe von Ue-
bungen bestimmt vorgeschrieben, welche im Original nachgesehen
werden müssen.
Das Buch ist mit warmer Ueberzeugung geschrieben und trotz
mancher Uebertreibungen und gewagter Behauptungen namentlich
hinsichtlich der therapeutischen Vorschriftten wohl der Beachtung
werth. Schede (Berlin).
E« Rindfleisch. Chronische und acute Tuberkulose.
(Handbuch der spec. Pathologie und Therapie, herausgegeben von H. v. Ziemsaen.
Bd. V. 226 S. 1874.)
lieber die vorliegende Arbeit K.'s können wir leider nicht mit
der Ausführlichkeit berichten^ wie wir wohl möchten. Es sei uns
gestattet, die Hauptpuncte aus dem allgemeinen Theil der so anregen-
den Darstellung des Verf. kurz zu sciziren, welche nicht nur für den
Anatomen, sondern auch für jeden wissenschaftlichen Praktiker Ton
ganz besonderem Interesse sind. —
Bekanntlich wurden vorzugsweise durch Bokitansky die Lehren
Laennec's über die graulich durchscheinende Granulation und der^i
Umwandlung zum gelben Tuberkel bei den deutschen Klinikern und
Anatomen eingebürgert. Besonders war es dann Virchow, welcher
anderen Anschauungen Bahn brach, indem er betonte, dass nicht alle
käsigen Massen in phthisischen Lungen aus der grauen , halbdurch-
sichtigen Tuberkelgranulation hervorgingen. Er unterschied bezüg-
lich des Begriffs )Dkäsig« 1) käsig-entzündlich (Eiter, zellenreiche
Neubildung), 2) käsig-tuberkulös. Als Tuberkel sollte fortan nur der
miliare Tuberkel angesehen werden. Von weiterer Bedeutung für die
Centralblatt für Chirurgie. No. 46. 725
Pathologie der Tuberkulose waren die Villem in 'sehen Versuche
über die Uebertragbarkeit der Tuberkulose durch Impfung von Mi-
liartuberkeln^ käsiger Materie » Sputis etc. bei Kaninchen und Meer-
schweinchen^ während Buhl die Ansicht aussprach^ dass die
Miliartuberkulose als eine Resorptionskrankheit aufzufassen sei und
Virchow besonders darauf aufmerksam machte^ dass bei acuter
disseminirter Tuberkulose irgendwo im Körper ein käsiger Heerd
bestände. So wurde der miliare Tuberkel etwas seiner Originalität
beraubt, er wurde Besorptionsknötchen, um so mehr, als Waiden-
burg bewies, dass es für das positive Gelingen der Impfungen
gleichgültig sei, was man impfe, wenn nur das Gift eine feinkörper-
liche Beschaffenheit habe. Von Wichtigkeit war endlich der durch
Cohnheim und Fränkel gebrachte Aufschluss von der eigenthüm-
lichen Disposition der Kaninchen und Meerschweinchen, nach wMcher
die Entzündungsprodukte bei diesen Thieren überhaupt rasch ver-
käsen ; die blosse Erregung eines Entzündungs- oder Eiterungsheerdcs
genüge, um die Thiere tuberkulös zu machen oder vielmehr, dass
sie sich selbst tuberkulisiren. —
Wie bei gewissen Thieren, so finden wir diese Prädisposition für die
Tuberkelbildung nach R. auch bei einer bestimmten Gruppe von
Menschen, bei den Scrophulösen. Auch hier besteht eine Neigung
»zu einer Verschleppung« eines acut entzündlichen Infiltrates im Binde-
gewebe. Nach Verf. ist das scrophulöse Exsudat aus eigenthümlich gros-
sen Zellen zusammengesetzt, vielleicht entstanden durch Vergrösserung
der ausgewanderten Blutkörperchen , welche durch Intussusception
eiweissartiger Substanzen im Bindegewebe anschwellen, in diesem
Seh wellen aber absterben und allmälig zerfallen. Diese Consequenzen
sind wichtig. Der scrophulöse Katarrh ist darum ganz anders, als
ein einfacher, die scrophulöse Entzündung im Bindegewebe anders,
aU bei Individuen mit normaler Constitution. Bezüglich des Katarrhes
ist besonders der verschiedene Grad der zelligen Infiltration ent-
scheidend; bei Scrophulösen liegen die Zellen sehr dicht unter dem
Epithel in dem bindegewebigen Parenchym der Mucosa, sie wandern
zum Theil an die Oberfläche aus, werden secemirt, oder gehen in
die l^ymphanfänge, oder aber es bildet sich durch fettigkömige Ent-
artung ein Detritus, welcher sich ebenfalls der Lymphe beimischt. In
der Entstehung und dem Transport dieses Detritus haben wir mög-
licher Weise die Entstehung und den Transport des Tuberkelgiftes.
Auch die scrophulöse Entzündung im Bindegewebe hat einen »blei-
bend infiltrativen Charakter«. Das sehr zellenreiche Infiltrat im
Bindegewebe erstarrt mit letzterem zu einer dicken, grau* durchschei-
nenden Masse, welche, da sie dem Blut unzugänglich ist, allmälig
abstirbt. So entstehen scrophulös-käsige Entzündungen, welche man
besonders rein am Hoden und Gehirn sieht. Der Zerfall des scrophu-
lösen Infiltrates erfolgt durch chemische Metamorphose : Fetttröpfchen,
Eiweisskömchen , ungekannte lösliche Substanzen werden producirt
und verfallen der Resorption. Diese Erscheinungen zeigen eine grosse
726 Centndblati fflr Chinugie. No. 46.
Uebereinstimmung mit der tuberkulÖBen Piftdisposition gewisser
Yersuchs-Thiere , hier wie dort liegt der Gnmd derselben in dem
besonderen Ablauf der primären Entzündung, »welche in ihren käsigen
Infiltraten und eitrigen Schleimhautsecreten selbst das Gift erzeugt,
welches in die Säftemasse des Körpers au%enommeu, die Tuberkulose
hervorbringt«. Die Selbsttuberkulisirung der Scrophulösen kann z. B.
dmrch eitrige Gelenkentzündung, durch einen Dünndarmkatarrh etc.
erfolgen. Die käsigen Lymphdrüsen-Intumescenzen, nach allen älteren
Autoren das pathognomonische Product der Scrophulose, sind nach
R. stets echt tuberkulöse Drüsen (Schüppel), mit Riesenzellen,
submiliaren Knötchen und entzündlich hyperplastischer, wahrscheinlich
secundärer Entzündung des benachbarten Drüsenparenchyms. Die
sogenannte Lymphdrüsenscrophel ist somit nach R. als ein tuberkulöses
Phänomen anzusehen. Für das Gesammtverhältniss der Scrophulose
zur Tuberkulose ergiebt sich nach Verf. »eine ganz ähnliche Aufein-
anderfolge der Erkrankungen, wie wir sie bei der Invasion einer bös-
artigen Neubildung antreffen«. —
Weiter wird die Anatomie des Tuberkels erörtert. Er ist aufeu-
fassen als kleiner umschriebener, blutleerer Heerd scrophulöser Entzün-
dung mit infiltrativem Charakter, Neigung zur Verkäsung. Er besteht
aus grosszelligem Keimgewebe als dem specifischen Product
scrophulöser Tuberkulose. Die Zellen sind etwa 2 — 3Mal so gross
als weisse Blutkörperchen ; an der Peripherie des Tuberkels findet sich
eine kleinzellig entzündliche Wucherung, welche allmälig in normales
Bindegewebe übergeht. —
Bezüglich der Entstehungsgeschichte des miliaren Tuberkels ist
zu bemerken, dass derselbe von den stabilen Zellen des »Blutge-
fassbindegewebes« (Endothelien der Blut- und Lymphgefasse, der se-
rösen Häute, »fixen Bindegewebskörperchen«) ausgeht. Die im Beginn
auftretenden Riesenzellen sind für den Tuberkel ohne pathc^nomo-
nische Bedeutung^ sie sind nichts anderes, als eine durch Vermehrung
des Protoplasma und Kerntheiluug zu dem bekannten vielkemigen
EJumpen umgestaltete Endothel- resp. Bindegewebszelle. Die Riesen-
zellen liegen bei den kleineren Tuberkeln in der Regel in der Mitte,
bei den grösseren mehr an der Peripherie. Sie kommen auch in
nicht tuberkulösen Neubildungen vor, andererseits gehen sie durch
Furchung in einen entsprechend grossen Haufen kleiner Zellen über,
ohne dass deshalb der Charakter der ganzen Neubildung geändert
würde. Am Omentum majus kann man das Initialstadium des
Tuberkels am besten studiren, hier sieht man, dass ein kleinster
Tuberkel dargestellt wird durch eine völlig umschriebene knotige
Auftreibung eines einzelnen völlig frei verlaufenden, ge fäss-
losen Bindegew ebsbälkchens und wie diese Auftreibung ledigUch
durch eine Wucherung der »fixen Bindegewebskörperchen« in und der
Endothelzellen auf dem ßindegewebsbälkchen entsteht.
Somit ist der Tuberkel ein »durch Resorption reizender Dinget
erzeugter minimaler Entzündungsheerd, das Substrat der loca-
Gentnlblatt fflr Chirurgie. No. 46. 727
len Reizung ist eine stabile Zelle des »Blutgefassbindegewebsappt-
rates«.
An den Gefässen selbst zerfallen die Endothelhäute durch
Wucherung in ihre Elemente^ durch die Neubildung obliteriren die
Blut- und Lymphcapillaren. Aus »dieser formativen Heizung der
Gefitoswand« combinirt mit der bei Scrophulose statthabenden man-
gelhaften Blutfüllung lässt sich vielleicht die absolute Blutlosigkeit
des Tuberkels erklären. — Ist der Tuberkel über das erste Stadium
seiner Entstehung hinaus, so wird er selbst zu einem Endzüudungs-
reiz für das Bindegewebe^ deshalb die Erscheinungen der gewöhn-
lichen entzündlichen Exsudation.
So fusst also die menschliche Tuberkulose nach R. im Wesentli-
chen auf der Scrophulose^ über deren Wesen wir aber noch wenig
aufgeklärt sind. Ein Missverhältniss der Blutmenge zum Körpeigewicht
scheint R. »ein fundamentales Ingredienz« zu sein, combinirt mit einer
Abnormität der gesammten Vegetation, die sich namentlich in dem be-
sonderen Ablauf der Entzündungen kennzeichnet. Die Hauptgefahr der
Scrophulose liegt in der Möglichkeit des Hinzutretens der Tubercu-
k>8e, eine Entzündung irgendwo genügt, um in Folge der Resorption
der eigenen Entzündungsproducte die Eruption zahlreicher metastati-
scher Entzündungsheerde, der Miliartuberkel, zu veranlassen.
Es folgt die specielle Darstellung der chronischen Tuberkulose,
der Blutungen, der Pleuritis etc., auf welche wir nicht näher eingehen
können. Die wichtigen Hauptpuncte aus dem ersten TheU der
vorliegenden Arbeit dagegen glaubte Ref. ausführlicher mittheilen zu
sollen, weil sie für die so lebhaft geführte Discussion der Tuberkulose
von ganz besonderer Bedeutung sein dürften. —
TUlmanns (Leip»g).
A. Thierf eider. Ueber die Bedeutung der provisorischen
Knorpelverkalkung.
(Arch. d. Heilkunde 1875. 16. Jahrgang. Hft. 5 u. 6.)
Verschiedene Betrachtungen und Berechnungen fuhren den Verf.
in Bezug auf die pathologische Verkalkung zu dem Satz : xJe weiter
ein Gewebe von den Canälen der Nahrungszufuhr abli^t^ um so
träger wird es von der Ernährungsflüssigkeit durchströmt und um so
günstigere mechanische und chemische Bedingungen bietet es für die
Ablagerung von Kalksalzen dar«.
Dasselbe findet bei der Knorpelverkalkung an der Verknöcher-
ungsgrenze der Diaphysen beim normalen Wachsthum statte woraus
sich der regelmässige^ säulenförmige Aufbau neuer Knochensubstanz
nach Verf. erklärt. Jedes gegen den Knorpel aufsprossende CapUlar-
gefass baut sich einen Hohlcylinder aus Kalksalzen und zwar vor-
wiegend nach mechanischen Gesetzen. A. Bldder (Mannheim).
728 Centralblatt fttr Ghiruxgie. No. 46.
P. Zech. Die Physik in der Electro-Therapie.
{Tübingen, H* Laupp'sche Buchhdlg. 1875. 172 S. mit 50 Holzschnitten.)
Das vorliegende Buch, welches aus Vorträgen entstanden ist, die
Z. vor einer Anzahl von Aerzten gehalten hat, geht in ausführlicher
Weise auf die physikalischen Bedürfnisse der Electrotherapeutik ein,
indem er die nothwendigen physikalischen Begriffe in klarer Weise
entwickelt und femer liegende Capitel, sowie veraltete Apparate, nur
kurz bespricht oder eben nur erwähnt; rein physiologische oder the-
rapeutische Thatsachen citirt Verf. nach bewährten Autoren, da er
»selbstverständlich kein praktischer Electrotherapeut ist.«
Von besonderem Werthe dürfte das Buch dadurch sein, dass
Verf. sich der Mühe unterzogen hat, eine Keihe von physikalischen
Irrthümern, welche in den gelesensten Schriften über Electrotherapeu-
tik hier und da zerstreut sind, aufzusuchen und in rein sachlicher
Weise nach den Lehren der Physik zu beleuchten und zu berichtig^.
So vermisste er u. a. (p. 73) bei der Deutung der Erb'schen Versuche
über den Widerstand, welchen ein Strom im menschlichen Körper
erleidet (Arch. f. Psych, und Nervenkr. Bd. IV. Hft. 2. p. 271), die
Berücksichtigung der Polarisation und der dadurch hervorgerufenen
Gegenströme innerhalb des menschlichen Körpers und giebt die
Methode an, wie bei derartigen Versuchen auch diesen Factoren
Rechnung getragen werden kann.
Auch den physicalischen Vorgängen bei der Galvanokaustik ist
eine ausführliche Besprechung zu Theil geworden. Z. glaubt als
Physiker unbedingt das Grove'sche Element in der von Poggen-
dorf angegebenen Form empfehlen zu müssen. — Die Tangenten-
boussole wird für den Electrotherapeuten nie eine grosse Bedeutung
gewinnen können, weil die Ableitung eines Resultates aus ihren
Angaben zu complicirt ist: zur Untersuchung einer Batterie mit
grossem Widerstände wird man stets am besten die Wasserzersetzung
verwenden ; bei kleinem Widerstand (galvanokaustische Batterie) wird
man Glühversuche an rohem Fleische machen oder aus der bekannten
electromotorischen Kraft und dem bekannten Widerstand durch
Rechnung zum Ziel kommen.
Unter den Inductionsapparaten hätte der von Hirschmann in
Berlin construirte sehr brauchbare Apparat, welcher vor dem St öh-
rer'sehen entschieden den Vorzug verdient, eine Erwähnung finden
müssen.
Zum Schluss giebt Verf. eine Beschreibung des von Brenner
zusammengestellten electrotherapeutischen Gesammtapparates, ausser-
dem verschiedene physikalisch-mathematische Details in Anmerkungen
und eine Zusammenstellung von Preiscouranten renommirter Anfertiger
von electrotherapeutischen Apparaten. Die Ausstattung des Buches,
sowie die Holzschnitte, sind gut. SeellgmlUler (Halle).
Centrtlblatt fflr Chirurgie. No. 46. 729
Hortelonpi^ Traitement de la syphilis par les fumigations
mercurielles.
(La France m^dicale 1875.)
Verf. hat die Methode ^ die Syphilis mit Calomelräucherungen
zu behandeln^ aus England überkommen^ wo sie namentlich von
H. Lee sehr ausgebildet ist.
Der uöthige Apparat ist einfach herzustellen; eine wasserge-
füllte Metallschale, welche einen kleinen Tiegel zur Aufnahme des
Calomel enthält, wird auf eine Spirituslampe gesetzt; man beginnt
mit l Grm. Calomel und kann allmälig bis zu 3 Grm. steigen.
Die Kranken liegen in einen Bettbezug vollständig eingehüllt
auf einer aus Latten zusammengesetzten oder wenigstens vielfach
durchbohrten Bank ; unter ihnen steht der Käucherapparat. Nach 1 0
Minuten sind sie meist in Schweiss gebadet. In einer viertel Stunde
pflegt das Calomel verdampft zu sein; man löscht jetzt die Lampe
und lässt den Kranken noch weitere 10 Minuten in dem Dampfe
liegen. Hierauf wird er zu Bette gebracht, doch bleibt er noch ^4
Stunden in seinem Ueberzug, der nur, wenn Athembeschw erden ein-
treten sollten, momentan gelüftet werden darf. Verf. hat in dieser
Weise 1873 und 1874 145 Kranke behandelt, von denen 12 die Cur
nach den ersten Räucherungen unterbrachen. Von den übrig bleiben-
den 133 trat bei 9 keine Besserung ein, 43 sind wesentlich gebessert
(viele von diesen hätten ganz geheilt werden können, wenn sie die
Cur länger fortgebraucht hätten) und 81 sind völlig geheilt entlassen.
Die 9 nicht Geheilten wurden bis auf einen im Jahre 1873 behandelt.
Von den 81 geheilten litten 98 (? 68) an breiten Condylomen
(meist wuchernd und stark nässend) u. z. in 19 Fällen am weichen
Gaumen und den Mandeln, in 13 an den Lippen, in 21 am Anus,
in 22 am Scrotum. In 21 Fällen fand sich Roseola, in 24 papulöse
Syphilide, in 25 leichtere Ulcerationen. Es gehören demnach die
meisten Symptome den früheren Stadien der Syphilis an.
Obwohl die Räucherungen (nach dem Rathe der Engländer)
immer noch nach dem Verschwinden der Symptome fortgesetzt wur-
den, hat jeder Kranke durchschnittlich doch nur 13 gebraucht u. z.
täglich eine. Nach 6 bis 7 Räucherungen zeigte sich meist schon
Besserung. So kam ein Kranker in Behandlung, dessen Anus, Peri-
neum, Scrotum und Genito-Cruralfalte mit einer zusammenhängenden
Masse von oondylomatösen Wucherungen bedeckt waren, die einen
scheusslichen Gestank verbreiteten. Nach 2 Räucherungen war der
Geruch beseitigt, nach 4 waren die Wucherungen auf die Hälfte
reducirt, und nach der 7. war nur noch eine röthliche Färbung der
Haut übrig, die nach einigen Tagen gänzlich verschwand.
Von den 43 gebesserten Kranken zeigten 21 ähnliche Erschei-
nungen, wie die eben besprochenen Geheilten; bei 22 waren die
Leiden schwerer« Aus der Zahl der 21 ersteren blieben bei 2 breite
730 Centealblatt fOr Chirurgie. No. 46.
Condylome zwischen den Zehen, bei 3 am Anus^ und 16 wurden faiB
auf Condylome der Mundschleimhaut geheilt ; es waren diese letzteren
ausnahmslos starke Raucher, l^ei den 23 anderen war die Besserung
eine geringe; Verf. stellt sie mit den 9 nicht geheilten zusammen.
Einzelne von ihnen litten an frühzeitigen Erscheinungen der Syphilis ;
es waren trockene confiuirende Syphilide^ gegen welche bis 56
Käucherungen ohne Erfolg angewandt wurden. Andere litten an
Knoten-Sypluliden, Rhypia und Ekthyma; hier wie bei allen Formen
der tertiären Lues blieben die Räucherungen unwirksam. Um die
Wirksamkeit der Räucherungen ganz sicher constatiren zu können^
unterliess Verf. daneben jede andere Behandlung; die Condylome
wurden weder gewaschen noch mit Charpie betupft. Nur wenn sich
die Räucherungen unwirksam zeigten^ wurde Jodkalium^ oft mit sehr
gutem Erfolg, gegeben.
Was die Art der Einwirkungen mercurieller Räucherungen be-
trifit, so legt Bunstead in New- York das Hauptgewicht auf die
Inhalation der Dämpfe. Mit ihm spricht Verf. der gesunden Haut jede
erhebliche Resorptionskraft ab, nimmt aber an, dass die mit feuchten
Syphiliden behaftete Haut stark resorbire. Einem Kranken mit con-
fluirendem papulösem Syphilid (es widersteht diese Form sonst immer
den Räucherungen) liess Verf. ein grosses Vesicator legen und ihn
dann den Räucherungen aussetzen; nach 8 Tagen waren nur noch
blasse Flecke sichtbar. Es spricht diese Beobachtung für die Ansicht
des Verf.
Die Räucherungen werden meist sehr gut vertragen; 3 Mal sah
Verf. Stomatitis eintreten, die nach dem Aussetzen der Räucherungen
schnell verschwand, lieber Athemnoth während derselben klagten
zwei Kranke; Verf. empfiehlt die Procedur nur in grossen ^ vorher
gut gelüfteten Zimmern vorzunehmen, auch die Kranken nachher
nicht in denselben schlafen zu lassen. Bei dieser Vorsicht kann man
auch schwächliche Personen unbedenklich räuchern.
Ob die Recidive seltener sind, als bei anderen Behandlungs weisen,
wagt Ref. noch nicht zu entscheiden; von den 105 im Jahre 1873
geräucherten Pat. sind nachweislich 1 2 später wieder behandelt worden.
Die Indicationen für seine Behandlung stellt Verf. in folgender Weise:
Ausschliesslich mit Räucherungen sind frühzeitige Ulcerationen,
breite Condylome, Impetigo und eiternde Ekthyma zu behandeln; in
Verbindung mit Jodkalium sind dieselben bei späteren Formen indicirt,
bei knotigen und borkigen Syphiliden, sowie bei tieferen Ekthyma-
pusteln. A*6enMkiier (Halle).
F. Kaulbars. Trophische und vasomotorische Störungen
peripherer Nerven Verletzungen.
Inaug.-Diss. Jena 1874.
Verf. theilt 4 Fälle von traumatischer Lähmung der oberen Ex-
tremität mit (bei den beiden ersten sind Krankengeschichten von
Centralblatt für Chinirgie. No. 46. 731
Nothnagel benutzt). Im 1. Fall entstand, in Folge einer durch
Herabstürzen von einer Treppe hervorgerufenen Luxatio subcoracoidea,
motorische und sensible Lähmung der rechten Oberextremität mit
bedeutender Abmagerung der Musculatur und ausserdem Queriurchung
der Nägel; starke Epithelabschilferung in der Hohlhand und anfalls-
weise auftretendes Hitzegefiihl (mit auch objectiv erhöhter Temperatur)
in der ganzen Extremität neben rosarother Färbung der Hand. Im
2. Falle hatte das Anprallen eines Steines gegen die rechte Seite des
Kopfes und die rechte Schulter eine Lähmung des rechten Armes
mit Atrophie, besonders in der Schultergegend und Erweiterung
der rechten Papille bei verengter (?) Lidspalte (offenbar auf trauma-
tischer Reizung des rechten Halssympadiicus beruhend, was von
Verf. ganz übersehen ist. Ref.) zur Folge. Die gelähmte rechte
Oberextremität war im oberen Theile blässer, als die linke, im unte-
ren dagegen blauroth gefärbt, am intensivsten am Daumen und den
2 ersten Fingern. Die beiden letzten Fälle betreffen Drucklähmungen,
durch Schlafen auf dem Arm entstanden. Im 4. Falle fand sich,
ausser der Lähmung und Atrophie der Muskeln im Gebiete des linken
N. radialis. Blässe und Dünnheit der Haut an der Dorsalseite der
ersten 3 Finger und der entsprechenden Metakarpalknochen.
Seellginfiller (Halle).
A. Zsigmondy. Der Gypssackverband , eine neue Methode
des Gypsverbandes.
(Vortrag, gehalten in der 48. Versammlung deutscher Naturforscher und Aente lu
Graz, 19. Septbr. 1875.)
(Wiener allgem. med. Zeitung 1875. No. 39.)
Der Verf. beabsichtigt mit seiner Modification des Gypscataplasma
die Ausführung des Gypsverbandes zu erleichtem, und denselben für
Kriegsfälle besonders tauglich zu machen. Er lässt aus einem Lein-
wand- oder Flanellstück einen entsprechend grossen Sack nähen,
füllt denselben schwach mit Gypspulver, näht ihn bis auf eine kleine
Oefihung zu und bringt dann denselben in Wasser. Die Luft ent-
weicht durch die Oefihung, der gut durchfeuchtete Sack wird auf
einem Brett ausgebreitet, unter das zu verbindenda Glied gebracht
und mit Bindentouren befestigt. Um den Verband leichter und zu
gleicher Zeit fester zu machen, bringt Z. Scheidewände aus Gewebs-
lagen oder Schusterspähne in dem Sacke an.
Wo der Verband über eine winkelige Beugung angelegt werden
soll, werden Zwickel aus dem Sacke herausgeschnitten und dessen
Wände wieder vernäht. Winiwarter (Wien).
732 Centralblatt ftlr Chinixgie. No. 46.
Jaesche. Zur Aetiologie der acuten eiterigen Zellgewebs-
Infiltration nach dem Steinschnitte.
(Vortrag, gehalten am 4. Sitzungstage des lY. Congresses der Deutschen Gesell-
schaft für Chirurgie, am 10. April 1875.)
{Arch. f. klin. Chirurgie 1875. Bd. XVm. Hft. 4.)
J. hatte Gelegenheit, eine grosse Anzahl von Steinschnitten bei
ndännlichen Individuen jedes Alters vom 2. Lebensjahre an zu machen,
da im ganzen Osten Mittel-Russlands die Steinkrankheit endemisch
herrscht. — Während ältere Individuen nach Operationen häufig an der
durch die Grösse des Concrements bedingten Entartung der Harnorgane
zu Grunde gehen, überstehen Kinder die Operation sehr gut. — Doch
verlor J. 3 Patienten an eitriger Zellgewebsinfiltration, als
deren Ursache er annimmt, dass bei Verklebung der äusseren Wund-
flächen und Undurchgängigkeit der Harnröhre der zersetzte Urin in
das Zellgewebe der Wunde hineingetrieben wird. — J. machte 1871
16 Lithotomieen mit 2 Todten (Tuberkulose und Peritonitis), 1872
18 mit 2 Todten (beide Male Peritonitis), 1873 12 mit 4 Todten
(Cholera^ Wunddiphtherie, Erysipel, Phlegmone mit Peritonitis),
1874 17 mit 2 Todten (Nieren degeneration , Phlegmone mit Peritoni-
tis); im Ganzen in 4 Jahren 68 Operationen mit 10 Todten.
Maas (Breslau).
J. Grünfeld. Auto-Endoscopie der Urethra.
(Wiener allgem. med. Zeitung 1875. Nr. 36.)
Zur Selbstuntersuchung der eigenen Harnröhre verwendet G. ein
gerades Endoscop mit Conductor oder ein gerades gefenstertes En-
doscop, einen Planspiegel, eventuell im Centrum durchbohrt, und
directes Sonnenlicht. Der Beobachter sitzt mit dem Rücken gegen
die Lichtquelle, hält mit einer Hand das Endoscop horizontal oder
schräg nach aufwärts, mit der anderen dirigirt er den Spiegel derart,
dass die reflectirten Sonnenstrahlen in das Instrument einfallen können
und er zugleich das Bild dei Urethra im Spiegel wahrnehmen kann.
Die Entfernung des Auges des Selbstbeobachters von dem Spiegel
beträgt zwischen 60 — 70 Ctm. ; Myopen und Hypermetropen brauchen
daher entsprechende Brillengläser zur deutlichen Wahrnehmung des
Spiegelbildes. Ein zweiter Beobachter kann^die Urethra zur selben
Zeit endoscopiren , wenn sein Auge sich hinter dem Spiegel befindet
und durch dessen centrale Oeffnung direct in das Endoscop blickt.
Winiwarter (Wien).
A. Bergeron. Traitement curativ des varices superficielles des
membres et de la cirsoide par le simple isolement des veiues.
(La France m6dicale 1875.)
Verf. beschreibt die Methode Rigaud's (Nancy), Unterschenkel-
Varicen durch Isolation der Venen zur Heilung zu bringen ; da bereits
150 Pat. in dieser Weise mit gutem Erfolg behandelt sind^ kann die
Centralblatt für Chirurgie. No. 46. 733
Ansicht Verneuil's, der die Coexistenz tiefliegender und oberfläch-
licher Krampfadern als regelmässig hinstellt^ wohl nicht allgemeine
Geltung haben. — Das Verfahren ist folgendes: nachdem eine Quer-
falte abgehoben, macht man auf den Yarix einen 3 Ctm. langen
Längsschnitt 9 isolirt mit der Hohlsonde die Vene in gleicher Aus-
dehnung und schiebt darunter ein 2 Ctm. breites Grummiband^ das
um den Unterschenkel geschlungen wird. In den nächsten Tagen
bemerkt man eine Zunahme der Resistenz und des Volums des
Gefässes^ das sich in einen später dünner werdenden^ festen Strang
▼erwandelt. Nach der dritten Woche pflegt der allmälig immer dünner
werdende Strang durchzureissen ; die Heilung ist jetzt im Wesent-
lichen vollendet. Alle Varicen sind verödet und belästigen in keiner
Weise; die Patienten können gut marschiren. Auch daneben be-
stehende varicöse Fussgeschwüre pflegen zur Heilung zu kommen.
Fieber tritt nach der Operation nur bei Complicationen ein (Lymph-
angoitis etc.). Unter den Fällen Rigaud's finden sich 3 mit tödt-
lichem Ausgang; in diesen war die Vene selbst verletzt worden. Die
Entblössung an sich ist gefahrlos. Broca^ v. Langenbeck und
OlHer beobachteten tödtlichen Ausgang nach Entblössung der ven.
axillaris resp. jugularis^ wo wegen rechtwinkligen Einströmens von
Venen die Thromben leicht vom Blutstrom mitgerissen und zu Embo-
lieen Veranlassung geben können: man halte sich daher am Unter-
schenkel von der rechtwinkligen Einmündungsstelle der ven. saphena
interna in die v. cruralis, und der saphena externa in die v. poplitea
möglichst fem. Die Heilung der Varicocele durch Venenentblössung
(Rigaud hat in allen seinen zahlreichen Fällen Heilung erzielt) wiid
durch eine mitgetheilte Krankengeschichte illustrirt.
Die Scrotalhaut wird zur Falte aufgehoben und auf die erweiter-
ten Venen ein Längsschnitt gemacht. Alle Gefässe werden sorgfältig
isolirt und hierauf unter das ganze Bündel varicöser Venen ein
Leinenband gezogen. Als Verbandmaterial benutzt R. nur trockene
Charpie. Am dritten Tage wird das Band entfernt; definitive Hei-
lung erfolgt in der dritten Woche. Nutritive oder functionelle Störun-
gen sind am Hoden nicht beobachtet. Es folgen Betrachtungen
über Thrombenbüdung und Phlebitis. A. Genzmer (Halle).
Kleinere Mittheilungen.
Th. Bryant. Report ou operative surgery. p. 341.
(Guys Hospital Reports 1875. Vol. XX.)
In den difsjährigen Reports setzt Th. Bryant die im vergangenen Jahre
begonnenen Berichte Ober Knochengeschwfllste fort und referirt über eine Reihe
interessanter »Krebse« der Kiefer und Röhrenknochen.
Die beiden ersten F&lle betreffen congenita! e Tumoren des Oberkie-
fers und des Unterkiefers.
Fall 1) 4monatl. Kind, das neunte gesunder Eltern, zeigte am rechten Ober-
kiefer einen orangegrossen Tumor, welcher nach Mund- und Nasenhöhle hin
prominirte. Die Geschwulst war bereits bei der Geburt beobachtet worden und
784 CaatralblaU für Chiruigie. No. 46.
seitber rasch gewachsen. 3 Monate sp&ter erschienen secundire Tumoren in der
Haut des Rumpfes und beider Oberschenkel, während die Oberkiefergeschwulst
rapid wuchs. Tod ly^ Monat nach der Geburt.
Fall 2) Ömonatl. Kind, das erste gesunder Eltern. Schon bei der Geburt
wurde an der rechten Seite des Unterkiefers eine wallnussgrosse Anschwellung
beobachtet, weiche im Verlaufe von 5 Monaten bis zu der Grösse einer Orange
gediehen war. Consistenx weich, pseudofluctuirend. Rasches Wachsthum, Auf-
bruch, Tod 14 Monate nach der Geburt.
Beiden Referaten sind Abbildungen beigefügt. Leider fehlen die mikrosko-
pischen Befunde. Gleichwohl wird man nicht fehlgehen , wenn man die beiden
»congenitalen Krebse« als myelogene Sarcome deutet, deren intrauterines Auftreten
immerhin su den Seltenheiten gehört. (Ref.)
Folgen 2 Krankengeschichten, welche das Auftreten des »Krebses« im kind-
lichen Alter illustriren sollen.
Fall 3} Bei einem 20 Monate alten Kinde war vor Jahresfrist im Handteller
eine Geschwulst aufgetreten und hatte, allmälig wachsend, die ganze Mittelhand
eingenommen. Amputation Aber dem Handgelenk. Heilung nach 1 Jahre noch
konstatirt.
Fall 4) Hier war das Kind 15 Monate alt, kr&ftig und gesund. Vor 6 Monaten
hatte die Mutter die erste Anschwellung am rechten Handrücken beobachtet.
Rasches Wachsthum ; Amputation des Vorderarmes \ Recidiy in der Achselhöhle; Tod-
Auch in diesen beiden Fällen hätte der leider fehlende mikroskopische Befund
wohl eher ein Sarcom oder Enchondrom als einen »Krebs« konstatirt (Ref.)
Die 3 folgenden Fälle betreffen Cancroide der Röhrenknochen,
sämmtlich in der Haut, die beiden letzten in Fistelgängen, entstanden und nach
der Tiefe gewuchert.
Fall 5) 67jähr. Frau hatte am Vorderarm dicht fLber dem Handgelenk ein
grosses Krebsgeschwür, welches den Knochen bereits ergriffen. Ampntatio anti-
brachii im oberen Drittel. Dauernde Heilung.
Fall 6) 48jähr. Mann litt seit beiläufig 30 Jahren an Nekrose des Oberschenkels.
Auf einer in der Kniekehle mündenden noch nicht geschlossenen Fistel hatte sich
ein Cancroid entwickelt, welches zur Zeit der Aufoahme ein 5 Zoll langes, 4 Zoll
breites Geschwür darstellte. In der Tiefe sah man den ulcerirenden Knochen.
Amputation des Oberschenkels in der Grenze des oberen und mittleren Drittels.
Torsion der Gefässe. Heilung. Im abgesetzten Stumpfe fand sich ein Total-
Sequester des Femur, eingebettet in eine dicke Knochenlade.
Fall 7} SOjähr. Mann. Ghrosses fungöses Geschwür an der vorderen —
inneren Seite des linken Unterschenkels. Vor 36 Jahren beiderseitige Periostitis
der Tibia mit Nekrose. 2 Jahre vor der Aufnahme war am linken Unterschenkel
das letzte nekrotische Knochenstück herausgekommen. Seitdem (leschwürsbildung
an der Fistel. Exarticulatio genu mit Erhaltung der Fatella. Heilung nach 4 Mo-
naten mit brauchbarem Stumpfe.
Die mikroskopische Untersuchung der Geschwürsfläche durch Dr. Goodhart
ergab deutliche Krebsmassen mit zahlreichen Zellennestern im Centrum des Kno-
chenschaftes, wohin sie augenscheinlich von der Oberfläche eingedrungen waren.
Diesen beiden Fällen von Cancroid - Entwickelung in Nekrosenfisteln filgt
Bryant noch 2 aus seiner früheren Praxis bei. Das eine Mal handelte es sich
um eine Nekrose des Os calcis, das andere Mal um eine Tibia-Nekrose. In beiden
wurde die Amputation mit Erfolg ausgeführt.
Unter dem vielversinrechenden Titel »Cancer originating in Bona« wird
ein weiterer Fall (No. 8} beschrieben, der sich indessen nach der mikroskopischen
Untersuchung des Dr. Goodhart schliesslich als Rundzellensarcom darstellt
2Sj ähriger, im Uebrigen gesunder Mann litt seit einem Jahre an Sohmenen
im linken Knie , zu welchen sich vor einem halben Jahre eine Anschwellung ober-
halb des Gelenkes gesellt hatte. In der Nacht vor der Aufnahme war in Folge
einer pLötilichen Muskeloontraetion dar Oberschenkel dicht über dem Knie ge-
Centnablatt Air Chinugie. No. 46. 795
broohAD. Die anfkngi' zweifelhafte Diagnose wurde hiernach auf einen den Knochen
serstdrenden Tumor gestellt und der Oberschenkel in der Grenze des oberen und
mittleren Drittels abgesetzt. Torsion der Arterien. Fat. nach 4 Monaten geheilt
entlassen. Die Section des abgesetzten Beines ergab eine weiche, mit Blut durch-
tränkte Geschwulst, welche den Femur im unteren Drittel total zerstört hatte.
Abbildung beigefügt. — Folgt als Fall No. 9 Rundzellensarcom des Kopfes
und Halses des Femur.
36j&hriger Mann litt längere Zeit an »Rheumatismus« im linken HQftgelenk,
hatte sich dasselbe auch einmal bei Gelegenheit eines Falles distorquirt. Bei der
Aufnahme fand man den linken Trochanter doppelt so dick als normal; massig hart,
elastisch an Consistenz. Hüft- und Kniegelenk gebeugt. Bei zweifelhafter Diag-
nose wurde dem Fat eine Incision eventuell die ßeseotion vorgeschlagen. Es
zeigte sich der Eingangs erw&hnte Tumor. Resection. Tod 10 Tage später. Das
Mikroskop (Dr. Goodhart) zeigte die Bestandtheile des Rundzellensarcoms mit
theilweiae alveolärem Bau.
Diebeiden letzten Krankengeschichten behandeln zwei »Feriosteal Cancer
of Bone«.
Fall No. 10. 8j ähriges Mädchen. Periostale Geschwulst des rechten Unter-
schenkels; Amputation im Kniegelenk. Recidive im Rumpf und an anderen
Theilen. Tod.
Fall No. 11. 36jährige Frau. Periostale Geschwulst des Vorderarms. Ampu-
tation im Ellenbogen. Heilung.
Mikroskopische Befunde fehlen. Sehr wahrscheinlich handelte es sich auch
hier um periostale Sarcome. (Ref.) Lossen (Heidelherg) .
AzLger. Des flexions permanents des doigts et de leur traitement.
(La France m^dicale 1875.)
Verf. heschreibt einige Fälle von Flexionscontractur der Finger,' die er mit Er-
folg behandelte.
1) Narbencontraction nach Verbrennung der Handfläche. Die Finger sind in
äusserster Flexion fixirt. Durchschneidung der Narbenstränge und Fixation in
Streckung mittelst einer Handschiene. Nach 2 Monaten ist die Vemarbung be-
endet. Wenn auch nicht völlige Streckung möglich ist, sind die Finger doch gut
beweglich.
2) Sogenannte Retraction der fascia palmaris (D u p u y t r e n) bei einem Schmied ;
ein Finger hat bereits amputirt werden müssen. Tiefe Schnitte durch die sich
anspannenden Stränge und gewaltsame Streckung. Die Heilung erfolgt in kurzer
Zeit; die Finger können in halbe Streckung gebracht werden, so dass Fat., vorher
ganz arbeitsunfUiig, wieder sein Handwerk betreiben kann.
3) Flexion des 4. Fingers durch Retraction des tiefen Flexor. Durchschneidung
der Sehne desselben in der Höhe des 1. Interphalangealgelenkes : sofort kann der
Finger aotiv gestreckt werden. Nach der Heilung ist fast normale active Beweg-
lichkeit vorhanden.
Verf. meint, dass die Tenotomie bei Fingercontracturen viel zu selten angewandt
werde. A« ftMumer (Halle).
Bosner. Veraltete incomplete LuxatioQ der rechten Ulna nach hinten.
Heilung.
(Wiener allgem. med. Zeitung 1875. No. 32.)
Der 18jährige Mann hatte die Verletzung durch Sturz von einem Pferde vor
8 Wochen acquirirt. Arm in Viertelbeugung. Ellbogengelenk von vorn nach
hinten verdickt, Trochlea durchzufühlen, Olecranon nach hinten vorspringend, in
gleicher Höhe mit den Condylen, Triceps nach hinten concav gespannt Beweg-
736 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 46.
lichkeit des Gelenkes sehr beschränkt. Naeh wiederholten Repositionsversachen
Anderer gelang dem Verf. die Einrichtung in der Narkose dnrch Dorsalflexion.
Function nach mehrwöchentlicher Behandlung rollkommen gut.
Winiwarter (Wien).
IL HirBchberg. Erfolgreiche Operation einer Blasenectopie bei einem
Vijährigen Knaben.
(Vortrag, gehalten am 2. Sitzungstage des IV. Congresses der deutschen Gesellschaft
für Chirurgie zu Berlin, am 8. April 1875.)
(Arch. f. kUn. Chirurgie. Bd. XVIH. Hft. 4.)
H. operirte eine voUständig typische Ectopia vesicae bei einem ^/^ährigen
Knaben, nachdem er die vorhandenen Ulcerationen durch Bepinseln mit einer
3— 4pc. Höllensteinlösung und innerlicher Darreichung von Phosphoisäure geheilt
hatte. Als ersten Act der Operation machte er die Bedeckung der Blasenschleim-
haut mit einem einfachen Lappen, die wunde Seite der Schleimhaut zugekehrt.
Schon nach dieser Operation hielt das Kind in der Rückenlage eine kleine Menge
Urin. Beim Einfahren des Fingers in die kleine Höhle fühlte H. von unten eine
Einschnürung, so dass er auf das Vorhandensein des M. Sphincter yesicae schloss.
H. präparirte deswegen die Blasenschleimhaut in einer Dicke von 2 Mm. ab, frischte
die Ränder an und nähte sie unter dem abgezogenen Hautlappen zusammen, so dass
er eine vollständig mit Schleimhaut ausgekleidete Höhle darstellte. Leider rissen
die Nähte nach einigen Tagen aus und die Schleimhautlappen retrahirten sich ; an-
fangs hatte aber die Operation den Erfolg, dass das Kind den Urin bis IV2 Stunden
halten konnte. Schliesslich schnitt H. die Vorhautschürze quer ein, steckt die
Glans penis hindurch und vereinigte die Vorhaut mit dem Decklappen. Die voll-
ständige Vereinigung dieser Theile gelang erst durch 4 Nachoperationen. Das Kind
kann in der Rückenlage etwas Urin halten, der aber beim Schreien und Aufstehen
abfliesst; es trägt einen Harnrecipienten. Maas (Breslau).
Bryant. Gases of stone.
(Med. tim. and. gaz. 187.5. 28. August, p. 235.)
Eine Reihe von 8 Fällen zur Vervollständigung des vor einiger Zeit herausge-
gebenen Berichtes.
1) 5jähriges Mädchen; Hamsäurestein n/4 Zoll lang; Lithotripsie. Heilang.
2) 33j ähriger Mann , schon als 2 7^ ähriges Kind an Stein in einem Hospital
behandelt. Nach Heilung einer Mastdarmfistel Aufbruch zweier Stellen vor dem
Anus, der alten Operationsnarbe entsprechend. Dilatation, Entfernung zweier
Steine aus der Prostata. Heilung.
3) 11 jähriger Knabe, Einklemmung eines erbsengrossen Steines in der Harn-
röhre, »hinter dem Scrotum«; Incision; Heilung.
4) 15jähriger Knabe mit einem in der Harnröhre eingeklemmten Steine ; beim
Versuche der Extraction von einer Incisionswunde aus rutscht der Stein in die
Blase zurück. 8 Tage später Lithotripsie. Heilung.
5) Sjähriger Knabe ; stirbt 7 Y2 Stunde nach erfolgloser Untersuchung auf einen
Stein. Der rechte Ureter ist obliterirt. Niereneiterung dieser Seite. Hamsäure-
stein von der Grösse einer Baroelonanuss.
6) 7) 8) 3 erfolgreiche Lithotripsien, ohne' Besonderheiten.
Bänke (Halle).
Orlginalmlttheilungen, Monographieen und Separat&bdrücke wolle
man an Dr, H, TUtmamu, Leipzig, Harlenstrasse No. 3, oder an die Verlagahandlnng,
BreUkopf und HärUl, einsenden.
Dnek vnd Yeriag von Braitkopf uid HBrtal in Laipuf.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
heraasgegeben
▼OB
Dr.L.LiiSser, Dr.I.S(;Me, Dr. H. Tillniaiiiu;
in Berlin. in B«rlin. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Ni' 47. Sonnabend^ den 20. Noyember. 1875.
Inkalt: Fleck, Benzoesäore, Carbolsäure, Salleylsaure, Zimmtsäure. — BuchhOltz, Anti-
septica nad Bacterien. — v. Mayer und Kolbe, Antiseptische Wirkung der Salicyl-
säure nnd Benzoesäare. — Landsberger, Handbuch der kriegschirargischen Technik. —
Bardeleben, Klinische Mittheilungen über antiseptische Behandlung. — R^naut, Rotz.
— GhVCttek, Yasomotorische und trophische Neurosen. — Hatse, Berns, Transfasion. —
Gay, Verbrühungen und Verbrennungen. — MOIIer, Käsige Entartungen der Lymphdrü-
sen. — Adams, Behandlung der Nasenbrüche. — Pflug, Struma congenita. — Schkla-
rewsky, HeÜungsprocess der Rippenknorpelwunden. — Berger, Schnellende Finger.
Enser, Aneurysma der Innomlnata. — RIvIngton, Zerreissung der art. und Ten. po-
plitea. — Fort, Seltene Verletzung des Schultergelenks. — Bell, Williams, Oelenkmaus.
— Suender, Lithotomie. — Macleod, Hydrocele. — Salzer, Fremdkörper In weiblichen
Genitalien. — KQster, Anus flstnlosus congenitus.
Fleck. Benzoesäure, Carbolsäure, Salicylsäure, Zimmtsäure.
München, S. Oldenboorg, 1875. 8. p. 80.
Buchliolt2B. Antiseptica und Bacterien.
(Arch. für experim. Pathol. und Pharmak. 1875. Bd. IV. Hft. 3.)
Aus F.'s detaillirten Untersuchungen ist von chirurgischem In-
teresse vor Allem hervorzuheben^ dass die Benzoesäure^ 'wie auch
Salkowski gefunden^ die Carbolsäure und Salicylsäure an antizy-
motischer und antiseptischer Wirksamkeit bei Weitem übertrifft, und
über allen dreien die Zimmtsäure steht; ferner dass Benzoesäurelö-
sung 1 : 400, in 3 leichten chirurgischen Fällen geprüft^ »keine rei-
zende und die Wundheilung störende Einwirkung« hatte. Sehr
abweichende Resultate von denen von Kolbe^ Neubauer u. A.
ergaben die speciell mit der Salicylsäure angestellten Versuche >be-
züglich ihres Einflusses auf den Eintritt und Verlauf der Alkohol-
gährung in Bierwürze. F. fand, dass Salicylsäure (ebenso wie Car-
bolsäure und Benzoesäure) den Eintritt der Gährung nie ganz hindert,
47
J I
738 ^Centralblatt für Chirurgie. No. 47.
höchstens hinausschiebt^ und unter gewissen Verhältnissen selbst bei
sehr grossen Mengen des Zusatzes den Verlauf der Gähnmg wenig
oder gar nicht beeinflusst. Bemerkenswerth ist^ dass höhere Gähr-
temperatur die Wirksamkeit aller dieser antiseptischen Mittel in er-
heblichem Grade abschwächt. So reichten 14 Grm. Salicylsäure pro
Hectoliter Bierwürze bei 30 — 35^C. schon nicht mehr hin^ die Gahmngs-
erscheinungen zu vermindern. Entgegen der bisherigen Anschauung
fand F.^ dass die Wirkung dieser Substanzen in gar keinem bestimm-
ten Verhältniss zur Menge der Hefe auch nicht zur Menge des
Zuckers steht, sondern nach der Menge des noch ausserdem in der
Würze enthaltenen N-haltigen »Extractes« sich richtet, welches durch
die Säuren geföUt wird. Wurde Hefe mit Lösungen jener Säuren
24 Stunden digerirt, alsdann abfiltrirt, einmal ausgewaschen und nun
extractreicher frischer Bierwürze zugesetzt, so trat in allen Gefasaen
schon nach 24 Stunden und bei 15 — 18°C. Gährung ein. F. schliesst
dai*aus, dass die Salicylsäure, sowie die 3 anderen Substanzen, kein
Gift für die Hefe sind, d. h. die Hefeselbst nicht tödten, sondern
nur dadurch gährungshemmend (antiseptisch) wirken, dass sie die stick-
stoffhaltige Hefenahrung in der Gährungsflüssigkeit binden und so die
Hefe aushungern. (Reine Hefe und reine Zuckerlösung geben be-
kanntlich keine Gährung, — so wenig wie isolirte Bacterien und
reines Hühnereiweiss Fäulniss geben. Ref.)
Aehnlich wie Salicylsäure wirkt auch schwefelsaure Thon-
erde (Alaun).
Conservirungsversuche mit Milch und Fleischsaft ergaben,
dass, während die Salicylsäure nur die Milchsäurebildung (in SaUcyl-
säure-Molken) hindert, die Benzoesäure ausserdem noch der Schimmel-
bildung in der Milch entgegenwirkt, und mit der ersteren versetztes
Fleischwasser (0,1 : 100.) nach 6 Tagen Schimmelbildung und nach 4
Wochen Fäulniss zeigte, während die mit Carbolsäure und Benzoe-
säure versetzten Gefasse noch nach 60 Tagen unverändert waren. —
Buchholtz betrachtete in seinen Versuchen über die bacterien-
tödten den Eigenschaften gewisser Substanzen als Kriterium der Vi-
talität nur die Vermehrungsfähigkeit der Organismen, da er die
Erfahrung gemacht hatte, dass Bacterien, welche sich anscheinend
ganz inert (im gewöhnlichen Sinne »todt«) verhielten > z. B. in den
Bacterienniederschlägen spontan geklärter Züchtungen, bei der Ueber-
tragung in frische Nährsalzlösungen »sich ganz munter fortpflanzten.«
Er verfuhr daher so, dass er 1) die kleinste Menge der Substanz zu
ermitteln suchte, welche den Eintritt von Vegetation in einer
inficirten Nährflüssigkeit verhinderte, und 2) diejenige Menge,
welche nöthig war, eine bis dahin ungestört vor sich gegangene Cul-
tur zu sistiren. In dem letzteren Falle wurde dann der Erfolg
stets durch die Transplantation der Bacterien in frische Nährflüssig-
keit controlirt. — Zu der Züchtung bediente er sich ausschliesslich
folgenden Recepts: Aqu. dest. 100, käuflicher Candiszucker 10,
Ammon. tart. 1, Kaliphosph. 0,5. (Der käufliche Zucker enthält eben
Centralblatt far Chirurgie. No. 47.
739
schon Kalk^ Magnesii^ und Schwefelsäure.) Die üblichen Cautelen
wurden dabei nicht ausser Acht gelassen.
Das Resultat dieser überaus zahlreichen Versuche können wir
nur im schematischen Auszuge wiedergeben:
Es hinderten die Vegetation.
Grad der
Yerdteiiiuig.
X.
Sublimat . . .
Thymol . . .
Benzoesaures Ka
Kreosot . . .
Benzoestitre
Salicylsfture . .
Salicylsaures Na
Carbolafiure . .
Saluaures Chinin
Borsäure . . .
Kupfervitriol
Zinkvitriol . .
Alkohol (ohne lu ver
dunsten) . . .
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
20000
2000
1666,6
1000
1000
666,6
250
200
200
133,3
133,3
50
1 : 50
0,005
0,05
0,06
0,1
0,1
0,15
0,4
0,5
0,5
0,75
0,75
2,0
2,0
Es vernichteten die Vegetation:
Orad dsr
X.
YerdUnnnng.
1 : 23000
0,004
: 5000
0,02
3333,3
0,03
666,6
0,15
t 312,5
0,35
1250
0,4
200
0,5
161,3
0,62
100
1,0
25
4,0
1 :
4,5
22,0
Chlor ....
Jod ....
Brom ....
Schweflige S&ure
Salicylsäure . .
Benzoesäure. .
Thymol . . .
Schwefelsäure .
Kreosot . . .
Carbolsäure . .
Alkohol . . .
(in künester Zeitl)
(in wenigen Stunden I)
(im Laufe einiger Stunden !)
Mit Becht betont B., dass die gefundenen Werthe vor der Hand
nur für die von ihm benützte Nährflüssigkeit gelten, da
berechtigter Grund ist zu der Annahme, dass das Verhalten vieler
dieser Substanzen, z. B. der Säuren, in anderen Substraten, als albu*
minösen Faulstoffen, Blut, Eiter u. a., für Bacterien ein wesent-
lich anderes sein werde. Selbst zwischen verschiedenen Nähr-
flüssigkeiten schon fand B. sehr auffällige Differenzen im Verhalten
der Bacterien gegen diese Antiparasitica. [Dass ebenso die gefundenen
Werthe nicht auch ohne Weiteres für den Process der Sepsis
gültig sind, dürfte gleichfalls einleuchten. Schon aus diesem Grunde
scheint mir die im Titel gewählte Bezeichnung »Antisepticaa nicht
zutreffend zu sein. Ref.] Ära. mUer (Berlin).
47*
740 Centraiblatt far Chinugie. No. 47.
V. Mayer und H. Eolbe. Ueber die antiseptischen Wirktm-
gen der Salicylsäure und Benzoesäure in Bierwürze und Harn.
(Journal f. prakt. Chemie 1875. Bd. XII. p. 378.)
In ihrer Erwiderung auf die vorstehende Arbeit von Fleck ver-
werfen die Verff. vor Allem die Anwendung der Presshefe (Fleck),
weil dieselbe die Gährung viel langsamer einleite, als frische Bier-
hefe (Verhältnis 10 : 2) und Stoffe enthalte, welche die antiseptische
Wirkung der Salicylsäure hemmen. Ihre Versuche bestätigen aber,
dass die Benzoesäure in der Bierwürze entschieden besser
gährungshemmend wirkt. Dagegen zeigt sich in Traubenzuckerlö-
sung die Sahcylsäure kräftiger wirksam. Verff. erweisen nun durch Con-
trolversuche, dass es die Phosphate der Bierwürze, vielleicht auch
noch andere Stoffe (Eiweiss) sind, welche die Ungleichheit dieses
Verhaltens bedingen. Ein Plus von Sahcylsäure bringt ihre antizy-
motische Kraft, und zwar im geraden Verhältniss zur Hefen-
menge (gegen F.), zur Geltung. F.^s Theorie von der Hefennahrung
halten sie für unbegründet, seine Versuche für nicht streng beweisend,
da Bierwürze auch ohne Hefezusatz in Gährung gerathen könne. —
Beim Harn seien, je nach dem Säuregrade und je nach dem Gebalt
an Farbstoff und Phosphaten, sehr verschiedene Mengen von Salicyl-
säure erforderlich.
Hezüglich der Anwendung in der praktischen Medicin be-
tonen die Verf. noch einmal, dass sowohl Borax, wie phosphorsaures
Natron die Salicylsäure chemisch binden und dadurch unwirk-
sam machen. Dasselbe finde auch, wie Versuche mit Blutserum bestä-
tigten, durch die Alkalien des Blutes statt (vergl. Salkowsky und
Zimmermann. Ref.). Dagegen lässt sich die Salicylsäure in phos-
phathaltigen Lösungen in Freiheit halten durch Zusatz von Salzsäure,
Acid. Halleri und saurem schwefelsaurem KaU.
Am. HUler (Berlin).
Landsberger. Handbuch der kriegschirurgischen Technik.
Tübingen, H. Lanpp'sche Buchhandlung. 1875.
(Vom Central-Comit6 der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwimdeter oder
erkrankter Krieger mit dem Preis gekrönt.)
Verf. giebt nicht nur die bei Kriegsverletzungen in Frage kom-
menden Operations- und Rehandlungsweisen , sondern versucht auch
eine Skizzirung des augenblicklichen Zustandes der gesammten kriegs-
chirurgischen Wissenschaft. Die berührten Fragen werden in dersel-
ben Weise abgehandelt, wie sie etwa ein Lehrer besprechen würde, der
auf dem Verbandsplatze zu orientiren, in den Lazarethen mit dem Detail
bekannt zu machen hat.
Eine einleitende Abtheilung enthält Anweisungen, in welcher
Art die ärztUche Thätigkeit auf dem Verbandplatze zu specialisiren
und zu einer mögUchst ergiebigen zu gestalten sei. Darauf werden
alle bei der Lazarethbehandlung in Frage kommenden Details des
Centralblatt fOr Chirurgie. No. 47. 741
Aufifährlichen erörtert ; so die Wahl und Einrichtung der Hospitäler,
die Principien der Wundbehandlung, die wichtigsten Verletzungen
der verschiedenen Körperregionen, endlich die accidenteUen Wund-
krankheiten. Den Schluss bUdet die Beschreibung der operativen
Encheiresen.
Alle diese umfänglichen Vorwürfe konnten auf 200 Octavseiten
in ihren Hauptsachen nur dann berührt werden, wenn der Darstellung
eine dogmatische Färbung gegeben, wenn die Verletzung in ihrer
typischen Form beschrieben, das Heilmittel dagegen in möglichster
Bestimmtheit normirt wurde. Man exponirt sich bei' diesem Verfahren
namentlich in therapeutischer Beziehung in mannigfachster Weise;
man deckt sich am besten, wenn man nicht die eigene Ansicht oder
die Lehre einer bestimmten Schule in den Vordergrund stellt, sondern
seine Rathschläge nach denjenigen Normen bemisst, welche die neu-
eren in den verschiedenen Lagern gesammelten Erfahrungen als die
zulässigsten bezeichnet haben. Im Festhalten des letzteren Princips
scheint uns der Werth des Buches zu liegen. Der Verf. kennt
die in Folge der letzten Feldzüge entstandene Litteratur genau, er
weiss in derselben mit Kritik zu lesen und nur diejenigen Grundsätze
herauszunehmen, welche sich augenblicklich der Zustimmung der
Majorität zu erfreuen haben. Selbstverständlich gebricht die Fähig-
keit zu solcher Auswahl Jedem, der die Natur und den Verlauf der
zu behandelnden Dinge nur selten und aus der Feme zu beobachten
Gelegenheit hatte.
Wer also nicht in der Lage ist, Specialstudien auf diesen Ge-
bieten getrieben zu haben und kurz und bündig die »10 Gebote« der
modernen Kriegschirurgie lesen will, findet dielben mit einer Be-
stimmtheit und Objectivität besprochen, wie dies in andern Compen-
dien ähnlichen Umfangs nur selten der Fall sein möchte. — Nicht
recht statthaft erscheint es Ref., die Namen der lebenden Fachge-
nossen hinter Beobachtungen und Vorschriften zu setzen, die zum
Theil schon vor Jahrhunderten genau ebenso bekannt waren, wie heute.
Z. B. auf p. 9 : die Netzvorfälle »können bei der Vernarbung sich von
selbst vollständig retrahiren (Billroth)« oder auf p. 64: Im Fall einer
Blutung suche man die blutende Stelle direct auf, »selbst wenn viel
Zeit darüber vergehen und manche Muskelfaser geopfert werden sollte
(Roser)«. Aehnliche Citate finden sich im Originaltexte vielfach.
Wüh. Koch (Berlin).
A. Bardeleben. Klinische Mittheilungen über antiseptische
Behandlung.
(Vortragi gehalten in der Berl. med. Oesellsch. am 12. und 26. Mai 1875.)
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 29.)
In drei Jahren sind auf der Klinik des Verf. 387 Fälle von Be-
deutung antiseptisch behandelt (134 grössere Abscesse^ 56 grosse
Phlegmonen^ 76 grössere Amputationen^ 2 t grössere Resectionen von
742 CentralUatt fttr Chiraigie. No. 47.
Gelenken, 23 groMere Geschwulstexstiipationen, 77 oompUcitte Frao-
turen). Von diesen 387 ging kein Patient an Pyamie oder Septikamie
zu Grunde. Erysipelaa kam noch öfter yot^ doch scheint der Ver-
lauf ein milderer. ▼• Mtsengeü (Bonn).
Benaut. Sor lea l^sions anatomiqnes de la morre ^oine,
aigQe et chroniqne.
(Comptes renduB T. 81. p. 411—414.)
Virchow betrachtet die für die Rotzkränkheit charakteristischen
Tumoren als Granulationsgeschwülste, während sie Cornil und
Ranvier zu den tuberkulösen Bildungen rechnen. Nach R. gleichen
die Heerde in der Lunge am meisten den metastatischen pyaemischen
Heerden ; die Lungenalveolen sind von jungen Zellbildungen erfüllt,
wie bei der lobulären Lungenentzündung und diese pneumonischen
Heerde sind an der Peripherie von frischen Haemorrhagieen umgeben.
Zwischen den einzelnen Rotzknoten ist das Lungengewebe vollständig
gesimdy ebenso die Pleura, diese selbst in den so häufigen Fällen,
wo der Knoten unmittelbar unter der Pleura liegt. Die jungen
Zellen der inselformigen, pneumonischen Heerde sind ausserordentlich
verschieden von den Tuberkel-Zellen. Mit Hülfe verdünnten Alkohols
lassen sich die Elemente des Rotzknotens isoliren; hierbei zeigt es
sich, dass ihr Kern nicht nur lebhaft sich mit Carmin impraegnirt,
sondern auch das Bild eines knospentreibenden Kerns darbietet. Formen,
wie sie Ran vier von Kernen in lebhafter Bew^ung begriffener
Lymphkörperchen beschrieben hat. Geht der Rotz in die chronische
Form über, so verfettet das Centrum des Knotens und bildet mit der
umgebenden haemorrhagischen Zone einen eigentlichen Käseheerd,
der schliesslich verkreiden kann. Gleichzeitig entwickeln sich bei
längerer Dauer des Processes zwischen den Knoten sclerotische Heerde
in der Umgebung der Bronchien, die den in Umwandlung begriffenen
Knoten benachbart sind. Sehr ähnlich sind die Knoten auf den
Schleimhäuten. Weiterhin kann es hier zu Endarteritis kommen, die
zur Verengerung des Gefasskalibers führt; hierdurch wird der Blutzu-
fluss erschwert, es entstehen UIcerationen, ähnlich den atonischen
Geschwürsformen. Damit verbindet sich Lymphangitis und Lymph-
adenitis. Die Drüsentumoren können verkäsen, auch in ihnen findet
sich in der Peripherie eine haemorrhagische Zone. Die Analogien
zwischen Rotz und Tuberkulose sind somit nur höchst entfernte, mehr
nähert sich der zu Grunde liegende anatomische Process dem der
purulenten, pyaemischen Infection. Vom anatomischen Gesichtspuncte
betrachtet, sind nach R.'s Ansicht Pyaemie, Rotz, Tuberkulose und
Syphilis eine zusammengehörige Krankheitsgruppe, ihr gemeinsamer
anatomischer Charakter zeigt sich in der Hervorrufung von Entzün-
dungen, die in Knoten angeordnet sind und ausgesprochene Tendenz
zur Verkäsung haben. Sie alle haben ebenfalls eine gemeinsame
Aetiologie, Infection des Organismus mit einem giftigen Agens.
J« Mnnk (Berlin).
Centralblatt fttr Chinirgie. No. 47. 743
Rr. ChvoBtek« Weitere Beiträge zu den vasomotorischen
und trophischen Neurosen. Blasenbildung an der Haut
(Pemphigus).
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 32, 33. 34 u. 35.)
Verf. knüpft an einen früher von ihm,mitgetbeilten Fall (Oesterr.
Zeitschr. für prakt. Heilkunde^ 1872) an, in welchem in Folge von
Haemorrhagie in den Unken Schläfenlappen und Linsenkern zunächst
rechtsseitige Hemiplegie und Aphasie eintrat, und etwa 4 Wochen
später am äusseren Bande des gelähmten Fusses unter heftigen
Schmerzen mehrere bis wallnussgrosse Pemphigusblasen entstanden.
Die neuralgischen Schmerzen dauerten noch nach Abheilen der Blasen
fort. — Aus der in betreffender Hinsicht äusserst armen Litteratur
werden Stellen angefahrt, die auf Abhängigkeit der Blasenbildung
von Nervenleiden deuten: Hebra's Besprechung des Pemphigus
hystericus; Bock und Danielssen erwähnen das Auftreten und
den rapiden Verlauf des Pemphigus bei Elephantiasis Graecorum; ferner
die auf Pemphigus leprosus bezüglichen Angaben in Neumann's
Lehrbuch der Hautkrankheiten (p. 461 — 465), wobei die pathol. Anat.
der Centralorgane und verdickten Nervenstränge geschildert wird.
Benedikt weist in seiner »Nervenpathologie und Electrotherapie«
p. 391 auf Zusammenhang zwischen Nervenleiden und Herpes zoster,
sowie Pemphigus hin; Charcot und Samuel rechnen den »Decu-
bitus acutus« zu den Tropho-Neurosen ; Leyden (Klinik der Rücken-
markskrankheiten) führte einzelne Formen der Gangrän auf den
trophischen Einfluss des Nervensystems zurück.
Von eignen Beobachtungen theilt Ch. zunächst mit:
I. einen Fall von Pempigus der rechten Hand und
des rechten Vorderarms, bedingt durch eine Spinal-
affection, wahrscheinlich Myelitis chronica. Eine 44jäh-
rige Patientin hatte vor 18 Jahren den rechten Daumen durch ein
Panaritium verloren. 1871 trat allmälig Anaesthesie des rechten
Armes von den Fingerspitzen bis zum Ellbogen auf. Greifen und
Halten war nur unter Controle der Augen möglich. Es wurden Blasen
zuerst am Daumenstumpfe beobachtet. Der Blasenbildung ging
ein mehrstündiges Brennen an betreffender Stelle voraus, worauf
sich ein rother Fleck zeigte, auf dem sich die Blase emporhob. In
der Hand und im Vorderarm dumpfer Schmerz, besonders bei kühler
Temperatur. Die Finger konnten nicht vollständig gestreckt werden.
Allmälig trat auch Schwäche und leichtes Ermüden in den unteren
Extremitäten ein, sowie Beschränkung des Tast- und Localisations-
Vermögens. An der rechten Brusthälfte vom war Hyperästhesie. Die
electromusculäre Contractihtät und SensibiUtät rechts am Vorderarme
theilweise erhöht, die electrocutane Sensibilität stark herabgeseta^.
Die binnen kurzer Zeit zur Heilung führende Behandlung war eine
galvanische. — Ausser den Pemphigusblasen hatte im vorliegenden
744 Centralblatt für Chirurgie. No. 47.
Falle noch eine trophoneurotische Störung der Haut, SchwjielenbilduDg
der Epidermis an den Fingern, bestanden.
II. Myelitis des unteren Brustsegmentes. Blasen-
bildung am rechten Unterschenkel. Tod durch Septikä-
mie. Ein 55jähriger Fischer war, mehrmals durchnässt, bei der Arbeit
geblieben, wonach Frost und Kückenschmerzen auftraten; nach dem
letzten Male in der unteren rechten Extremität Ameisenlaufen.
Minderung des Gefühl Vermögens und Parese, welche Symptome sich
später auf die linke Seite ausdehnten. AUmälig stellten sich auch
schmerzhafte Zuckungen und Krämpfe ein. Urin musste häufig
entleert werden, doch war es meist nur tropfenweise möglich; Stuhl
verzögert; Impotenz, electromusculäre Contractilität an den Beinen
herabgesetzt. Bei galvanischer Behandlung nahm das Leiden zu,
Schmerzen heftiger, Lähmung dehnte sich aus, befiel die Sphincteren,
Fat. musste liegen und bekam Decubitus am Kreuz; zugleich ent-
standen Blasen von Haselnussgrösse. Die eine wuchs bis zum
Durchmesser von 9 Ctm. ; ihr Inhalt war serös ; nach dem Platzen
wurde der Grund gangränös. Electromusculäre Contractilität und
Sensibilität sehr geschwächt, theilweise ganz au%ehoben, mechanische
Erregbarkeit theilweise gesteigert ; electrocutane Sensibilität an einzel-
nen Stellen nur wenig, an andern stärker herabgesetzt ; heftige Schmer-
zen, Zuckungen ; Oedem an den Beinen ; schliesslich durch Schüttel-
fröste eingeleitetes remittirendes Fieber ; Icterus ; Tod. Die Obduction
zeigte gelbe Erweichungsheerde der peripherischen Schichten der
Seitenstränge im unteren Brustsegmente des Rückenmarks.
in. Spermatorrhoe, Impotenz in Folge grosser Ex-
cesse in Venere; psychische Störungen als Folge davon.
Während der Rückbildung trat vorübergehend Blasen-
bildung an der Haut der Unterschenkel auf. 30jäbriger
Ingenieur hatte seit seiner Jugend enorm onanirt (erst seit ^j^ Jahr,
als die Erectionen ausblieben , aufgehört) und geschlechtlich excedirt.
Pollutionen, Spermatorrhoe, Abnahme geistiger Fähigkeiten und der
Körperkraft; Agrypnie, abnorme Sensationen, Hyperaesthesie, per-
manente drückende Kopfschmerzen, Hypochondrie. — Galvanische
Behandlung; es entstanden während derselben an der äusseren Seite
der Unterschenkel juckende Blasen, die nach mehreren Tagen ein-
trockneten. Allmälig konnte Patient wieder spazieren gehen, die
Spermatorrhoe, Erectionen stellten sich wieder ein, die psychische
Alteration verlor sich und Heilung erfolgte. — Der Zusammenhang
der Blasenbildung mit der Erkrankung des Nervensystems ist hier nicht
deutlich nachzuweisen. — Verf. erwähnt noch, dass er in zwei analogen
Fällen EpUepsie habe auftreten sehen, die mit Heilung der Geni-
talstörung wieder verschwand. ▼• Mosengeil (Bonn).
Centralblatt für Chirurgie. No. 47. 745
O. Hasse. Ueber Transfusion.
{Vir eh. Arohiv. Bd. LXIV. p. 243.)
H. theilt zur Abwehr der P an um 'sehen Angriffe (cf. Centralbl.
f. Chinu^e 1875. No. 29) die Geschichte seiner Arbeiten auf dem
Gebiete der Lammbluttransfusion mit. Er erörtert sodann seine
Hypothese über die Wirkung der Transfusion. Nach ihm ist der eigent-
liche Zweck dieser Operation eine einmalige Speisung der Verdau-
ungsdrüsen mit den zur Lieferung ihrer Secrete nöthigen Blutbestand-
theilen. Als Indication für die Operation darf man nach H. nicht
einzelne bestimmte Krankheiten aufstellen, ebenso nicht die reine
acute Anämie bei vorher gesunden Individuen. Die eigentliche In-
dication soll vielmehr die chronische Anämie sein, wo die Lei-
stungsfähigkeit der Mund-, Bauchspeichel-^ Magen- und Darmdrüsen,
der Leberzellen etc. so weit erschöpft ist, dass nur noch ein geringes
und unwirksames Secret geliefert werden kann, wo fehlerhafte
Blutmischung in Folge fehlerhafter Assimilirung der Nahrung
und fehlerhafte Assimilirung in Folge schlechter Blutmischung das
Siechthum unterhält. Die Transfusion giebt nicht die fertige HeUung,
sondern sie ermöglicht die Heilung. Der nach Transfusionen auf-
tretende lebhafte Durst, der starke Appetit, das Aufhören der Dyspepsie
und weiter das schnelle Zunehmen des . Körpergewichts sollen die
Beweise sein für die Richtigkeit obiger Annahmen. Demnach genügen
nach H. auch äusserst geringe Quantitäten von Blut zur Transfusion
20 — 30 Cctm. Mit 50 Cctm. ist das Maximum des Erlaubten erreicht.
Das Blut muss sehr langsam und allmälig verabreicht werden.
H. benützt deshalb Glaskanülen von so feinem Lumen, dass in einer
Minute bei dem Druck einer Wassersäule von 2 Mtr. nur 30 Cctm.
Wasser durchlaufen können. Es wird mit ihnen dem Kranken (in
4 — 5 Minuten] das Blut so langsam gegeben, dass jeder Pulsschlag
nur wenige Tropfen fremden Blutes zu bewältigen hat. Eine Gefahr,
Gerinnsel in die Vene überzutreiben, soll bei dem Gebrauch dieser
Kanülen nicht existiren. Tritt Gerinnung in der Kanüle ein (bei
ihrer Enge sehr leicht), so stockt die Transfusion.
Bei der indirecten Transfusion von Menschenblut sind nach H.
Verunreinigungen und Verderbniss (Anfangsstadien der Fäulniss) des
Blutes kaum zu vermeiden, bei directer Ueberleitung von Thierblut
soll letztere Möglichkeit gänzlich fehlen. — Madelmig (Bonn).
A. W. C. Berns. Beiträge zur Transfusionslehre.
Freiburg i. Br., Fr« Wagner'sche Buchhandlung. 1874.
Durch subcutane Einspritzungen von faulendem, bacterienhaltigem
Blute wurden Kaninchen und Hunde in den Zustand der Septikaemie
versetzt. Zu den hierauf vorgenommenen Transfusionen wurde Blut
von derselben Species gebraucht und dasselbe aus der Carotis oder der
Femoralis direct in die Vena jugularis des septikaemisch gemachten
Thieres übergeleitet. Zu jedem Versuche dienten 3 Thiere ; bei dem
746 Cantralblatt für Chirurgie. No. 47.
am stärksten fiebernden wurde die Transfusion gemacht, das andere
zur Controle bestimmt ^ das dritte gesunde Thier war das blutspen-
dende. Die Versuche sprechen durchaus nicht zu Gunsten der Trans-
fusion. — Bei den Versuchen mit Kaninchen (26) war in der Mehr-
zahl kein directer Nutzen von der Transfusion zu sehen, die Lebens-
dauer der transfundirten Thiere stand, wenn auch nicht viel, so
doch in etwas derjenigen der Controlthiere nach. Aehnlich warder
Erfolg bei Hunden (5).
Sodann wird der Einfiuss der Hammelblut-Transfusiou in zwei Fäl-
len von ausgesprochener Pyaemie beim Menschen aus der C zer ny'schen
Klinik mitgetheilt. Einmal wurde nach schon eingetretenem Schüttelfroet,
bei complicirter Fractur des Unterschenkels amputirt und in derselben
Session transfundirt; das andere Mal war die Amputation des Vorder-
arms wegen ausgedehnter Caries der Handwurzel- und Mittelhand-
knochen schon vor 3 Wochen gemacht worden, als sich plötzlich hef-
tige Schüttelfröste einstellten, worauf dann die Transfusion vorgenom-
men wurde. Beide Fälle endigten in wenigen Tagen tödtlich, während
auch die nächsten Folgen der Transfusion nicht derart waren, das«
man von einem eigentlichen Nutzen derselben sprechen konnte.
Ausser diesen beiden Fällen werden noch t6 TransfusionsftUle aus
den Kliniken von Czerny, Kussmaul und Hegar angefügt.
Die Bemerkungen über Methoden und Indicationen der Transfusion
enthalten nichts wesentlich Neues. Madelung (Bonn).
Q. Gay. Verbrühungen und Verbrennungen.
(Bo8t. med. and sing. Journal 1875. Vol. II. p. 349.)
Der folgende Bericht über die im Bostoner City-Hospitale während
der letzten 10 Jahre behandelten Verbrennungen berücksichtigt nicht
die durch Pulver-Explosion hervorgerufenen und die nach Verbrennung
zurückgebliebenen DifTormitäten. Von den 204 behandelten waren
über die Hälfte Frauen (Hl), aber nur 10 imter 10 Jahren, während
z. B. in Guy 's Hospital die Mehrzahl der Aufgenommenen Kinder
waren. Die gewöhnliche Ursache, Verbrennung mit heissem Wasser
oder Thee oder Kaffee, stellte das grösste Cobtingent aller Behandel-
ten, aber auch die grösste Zahl der leichteren Fälle. 26 Fälle waren
durchbrennendes Gel hervorgerufen, hiervon starben 18; eine gleiche
Zahl war durch Feuerfangen der Kleider verursacht; seltenere Ur-
sachen waren Gasexplosion, geschmolzenes Metall, Fall ins Feuer
(bei Epileptikern). Die Verbrennungen waren in allen Abstufungen
vertreten, vom leichten Erythem bis zur Verkohlung. Zu dem her-
vorspringendsten Symptome, dem Schmerze, welcher nur in FäUen
hohen Shoks fehlte, gesellten sich häufig Delirien (besonders bei
den tödtlich verlaufenden), recht häufig Uebelkeit, Erbrechen,
Schmerzen im Epigastrium, seltener Diarrhoe, recht selten Blut im
Stuhlgange. Von Ck>mplicationen sind zu verzeichnen : Erysipel 5 Mal,
Nachblutung aus dem Handteller 1 Mal, Pneumonie, Bronchitis, Ge-
Gentralblatt fOr Chinugie. No. 47. 747
«
himafifection^ Perforation des Trommelfells ^ Urinretentioii je 2 Mal,
Lungengangrän, Peritonitis, Albuminnrie , Epistaxis , Iritis je 1 Mal.
Von 6 schwer verletzten Schwangeren, kamen 5 innerhalb 24 Stunden
zur Geburt, 2 starben ; 2 Kinder wurden todt geboren. — Von den 204
Patienten starben 45, davon 23 innerhalb 18 Stunden, ^j^ der Ge-
storbenen waren Frauen, von Kindern bis zum 10. Lebensjahre star-
ben 4 — 40^, eine immerhin geringe Mortalitätsziffer im Vergleich
mit anderen Berichten. So starben z. B. in England 1875 von 1909
Verbrennungen 78^ und in Boston innerhalb 10 Jahren 60 )K
der Kinder unter 10 Jahren. — Die Behandlung bestand in Verbän-
den mit verschiedenen öligen oder salbenartigen Vehikeln, ohne
dass einem der Mittel eine besonders vortheilhafte Wirkungsweise
nachgerühmt werden konnte. Sectionen sind nicht gemacht worden.
Pilz (Stettin).
J. Möller. Ueber die käsigen Entartungen der Lymphdrüsen.
Inaug.-Disfl. Bonn. 1875.
Verf. hat unter Prof. Köster's Leitung das in der Ueberschrift
genannte Thema behandelt. Er unterscheidet einen käsigen Stoff, den
die Scrophulose liefert, und welcher durchaus mit Produkten der Tuber-
kulose identisch ist, und denjenigen, der bei der chronischen, idio-
pathischen Lymphdrüsen Vereiterung, bei eingedickten Abscessen etc.
entsteht. Es folgt eine Schilderung der mannigfachen Veränderungen,
welche die Lymphdrüsen bei den verschiedenen Dyskrasieen (Syphilis,
Tuberkulose u. s. f.) erleiden und welche Veränderungen schliesslich
ihren Ausgang in Verkäsung nehmen können. Die verkäste Substanz
zeigt dann eine körnige Beschaffenheit, wobei mikroskopisch keine
Entscheidung möglich ist, ob die Körnchen in einer fettigen oder einer
albuminösen Entartung ihren Ursprung haben. Verf. hat bezügliche
Fettbestimmungen vorgenommen; bei einer Gruppe fand er 5 — 13^,
bei der anderen (Lymphomen u. s. f.] 7 — 10^. Es ist also durch
die chemische Analyse kein Grenzwerth zu bestimmen und handelt
es sich bei der käsigen Degeneration nur in ganz untergeordneter
Weise um fettige Metamorphosen. r. Mosengeil (Bonn).
W. Adams. Behandlung der Nasenbrüche.
(British med. Journal 1875. Vol. II. p. 420.)
Einen Fortschritt in der Behandlung von Nasenbrüchen ^ welche
nicht selten eine dauernde Verunstaltung des Gesichts und Beein-
trächtigung der Athmung und Sprache bewirken , glaubt A. dadurch
angebahnt zu haben ^ dass er die Mittel zu einer guten Reposition
und einer dauernden Retention gefunden hat. Er bespricht zuerst
die Fälle ^ in welchen nur die knorplige und dann in welchen auch
die knöcherne Nase gebrochen ist. Bei ersteren richtet A. in der
Narkose mit Hülfe einer starken mit glatten Blättern rersehenen
748 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 47.
Zange das vom Vomer abgedrängte knorplige Septum in seine nor-
male Stellung und benutzt zur Retention ein durch eine Schraube
leicht stellbares Compressorium ^ dessen beide Blätter zu jeder Seite
des Nasenseptum angelegt resp. angedrückt werden. Nach 2 — 3
Tagen wird dasselbe entfernt und in jede Nasenöffiiung ein elfen-
beinerner Kegel eingebracht; der so stark ist, dass er gerade die Nasen-
öfihungen etwas ausdehnt und das Septum stützt. Sind die Nasenbeine
mitgebrochen, so wird in der Narkose das Septum eingerichtet, dann
durch entsprechenden Druck mit den Branchen nach oben und vom,
resp. seitlich, unterstützt durch äusseren Gegendruck mittelst des
Daumens, die Stellung der Knochenfragmente geregelt. Als Beten-
tionsapparat für die Nasenbeine dient eine an einem Stirnbande durch
Schraube stellbare Pelotte, welche direct auf dieselben einwirkt. Dieser
Apparat kann Tag und Nacht Wochen lang bequem getragen werden.
Nur in den seltensten Fällen bedarf es einer mehrmaligen Reposition
der gebrochenen Theile. Leider bekam A. nicht frische Fälle in
Behandlung, aber selbst die nach mehreren Wochen in Behandlung
gekommenen Kranken erfreuten sich eines guten Heilresultates.
3 Fälle werden als Beleg . ausführlicher beschrieben. Holzschnitte
geben die Instrumente und die Anlegungsweise des Stirnbandes gut
wieder und tragen wesentlich zur Verdeutlichung bei.
Pilz (Stettin).
Pflug. Struma congenita. Eine comparative Studie.
(Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. u. yergl. Pathol. Bd. I. Hft. 5 u. 6. p. 349—392.)
P. weist an einer Reihe von Beispielen^ darunter an einem selbst
beobachteten Falle ^ nach^ dass analoge Verhältnisse^ wie bei der
congenitalen Struma des Menschen, auch bei den Thieren vorkommen.
Hier tritt sie am häufigsten bei Schafen und Ziegen, seltener bei
Rindvieh, Hunden und Pferden auf. Heredität ist nur in den
seltensten Fallen die Ursache der Krankheit; P. fuhrt Beispiele an,
in welchen kropflose Eltern wiederholt kropfige Junge zur Welt
brachten. Meist lassen sich, gerade so wie beim Menschen, en zoo-
tische (endemische) Einflüsse nachweisen; dafür sprechen unter
anderem die Beziehungen der angeborenen Struma zum Cretinismus
(Virchow, Lebert u. A.), welche von manchen Autoren auch bei
den Thieren als bestehend angenommen werden. — Der anatomi-
schen Beschafienheit nach handelt es sich in beiden Classen,
Säugethier und Mensch, meistens um Adenome der Thyroidea, bis-
weilen verbunden mit cystoider und vasculärer Entartung der Drüse.
Doch kann die Yergrösserung auch auf reiner Hyperämie oder auf
verzögerter Rückbildung des drüsigen Fötalorgans beruhen. In
letzteren Fällen ist die angeborene Struma transitorischer, in den
ersteren stabiler Art. — Auch bei Thieren wird die Struma sehr
häufig die Ursache des frühen Todes der Jungen; kropfige Neu-
geborene sterben gewöhnlich, wenn sie nicht schon todt zur Welt
Centralblatt fQr Cbirargie. No. 47. 749
kommen, in den ersten Stunden nach der Geburt an Asphyxie,
bedingt durch Compression des Laiynx und der Trachea. Auch kann
ein grosser congenitaler Ejropf ebenfalls ein Geburtshindemiss abgeben.
Bezüglich der histologischen und histogenetischen Details müssen
wir auf das Original verweisen. Am. Hiller (Berlin).
S. Schklarewsky. HeiluBgsprocess der Rippenknorpelwunden.
Inaug.-Difls. Petersburg ]875, russisch.
28 Versuche an Hunden ergaben Folgendes : der Heilungsprocess
solcher Wunden ist höchst verschieden bei Eiterung und bei prima
intentio der Umgebung; bei ersterer entsteht eine einfache Bindege-
websnarbe» welche sich anfänglich auf Kosten der Granulationen des
Perichondrium und der Umgebung, nach 2 — 3 Wochen auf Kosten
der Knorpelelemente selbst durch Zellenproliferation und spätere
Umbildung in Bindegewebe, entwickelt. Bei prima intentio zeigt die
Narbe schon nach 3 Monaten faserknorpligen Bau, welcher allmälig
in jungen Hyalinknorpel übeigeht. Ein Jahr nach der Kesection
unterscheidet sich das ganze Gewebe, welches den entfernten Knor*
peltheil ersetzt, in Nichts von dem früheren. Drei mikroskopische
Abbildungen der Knorpelnarbe am 50., 105. und 354. Tage sind der
Arbeit beigegeben. W. Grabe (Charkow).
O. Berger. Ueber schnellende Finger.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1875. No. 7 und 8.)
Auf Orund der in der Litteratur vorhandenen Casuistik und fünf
eigener Fälle entwirft B. ein kurzes Bild der oben genannten Affection,
ihrer Aetiologie und Behandlung. Bezüglich der Ursache der i»schnel-
lendent Finger schliesst sich Verf. der Ansicht Menzel' s (Central-
blatt für Chirurgie 1874, No. 22) an, nach welcher das Leiden vor-
zugsweise durch einen circumscripten Sehnentumor combinirt mit
Sehnenscheidenenge (oder Riss in der Scheide) bedingt ist. Die Ver-
muthung MenzeTs, dass der Krankheit eine umschriebene Tendo-
vaginitis mit festen Entzündungsproducten zu Grunde liege, bestä-
tigte sich. besonders in einem vom Verf. beobachteten Falle, bei wel-
chem man an der Volarfiäche des Metacarpo-Phalangealgelenks des
erkrankten schnellenden Fingers deutlich Reibungsgeräusche consta-
tiren konnte. In 2 Fällen beobachtete Verf. den wohl sicher fest-
gestellten Zusammenhang der Krankheit mit vorausgegangener rheu-
matischer Gelenkaffection, an welcher auch das entsprechende Meta-
carpo-Phalangealgelenk participirte und somit die Annahme einer Fort-
pflanzung des entzündlichen Processes auf die Sehnenscheide nahe
lag. — Therapeutisch empfiehlt B. Ruhe des erkrankten Gliedes
(eventuell durdb einen geeigneten Verband), Application von Tinct.
Jodi, warme Handbäder und Electridtät. Besonders letztere erwies
750 GentndblaU fOr Chirurgie. No. 47.
sich in 2 Fällen sehr wirksam : die Schmerzen verminderten sich^ die
Motilität besserte sich sehr wesentlich, so dass das Schnellen weit sel-
tener auftrat und die active Befreiung der schnellenden Finger aus
der fixirten Stellung leichter von statten ging. —
Tiilmaims (Leipug).
Kleinere Mittheiiungen.
F. Ensor. Aneurysma der Innominata. Ligatur der Subclavia und
Carotis. Tod.
(The Lancet 1875. Vol. II. p. 164.)
Ueber den im Centralbl. Ko. 19. p. 303 referirten Fall wird weiter berichtet:
Am 24. Oct. sog sich Fat. eine Erkältung zu ; nach einem Frostanfalle erfolgten
allgemeine rfaeumatiBche Schmerzen ; der Impuls über der Clavicula ist wieder stär-
ker, leiehte Blutung aus dem unteren Theile der Carotis-Unterbindungsstelle (Aco-
nit), 31. keftiger Husten, stftriLcre Nachblut'ing aus der Carotis (Styptica), der aneu-
rysmatische Tumor klopft stärker, Oedem der linken Hand. 2. und 5. Nov. Nach-
blutungen, 7. Puls schwach, Oedem des r. Augenlides, Cornea trübe, 8. Perforation
der Cornea mit Austritt des Augen-Inhalts; schwache r. Faciallähmung, 10. neue
Nachblutung, 11. Puls schwach, intermittirend, 12. Coma. Tod.
Section ergab nur: Grosses Bluteoagulum an der Unterbindungsstelle der Ca-
rotis, ihre Wand eröffnet. Die Aorta ascendens allseitig erweitert; Aneur. der
Innominata klein orangengross. Lungen stellenweia durch frische Pleuritische
Adhäsionen angelöthet, besonders rechts oben ; rechte Subclavia obliterirt, fest an der
1 . Kippe angewachsen ; Aorta descend. an der Wirbelsäule angelöthet, an einer Stelle
arrodirt, hier bestand ein wallnussgrosses Aneurysma und es war der 10. und 11.
Brustwirbel cariös. Die Lunge mit schaumigem Schleim erfallt. Die Pia getrübt,
Oehimmasse blass und weich ; die Art. commun. post. deztr. war obliterirt; Leber cir-
rhotisch. Diesem nicht erschöpfenden Sectfonsberichte fQgt £. nur hinzu, daas auch
er sich der Ansicht anschliesse, dass bei Aneurysmen als ursächliches Moment
hauptsächlich auf Syphilis und Alkoholismus zu recurriren sei.
Pill (Stettin).
Bivington. FaU von partieller Zerreissung der Arteria poplitea und
vollständiger Ruptur der Vena poplitea.
(British med. Jonm. 1875. Vol. II. p. 259. ^ British med. Anoeiat.)
Das linke Knie eines sitzenden jungen Mannes wurde durch einen heftigen
directen Anprall von vorn nach rückwärts gedrängt. Pat. wurde alsbald im London
Hospital auigenommen und Hess sich bei ihm eine heftige Quetschung des Kniees
nachweisen, keine Fractur oder Luxation. Schnell aber nahm die AnschweDung
zu, die Sensibilität des Beines erloseh, die Temperatur sank. Pulsation konnte in
der Tibialis post gefohlt werden, die Auscultation ergab ein leicht klappendes Ge-
räusch im Veriauf der PopUtea; der wahrscheinlichen Arterienruptur wegen wurde
die Amputation im Oberschenkel erfolgreich gemacht. Die genauere Untersuchung
seigte^ jetzt ausserordentlichen Blutaustritt in's Zellgewebe des Unterschenkels ; die
hintere Bandmasse des Kniegelenks leicht eingerissen, der Muse, plantaris ganz ab-
gerissen» die Vena poplit. völlig durchrissen, die Intima und Media der Art. po|rfit.
von der Adventitia abgelöst, der condyl. ext. femor. durch eine Spalte fast ganz
ahgelöst, ein kleines, dreieckiges Knochenstück bse im Gelenk ; endlich Bisse am
oberen Theil der Tibia. Pilz (Stettin).
ö. Fort. Seltene Verletzung des Sehultergelenks.
(British med. Journal 1875. Vol. II. p. 227.)
Ein in der Trunkenheit gelsllener Maurer seigte nach 3 Tagen den stark ge-
sehwoUentn Oberarm Inxirt; der leicht redueirbare Arm M immer wied« aus den
Cfontrelblatt für Cäunurgie. No. 47. 751
Gelenke heraus; die genauere Untersuchung liess jeUt eine Fractur im chirurgi-
schen Halse erkennen. Fat. konnte nach eingetretener Heilung seine Arbeit wie-
der aufnehmen, aber nicht den Arm seitlich am Kopfe in die Höhe heben; drei
Jahre spftter ging der Trinker an allgemeiner Paralyse zu Grunde und es ergab
die Section der Schultergegend: den Deltoideus geschwunden, früheren Bruch im
anatomischen und im chirurgischen Halse ; der Galenkkopf sass fest in der Pfume,
das untere Bruchstück war mit dem Schafte gut vereinigt und hatte ein falachet Ge-
lenk gebildet mit der unteren Fiftche des proc. coraeoid. und dar entsprechenden
Stelle der 2. und 3. Rippe; an der Aussenwile dnr ConsolidatioBsstelle erstreckte
sich CaUus bis mm Kopfe hin. Einen einsigen ähnlichen Fall findet F. ¥on A.
Cooper beschiieben. Fils (Stettin).
J. Bell. Entfexnung einer Gelenkmaus ; Heilung.
(The Lancet 1875. Vol. II. p. 311.)
Der 39jährige Mann bemerkte seit 19 Jahren einen Körper im Kniegelenke,
der in der letzten Zeit die heftigsten Beschwerden verursachte. Unter anti-
septischen Cautelen entfernte B. durch direeten Einschnitt den Lambertsnuss gros-
sen, glatten Körper ; die ersten 6 Tage täglicher Verband, dann alle 2 — 3 Tage ;
am 4. Tage konnte das Drainrohr entfernt werden, die Temperatur stieg nie über
91,50 F., am 12. Tage volle Heilung, am 15. Tage Entlassung. Pili (Stettin).
W. WilliamB. Kniegelenkmaus^ antiseptische Entfernung, Heilung.
(The Lancet 1875. Vol. U. p. 312.)
Der 22jährige Arbeiter bemerkte seit 4 Jahren die ersten Beschwerden einer
Gelenkmaus im rechten Knie, die sich so steigerten, dass er das Bein fast gar
nicht gebrauchen konnte. Unter antiseptischen Cautelen wurde der bohnengrosse
knorpliche Köq)er aus dem Gelenke durch direeten Einschnitt entfernt. Anschei-
nend wurde der Verband nur 4 Mal gewechselt ; am 15. Tage war die Schnittw^inde
fest vernarbt, Fat. ging umher und konnte bald voDkommen geheilt entlassen
werden. Ftls (Stettin).
Suender, Erfolgreiche Lithotomie bei Steinrecidiv.
(La Gas. de Sanidad müitar 1875. No. 17.)
Die Operation wurde bei einem Soldaten aasgefflhrt, bei dem bereits vor einem
Jahre ein Blasenstein durch Schnitt entfernt worden war. Eine Hamfistel am
Damme und ein chronischer Blasenkatarrh waren xurdckgeblieben. Der Fat. litt
viel wegen des sehr schmerzhaften und häufigen Harndranges. Der Urin reagirte
stark alkalisch und enthielt reichlichen eitrigen Sehleim. — Es wurde dun^ Bila-
teralschnitt ein, wie gewöhnlich bei Steinrecidiven, ans phosphorsaurem Kalk be-
stehender Stein xu Tage befördert. Die gleichzeitige Untersuchung der Blasen-
Schleimhaut ergab, dass dieselbe verdickt und theilweise mit Kalk incrustirt war.
Der weitere Verlauf des Falles soll günstig gewesen sein. —
Ullersperger (Manchen).
K. MacLeod. Suppurated Haematocele ; thickened and degenerated
tunica vaginalis ; removal of the latter ; recovery.
(The Ind. Med. Gazette 1875. Vol. X. No. 5. p. 125.)
Ein 34jähr. kräftig gebauter Mensch bekam plötzlich eine starke kinds-
kopfgrosse Anschwellung einer alten und schon zweimal punctirten rechtssei«
tigen Hydrocele, wozu sich innerhalb 5 Tagen Schmerzhaftigkeit der Geschwulst
und febrile Störungen gesellten. Die fluctuirende Geschwulst wurde incidirt und
sowohl subcutan befindlichem, als auch innerhalb der Tunica vaginalis angesam-
meltem, mit Blut und Coagulis gemischtem, 3 Finten betragendem Eiter Ausgang
verschafft. Unter antiseptischem Verbände wurde das Wundsecret bald sehr spär-
Uch, allein die Höhle zeigte wegen der Dicke und Rigidität ihrer Wände (der Tu-
752 CentralblaU für Chirurgie. No. 47.
nica vag.) keine Neigung sich zu schliessen. 7 Wochen nach der Incision ent-
fernte daher M. das verdickte perietale Blatt der Tunica vaginalis g&nzlich durch
Ausschälen derselben aus dem Hodensack und nähte die Scrotalhaut über dem
zurückgebliebenen Hoden mit Metallnähten zusammen. Der Heilverlauf war durch
Eiterverhaltung (trotz Drainage) und Eiterzersetzung mit begleitenden Fieberan-
filllen etwas protrahirt, doch verwuchs die Scrotalhaut vollständig mit der Hoden-
oberfläche. Auch die vorher bestandene Verdickung des Samenstranges bildete
sich nach der Operation zurück. M. nennt den Erfolg in seinem Falle ausgezeich-
net und glaubt seinem Verfahren vor den für ähnliche Fälle vorgeschlagenen Ver-
fahren, nämlich Nichts zuthun (Bryant), partielle Excision der Tunica vaginalis
(Syme) und Castration (Erichsen) den Vorzug geben zu dürfen.
A* Bürger (London).
Fr. Salxer. Eindringen eines Heurupfers in die Genitalien eines
ISjahrigen Mädchens; manuelle Entfernung ; Lufteinirit in die Bauch-
höhle^ Peritonitis; Heilung.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 33.)
Ein »Heurupfer« (eiserner Widerhaken) hatte sich durch Auffallen des Kindes
so in dessen Genitalien geschoben, dass der Widerhaken im vorderen Laquear
vaginae steckte, die Spitze hinter der Vaginalportion den hinteren Laquear durch-
bohrt hatte. Durch Abdrängen der Weichtheiie von dem Widerhaken und Decken
desselben mittelst des Fingers gelang unter Kotation leicht die Entfernung. Es
erfolgte Heilung. V. Mosengeil (Bonn).
£• Küster« lieber anus fistulosus congenitus.
(Vortrag, gehalten in der Berl. med. Gesellsch. 16. Juni 1875.)
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 33.)
Verf. versteht unter dem von ihm gewählten, passenden Namen diejenigen
Fälle, welche sonst mit unter die Bezeichnung Atresia ani cong. eingereiht wurden,
wobei zwar die natürliche Oeffnung verschlossen, aber eine fistulöse an abnormer
Stelle (Damm, Urethra, Blase, Vagina und Vulva) vorhanden war. Für Operation
bietet von den angedeuteten Fällen der anus fistul. cong. perinealis und vulvae die
günstigsten Verhältnisse. Zwei dieser geheilten Fälle wurden vorgestellt.
1) Mädchen mit a. f. vulvae, Mündung zwischen Hymen und hinterer Commissur ;
die Abnormität erst im 5. Monat entdeckt. Proctoplastik in der Weise ausgeführt,
dass in der Raphe des Dammes ein 2^/% Ctm. langer Schnitt geführt, bis zum
Rectum eingedrungen, dieses bis zur Hälfte seines Umfanges losgelöst, mit einer
Scheere dicht an der hinteren Scheidenwand abgeschnitten, dann an seiner vorderen
Wandung lospräparirt, in die äussere Wunde gezogen und eingenäht wurde. Die
vom und hinten klaffende Hautwunde wurde ebenfalls genäht. — Trotzdem
prima intentio ausblieb, behielt der After seine richtige Lage und besteht Conti-
nentia alvi.
2) Mädchen mit a. f. perinealis hatte seit seiner Geburt mit Stuhlbeschwerden
zu kämpfen. Es war hinter der Commissura post. ein feine Oeffnung. Im vierten
Monat erfolgte die Operation T der Damm wurde auf einer Hohlsonde gespalten und
die Schleimhaut an die äusseren Wundränder genäht. Die Schleimhautrinne über-
kleidete sich binnen 7 Monaten nicht, wie Goyrand angiebt, mit Epidermis, aber
der After war wohlgebildet, functionirte normal und hatte das Kind keine De-
faecationsbeschwerden mehr. T« Mosengeil (Bonn).
Orlginslmlttheilungen, Bfonogrtphieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr, H. TiUmanna, Leipzig, Marlenstrasse No. 3, oder an die Verlagsbandlung,
BftiOtopf und HäHAy einsenden.
. Draelr und Verlag ton Brtitkopf and Hirtel in Leipsig.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
herausgegeben
Dr. LLw, Dr. H. ScMe, Dr. E. Ti
in Barlin. in Berlin. in L«ipkig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Ni' 48. . Sonnabend, den 27. Noyember. 1875.
Inhalt: Liebennelster, PMbologie und Therapie des Fiebers. — Thlerfelder , Atlas
der pathologischen Histologie. — Weigert, Pockeoähnllche Gebilde in parenchymatösen
Organen und ihre Beziehung zu Bacteriencolonien. — Oehme, Jaborandi. — NawrOCkI,
Einflnss des Blutdruckes auf die Häufigkeit der Pulse. -— v. Nustbauin, Mittheilung über
Hospitalbrand. — Kunze, Behandlung des fleberhafien Gelenkrheumatismus. — TelSSler,
Verband für Clavicularfracturen. — Rajewsky, Diphtheritls des Darmcanals. — Verit^,
Eczem des Anus. — Maunder, Mastdarmflsteln. — Rose, Stichwunden der Oberschenkel-
gefässe. — Rlchardson & Porter, Congenitale Kniegelenks-Luxation. — Hoffmann, Schuss-
wunden des Kniegelenks. — StokeS , Supracondylire Oberschenkelamputation. — Nlcola-
donl , Phlebarteriectasie des Fusses.
BrOhl, Methode der Harnstoffbestimmung. — Bolsmarln, Vlpembiss. — Stamer CKQrady,
Geschwülste. — Bennett, Schädelfractor mit Zerreissung der art. mening. med. — Marques,
Aneurysma der art. carot. ext. durch Gompresslon geheilt. — Albert, Ovariotomie in Tirol.
— Dauphin, Nierenstein. — Tarnler, Mastdarmflsteln. — Ferrum candens bei Mastdarm-
flsteln. — Eingeklemmte Hernie. — Champlonnlire, Stichwunden des Daumenballens. —
Hulke, Traumatisches arteriell-Tenoses Aneurysma.
Liebermeister, Handbuch der Pathologie und Therapie des
Fiebers.
(Leipzig, F. C. Yf. YogeL 1875.)
Die 6 Abschnitte des Liebermeister'schen Werkes: l) Ther-
mometrie» 2) Calorimetrie, 3) Theorie des Fiebers, 4) Wirkungen und
Symptome des Fiebers, 5) Verlauf und Ausgänge des Fiebers, 6) Be-
handlung des Fiebers geben eine systematisch geordnete Uebersicht
der Fieberlehre und zwar in der Weise, dass einerseits die historische
Entwicklung der einzelnen Puncte Berücksichtigung findet, anderer-
seits die den Anschauungen des Verf. zur Basis dienenden Arbeiten
und Versuchsreihen in ausgedehnter Weise in den Text hineinge-
nommen und aus ihnen die Lehren entwickelt werden. Als dritter,
mehr zurücktretender Factor ist die kritische Beurtheilung zur Zeit
noch verbreiteter, divergirender Ansichten zu nennen. Aus einem
derartigen Handbuche einen Auszug zu geben, erscheint innerhalb
der Grenzen dieses Blattes nicht möglich.
48
754 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
Hervorgehoben sei zunächst der Kernpunct des Ganzen , die
Definition des Fiebers. Das Fieber ist ein Complex von Symp-
tomen, welcher beruht auf einer Veränderung in der Wärmeregulirung,
vermöge deren die Wärmeproduction über die Norm gesteigert, und
der Wärmeverlust so angeordnet wird, dass eine abnorm hohe Kör-
pertemperatur daraus hervorgeht. Dabei findet die Wärme-Oekono-
mie des Fieberkranken unter allen Umständen in der gleichen Weise
statt, wie beim Gesunden. Alle Abweichungen im thermischen Ver-
halten des Fieberkranken lassen sich einfach auf die Veränderung
der Regulirung zurückfuhren. (Die Regulirung des Wärmeverlustes
ist beim Fieberkranken nicht ganz so ausgiebig als beim Gesunden.}
Die Steigerung der Körpertemperatur ist bewirkt durch eine abnorme
Steigerung des Stoäumsatzes. Der Harnstoff hat als Maass der Oxy-
dationsvorgänge und der Wärmeproduction fast keine Bedeutung für
das Fieber; viel wichtiger sind die quantitativen Veränderungen der
Kohlensäureproduktion während desselben. Aus der Messung dersel-
ben sowie aus anderweitigen calorimetrischen Bestimmungen ergiebt
sich, dass im Froststadium die Wärmeabgabe vermindert, die Produc-
tion gesteigert ist; im Hitzestadium sind beide, Production und Ver-
lust in gleicher Weise gesteigert; für die Zeit der sinkenden Tem-
peratur kann die Production verschieden gross sein, wird aber vom
Verluste überstiegen.
Auf Grund dieser Definition ist es Liebermeister's Ueberzeu-
gung, man könne eben so gut an der Kartoffel als am Frosch das
Fieber studiren. Eneiigisch weist er die derartigen Versuchen zu
Grunde liegende Ansicht zurück; es darf nicht ohne weiteres der
Zustand nach Einführung putrider Substanzen etc. mit dem Fieber
identificirt werden.
Die Absicht der Wärmeentziehungen, welche bei der Therapie
des Fiebers an erster Stelle empfohlen werden, ist nicht im allgemei-
nen die Temperatur herabzusetzen, sondern möglichst grosse Inter-
missionen oder Bemissionen herbeizuführen. Demnach ist die wich-
tigste Zeit für ihre Anwendung die Nacht und demnächst die
Mittagszeit, als die Zeiten der natürlichen Remissionen. Die Tem-
peraturgrenze, welche eine Wärmeentziehung indicirt, folgt dem
normalen Laufe der Tagescurve. Der Nutzeffect des (oft wiederholten)
kalten Bades von kurzer Dauer ist der grösste.
Nach dem Vorgange von Buss (St. Gallen] und Immermann
(Basel) hat L. in der Tübinger Klinik die Salicylsäure bei Kranken
mit Abdominaltyphus, Scharlach, Pneumonie, Pleuritis, Phthisis an-
gewandt und dabei die günstigen Angaben von Buss und Imme r-
mann vollständig bestätigt gefunden. Die Remission des Fiebers
scheint im Durchschnitt noch etwas früher einzutreten, als nach
entsprechenden Chinindosen. Die Nebenwirkungen sind eher geringer.
Zum Schluss sei noch eine Methode zur abgekürzten Temperatur-
bestimmung in der Achselhöhle angeführt. Wenn man eine gewisse
Zeit nach dem Einlegen des Thermometers in die Achselhöhle den
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 755
Stand desselben notirt^ und dann noch einmal genau die gleiche Zeit
yergehen läset ^ und wieder notirt, so ist zu erwarten^ dass bis zu
Ende der Temperaturbestimmung das Quecksilber im Ganzen noch
um eben so viel steigen wird, als es von der ersten bis zur zweiten
Notirung gestiegen war. Wenn z. B. eine Minute nach dem Einlegen
das Thermometer 35®, nach 2 Minuten 36® zeigt, so wird es überhaupt
bis 37® steigen. Bänke (Halle).
A. Tluerfelder. Atlas der pathologischen Histologie. 4. Lie-
ferung. Pathologische Histologie der serösen Häute u. Gelenke.
(Leipzig, Fnes's Verlag [R. Keisland]. 1875.)
Die vorliegenden 5 Tafeln der 4. Lieferung des Atlas der patho-
logischen Histologie schliessen sich würdig den vorhergegangenen an ;
auch sie zeichnen sich durch dieselben Vorzüge aus, welche die wis-
senschaftliche Kritik an den ersten Lieferungen bereits anerkannte,
auch hier dieselbe Vollendung der gegebenen Abbildungen.
Die 1. Tafel der vorliegenden Lieferung enthält folgende Abbil-
dungen: 1] frische fibrinöse Pleuritis, 2) ältere fibrinöse Pleuritis,
3) fibrinöse adhaesive Fericarditis, 4) alte fibrinöse Pleuritis, 5) frische
eitrige Pleuritis, 6) Pyothorax und 7) alter abgesackter Pyothorax.
2. Tafel: 1) fibröse adhaesive Pleuritis, 2) alte fibröse Pleuraver-
dickung, 3) Osteom der Pleura, 4) acute miliare Tuberkulose des
Netzes, 5) Tuberkulose des Bauchfells, 6) Tuberkulöse Pericarditis.
3. Tafel: 1) Primärer Endothel -Krebs der Pleura, 2) Secundäre
Krebse der Pleura, 3) Hyperaemie der Kniegelenkszotten, 4] Arthritis
uratica, 5) Gelenkzotten bei Argyrie.
4. Tafel: 1) Chronische Entzündung der Rippenknorpel, 2) freier
Gelenkkörper, 3) Auffaserung des Gelenkknorpels, 4) fibrinöse Ar-
thritis, 5] eitrige Arthritis, 6) Ostitis mit consecutiver Arthritis.
5. Tafel: Fibröse Anchylose zwischen Talus und Calcaneus,
2) Tuberkulöse Kniegelenksentzündung, 3) Tuberkulöser Fistelgang
der Haut über dem Os naviculare, 4) Ecchondrosis spheno-occipitalis.
Aus den erwähnten Abbildungen heben wir nur folgende beson-
ders hervor.
Die Hyperaemie der Kniegelenkszotten, überhaupt die Histologie
der Synovialmembran und der Gelenkzotten beschreibt Verf. in Ueber-
einstimmung mit der Darstellung, wie Ref. sie (Arch. für mikroskop.
Anatomie, Bd. X., Jahrg. 1874] gegeben, d. h. die bald faserige, bald
interfibrilläre mncin- oder fettreiche Grundsubstanz der Zotten ist mit
Endothelien bedeckt. ^Die zahlreichen Tochterzotten bestehen lediglich
aus einer Anhäufung von Endothelzellen und sind vollständig gefässlos.«
— Sehr schön ist das Präparat von Arthritis uratica mit massenhaften
Ablagerungen von Uratsalzen, welche in Form feinster Nadeln haupt-
sächlich in der hyalinen Grundsubstanz des Ejiorpels sichtbar
sind. — Von besonderem Interesse ist das Verhalten der Gelenk-
zotten bei Argyrie (cf. Riemer, Arch. d. Heilk., Bd. XVI} von
48»
756 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
einem Tabeskranken ^ welcher während 7 Jahre 34^032 Grm. Äig.
nitr. in Pillenform = 21^61 Grm. metallisches Silber eingenommen
hatte. Das Silber^ welches wahrscheinlich als Silberalbuminat durch
den Körper wandert und dann in Form kleinster Körnchen metalli-
schen Silbers in den verschiedensten Organen^ aber immer im Binde-
gewebe, abgelagert wird, ist im Zottengewebe ziemlich gleichmässig
vertheilt^ besonders in der Spitze , und verdeckt die zelligen Ele-
mente. — Bezüglich der freien Gelenkkörper hat Th. 2 Präparate
abgebildet, die genetisch durchaus verschieden sind. Der eine freie
Gelenkkörper hat einen normal knöchernen Kern und eine Umhül-
lung, weldie aus faserigem sklerotischem Bindegewebe besteht. Der
andere stammt von au^efasertem Knorpel; bekanntlich findet man
in den Spitzen der durch Auf faserung der Knorpel -Grundsubstanz
entstandenen sehr ansehnlichen Zotten Anschwellungen mit ange-
sammelten jungen Knorpelzellen. Solche zellenhaltige Knorpelstück-
chen fallen, wie leicht verständlich, in Folge mechanischer Insulte
oder der fortschreitenden Auffaserung ab und werden zu freien Ge-
lenkkörpem ; einen solchen stellt Th. in der anderen Abbildung dar.
Ob diese letzteren Gelenkkörper noch einer bedeutenden Vergrösse-
rung fähig sind, wenn sie vom Mutterboden abgetrennt sind, lässt
Verf. unentschieden.
Femer heben wir hervor das Präparat, welches eine fibrinöse
Arthritis des Tibio-Tarsalgelenks und der Fusswurzel (Gelenkverjau-
chung nach compl. Unterschenkelfractur) darstellt. Die Gelenkflächen
der Tibia und der Fusswurzelknochen waren mit Fibrinausscheidungen
belegt, wie man es an den serösen Häuten kennt. Auf der letzten
Tafel verdienen besonders die schönen Präparate von fibröser Anchy-
lose, von der tuberkulösen Kniegelenksentzündung und dem tuber-
kulösen Fistelgang der Haut über dem os naviculare Erwähnung.
Tillmanns (Leipzig).
C. Weigert. Ueber pockenähnliche Gebilde in parenchyma-
tösen Organen und deren Beziehung zu Bacteriencolonien.
(HabUitaüonssdirift 1875. Breslau. 46 S.)
W. findet bei Variola (nur sehr selten bei der sog. hämorrha-
gischen Form) in mehreren inneren Organen z. B. in der Leber^ Milz,
Nieren, Lymphdrüsen eigenthümliche miliare Heerde, die in der Mitte
einen, ein Blutgefäss füllenden Bacterienhaufen oder Bacterienschlauch
zeigen, dessen nächste Umgebung nekrobiotisch ist, wie die kernlosen,
besonders veränderten, auf Reagentien nicht mehr in gewöhnlicher Weise
antwortenden Zellen beweisen. An den Grenzen dieser kleineu
nekrobiotischen Heerde bemerkt man nun anfangs, d. h. in früheren
Stadien der Pocken, keine Reactionserscheinungen , später aber wohl.
Diese Heerde sind wahrscheinlich in ähnlicher Weise entstanden,
wie die Efflorescenzen der Haut; die Unterschiede sind auf die
Verschiedenartigkeit des Terrains — einmal das weiche Parenchym-
gewebe, das andere Mal die zähe Haut — zu beziehen. Die Zellen
Centralblatt fttr Chirurgie. No. 48. 757
werden, ohne Unterschied ihrer physiologischen und morphologischen
Dignität, von der D^eneration ergriffen und glaubt Verf. nachweisen
zu können, dass die Heerde in der That als praemortal abgestorben
aufzufassen sind. Eiterkörperchen , die hin und wieder, zuweilen
zahlreich sich in der amorphen Masse finden, sind wohl nachträglich
erst eingewandert. Kleinere Heerde werden wahrscheinlich vollständig
resorbirt. Nach Erwägung aller Einzelheiten der sorgfältigen Unter-
suchungen, auf die hier nicht genauer eingegangen werden kann,
glaubt Verf. diese Gebilde i^als pocken ähnliche« bezeichnen zu können.
Verf. behandelt nun die Diagnose der Bacterien ; nach Darlegung
der Schwierigkeiten, der vielen Möglichkeiten der Täuschung und
der Bedeutung der Haematoxylinfärbung für die Erkennung der
Bacterien, kommt er zum Schluss, dass die centralen Kömchenschläuche
der Heerde in der That als Bacterien aufzufassen sind ; da diese nun
anÜBings sich immer in denHeerden finden, in späteren Stadien z. B. beim
Eintrocknen der Hautpusteln aber oft fehlen, weil sie dann wahr-
scheinlich längst abgestorben und unkenntlich geworden sind, so
stehen sie wohl in Beziehung zu den Heerden und zwar in der Weise,
dass man annehmen kann, »dass die Nekrose eine Folge der
Bacterienhäufungen ist«. Verf. sucht nun hier die Ansichten und
Beweiskräftigkeit der Experimente derer, welcbe in den Bacterien Krank-
heitserreger nicht erblicken können, zu widerlegen; nachdem Verf. dann
hervorgehoben, dass man in der That verschiedene Arten oder
»Spielarten« von Bacterien, giftige und unschädliche, annehmen dürfe,
dass das gleiche Aussehen nicht entscheidend sei, dass die Verschie-
denheit und die Gleichheit positiv nachgewiesen werden müssten,
dass Bacterienvegetationen im Körper auch ohne Entzündung gedeihen
könnten, dass es nichts unsicheres gebe, als Transplantations- und
Züchtungsversuche, dass die Variolabacterien wahrscheinlich andere
Eigenschaften haben, als die gemeinen Fäulnissorganismen, glaubt er
schliesslich annehmen zu dürfen, dass die besondere Eigenschaft vor
liegender Bacterien darin bestände, »lebendes Gewebe an circumscripten
kleinen Heerden in kernlose, todte Masse zu verwandeln, die wahr-
scheinlich eine ziemlich derbe Consistenz haben« etc.
Schliesslich führt Verf. an, dass ähnliche nekrobiotische Heerde
auch bei anderen Krankheiten vorkämen z. B. bei der Diphtherie, bei
Endocarditis ulcerosa^ »Blutvergiftungskrankheiten« etc.
Die Frage, ob die Heerde in parenchymatösen Organen gleich-
zeitig mit den Hauteffiorescenzen entstehen, oder von diesen erst
abhängig sind oder nicht, in welchem Verhältniss sie überhaupt zum
Pockenprocese stehen, wird unentschieden gelassen.
A* Biider (Mannheim).
W. Oehme. Ueber Jaborandi.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1875. No. 17.)
Es wurden 15 Versuche angestellt (2 bei pleurit. Exsudaten,
4 bei Laryngitis catarrhal., 1 bei Lungen-Emphysem mit starker Bron-
758 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 48.
cbitis und 7 bei Reconvalescenten und Gesunden) . Das Mittel wurde
als Infus, von 4,0 — 6,0 (auf eine Obertasse siedenden Wassers) ge-
nommen und zwar in 5 Fällen tranken die Fat. das nicht colirte In-
fus mit dem Satz aus. Von den 15 Individuen zeigte sich nur bei
3 eine profuse Scbweisssecretion, während bei 3 Fersonen nicht der
geringste Schweias auftrat. Bei den restirenden 9 Fällen constatirte
O. eine bald reichlichere, bald geringere Schweissansammlung. Die
Salivation war dagegen in allen Fällen sehr evident, während Verf.
weder eine vermehrte Absonderung der Bronchialschleimhaut, noch
Diarrhoe, noch gesteigerte Diurese beobachtete. Nur in einem Falle
stellte sich zugleich mit der Scbweisssecretion Schnupfen ein. Be-
züglich des Verhaltens der Körperwärme und des Pulses entsprechen
die Resultate des Verf. ganz den Erfahrungen aus England: nie trat
ein Steigen der Körperwärme auf, in den Fällen dagegen, bei wel-
chen die Scbweisssecretion einigermassen reichlich war^ wurde eine
Temperaturemiedrigung um ^2^ ^- bis 1,4° C. beobachtet, welche
jedoch nicht länger als 3 — 4 Stunden dauerte. —
Von besonderem Interesse fiir die Beurtheilung der Einführung
des Mittels in die ärztliche Praxis sind die Nebenwirkungen des Jabo-
randi: während der Schwitzperiode Abnahme des Sehvermögens ohne
Veränderungen der Pupille bei 3 Fällen, Uebelkeit und Brechnei-
gung in 10 Fällen, wiederholtes Erbrechen in 2, heftiges Y4 — ^2
Stunde anhaltendes Brennen in der Urethra bei 4 Patienten. —
Den Antagonismus des Jaborandi zur Belladonna (Vulpian,
Carville) constatirte Verf. in einem Falle: bei einer Person, welche
20 Minuten nach der Einnahme eines Infus, von 4,0 Jaborandi reich-
lichste Speichel- und Scbweisssecretion zeigte, injicirte O. 0,0006
Atropin und nach Y4 Stunde eine 2. Dosis von 0^0003 Atropin. So-
fort nahmen Schweiss- und Speichelabsonderung ab und Y3 Stunde nach
der ersten Einspritzung waren Mund und Lippen trocken und am
ganzen Körper keine feuchte Stelle zu entdecken.
Tillmanns (Leipaig).
F. Nawrooki. Ueber den Einfluss des Blutdrucks auf die
Häufigkeit der Herzschlage.
(Beiträge zur Anatomie und Physiologie, als Festgabe Carl Ludwig gewidmet von
seinen Schülern. 1874.)
y. Bezold und Stezinsky waren bekanntlich zu dem Resultat
gekommen, dass bis zu einer gewissen Grenze mit dem Steigen des
arteriellen Blutdrucks die Frequenz der Pulse wächst, wenn das Herz nach
Durchschneidung des Halsmarks, des Halssympathicus und Halsvagus
unter der Herrschaft der in ihm selbst vorhandenen Nerrencentra steht.
N. hat die Frage nach dem Einfluss des Blutdrucks auf die
Häufigkeit der Herzschläge nochmals einer eingehenden Prüfung
unterworfen. Die Versuche zerfallen in drei Gruppen: 1) in solche,
in welchen das Herz nach Durchschneidung des Rückenmarks , der
Halssympathici und Halsyagi nebst den Depressores unter dem alleini-
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 759
gen Einflüsse der in ihm selbst vorhandenen Neivencentra stand;
2] in solche, in welchen das Herz sich unter dem Einflüsse excitomoto-
rischer Nerven befand, wo also entweder blos die Vagi, oder zugleich
das Rückenmark zwischen 2. und 4. Brustwirbel durchschnitten
wurde; 3) endlich in solche mit Durchschneidung des Bückenmarkes
am 1. Halswirbel bei erhaltenem Vagus oder auch Versuche an intac-
ten Thieren, deren Herz also sowohl mit hemmenden als auch be-
schleunigenden Nervenfasern in Verbindung stand. — Verf. kam zu
folgenden Residtaten:
Ad 1) Die Häufigkeit der Herzschläge ist an und für sich von
der Höhe des arteriellen Blutdrucks ganz unabhängig. —
Ad 2) Wenn sich das Herz noch unter dem Einflüsse excitomo-
torischer Fasern befindet, so übt der Blutdruck an und für sich keine
Wirkung auf die Pulszahl. —
Ad 3) In Uebereinstimmung mit den Angaben anderer Autoren
(Bernstein, Ludwig, Asp^ Knoll) wird der Puls, so lange die
Vagi intact sind, mit steigendem Blutdruck seltener, dagegen mit
fallendem häufiger. TUlmanns (Leipzig).
y. NtUBSbaum. Eine Mittheilung über den Hospitalbrand.
(Aroh. f. klin. Chirurgie Bd. XVIIL Hft. 4.)
Im Stadtkrankenhause zu München herrschte seit Decennien die
Pyaemie; [als ein Mittel gegen diese hat v. N. erfolgreich das Caute-
risiren aller Knochensägeflächen mit dem Ferrum candens angewendet,
kein so behandelter Pat. ist an Pyaemie gestorben. — Im Jahre 1872
gesellte sich hierzu noch der Hospitalbrand, von dem 1872 26)1^,
1873 hO ßi, 1874 80 ^ aller Geschwüre und Wunden befallen wurden.
Die strengste Durchführung des List er' sehen Verfahrens beseitigte
den Hospitalbrand rollständig. — Dagegen trat die Pyaemie trotz des
Li st er' sehen Verbandes nach Knochenoperationen auf, so dass
V. N. die Knochen wie vorher cauterisirt. Maas (Breslau).
Kunze. Ueber eine neue Behandlungsweise des fieberhaften
Gelenkrheumatismus.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1875. No. 40.)
Verf. äussert sich über die Resultate der subcutanen Carbolin-
jectionen, die er seit 2^2 Jahren übt, auch schon früher veröffent-
lichte, und die von anderer Seite (Senator) ebenfalls erprobt wurden.
1 — 2 Gelenke werden auf einmal vorgenommen und 1-^2 Spritzen
einer 2^ Lösung an den schmerzenden Stellen injicirt. Es entsteht
kein oder nur sehr geringer Beiz, dagegen wirkt hier das Carbol ge-
radezu als Aüästheticum, meist vorzüglicher als Morphium, indem
nach einer halben bis mehreren Stunden der Schmerz aufhört. Schlaf
erfolgt, das Gelenk abschwillt^ und nur noch etwas steif bleibt. Nach
einigen Tagen ist die rheumatische Affection des betreffenden Gelen-
760 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
kes ganz geschwunden, das im weiteren Verlaufe auch fast nie zum
zweiten Male befallen wird. Die Wirkung des Carbols ist eine rein
locale und beeinflusst das Fieber nur in soweit^ als dasselbe Ausdruck
der localen Entzündung ist.
Deswegen giebt Verf. Chinin in Grammdosen und glaubt durch
diese combinirte Behandlung den Krankheitsverlauf bedeutend abkür-
zen zu können. Pagenstedier (Etberfeld).
Teissier. Fracture de la clavicule.
CGaz. hebdom. 1875. No. 4.)
T. hat für Clavicularbrüche folgenden Verband ersonnen. Auf
die Clavicula von der Schulterhöhe bis zum Stemum wird eine 5 — 6
Ctm. breite^ erweichte Guttaperchaschiene gel^t; am inneren Ende
dieser Schiene und senkrecht auf sie gerichtet wird eine zweite, eben
so breite, hinzugefügt, welche die obere Hälfte des Stemums bedeckt,
an der Basis der kranken Halsseite nach hinten und etwa 8 — 10 Ctm.
längs der Wirbelsäule herabläuft. Eine 3. Schiene am äusseren Ende
der Clavicula geht, sich auf die Schultern stützend, vom Axillarrande
aus nach hinten und endet etwa 3 Ctm. unter der spin. scapulae. Das
Ganze wird durch eine Binde fixirt, welche den Ellbogen mit ein-
schliesst. Im Falle einer complicirten Fractur kann in der Clavicu-
larschiene ein Fenster angelegt werden. Fr. Stelner (Wien).
A. Rajewsky. Ueber Diphtherie des Darmcanals.
(Centralblatt für die med. AVlßsensch. 1875. No. 41. p. 691—692.)
Verf. hat viele Fälle von Diphtherie des Darmes bei Menschen
untersucht und gefunden, dass denselben stets ein katarrhalischer
Ftocess vorausgeht, dass die Gefasse hyalin entartet sind und dass
sich in den fibrinösen, körnig veränderten Exsudatmassen der Schleim-
haut zahlreiche Bacterien finden. Experimente an Kaninchen zeigten,
dass sich bei ihnen Diphtherie durch Einspritzen bacterienhaltiger
Flüssigkeit nur dann erzeugen lasse, wenn die Schleimhaut des
Darmes vorher künstlich entzündUch gereizt war. Das Nähere der
kurzen Mittheilung, welcher eine ausführliche Beschreibung folgen
soll, wolle man im Original nachsehen. A« Bldder (Mannheim).
Verit6. De Teczeme anal.
(La France m^dicaie 1875.)
Bei Beschreibung des trocknen, mit heftigem Jucken verbundenen
After-Eczems erwähnt Verf. sein Vorkommen bei Frauen zur Zeit
der Menopause im Verein mit pruritus vulvae und sein häufiges Zu-
sammentreffen mit Arthritis urica. Bazin fend es bei 170 Arthriti-
kern, die er darauf untersuchte, 46 mal. Dieser Umstand, sowie die
Hartnäckigkeit und Trockenheit des Eczems sollen die gichtige Natur
desselben darthun.
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 761
Nicht zu verwechseln mit dem eigentlichen After-Eczem ist das
feuchte Eczem^ das man häufig bei Hämorrhoidal-Kranken findet; es
weicht jenes nach Beseitigung der Hämorrhoiden und des begleitenden
Mastdarmkatarrhs 9 während die trockne Form zu den hartnäckigsten
üebeln gehört, durch unerträgliches Jucken^ schlaflose Nächte und
seinen Einfluss auf die Genitalsphftre oft zur tiefsten Hypochondrie
führt. Verf. empfiehlt schliesslich die Bazin 'sehe Behandlung; 6 — 8
Grm. Natr. bicarb. auf 500 Grm. Seifenkrautsyrup Morgens und
Abends einen Löffel zu nehmen. Oertlich braucht er eine Salbe von
ferrum sulf. 0,5 cetaceum 4,0 axungia porci 30,0.
Als letztes Mittel ist Arsenik zu versuchen, gegen restirenden
Pruritus eine schwache Sublimatlösung in Glycerin; ausserdem Brom-
kalium innerlich und äusserlich. A. Oenimer (Halle).
Maiinder. Double fistula in ano (Clinic. society of London) .
(Med. tim. and. gaz. 1875. 28. August, p. 250.)
M. berichtete über eine 24jährige Patientin mit zwei Mast-
darmfisteln, von denen die eine mit dem Messer, die andere gleich-
zeitig mit der elastischen Ligatur behandelt wurde. Die Schmerzen
der ersten Tage bezogen sich zumeist auf die Seite der Ligatur. Am
9. Tage fiel dieselbe ab. Am 12. Tage war die mit dem Messer
operirte Fistel in eine einfach oberflächlich granulirende Wunde ver-
wandelt, während die andere zu einem tiefen Geschwür mit harten
Rändern geworden war. Am 22. Tage war erstere vollständig ver-
narbt ; fünf Wochen später erst die zweite. Hutchinson, Hulke,
Thomas Smith berichten über ähnliche Nachtheile der Ligatur,
und nur Heath empfiehlt dieselbe bedingungsweise, für hoch hin-
aufgehende Fisteln zur Vermeidung einer Blutung.
Bänke (Halle).
E. BoBe. Ueber Stichwunden der Oberschenkelgefasse und
ihre sicherste Behandlung.
(Sammlung klinischer Vortrftge No. 92.)
Nach Besprechung der UnzuverlAssigkeit der .Hunt er 'sehen
Unterbindung bei Verletzungen der Gefässe entwickelt R. seine An-
sicht näher, dass nur die doppelte Unterbindung in loco von
wirklich sicherem blutstillendem Effecte sei und giebt die Art und Weise
seines Verfahrens, das ihn noch nie im Stich gelassen habe, genau an.
Im Wesentlichen besteht dasselbe darin, dass R. nach Entfernung
der provisorischen Blutstillungsmittel mit dem linken Zeigefinger in
die Wunde eingeht, wodurch er zugleich die Blutung stillt und das
Loch in der Arterie sucht. Nun wird unter fortwährender Compres-
sion mittelst des linken Zeigefingers mit der rechten Hand die
Wunde trichterförmig erweitert, bis der freie Zugang zur verletsten
762 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
Gefösswand eröffnet ist. Dann wird zunächst das centrale Ende
unterbunden, und nach Entfernung des fast erlahmten Fingers auch
das peripherische; endlich folgt die Exstirpation des zwischen beiden
Ligaturen liegenden Gefassstückes und sorgfältige Untersuchung des
ganzen Wundbodens ^ damit, falls noch irgend ein G^fössast bluten
sollte, auch an diesem die Unterbindung sogleich gemacht werden
kann. Diese Art der Ligatur in loco biete mehr Sicherheit, als alle
übrigen Methoden ; auch sei die Blosslegung der Arterien in loco das
beste diagnostische Mittel, um zu unterscheiden, ob der Hauptstamm
oder nur Nebenäste verletzt seien.
. Verf. fasst dann seine Ansichten — an Stelle der 1 1 »praktischen
Regeln« Stroh meyers — in 10 Sätze zusammen, welche man im
Original nachsehen wolle.
Im weiteren Verlaufe des Vortrages bespricht R. die bisher noch
sehr widerspruchsvollen Ansichten über die Unterbindung der Haupt-
venenstämme bei Verletzungen. Auch hier hat R. von der sorgfältigen
doppelten Unterbindung nur Gutes gesehen und stellt endlich,
nach genauer Schilderung eines Falles von Unterbindung der Arteria
und Vena femor. dicht unter dem Poupart 'sehen Bande mit gün-
stigem Ausgang, in weiteren 9 Puncten seine Ueberzeugungen in Be-
zug auf die Venenligatur zusammen, wobei er mit grossem Nachdruck
betont, dass man nie an den Ligaturfäden auch nur im geringsten
zupfen dürfe.
Mehrere interessante Krankheitsfalle illustriren die Behandlungs-
methode der Gefässverletzungen, die R. selbst am Schlüsse kurz dahin
zusammenfasst, dass er sie als »blutdichte Exstirpation der Arterien-
stiche« empfiehlt. A» Bidder (Mannheim).
Bicliardson und Porter. Congenitale Kniegelenks-Luxation.
(Bo8t. med. and surg. Journal 1875. Vol. II. p. 321.)
Die folgenden zwei Beobachtungen sind von besonderem Interesse,
nicht nur wegen ihrer Seltenheit, sondern auch weil sie rein waren
und nicht complicirt durch Missbildungen, Lähmung und Veränder-
ungen der Gelenkfiächen und weil eine einfache Therapie Hei-
lung bewirkte. Der erste Fall betrifil ein normal geborenes im
Uebrigen gesundes Mädchen; dasselbe zeigt eine volle Verrenkung
im linken Kniegelenke ; in der Rückenlage erscheint der Unterschen-
kel in vollkommen senkrechter Haltung erhoben, der innere Knöchel
ist dem Nabel zugewandt, der Fuss selbst nach aussen rotirt. Die
libia und mit ihr die Fibula ist nach vom und aussen gerichtet. Die
Knochen des Ober- und Unterschenkels sind normal gebildet, die
inneren Gelenkbänder des Knies erscheinen stark gespannt (vielleicht
etwas schwächer entwickelt). Ueber und unter dem Knie erbUckt man
eine starke Hautfiirche mit geröthetem Grrunde; nirgends ist eine
Spur von Entzündungserscheinungen wahrzunehmen. — Unter leichtem
Zuge konnte die Verrenkung gehoben werden (dabei erschien die
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 763
linke Patella weniger deutlich markirt als die rechte) um mit Nachlaes
desselben sich sogleich wieder herzustellen. Die Behandlung bestand in
täglicher einfacher Bandagirung des eingerichteten Kniegelenks. Nach
14 Tagen be&ind sich das Knie in normaler Stellung^ war aber noch
etwas beweglicher, als das rechte; nach weiteren 4 Wochen war ein
Unterschied zwischen beiden Knieen nicht mehr zu erkennen.
Im 2. Falle bestand bei einem sonst gesunden, normal gebore-
nen Mädchen eine Verrenkung des Unterschenkels nach vorn und
oben in stärkster Dorsalflexion. Auch hier genügte ein einfacher
Zug um die Luxation auszugleichen und ein einfacher Verband in
dieser Stellung, um binnen Kurzem rolle Heilung zu bewirken.
Verf. betont, gegenüber Druitt, die Heilbarkeit des Leidens (vergl.
Centralbl. f. Chir. 1875. No. 7 u. No. 39). PU* (Stettin).
HoflEtaianii. lieber Verletzungen des Kniegelenks durch
Kleingewehrprojectile und deren Behandlung.
(Deutsche militärärztliche Zeitschrift 1875. Hft. 5).
H. hat die gesammte neuere Litteratur über Kniegelenkschuss-
wunden in sorgfältiger Weise gesammelt und kommt nach einer detail-
lirten Vergleichung der mit verschiedenen Behandlungsmethoden er-
zielten Resultate zu folgendem Eigebniss : von den 4 in Anwendung
gezogenen Behandlungsweisen, nämlich der rein erhaltenden Methode,
der Kesection, der Amputation am Oberschenkel und der Exarticula-
tion des Unterschenkels, hat die Kesection die schlechtesten Kesul-
tate geliefert; die Indicationen dazu seien ohnehin zu wenig zahlreich,
um ihr eine bleibende Superiorität zu sichern. Die Exarticula-
tion des Unterschenkels dagegen hat alle Aussicht, bei unverletz-
tem Oberschenkelknochen und nur massig beschädigten Weichtheilen
die Amputation zu ersetzen. Zwischen dieser letzteren und der erhalten-
den Methode werde man noch lange schwanken^ da die bisherigen Erfah-
rungen nicht ausreichend genug seien, um die Indicationen für jede
derselben zu präcisiren. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass, selbst
wenn mit weiterer Vervollkommnung des Verfahrens die conservirende
Behandlung von Kniegelenkschusswunden in Zukunft die günstigsten
Chancen biete, in Kriegszeiten doch oft genug die Ungunst der
Verhältnisse der Amputation ihr altes Recht verschaffen werde.
Am. Hlller (Berlin).
W. Stokes. On supra-condyloid Amputation of the thigh.
(The Dublin Journal of med. sciencea 1S75. Auguat. p. 97.)
Es werden zunächst 2 nichts wesentlich Neues bietende Kranken-
geschichten von Patienten mitgetheilt, bei denen die oben angeführte
Operation mit sehr gutem Erfolge, wie 2 beigegebene Lithographien
es bezeugen sollen, gemacht wurde. St. durchsägt das Femur etwa
V2 — V4 ^^'1 oberhalb des vorderen oberen Bandes seines Knorpel-
764 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
Überzugs, erhält ferner die durchsägte Patella, die er zur besseren
Befestigung auf der unteren Femurfläche mittelst eines Catgutfadens,
der durch die Weichtheile in der Nähe des unteren Randes der Pa-
tella und der hinteren Fläche des Oberschenkelbeines durchgestochen
wird, festnäht.
Die Vortheile, welche diese Methode mit den anderen in der
Nähe des Kniegelenks ausgeführten tkeilt, sind folgende : Der Stumpf
kann als Stütze für die Anbringung eines künstlichen Gliedes dienen,
wodurch der Kranke in den Stand gesetzt wird, mit beweglichem
Hüftgelenk zu gehen; die Neigung zur Sequesterbildung ist yermiiw
dert, ebenso wie die Gefahr und die Wahrscheinlichkeit der Ent-
stehung einer starken Eiterung und Osteomyelitis.
Specielle, sie vor jenen Methoden aber auszeichnende Vortheile
sollen sein: das Bedecktsein der hinteren Fläche des Lappens mit
Synovialhaut , wodurch die Neigung zu erschöpfender Eiterung und
zu purulenter Infection (?) yermindert werden soll; die durüfaschnijt*
tene Patella hat weniger Neigung sich zurückzuziehen, verhindert
deshalb besser Pyaemie; der Stumpf wird schöner und passender zur
Anbringung einer Prothese ; der normale Ansatz der Extensoren wird
erhalten. H^Braim (Heidelberg).
C. Niooladoni« Fhlebarteriectasia spontanea pedis.
(Arch. f. klin. Chirurgie Bd. XVIH. Hft. 4.)
Anknüpfend an den in demselben Bande des Arch. f. klin. Chi-
rurgie mitgetheilten Fall^ berichtete N. über eine Angiectasie des
rechten Fusses und Unterschenkels bei einem 2 2jährigen
Mädchen; das Uebel hatte ohne nachweisbare Ursache vor 3 Jahren
angefangen. Wegen des Näheren auf das Original verweisend , fähren
wir aus dem Status an, dass der Umfang des Fuss- und Chopar ti-
schen Gelenks an der kranken Seite um 2 Ctm. gegenüber der ge-
sunden vermehrt war, und die Temperatur in der rechten ersten
Interdigitalfalte 29, 4° C, links 23,6° C. betrug. N. fuhrt durch Ver-
gleichung mit dem ersten Falle aus, dass die grossen Angiectasien '
der Extremitäten zuerst mit einer cirsoiden Erkrankung der Anasto-
mosensysteme der Hohlhand und der Fusssohle (N. schreibt »Platt-
fusses«) beginnen. Sie stellen zuerst ein Aneurysma der Anastomosen
dar, analog den racemosen Aneurysmen des Kopfes. — Therapeutisch
wurde die forcirte Flexion im Hüft- und Kniegelenk, ferner die
Digitalcompression, Compression der Aneurysmen durch elastische
Binden und Luftkissen, Tnstrumentalcompression ohne Erfolg angewendet ;
am 29. Decbr. v. J. die Art. cruralis in der Mitte des Femur unter-
bunden. Hiemach schwand der Venenpuls, die Randpartieen des
Aneurysma der Tibial. post. wurden hart, pulsirten nicht mehr; im
Ganzen war indessen der Erfolg der Unterbindung nach einiger Zeit
ein kaum nennenswerther. Mm» (Bniäau).
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 765
Kleinere Mittheilungen.
Bruehl. Ueber eine neue bequeme Methode der Harnstoffbestimmung.
(Deutsche Zeitschrift für praktische Medicin 1875. No. 28.)
Bei Gelegenheit einer grösseren Reihe yon Harnstoffbestimmungen, welche
Verf. ausführte, wurde der von Graham Steell in Edinburgh (Edinburgh med.
Journal 1874. p. 146) angegebene, sehr einfache Apparat benutzt. Steell war
auch der erste, welcher mit unterbromigsaurem Natron Harnbestimmungen aus-
führte. Der erwähnte Apparat besteht aus folgenden Theilen : als Entwick-
lungsgef&ss dient eine kleine Flasche, die durch einen durchbohrten Kautschuk-
pfropfen verschlossen ist. Durch denselben geht eine gebogene mit einer Kugel
versehene Glasröhre, die durch ein Stück dünnen Gummischlauchs mit einer in
einem Stativ (umgekehrt) aufgestellten graduirten Bürette mit Glashahn verbunden
ist. Die Bürette wird mit Wasser gefüllt und taucht in ein mit HO von Zim-
mertemperatur halbgefülltes Glasgef&ss. Die Entwicklungsflasche steht in einem
Kühlgefäss. Der zu untersuchende Urin wird in ein kleines Keagenzgl&schen
gegossen, in die zur Aufnahme der Bromlauge bestimmte Entwicklungsflasche
eingesetzt oder festgekittet. Bei Bereitung der Bromlauge werden 100 Grm.
Aetznatron in HO gelöst und auf 1250 Grm. verdünnt. Die durch Einsetzen in
kaltes Wasser möglichst stark gekühlte Lauge wird mit 25CC Brom versetzt, kräf-
tig geschüttelt und wiederum gekühlt.
Die azotometrische Stickstoffbestimmung wird nun in folgender Weise vorge-
nommen :
Von dem zu untersuchenden Harn werden je nach der Concentration 3 oder
5CC in das kleine Reagenzgläschen und etwa 30CC der Bromlauge in das Ent-
wicklungsgefäss gegossen. Nach fester Einsetzung des Kautschukpfropfen wird
das Gefäss in kaltes Wasser gesetzt ; nach einigen Minuten wird der Gummischlauch
mit der Bürette verbunden und deren Hahn geöffnet. Darauf wird das Entwicklungs-
gefäss aus dem Wasser genommen und etwas geneigt, sodass ein kleiner Theil des
Urin's aus dem Reagenzgläschen ausfliesst und wird mit der Bromlauge leicht ge-
schüttelt. Diese Procedur wird in Pausen mehrfach wiederholt, bis der Urin völ-
lig ausgeflossen ist. Erfolgt keine Gasentwicklung mehr, dann wird die Flasche
zur Abkühlung in das Kühlgefäss gestellt. Nach 1—2 Min. wird die Bürette in
dem Gefäss gesenkt und gehoben, bis der Wasserspiegel in beiden gleich ist,
der Hahn der Bürette wird geschlossen und das Gummirohr entfernt. Das Vo-
lumen des Stickstoffes kann nun abgelesen werden.
TillmailllS (Leipzig).
Boismarin. Morsure de vipöre^ mort; traitement ä suivre.
(Journal de med. et de Chirurgie prat. 1875. Aoüt. p. 350.)
L:n Anschluss an 4 Fälle von Vipernbiss, von denen der eine (12jähr. Knabe)
tödtlich verlaufende genauer beschrieben wird, trägt Verf. seine therapeutischen
Ansichten vor.
Ein Theil des Giftes kommt direct in die Circulation und macht die bekann-
ten Erscheinungen (Uebelkeit, Erbrechen, Prostration).
Ein anderer Theil bleibt in der Nähe der Wunde und verursacht die von da
mehr oder weniger weit sich verbreitenden Oedeme , deren Serum ein vergiftetes
ist und ebenfalls, wenn auch langsamer, in die Circulation übergeht, so dass In-
dividuen, die den primären Zufällen widerstanden, noch nach Tagen zu Grunde
gehen können.
Wichtig ist also die Beschränkung und Abschliessung des Oedems durch
Ligatur oberhalb, durch Erweiterung der ursprünglichen Wunde, Incisionen, Scari-
ficationen oder Functionen der geschwellten Theile, auch durch Schröpfköpfe,
wobei der Ausfluss durch warme Umschläge zu erhalten ist.
Die allgemeine Behandlung beschränkt sich auf die bekannten Reizmittel,
worunter das Ammoniak obenansteht, das aber, auf die Wunde direct angewandt,
keinen Einfluss zu haben acheint. Pagensteoher (Elberfeld).
766 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
Stamer O'Q-rady. Twelve cases of excision of tumours.
(The Dublin Journal of med. sciences 1875. July. p. 20.1
Es werden in dieser längeren Abhandlung die ausführlichen Krankengeschich-
ten von 12 Geschwulstexstirpationen, meist mit guten Abbildungen des Aussehens
der Neubildung vor der Operation, gegeben. —
I. Geschwulst (histologisch nicht untersucht) der Supraclaviculargegend , von
welcher ein Theil weit hinter der Clavicula hinabstieg, ein anderer zwischen Oeso-
phagus und Trachea und ein dritter zwischen linker Carotis und a. subclavia lag.
Heilung. 2^/2 Jahre später ohne Recidiv gestorben.
II. Lipom am Hinterhaupt und im Nacken. Heilung.
III. Lipom, mit vielem Bindegewebe durchsetzt, bei ÖOjfihriger Patientin, in
der Parotisgegend. Heilung.
IV. Gestielte, seit 10 Jahren bestehende Geschwulst in der Lumbargegend bei
einem jungen Mädchen. Tod 74 Stunden nach der Operation. Herz klein, fettig
degenerirt, Wandungen dünn. Amyloide Entartung von Leber und Niere. —
V. Lipom am Damm. Tod an Pyaemie. Pat. wollte nach Hause gehen, da
die Wunde scheinbar geheilt war, als plötzlich Fieber mit Frost und Schweissen,
nebst Schmerzen in der Brust und verschiedenen Gelenken auftraten. Section:
Abscess in der rechten Lungenbasis. Vereiterung beider Kniegelenke.
VI. Weiches Carcinom, in grosser Ausdehnung den Kücken und die Lenden-
gegend eines 45 Jahre alten Mannes einnehmend. Wunde granulirte gut; nichts
destoweniger erholte er sich nicht mehr, bekam Athemnoth, Schmerzen in der
Hüfte und starb bald nachher zu Hause.
VII. Weicher Krebs in der Gegend unter dem Ohre. Heilung.
VIII. Lipom in den Bauchdecken eine Hernie vortäuschend. Heilung in 14Tagen.
IX. Lipom in der Leiste und am Schenkel mit der Scheide der Femoralgefässe
zusammenhängend. Bei der Exstirpation wurden die Gefässe auf mehrere Zoll hin
frei gelegt. Heilung.
X. Fettgeschwulst, 8 Pfund schwer, an der äusseren und hinteren Seite des
Schenkels. Heilung.
XI. Lipom mit vielen bindegewebigen Septis durchsetzt in der Kniegegend:
trotzdem man tief in die fossa poplitea kam, verschiedene Venen verletzte, kam die
Heilung dennoch schnell zu Stunde.
XII. Melanotischer- Tumor von £i-Grösse über der fossa supraclavicularis ; die
Heilung ging langsam vor sich ; als die 55jährige Frau V2 ^&hr später starb, war
noch kein Becidiv wieder aufgetreten. H* Braun (Heidelberg).
Bennett. Fracture of the skull fatal by laceration of the middle
meningeal artery.
(The Dublin Journal of med. science 1875. Mai. p. 479.]
Ein 19jähriger Mann erlitt Mittags gegen 12 Uhr durch eine fallende Oerüst-
stange einen Schlag auf den Kopf, wodurch er auf einen Haufen Steine hingeworfen
wurde. Anfangs betäubt, kam er bald wieder zu Sinnen, so dass er mit seinen
Pferden einen weiten Weg nach Hause machen konnte; später fand man ihn im
Stalle liegend und brachte ihn um 5 Uhr ins Hospital mit kleinem, schwachem
Pulse, langsamer stertoröser Respiration, linksseitiger Lähmung. 1 Stunde später Tod.
Section ergiebt Bluterguss über den ganzen Scheitel und beide Schläfen, aus-
serdem zwischen Schädel und dura mater ein starkes, das Gehirn comprimiren-
des, und durch eine Fissur des Schläfenbeines entstandenes Blutcoagulum , dass
die zerrissene rechte a. meningea media einschliesst.
H* Brami (Heidelberg).
J. A. Marques. Anivrisme de la carotide externe, guiri par h
compression digitale.
(Oaz. hebdom. 1875. No. 6.)
Ein SOjähriger Portugiese verspürte seit 1 Jahre leichte, intennittiiende Sehmer-
zen im Halse und rechten Ohre. Den 31. August 1874 stellte ein Arzt die Diag-
Centralblatt für Chirurgie. No. 48. 767
nose: Aneurysma der Carot extern, dextr. Es wurde die Digitalcompression
Tersucht. In den ersten 10 Tagen ward die Compression 5 Stunden, in den
folgenden 25 Tagen tÄgKch 10 — 12 Stunden geübt. Die Geschwulst, auf welche
eine Eisblase gelegt wurde, war am Ende dieser Zeit hart, kleiner, doch
pulsirte sie noch immer. Fat. verlor die Geduld und reiste fort. — Nach einiger
Zeit steigerten sich aber die Schmerzen im Ohre und in der Geschwulst zu uner-
träglicher Heftigkeit. Fat. Hess sich in's Spital aufnehmen. Wieder die Digital-
compression versucht, am 1. Tage durch 7 Stunden hintereinander. Nach halb-
stundiger Compression bekam Fat. eine Ohnmacht, die in der horizontalen Lage
schwand, daher später immer in dieser Lage oomprimirt wurde. Auf der Geschwulst
lag eine Eisblase; innerlich nahm Fat. Digitalis. Die Digitalcompression wurde
mit 2- bis 12 tagigen Fausen fortgesetzt, bald durch 10 Stunden, einmal durch
12 Stunden, selbst bis zu 41 Stunden.
Im Beginn der 6. Woche war völlige Heilung erzielt, doch wurde Vorsichts
halber auch jetzt noch eine Woche lang taglich 3 Stunden comprimirt.
Die OhnmachtszufUle im Beginne der Behandlung, wohl auch begünstigt durch
die aufrechte Fosition des Fat., blieben späterhin ganz weg. M. erklärt dies aus
der allmäligen Entwickelung des CoUateralkreislaufes , wodurch die anfangs
während der Compression der einen Carotis eintretende Gehimanaemie beseitigt
wurde. — Die Schlaflosigkeit nach der Heilung glaubt Verf. ebenfalls mit der stär-
keren Blutzufuhr zum Gehirn in Zusammenhang bringen zu müssen. — Innerhalb
40 Tagen war die Compression im Ganzen 283 Stunden geübt worden.
Fr. Stelner (Wien).
E. Albert. Die Ovariotomie in Tirol.
(Wiener med. Fresse 1875. No 34 u. 35.)
Die erste Ovariotomie in Tirol wurde von Dr. J.Lieb l ausgeführt ; vorher
wiederholte Functionen. Bei der Ovariotomie wurde ein kindskopfgrosser, harter
Tumor entfernt. Eine breite Adhäsion am Dünndarm, mit dem Messer gelöst.
Exitus letal, nach 4 Wochen durch Feritonitis.
Die 2. Ovariotomie (Dr. L an t sehn er) betraf eine 28jährige, ledige Fat. —
Dünne Cystenwand, keine erheblichen Adhäsionen. Bei einem Hustenstoss der
Fat. platzte die Cyste , deren Inhalt in die Bauchhöhle floss. Der lange , dünne
Stiel in der Bauchwunde mit Acupressumadeln befestigt. Tod durch Feritonitis
in wenigen Tagen.
1874 operirte A. eine 25jährige Fat. Einfache Cyste; ohne Adhäsionen; kur-
ier Stiel, dÄher versenkt. Am 3. Tage Tod durch Feritonitis. A. schiebt den un-
günstigen Ausgang auf die schlechten Spital Verhältnisse.
Bei einer 2. Fat., die 7 Male zuvor punctirt worden war, machte A. die Ova-
riotomie (1875). Adhäsion der Cyste mit clem Netze, theils stumpf, theils mit Messer
getrennt; Stid in die Klammer gelegt; seine Schnittfläche mit ferr. cand. cauterisirt
und mit ferr. sesquichlor.-Krystallen bestreut. An der Bauch wunde Knopfnähte.
Langanhaltender Meteorismus und andauerndes Erbrechen, Diarrhoeen und Blasen-
katarrh verzögerten späterhin die endliche Heilung. Fr« Steiner (Wien).
M. Dauphin. Lythiase renale. Pyelite suppur^e.
(Fresse m^dicale Beige 1875.)
Eine 40 Jahre alte Frau bemerkte im Januar 1875 eine Geschwulst in der
rechten Weiche, die allmälig wuchs. Ein Arzt incidirte; es entleerte sich eine
grosse Eitermenge. Die Incisionsöffnung wurde fistulös, secernirte, die Umgebung
war andauernd geschwollen und schmerzhaft. Fat. kam sehr herunter. Da eine
Sondirung der Fistel verweigert wurde, kam nur eine begleitende Diarrhoe mit
kurzem Erfolg in Behandlung. Es stellten sich profuse Schweisse und hektische
Fieber ein; Fat. starb Ende Mai 1875. Die Autopsie zeigte massenhafte peritoni-
tische Adhäsionen. Die Fistel führt in eine weite Höhle» die von der sehr derben
Kapsel der rechten Niere und der zu einer dünnen, mehrf&cherigen Schale aus-
768 Centralblatt für Chirurgie. No. 48.
gedehnten eigentlichen Nierensubstanz begrenzt wird. Den Inhalt bildet blutiger
Eiter, mit zahlreichen kalkartigen Steinchen.
Der rechte Urether ist in seinem oberen Theile stark ausgedehnt, in seinem
unteren in einen fibrösen Strang verwandelt ; als Ursache des Verschlusses findet sich
ein 4 Ctm. langer, IV2 Ctm. breiter Stein.
Die linke Niere zeigt einen geringen Grad von interstitieller Nephritis.
A. Genzmer (Halle).
Tarnier. Fissure ä Tanue; jodoforme.
(Journal de m6d. et de Chirurgie prat. 1876. Aodt. p. 343.)
Jodoform aufgepulvert und mit Wattetampon in das Rectum eingeführt, brachte
in kurzer Zeit die Heilung einer sehr schmerzhaften und allen anderen Mitteln
(Indsion nicht angewandt) trotzenden Fissur zu Stande. Die Linderung der
Schmerzen war sofort da. Pagensteeher (Elberfeld).
Fistules k Tanue. Fer rouge.
(Journal de m^d. et de Chirurgie prat. 1875. Aoüt. p. 348.)
Empfehlung des Glfiheisens, in sehr ezacter Weise und intensiv angewandt mit
angeblich rascher Heilung. AnfQhrung von drei Fällen.
Hernie etrangl^e, operee et guerie chez un enfant de treize mois ; su-
tiue profonde et superficielle apr^s la k^lotomie.
Ibid. p. 348.
Bei einem 13monatlichen Knaben wurde eine eingeklemmte Leistenhernie mit
im Abdomen zurückgebliebenem Hoden nach erfolglosen Taxisversuchen glücklich
operirt. Zur Schliessung der Wunde wird oberflächliche und tiefe Naht abwechselnd
(in bekannter Weise) empfohlen. Pagensteeher (Elberfeld).
L. Championniere* H^morrhagie de la paume de la main, emploi de
Tappareil d'Esmarch.
(Journal de med. et de Chirurgie prat. 1875. Aoüt. p. 345.)
1 5 Tage nach tiefer Stichwunde des Daumenballens durch Olassplitter mit sich
wiederholenden gefährlichen Blutungen, und nachdem häufige Misshandlungen
der Wunde mit Eisenchlorid vorangegangen waren, wurde unter künstlicher Anaemie
die angeschnittene Arterie doppelt unterbunden.
Pagensteelier (Elberfeld).
Hulke. Arterio-venous aneurism in the thigh caused by a pistol-shot.
(Clinic. soc. of London.)
(Med. tim. and. gaz. 1875. 28. August, p. 251.)
Der 44jährige Patient hatte vor 3 Jahren einen Pistolenschuss in den rechten
Oberschenkel erhalten ; die Eingangsöffnung befand sich 5 Zoll senkrecht unterhalb
der crista oss. iL und 473 Zoll von der spin. ant. sup.,* die unter der Haut liegende
Kugel wurde in ihrer Form unverändert auf der Innenseite des Schenkels 71/2 Zoll un-
terhalb des Schambeines bald nach dem Unfall herausgeschnitten. Etwa ein Weinglas
voll Blutverlust. Schnelle Heilung der Wunden; bettlägerig war Fat. nur den
ersten Tag. Unter Schmerzen schwoll allmälig das Bein an. Jetzt Anschwellung des
ganzen Beines mit Venenectasieen, Unterschenkel-Eczem und einem FussgeschwQr.
Arterie und Vene bis zur Verwundungsstelle stark erweitert, letztere pulsirt
synchron mit der Arterie, und sind Geräusche über ihr hörbar. Compression der
Arterie lässt die Geräusche und die Pulsation sofort verschwinden. Nach vergeb-
lichen Heilungsversuchen mittelst verschiedener Compressorien wird Fat. mit einem
elastischen Strumpfe entlassen. Bänke (Halle).
Originalmittheilungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H, TillnumnSf Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlmig,
Breiikopf und Härtely einsenden.
Drnck und Verlag von Breitkopf und Hftrtel ia Leipiig.
Gentralblatt
fttr
CHIRURGIE
heransgegeben
Ton
Dr. L. Lesser, Dr.M.ScMe, Dr. H. TUImbius
In Berlin. in Berlin. in Leipiig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
• .1 ... I . I
N2; 49» Sonnabend, den 4. December. 1875e
Inhalts Schweninger, Transplantation und Implantation ^on Haaren. -^ Quisti Urkund-
liche Nachrichten über das eiste Auftreten der Syphilis im 15. Jahrhundert. — Marck«
waM, Verdauung und Resorption im Dickdarm. — Moslly Salicylsäare und salicylsaures
Natron. — Shilkln, Extravasation von Blutkörperchen durch unverletzte Gefässwände. —
Gosselin, Knochenabscesse. — Nitsche, Behandlung von Verbrennungen. — v. Platen,
£lnflu8s des Auges auf den thierischen Stoffwechsel. — Senftleban, Ursachen und Wesen
der Hornhautaffection nach Durchschneidung des Trigeminus. — Watson, Exstirpation der
SrhilddrGse. — v. Braun-Femwaldy Flexionen des Uterus. — Andrejew, Aetiologie der fibrö-
sen Oebarmuttergeschwülste. — Charles, Behandlung des offen gebliebenen Urachus.
Stroganow, Complication von Elephantiasis Arabum mit Krebs. — Balley, Wachsthums-
Hemmung. — Regnault, Obliteration beider Gehörgänge durch Gyps. — Mac Eweil^ Schädel-
verletzungen und Gehirnkrankheiten. — Gayraud, Wirbelf ractur. — Parks, Fremdkörper
im Larynx. — Fochler, Rectumpolyp. — Trilat; Completer Dammriss. — GrDnfeldf
Endoscop bei Harnröhreustricturen. — Bouteiller, Scrotal-Phimose. — O'Leary , Nabel-
bruch. — Ashhursty Ruptur der art. iliaca. — Tapret & Chenat, Abrelesung der unteren
Oberschenkel-Epiphyse.
E. Schweninger. Ueber Transplantation und Implantation
von Haaren.
(Zeitschrift f. Biologie Bd. XI. p. 341—380.)
Durch zahlreiche Versuche nach dem Vorgang von R6verdin
ist erwiesen, dass lebensfähige Epidermis durch Transplantation zu
Regeneration und Neubildung Veranlassung geben kann. Dagegen la-
gen über Transplantation von Haaren bisher keine genügenden Versuche
vor und doch erscheinen die anatomischen Verhältnisse mit der Wur-
zel ausgerissener Haare für die Transplantation a priori nicht
ungünstig; auch hier haben wir Epithelialzellen und Theile des
rete Malpighi; denn einmal sind die äusserten Zellenlagen der äus-
seren Wurzelscheide pigmentirt und genetisch mit den untersten
Zellen des Malpighi'scheh Netzes identisch und zweitens ist der
Haarknopf zuletzt, d. i. ganz unten, von Zellen umgeben, die voll-
49
770 Centralblatt für Chirurgie. No. 49.
ständig mit denen des rete Malpighi übereinstimmen und ebenso wie
die letzteren, besonders bei dunkelhaarigen Menschen und Thieren,
eigentliche Pigmentzellen darstellen.
Bekanntlich sind die mit Haarschäften allein, ebenso wie mit ab-
geschabter Epidermis angestellten Transplantationen, vollständig miss-
glückt. Schw. prüfte daher, ob eine Transplantation von Haaren, deren
Wurzel mit ausgerissen war, eine Wirkung auf die Wundheilung
äussert. Diese auf der v. Nus sb au m' sehen Klinik angestellten Ver-
suche hatten meist ein auffallend günstiges Resultat. Das Verfahren be-
stand darin, dass von Menschen ausgerissene, mit Wurzel versehene
Haare auf Granulationen einfach aufgelegt oder, was seltener geschab,
in dieselben leicht eingesteckt wurden. Dann wurde der grösste Theil
des herausragenden Schaftes abgeschnitten, die Transplantationsstelle
mit protective silk bedeckt und darüber ein leichter Carbolverband
angelegt. Die Transplantation geschah auf möglichst gute Granula-
tionen von Verbrennungswunden, Fussgeschwüren , nach Abstossung
gangränöser Hautfetzen u. s. w. In den meist günstigen Fällen war
das Resultat, dass von einer aufgelegten Haarwurzel aus,
wenn diese von der äusseren Wurzelscheide umgeben ist,
auf Geschwüren Henarbungscentren ausgehen können,
die fest und innig mit den darunter liegenden Granula-
tionen verwachsen. Selten nach 24 Stunden, meist nach 3 — 5
Tagen zeigt sich über den Granulationen ein feines Häutchen, der
Rand desselben verbreitert sich mehr und mehr, nie aber über Sech-
sergrösse. Die Vergrösserung geschieht nicht überall gleichmässig,
so dass dabei Fortsätze und Zacken entstehen, die besonders in der
Nähe der Randbehäutung sich bilden, wodurch eine rasche Vereinigung
der gegenüberliegenden Ränder herbeigeführt wird. Bezüglich der
Haare glaubt Schw., dass nach vollendeter Verwachsung der Haar-
scheiden, mit der unter- oder anliegenden Fläche die Haarschafte aus-
fallen. Die Benarbung geschieht ausschliesslich nur von den Rändern
her, also da, wo Epithel sitzt, das proliferiren kann. Die Angaben über
Regeneration des Epithel aus Bindegewebs- und Wanderzellen, müssen
dem gegenüber zurücktreten, wenigstens spricht für letztere nach
Schw. auch nicht eine einzige Thatsache.
Eine zweite Versuchsreihe beschäftigt sich mit der Implantation
frisch ausgerissener, mit Wurzel und Wurzelscheide versehener Haare
in die vordere Augenkammer. Schon Dooremal hatte nach Im-
plantation eines Haares in die vordere Augenkammer von Hund und
Kaninchen gesehen, dass von der umgebenden, verdickten Iris aus
eine Wucherung ausgehe, die aus. ramificirten, reichlich vascularisirten
Papillen bestand. Dann hatte Goldzieher bei Kaninchen gefunden,
dass das implantirte Gewebe sehr bald mit der Iris verklebt und an
seiner Stelle auch nach Wiederausammlung des Kammerwassers liegen
bleibt, dort anheilen, schrumpfen oder weiter wachsen kann. Schw.
durchstach mit einer feinen Nadel die Cornea meist central, führte
dann ein von den Augenlidern oder der Scfanau2e auflgerissenes Haar
Centralblatt far Chirurgie. No. 49. 771
in die Stichöffiiung ein und brachte es möglichst sorgfältig auf die tot-
dere Irisfläche. Ein Occlusionsverband erwies sich als unnütz^ wenn nur
der Haarschaft nahe der Hornhaut abgeschnitten wurde. Meist
blieben die Haare ohne alle Reaction auf der Iris liegen,
selten traten starke Reizerscheinungen ^ wie Eiterung auf, niemals
ging ein Auge an Panophthalmitis zu Grunde. In 1 2 Versuchen er*
wies sich die Operation in der Regel als ein durchaus geringer Ein-
griff. Ohne alle Reaction blieben die Haare sowohl auf der Hinter-
fläche der Hornhaut, als vom auf der Iris Tage und Wochen lang
liegen, die Hornhaut selbst zeigte meist nur in nächster Umgebung
des Einstiches eine geringe Trübung, der Haarschaft blieb in ihr
stets beweglich. Kommt dagegen das Haar mit seiner Wur-
zelscheide auf die Iris zu liegen, so bildet letztere um
die Haarwurzel herum allmälig einen Ueberzug, der dann
längs des Schaftes nach der Hornhaut zu fortzieht. Erreicht die
Spitze dieses kegelförmigen Ueberzuges die Hornhaut, so kann sich
dort eine vollständige vordere Synechie ausbilden. Unter dem Mikroskop
sieht man dann, dass das pigmentreiche Gewebe der Iris oft ziemlich weit
in die Hornhaut hinein sich erstreckt; allmälig greifen die Faserzüge
von Hornhaut und Iris in einander und bilden ein zusammenhängen-
des faseriges Gewebe. Von den Zellen der Haarwurzelscheide aus
entsteht nach ihrem ursprünglichen Typus eine selbständige Wuche-
rung; von Seiten der die Haarwurzel umgebenden Zellen der äusseren
Wurzelscheide tritt leicht Verwachsung ein ; es verschmelzen die ver-
ästeten Zellen der Iris nicht nur eng mit den Zellen der Wurzelscheide,
sondern schicken auch Fortsätze in sie hinein. Die vollkommen
normal und gut erhaltenen Epithelien der Wurzelscheide nehmen nicht
selten Pigment aus der umgebenden Iris in sich auf. — Eine Anzahl
Zeichnungen erläutern die angedeuteten Verhältnisse.
J. Mank (Berlin) .
C. Quist. Die neueren urkundlichen Nachrichten über das
erste Auftreten der Syphilis im 15. Jahrhundert.
(Virchow's Archiv Bd. LXIV. p. 307.)
Prof. A. Corradi (Pavia) hat aus italienischen Quellen eine be-
deutende Zahl bisher zum grossen Theil ungedruckter^ sämmtUch aber
von der geschichtlichen Forschung noch nicht benutzter Schriftstücke^
die Syphihsepidemie vom Jahre 1490 betreffend^ veröffentlicht;
die wichtigsten derselben werden mitgetheilt. Mit grösserer Sicher-
heit lassen sich aus ihnen die schon oft gemachten Schlüsse
ziehen^ dass die Krankheit sich um den in Frage stehenden Zeitpunct
als eine vollkommen neue pathologische Erscheinung geltend machte,
dass man sich über ihren Ursprung anfangs keine Meinung zu bilden
vermochte, dass man 9ehr bald des Zusammenhanges der am häufigsten
an den Genitalien auftretenden primären Afifection mit den consecuti-
ven Symptomen inne ward, dass unter den letzteren die Hautefflores-
49*
772 . Centralblatt für Chirutgie. No. 49.
•
cenzen die erste und am meisten in die Augen fallende Stelle ein-*
nahmen^ dass aber auch schon damals die Gaumen- und Rachenaf-
fectionen sich hinreichend bemerklich machten; dass auch tiefe Zer-
störungen an der Nase und anderen Theilen yorkamen^ dass die
Mercurialbehandlung^ so früh sie auch aufgekommen sein mag^ doch
in der allerersten Zeit nicht geübt wurde^ dass bereits in sehr früher
Zeit die Meinung vom westindischen Ursprünge der Seuche sich zu
bilden begann.
Q. kritisirt femer einige Versuche Anderer, durch neue beige-
brachte urkundliche Schriftstücke zu beweisen, dass die Syphilis be-
reits vor den Jahren 1494 — 1496 epidemisch in unserem Erdtheil
vorgekommen sei. Er findet einen charakteristischen Unterschied
zwisdien der Zeit vor und nach der für die Syphilisgeschichte kriti-
schen Epoche. Dort einige vereinzelte Fälle, aus welchen nicht ohne
den grössten Zwang die constitutionelle Syphilis herausdemonstrirt
werden kann , hier dagegen gehäufte Berichte über eine neue , sich
mit ungemeiner Schnelligkeit über den ganzen Welttheil deutlich
epidemisch verbreitende, aber sofort als Syphilis erkennbare Krankheit.
Madelimg (Bonn).
M. Marckwald. Ueber Verdauung und Resorption im Dick-
darme des Menschen (physiolog. Institut von Prof. Kühne).
(Virch. Archiv Bd. LXIV. p. 505.)
Verf. benutzte zu seinen Experimenten den merkwürdigen
Patienten mit grossem Anus praeternaturalis an der Uebergangsstelle
des Coecum in das Colon asceudens^ an welchem Prof. Simon zuerst
nachwies^ dass grosse Flüssigkeitsmengen vom Anus aus in wenigen
Minuten und ganz schmerzlos bis in das Colon und zur Ueocoecal-
klappe vordringen. Bei diesem Pat. war es möglich^ den Blinddarm
aus dem Scrotum, in welchem er gewöhnlich lag, durch die Fistel-
öfinung hervorzustülpen und Ileocoecalklappe und Eingang in den
Processus vermiformis aufzufinden. Die Experimente konnten also
an einem in seiner ganzen Länge zugänglichen und vollkommen iso-
lirten Dickdarm vorgenommen werden. Die Schleimhaut desselben
zeigte keine Abnormitäten, die Temperatur war genügend hoch, die
Peristaltik eine sehr rege. — Weder ausserhalb noch innerhalb des
Organismus vermochte der Darmsaft Stärkekleister in Zucker umzu-
wandeln. Im Saft des menschlichen Dickdarms ist kein zucker-
bildendes Ferment vorhanden. Weder Fibrin, noch coa-
gulirtes Hühnereiweiss wird im menschlichen Dickdarm verdaut.
Zwar ergaben die Faeces nach Fibrin- und Eiweisseinführung neben
den unveränderten Eiweisskörpem die Büdung von Peptonen und
Tyrosin. Der faule Geruch aber, die Anwesenheit der Vibrionen,
das Auftreten von Indol wiesen auf Fäulnissprocesse hin, welche
ebenfalls zur Entstehung dieser Stoffe führen und auch die über 50 %
betragende Abnahme der in den Darm eingeführten Massen in der
Centralblatt für Chirurgie. No. 49. 773
Hauptsache erklären konnten. Noch sichereren Beweis lieferte die
Berechnung aus dem Stickstoffumsatz ^ welche zeigte, dass bei Ei-
weisszufuhx in den Dickdarm kein vermehrter Eiweissumsatz stattfand.
Bei Prüfung der Resorptionsfähigkeit des Dickdarms ergab sich, dass
die Resorption eine ziemlich langsame ist und 250 Grm. H2O min-
destens 12 Stunden zur Resorption erforderten, dass Peptone in con-
centrirter Form und grösserer Quantität den Darm stark reizen und
Diarrhöen erzeugen, daher nicht zur Resorption gelangen. Ueberlässt
man die Bildung von Peptonen der Dickdarmfäulniss , so findet Re-
sorption, wenngleich in sehr beschränktem Massstab, statt. Flüssiges
Eiweiss als solches geht von der Dickdarmschleimhaut aus nicht in
die Circulation über, weder mit noch ohne ClNa-Zusatz. Kochsalz-
zusatz bewirkt im Gegentheil nur locale und allgemeine Reizerschei-
nungen, Diarrhoen. — Der Einfluss des Dickdarmsaftes auf Fette wurde
nicht studirt. — Auch diese Experimente bewahrheiten die von Kühne
und Leube gefundenen Thatsachen. Lange wird man Kranke allein
durch Fleisch-Pancreas-Klystiere allerdings nicht ernähren können.
Die Resorption des Dickdarmes ist zu gering, die Ghrenze für die
Einführung grösserer Massen zu schnell erreicht, die Consistenz der
Klystiere hindert dieselben höher, als in den Mastdarm vordringen zu
lassen. Bei vorübergehenden Krankheiten im oberen Theil des Ver-
dauungstractus, sowie nach Operationen im Schlünde und Oesophagus
werden die Klystiere dennoch eine lebensrettende RoUe spielen können.
Madeinng (Bonn).
Moeli. lieber den Ersatz der Salicylsäure als Antifebrile
durch das salicylsäure Natron.
(Berliner klin. WochenBchrift 1875. No. 38.)
Verf. empfiehlt das als Antisepticum weniger stark als Salicylsäure
wirkende salicylsäure Natron als Antifebrile. Dosen von 4 — 5 Grm.
des gelösten Salzes, dessen übler Geschmack durch Extr. Liq. und
Nachtrinken von Portwein corrigirt wurde, erwiesen sich als die
Fiebertemperatur stark herabsetzend, besonders, wenn eine zweite
Dose in Zeit von 4 — 16 Stunden folgte, wie Buss schon für die
Wirkung der Salicylsäure erwiesen. Auch per Klysma und subcutan
angewandt zeigte sich das Mittel wirksam. — Der Abfall erfolgte in
der Hälfte der Fälle unter reichlichem Schweisse, Ohrensausen wurde
öfter bemerkt, in einzelnen Fällen Erbrechen. Bei Gesunden schien
keine Temperaturbeeinflussung aufzutreten. Subcutan bewirkt das
Mittel grosse Schmerzen, wenn es nicht ganz neutral ist. Im Gegen-
satz zur hohen antrfebrilen, aber schwachen antiseptischen Eigenschaft
des Natronsalicylates hebt Verf. die, durch früher von ihm angestellte
Versuche gefundene, geringe antifebrile Wirkung der stark antisep-
tischen Benzoesäure hervor. v. Moseagell (Bonn).
774 Centralblatt für Chirurgie. No. 49.
M. Shilkin. Bedingungen der Extravasation von Blutkörpei^
chen durch unverletzte Gefässwände.
Inaug. -Dies. Petersburg 1875 (russbch).
Untorsuchungen an Froschzungen. Diese wurden mechanisch
ausgedehnt, ferner wurden verschiedene chemische Stoffe (ClNa, Kali-
Salze, Chinin, Morphium^ Codein^ Atropin^ Zucker u. s. f.) in die hin-
teren Lymphsäcke eingespritzt oder die Zungenvenen unterbanden.
Jede Beobachtung dauerte 2 — 8 Stunden, wonach die Zunge mit
Unterkiefer abgeschnitten und in Müller' scher Flüssigkeit gehärtet
wurde. Die Schlussfolgerungen sind:
Extravasation weisser und rother Blutkörperchen kommt durch
erhöhten Seitendruck des Blutes zu Stande. Beide Arten von Kör-
perchen extra vasiren auf demselben Wege — durch das Endothel. Die
rothen treten vereinzelt, oder in seltenen Fällen zu 2 — 3 zusammen
durch. In engen Capillaren, welche nur ein rothes Blutkörperchen
durchlassen, kommt keine Extravasation vor. Die Extravasation der
rothen Körperchen wird durch Bildung von Fortsätzen b^ünstigi.
Bei Unterbindung der Zungenvenen extravasiren nur rothe Blutkör-
perchen. Bei mechanischer Dehnung der Zunge oder Unterbindung
der Venen ist die Extravasation der rothen Blutkörperchen viel stärker,
als nach Injection von chemischen Substanzen. Einfuhrung grosser
Quantitäten ClNa etc. hat keinen directen Eiufluss auf Verstärkung
der Extravasation. Bei mechanischer Zerrung der Zunge hält Injec-
tion verschiedener chemischer Stoffe die Extravasation nicht auf. In
gewissen Grenzen kommt auch bei normalen Verhältnissen eine
Extravasation von Blutkörperchen vor. Weisse Blutkörperchen pas-
siren die Gefässwand rascher, als rothe. W. Gmbe (Charkow).
OoBselin« Sur les faux abces des es et Tost^ite ä forme
neuralgique qui les accompagne ou les simule.
(Bulletin de rAcad^mie de m6decine de Paris 1875. No. 40.)
Anknüpfend an die von Brodie (1836) und später von Cru-
veilhier (1865) näher studirte seltene Form der Ostitis, mit Bil-
dung tief liegender 9 circumscripter Abscesse in den Epiphysen der
Röhrenknochen, wirft G. die Frage auf, ob der dieser Krankheit
eigenthümliche Symptomen complex , insbesondere die langdauemdeu
und gewöhnlich sehr heftigen Schmerzen, bei nachweisbarer Hjrper-
trophie und Verdichtung des Knochens, immer die Gegenwart von
solchen tief liegenden Abscessen involvire oder auch als reine Neu-
ralgie bestehen könne. Diese Frage hat insofern eine gewisse prak-
tische Bedeutung, als daran wieder die weitere Frage sich anknüpft,
ob in solchen Fällen jedesmal der operative Eingriff indicirt sei oder
nicht. G. fuhrt nun 6 eigene Beobachtungen an, in denen 5 Mal
wegen genannten Leidens die Eröffnung des hyperostotischen Kno-
Centralblatt far Chirurgie. No. 49. 775
chens mittelst Trepan ausgeführt und t Mal sogar auf Wunsch des
Fat. amputirt worden war. Eiter fand sich in keinem jener 5 Fälle ;
4 Mal wurden kleine abnorme Hohlräume constatirt^ welche in 1 Falle
mit einer hellen serösen Flüssigkeit aui^efüllt schienen^ in einem
andern mit einer Schicht consistenter puriformer Masse^ ähnlich ein-
getrocknetem Eiter, ausgekleidet waren. In dem 6. Falle ergab die
ection des amputirten Knochens — die hier eine Untersuchung mit
aller Genauigkeit gestattete — inmitten der stark hyperostotischen
Epiphyse eine ganz kleine Quantität Eiter, welche »bei der
Operation sehr wohl hätte entgehen können«.
Weiterhin werden 17 Fälle aus der Litteratur angezogen von
Brodie, Nelaton, Riebet, J. L. Petit u. A. Hierunter waren
nicht weniger denn 12 wahre Abscesse, einer war zweifelhaft,
und in den 4 übrigen Fällen wurde anstatt Eiter eine »sero-pu-
r u 1 e n t e Flüssigkeit« oder nur einfaches »Serum« oder auch »schwam-
mige Massen«, und endlich im 4. Falle keinerlei Cavität vorge-
funden. In einem 18. Falle — gleichfalls eine Amputation — war
der Hohlraum in der unteren Tibia-Epiphyse ausgekleidet mit einer
pyogenen Membran, sonst leer.
Aus diesen Beobachtungen schliesstG., dass die schleichend ver-
laufende »osteite condensente« der Röhrenknochen Jahre lang von den
reissendsten Schmerzen (»osteite ä forme neuralgique«) begleitet sein
könne, ohne dass dieses Symptom noth wendig auf die Gegenwart
interstitieller Abscesse hindeute. Häu% (in 9 resp. 10 von jenen
24 Fällen) finde man entweder gar keinen Hohlraum, oder eine mit
Serum resp. puriformer Masse erfüllte oder auch vollkommen leere
Höhle. Und dieses ist es, was G. »falsche Abscesse« der Röh-
renknochen nennt.
Bezüglich der zweiten Frage bemerkt G. , dass die Eröffnung
(Trepanation oder Meisselung) an sich wenig gefahrlich sei und in
allen Fällen Besserung, ja nach Verlauf von Monaten und Jahren
meist sogar Heilung bewirke. Am« Hiller (Berlin).
NitBohe. Behandlung von Verbrennungen.
(Vortrag auf der Naturforsoherveraammlung in Gras. 1875.)
^MittheiluDgen des Vereine der Aerzte in Nieder-Oesterreich 1875. Bd. I. No. 13.)
Seit 10 Jahren als Arzt an einem der grössten Eisenwerke in
Oesterreich wirkend^ hatte Verf. vielfach Gelegenheit gehabt^ Ver-
brennungen der verschiedensten Art zu behandeln. — Während er
das continuirliche Wasserbad wegen seiner Zersetzung und Eiterung
befördernden Wirkung verwirft, gab ihm die Beobachtung ^ dass
Brandwunden unter einem Anstrich von Leinölfirniss wie unter einem
Schorf heilen können, die Gelegenheit, eine neue Behandlungsmethode
von Verbrennungen zu erproben. Der gewöhnliche Leinölfirniss, wie
ihn die Tischler gebrauchen, wird bereitet, indem man Bleiglätte
(Plumb. oxyd.) im Veihältniss von 1 : 25 mit Leinöl kocht, bis zur
776 Centndblatt far Chirux^ie. No. 49.
völligen Lösung des Bleioxyds.' Dieses gleichsam verflüssigte Blei-
pflaster soll nun bei Feueiarbeitern vielfach als Volksheilmittel gegen
Verbrennungen in Anwendung sein. Verf. bestrich Brandwunden
mit einer dünnen^ rasch trocknenden Schicht Leinölfimiss und legte
eine Wattelage darüber. — An einzelnen Stellen trat dennoch eine
stärkere Secretion auf^ welche den Fimissschorf sammt der Watte
abhob. N. schnitt deshalb an genannten Stellen Fenster in die Watte
und bestrich die secernirenden Partieen öfters mit einer schwachen
LapislÖBung. So gelang es ihm^ dass der neu aufgetragene Fimiss
schliesslich haftete und die Heilung ohne Granulationsbildung und
Entstehung hässlicher Narben erfolgte. —
Späterhin fügte N. Carbolsäure zum Firniss im Verhältuiss von
1 : 20 und benutzte carbolisirte Watte als Deckmittel. Die Erfolge
waren sehr günstig, ohne dass das Auftreten einzelner stärker secer-
nirender Stellen sich hätte ganz vermeiden lassen. Verf. suchte die
Ursache in der reizenden Wirkung der Carbolsäure und wandte seine
Aufmerksamkeit der Salicylsäure zu. — Er verfahrt nunmehr folgen-
dermassen: die Brandfläche wird nicht mit Wasser abgewaschen,
sondern man entfernt nur etwaigen Schmutz und ganz gelöste Epi-
dermisfetzen mittelst Pincette oder durch Abtupfen mit emem Watte-
bausch. Hierauf wird die Wunde dick und wiederholt mit Leinöl-
firniss bestrichen, in welchem Salicylsäure im Verhältniss von 1 : 10
gelöst worden ist. Noch bestehende Blasen werden nicht eröfihet.
Zur Bedeckung dient Carbolwatte, die besonders da^ wo Blasen vor-
handen sind, in dicker Schicht aufgelegt wird. Der ganze Verband
wird durch circuläre Binden festgehalten. —
Die Salicylsäure löst sich in dem Fimiss im genannten Verhältniss
von 1 : 10 in der Wärme ganz leicht und bleibt auch gelöst. — Als
Beispiele werden zwei hochgradige Verbrennungen in ihrem Verlauf
beschrieben.
1. Fall. Ein Junge fiel in einen Trog mit siedendem Wasser.
Verbrühung der Kreuzbeingegend, des Gesässes, eines Theiles der
Oberschenkel und der unteren Bauchgegend. Heilung ohne alle
Eiterung in 14 Tagen ohne nur einen Theil des Verbandes erneuem
zu müssen. Der 2. Fall betrifit einen Mann mit Verbrühung beider
unteren Extremitäten in ihrer Totalität durch Dampf. Nach 1 2tägiger
Behandlung waren sämmtUche Brandflächen mit neu gebildeter Epi-
dermis bedeckt. Lesser (Berlin).
V. Platen. lieber den Einfluss des Auges auf den thierischen
StoflFwechsel.
(Arch. f. d. geB. PhyBiologie Bd. XI. p. 272-290.)
Moleschott hatte zuerst gefunden^ dass Frösche für gleiche
Einheiten des Körpergewichtes und der Zeit Vi2— V4 ^^hr Kohlen-
säure im Licht ausscheiden, als im Dunkeln und dass um so mehr
Kohlensäure ausgehaucht wird, je grösser die Lichtstärke ist. Pf lue-
Centralblatt far Chirurgie. No. 49. 777
ger ^^eist nun in einer kritisclien Beleuchtung^ die der Arbeit P.'s
vorangeht^ nach^ dass die Versuchsergebnisse Moleschott's nicht
hinreichend begründet siud^ um die von letzterem daraus gezogenen
Schlüsse zu rechtfertigen. Die deshalb unter seiner Leitung von P.
angestellten Untersuchungen beschäftigen sich zunächst mit der Be-
trachtung des Einflusses von hell und dunkel auf den Stofl^echsel der
Kaninchen, die durch Bedecken der Augen bald mit weissen und bald
mit schwarzen Gläsern unter die erforderlichen Bedingungen versetzt
wurden. Die Thiere wurden tracheotomirt, die Trachealkanüle mit
einem Bespirationsapparat in Verbindung gesetzt und innerhalb der
Versuchszeit SaueistofFaufnahme und Kohlensäureausscheidung be-
stimmt. Aus der Gesammtzahl der Versuche geht hervor, dass, wenn
nur die Thiere unter möglichst gleiche innere und äussere Beding-
ungen versetzt werden, unter dem Einfluss des Lichtes eine erheb-
liche Steigerung der C02-Au8scheidung und O-Aufhahme, also des
Gas- und Stoffwechsels stattfindet, und zwar um etwa Y7 — y^ der
normalen Durchschnittsgrösse. J» Mimk (Berlin).
Senftleben* Ueber die Ursachen und das Wesen der nach
der Durchschneidung des Trigeminus auftretenden Homhaut-
affection.
{Virch. Archiv. Bd. LXV. p. 69.)
IKe Frage nach der Entstehungsursache der Homhautaffection^
welche nach Trigeminusdurchschneidung auftritt^ ist Gegenstand zahl-
reicher Untersuchungen gewesen. Ein kurzes Referat stellt die Ke-
sultate derselben übersichtlich zusammen. Sodann theilt S. die
Befunde mit, zu denen ihn die Wiederholung jener Versuche und
besonders die bisher noch nicht angewendete mikroskopische Unter-
suchung führte. Die nach der Trigeminusdurchschneidung auftretende
Homhautaffection ist nach S. unabhängig von dem Einfluss gewisser
im Trigeminus verlaufender Nervenfasern, sowohl vasomotorischer
(Schiff) als auch trophischer (Meissner^ Büttner). Die Wider-
standsfähigkeit des Hbmhautgewebes nach Trigeminusdurchschneidung
fand S. nicht vermindert; es war keine erhöhte Vulnerabilität vor-
handen und der Heilungsprocess angelegter Wunden verlief in regel-
mässiger Weise.
Die nach der Trigeminusdurchschneidung auftretende primäre
Homhautaffection ist eine Nekrose, bedingt durch wiederholte grobe
Traumen, welche das Auge in Folge seiner Anästhesie treffen. Die
durch fast vollständige Aufhebung des Lidschlages bedingte Verdun-
stung auf der Oberfläche der Cornea hat nichts mit dem Zustande-
kommen der Entzündung zu thun. Die circumscripte Nekrose der
Hornhaut wirkt als Entzündungsreiz und ruft eine secundäre, von
der Peripherie her vorschreitende Entzündung der Hornhaut hervor.
Die gleichzeitige Exstirpation des oberen Sympathicus-Ganglion ist
778 Centralblatt fttr Chirurgie. No. 49.
von keinerlei EinflusB auf das Zuslauidekommeii und den Verlauf der
nach der Trigeminusdurchschneidung auftretenden Homhautaffec-
tion, wie jüngst noch Sinitzin behaupteie. Hailelmig (Bonn).
P. H. Watson. Exstirpation der Schilddruse.
(British med. Journal 1875. Vol. II. p. 386.)
Während die Ausschälung der Schilddrüse bei den Chirurgen der
hohen Mortalität wegen in Misscredit steht, sucht W. auf eigene Er-
fahrungen gestützt, sie wieder in Aufaahme zu bringen. Die hohe
Gefahr der Blutung sucht er dadurch zu vermeiden, dass er nach
Blüsslegung der Geschwulst durch einen langen Hautschnitt in der
Mittellinie vor Eröffnung der die Geschwulst überkleidenden Fascie,
die in letzterer eingeschlossenen Schilddrüsengefässe tastend auf-
sucht und dann nahe der Mittellinie jederseits mit Hülfe einer Aneu-
r}'smennadel unterbindet. Nachdem so die Thyr. sup. und inf. jeder-
seits geschlossen, wird die umkleidende Fascie an der Vorderseite
gespalten und jetzt die Geschwulst mit den Fingern unter Zuhülfe-
nähme stumpfspitziger gebogener Scheeren ausgelöst. In dieser Weise
hat W. seit 1871 5 Mal die Thyreoidea mit geringer Blutung glücklich
entfernt; in einem anderen Falle hatte er das Unglück, eine in der
Furche zwischen Trachea und Oesophagus laufende starke Vene an-
zuschneiden; beim nach Aussenziehen der Trachea wurde auch diese
verletzt und nun erfolgte schnell der Tod. W. betont, dass während
zur Nahrungsentziehung für Schilddrüsengeschwülste die Ligatur der
Thyreoidealgefösse mehrfach angerathen und auch ausgeführt worden
ist, dieselbe als regelmässiger Vorakt vor der Exstirpation bisher nicht
als Methode angegeben ist. PH« (Stettin)^
K. V. Braun-Femwald, lieber Flexionen des Uterus.
(Wiener med. Wochenschrift 1875. No. 27, 28, 30.)
Nach Erwähnung der angeborenen Lageanomalieen des Uterus
(seitlich, von einer foetalen Verdrängung des Uterus durch den Mast-
darm herrührend) geht B. zu den erworbenen über, Anteflexio, Relro-
flexio und Anteversio, Betroversio, Lateroversio dextra et sinistra. Bei
Ketroiie^io ist der Uterus öfter grösser, als bei Anteflexion. Die Flexio-
nen sitzen constant an der Vereinigung des Cervix mit dem Corpus.
Lateroflexionen für sich bestehend, oder mit Anteflexion (Tor-
sion) combinirt. Anteflexion bei Jungfrauen physiotogisch. Flexio-
nen und Versionen meist in Combinationen und Uebergangsfor-
men vorkommend. Das submucöse starre Bindegewebe des normalen
Uterus bedingt dessen Geradestellung. Wucherung der Schleimhaut,
Ausbildung zahlreicher Ovula Nabotfai bedingt Abnahme der Starr-
heit ; bei Flexionen Schwund der Muscularsdiicht am oberen Mutter-
munde. Ursache der Ante- und Betroflexionen li^ also nftist im
Centralblatt für Chirurgie. No. 49. 779
Uterus selbst. Gesch^vülste^ Adhäsionen und mangelhafte puerperale
Involution können auch Flexionen hervorrufen. Bei Anteflexionen
rückt der Cervix meist höher, bei Retroflexionen tiefer. — Der
Contact der Schleimhäute kann Verengung, selbst Verwachsung an
der Knickungsstelle bedingen. Durch den Druck des gebeugten
Uterus wird Stauung im venösen System, secundär Katarrh er-
zeugt, unter Umständen Hydronephrose, wenn der retroflectirte Uterus
auf die Harnleiter presst (folgt Beispiel) . — Bei Verwachsung des
oberen Muttermundes kann Hydrometra in den klimacterischen Jahren
entstehen. —
Die subjectiven Beschwerden bei Flexionen bestehen in Schmer-
zen im Kreuz, Dysmenorrhoe, Sterilität, Beschwerden beim Uriuiren
und Defaeciren, Unvermögen zu gehen und krankhaften Mitempfin-
dungen. Die Kreuzschmerzen entstehen durch Zerrung des Retractor
uteri bei Ante-, der Ligg. Vesico-uterina bei Retruflexion. Als
krankhafte Mitempfindung am häufigsten Neuralgie des N. occipitalis
magnus oder des I. und II. Trigeminusastes (Migräne). Betreffs der
Prognose ist zu bemerken, dass dauernde Heilung der Flexionen nach
einer Schwangerschaft in der Regel, ohne diese ausnahmsweise erfolgt.
Therapeutisch scheint Verf. im Allgemeinen den H od ge' sehen extrau-
terinen Pessarien von Hartgummi den Vorzug vor anderen zu geben.
Die intrauterine mechanische Behandlung weist er von der Hand.
Erweiterung des Cervix wird mit Reserve empfohlen, die Excision
einer Schleimhautfalte in vorderer oder hinterer Vaginalwand und
Einheilen der Muttermuridslippe daselbst, je nachdem Ante- oder
Retroflexion bestanden, wird erwähnt, ebenso die von Sims an-
gegebene und wieder verlassene künstliche Befruchtung.
T.MoseBgeil (Bonn).
N. Andrejew. Zur Aetiologie der fibrösen Gebärmutter-
geschwülste.
(Militärmed. Journal. 1875. Februar, ruMisch.)
Verf. glaubt, gestützt auf 16 von ihm beobachtete Fälle von Fi-
broma uteri , ein directes aetiologisches Verhältniss zwischen fibrösen
Geschwülsten und Metritis chronica interstitialis aufstellen zu können.
Er führt 4 Krankengeschichten an> aus denen ersichtlich ist, dass
sich die ersten Symptome einer Gebärmuttergeschwulst nach vorher-
gegangenen acuten Processen in der Sexualsphäre entwickelten. In
2 Fällen hat A. selbst das Entstehen von Geschwülsten nach Metritis
acuta beobachtet. Er erklärt die Entstehung von Fibromen durch
circmnscripte chronische Metritis, eine örtliche vermehrte Production
von Bindegewebe, welche je nach der Stelle, an der sie stattfindet
und der eingeschlagenen Richtung die Form von Fibroma uteri sub-
peritoneale, submucosum etc. annimmt.
Verf. weist auf einen analogen Process im Herzen hin , wo sich
a^cb MyocaiwUiii interstitialis das sogen. Aneurysma cordis partiale
780 Centralblatt fSr Chirurgie. No. 49.
chronicum (Breschet)^ grosse Geschwülste, wdche entweder in das
Herz hineinragen, oder auf seiner Aussenflache zum Vorschein kom-
men, entwickehi (Oppolzer). W. Gnbe (Chaikow).
J. Charles. Behandlung des offen gebliebenen Urachus.
(British med. Xoumal 1875. Vol. II. p. 486. — British med. Asaociat.)
Während sich in der Regel einige Zeit Tor der Geburt der Ura-
chus schliesst^ tritt häufig eine vollständige Obliteration des Urachus-
canals nicht ein und es finden sich verschiedenartig gestaltete Canal-
reste vor. Cruveilhier fand einen offenen Urachus nur bei
Verschluss der Harnröhre; Ch. nuicht darauf aufmerksam ^ dass der-
selbe sich ebenfalls dann finden könne, wenn ein Hindemiss für den
Abfluss des Urins bestehe, als Concretionen, enge Phimose etc. In
den Fällen mit offenem Urachus hat man fast regelmässig durch Cau-
terien oder plastische Operationen Verheilung versucht, aber erfolglos.
Die von Redfern vorgeschlagene Circumcision der Vorhaut erschien
Ch. rationell und wirklich lieferte sie in seinem Falle, d^r einen
Ijähr. Knaben betraf, und bei dem feste Anlöthung des inneren Prä-
putialblattes mit der Glans bestand, volle Heüung. Deshalb räth
Ch., erst diesen Weg zu versuchen und nur, wenn er nicht zum
Ziele führe, an den Verschluss der Urachusöfinung selbst zu denken.
PÜÄ (Stettin).
Kleinere Mittheilungen.
V* Stroganow. Ueber eine Complication von Elephantiasis Arabum
mit Krebs und über die Entwickelungsweise des letzteren.
(Virch. Archiv Bd. LXV. p. 47.)
Bei Untersuchung eines Pr^>arates von Elephantiasis tuberorillosa fand 8. an
Tielen Stellen das bei Elephantiasis gewöhnlich beobachtete Bindegewebe von reich-
lichen, aus Strängen wahren Epithels bestehenden Netsen durchxogen. Das Epithel war
theils in den perivasculären Bäumen, den Saftcanälchen und den Bindegewebsspalten
enthalten, theils fanden sich Epithelheerde im Bindegewebe. Verf. glaubt in dem
beschriebenen Falle das Anfangsstadium eines Krebses auf dem Boden der Elephan-
tiasis zu erkennen und hält das Epithel in diesem Fall für in den Lympbbahnen
selbst gebildet und zwar primär aus dem Endothel. Vielleicht übte die der Elephan-
tiasis eigenthümliche Aufquellung des Endothels der Lymphbahnen, namentlich nach-
dem eine unmittelbare Berührung mit dem physiologischen Epithel des rete Malpigbi
eingetreten war, auf eine solche krebsige Entartung der Endothelielien einen be-
fördernden EinflusB aus. — Die Arbeit stammt aus dem pathologischen Institiit su
Strassburg. Madeluag (Bonn).
Bailey. Wachsthum-Hemmung.
(Boston med. and surg. Journal 1875. Vol. II. p. 244.)
Eine jetzt 18jährige Negerin bekam im 12. Lebensjahre am linken Ellenbogen
einen Ausschlag, der sich auf- und abwärts verbreitete, später auch auf die Schul-
tergegend überging ; derselbe trat zu verschiedenen Zeiten auf, bestand jetzt am
Arme und schien Eczem-artig zu sein. Angeblich (?) seit dieser 2ieit sollen die
linksseitigen Extremitäten im Wachsthum zurückgeblieben sein, der Arm um Z"
das Bein um 2—3" Länge und ersterer um 1'' in der Dicke. Auffallend war die
Kleinheit der Hand und des Fusses; ebenso war die linke Thofuseite etwas su-
Centralblatt ftr Chiruigie. No. 49. 7S1
rüokgeblieben. Der Ailgemeinztutand ist nicht befriedigend; es besteht Dysme-
norrhoe neben schwacher Menstruation, starke Palpitation neben Hypertrophie des
linken Ventrikels ohne Klappenentartung. Pilz (Stettin).
BegnatQt. Oblit^ration des deux oreilles par du plätre k moules.
(Revue de Th6rap. m6d.-chir. 1875. No. 20.)
Bei dem Versuch, von den Ohren einer schwerhörigen alten Dame, behufs
Anfertigung von Hörrohren, einen Oypsabdruck zu nehmen, hatte der Fonner
unterlassen, wie die Ohrmuschel so auch den Gehörgang zuvor einzuölen. In
Folge dessen Hess sich der Oyps nach dem ErhSrten zwar von der Muschel, aber
nicht aus dem ftusseren Qehörgang wieder abheben. B. fand alsbald die Unmög-
lichkeit, diesen mit den Haaren innig verschmolzenen und bis an die Membr. tym-
pani reichenden »Fremdkörper« mechanisch zu entfernen. Ein Chemiker rieth
als Lösungsmittel citronensaures Ammoniak in concentrirter, neutraler Lö-
sung zu benutzen. Dieses half und es gelang in V2 — 1 stündigen Pausen den er-
weichten Qyps binnen 24 Stunden ohne Beschftdigung der anliegenden Weichge-
bilde abzubröckeln. —
An dem anderen Ohre hatte sich auch Süssmandelöl, auf den Rath
eines Mechanikers angewandt, wirksam erwiesen. Am« Hiller (Berlin).
W. Mao Bwen. Beobachtungen von Schädelverletzungen und Gehirn-
* krankheiten.
(Edinb. med. Journal 1875. Aug. p. 121 u. ff.)
Die letzteren betreffen einen Fall von Meningitis, welche anscheinend nach
leichtem Stoss eintrat, und 2 Kranke, die nach leichter Verletzung plötzlich zu-
sammenbrachen und starben, und bei denen die Section Gehirnerkrankungen als
Ursache des Todes nachwies. Von den Schädelverletzungen ;mögen die 3 interes-
santeren kurz wiedergegeben werden.
1) Bruch der Orbitalplatte des Stirnbeins durch Faustschlag.
Der 22jährige kräftige Mann hatte im Streite einen Schlag mit der unbewaff-
neten Faust gegen das rechte Auge bekommen ; derselbe stolperte , war einen
Augenblick verwirrt, dann aber ganz wohl ; er ging nach Hause, unterhielt sich mit
seiner Familie und schlief die Nacht gut ; am folgenden Morgen Klage Ober Kopf-
schmerzen, die in der nächsten Nacht sich noch verstärkten. Am folgenden Tage
erschien die Umgebung der rechten Augenhöhle geschwollen, verfärbt, der rechte
Bulbus etwas prominent; die Conjuncdva injicirt, die Pupille dilatirt; das Sehver-
mögen erloschen; Arm und Bein rechts schwer beweglich; die Körpertempe-
ratur erhöht. Puls frequent; einige Stunden nachher erfolgte ein Krampfanfall und
Tod. Section : Fractur der Orbitalplatte des rechten Stirnbeins, das Fragment war
in das Gehirn hineingedrfickt ; reichlicher Bluterguss in die vordere Schädelgrube ;
die Oefässe des rechten Stirnlappens blutreich, hier und dort Austritt von Lymphe.
2) Bruch der Orbitalplatte des Stirnbeins durch Fall.
Ein 40jähriger Mann glitt aus, tiel und acquixirte eine neben dem rechten
Augenbrauen gelegene Wunde, in der keine Fractur nachgewiesen werden konnte ;
es bestanden anscheinend gar keine Beschwerden, keine Gehirnerscheinungen;
auffallend war der starre Blick und die Gedankenlosigkeit; 8 Stunden später er-
folgte unter Convulsionen plötzlich der Tod. Es fand sich ein Schrägbruch der
Orbitalplatte, ein reichlicher Bluterguss an beiden Seiten des] Bruchstücks ; weitere
Verletzungen konnten nicht aufgefunden werden.
3) Bruch der Siebplatte des Riechbeins.
Nach Fall von einer Höhe von 12' aufs Gesicht war der 32jährige Mann be-
wusstlos; an der flach gedrückten Nase bestand Gomminutiv-Fractur der Nasenbeine.
1 Stunde später traten Convulsionen und mit ihr starke Blutung aus beiden Na-
senöffnungen ein; der Zustand besserte sich; die dilatirten Pupillen reagirten,
Pat. wurde besinnlicher; am 8. Tage ging der Puls höher, es erschienen Zuckun-
gen im Gesicht; Fieber, allgemeine Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Tod am 14. Tage.
Section : Gehirnhäute in der vorderen und mittleren Schädelgrube entzündet, stel-
782 Centralblatt far Chirurgie. No. 49.
lenweis mit Eiter bedeckt; zu beiden Seiten der FaU eerebri Ansammlung von
Eiter und Blut, nach deren Wegnahme die abgebrochene Grista galli und die frac-
turirte Siebbeinplatte erschienen; gebrochen waren femer oss. nasi, proc. naaal.
OS. maxill. sup-, oss. turbin. Pill (Stettin).
E. Gkkyrand. Fractures de la colonne vertibiale et gangi^ne du
membre inferieur gauche par embolie de Tartöre femorale.
(Montpellier m^dical 1875. XXXV. No. 3. Septembre.)
Ein Südamerikaner (Eingeborener) erlitt durch direote Gewalt (Sturz auf den
Rücken) eine Fractur des Körpers des zweiten Lendenwirbels. Das Rückenmark
war nicht verletzt, da keine Lfthmungsencheinungen Ton Seiten der Extremit&ten
oder der Blase und des Mastdarms auftraten. Mehrere "Wochen später entstand
bei demselben Patienten acuter Brand der reehten unteren Extremität, verursacht
durch Embolie der Femoralarterie , dem Fat. erlag. Bei der Autopsie fand sich
zunächst ein mächtiger Embolus in der Iliaca externa, der nahe bis zum Abgang der
art. profunda femoris reichte , und der wohl zweifellos aus dem Herzen stammte.
Es fanden sich nämlich im linken Herzen eine Reihe kleiner wandständiger Vege-
tationen und ein ähnliches Fibringerinnsel von Mandelgrösse streekte einen Fort-
satz durch die valvulae semilunares in die Art. coronaria oordis dn., durch deren
vollständige Obturation der Verf. die vorgefundene fettige Degeneration der linken
Herzhälfte erklärt. Ausserdem fand sich eine quere Fractur des zweiten landen-
wirbelkörpers mit ziemlich bedeutender Quetschung des oberen Fragments; die
betreffenden Wirbel bildeten einen nach vorne offenen, beinahe rechten Winkel.
In Betreff der Entstehung der Wirbelfracturen nimmt Verf. im Gegensatz zu Mal -
gaigne directe Gewalt als häufigere Ursache an, das Fehlen paralytischer Erschei-
nungen spräche durchaus nicht immer gegen Fractur des Wirbelkörpers. G. führt
für seine Ansicht einige von ihm beobachtete Fälle und Befunde bei Autopsieen an.
Sonnenburg (Strassburg i./E).
Parks. Larynx of a man strangled with a piece of meat.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 199.)
Ein &0j ähriger Mann bekommt beim Diner plötzlich ErstickungflanflUle und
stirbt in wenigen Minuten.
Bei der Section findet man einen grossen zwischen 120—160 Grm. wiegenden
Fleischbissen fest in der oberen Larynxapertur eingekeilt.
Willi. Keeh (Berlin).
Fochier. PolipoB multiplos del recto.
(Anal, de la Soc. anatom. espanola 1875. No. 21.)
Ein im Hospital de la Cruz-Roja beobachteter Fall von sehr massig entwickel-
ten sogen, inneren Hämorrhoidalgeschwülsten bei einem 18jährigen Mädchen seit
Vt Jahren beobachtet. Wegen hochgradiger Schmerzen und grosser und häufiger
Blutverluste wandte F. zur Entfernung der Geschwülste die Ligatur an. Heilung
in 3 Wochen. Ein Jahr später noch kein Recidiv. Die Geschwülste zeigten eine
Wucherung der Drüsen der Mastdarmschleimhaut.
Ullersperger ^München).
M. M. Trölat. Dechirure compl^te du perin^e. Periiieorraphie pra-
tiqu^e avec succes.
(Annaies de Gyn^cologie lS7d. Mars.)
Tr. operirte einen completen Dammriss bei einer 30jährigen Frau nach der
hinlänglich bekannten Methode der AnfrischuDg eines dreieckigen Lappeos mit
der Spitze nach der Vagina, mit der Basis parallel den grossen Schamlippen.
Scheidennähte mit Metalldraht, entspannende und vereinigende Dammnähte; Rec-
tumnähte wurden dadurch unnöthig, dass die tiefen Dammnähte die Canalöffnung
Rtark hervorspringen Hessen. In Folge dessen vereinten die untersten Dammnähte
das neue Dach des Rectum.
Der Fall ist dadurch bemerkenswerth , dass Tr. vor der Operation eine voll-
ständige Obstipation zur Schonung des Afters herbeigeführt hatte. Nach der
Oentnlblatt fdr Ghimrgie. No. 49. 7g3
Op«ration machte diese der Kranken solche Beschwerden, dass Abführmittel nöthig
wurden, welche die Verheilung Tereitelten. — Nach einer späteren Naohoperation
erfolgte Tollstandige Heilung mit Continenx der Faeees.
Dieser Fall spricht far die von Simon und Hirschberg seit längerer
Zeit nach der Operation anempfohlene leichte Stuhlentleerung durch milde Abführ-
mittel und Enthaltung aller Narcotica. Leopold (Leipzig).
GrÜnfeld. Befund und Behandlung von Hamröhrenstricturen mit
Hülfe des Endoscops.
rWiener med. Wochenschrift 1875. No. 39.)
Bei Untersuchung der Harnröhre 1 — 2 Ctm. yor der Strictur mittelst des ge-
raden Endoskopes mit Conductor sieht man die Schleimhaut als Trichter, dessen
Centram eine dunkel schattirte, horisontale kleine Figur darstellt, von welcher
radiär Falten und Wülste ausgehen. Die Peripherie des Trichters ist in Folge des
Druckes vom Tubus hello: und gläniender. Ist der Tubus so weit vorgeschoben,
als es überhaupt möglich ist, so schliesst die Schleimhaut als verticale Wand das
hintere Ende ab , ist glatt gespannt , und der centrale Fleck des Trichters fehlt,
wie auch der periphere heile Olans. DieFarbe der Schleimhaut ist blassröthlich bis
weiss ; die Strictur erscheint als glänsend weisser kleiner Kreis mit dunklem Punct.
Natürlich kann man die Strictur im Sehfeld oentrirt oder ezcentrisch betrachten. —
Um die Strictur su entriren unter endoskopischer Beobachtung, muss man gerade
Bougies anwenden , die centrisch eingeführt werden ; gebogene werden , wenn die
Biegung nur nach einer Seite geht, nicht als kleiner, dem Durchmesser ent-
sprechender Kreis, sondern, als schmales Feld, bei Biegung in mehrfacher Richtung
eventuell fast das ganze Gesichtsfeld beeinträchtigen. Am besten entrirt man mit
metallenen Sonden. —
Schliesslich empfiehlt Verf. die Urethrotomia interna mit Hülfe des Endoskops
als leicht auszuführende Operation. T* Mosengell (Bonn).
J. Bouteiller. Phimosis scrotal.
(Le Mouvement m6d. 1875. No. 39.)
In der PUnion m6d. de la Seine-Inf^rieure 1875. No. 40 beschreibt B. folgende
Anomalie bei einem neugeborenen Kinde, welches an Harnverhaltung litt und bei
welchem die Hebamme das Geschlecht nicht zu bestimmen vermochte. Es war ein
normales Scrotum vorhanden, dagegen fehlte anscheinend der Penis ; es fand sich an des-
sen Stelle nur eine Stecknadelkopf grosse Oeffnung, hinter welcher unter der Haut ein
kleiner kugeliger Körper zu palpiren war. B. erweiterte die Oeffnung durch einen
kleinen T- Schnitt und konnte nun durch Druck eine Art rudimentären Penis her-
vortreten lassen. Am 3. Lebenstage urinirte das Kind spontan, wobei der Penis
von selbst zwischen den Wundlefzen hervortrat und wobei das Kind sich stetig
die Unterbauchgegend benetzte. B. fand nun an der dorsalen Penisfläche eine
Rinne, welche an der Stelle aufzuhören schien, wo sich die eingestülpte Scrotal haut
an die Corona glandis inserirte. — Zwei und einen halben Monat später zeigte
sich der Penis merklich gewachsen und war nun stetig in der erweiterten Oefihung
sichtbar. Es bestand keine Incontinenz des Urins, nur benetzte sich das Kind
beim Harnlassen sowohl Scrotum wie Abdomen. Das Kind starb später an einer
Cholera Infant, im Alter von 8 Monaten und 3 Tagen. — Die Section bestätigte den
Befund der Untersuchung insofern, als in der That nur die Glans frei in der Sero-
talöffnung prominirte, der Penis aber im Scrotum total eingehüllt blieb, da seine
umgeschlagene Falte gerade an die Corona glandis angeheftet war. Die Blase er-
schien normal, die Urethra war nur im Bereiche der Glans gespalten, bildete sonst
einen völlig geschlossenen Canal und lag mit ihrem corpus cavernosum in einer
Rinne, welche von den corpora cavernosa penis gebildet wurde, aber an deren
oberen (dorsalen) Fläche, statt wie normal an der unteren. Die Länge des so
herauspräparirten Penis betrug gegen Erwarten doch 5 Ctm. von der Blase bis zur
784 Centralblatt fOr Ghirorgie. No. 49.
Eichel. — Aus der L'itteratur citirt B. nach dem Dictionnaire des Sciences vM.
(Paris, 1815) ähnliche F&lle von Brescheit, J. Saltzmann, Ruysch, Morgagni,
Richerand, Chopart. Grossere Analogieen bietet nach Verf. der von Oaultier
de Clauby beschriebene Fall, ebenso die Befunde von Depaul (Soci^t^ anatom.
de Paris 1842. p.213) und die von Guyot (Ibid. 1854. p. 133). Die von Daubeuf
dem Verf. vorgeschlagene Bezeichnung seines Falles als einer epispadia peno-scro-
talis/ analog der öfter beobachteten hypospadia peno-scrotalis, hält B. nicht für
zutreffend. Gewiss aber entspricht der von ihm selbst gewählte Name einer Phi-
mosis scTotalis noch weniger der hier beschriebenen Bildungshemmung des mem-
brum virile. Lenser (Berlin).
Ch. OXeary. Nabelbruch, Ruptur.
(Boston, med. and surg. Journal 1875. Vol. U. p. 182.)
Eine 54jährige Frau bemerkte vor 6 Jahren dne kleine, allmälig zunehmende
Schwellung am Nabel; der mehrfach gegebene Rath, ein Bruchband zu tragen,
wurde nicht befolgt; schliesslich lag ein grosser Theil des Darmes ausserhalb der
Bauchhöhle, die Geschwulst reichte bis zur Mitte des Oberschenkels, dabei hatte
Pat. keine besonderen Störungen von Seiten des Verdauungsapparates ; nach Fall von
der Treppe erfolgte Ruptur des Bruchsackes; derselbe mass jetzt 18" an seiner Basis
und hatte 8" in der Höhe, der Riss selbst 2—3" : der in Narkose gemachte Versuch,
die Eingeweide in die Bauchhöhle zurückzubringen und zurückzuhalten, misslang;
Naht der Wunde; Kälte. Peritonitis. Tod. Section nicht gestattet.
PUs (Stettin).
Ashhurst. Rupture of extemal iliac artery.
(Philadelphia med. Times 1875. No. 199.)
Ein 39jähriger Ingenieur fällt von einem Eisenbahnwagen, trifit auf ein Rad
und wird, anscheinend ohne weitere Folgen, heftig an der linken Lendengegend
getroffen. 9 Tage später nach voraufgegangener Steifigkeit und Schmerzen in der
Gesässgegend , ein Ohnmachtsanfall , ohne dass in der linken Leisten- und Unter-
bauchgegend etwas Abnormes zu bemerken war. Deb folgenden Tag ausgespro-
chene Collapserscheinungen. Die linke Art. femoralis pulsirt schwach, Pulsation
und unbestimmtes Geräusch der epigastrischen Gegend. Geringe Schwellung in
der linken Flanke wie bei beginnendem Psoasabscess. Am nächsten Tage ausge-
sprochener länglicher Tumor links. Kein Eingriff. Tod. Section: Vom Becken
zum Zwerchfell extraperitoneal ein massiges Extravasat. Die linke Arteria iliaca
7s Zoll unterhalb der Bifurcation gerissen ; die stark auseinander gewichenen Rias-
enden durch einen Theil der Adventitia in Verbindung. Gerinnsel am peripheren
Ende, das centrale offen. Wilh« Koeh (Berlin).
Tapret und Chenet. Abreissung der unteren Epiphyse und eines
Theils der Diaphyse des Femur.
(Bulletin de la soci6t6 anatom. de Paris 1875. p. 25.)
Ein 9j ähriger Knabe hatte sich binten auf einen Fiaker gesetzt; sein Fuss kam
während der Fahrt in die Radspeichen. Es zeigte sich eine quere Wunde in der
Kniekehle, ein Eiguss im Kniegelenke; heftige Blutung. In den nächsten Tagen
ersdiien nach Wegnahme eines aus der Hautwunde hernienartig hervorgequollenen
gangränösen Muskelstacks die entbldsste Diaphyse des Femur. An der abgesetiten
Extremität fand sich obige Verletzung, die knöcherne Partie gehörte nur der In-
nenseite an; Art. und Vena poplitea waren normal. Pill (Stettin).
Originalmittheilangen, Monographleen und Separatabdrücke wolle
man an Dr. H. TiUmanns, Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die VerlagshandJung,
BreUkopf u$hd Hättel^ einsenden.
Draeli «ad Verlag von Breitkopf und Hirtel ia Leipiig.
Gentralblatt
fOr
CHIRURGIE
herausgegeben
▼oa
Dr. l. Lesier, Dr. I. Mete, Dr. I. Tlllniaiuu
Ib BarUii. in Berlin. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
Ni' 50t Sonnabend, den 11. December. 1875«
Inhalt: Glrard, Mltcroskoplsche Untersuchungen über den sogenannten blauen Eiter.
(Original-Mlttheiinng.)
Socin, Barth, Jahresbericht. — v. Ewotzky , Entzündongsversuche am Knorpel. — Ba-
ber, Structur des hyalinen Knorpels. — Schwarz, Wirkung der Salicylsaure. — Reid, Es-
march*sche Methode bei Aneurysmen. — Caspary, Contagiositat der hereditären Syphilis.
— Liicadi Function der Tuba Enstacbii und des Gaumensegels. — Petersen , Dorsale Dau-
menluxatlon. — Wilde, Schreibekrampf.
Sehaepp, Echinococceu. — Hamilton, Casuistik. — Southey, Tetanus. — De Liplne, Tod
nach Bienenstich. — Ferrler, Subcutane Injectionen von Ergotin bei Metrorrhagieen. —
Le Gros Ctarke, Adenocele. — Dlickworth, Natron bicarb. bei Zahnschmerzen. — Rlohard-
aon, Hasenscharte. — Jonot, Schussverletzung des Magens und der Niere. — Heath, Ein-
geklemmter Nabelbruch. — Carmichael, Penetrirende Bauchwunde. — ThORltOn, Innere
Urethrotomie. — Bell, Lepra anaesthetica.
Mikroskopische Untersuchungen über den sogenannten
blauen Eiter.
Von
Dr. Glrardy
Docent in Bern.
Ueber die sogenannte blaue Eiterung liegen bis jetzt nur sehr
spärliche mikroskopische Untersuchungen vor ; eine einzige Arbeit ent-
hält genauere Angabe über diesen Gegenstand^ es ist der Lücke'sche
Aufsatz in Langenbeck's Archiv Bd. IL Lücke fand bekannt-
lich als Ursache der blauen Färbung der Verbandstücke zahllose
Mengen vibrionenartiger niederer Organismen^ welche in den feuchten
Compressen und in der Charpie anwesend waren.
Den blauen Farbstoff selbst^ das von Fordoz entdeckte Pyo-
cyanin konnte er zwar aus den Verbandstücken darstellen, jedoch
50
786 Centralblatt für Chirurgie. No. 50.
war es ihm nicht gelungen^ ihn in denselben mikroskopisch zu sehen,
und er meinte, die Vibrionen selbst seien blau gefärbt und bedingten
die Färbung des Verbandmaterials durch ihre immense Anzahl.
Lücke 's Aufsatz war schon erschienen, als Fordoz noch einen
zweiten, gelben Farbstoff entdeckte, welchen er Pyoxanthose nannte.
Dieser Körper entsteht durch allm&lige Zersetzung des Pyocyanins
an der Luft und unter gewissen Bedingungen. (Bulletin de TAcad^
mie des sciences 1863.)
Die von uns über das Verhalten dieser beiden Farbstoffe in den
blau gefärbten Verbänden angestellten Untersuchungen ergaben fol-
gende Resultate.
In den rein blauen Flecken fanden sich ausser den schon er-
wähnten niederen Organismen, welche uns, wie Lücke, entschieden
schwach bläulich gefärbt erschienen, als Hauptursache der blauen
Färbung mehr oder weniger zahlreiche Crystalle von Pyocyanin. Nie
haben wir sie vermisst. Sie zeigen sich unter folgenden Formen:
als hellblaue hexagonale Tafeln, manchmal als blaue Nadeln oder
unregelmässige Crystallgruppen, als sehr kleine, unregelmässige Cry-
ställchen, welche in grosser Anzahl die Gewebsfasem schuppenartig
bedecken, endlich, aber selten, als schöne dunkelblaue Octaeder. Neben
dem Pyocyanin war auch regelmässig eine geringe Menge Ton Pyo-
xanthose vorhanden, gewöhnlich iü der Form von kömig-crystalKni-
schen, hell bis dunkelgelben Massen, manchmal in deutlicheren
Crystallgruppen, wo Pyocyanin und Pyoxanthose durcheinander ge-
mischt sich zeigten.
Die blaue Farbe der blauen £iterung kann nicht aelten in's
Hellgrüne übergehen. Grüne Färbungen findet man an den Stellen,
wo ein gelblicher Eiterfleck an die blauen Partien grenzt. In diesen
grünen Strecken liess sich derselbe Befund wie der obige constatiren,
mit Beimischung von Eiterkörperchen. Der Grund dieser grünlichen
Färbung liegt auf der Hand.
Aber es giebt auch grasgrüne Stellen, welche ihr Entstehen nicht
der Beimischung von Eiter verdanken, z. B. auf sogen, hydropathischen
Ueberschlägen, oder wo nur seröse Flüssigkeit das Verbandmaterial
imbibirt. Es findet sich dann eine Verminderung des Pyocyanin und
starke Zunahme der Pyoxanthose-Crystalle.
Endlich kann es auch vorkommen, dass der blaue Farbstoff in
so geringer Menge vorhanden ist, dass die Verbandstücke höchstens
ganz geringe Spuren von bläulicher Färbung besitzen und einfach
gelblich erscheinen. Hier fehlen zwar keine der erwähnten Gebilde,
man sieht auch zahlreiche Vibrionen, doch weniger als in blauen
Flecken, spärliche und kleine Pyocyanincrystalle, dafür aber sehr viel
Pyoxanthose.
Um nun diese Crystalle leicht zu finden, können wir folgende
Methode angeben: man benetzt einen Fleck mit Wasser, drückt ihn
dann aus, und setzt den ausgedrückten Tropfen unter das Mikroskop.
Centralblatt jfftr Chirurgie. No. 50. 787
Sonst ist das Zerzupfen der Leinwandfasem in destillirtem Wasser
auf dem Objeetträger für die Untersuchungen zu empfehlen.
Eine bisher noch unbeachtete Erscheinung beim sogen, blauen
Eiter ist noch zu erwähnen. Es lässt sich in den allermeisten Fällen^
obgleich nicht immer^ ein specifischer, süsslich-aromatischer Geruch
wahrnehmen, der ganz charakteristisch ist. Prof. Lücke wurde da-
rauf vor 3 Jahren aufmerksam ; wir erkennen ihn so sicher, dass wir
die blaue Eiterung seither manchmal diagnosticirten, bevor der Ver-
band aufgemacht war, oder bei Fällen, wo nur die genaueste Unter-
suchung einige blaue Fäden erkennen liess; der übrige Verband war
dann gelblich.
Woran dieser Geruch gebunden ist und über unsere chemischen,
mikroskopischen und experimentellen Untersuchungen der blauen Ei-
terung werden wir nächstens an anderer Stelle ausführlicher berichten.
Socin und Barth. Jahresbericht über die chirurgische Ab-
theUung des Spitals zu Basel im Jahre 1874.
Es wurden 654 Kranke behandelt (469 Männer und 185 Frauen),
von denen jeder Patient im Durchschnitt 2S^6 Tage im Spital war.
Im Ganzen kamen 17 Todesfälle vor und zwar 11 bei Männern (2,6%)
und 6 bei Weibern (3,6%). Alter, Gewerbe und Heimat der Kran-
ken finden in einer statistischen Zusammenstellung Berücksichtigung,
ebenso wie über die Yertheilung der Erkrankungen auf die einzelnen
Körperabschnitte eine tabellarische Uebersicht gegeben wird. Von
allen interessanteren Fällen liegen Krankengeschichten vor.
I. Kopf und Ohr. 35 Fälle.
Von 25 Kopfverletzungen verliefen 1 1 ohne Himsymptone, 6 mit
Commotio cerebri, und 5 mit länger dauernden Gehirnerscheinungen
günstig (alle ohne nachweisbare Fractur). Zwei Fälle von Schädel-
fractur mit Hirnverletzung, Männer von 34 und 59 Jahren, endeten
tödlich (No. 1 und 2) ; ebenso ein Fall von Hirnödem nach Sturz
auf den Kopf ohne äussere Verletzung (Mann von 62 Jahren No. 3).
Ein Fall von Caries des Felsenbeins (Trepanation) bei einer 35jähri-
gen Frau (No. 4) endete durch Pyämie, Caries des Schädeldachs und
linken Oberkiefers bei einem 17jährigen Jüngling (No. 5) durch
Meningitis tuber culosa tödlich.
n. Gesicht, Nasen- und Mundhöhle. 48 Fälle.
Nach einer Schussverletzung ' des Gesichts heilte die Kugel in
der linken Orbita ein; anfangs bestehender Exophthalmus verlor sich.
15 Fälle von Tumoren (darunter 9 Carcinome) wurden durch Ope-
ration geheilt, darunter 1 Mal totale Oberkieferresection. Schnelle
Becidive traten 3 Mal nach Lippenkrebs ein, 1 Mal nach Fibrosarcom
des Oberkiefers.
in. Hals und Nacken. 24 Fälle.
4 Mal wurde Struma cystica durch Function und Jodinjection
gebessert. Struma parenchymatosa (2 Fälle) wurde durch Eis und
50»
788 CentralblaU für Chirurgie: No. 50.
Jodpräparate innerlich und ^äusserlich etwas gebessert^ 1 Mal wurden
vorher bestehende Erstickungsanfälle durch Tracheotomie und längeres
Tragen einer Kanüle dauernd beseitigt.
IV. Wirbelsäule. 5 Fälle.
In zwei Fällen von Contusion^ mit Commotion des Marks ver-
bunden (in einem Falle Schmerzen , im andern Parese der unteren
Extremitäten , der Blase und des Mastdarms] ^ trat Besserung ein.
Eine Fractur des 6. Halswirbels, durch Sturz auf den Kopf bei einem
21jährigen Mädchen entstanden (No. 6)^ endete nach 2 Tagen tödlich.
Von 2 Fällen von Wirbelcaries wurde der eine ungeheilt entlassen, der
andere (Luxation des l. Lendenwirbels — Paraplegie) endete bei einem
15jährigen Mädchen todlich (No. 7).
V. Brust und Rücken. 21 Fälle.
Es kam ein Fall von Pneumopericardium bei einem 20jährigen
Mann zur Beobachtung, nach Sturz aus einer Höhe von 120'; Heilung.
Die Diagnose durch tympanitischen Percussionsschall in der Herzg^end
und rhythmische plätschernde Geräusche an Stelle der Herztöne
sichergestellt.
VL Bauch. 13 Fälle.
Von 10 Hernien zeigten 4 Licarcerationserscheinungen ; alle 4
wurden operirt. Zwei Mal trat Heilung ein ; eine Frau von 46 Jahren
(Cruralhemie) starb 21 Tage, ein Mann von 70 Jahren (Leistenhernie)
8 Tage nach der Operation, beide mit anus prätematuralis (No. 8
und 9). Ein Fall von Atresia ani congenita mit fistula rectovaginalis
wurde bei einem 2 Monate alten Kinde durch Ptoctoplastik (Schnitt
durch die hintere Vaginalwand bis zur Fistel verlängert) und Vagi-
nalnaht bis auf einen nur für Vapores permeabeln Fistelrest geheilt.
VII — IX. Harn- und Geschlechtsorgane. 47 Fälle.
Ein Fall von Prostatahypertrophie endete bei einem 72jährigen
Mann durch Cystitis und Pyonephrose tödlich (No. 10). Von 7
Fällen von Tripperstricturen wurden 3 durch Bougiren, 2 durch in-
nere Urethrotomie mit folgendem Einführen von Zinnbougies gebes-
sert; 2 Patienten entzogen sich der Behandlung.
Hydrocele testis (6 Fälle) wurde 2 Mal durch ^ Function nebst
folgender Jodeinspritzung geheilt, 3 Mal wurde durch den Badical-
schnitt Heilung erreicht, nachdem Jodinjection entweder erfolglos
geblieben war oder Verjauchung zur Folge gehabt hatte.
Eine uniloculäre Ovarialcyste wurde bei bestehender Gravidität
operirt; Behandlung nach List er (natürlich ohne Drainage). Kein
Fieber; am 8. Tage Abortus. — Heilung.
Ein Fall von Fibroma mammae und 1 Carcinoma mammae wur-
den durch Exstirpation geheilt; ein 2. Fall erwies sich als nicht mehr
operirbar.
Eine kleine Vesico-Vaginal-Fistel heilte spontan, in der 7. Woche
nach der Entbindung.
Centralblatt för Chirurgie. No. 50. 789
X. Becken und Lumbargegend. 9 Fälle.
Ein perityphlitischer Abscess, mit Perforation des Colon ascen-
dens führte bei einer 58jährigen Frau (No. 11) zum Tode.
XL Obere Extremität. 157 Fälle.
7 Fälle von Luxation, darunter 2 der Clavicula. Eine 10 Wo-
chen alte complete Luxation des Unterarms nach Hinten machte die
Kesection der Humerusepiphyse nöthig. Li st er — Heilung. Active
Bewegungen in einer Ausdehnung von 30^ möglich.
20 Gelenkwunden und offene Fracturen (meist Fingerverletzun-
gen) wurden nach List er behandelt, kein Todesfall.
Von 4 Fällen fungöser Eilenbogengelenkentzündung wurden 3
mit Besection des Gelenks behandelt; 2 Mal folgte die Amputation
des Oberarms. Eine 42jäkrige Frau starb 2 Tage nach der Amputa-
tion plötzlich an Herzparalyse (No. 12); Sectionsbefund : Insufficienz
und Stenose der MitraJis, fettige Entartung des linken Ventrikels.
7 Fälle von Tumoren.
Ein kindskopfgrosses reddives Spindelzellensarcom und ein gros-
ses Enchondrom des rechten Oberarms machten die Exarticulation
nöthig^ im 2. Falle mit ausgedehnter Resection des Acromion. Li st er.
Heilung. Ein kindskopfgrosses Fibrosarcom des linken Humerus führte
bei einem 24jährigen Mädchen (No. 13) nach einer Frobepunction
durch Verjauchung — Septikämie — zum Tode.
XIL Untere Extremität. 198 Fälle.
2 Luxationen. Eine frische Luxatio fem. iliaca wurde durch ex-
treme Beugung, Adduction und Rotation nach Innen, und darauf
rasches Uebergehn in Rotation nach Aussen und Streckung reponirt.
Bei einer 4 Wochen alten Luxatio femoris ileo-ischiadica gelang die
Reposition nicht. 5 einfache Fracturen des Oberschenkels heilten
bei Gewichtsextension mit Verkürzung von 0, IV2* 2 bis 3 Ctm. ; eine
Doppelf ractur mit Verkürzung von 5 Ctm.
7 Gelenkwunden und offene Fracturen.
1 Mal wurde doppelte Oberschenkelamputation, 1 Mal primäre
Fussgelenksresection, 1 Mal die Amputation nach Pirogoff gemacht;
eine Durchstechungsfractur des Oberschenkels und eine Stichverletzung
des Kniegelenks wurden conservativ behandelt. In allen Fällen trat
unter Lister 'scher Behandlung Heilung ein; im letzten Fall ohne
Functionsstörung. Eine jauchige Phlegmone bei einem 42jährigen
Mann, der bereits pyämisch ins Haus kam (No. 14] führte zum Tode.
5 Coxitiden wurden mit Vo 1km an n 'scher Extension resp. Tay-
lor behandelt; ein IBjähriger Knabe (No. 15) starb im Hause an
Phthisis und Albuminurie.
Von 6 Fällen fungöser Kniegelenksentzündung machte einer die
Amputatio fem. nöthig; Li st er — Heilung.
Von 3 Fällen fungöser Fussgelenksentzündung wurde einer nach
vergeblicher Resection des Gelenks durch Amputatio cruris (Li st er)
geheilt.
790 Centralblatt für Chirurgie. No. 50.
Wegen Caries pedis (11 Fälle) wurde 1 Mal Resection des Cal-
caneus gemacht (mit Fisteln entlassen] 1 Mal nach Fi rog off ^ 1 Mal
nach Syme 1 Mal nach Chopart, und 2 Mal der Unterscl^enkel am-
putirt; Li st er. Kein Todesfall.
Xin. Verschiedene Körpertheile betreffende Erkran-
kungen. 18 Fälle.
Unter 5 Fällen multipler Verletzungen wurde eine complicirte
Fractur des Unterschenkels und eine complicirte Fractur des Ober-
schenkels unter Li st er conservativ geheilt.
Ein Fall multipler Lymphosarcome und ein Fall allgemeiner
Carcinose (No. 16 und 17) wurden im Hause bis zum Tode be-
obachtet.
Accidentelle Wundkrankheiten.
Ein Fall multipler Pyaemie war nicht im Hause entstanden.
Von 12 Erysipelen enstanden 10 im Hause, darunter 6 bei Ope-
rirten (ob unter Lister'schem Verbände, ist aus dem Bericht nicht
zu ersehn) . Die Dauer der Erysipele betrug zwischen 4 und 7 Tagen ;
«keins verlief tödtlich.
5 Fälle von Delirium tremens gingen unter Chloralbehandlung in
Genesung über. Ein Fall von Tetanus (compl. Fractur des Oberschen-
kels bei einem 9jährigen Knaben) ging bei Darreichung von durch-
schnittlich 0,02 Morph, und 2,6 Chloral täglich, im Laufe von 4 Wo-
chen in Heilung über; es hatte zeitweise starke Albuminarie be-
standen.
Es folgt eine Zusammenstellung sämmtlicher Operationen. Un-
ter 20 grossen Amputationen^ davon 5 des Oberschenkels, und 8 grossen
Resectionen ausser dem unter No. XU. erwähnten kein Tpdesfall.
k. Oenzmer (Halle).
V. Ewetzky. Entzündungs versuche am Knorpel.
(Untersuchungen des pathol. Instit. zu Zürich, herausgegeben von Eberth. 1875.
Leipzig. Willi. Engelmann. Hft. 3.)
Die Arbeit E.'s giebt die detaillirten Angaben^ welche in der
vorläufigen Mittheilung im Centralblatt für die med. Wiss. 1875,
27. März (cfr. Centralbl. f. Chir. 1875, No. 17) versprochen wurden.
E. stellte sich die Angabe, an dem gefasslosen Gewebe die
Frage zu beantworten: betheiligen sich die Gewebe activ bei der
Entzündung?, können ihre Elemente die Quelle des Eiters sein, und
wenn nicht, wie verhaften sie sich im Allgemeinen zum Entzün-
dungsvorgange? Die bisherigen Untersucher nahmen, mit Ausnahme
von Ecker und Popp eine active Betheiligung des Knorpels bei der
Entzündung in mehr oder weniger hohem Grade an. llieoretische
Bedenken jedoch forderten ebenso wie die zum Theil mangelhaften
früheren Untersuchungsmethoden zu erneuter Prüfung auf.
Die Untersuchungen E.'s wurden zum grössten Theile am Scleral-
knorpel des Frosches angestellt. Die Zellen desselben sind ge-
wöhnlich in zwei Schichten gelagert, und liegen nur höchst selten
Centralblatt für Chirurgie. No. 50. 791
zu zweien in einer Kapsel, selten besitzen sie zwei Kerne. Die
Untersuchungsmethode ist folgende : der dem ex8tirpirten Bulbus ent-
nommene Knorpel wird 10 bis ^0 Minuten lang in eine 0,5^ Gold-
chloridlösung gelegt, dann in mit Essigsäure versetztem Wasser der
Einwirkung des Lichtes ausgesetzt. Nach der ßeduction des Goldes,
welche in 1 bis 3 Tagen erfolgt, wird das Perichondrium und das
der Knorpelinnenseite aufliegende Endothel unter dem Präparirmi-
kroskope entfernt. Da die Veränderungen nur langsam- vor sich
gehen, hat £. in der ersten Woche nach dem Eingriffe den Knorpel
alle zwei Tage, in der späteren Zeit mit 4- bis 7tägigen Intervallen
bis 2 Monate nach der Verletzung untersucht.
Es sind 3 Reihen von Versuchen gemacht: 1) Durchstechung
des Scleralknorpels mit einer feinen Nadel. 2) JSbenfalls Durch-
. stechung des Bulbus mit einer Nadel, aber mit Liegenlassen derselben
durch verschiedene Zeit. Der Einstich muss dabei ausserhalb der
Lider, durch die Cutis geschehen, um den Lidschluss nicht zu be-
hindern. Die Untersuchung erfolgt nun entweder während der
Fremdkörper noch im Auge verweilt, oder längere Zeit nach Entfer-
nung desselben in der Heilungsperiode. 3] Aetzung des Scleral-
knorpels mittelst eines arg. nitr. Stiftes durch 2 bis 30 Secunden,
oder vermittelst eines Chlorzinkstiftes durch 2 Minuten.
Nach jeder dieser Reizungen degeneriren die Zellen an der
Applicationsstelle und in deren Umgebung. Die atrophischen Zellen
persistiren in der Regel ziemlich lange; die Zellenhöhlen verklei-
nem sich, ihre Contouren werden undeutlich. Die Grundsubstanz
wird weicher und brüchiger, auch ist an den Wundrändern eine
Einschmelzung zu constatiren. Nicht selten sieht man in der Inter-
cellularsubstanz theils radiär, theils parallel verlaufende Fasern ; ferner
kann in die Grundsubatsnz eine Kalkablagerung stattfinden. Der
Raum , auf welchem sich diese regressiven Vorgänge abspielen , ver-
grössert sich noch längere Zeit hindurch, auch nach dem Wegfallen
des Reizes; er wird von £. atrophische Zone genannt.
Von dieser Zone nach aussen, d. h. nach dem gesunden Knorpel
zu, tritt sodann die Vacuolenzone auf, und zwar am frühesten
nach chemischer Reizung. Der Leib der in ihr vorhandenen Zellen
wird durch zunehmende Vacuolenbildung in ein Netz feiner Fäden
verwandelt, endlich zuweilen ganz gesprengt. Die Zellen gehen
• hierbei entweder zu Grunde, oder erholen sich wieder. Etwa 4
Wochen nach der Continuitätstrennung mit Liegenlassen eines Fremd-
körpers sieht man besonders schön ein System ^von Linien, welches
die Zellen in der atrophischen und der Vacuolenzone zu verbinden
scheinen. Gegen die Vermuthung Bubnoff's, dass diese Linien
als Saftcanälchen zu deuten seien, führt £. an, dass auch mit den
stärksten Immersionslinsen kein deutliches Lumen zu sehen sei. Die
Zeit des Erscheinens, welche mit der Vacuolenbildung zusammentrifft
spricht dafür, dass die Linien durch Lockerung, Zerspaltung und
Zerfaserung der Grundsubstanz entstehen.
792 Centralblatt für Clhirurgie. No. 50.
Nachdem die Yacuolenzone verschwunden^ erscheint in dem Ge-
biete nach aussen von ihr eine 2 bis 6 Zellenreihen breite Prolife-
rationszone. Yergrösserung der ZeUen^ Eemtheilung^ Zellenthei-
lung folgen hier auf einander. Die Zellen haben gewöhnlich mehr
oder weniger zahlreiche Fortsätze; einige sind yollkommen sternför-
mig; andere mit einer geringen Anzahl von Kernen sind rundlich
und haben eine gewisse Aehnlichkeit mit den Riffzellen der Epider-
mis. Manchmal erinnern die jungen Elemente ihrer Form nach an
Eiterkörperchen ; Orts- und Formbewegungen Hat E. jedoch nicht an
ihnen bemerken können. Die Kapseln verschwinden mit dem Eintritt
der Proliferation zunächst, um sich später entweder um einen Hau-
fen, oder um je eine einzelne der neugebildeten Zellen wieder zu
bilden. Die Zellen der Proliferationszone dringen endlich in die
atrophische Zone ein; in gleicher Weise von der Wunde aus die
wuchernden Zellen des • Perichondrium. Als ein Netz von spindel-
und sternförmigen Zellen unterminiren sie die erweichte Grundsub-
stanz mit Benutzung der reducirten Zellenhöhlen. Von ihnen schnü-
ren sich kernhaltige Ballen, später in echte Knorpelzellen sich
verwandelnd, ab. Directer Uebergang von Zellen des Perichondrium
in Knorpelzellen wird ebenfalls beobachtet.
Da die atrophische Zone sich erst allmälig entwickelt, femer
nach der Aetzung mit arg. nitr. immer durch eine scharfe Linie vom
Aetzbezirke getrennt ist, nimmt E. an, dass der einmalige Insult
hinreiche, um einen verschieden grossen Gewebsbezirk so in seiner
Ernährung zu alteriren, dass die Elemente des Knorpels entweder
sofort absterben oder allmälig degeneriren und endlich zu Grund,
geben. Die Wucherung folgt nun ihrerseits nicht der Reizung oder
dem Insulte, sondern der Atrophie auf dem Fusse nach. Mit einiger
Wahrscheinlichkeit ist daher die Abnahme des Wachsthumsdruckes
durch den Schwund einiger Zellen als der Reiz anzusehen, welcher
die Proliferation hervorruft. Die Regeneration des Knorpels erfolgt
in der atrophischen Zone vom gesunden Knorpel und vom Perichon-
drium aus; in der Wunde geschieht sie durch Vermittlung des letz-
teren. Ranke (Halle).
C. Baber. On the structure of hyaline cartilage.
(The Journal of anatomy und physiology 1875. Octbr. Vol. X. p. 1.)
Verf. prüfte die vom Ref. (»Beiträge zur Histologie der Grelenke«,
Max Schultzens Arch. für mikroskopische Anatomie Bd. X.
p. 401] zuerst heschriebene künstliche Auffaserung der homogenen
hyalinen Knorpelgrundsubstanz durch Kai. hypermang. und 10^
Kochsalzlösung. Ausser den beiden genannten Flüssigkeiten wandte
Verf. auch Kalk- und Barytwasser an. B. bestätigt die vom Ref.
gemachten Angaben und schliesst sich deshalb ebenfalls der Ansicht
des Ref. an, dass der hyaline Knorpel aus Fasern aufgebaut
sei, welche durch interfibrillären Kitt zusammen-
Centralblatt für Chirurgie. No. 50. 793
gehalten sind. Die homogene Structur der hyalinen Knorpel-
grundsubstanz ist nur scheinbar und bedingt durch die interfibril-
läre Eättsubstanz. Am schnellsten erzielte Verf. die Auffaserung
durch Anwendunng von Barytwasser. Im Gegensatz zu den Anga-
ben des Bef. hat B. gefunden^ dass Kochsalzlösung dem Kai. hyper-
mang. vorzuziehen sei. Die Faserung der hyalinen Knorpelgrundsub-
stanz liess sich auch besonders deutlich durch Anwendung eines
momentanen Druckes auf das Objectgläschen demonstriren.
TUlnuums (Leipzig).
J. Schwarz. Praktische Mittheilungen über die Wirkung
der Salicylsäure.
(Wiener med. Presse 1875. No! 27, 28 u. 29.)
Sch. verwendete die Salicylsäure bei Angina, Diphtherie, Ulcera,
Combustio, Variola, in Form von Gurgel- und Verbandwässem so-
wohl als auch innerlich nach nachstehender Formel: Glycerin, Acid.
salicyl. aa 1,0 — 2,0, Spirit. vin. rectif. q. s. ut f. solutio; Aq. destill.
300,0—400,0.
In schwereren Fallen von Angina tonsillar. mit Abscessbildung,
zeigte sich von der Salicylsäure ein sehr guter Erfolg, nach 3 Tagen
schon wesentliche Besserung, Heilung in 1 Woche.
Auch bei Diphtheritis will Sch. vom Gurgeln, besser Pinseln mit
Salicylsäurelösungen ^sehr gute Erfolge gehabt haben. Die Behand-
lung nahm 3 — 8 (als Maximum} Tage in Anspruch.
Bei Variola als Waschwasser (Grm. 2,0 auf 400,0 Wasser) Y4 —
Y2Stündlich mit einem Leinwandlappen applicirt, soll die Salicylsäure
wiederholt die Pustelbildung verhütet haben. In andern Fällen er*
starrte das Exsudat in den Bläschen, welche bald eintrockneten; es
kam so zu keiner Eiterung.
Auch bei Fussgeschwüren (scrophulösen und varicösen), so wie
bei Brandwunden leistete die Salicylsäure als Verbandmittel sehr gute
Dienste. Die Geschwüre reinigten sich in 24 Stunden und die
Heilung erfolgte verhältnissmässig rasch. Fr. Stelner (Wien).
W. Reid* Esmarch's blutaustreibende Binde zur Behandlung
von Aneurysmen.
(The Lancet 1875. Vol. II. p. 448.)
Als R. bei einer Nekrosen -Operation den Schlauch über eine
Stunde ohne schädliche Folgen in Anwendung gebracht hatte, kam ihm
der Gedanke, denselben bei einem grossen, linksseitigen Popliteal-
Aneurysma zu benützen, bei welchem Ruhe, Diät, starke Flexion und
verschiedene Compressionsmethoden ohne Erfolg geblieben waren.
Nach geschehener Einwicklung mittelst elastischer Binde von den
Zehen bis zum Oberschenkel hinauf, in der Art, dass über dem
Aneurysma selbst die Binde nicht comprimirend angelegt wurde, er-
794 Centralblatt für Chirurgie. No. 50.
folgte die Anlegung des elftstischen Schlauches ; die Binde selbst wurde
jetzt entfernt. Der Unterschenkel erschien bleich, die Arterien puls-
los; nach 50 Minuten klagte Fat. über starke Schmerzen an der
Umschnürungsstelle^ deshalb wurde hoch am Oberschenkel ein Com-
pressorium in Anwendung gebracht^ und mit diesem intermittirende
Compression bis zum nächstfolgenden Abende ausgeführt ; der elastische
Schlauch war inzwischen entfernt , zu keiner Zeit erschien der Puls
in dem pulslos gewordenen aneurysmatischen Sacke wieder; derselbe
war sichtlich verkleinert; deutlich konnte Puls in der Femoralis bis
zur Umschnürungsstelle gefühlt werden^ aber nicht unter ihr; kleine
Arterien pulsirten erkennbar am Kniegelenke, besonders an der In-
nenseite. R. weist besonders darauf hin, dass der complete Abschluss
des Blutes von dem Unterschenkel^ mit Temperaturerniedrigung und
absoluter Stagnation im Sack zur sicheren Coagulation beigetragen
haben. j^ü« (Stettin).
Caspary, Ueber die Contagiosität der hereditären Syphilis.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 41.)
Verf. wendet sich auf Grund von Beobachtungen gegen Günz-
burg, welcher im Moskauer Findelhaus gefunden hatte^ dass in den
Jahren 1868—1870 von 31 Ammen, welche 120 hereditär syphilitische
Kinder gestillt hatten, keine hierdurch inficirt i?^orden sei, wonach er
hereditäre Lues für nicht ansteckend hält. Ein positives Resultat^ wie
C. solche beibringt, beweist mehr für eine Ansicht, als viele negative
dagegen. Bei der Gefährlichkeit, welche die G ü n z b u rg ' sehe These
birgt, ist C.'s Beweisführung für die Contagiosität der hereditären
Syphilis an der Hand von selbst wenigen Fällen höchst wichtig.
T. Hosengeil (Bonn).
A. Lucae. Zur Function der Tuba Eustachii und des Gau-
mensegels.
(Virch. Archiv Bd. LXIV. p. 476.)
Die Tuba Eustachii ist nicht als eine für gewöhnlich vollständig
geöffiiete Röhre anzusehen. Es sprechen hiergegen sowohl akustische
Bedenken als auch pathologische Beobachtungen an Kranken mit
abnorm offener Tuba, bei welcher aber noch keine Schwerhörigkeit
beobachtet worden ist. Eben so wenig haltbar ist aber die Annahme
eines luftdichten Abschlusses der Tuba; dieselbe ist vielmehr lose
geschlossen und öffnet sich mit individueller Verschiedenheit bald
leichter bald schwerer bei Luftdrucksschwankungen im Nasenrachen-
raum und in der Trommelhöhle.
Es ist richtig, dass durch die Tubenmuskeln während des Schling-
aktes eine »physiologische Ventilationtt des Ohrs stattfindet (Troeltsch).
Diese Ventilation kommt aber nicht dadurch zu Stande , dass die für
gewöhnlich geschlossene Tuba wahrend des Schlingaktes sich öffioiet.
Centralblatt für Chirurgie. No. 50. 795
sondern vielmehr dadurch^ dass die für gewöhnlich offen stehende
Mündung der im weiteren Verlaufe ganz lose geschlossenen knorpelig-
membrauösen Tuba durch den Schlingakt kräftig zusammengedrückt
und nach demselben wieder geöf&iet wird. Einen ähnlichen ventili-
renden Einfluss üben auch eine Beihe anderer Bew^ungen, wie for-
cirte Kespiration^ Phonation und Aspiration auf das Ohr aus.
Madelnng (Bonn).
Petersen. Ueber dorsale Luxation der ersten Daumenphalanx.
(Vortrag, gehalten im physiolog. Verein zu Kiel am 13. Mai 1875.}
(Mittheilungen für den Verein Schleswig-Hoht. Aerzte 1875. Juli. Hft. 5.)
Nach einem kurzen BUck auf die Litteratur der in Rede stehen-
den Luxation recapitulirt P. die topographische Anatomie des Me-
takarpophalangealgelenkes des Daumens und die yerschiedenen Theo-
rieen^ welche zur Erklärung der bekannten Repositionsschwierigkeit
aufgestellt sind. Er hält eine Interposition der Kapsel für die wahr-
scheinlichste Ursache. Dieselbe kann auf verschiedene Weise zu Stande
kommen. Der Kapselriss befindet sich an der Volarseite meist dicht am
Metakarpalknochen. Durch die forcirte Dorsalflexion wird daher die
Kapsel mit dem lig. intersesamoidale und den Sesambeinen aber die
Gelenkfläche des Köpfchens herübergezogen. Findet jetzt eine Con-
traction der mit den Sesambeinen noch zusammenhängenden Muskeln
statt, zwischen die das Köpfchen hindurchgetreten ist, so dass an der
Ulnarseite der adductor und flexor brevis ulnaris, an der Radialseite
der flex. brev. rad. und der abductor liegen, so wird die Kapsel
zwischen Volarrand der Phalanxbasis und den Dorsalrand des Köpf-
chens des Metakarpalknochens hineingezogen, ist also interponirt,
und diese Interposition wird durch die Elasticität der gespannten
Muskeln selbst in der Chloroformnarkose aufrecht erhalten. Sind aber
die Muskeln von ihren Insertionsstellen abgerissen, so kann die In-
terposition auch auf andere Weise zu Stande kommen. Verf. erinnert
an die bekannte Erscheinung, wie bei Entfernung von Fingergelenk-
flächen von einander die Haut durch den Luftdruck in die ent-
stehende Lücke hineingedrängt wird. »Eine solche Entfernung
der Gelenkflächen von einander findet gewiss auch oft während der
Entstehung der Luxation statt. Ist die Kapsel nun schon zerrissen,
dann wird bei dieser Abhebung das Kapselfragment in die entstehende
Lücke hineingedrängt, also aspirirt. Auch ohne Aspiration ist das
Zustandekommen der Interposition denkbar. Wenn der Rissrand auf
dem Dorsum des Metakarpalknochens bei der Hyperextension angekom-
men ist und es erfolgt jetzt als secundäre Bewegung eine Flexion, dann
kann dabei das Kapselfragment zwischen Basis der Phalanx und
Mittelhandknochen eingeklemmt werdena.
An einem Präparat, bei welchem die Kapsel und die mit ihren
Muskeln noch in Verbindung stehenden Sesambeine interponirt sind,
demonstrirt P. alsdann, wie durch Vermehrung der bestehenden
Dorsalflexion der vordere Rand der Phalanxbasis vom Metakarpal-
796 Centralblatt für Chirurgie. No. 50.
knochen abgehebelt und dadurch der Rissrand der Kapsel frei wird.
Schiebt man nun die Phalanx durch Druck von hinten und oben vor,
bis der Rissrand des Kapselfragments die höchste Kuppe des Meta-
cervusköpfchens erreicht hat (wobei also die Phalanx die interponirt
gewesene Kapsel vor sich herschiebt), so genügt eine schliessliche
Flexion zur Reposition. Letztere gelingt am leichtesten, wenn man
die Phalanx nicht gerade , sondern mehr ulnarwärts vorschiebt , weil
der ulnare Theil des capit. oss. metac. (von P. als ulnarer Condylus
bezeichnet) flacher ist, als der radiale und daher das Hinübergleiten
der Kapsel leichter gestattet. Gelingt die Reposition trotzdem nicht,
so schlägt P. vor, das Gelenk zu eröffnen und die interponirte Kapsel
mit einem Haken hervorzuheben, resp. das Köpfchen des Metakarpal-
knochens zu reseciren. — Wenn man den Daumen wohl in die rich-
tige Stellung bringen kann, derselbe aber wegen der interponirten
Kapsel stets wieder in die Luxationsstelle zurückfedert, so empfiehlt
er mit Hüter das Eingipsen des Daumens in der normalen Stellung;
nach 14 Tagen sei die Neigung zum Zurückfedern verschwunden
(Druckatrophie der eingeklemmten Kapsel). Andere Male haben Tor-
sionen des Daumens, wodurch der Riss der Bänder und der Kapsel
vergrössert wurde, zum Ziel gefuhrt. Schede (Berlin).
H, Wilde, lieber Schreibekrampf und analoge Zustände.
(Inaug.-Dlss. Breslau 1875.)
Einer geschickten Zusammenstellung des Bekannnten lässt Verf.
4 Krankengeschichten aus der Klinik von O. Berg er folgen:
1) Cigarrenarbeiter-Krampf. Eine im 8. Monate schwangere
28jährige Frau, welche seit 3 Jahren täglich 12 Stunden lang mit Un-
terbrechung einer einzigen Stunde Cigarren gewickelt hatte , litt seit 6
Wochen während der Arbeit an einem Gefühl von »Erstarrung und
Ertödtung« der Fingerspitzen beiderseits, so dass sie den Cigarren
keine recht ordentliche Fa9on geben konnte. Gleichzeitig empfand
sie reissende Schmerzen in sämmtlichen Fingern, Formicationen und
Kältegefühl in den Spitzen. Wenn sie trotzdem die Arbeit fortsetzte,
stellte sich ein etwa 1 Minute lang anhaltender nicht zu hemmender
Ringkrampf in sämmtlichen Fingern beider Hände ein,
so dass die Fingerspitzen nur einen Zoll von der Vola manus entfernt
blieben. 2) Schreiblähmung mit Tremor. 3) Melkerkrampf
bei einer 59jährigen Viehmagd, die seit 25 Jahren 3 Mal täglich
^4 Stunden lang Kühe gemolken. Bald nach dem Beginn des Mel-
kens stellt sich in den Fingern das Gefühl des Eingeschlafenseins, Ab-
Sterbens und Formication ein ; die Finger werden auffallend kalt und
weiss und spreizen sich unwillkürlich krampfhaft auseinander, wäh-
rend der Daumen in gestreckter Stellung krampfhaft in die Hohlhand
eingezogen wird. 4) Uhrmacher kramp f. Ein schwächlicher,
scrophulöser Uhrmacher von 22 Jahren litt seit 6 Wochen nur wäh-
Centralblatt fflr Chirurgie. No. 50. 797
rend der Berufsarbeit an einem tonischen Krampf^ welcher die Hand
in die bei der Tetanie gewöhnliche Pfotchenstellung brachte ; Druck
auf Gefässe und Nerven der oberen Extremitäten rief aber keine Spur
des Krampfes hervor. Nach 4wöchentlichem Gebrauch von Eisen
und constantem Strom M'ar Pat. geheilt und war dies noch 2 Jahre
später. SeeligmUller (Halle).
Kleinere Mittheilungen.
L. Sohnepp, Ein Beitrag zur Lehre von den Echinococcen.
(Inaug.-Diss. Breslau 1S75.)
Ein 25j&hrige8, bisher immer gesundes M&dchen bemerkte seit einiger Zeit
eine Geschwulst an ihrer rechten Brustdrüse. Bei der ärztlichen Untersuchung
fand sich eine pralle, feste Geschwulst zwischen Axillar- und Parasternallinie,
deren l&ngster Durchmesser schräg vom unteren Rande der 7. bis zum oberen
der 4. Rippe verlief; die Brustdrüse , nach oben verschoben , liess sich doch nicht
deutlich vom Tumor abgrenzen;, die Haut darüber verschieblich und nur an einer
Stelle durch Cataplasmen geröthet. Sonst an den Brust- und Unterleibsorganen
nichts Abnormes zu finden. Da nach sorgfältiger Erwägung nichts übrig blieb,
als eine Cyste zu vermuthen, so wurde Pat. chloroformirt und ein Einschnitt ge-
macht.
Es liess sich nun eine dickwandige Cyste biossiegen, die in der Parasternal-
linie an einer Stelle aus dem Thorax hervorgewuchert war, welche vom 4. bis 6. In-
tercostalraum reichte und 3 OCtm. in der Ausdehnung hatte. Nach Incision des
Sackes entleeren sich viel klare !^iüssigkeit und Echinococcenblasen , und man
kam an der besagten Stelle mit dem Finger in das Innere des Thorax, ohne je-
doch die ganze Ausdehnung der Cyste hier bestimmen zu können. Der ausserhalb
li^ende Theii wurde abgetragen, die Hautwunde bis an die Thoraxöffnung
genäht Anfangs Fieber, dann schnelle Heilung bis auf eine Fistel, welche sich
erst nach längerer Zeit schloss. Der Defect in den Rippen ist durch festes Ge-
webe ausgefüllt.
Es lässt sich nun schwer entscheiden, ob der Echinococcuas von dem obem
Leberrand entstanden und dann erst in den Pleuraraum gewachsen ist, oder ob
er sich in dem letzteren zuerst gebildet und darauf erst Brustwand und Pectoralis
durchbrechend nach aussen gelangte. Jedenfalls scheint ein ganz analoger Fall
bisher noch nicht beschrieben worden zu sein. A« Bldder (Mannheim).
J. Hamilton. Cases in Surgery.
(The Dublin Journal of med. science 1875. April, p. 273.)
I. Femoral aneurism. Ligature of the external iliac artery.
In das Richmond-Hospital in Dublin wurde im October v. J. ein 28 Jahre
alter Polizeimann wegen eines , direct unterhalb des lig. Poupartii liegenden , etwa
orangegrossen Aneurysma's, das starke Pulsationen und ein diastolisches Geräusch
zeigte, aufgenommen. Bein ödematös; Verlauf der vena femoralis bei Druck
schmerzhaft. Herzaction und Herztöne normal.
Die Unterbindung wurde mit dicker Seide ausgeführt und soll bei dem fetten
Manne , besonders noch wegen einer auf dem unteren Ende des Gefässes auflie-
genden weichen Drüse, schwierig gewesen sein. Fieber darauf anfangs hoch; dann
gering; am 14. Tage nochmals Steigerung der Temperatur, welche erst wieder zur
Norm zurückkehrte, nachdem die vorhin erwähnte, vereiterte Drüse entfernt war.
Am 15. Tage Lösung der Ligatur. Anfang Januar Patient geheilt entlassen.
U. Surgical treatment of enlarged bursa.
H. empfiehlt bei länger andauernder, bedeutender Flüssigkeitsansammlung in
einem Schleimbeutel der Kniegegend, nicht ihre Yertheilung zu erstreben, sondern
798 Centralblalt für Chirurgie. No. 50.
denselben in grosser Ausdehnung zu spalten und mit Lint auszustopfen, am in Folge
der darauf entstehenden Entzündung und Eiterung Heilung zu erzielen. Zum Be-
weis für die Vorzüge dieser Methode, welche H. in einer betrftchtlichen Anzahl von
Fällen immer mit glücklichem Erfolge angewendet hat, folgt die Krankengeschichte
eines Mannes, der in 3 Wochen Yon einem solchen orangegrossen, an dem Capitulum
fibulae sitzenden Tumor geheilt war. In einem zweiten, daran sich anschliessenden
Falle wurde der ganze pathologisch veränderte Schleimbeutel, der die Grösse einer
Melone besass, exstirpirt, um die Heilungsdauer abzukürzen ; nichts desto weniger
nahm dieselbe doch & — 9 Wochen in Anspruch.
IIL RemoTal of scirrhous testide.
Die beiden mitgetheilten Krankengeschichten «ollen beweisen, dass im Anschluss
an Schomsteinfegerkrebs des Scrotum sich ein »scirrhous testide« entwickeln kann.
Im 1. Falle wurde einem Schornsteinfeger ein Krebs des Hodensackes ent-
fernt, wobei der Hoden blossgelegt wurde. Nachdem Patient 2 Monate geheilt
entlassen war, kam er mit einem neuen Geschwür, das bis auf den Hoden ging,
wieder ; nach der Castration zeigte sich der Hoden in seinem unteren Tbeile erkrankt.
Bei dem 2. Kranken fand man den Krebs des Hodensackes in fester Verbin-
dung mit dem Hoden, der auch nach seiner Entfernung alle Charaktere eines
Epithelialkrebses darbot. Beide Hodengeschwülste sind jedenfalls secundär YOm
Hodensack aus entstanden. H* Braun (Heidelberg).
Southey. Clinical society. Idiopathic tetanus.
(Med. tim. and gaz. 1875. October 16. p. 456.)
Der 21jährige Patient hatte 14 Tage vor der Aufnahme in das St. Bar-
tholomew's Hospital mehrere Stunden hindurch nasse Kleider getragen;
zwei Tage später brach der Tetanus aus. Geringe Chloraldosen hatten anscheinend
bisher keinen Einfluss gehabt. Der spontan stündlich sich einstellende Opistho«
tonus wurde schon durch die leisesten Reize hervorgerufen. Die Behandlung be-
stand in Abführmitteln und langen warmen Bädern. Die letzten AnföUe wurden
am 18. Tage der Erkrankung beobachtet. Trotz der sorgfältigsten Untersuchnng
wurde eine Wunde nicht aufgefunden. Bänke (Halle).
De Lupine. Piq^e d'abeille; mort quelques minutes apr^s.
(Journal de m6d. et de Chirurgie prat. 1875. Oct. p. 448.)
Ein Bienenstich auf der linken Backe eines jungen gesunden Mädchens führte
rasch zu Athemnoth, Gefühl des nahenden Todes und Todesstarre 10 Minuten
nach der Verletzung. Sichtbar war eine blaue Verfärbung Yon Linsengrösse an
der Stelle des Stiches ohne jede Schwellung, der Stachel war gleich entfernt worden.
Merkwürdig ist, dass dasselbe Mädchen vor IV2 Jshren schon einmal von einer
Biene gestochen wurde, 2 — ^3 Stunden für todt dalag und nur sehr langsam genas.
Die Section unterblieb. Pagensteoher (Elberfeid).
Ferrier. lujections sous-coutan^es d'ergotine contre des metrorrhagies
dans un cas de tumours fibreuses.
(Journal de m6d. et de Chirurgie prat. Oct. 1875. p. 446.)
49jährige Jungfrau litt seit 1 Monate an andauernden Blutungen durch ein Ute-
rusmyom, die einen ganz anämischen Zustand mit ausgebreiteten Oedemen herbei-
geführt hatten.
Tägliche Injectionen in die Bauchhaut von 20 Tropfen einer Lösung von 2
Ergotin auf 15 gleiche Theile Glycerin und Wasser stillten die Blutung vollständig
in 9 Tagen. Die Injectionen wurden noch durch IV2 Monate alle paar Tage
fortgesetzt, und die Blutung kam nicht wieder ; die Patientin erholte sich vollständig.
Pagensteeher (Elberfeid,.
Iie Gros Clarke. Grosse Adenocele mit Milchcyste.
(Lond. med. chirurg. Trans. Bd. LVII. p. 95).
Die 24jährige Frau hatte seit 8 Jahren eine kleine schmerzlose Geschwulst an
ihrer linken Brust bemerkt, die allmälig wuchs, jetzt hauptsächlich den äusseren
Centralblatt für Chirurgie. No. SiO. 799
und unteren Theii derselben einnahm» von hügliger Gestalt war und einen Umfang
Ton 26^2 ' darbot. Obwohl die Frau ein TmonatLiches Kind n&hrte, so war Milch nur
hie und da spontan aus der Brust getreten ; auf Druck liessen sich einige Tropfen
entleeren; seit 2 Monaten traten heftige zur Brustwarze schiessende Schmerzen
auf. Durch die recht blutige Exstirpation wurde eine 11 Pfd. schwere Masse ent-
fernt. Während die Brustwarze mit weggenommen wurde, Hess man die anscheinend
gesunde in der Tiefe gelegene Brustdrüse grösstentheils zurück. Die Geschwulst
enthielt eine 2 Finten Milch enthaltende Höhle, deren Wandung IV4— 2" an ver-
schiedenen Stellen stark war. An einer Stelle drängte eine bucklige Masse vor,
welche eingeschnitten eine zweite kleinere mit käseartiger Masse gefüllte Cyste
klarlegte ; das mitentfernte Stück Brustdrüse ging ohne nachweisbaren Unterschied
in die Geschwulstmasse über. Die mikroskopische Untersuchung ergab in der
Cystenwand ausser reichlichem Bindegewebe, Blutgefässen, Milchgängen, acinöse
Drüsenlager; die chemische Analyse ermittelte die normale Zusammensetzung der
Milch im Cysteninhalte mit etwas höherem Albumingehalte. Ein Jahr später wurde
die Frau wieder entbunden ; es war die ersten 3—4 Tage die Brust sehr schmerz-
haft und gespannt) doch liess diese Erscheinung in den nächsten Tagen nach.
Verf. bedauert aus Mangel einer präcisen Diagnose die Brustwarze mit entfernt zu
haben. Zwei Holzschnitte erläutern den Befund. Pils (Stettin).
D. Duckworih. On the relief of toothache by bicarbonate of soda.
(The Practitioner 1875. April.)
In einem Falle heftigster Zahnschmerzen (Caries) blieb die locale Application von
Chloroform und Carbolsäure erfolglos, während nach Anwendung von doppelt kohlen-
laurem Natron die Schmerzen augenblicklich und für inmier aufhörten ( Vs Drachme :
1 Unze Wasser). In solchen Fällen, wo alkalinische Mundwässer die Schmerzen bei cari-
Ösen Zähnen erfolgreich bekämpfen, ist nach Verf. wahrscheinlich eine im Speichel oder
überhaupt in der Mundflüssigkeit befindliche Säure die Ursache der Neuralgie.
TlUmanns (Leipzig).
B. W. Biohardson. Lessons from surgical practice. — Hare-lip. —
(The Dublin Journal of med. science 1875. Mai. p. 377.)
B. berichtet über zwei Fälle von Hasenscharte, die er nach v. Langenbeck's
Methode geheilt hat. In dem 1 . war neben Wolfsrachen eine einseitige totale Spalte
vorhanden, ebenso auch im 2. Falle, wo jedoch ausserdem sich auf der anderen Seite
nuten ein kleiner Einkniff, oben eine weisse Narbe, als Best einer intrauterin zu
Stande gekommenen Heilung der Hasenscharte zeigte.
Als Einleitung dazu beschreibt er die Methoden von v. Langenbeck und
Malgaigne, ebenso zwei nicht so allgemein bekannte Modificationen dieser
Operation; Abbildungen erläutern gut die Auseinandersetzungen. Die eine von
S6dillot mitgetheilte Modification frischt den einen Lippensaum an, während sie
auf der anderen Seite den wie bei der v. Langenbeck' sehen Methode abgeschnit-
tenen Lappen in der Mitte theilt, die obere Hälfte zur Bildung des Nasenseptums,
die untere zur Vereinigung mit dem gegenüber gelegenen Wundrand benützt.
Nach der anderen von Collis angegebenen Methode, die besonders bei ungleicher
Höhe der die Hasenscharte bildenden Bänder ausgeführt wird, theilt man auf der
kürzeren Seite den Lappen ebenso, benützt aber die in die Höhe gezogene obere
Hälfte nicht zur Bildung der Septum's sondern zur Vereinigung mit dem gegen-
über gelegenen Wundrand, also zur Erhöhung der Lippe. Zeichnungen dazu sind
im Original zu finden. — H* Braun (Heidelberg).
Jones. Schussverletzung des Magens und der Niere.
(Bost. med. and. surg. Journal 1875. Vol. H. p. 175.}
Unter vorstehender, wohl anfechtbarer Diagnose berichtet J. kurz über folgenden
Fall. Bei Entladung eines Pistols drang eine Kugel in der Gegend der Cardia
des Magens ein und soll nun durch die Gegend der linken Niere gegangen und
unter der Bückenmuskulatur liegen geblieben sein; Entfernung am 2. Tage; pro-
fuses Blutharnen, Erbrechen hörte schon am 2. Tage auf; auch die Haematurie
liess bald nach; am 12. Tage konnte Fat. ausreiten. Pilz (Stettin).
SOO Centralblatt far Chirurgie. No. 50.
Heath« Eingeklemmter Nabelbruch , partielle Reduction, Darmrup-
tur, Tod.
(British med. Journal 1875. Vol. II. p. 298.)
Eine 62jährige Frau hatte vor 3 Jahren eine kleine, allmälig zunehmende
Schwellung der Nabelgegend bemerkt, eine eingetretene Einklemmung war leicht
behoben. Jetzt zeigte der seit 2 Tagen acut eingeklemmte Bruch eine derartige
Grösse, dass 2 Hände die ^lappige Geschwulst kaum umgreifen konnten. Nach
Aetherisation und Anwenduung des Aspirators (braune Flüssigkeit wurde entfernt)
Hess sich der Bruch nicht reponiren ; jetzt wurde eine elastische Binde um denselben
und Eis auf ihn gelegt; als am folgenden Tage die Geschwulst ungeändert blieb,
wurde die Binde Ton Neuem umgelegt; alsbald erfolgte Collaps und Tod.
Section: In der kleineren Abtheilung des Bruchs befand sich nur Netz, die
grösste enthielt fast das ganze Ileum, einen Theil Jejunum und 1 Zoll Colon transv.
Das letztere stark mit Faeces erfüllt, zeigte eine Bupturstelle. In der 3. Abtheilung
befand sich etwas Dünndarm; die Därme waren dunkelroth gefärbt, miteinander
und mit dem Bruchsacke Terwachaen; es bestand allgemeine Peritonitis.
Pilz (SteUin).
Carmiohael. Extensive abdominal wound.
(Chicago med. Journal and Exam. 1875. p. 733.)
Ein 72jähriger Mann war von einem Ochsen in die rechte Seite gestossen
worden; die Wunde verlief quer 7 Zoll lang. Wiederholter Vorfall von Darm
und Netz. Eine Stunde später Naht. Heilung ohne Peritonitis mit nur ober-
flächlicher Eiterung in 12 Tagen unter Wasserumschlägen. Bänke (Halle).
Thomson. Stricture of the Urethra; internal ürethrotomy.
(The Dublin Journal of med. science 1875. August, p. 171.)
T. demonstrirte der Dublin er pathol. Oesellsch. das Präparat eines Patienten,
der früher an Phthisis behandelt war und vor 10 Tagen plötzlich Schmerzen im
Leib und Harnverhaltung bekommen hatte. Katheter einzuführen war damals
unmöglich. Ein kleiner Tumor am Damm war fühlbar, Scrotum mit Harn infil-
trirt. Innerer Urethralschnitt. 8 Tage nach der Aufnahme unter Brusterschei-
nungen Tod.
Section ergab einen wallnussgrossen chronischen Abscess, der auf pars mem-
branacea und bulbosa drückte und in erstere mit feiner Oeffhung durchgebrochen
war. H. Braun (Heidelberg).
J. Bell. Lepra anaesthetica des linken Arms. Exarticulation.
Heilung.
(The Lancet 1875. Vol. II. p. 420).
Die 34jährige Frau, welche nie ausserhalb Edinburg gelebt hatte, keine Spur
von Syphilis zeigte, mit einem gesunden Manne verheirathet war, bemerkte vor
4 Jahren knotige Geschwülste unter der Schulter, die später auch am Arme auf-
traten, dann ulcerirten und schliesslich vernarbten; nach 2 Jahren erfolgte eine
neue Eruption, welche sich auch über Vorderarm und Hand ausbreitete. Jetzt
ist der Arm im Ellenbogen rechtwinklig anchylosirt, atrophisch, die Haut dessel-
ben in ein Narbengewebe umgewandelt, welches bei geringem Beize wieder aufbricht.
Die Hand erscheint hypertrophisch, die Finger knollenartig verunstaltet, d'er 3. und
4. am Nagelgliede exulcerirt, sondert fötide Flüssigkeit ab. Nach der Exarti-
culation im Schultergelenk, die gut verlief, erholte sich Pat. ersichtlich.
Pils (Stettin).
Originalmittheilungen, Monogr&phieen und Separatabdrücke woHe
man an Dr, H. TOXman/nB^ Leipzig, Marienstrasse No. 3, oder an die Yerlagshandlong,
Breithopf und Härtel, einsenden.
Druck vnd Vorlag Ton Br«itkopf und Hlri«l ia Lelpiig.
Gentralblatt
fllr
CHIRURGIE
herausgegeben
Ton
Dr. l. Leser, Dr. I. Scliete, Dr. H. TUlim
in Berlin. in Berlin. in Leipzig.
Zweiter Jahrgang.
, _. , - , - - -— ■ - — -^ — — ,. _ - _ _^
Wöchendicli eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjähriger Prä-
numeration. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
KE:' 51. Sonnabend, den 18. December. 1875»
Inhalt: Tillmanns, Untersuchungen über die Lymphgefasse der Gelenke. (Orig.-Mltth.)
Haaby Knochenwaehsthum. — Chirurgischer Bericht des St. O eorge's Hospital für 1873.
— Hansen, Fälle aus der Praxis. — Schaff, Zahnfleisch- und Wangenflsteln. — v. Langen«
lieck, Totalexstirpation des Kehlkopfs. — Michel, Verhalten der Bachenmündung der Tuba.
— Sayre , Verkrümmungen der Wirbelsäule. — Rlvlngton , Trennung des Handgriffs vom
Körper des Brustbeins. — Mackey, Empyem bei Kindern. — Cohnheim, Gongenltales quer-
gestreiftes MuskeUatcom der Nieren. — Silbermann, Dilatation der weiblichen Harnröhre. —
Carbolintoxication geheilt durch Injectlon von Ammoniak. — LQhe, Aetiologie der Rose. —
Oavy, Chirurgische Instrumente und Bandagen. — de la Vega, Esmarch'sche Methode In
Mexiko. — Or^, Anaesthesie durch intrayenöse CUoralli^fdctiOD. — EvanSy Amylnitrit bei
Facialis-Neuralgie. — Robden, Interessanter Fall von Croup des Larynx und der Trachea. —
Wulckow, Casuistik der Nabelneubildungen. — Kruk, Nabel-Hernie. — MearS, Abdominal-
geschwulst. — LadmirSl, Ausgedehnte Harnblase für Ovarlaleyste gehalten. — De Vos,
Behandlung der Urethritis. — BennsH, Traamatische Strictur der Urethra. — Boekel,
Fremdkörper im Rectum. — PIck, Fall yon Verletzung des Kniegelenks.
hfciAi
Untersuchungen über die Lymphgefasse der (Gelenke.
Von
Dr. H. Tillmanns>
PriTatdocent für Chirurgie in Leipzig.
Unter der Leitung von Herrn Prof. Ludwig habe ich im phy-
siologischen Institute zu Leipzig experimentelle und histologische
Untersuchungen über die Lymphgefasse der Gelenke angestellt^ deren
Resultate ich hier kurz mittheilen möchte. In einer früheren^ ebenfalls
im hiesigen physiologischen Institute vollendeten Arbeit (»Beiträge
zur Histologie der Gelenke«^ Max Schultze's Archiv für mikrosk.
Anatomie Bd. X. p. 424) hatte ich mir eine spezielle Mittheilung über
die vorliegende^ damals noch nicht abgeschlossene Frage vorbehalten.
Die Lymphgefasse der Gelenke sind meines Wissens noch nicht
genauer beschrieben worden. Besonders sind es Ludwig,
Schweigger-Seidel und Böhm, welche sich vergebens bemüht
haben, den Verlauf der Lymphwege an der Innenfläche der Synovial-
membranen festzustellen.
51
802 Centralblatt fOr Chirurgie. No. 51.
Weil ich bereits früher an menschlichen und thierischen Gelenken
(Hund^ Kaninchen) ohne Erfolg versucht hatte ^ durch directen
Einstich in das Gewebe mittelst feinster Kanülen die Lymphwege
zu injiciren^ so schlug mir Herr Prof. Ludwig vor^ nochmals seine
von ihm und Schweigger-Seidel bereits früher, aber erfolglos
angewandte Methode zu erproben, nämlich die Gelenkhöhlen mit
gefärbten Flüssigkeiten anzufüllen und darauf durch Beugen und
Strecken der Extremität die Farbmassen in die Lymphbahnen zu
treiben. Nach dieser Richtung hin habe ich nun Experimente an
Gelenken von Hunden angestellt. Es wurde z. B. der Oberschenkel
des frisch getödteten Thieres etwa in der Mitte amputirt, dann durch die
Markhöhle mittelst eines spitzen Meisseis der Zugang zum Kniegelenk
gebahnt; die Gelenkkapsel blieb auf diese Weise vollständig unverletzt.
Bevor die flüssigen Farbmassen (gelöstes Berlinerblau, Alcanin)
in das Gelenk gebracht wurden, habe ich die Synovia durch eine dem-
nächst an anderer Stelle näher zu beschreibende Methode mittelst
Y2^ Kochsalzlösung auszuwaschen versucht. Es geschah dieses des-
halb, weil es in den von Ludwig angestellten Versuchen den An-
schein gehabt hatte, als ob die Synovia ein Hindemiss für das Ge-
lingen des Experimentes abgebe. Die Kochsalzlösung wurde sodann
durch destillirtes Wasser eliminirt, um eine Fällung des Berlinerblau
in der Gelenkhöhle zu verhindern. Nachdem alsdann das Gelenk mit
dem flüssigen Farbstoff gefüllt und die Markhöhle des Knochens resp.
das Gelenk fest und sicher abgeschlossen war, versuchte ich 1 — 2
Stunden lang durch Strecken und Beugen der Extremität die gefärb-
ten Flüssigkeiten in die Lymphwege des Gelenks einzupumpen. Auf
diese Weise ist es mir aber ebenso wenig wie Ludwig gelungen,
die Lymphgefasse darzustellen; stets erhielt ich nur diffuse, ver-
schieden tiefgehende Yertheilung des Berlinerblau, des Alcanin im
Gewebe der Synovialis. Nur im intermuskulären Bindegewebe dea
Oberschenkels beobachtete ich Lymphgefässstämmchen, welche mit den
genannten Farbstoffen gefüllt waren. In den Versuchen mit Alcanin
liess ich die Gelenke gefrieren und machte dann Durchschnitte in
verschiedensten Richtungen. Statt Berlinerblau und Alcanin habe
ich auch Orleans angewandt, ebenfalls ohne Erfolg.
Sodann habe ich lebenden Hunden Berlinerblau oder indigo-
schwefelsaures Natron, z. B. in die Knie- und Ellenbogengelenke
injicirt und dann l\impbewegungen angestellt, ebenfalls ohne Er-
folg. — Weil es mir nun durch Versuche auf die angegebene Weise
unmöglich schien, zum Ziele zu gelangen, so wählte ich wieder die
Methode des directen Einstichs in das Gewebe mittelst feinster Ka-
nülen, welche u. A. Ludwig bei der Injection der Lymphwege an
den Fascien und Sehnen angewandt hat. Als Material dienten jetzt
Gelenke (Knie, Schulter, Metakarpo-Phalangealgelenke} von Ochsen
und Pferden, weil meine Versuche bei Hunden und Kaninchen steta
vergebens gewesen waren. Hier gelang es mir nun in der That, ein
ungemein reichhaltiges Lymphgefässnetz in der Synovialis darzustel-
Centralblatt für Chirurgie. No. 51. 803
len. Als Injectionsflüssigkeiten dienten ^j^^ SilberlÖBung und ge-
löstes Berlinerblau. Die Lymphgefässnatur der injicirten Gefässräume
wurde durch Controll-Injectionen der Blutgefässe und an Querschnit-
ten festgestellt. An letzteren sah man^ besonders nach Entfernung
des Berlinerblau durch Zusatz von Kai. caust. (unter dem Mikros-
kop), dass die Injectionsmasse in regelmässigen, Endothel tragenden
Canälen gelegen hatte.
Besonders wurde sodann die Verdauungsmethode angewandt^
um das Verhältniss der Wandung des Lymphgefässes zum Nachbar-
gewebe zu untersuchen. Als Kesultat dieser Untersuchungen an
mit Pepsinlösung verdauten Schnitten möchte ich mittheilen^ dass mir
ein directer Zusammenhang der elastischen Fasern des Bindegewebes
mit den Endothelplatten des Lymphrohres höchst wahrscheinlich ist^ ein
Zusammenhang, welcher das Offenbleiben der Lymphwege beim An-
schwellen des Gewebes und den Uebertritt der Gewebsflüssigkeiten in
die Lymphbahnen erklärt, wie es z. B. Ludwig vermuthet (cf.
Ludwig und Schweigger-Seidel, die Lymphgefässe der Fascien
und Sehnen, Leipzig 1S72 S. Hirzelj. Bezüglich der von mir ange-
wandten Yerdauungsflüssigkeit erwähne ich, dass ich die-
selbe nach den mir von Herrn Prof. Ludwig gemachten Angaben dar-
stellte. Der Magen eines frisch getödteten Hundes wird 24 Stunden
lang in destillirtem Wasser aufbewahrt, darauf die Schleimhaut sorgfältig
von der Submucosa und Muskularis abpräparirt und dann in kleinste
Stückchen zerschnitten. Letztere werden mit Glycerin übergössen und
nach einigen Tagen filtrixt. Von dieser Verdauungsflüssigkeit fügte ich
etwa 10 — 12 Tropfen und mehr zu etwa 30 Cc. einer in kleinen Gläs-
chen befindlichen Salzsäurelösung (1 : 500), in welche die zu verdauen-
den, auf Korkplättchen ausgespannten Gewebsstückchen aufgestellt wur-
den; der Verdaungsapparat wurde bis auf 38,0 bis 40^ C. erwärmt. So
erhält man nicht selten sehr schöne Präparate : das fibrilläre Bindegewebe
mehr oder minder homogen, durchsichtig, die elastischen Fasern und
die Kerne dagegen sehr deutlich auegeprägt. —
Bezüglich der allgemeinen anatomischen Anordnung der
Lymphgefässe der Synovialmembranen bemerke ich kurz Folgendes : die
oberflächlichsten Lymphgefässe finden sich direct unter dem Endothel.
Die feinsten Capillarverzweigungen der Blutgefässe liegen nicht
selten über den oberflächlichsten Lymphgefässen, so dass dieselben sich
also zwischen das Endothel und die letzteren schieben. Ausdrücklich
hebe ich hervor, dass natürlich auch die feinsten Capillaren unter
dem Endothel liegen. Die subendothelialen Lymphgefässe wenden
sich sodann in das tiefer liegende Gewebe, wo sie nicht selten, —
ungemein zahlreich und weit, — die Blutgefässe umspinnen. An
Querschnitten durch das Sehnengewebe wurden die injicirten Lymph-
gefässe bis in die feinsten Bindegewebs- Spalten verfolgt. —
Nach der Darstellung der Lymphwege durch Einstich habe ich
nochmals versucht, von der Gelenkhöhle aus durch gefärbte Flüssig-
keiten die Lymphwege der Synovialintima zur Darstellung zu bringen.
51»
804 Centralblatt für Chirurgrie. No. 51.
Durch die Güte des Herrn Prof. Thiersch hatte ich Gelegen-
heit, aus menschlichen Kniegelenken mit chronischem Hydarthros
seröse Gelenkflüssigkeit durch Function zu gewinnen ; dieselbe wurde
theils mit Carmin, theils mit Berlinerblau, oder schwefelsaurem Kup-
feroxydammoniak oder pikrinsaurem Natron gefärbt. Es wurden
also möglichst günstige Bedingungen für die Resorption geschaffen.
Weder durch die oben erwähnten Pumpbewegungen, noch durch
elastische Einwicklung der Gelenke gelang es mir, netzförmige
Lymphgefasszeichnungen an der Synovialintima von Hunden zu beo-
bachten, sondern nur, wie in den obigen Versuchen, diffuse ver-
schieden tiefgreifende Vertheilung der Farbmassen im Gewebe der
Synovialmembran. Intermuskuläre Lymphgefässe am Oberschenkel
sah ich dagegen auch hier zuweilen mit den in's Gelenk gebrach-
ten Farbmassen erfüllt. —
Einen offenen Zusammenhang (Stomata) der Lymphwege der
Synovialmembran mit der Gelenkhöhle, wie an den übrigen serösen
Häuten (Peritoneum, Pleura), habe ich vorläu% noch nicht darthun
können. Weshalb es mir nicht gelungen, von der Gelenkhöhle aus
durch Beugen und Strecken der Glieder die Lymphgefässe der
Synovialis mit Farbmassen zu füllen, weiss ich nicht genau an-
zugeben. MögKcher Weise dürfte der Inhalt aus den subendothe-
lialen Lymphbahnen in die tieferen sehr rasch abfliessen ; deshalb die
beobachtete Füllung intermuskulärer Lymphgefässstämmchen am Ober-
schenkel der Hunde. Auch bei der Injection der Lymphgefässe durch
Einstich hat man nicht selten Gelegenheit zu beobachten, dass die
oberflächlicheren Gefässnetze nach einiger Zeit undeutlicher werden
und in dem elastischen Gewebe ihr Inhalt in die tieferen Bahnen ab-
fliesst. — Die Lymphgefässe der Gelenkkapseln habe ich niemals in den
Knochen übertreten sehen. Diese Thatsachen weiter zu verfolgen,
wird späteren Untersuchungen vorbehalten bleiben. Ebenso wenig habe
ich in den Synovialzotten, im Knorpel Lymphgefösse beobachtet.
Schliesslich bemerke ich, dass ich bei der Untersuchung der
Lymphgefässe der Gelenke auch meine früheren Angaben über
die Histologie der Synovialis nochmals prüfte und ich
kann erklären, dass ich dieselben in jeder Beziehung
aufrecht halte, d. h. also, die Gelenkkapseln und Schleimbeutel
gehören zu den serösen Häuten, haben an ihrer Innenfläche En-
dothel, welches die von mir früher beschriebenen (1. c), durch die
Localität bedingten Eigenthümlichkeiten zeigt. Wie an den übrigen
serösen Häuten, so liegen auch an der Synovialintima die Blut- und
Lymphgefässe unter dem Endothel. —
Diese kurzen Mittheilungen mögen hier genügen, eine aus-
führliche Darlegung meiner Untersuchungen wird dem-
nächst an anderer Stelle erfolgen. — Herrn Prof. Ludwig,
welcher meine Arbeiten gütigst leitete, fühle ich mich zu aufrichtig-
stem Danke verpflichtet. —
Centralblutt für Chirurgie. No. 51. 805
O. Haab. Ueber Knobhenwachsthum und dessen kanstlicbe
Steigerung.
(Vortrag, gehalten in der GeselUchaft der Aerzte in Zürich. VI. Sitzung 1875.)
(Correspondenzblatt f. Schweiz. Aerzte 1875. No. 19.)
Die vom Verf. angestellten Vereuche über Knochenwachsthum
ergaben, dass wenigstens für die Tibia ein interstitielles Wachsthum
nicht anzunehmen sei. In den Knochen eingetriebene Metallstifte^
bei noch so langer Dauer der Versuche, blieben .stete in der gleichen
Entfernung von einander , aber kamen nach und nach in die Mark-
höhle zu liegen. Dasselbe geschah einige Male mit zwischen Periost
und Knochen geschobenen Silberplättchen. Silbeninge um den
Knochen liefern keine zuverlässigen Resultate, weil sie zu sehr reizen
und zu pathologisch^i Veränderungen fähren. Aus dem Eindringen
der Stifte aehliesBt Verf., dass Kesorption von der Maikhöhle und
Apposition vom Periost her stattfinde. '
Die gleichen Versuche zeigten ferner, dass wenn man die Stifte
in der Mitte eingetrieben hatte, sehr oft der betreffende Knochen,
entsprechend den vor längerer Zeit bereits mitgetheilten Erfahrungen
V. Langenbeck's, nach einiger Zeit länger erscheint, als auf der
gesunden Seite; hatte man die Stifte hingegen ganz nahe der Epi^
pkyse angebracht, so trat oft Verkürzung des Knochens ein. Obiges
Verhalten bleibt aber nicht auf den operirten Knochen loca-*
lisirt, sondern auch der nächst oberhalb gelegene, das Femur,
nimmt an der Verlängerung resp. Verkürzung Theil.
9irard (Bern).
Chirurgischer Bericht des St. George's Hospital für 1873.
(George' 8 Hospital Reports Vol. 7. p. 319.)
Von 2048 (?) Patienten, darunter 1285 Männer und 760 Frauen
starben 79 Männer und 2S Frauen; 8 wurden fast sterbend einge*
bracht; die Mortalitätsziffer beträgt mithin 4,8)1^, die mittlere Auf-*
enthaltsdauer 29,3 Tag.
Von 728 VerletzujQgen mit 48 Todesfällen betreffen, abgesehen
von 22 Verbrennungen (7 f), den Kopf 172 (17 f), Gesicht 1, Rücken
40 (3 t), Hals und Nacken 7 (darunter 3 Selbstmörder. 1 f],
Brust 40 (4 f), Unterleib 14 (l f), obere Extremitäten 58 (3 f) und
untere Extremitäten 353 (17 f). Von 24 complicirten Fracturen starben
8 (1 Oberschenkel-, 6 Unterschenkel- 1 Vorderarmfractur nüt
Tetanus]. Von grösseren Operationen sind zu nennen: Amputationen
und Exarticulationen 17 (5 f], Resectionen 9, Necrotomieen 24,
Uranoplastik 4 (2 mit vollem Erfolge), 1 Lithotomie, 1 Colotomie
(1 f); 1 traumatisches Aneurysma der Radialis wurde durch Unter-
bindung beider Gefässenden geheilt. Von 16 eingeklemmten Brüchen
bei 7 Männern und 9 Frauen betrafen 2 Inguinalhemien Frauen
und starben an Peritonitis nach der Operation 5. (3 M. und 2 Fr.]
Pilz (Stettin).
806 Centralblatt für Chirurgie. No. 51.
Hansen. Fälle aus der Praxis (mit Vorstellung).
(Mittheilungen für den Verein Schleswig-Holst. Aerzte 1875. Juli. Hft. 5.)
Kesection des rechten Ellenbogengelenkes wegen traumatischer
Gelenk Vereiterung, 6 Wochen nach der Verletzung bei einem jungen
Mädchen. Vom Huraerus 11, von der Ulna 5 Ctm. entfernt. Be-
handlung im Gyps verband. Keinerlei Nachbehandlung, aber bei
fortdauernder eigener XJebung der Kranken sehr gutes functionelles
Resultat. Sie verricntet ohne Anstrengung alle Arbeiten einer Dienst-
magd auf dem Lande.
2) Ein halbjähriges Kind zeigte 5 Groschen- bis Thalergrosse
Teleangiectasieen auf beiden Seiten des Gesichts, von denen die eine
die halbe Unterlippe einnahm, sich in den Mund hinein erstreckte
und am Gaumensegel endete. Die andere Bankthaleigrosse, über dem
Niveau der Haut erhabene, sass vor dem linken äusseren Gehörgang
einer tiefer gelegenen erectilen, beim Schreien des Kindes anschwel-
lenden Geschwulst auf. Zwei weitere erstreckten sich zollbreit vom
Unterkieferrande bis zur 2. Rippe. Ausserdem eine ganze Anzahl
kleinerer an den unteren Gesichtstheilen. Die Teleangiectasieen waren
bald nach der Geburt als kleine flohstichartige rothe Flecke zuerst
bemerkt worden nind hatten seitdem die beschriebene Entwickelung
erreicht. — Durch 3malige Operation wurde ein Theil der Geschwülste
mit dem Messer entfernt, dann aber, als das Kind durch Bronchial-
katarrhe und Durchfälle sehr herunterkam, die weitere Behandlung
aufgegeben.
Nach 2 Jahren wird das Kind bei einer öffentlichen Impfung
wieder vorgestellt. Alle Teleangiectasieen waren verschwun-
den, anstatt ihrer sah man hin und wieder im Gesicht,
besonders aber am Halse, grössere runzelige Stellen von
hellgelber Farbe. Nach Aussage der Mutter war diese spontane
Heilung schon ^j^ Jahr nach der letzten Opeiution vollendet gewesen.
Verf. fugt hinzu, dass er nicht ganz selten beobachtet habe, wie
grosse, anfangs rasch gewachsene Teleangiectasieen plötzlich im
Wachsthum innehalten können, um in überraschend kurzer Zeit mit
Hinterlassung eines gelben runzligen Fleckes und event. einer deutlichen
Atrophie der darunter gelegenen Weichtheile ganz zu verschwinden.
Namentlich habe er bei Impflingen zuweilen kleine gelblich pigmentirte
Stellen gefunden, an denen die ^aut welk, runzlig und ihrer Elas-
ticität beraubt gewesen sei. Die Anamnese habe dann fast regelmässig
die Entwickelung derselben aus anfangs rasch wachsenden Telean-
giectasieen ergeben.
Die Mutter des oben erwähnten Kindes leidet zufallig an einem
durch einen ungeschickten Aderlass veranlassten Varix aneurysmaticus
der Ellenbeuge, welcher in den ersten Monaten ihrer Schwangerschaft
ausgeführt wurde. Schede (Berlin).
Centralblatt mr Chirurgie. No. 51. 807
J. Scheff. Ueber Zahnfleisch- und Wangen- oder Bak-
kenfisteln.
(Wiener med. Presse 1875. No. 32,.)
In dem sonst nur Bekanntes enthaltenden Aufsatze macht Yerf,
besonders auf das Vorkommen von Fisteln an ungewöhnlichen Stellen
aufmerksam. Dieselben können am härten Gaumen (nahe den Zäh-
nen) , in der Nasenhöhle ^ der Highmorshöhle, am inneren Augen-
winkel ausmünden und im letztem Falle eine üstul. sacc. lacrym.
Yüitäuschen. Im Extrem kann die jauchige Infiltration bis zu den
Schädelknocben dringen imd Tod durch Basilarmeningitis her-
beiführen. Auch an noch entfernteren Körpertheilen, Hals, Nacken,
Brust werden derartige Fisteln beobachtet.
Wurzelperiostitis und Fistelbildung sind auch bei Milchbacken-
zähnen häufig; dieselben müssen alsbald extrahirt werden, da leicht
Kiefernekrose entsteht, wodurch die Existenz der bleibenden Zähne
bedroht wird. Fr. Steiner (Wien).
B. V. Langenbeck. Totalexstirpation des Kehlkopfs mit
dem Zungenbein, einem Theil der Zunge, des Pharynx und
Oesophagus.
(Demonstration des Präparates in der Sitzung der Berl. med. Gesellschaft am 28.
Juli 1875.)
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 33.)
Ein Kehlkopfcarcinom hatte so bedeutende Ausdehnung erlangt,
dass y. L. ausser dem ganzen Kehlkopf nebst der Epiglottis das
Zungenbein, das hintere Dritttheil der Zunge, den vorderen und
seitlichen Abschnitt des Pharynx nebst den beiden Arcus pharyngo-
palatini und einen kleinen Theil des Oesophagus fortnehmen musste.
Der Fall betraf einen 57jährigen Pat., der seit vier Jahren an Heiser-
keit gelitten hatte. Unter Suffocationsanfällen kam er zur Klinik, wo
zunächst die obere Tracheotomie ausgeführt wurde. Hustenanfälle
und reichliche Expectoration eitriger Sputa folgte während der näch-
sten 10 Tage. Damach heilte die Operationswunde bis auf die Tra-
chealfistel, in welcher die Kanüle lag; der Kehlkopf nahm an Um-
fang und Empfindlichkeit bei Druck zu. Die Inframaxillardrüsen
rechts geschwollen, ebenso die Epiglottis und Ligg. ary-epiglottica, so
dass laryngoskopisch die obere Kehlkopfshöhle und die Rima glottidis
unzugänglich waren. Die empfohlene Exstirpation des Kehlkopfe wurde
anfangs verweigert und erst nach einem halben Jahre vorgenommen.
Es war bis dahin die Respiration durch die Trachealkanüle frei ge-
bUeben, aber der Deglutitionsact schliesslich so behindert, dass nur
noch flüssige Nahrung genommen werden konnte ; die Geschwulst und
die Lymphdrüsen in der Inframaxillargegend beider Seiten waren
sehr gewachsen. Die Exstirpation des Kehlkopfes erfolgte in der
Narkose mit Zuhülfenahme der Tamponkanüle, welche eingelegt
808 Centralblatt far Chirurgie. No. 51.
wurde, nachdem die Trachealöffnung nach unte^ zu erweitert worden
war. Ein querverlaufender H|iut8chnitt^ 2 Ctxn. oberhalb des Zun-
genbeins^ von einem Kopfnicker zum andern reichend^ und ein
Längsschnitt von seiner Mitte abwärts bis dicht an die Trachealfistel,
gestatteten die Haut in zwei Lappen zur Seite zu präpariren und
den Kehlkopf frei zu legen. Die Lymphdrüsen wurden exstirpirt.
Mm« mylohyoideus^ digastricus und hypoglossus oberhalb des Zimgenbeins
durchschnitten, die aa. lingual, unterbunden. Wegen Erkrankung betref-
fender Theile musste die Kachenhöhle eröffixet werd^i. Ein scharfer
Haken zog am Zungenbein den Kehlkopf nach vom und unten, ein
durch die Zungenspitze geführter Faden diese nach vom; die Zun-
genwurzel wurde dann von der Halswunde aus 2 Ctm. über dem
Zungenbein durchschnitten. Seitlich drang man neben Zungenbein
und Schildknorpel in die Tiefe; die aa. thyreoideae sup. wurden un-
terbunden, die seitliche I%arynxwand ward durchschnitten, ebenso die
Arcus pharyngo-palatini und beiderseits die Carotis ext. unterbunden
und getrennt. Ferner waren durchschnitten die nn. linguales und
hypoglossi. Schliesslich hing der Kehlkopf nur noch mit der Luft-
röhre zusammen^ welche dicht über der Cartilago cricoidea durchtrennt
wurde ; so dass die Tamponkanüle in der Trachealfistel liegen blieb.
Es folgt die im Original nachzusehende Beschreibung der grossen
Operationswunde und der entfernten Theile. Nach Erwachen des
Fat. wurde ihm du^cb das Schlundrobr Uii^iu:^ein eingefiösst; die
Tamponkanüle durch eine gewöhnliche vertauscht. Die Ernährung
erfolgte dreimal täglich durcb die Schlundsonde. Die völlige Heilung
war zur Zeit des Berichts noch abj^uwarten, bei welcher vielleicht
Schlingvermö^en wiederkehrt und ein künstlicher Kehlkopf eingelegt
werden kann. Hervorzubeben ist, dass die im v. L. 'sehen Falle
vorausg^angene Tracheotomie e^ gestattete, von vornherein die Nar-
kose anzuwenden. Femer erlai^bt v. L.'s Verfahren, alle Gefasse von
obenher frei zu legen und s^u unterbinden, also die Blutung auf ein
Minimum zu besc^änKen. Bei BiUrotb' s Scbnittführung, die
auch Schmi^dt anwandte» wird kein Querschnitt, nur ein vom
Zungenbein aus senkr^cbt herabsteigender Schnitt geführt und die Heraus-
lösung des Kehlkopfes mittelst Durchschneidung der Trachea von
unten her vorgenommen. Ueber ^i^ im Original angegebene Be-
schreibung des Geschwulstpräparates ist daselbst nacbzulesen.
T.MoseBgett (Bonnj.
MioheL Neue Beobachtungen üb^ das Verhalten der Rachen-
mündung der Tuba und «her die Thätigkeit der Muscula-
tur des Schlundkopfes.
(Berl. klin. Wochenschrift 1875. No. 41 u. 42.)
Verf. bringt zu seinen früher xnitgetheilten einige neue Resultate,
die er theils durch directe Besichtigung des ^chjbndgewölbes mittelst
des Speculum gewonnen (er empfiehlt das durch Valtolini modifi*
Centralblatt für Chirargie. No. 51. 809
cirte Charriäre'sche)^ theils durch Ansetsi^n des Spiegels an das
Schlunddach, oder auf rhinoskopischem Wege erzielte.
Bei einem 20jährigen Patienten, der seit seiner Kindheit an
Ozaena gelitten und schon im 7. Jahre nekrotische Knochen aus der
Nase verlor, wurde der letzte Sequester von M. entfernt, wonach die
ganze knöcherne Scheidewand, crista nasi, die Muscheln und das
knorpelige Septum bis auf einen schmalen Streifen vom fehlten. Man
konnte di^ Gewölbe in seiner ganzen Breite von einem Tubenwulste
bis zum anderen i|nd den Ansatz des Gatunensegels in seiner ganzen
Breite sehen. M. konnnte daher die Veränderungen beobj^hten,
welche an de^ Tubenöffnungen und am Yelum beim Schlucken und
Tonaiigeben erfolgten. Die bei Tonsillenhypertrophie oft bestehende
Schwerhörigkeit, welche oft nach Exstirpation der Mandeln beseitigt
wird, ist nach M. darauf zurückzuführen, dass die Tubeneingänge
wegen der sie comprimirenden TonsillengeschwiUste beim Schlucken
nicht mehr geöffnet werden können. — Beim |ntoniren hoher Töne,
besonders beim Singen und Halten derselben^ steigt das Velum hoch
empor, falls nicht auch hier Geschwulst oder Schwellung der betref-
fenden Partieen ein Hinderniss abgiebt. Am genannten Patienten
konnte Verf. auch, — was von Anderen noch nicht geschehen, ' —
einen Spiegel an den Schädelgrund bringen und so den ganzen Schlund
bis zur Stimmritze herab betrachten und die Vorgänge beim Sprechen,
Schlucken und die Stelle, wo die Wände des Schlundkopfes in Berüh-
rung treten, beobachten. Die letzteren Resultate stehen mit Passa-
vant's Ansichten über die Verschliessung des Schlundes beim Spre-
chen in Gegensatz. Ueber die Details, sowie einen vom Verf. nach
dem Princip der L er oy' sehen Curette construirten Spiegel zur Be-r
sichtigung der oberen Fläche des Velum und hinteren Nasenpartie ist
im Original nachzulesen. ▼• Mtsenifell (Bonn).
Sayre. Deformities of the spine: posterior angular curva-
ture. Treatment by a new method.
(New York med. Journal 1875. p. 225.)
Verf. behandelt «usführlich Ursachen und Diagnose der Ver-
krümmungen des Rückgrats durch cariöse Processe der Wirbel, ohne
in dieser Beziehung wesentlich Neues vorzubringen. Nach seinen
Erfahrungen sind sie mit wei^igen Ausnahmen tiimmatischer Natur,
wenn auch Ursache und diagnosticirbare Wirkung häufig zeitlich weit
von einaAder abstehen.
Die früher von ihm benutzte Taylor' sehe Maschine hat nach
seiner Ansicht den Fehler, dass sie beim Essen die Kieferbew^gungeQ
auf den leidenden Theil überträgt. Um dies zu vermeiden, bringt er
im Nacken einen gebogenen Bügel an, der sagittal verlaufend bis
zum Scheitel reicht und hieif eine kurze Querstange trägt, welche
sich der Bundufig des Kop£es sfoift anschliesat. Von ihren Enden
aus laMfei^ eli^tische Gumnubrieman um Kinn und Hinterkopf. —
810 Centralblatt fQr Chinirprie. No. 51.
Sind äuT Brustwirbel erkrankt, ro wird die Querstange an einem
Stahlbogen befestigt, der von einer Schulter über den Kopf zur an-
dern läuft und von Achselringen gehalten wird. Das Untergestell
der T. Maschine fällt dann ganz fort.
Neuerdings übt S. bei Affectionen der Brust- und Lendenwirbel
folgendes Verfahren. Er hängt das Kind in Schlingen auf, die bei-
derseits unter die Achsel greifen. Dann wird es vom Gesäss auf-
wärts bis unter die Arme mit Flanell umwickelt und hierüber ein
fester Gypsverband angelegt. Sobald dieser erhärtet, wird das Kind
aus seiner Aufhängung befreit und kann nun ohne Schaden und
Schmerzen umhergehen. Athmung, Verdauung und andere Functio-
nen sollen durch diesen Panzer in keiner Weise behindert werden.
Die Erfahrungen von S. über diesen Verband erstrecken sich jedoch
erst über die Monate Juni bis September dieses Jahres.
Bei der Inspiration sollen Damm und Anus sich hervorwölben,
weshalb es nothwendig sei, den Fat. beim Sitzen ein Kranzkissen
unterzulegen.
Verf glaubt, dass dieses Verfahren die theuren und unsicheren
Maschinen bald gänzlich aus dem Felde schlagen wird.
Hnnn (Bonn).
W. Rivington. Bemerkungen über Trennung des Hand-
griffs vom Körper des Brustbeines.
(Lond. med. chir. Transact. 1874. p. 101.
Luxation des Handgriffs und Fractur des Brustbeins^ nicht selten
unter letzterer Bezeichnung zusammengefasst^ zeigen regelmässig das
Manubrium hinter dem Corpus stemi gelagert; gleichwohl hängt es
nur von der Applicationsstelle und Richtung der einwirkenden Gewalt
und von der relativen Stärke des Sternalgelenks und der Festigkeit
des Knochens ab, ob eine Luxation oder Fractur entstehen wird.
Häufig sind diese Verletzungen mit Bruch der Wirbelsäule complicirt.
Wenn auch die Entstehungsursache allgemein auf theils directe, theils
indirecte Gewalt zurückgeführt wird, so gehen jedoch über den Vor-
gang bei letzterer die Ansichten sehr auseirftuider. Was nun die
Continuitätstrennungen des Brustbeins anlangt, so fand man bis auf
den Fall Sabatier's jedesmal an dem hinter dem Corpus stemi ge-
legenen Manubrium die beiden ersten Rippen in normaler Befestigung
und die an der Hinterseite befindliche starke Periostlage abgestreift,
aber unzerrissen, beide Knochentheile mit einander verbindend. Für
das Zustandekommen beider Verletzungen bei Complication mit Bruch
der Wirbelsäule, nehmen einige Beobachter mit Recht an, dass das
stark zum Brustbeine herunter und angedrängte Kinn als indirecte
Ursache in einer Reihe von Fällen anzusehen sei; in der Mehrzahl
derselben aber wird die starke Dorsal-Flexion oder Extension das
ursächliche Moment abgeben. Hierbei wird die die Wirbelsäule tref-
fende Gewalt durch die Rippen hebelartig auf das Brustbein über-
Centralblatt für Chirurgie . No . 5 1 . 811
tragen und da die unteren 5 Rippen grössere Hebel und beweglicher
sind, so geschieht hierdurch die Abtrennung und Verschiebung des
Brustbeinkörpers. Diese Erklärung dient auch für die Fälle, welche
bisher durch Contre-coup erklärt wurden. Bei einseitig auf den
Rücken wirkenden Gewalten oder bei Compression des Brustkorbs
treten zu dieser Hebelwirkung noch das Rotationsvermögen derselben
wirksam hinzu. Der Grund, wanim gerade an der Verbindungsstelle
des Manubrium und Corpus die Trennung erfolgt, li^ im anato-
mischen Baue dieser Gegend. R., welcher eine gelenkartige Verbin-
dung dieser Stelle zuerst bei der Section eines Verletzten mit
Dislocation des Handgriffs auffand, erkannte später, dass schon
Maisonneuve darüber Beobachtungen mitgetheilt habe. Darnach
findet sich zwischen Manubrium und Corpus entweder eine fibro-car-
tilaginöse Zwischensubstanz, deren Elasticität eine geringe Beweglich-
keit beider Stücke gestattet, »AmpHiarthrosis«, oder die sich zugewandten
Enden beider Knochenstücke besitzen überknorpelte Flächen und bilden
eine »Diarthrodie«. An dieser Verbindungsstelle wird die Knochenhaut
des Brustbeins durch feste fibröse und sehnige Faserzüge verstärkt, die
besonders stark an der Vorderfläche sind und hier von sehnigen Aus-
strahlungen des M. stemocleidomast. und pectoralis herrühren ; obwohl
diese Faserzüge, an der hinteren Fläche meist in Längsrichtung ver-
laufend, schwächer als die vielfach querziehenden an der vorderen
Seite sind , so pflegen sie doch selten durchzureissen , weil die von
hinten her wirkenden Gewalten durch die Rippen hebelartig auf das
leicht convexe Brustbein übertragen werden, welches gerade an der
Verbindungsstelle seinen höchsten Punct hat. Dass in der Regel das
Periost bis zur Höhe der 3. Rippie abgestreift wird, hat darin seinen ana-
tomischen Grund,f dass dasselbe bis zur 3. Rippe lose angeheftet ist, un-
ter ihr wieder fester verbunden erscheint. Während Maisonneuve die
»diarthrodiale« Form häufiger fand, sprechen R. 's Untersuchungen für eine
grössere Verbreitung der »amphiarthrodialen« , denn unter 100 Brust-
beinen zeigten
51 Arthrodie: 26 Männer, 17 Frauen, 4 Knaben, 4 Mädchen.
26 Diarthrodie: 22 - , 9 - , 9 - .
6 Ossification: 4 - (Alter 30, 36, 53, 65 J.), 2 Frauen
(73, 76 J.)
11 Zwischenformen: ^9 - , 2 Frauen.
Einige Krankheits- und Sectionsberichte werden zur Erhärtung
des Gesagten näher zergliedert. Pila (Stettin).
Mackey. On empyema in children.
(Med. tim. and gaz. 1875. September 29. p. 355.)
Klinischer Vortrag über das Empyem bei Kindern. Der Erguss
bei der im ganzen seltenem Pleuritis der Kinder ist relativ häufig
ein eitriger; unter 44 in den letzten 5 Jahren in's Kinderhospital zu
Birmingham aufgenommenen Fleuritiden waren 13 Empyeme (40 j|^],
812 Gentxalblatt für Chirurgie. No. 51.
während die Zahlen au8 HospitfUeni für Brwachaene nur gegen 5^
aufweisen. IHe operative Behandlung gieht eine bessere Prognose
als bei Elrwachsenen. M. zieht bei Kindern einen einfachen Sdinitt
vor; eine Draiaageröhre sorgt für leiohten Eaterabfluss; Ausspülung
der Pleurahöhle mit Carbollösung. IKe Krankengeschichten dreier
geheilter Fälle find beigefügt. Bänke (Alle).
J. Cohnheim. Congenitales quergestreiftes Muskelsaxcom
der Nieren.
(Vir eh. Archiv Bd, LXV. p. 64.)
Bei einem eiajährigep Mädchen entwickelte sich in der linken
Lumbargegend eine Geschwulst^ die rasch wuchs, das Zwerchfell
aufwärts, die Därme nach rechts drängte, die Harnblase yöllig com-
primirte und bei dem 3 Monate später erfolgenden Tod die Bauch^
höhle fast total ausfüllte. Die Section zeigte, dass der Tumor aus
der Unken Nierensubstanz nach innen und vom hervor gewachsen
war. Von dieser Niere selbst war mehr als die Hälfte erhalten,
welche als kleines glattes Anhängsel dem Band^ der Geschwulst
aufsass. Die rechte im übrigen normal grosse Niere war der Sitz
eines kleinen Tumors. Die Schnittflächen der aus ein^r grossen Zahl
meist rundlicher Knollen zusammengesetzten Geschwülste erinnerten
theils an markige Knochensarcome , theils an grosse Fibromyome
des Uterus. Die mikroskopische Untersuchung dagegen zeigte die
Geschwulst zum bei Weitem grössten TheU aus quergestreiften
Muskelfasern zusammengesetzt. Nur einzelne Knoten haben den
typischen Bau des Bundzellensajrcoms, einzelne sind Mischungen beider
Structurformen. — Die Wichtigkeit des Falles liegt theils in der
Grösse und Massenhaftigkeit der muskulären Neubildung^ theils darin,
dass in der Niere noch nie eine quergestreifte Muskelfasern haltende
Neubildung gesehen wurde. Der Umstand, dass in beiden Nieren
die gleiche Erkrankung auftrat^ spricht für die Auffassung des Pro-
cesses als Titium primae formationis« Da die erste Urogenitalanlage
unmittelbar neben den Urwirbelplatten gelten ist, aus denen sehr
beträchtliche Theile der Stammmuskulatur ihren Ursprung nehmen,
so yermuthet C, dass vermöge einer fehlerhaften Abschnürung einige
von den Muskelzellen sich von Anfang an der ersten Umierenanlage
beiderseitig beigemischt haben , die hernach in den Si^on fertigen
Nieren zu pathologischer Entwicklung gelangt sind. —
Madelung (Bonn).
O. Silbermann. Die brfiske Dilatation der weiblichen
Harnröhre.
(In»i»g.-I>W9. Breslau 187«. 23 8.)
Nach eimer historischen Uebersicht über die Entwicklung dieser
Methode, um deren Auj^bildung sich Simon ein besonderes Verdienst
erworben hat» werden unter Zugrundelegung von meist schon veröffent^
Centralblatt für Chirurgie. No. 51. 813
lichten Krankheitsfallen die diagnostischen und therapeutischen Vor-
theile des Verfahrens kurz besprochen. Da diese bereits bekannt
sind^ so können sie hier wohl übergangen werden. In Bezug auf die
Nachtheile der Methode geht unter Anderem aus der Zusammenstel-
lung des Verf. hervor, dass auf 48 Fälle, in denen die Dilatation
angewandt wurde, 8 Fälle von Incontinenz- kommen.
▲• Bidder (Mannheim).
Kleinere Mittheilungen.
Bristoler Königl. Hospital. Carbolintoxication, Injection von Ammo-
niak . Oenesung .
(The Lancet 1875. Vol. IL p. 45).
Für die Fat. war zu äusserem Gebrauch eine Mischung von Carbolsäure mit
Leinöl 1 : 10 verschrieben; dieselbe genoss davon unbemerkt ein Unzenglas voll,
gestand nach V« Stunde ihre Thorheit. Der sogleich herbeigerufene Arzt fand sie
mit feuchter Haut, dilatirten Pupillen, schwachem Pulse, nur bei lautem Anrufen
besinnlich; schnell wurde der Mageninhalt durch Magenpumpe so lange ausge-
waschen als noch eine Spur von Oel auf dem Wasser sichtbar war. Während
dieses Actes wurden die Erscheinungen schwerer; Pat. war ganz unbesinnlich,
stark schwitzend, der unregelmässige Puls war unzählbar, jagend; wegen der
tollen Erschlaffung der Schlund- und Halsmuskeln musste die Zunge dauernd
mittelst Komzangen vorgezogen gehalten werden. Da der Zustand fast aussichts-
los erschien, so nahm man seine Zuflucht zur intravenösen Injection von etwas
verdünntem Ammoniak: nach Einverleibung von 2 Tropfen hob sich vorübergehend
der Radialpuls und besserte sich der Allgemeinzustand; eine 2 Injection hatte
denselben Effect, die 3. Injection hatte bleibenden Erfolg; die Einspritzungen
wurden in Zwischenräumen von 15 Minuten gemacht; ein gastrischer Katarrh in
den nächsten Tagen war die einzige Folge. Der Urin wurde leider nicht unter-
sucht. PUx (Stettin).
Luhe. Zur Aetiologie der Rose.
(Deutsches Archiv für klinische Medicin, Heft 1, p. 99.)
Verf. theilt drei Beobachtungen aus der Privatprazis und dem MilitärUzareth
mit, aus denen er auf ein von dem Erysipelatösen ausgehendes und durch die um-
gebende Luft sieh mittheilendes Contagium, ähnlich wie bei den exanthematischen
Fiebern, schliesst, da er sich vergeblich bemühte in den betreffenden Fällen eine
loeale Quelle zu entdecken.
Schliesslich macht er noch auf die überall sich wiederholende Dauer der In-
eabation von drei Tagen aufmerksam. S^lUieilblirg (Strassburg i/E.).
B. Davy. New inventione in surgical MechanisrnB.
London, Smith Eider A Co*
In der 21 Seiten enthaltenden Broschüre vereinigt D. anderweitig von ihm
publicirte und demonstrirte Instrumente und Bandagen und erläutert den* Text
durch zahlreiche Zeichnungen , welche besonders bei den beschienten Schuhen für
Klumpfflsse zum leichteren Verständniss beitragen. PÜs (Stettin).
de la Vega. Esquemia.
(Anfiteatro anatomieo espaSol 1875. No. 65.)
Esmarch's Methode soll im April 1874 von Montes und dann von Lic-
caga in Mexiko zum ersten Male ausgeführt worden sein.
menperger (München).
814 Centralblatt für Chirurgie. No. 51.
Ore. Observation d'un cas de nevralgie epileptiforme de la face,
traitee par la section des nerfs nasal interne et nasal externe avec
anesthesie produite par injection intra-yeineuse de chloial.
(Comptes rendus T. Sl. p. 244.)
Der Fall betrifft eine 51 jährige Frau, deren Gesichts-Neuralgie seit 9 Jahren
datirt und bei der nach fruchtloser Anwendung innerlicher Mittel vor 3 Jahren der
N. infraorbitaiis und dent. ant. resecirt wurde. Indess vermochte die Operation
nur momentane Erleichterung zu verschafi'en und nunmehr wurde Kesection des
N. nasalis int. et ext. beschlossen. Bei der an narkotische Mittel so gewöhnten
Fat. konnte durch Chloroform eine Anaesthesie nicht herbeigeführt werden ; des-
halb wurde Or6 ersucht, eine Chloralinjection in die Venen zu machen. In Ge-
genwart einer Anzahl Aerzte wurde von O. die Injection vorgenommen; nachdem
Fat. 4,5 Chloral erhalten hatte (10 Minuten nach Beginn der Einführung), zeigte
sich totale Anaesthesie; die nun vorgenommene Besection war in 11 Min. beendet-
Während der ganzen Dauer der Operation bestand vollständige Anaesthesie und
Analgesie; erst nach einer halben Stunde liess sie nach; es trat ruhiger Schlaf
ein , aus dem Fat von Zeit zu Zeit immer nur fOr einige Minuten erwachte. Am
folgenden Tage Euphorie, es war auch nicht eine üble Erscheinung der überstan-
denen Narkose aufgetreten. Die Neuralgie des Gesichtes und Auges hat nachge-
lassen , die Schmerzen sind auf die Oberlippe beschränkt. Es ist weder Fhlebitis,
noch Thrombose, noch Haematurie vorhanden. J. MnBk {Berlin}.
G. H. ETans. Nitrite of amyl in facial neuralgia.
(The Fractitioner 1875. September.)
Ausgehend von der Annahme, dass durch Inhalationen von Amylnitrit eine
Lähmung der vaso-motorischen Nerven zuerst des Gesichts und dann des Rumpfes
und in Folge dessen eine Vermehrung des Blutgehaltes in den kleinen Gefässen
stattfinde, wandte Verf. das genannte Mittel in 3 Fällen von Gesichtsneuralgieen
bei Anaemischen mit vollständigem Erfolge an. Die Inhalationen des genannten
Mittels empfiehlt E. wegen der erwähnten Wirkungsweise für jene Fälle von Facial-
Neuralgie, welche mit Anaemie verbunden und wahrscheinlich durch letztere ver-
ursacht sind. TUlmanng (Leipzig).
Bohden. Interessanter Fall von Croup des Larynx und der Trachoa
bei einer Erwachsenen.
(Deutsche med. Wochenschrift, Frobenummer 1875.)
Der Fall ist bemerkenswerth wegen der ungewöhnlichen Grösse der ezpecto>
rirten Membranen. Zuerst wurde ein 6,5 Ctm. langer und 1,5 Ctm. breiter Fetzen
ausgehustet, der sich als Abguss von zwei Dritteln des Tracheairohres und einer
Hälfte des Larynx (Stimmbänder, Morgagni'scher Ventrikel, Hälfte der Epiglot-
tis deutlich erkennbar) erwies. In den nächsten Tagen noch mehrere ähnliche
Abgüsse (z. B. andere Kehlkopfhälfte). Dabei kein Fieber, Allgemeinbefinden
war ungestört, nur locale Symptome, d. h. Schmerzen beim Schlucken, Husten,
massige Dyspnoe, so dass Fat. ambulatorisch behandelt wurde. Affection blieb
streng begrenzt, überschritt nicht den oberen Rand der Epiglottis. Unter der An-
wendung von Inhalationen mit Aqua calcis und der internen Darreichung von
Kai. chlor., war Fat. 5 Tage nach der ersten Expectoration von Croupfetzen Yoil-
Btändig geheilt. TUlmanilB (Leipzig).
Wulokow. Beitrag zur Casuistik der Nabelneubildungen.
(Beri. klin. Wochenschrift 1875. No. 39.)
W. theilt einen Fall mit, in welchem nach einem Stosa in die Magengrube,
den sich Fat. durch schnelles Gehen im Dunkeln beim Anrennen an einen steinernen
Brückenpfeiler zuzog, heftige Schmerzen entstanden, die selbst Bewusstlosigkeit
zur Folge hatten. Fat. wurde nie wieder ganz wohl und suchte wegen Ver-
dauungsstörung und Schmerzen Hälfe. Die Leber schien vergrössert, und Druck
in der Lebergegend schmerzte sehr. Am Nabel fand sich ein kleines Carcinom, das
sich mit der Hautdecke von den unterliegenden Theilen abheben liess. Condurango
Centxalblatt für Chirurgie. No. 51. S15
hielt den Tod nicht ab. Die Obduction ergab ein Magenearcinom, das mit dem
des Nabels in keiner nachweislichen Verbindung stand. v« Mosengeil (Bonn.)
K. Elruk. Hemia adumbilicalis.
(Przegl^d lekarski 1875. No. 40. polnisch.)
Die 27 j&hrige Fat. bekam eine Hernie links vom Nabel bei der ersten vor 7 Jahren
stattgehabten Schvangerschaft. — Jetzt, d. i. drei Tage nach der 4. Geburt, trat in
der Hernie eine heftige Incarceration ein. Nach erfolglosen Taxisversuchen schritt
Prof. Bryk zur Hemiotomie, wobei sich zeigte, dass die Bruchpforte I1/2 Zoll vom
Nabel entfernt war. Die beinahe schwarz geflbrbte Dannschlinge wurde nach Ein-
schneidung des incarcerirenden Binges leicht reponirt, das degenerirte Omentum
dagegen nach mehrfacher Unterbindung abgeschnitten. Heilung unter li i s t e r 'schem
Verbände in 28 Tagen. Obalinski (Krakau).
Mears. Gase of encysted dropsy of the peritoneum.
(Philadelphia med. times. 1875. No. 200.)
Eine 40jährige Frau bemerkte 3 Monate nach der sechsten, mit Piacentaver-
wachsung und schwerer Blutung einhergehenden Geburt in der rechten Inguinal-
g^gend eine frei bewegliche, leicht abzutastende, etwa eigrosse Geschwulst, welche
innerhalb 7 Jahren das kleine Becken und den Bauch bis zum Nabel ausfüllte,
eine glatte mit dem Peritoneum parietale offenbar ven^achsene Oberfläche und
undeutliche Fluctuation bei leerem Percussionston zeigte. Dabei Orthopnoe, schwa-
che aussetzende Herzaction und Verfall der Kräfte ohne Fieber. —
Probe-Incision und Ablösung der vorderen Cystenwand vom Peritoneum, die
im oberen Theile aus dem fibrinbedeckten grossen Netz, im unteren aus fest mit
einander verklebten Darmschlingen gebildet wird. Eine Incision in diese Wand lie-
fert 2 Gallonen Eiters und führt in eine Höhle, deren Wandungen zunächst aus
mächtigen Fibrinlagen bestehen, hinter denen man Peritoneum nicht nachweisen
kann. Reinigung der Höhle und Drainage derselben. ' Endresultat nicht angege-
ben. Die Angabe einer früher vorhandenen beweglichen Geschwulst in der Leisten-
gegend liess Alles eher als einen abgesackten Abscess vermuthen ; dass es sich nicht
um eine vereiterte Ovariencyste handelte, lehrte der während der Operation g;e-
machte Befund. Wilh« Koch (Berlin).
Ladmiral. Ausgedehnte Blase für Ovarialcyste gehalten.
(Bulletin de la soci6t6 anatom. de Paris 1875. p. 24).
Die 32jährige Frau, deren Kegel seit 4 Monaten ausgeblieben, die aber keine
Schwangerschafts-Erscheinungen darbot, zeigte eine, angeblich in der letzten Zeit
unter Schmerzen schnell gewachsene Geschwulst im Abdomen, welche in der Mit-
tellinie gelegen, 4 Finger breit den Nabel überragte; der Muttermund war nicht
abzureichen ; ausserdem bestand Oedem der unteren Extremitäten und äusseren
Genitalien; ein Biasegeräusch an der Herzspitze, seit 4 Tagen Athembeschwerden
und leicht blutiger Auswurf. Die Diagnose wurde zweifelhaft gelassen, ob Schwan-
gerschaft bestehe, allein oder neben ausgedehnter Blase, oder Ovarialtumor. Durch
den Katheter wurden 2000 Grm. Urin entleert; darnach schien der Tumor sich etwas
zu verkleinern, mehr Urin konnte aber nicht, selbst durch Pressen auf die Bauch-
decken etc., erhalten werden. In einer der nächsten Nächte traten heftige Athembe-
schwerden und blutiger Auswurf auf; das Gesicht wurde cyanotisch, der Puls fre-
quent, die Temperatur 36,5^, welche Erscheinungen der Compression der Geschwulst
zugeschrieben wurden. Nachdem mittels Katheter die Blase entleert — nur 100 Grm.
wurden gewonnen — erhielt man durch die Aspirationscanüle, welche 4" links unter
dem Nabel, etwas nach rechts von der Mittellinie eingestochen war, 4,500 Grm.
citrongelber, urinöser Flüssigkeit. Bei einem plötzlichen Hustenstosse fühlte man
das Anstossen der Canüle an die Cystenwand, und alsbald kamen 50 Grm. leicht
blutig tingirte Flüssigkeit. Die Erscheinungen änderten sich nicht. 6 Stunden
später erfolgte der Tod. Section : Lungen vielfach angelöthet, enthalten viel Blut ;
816 Centrälblatt für Chirurgie. No. 51.
Valvul. mitral. atheromatOs ; Nieren blutreich , sonst normal ; Nierenbecken und
Ureteren sehr ausgedehnt, letztere bis auf 12 Ctm. Die in der Mittellinie gele-
gene Geschwulst von der Grösse eines einjährigen Kinderkopfs, wurde allein von
der Blase gebildet; dieselbe war mit dem Peritoneum allseitig fest verlOthet; an
ihrer hinteren Fl&che wäre eine kleine Arrosion der Mucosa zu erkennen, aber
nicht die Punctionsstelle. Der Uterus im 3.^4. Monate der Schwangerschaft ent-
hielt in seiner Wandung 2 nussgrosse Myome. Pils (Stettin;.
De Vo8. Note sur un mode de traitement de Fur^thrite.
(Arch. m^dic. beiges 1875. Heft 10. p. 256—59.)
Verf. empfieht eine gesättigte Lösung von Alumen uat., welche noch eine ge-
wisse Menge des Pulvers im Ueberschuss suspendlrt enthält, su Injectionen Mor-
gens und Abends nach der üblichen Vorschrift. Im« Hiller (Berlin).
E. H. Bennett. Traumatic stricture of the Urethra.
(The Dublin Journal of med. science 1875. August, p. 173.)
Fünfzehn Wochen vor Aufnahme in Sir P. Dun's Hospital zu Dublin hatte
Patient, ein Matrose, auf einem Schiffe einen Schlag auf das Bein, wodurch er
eine fractura tibiae et fibulae erlitt, und einen andern auf den Damm, woraus eine
Fistel resultirte , erhalten. Zur Zeit der Aufnahme war , da seit dem Unfälle jeg-
liche ärztliche Behandlung gefehlt hatte, die Fractur noch nicht consolidirt; aus
der Dammfistel kam mehr Urin, als aus der Urethra. Das Bein war nach 4
V^ochen ziemlich fest; um diese Zeit Schmerzen in der Lendengegend, Anfälle
von Nierenkolik, Abgang grösserer nnd kleinerer Steine aus der Fistel. Perineal-
Bteinschnitt, dem bald unter heftigen Schmerzen in der Lendengegend Collaps und
Tod folgte.
Die Obduction ergab als Ursache für diesen plötzlichen Zufall einen eingekeil-
ten haselnussgrossen Stein im Ureter, da wo dieser aus dem Nierenbecken her-
vorgeht; ferner einen mit diesem communicirenden, die Niere umgebenden Abscess,
der sich mit seiner Oeffnung durch das linke Mesocolon in die Bauchhöhle geöffnet
hatte. Die andere Niere war gesund. H. Brauil (Heidelberg).
J. Boekel. Corps etrangers du rectum.
(Gaz. m6d. de Strasbourg 1872. No. 9.)
Ein Mann wurde mit Erscheinungen von innerer Einklemmung in B. 's Spital-
abtheilung aufgenommen. Am nächsten Tage erzählte er, er habe sechs Tage früher
wegen einer Wette mehr als sechzig Schnecken sammt der Muschel verschluckt,
und glaube sie jetzt im Mastdarm zu fühlen. In der That brachte man in der
Chloroformnarkose 70 Stück heraus. Der wenig veränderte Zustand der Schnecken
machte es aber wahrscheinlicher, dass sie ihm in der Trunkenheit von Kameraden
in den Anus hinein gestossen worden waren. Olrard (Bern).
Piok. Extensive wound of the knee -Joint treated by Lister's
antiseptic metbod.
(Med. tim. and gaz. 1875. October 16. p. 456.
Der 18jährige Patient hatte sich mit einer Säge eine schwere Verletzung des
linken Knies zugefügt: die 4 Zoll lange, gerissene Wunde hatte die Patella Ion-
gitudinal durchtrennt, und erstreckte sich über 1 Zoll tief in das Femur. Nach
sorgfältiger Keinigung Anlegung des Lister' sehen Schellackpfla»terverbandes. In
den ersten Tagen Fieber. Nach einigen Wochen Incision einer Senkung am Ober-
schenkel. HeUung in 5 Monaten mit fester Ankylose. Bänke (Halle).
Originalmittheilangen, Monographieen und Separstabdrücke wolle
man an Dr. H, Tillmanns, Leipzig, Marienstrasae No. 3, oder an die YerUgsbandluiig,
Breitkopf und Härtsl, einsenden.
^~~-~- -»>-^— ~— .— ■ — ^_^— i— ^— ^-^^ ■ - _ — ■ ■ .■— ^^^— ^^^— — ^^^^^,— ^_ ■ . ■
Ornek nnd Verlag tou Breitkopf and Hlrtel in Leipsig.
Gentralblatt
für
CHIRURGIE
herausgegeben
Ton
Dr. L. Lesser, Dr. IL SM. Dr. i TUlmaiim
in Berlin. in Berlin. in Leipsig.
Zweiter Jahrgang.
'Wöchentlich eine Nummer. Preis des Jahrgangs 20 Mark, bei halbjfthriger Prä-
numeration. Zu beäehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten.
N= 52. Sonnabend, den 25. December. 1875.
Inhalt: Rledlnger, Aetlologie der Schenkelhalsfractnren (Original-Mittbeüung). —
Berghmail; Massage bei acuten traumatischen Gelenkkrankheiten. — Gurlt, Die Kriegs-
chinirgie der letzten 150 Jahre in Preussen. — Thomas, Chirurgische Operationslehre.
— Deny, Enchaiiuet, Blutstillungs-Plncetten. — Schraoth, Die nnvenüokbaren Verbände
^er neueren Ghiiargie. — Tillaux, Sehnennaht. — Slrodey, Jaborandin. — Bernardf
Anaesthetlca und Asphyxie. — Langgard, Vergleichende Untersuehongen Über Frauen-,
Kuh- und Stutenmilch. — Anderson, Galvanopunctur bei Aorten-Aneurysmen. — Hack,
Exarticulation des Fusses nach Syme.
Berger, Multiple Exostosen. — Martinoz del Rio, Transfusion. — Jung, Neurosen
nach acuten Krankheiten. — Wllkes, Garbunkel der Oberlippe. — Baader, Acute Ver-
blutung bei Scharlach. — Barton, Strictur des Colon und Pylorus. — Marboux, Contu-
«ion des Perineum. — Felix, Operation der Mastdarmflsteln. — Jastrow, Uterusmyome.
— Byrd, Instrument für Blasen-Scheiden-Fisteln. — Gurbski, Elephantiasis der rechten
Schamlefze. — M'Donnell, Sarcom der Tibia. — Eiliot, Aneurysma femorale. — Ver-
wachsene Finger. —
Zur Aetiologie der Scheiikelhalsfractureii.
Von
Dr. Biedinger,
Priyatdocent der Chirurgie in Warzburg.
Die von v. Linhart*) und mir**) besprochene Ansicht^ dass
Tiele Fracturen des Collum femoris an seiner Insertion in die Tro-
«hanterpartie nicht durch Contrecoup entstehen, wie dies von Hepp-
ner***) u. A. behauptet wurde, oder durch Gewalten, die entweder
*) Vortrag auf dem letzten deutschen Chirurgen-Congress in Berlin.
**) Riedinger, Studien über Grund und Einkeilung der Schenkelhalsbrüche.
Würzburg, Staudinger' sehe Buchhandlung 1874.
*^) C. L. Heppner. Beobachtungen und Untersuchungen über eingekeilte
'^Schenkelhalsbrüche. Med. Jahrbücher (Beilage zum Wochenblatt der k. k. Ge-
«ellschaft der Aerzte) Bd. XVII.
52
818 Centralblatt ffir Chirurgie. No. 52.
in der Längsrichtung des Schenkelhalses oder der Femurdiaphyse
wirken, und den "Winkel, welchen beide mit einander bilden, zu
Terändem trachten, sondern Rissbrüche sind, indem durch starkes
Anspannen des Ligament. Bertini beim Rückwärtsbeugen des Stammes
und Auswärtsrotlen des Oberschenkels 'die Linea intertrochanterica
anterior abgezogen wird, diese Ansicht bin ich nun im Stande durch
einen klaren FsJl aus meiner PriTat-Praxis zu erhärten. Obwohl die
Experimente an der Leiche, dib ich früher schon beschrieben*) , die
Ansicht ebenfalls bestätigten, so wird es doch von gewichtigem In>
teresse sein, auch, praktische Fälle anfuhren zu können.
Am Z.'t)ecetähäT d. Js. wurde ich zti einem sechzigjährigen Be-
amten gerufen, der des Morgens, als er nach seinem Bureau gehen
wollte^ auf der Strasse ausgerutscht^ und obwohl er durch starkes
Rückwärtsbeugen des Oberkörpers das Gleichgewicht zu halten suchte^
auf die linke Seite gefallen war. Nach dem Sturz spürte er starke
Schmerzen in der Gegend des rechten Hüftgelenkes und konnte
nicht mehr allein aufstehen. Als man ihn aufgehoben hatte, ver-
mochte er noch einige Schritte zu machen, merkte aber uhter leb-
haften Schmerzen, dass das rechte Bein bedeutend kürzer wurde und
hatte beim Auftreten — wie sich der Kranke bezeichnend ättsdrüdct —
das iQrefulil, ^als ob ein Gum^ball unter seinem rechten Flösse liJ^e.
Bei der Untersuchung, die ich kurz darauf vomafam, eigab sich
Fegendes :
, Üie rechte untere Extremität war um fast sechs Ctm. verkürzt
und nach auswärts gerollt. Der Trochanter major steht rechterseits
hoher als links und ist n^idh 'rückwärts geneigt. Die mit'grös^ter
Schonung, vorgenommene Flexion und l^tension im Hüftgelenk
können mit Yerhültnissmässig geringer, die Rotation nach aussen und
innen aber nur mit grosser, Schmerzhaftigkeit und sehr bes<^hrShkt
ausgeführt werden. Die Trochantergegend ist beim Berühren
schmerzhaft und fühlt der Kranke längs des ganzen Oberschenkels^
sowohl an der Aussen- wie an der Innenseite, ein krampfhaftes und
mit Schmörzen verbundenes liiehen. Crepitation war nur ganz mi-
nimal bei der Rotation nach innen zu fühlen, sonst nicht. Selbst-
ständige Bewegungen im Hüftgelenk sind unmöglich und nirgends
Sugillationen oder dergleichen zu findeh.
Es lag also diesen ^SilBcheihuilgen liach zu schliessen eine sogen,
extracapsulaere Fractur des Schenkelhalses Vor und zwar mit Einkei-
lung des oberen Fragmentes in die Trochahterpartie. Dafür sprachen
— im Gegensatz zti einer sogen, imptdntirten intracapsulaeren Frac-
tur, die bei der Differentialdiagnose allein in Betracht kommen
kann — die Schmerzhaftigkeit in der Gegend des grossen Trochanter,.
das Höher- und Rückwärtsstehen desselben , die Möglichkeit einer
ausgiebigen FlexioioL und Extension im Hüftgelenk, die starke Ver-
kürzung der Extremität und femer der Umstand, dass die Difformität
♦) 1. c.
Centxalblfttt fClr Chirurgie. No. 52. 819
im Laufe der nächsten Tage sich nicht änderte^ sondern ganz gleich
blieb.
Was nun die Entstehungsweise der angeführten Fractur betriffib^
so dürfte dies vielleicht einer der beweisendsten Fälle für die Richtig-
keit obiger Ansicht sein. Beim Rückwärtsbeugen des Stammes wurde^
durch die Anstrengung des Patienten^ das Gleichgewicht zu halten^
das Ligament. Bertini rechterseits stark angespannt und riss dadurch den
Schenkelhals an seiner Insertion in der Trochanterpaxtie ab. Da nun
der Kranke auf die linke Seite, fid^ ein Umstand, den er genau be-
tont und der auch dadurch bestätigt wird^ dass die Kleider nur an der
linken Seite mit Schnee versehen waren und sich daselbst einige
Contusionen befanden^ so hätte, wenn durch das Auffallen eine Frac-
tur erzeugt worden wäre, dieselbe auf der linken Seite zu
Stande kommen müssen. Da nun aber das Gegentheil eintrat, näm-
Uch eine Fractur auf d^ rechten Seite, und die Hyperextension des
Stammes als das einzige schädliche Moment übrig bleibt und eine
Beschränkung dieser Bewegung hauptsächlich durch -das Ligament.
Bertini bewirkt wird, so kömmt ihm wohl diese Bolle zu, die es um
so leichter spielen kann, als, wie ich früher schon erwähnte*), alle
Factoren, welche die Festigkeit des Schenkelhalses erhöhen, in Weg-
£elU kommen. Vor allem wirkt die Gewalt von vom nach rückwärts, ako
in einer Richtung, wo der Schenkelhals am wenigsten Widerstandsfähig-
keit besitzt, da sein grösster Durchmesser votL oben nach abwärts liegt,
oder mit andern Worten, weil der Schenkelhals von vom nadi hinten
platt gedrückt ist und »die Widerstandskraft eines Hebelbalkens mit
dem Quadrat seiner senkrechten und nicht seiner horizontalen Di-
mensionen wäohsta**). Dasselbe gilt vom Calcar femorale***).
Ausserdem kommen bei dem sechzigjährigen Patienten die senüen
Veränderungen hinzu, die nicht blos die Corticalis, sondern auch
die Spongiosa sammt dem Schenkelspom treffen und an und für
sich schon auch durch andere Schädlichkeiten Fracturen des Schen-
kelhalses so leicht erzeugen.
Was nun das Ligament. Bertini anlangt, so ist es jedenfalls stark
genug, denselben Act auszufuhren, den wir längst am Ligament, caip.
volar, propr. , am Ligament, rhomboides , am Ligament, lateral, in-
tern, am inneren Knöchel u. s. w. kennen, so dass die Fractur schon
zu Stande gekommen ist, ehe die Patienten umfallen, und v. Pithaf)
hat gewiss Recht, wenn er sagt, »dass ein leichtes Straucheln, eine
plötzliche Abduction des Beines, ein schnelles Aufhalten des
fallenden Körpers auf dem ausgleitenden Fusse — auch ohne Fall —
*) 1. c.
**] cf. Hyrtl, Hindbuch der topogxaphischen Anatomie 6. Auflage. Wien
1872. Bd. n. p. 565.
***) H. J. Bigelow, MechaniBmuB der Luxationen und Fracturen im Hüftge-
lenk. UeberseUt von Dr. £. Pochhammer, BerliUi Hirschwald. 1873.
f) F. Merkel, Betrachtungen über daa Os femoria. Virch. Arch. Bd. L.
Hft. 2. N. Folge. Bd. IX. Hft. 2.
52*
820 Centralblatt für Chirurgie. No. 52.
genüge^ eine Fractur am Schenkelhalse zu erzeugen. Der Fall ist
dann Folge, nicht Ursache des Bruches«.
Was die Einkeilung und erhebliche Verkürzung betrifft, so
scheinen dieselben erst secundär beim Auftreten zu Stande gekommen
zu sein, was auch mit den Angaben des Kranken übereinstimmt;
obwohl eine Implantation an der Linea intertrochanterica posterior
ohne anderweitige Complication sogleich primär auftreten kann.
Dieselbe ist jedoch dann meist nur eine geringe.
O. Berghinan. Ueber die Behandlung acuter traumatischer
Gelenkkrankheiten durch Massage.
(Nord. med. Archiv Bd. VII. No. 13.)
Verf. sucht durch seine Arbeit zu beweisen, dass die gewohn-
lichen Behandlungsmethoden acuter traumatischer Gelenkaffectionen
mit verschiedenen Unannehmlichkeiten verknüpft seien ohne immer
zum Ziel^ d. h. Heilung mit vollständiger Beweglichkeit, zu fuhren.
Besonders sei die absolute Ruhe für viele Kranke lästig und oft
unmöglich inne zu halten, und gerade diese Ruhe verhindere oder ver-
späte die Wiederherstellung der freien Beweglichkeit der befallenen
Gelenke. Die Massage biete alle Vortheile der gewöhnUchen Anti-
phlogose ohne deren Nachtheile, sie sei sogar eine antiphlc^stische
Methode par excellence. Das Ziel der Antiphlogose sei ja, die Blut*
stase aufzuheben oder zu vermindern und die Resorption oder die
Entleerung der zurückgehaltenen Parenchymsäfte oder der ausge-
wanderten weissen Blutkörperchen zu befördern und zu dem Zweck
müsse vor allen Dingen die Thätigkeit der Venen und der Lymphge-
fässe in Anspruch genommen werden. Das erreiche man am besten
durch active oder passive Bewegungen der Muskeln oder durch solche,
die eine Reizung der genannten Gefasse zu Stande bringen. Schon
in einer früheren Monographie hat Verf. zusammen mit Dr. Hell-
way (Nord. med. Archiv Bd. V. No. 1) diese Verhältnisse ausführlich
erörtert; seitdem hat er durch eine 2 ^/«jährige Erfahrung die Ueberzeu-
gung gewonnen, dass die theoretischen Anschauungen sich in der
Praxis glänzend bewähren.
Verf. hat in der genannten Zeit 145 Fälle frischer traumatischer
Gelenkaffectionen, Synovitiden , Distorsionen , Blutergüsse , u. s. w.
behandelt, in welchen die Massage immer ein gutes Resultat gegeben hat.
Unter diesen 145 Fällen betrafen 70 das Talo-Crural-Gelenk, 8 ver-
schiedene andere Gelenke des Fusses, 41 das Knie-, 10 das Hand-,
5 das Ellenbogen-, 3 das Schulter-, 2 das Claviculo-Acromial-Gelenk,
6 die Finger- und Zehengelenke. Das Alter der Kranken hat
zwischen 6 und 70 Jahren gewechselt. Die Zahl der »Sitzungen«,
die zur vollständigen Heilung sich als nöthig erwiesen, war verschie-
den nach dem Zeitpuncte, in welchem die Patienten in die Behand-
lung traten. In Rücksicht hierauf hat Verf. seine Patienten in zwei
Categorien eingetheilt, in solche, die in den ersten 4 Tagen nach
Centralblatt für Chirurgie. No. 52. g2 1
der Beschädigung zur Behandlung kamen — 104 Fälle — , uud solche,
die sich nach dem 4.^ aber vor dem 9. Tage der Massage vmterwarfen
— 41 Fälle. — Zum Vergleich berichtet er dann über solche Patienten,
bei denen die Behandlung nach 9 Tagen aber vor 3 Monaten ange-
fangen hat, — 38 Fälle. Die ganz chronischen Fälle sind ausgeschlossen.
Es zeigt sich, dass die Heilung um so schneller eintrat, je früher die
Behandlung anfangen konnte, und zwar brauchte die erste Reihe im
Durchschnitt nur 12,44 Sitzungen, die zweite 17,60, die dritte aber
nicht weniger wie 44,68.
Neun Krankengeschichten sind ausfuhrlich mitgetheilt, um zu
zeigen, dass auch unter schwierigen Verhältnissen die Massage fast
unglaublich schnelle Hülfe bringt. Eine oder zwei Sitzungen waren
auch in anscheinend sehr ungünstigen Fällen meistens hinreichend,
um den Kranken die active Uebung auch der Gelenke der unteren
Extremitäten zu gestatten. Dr. B. hält ebenso wie sein Lehrer
K. Metzger, den möglichst frühzeitigen Gebrauch der erkrankten
Gelenke für durchaus nützlich.
Nicht wenige von diesen Kranken sind der Gesellschaft schwed.
Aerzte während der Behandlung und nach der Heilung vorgestellt
worden. Bossander (Stockholm).
E. Gnrlt. Die Kriegschirurgie der letzten 150 Jahre in
Preussen.
(Bede, gehalten zur Feier des Stiftungstages der militäräztlichen Bildungsanstalten
am 2. August 1875.)
Berlin, August Hirschwald* 1875.
Verf. schildert die Entwicklung der militärärztlichen Hildungsan-
stalten in Berlin^ von der Gründung der später zum coUegium medico-
chirurg. erweiterten Anatomie und der Charite unter Friedrich Wil-
helm I. bis zu der der chirurgischen Pepiniäre am 2. August 1795^ welche
letztere wesentlich auf Anregung des damaligen Chefs des Mili-
tärmedicinalwesens Johann Görcke entstand. Neben interes-
santen Seitenblicken auf die frühere sociale Stellung der Aerzte und
Chirurgen^ welche letztere noch unter Friedrich dem Grossen aus
der Barbierstube hervorgingen, erfahrt ferner die allmälige Entwick-
lung des Feldlazarethwesens eine eingehende Beleuchtung. Die grosse
Mangelhaftigkeit seiner Organisation während des 7jährigen Krieges
war dem Scharfblick Friedrich's des Grossen nicht entgangen, so
dass derselbe noch kurz vor seinem Tode einschneidende Reformen
anbahnte, die dann von seinem Nachfolger sehr bald wirklich durch-
geführt wurden. G. verbreitet sich dann über die Thätigkeit der 3
hervorragendsten Feldärzte des 7jährigen Krieges, Schmucker,
Bilguer und Theden, und hebt namentlich die Verdienste Bilg-
uer's um die conservative Chirurgie hervor. Von Interesse ist femer,
das Bilguer schon 1782 (nach dem Vorgange Brocklesby's) die
Errichtung leichter Holzbaracken, vornehmlich für Typhus und
Ruhrepidemieen empfiehlt, welche im Bairischen Erbfolgekriege sehr
822 Centralblatt für Chirurgie. No. 62.
zahlreidie Opfer gefordert hatten. In der Reihe der hervorragenden
preussischen Militärärzte folgen Mursinna (f 1823), welcher seine
Laufbahn ebenfalls noch als Barbiergesell brennen, und Johann
Göreke, welcher 1793 das erste wandelnde Feldlazareth errichtete,
die ersten auf Federn ruhenden Krankentransportwagen einführte und
die Gründung der chirurgischen Pepiniäre veranlasste (s. o.). Die
Bedrängniss in den unglücklichen Jahren 1806 und 1807 wurde die Ver-
anlassung zur officiellen Inanspruchnahme der freiwilligen Kranken-
pflege, deren Organisation sich während der Befreiungskriege mächtig
entwickelte; die grosse Anhäufung von Verwundeten in Königsberg
nach den blutigen Schlachten von Preußsisch-Eylau und Friedland
machte die Erriditiing dreier grosser Baracken nothwendig und gab
so den Anstoss zur ausgiebigeren Benutzung von Baraekenlazarethen.
War somit hierin die Noth eine gute Lehrmeisterin gewesen, so war
man sich auf der anderen Seite schon damals der Vortheile eines
systematischen Krankenzesstreuungssystemes vollkommen bewusst und
machte nach Massgabe der vorhandenen Mittel den lunfassendsten
Gebrauch davon. Besonders wurde damals der Transport der Ver-
wundeten zu Wasser cultivirt.
Verf. berührt dann die Verdienste F. C. v. Gräfe *s, Rust's,
V. Wiebel's, B.üttner's, Lohmeyers um die Entwicklung des
preussischen Militärmedicinalwesens und hebt die fundamentalen
Veränderungen hervor, welche dasselbe unter seinem jetzigen Chef
erfahren hat. Ein kurzer Hinweis auf die Fortschritte der Wissen-
schaft (Gelenkresectionen) und der Technik der Krankenpflege im
Kriege (Krankentragercompagnien, Sanitätszüge, Genfer Convention^
etc. etc.), deren die neueste Zeit sieb rühmen darf, bildet den Schluss
der in vieler Hinsicht anregenden und interessanten Arbeit.
Schede (Berlin).
L. Thomas. Traiti^ des Operations d'ui^ence.
Paria, Adrlen Delahaye. 1875.
Nicht für bereits erfahrene Chirurgen hat Verf. s&ji Buch ge-
schrieben, sondern für diejenigen Aerzte, welche, ohne sich speciell
mit Chirurgie zu befassen , dodi oftmals , besonders auf dem Land,
in die Lage kommen, dringende Operationen ausfuhren zu müssen;
für sie soll es in kurzen und bestimmten Zügen alle Auskünfte ent-
halten, welche sie nothwendig brauchen. Diesen Zweck gemäss ist
auch jede kritische Bemerkung, jede Streitfrage, welche keinen un-
mittelbaren praktischen Werth besitzt, sowie jeder historische Zusato
mit Absicht weggelassen worden. Befand sich der Verf. gegenüber
verschiedenen Operationsmethoden bei der gleichen Indication, so hat
er nur diejenige beschrieben, die er nach seiner Erfahrung für die
beste hält, manchmal selbst, ohne die anderen anzuführen. Das
Buch giebt auf eine Frage nur eine Antwort und wer darin einen
Rath sucht, wird somit von der Verlegenheit befreit, zwischen 2 oder
3 Verfahren zu wählen.
CentraU>latt für Chiruigie. No. 52. $23
Indem Verf. aus praktischen Rücksichten an dieser dogmatischen
Schreibweise festhielt, konnte er allerdings der Gefahr der Einseitig-
keit kaum entgehen, und in der That liegt darin die Schattenseite
des sonst sehr zu empfehlenden Werkes. Für französische Leser hat
dies zwar nur geringe Bedeutung^ es wird aber den deutschen Lesern
um §0 mehr auffallen; eine Reihe in Deutschland allgemein geübter
Operationsmethoden werden z. B. verschwi^en oder höchstens er-
wähnt, während umgekehrt andere allein angegeben sind, welche
deutsche Chirurgen gewöhnlich nicht anwenden; man merkt es
hauptsächlich im Capitel der Nothamputationen.
Verf. hat sein Buch in 7 Abtheilungen sehr zweckmässig einge-
theilt, welche eben so vielen dringenden Indicationen entsprechen:
1} Blutungen (capilläre, arterielle, venöse); 2) Erstickung (wegen
Ursachen in- und ausserhalb der Luftwege}; 3] Darmeinklemmungen
und Kothverhaltung , Atresia ani; 4j Harnverhaltung; 5) fremde
Körper; 6) Amputationen und 7) Anästhesirung. Auf eine genaue
Besprechung der Operationsanzeigen, sowie auf eine kurze und klare
Darstellung der nothwendigsten anatomischen Verhältnisse, hat Verf.
mit Recht viel Gewicht gelegt.
Es ist hier nicht möglich, jedes Capitel eingehend duxchzomeh-
men, es sollen nur einzelne Absc^itte Erwähnung finden. Bei in-
nerer Einklemmung verwirft Th. dLe Enterotomie vollständig; man
soll die Laparotomie vornehmen, in&m die schwersten Erscheinungen
bei diesem Zustand durch die Darmeinklemmung selbst und nicht
von der secundären, an sich nicht so viel bedeutenden Kothverhaltung
bedingt sind; die Anlegung des künstlichen Afters würde nur den
Folgezustand imd nicht die weit schlimmere primäre Affection heben ;
sie soll für die Fälle von Darmverschliessung ohne Einklemmung re-
servirt werden.
Femer will Verf. vom äusseren Petit* sehen Bruchschnitt nichts
wissen; er verwirft ebenfalls (gewiss mit Unrecht, Ref.] die capillären
Functionen der Blase bei Urinverhaltung, weil man sie öfters wieder-
holen muss.
Li einem Anhang beschreibt Verf. ein compendiöses Instrumen-
ten-Etui, in welchem sich alles befindet, was für irgend eine der Notho-
perationen nothwendig sein kann. — ttlrard (Bern).
Beny et Enchaquet. De Temploi 4es pinces dans les op6-
xations chirurgicales , envisagöes surtout comme moye^
d'h^mostase (d'apres les le9ons profess^es par M. P^a'n).
(Gaz. m6d. 1875. No. 3 u. 4.)
Die Zangen, deren sich P6an (Höpital Saint-Louis) schon seit
längerer Zeit anstatt der üblichen Schieberpincetten zur Blutstillung
bedient, haben die Form der gewöhnlichen Komzange und können
durch einen Mechanismus ä cr^maillere fest geschlossen werden. Die
824 Centralblatt fdr Cbirurgie. No. 52.
fassenden Schnäbel sind je nach Bedürfhiss yerschieden gefonnt
(T-formig, rhombisch etc.). In einer Anzahl von Fällen, namentlich
bei Operationen im Gesicht und an der Zunge, sowie bei der Ex-
stirpation gestielter oder isolirbarer Tumoren erleichtem diese Zangen
die präventive Blutstillung. Während der Operationen ersetzen sie
vollständig die Schieberpincetten , vor denen sie sich noch durch
leichtere Handhabung auszeichnen sollen. Endlich dienen sie in loco
gelassen zur definitiven Hämostase und machen die Unterbindung
sowie die Torsion der Gefässe vollständig entbehrlich (?). Die Dauer,,
während welcher sie liegen bleiben, beträgt je nach dem Caliber der
Gefässe 6 — 36 Stunden. Sie werden zwischen den Yerbandstücken
befestigt und nach der genannten Zeit vorsichtig entfernt. Bei einer
grossen Anzahl zum Theil sehr ausgedehnter Operationen, wo in die-
ser Weise verfahren wurde, entstand nie eine Entzündung, nur ein
einziges Mal eine leicht zu stillende Nachblutung. — Eine Anzahl
theilweis recht interessanter Krankengeschichten sind beigefügt.
0, Yolkmann (Kettwig).
C. Schrauth. Die unveirückbaren Verbände der neueren
Chinu^e.
München, J. 1* Finsterlin. 1875.
Das Hauptverdienst der Arbeit ruht in der Abhandlung über den
Wasserglasverband, in welchem Verf. unter andern eine neue eigene
Methode der Herstellimg desselben beschreibt, die darin besteht, dass
durch Wasserglas gezogene Papierstreifen in 4 — 5facher Lage theils-
der Länge, theils der Quere nach dem Glied applicirt werden. Wo e&
wünschenswerth erscheint, werden Verstärkungsschienen aus 3 — 4fach
zusammengel^en Papierstreifen angebracht. Der Verband erhärtet
in 4 — 6 Stunden.
Im übrigen enthält der Aufsatz nichts Originelles, und bringt
nur eine allerdings ziemlich vollständige und übersichtliche Zusammen-
stellung älterer und modemer unverrückbarer Verbände, von der sich
freilich die reichliche Hälfte theils ausführlicher, theils auch in wört-
licher Uebereinstimmung bereits in»Szymanowski, der Gypsverband
mit besonderer Berücksichtigung der Militärchirurgie, Petersburg 1857»
vorfindet, wo auch die bezügliche ältere Litteratur weit sorgfaltiger
verzeichnet ist. Dies gilt besonders von dem einleitenden histori-
schen Rückblick auf die verschiedensten älteren Versuche zur Her-
stellung permanenter Verbände, bis. incl. der Erfindung des Gypsver-
bandes durch Matthysen (p. 1 — 14) von der Beschreibung des
Dextrinverbandes nach Velpeau und des Watteverbandes nach
Burggraeve (p. 44), des Papierverbandes mit Kleister nach Lau gier
(p. 46], des Vanzetti'schen Leim- und des Smith'schen Hutfilz-
verbandes (p. 48 und 49). Dem Abschnitt über den Seutin' sehen
Kleisterverband hat Verf. einige Citate deutscher und franzosischer
Autoren, sowie einen längeren, wortlich abgedruckten Passus aus
Centralblatt für Gliirurgie. No. 52. 825
einer Arbeit seines Vaters hinzugefügt. Auch die Besprechung des
Gypsverbandes ist durch Citate aus Nussbaum's chirurgischen
Briefen, Port's Studien zur Kriegsverbandlehre, Münzer, eine neue
Methode des Gypsgusses und einige Aussprüche von Strohmeyer,
Dumreichjer, Lücke und Billroth bereichert. — Verf. hat
schliesslich eine kurze Beschreibung des Guttaperchaverbandes , des
Lorins er' sehen Kittverbandes, des Cementverbandes nach Mit-
scherliich und des CoUodiumverbandes nach Luigi Ciniselli hin-
zugefügt, t Die Mischung von Kleister und Gyps nach Safrague,
der GtiUertverband von Hammon, der Pergamentpapierverband, und
der Parafin verband von Lawson Tait werden kurz erwähnt.
Schede (Berlin).
TiUauz. Suture des tendons.
(S6ance de la soci6t6 de Chirurgie du 20. janv. 1875.
Einem Manne wurden durch einen Schlag mit einem Haken die
Strecksehnen des Ring- und kleinen Fingers zerrissen; die Wunde
vernarbte. Fat. fuhr fort zu arbeiten , bis I Monat später die 2 ge-
nannten Finger in die Hohlhand gebeugt und unbrauchbar waren.
T. operirte unter Zuhülfenahme des Esmarch' sehen Verfahrens,
konnte aber nur die peripherischen Sehnenenden finden. Er legte ,
nun die Sehne des Mittelfingers frei, machte eine Oefihung in der-
selben, steckte wie durch ein Knopfloch die zuvor angefrischten
Sehnenenden hindurch, und legte eine Metallnaht an. Die beiden
Finger wurden völlig streckfahig.
Polaillon bemerkt, es habe Denonvilliers zuerst den Bath
gegeben, die Vereinigung mit den Nachbarsehnen zu versuchen, wenn
man das centrale Ende der getrennten Sehne nicht finde. Velpeau
berichtet, dass Missa, da er die beiden Enden einer durchtrennten
Mittelfingerstrecksehne nicht aneinander bringen konnte, das obere
Ende an die Sehne des Zeigefingers, das untere (periphere) an die
des Bingfingers befestigte, so dass die Muskeln des letzteren die Be-
wegung des verletzten Fingers mit vermittelten, was auch gelang.
Malgaigne tadelt den ersten Theil der Operation, da die Anhef-
tung des oberen Endes der Mittelfingerstrecksehne an die des Index
ersteren in der Unabhängigkeit der Bewegung stören müsste.
Fr. Steiner (Wien).
Siredey. De Temploi th^rapeutique du chlqrhydrate de
Pilocarpine.
(Journ. de m^d. et de chir. prat. 1875. October. p. 440.)
Das aus den Summitates jaborandi (von Pilocarpus primatus) dar-
gestellte Alkaloid, Jaborandin oder besser Pilocarpin, hat eine gleich-
massigere Wirkung als die Blätter selbst, verhält sich aber etwas
anders.
Die Dosis beträgt nach den Untersuchungen von Dr. Dumas
(in seiner These) und des Verf. 0,03 — 0,12, wobei toxische Wirkungen
826 Centi;alblatt £Qx Cbumgie. Neu 52.
nicht zu föxcl^ten sind. Be80Bde];8 henrortretend ist die üijDwirkujQg'
des Mittels auf die Speicheldrüsen, die bald nach dessen Einverlei;-
bung beginnt^ so dass durch etwa 5 Stunden eine rasch anschwellencbe
und dan;n langsam schwächer werdende Salivation besonders aus den
Submaxillardrüsen andauert, durch die im Mittel etwa 755 Grm.
Speichel entleert werden. 1 Stunde nach Begii^in der Salivation
bricht starker Schweiss aus, der durch 4 Stunden langsam abniinmt.
Dabei ist gewöhnlich galliges Erbrechen vorhanden, die Urinse-
cretion stark ven;nindert, der Puls langsam, die Temperatur herabge-
setzt, die Pupille dilatirt.
In therapeutischer Hinsicht sind bisher nur Versuche ohne feste
Resultate untenciommen. Pagenstecher (Elberfeld).
C« Bemard. Le9ons sur les anesthesiques et sur Tasphyxie.
Paris, €^« BaiUl^re. 1875. 536 8. mit Abbildungen.
Das Buch ist aus der Umarbeitung und Vervollständigung von
Vorlesungen hervorgegangen, welche B. 1869 und 1870 am College
de France gehalten hat. Es verbreitet sich in 18 Capiteln über
Chloroform, Opium, Chloralhydrat und Kohlenoxydvergiftung. Zahl-
reiche Excurse handeln mehr oder minder vollständig vom Aether, von
den Alkaloiden des Opiums, von den Absoj^ptionsverhältnissen der se-
rösen Häute, der Lungen- und der Darmfläche, vom Schlaf, sowie von
vielen anderen das Hauptthema streifenden Dingen, welche in der
Kürze nicht aufgezählt werden können. — Die von dem berühmten
Autor auch gelegentlich seiner früheren Arbeiten beliebte Form der di-
recten Ansprache wirkt durch Frische und Eindringlichkeit. Zu be-
wundem bleibt die Manier, wie aus einigen wenigen einfachen Versuchen
eine grosse Reihe von Thatsachen mit zwingender Consequenz abgelei-
tet wird. Man würde aber irren, wenn man in dem Gebotenen einen
Abriss der sichergestellten Errungenschaften über besagte Gegenstände
zu finden meinte. Der Verf. lässt sich meist selber reden und hat
die ausserordentlich umfängliche Litteratur ^der Narcotica nur in
äusserst fragmentarischer Weise herangezogen und gesichtet. Die
Folge davon ist, dass auch wichtigste Thatsachen bisweilen kaum
angedeutet, oft aber in einer Weise interpretirt werden, welche
unsem augenblicklichen Anschauungen nicht mehr entspricht. Da-
neben finden sich Irrthümer vertheidigt, deren Widerlegung bereits
vor Jahren gelungen ist.
Wirklich Neues wird auch der Physiologe und Pharmakologe nur
in bescheidenem Maasse und auf Gebieten finden , welche denen in
diesem Blatte zu berücksichtigenden gar zu fem liegen. —
Nach des Ref. Ansicht handelt es sich also um eine Reihe geist-
voll geschriebener Essays, die für die Eigenartigkeit C. Bernard' s
wohl Zeugniss ablegen können, die aber weder gründlich belehren
noch wesentlich neue Gesichtspuncte eröfihen.
mili. Koek (Berlin).
Centralblatt fOr Churujrgie. No. 52. 827
A. Langgard. Yei^leickende Untersuchungen über Frauen-,
Kuh- und Stutenmilch.
(Virch. Arch. Bd. LXV. p. 1.)
Nachdem die über den Unterschied der Menschen- und Kuhmilch
angestellten Untersuchungen bisher sich darauf beschränkt hatten^ die
quantitativen Verhältnisse der Bestandtheile beider festzustellen, die
nicht unerheblichen Differenzen in der procentischen Zusammensetz-
ung zu kennzeichnen, hat Biedert (Giessen) auch auf die qualita-
tiven Differenzen hingewiesen und gezeigt, dass der wesentlichte
Unterschied in der chemischen Verschiedenheit der beiden Caseinsor-
ten bedingt ist. Kuhcasein reagirt sauer, Menschencasein neutral
oder leicht alkalisch, ersteres ist im Wasser fast unlöslich, letzteres
löslich. V^rdauungsversuche zeigten, dass das Menschencasei'n in
weit kürzerer Zeit, als das Kuhcasein verdaut wird. Diese und andre
Befunde Biedert's hat L. bestätigt, zugleich aber, da er Milchsorten
aufzufinden suchte, die in ihrem Verhalten mehr der Frauen- als der
Kuhmilch ahnUch sind, die Chemie der Stutenmilch untersucht. Als
wesentlich sei erwähnt, dass das Stutencasein verschieden vom Kuh-
casein, mit dem Menschencasei'n zwar nicht identisch ist, jedoch
demselben in seinem chemischen Verhalten sehr nahe steht. Ver-
dauungsversuche ergaben, dass das Stutencasein weit leichter als
das Kuhcasein und fast eben so schnell wie das Frauencasein
verdaut wird. Stutenmilch, oder da diese schwer zu beschaffen
ist, ein aus ihr hergestelltes Präparat als Kindernahrung zu ver-
werthen, erscheint hiemach nicht unrationell. Madelnngr (Bonn).
xrCall Anderson. Galvanopunctur bei Aorten- Aneurysmen.
(British med. Journal 1875. Vol. 11. p. 517.)
Verf. knüpft an die ausfiihrUche Besprechung zweier eigener
Beobachtungen Bathschläge för die technische Ausführung. Obwohl
inducirte und continuirliche Ströme mit Erfolg angewandt sind, so
räth er entschieden zu letzteren, die milder, weniger entzündungser-
regend wirken; er selbst benutzt die grosszellige St Öhr er 'sehe
Batterie. Viel Gewicht legt er darauf, dass die in das Aneurysma
einzuführende Nadel bis Y2" ^^^ der Spitze entfernt mit isolirender
Schicht überzogen sei, damit jegliche Reizung in den Weichtheilßn
und den Gefässhäuten vermieden werde; den Misserfolg in einem
früheren Falle schreibt er der Nichtbeachtung dieser Vorsichtsmaassre-
gel zu. Stets sei die eingeführte Nadel mit dem positiven Pole zu ve^r-
binden, weil dieser ein kleines aber festes Coagulum gebe, während dpr
negative Pol eine reichliche, weiche Gerinnung liefere. £r räth darum
auch nur die eine Nadel einzuführen und den negativen Pol in der Um-
gebung der Geschwulst auf die Haut zu appliciren; di^ Ströme selbst
Bollen nicht zu stark sein und die Sitzungsdauer nicht zu lange wäh-
ren. Die Dauer der Intervalle zwischen zwei Sitzungen hängt natürlich
828 Centralblatt für Chirurgie. No. 52.
▼on dem erreichten Effecte ab ; doch pflege das durch die Electrolyae
gesetzte Coagulum anfangs noch zuzunehmen. Die gehegte Besorg-
niss , dass durch sich loslösende Gerinnsel Embolieen henrorgerufen
und die sich bildenden, im Blute weiter kreisenden Gase schädlich
wirken könnten, haben sich nicht bestätigt ; dagegen dränge sich eine
neue Frage auf, ob die Consolidirung in einem besonders oberflächlich
gelegenen Theil nicht einer Ausdehnung in einer anderen Richtung
Vorschub leiste. — Von den Fällen selbst möge Folgendes erwähnt
werden. Die eine Stunde dauernden Sitzungen geschahen bei dem
36jährigen Manne am 12. und 23. Januar, 8. Februar und 16. April;
die Punctumadel war mit dem positiven Pole einer 4 — 8 Elemente
enthaltenden Batterie verbunden und zwar wurden die erste halbe
Stunde 4 — 6, die zweite 6 — 8 Elemente benutzt; während der Punctur
bestanden keine Schmerzen, doch folgten sie derselben in massigem
Grade nach. Ausser der subjectiven Erleichterung bewirkten die 4
Sitzungen Verkleinerung des härter gewordenen Tumors, der nicht
mehr die Körperoberfläche überragte, sodann Abschwächung der Pulsa-
tion und Aufhören des über dem Tumor bestandenen Geräusches. Im
2. Falle, der 1 V3 J&br später zur Section kam, hatten 4 Sitzungen am
4., 9., 28. April und 27. August die Verkleinerung der fest geworde-
nen Geschwulst auf Y4 ihrer Grösse bewirkt; die Pulsation und das
Geräusch waren viel schwächer geworden. Pat. hatte, aus dem Hospi-
tale ausgetreten, schwere Arbeiten trotz ärztlichen Abrathens von
Neuem verrichtet und sich argen Schädlichkeiten ausgesetzt. Die
Section ergab, dass das Aneurysma die pars desc. und transv. des
Arcus Aortae umfasste und complet erfüllt war mit dichten , blassen,
schichtweise gelagerten Fibrinmassen; das Blut hatte sich einen
schmalen Gang zwischen Gerinnsel und Gefässwand geschaffen ; Per-
foration in die linke Pleurahöhle. Pilz (Stettin).
W. Hack. Beiträge zur Exarticulation des Fusses nach
Syme. Aus der chirurg. Klinik zu Heidelberg.
(Deutsche ZeiUchrift f. Chirurgie Bd. V.)
Simon übt die Syme' sehe Operation mit der Modification^ dass
er vom Unterschenkel nur die Malleolen absägt^ aber die Gelenkfläche
der Tibia vom Knorpel bedeckt zurücklässt, wenn sie nicht erkrankt ist.
Es wird dadurch die Gehfläche möglichst breite bei noch nicht
erwachsenen Individuen wird das Längenwachsthum des Unterschen-
kels nicht gestört und der zurückbleibende Knorpel verzögert die
Heilung nicht. Verf. berichtet über 6 Fälle ^ in welchen Simon
die Exarticulation noch Syme vornahm; wiederholt wurde ödematöse,
entzündlich infiltrirte und von Fisteln durchsetzte, auch stark ge-
quetschte Haut zur Lappenbildung verwendet, ohne dass der Erfolg
dadurch beeinträchtigt worden wäre. In 3 Fällen war der Lappen
zu gross gebildet, was die Anheilung desselben verzögerte. 2 Mal
Centralblatt für Chirurgie. No. 52. 829
wurde er nachträglich verkleinert und dannHeilung erzielt^ das 3. Mal,
wo vom Unterschenkel ein Stück von Vj^ Ctm. abgetragen worden
war, löste S. den Lappen nachträglich wieder und liess ihn durch
4 Wochen frei herabhängen, worauf derselbe so gesch]:unipft war,
dass er gerade passte. Auch hier wurde ein brauchbarer Stumpf er-
zielt. In keinem der 6 Fälle wurde der Lappen gangränös.
Gersuny (Wien).
Kleinere Mittheilungen.
F. Berger. Exostoses multiples sur une persoüne dg6e.
(La France mddicale 1875. No. 46 u. 47.)
Die Beobachtung multipler Exostosen der Epiphysen mit Nekrosirung eines
dieser Tumoren bezieht sich auf eine Frau von 57 Jahren , die sich in Folge von
Knoten in der Nähe der Gelenke (Z wiewuchs) während ihrer 10 ersten Le-
bensjahre nur kriechend fortbewegt hatte. Später war sie aufrecht gegangen, ob-
wohl die Geschwüre allmälig wuchsen und hatte nur mit Beginn der Menstruation
im 18. Jahre von Neuem Beschwerden, die nach einem Jahre etwa aufhörten. Vor
8 Monaten stiess sich Fat. an die Unke Fersengegend ; seither wieder Schmerzen da-
selbst. Behandlung mit Einreibungen, — Entzündung der Umgebung — Aufnahme
ins Spital.
Es zeigt sich unten an der hinteren Seite des linken Unterschenkels ein Vor-
Sprung wie bei Luxation des Fusses nach vom. Gelenkbewegungen normal. Haut
über dem Tumor und Umgebung geröthet, eine Ulceration führt in eine Höhle
im Tumor.
An der oberen Epiphysenlinie der rechten Tibia, am Capitulum fibulae (Ansatz
des adductor III. — I^edilectionsstelle) und der unteren Epiphyse des Femur
derselben Seite ähnliche Geschwülste; am linken grossen Trochanter ein 4 bis
5 Ctm. hoher, nach hinten hakenförmig gekrümmter Fortsatz. Entstehung in frü-
hester Jugend , Aufhören des Wachsthums nach der Evolution und Lage der Ge-
schwülste sprechen für multiple Exostosen der Epiphysenlinien bei einem früher
rachitischen Individuum. Zur Erklärung der bei einer der Exostosen eingetre-
tenen Nekrosirung nimmt Verf. an, es führen diese Geschwülste gewissermassen
ein selbständiges Leben und altem früher, als das übrige Knochengerüst , in Folge
geringfügiger Noxen fallen sie dann der Nekrobiose anheim.
Der Tumor am linken Unterschenkel wird abgemeisselt ; die jauchende Höhle
enthält mehrere Sequester, ist von einer festen Knochenschale mit Periost umge-
ben. Kleinere Tumoren in der Nähe zeigen einen Knorpelbelag und Spongiosa
im Centmm.
Im Laufe von 2 Monaten tritt Heilung ein ; Fat. kann jetzt ohne Beschwerden
gehen. A* Gensmer (Halle).
Hartinez del Bio. Transfusion du sang.
(S^ance de la Soci6t6 de Chirurgie du 3. fivr. 1875.)
Bei einer Dame, die an erschöpfenden Blutungen in Folge eines Uteruspolypen
litt, hatte M. den Folypen ohne besonderen Blutverlust ecrasirt ; trotzdem bekam
Fat. darnach schwere Ohnmachtsanfälle, Collaps.
Bellina transfundirte in eine Armvene der Fat. 300 Grm. defibrin. und fil-
trirtes Blut. Rasche Erholung. Fr. Steiner (Wien).
A. Jung. Die Neurosen nach acuten Krankheiten.
Inaug.-Diss. Breslau 1875.
Ausser Bekanntem enthält diese Diss. 4 von Oscar Berger beobachtete Fälle
von 1) Hemiplegie nach Dysenterie: Ein 2 7 jähriger Soldat stürzte während
^^a Centralblatt far Chirurgie. No. 52.
der !Recoiival«8oenz von schwerer Dysenterie plötzlich bewusstloe zusammen und
zeigte beim Erwachen Lfthmung der ganzen rechten Körperhftlfte , welche V2 ^>^
sp&ter noch in hohem Grade fortbestand und eine bedeutende Herabsetzung der
electrocutanen Sensibilität, nicht aber der electromusculären Contractilität er-
kennen liees. 2) Hemiplegie nach Variola: Eine 34jahrige Arbeiterfrau zeigte
im Beginn der 3. Woche einer leichten Variola plötzlich Hemiplegie rechts ohne alle
Cerebralsymptome, ohne Facialis- und Hypoglossus-L&hmung und ohne Sprachstö-
rung, mit Yöllig intacter Sensibilität aber leichter Herabsetzung der electrischen Er-
regbarkeit. Nach 4V2 Jahren bestand noch Parese der unteren Extremität, während
die der oberen schon in den ersten Wochen zurückgegangen war. Der Heerd ist
wahrscheinlich in der inneren Kapsel zu suchen . 3) Hemiplegie nach Typhus.
Bei einem 25jährigen Soldaten in der 3. Woche der Erkrankung mit Bewusstlosig-
keit eingetreten. 4) Isofirte Lähmung des linken Deltamuskels bei
acutem Gelenkrheumatismus mit rasch zunehmender Atrophie und Herab-
setzung der galvanischen und faradischen Erregbarkeit.
Seeligmttller (Halle}.
Wilkes. Carbuncular inflammatioii of the lip.
(Med. tim. and gaz. 1875. September 4. p. 263.)
3 Fälle von tödtlich verlaufenen Karbunkeln der Oberlippe, betreffend einen
33jährigen Mann, eine 34jährige Frau und einen 74jährigen Mann. W. madit
darauf auftnerksam, dass die Krankheit in den 3 Fällen geschwächte Individuen
betraf, und bei auffallend schlechtem Wetter begann. Bänke (Halle).
A. Baader. Acute Verblutung bei Scharlach.
(Correspondenz-Blatt für Schweizer Aerzte 1875. No. 21.
Es werden davon d Fälle mitgetheilt
1) Rachendiphtheritis, Verjauchung der Halsdrüsen, Arrosion der Carotis in-
terna, Perforation in den Rachen.
2) Rachendiphtheritis, Verjauchung der HalsdrOsen, Arrosion der Jugularis ex-
terna.
3) Rachendiphtheritis, Otitis media, Nekrose des Felsenbeins, Arrosion des
Sinus, transvers. Girahl( Bern).
Barton. Stricture of the Colon and of the Fylorus. Colotomy.
(The Dublin Journal of med. scienoe 1875. Mai. p. 485.)
Patient Utt seit Wochen an. Verstopfung, fBr welche keine Ursache zu fin-
den war. Leib ausgedehnt, in den Seiten schmerzhaft; rdohts Sehall gedtaqift«
links hell. Finger per teetum lässt ebensowenig, wie eine 18 Zoll weit einge-
fQhrte Sonde, etwas Bestimmtes feststellen! Da trotz Abführmittel die Verstopf-
ung anhielt, Erbrechen noch dazu kam, entschloss man sieh zur Colotomie in der
rechten Seite. Tod am folgenden Tag.
Bei der Section fand man neben ausgedehnter Peritonitis am Anfang des Colon
transversum eine enge Stelle, durch eine auf 3 Zoll weit eingelagerte rigide Masae
bedingt, die B. für ein entzündliches Depositum hält; eine geringe Stenose dxirch
eine ähnliche Substanz bedingt, wurde am Pylorus entdeckt.
H* Braun (Heidelberg).
M« Harboni^ D'une cons^quence rare de la contusion du perin^.
(Revue m^dicale de l'Est 1875. Nancy, Novembre.)
Ein Unterofficier föllt beim Turnen auf eine hölzerne Barriere und sofort zeigt
sich eine bedeutende Haematocele des Scrotums, sowie ein bedeutender Bluterguss
am Perineum. Durch Ansetzen von Blutegeln wird local eine Besserung herbeige-
führt und während der ersten [fünf Tage ist der Verlauf ein ganz regelmässiger.
Am sechsten Tage erfolgt eine neue Blutung, die eine prall gespannte Geschwulst
am Perineum zur Folge hat. Es wurden wiederum Blutegel ( ! ) angesetzt , die
dem Kranken zwar Erleichterung verschafften, aber local keine wesentliche Aende-
rung zur Folge hatten. Am folgenden Tage erfolgte ein neuer noch bedeutenderer
Bluterguss , so dass die Hautdecken auf das Aeusserste gespannt waren, und das
Ce^tralblatt fttr Chinurgie. No. 52. g31
Perineum, so zu tia^en, nur eine ehizige grosse Blutbeule darstellte. Die Collaps-
erscheinungen von Seiten des Patienten lassen das erneute Ansetzen Ton Blutegeln
nicht mehr als ztreckmässig erscheinen; es werden kalte Umschläge gemacht, die
Blutung steht, nach 14 Tagen ist fast vollständige Kesorption eingetreten.
Die Quelle der Blutung hält Verf. aUs den Symptomen und der Beschaffen-
heit der Perinealgeschwulst fßr eine venöse, Weiss aber die Ursachen dieser Nach-
blutungen nicht näher anzugeben. Auffallend war es nach dem Verf., dass durch
den FaÜ auf das Perineum die sonst so gewöhnliche Verletzung, nämlich der
Urethra, nicht zur Beobachtung kam. — Sodnenlmrg (Strassburg i./£.)
J. Felix. De Y Operation de la fistule k Y anus par la section Unfaire
avec les fils-setons,
(Annales 'de la Soci6t6 m6dicale de Gand 1875. Mai.)
Das obige Verfahren zur unblutigen Spaltung von Analfisteln besteht darin,
dass ein starker, am besten seidener Faden durch die Pistel geführt, und dann in
Bägeartigen Zügen rehr rasch hin und ker gezogen wird. In wenigen Secunden er-
folgt die Trennung der Qewebe ohne Blutung ; zur Vermeidung der Schmerzen ge-
nügt die JiOcalanästhesie.
Eine Nachahmung der Pajot'schen Methode der Embryotomie. Ref.)
Girard (Bern).
▲. Jastrow« Klinisches über Myome des Uterus.
(Inaug.-Diss. 19 6.)
Voh 9 im Sommersemester 1875 in der Breslauer gynäkologischen Xlinik zur
Beobachtung gekommenen Myomen des Uterus werden die kurzen Krankenge-
schichten mttgetheiit. Die itti Anschluss daran gegebenen Bemerkungen über
Aetiologie, Symptomatologie nnd Therapie der Myome enthalten durchweg nur
Bekanntes. 0« Tolkmann (Kettwig).
Byrd. A new instrument to simplify and facilitate the Operation
for Vesico-Vaginal-Fistula.
(New- York med. Journal 1875. p. 259.)
Um bei Operationen von Blasenscheidenfisteln den Verfall der Blasenwand in
die Fistelöffnung zu verhindern, benutzt B. einen kleinen Oummiballon von der
Art, wi(3 sie als Spielzeug für Sander überall zu haben sind. Derselbe wird durch
ein Schaltstück von einem härteren Oummischlauch mit einer dünnen elastischen
Bohre verbunden. Das Ende derselben wird an einem Draht durch die FistelOff-
nung in die Blase und dann zur Urethra herausgeleitet und angezogen, bis der
Ballon in der Blase liegt. Füllt man nun denselben mit kaltem Wasser, so wöl-
ben sich die Fistelränder hervor und man kann sie leicht abtragen.
Zum Schluss soll sich der ganze Apparat nach Abfluss des Wassers leicht
durch die Urethra entfernen lassen.
Bei zwei nicht vom Verf. selbst ausgeführten Operationen wurde dieses Ver-
fahren mit Erfolg angewendet. Hlirm (Bonn).
K. Gurbski. Elephantiasis der rechten Schatnlefte.
(Oazeta lekarska 1875. 19. Juli, polnisch.)
O. operirte bei einer 70 jährigen Jüdin die elephantiastisch degenerirte Scham -
lippe, die gegen ein Pfund wog und in den letzten drei Jahren sich entwickelt
hatte. Heilung. — Obalinskl (Krakau).
B. M'Donnell« Sarcoma of the Tibia.
(The Dublin Journal of med. science 1875. August, p. 160.)
Vor 8 Monaten hatte der 21 Jahre alte Kranke, der im December vorigen
Jahres in Steeven's Hospital in Dublin aufgenommen wurde, einen Stoss ans
Bein erhalten, der ihm heftige Schmerzen verursachte. Es wurde damals eine Probe-
g32 Centralblatt für Chirurgie. No. 52.
punction gemacht, die zwar keine Ansammlung unter dem Periost ergab, trota-
dem aber ein Verschwinden der Schmerzen zur Folge hatte. Jetzt kam der junge
Mann ftusserst anämisch und schwach mit einer enorm grossen, blutenden Ge-
schwulst ins Spital. Amputation; Heilung. ging rasch Yorw&rts. Urin zeigte Eiweiss,
kein Blut; es traten ferner Schmerzen auf der linken Seite des Kückens ein;
schwere Atbmung, ohne dass Pleuritis, Pneumonie nachweisbar war; auch Blasen-
blutungen stellten sich später noch ein. Vor 14 Tagen wurde das gesunde Bein plötzlich
gelähmt, sein Gefühl bedeutend vermindert, das WärmegefOhl ging ganz verloren ;
Reflexbewegung ziemlich gut auslösbar. — Tod erfolgte bald. — Bei der Obduc-
tion fand man die Blase ulcerirt, ihre Wandung Verdickt; zwischen Blase und
Mastdarm lag ein Tumor, der aus denselben kleinen Rundzellen zusammengesetzt
war , wie die Geschwulst der Tibia ; ein gleicher Knoten fand sich in der Lunge
und im Rückenmarkscanal, durch letzteren liefen zwei sehr verdünnte Dorsalnerven.
Nieren gesund, Leistendrüsen kaum vergrössert. H« BraiUl (Heidelberg).
EUiot. Aneurysma femorale.
{Lancet 1875. Vol. II. p. 412.)
Ein schwächlicher 37jähriger Artillerist fühlte einige Tage, nachdem er schwere
Gegenstände gehoben hatte, Steifigkeit im linken Beine, besonders vom Knie bis
zur Hüfte hinauf, welche Erscheinunffen an Stärke zunahmen; schon am 2. Tage
zeigte sich in der Leistengegend eine hühnereigrosse, klopfende Geschwulst ; jetzt am
6. Tage maass dieselbe im Scarpa' sehen Dreieck gelegen 4" in der Länge und
5" in der Breite; sie reichte bis unter das Poupart'sche Band. Die einige
Stunden täglich durchgeführte' Digitalcompression und locale Anwendung von Eis
wurde nicht lange ertragen, ebenso wenig starke Flezionsstellung ; intermittirende
Compression mit Toumiquet führte auch zu keinem Ziele; unterdessen war der
aneurysmatische Tumor grösser geworden, die Haut darüber geröthet, das Geräusch
in ihm viel lauter, die Pulsation heftiger. In der Narkose wird ohne besondere
Schwierigkeit die Ligatur der Iliac. ext. gemacht; sogleich erlischt der Puls im Sacke
und in den abwärts gelegenen Gefässen; schnell treten peritonitische Erscheinun-
gen auf; die linke Extremität ist 5*^ F« kühler; am 4. Tage erfolgt der Tod.
Section : die Operationswunde oberflächlich verheilt, in der Tiefe breitet si^^b eitrige
Infiltration zwischen den Muskeln aus; von der Darmbeingrube ab ist las Perito-
neum bis zur Niere hinauf entzündet ; ebenso einige Dannabschnitte. Das Aneu-
rysma 372'' lang und breit hatte einen Umfang von 9"; sein Inhalt flüssig; die
Ligatur lag fest an der Iliaca ext. 2" über dem Anfange des Sackes; die Art. fem.
war 1 V2" vcit in die Bildung des Sackes hineingezogen und zwar bestand derselbe
nur aus der Adventitia, die Media und Intima des Gefässes waren zerrissen; die
Ven. fem. war dem Sac]^ adhärent, die art. prof. fem. war atheromatös; geringe A-
therose an der Valv. mitr. und Aorta. Pill ^Stettin).
Guy's hospital. Webbed fingers.
(Med. tim. and gaz. 1875. October 16. p. 443.)
Deformitäten an den Fingern waren bei Vater und Onkel, und bei 3 Ge
fichwistem der 16jährigen Patientin vorhanden. Bei ihr handelte es sich um Tren-
nung des vollständig durch Weichtheile verbundenen 2. und 3. Fingers linker Hand.
Die Finger wurden durch zwischengeschobene carboUsirte Gaze an der Wiederver-
einigung gehindert; es gelang die Trennung bis zur Mitte der ersten Phalanx
dauernd zu erhalten. Ranke (HaUe).
Originalmitthellungen, Monographieen und Separatabdrücke wolle
man an Dr, H. TlUmano», Leipzig, Marlenstraase No. 3, oder an die Verlagshandlung^
Breitkopf und HarUlj einsenden.
Dniek und Verlag ron Breitkopf und HSrtel>i& Leipcig.
Hierzu Titel und Begister für Jahrgang 1875.
50^4 010
♦I